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"Ein Jude gegen die deutsche Selbstzerfleischung", Leitartikel aus "Deutsche Wochenzeitung" Nr. 16 vom 21. April 1967.
Wir berichteten bereits in unserer Vornummer von der sensationellen Zeugenaussage des jüdischen Schriftstellers J. G. Burg in dem Stanislaus-Prozeß in Münster. Burg, der in seinem Werk "Schuld und Schicksal" für eine ehrliche Bewältigung der Vergangenheit und für eine Revision der gegenwärtigen Geschichtsauffassung eintritt, kämpft seit Jahren vergebens für eine Versöhnung der Juden und des deutschen Volkes. Wir haben J. G. Burg gebeten, uns seinen Eindruck von dem Prozeß zu vermitteln. Burg, der nicht nur Volljude ist, sondern auch der mosaischen Glaubensgemeinschaft angehört, wurde wegen seiner wahrheitsgetreuen Zeugenaussage bereits von manchen Seiten scharf angegriffen. Die bundesdeutsche Presse aber schwieg wie ein Mann über die Tatsache, daß ein Jude nicht nur die Wahrheit sucht, sondern auch den Mut hatte, die Wahrheit auszusagen. Nahezu eine Stunde lang beriet das Gericht über den Antrag des Staatsanwaltes, die Öffentlichkeit von dieser Zeugenaussage auszuschließen und die Journalisten aus dem Saal zu entfernen. Das Gericht entschloß sich aber schließlich, die Öffentlichkeit nicht auszusperren. Was nachstehend J. G. Burg berichtet, ist eine erschütternde Bestätigung dessen, was wir über die Praktiken der belastenden Zeugenaussagen in den sogenannten Kriegsverbrecherprozessen schon lange wußten. Hier wird die Wahrheit aus dem Munde eines mutigen Juden bestätigt. J. G. Burg schreibt:
In vielen Großstädten der Bundesrepublik finden in ständiger Folge Kriegsverbrecherprozesse statt, auch in Münster (Westfa-
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len). Im Schwurgerichtssaal des Landgerichts dieser Stadt geht zur Zeit ein Prozeß über die Bühne, nach dem Auschwitzprozeß der größte, mit internationalem Echo. Offiziell wird dieser Prozeß nach der Anklage gegen Krüger und andere genannt oder der Stanislauer. Den Angeklagten wird Mord an der jüdischen Bevölkerung der in Galizien liegenden Stadt Stanislau und deren Umgebung während des zweiten Weltkrieges vorgeworfen. Der Prozeß begann im April 1966. Ich erfuhr von ihm erstmals im August des vergangenen Jahres durch schweizerische und israelische Presseberichte. Damals schon wirbelte dieser Prozeß Staub auf, weil es Zusammenstöße zwischen Angeklagten und Zeugen gegeben hatte. Gegen einen Teil der Zeugen wurde der Vorwurf erhoben, wahrheitswidrige Aussagen gemacht zu haben, anderen wurde vorgeworfen, daß sie selbst Kollaborateure der SS und der Gestapo gewesen wären. Diese Vorwürfe sollen Tränen und Ohnmachtsanfälle bei den betroffenen Zeugen hervorgerufen haben.
Dies nahm die internationale zionistische Presse zum Anlaß, sich mit dem Münster-Prozeß zu befassen. Unberufene schrieben, was besser in der Schreibmaschine geblieben wäre; allein es erhoben sich auch erfreulich objektive Stimmen. Eine Meinungsäußerung kam sogar aus Israel: Leider gebe es auch jüdische Zeugen, die durch ihr Verhalten andere, anständige jüdische Zeugen in Meßkredit [sic] brächten.
Manche drängen sich als Zeugen auf, um dadurch gratis in die Bundesrepublik und zurück fahren zu können. Sie erledigen in der Bundesrepublik bei dieser Gelegenheit Persönliches oder Geschäftliches auf Kosten des deutschen Steuerzahlers statt auf eigene Kosten, wie es ohne die erlangte Eigenschaft als Zeuge notwendig gewesen wäre.
Andere wiederum jammerten und verurteilten nicht nur das Verhalten der Angeklagten, sondern gingen sogar so weit, die Objektivität und Befähigung des Schwurgerichtsvorsitzenden zu bezweifeln. Es wurde auch gefordert, daß die Zionisten in der Bundesrepublik sich dem gesamten Problemkomplex intensiver widmen müßten; man solle sogenannte Betreuer oder Berater ernennen, welche die jeweiligen Zeugen aus dem In- und Ausland vor "ungerechter" Behandlung zu schützen hätten.
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Schließlich erhielt ich zu Beginn dieses Jahres eine Zeugenvorladung zu dem erwähnten Prozeß in Münster für Ende März.
Vor meiner Einvernahme trat man in der Mandelhalle des Gerichtsgebäudes auch an mich heran, erteilte mir Ratschläge und "Verhaltungsmaßregeln" und stellte mir anheim, mich, sollte etwas kassieren, an diesen und jenen zu wenden, die mich unter ihre Fittiche nehmen würden.
Als ich dann zu meiner Vernehmung auf dein mir angebotenen Zeugenstuhl Platz genommen hatte, vermochte ich nichts von alledem festzustellen, was ich Monate zuvor in tendenziösen Berichten über diesen Prozeß gelesen hatte. Die Angeklagten benahmen sich ruhig wie alle anderen auch; der Vorsitzende erschien mir als erfahrener Richter, der sich nach Kräften um Objektivität bemühte, der souverän über allen Vorkommnissen stand, die Angeklagten belehrte, die Zeugen väterlich zurechtwies, zu weit gehende Anträge des Staatsanwaltes nicht genehmigte und mit einem Wort im besten Sinn den Begriff Richter verkörperte.
Ich war Zeuge und Sachverständiger, und es ging in der Hauptsache um zwei Kardinalangelegenheiten: um das Zeugenproblem und um Statistik.
Die erste Angelegenheit konnte an Hand von Beweisen geklärt werden, die zweite natürlich nicht. In dieser Richtung wird man wohl kaum je zufriedenstellende Ergebnisse erzielen.
Wenn jüdische Zeugen vor deutschen Gerichten bewußt falsche Aussagen machen (die Falschaussage im guten Glauben sei hier selbstverständlich ausgeklammert), womöglich noch den traurigen Mut haben, sie zu beeiden, also einen Meineid zu leisten, dann ist solches Tun verwerflich. Sie begehen ja nicht nur ein Verbrechen gegen die Heiligkeit des Eides, sondern ein Vergehen gegen die Wahrheit überhaupt und bringen zudem Schande über ihr eigenes Volk.
Ein solcher Zeuge verstößt nachweisbar gegen die mosaischen Gesetze und Vorschriften sowie gegen die talmudische Lehre wie auch gegen die Meinung der weltlichen Autoritäten unseres Volkes.
Es liegt mir fern, zu verallgemeinern; aber leider kamen solche beeidete Falschaussagen vor.
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Peinlich berührt war ich - und ich fühlte mich in meiner Haut nicht mehr wohl -, als man mir einen inzwischen aus dem jüdischen Gebetsleben entfernten, aus dem Aramäischen übersetzten Text vorlas, den ich einst mit Entsetzen in meiner Jugend gehört hatte und der bei mir das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung erreichte.
Dieser Gebetstext besagte sinngemäß, daß ein Jude eine nichtjüdische Gerichtsinstanz nicht als vollberechtigt anzusehen brauche und sich demgemäß verhalten dürfe. Es handelt sich um das Gebet Kol Nidre (alle Gelübde), ursprünglich eine Gebetsformel, mit der ein Jude die eigene Person betreffende Gelöbnisse widerrief - also auch vor einem nichtjüdischen Gericht gemachte Aussagen.
Dieses Gebet leitete den Gottesdienst am Abend des Jom Kippur (= Tag der Sühne, Versöhnungstag) ein, ist jedoch im reformierten Gebetsritus nicht mehr enthalten.
Im Bereich des Ostblocks, aber auch im Westen, namentlich in den USA, wurde von der Mehrheit der Betenden dieser unglücklich formulierte Text längst aus den Gebetbüchern herausgenommen, da er mit der Thora und der modernen Talmuddeutung nicht mehr zu vereinbaren war. Dieser Text hat uns Juden in der Vergangenheit viel Leid gebracht. Jeder Jude, der vor einem nichtjüdischen Gericht steht, muß sich so oder, wenn möglich, noch korrekter verhalten, als wenn er vor einem jüdischen Gericht stehe. Man darf dabei nicht vergessen, daß wir etwa zweitausend Jahre lang nicht in einem nationalen jüdischen Staat lebten, sondern zerstreut in aller Welt. Obwohl das jüdische Gesetz den Zeugeneid nicht kennt, muß der jüdische Zeuge, wenn ein nichtjüdisches Gericht von ihm den Zeugeneid verlangt, diesen ablegen.
So heißt es im Jüdischen Lexikon Band II, daß "auch gegenüber Nichtjuden auf die Heiligkeit des Eides zu achten ist", und im Jüdischen Lexikon, Berlin 1930, Band IV, Spalte 1570, ist zu lesen: ". . . wird bei dieser Sonderlichkeit des Falschzeugens nach der herrschenden Lehre gerade der Versuch, durch ein falsches Zeugnis einen anderen zu schädigen, zu verbrecherischem Tat-
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bestand." Besonders deutlich ist folgendes Zitat aus dem Talmudbuch Resch Lakisch in Hagiga 5, a: "Wer das fremde Recht beugt, beugt das Redet Gottes." Auch der dem König Zedekia aufgezwungene Vasalleneid, den dieser Nebukadnezar leisten mußte, wird als heilig betrachtet, und der Prophet Ezechiel tadelt die Eidesverletzung Zedekias aufs schärfste (Bibelbuch Ezechiel 17, 13 ff.).
Um wieviel verdammenswerter ist eine falsche Zeugenaussage oder gar ein Meineid, da doch der Eid von den bundesdeutschen Gerichten in keiner Weise erzwungen wird; der Zeuge leistet ihn in jedem Fall freiwillig. Der jüdische Historiker Dr. Graetz meint in seinem Werk "Volkstümliche Geschichte der Juden", 3. Band, 9. Auflage, Seite 339, "daß der Talmud und die großen Lehrer des Judentums Betrügereien und Übervorteilung von Andersgläubigen fast noch mehr gebrandmarkt haben als gegen Stammesgenossen". Im Talmudbuch Choschen Mischpat 87, 2 0, heißt es: "Die ganze Welt erzittert bei Ablegung eines Meineides; alle Sünden werden durch Buße vergeben, nur die Sünde des Meineides nicht . . . Für den Meineid müssen noch Kindeskinder leiden usw."
Es nützt nichts, wenn geschickte Gedankenjongleure an diesen Kernsätzen herumdeuteln wollen. Diese Zitate beseitigen jeden Zweifel daran, daß der jüdische Zeuge ein deutsches Gericht als Gerichtsinstanz voll anerkennen und sich genauso verhalten muß, wie wenn er vor einem jüdischen Gericht oder Rabbinatsgericht steht oder seinen Eid in der Synagoge vor der Thora ablegt.
Ich wiederhole: Der jüdische, von einem deutschen Gericht vorgeladene Zeuge hat, wenn er nicht seine religiösen und weltlichen Gesetze verletzen will, dieselbe Verpflichtung, nichts als die reine Wahrheit zu sagen, wie jeder Deutsche, vorausgesetzt, daß er der deutschen Sprache mächtig ist.
Das Kol-Nidre-Gebet soll von Maimonides (= Mose ben Maimon = Rambam) sein (1135-1204), was weder bewiesen ist,
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noch glaubhaft erscheint, da Maimonides einen großen Teil seines Lebens unter Nichtjuden verbrachte und fast alle seine Werke in der arabischen Sprache verfaßte. Er war Philosoph, Arzt und auch Gesetzeslehrer und vermittelte dem Judentum die aristotelische Philosophie.
In Hilchoth Maacholot Issorot 11, 7; Orach Chajin 156; Jore Dea 123 wird folgende bedeutungsvolle Tatsache festgestellt: "Die Völker, unter denen wir wohnen, sind keine Götzendiener."
Damit haben die nachtalmudischen Rabbiner alle Satzungen im Talmud, die gegen Heiden gerichtet waren, außer Kraft gesetzt (siehe auch "Worte des Talmud" von Rabbi Goldstein, Heros-Verlag 1963, Seite 110/111).
Dieses abschließende Zitat soll auch beweisen, daß das beanstandete Kol-Nidre-Gebet, das übrigens nicht Gewicht und Bedeutung einer Talmudschrift besitzt, schon vor vielen Jahren außer Kraft gesetzt worden ist. Natürlich kann ich nicht erschöpfend alle Gründe aufzählen, weshalb ein jüdischer Zeuge, der vor einem deutschen Gericht der Wahrheit widersprechende Aussagen macht, gegen die mosaischen Gesetze, gegen Talmudlehre, aber auch gegen nichtreligiöse Vorschriften unseres Volkes verstößt. Er schadet dem jüdischen Ansehen empfindlich; seine Handlungsweise ist unter allen Umständen verächtlich. Soweit zu Punkt 1.
Was Punkt 2, die Statistik, das heißt die zahlenmäßige Erfassung der Judenmorde, betrifft, so sind exakte Ermittlungen nicht möglich. Hier müssen Objektivität und Verständnis walten und ist das Wissen um viele Umstände erforderlich.
Wenn die Angeklagten betonen, daß die ihnen vorgehaltenen Zahlen der umgebrachten Juden unmöglich stimmen können, so ist dies nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen.
Der Hauptangeklagte Krüger gibt zwar selbst zu, mit Judenvernichtungen zu tun gehabt zu haben; aber er wehrt sich gegen die vom Ankläger behaupteten Zahlen.
Man müßte die vorhandenen Ergebnisse der Volkszählung aus der Zeit vor 1939 in Betracht ziehen, dabei jedoch auf keinen
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Fall außer acht lassen, daß viele während der deutsch-polnischen und polnisch-sowjetischen Auseinandersetzungen von Galizien nach Rumänien gingen, andere von der NKWD von Galizien nach der UdSSR verschickt, andere wiederum zur Roten Armee eingezogen wurden, ein Teil floh in das deutschbesetzte Polen. Andere schlossen sich während des deutsch-sowjetischen Krieges Partisanenverbänden an, wieder andere gelangten glücklich ins rettende Ausland.
Eine geringe Anzahl verblieb auch im Heimatland Galizien - mit "arischen" Dokumenten.
Wenn man all das berücksichtigt, so ergibt sich eine bedeutende Zahl, die von dem Resultat der erwähnten Volkszählung erst einmal abzusetzen ist. Der Wahrheitsfindung wäre nach meiner Meinung ferner sehr dienlich, wenn man sich an die verschiedenen galizischen Landsmannschaften in Israel und vornehmlich in den USA wenden und deren Veröffentlichungen bis heute eingehend studieren würde.
So berichtete die "Deutsche Wochen-Zeitung" am 31. März 1967, Seite 9, in dem Aufsatz "Polnische Judenverfolgungen", "daß Polen 'mehr als 300 000 Juden gerettet' hätten". Auch daraus werden die Schwierigkeiten teilweise ersichtlich, die einer Lösung der Frage "Wie viele?" im Wege stehen. Man vergesse schließlich jene nicht, die überlebt haben!
Man kann doch nicht bereits genügend Schuldiggewordenen fremde, noch imaginäre Schuld aufbürden!
Außerdem kann ich als Laie nicht verstehen, welche Rolle es für das Strafmaß spielen soll, ob einer 100 oder 1000 Juden ermordet hat; denn wenn er für einen Ermordeten zum Beispiel zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt wird und tausend auf dem Gewissen hat, wird man nicht 1000 x 20 Jahre Zuchthaus geben können. Es war bereits ein Verbrechen, auch nur einem Menschen aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen das Leben zu nehmen, einem unschuldigen Menschen also, da doch das fünfte Gebot sogar die Schuldigen schützt.
