Einleitung
1985 promovierte Henri Roques an der Universität Nantes mit der Doktorarbeit "Les confessions de Kurt Gerstein. Etude des différentes versions. Edition critique" (Die Geständnisse Kurt Gersteins. Untersuchung der verschiedenen Versionen. Kritische Ausgabe). Er erhielt von der Prüfungskommission die Note "sehr gut".
Um diese Dissertation entwickelte sich unter dem Druck gewisser Lobbies ein enormer Skandal in Politik und Medien. Am Ende wurde auf ausdrücklichen Befehl des in Panik geratenen Hochschulministers die Promotion unter dem Vorwand von höchst anfechtbaren Verfahrensmängeln aufgehoben.
Diese lächerlichen und grotesken Vorgänge werden ausgiebig in einem Buch von André Chelain (ein Pseudonym) geschildert, das 1989 unter dem Titel "La thèse de Nantes et l'affaire Roques" (Die Dissertation von Nantes und die Affäre Roques) erschienen ist. In diesem Buch ist der vollständige Text der berühmten Dissertation nachzulesen. Erst seit dieser Zeit ist es möglich, sich wissenschaftlich mit den Texten von Gerstein und der zwiespältigen Persönlichkeit dieses Ex-SS-Offiziers zu befassen. Henri Roques nennt diese Texte "Geständnisse", was ihrem Charakter besser entspricht als die vorher jahrzehntelang übliche Bezeichnung "Gerstein-Berichte". Sie sind häufig in Auszügen veröffentlicht worden, manchmal verfälscht und immer "ad usum delphini" gereinigt worden, damit die Leser keine unziemlichen Fragen stellten. Beim Lesen der vollständigen Texte hätte sich unvermeidlich die Frage nach ihrer Vertrauenswürdigkeit gestellt.
Seit seiner Veröffentlichung ist das Buch von tausenden, vielleicht zehntausenden von Menschen gelesen worden. Einige davon dürften Historiker gewesen sein, viele aber einfach Leute, die wissen wollten, was in den Konzentrationslagern in Polen während des Hitler-Regimes wirklich geschehen war. Waren unter den Lesern auch Chemiker oder Ingenieure? Man weiß es nicht; keiner hat dazu Stellung genommen. Das ist verständlich, denn Techniker sind gewöhnlich von ihrem Beruf voll in Anspruch genommen; sie lesen höchstens eines oder zwei der konformistischen Standardwerke, die ihnen eine manichäische Sicht des 2. Weltkriegs und des Naziregimes bieten. Sie haben nicht die Zeit, sich auf Berichte von einigen Dutzend Seiten zu konzentrieren, die ein seit 1945 verschwundener SS-Offizier geschrieben hat. Ihr Schweigen ist also verständlich, aber bedauerlich. Denn in den Texten von Gerstein sind die Seltsamkeiten und Absurditäten auf dem Gebiet der Chemie und der Ingenieurwissenschaften ebenso auffallend wie diejenigen, die Henri Roques mit seiner philologischen Methode aufgedeckt hat.
In unserer Untersuchung werden wir diese Absurditäten herausstellen und der beruflichen Ausbildung von Gerstein gegenüberstellen. Im 1. Kapitel behandeln wir die schulische, universitäre und berufliche Laufbahn von Kurt Gerstein. Danach werden wir die wichtigsten groben Fehler behandeln, die in den verschiedenen Versionen der Geständnisse und den dazugehörigen Papieren auftauchen. Das Problem der Vergasung von Menschen durch Abgase eines Dieselmotors werden wir beiseite lassen, weil es schon von anderen erörtert worden ist (z. B. von F. B. Berg, "The Diesel Gas Chambers", veröffentlicht in Journal of Historical Review, Spring 1984, S. 24). Ebenso bleiben kleinere Fehler unberücksichtigt.
In unserer Schlußbetrachtung werden wir eine zumindest teilweise Erklärung des seltsamen Vehaltens von Kurt Gerstein versuchen. Die vollständige Erklärung kann nur ein Psychiater liefern. Auch Léon Poliakoff, einer der Entdecker des Gerstein-Berichts, der diesen als erster in seinem Buch "Bréviaire de la haine" im Jahre 1951 veröffentlicht hat, schreibt in dem Nachwort zu dem Buch von Saul Friedländer "Kurt Gerstein ou l'ambiguité du bien" (Tournai 1967) auf Seite 200: "Die Psychiater könnten vieles zum Fall Gerstein sagen".
Die wenigen Darlegungen in der Chemie und den Ingenieurwissenschaften, die wir vortragen werden, sind für jedermann verständlich. Heute werden in den Gymnasien die Eigenschaften der Blausäure und des Kaliums zwei oder drei Jahre vor dem Abitur behandelt. In öffentlichen Bibliotheken zugängliche Nachschlagewerke, sogar Lexika wie der "Brockhaus" oder "Meyer" geben unter den Stichworten "Blausäure", "Cyanverbindungen" und "Cyanide" ausreichend Auskunft.
Wir brauchen also kaum wissenschaftliche Werke zu zitieren. Wir werden allerdings ziemlich oft das Buch von André Chelain zitieren, das wir durch die Initialen AC abkürzen; seine Kenntnis ist für das Verständnis unserer Untersuchung unerläßlich. Bei den Texten folgen wir der von Henri Roques angegebenen Numerierung:
--T I, handgeschriebener Text, französisch, mit Datum vom 26. 4. 1945
--T II, maschinengeschriebener Text, französisch, mit Datum vom 26. 4. 1945
--T III, maschinengeschriebener Text, deutsch, mit Datum vom 4. 5. 1945, von höchst zweifelhafter Herkunft
--T IV, handgeschriebener Text, französisch, mit Datum vom 6. 5. 1945
--T V, maschinengeschriebener Text, französisch, mit Datum vom 6, 5, 1945. Es handelt sich um die Niederschrift einer Vernehmung, wahrscheinlich nach Diktat von Gerstein, durch einen Sekretär des ORCG (Organisme pour la recherche des crimes de guerre=Organisa-
tion für die Untersuchung von Kriegsverbrechen) in Paris.
--T VI, maschinengeschriebener Text, deutsch, von ebenso zweifelhafter Herkunft wie T III.
--Protokoll der Vernehmung vom 26. 6. 1945 durch Major Beckhardt vom ORCG
--Protokoll der Vernehmung vom 19. 7. 1945 durch den Militärrichter Major Mathieu Mattéi in Paris
--Demande d'avocat (Gesuch an das Militärgericht
um Gestellung eines Verteidigers), handgeschrieben auf französisch
am 15. 7. 1945
Kurt Gersteins schulische, universitäre und berufliche Laufbahn
1916 trat Kurt Gerstein in das humanistische Gymnasium in Saarbrücken ein. Sein Vater war dort Richter am Landgericht und wurde 1919 mit seiner Familie aus dem Saargebiet ausgewiesen.
Der junge Kurt besuchte dann zwei andere humanistische Gymnasien in Halberstadt und Neuruppin und bestand 1925 sein Abitur.
Die Gersteins waren eine großbürgerliche Familie und stammten aus dem heutigen Nordrhein-Westfalen. Sie waren nicht so reich wie die Krupps oder die Thyssens, aber gut situiert. Zwischen 1870 und 1940 findet man etwa 30 Gersteins in einflußreichen Stellungen in Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Hagen, Hamm und Witten. Die meisten waren Juristen, aber es gab eine starke Minderheit von Bergbauingenieuren. Eine andere Tradition der Familie war das Engagement in der evangelischen Laienbewegung.
