Am Rande des Dritten Weltkriegs

Warum die USA Krieg führen müssen, ihn aber nicht führen können, wie sie es müßten

Von Germar Rudolf

Der Grund für die meisten Kriege sind massive wirtschaftliche Spannungen zwischen konkurrierenden Nationen oder große wirtschaftliche Krisen einer einzelnen Nation, die diese mittels Gewalt nach außen zu lösen sucht. Schließlich muß ein Krieg ja finanziert werden, und ohne Unterstützung der Wirtschaftswelt und großer Banken würde kein größerer Krieg geführt werden. Es muß daher zumindest die Aussicht auf große finanzielle Gewinne gegeben sein, damit die Hochfinanz einen solchen Krieg unterstützt. Es gab sicher viele Gründe für den Krieg der Vereinigten Staaten gegen den Irak, aber diejenigen, die von der US-Regierung angegeben wurden - humanitäre Hilfe für das irakische Volk und die Zerstörung phantomhafter Massenvernichtungswaffen - können ohne weiteres verworfen werden, da solche Gründe die Geldbörsen der Wallstreet nicht öffnen würden. Welche wirtschaftlichen Gründe sind es also, die die USA dazu verleiten, eine ganze Region zu destabilisieren und uns alle an den Rand eines weltweiten Konflikts zu bringen? Der nachfolgende Beitrag wird darlegen, was die treibende Kraft hinter diesem verzweifelten, aber aussichtslosen Versuch der US-Regierung ist, die Welt zu zwingen, ihren Wirtschaftsraum als den zentralen Marktplatz und ihre Währung als die einzige von Weltgeltung anzuerkennen; nichts weniger als der drohenden Kollaps des Dollars und die sich daran anschließende Gefahr des Zusammenbruchs der Vereinigten Staaten als letzter Supermacht.


1. Die US-Wirtschaft näher betrachtet

Faktoren wie Inflation, Wachstum des Bruttosozialprodukts, Arbeitslosenrate, Zinssätze u.ä., die alle verschiedenen Einflüssen unterworfen sind, werde ich hier nicht behandeln, da sie nicht wirklich etwas über den Zustand der Wirtschaft eines Landes aussagen, es sei denn, es kommt dort zu extremen Werten. Was im Zusammenhang dieses Beitrags allerdings wichtig ist, sind die folgenden Faktoren:

  1. öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt
  2. private Verschuldung und Ersparnisse
  3. Außenhandelsbilanz über einen längeren Zeitraum

1.1. Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt

Grafik 1 zeigt die Entwicklung der Verschuldung der öffentlichen Hand in den USA, Grafik 2 zeigt die inflationskorrigierten Werte. Grafik 3 gibt das Bruttosozialprodukt zwischen 1940 und 2002 an, inflationskorrigiert auf den Wert des Dollars im Jahr 1996.

Grafik 1: Öffentliche Verschuldung der USA[1]

Grafik 2: Reale Öffentliche Verschuldung der USA

(inflationsbereinigt; 1990=100%)

Demzufolge lag die Verschuldung der öffentlichen Hand in den Vereinigten Staaten im Jahr 2002 bei 60 Prozent des Bruttosozialprodukts. Geschichtlich gesehen war die Situation am Ende des Zweiten Weltkrieges wesentlich schlimmer, als die Verschuldung der öffentlichen Hand ungefähr dem Bruttosozialprodukt entsprach, aber in der Zeit des Wirtschaftsbooms danach fiel dieses Verhältnis bis zum Jahr 1981 auf ein Minimum von nur 30 Prozent. Was sich daran anschloß, ist als "Reagonomics" bekanntgeworden: das Ausgeben gigantischer Mengen Geldes, das von der Federal Reserve Bank geliehen wurde, was nichts anderes heißt, als daß es aus dem Nichts geschaffen wurde. Diese Entwicklung wurde unter Clinton gebremst, erlangte aber seit 2002 erneuten Schwung unter Bush jr.

1.2. private Verschuldung und Ersparnisse

Es ist weithin bekannt, daß die Amerikaner auf Pump und Kredit leben. Dies spiegelt sich ebenfalls in den nationalen Statistiken über private Verschuldung und Ersparnisse wider. Bis zum Jahr 2000 stiegen die privaten Ersparnisse und Investitionen konstant auf einen Maximalwert von 1,8 Billionen Dollar an. Seit 1998 sind allerdings die privaten Ersparnisse deutlich langsamer gewachsen als das Bruttosozialprodukt, und seit dem Jahr 2000 sind sie tatsächlich gesunken und erreichten im Jahr 2002 ein Minimum von 1,55 Billionen Dollar mit weiter sinkender Tendenz. Grafik vier zeigt die Entwicklung der privaten Ersparnisse in Prozent des Bruttosozialprodukts. Bis zum Jahr 1998 sind diese Ersparnisse über Jahrzehnte lang fast stetig angewachsen, aber seither geben der durchschnittliche US-Haushalt sowie das durchschnittliche Unternehmen mehr aus, als sie sparen. Einem ähnlichen Trend unterliegt die private Verschuldung. Im Jahr 2001 hatte das durchschnittliche US-Unternehmen Schulden in einer Höhe, die 6,25 mal höher waren als sein jährlicher Gewinn. Insgesamt ist das Verhältnis zwischen Verschuldung und verfügbarem Jahreseinkommen stetig angestiegen, und zwar von 80 Prozent im Jahr 1956 auf über 170 Prozent im Jahr 2001, mit einem scharfen Anstieg des Verhältnisses seit 1998, siehe Grafik 5.

Grafik 3: Reales Bruttosozialprodukt der USA

(inflationsbereinigt, 1996=100%)[2]

Grafik 4: Private Rücklagen in % des BSP der USA[3]

Graph 5: Verhältnis von privater Schulden zu verfügbarem Einkommen[3]

In absoluten Zahlen sind die privaten Schulden in den Vereinigten Staaten heute doppelt so hoch wie das Bruttosozialprodukt (ca. 20 Billionen Dollar), verglichen mit privaten Ersparnisse von lediglich 1,55 Billionen Dollar.[4] Etwa 80 Prozent dieser Schulden sind durch Immobilien gesichert, aber die Verbraucherschulden belaufen sich auf ungefähr 2 Billionen Dollar.