So ist es verständlich, wenn in Mischna, Sanhedrin 4, 5, gesagt wird, daß ñ ". . . jeder, der nur ein einziges Menschenleben auslöscht, eine genauso schlechte Tat verübt, als wenn er das ganze Menschengeschlecht getötet hätte".
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Wie bereits angedeutet, ich verstehe nichts von juristischen Spitzfindigkeiten, weiß aber, mit welch ungeheurer Erregung das Forschen nach der Zahl der Ermordeten bis jetzt einherging und noch einhergehen wird.
Obgleich Jude, ist es für mich ein Jammer, in diesem Prozeß mit ansehen zu müssen, wie ein braves, fleißiges Volk mit masochistischer Wonne physisch, geistig und seelisch Harakiri macht, ein Volk, das zum Fortschritt der Menschheit viel, sehr viel beigetragen hat und heute noch, trotz dunkler Vergangenheit einzelner, hinsichtlich der Zahl seiner Nobelpreisträger führt.
Mögen unter den Preisgekrönten Viertel-, Halb- oder ganze Juden gewesen sein, sie bekamen die Auszeichnung aber als Deutsche!
Diese Kriegsverbrecherprozesse werden dem deutschen Volk nicht zum Segen gereichen. Die Strangulierung der in Nürnberg vom internationalen Militärtribunal zum Tode Verurteilten hätte den Schlußstrich unter dem traurigen Kapitel bilden müssen. Kurzsichtig und sehr schlecht beraten waren die Siegermächte, die der Bundesrepublik dieses grausame Schauspiel auferlegt haben, denn im Generalvertrag wurde der Bundesrepublik die Weiterführung dieser sogenannten Kriegsverbrecherprozesse diktiert. Deutsche sollen gegen Deutsche in dieser unwürdigen Form zu Gericht sitzen. Das ist kein Suchen nach Gerechtigkeit, sondern, wie längst bewiesen, ein antideutsches Politikum.
Denn während man einem deutschen Angeklagten noch zubilligen darf, daß er zu seiner Tat sozusagen erzogen wurde und des Glaubens war, Volk und Vaterland damit zu dienen, kann man diese mildernden Umstände auf keinen Fall jenen Nichtdeutschen zuerkennen, die zu Untermenschen wurden dadurch, daß sie sich freiwillig in den Dienst dieser Ausrottungstätigkeit stellten, wobei viele noch grausamer waren, als ein grausamer deutscher SS-Mann gewesen sein konnte.
Und so mancher von diesen Missetätern darf sich frei bewegen in Staaten, die der Bundesrepublik die deutschen Kriegs-
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verbrecherprozesse befohlen haben; es dürfen solche nichtdeutschen Kriegsverbrecher sich sogar in der Bundesrepublik politisch frei betätigen; einige leben auf Kosten des deutschen Steuerzahlers. Die Namen sind all jenen bekannt, die nur an deutschen Kriegsverbrecherprozessen Interesse haben.
Wie kann man da noch glauben, daß es hier um Recht und Gerechtigkeit gehe? Oder kann man diese Begriffe nach Nationalitätsprinzipien aufteilen? Es geht den Siegermächten und allen anderen interessierten Kreisen darum, daß die kommende deutsche Generation mit schwachen Knien, mit verrosteten Gehirnen und verschimmelten Seelen heranwächst, damit sie brave Befehlsempfänger, Golems (Roboter), für ihre Ziele zur Verfügung haben.
Kein Geringerer als der große Friedenspapst Pius XII. führte in seiner Ansprache an die neuen Kardinäle am 20. Februar 1946 unter anderem aus: "Der Imperialismus . . . entfaltet sich in die Weite und Breite. Er sucht nicht den Menschen an sich, sondern die Dinge und Kräfte, denen er den Menschen dann dienstbar macht."
So manches Mal haben sich Usurpatoren getäuscht; es wird auch dieses Mal der Fall sein. Es geht nicht um die jetzigen Verurteilten, es geht um deren Kinder und Kindeskinder, Tausende, Hunderttausende. Sie werden mit dem Kainszeichen heranwachsen; ich als Jude, der ich durch viel Dunkles und Schweres gehen mußte, weiß, wie ein Kainszeichen brennt.
Diese unschuldigen, als Nachkommen von Kriegsverbrechern gestempelten Kinder werden alles andere als Sklaven fremder Interessen sein wollen. Sie werden fragen, protestieren, rebellieren - und was dann? Und: Wie werden die wenigen jüdischen Kinder, die hier doch heranwachsen werden, es tragen können, daß ihre Väter dazu beigetragen haben, den deutschen Kindern das Kainsmal aufzudrücken? Wie soll es da zu einer deutsch-jüdischen Versöhnung kommen?
In Münster fanden schon im April 1937 politische Prozesse statt. Man nannte sie damals Devisenverbrecherprozesse. In Wirklichkeit verurteilte man die besten Töchter und Söhne der katholischen Kirche nur deswegen, weil sie sich für die Rettung von Verfolgten des damaligen Regimes, Juden nicht ausgenom-
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men, eingesetzt hatten. Diese Aktivität suchte man lahmzulegen. Dasselbe Gebäude ist nun wieder Schauplatz politischer Interessen geworden, und wiederum fehlt nicht das pathetische Wort Verbrecher.
Welche Prozesse werden in 30 Jahren geführt werden, wenn Kinder der heutigen Verurteilten zur Macht kommen? Wahrscheinlich solche gegen die Regisseure der heutigen Kriegsverbrecherprozesse. Man muß fürchten, daß wiederum das Wort Verbrecher nicht fehlen wird.
Wann wird man sich einmal ernsthaft anstrengen, den Kreis des Hasses zu sprengen? Wir leben in einem demokratisch regierten Land. Demokratie heißt Regierung durch das Volk im Dienste des Volkes.
Die Tübinger Institute veranstalteten im Februar 1965 eine Meinungsumfrage, ob die NS-Verbrecherprozesse weitergeführt werden sollen oder nicht. Befragt wurden nur Erwachsene. 63 Prozent aller Männer und 76 Prozent aller Frauen waren für eine Beendigung der Verfolgung von NS-Taten.
Da nun Volkes Stimme Gottes Stimme ist, wäre es doch recht und billig, wenn Bonn sich danach richten und - sollte eine Aufkündigung des unseligen Generalvertrages nicht möglich sein - eine Generalamnestie erlassen würde. Denn nur so ist es zu verhüten, daß die Selbstzerfleischungstendenz im deutschen Volk wächst.
Wie will man denn eine Versöhnung zwischen Deutschland und der übrigen Welt herbeiführen, wenn die deutschen Menschen untereinander sich nicht versöhnen können und wollen? Wie kann man vom Ausland verlangen, daß es zu Versöhnung und Vergessen bereit ist, wenn es bei jenen Deutschen, die heute am Ruder sind, nicht zum Verzeihen und Vergessen jenen gegenüber reicht, die heute auf der Anklagebank sitzen? Wenn jedoch das heutige Bonn sich genauso wie das gestrige verhält, nämlich nicht gewillt ist, politische Initiativen zu ergreifen, und sich weiter hinter richterlichen Roben verschanzt, wäre es rich-
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tig und wegweisend, wenn die Richter in diesen Prozessen jeden ohne Ausnahme freisprächen, so lange freisprächen, bis die Verantwortlichen, aus ihrer Lethargie aufgerüttelt, sich zu einer segensreichen Generalamnestie entschließen.
Daß ich mich nicht ganz so benehme, wie man glaubte nach den "Belehrungen" und "Anweisungen" vor meiner Einvernahme von mir erwarten zu können, nimmt man mir genauso übel wie das Bemühen, mit meiner schwachen Kraft zu einer deutsch-jüdischen Versöhnung beizutragen. Ein dünnes zionistisches Blättchen, das großmäulig gegen jedwede deutsch-jüdische Versöhnung zu Felde zieht und sich oft zum Tummelplatz völkerverletzender Agitationen macht, beehrte mich da unlängst mit einem seitenlangen Leitartikel. In diesem wird von der Vorstandschaft der Israelitischen Kultusgemeinde mein Ausschluß aus dieser verlangt. (Er ist übrigens inzwischen tatsächlich erfolgt.) Begründung: Meine Tätigkeit verstoße gegen jüdische und israelische Interessen. Es heißt da, daß der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde sich in Kürze mit dem "Fall Burg" befassen werde.
Ich nehme an, daß die zuständigen Gemeindevorsteher, obwohl einige zionistische Aktivisten sind, Objektivität und Vernunft walten und sich nicht zu politischen Auseinandersetzungen verleiten lassen, zu denen ihnen auch jede Kompetenz fehlt. Denn Kultus hat mit Politik nichts zu tun.
Sollten sie aber dennoch der Aufforderung des zionistischen Orgänchens Folge leisten, so würden sie gegen die deutsche Verfassung verstoßen, die Freiheit für politische Äußerungen und politische Tätigkeit garantiert. Die Konsequenz wird der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde zu tragen haben. Den Helden zu spielen liegt mir fern, aber zum Drückeberger fehlt mir jedes Talent.
Was immer auch geschehen mag, ich werde mich weiterhin bemühen, so sehr ich kann, im Dienste der Wahrheit und der Gerechtigkeit für eine deutsch-jüdische Versöhnung ebenso wie für ein friedliches Zusammenleben aller Völker zu wirken.
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"Der moderne Imperialismus verfolgt nun einen ungekehrten [sic] Weg [ergänze: gegenüber dem bisherigen Weg des direkten Angriffs]: Er entfaltet sich in die Weite und Breite. Er sucht nicht den Menschen an sich, sondern die Dinge und Kräfte, denen er den Menschen dann dienstbar macht."
Papst Pius XII. am 20. Februar 1946
Großadmiral Dönitz, Nachfolger Hitlers als Staatsoberhaupt des Dritten Reiches, bevollmächtigte den Generalleutnant Jodl, Chef der Operationsabteilung im Oberkommando der Wehrmacht, die bedingungslose Kapitulation Deutschlands zu unterzeichnen. So wurde am 8. Mai 1945 der zweite Weltkrieg offiziell für beendet erklärt. Die Siegermächte nahmen die Vierteilung des Deutschen Reiches nach dem Beschluß der Konferenz von Jalta (Hafenstadt und Kurort auf der Krim) vom Februar 1945 vor, deren Teilnehmer Roosevelt, Churchill und Stalin waren. Nach dem Beschluß wurde Osterreich unter vorläufiger Besetzung selbständiger Staat; verschiedene Ostgebiete des Reiches wurden abgetrennt und der Tschechoslowakei, Polen und der UdSSR angegliedert. Der Rest von Großdeutschland wurde in vier Zonen geteilt: die US-Zone, die britische Zone, die russische Zone; die vierte Zone erhielt Frankreich, obwohl es an der Jalta-Konferenz nicht hatte teilnehmen dürfen.
Das Dritte Reich existierte nicht mehr, und man schickte sich an, dem deutschen Volk die Schuld an allem aufzubürden, was der grausame Krieg in Europa, der dann mit flammenden Armen die Welt umklammerte, gebracht hatte.
Die Haftbarmachung Deutschlands begann in der amerikanischen Besatzungszone - und nur aus dieser kann ich als Augenzeuge berichten - mit einem Satyrspiel, welches auf der grie-
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chischen Bühne nach dem Trauerspiel gegeben zu werden pflegte, im Jahr 1945 aber vor dem Beginn der ernsthaften Abrechnung mit dem besiegten Gegner abrollte und alle Begriffe von Disziplin, Verantwortung und Logik zunächst einmal über den Haufen warf: Jeder Colonel, jeder Sergeant, jeder Schreiber operierte nach eigenem Gusto gegen die Gustos aller anderen; jeder hielt sich für den Apostel, wenn auch nur Lokalopstel [recte: Lokalapostel] des Heilands, in dessen Auftrag die "christian soldiers" ihren Kreuzzug angetreten hatten und jetzt exemplifizierten: In einem Chaos des Gegeneinanders aller gegen alle bewies die amerikanische Verwaltung, daß sie nichts von Verwaltung verstand. Auch wollte man vorerst gar nicht verwalten, sondern züchtigen und Rache üben, von unten herauf, nicht von oben herunter; das "Oben" mußte überhaupt erst eingerichtet und stabilisiert werden.
Mit den amerikanischen Streitkräften hatten sich ganze Scharen von jüdischen Remigranten - im deutschen Volksmund Semigranten genannt - in die Besatzungszone ergossen; sie wurden als Angehörige des CIC (Counter Intelligence Corps = Spionageabwehrdienst) dem Verbande der US-Army zugeteilt und blieben dort tätig. Es handelte sich hierbei zumeist um jüngere Juden, die als Offiziere oder Unteroffiziere auf die besiegten Deutschen losgelassen wurden, nachdem sie in den USA zu Dolmetschern, "Umerziehern", Spezialisten im "131-Fragebogen" und anderen Vergangenheitserforschern durchaus unzulänglich ausgebildet worden waren. Sie sammelten sich in den mancherlei amerikanischen ICs = Zivilinternierungslagern, die binnen kurzer Zeit viele Zehntausende deutscher Häftlinge aufnahmen und sich - als Jude muß ich sagen: leider! - in vielen Fällen, wenigstens während der ersten Besatzungszeit, von den gewesenen deutschen KZ nur durch den Namen unterschieden, nicht aber durch ihre Behandlungsmethoden, die grausam genug waren, auch wenn sie den eigentlichen Totschlag vermieden. Doch ganz abgesehen von den Methoden, waren diese Internierungslager an sich ein politischer Unfug. Man weiß, daß der amerikanische Panzergeneral Patton, nachdem er einige dieser Lager besichtigt hatte, den überaus vernünftigen Ausspruch tat: "Welch ein Irrsinn, viele Tausende unwichtiger Män-
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ner, ja sogar Frauen zusammenzusperren und sie dadurch überhaupt erst wichtig zu machen!" - Patton zog sich durch diese Äußerung den Zorn der rachedürstenden Umerzieher zu, und bald darauf kam er bei einem Autounfall ums Leben, das heißt, "er wurde gestorben", wie es die Deutschen damals ganz allgemein ausdrückten. Wahrscheinlich ist auch das eine Legende; doch sie zeigt, wie bald schon das besiegte Volk an seinen "Befreiern" irre wurde, die einen vorurteilsfreien Sieger aus ihren eigenen Reihen kaltzustellen wußten!
Jedenfalls sind diese Erscheinungen des Jahres 1945 charakteristisch für die tiefgreifende Ernüchterung, ja Enttäuschung der Deutschen, sobald diese ihre angeblichen Befreier näher kennenlernten. Jeder vernünftige Mensch wird nun freilich zugeben, daß es für die Siegermächte nicht leicht war, im Trümmerbereich des niedergeworfenen Deutschland die nötige Ordnung und vor allem eine gerechte Behandlung der Besiegten wirksam zu machen; doch gerade die Amerikaner, die mit dem selbstgefälligen Dünkel aller Kreuzzügler sich für "die besseren Menschen" ausgaben, gerade sie hätten wenigstens ein Minimum an volkskundiger Psychologie aufbringen müssen, anstatt sich den berechtigten Vorwurf zuzuziehen, daß sie als totale politische Ignoranten ihren ursprünglichen Kredit bedenkenlos verwirtschafteten: ein Schuldvorwurf, den sie bald, im Rahmen der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse, in größtem Umfang auf sich luden, und der gültig bleibt, solange es eine unbefangene Geschichtsschreibung geben wird.