In den deutschen humanistischen Gymnasien lag der Schwerpunkt auf den alten und neuen Sprachen. Es gab 9 Jahre Unterricht in Latein, 8 Jahre in Französisch, 6 Jahre in Griechisch. Englisch und Hebräisch waren Wahlfächer während der drei letzten Jahre.
Im Französischen konnte der Abiturient sich mündlich und schriftlich korrekt ausdrücken.
Wenn man die drei von Gerstein auf französisch geschriebenen Texte liest, sieht man, daß er vieles von dem vergessen hatte, was er 20 Jahre vorher gelernt hatte. Vermutlich hatte er wenig Gelegenheit gehabt, die Sprache zu praktizieren.
Was das Englische betrifft, so hat sich Gerstein offenbar als Autodidakt einige Grundlagen erworben; dies hat auch seine Witwe gegenüber den israelischen Behörden erklärt. In den zwei englischen Texten, die wir von ihm kennen (AC S. 155f), ist das Englisch ziemlich
schlecht. Immerhin ist die Fähigkeit, einige Sätze auf englisch zu verfassen, Beweis einer gewissen intellektuellen Neugier.
In den humanistischen Gymnasien gab es keinen richtigen Chemieunterricht, sondern nur ein Fach namens "Naturlehre", das Physik, Biologie und etwas Chemie umfaßte und an zwei Wochenstunden während der letzten vier Jahre unterrichtet wurde.
1919 wurde Gerstein als "Berglehrling" in Kamp-Lintfort bei Aachen eingeschrieben (AC S. 171), d. h. er mußte fortan einen Teil seiner Ferien, insgesamt 12 Monate, als Praktikant im Bergbau zubringen. Man kann daraus schließen, daß er gemäß der Familientradition Bergbauingenieur werden sollte.
Demgegenüber ist es überraschend, daß er 1925 nach seinem Abitur an der Universität Marburg immatrikulierte, wo er nur die reinen Naturwissenschaften studieren konnte, namentlich Physik und Chemie. Immerhin wurden die Zwischenzeugnisse für die erfolgreiche Teilnahme an Kursen ("Scheine"), die man an einer Universität erwarb, später von den Technischen Hochschulen anerkannt. Man darf vermuten, daß seine bürgerliche Familie es gern sah, daß Kurt dem Vorbild seiner älteren Verwandten folgte, indem er vier Semester lang das romantische Leben eines deutschen Studenten alten Stils führte. Das zeigt sich daran, daß Kurt, wie vor ihm schon sein Vater, sein älterer Bruder Ludwig und mehrere seiner Onkels und Vettern, in die traditionelle Studentenverbindung "Teutonia" eintrat.
Von 1927 bis 1931 besuchte Gerstein die Technischen Hochschulen Aachen und Berlin. Dort traf er den jungen Holländer Ubbink, den er in seinen Geständnissen mehrfach erwähnt. Ubbink war vermutlich Student der Metallurgie und Hüttenkunde und hatte gemeinsame Vorlesungen und Übungen mit den Bergbaustudenten.
Nach acht Semestern an den Technischen Hochschulen schloß Gerstein mit dem Hauptdiplom in den Fächern Bergbau und Chemie ab. Er setzte seine Laufbahn beim Oberbergamt fort, einer Behörde, die dem Wirtschaftsministerium unterstand. Das war eine weitere Etappe der Ausbildung für Bergbauingenieure, an deren Ende man durch eine Abschlußprüfung den Titel eines Bergassessors erwarb. Die jungen Ingenieure bezogen während dieser Zeit ein sehr bescheidenes Gehalt und ergänzten ihre theoretischen Studien durch praktische Tätigkeit in mehreren Industriebetrieben und im Oberbergamt selbst. Gerstein konnte daher in seinen "Geständnissen" mit Recht sagen, daß er eine "genaue Kenntnis der Industrie" (connaisance exacte de l'industrie) besaß.
1935 wurde Gerstein bei der Verwaltung der Saarbergwerke angestellt. Die Bergassessoren hatten anfangs etwa die Stellung von Direktionsassistenten; sie waren nicht viel mehr als die Privatsekretäre ihrer Chefs, für die sie Sitzungen organisieren, Protokolle führen und sogar die Reden schreiben mußten. Im Rahmen dieser Tätigkeit wurde Gerstein beauftragt, den "Tag des Bergmanns" zu organisieren, der am 30. 11. 1936 stattfinden sollte. Gerstein nutzte die Gelegenheit zu einem abgeschmackten Scherz im Einladungsschreiben, was ihm eine polizeiliche Hausdurchsuchung einbrachte. Dabei wurden religiöse Broschüren mit regimefeindlichem Inhalt entdeckt. Am 24. 9. 1936 wurde er verhaftet und drei Wochen später wieder freigelassen. An seinen Arbeitsplatz bei den Saarbergwerken, die ein staatliches Unternehmen waren, konnte er nicht zurückkehren. Er wurde auch aus der NSDAP ausgeschlossen, der er seit dem 2. 5. 1933 angehört hatte (AC S. 430f). Auf wiederholte Anträge hin wurde er 1939 wieder in die Partei aufgenommen.
Der Bergbau machte ihm keinen Spaß mehr. Gerstein entdeckte eine neue Berufung und begann mit medizinischen Studien in Tübingen, wo eine Institution der evangelischen Kirche Missionsärzte für tropische Länder ausbildete. Gerstein hatte anscheinend seit langem davon geträumt, ein solcher Missionsarzt zu werden, ein zweiter Albert Schweitzer.
Sein Studium war nur kurz; in ein angebliches monarchistisches Komplott verwickelt, wurde er im Juli 1938 ein zweites Mal verhaftet und Ende August desselben Jahres wieder entlassen. Das Verfahren wurde eingestellt. Während seiner Haftzeit traf er nach eigenen Angaben zwei Gestapobeamte, die sich um seinen Fall kümmerten und ihm drei Jahre später mit ihren Empfehlungen halfen, in die Waffen-SS einzutreten.
Es ist unverkennbar, daß Gerstein ein instabiler Charakter war. Seine Familie, besonders sein Vater, machte sich Sorgen um seine Zukunft; man hoffte, daß seine Heirat mit der Tochter eines Pfarrers im Jahre 1937 ihm Stabilität und Verantwortungsgefühl geben würden. Er hatte die Chance, ein Sohn zu werden, auf den sein Vater, der Beziehungen zur Industrie hatte, stolz sein konnte.
Demgemäß trat er im Juli 1939 in die Wintershall AG ein; das war der größte Hersteller nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt, von Kalisalzen für die Landwirtschaft und die chemische Industrie. Sie hatte Kalibergwerke in Niedersachsen und Thüringen, darunter eines in Merkers, einer Ortschaft an der Werra, wo er angestellt wurde. Wintershall hatte einen großen Exportanteil, vor allem in englischsprachige Länder. In diesem Zusammenhang hat Gerstein sich wahrscheinlich einige Grundkenntnisse im Englischen angeeignet.
