Gruppendenken

Lemminghaftes Denken als Ursache politischer und wissenschaftlicher Fiaskos

Von Germar Rudolf

1. Einführung

Homo sapiens ist ein soziales Tier, ausgestattet mit Herdeninstinkten, die uns für massen- bzw. gruppenpsychologische Effekte anfällig bzw. empfänglich machen. Unsere soziale Natur kann positive Folgen zeitigen, wie zum Beispiel symbiotische und synergetische Effekte, aber auch negative, wie unkritischen Konformismus und lemminghafte Gefolgschaft.

Will man die negativen Auswirkungen der Gruppenpsychologie verhindern, so muß man zunächst die gruppendynamischen Effekte erkennen, die innerhalb der betroffenen Gruppe wirken. Sodann bedarf es des Mutes und der Standhaftigkeit, das Kind beim Namen zu nennen und sich gegebenenfalls auch gegen den Druck der Gruppe bemerkbar zu machen. Untersuchungen haben gezeigt, daß nur ein kleiner Prozentsatz jeder x-beliebigen Menschengruppe die Fähigkeit besitzt, aus der geistigen Befangenheit ihrer jeweiligen sozialen Gruppe herauszutreten und sie etwas objektiver, quasi mit mentaler Distanz zu beobachten und zu analysieren. Und ein noch kleinerer Prozentsatz hat dann, nach vollbrachter Einsicht, die Charakterstärke, aus dem Erkannten auch Konsequenzen zu ziehen, die der Gruppe vielleicht nützen, aber dem Betreffenden als Individuum sehr häufig schaden können.

Die Dynamik, in der sich eine soziale Gruppe oft gefangen sieht, kann man auch ein selbstreferentielles System nennen, wo Informationen nicht oder kaum mehr von außen eindringen, sondern wo das betrachtete System vor allem aus sich selbst heraus und von sich selbst Informationen erhält, also quasi aus informationellen Rückkopplungen besteht. Wenn ein solches System durch Fehlentwicklungen aus dem Gleichgewicht gerät, so tendiert es dazu, daß gemachte Fehler nicht etwa erkannt und abgestellt, sondern unter den Teppich gekehrt oder schlicht wiederholt bzw. gar verstärkt werden. In der Technik nennt man ein solches Resultat eine Resonanzkatastrophe, die unter Umständen zur totalen Zerstörung der betreffenden Einheit führen kann.

Irving Janis prägte für das hier behandelte gruppendynamische Verhalten sozialer Menschengruppen den Begriff Gruppendenken. Diesem Verhalten liegt die Tendenz jeder menschlichen Gruppe zugrunde, auf ihre Mitglieder einen gewissen Konformitätsdruck zur Anerkennung von Normen auszuüben, die die Gruppe in den Augen der Mitglieder bzw. der Gruppenführer definieren, die den Gruppenzusammenhalt nach deren Ansicht fördern und die Konkurrenzfähigkeit gegenüber anderen Gruppen steigern.

Spannungen innerhalb der Gruppe treten in dem Augenblick auf, wenn eine Minderheit gegen die geschriebenen oder ungeschriebenen, die bewußt definierten oder unbewußt angenommenen Gruppennormen verstößt. Anfänglich versuchen die anderen Mitglieder der Gruppe, derartige Abweichler durch Überzeugungsarbeit zur Einhaltung der Normen zu bewegen. Wenn dies nicht gelingt, setzt ein Ausgrenzungsmechanismus ein, der um so früher und in seinen Methoden um so harscher ist, je stärker die Normverletzung bzw. je wichtiger die verletzte Norm für das subjektive Selbstverständnis der Gruppe ist. Am oberen Ende dieser Wichtigkeit befinden sich die sozialen, nicht hinterfragbaren Tabus einer Gesellschaft.

