Schwanengesänge

Von Germar Rudolf

Dr. Robert Countess scheint ein Gespür für das Schaurige zu haben. Am 11. September 2001 rief er mich wiederholt an und behauptete, irgend welche Flugzeuge seien ins World Trade Center in New York und ins Pentagon in Washington geflogen, und die WTC Hochhäuser seien anschließend eingestürzt. Ich war fest davon überzeugt, daß er mich auf den Arm nimmt. Erst bei seinem dritten Anruf erwog ich die Möglichkeit, daß sich hier wirklich etwas Dramatisches zutrug.

Am 15. März 2002 rief mich Dr. Countess wiederum mit einer Hiobs-Botschaft an: unsere gemeinsame Bekannte und revisionistische Mitstreiterin Audre Pinque sei bei einem Autounfall umgekommen (vgl. VffG, 1/2002 S. 99). Inzwischen hatte ich gelernt, daß mit Bob nicht zu scherzen ist, wenn er mir brandheiße schlechte Nachrichten überbringt.

Und so war es wieder am 10. Februar 2003. Ich war gerade bei einem Freund, der für mich Bücher einlagert, als mich Bob anrief:

»Ernst Zündel ist verhaftet worden. Angeblich soll er einen Anhörungstermin bei der Einwanderungsbehörde im Frühjahr 2001 ignoriert haben. Er und sein Anwalt geben allerdings an, nichts von einem solchen Termin zu wissen.«

Die Nachricht wirkte auf mich wie ein Schock. Wilde Spekulationen über den tatsächlichen Hintergrund dieser Verhaftung und Gerüchte darüber, daß auch meine Verhaftung nahe bevorstünde, machten in Diskussionen mit Freunden und Bekannten die Runde.

Nun werden sich womöglich einige Leser fragen, wer denn Ernst Zündel ist. Diese Frage wird vom ersten in dieser Ausgabe abgedruckten Beitrag ausführlich behandelt, beruhend auf einem noch wesentlich längeren Beitrag der Zundelsite, die in den Anfangstagen des Internets einst die größte revisionistische Website war. Ich erspare mir daher hier weitere Ausführungen über die Person Ernst Zündels.

Die Aufregung um die Verhaftung Zündels wich bald einer doppelten und doppeldeutigen Gewißheit, nämlich einerseits der traurigen Gewißheit, daß es für Ernst Zündel nun kaum mehr ein Entrinnen vor dem deutschen Kerker gibt, aber auch die beruhigende Gewißheit, daß es sich bei dieser Verhaftung nicht um Behördenwillkür handelte, sondern um die konsequente Umsetzung amerikanischen Rechts aufgrund eines fatalen Fehlers, der von Zündels Einwanderungsanwalt vor zwei Jahren begangen wurde: Er informierte Ernst Zündel nicht darüber, daß er zu einem Anhörungstermin der Einwanderungsbehörde hätte erscheinen müssen. Sein Fernbleiben bei diesem Termin sowie das zweijährige Schweigen danach führten zum unvermeidlichen Ende. Nach einem zwanzigjährigen heroischen Kampf um seine Freiheit stolperte Ernst Zündel nun also über einen dummen Nachlässigkeitsfehler seines Anwalts. Welch ein tragisches Ende. Inzwischen ist Ernst Zündel nach Kanada deportiert worden, wo er politisches Asyl beantragt hat. Doch wer hat hinsichtlich der Erfolgsaussichten Illusionen?

Das noch junge Jahr 2003 ist bisher womöglich eines der Schlimmsten für den Revisionismus. Eigentlich müßte diese ganze Ausgabe mit Berichten gefüllt sein, die dem über Ernst Zündel nicht unähnlich sind, aber aus Platzgründen erscheinen einige davon im nächsten Heft. In diesen Wochen und Monaten gehen ins Gefängnis bzw. wurden zu Freiheitsstrafen verurteilt:

1. Der 82-jährige Schweizer Revisionist Gaston Amaudruz. Er sitzt mittlerweile als "Wiederholungstäter" ein. Siehe dazu den Beitrag von Robert Faurisson in diesem Heft. Ein ähnliches Schicksal erwartet seine beiden Schweizer Kollegen Georges Brennenstuhl (drei Monate) und René-Louis Berclaz (neun Monate), deren Berufungsverhandlung noch nicht stattgefunden hat (vgl. VffG 3/2002, S. 367). Nachdem man mit dem greisen Monsieur Amaudruz derart rücksichtslos und unmenschlich umgeht, kann man sich an den Fingern einer Hand abzählen, was seine beiden Schweizer Mitrevisionisten erwartet.

2. Der 37-jährige Jean Plantin für sechs Monate, nachdem er seine Berufungsauflage, nicht mehr revisionistisch publizieren zu dürfen, wiederholt gebrochen hatte. Siehe dazu den Beitrag im vorliegenden Heft. Aus gegebenen Anlaß werde nun alle von Plantin veröffentlichten Werke Schritt für Schritt im Internet zugänglich gemacht (vho.org).

3. Der nationale Liedermacher Frank Rennicke zu 17 Monate ohne Bewährung für sein Heimatvertriebenenlied. Siehe dazu den Beitrag von Johannes Heyne im vorliegenden Heft. Damit wird mein Freund Frank wegen eines einfachen Liedes härter bestraft als ich anno 1995 wegen meines mit Remers Kommentaren versehenen Gutachtens (14 Monate).

4. Der Fürther Geschichtslehrer der Gymnasialen Oberstufe Hans-Jürgen Witzsch mußte nach der am 19.8.2002 erfolgten Ablehnung seiner Revision drei Monate ins Gefängnis. Er hatte in einem privaten Brief an Prof. Wolffsohn revisionistische Ansichten vertreten. Da Witzsch schon zuvor zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten auf Bewährung verurteilt worden war, drohen ihm nun auch noch diese vier Monate auferlegt zu werden. (Nürnberger Nachrichten, 20.8.2002; vgl. VffG 4/97, S. 300; 3/00, S. 459)

Manfred Roeder

5. Der bekannte rechte Aktivist Manfred Roeder zu 21 Monaten Haft ohne Bewährung, weil er die Zuwanderung von "Rußlandjuden" beklagte und ausführte, jeder, der gezielte Rassenvermischung betreibe, sei ein gottloser Lump, ein Teufel. Auch hatte er den damaligen Vorsitzenden des Zentralrates der Juden Ignatz Bubis als Großmaul und Gauleiter Bubis beleidigt. Der Revisionsantrag Roeders wurde vom BGH am 30.1.2003 verworfen (3 StR 428/02; vgl. VffG 3/02, S. 367).

Und das sind nur die Fälle, von denen ich erfuhr. Es kann wohl davon ausgegangen werden, daß es sich hierbei nur um die Spitze des Eisberges handelt, die nun mit Zündel als Sahnehäubchen "verziert" wurde. Es ist dies die Zeit des 60. Jahrestages von Stalingrad, und genauso kommt mir die Lage des Revisionismus vor: von unerbittlichen, vernichtungswütigen Feinden umzingelt, abgeschnürt von jedem Nachschub, und dennoch weiterkämpfend fast bis zum letzten Mann.

Die Verhaftung Zündels bringt auch für den Verlag Castle Hill Publishers Veränderungen mit sich, und zwar in erster Linie dadurch, daß nun Mittel, die ansonsten für sachbezogene Projekte investiert worden wären, zur Finanzierung eines hoffentlich nicht ganz aussichtslosen Kampfes abfließen. □


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 7(1) (2003), S.2 .


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