Im Juni 1940, einige Monate nach der Geburt seines Sohnes, hielt es Gerstein nicht länger an seinem Platz; er verließ die Wintershall AG. Zum Glück fand er Aufnahme bei der Firma De Limon Fluhme & Co. , von der sein Großvater mütterlicherseits einer der Gründer gewesen war, einer Firma, die Schmiersysteme für Lokomotiven herstellte.
Deutschland war im Krieg. Gerstein, der niemals Soldat gewesen war, weil es 1925, als er 20 Jahre alt gewesen war, keine Wehrpflicht gegeben hatte, hatte vermutlich Komplexe, weil er nicht wie andere junge Männer die Uniform trug. Zudem war er Diabetiker, was ihm jeden Dienst im Felde unmöglich machte.
Dank seiner Familie und, wie er selbst sagt, dank den Gestapobeamten, die er 1938 kenngelernt hatte, wurde er in den Sanitätsdienst der Waffen-SS aufgenommen. Er bekleidete dort eine marginale Stellung im Rang eines Untersturmführers F (d. h. Fachoffizier), wo er seine Kompetenz als Ingenieur und und als Medizinstudent während 19 Monaten ins Spiel bringen konnte.
Im Alter von 36 Jahren (er ist am 11. 8. 1905 geboren) blickt er auf folgende Laufbahn zurück:
9 Jahre Gymnasium , 6 Jahre Universität und Technische Hochschulen, 4 Jahre Oberbergamt, 19 Monate Medizinstudium in Tübingen und weniger als 2 Jahre in 3 verschiedenen Industrieunternehmen. Er hat eine weitgehende, aber nur oberflächliche Kenntnis der Industrie; die regelmäßige, systematische Arbeit kennt er nicht. Er hat alles einmal probiert, es nirgendwo ausgehalten und nirgendwo Fuß fassen können.
Die letale Dosis der Blausäure
Bei zwei Gelegenheiten spricht Gerstein von der letalen Dosis der Blausäure, der Menge, die nötig ist, um einen Menschen zu töten:
1) In T II, Seite 5 (AC S. 81) erzählt er, der SS-Hauptbannführer Günther habe ihm den Befehl gegeben, 8,5 Tonnen Blausäure zu beschaffen, was nach seiner Schätzung ausreicht, um 8 Millionen Menschen zu töten. Nach Gerstein wäre die letale Dosis also etwas mehr als 1 Gramm.
2) In dem Protokoll der Vernehmung vor dem Richter Mattéi am Nachmittag des 19. 7. 1945 erklärt er: "Ich weiß nicht genau, welche Menge Cyanid man braucht, um einen Menschen zu töten, das ist eine theoretische Frage, aber ich denke, man braucht ungefähr 1 Gramm" (AC S. 179).
In Wirklichkeit nannten alle Handbücher und Nachschlagewerke der Chemie und der Toxikologie, die damals zugänglich waren, eine letale Dosis von 50 bis 80 Milligramm, also weniger als den zehnten Teil von 1 Gramm. In dem Lexikon "Larousse du XXe siècle" (Paris 1926) ist die letale Dosis mit 1 Dezigramm, also 100 Milligramm, angegeben, was nahe bei der in den speziellen Werken angegebenen Dosis liegt. Sogar die Kriminalschriftsteller kannten ungefähr die tödliche Dosis.
Für die Fachleute gab es noch eine andere praktische Formel: 1 Milligramm pro Kilogrammm des Körpergewichts des Opfers, ob es sich nun um einen Menschen oder ein Tier, um einen Erwachsenen oder ein Kind handelt. Dieselbe Formel findet sich in einem Dokument, das die Amerikaner unter der Nummer NI 9912 im Archiv des Nürnberger Prozesses registriert haben. Es handelt sich um ein technisches Merkblatt für die Anwendung von Blausäure zur Ungeziefervertilgung, das von der Fa. Degesch, dem Hersteller von Zyklon B, um 1939 oder 1940 herausgegeben wurde. Robert Faurisson hat hat dieses Schlüsseldokument in seinem Buch "Réponse à Jean-Claude Pressac" (Editions R. H. R. , Colombes 1994) veröffentlicht.
Es ist seltsam, daß Gerstein, Ingenieur mit dem Fachgebiet Chemie und fast zwei Jahre lang Medizinstudent, diese Zahlen nicht gekannt hat, dies umso mehr, als er sich in seinen Geständnissen als Spezialist für toxische Gase zur Desinfektion von Gebäuden und Kleidungsstücken sowie als Verbindungsmann zwischen der SS und der Fa. Degesch ausgibt.
Zudem ist die letale Dosis nicht nur
eine theoretische Frage, wie Gerstein behauptet. Es hängt
von der Konzentration der Blausäure in der Luft, vom Atemvolumen
und eben von der letalen Dosis ab, wie lange es dauert, bis ein
Mensch tot ist.
Die Blausäure und das Cyankali
In der handgeschriebenen Version T I mit Datum vom 26. 4. 1945, deren Authentizität am wenigsten zweifelhaft ist, schreibt Gerstein: "parce qu'une grande partie du service de désinfection se faisait par moyen d'acide prussique (cyankali)", auf deutsch: " weil ein Großteil der Desinfektion mittels Blausäure (Cyankali) vorgenommen wurde." (AC S. 64). "Acide prussique" ist der populäre Name der Cyanwasserwasserstoffsäure auf französisch, deren populärer Name auf deutsch "Blausäure" ist. "Cyankali" ist der deutsche populäre, aber wissenschaftlich falsche Name des Salzes der Cyanwasserstoffsäure mit dem Alkalimetall Kalium. Auf französisch heißt dieses Metall "potassium" und sein Blausäuresalz "cyanure de potassium". Das Wort "Cyankali" war für Franzosen völlig unverständlich, was Gerstein nicht bewußt gewesen zu scheint.
Indem er "Cyankali" in Klammern hinter "Blausäure" setzte, scheint Gerstein zu glauben, es handle sich um ein und dieselbe Verbindung. Das wäre entschuldbar bei jemand, der keine Ahnung von Chemie hat; bei einem Diplomingenieur ist es unerklärlich. Eine Erklärung wäre allenfalls, daß Gerstein mit dem Stichwort "Cyankali" die Phantasie seiner Leser anregen wollte, denn dieser Name war in Deutschland damals bekannter als "Blausäure". "Cyankali" ist ein starkes Gift, das häufig in den "vermischten Nachrichten" der Zeitungen und in Kriminalromanen genannt wurde. *)
Die Blausäure ist eine Flüssigkeit, die leicht verdunstet; ihr Siedepunkt liegt bei 26*C. Sie ist chemisch wenig stabil, vor allem in der Wärme. Sie muß in Stahlflaschen transportiert werden, wie man sie vom Flüssiggas kennt.
Dagegen ist das "Cyankali" (der wissenschaftliche Name auf deutsch ist Kaliumcyanid) ein fester Stoff, ein kristallines Granulat wie das Kochsalz. Man kann die Blausäure und das Kaliumcyanid vergleichen mit der Salzsäure (chemisch Chlorwasserstoffsäure) und dem Kochsalz, welches das Salz der Chlorwasserstoffsäure mit dem Alkalimetall Natrium ist. Das Kaliumcyanid ist chemisch stabil und übt keinen Innendruck auf seinen Behälter aus. Man kann es daher in einfachen Blechdosen aufbewahren und transportieren. Es wird vorzugsweise in Form von Briketts geliefert, die ungefähr die Göße einer Zigarettenschachtel haben. Man vermeidet so, daß es an den Behälterwänden anhängt. Wie man sieht, ist es auch für den Laien unmöglich, die Blausäure mit dem Kaliumcyanid zu verwechseln.