Der verübten Greueltaten wurden stets die Machthaber und Besatzer der anderen Zone beschuldigt; das heißt, im westlichen Besatzungsbereich wurden ausführlich die Grausamkeiten der östlichen Besatzungsmacht geschildert, während im östlichen Besatzungsgebiet über die Greueltaten der westlichen Besatzungsmächte berichtet wurde. So erfuhr keine Zone von den Grausamkeiten der eigenen Besatzungsmacht. Jede Besatzungsmacht handelte in ihrer Zone so, daß man an die Worte Albert Schweitzers denken muß, die er vor 40 Jahren sprach: ". . ., wo Macht in der schamlosesten Weise mit Machtlosen verfährt." Leider fanden die Besatzer auch noch Helfer aus deutschen Reihen! In einem waren sich die Alliierten in allen vier Zonen
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einig: Das ganze deutsche Volk mußte moralisch fertiggemacht werden.
Das politische, moralische und wirtschaftliche Chaos der ersten Nachkriegsjahre - einschließlich der Währungsreform, lies: überaus ungerechten geldlichen Enteignung - kann hier nur gestreift werden. Ernsthaft verhandeln ließ sich ja erst, nachdem die Sieger sich einige Nachfolgestaaten des zerschmetterten Dritten Reiches zusammengeschnipselt hatten.
"Noch niemals hat ein Sieger Neigung oder Kunde genug gehabt, um die Überwundenen gerecht zu beurteilen. Je mehr er sie herabwürdigt, desto gerechter steht er selbst da." (Johann Gottlieb Fichte).
Langsam bröckelte während der Besatzungszeit von dem künstlichen Freundschaftsgebäude der Ost-West-Antinazikoalition Stück um Stück ab. Einmütigkeit hatte geherrscht, als man mit Riesenübermacht das Dritte Reich in die Knie gezwungen hatte. Als es jedoch darum ging, die Beute - nämlich Deutschland - zu teilen, hoben die Gegensätze ihre geduckten Häupter! Und das nicht nur in Europa, sondern überall dort, wo die bislang noch alliierten Mächte zusammen gekämpft hatten. Als die Tragödie von Korea ihren Höhepunkt erreichte, war es mit der alliierten Freundschaft endgültig, auch in Europa, vorbei. Nach der Teilung in Süd- und Nordkorea durch den bewußten 38. Breitengrad versuchten die USA, welche die wirtschaftliche und politische Führung in Europa übernahmen, eine deutsche Parallele zu ziehen. Sie wollten die westlichen Zonen vereinigen. Da Frankreich nicht dafür war, wurden zunächst die US- und die britische Zone in einer Bizone zusammengefaßt. Später, nachdem die USA den Franzosen die von diesen gewünschten Garantien bezüglich eines deutschen Teilstaates gegeben hatten, wurde die Bundesrepublik aus der Taufe gehoben. Nach langem Hin und Her wurde auch ein politisches Statut ausgearbeitet, um dem neugeborenen Staat eine Scheinsouveränität zu verleihen. Dieses Statut erhielt den klangvollen Namen Staatsvertrag. Dieser Staatsvertrag widersprach eindeutig dem Potsdamer Abkommen vom 2. August als dem Ergebnis der Dreimächtekonferenz vom 17. Juli bis 2. August 1945. Vertreter der Siegermächte waren Truman, Churchill und Stalin gewesen.
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Der damalige Oppositionsführer Dr. Kurt Schumacher war weitschauend genug, vor der Gründung eines deutschen Teilstaates und der Unterzeichnung dieses Staatsvertrages zu warnen; er erklärte: "Wer diesen Vertrag unterzeichnet, hört auf, ein Deutscher zu sein."
Und heute ist es wohl jedem klar, daß mit der seinerzeitigen Unterzeichnung des Staatsvertrages das deutsche Volk und Deutschland endgültig gespalten worden ist.
Bald nach der Gründung der Bundesrepublik - ihr offizielles Datum ist der 7. September 1949 - gründete die russische Besatzungsmacht Restdeutschlands - am 7. Oktober 1949 die sogenannte Deutsche Demokratische Republik. So sind aus dem einstigen Großdeutschen Reich drei deutsche Staaten entstanden - Berlin nicht eingerechnet -, nämlich Österreich, die Bundesrepublik Deutschland und die "Deutsche Demokratische Republik".
Was über die Souveränität der beiden deutschen Staaten zu sagen wäre, würde den Rahmen dieser Schrift sprengen. Beide Staaten sind gleich "souverän", das heißt: abhängig von den sogenannten Alliierten. Mitteldeutschland möchte - gleich der Bundesrepublik - für ganz Deutschland sprechen und handeln. "Großmütig" sprachen die neuen Verbündeten der Bundesrepublik das Recht zu, für ganz Deutschland zu sprechen und zu handeln. In Wirklichkeit aber darf die Bundesrepublik für das gesamte ehemalige Dritte Reich geradestehen, büßen und zahlen. Das nahm schon vor der Unterzeichnung des Staatsvertrages seinen Anfang. Ein "kleines Hindernis" mußte vorher beseitigt werden: An den inzwischen ebenfalls neugeborenen Staat Israel waren Wiedergutmachungszahlungen zu leisten, oder wie die Machthaber des neuen Staates es bezeichnet wissen wollen: Reparationen. Reparationen an einen Staat, der noch nicht einmal in den ersten Jahren nach der bedingungslosen Kapitulation des Dritten Reichs, geschweige denn während der Kampfhandlungen des zweiten Weltkrieges existiert hatte, an einen Staat, auf dessen heutiges Gebiet damals kein Schuß und noch weniger eine Bombe gefallen ist! Allein die neue bundesdeutsche Regierung wollte ja unbedingt den deutschen Teilstaat Bundesrepublik haben und den Staatsvertrag "schwarz auf weiß besitzen und ge-
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trost nach Hause tragen". Und so mußte der deutsche Regierungschef am 21. Mai 1952 öffentlich erklären, daß er die Forderung der israelischen Regierung, die 3,5 Milliarden DM Reparationszahlungen verlangte, akzeptiere.
Die Mehrheitspartei im Bundestag, die sich mit dem das politische Leben im allgemeinen wenig berührenden Attribut "christlich" schmückt, ließ nur leider außer acht, daß der höchste kirchliche Würdenträger, Papst Pius XII., in seiner Weihnachtsansprache 1945 an das Kardinalskollegium unter anderem erklärt hatte: "Wer Wiedergutmachung will, muß sie fordern auf Grund der sittlichen Ordnung, der Achtung vor den unverletzlichen Naturrechten, die auch noch jenen verbleiben, die sich dem Sieger bedingungslos ergeben haben." Das katholische Oberhaupt war ein weitschauender Mann: Schon 1945 sah er voraus, mit welchen Ansprüchen man an das in die Kniee gezwungene deutsche Volk herantreten werde. Diese Erklärung hätte die bundesdeutsche Regierung als Rückendeckung nutzen können; sie tat dies jedoch nicht. Daß die westlichen Siegermächte, die angeblich ja auch für Freiheit und Religion gekämpft haben und noch weiter zu kämpfen gedenken, die päpstliche Mahnung nicht zur Kenntnis nahmen, ist verständlich. Durch diese dem erschöpften deutschen Volk aufgebürdeten Wiedergutmachungs- (oder Reparations-) Zahlungen an Israel glaubten die westlichen Großmächte und frischgebackenen Alliierten der Bundesrepublik ihr eigenes Teil Schuld an der Tragödie des europäischen Judentums ausgelöscht zu haben.
Darüber hinaus brachten die Alliierten natürlich auch i h r Schäfchen ins Trockene: Die Bundesrepublik hat bis nach Ablauf von 25 Jahren, gerechnet von der Unterzeichnung des Staatsvertrages an, 25 Milliarden Goldmark an die Alliierten zu zahlen. Inzwischen erlebten alle sogenannten Fachleute und Kenner der europäischen Verhältnisse eine Überraschung: Die Bundesrepublik arbeitete sich aus ihrem Nichts so rasch empor, daß sie nicht nur auf eigenen Füßen stand, sondern auch manche "Sieger" des zweiten Weltkrieges wirtschaftlich überflügelte! Allerdings hielt die Mahnfreudigkeit der Alliierten und des Staates Israel mit dem wachsenden deutschen Wohlstand Schritt, auf daß ja nicht die Zahlungen des jungen Staates versiegten,
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die man je nach Bedarf in alle möglichen Namensgewänder kleidete: Leider hielt mit der wachsenden wirtschaftlichen Selbständigkeit der Bundesrepublik die politische nicht nur nicht Schritt, sondern blieb im Gegenteil weiter und weiter zurück.
Von einer Lösung der deutschen Kardinalfrage - der Wiedervereinigung - war man noch nie so weit entfernt wie heute. Damit ist freilich auch der Friedensvertrag mit den östlichen Staaten, die den Krieg doch aufs grausamste geführt hatten, auf viele Jahre hinaus in Frage gestellt. Denn wenn man bedenkt, daß die Bundesrepublik, wie oben erwähnt, den Alliierten 25 Milliarden Goldmark zu zahlen hat, dann werden bestimmt die vom Osten geforderten Summen ins Astronomische gehen. Wir wissen alle um die gewaltigen Unterschiede im Grade der Zerstörung beispielsweise zwischen Kiew und London, Leningrad und New York, Warschau und Paris.
Selbstverständlich läge es im Interesse des bundesdeutschen Staates, wenn die Deutschen über alle Abmachungen, die das Fundament zur Gründung der Bundesrepublik bildeten, restlos ins Bild gesetzt würden. Denn zuletzt ist selbst die grausamste Wahrheit noch besser als die überzuckerte Lüge. Es geht hier schließlich nicht so sehr darum, als mehr noch um die kommende Generation, die möglichst frei von politischen und wirtschaftlichen Belastungen sich entfalten soll. Man sollte am besten auch hüben wie drüben nicht mehr von einer (ja doch nicht existenten) staatlichen Souveränität sprechen. Mir will sogar scheinen, die Bundesrepublik sei in einer Hinsicht noch schlimmer als Mitteldeutschland daran; denn wenn Pankow kremlhörig ist und sein muß, dann muß die Bundesrepublik gleich drei "Partner" hören, bevor sie irgend etwas unternehmen darf. Oder kann man etwa mit Fug und Recht von deutscher Souveränität sprechen, wenn ein mit überwiegender Mehrheit gewählter Oberbürgermeister nicht mit einem ostdeutschen Diplomaten sprechen kann, ehe sein Stadtkommandant die Erlaubnis dazu erteilt hat? Wenn ein sowjetisches Flugzeug in Frankfurt (Main) nicht landen darf, bevor nicht Paris, London und Washington es genehmigt haben? Dies und ähnliches mehr sind keineswegs Bagatellen. Es wirkt auf die deutsche Jugend enttäuschend und
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wegbereitend für Extreme, die doch von den Bonner Regierungsparteien vermieden werden wollen!
Zu den Lasten, die der Staatsvertrag der Bundesrepublik aufbürdet, gehören auch die sogenannten Kriegsverbrecherprozesse. Wohlgemerkt: es handelt sich dabei um Prozesse, welche deutsche Gerichte gegen Deutsche führen. Sie verfolgen vor allem den Zweck, im deutschen Volk das Bewußtsein der Kollektivschuld so zu verankern, daß seine Söhne und Töchter schon mit der "deutschen Erbsünde" belastet geboren werden.
Darin liegt eine ungeheure Gefahr: Die deutsche Jugend soll knieweich und gebeugten Nackens einherschleichen in der Überzeugung, die Nachkommenschaft kriegsverbrecherischer Väter zu sein.
Die Alliierten waren so vorsichtig, die Regieführung bei den Kriegsverbrecherprozessen, die vor der Gründung der Bundesrepublik noch in ihren eigenen Händen lag, der deutschen Regierung zu überlassen. Wenn neben anderem auch dieses traurige Erbe übernommen werden mußte, weil man ja eine Bundesrepublik haben wollte, so ist das notfalls zu verstehen, und die Geschichte wird es entschuldigen. Wenn aber heute, 23 Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation, eine Regierung, stolz auf ihre Souveränität, die einstigen Gegner als Verbündete an der Seite, die in alle Welt hinausposaunt, im Namen des ganzen Deutschlands zu sprechen und zu handeln, jetzt nicht endlich Schluß macht mit den an Hexenprozesse gemahnenden Gerichtsverfahren, so greift man sich an den Kopf! Schließlich hat die bundesdeutsche Nation - und diesen Ausdruck gebrauche ich ganz bewußt - das Menschenmögliche - ja, das Menschenunmögliche getan - im Gegensatz zu anderen am Zweiten Weltkrieg beteiligten Nationen -, um das, was durch Einzelne ohne Wissen des Volkes geschehen ist, zu sühnen. Weder in Österreich, noch in Mitteldeutschland werden Kriegsverbrecherprozesse mit solcher, nach Jahrzehnten doch totgerittener Gründlichkeit geführt wie bei uns zum Schaden jener, die nach uns kommen. Möchten sich doch deutsche Soziologen und Psychologen diesem Punkt zuwenden und aufklärend helfen, die unseligen Folgen abzuschwächen und zuletzt abzustoppen! Die bundesdeutschen Politiker aber sollten sich ihre Gedanken darüber
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machen, wie man 23 Jahre nach Kriegsende jener Verseuchung des deutschen Volkes mit Schuldkomplexen Einhalt gebieten kann! In einer Demokratie soll doch das Volk herrschen, wie der Name sagt, also auch Politik machen. Es bedarf keiner messerscharfen Logik, um einzusehen, daß diese Kriegsverbrecherprozesse, die nur in der Bundesrepublik stattfinden und daher richtiger bundesdeutsche Prozesse heißen sollten, nicht im Interesse des deutschen Volkes liegen. Die Bundesrepublik ist nun einmal ein "legitimes" Kind des Kalten Krieges zwischen zwei Staaten, die gegen das einstige Dritte Reich kämpften. Für diese Staaten aber hat die Zeit während der letzten 23 Jahre nicht still gestanden: Die UdSSR und die USA versuchten, Gegensätze aus dem Weg zu räumen, einander näherzukommen - und das nicht erfolglos!
Noch nie in der Geschichte geschah es, daß Besatzungstruppen Interessen des besetzten Landes vertraten; sie handelten immer nur nach ihren eigenen Interessen, und wenn sie jetzt "alliierte stationierte Truppen" heißen, so ändert das nichts an jener Tatsache. Es kann in Kürze zu engem Zusammenwirken der beiden obengenannten Weltmächte kommen, und dann wird man die Bundesrepublik noch weniger achten als jetzt! Dies könnte ein Trauma der bundesdeutschen Politiker werden, die versäumt haben, ihr Volk rechtzeitig aufzuklären.
Dafür, daß die Bundesrepublik von den Alliierten nur im Interesse der Alliierten gegründet wurde, möge stellvertretend für vieles andere das Folgende als Beweis dienen: Der ehemalige Leibarzt Churchills, Baron Mosran of Manton, bemerkt in seinem Buch "Der Kampf ums Leben", Churchill habe die Meinung geäußert, "daß man den Deutschen Nahrungsmittel, aber auch Industrie und sogar Waffen lassen müsse, weil sie gute Soldaten seien, die man gegen die Russen als Hilfstruppen brauche". Nach Churchills Rezept wurde in Europa die NATO gegründet, und die Bundesrepublik Deutschland als Mitglied aufgenommen; die neugegründete Bundeswehr betrachtete man als Hiwi für die westlichen Siegerstaaten. Tatsächlich aber wurde die Bundeswehr in die NATO aufgenommen, um sie unter Kontrolle halten zu können. Darüber hinaus war auch an die
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schreckgespenstartige Wirkung einer bewaffneten Bundesrepublik auf den Osten gedacht.