Die soziale Zensur nicht normativen bzw. nonkonformen Verhaltens setzt allerdings schon wesentlich früher an, nämlich im Bewußtsein des potentiellen Dissidenten, der schon vor der Bewußtwerdung möglicher Ausgrenzung moralische Skrupel spürt, gegen das aufzutreten, was von seiner Gruppe als nicht-normativ/nonkonform betrachtet wird, oder mit anderen Worten: als unerhört und unmoralisch. Diese Schere im Kopf wurde auf extreme Weise von George Orwell in seinem Roman 1984 mit den Begriffen »Doublethink« und »Crimethink« bedacht, wobei ersteres die Diskrepanz zwischen dem aufzeigt, was der potentielle Dissident wirklich denkt und was er angesichts des unbewußt wie bewußt wahrgenommenen Konformitätsdrucks auszudenken wagt, vom Aussprechen erst gar nicht zu reden. »Crimethink« ist dann der ausformulierte oder gar geäußerte Gedanke, der Normen, Paradigmas oder Tabus verletzt.

2. Symptome

2.1. Überschätzung der Gruppe

Synergetische Effekte führen dazu, daß eine Gruppe mehr leisten kann als alle einzelnen Glieder für sich alleine genommen, da das Bewußtsein, nicht alleine zu stehen, sondern für eine "gemeinsame Sache" zu kämpfen, bri den meisten Gruppenmitgliedern motivierend wirkt und sie zu höheren Leistungen antreibt, als wenn sie Einzelkämpfer wären.

Auf der anderen Seite führt der gleiche Effekt aber auch mitunter dazu, daß die Möglichkeiten der Gruppe überschätzt werden bis hin zu einem Gefühl der Unverwundbarkeit des einzelnen Mitglieds. Dies führt zu unkritischem Optimismus, zu selbstzerstörerischem Opfermut auf individueller Ebene und zu mitunter gefährlicher Risikobereitschaft.

Ein weiterer negativer gruppendynamischer Effekt ist die besonders in Demokratien moderne, aber dennoch unkritische Annahme, daß die Mehrheit recht hat, insbesondere in moralischer Hinsicht. Je dominanter in einer Streitfrage die Mehrheitsmeinung ist, um so weniger wird sie von den Gruppenmitgliedern hinterfragt. Dies kann dazu führen, daß das einzelne Mitglied die moralischen Konsequenzen seiner Entscheidungen und Handlungen nicht mehr bedenkt.

2.2. Engstirnigkeit und Voreingenommenheit

Da nicht sein kann, was nicht sein darf, versuchen die Gruppenmitglieder oft kollektiv, normabweichende Meinungsäußerungen und insbesondere Warnungen über Fehlentwicklungen oder gegenläufige Informationen, die zum Umdenken anregen sollten, zu kaschieren oder hinwegzuerklären.

Es setzen sich zudem stereotype Sichtweisen von Trägern anderer Ansichten durch, insbesondere von Mitgliedern und prominenten Persönlichkeiten anderer, konkurrierender Gruppen. Diese Sichtweisen sind geprägt von negativen, ja bösartigen Wertungen, wobei die angebliche Schwäche und Unfähigkeit des Gegners zur eigenen (überschätzten) Stärke genauso im Kontrast steht wie die eigene angebliche moralische Güte zur moralischen Unterlegenheit oder gar Verwerflichkeit des Gegners.

2.3. Konformitätsdruck

Die Tendenz von Gruppenmitgliedern zum vorauseilenden Gehorsam, zur Anwendung der Schere im Kopf noch vor dem Wirksamwerden irgendwelcher Repressalien oder gar der bewußten Vorahnung aufkommender Repressalien wurde bereits erwähnt. Der Glaube an die Richtigkeit von Gruppen- bzw. Mehrheitsmeinungen führt dazu, daß viele Zweifel schon an der Schwelle der Bewußtwerdung abgeblockt werden, daß der Zweifler seine Bedenken überhaupt nicht ausspricht, weil er ihre Berechtigung wie auch die Bedeutung von Gegenargumenten unterbewertet.

Dieses Herunterschlucken von Gegenmeinungen führt zu einer Widerspruchsarmut, die von der Gruppe wiederum als schweigende Zustimmung mißverstanden wird, womit sich der Eindruck der Konformität weiter verstärkt, was seinerseits den Konformitätsdruck erhöht – ein fataler Teufelskreis.

Kommt es trotz des Konformitätsdruckes dennoch zu Angriffen auf das Selbstverständnis der Gruppe, insbesondere dann, wenn zentrale Dogmen und Tabus mit starken, rationalen Argumenten herausgefordert werden, so hat dies in der Regel nicht etwa eine sachliche Diskussion dieser Argumente zur Folge, sondern Vorwürfe gegen den Dissidenten, er verhalte sich unloyal gegenüber der Gruppe und/oder er habe bösartige bzw. unmoralische Beweggründe.

Als weiterer Schritt des Konformitätsdrucks bilden sich selbsternannte "Tugendwächter" aus, die auf die Einhaltung der Gruppennormen achten und dafür sorgen, daß Informationen, die dem Selbstverständnis und den Paradigmen der Gruppe zuwiderlaufen, von der Gruppe ferngehalten werden, so daß diese die sachliche und moralische Richtigkeit ihres Handelns nicht in Zweifel zieht. In größeren Gruppen kommt es sogar zu einer Institutionalisierung derartiger Zensur, wobei Personen oder ganze Abteilungen die Aufgabe erhalten, auf die Einhaltung bestimmter Normen zu achten, Zuwiderhandelnde festzustellen und einer oft bis ins Detail festgelegten Disziplinarprozedur auszuliefern.

3. Folgen

In Ausnahmesituationen kann Gruppendenken durchaus positive Auswirkungen haben, etwa wenn sich eine Gruppe in einer tiefen Krise befindet und nur ein starker innerer Zusammenhalt das Auseinanderfallen der Gruppe verhindern kann bzw. wenn ein extremer, selbstaufopfernder Einsatz der einzelnen Mitglieder die einzige Aussicht auf Erfolg ist. Aber selbst in solchen Lagen hat das Gruppendenken eine Reihe von äußerst negativen Auswirkungen, die eine Krisenlage sogar noch verschärfen können:

3.1. Mangelhafte Informationssuche und -verarbeitung

Die falsche Zuversichtlichkeit, die Wahrheit gepachtet zu haben, führt dazu, daß oft nur solche Informationen gesucht bzw. ernstgenommen werden, die in das vorgefaßte Bild passen. Die gezielte Suche nach Informationen, die die vorgefaßten Meinungen herausfordern könnten, unterbleibt oder wird gar als "Häresie" ausgegrenzt und bekämpft.

Selbst wenn Informationen gefunden werden, die den vorgefaßten Ansichten zuwiderlaufen, so unterbleibt eine sachliche Interpretation dieser Informationen. Sie werden – oft sogar gegen deren offensichtliche Bedeutung – in das vorgefaßte Bild mit Gewalt eingepaßt.

3.2. Ignorieren von Alternativen

Aufgrund der Voreingenommenheit werden sowohl beim Setzen von Handlungszielen als auch bei der Durchführungsplanung alternative Ziele und Handlungsweisen dogmatisch ausgeschlossen, das heißt, sie werden noch nicht einmal eingehend auf ihre Qualität hin geprüft. Dadurch werden potentiell bessere Ziele und Handlungsweisen von vornherein ausgeschlossen.

3.3. Ausbleiben der Revision gemachter Entscheidungen

Selbst wenn die eingeschlagenen Handlungsweisen auf erhebliche Schwierigkeiten stoßen und Ziele unerreichbar erscheinen, kommt es mitunter nicht zu einer kritischen Wiederbetrachtung einmal gefällter Entscheidungen, da jeder alternativer Vorschlag als Dissens aufgefaßt, ja schon der Zweifel an der Richtigkeit alter Entscheidungen als Untreue gewertet wird.

3.4. Falsche Risikoeinschätzung

Falsche Informationen und Realitätseinschätzungen führen zwangsweise dazu, daß die Risiken der eingeschlagenen Handlungsweisen völlig falsch eingeschätzt werden. Gruppendenken führt daher zu unvorsichtigen Handlungen, zu überaggressivem Wirtschaften bzw. aggressiver, hochriskanter, konfliktträchtiger Politik. Wirtschaftliche bzw. politische Katastrophen werden daher geradezu heraufbeschworen.