In den späteren Versionen der "Geständnisse" spricht Gerstein nicht mehr von "Cyankali", sondern nur noch von Blausäure (acide prussique). Jedoch bei der Vernehmung vom 26. 6. 1945 durch den Major Beckhardt kommt er auf das Kaliumcyanid zurück. Man liest dort: "le SS-Sturmbannführer Günther du RSHA me donne l'ordre de transporter 260 kgs de cyanure de potassium", auf deutsch: "der SS-Sturmbannführer Günther vom RSHA gibt mir den Befehl, 260 kg Kaliumcyanid zu transportieren". Glücklicherweise ist in dem Buch von André Chelain das Protokoll der Vernehmung als Facsimile des maschinengeschriebenen Originals abgedruckt. Vor "cyanure de potassium" sind einige Wörter durch Übertippen mit x durchgestrichen. Unter den x liest man bei sorgfältiger Betrachtung "d'acide prussique". Was ist da geschehen?Gerstein hat wahrscheinlich wie in T I von "Blausäure (Cyankali) gesprochen, was der Dolmetscher wortgetreu mit "d'acide prussique de cyanure de potassium" übersetzt hat, bloß ohne Klammern. Dann hat jemand, der ein bißchen Chemie konnte, Major Beckhardt oder der Dolmetscher, gemerkt, daß das zwei verschiedene Dinge sind. Sie haben bei Gerstein rückgefragt, und der hat gesagt, man solle "d'acide prussique" streichen und nicht "de cyanure de potassium". Das war kein Flüchtigkeitsfehler von Gerstein, denn er hatte ein paar Sekunden Zeit zum Überlegen. Außerdem liest man unter dem Protokoll "gelesen, genehmigt und unterschrieben: Kurt Gerstein" (AC S. 172 ff).
Am 19. 7. 1945, zu Beginn einer neuen Vernehmung, diesmal vor Major Mattéi, hat Gerstein eine weitere Gelegenheit, das Protokoll seiner vorhergehenden Vernehmung zu korrigieren.
Er macht davon keinen Gebrauch und sagt "ich bestätige meine früheren Erklärungen" und berichtigt nur drei weniger wichtige Punkte (AC S. 176).
Bei der Vernehmung vom 19. 7. 1945 ist
nur noch von Kaliumcyanid (cyanure de potassium) die Rede. Das
hindert Gerstein nicht daran zu erzählen, daß er dieses
Cyanid in 45 Stahlflaschen transportiert hat; er merkt nicht,
daß so etwas mit einem kristallinen Pulver oder mit Briketts
nicht gut möglich ist. Als der Richter ihn fragt: "wie
sollte das Cyanid technisch zur Desinfektion verwendet werden?",
antwortet Gerstein: "... die Behälter mit dem Gift in
die Räume einbringen und sie öffnen, damit die Flüssigkeit
(sic) verdunstet" (AC S. 179). Es ist bei ihm eine fixe Idee
geworden: das Kaliumcyanid ist eine Flüssigkeit, die er mit
der Blausäure verwechselt.
Kurt Gersteins chemische Nomenklatur
Es gibt nur zwei chemische Namen in Kurt Gersteins Geständnissen: Blausäure (in den französischen Versionen "acide prussique") und Cyankali (so in der französischen VersionT I).
Der Name Blausäure stammt von dem Chemiker Karl Wilhelm Scheele, der diese Säure 1782 bei der Untersuchung eines damals weithin bekannten Farbstoffs, des Berliner Blau, entdeckte. Das Berliner Blau wurde manchmal auch Preußischblau genannt, woher der französische Name "acide prussique" kommt. Das waren die historischen oder populären Namen. Für die wissenschaftlichen Namen zog die internationale Gemeinde der Chemiker Wörter lateinischen oder griechischen Ursprungs vor, die in der wissenschaftlichen Welt überall verstanden wurden. Man wählte das griechische Wort für "blau", das in lateinischen Buchstaben "cyan[eos]" lautet, und nannte die Säure "Cyanwasserstoffsäure" oder kurz "Cyanwasserstoff", auf französisch "acide cyanhydrique". Der deutsche Name ist die wörtliche Übersetzng des französischen Namens und umgekehrt. Man sieht, daß die wissenschaftliche Nomenklatur die Übersetzung von einer Sprache in die andere sehr vereinfacht.
"Cyankali" ist die populäre, aber unkorrekte Abkürzung des Namens "Cyankalium", der bei deutschen Chemikern im 19. Jahrhundert für dieses Salz des Cyanwasserstoffs mit dem Metall Kalium gebräuchlich war. Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts bevorzugten die deutschen Chemiker die französische oder die englische Nomenklatur, die eleganter und systematischer war, indem sie die Reihenfolge der Bestandteile umkehrten und die Endung -ür (auf französisch -ure) oder -id (auf englisch-ide) anhängten.
1925, als Gerstein sein Studium in Marburg begann, sagte kein deutscher Professor, kein Chemiker und kein Diplomingenieur mehr "Cyankalium" und schon gar nicht "Cyankali"; sie sagten "Kaliumcyanür" oder "Kaliumcyanid". Gerstein zeigt hier seine Unkenntnis der wissenschaftlichen und internationalen Nomenklatur.
In den "vermischten Nachrichten" der Zeitungen kam das Wort "Cyankali" häufig vor, wenn wieder einmal ein tödlicher Unfall, ein Selbstmord oder ein Mord mit diesem Gift zu melden war. Ähnliches gilt für Kriminalromane. Das Wort "Cyankali" hielt sich noch lange im populären Sprachgebrauch, nachdem "Cyankalium" schon lange aus dem wissenschaftlichen Vokabular verschwunden war.
Es ist unerklärlich, wie ein Diplomingenieur, der auch noch ein Medizinstudium begonnen hatte, den wissenschaftlichen Wortschatz der Chemie völlig vergessen und und in den Sprachgebrauch von Halbgebildeten zurückfallen konnte.
Ein weiteres Rätsel ist, daß Gerstein das französische Wort "potassium" für das deutsche "Kalium" nicht kannte. Er wußte auch nicht, daß "potassium" eine germanische Wurzel hat ("Pottasche").
Dabei hatte Gerstein ungefähr ein
Jahr lang für den weltgrößten Hersteller von Kaliumverbindungen,
die Wintershall AG, gearbeitet, die auf diesem Gebiet auch der
größte Exporteur war. Hat Gerstein niemals das Wort
"potassium" (das auf englisch, spanisch und italienisch
dasselbe ist) auf einem kaufmännischen oder technischen Schriftstück
oder einfach auf dem Etikett einer für den Export bestimmten
Verpackung gelesen? Man findet darauf keine Antwort.
Der Transport von Kollin nach Belcek
Die genaueste und detaillierteste Beschreibung dieses Transports findet sich in dem Protokoll der Vernehmung vom 19. 7. 1945 vor dem Untersuchungsrichter Mattéi, und zwar dank der Hartnäckigkeit und dem Scharfsinn dieses Militärjuristen. Es handelt sich um eine Übersetzung ins Französische; daher finden wir dort mehrmals das Wort "cyanure de potassium", das Gerstein selbst in seinen Texten niemals gebraucht hat.
