Bücherschau

Zum Untergang seiner Majestät Schlachtschiff HMBS Irving

Von Germar Rudolf

D.D. Guttenplan, Der Holocaustprozess. Die Hintergründe der »Auschwitz-Lüge«, Goldmann, München 2001, 430 S. Pb., €10.-

VffG hat in der Ausgabe 1/2000 über die Verleumdungsklage des britischen Historikers David Irving gegen die US-amerikanische Religionswissenschaftlerin Deborah Lipstadt berichtet. Damals unterlag Irving, wie auch in seiner Berufungsverhandlung ein Jahr darauf. Der Ausgang des Prozesses wurde vom Establishment allgemein mit Aufatmen zur Kenntnis genommen, könne man doch nun den »prominentesten der Holocaust-Leugner, dem NS-Historiker und intellektuellen Aushängeschild des internationalen Rechtsextremismus David Irving, ungestraft« nachsagen, »er sei ein "Bewunderer Hitlers" und antisemtischer "Geschichtsfälscher"«, so Guttenplan im Vorspann auf S. 2 des besprochenen Buches. Guttenplan ist ein in London tätiger Journalist, der u.a. als freier Korrespondent der New York Times schreibt. Er hat den Irving-Prozeß von Anfang bis Ende verfolgt und mit allen wesentlichen Beteiligten Gespräche geführt. Im vorliegenden Buch stellt er zunächst die Prozeßbeteiligten vor, weist auf deren Wirken und Publikationen hin und zitiert einige der von ihnen geprägten Schlüsselsätze. Der zweite, weitaus größere Teil des Buches gibt die Argumente und sachlichen Auseinandersetzungen wieder, wie sie sich in London vor Gericht abgespielt haben. Im wesentlichen hat Guttenplan das Prozeßprotokoll in einen flüssig lesbaren Text mit vielen eingefügten Zitaten verwandelt. Seine eigenen Kommentare sind angenehm zurückhaltend. Das Buch ist daher, wenn kritisch gelesen, eine gelungene und übersichtliche Darstellung dessen, was sich im Frühjahr 2000 in London abspielte.

Allein mit der Bewertung des gesamten Prozesses mag man nicht so ganz übereinstimmen, denn Guttenplan meint, der systematische Charakter der Ermordung der europäischen Juden durch die Nazis sei erstmals und frei von allem begründeten Zweifel vor einem Gericht nachgewiesen worden. Wie bekannt, wurde dies bereits von den beiden Zündel-Prozessen in den Jahre 1985 und 1988 behauptet. Eine parallele Lektüre des von Robert Lenski veröffentlichten Werkes zum zweiten Zündel-Prozeß, Der Holocaust vor Gericht[1] ist dann auch recht enthüllend: Die 12 Jahre vor dem Irving-Prozeß in Toronto vorgebrachten Argumente für und wider den Holocaust drangen wesentlich tiefer in die Materie ein. Der Grund dafür ist, daß Irvings Kenntnisse über den Holocaust recht beschränkt sind, daß er sich teils weigerte, die ihm angebotene Hilfe von Revisionisten anzunehmen, zum Teil aber auch Revisionisten, die er um Hilfe bat, durch sein brüskes Verhalten in der Vergangenheit derart verprellt hatte, so daß diese nicht mehr bereit waren, ihm zu helfen. Ein Beispiel dafür, wie sich Irving ins eigene Fleisch schneidet, ist seine Bewertung des Institute for Historical Review:

»Einige Funktionäre dieser Organisation, die würde ich durchaus für übergeschnappte Antisemiten halten.« (S. 296f.)

Da das IHR nur sehr wenige Funktionäre hat, kann man sich denken, wen er hier meint. Der ganze Schlingerkurs Irvings zwischen freundlicher Zuwendung zum Revisionismus und polemischer Distanzierung sowie sein Hin- und Herpendeln zwischen Glauben und Nichtglauben an den Holocaust, verursacht durch seinen Mangel an Wissen und Verständnis, wird von Guttenplan ungeschminkt offengelegt. Diese intellektuelle und charakterliche Unzuverlässigkeit Irvings ist der Hintergrund, warum er in London allein gegen alle kämpfen wollte und mußte - und folglich unterging.

Der äußerst umgängliche und joviale Ernst Zündel hingegen brachte es 12 Jahre zuvor fertigt, so ziemlich jeden Revisionisten für sich zu mobilisieren. Dementsprechend ist dann auch der Zündel-Prozeß von ganz anderer Dimension und Durchschlagskraft gewesen, was wohl der Hauptgrund dafür ist, daß über diesen Prozeß keine Bücher des Establishments erschienen.

Alles in allem legt Guttenplans Buch nicht den Bankrott des Revisionismus offen, wie es fälschlich behauptet, sondern den gescheiterten Versuch David Irvings, vor Gericht den Holocaust-Revisionisten zu mimen.


Anmerkung

[1]Samisdat, Toronto 1990, zu beziehen beim Verlag Castle Hill Publishers.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 6(4) (2002), S. 479f.


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