3.5. Keine Alternativepläne

Der im Gruppendenken entstandene Unfehlbarkeitsglaube führt zudem dazu, daß man es nicht für notwendig erachtet, alternative Handlungsszenarien zu entwerfen, falls sich herausstellt, daß die Lagebeurteilung falsch war. Einmal gefaßte Pläne werden daher mangels Alternative selbst dann noch verfolgt, wenn sie offenkundig gescheitert sind.

4. Voraussetzungen

Gruppenzusammenhalt: Triviale Grundvoraussetzung ist natürlich, daß die Gruppe selbst eine Identität hat, die ihr einen inneren Zusammenhalt verleiht.

Isolation von Kritik: Die Entscheidungsträger von Gruppen tendieren dazu, sich von Kritik zu isolieren, die von außen an sie herangetragen wird. Außenseiter werden einfach nicht ernstgenommen bzw. gar als der Gruppe feindlich gesonnen offen abgelehnt.

Hierarchie: Autoritäre Hierarchie-Strukturen vereiteln bzw. erschweren die Weiterleitung von Kritik von unten nach oben.

Mängel im Entscheidungsverfahren: Es gibt keine formalisierten Verfahrensweisen, die es ermöglichen, kritische Ansichten von innen wie von außen – ohne negative Folgen für die Kritiker – an die Entscheidungsträger heranzubringen.

Homogenität der Gruppe: Ein Hauptfaktor für den inneren Zusammenhalt einer Gruppe, ihre Homogenität, ist zugleich auch ein Schwachpunkt, wenn sich die Homogenität auch auf entscheidungswirksame Ansichten bezieht.

Streß: Eine Bedrohung der Gruppe von außen – selbst wenn sie nur subjektiv empfunden wird – erhöht die Tendenz des Gruppendenkens, da der Konformitätsdruck in einer solchen Lage ansteigt.

5. Gegenmaßnahmen

Der erste Schritt zur Vermeidung von Gruppendenken und den sich daraus in der Regel ergebenden Fehlern ist das Vermeiden der oben aufgeführten Voraussetzungen.

Eine Kultur der offenen und sachlichen Kritik muß gepflegt werden, das heißt, daß zu Kritik immer wieder ermuntert werden muß; daß für das Vortragen solcher Kritik Verfahrensweisen festgelegt werden; daß sichergestellt wird, daß derlei Kritik hierarchische Instanzen überwinden kann.

Die Institutionalisierung der Kritik muß sich nicht nur auf innere Strukturen beziehen, sondern auch auf außenstehende Kritiker, die zur Entscheidungsfindung eingeladen werden sollen bzw. deren Ansichten zumindest regelmäßig ernsthaft dargelegt und diskutiert gehören.

Besonders fruchtbar sind insbesondere Advocati Diaboli, das heißt Personen, die absichtlich den gefaßten Ansichten und Strategien feindlich bzw. ablehnend gegenüberstehende Positionen beziehen und diese so gut wie möglich zu vertreten versuchen. Dadurch werden die Entscheidungsträger gezwungen, ihre Position gegen solche argumentative Kritik überzeugend abzuhärten bzw., falls das nicht möglich ist, eben zu revidieren.

Es muß immer wieder festgestellt und bekräftigt werden, daß sämtliche Analysen und Untersuchungen ergebnisoffen sind. Die radikalsten, diametral entgegengesetzten Ergebnisse sollten definiert und diskutiert werden, dürfen aber unter keinen Umständen a priori als ausgeschlossen oder verwerflich markiert werden. Für jeden dieser Fälle sind Handlungspläne zu entwerfen, evtl. von verschiedenen unabhängigen Gruppen, deren unterschiedliche Ergebnisse dann zu diskutieren sind.

Die Informationssuche über das Zielobjekt muß stetig erfolgen und insbesondere auch solche Informationen umfassen, die den bisherigen Ansichten zuwiderlaufen, da nur diese geeignet sind, Gefahren durch getroffene Fehlentscheidungen aufzudecken.

6. Gruppendenken und Revisionismus

6.1. Die Antirevisionisten als Gruppe

6.1.1. Definition der Gruppe

Die hier betrachtete Gruppe beinhaltet im Prinzip 95 bis 99% der gesamten Bevölkerung der westlichen Gesellschaften, also in der Größenordnung von vielleicht bis zu einer Milliarde Menschen. Der einzige gemeinsame Faktor, der den Zusammenhalt dieser Gruppe bestimmt, ist deren bisweilen fanatische Gegnerschaft zu Faschismus, Rassismus, Antisemitismus und Nationalsozialismus. Führende Mitglieder in der Hierarchie dieser Gruppe, also in Medien, Politik und Wissenschaft mögen noch andere Beweggründe haben, die ihre Identifikation mit dieser Anti-Gruppe bewirken, wie wissenschaftliche, wirtschaftliche oder politische Gesichtspunkte, jedoch wollen wir diese hier nicht weiter ergründen.

Tatsache ist, daß fast alle Versuche, die europäische und insbesondere die deutsche Geschichte der Jahre 1933-1945 einer kritischen Revision zu unterziehen, auf den bisweilen fanatischen Widerstand dieser Gruppe stößt mit dem erklärten Grund, derartige Versuche seien ein Versuch der Wiederbelebung bzw. Rehabilitierung von Faschismus, Rassismus, Antisemitismus, Nationalsozialismus usw.

6.1.2. Struktur und Symptome

An der Spitze der anti-revisionistischen Hierarchie stehen führende jüdische Organisationen wie Yad Vashem, die Anti-Defamation League und das Simon Wiesenthal Center. Was diese Organisationen verlauten lassen, ist nahezu heiliges Gesetz. Ideologisch betrachtet handelt es sich zumeist um Juden, überzeugte Zionisten und dezidierte Deutschen-Hasser. Dies ist die absolute, undurchdringbare Spitze der Hierarchie dieser Gruppe. Historiker, Politologen, Soziologen und Religionswissenschaftler, die sich beruflich dem Holocaust-Dogma vermacht haben, definieren die Richtigkeit von Sachaussagen. Politiker in vielen Ländern setzen die Regeln – manchmal nur per Schulbuchbestimmungen und Feiertagsregelungen, mancherorts aber auch per Strafgesetz. Diese Regeln legen fest, an was geglaubt und wann und wie etwas verehrt werden muß. Schließlich wachen die Medien – und mancherorts der Staatsanwalt – mit Argusaugen darüber, daß die verkündeten Wahrheiten und Verhaltensregeln auch eingehalten werden. Ideologisch gesehen ist diese Elite im wesentlichen – zumeist unterbewußt – deutschfeindlich sowie sowohl antirassistisch-egalitaristisch als auch rassistisch-philosemitisch geprägt, ein unvereinbares Gegensatzpaar, das typisch ist für diese Weltanschauung.

Die nahezu unangreifbare Machtfülle der obersten Hierarchie dieser Gruppe führt zu einer Hybris bei der Festlegung angeblich historischer Wahrheiten, woraus politische Weisheiten abgeleitet werden, die bezüglich ihrer Verbreitung und Akzeptanz einzigartig in der Menschheitsgeschichte dastehen. Diese absolute Machtstellung führt zu einer moralischen Selbstüberschätzung, die "Auschwitz" als absoluten Nullpunkt der moralischen Skala definiert und daraus folgend die Opfer von Auschwitz sowie alle Handlungen, die Auschwitz entgegenzustehen scheinen, als absolutistisch "gut".

Diese moralische Hybris und extreme Machtfülle hat einen Konformitätsdruck zur Folge, der weltweit zu spüren ist. Die Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung sind voll von Bespielen der strafrechtlichen wie sozialen Unterdrückung von Persönlichkeiten, die es gewagt haben, die Ansichten dieser Gruppe zu kritisieren, und das bezieht sich nicht nur auf Holocaust-Revisionisten, die das zentrale Tabu direkt kritisieren, sondern auch auf Kritiker, die lediglich Randbereiche beleuchten, wie kritische Analysen zur Rassenfrage, "Judenfrage", und ähnliche Dinge.

Die Isolation von Kritik ist total. Jeder, der sie äußert, ob intern oder extern, verfällt der sozialen Ächtung oder landet gar im Gefängnis. Interne Kritiker werden zur Not mit Gewaltandrohungen mundtot gemacht, wie das Beispiel des Juden David Cole zeigt. Akademische Kritiker verlieren Beruf, Karriere, Titel und bisweilen die Freiheit (Stäglich, Faurisson, Reynouard, Plantin, Walendy, Witzsch, Rudolf…). Diese Gegner der Gruppenansichten werden entmenschlicht, als leibhaftige Teufel dargestellt und entsprechend behandelt.

