Bücherschau

Gestapo USA

Von Germar Rudolf

William E. Winterstein, Gestapo USA. When Justice Was Blindfolded, Reed Publishers, San Francisco 2002, 261 S. geb., $25,95

Als die USA kurz nach Kriegsende im Zuge der Aktion Paperclip die deutschen Raketenwissenschaftler in die USA überführte und zunächst für fast zwei Jahren in Fort Bliss, Texas, quasi unter Arrest hielt, diente William Winterstein als Offizier der US-Armee sozusagen als Betreuter für diese kostbare deutsche Fracht. In jener Zeit wuchs eine innige Freundschaft zwischen Wernher von Braun und Winterstein, die später, während des Apollo-Mondlandeprogramms, dazu führte, daß von Braun Winterstein in sein Team nach Huntsville holte.

In seinem Buch berichtet Winterstein anfangs die ruhmreiche Geschichte dieser deutschen Wissenschaftler und Techniker, die fast im Alleingang dir weltweite Vorherrschaft der USA in der Raumfahrt begründeten.

Der Großteil des Buches widmet sich jedoch dem Skandal um Dr. Arthur Rudolph, dem Programm-Manager des Apollo-Programms. Er geriet Anfang der achtziger Jahre ins Fadenkreuz der US-Hexenjäger-Organisation Office of Special Investigation (OSI), einer 1976 von Jimmy Carter auf jüdischen Druck hin eingerichteten Sonderabteilung des US-Justizministeriums zur Aufspürung und Deportation ehemaliger angeblicher NS-Verbrecher, die in die USA eingewandert waren. Das OSI warf Dr. Rudolph vor, er habe im Zuge seiner Tätigkeit als Direktor der Produktion der V2-Raketen im Werk Mittelbau Kriegsverbrechen begangen. Zudem sei er offenbar ein überzeugter Nationalsozialist und Rassist gewesen, da er der Partei bereits 1931 beigetreten war. Die beiden letztlich mit dem Fall vertrauten jüdischen Inquisitoren Neil Sher und Eli Rosenbaum weigerten sich ab Spätsommer 1983, in direkten Kontakt mit Dr. Rudolph zu kommen und verhandelten nur über dessen Anwalt. Das OSI drohte Dr. Rudolph ganz konkret, ihn in ein langes und teures Verfahren zur Aberkennung seiner US-Staatsbürgerschaft zu verwickeln, weigerte sich aber, die angeblich gegen Dr. Rudolph vorliegenden Beweise bereits im Vorfeld offenzulegen.

Im Herbst 1983 wurde Dr. Rudolph schließlich ein Kompromiß angeboten, wonach er freiwillig seine US-Staatsbürgerschaft ablegen, die USA verlassen, seine Schuld bezüglich der Unterdrückung von Zwangsarbeitern eingestehen müsse und nie wieder in die USA zurückkehren dürfe, wofür er im Gegenzug die Zusicherung bekäme, daß seine US-Pension sowie Sozialversicherung bestehen blieben und daß seine eingebürgerte Frau und Kinder die US-Staatsbürgerschaft behalten dürften. Da Dr. Rudolph nach einer Bypass-Operation nicht bei besonders guter Gesundheit war und zudem nicht die Mittel besaß, um einen Prozeß zu führen, erklärte er schließlich, daß er diese Vereinbarung nur unter Zwang unterschreibe. Anfang 1984 schließlich verließ er die USA und kehrte als Besucher nach Deutschland zurück, wo er vereinbarungsgemäß in der US-Botschaft seine US-Staatsbürgerschaft ablegte. Dieser Vorgang löste einen diplomatischen Protest der Bundesrepublik Deutschland aus, da Dr. Rudolph inzwischen kein deutscher Staatsbürger mehr war und da der westdeutsche Staat nicht einfach die Abladestelle für unliebsame US-Bürger sein wollte. Die US-Regierung reagierte jedoch auf diese Protestnote ihres Vasallenstaates nicht.

Aufgrund der vom OSI erhobenen Vorwürfe kam es dann auch in Deutschland zu strafrechtlichen Untersuchungen gegen Dr. Rudolph, die jedoch mangels Beweisen eingestellt wurden. Ein Rechtshilfegesuch beim OSI zur Einsicht in die Beweise ergab, daß das OSI offenbar geblufft hatte. Erst nach der erzwungenen Abreise Dr. Rudolphs aus den USA fing das OSI in Zeitungsanzeigen an, nach Zeugen für dessen angebliche Missetaten zu forschen, jedoch offenbar erfolglos.

William Winterstein trat Anfang 1985 auf den Plan, als er während eines Veteranentreffens der alten Apollo-Mannschaft die traurige Geschichte Dr. Rudolphs erfuhr. Seither engagierte er sich für die Wiederherstellung der Gerechtigkeit durch die Wiedereinbürgerung Rudolphs bzw. durch dessen offizielle Rehabilitierung. Über 15 Jahre hinweg sammelte er Beweise und klagte durch alle Instanzen. Der ausführliche Bericht über diese Sisyphosschlacht, die trotz klarer Beweislage für Dr. Rudolph auf allen Ebenen erfolglos blieb, macht nachdenklich. Sogar der US-Kongreß ließ sich dazu verleiten, die OSI-Akten in Sachen Dr. Rudolph zu sperren, womit noch auf Jahre verborgen bleiben wird, mit welchen schmutzigen Methoden das OSI gearbeitet hat, um an einem der verdienstvollsten Techniker der US-Geschichte und deutschen wie amerikanischen Patrioten Rufmord zu begehen und ihm seine Bürgerrechte zu entziehen.

Ein Sahnehäubchen liefert Winterstein am Ende des Buches, wenn er die enge Kollaboration des OSI mit dem KGB unter Beweis stellt, womit geklärt ist, wes Geistes Kind das OSI ist.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 6(4) (2002), S. 482f.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis