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Paul Latussek
Der Vizepraesident des "Bundes der Vertriebenen", referierte vor der "Gesellschaft fuer freie Publizistik"



Was bedeutet es, wenn in der BRD der Vizevorsitzender einer Organisation mit (nach Eigenangaben) 2.000.000 Mitgliedern bei der "Gesellschaft fuer freie Publizistik" (GfP) referiert, die einst vom Reichspressechef der NSDAP Helmut Suendermann gegruendet wurde und heute vom Verfassungsschutz der BRD als die groesste "rechtsextreme" Kulturorganisation gefuehrt wird? Was bedeutet es weiter, wenn es sich bei der Organisation mit den 2.000.000 Mitgliedern um den "Bund der Vertriebenen" (BdV) handelt, der Teil eines vom Bundesinnenministerium der BRD angeleiteten Geflechts von Vorfeldorganisationen der inoffiziellen deutschen Aussenpolitik ist, und der im wesentlichen von den Millionenbetraegen lebt, die jaehrlich aus den Kassen der Gemeinden, Laender und des Bundes auf seine Konten fliessen?
Dies bedeutet, dass eine Organisation, wie der BdV, die eng mit den derzeitigen Regierungsparteien der BRD verbunden ist, sich nicht scheut, mit neofaschistischen Organisationen zusammenzuarbeiten, dass im BdV zumindest ein grosser Fluegel existiert, der solche politischen Partner nicht ablehnt. Der Fuehrer dieses Fluegels ist Paul Latussek. Juengst machte er Schlagzeilen, als er eine als fuenfminuetige Grussrede geplante Ansprache auf dem "Tag der Heimat" dazu nutzte, ein Grundsatzreferat zu halten, das anschliessend den Bundespraesidenten Roman Herzog zu der Feststellung veranlasste, dass heute Ostpreussen, Schlesien, Pommern oder das Sudetenland Teile Russlands, Polens und Tschechiens seien. Es kam zu einem Eklat, als daraufhin Roman Herzog aus dem Publikum oeffentlich als "Vaterlandsverraeter" beschimpft wurde.
Wer ist Paul Latussek?
Paul Latussek begann seine Karriere 1990 als er in der letzten DDR-Volkskammer ein Mandat fuer die "Deutschen Sozialen Union" (DSU) errang. Die DSU, ein Versuch der CSU in der Region der ehemaligen DDR Fuss zu fassen, ist inzwischen bedeutungslos geworden, ihre Jugendorganisation in das Spektrum des militanten Neofaschismus konvertiert. Allein Paul Latussek konnte seine politische Karriere weiter ausbauen. Er nutzte hierzu sein Ticket als Vertriebenenfunktionaer in Thueringen und ist mittlerweile zu einem der Vizevorsitzenden des BdV aufgestiegen, 1996 sogar in den Vertriebenenbeirat des Bundesinnenministeriums gewaehlt worden. Dieser Karriere taten Kontakte zu Neofaschisten bislang keinen Abbruch. Seine Veroeffentlichungen im spektrumsuebergreifenden Organ des deutschen Neofaschismus "Nation und Europa" verursachten keinen Karriereknick, ebensowenig wie die Tatsache, dass er sich von der "Jungen Freiheit" unter der Ueberschrift: "Ich bin fuer klare Worte" zum Interview bitten liess. Ein Freund klarer Worte scheint Latussek wahrlich zu sein. So meinte er im "Witiko Brief" in einer von ihm geschriebenen Rezension des von Rolf-Josef Eibicht herausgegebenen Buchs "Hellmut Diwald - Sein Vermaechtnis fuer Deutschland": "Das Buch wendet sich (...) an alle an Recht und Freiheit orientierten Deutschen."1
Eine kleine Kostprobe gefaellig aus dem programmatisch die nachfolgenden Beitraege einleitenden Aufsatz des Herausgebers dieses Buches, das Latussek den Deutschen zur Lektuere an Herz legt? Bitte schoen:
1. Die innenpolitische Kriegserklaerung:
"Die Krebsgeschwuere der nationalen Verelendung befinden sich mitten unter uns. Wir sollten es erkennen und danach handeln! Es sind jene, die auf der Basis des Elendes unseres Volkes ihre zweifelhaften Positionen errangen, jene, die Macht erlangten als Richter, Propheten und unertraegliche ideologisierte Heils- und Sinnvermittler in den Medien. (...) Man praegt und deutet, verzerrt und manipuliert die Vergangenheit in willkuerlicher Art und Weise, verspielt somit die Zukunft (...). Fuer Voelkermord gibt es keine Verjaehrung. Auf fuer den Genocid oder Voelkermord der Geschichtszerstoerung unseres Volkes kann es keine Verjaehrung geben. Dies sollten wir nicht vergessen, um einmal auch dementsprechend handeln zu koennen. Wer die Existenz des eigenen Volkes durch Geschichtszerstoerung bedroht, muss sich klar sein, dass er als Schreibtischtaeter auch einmal dafuer zur Verantwortung gezogen werden kann und wird."2
2. Die aussenpolitische Kriegserklaerung:
"Wir muessen heute alles tun, um begreifen zu lernen, wie es zu einem erneuten Totalverzicht auf die deutschen Ostgebiete und das Sudetenland kommen konnte, um anschliessend unabdingbar die Revision dieser nationalen Niedertracht ohne Beispiel (...) anzustreben. Und dass wir eine Revision anstreben werden, sollte uns ein jeder glauben, komme, was da wolle. (...) Die anderen werden erst noch von uns begreifen lernen muessen, dass vor dem Frieden die Realisation der Freiheit steht und stehen muss. (...) Aus der Staerke heraus werden wir unueberhoerbar sprechen. (...) Haltet Deutschland nicht fuer tot, ehe ihr seine Leiche gesehen habt. Aber selbst dann duerftet ihr euch irren." 3
Was will Paul Latussek?
Welchen aussenpolitischen Kurs faehrt ein fuehrender Funktionaer einer 2.000.000 Mitglieder zaehlenden Organisation, der solches den Deutschen zur Lektuere empfiehlt? Nun, er setzt auf eine alte Strategie der "Chemischen Aufloesung" insb. der oestlichen Nachbarstaaten.4 Als Ausgangsposition empfahl er im Organ des BdV, der "Deutschen Umschau", die durch die 2+4-Vertraege festgelegten deutschen Grenzen im Osten "als Uebergangsloesungen zu akzeptieren". Von hier ausgehend solle die Bundesregierung darauf draengen, dass die "Deutschen"5 in Polen ein institutionalisiertes Mitbestimmungsrecht und die im Rahmen des Potsdamer Abkommens von 1945 ausgesiedelten Deutschen ein Rueckkehrrecht erhalten. Die so installierten "Deutschen Minderheiten" sollen dann verstaerkt durch oekonomischen und politischen Druck seitens der deutschen Regierung, etwa bei den Verhandlungen ueber die EU-Aufnahme Polens und Tschechiens, ins Rennen um ein "Recht auf Heimat" gebracht werden.
Die Formel des "Rechts auf Heimat" steht in einem Kontext, der schlimmstes befuerchten laesst. "Recht auf Heimat" meint auch die Moeglichkeit, Kulturautonomie einer Region, in der die installierte Minderheit hauptsaechlich siedelt, zu erlangen, meint letztenendes auch das Recht auf Herausloesung aus dem alten und Anschluss an einen anderen Staat, also an Deutschland. Wer die Vorgeschichte des 2. Weltkrieges, die Form der Okkupation der CSR kennt, weiss woher der Wind weht, weiss, das solchen Leuten wie Latussek das Handwerk gelegt werden muss.