Abweichler werden in der Gruppe keine Sekunde lang geduldet. Eine kritische Betrachtung der herrschenden Auffassungen und Entscheidungen ist nicht nur nicht vorgesehen, sonder wird explizit verdammt und bestraft.

Kommt die Gruppe dennoch aufgrund peinlich offensichtlicher Fehler, die von Kritikern aufgedeckt werden, in eine prekäre Lage, so werden nicht etwa Fehler eingestanden, sondern eine Welle der Propaganda gegen die teuflischen äußeren Feinde entfacht, um die eigene Gruppenkohäsion gegen die angebliche Bedrohung von außen zu erhöhen. Diese Hysterisierung der eigenen Gruppe führt zu einem extremen Gruppendenken, dem sich kaum einer entziehen kann. Die Schere im Kopf setzt unter solch hysterischen und bedrohlichen Randbedingungen bei 99% und mehr aller Menschen schon so früh an, daß bereits geringste Zweifel an der Richtigkeit der verordneten Wahrheit als verdammungswürdig und strafwürdig empfunden werden. Der Zweifler bekommt bereits massive Schuldgefühle, bevor er seine häretischen Zweifel auch nur zu Ende gedacht hat.

Alle oben aufgeführten Symptome und Voraussetzungen zum Auftreten von Gruppendenken sind für diese Gruppe gegeben, mitunter in außerordentlich ausgeprägter Weise. Ich bin daher der Ansicht, daß es sich bei dieser Gruppe um eine solche handelt, die wie kaum eine andere heutzutage vom Gruppendenken heimgesucht ist.

6.1.3. Folgen

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges wurden ganze wissenschaftliche Schulen in Geschichte, Soziologie, Politologie und auch in anderen hier berührten Fächern (etwa der Human-Biologie), davon ausgeschlossen, an fachlichen Diskussionen und Kontroversen gleichberechtigt teilzunehmen, wenn es irgendwie möglich ist bzw. war, deren Ansichten – zu Recht oder zu Unrecht – irgendwo in die Nähe von Faschismus, Rassismus, Antisemitismus oder Nationalsozialismus zu stellen. Dies führte unausweichlich nicht nur zu fachlichen Fehlentwicklungen in all diesen Fächern, sondern ebenfalls zu Fehlentwicklungen in den betroffenen Gesellschaften, da wesentliche Aspekte und Fakten vom politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozeß ausgeschlossen wurden. Es ist schwierig festzustellen, wieviel dieser Sachverhalt zu gegenwärtigen Problemen beiträgt, aber in einigen Bereichen ist dies allzu deutlich, etwa bei der Analyse und Steuerung des Nahostkonflikts, der weltweiten Migration, der Rentenfrage (Geburtenrückgang), des zunehmend desolaten Zustandes des westlichen Bildungssystems sowie des unter dem Deckmantel der Globalisierung Wirksamwerden des ablaufenden Wirksamwerden des internationalen Großkapitalismus und Neo-Imperialismus.

Die Entscheidungsträger in jüdischen Lobbygruppen sowie in Wissenschaft, Politik und Medien haben sich inzwischen in eine Situation hineinmanövriert, wo das Eingeständnis grundlegender Fehler nicht mehr möglich ist, ohne das eigene Ansehen grundlegend zu zerstören. Dies käme einem sozialen Selbstmord dieser Gruppe dar. Es ist daher nicht damit zu rechnen, daß diese Machtelite je von ihrer Strategie der Hysterisierung der niederen Gruppenmitglieder zwecks Konformitäts-Konditionierung wird ablassen können. Das System wird wohl aufgrund unkontrollierbar werdender politischer, sozialer und wirtschaftlicher Fehlentwicklungen weltweit total zusammenbrechen müssen, und zwar sowohl politisch und wirtschaftlich, bevor sich grundlegend etwas ändern kann.