1.3. Aussenhandelsbilanz

Verschuldet zu sein, ist nicht unbedingt eine schlechte Sache. Es kommt darauf an, wem man etwas schuldet, und ob man in der Lage ist, die Schulden zurückzuzahlen. Ein Blick in die Außenhandelsbilanz der USA zeigt allerdings, daß man es hier nicht lediglich mit einer Inlandsverschuldung zu tun hat, sondern daß die Amerikaner Ausländern schulden. Grafik 6 gibt die akkumulierte Außenhandelsbilanz der USA seit 1940 wieder. 1983 war das erste Jahr mit einem massiven Außenhandelsdefizit (32 Milliarden Dollar) und zugleich das Jahr, in dem die Verschuldung der öffentlichen Hand das erste Mal seit 1945 merklich anstieg. In den Jahren danach ist das US-Handelsdefizit immer weiter dramatisch angestiegen. Heute schulden die Vereinigten Staaten anderen Nationen bzw. Ausländern fast 3 Billionen Dollar oder 30 Prozent ihres Bruttosozialprodukts.

1.4. Die Folgen

Jedes Unternehmen, das derartige Zahlen aufweisen würde, wäre schon längst bankrott. Aber die Vereinigten Staaten von Amerika funktionieren immer noch. Der Grund dafür ist, daß die Welt immer noch Vertrauen in den Dollar hat. Der größte Teil des Geldes, das als Folge des US-Handelsdefizits ins Ausland abfließt, kommt wieder zurück, indem Ausländer ihre Gewinne in US-Regierungsanleihen investieren, das heißt also, indem sie die öffentliche Verschuldung der USA finanzieren. Dies schließt die Löcher in der US-Wirtschaft. Dies funktioniert natürlich nur so lange, wie die Welt ihr Vertrauen in den US-Dollar nicht verliert und es keine Alternative gibt.

2. Der Euro, eine Alternative zum US-Dollar?

2.1. Wechselkurs zum Dollar

Im Jahr 1999 wurde die europäische Währung in zwölf europäischen Ländern eingeführt. Da die an dieser neuen Währung teilnehmenden Länder wirtschaftlich und politisch sehr heterogen sind, wurde angenommen, daß diese neue Währung nicht sehr erfolgreich sein, sondern stetig an Wert gegenüber dem Dollar verlieren würde. Dies war anfangs auch richtig. Der Euro erreichte seinen Tiefststand gegen Ende 2000 (€1.20 für einen Dollar). Dann jedoch geschah etwas Entscheidendes, das diesen Trend umkehrte (sie weiter unten) und der Euro begannen einen steilen Anstieg mit einem zwischenzeitlichen Höchstwert von 84 €-Cent für einen Dollar am 30. Mai 2003, siehe Grafik 7.[5]

2.2. Europas Wirtschaft im Vergleich zur US-Wirtschaft

Bezüglich Arbeitslosigkeit, Wachstum und öffentlicher Verschuldung ist Europas Wirtschaft sicherlich nicht in einer besseren Verfassung als die US-Wirtschaft. Während die öffentliche Verschuldung in den USA 60 Prozent des Bruttosozialprodukts beträgt, beträgt sie in den europäischen Ländern im Schnitt 70 Prozent.[6] Aber Europa hat zwei Vorteile: es hat gewöhnlich einen Außenhandelsüberschuß - im Jahr 2001 etwa 25 Milliarden Dollar[5] - und private Verschuldung und Ersparnisse sind ausgeglichen.[7] Im Ergebnis Schulden andere Nationen den Europäern ungefähr eine Billion Dollar.[8]

Wert für 2003 extrapoliert aus Defizit vom 1. Quartal 2003

Grafik 6: Akkumulierte Handelsbilanz der USA[2]

Grafik 7: Wechselkurs des Euro zum Dollar[9]

Besonders interessant ist ein Blick in die Wirtschaft des ökonomischen Motors Europas, Deutschland. Obwohl Deutschland unter den gleichen Problemen leidet wie fast alle europäischen Staaten - hohe Arbeitslosenrate, hohe öffentliche Verschuldung, geringes Wachstum - ist es doch immer noch die weltweit zweitgrößte Exportnation nach den USA mit dem weltweit größten Außenhandelsüberschuß mit erstaunlichen 126.3 Milliarden Euro im Jahr 2002, ein Anstieg von 45% gegenüber dem Vorjahr (87.1. Mrd. Euro). Deutschland verzeichnete in den zwei Jahrzehnten zuvor einen im wesentlichen konstanten Überschuß von 50 bis 70 Mrd. Euro pro Jahr.[10] Es kann daher nicht überraschen, daß die privaten Ersparnisse der Deutschen sehr hoch sind.

2.3. Japan ist kein Rivale mehr

Zwischen 1991 und 2001 stieg Japans öffentliche Verschuldung von 61% auf 131% des Bruttosozialprodukts an, was der höchste Prozentsatz aller entwickelten Länder ist, und die Quote steigt steil an.[11] Die private Verschuldung ist ungefähr viermal so hoch wie das BSP, ca. dreimal so hoch wie in den USA. Dieses Verhältnis verschlimmert sich in Japan von Monat zu Monat durch eine Deflation von jährlich 4% (gemessen in Verbraucherpreisen), was die größte Wirtschaftsschrumpfung weltweit ist. Hintergrund dieser Deflation ist die gigantische Überkapazität der japanischen Industrie.

Die große Wirtschaftskrise in den USA der dreißiger Jahre wurde durch eine Deflation angeheizt, und diese neue, von Japan ausgehende Deflation kann sich ebenso ausbreiten. Ende April 2003 hörte ich zufällig einen Werbespot eines Mitsubishi-Händlers in den USA, der seine Autos mit folgendem Slogan anbot:

»Kauf einen Mitsubishi, und wir zahlen Ihnen ein Jahr lang 50 Dollar jeden Monat!«

Die Japaner geben also dem Käufer Geld, damit er ihre Autos kauft!

Was wäre, wenn Japan den Yen von gegenwärtig 117 Yen pro Dollar auf 140 oder 150 Yen pro Dollar abwerten würde? Die Mitsubishis würden dann für US-Kunden noch billiger.