Aktionen gegen Latussek
Anlaesslich der Rede Latusseks vor den Neofaschisten der GfP in Herford, gelang dies einer Gruppe von 100 jungen AntifaschistInnen, die die Polizei ueberrumpelten und einen Abbruch der Veranstaltung erzwangen. Doch ist Latussek noch immer in hohen Aemtern und Wuerden, so hoch, dass 100 junge AntifaschistInnen an sie nicht heranreichen. Selbst als geraume Zeit nach den Aktionen der AntifaschistInnen in Ostwestfalen das Fernsehmagazin "Report" ueber den Auftritt Latusseks in Herford berichtete und Annelie Buntenbach fuer die Gruenen im Bundestag eine Kleine Anfrage zu Latusseks Nazi-Kontakten stellte, brachte dies den Vizechef des BdV nicht zu Fall. Zwar krachte es gehoerig im Gebaelk des BdV-Bundesvorstandes und der Praesident WittmannLatussek und eine neue Revanchistenpartei
Aus dem BdV-Landesverband Thueringen, dem Latussek vorsteht, sind nun Aktivitaeten zur Gruendung einer neuen Revanchistenpartei zu bemerken. Diese Partei, die den Namen "Partei der Heimatvertriebenen und Entrechteten" (PHE) tragen soll, wird am 21.6.97 in Zwickau ihren Gruendungsparteitag abhalten. Als Redner ist u.a. Paul Latussek eingeladen. Dass Latussek damit erneut mit Neofaschisten paktiert, belegt der Umstand, dass diese neue Partei sich den "Bund fuer Gesamtdeutschland" zum Buendnispartner erwaehlt hat. Interessant ist der sozialpolitische Bezug im Programm der PHE. Da relativ viele derjenigen, die aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und dem Sudetenland in die DDR umgesiedelt wurden, auf enteignetem Junkerland ein neues Zuhause fanden, die Altbesitzer jetzt ihrer alten Pfruende wieder habhaft werden wollen, schlaegt die PHE u.a. folgendes vor: Statt sich gegen die Ansprueche der Altbesitzer zur Wehr zu stetzen, will man selbst vermeintliche Ansprueche in den Staaten Ost- und Mitteleuropas durchsetzen.
Man darf gespannt sein, ob diese neuen neofaschistischen Kontakte Latusseks ihn nun endlich fuer den BdV untragbar machen. Sollte es zu personellen Konsequenzen in Sachen Latussek kommen, duerfte dies zu heftigsten Auseinandersetzungen im BdV fuehren. Spannend ist hier insbesondere die Haltung der Ostpreussen und ihres Chefs von Gottberg, der eine weitere maechtige Figur des ultra-rechten Fluegels im BdV-Vorstand ist.


Anmerkungen:
1) Latussek, Paul: Buchbesprechung, in: "Witiko Brief", Folge 5, 1994 (Der "Witiko Brief" ist das Mitteilungsblatt des elitaeren "Witikobundes", eines Zirkels, der von hochrangigen NS-Funktionaeren aus der okkupierten CSR nach dem 2. Weltkrieg gegruendet wurde.) (Zurück zum Text)
2) Eibicht, Rolf-Josef: Hellmut Diwald, Tuebingen 1994, S.21, ebd., S.32f. (Zurück zum Text)
3) Eibicht, Rolf-Josef: Hellmut Diwald, Tuebingen 1994, S.21, ebd., S.32f. (Zurück zum Text)
4) Als in der Zeit vor 1938/39 in der NS-Fuehrung darueber beraten wurde, wie die CSR vom nationalsozialistischen Deutschland okkupiert werden sollte, standen zwei Varianten des Vorgehens zur Debatte. Zum einen eine klassisch-militaerische Okkupation und zum zweiten eine "chemische Aufloesung" der CSR, wie sie Ernst von Weizsaecker vom Auswaertigen Amt betitelte und favorisierte. Agent dieser chemischen Aufloesung sollte die sudetendeutsche Bevoelkerung sein. Diese "chemische Aufloesung" wurde realisiert. Der NS-Staat setzte die Sudetendeutschen als 5. Kolonne innerhalb der CSR ein. (Zurück zum Text)
5) Selbstverstaendlich sind diese als "Deutsche" bezeichneten Menschen polnische, russische oder tschechische Staatsbuerger, doch kennt das deutsche Recht noch immer das archaische "Ius Sanguinis", das Blutsrecht. Deutscher ist demnach, wer irgendwann einmal deutsche Vorfahren hatte, ob er z.Z. eine andere Staatsbuergerschaft besitzt ist sekundaer. Dieses Blutsrecht ist der Hebel, mit dem von Deutschland 5. Kolonnen in anderen Laendern installiert werden.


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