6.2. Die Revisionisten als Gruppe

6.2.1. Definition der Gruppe

Als Mitglieder dieser Gruppe definiere ich im allgemeinen all jene, die von der erstgenannten Gruppe als Gruppenfeinde ausgemacht werden, also etwa: Biologen, die von der überwiegend genetischen Festlegung menschlicher Eigenschaften und Verhaltensweisen überzeugt sind; Politologen, die nationale Werte internationalen Ideologien vorziehen; Soziologen und Pädagogen, die egalitaristische Bildungsideologien ablehnen; Gegner des jüdischen Glaubens und des Zionismus; Historiker, die die deutsch-europäische Geschichte in einem differenzierteren Licht sehen. Diese Gruppe ist notwendigerweise sehr heterogen und weist schon deshalb nur einen geringen Zusammenhalt auf. Zwar gibt es bei einigen Vertretern der jeweiligen Gruppen ein Bewußtsein dafür, daß man sich in einer gemeinsamen, wenn auch unfreiwilligen Frontstellung zur weltweit dominierenden Ideologie der ersten hier besprochenen Gruppe befindet, jedoch kommt es nur zwischen den Vertretern der einzelnen Untergruppen zur Ausbildung konkreter Gruppenstrukturen, die sich im allgemeinen nicht von den Strukturen anderer sozialer Gruppen unterscheiden. Eine all diese Untergruppen übergreifende Gruppenidentität gibt es also nicht und somit auch kein Gruppendenken.

Im engeren Sinne verstehe ich unter dieser Gruppe jene Personen, die dem ideologischen Kern der ersten Gruppe kritisch gegenüberstehen, also den Holocaust-Revisionisten, einer Untergruppe der zuvor erwähnten kritischen Historiker. Diese Gruppe weist andere Strukturen auf als "normale" soziale Gruppen, und zwar in erster Linie als Folge der Verfolgungs-, Unterdrückungs- und Ausgrenzungsmaßnahmen, denen sich die Mitglieder dieser Gruppe ausgesetzt sehen. Nachfolgend möchte ich mich daher auf diese Untergruppe konzentrieren.

6.2.2. Struktur und Symptome

Die ideologische Zusammensetzung dieser Gruppe ist zwar keineswegs homogen, jedoch ist der Anteil von Menschen, die sich mit antisemitischem, rassistischen oder nationalsozialistischem Gedankengut identifizieren oder damit zumindest keine Berührungsängste haben, in der Gruppe der Holocaust-Revisionisten um ein Vielfaches höher als bei der Durchschnittsbevölkerung. Es handelt sich bei dieser Unausgeglichenheit in gewisser Weise um den Gegenpol zur ideologischen Unausgeglichenheit der antirevisionistischen Gruppe. Die Gefahr, die von dieser verminderten Heterogenität ausgeht, ist daher jener der ersten Gruppe vergleichbar.

Symptome des Gruppendenkens werden in dieser Gruppe primär durch den Streß hervorgerufen, der durch gesellschaftliche und mitunter strafrechtliche Verfolgungsmaßnahmen verursacht wird. Das moralisch verwerfliche Verhalten mancher Mitglieder der antirevisionistischen Gruppe wird mitunter pauschalisiert und zu einem allgemein verwerfenden Werturteil gegen alle Mitglieder dieser Gruppe umgemünzt, was im Extrem zu einer Konfrontation quasi gegen den Rest der Welt führt. Es kommt daher auch in dieser Gruppe zu Loyalitätsdenken und Konformitätsdruck, bei dem inhaltlich abweichlerische Aussagen oder Kritik an gruppenspezifischem Verhalten zu unsachlichen Angriffen gegen den gruppeninternen Dissidenten und Ausgrenzungsversuchen führen können. Da der Gruppe eine organisatorische Struktur und exekutive Machtorgane fehlen – deren Ausbildung wird durch permanente Intervention der feindlich gesonnenen Umwelt verhindert – bleibt es jedoch stets bei kurzfristigen verbalen Attacken.