Japan hat zwar eine inländische Verschuldungsbombe, das Land ist jedoch zugleich auch der weltweit größte Gläubiger, was bedeutet, daß die Japaner viele ihrer Ersparnisse im Ausland angelegt haben, ein Ergebnis des jahrzehntelangen gigantischen Außenhandelsüberschusses. Wenn nun die japanischen Banken unter Druck geraten, diese ausländischen Investitionen abzuziehen, weil die Japaner sich entschieden haben, ihre Schulden Zuhause zurückzuzahlen, so käme es zu einem massiven Abfluß von Kapital aus Amerika und anderen Industriestaaten mit den Folgen für die Welt, wie sie Deutschland zwischen 1929 und 1933 erlebte.[12]

Mit anderen Worten: nach der ostasiatischen Wirtschaftskrise Ende der 90er Jahre steht Japan am Rande eines Wirtschaftszusammenbruches, der vergleichbar wäre mit dem der USA am berüchtigten Schwarzen Freitag der USA im Jahr 1929. Was die japanische Wirtschaft noch zusammenhält, ist die schiere Angst vor den Konsequenzen und die Hoffnung, daß sich die Weltwirtschaft früher oder später wieder erholen wird, wodurch Japans Überkapazität wieder in Dienst gestellt werden könnte.

3. Der Euro, der perfekte Kriegsgrund

3.1. Reaktionen auf den Euro

Was würde es für die US-Wirtschaft bedeuten, wenn der Euro als gleichberechtigte Währung neben dem US Dollar anerkannt würde?

In dem jüngst veröffentlichten Buch Behind the Invasion of Iraq (Hintergrund der Irak-Invasion) haben indische Wirtschaftswissenschaftler die Lage eingehend analysiert, in der sich die USA wiederfinden. Ich zitiere:[13]

»In den siebziger Jahren gab es keine Alternative zum Dollar. Am 1. Januar 1999 erwuchs jedoch eine Alternative mit dem Euro, der neuen Währung der Europäischen Union. Selbstverständlich zog es die Investoren nicht gleich zum Euro. Tatsächlich stotterte der Euro bei seiner Geburt und verlor bis Ende 2000 30% seines Wertes gegenüber dem Dollar. Im letzten Jahr jedoch hat der Euro stark aufgeholt und zog in den letzten Monaten mit dem Dollar gleich (d.h. etwa ein Euro für den Dollar).

Aus drei Gründen ist der Euro eine Alternative zum Dollar.

Erstens ist die Europäische Union als die größte imperialistische Wirtschaft von ungefähr der gleichen Größe wie die USA ein attraktiver Standort für ausländische Investoren.

Zweitens wünschen ausländische Investoren, die zur Zeit die meisten ihrer Anlagen in US-Dollar gebunden haben, ihre Anlagen zu diversifizieren, um das Risiko von Verlusten bei einem Wertverfall des Dollars zu vermindern: Angesichts des US-Schuldenberges und des Versagens der US-Regierung, dieses Problem zu lösen, werden sie zusehends nervös.

Drittens spüren bestimmte Länder, die unter der militärischen Dominanz der USA leiden, daß der Dollar nun angreifbar geworden ist. Sie sehen eine Umstellung auf den Euro als eine Methode an, es den Amerikanern heimzuzahlen.

Sogar als der Euro Ende 2000 30% an Wert gegenüber dem Dollar verloren hatte, schreckte dies den Irak nicht davon ab, die UNO um Erlaubnis zu bitten, seine Ölexporte im Rahmen des Öl-für-Nahrungsmittel-Programms nicht in Dollar, sondern in Euro angerechnet zu bekommen. Dies trotz der Tatsache, daß der Währungsmarkt den Euro damals nicht auf dem Weg der Besserung sah, und trotz der Tatsache, daß der Irak bis zu 10 Cents pro Faß Erdöl verlieren würde, um Käufer für Wechselgebühren zu entschädigen. Der Irak ersuchte auch darum, seine gesperrten Guthaben in New Yorker Banken in Höhe von 10 Milliarden Dollar in Euro umzutauschen. Auf Druck der USA weigerte sich die UNO, diesen Bitten nachzugeben, bis Irak damit drohte, seine Erdölexporte einzustellen.[14]

Iran, der wie Irak und Nord-Korea von den USA als Mitglied der "Achse der Bösen" bezeichnet wurde, überlegt ebenfalls, auf den Euro umzusteigen. Die Nationale Iranische Ölgesellschaft hieß die Schaffung des Euros 1998 willkommen mit der Bemerkung: "Diese Währung wird uns von der Herrschaft des Dollars befreien", und "wir werden die Währung akzeptieren". Die nationale Ölgesellschaft sowie andere größere iranische Unternehmen äußerten sich deutlich gegenüber europäischen und lateinamerikanischen Kunden, daß sie "den Euro vorziehen" würden. Obwohl der Iran danach zwar weiterhin den Dollar als Zahlungsmittel benutzte, gibt es Anzeichen, daß er dem Beispiel Iraks folgen könnte. So war der iranische Regierungshaushalt des Haushaltsjahres bis zum März 2002 zwar in Dollar angegeben, im Dezember 2001 äußerte sich allerdings ein Beamter des Ölministeriums, daß sich dies "in Zukunft ändern könnte." Die Iran News vom 29.12.2001 riefen denn auch sowohl für den Ölhandel als auch für den übrigen Handelsverkehr zur Umstellung auf den Euro auf:[15]

"Der Euro könnte die Währung der Wahl werden, wenn er gegenüber dem Dollar stärker wird. Seither ist der Euro um 14 Prozent gegenüber dem Dollar angestiegen."

In Saudi-Arabien sind Stimmen laut geworden, die für eine Umstellung auf den Euro plädieren als "eine effektivere Bestrafung [effektiver als ein Ölembargo] der Vereinigten Staaten, Israels Hauptquelle für finanzielle und politische Unterstützung."[16]

Während des europäisch-russischen Gipfeltreffens im Mai 2001 vernahm man folgendes:[17]

"Die EU-Führer [...] machten einen gewagten Vorstoß, um Rußland davon abzubringen, sich auf den Dollar zu verlassen, indem sie Moskau aufriefen, für seine Exporte nun auch den Euro anstatt des Dollars zu akzeptieren. Als Lockmittel stellten sie wachsende Investitionen und boomenden Handel in Aussicht.