Auf eine Frage antwortet der Beschuldigte:
"Im Juni 1942 wurde ich beauftragt, später 260 kg Kaliumcyanür zum Lager Belcek zu transportieren. Als man mich mit diesem Transport beauftragte, schärfte man mir ein, daß es sich um ein Staatsgeheimnis handelte. Ich sollte dieses Gift in Kollin in der Nähe von Prag in Empfang nehmen und es zu besagtem Lager transportieren. Ich kam diesem Auftrag im Monat August 1942 nach, das heißt ich transportierte wohl das Cyanid. Bei der Abfahrt war das Cyanid in 45 Stahlflaschen enthalten... die ... Flaschen wurden nicht bis zum Lager gebracht, sondern wurden von dem Fahrer und mir ungefähr zwölfhundert Meter von dem Lager versteckt.
Frage: Hatten Sie einen schriftlichen oder mündlichen Befehl erhalten und wie lautete er?
Antwort: Ich erhielt einen mündlichen Befehl, der 48 Stunden später schriftlich bestätigt wurde. Dieses Schriftstück sagte ungefähr folgendes: Ich gebe Ihnen hiermit den Befehl, 260 kg Kaliumcyanid zu beschaffen und sie an einen Ort zu transportieren, der Ihnen von dem Fahrer des Fahrzeugs Nr. X, der zu diesem Auftrag abgestellt ist, angegeben wird."
Zu ergänzen wäre noch, daß in den Texten T I, T II und T III von 100kg die Rede ist und nicht von 260 kg, daß das Datum des mündlichen Befehls durch den Sturmbannführer Günther der 8. Juni und das der Ankunft in Belcek der 17. August 1942 ist. Außerdem handelte es sich nicht um Kaliumcyanid, sondern um Cyanwasserstoff.
Die Ladung von 100 kg , die in den drei ersten Versionen genannt ist, entspricht einer deutschen Sicherheitsvorschrift für den Transport von Cyanwasserstoff. Mengen von mehr als 100 kg müssen auf dem Bahnweg transportiert werden. (vgl. Ullmanns Encyclopädie der technischen Chemie, Verlag Chemie, Weinheim. Die Eintragung unter "Cyanwasserstoff" ist seit 60 Jahren im wesentlichen die gleiche geblieben). Gerstein hatte zwar alles vergessen, was er einmal in Chemie und Toxikologie gewußt hatte, aber er hatte einiges behalten, was die praktische Anwendung betraf.
Zum Beispiel antwortet er dem Militärrichter am 19. 7. 1945 auf die Frage "In welcher Dosis haben Sie das Kaliumcyanid für die Desinfektion angewendet?": "5kg auf 540 m3". Das ist korrekt, abgesehen davon, daß es sich um Cyanwasserstoff handelt und nicht um Kaliumcyanid (AC S. 179).
Die Sicherheitsvorschriften und die Gebrauchsanweisung waren auf einem technischen Merkblatt abgedruckt, das die Hersteller von Cyanwasserstoff an ihre Abnehmer verteilten.
Gerstein dürfte davon ein Exemplar in Händen gehabt haben.
Warum hat Gerstein geschrieben und den Militärrichtern erzählt, daß er 260 kg in Empfang genommen hat und nicht 100 kg?Auf die Frage von Major Mattéi antwortet der SS-Offizier:
"Ich habe diese Menge [260 kg] nur genommen, um die Transportkapazität des Wagens vollständig auszunutzen." Er überschritt damit die oben erwähnte Sicherheitsvorschrift; vielleicht dachte er, daß diese Vorschrift auf das besetzte Gebiet (das Protektorat Böhmen und Mähren und das Generalgouvernement Polen) nicht anzuwenden war?
Eine Ladung von 100 kg hätte auch in den Kofferraum eines Mercedes oder BMW gepaßt.
Hier erhebt sich eine Frage. Gab es für diesen von Gerstein beschriebenen Transport ein oder zwei Fahrzeuge?
In den Versionen T I und T II (auf französisch) spricht er von "camion", also einem Lastkraftwagen. In den anderen Versionen spricht er von "Auto" oder "Fahrzeug". er sagt niemals, daß es zwei Fahrzeuge gab. Bei seinen Vernehmungen spricht er weder von LKW noch von PKW.
Henri Roques erwähnt in seiner Dissertation und in einer 1998 veröffentlchten Broschüre ("Quand Alain Decaux raconte l'histoire du SS Gerstein"; Editions Vincent Reynouard) ein Auto und einen Lastkraftwagen. Er ist zu diesem Schluß gekommen, weil es einen Passagier gab, den Professor Dr. Pfannenstiel.
Kann man sich vorstellen, daß Gerstein einem Obersturmbannführer (Oberstleutnant) von 52 Jahren den unbequemen Platz auf der Sitzbank eines LKW vorgeschlagen hat? Das ist wenig plausibel. Außerdem ist die Verwendung von zwei Fahrzeugen von Pfannenstiel bestätigt worden. In seiner Vernehmung vom 30. 10. 1947 durch W. v. Halle im Verlauf des I. G. Farben-Prozesses liest man:
"Ich kam nach Berlin und sollte von dort nach Lublin. Ich fand kein Fahrzeug, sollte erst mit der Bahn fahren und dann wurde mir gesagt, daß Herr Gerstein mit einem Lastkraftwagen und einem Personenwagen hinführe. Ich hatte die Möglichkeit, im Personenwagen mitzufahren. Ich bin mit ihm zusammen gefahren. "
In den Jahren um 1940 gab es Stahlflaschen mit Inhalten von 5 bis zu 36 Liter. Der häufigste Typ war die Flasche von 10 Liter, die 1 m hoch war und 14 cm Außendurchmesser hatte. Jede solche Flasche durfte mit 5, 7 kg Cyanwasserstoff befüllt werden, denn laut Sicherheitsvorschrift war nur eine Füllmenge von maximal o, 57 kg pro Liter zulässig.
Rechnen wir: 45 Flaschen x 5,7 kg = 356,5 kg, d. h. ungefähr 260 kg wie von Gerstein angegeben. Allerdings, wenn man diese Flaschen aufrecht nebeneinander stellt, nehmen sie weniger als 1 Quadratmeter ein. Legt man sie flach auf die Ladefläche des LKW, so nehmen sie weniger als 7 qm ein.
Warum, zum Teufel, hat Gerstein dem Militärrichter gesagt, er hätte die Menge in Abhängigkeit von der Transportkapazität des LKW gewählt? Dieser hätte eine wesentlich größere Ladung transportieren können. Man sieht sich einer weiteren Lüge des SS-Offiziers gegenüber.