Dies war noch leidlich in Ordnung, solange der Kalte Krieg geführt wurde, und in Frankreich de Gaulle noch nicht ans Ruder gekommen war. Später jedoch, als die tonangebende Nation des Westens, die USA, sich gezwungen sah, mit der führenden Macht des Ostens, der UdSSR, in normale Beziehungen zu treten, wußte sich Frankreich nicht anders zu helfen als dadurch, daß es sich bedingungslos den Forderungen de Gaulles auslieferte. Und so begann de Gaulle eben französische Politik zu machen, wozu auch gehörte, daß er sich aus der NATO zurückzog. Da aber verlor die Bundesrepublik ihre Bedeutung als "Trumpfkarte", die sie ohnehin nur auf dem Papier besessen hatte. Seit die USA in die Vietnammisere hineingerieten, aus der sie wohl nur "mit verlorenem Gesicht" herauskommen können, müssen auch die größten NATO-Fanatiker einsehen, daß diese ihre Mißgeburt langsam, aber unhaltbar dahinsiecht, obwohl sie von Zeit zu Zeit Spritzen von Ärzten des Kalten Krieges erhält. Für die bundesdeutsche Politik ist diese Tatsache kein Unglück; sie müßte indes zu denken und den Anreiz geben, dem Beispiel des französischen Staatspräsidenten zu folgen und deutsche Politik zu treiben. Auf jeden Fall wäre eine stärkere Bindung der Bundesrepublik an Frankreich besser als etwa die engere Zusammenarbeit mit Israel, das ja doch nie zu einem wahren Freunde Deutschlands werden wird.
Ich denke da, zum Beispiel, an eines der neuesten Projekte, Uganda. Dort soll ein Straßennetz errichtet werden. Die praktische und technische Ausführung dieses Planes soll allein in israelischen Händen liegen; die Bundesrepublik "darf" aber finanzieren. Man spricht vorläufig von 2 Millionen £.
Man sollte - im Interesse des deutschen Volkes und so manchen bundesdeutschen Politikers - den Mut zur Wahrheit aufbringen und gestehen, daß es die heutigen Alliierten unseres Staates waren, die eine einmalige Chance versäumt und die Wiedervereinigung - vielleicht für immer - verhindert haben: Im März 1947 fand in Moskau eine Außenministerkonferenz der vier Besatzungsmächte Deutschlands statt. Molotow, der Vertreter der UdSSR, schlug vor, in ganz Deutschland allge-
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meine Wahlen abzuhalten, um Deutschland wieder zu vereinigen. Diesen sensationellen Vorschlag machte er, ohne irgendwelche Bedingungen daran zu knüpfen. Es war der Vertreter Großbritanniens, Ernest Bevin, der mit Schärfe entgegnete, man könne dies dem englischen Volke nicht zumuten! Seine westlichen Kollegen stimmten ihm zu.
Nun kennt die Geschichte selten eine Wiederholung; in diesem Fall ist ganz bestimmt keine zu erwarten. Ich muß an diese historische Tatsache erinnern, welche die Meinung verschiedener bundesdeutscher Politiker ad absurdum führt, daß die Wiedervereinigung Deutschlands zu den Interessen der Alliierten, lies der Besatzungsmächte, zähle. Und leider hat die Zeit diesem politischen Trugbild zusätzlich entgegengearbeitet. Günstigstenfalls würde es zu einer Neuvereinigung kommen. Es gibt allerdings, um noch das Bestmögliche für die Interessen der Bundesrepublik herauszuholen, eine Chance. Bleibt auch sie ungenützt, dann wird die Bundesrepublik in unserer Generation kein wirklich souveräner Staat werden. Diese Chance heißt Charles de Gaulle: Frankreich will bestimmt der Bundesrepublik behilflich sein bei der Aufhebung des Staatsvertrages, der sich überlebt hat. Eine Kündigung dieses Staatsvertrages müßte vor allem eine innerdeutsche Besinnung und Aussöhnung einleiten. Solch eine Versöhnung wird das deutsche Volk gesunden lassen und ihm sein größtenteils verlorenes Selbstvertrauen zurückerobern; dann wäre eine gediegene Ebene für eine reale und zweckvolle Deutschlandpolitik geschaffen.
Wenn nun der Kalte Krieg seinem Ende entgegengeht, und man deutsche Hilfstruppen gegen den Osten nicht mehr benötigt, dann werden auch nachkommende Churchills am britischen Ruder und die Maßgebenden bei den übrigen Alliierten nicht mehr für eine politisch souveräne Bundesrepublik sein.
Daher ist es immer vernünftig, sich auf das eigene Volk zu verlassen und ihm mit allen Kräften zu dienen. Wenn die beiden ersten bundesdeutschen Kanzler einer Auseinandersetzung mit diesen Problemen auswichen, so ist dies weitgehend entschuldbar, da in ihrer Ära die Bundesrepublik praktisch nur von einer Partei regiert wurde; denn der Koalitionspartner war von geringer Bedeutung. Jetzt hat sich das Regierungsbild
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entscheidend geändert: die beiden größten Parteien haben koaliert und eine außerordentliche Verantwortung übernommen. Nicht alles, was bis dahin unterblieben war, hätte wirklich getan werden können, weil die Zeit einfach noch nicht reif war. Aber heute! Heute liegt die Regierung unseres Staates in den Händen der beiden größten Parteien, und die profiliertesten Politiker, über welche die Bundesrepublik verfügt, können sich einsetzen. Wenn diese nicht gewillt sind, bundesdeutsche Politik zu treiben, dann fällt es mir schwer, Kassandrarufe zu unterdrücken; denn dann könnte sich das Jahr 1933 wiederholen. Das erste, was mit eiserner Konsequenz beseitigt werden muß, ist die politisch-moralische Diskriminierung des deutschen Volkes. Dieser und andere erforderliche Schritte werden nur getan werden können, wenn man sich dazu aufrafft, in Güte und im Einvernehmen mit allen Unterzeichnern des Staatsvertrages diesen deutscherseits zu kündigen. Kein Vertrag darf eine Zeit überdauern, die über ihn hinweggeschritten ist. Der Staatsvertrag wirkt heute für die Bundesrepublik als Ketten an Händen und Füßen. Unser Staat darf sich auch dann nicht beirren lassen, wenn die Westmächte heute Rapallo-Angstträume kriegen sollten.
Aber der Bundesaußenminister hätte so manches aus Rathenaus Tätigkeit zu lernen. Er kann unbesorgt sein: Er würde den Dank, den Rathenau erhielt, bestimmt nicht ernten. Sein ehemaliger Partei-Chef, der verstorbene Führer der SPD, Kurt Schumacher, rief einst dem ersten deutschen Bundeskanzler zu: "Kanzler der Alliierten!" Dieses Attribut wird ihm, dem Führer der zweitgrößten Partei der Bundesrepublik, dem Vizekanzler und Außenminister, niemand zulegen, wenn er den politischen Weg von Rathenau geht, womit ich natürlich nicht ein gänzliches Sichanlehnen an den Osten, sondern eine selbständige bundesdeutsche Politik meine. Ich persönlich, das möchte ich hier nicht verhehlen, sehe in Konrad Adenauer keineswegs einen Kanzler der Alliierten.
Der bundesdeutsche Außenminister wird wissen, daß die beste Exilkost nicht so gut schmeckt wie heimische Kost. Ich erinnere dabei an einen der größten Kulturphilosophen des letzten Jahrhunderts, den Schweizer Jacob Burckhardt Dieser hatte
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1868/69 in seinen dozierten "Weltgeschichtlichen Betrachtungen" vor Emigranten mit den Worten gewarnt: "Wünschbar wäre, daß Emigranten das Erlittene als ihren Teil Erdenschicksal auf sich nehmen und ein Gesetz der Verjährung anerkennen." (Kröners Taschenausgabe, Band 55, Seite 187). Wenn Brandt erreicht, daß die Kriegsverbrecherprozesse aufhören, hat er nicht nur Verbogenes zugunsten Deutschlands wieder geradegebogen, sondern auch seinen Kindern schon fast eine Garantie geschaffen, daß ihnen das Schicksal ihres Vaters erspart bleibt. Ich glaube, daß man dem jetzigen Führer der SPD und Bundesaußenminister zutrauen darf, ein neues Kapitel der deutschen Außenpolitik im soeben umrissenen Sinne einzuleiten, und das nicht nur zum Segen seiner Partei, sondern des ganzen Volkes. Fehler in der Innenpolitik rächen sich schwer in der Außenpolitik. Möge also Willy Brandt alles daransetzen, den Kriegsverbrecherprozessen ein Ende zu machen, damit das deutsche Volk nicht bis in spätere Generationen vergiftet wird.
Warum ich gerade den Führer der SPD als den zuständigen Mann für die Erfüllung dieser Aufgabe betrachte? Ich halte die Beziehungen der Bundesrepublik zu Israel und dem Zionismus für eines der schwersten Probleme. Aber die SPD pflegt doch freundliche Beziehungen zu Zionisten. Leider - als Jude muß ich leider sagen! - ist der Zionismus die treibende Kraft hinter den Kriegsverbrecherprozessen. Da nun gerade die Führer der SPD am wenigsten im Geruch des Neonazismus und des Antisemitismus stehen, sind sie meines Erachtens dafür prädestiniert, diese - bestimmt nicht leichte - Aufgabe anzupacken und zu bewältigen. Schließlich würden sich alle Staaten daran gewöhnen, daß bundesdeutsche Politiker deutsche Politik und nicht die Politik jenes Staates treiben, mit dem sie gerade verhandeln.
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Wir alle wissen, welch schwerer Verbrechen sich die Hitlerregierung in ihren 12 Jahren auf manchen Gebieten, namentlich aber gegen das europäische Judentum schuldig gemacht hat; grauenhafter Verbrechen, die niemals entschuldigt werden können und als düstere Wolke über der deutschen Geschichte schweben werden, solange man Geschichte schreiben wird.
Wenn indessen ein Angeklagter verurteilt und bestraft wird, nicht nur für Verbrechen, die er tatsächlich begangen hat, sondern auch noch weiterer Verbrechen beschuldigt wird, die er nie begangen hat, und schließlich auch noch auf Grund unzureichender Indizien schuldlos verurteilt und bestraft wird, dann hat das Weltgewissen zu erwachen, Gerechtigkeit zu fordern und die gekränkte Wahrheit wiederherzustellen. Wahrheit kennt doch keine nationalen Grenzen und müßte für alle gleich sein. Wer nicht nur die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse von 1945/46 aufmerksam verfolgt hat, sondern auch die endlose Kette von Beschuldigungen, Anklagen, Erpressungen, heuchlerischen Verdächtigungen und moralisch verbrämten Zwangsvollstreckungen, mit der Wehrlose gefesselt werden, kritisch betrachtet, der durchschaut die politische Tortur des besiegten Reiches - trotz der glatten diplomatischen Politur. Bot sich doch den Siegermächten vor 23 Jahren die einmalige, gierig ergriffene Gelegenheit, dem gefällten Riesen, den man jetzt schwerer Verbrechen überführte, auch noch die eigenen Sünden stillschweigend aufzuladen. Jetzt oder nie! Der hingestreckte Koloß hat einen breiten Rücken, dachten die Sieger und warfen die Bürde ihrer eigenen Schuld auch noch auf ihn. So wollten sie sich vor der Verantwortung, ja vor dem Weltgericht drücken, sich selbst sozusagen entsühnen. Das war freilich ein Trugschluß; denn die eine oder andere Wahrheit kommt jetzt eben doch, zögernd und immer wieder zurückgescheucht, ans Tageslicht. Vor 23 Jahren aber, als Deutschland ohnmächtig am Boden lag, konnte man seinem zerschlagenen Leib beliebig Brandmale einbrennen. Wahrlich, ein tragisches Schicksal: Schuld und Schuldlosigkeit gebaren ein politisches Schwächegefühl im deutschen Menschen, das er bis heute noch nicht hat überwinden können,
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und dafür, daß dieser Zustand erhalten bleibt, sorgen die sogenannten Freunde der Bundesrepublik. Es gibt Geschichtswerke führender Autoren - meist Engländer, Franzosen, Amerikaner -, die mutig ihr Licht ins Dunkel tragen und die unablässig behauptete Alleinschuld Deutschlands am zweiten Weltkrieg widerlegen, aber auch sonst in mancherlei Hinsicht Persönlichkeiten der jüngsten deutschen Geschichte Gerechtigkeit widerfahren lassen. Ich will auf diese Dokumente nicht eingehen. Meine Aufgabe ist es vielmehr, das spannungsreiche, zündstoffgeladene Verhältnis zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Judentum zu entschärfen, zu entgiften, um der Wahrheit und der Versöhnung willen, für den Frieden des einzelnen und der ganzen Welt. Daß die einander feindlichen Ideologien des Liberalismus und des Marxismus auch innerhalb der Judenheit heftig aufeinanderprallen, ist begreiflich und zur Genüge bekannt. Weniger bekannt ist, daß sogar die Interessen des Zionismus, wie wohl doch aus dem Judentum gewachsen, nicht selten gegen die Interessen eben dieses Judentum sich auswirkten.
Hier nur ein Beispiel aus dem Bereich des kämpferischen Zionismus, die Erklärung von Dr. Grünbaum, der 1928 in Warschau ausgerufen hat: "Die Juden verpesten die Luft in Polen!" Dieser Dr. Grünbaum, eine höchst eigenwillige zionistische Persönlichkeit, war damals der geistige Führer der polnischen Zionisten. Seine wiederholten antisemitischen Äußerungen trugen ihm in Streichers "Stürmer" das Lob ein: "Der Jude Grinbaum ist wirklich ein anständiger Jude!"
Leo Tolstoi sagt in "Anna Karenina": "Wenn man jemand Unrecht tut, beginnt man mit der Zeit auch noch, ihn zu hassen." Das ist logisch. Wenn man mit einem Menschen, dem man Unrecht zugefügt hat, den Mut aber nicht besitzt, das Unrecht wiedergutzumachen, immer wieder konfrontiert wird, dann handelt man eben wie ein charakterschwacher Mensch und beginnt auch noch, ihn zu hassen, aus schlechtem Gewissen heraus. Das trifft auch auf Gemeinschaften und ganze Völker zu.
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Tolstois Wort fiel mir ein, als ich anfing, einmal das Benehmen eines Großteils des britischen Volkes gegenüber dem bundesdeutschen unter die Lupe zu nehmen. Wie unfreundlich die Amerikaner und die Israelis sich betragen, habe ich in anderen Kapiteln aufgezeigt. Man stellt es gerne so hin, als gebe es den britisch-deutschen Gegensatz erst seit Adolf Hitler; in Wirklichkeit entstand er zu Beginn unseres Jahrhunderts. Dieses Einander-nicht-verstehen-wollen und Miteinander-nicht-auskommen-können verursachte nicht nur den ersten, sondern auch den zweiten Weltkrieg. Daß England einen großen Teil Schuld hieran trägt, ist längst erwiesen.
Nach dem zweiten Weltkrieg und dem rasch eingetretenen Zerwürfnis der Alliierten ging England mit den Amerikanern daran, einen deutschen Teilstaat, die Bundesrepublik, zu gründen. Man war sich von Anfang an darüber klar, daß durch Errichtung dieses Teilstaates die völkische und territoriale Spaltung zementiert würde. Darüber hinaus hoffte man, diesen Teilstaat in einen Freundesstaat "umzuerziehen". Diese Gründung der Bundesrepublik war mittlerweile für die Westmächte auch deshalb notwendig geworden, weil die Uneinigkeit unter den einstigen Alliierten bereits solche Formen angenommen hatte, daß in Korea ein Krieg ausbrach, der leicht einen dritten Weltbrand hätte entfachen können. Zur Verblüffung der Aufrichter der Bundesrepublik trat nun etwas ganz Unerwartetes ein: Der Sieger England wurde zusehends ärmer; der Rumpfstaat des besiegten Reiches sah dagegen seinen Wohlstand wachsen! Das verstärkte die Ablehnung der Bundesrepublik bei einem Großteil des britischen Volkes, und zwar wiederum aus schlechtem Gewissen und aus Neid. Beides ist vom Übel, beim Einzelnen wie bei einem Volk. Ich darf in diesem Zusammenhang daran erinnern, wie - gelinde gesagt - unfreundlich der erste Präsident der Bundesrepublik, Theodor Heuß, bei seinem offiziellen Besuch in England aufgenommen wurde: es läßt tief blicken, daß der überwiegende Teil der studierenden Jugend den deutschen Präsidenten schweigend und mit den Händen in den Taschen "begrüßte".