Die Auseinandersetzung mit den Argumenten und Ansichten der antirevisionistischen Denkschule ist Hauptbrennpunkt revisionistischer Aktivität. Eine Isolation von äußerer Kritik und Beschränkung der Informationssuche bzw. -auswertung kann daher aus prinzipiellen Gründen nicht kategorisch erfolgen. Sie erfolgt gleichwohl bisweilen auf untergeordnetem Niveau, also bei der Diskussion von Einzelaspekten, die indessen entscheidend sein können. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die revisionistische Diskussionskultur nicht von anderen normalen Denkschulen, die immer eine gewisse Tendenz zur akademischen Selbstbefriedigung besitzen.

6.2.3. Folgen

Der ständige Druck und der andauernde Versuch der Umwelt, die Revisionisten in die totale Isolation zu drängen, verursacht eine Armut an Kritik, die aktiv an die Revisionisten herangetragen wird. Außenstehende vermeiden es schlicht aus Selbstschutz, mit den Revisionisten in Zusammenhang gebracht zu werden, selbst wenn man deren Ansichten teilweise als anregend empfindet. Diese Tendenz der äußeren Isolation wird verstärkt durch eine innere Tendenz der Abwehr von Abweichlern, die die ohnehin ständig bedrohte Kohäsion der Gruppe weiter zu schwächen drohen. Beides führt zu der Gefahr, daß die Revisionisten zu einer Gruppe selbst-referentieller Forscher und Schriftsteller werden, oder wie das Establishment es bisweilen ausdrückt, daß sich ein "Kartell der Selbstzitierer" herausbildet. Dem muß aktiv von innen widerstanden und zuwidergehandelt werden.

7. Beobachtungen

Wie jede andere Denkschule, so bedarf auch der geschichtliche Revisionismus kritischer Querdenker sowie solcher Individuen, die freudig bereit sind, kontroverse oder gegenstehende Ansichten aufzugreifen und in die Diskussion einzubringen. Die den Revisionisten aufgezwungene Isolation gilt es zu durchbrechen, indem man zunächst aktiv eine Diskussionskultur pflegt, die die Anwesenheit von Advocati Diaboli nicht nur duldet, sondern freudig begrüßt. Denn erst wenn der Revisionismus den Kritikern seiner ärgsten Gegner standhalten kann, dann hat er die wissenschaftliche Feuertaufe überstanden und kann von da ab den Rest der Welt überzeugen – zumindest theoretisch.

Bisweilen gibt es Versuche im Revisionismus, jene revisionistischen oder gar anti-revisionistischen Querdenker, die die Herausforderung revisionistischer Thesen akzeptieren, von der wissenschaftlichen Diskussion auszugrenzen. Ein derartiges Verhalten schadet aber nicht nur der revisionistischen Gruppe selbst, sondern auch und vor allem dem Prozeß der Wahrheitsfindung.

Allem nicht zu verniedlichenden Gruppenstreß zum Trotze: die Kontroverse ist das Salz in der Suppe des wissenschaftlichen Diskurses und der Schlüssel zur Wahrheit. Und deshalb sollten auch weiterhin Beiträge in revisionistischen Veröffentlichungen erscheinen, die den Revisionismus herausfordern. Als Herausgeber sehe ich mich ab und zu Angriffen ausgesetzt, weil ich auch solchen Ansichten die Spalten dieser Hefte öffne, die "unserer" Philosophie zu widersprechen scheinen oder deren Mangel an wissenschaftlichem Wert "offenkundig" zu sein scheint. Solche dogmatischen Urteile ex cathedra sind es genau, die Gruppendenken auszeichnen und die so gefährlich sind. Wenn eine Diskussion zeigt, daß eine Ansicht unwahr oder unhaltbar ist, so ist es besser, genau dies der Welt in aller Öffentlichkeit klar zu machen, als durch Schweigen den Eindruck zu erwecken, man habe keine Argumente mehr. Und wenn sich herausstellt, daß gegenläufige Ansichten doch nicht ganz unhaltbar sind, so helfen sie, die Ergebnisse wissenschaftlichen Forschens exakter zu gestalten.

Solange eine Auseinandersetzung sachlich ist, ist sie diskussionswürdig. Alles in Maßen genossen, versteht sich.


Weiterführende Literatur


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 7(2) (2003), S. 160-164.


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