45 Flaschen Blausäure in einem LkW über mehrere hundert Kilometer zu transportieren, das ist etwas anderes als einige Flaschen Bier oder Coca-Cola zu transportieren. In der Fabrik wird der Cyanwasserstoff bei einer Temperatur von unter 5*C aufbewahrt, bei der er relativ stabil ist. Wenn man die Flaschen füllt, muß man aufs Gewicht achten: der Grenzwert ist 0, 57 kg pro Liter, das heißt, die Flasche wird zu nur etwa 80% ihres Volumens gefüllt, um für eine eventuelle Ausdehnung eine Reserve zu lassen. Damals war es üblich, das Gewicht der leeren und das der gefüllten Flasche auf einer Wiegekarte mit Durchschlag zu registrieren, die von einer automatischen Waage ausgeworfen wurde. Der für die Wägung verantwortliche Angestellte fügte sein Namenskürzel hinzu. Ein Exemplar der Wiegekarte war für den Empfänger bestimmt, das andere blieb beim Lieferanten. Wenn es während des Transports zu einem Unfall kam, war jede der beiden Parteien in der Lage zu beweisen, daß die Sicherheitsvorschrift eingehalten worden war. Auf die Wiegekarten war der Firmenname der Fabrik aufgedruckt. Desgleichen trug der Lieferschein den Briefkopf des Lieferanten, außerdem das Datum, eine laufende Nummer, die Bezeichnung und das Gewicht der Ware, den Namen des Empfängers, die Autonummer des LKW und schließlich die Unterschrift des Abholers; das war Gerstein. Warum hätten die Angestellten der Fabrik auf diese bürokratische Routine verzichten sollen?
Nebenbei bemerkt kann man nur den Kopf schütteln, wenn Gerstein uns glauben machen will, er habe "durch ungeschickte Fragen" den tschechischen Angestellten zu verstehen gegeben, die Säure sei zur Tötung von Juden bestimmt. Das ist lächerlich. Die Angestellten sprachen tschechisch, und wenn einige davon etwas deutsch sprachen, dann reichte das nicht aus, um mysteriöse, in einigen technischen Bemerkungen versteckte Anspielungen zu verstehen. Das war nur eine weitere von Gersteins Konfabulationen.
Gerstein hatte schließlich eine Menge Dokumente in Händen: den Befehl (ordre de mission), den Beschlagnahmegutschein (bon de réquisition; AC S. 178), den Lieferschein und die Wiegekarten. Der Befehl mußte von jemand ziemlich weit oben in der SS unterzeichnet sein. War das Himmler selbst?oder nur Günther?Welches war das Aktenzeichen, welches das Diktatzeichen?Wie war die genaue Bezeichnung der Dienststelle? Das wären enorm wichtige Informationen gewesen, die es erlaubt hätten, die Verantwortlichen für das "Verbrechen des Jahrhunderts, einmalig in der Geschichte" zu identifizieren, ebenso wie ihre willigen und unfreiwilligen Komplizen. Eine Menge anderer Dokumente hätte man anhand dieser Informationen in den Archiven des SS auffinden können. Man hat sich die Mühe nicht gemacht. Schon der Beschlagnahmegutschein und der Lieferschein allein wären unwiderlegliche Beweise für Gersteins Auftrag gewesen.
Der Ex-SS-Offizier hat erklärt, daß er in der Absicht in die SS eingetreten sei, dort die Beweise für die Verbrechen zu finden, die er vermutete. Während zwei Monaten, wenn man ihm glauben darf (vom 8. Juni bis zum 14. August) hatte er diese famosen Beweise in seinem Büro. Aber er hat sie weder aufbewahrt, noch kopiert, noch nicht einmal abgeschrieben. War ihm das zu gefährlich? Wenn das Reichssicherheitshauptamt sich nicht um 45 verschwundene Stahlflaschen mit Blausäure gekümmert hat, warum hätte es sich um einige verschwundene Papiere kümmern sollen?
Demgegenüber hat Gerstein einige gefährliche oder zumindest für ihn peinliche Papiere aufbewahrt, die er den französischen und englischen und amerikanischen Offizieren in Rottweil übergeben hat, nämlich die Haftbefehle von 1936 und 1938, den Bescheid über den Ausschluß aus der NSDAP und die 12 Rechnungen von der Degesch, wobei letztere offenbar durch spätere Hinzufügungen (von Gerstein?) verfälscht sind.
Auch wenn man ihm zugesteht, daß er diese materiellen Beweise für die Übernahme der Ladung von Blausäure vielleicht verloren hat, wie will man erklären, daß er auch alle Details vergessen hat, die es erlaubt hätten, die Wahrheit seiner Geschichte nachzuprüfen?
Er gibt nirgendwo die komplette Firmenbezeichnung der Blausäurefabrik in Kollin an**), ebensowenig die Autonummer des LKW oder den Namen des Fahrers oder Hersteller und Typ des Lastkraftwagens.
Dagegen erinnert er sich paradoxerweise
sehr gut an die Namen (auch wenn er sie manchmal verstümmelt),
die Dienstgrade und die geringsten Äußerungen der Verantwortlichen
im Lager Belzek.
Gersteins Schrift in seinem letzten Brief
Kurt Gerstein hat von Hand einen letzten Brief mit Datum vom 15. 7. 1945 geschrieben, also fünf Tage, ehe er von der französischen Militärjustiz der Mittäterschaft an Kriegsverbrechen und an Mord förmlich beschuldigt wurde, und zehn Tage, ehe er am 25. 7. 1945 den Tod fand.
Dieser Brief ist in Großbuchstaben geschrieben und ist ein Antrag, ihm einen Verteidiger zu stellen. Warum hat Gerstein nicht seine normale Handschrift benutzt?War diese vielleicht für einen Franzosen zu schwer zu lesen?Vielleicht, aber die Erklärung ist nicht ganz zufriedenstellend.
Gerstein hat seine "Berichte", die wir "Geständnisse" nennen, freiwillig abgegeben; er hat also wohl keine physische Folter erleiden müssen, die seine Handschrift hätte beeinträchtigen können.
Ein deutscher Ingenieur, der diesen Text betrachtet, dürfte sich wundern, daß er nicht in der Normschrift nach DIN 17 geschrieben ist. In den Technischen Hochschulen umfaßt jede Hausarbeit auch technische Zeichnungen, in denen die Erläuterungen und Zahlen in dieser Normschrift geschrieben sind. Das ist eine Kursivschrift, die es in ähnlicher Form in allen Industriestaaten gibt. Wenn der Ingenieur einmal daran gewöhnt ist, verwendet er diese Schrift auch in privaten Papieren, z. B. für Adressen, Fragebögen und Schecks.
Gerstein hat diese Schrift in seinen handgeschriebenen Texten verwendet, um Eigennamen hervorzuheben (Gerstein, Ubbink, Rottweil, Bensch; vgl. AC S. 350).
Gerstein saß seit dem 5. Juli in einer schmutzigen und heruntergekommenen Zelle des Militärgefängnisses Cherche-Midi in Paris; er hatte sich den französischen Truppen ergeben, die ihn in Rottweil unter Hausarrest gestellt und dann unter etwas strengeren Bedingungen in Langenargen am Bodensee inhaftiert hatten.
Gerstein, der zuckerkrank und geistig
angegriffen war, befand sich in einem Zustand körperlichen
und geistigen Verfalls, der seine Schrift erklärt, die man
nur mit der eines Kindes von 6 bis 7 Jahren vergleichen kann.
Schlußbetrachtung
Wie erklären sich die groben Fehler, die fast schon schwachsinnigen Ausführungen eines Mannes mit Hochschulstudium und Ingenieursdiplom?