Mit der Vertiefung der staatlichen Beziehungen hielt die britische Abneigung gegen Deutschland Schritt. So bläst auch Eng-
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land, getreu dem israelischen und amerikanischen Vorbild, wacker ins antideutsche Horn, und so wird auch englischerseits stets aufs neue die Weiterverfolgung nur deutscher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verlangt. Man sucht seine Animosität zu tarnen, indem man gelegentlich mit dem Anwaltstalar um die Schultern jüdische Interessen zu verteidigen vorgibt - beileibe nicht britische! England macht, neben anderen "Freundesstaaten", keine Ausnahme: diese möchten ihren eigenen Anteil an Kriegsverbrechen und an Verbrechen gegen die Menschlichkeit - gemeint sind stets nur Untaten an Juden - auch noch dem deutschen Volk in die Schuhe schieben! Daher sollen die Kriegsverbrecherprozesse nie ein Ende nehmen. Man will einfach nicht zur Kenntnis nehmen, daß diese endlose Kette von Ungerechtigkeiten gegen deutsche Menschen böse Folgen haben dürfte. Es ist schon schlimm genug, wenn Zionisten so denken und handeln; noch schlimmer und trauriger aber ist es, wenn Nichtjuden ein Transparent "Verurteilt die Judenmörder!" vor sich hertragen: das erweckt leicht den Anschein, daß diese Nichtjuden in zionistisch-jüdischem Auftrag handeln. So entsteht das Trauma von der Weltmacht Alljudas, und wir haben einen neuen Antisemitismus. Schon im Hinblick auf diese Gefahr muß der obenerwähnten Verhaltensweise widersprochen werden.
Der zweite Weltkrieg brachte Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit sich. Am Ausbruch dieses Krieges war die englische Regierung mitschuldig. Deutsche Staatsmänner und Militärs, die im zweiten Weltkrieg tonangebend waren, wurden in Nürnberg gehenkt. Damit sind nun doch die "Hauptschuldigen" bestraft. Die bis jetzt geführten und noch zu führenden Prozesse richten sich nur mehr gegen das Befehlsempfänger-Fußvolk. In England wie in anderen Staaten wurden nicht einmal die Verantwortlichen, geschweige denn der kleine Mann zur Rechenschaft gezogen. Der zweite Weltkrieg verursachte in Europa die Ausrottung jüdischer Massen; doch von der Mitschuld hieran können auch all jene nicht freigesprochen werden, die zu gegebener Zeit gegen die Evakuierung jüdischer Menschen aus der Gefahrenzone gleichgültig waren oder sie gar verhinderten. Viele verantwortliche Engländer be-
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finden sich unter ihnen. Wenn man den Begriff Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht so eng gefaßt sehen will, daß er nur Verbrechen gegen Juden beinhalten soll, dann darf man nicht vergessen, daß es britische Geschwader waren, die damit begonnen haben, Bomben auf unschuldige Frauen, Greise und Kinder in Deutschland zu werfen. Sowenig wie ich dafür eintreten würde, jene Piloten, die ja nur einem Befehl gehorchten, als Kriegsverbrecher abzuurteilen, sowenig vermag ich es zu verstehen und gutzuheißen, daß man deutsche Männer, die, ebenfalls unter Eid und Befehl stehend, in Lagern und KZs Dienst taten, als Kriegsverbrecher einsperrt. Mit der rigorosen Nürnberger Prozedur wollte man doch angeblich künftigen Kriegen einen Riegel vorschieben. Das Suez-Abenteuer, auch von der englischen Regierung mitarrangiert, war nicht etwa ein Sonntagsspaziergang am Nil; es war vielmehr nach Nürnberger Paragraphen eindeutig ein Angriffskrieg. Schon deshalb allein müßte eigentlich jeder Engländer, der heute noch die Aburteilung von Untergeordneten als Kriegsverbrecher verlangt, vor Scham erröten. Jene Briten, die unentwegt fordern, man solle jene Deutschen, die sich vor einem Vierteljahrhundert an Juden vergangen haben, bestrafen, seien daran erinnert, daß Briten es waren, die dem deutschen Lager entronnene Juden, die in Palästina einwandern wollten, nicht in das Land ließen und jene, welchen die Landung gelang, beschossen, - daß es Briten waren, die den Großteil der nichtgelandeten Juden nach Zypern in ein KZ verfrachteten! Auch waren es britische Offiziere, die in Palästina jüdische Freiheitskämpfer am Schandpfahl henkten! Wenn gebildete Briten verlangen, man möge die deutschen Kriegsverbrecherprozesse verewigen, so muß man sich fragen: Wie können sie in Anbetracht dieser ihr Vaterland belastenden Tatsachen und weiterhin der Tatsache, daß niemand in der Welt die Bestrafung der erwähnten Befehlsempfänger forderte, auf der Verurteilung deutscher Befehlsempfänger bestehen!?
Wie wir wissen, wendet sich Englands Regierung des öfteren rat- und hilfesuchend an Bonn. Das beweist doch, daß die Regierungen ein freundschaftliches Verhältnis pflegen, und das gerade jetzt, wo doch in England die politische Macht bei Män-
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nern liegt, die der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ideologisch nahestehen. Ich denke dabei an die von bundesdeutscher Seite wiederholt an England gewährte Devisenhilfe, und an das Versprechen, das Aufnahmeersuchen Englands in die EWG zu unterstützen. Periodisch kommen Bonner Politiker nach London, und Londoner Politiker nach Bonn, was auch das freundschaftliche Verhältnis zwischen beiden Regierungen bekundet - ich hätte lieber gesagt: zwischen beiden Völkern. Leider kann ich das nicht; denn nicht nur der Durchschnittsengländer, sondern auch Leute von publizistischer Verantwortlichkeit benützen die Bundesrepublik als Zielscheibe von Angriffen, die im Grunde einen Kalten Krieg widerspiegeln. Ich weiß wohl, daß England ein demokratisches Land mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung ist; doch scheint mir in dieser Hinsicht so manches nicht zu stimmen: man darf hier eine Art Regie vermuten. Mir will es scheinen, als seien die gegen die deutsche Bundesrepublik und ihr Volk abgedrückten Pfeile, das Mitverantwortlichmachen der jungen Generation für die vor 30 Jahren geschehenen Taten der Väter, das stete Inslichtrücken des sogenannten schlechten deutschen Gewissens, planmäßig verbunden mit immer neuen Forderungen der englischen Regierung an Bonn.
Die Leiter der deutschen Massenmedien hätten meiner Ansicht nach die Verpflichtung, die von mir geschilderten Vorkommnisse auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und dann die deutsche Öffentlichkeit auf diese Schrift hinzuweisen, sowie die Verpflichtung, die Darbietungen ihrer britischen Kollegen anhand von Wahrheitsbeweisen richtigzustellen. Bedauerlicherweise muß gerade ich als Jude feststellen, daß so mancher deutsche Publizist sich auf den britischen Standpunkt stellt, ganz zu schweigen von jenen Deutschen, die offiziell in England als bundesrepublikanische Pressevertreter tätig sind. Ein Lichtstrahl freilich erhellt das geschilderte Dunkel: In London lebt ein bundesdeutscher Bürger, der im zweiten Weltkrieg als Flieger seine Pflicht gegen das Vaterland erfüllte. Zur Zeit gibt er Unterricht in deutscher Sprache. Die häufigen Anschuldigungen gegen sein Volk und sein Land trafen ihn tief: er legte sich selbst die Mission auf, wieder seinem Volk und seinem Vaterland zu
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dienen, indem er, zwar mit aller Fairneß, aber auch mit dem gebotenen Nachdruck für die Belange der Wahrheit eintrat. Er scheute kein Opfer und verklagte sogar zwei Massenmedien. Wenn je einer die höchste bundesdeutsche Auszeichnung verdient hat, dann dieser mutige und ehrenhafte Dr. C. Thorne.
Als am 12. Mai 1967 die Londoner Zeitung "Daily Telegraph" (Weekend Telegraph) einen gehässigen antideutschen Aufsatz brachte, der alles Dagewesene übertraf, wandte sich Dr. Thorne um Unterstützung an mich - schon deshalb, weil die Verfasserin des Aufsatzes vermutlich jüdischer Konfession ist. Nachdem ich alle erforderlichen Unterlagen erhalten hatte, betrachtete ich es als Ehrenpflicht, die erbetene Unterstützung zuzusagen. Ich bemühte mich um ein[e] geeignete Antwort auf den haßerfüllten Artikel. Er sei hier, wenn auch bereits in einer bundesdeutschen Zeitung erschienen, wörtlich wiedergegeben:
Das bekannte englische Blatt, der "Daily Telegraph" (Weekend Telegraph) vom 12. Mai 1967, brachte einen größeren Aufsatz, betitelt "Mord oder Krieg - Das Rechtsdilemma, das Deutschland teilt", von Gitta Sereny. Wenn man diesen Aufsatz aufmerksam liest, wird man das Gefühl nicht los, daß er einen Beitrag darstellt, der Stimmung für den kalten Krieg machen soll. Es werden darin Behauptungen aufgestellt, die jedweder Vernunft entbehren. Sie halten auch keinerlei kritischer Betrachtung stand. Auch wenn man davon absieht, daß der obenerwähnte Artikel unseriös ist, bleibt immer noch, daß er nur mit negativen Dingen aufwarten kann. Was wir brauchen, ist weniger das Trennende - und schon gar nicht der Haß als vielmehr das versöhnende, das zum Völkerfrieden beiträgt. Und wahrlich, die Erfüllung einer solchen Forderung müßte man doch von einem so angesehenen Presseorgan, wie es der "Daily Telegraph" ist, erwarten dürfen.
Ich weiß zwar nicht, welchem Volk die Autorin dieses Artikels angehört - ich jedenfalls bin Jude, und als solcher habe ich mein redlich Teil an der Tragödie des europäischen Juden-
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tums während des zweiten Weltkrieges tragen müssen. Dessen ungeachtet blieb ich stets bestrebt, die Ereignisse aus objektiver Schau zu erfassen. Deshalb kann ich unmöglich zu Anschauungen gelangen, wie Frau Sereny sie vertritt. Und dies nicht nur darum, weil ich seit etwa 20 Jahren in Westdeutschland lebe und dem Leitmotiv des Talmud huldige: "Verunreinige nicht den Brunnen, aus welchem du trinkst!", sondern auch, weil ich vernünftiger-- und logischerweise nicht anders kann. Also bemühe ich mich, im Rahmen meiner freilich geringen Möglichkeiten nach bestem Wissen und Können auf meine Weise zur Völkerversöhnung beizutragen. Im Dienste dieses Gedankens veröffentlichte ich bereits eine Reihe von Aufsätzen und vorher das Buch "Schuld und Schicksal - Europas Juden zwischen Henkern und Heuchlern".
Ich werde nun auf einige wesentliche Behauptungen des erwähnten Aufsatzes eingehen.
1. Massenmord ist ein Teil des deutschen Charakters.
Eine derartige Verallgemeinerung ist an und für sich schon ungeheuerlich. Ohne näher darauf einzugehen, müßte man fragen: Zählt Frau Sereny nun Kant, Lessing oder Beethoven zu den Massenmördern? Oder war mit dieser Behauptung der Deutsche von heute gemeint? Dann würde dies doch bedeuten, daß Kardinal Frings, Heinrich Mann und Willy Brandt massenmörderische Veranlagung haben. Dann waren also Massenmörder auch jene Deutschen, die selbst in den KZs umkamen. Diese Erwägungen allein führen bereits die Behauptung unter 1. ad absurdum.
2. Die Deutschen haben den Judenmord akzeptiert, sie sind durch ihre Passivität schuldig.
"Die Deutschen" - das steht auf derselben Linie wie oben: Teil "des" deutschen Charakters. Ein Volk der Passivität zu beschuldigen, ist wiederum unlogisch; aktiv sind stets nur einzelne oder kleinere Gruppen. Darüber hinaus kann eine solche Behauptung nur von einem Menschen aufgestellt werden, der keine Ahnung von einer Diktatur hat und in einer solchen auch noch nicht gelebt hat. Nach dieser Logik müßten ein Kardinal Faulhaber, ein Pastor Niemöller oder ein Kurt Schumacher den Judenmord akzeptiert haben. Nach der Dialektik von Gitta Se-
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reny haben "die" Engländer Schuld am Scheitern der Rettungsaktion Eichmann-Brand (es ging ja nur um eine bis zweieinhalb Millionen Juden!), da sie durch ihre Passivität dieses Fehlschlagen akzeptiert haben. Die Engländer tragen nach dieser Lesart auch Schuld an der Errichtung der KZs auf Zypern für jene Juden, die Auschwitz entronnen waren und nach Palästina hatten ziehen wollen. Auch geht dann das Drangsalieren, Henken und Morden der zionistischen Freiheitskämpfer in Palästina auf das Konto "der" Engländer, die sich in ihrer Demokratie keineswegs passiv verhalten müssen. Sogar der Generalankläger im Eichmann-Prozeß, Gideon Hausner, meint in seinem Eichmann-Buch, die Briten hätten gar keinen Anlaß, den Deutschen Passivität vorzuwerfen. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, als ob dieser kaltkriegerische Aufsatz die Judenprobleme nur als Deckmäntelchen benützt. Ein geschichtlich geschulter Engländer wird sich hüten, in dieser Form über Judenprobleme zu schreiben. Denn in der ganzen geschichtlichen Epoche konnten Juden auf der britischen Insel Verfolgungen ebensowenig wie anderswo entgehen. Im Gegensatz zu deutschen Herrschern erließ König Eduard I. Schon 1290 ein allgemeines Wohnverbot für Juden in seinem Reich, das etwa 200 Jahre galt. Darüber hinaus erlangten die Juden in England etwa 100 Jahre später als in Deutschland ihre bürgerliche Gleichberechtigung.
Es bleibt noch eine wichtige Angelegenheit zu klären, und zwar: Wenn man mithin dem deutschen Volk seine angebliche Passivität ankreiden will, wie steht es dann mit der echten Aktivität einiger markanter englischer Politiker zugunsten jener Deutschen, welche die Judenvernichtung akzeptierten oder organisierten? Kein Geringerer als Winston Churchill gratulierte nach den Berliner Olympischen Spielen 1936 Adolf Hitler, wodurch er das Prestige des Dritten Reiches erneut hob. Zwei Jahre später schrieb Churchill in seinem Buch "War and Peace" (Krieg und Frieden) im XVIII. Kapitel unter dem 11. November 1938 folgendes: "Sollte unser Land besiegt werden, so hoffe ich, daß wir einen Führer finden, der uns auf ebenso bewundernswerte Weise neuen Mut gibt und uns unseren Platz unter den anderen Völkern wiedererobert." Man könnte vielleicht dem
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Autor zubilligen, daß er ja 1938 noch nicht ahnen konnte, daß geheime Verbrechen während des Krieges zu Massenmorden an Juden führen würden: Aber die folgenden Worte sprach Winston Churchill erst nach Auschwitz: ". . . daß man den Deutschen Nahrungsmittel, aber auch Industrie und sogar Waffen lassen müsse, einfach, weil sie so gute Soldaten seien, die man gegen die Russen als Hilfstruppen brauche". (Baron Mosran of Manton, Churchills Leibarzt, in seinem Buch "Der Kampf ums Leben".)