In einem der Zentralbank Rußlands angeforderten Bericht der Russischen Akademie der Wissenschaften vom Juli 1999 heißt es: ‚Die Einführung des Euros hat direkte Auswirkungen auf die strategischen Interessen Rußlands und verändert die Bedingungen für seine Integration in die Weltwirtschaft. Die Auswirkungen sind in finanzieller Hinsicht vorteilhaft für unser Land.' Olga Butorina von der Akademie der Wissenschaften sagte, daß zwar 33 Prozent des Außenhandels mit EU-Staaten abgewickelt werden, verglichen mit 8% mit den USA, daß aber 80 Prozent aller Außenhandelsverträge - hauptsächlich für Öl, Erdgas und andere Handelsgüter - in Dollar abgeschlossen werden.... ‚[Eine Umstellung auf den Euro] würde die Nachfrage nach Euros weltweit dramatisch steigern,' führte sie aus. ‚Dies wäre sicherlich ein wichtiger strategischer Wandel, und der Euro würde anfangen, mit dem Dollar auf dem internationalen Handelsmarkt zu konkurrieren.'"

Ein weiterer wahrscheinlicher Kandidat zur Umstellung auf den Euro ist Venezuela, dessen Präsidenten Hugo Chavez die USA im letzten Jahr zu stürzen versuchten (vergeblich, zumindest bis zur Drucklegung). Es wären zwar nicht nur die erdölproduzierenden Länder, die auf den Euro umstellen würden (so hörte man zum Beispiel von Nord-Korea, es würde seine Währungsreserven auf Euro umstellen); aber die Entscheidung wichtiger erdölexportierender Länder, den Euro als Zahlungsmittel zu akzeptieren, hätte tatsächlich eine große, womöglich vernichtende Auswirkung auf den Dollar.

Je mehr Länder auf den Euro umstellen, um so attraktiver wird der Euro.« Ende des Zitats.

3.2. Die Auswirkung auf den Dollar

Was würde konkret passieren, wenn der Euro zu einem gleichwertigen Konkurrenten des US-Dollars würde? Die Antwort darauf erscheint recht einfach zu sein: Nach der Beendigung des Kalten Krieges haben sich die USA mit ihrer imperialistischen Politik viele Feinde auf der ganzen Welt gemacht. Die Entwicklung des Euro zum gleichwertigen Konkurrenten hätte wahrscheinlich eine massive Verschiebung der weltweiten Geldreserven zum Euro hin zur Folge. Das würde bedeuten, daß das US-Außenhandelsdefizit und die öffentlichen Schulden der USA nicht mehr durch zurückfließende ausländische Investitionen gedeckt würden und daß viele ältere Investitionen aus den USA abgezogen würden. Die Auswirkung eines Erfolgs des Euros wäre mithin nichts anderes als der totale Zusammenbruch der US-Volkswirtschaft und somit des US-Imperialismus, der Hegemonie des USA, und, ja, deren zumindest zeitweiliger Niedergang als Supermacht.

Eine Zusammenbruch der US-Volkswirtschaft hätte allerdings auch vernichtende Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft, würde also zu einer weltweiten Wirtschaftskrise führen, im Vergleich zu der jene, die im Jahr 1929 anfing, wie ein Kinderspiel aussehen könnte. Es ist ja nicht nur die US-Volkswirtschaft, die auf Sand gebaut ist. Sie mag das schwächste Glied in der Kette sein, aber die meisten anderen Industrienationen befinden sich auch in erheblichen Schwierigkeiten, hervorgerufen durch massive Produktionsüberkapazitäten und riesige öffentliche bzw. private Schulden.

Ein Weg aus einem explodierenden Außenhandelsdefizit wäre normalerweise die Abwertung der Landeswährung, um Importe teurer und Exporte billiger zu machen. Durch solch einen Schritt würde der Dollar international aber noch stärker an Attraktivität für ausländische Investoren verlieren, und dies würde den Wert des Euro noch weiter in die Höhe treiben. Um die Investoren in Amerika zu halten, müßten die Zinssätze angehoben werden; dies würde jedoch die Inlandsnachfrage erdrosseln, die bereits jetzt gefährlich niedrig ist. Die USA befinden sich also in einer Zwickmühle.

3.3. Den Dollar mit Erdöl stützen

Auch wenn die USA große Mengen Erdöl importieren, so sind sie dennoch dank ihrer eigenen natülichen Erdölvorkommen weit weniger von diesen Importen abhängig als andere Industrienationen in Europa und Asien. Die Fähigkeit der USA, Preise und Verteilung der arabischen Erdölreserven dadurch zu kontrollieren, daß sie die Welt weiterhin zwingen, ihre Währung zur Zahlung zu verwenden, und indem sie diesen Teil der Welt politisch und militärisch kontrollieren, würde nicht nur den Dollar stabilisieren, sondern zudem die anderen konkurrierenden Industrienationen von der Gnade der USA abhängig machen. Würde dagegen der Euro als Währung im Erdölhandel akzeptiert werden, so bedeutete dies mit Bestimmtheit allgemeine wirtschaftliche Schwierigkeiten für die USA. Da die erdölexportierenden Länder zugleich auch jene sind, die sich für die Akzeptanz des Euros einsetzen - wobei der Irak das erste Land war, das dies auch umsetzte - ist der Versuch folgerichtig, diese Länder um jeden Preis dazu zu bewegen, den Dollar als Zahlungsmittel beizubehalten. Es steht für die USA nicht weniger auf dem Spiel als ihre politische, wirtschaftliche und militärische Vormachtstellung. Angesichts der feindseligen Einstellung der erdölexportierenden Länder gegenüber den USA und angesichts des Scheiterns aller "friedlichen" Überzeugungsversuche ist aber militärische Gewalt die einzig verbliebene Möglichkeit der USA, den Erdölmarkt mit ihrer Währung zu kontrollieren.

Militärische Gewalt jedoch wird die Feindschaft der Welt gegenüber den USA noch vertiefen und damit auch die Bereitschaft, auf den Euro umzustellen. Jeder weitere Krieg wird zudem die wirtschaftlichen Probleme der USA durch ein Anwachsen der Verschuldung der öffentlichen Hand weiter verschärfen. Militärische Gewalt wird daher vielleicht den Niedergang der US-Wirtschaft verzögern können, aber verhindert werden kann die aufkommende Krise damit nicht.