Man denkt zunächst an eine Hypothese, die sich bei näherer Betrachtung als unsinnig erweist. War Gerstein durch einen Hochstapler ersetzt worden?Man könnte es glauben, wenn man liest -von einem Ingenieur!- daß Menschen getötet worden sind in alten Dampfkesseln durch Druckluft von gewöhnlichen Kompressoren (AC S. 96 und 143) oder daß man die Opfer in Hochöfen geschubst hat. Zwar wiederholt er da nur, was er von anderen gehört hat, aber ein Mann von seiner Ausbildung kolportiert nicht solch stupide Gerüchte.
Auf der anderen Seite gibt es seine handgeschriebenen Geständnisse, und seine Frau hat die Handschrift als die seinige wiedererkannt, die dieselbe Schrift ist wie auf den Briefen aus der Vorkriegszeit.
Wir stellen zwei Hypothesen vor, die sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern einander ergänzen.
1) Gerstein hat, nachdem er seine Examen dank seiner Intelligenz und seiner Ausbildung bestanden hatte, alles vergessen, was er gelernt hatte, und nie mehr ein Reißbrett oder einen Rechenschieber angerührt.
Solche beruflichen Versager gibt es, und sie schaffen sich oft mit Erfolg gute Stellungen in Großfirmen, wo man auf die Arbeitsleistung einzelner nicht genau achtet.
Gerstein ist demgemäß dank seinen familiären Beziehungen bei den Saarbergwerken eingestellt worden (5 Monate Arbeit von Mai bis September 1936), bei der Wintershall AG (11 bis 12 Monate Arbeit von Juli 1939 bis Juni 1940) und schließlich bei der Firma De Limon Fluhme & Co in Düsseldorf (5 Monate Arbeit von Oktober 1940 bis März 1941). In diesem Familienunternehmen war Gerstein der Enkel seines Großvaters; sein Großvater mütterlicherseits hatte das Unternehmen gegründet, sein Onkel Alfred Schmemann, der 1952 in Düsseldorf gestorben ist, war sein Chef.
Gerstein hatte immer ein hohes Einkommen gehabt, auch ohne zu arbeiten; seine Mutter, geborene Schmemann, war 1931 gestorben. Wahrscheinlich hat er einen Teil von deren Einkünften nach ihrem Tod geerbt. In den zwei französischen Versionen vom 26. 4. 1945 schreibt er: "Ungefähr ein Drittel meines Einkommens -das war 1/3 von 18 000 Reichsmark im Jahr- habe ich seit 1931 für meine idealen religiösen Ziele ausgegeben. "Damals waren
18 000 Reichsmark viermal so viel wie das Einkommen eines jungen Ingenieurs und sechsmal so viel wie das Einkommen eines Arbeiters. Selbst wenn er 1/3 davon für seine politisch-religiösen Broschüren ausgab, blieb ihm noch genug für ein angenehmes Leben.
Überdies kann man in dem Buch seines Hagiographen Pierre Joffroy ("L'espion de Dieu. La passion (sic) de Kurt Gerstein", éditions Grasset, Paris 1969) auf Seite 35 lesen: "Man erzählt sich von Vati (das war der Spitzname von Gerstein in der evangelischen Jugend), daß er sich einmal einen Sportwagen, einen BMW, gekauft hat, ohne daran zu denken, daß er gar nicht autofahren konnte. "
Im Alter von 36 Jahren, vor seinem Eintritt in die SS , hat er weniger als zwei Jahre gearbeitet, und das in drei verschiedenen Unternehmen. Er ist niemals über das Stadium eines Praktikanten oder Berufsanfängers hinausgekommen. Er war eigentlich kein Verschwender wie der verlorene Sohn der Bibel, auch wenn er manchmal, wie wir gesehen haben, sein Geld zum Fenster hinauswarf. Er war auch sehr religiös, fanatisch und über das normale Maß hinaus ernsthaft. Wenn man dem Pfarrer Rehling glauben will, dessen Worte Pierre Joffroy wiedergibt (op. cit. S. 38)so: "machte [er] gern Witze über alles, aber nie über Frauen. Er war geradezu besessen von der "Reinheit". Gerstein litt sicherlich unter Hemmungen auf sexuellem Gebiet, und seine Heirat im Jahre 1936 hat ihn nicht davon geheilt.
2) Die zweite Hypothese, die sich übrigens auf die erste stützt, ist die, daß er an einer Geisteskrankheit litt, die durch seine Diabetes verschlimmert wurde.
Die Symptome einer krankhaften Lügensucht ***) und des Größenwahns sind bei ihm offensichtlich. Mit seinem unsteten Charakter hielt er es nirgendo lange aus. In seinem Beruf war er ein Dilettant, dem von seiner Familie alle Wege geebnet wurden, die ihre Mühe hatte, diesen Verhaltensgestörten, der schon verheiratet und Familienvater war, irgendwo unterzubringen.
Man kann seine Frau, die naive Elfriede, nur bedauern. Tochter eines Pfarrers , im November 1937 verheiratet, wurde sie 1939, dann1941 und wieder 1942 Mutter und 1945 Witwe. Sie zog ihre drei Kinder alleine auf, wenn auch wohl mit Hilfe der Familie ihres Mannes. Sie führte kein normales Eheleben. Als ihr Mann an das Hygiene-Institut der Waffen-SS in Berlin berufen wurde, war er dagegen, daß seine Familie Tübingen verließ und zu ihm in die Hauptstadt zog. Gerstein konnte nur mit seinen Phantasmen leben; er wollte nach Nietzsches Devise "gefährlich leben".
Er wollte unbedingt eine Rolle spielen, und wahrscheinlich wußte er lange Zeit nicht, welche Rolle das sein sollte. Als ihm die Niederlage Deutschlands bewußt wurde, beschloß er, er würde derjenige sein, der der Welt die Verbrechen der Nazis enthüllen würde. Er lebte ständig in einer imaginären Welt, wo Fragmente der Wirklichkeit sich mit Dingen mischten, die nur aus seinem kranken Hirn hervorgegangen waren.
Seine Reise nach Kollin bei Prag und zum Lager Belzec hat sicherlich stattgefunden, denn sie wird von Professor Pfannenstiel bezeugt. Gerstein hat geglaubt, dieser kurze Aufenthalt im Konzentrationslager Belzec und vielleicht auch in Treblinka sei die Chance seines Lebens. Endlich würde er in die schrecklichen Geheimnisse der SS eindringen. Es ist möglich, daß er schlimme Szenen miterlebt hat wie die Ankunft eines Zuges mit deportierten Juden und das Abschneiden der Haare der Frauen; den Rest hat seine Einbildungskraft zusammenkonstruiert.
Niemand hat damals seiner Erzählung geglaubt: weder sein holländischer Freund Ubbink, der übrigens, wie er nach dem Krieg zugegeben hat, niemals Mitglied des Widerstands war, noch der schwedische Diplomat v. Otter, der erst nach seiner Pensionierung zu einem von den Medien vielgefragten Zeugen wurde, noch der MIlitärrichter Mattéi, der ihn in das trostlose Gefängnis von Cherche-Midi zurückschickte, anstatt ihn in eine psychiatrische Anstalt zu überweisen, noch selbst der Nürnberger Gerichtshof, der das Dokument PS 1553 (Version T II) nicht hat verlesen lassen und nur die Rechnungen von Zyklon B behalten hat.
Von seinen Phantasmen besessen, hat Gerstein alles vergessen, was er im Studium gelernt hatte. Seine Zuckerkrankheit erklärt vieles; sein Fall bleibt gleichwohl ein Rätsel.