3. Die Mehrzahl der Deutschen ist gegen die Fortsetzung von Kriegsverbrecherprozessen.
Das ist natürlich recht und billig. Trotz planmäßiger Verdummungspädagogik hat jeder Bundesdeutsche längst begriffen, daß diese Prozesse nicht der Gerechtigkeit dienen sollen, sondern als antideutsches Politikum anzusprechen sind. Kriegsverbrechen wurden von allen Beteiligten während des zweiten Weltkrieges begangen. Den besten Beweis dafür liefert die Tatsache, daß die Alliierten, als sie 1954 mit der Bundesrepublik einen Vertrag schlossen, ihrem deutschen Partner untersagten, andere Kriegsverbrechen als deutsche zu verfolgen.
4. 14 Millionen wurden von den Deutschen ermordet, und zwar sollen es mehr Slawen als Juden gewesen sein.
Wenn dies etwa als "beste Schätzung" gelten soll, so ist dies in höchstem Grade unser[i]ös. Denn wir verfügen bis heute weder über einigermaßen genaue noch gar über amtliche Statistiken. Es wäre richtiger und vorteilhafter, wenn Frau Sereny zusammen mit dem "Daily Telegraph" dem UNO-Sekretariat jenen Vorschlag unterbreiten würden, den ich bereits veröffentlicht habe: Die UNO möge sich mit diesbezüglichen statistischen Arbeiten befassen. Nur dies könnte dem willkürlichen Jonglieren ein Ende setzen.
5. Die Deutschen wollen nichts davon "hören"; denn sie haben nichts gegen die NS-Massenmorde und entschuldigen sie.
Wie eingangs berichtet, lebe ich wahrlich lange genug in der Bundesrepublik und habe mit allen möglichen Teilen der Bevölkerung Kontakt aufgenommen. Jedoch noch niemals kam mir zu Ohren, daß irgend jemand die NS-Massenmorde entschuldigt hätte.
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6. Die deutsche Schuld: Wiederum muß ich mich entschieden gegen die Verallgemeinerung wehren. Ist doch nach religiöser Auffassung und weltlichen Gesetzen in allen Ländern jeder nur für seine eigenen Taten verantwortlich. Mich schaudert, wenn ich lesen muß, "die" deutsche Schuld. Hörte ich ja oft genug auch "die" jüdische Schuld an der Passion Jesu. War es nicht Stürmerscher Sprachgebrauch, stets zu schreiben "die" Juden? Das Vergehen eines einzelnen Juden war immer in der Rubrik "Das Vergehen 'der' Juden" zu finden. Ist dies nicht ein Analogon zu der Sereny'schen Art, zu formulieren?
Hoffentlich habe ich mit diesem Beitrag geholfen, den sonderbaren Artikel zu entschärfen. Ich erlaube mir, Frau Sereny und den "Daily Telegraph" zu ersuchen, das Erbe Victor Gollanz' anzutreten. Dieser große Humanist, Schriftsteller und Verleger hat vorexerziert, wie man alle Kräfte für Versöhnung und Völkerfrieden aktiviert. Er verkörperte den guten Engländer und den guten Juden. Heute mehr noch als zu Gollanz' Zeit dürsten die Völker nach Ruhe und Versöhnung, und nur dies eben kann Frieden bringen und bewahren. Jede Aktivität in dieser Richtung wird segensreich sein.
("Deutsche Wochenzeitung" Nr. 30 vom 28. Juli 1967, Seite 9.)
Wie mir mitgeteilt wurde, wandte sich Dr. Thorne in einer ähnlichen Angelegenheit an Dr. van Dam, der ihm auch seine Unterstützung gewährte, was durchaus begrüßenswert ist. Nur bleibt mir unverständlich, warum der "Jüdische Pressedienst", dessen Herausgeber der "Zentralrat der Juden in Deutschland" ist, und für dessen Redaktion Dr. H. G. van Dam und Paul Spiegel verantwortlich sind, mich wegen ähnlicher Fälle angreift.
Im März 1967 wurde ich von der Verteidigung als Zeuge und Sachverständiger in einem Kriegsverbrecherprozeß nach Münster vorgeladen; ich sagte der Wahrheit gemäß und nach bestem Wissen und Gewissen aus (siehe Vorwort). Das hyperzionistische, in München in Jiddisch erscheinende Blatt, die "Neue Jüdische Zeitung", die mich laufend angreift, nahm auch dies zum Anlaß, mich nach Strich und Faden zu verleumden. Wenn nach der verbogenen Logik dieser Schmocks ein Jude in einem deutschen Kriegsverbrecherprozeß als Zeuge nicht der Wahrheit die
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Ehre geben darf, da er ansonsten antijüdisch und antiisraelisch handelt, dann bin ich wohl ein Demagoge. (Mit diesen Herren werde ich mich in einem Sonderkapitel noch befassen müssen.) Daß die Herren des "Jüdischen Pressedienstes", die jüdische Deutsche sind, wenn sie sich auch Juden in Deutschland nennen, plötzlich die gewohnte Objektivität vermissen und sich von den ideologisch und vaterländisch Heimatlosen anstecken ließen, hätte ich nun freilich nicht für möglich gehalten.
So druckte der "Jüdische Pressedienst" in seiner Nummer 3 vom April 1967 auf Seite 9 unter der Überschrift "Monstrositäten im Stanislau-Prozeß" einen ungezeichneten Aufsatz, in dem es unter anderem von mir hieß: ". . . der durch seine Publikationen in der 'Deutschen National-Zeitung und Soldaten-Zeitung' und durch sein Buch 'Schuld und Schicksal' . . . seit langem als ein Helfer antijüdischer Propaganda bekannt ist, . . ."
Die Janustaktik der Zentralratler zeigt aber eine Grimasse. Wenn ich, zum Beispiel, am 3. März 1967 in der verpönten "Deutschen National-Zeitung" den greisen Kölner Kardinal Frings verteidigte, den der zionistisch geschulte USA-Rabbiner Nußbaum aufs schwerste beleidigt hatte, dann war das wahrscheinlich antijüdische Propaganda. Wenn Herr Dr. van Dam etwas später nicht umhin konnte, sich ebenfalls schützend vor den beleidigten Kardinal zu stellen, wenn auch nicht in der "Deutschen National-Zeitung", dann war das keine antijüdische Propaganda. Wenn Dr. van Dam, wie oben bemerkt, auf das Hilfeersuchen des Londoner Deutschen Dr. Thorne positiv reagierte, dann war das keine antijüdische Propaganda. Hingegen war mein Aufsatz als Antwort auf den Angriffsaufsatz im "Daily Telegraph" zugunsten von Dr. Thorne antijüdische Propaganda. Weitere Beispiele erspare ich mir; die angeführten beleuchten schon grell genug die bedrückende Tatsache, daß mit zweierlei Maß gemessen wird.
Allerdings glaube ich zu wissen, weshalb Dr. van Dam dem Chutzpe-Blättchen "Neue Jüdische Zeitung" Schützenhilfe leistete: Während die Münchener Zionisten sich mit Israel identifizieren, begnügt sich Dr. van Dam, sich mit diesem Staat solidarisch zu erklären, was ihm nicht gerade Begeisterung von der
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Münchener Seite einträgt. Und so hat er die Scharte wohl, wenn auch etwas krumm, ausgewetzt . . .
In dem oben erwähnten Artikel lesen wir weiter: "Auch bedeutet es eine Schändung des Andenkens an den ehemaligen Berliner Rabbiner und Humanisten Leo Baeck, . . . ihn kommentarlos mit seinem Satz zu zitieren: 'Die Interessen der Nationalsozialisten sind mit denen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland identisch'."
Nebbich, kann man da nur sagen. Auch hier habe ich Verständnis für die Herren vom "Jüdischen Pressedienst", die sich nicht mit der Wahrheit abfinden können. Es ist eben unangenehm, daran erinnert zu werden, daß die Führer des deutschen gemeinsam mit dem palästinischen Zionismus mithalfen, das NS-Regime salonfähig zu machen, und mit diesem kollaborierten. Sie biederten sich bei der Hitler-Regierung an und gingen so weit, Leute ihrer zionistischen Weltorganisation zu desavouieren. Bekanntlich riefen Vertreter des Weltzionismus einen Boykott gegen Deutschland aus. Die deutschen und palästinischen Zionisten versetzten durch ihre pronazistische Einstellung der Geschlossenheit des zionistischen Auftretens einen Dolchstoß! Auf dem 18. Zionistischen Weltkongreß in Prag nannte der weltbekannte Schriftsteller Schalom Asch diese Handlungsweise: Verrat am Weltjudentum.
Das gesprochene Wort verweht im Wind und kann vergessen werden, Geschriebenes aber nicht. Schon die alten Römer wußten: Verba volant, scripta manent. (Worte vergehen, Geschriebenes bleibt.)
Der Anonymus scheint jedoch auch beim Zitieren nicht korrekt zu sein. Dr. Leo Baeck war nicht nur aktiver Zionist, sondern auch Großpräses des deutschen Distriktes des "Bne Briss" und hatte noch andere leitende Positionen inne.
Ich schrieb wörtlich: ". . . erklärte die Ziele des Judentums und die des Nationalsozialismus einfach für mit einander identisch." So und nicht anders hat sich der Präsident des deutschen Rabbiner-Verbandes geäußert, so und nicht anders habe ich ihn zitiert.
Ich wiederhole: Es ist unangenehm, nicht leugnen zu können, daß zionistische Führer die Interessen des Nationalsozia-
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lismus mit jenen des Judentums für parallellaufend hielten. Wahrscheinlich hatten diese Führer 'Zionismus' gemeint, wenn sie 'Judentum' sagten. Und angesichts des Vorwurfs, ich hätte obige Tatsache kommentarlos zitiert, muß man sich fragen: Welchen Kommentar hätten sich die Herren denn erwartet? Ich könnte mir höchstens noch folgenden Kommentar denken: Die Düsseldorfer Herren mögen einmal ihre Lieblingsbeschäftigung vernachlässigen, für die Fortführung der Kriegsverbrecherprozesse besorgt zu sein. Statt dessen sollten sie die schrecklichen Folgen der zionistischen Politik vor und im Kriege einer näheren Betrachtung unterziehen: die Kriegserklärung im Namen des Weltjudentums an Deutschland, Boykotterklärung gegen das deutsche Reich, systematische Sabotierung jüdischer Auswanderung in außerpalästinische Länder, die dann an der Verbringung von Juden in KZs und Lager mitschuldig war. Die physische Vernichtung steht auf einem anderen Blatt.
Man soll aus der Geschichte lernen. Die heutigen Zionisten könnten beispielsweise aus den Fehlern der gestrigen folgende Schlußfolgerung ziehen: sich nicht länger für eine Fortführung der Kriegsverbrecherprozesse einzusetzen.
Ich bin unverbesserlich! In meinem Optimismus hoffe ich immer noch auf eine Sinnesänderung in Düsseldorf.
Abschließend sei noch bemerkt: Es ist sehr zu bedauern, daß die bundesdeutschen Massenmedien dem Dr. Thorne nicht nur keinerlei Unterstützung angedeihen lassen, sondern im Gegenteil seine Bestrebungen noch totschweigen. Es wäre doch für Westdeutschland gut, wenn in jedem Land, in dem antideutsche Propaganda an der Tagesordnung ist, ein Dr. Thorne lebte: edles Gewächs unter Unkraut. Möge ersteres die Kraft haben, sich unter letzterem zu behaupten!
Am 20. Juli 1967 sprach vor der UNO-Vollversammlung Israels Außenminister, Herr Abba Eban. In seinem temperamentvollen Plädoyer für die Sache seines Landes führte er unter anderem aus:
"Unsere Nation ist gegenüber Hitler-Deutschland niemals kompromißbereit gewesen, hat niemals mit ihm einen Pakt geschlossen . . ."
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Diese geschichtlich-politisch wildgewachsene Behauptung von Herrn Eban kann und darf nicht unwidersprochen bleiben. Entweder ist es eine diplomatische Entgleisung oder Herr Eban wünscht die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit zu übertünchen. Ich stelle fest:
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Wie dem auch sei, für zionistische Geschichte verdient Abba Eban die Note 6; eine schlechtere gibt es nicht.
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"Wer also Sühne für Schuld verlangt durch gerechte Bestrafung der Verbrechen nach dem Maß ihrer Schuld, muß peinlich darauf achten, daß er nicht das gleiche tue, was er dem anderen als Schuld oder Verbrechen vorhält."
(Pius XII. in seiner Weihnachtsansprache 1945 an das Kardinalskollegium)
Die Festlegung der Verjährung von Vergehen und Verbrechen zählt zu den strafrechtlichen Befugnissen jedes souveränen Staates. Im deutschen Sprachgebiet - vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz - ist diese Befugnis seit mindestens vierhundert Jahren gesetzlich verankert, wobei juristisch umstritten geblieben ist, ob das schwerste aller Verbrechen, der Mord, überhaupt unter die Verjährung fallen könne; doch diese Streitfrage ist in der doktrinären Luft der Theorien hängen geblieben. Der Verfolgungsmöglichkeit sind bestimmte Fristen gesetzt, die sich aus der Tatsache ergeben, daß dem Gedächtnis von Anwälten, Richtern und Zeugen zeitliche Grenzen der Zuverlässigkeit gesetzt sind, die eine Verlängerung ad infinitum sinnlos machen; also werden Vergehen zumeist nach Ablauf von fünf Jahren nicht weiter verfolgt. Für die Strafverfolgung von Verbrechen liegen die Verjährungsfristen zwischen zehn und zwanzig Jahren: Nach Ablauf von zwanzig Jahren - gerechnet vom Tage seiner Begehung - ist somit jedes Verbrechen verjährt, auch der Mord. Da nicht nur im übrigen Europa, sondern auch im überseeischen Staatenbereich der weißen Rasse die Verjährung und ihre Befristungen ähnlich gehandhabt werden wie im deutschen Sprachbereich, so ist es auf diesem Gebiet bisher niemals zu zwischenvölkischen Streitigkeiten gekommen; mir wenigstens ist kein Fall bekannt, daß ein Staat die Verjährungsfristen eines anderen Staates angefochten hätte.
Es bleibt dem Zionismus des Staates Israel vorbehalten, in
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diese jahrhundertealte Rechtsstruktur einzugreifen und für sich Sonderrechte zu fordern, die einer fremden Souveränität - in unserem Falle der bundesdeutschen - frech ins Gesicht schlugen und weiterhin schlagen. Woher nimmt sich der Staat Israel solche "Rechte" ? Seit Jerusalems Zerstörung durch Titus hatte es kein jüdisches Recht und keine verbindliche jüdische Rechtsprechung mehr gegeben; denn überall in der Welt standen die Juden unter dem Fremdenrecht ihrer Gastländer, und bestenfalls über ihre eigenen Glaubensgenossen war ihnen zuweilen eine interne Jurisdiktion zugebilligt worden. Das änderte sich auch grundsätzlich im 19. Jahrhundert noch nicht, und erst als der junge Staat Israel im Jahr 1948 sein eigenes souveränes Recht zu setzen vermochte, konnte ein Teil der Judenheit, wenn auch nur ein kleiner, vor der Welt wieder als Rechtsprecher auftreten, wobei sich sein - wie wir sehen, stark umstrittenes und vielfach angefochtenes - Rechtsgebaren vor allem gegen Bundesdeutschland richtete - mit dem nicht einmal moralisch, bestimmt aber nicht juristisch begründeten Vorwurf, die BRD sei als Rechtsnachfolgerin des Dritten Reiches verantwortlich für die Judenermordungen des Hitler-Regimes, wenn nicht gar mitschuldig an ihnen.