4. Andere Kriegsgründe - wirkliche und vorgegaukelte

4.1. Religiöser Fundamentalismus

In dieser Situation spielt Israel eine wichtige strategische Rolle im Nahen Osten als ein Land, das mit einem riesigen Arsenal an konventionellen und Massenvernichtungswaffen ausgerüstet ist und auch bereit ist, dieses anzuwenden. Israel wird daher als ein Werkzeug zur Unterjochung des Nahen Osten dienen - ohne freilich auf seine eigenen imperialistischen und expansionistischen Ziele zu verzichten.

Andererseits ist den Juden in Israel und den Zionisten auf der ganzen Welt durchaus bewußt, daß ein wirtschaftlicher Zusammenbruch der USA auf lange Sicht das Ende des Staates Israel bedeuten würde. Israel ist daher mehr als willig, den USA bei ihrer imperialistischen Eroberungspolitik gegenüber jedem erdölexportierenden Land im Nahen Osten zur Seite zu stehen.

Es sollte daher eigentlich niemanden überraschen, daß viele der Persönlichkeiten in Bush's Regierung und in den US-Medien, die sich für den Krieg einsetzten, zionistische Juden sind, die oft beschönigend als "Neo-Konservative" bezeichnet werden, was erst kürzlich wieder von US-Persönlichkeiten wie etwa Chalmers Johnson,[18] Jason Vest,[19] Pat Buchanan,[20] dem pro-zionistischen demokratischen US-Abgeordneten James Moran[21] und von Vertretern wichtiger US-Organisationen dargelegt wurde.[22] Als Folge seiner angeblich antisemitischen, tatsächlich aber gänzlich harmlosen Bemerkung wurde J. Moran nun nahegelegt, bei den nächsten Wahlen nicht wieder zu kandidieren[23] - ein bezeichnendes Indiz ist für die tatsächliche Macht der amerikanischen jüdischen Lobby.[24] Ironischerweise gab die israelische Tageszeitung Haaretz kurz nach Morans Bemerkung offen zu, daß seine Ansicht durchaus zutrifft:[25]

»Der Krieg im Irak ist von 25 neokonservativen, zumeist jüdischen Intellektuellen ausgeheckt worden,[[26]] die Präsident Bush unter Druck setzen, den Gang der Geschichte zu ändern.«

Es sollte aber auch erwähnt werden, daß einige der vehementesten Kritiker dieses Krieges ebenfalls Juden sind: so etwa Noam Chomsky[27] und Gore Vidal.[28]

Die Kriegshysterie wird auch mitgetragen von einer Form des christlichen Fundamentalismus in den USA. Der Süden des Landes, der sogenannte "Bibelgürtel", wird stark geprägt durch strenggläubige Sekten wie die Südlichen Baptisten und die Pfingstbewegung. Ein erheblicher Teil der Republikanischen Partei der USA steht unter dem starken Einfluß dieser Konfessionen. George W. Bush und Generalbundesanwalt John Ashcroft sind bekannt als aktive, bekennende Mitglieder dieser Gruppen. Juden und Zionisten maßen sich ein "historisches Recht", ihr "Heiliges Land" mit allen Mitteln kreuzzugartig zu erobern, zu besiedeln und nach Belieben auszuweiten. Gegenüber dem Islam nehmen sie eine entschieden feindliche Einstellung ein als ein radikal zu bekämpfenden Übel. Viele fundamentalistische Christen unterstützen die zionistische Rechtsanmaßung und scheuen nicht davor zurück, im Nahen Osten einen größeren Konflikt zu riskieren. Die jüdische "Lebensraumpolitik" sehen diese Christen lediglich als Erfüllung einer biblischen Prophezeiung an bezüglich der Schlacht von Armageddon und der zweiten Wiederkehr Christi.

Sicherlich leistet auch der islamische Fundamentalismus einen Beitrag zu den gegenwärtigen Spannungen, und nicht alle gegen die arabischen Länder erhobenen Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen sind unbegründet und übertrieben. Immerhin war aber der Irak das säkularste aller arabischen Länder. Es muß daher als ausgesprochen unwahrscheinlich gelten, daß der Irak jemals eine Politik der Unterstützung muslimischer Extremisten verfolgte. Beweise für eine solche Beschuldigung liegen keineswegs vor.

4.2. Massenvernichtungswaffen

Im August 1945 warfen US-Bomber Atombomben auf zwei japanische Städte. Während des Vietnam-Krieges warfen US-Flugzeuge Tausende Tonnen des giftigen, krebserregenden Kampfstoffes "Agent Orange" über Tausenden von Quadratkilometern des Gegners im nichterklärten Krieg ab. Im Angesicht des "ewigen Krieges gegen den Terror", erklärte die US-Regierung, sie behalte sich vor, taktische Atomwaffen auch gegen Länder einzusetzen, die selbst solche Waffen nicht besitzen.

Es besteht kein Zweifel daran, daß der Irak einst im Besitz von Massenvernichtungswaffen war und sie im Krieg gegen den Iran auch anwendete. Diese Waffen bzw. deren Zulieferteile und Technologien hatte das Land im wesentlichen von den USA und deren Verbündeten bezogen. Unmittelbar vor dem Überfall auf den Irak war an Spekulationen und falschen Anschuldigungen darüber kein Mangel, ob der Irak zu jener Zeit noch derartige Waffen besitze. Die erstaunlichsten Enthüllungen über die Manipulationen und Lügen der US-Regierung in dieser Hinsicht wurden Anfang 2003 von dem politischen US-TV-Magazin Active Opposition vorgelegt, das von einem linken Oppositionssender World Link TV ausgestrahlt wurde. Darin wurde der Mythos von den irakischen Massenvernichtungswaffen nach Strich und Faden zerlegt.[29] Tatsache ist, daß der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon am ersten Tage des Krieges erklärte, es gäbe für sein Land keinerlei Gefahr, da der Irak nicht die Fähigkeit habe, Israel anzugreifen, wie der US-Nachrichtensender CNN berichtete. Wie erwartet, sind dann auch nach der völligen Besetzung Iraks keinerlei Spuren von Massenvernichtungswaffen gefunden worden. Das oft als einer der Hauptgründe für den Krieg vorgeschobene Thema fiel schlicht unter den Tisch.