Wir wissen, daß er am 5. 3. 1944 einen Brief an seinen Vater von einem Krankenhaus in Helsinki aus, wo er Patient war, geschrieben hat. Im Herbst 1944 schreibt er wieder an seinen Vater; dieses Mal ist er Patient in einem Berliner Krankenhaus.
Gerstein hatte am Hygieneinstitut der Waffen-SS einen Dr. Nissen aus Itzehoe kennengelernt. Er nennt diesen Arzt mehrere Male als einen der "guten, antinazistischen" SS-Leute.
Am 30. 9. 1957 schreibt dieser Dr. Nissen in einem Brief an Frau Gerstein: "Die Zuckerkrankheit rief bei Gerstein manchmal praekomatöse Zustände hervor, die vielleicht seine geistigen Absencen und gewisse seltsame Reaktionen erklären" (zitiert nach Saul Friedlaender, Kurt Gerstein ou l'ambiguité du bien, S. 152, Casterman, Tournai 1967).
Man fragt sich, warum die SS ihn nicht entlassen und zu seiner Frau und seinen Kindern in Tübingen zurückgeschickt hat.
In Berlin verschlimmerte sich seine Krankheit und führte vermutlich zu einer Demenz.
Wie ist Gerstein ums Leben gekommen?Man wird es niemals mit Sicherheit wissen.
Seine Art von Demenz wurde mitunter von Phasen einer Rückkehr der geistigen Klarheit unterbrochen. Ist es Gerstein zu einem bestimmten Moment bewußt geworden, daß er sich seiner unhaltbaren Lage nur durch den Selbtmord entziehen konnte? Das ist möglich.
In seiner bereits zitierten Broschüre von 1998 hat Henri Roques eine andere Hypothese vorgeschlagen. Gerstein mußte wie alle Diabetiker zu festen Zeiten seine Mahlzeiten zu sich nehmen; zwischen Hyperglykämie und Hypoglykämie schwankend, hatte er normalerweise eine Anzahl Zuckerstückchen in seinen Taschen.
Im Gefängnis von Cherche-Midi ist er vielleicht, von allem entblößt, seinen Wächtern auf die Nerven gefallen. Diese gehörten den FFI (Forces Francaises de l'Intérieur), an einer von Kommunisten beherrschten Miliztruppe, und die haben, um den "SS-Unhold" zum Schweigen zu bringen, ihn ein bißchen mißhandelt. Ein paar Schläge genügten, um Gerstein in ein diabetisches Koma fallen zu lassen. Es gibt darüber die Zeugenaussage eines Polizeibeamten, der vor dem Gefängnis auf Wache stand (Alain Decaux berichtet darüber inseinem 1998 erschienen Buch "La guerre absolue", Editions Perrin, Paris, S. 164).
Im Glauben, er sei tot, gerieten die Wächter in Panik und täuschten einen Selbstmord durch Erhängen vor. Erst im Juni 1948 wurde die Witwe Kurt Gersteins von seinem Tod unterrichtet. Gibt das nicht zu denken?
Viele Menschen, die über ein Minimum an gesundem Menschenverstand verfügen, werden sich fragen, warum eine so unsinnige Erzählung lange Zeit als "Bericht" qualifiziert und warum sie ein halbes Jahrhundert lang von den offiziellen Historikern als Hauptbeweis in der Frage der Massentötungen in Gaskammern betrachtet worden ist.
Das ist eine andere Geschichte, die eines
Tages geklärt werden muß, je eher je besser.
ANMERKUNGEN
*) Gerstein wußte 1945 noch nicht, daß die Sieger des 2. Weltkriegs, um die Welt mit dem "absolut bösen, in der Geschichte einmaligen Verbrechen", begangen von den Besiegten, zu verblüffen, weder das Kaliumcyanid noch die reine Blausäure wählen würden, sondern ein Derivat der Blausäure, das Zyklon B. Dabei handelt es sich um Blausäure, die durch einen Zusatz chemisch stabilisiert und an Kieselgur adsorbiert ist. Die Kapillarität der Kieselgur reduziert die Tendenz zur Verdunstung (wissenschaftlich ausgedrückt den Dampfdruck) der Säure ganz erheblich. Man kann das Produkt ein gutes Stück über 26*C erwärmen, ohne daß es einen Druck auf seinen Behälter ausübt, was es erlaubt, es in einfachen Blechbüchsen aufzubewahren und zu transportieren. Zyklon B ist ein wirksames Insektizid und wurde in der ganzen Welt verkauft. Die deutsche Armee verwendete es seit 1924.
Gerstein hat in seinen Geständnissen nie von Zyklon B gesprochen; es ist daher seltsam, daß Rechnungen über Zyklon B dem Dokument PS 1553, d. h. der Akte Gerstein, beigefügt waren, das dem Nürnberger Militärgerichtshof vorgelegt wurde. Vielleicht geht die Idee einer massenhaften Vergasung jüdischer Deportierter auf den Gerstein-Bericht zurück. Dem "Cyankali" oder der Blausäure haben die Sieger allerdings das Zyklon B vorgezogen.
**) Die konformistischen Historiker haben fürwahr eine seltsame Auffassung von ihrem Handwerk. Weder Léon Poliakov in Frankreich, noch Hans Rothfels in Deutschland, noch Saul Friedlaender, der israelische, auf französisch schreibende Historiker, noch Gersteins Hagiograph Pierre Joffroy haben sich die Mühe gemacht, diese Fabrik zu identifizieren und in ihrem Archiv die unwiderlegbaren Spuren einer Lieferung um den 15. August 1942 zu finden. Die damaligen tschechoslowakischen Behörden wären nur zu glücklich gewesen, bei dieser Suche zu helfen, vorausgesetzt, es wäre etwas dabei herausgekommen, um Deutschland und das Hitlerregime zu verdammen.
Gibt es diese Fabrik in Kollin immer noch, wenn auch das Archiv kaum 56 Jahre zurückreichen dürfte?
Es hat sich auch niemand darum gekümmert, die 44 oder 45 Stahlflaschen wiederzufinden, die Gerstein in etwa 1200 m Entfernung vom Lager versteckt haben will. Ob sie nun mit einer dünnen Schicht Erde oder mit Zweigen zugedeckt worden sind, sie müßten leicht mit Hilfe eines Metalldetektors zu finden sein. Sind sie vielleicht 1999 immer noch dort?
***) Das Wort "Mythomanie" im französischen Originaltext ist in Frankreich auch Laien verständlich. Für den entsprechenden deutschen Fachausdruck "pseudologia phantastica" gilt das nicht. In Pschyrembels klinischem Wörterbuch wird dieser definiert als "Krankhafte Lügensucht bei Psychopathen, die sich auf d. Grundlage e. übertriebenen Phantasietätigkeit, Eitelkeit, Geltungssucht u. Unstetigkeit d. Willens) so in phantasierte Rollen hineindenken, daß sie, die Unwirklichkeit dieser Gebilde vergessend, ihr Handeln davon bestimmen lassen". Als Übersetzung wurde daher "krankhafte Lügensucht" gewählt. A. d. Ü.
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M. Natu (Pseudonym) ist ein
deutsche Chemieingenieur. Es gibt auch eine
französische Übersetzung.