Zur Erhärtung dieses dubiosen Vorwurfs wurde nicht nur der Eichmann-Prozeß als Weltspektakulum aufgezogen, sondern gleichzeitig auch der Sturmangriff auf das deutsche Strafrecht eingeleitet zu dem Zweck, die Auschwitz-Prozesse (ich wähle der Kürze halber diesen Sammelbegriff) bis in alle Ewigkeit zu verlängern, damit den Kollektivschuldvorwurf bis ins Unabsehbare lebendig zu erhalten, vornehmlich aber den Geldzufluß aus der Reparationsquelle am Versickern zu hindern und ergiebig murmelnd weiter nach Israel strömen zu lassen. Zwar würden durch diese Geld- (und Waffen-!) Lieferungen die getöteten Juden nicht wieder zum Leben erweckt; auch würden deren Hinterbliebene dadurch um die ihnen zustehenden Entschädigungen geprellt; allein die israelische Staatskasse werde - so sagen sich die "Kronjuristen" in Jerusalem und Tel Aviv wie in Bonn - dank dieser Zuflüsse auf lange Zeit saniert, und für ebensolange Zeit bleibe Bundesdeutschland der weltöffentlichen Mißachtung ausgeliefert, das deutsche Volk jedoch in seinem Inneren
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moralisch und in seiner Selbstachtung zerrissen - einfach dadurch, daß man von außen her deutsche "Hiwi", Schnüffelnasen und Denunzianten, dazu deutsche Staatsanwälte und Richter stets von neuem beschäftige und damit gegen die gesunde deutsche Volksmeinung ausspiele, die endlich einmal den längst fällig gewordenen Schlußstrich gezogen zu sehen verlangt!
Die Herren der "Allgemeinen Unabhängigen Jüdischen Wochenzeitung", die in Düsseldorf erscheint, haben wie alle jene, die zu diesem Kreise gehören, schlaflose Nächte wegen der Unverjährbarkeit der deutschen Kriegsverbrechen. Diese Angelegenheit ist seit eh und je eine Herzensangelegenheit der genannten Wochenzeitung. "Zufällig" befragte ein Vertreter dieses Blattes in Bonn kompetente Persönlichkeiten in der Angelegenheit Verjährung. Dies geschah im Januar 1968. Und ebenso "zufällig" sprach ein Vertreter der USA B'nai Brith beim Bundeskanzler in der nämlichen Sache vor. In Anbetracht der Wichtigkeit dieses Interviews sei es nachstehend wiedergegeben.
"'Wie sieht es mit der Verjährungsfrage aus?' wollte ich von informierter Seite wissen: 'Im Justizministerium (von dem seit Minister Heinemann die wesentliche Initiative in der Frage ausging) hat sich nichts Neues getan. In der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Juristen ist die Meinung laut geworden, daß etwas geschehen müsse, um den Ablauf der Verjährung zu verhindern. Vielleicht kommt von dort ein neuer Auftrieb für dieses Problem. In der SPD-Fraktion hat sich Martin Hirsch energisch eingesetzt in der Sache. In der Strafrechtskommission sind die Beratungen, ob die Verjährung verschwinden soll, ins Stocken geraten, weil der Vorsitzende Max Güde (Generalbundesanwalt a. D., CDU-MdB) wochenlang krank war.'
'Das Kabinett hat im September einen Beschluß über den Gesetzentwurf zur Aufhebung der Verjährungsfrist bei Mord und Völkermord von der mehrheitlichen Zustimmung oder Ablehnung in den Fraktionen abhängig gemacht. Im November sah es nicht so aus, als ob der Gesetzentwurf und die Diskussion darüber bei den Abgeordneten auf Gegenliebe gestoßen sei.'
'Die Abgeordneten in allen Fraktionen hatten keine große Neigung, jetzt schon an das Problem heranzugehen.'
'Nur zeitlich oder grundsätzlich?'
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'Ich hatte den Eindruck, daß es nicht nur zeitlich war. Aber es wurde zeitlich motiviert. Man sagte, andere Dinge seien eiliger. Ich glaube aber, daß es sich um eine grundsätzliche Abneigung handelt; ich täusche mich da bestimmt nicht. Es sieht jetzt aber so aus, als ob das Problem von dieser Seite, von den SPD-Juristen her, wieder aufgegriffen wird.'
'Minister Heinemann meinte Anfang November, wir würden besser dastehen, wenn bei uns die Verjährung bereits aufgehoben wäre, bevor die im UNO-Sonderausschuß beratene Konvention über die Unverjährbarkeit von Mord und Völkermord erfolgt sei. Wie steht es dort um die Beratungen; ist die Konvention in den Maschen hängengeblieben?'
'Aus dem Osten kamen vor kurzem Nachrichten, die Konvention stehe bevor; als wir uns danach erkundigten, hörten wir jedoch, daß im Gegenteil die Sache zurückgestellt worden ist für einige Monate.'
'Aus welchen Gründen?'
'Einen Grund an sich könnte ich schwer nennen. Es ist momentan so, daß keine echte Mehrheitsbildung zustande kommt. Das liegt vor allem an Meinungsverschiedenheiten zwischen Rußland und Amerika. Man kann darüber einig werden, ob die Konvention grundsätzlich für Mord und Völkermord oder nur für NS-Verbrechen gelten soll. Dazu hat nun auch die dritte Welt eine ganz differente Stellung eingenommen. Allgemein sind die Fronten längst nicht mehr so klar wie früher. Das hat nicht nur zu der Zurückstellung geführt, sondern auch dazu, daß sich der Druck von dort gegen uns gelockert hat. Im September haben wir den von dort auf uns ausgeübten Druck noch sehr stark als Argument mitbenutzen können für die Aufhebung der Verjährung.'"
Die von mir in Kursiv gebrachte Stelle wird beweisen, daß man auch in Bonn zu begreifen beginnt, daß die Verjährungsfrist nur für NS-Verbrechen aufgehoben werden soll. Daß deutsche Politiker klar zu sehen anfangen, ist zu begrüßen und läßt hoffen, daß diese sich von den Interessen der deutschen Sache und nicht von fremden Interessen leiten lassen werden.
Im März-April 1966 wurde in der Menschenrechtskommission der UNO, auf Initiative Israels und Polens, vorgeschlagen, die
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Verjährung für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufzuheben. Für den eingebrachten Vorschlag stimmten Vertreter von 19 Staaten, darunter Israel und die USA. Die einzige Gegenstimme kam aus dem Irak, aus jenem Land also, das vom Vorwurf, Kriegsverbrechen begangen zu haben, nicht betroffen wird. Dieser Vorgang stellt die Richtigkeit des kursiv zitierten Satzes unter Beweis: daß die Aufhebung der Verjährungsfrist nur die Bundesrepublik treffen soll. Womit erwiesen sein dürfte, daß in der Menschenrechtskommission der UNO, was die Angelegenheit Aufhebung der Verjährungsfrist betrifft, geheuchelt und Demagogie getrieben wird. Man wird sich auch über eine allgemeingültige Definition der Begriffe Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht einigen können. Wie bereits erwähnt, stimmten auch die USA für die Aufhebung der Verjährungsfrist. Damit war selbstverständlich nur an die Aufhebung dieser Frist für deutsche Kriegsverbrechen gedacht, die vor etwa einem Vierteljahrhundert begangen worden waren. Verfolgung der eigenen, in Vietnam begangenen Kriegsverbrechen steht natürlich nicht zur Debatte.
Da nun klar geworden ist, daß lediglich deutsche Kriegsverbrechen niemals verjähren sollen, dürfte der Punkt Beendigung der Kriegsverbrecherprozesse von der Bonner Tagesordnung bis zu seiner Verwirklichung nicht mehr verschwinden. Möge die Große Koalition die auf sie auch hinsichtlich dieses Belanges gesetzten Hoffnungen nicht zuschanden werden lassen!
Insbesondere müßte sich die Führung der SPD daran erinnern, wie Polen seinerzeit die Auslieferung des markanten SPD-Führers Hinrich Kopp als eines Kriegsverbrechers verlangte, woraus ersichtlich wird, wie man mit dem Begriff Kriegsverbrechen jonglieren kann.
Man dient Recht und Gerechtigkeit nicht, wenn man in Bonn immer nur Leute empfängt und anhört, die das Problem in einseitigdeutschfeindlicher Weise angehen, wie den Vertreter der "Allgemeinen Unabhängigen Jüdischen Wochenzeitung" und der B'nai Brith. So brachte UPI am 18. Januar 1968 folgende Veröffentlichung:
"Ihre Besorgnis über 'gewisse antidemokratische Kräfte' in der
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Bundesrepublik äußerte eine Delegation der internationalen jüdischen Organisation B'nai Brith in einem Gespräch mit Bundeskanzler Kiesinger. Die Vertreter der Organisation betonten, es sei notwendig, schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit von der Verjährung auszuschließen."
Bevor ich auf die Intervention des B'nai Brith eingehe, sei erklärt, was diese Organisation voreinst wollte, und was sie heute will. Die Schreibweise für den deutschen Distrikt war Bne Briss, Söhne des Bundes (1. Moses 17, 2).
B'nai Brith wurde am 13. Dezember 1843 in New York gegründet. Nach den Statuten dieser Logen sollte es deren Aufgabe sein, Witwen, Waisen, Kranken und in Not geratenen jüdischen Volksangehörigen zu helfen; vor 1933 gab es auf der ganzen Welt etwa 600 solcher Logen. Aus den Satzungen des B'nai Brith geht klar hervor, daß diese Gemeinschaft nur philant[h]ropischen und humanen Zwecken dienen soll; von politischer Betätigung steht in den Statuten nichts. An diese Vorschriften hielten sich bis vor kurzem die Maßgebenden dieser Logen. Seit es den Zionisten, ihrer Gepflogenheit und ihrem Streben getreu, geglückt ist, auch hier die Führung an sich zu reißen, hat sich dies leider geändert.
Denn als der hochverehrte, zionfreundliche Herr Dr. Wechsler als Repräsentant des B'nai Brith bei Bundeskanzler Kiesfinger vorsprach - siehe obiges Zitat -, war ja wohl der Beweis für die Richtigkeit dieser Behauptung erbracht. Er ließ sich als verlängerter Arm der zionistischen Führung benützen. Denn man mag die UPI-Pressemeldung vom 18. Januar 1968 lesen und durchkämmen wie man will, man wird beim besten Willen von menschenfreundlichem Hilfsstreben nichts entdecken können. Denn wenn Dr. Wechsler sich korrekt an seine Satzungen gehalten hätte, dann hätte sein Vorbringen bei Kanzler Kiesinger folgendermaßen aussehen müssen: Jene überreiche, bedingungslose Unterstützung, die dem Staat Israel fortgesetzt zuteil wird, geht zum größten Teil auf Kosten unzähliger Juden, die wirklich wiedergutmachungsberechtigt und bedürftig sind (auch sol-
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che, die in Israel in Not leben). Der Intervenient hat in Bonn bewiesen, daß er zu dem neuen "Bund" gehört, den die Zionistische Weltorganisation mit dem Staat Israel geschlossen hat, worüber schon berichtet wurde. Herr Dr. Wechsler scheint zu glauben, daß man mittels einer Weiterverfolgung wirklicher und angeblicher deutscher Kriegsverbrechen für Witwen und Waisen Hilfe schaffen kann. Ich meine allerdings, daß, wenn der New Yorker B'nai-Brith-Vertreter in Bonn die zitierte Besorgnis äußert, unsererseits Besorgnis am Platze ist. Das Verlangen nach solch unjuristischen Auswüchsen der Kriegsverbrecherverfolgung könnte jene provozieren, die mit Recht gegen solche Auswüchse sind. Und wenn man diesen Faden weiterspinnt, so ist die Gefahr eines hiermit heraufbeschworenen neuen Antisemitismus nicht von der Hand zu weisen. Wenn Herr Dr. Wechsler um jeden Preis Besorgnisse hegen will, wenn er sich ferner unbedingt politisch betätigen möchte, dann findet er im Weltjudentum und in seinem Land Amerika wahrhaftig ein reiches Betätigungsfeld. Er hätte sich somit die weite Reise nach Bonn ersparen können. Seine ideologischen Freunde beobachten einen in der Welt im Wachsen begriffenen Antisemitismus. Nur tun sie nichts dagegen, ja, ihre Handlungen erscheinen manchmal so, als seien sie darauf abgezielt, den Antisemitismus zu schüren.
Die in der erwähnten UPI-Meldung zitierten Vertreter von B'nai Brith haben wohl gar nicht bedacht, daß sie, wenn sie einerseits das Gespenst "gewisser antidemokratischer Kräfte" zu erblicken glauben, andererseits fordern, schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit von der Verjährung auszuschließen - womit sie natürlich allein deutsche Kriegsverbrechen meinen -, Gefahr laufen, daß dieses Gespenst Fleisch und Blut annimmt.
Dem Antisemitismus können jedoch die genannten Vertreter am wirksamsten dadurch zu Leibe rücken, daß sie zuerst einmal vor der eigenen Tür kehren und damit verdienten Repräsentanten des Judentums und deren Tradition folgen. Ich denke zum Beispiel an die Repräsentanten des argentinischen Judentums, die in den zwanziger und zu Beginn der dreißiger Jahre alle jene Juden aus den Gemeinden und sämtlichen jüdischen Organisationen ausschlossen und boykottierten, die irgendwie
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mit der Liebesindustrie zu tun hatten, Und wenn heute wieder in manchen westlichen Staaten Juden sich mit solch anrüchigen Geschäften befassen, so schädigen sie dadurch nicht nur das Gastland in moralisch-ethischer Hinsicht, sondern auch die Judenheit. In Israel würde man ja auch nicht dulden, daß ein Nichtisraeli - falls überhaupt nötig - ein als Bar getarntes Freudenhaus führen würde. Wie kommen also Juden in anderen Ländern dazu, derartiges zu tun? Oder mußte es unbedingt ein Jude sein, der die "Oben-ohne-Mode" durchsetzen wollte? Ist das nicht eine Methode, die westliche Jugend ganz einfach zu prostituieren? Dient nicht die Beatle-Mode - auch von einem Juden aufgebracht - dazu, die westliche Jugend zu idiotisieren? Solche und ähnliche Dinge scheinen den Herren der USA-B'nai-Brith keine Sorge zu bereiten. Sie beklagen sich in Bonn über "gewisse antidemokratische Kräfte"; sie wollen die Kriegsverbrecherprozesse ad infinitum weitergeführt wissen und bemerken darüber offenbar gar nicht, daß in den USA der Antisemitismus bereits wie Unkraut wuchert. Dort existieren allein 90 antisemitische Zeitungen und Zeitschriften, 12 antijüdische Vereinigungen; des weiteren gibt es Bars, Restaurants und andere öffentliche Räumlichkeiten, welche die Aufschrift tragen: "Für Hunde, Juden und Neger ist der Eintritt verboten." In jener Stadt, die mehr jüdische Einwohner zählt als der ganze Zionstaat - New York -, kommen immer wieder judenfeindliche Anschläge, Beschädigungen jüdischer Geschäfte, Synagogenbrände, Schändungen jüdischer Friedhöfe, Morde an Juden vor. In dieser "Juden"-Weltstadt dürfen Gruppen in braunen Uniformen und mit Hakenkreuzbinden frei demonstrieren. Weder die Vertreter des B'nai Brith, noch jene zionfreundlichen Juden, die sogar höchste Staatsämter bekleiden, haben bisher ihrem Präsidenten gegenüber Besorgnis über diese katastrophalen Mißstände geäußert oder ein Einschreiten verlangt. Im eigenen Hause haben sie offenbar wenig Mut oder sind der Meinung, dies alles gehöre zur demokratischen Freiheit. Aber der Bundesrepublik wollen sie nicht einmal den winzigsten, lächerlichsten Bruchteil dieser Freiheit zugestehen. Ist das Arroganz oder Dummheit? Chutzpe ist es indessen auf jeden Fall, wenn ein noch so geringfügiges Vorkommnis in der Bundesrepublik,
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das auf Antisemitismus zu deuten scheint, in den USA bis zum Mond hinauf aufgebauscht wird. So brachte die New York Times am 28. Februar 1966 einen längeren Bericht ihres Vertreters in Deutschland über eine unbedeutende Schändung des alten, aufgelassenen jüdischen Friedhofs in München. Ihr Bonner Korrespondent, Herr Philipp Schabekoff, hielt es für wichtig, sich von Bonn nach München zu bemühen. Er unterhielt sich mit Vertretern der Israelitischen Kultusgemeinde und mit solchen Personen, die Scheuklappen tragen. Diese ignorierten die diesbezüglichen öffentlichen Verlautbarungen und übertrieben das Vorkommnis propagandistisch und maßlos. Der Korrespondent berichtete entsprechend an seine Zeitung, die prompt mit einer eingefärbten Meldung reagierte. Diese und ähnliche Verzerrungen seitens der zionistischen und der USA-Presse sorgen dafür, daß die gelenkte Deutschendiffamierung in den USA, wie erwähnt, nicht von der Tagesordnung verschwindet.