Der US-Abgeordnete James Moran während seiner kritisierten Rede über die jüdische Rolle, die USA in den Krieg gegen den Irak hineinzutreiben.

Es besteht andererseits kein Zweifel daran, daß andere Länder Massenvernichtungswaffen besitzen, wie die USA selbst, Israel, China, Nord-Korea, Iran, Ägypten, Pakistan, Indien usw.

Sollte die Menge der angehäuften Massenvernichtungswaffen, die Geschichte ihrer Anwendung bzw. ihres Mißbrauchs oder der erklärte Wille ihrer zukünftigen Anwendung ein Argument für einen Angriffskrieg darstellen, so müßten die USA das erste Land sein, gegen das ein Krieg erklärt werden müßte. Damit soll nicht angedeutet, ein Krieg gegen die USA sei gutzuheißen. Das Argument der Herstellung, des Mißbrauchs und des erklärten Anwendungswillens solcher Waffen wendet sich jedoch gegen die USA selbst. Die US-Regierung sollte sich daher hüten, derartige Argumente zur Rechtfertigung ihrer Kriege anzuführen.

4.3. Humanitäre Gründe

Die bis zum Kriegsende im Irak herrschende Baath-Partei kam dort 1963 durch einen Putsch an die Macht, der massiv von den USA unterstützt worden war. Die USA waren es auch, die Hussein nach der iranischen islamisch-fundamentalistischen Revolution von 1979 in den Krieg gegen den Iran trieben. Es ist allgemein bekannt, daß die USA wiederholt Diktaturen auf der ganzen Welt unterstützt oder gar durch den Sturz demokratischer Regierungen installiert haben. Zudem gibt es eine schier endlose Anzahl nichtdemokratischer Gesellschaften auf dieser Erde, angefangen von allen arabischen Ländern, die von den USA unterstützt werden (wie Kuwait, Saudi-Arabien, Algerien, Ägypten, Jordanien...).

Außerdem ist die humanitäre Krise des Irak hauptsächlich ein Ergebnis der gegen dieses Land seit 1990 verhängten Sanktionen, die nach Ansicht der meisten Nationen ungerechtfertigt harsch waren. So erlaubten diese Sanktionen noch nicht einmal die Lieferung einfacher Chemikalien (Chlor) zur Behandlung von Iraks Wasser, so daß es hätte trinkbar gemacht werden können. Trotz des Protestes von Vertretern der UNO wurden diese Sanktionen aber aufrechterhalten, hauptsächlich auf Druck der US-Regierung und Englands. Der sich hinter der US-Politik gegenüber dem Irak verbergende widerliche Zynismus wurde 1996 mehr als offensichtlich, als sich die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright dahingehend äußerte, daß die US-Sanktionspolitik durchaus den bis 1996 verursachten Tod von 500.000 unschuldigen irakischen Kindern wert sei.[30] Die Sanktionen haben die Sterberate künstlich erhöht und bis Anfang 2003 sind dadurch etwa 2.000.000 Irakis als Folge der durch die Sanktionen künstlich erhöhten Sterberaten umgekommen, die Hälfte davon Kinder, was nach Ansicht von Denis Halliday, dem UN-Koordinator für humanitäre Hilfe im Irak, nichts anderes ist als Völkermord.[31]

Natürlich ist die Bekämpfung eines Diktators, der sein eigenes Volk unterdrückt, durchaus legitim. Aber wer erinnert sich noch an die Lügen, die anläßlich des ersten US-Krieges gegen den Irak erfunden wurden, denen zufolge irakische Soldaten Babys aus Brutkästen gerissen und getötet haben sollen?[32] Die ganze Geschichte war frei erfunden worden, spielte aber eine wichtige Rolle, um den UN-Sicherheitsrat davon zu überzeugen, für einen Krieg zu stimmen. Und wer erinnert sich noch an die grotesk übertriebene Geschichte, der zufolge Husseins Armee Hunderttausende unschuldiger Kurden im Norden des Landes ermordet haben soll? Diese Geschichte wird noch heute mit großer Wirkung, aber ebenso großem Mangel an Beweisen wiederholt.[33] Es soll hier auch daran erinnert werden, daß die den Serben vor und während des Kosovo-Krieges vorgeworfenen angeblichen Massaker an den Kosovo-Albanern massiv übertrieben worden waren, wie sich nachher herausstellte.

Die Wahrheit ist das erste Opfer des Krieges. Das war schon immer so, und diese Weisheit ändert sich auch dann nicht, wenn die USA einen angeblich gerechten Krieg führen. Wir können uns daher womöglich auf einige Überraschungen gefaßt machen, was die jüngsten Behauptungen bezüglich Menschenrechtsverletzungen des Irak betrifft.

Dadurch wird Saddam Hussein freilich nicht zu einem Engel. Aber sollte man dann nicht auch die gegen die einheimische Bevölkerung gerichteten Verbrechen anderer Regierungen betrachten wie etwa Israels gegenwärtige ethnische Säuberung in seinen besetzten Gebieten, sprich, den Völkermord an den Palästinensern? Oder sollte man nicht fragen, warum sich die USA überhaupt nicht rühren, wenn sich afrikanische Negerstämme gegenseitig zu Hunderttausenden massakrieren? Oder man betrachte nur Algerien, wo die mit Hilfe der USA installierte Militärdiktatur einen brutalen Bürgerkrieg gegen die eigene Bevölkerung führt mit bis zu Hunderten von Toten täglich. Und sollten wir uns nicht auch an Pinochet erinnern, um nur einen der vielen grausamen Diktatoren zu erwähnen, die über Jahrzehnte mit US-Hilfe an die Macht gelangt und an der Macht gehalten wurden?

Die Wahrheit ist, daß sich die US-Regierung nur dann für menschenrechtliche Aspekte interessiert, wenn diese in ihr außenpolitisches Konzept passen. Dann werden sie hervorgehoben, übertrieben oder gar frei erfunden und als Argumente zur Überzeugung der naiven Öffentlichkeit benutzt, die nur allzu gerne bereit ist, humanitäre Gründe als Rechtfertigung eines Massenmordes des Namens "Krieg" zu akzeptieren. Aber der mit Hilfe von "Corporate America" und der Hochfinanz finanzierte gigantische Militärapparat läßt sich wohl kaum davon überzeugen, in den Krieg zu ziehen, um in einem abgelegenen Wüstenland eine (wahrscheinlich instabile) Demokratie zu errichten oder um die Menschenrechte (zeitweise) durchzusetzen. Diese Gruppen haben Macht und Geld im Sinn, nicht Bürgerrechte und gerechte Wahlsysteme.