Nebenbei sei angeführt, daß Herr Dr. van Dam, Hetman des "Zentralrates der Juden in Deutschland" von eigenen Gnaden, sich am 18. Februar 1966 mit einem Vertreter des britischen B'nai Brith über jüdische Angelegenheiten in der Bundesrepublik unterhielt. Dr. van Dam meinte: "Wir können mit Sicherheit sagen, daß in den letzten Jahren in Westdeutschland der Antisemitismus eine Neigung zum Steigen zeigt."
Dr. van Dam, der Generalsekretär des Judenrates und Mitherausgeber des "Jüdischen Pressedienstes", gehört zu jenen, die dahin wirken, daß die Kriegsverbrecherprozesse in Deutschland kein Ende nehmen, die jede zionistisch-israelische Forderung unterstützen, die an die Bundesrepublik herangetragen wird, und sich mit Israel solidarisch fühlen (van Dam hat aber das Bundesverdienstkreuz akzeptiert). Würden Herr van Dam und jene, die Zionismus im Superlativ praktizieren, als bundesdeutsche Bürger lieber die Tradition jener Juden pflegen, die Deutsche mosaischen Glaubens waren und deutsche Politik machten, so würden sie damit einem Wiederheraufkommen des Antisemitismus einen Riegel vorschieben.
Hinzu kommt: es wäre erfreulich, wenn auch die Bonner Politiker mithelfen würden, ein Wiedererwachen des Antisemitismus zu verhindern. Einer der Wege hierzu ist, Repräsentanten
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à la Dr. Wechsler "zeitmangelshalber" nicht zu empfangen. Soviel ich weiß, war es in der Geschichte der Bundesrepublik bisher nur ein einziger Politiker, der den Mut aufbrachte, für sogenannte Repräsentanten des Judentums keine Zeit zu haben, nämlich der ehemalige Bundesaußenminister Dr. Gerhard Schröder. Als der heutige Bundesverteidigungsminister Ende November 1964 sich in Washington befand, meldeten sich bei ihm verschiedene zionistische Vertreter von Ein- oder Zwei-Mann-Parteien an, um ihm "Ratschläge" für die Bundesrepublik zu erteilen. Und siehe da: Der Bundesaußenminister bedauerte, er habe keine Zeit. Trotzdem setzte auf Dr. Schröders Absage hin keine Verfolgung gegen ihn ein; man überging den Vorfall mit Schweigen. Diese sogenannten Vertreter der Judenheit hatten begriffen, daß sie von Dr. Schröder durchschaut worden waren, und ließen ihn fürderhin in Ruhe.
Es wäre segensreich für die Bundesrepublik sowohl als auch für die deutsch-jüdische Frage, wenn maßgebende Politiker sich an Dr. Gerhard Schröder ein Beispiel nehmen würden.
Herr van Dam nimmt auch als Delegierter zionistischer Organisationen der Bundesrepublik an internationalen zionistischen Kongressen teil, die im Ausland stattfinden. So war er auch dabei, als der 26. Zionistische Weltkongreß in Israel abgehalten wurde. Zu jener Zeit lief in aller Welt unter zionistisch-israelischer Regie eine Kampagne gegen die Bundesrepublik wegen der deutschen Raketenspezialisten, die in Ägypten tätig waren. Man verlangte nicht mehr und nicht weniger, als daß die demokratische Bundesrepublik unverzüglich diktatorische Gesetze erlassen solle, auf Grund deren diese deutschen Wissenschaftler aus Ägypten hätten nach Deutschland zurückbeordert werden können, was jedoch eindeutig gegen die deutsche Verfassung verstoßen hätte. Dieser antibundesdeutschen Kampagne schloß sich auch der bundesdeutsche zionistische Delegierte, Herr van Dam, bundesdeutscher Bürger und - wie schon erwähnt - Träger höchster bundesdeutscher Auszeichnungen, an. Er richtete, gemeinsam mit anderen bundesdeutschen Delegierten, aus Israel ein Telegramm an Bundeskanzler Ludwig Erhard des Inhalts, daß diese Wissenschaftler zurückzurufen seien,. Er tat es, obwohl Israel damals keine diplomatischen Beziehungen mit
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Bonn unterhielt. (Genauso benahm sich, wie in einem anderen Kapitel behandelt, der DGB-Vorsitzende Rosenberg.) Durch diese Handlung solidarisierte er sich mit der allgemeinen zionistischen antideutschen Haltung; darüber hinaus erhoffte er für sich und seine bundesdeutschen Mitdelegierten Sympathien seitens der Israelogen. Denn man darf nicht vergessen, daß Juden, die nicht nach Israel ziehen wollen, erst recht aber Exilzionisten, in Israel als Juden zweiter Klasse gelten und als solche behandelt werden. Man nützt sie zwar als Handlanger für israelische Interessen nach Kräften aus, setzt sie ansonsten aber bei jeder passenden Gelegenheit zurück. Wie an anderer Stelle dargelegt, wurden die Juden in der Bundesrepublik, namentlich die sogenannten Zionisten, die nicht nach Israel wollen, als Schwarzhändler apostrophiert und später mit der wenig schmückenden Bezeichnung "Abfall, Müllkiste des Weltjudentums" belegt, die bundesdeutschen Herren Zionistendelegierten natürlich eingeschlossen.
Der Generalsekretär des "Zentralrates der Juden in Deutschland", van Dam, wurde, ehe er Israel verließ, von einem Vertreter des größten Boulevardblattes interviewt: es wurden ihm allzupersönliche, unangenehme Fragen vorgelegt. Die Zeitung brachte zwar van Dams Erklärungen; zum Schluß jedoch stellte der Interviewer ironische Überlegungen an, weshalb eigentlich van Dam in der Bundesrepublik verbliebe, statt ins Land der Väter auszuwandern!?
Wenn man das Aushängeschild "Zentralrat der Juden in Deutschland" liest, wird man unsanft an die schreckliche Zeit erinnert, in der es in den KZs und Lagern Judenräte gab. Die verheerende, traurige Rolle, die sie spielten, kann nicht oft genug angeprangert werden! Und mit der von den Zionisten selbst gewählten Bezeichnung "Juden in Deutschland" machen sie sich die Nürnberger Ausdrucksweise von 1936 zu eigen, allerdings mit dem kleinen Unterschied, daß die Ideologen der Nürnberger Gesetze als Verbrecher gegen die Menschlichkeit gehenkt wurden. Indessen verlangen jene, die sich mit Vorliebe "Juden in Deutschland" nennen, eine ewige Verfolgung jener Deutschen, die sich gegen die Menschlichkeit vergangen hatten. Um die Pflege des Nürnberger Erbes vollkommen zu machen, fehlte
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nur noch, daß der Zentralrat seinen Betreuten raten würde, dem bereits vorhandenen männlichen Vornamen den Namen Israel, dem bereits vorhandenen weiblichen den Namen Sara voranzustellen. Er würde damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen; denn dadurch käme er dem israelischen Begehren entgegen, nach dem jedem in Israel Einwandernden nahegelegt wird, Vor- und Zunamen zu hebräisieren. (Als Ben Gurion noch Führer der sogenannten Sozialistischen Partei und Ministerpräsident war, setzte er durch, daß einer, der sich weigert, seinen Namen zu hebräisieren, kein Amt in dieser Mapai und keinen Ministerposten bekleiden darf.)
Herr van Dam gehört ja zu den Zionisten des Düsseldorfer Kreises, die sich mit Israel solidarisch erklären, während die Münchener Zionisten sich mit Israel identifizieren, wie anderwärts eingehend behandelt. Es erhebt sich nur die Frage, was man unter dieser Solidaritätserklärung zu verstehen hat? Wären die Düsseldorfer Zionisten einverstanden mit einer allfälligen rechtsradikalen Regierung in Israel und deren Handlungsweise oder mit einer Militärdiktatur? Mit einer Volksfrontregierung unter kommunistischer Führung? Bejahen diese Düsseldorfer Zionisten Attentate, die in der Bundesrepublik verübt wurden, namentlich jenes Attentat auf Dr. Adenauer, dem immerhin ein Münchener Polizist zum Opfer fiel? Erklären sie sich auch dann noch solidarisch, wenn gewisse Leute in der Bundesrepublik schalten und walten, wie sie wollen? Wobei ich an den Münchener Fall Gestapo-Müller denke. Haben wir es bei dieser Solidaritätserklärung mit Prinzipienlosigkeit, mit politischem Analphabetentum oder mit Heuchelei zu tun?
Mögen die bundesdeutschen Zionisten sich solidarisieren oder identifizieren, sie werden von den Israelogen niemals als vollwertige Juden betrachtet werden. Aus mehreren Beweisen greife ich folgenden makabren Fall heraus:
Im April 1965 verstarb in München der reiche Kaufmann Sp. Seinem Wunsche gemäß wurde die Leiche nach Israel überführt. In Israel wurden Stimmen laut gegen den toten Exilzionisten: es wurde dem Toten das Recht auf eine traditionsgemäße Beerdigung abgesprochen, es sei denn, seine Witwe wäre bereit, eine angemessene größere Geldsumme für Israel zu spenden.
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(Vor der Gründung des Staates Israel war es bei strenggläubigen Juden, die vermögend waren, vielfach üblich, wenn sie glaubten, dem Tode nahe zu sein, nach Palästina zu ziehen oder eine letztwillige Verfügung zu treffen, nach ihrem Tode ins Land der Väter überführt zu werden, um in heiliger Erde bestattet zu sein. Dies im Glauben, daß der Messias eines Tages kommen und die Toten auferwecken würde, und sie würden dann unter den ersten sein.) Der Staat Israel legt mit Recht Wert auf lebende Einwanderer, nicht aber auf tote. Auch der hier angeführte Fall sollte wohl ein Exempel statuieren. Er sollte außerdem die "solidarischen" und die "identischen" Zionisten nachdenklich stimmen.
Jedenfalls steht fest, daß die Zionisten in der Bundesrepublik sich in eine wenig beneidenswerte Lage gebracht haben; denn sie passen so richtig weder in die Bundesrepublik, noch nach Israel, und ihre Nachkommen, die ja nach pseudozionistischen Grundsätze erzogen werden, können seelisch und geistig in einen Konflikt geraten.
Das Wichtigste sei abschließend hier unterstrichen: Diese zionistische Tätigkeit in der Bundesrepublik kann sich für die gesamte Judenheit nur schädlich auswirken. Das fortgesetzte Wirken gegen bundesdeutsche Interessen, der unaufhörliche Ruf nach Weiterführung der Kriegsverbrecherprozesse kann ein Wiederaufleben des Antisemitismus zur Folge haben, weil ja der Mann aus dem Volk den Unterschied zwischen "Jude schlechthin" und "Zionist" gar nicht kennt. Die theatralisch aufgezogene "Woche der Brüderlichkeit" verspricht in Anbetracht der oben angeführten Hindernisse kaum Erfolg; denn wer soll den Juden denn Brüder sein, wenn nicht das ganze bundesdeutsche Volk? Die zionistische Tätigkeit in der Bundesrepublik steht einer ehrlichen, bedingungslosen jüdisch-deutschen Versöhnung im Wege.
Es sei hier an die erwähnte Unterredung van Dams mit einem Vertreter des britischen B'nai Brith erinnert. Van Dams besorgter Feststellung, der Antisemitismus zeige eine Neigung zum Steigen, würde sofort das Fundament entzogen, wollte der Zentralrat der Juden in Deutschland bloß darangehen, seine Praktiken zu überprüfen und sein Verhalten ein wenig den bun-
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desdeutschen Interessen anzupassen: dies wäre für andere zionistische Richtungen in der Bundesrepublik gewiß wegweisend. Möchten die Angesprochenen bald Einkehr halten!
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"Selbst wenn wir denen fluchen, die uns widerrechtlich kränken und uns Böses zufügen, ist dieser Fluch, Gott behüte!, keine Vorschrift der Religion, sondern dem Tun eines Gekränkten ähnlich, der dem eigenen Sohn oder Bruder flucht; allein ferne ist es von uns, ein Volk, selbst wenn ein Teil desselben uns Böses getan hat, im ganzen zu verfluchen."
Rabbi Elieser Aschkenasi (1513-1586)
Die Anrechnung irgendwelcher Kollektivschuld - stets von Seiten des jeweiligen Siegers und nur dem Besiegten gegenüber gehandhabt - ist so alt wie die Geschichte der menschlichen Kriegführung: Seit den frühesten Zeiten des Altertums wird uns von dieser Methode der "Bestrafung" berichtet, und namentlich auch die Geschichte des jüdischen Volkes, dargestellt im Alten Testament, wimmelt nur so von Schilderungen, wie jüdische Stammesfürsten und Könige ihre besiegten Feinde mit der Kollektivschuld belasteten und deren Völker daraufhin ausrotteten; dies ereignete sich sogar mehrfach nach dem Austragen blutiger Fehden zwischen den einzelnen Stämmen des Volkes Israel, wobei der siegreiche Stamm stets im Namen seines Gottes eine tödliche Kollektivrache übte. Beispiele anzuführen erübrigt sich; jeder Kenner des Alten Testamentes weiß um sie.
Das nachchristliche Abendland verfuhr keineswegs milder oder gerechter. Auch seine Geschichte ist reich an Grausamkeiten der Siegerwillkür; man "ging aufs Ganze" und rottete das Volk des unbequemen Feindes aus.
Zu den größten Propheten unseres Volkes gehört Jeremia. Zu ihm sprach Gott, der Herr: ". . . und ich will nicht mehr zornig blicken auf euch; denn ich bin gnädig und grolle nicht ewig!" (Jer. 3, 12). Dieses Gotteswort jedoch haben unsere heutigen
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Kollektivschuld-Ideologen ganz bewußt vergessen, obgleich es für alle Zeit gültig bleibt. Sie aber hören nicht auf, Rache zu predigen und den Haß zu verewigen.
Auch den christlichen Kirchen ist der Begriff der Kollektivschuld fremd und somit anstößig; namentlich die Katholische Kirche hat sich durch den Mund des Papstes Pius XII. mehrfach klar gegen ihn ausgesprochen. Schon vor dem Kriegsende sagte er (am 2. Juni 1944 vor dem Kardinals-Kollegium): ". . ., daß heute wie in vergangenen Zeiten die Kriege schwerlich den Völkern als solchen zur Last gelegt und als Schuld angerechnet werden können." -
Vom Geiste dieser versöhnlichen Haltung, nicht nur dem Besiegten gegenüber, ist auch der Ausspruch des Rabbi Elieser Aschkenasi erfüllt, den ich diesem Abschnitt vorangestellt habe; aus ihm schimmert das Morgenrot einer neuen Zeit, das auch die alte jüdische Weisheit in sein helles Licht bettete.
Wie konnte es nun geschehen, daß seit 1945 das Trauma der Kollektivschuld über dem deutsche