Langzeitstrategie zur Erlangung

der Weltherrschaft enthüllt

4.4. Weltherrschaft

Dies ist der letzte hier zu erwähnende Grund für den Krieg gegen den Irak. Am 5. März 2003 präsentierte Ted Koppel in der Fernsehsendung Nightline des US-Senders ABC eine Dokumentation des Titels »Der Plan«. »Neokonservative« wie Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz, Robert Zellic, Richard Perle und John Bolton, um nur jene zu nennen, die sich zur Zeit in den obersten Etagen der Bush-Regierung befinden, haben nach dieser Dokumentation bereits seit 1997 den Ausbau der weltweiten Vorherrschaft der USA umsichtig geplant, einschließlich der Auswechslung von Hussein im Irak durch ein den USA freundlich gesonnenes System. Ihr Plan trägt den Titel »Project for the New American Century« (Projekt für das neue amerikanische Jahrhundert). Zusammen mit einem von 40 "Neokons" unterzeichneten Begleitschreiben wurde er 1998 Clinton vorgelegt, der das Projekt jedoch offenbar ablehnte.

In diesem Plan für eine aggressivere US-Politik zur Beherrschung der ganzen Welt wird ausgeführt, daß es wahrscheinlich sehr lange dauern würde, um die von Clinton geprägte Politik zu ändern, wenn es nicht zu einem katastrophalen, katalytischen Ereignis käme wie etwa einem neuen Pearl Harbor. Diese Passage liest sich so, als ob 9/11, wenn es nicht passiert wäre, hätte künstlich geschaffen werden müssen...

Wenn man Bob Woodward folgt,[34] so frug US-Kriegsminister Rumsfeld den US-Präsidenten am 13. September 2001, ganze 30 Stunden nach 9/11, ob man neben Al-Qaida nicht auch gleich gegen den Irak vorgehen solle.

William Kristol, Vorsitzender des »Project for the New American Century«, erklärte während dieser Nightline-Reportage, daß Nord-Korea sowie die Entfernung anderer arabischer Diktaturen die nächsten Schritte sein könnten, wobei sich auf dieser Liste auch die saudi-arabische Monarchie befindet, nicht allerdings jene Diktaturen, die von den USA installiert bzw. massiv gestützt werden, um feindliche Regime zu verhindern, wie Ägypten, Jordanien oder Algerien.

Obwohl es zweifelhaft ist, daß die USA gegen Nord-Korea mit Gewalt vorgehen werden - immerhin gibt es in Nord-Korea kein Öl und dieses Land besitzt Atomwaffen, die es sogar gegen die US-Westküste einsetzen kann - so wird hinter diesem Plan das Konzept einer Rekolonialisierung des Nahen Osten klar sichtbar, womit sich das Mosaik fein zusammenfügt: Israelisch/ jüdische Interessen, Sicherung des Erdöls, Erzwingung der Dominanz des US-Dollars, Bedrohung der ganzen Welt mit Intervention im Falle mangelnder Unterwürfigkeit, und all dies hinter dem Deckmantel, Demokratie zu verbreiten und Terrorismus und Tyrannei zu bekämpfen.

5. Am 18. März 2003 begann der Dritte Weltkrieg

Was sich im Irak entfaltet, ist nichts anderes als der Anfang des Dritten Weltkriegs, eines Krieges der angelsächsischen Länder (USA, England, Australien) und Israels gegen den Rest der Welt. Es ist dies der verzweifelte Versuch der angelsächsischen Welt, den Zusammenbruch ihrer Weltherrschaft zu verzögern, sowie der verzweifelte Versuch Israels, seinen unabwendbaren Untergang zu verhindern.

Aber sie können nur etwas Zeit gewinnen. Sie mögen in der Lage sein, die arabische Welt zu unterjochen und den Rest der Welt vom Euro abzuschrecken, aber der Zusammenbruch der US-Wirtschaft kann auf Dauer nicht abgewendet werden, denn die Wirtschaft dieses Landes ist bis auf den Grund verrottet. Wenn sie nicht dieses Jahr kollabiert, dann vielleicht nächstes Jahr. Aber es wird nicht lange dauern, bis sie letztlich zusammenbricht. Mit anderen Worten: Obwohl die USA den Krieg gegen den Irak gewonnen haben, so werden sie auf lange Sicht gesehen doch der Verlierer sein.[35] Und da die Welt ganz offen den massiven jüdischen Beitrag zu diesem häßlichen, blutigen imperialistischen Spiel erkennt, droht auch den Juden eine Katastrophe.

Im Zentrum dieses ganzen Konflikts liegt die wirtschaftliche Überlegenheit und die politische Gewandtheit eines Landes: Deutschland. Schon die beiden Weltkrieg wurden von den angelsächsischen Ländern mit Unterstützung zionistischer Lobbygruppen zur Zerstörung dieses äußerst dynamischen und erfolgreichen Konkurrenten geführt. Diesmal war Deutschland aber recht schlau: Es hat sich selbst in einen Rahmen europäischer Nationen integriert, hat die Kontrolle über die eigene Währung aufgegeben und hat alles unterlassen, was Vorwürfe von Nationalismus, Imperialismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Militarismus usw. ermöglichen würde. Ganz im Gegenteil: Deutschland verfolgt mit wütendem Eifer alle Personen und Gruppierungen, die irgend etwas vertreten, was von bestimmten Lobbygruppen als nationalistisch, fremdenfeindlich, antisemitisch, revisionistisch usw. interpretiert werden könnte.[36] Und dennoch: die europäische Zentralbank befindet sich in Frankfurt, ihre Politik lehnt sich stark an das erfolgreiche Modell der D-Mark an, und der treibende Motor hinter Europas Wirtschaft ist ohne Zweifel Deutschland.

Der einzige Weg, wie die USA das Monopol ihrer Währung wiederherstellen könnten, wäre, gegen jenes Land vorzugehen, das sich im Herzen des Euros befindet, d.h., indem sie einen Dritten Weltkrieg gegen Deutschland führen. Aber das können sie nicht tun, denn Deutschland war seit 1945 außerordentlich brav, und zudem wird es von der Atommacht Frankreich gedeckt, ermutigt von Rußland und China im Hintergrund.


Anmerkungen


[1]www.brillig.com/debt_clock/
[2]www.bea.doc.gov/bea/dn/nipaweb. Falls nicht anders angegeben, stammen alle Daten bezüglich den USA von dieser Website des U.S. Bureau of Economic Analysis.
[3]www.ubs.com/e/globalam_uk/research.Referenz1.pdf
[4]Siehe auch »Debt and Deflation: Till Debt Do We Part«, The Economist, 10.10.2002.
[5]http://www.arabbank.com/review/vol4_no1/(35-37)_Some_Expected_Effects_of_the_Euro.pdf
[6]www.staatsschuldenausschuss.at/html/inhalt/bericht2001/pdf/kap_5.pdf
[7]Abgesehen von gelegentlichen Hinweisen habe ich keine verläßlichen Daten dazu gefunden, aber private Schulden scheinen in Europa keine entscheidendes Thema zu sein.
[8]Das war Ende 1998; www.wsws.org/de/1999/jan1999/euro-j23.shtml
[9]www.oanda.com/convert/fxhistory.
[10]www.destatis.de/indicators/d/tkah613.htm; www.ftd.de/pw/de/1014399060152.html?nv=rs
[11]www.jubilee2000uk.org/analysis/articles/japan_onthe_brink.htm
[12]www.forbes.com/global/2002/0218/022.html
[13]Herausgegeben von der Research Unit for Political Economy, Mumbai, India, März 2003, ISBN 1-58367-093-9. Siehe www.rupe-india.org/34/pillar.html
[14]»Iraq: Baghdad Moves to the Euro«, Radio Free Europe, 1. Nov. 2000; »Iraq uses the euro in its trade deals«, Arabic News.com, 7. Sept. 2001; vgl. www.gold-eagle.com/editorials_00/hickel092900.html; www.tompaine.com/feature.cfm?ID=4110%20
[15]»Iran sees euro as way to 'free' itself from the US dollar«, Agence France Presse, 31. Dez. 2001.
[16]»Protest by switching oil trade from dollar to euro«, Oil and Gas International, 15. Apr. 2002.
[17]Asia Times, 19. Mai 2001.
[18]»Iraqi Wars«, Auszüge vom im Druck befindlichen Buch The Sorrows of Empire: How the Americans Lost Their Country, Metropolitan Books, 2003; http://www.antiwar.com/orig/johnson1.html
[19]»The Men From JINSA and CSP«, The Nation, 15. Aug. 2002; www.thenation.com/doc.mhtml?i=20020902&c=1&s=vest
[20]»Whose War?«, The American Conservative, 24. März 2003; www.amconmag.com/03_24_03/print/coverprint.html; vgl. die fundamentalistisch jüdische Sichtweise dazu: Ariel Natan Pasko, »This War is for Us«, Israel Nation News, 26. März 2003; www.israelnationalnews.com/article.php3?id=2125
[21]David Harrison, »Moran: War, Politics and Inevitability«, The Connection Newspaper, 5. März 2003; www.connectionnewspapers.com/article.asp?article=18374&cat=104; this re
[22]Siehe James Rosen, »Divisions deep over claims of Jewish influence«, The Sacramento Bee, 6. Apr. 2003; www.sacbee.com/24hour/special_reports/iraq/bee/story/6408561p-7360864c.html; J. Rosen, »Claims that Jewish cabal driving Iraq war stir debate«, ebd., www.sacbee.com/24hour/special_reports/iraq/homefront/story/843659p-5926190c.html
[23]Siehe www.counterpunch.org/cockburn03152003.html
[24]Siehe dazu Paul Findley, They dare to speak out, 3rd ed., Lawrence Hill Books, Chicago 2003.
[25]Ari Shavit, »White man's burden«, Haaretz, 7. Apr. 2003; www.haaretzdaily.com/hasen/pages/ShArt.jhtml?itemNo=280279
[26]Hier einige Namen prominenter Juden, die zum Krieg trieben, zumeist "Neokonservative": Richard Perle; Paul Wolfowitz; Douglas Feith; Ari Fleischer; Kenneth Adelman; Elliott Abrams; James Schlesinger; William Cohen; Joe Lieberman; Martin Peretz; David Wurms; Norman Podhoretz; Daniel Pipes; Bill Kristol; Mortimer Zuckerman; David Frum; David Brooks; Charles Krauthammer; William Safire; Jonah Goldberg.
[27]N. Chomsky, Power and Terror: Post 9-11 Talks and Interviews, Seven Stories Press, New York 2003.
[28]G. Vidal, Dreaming War: Blood for Oil and the Cheney-Bush Junta, Thunder's Mouth Press, New York 2002; G. Vidal, Perpetual War for Perpetual Peace, ebd., 2002.
[29]Siehe www.worldlinktv.com; vgl. Seymour M. Hersh, »Who Lied To Whom?«, The New Yorker, 31. März 2003; www.newyorker.com/fact/content/?030331fa_fact1
[30]CBS, 60 Minutes, 12. Mai 1996.
[31]Behind the Invasion of Iraq, aaO. (Anm. ), S. 46.
[32]Politik-Magazin Monitor (ARD) 8. Apr. 1992, 21:00 MEZ.
[33]Siehe dazu z.B. Stephen Pelletiere, Iraq and the International Oil System. Why American Went to War in the Gulf, Praeger, Westport, CN, 2001.
[34]B. Woodward, Bush At War, Simon & Schuster, New York 2002.
[35]Um einen Schauer den Rücken hinterlaufen zu lassen, lese man Engelhardts Vergleich zwischen der Entwicklung im Irak und in Vietnam: www.nationinstitute.org/tomdispatch/index.mhtml?pid=525
[36]Eine Zusammenfassung der menschenrechtlichen Lage in Deutschland ist erschienen unter G. Rudolf »Discovering Absurdistan«, The Revisionist 1(2) (2003), S. 203-219.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 7(2) (2003), S. 124-131.


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