Paul Rassinier

Was nun, Odysseus?

Zur Bewältigung der Vergangenheit

Verlag Karl Heinz Priester - Wiesbaden


Deutsche Ausgabe nach dem französischen Original

Autorisierte und vom Verfasser durchgesehene Übersetzung.

1960 - Copyright by Paul Rassinier
Alle Rechte für das deutsche Sprachgebiet bei Verlag Karl Heinz Priester, Wiesbaden.
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung.
Umschlagzeichnung: Karl Heinz Schneider, Hagnau (Bodensee).
Herstellung: Druckerei Carl Winter, Darmstadt.


Inhaltsverzeichnis

 Seite
Einleitung7
I. Historische Wahrheit oder politische Wahrheit?13
II. Ein Briefwechsel35
 1. Die Einladung35
 2. Die Antwort des Herrn Kogon37
 3. Meine Antwort41
III. "Der Lagerkommandant von Auschwitz spricht ..."55
IV. Gaskammern und Vergasungen69
Anhang: Drei Stimmen zum Fall Eichmann99


Das ganze Buch im PDF-Format (305k) :


Einleitung

Die in diesem kleinen Buch zusammengefaßten Aufsätze sind nicht unter gleichen Bedingungen, nicht zur selben Zeit und nicht für eine und dieselbe Zuhörerschaft bzw. Leserschaft niedergeschrieben worden. Es fehlt ihnen daher jene Einheitlichkeit, die man von einer wissenschaftlichen Abhandlung erwarten darf. Der Leser wird feststellen, daß diese oder jene Tatsache zweimal — oder sogar dreimal — erwähnt wird, jedesmal gefolgt von derselben Überlegung und derselben Schlußfolgerung.

Es wäre durchaus möglich gewesen, diesen Mangel zu beheben; ich hätte nur die Wiederholungen zu streichen brauchen oder die ganzen Teile zusammenfassen und überarbeiten können, um diese Zusammenfassung dann als neues Kapitel in eine gleichfalls gestraffte Neuausgabe der "Lüge des Odysseus" einzufügen. Aber es hätte die Gefahr bestanden, daß rücksichtslose Gegner unserer Thesen die früheren Fassungen hervorholten — obwohl nur Unterschiede in der Form der Darstellung, keine im Inhalt nachzuweisen wären — um dann zu versuchen, in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, als hätte ich meine Thesen und meine Schlußfolgerungen revidieren müssen.

Nun habe ich die beiden Teile meines Buches "Die Lüge des Odysseus" in den Jahren 1948 und 1950 verfaßt, wobei ich nur das wenig umfangreiche Tatsachenmaterial zur Verfügung hatte, das bis dahin veröffentlicht worden war, und doch kann ich heute feststellen, daß ich nicht nur an meiner damaligen Deutung nichts habe zu ändern brauchen, sondern daß die seitherigen Publikationen die Richtigkeit meiner Thesen schlagend bewiesen haben.

Ich habe mich daher für das kleinere Übel entschieden, — und wenn man meiner Arbeit demzufolge auch in literarischer Hinsicht einige Mängel vorwerfen kann, so hat die von mir gewählte Form der Veröffentlichung dafür doch große Vorteile: erstens wird klar ersichtlich, daß meine ursprüngliche Auffassung sich in allen Teilen bewahrheitet hat, und zweitens zeigt sie, warum diese Konzeption zehn Jahre überdauern konnte, ohne daß es nötig wurde, auch nur den geringsten Abstrich vorzunehmen.

Der Grund, aus dem ich die jetzt vorliegende Ergänzung herausbringe, ist der, daß sich in der allerletzten Zeit Dinge ereignet haben, die den Kern unseres Problems betreffen.

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Die deutsche Ausgabe meines Buches "Die Lüge des Odysseus" ist inzwischen erschienen und ist hier, wenn man nach den bisherigen Verkaufsziffern urteilen darf, recht gut angekommen. Weniger herzlich allerdings wurde sie von Herrn Eugen Kogon begrüßt, wie man aus dessen Brief und aus meiner Antwort ersehen kann, die sich beide hier abgedruckt finden.

Aber die wichtigsten Ereignisse sind die neue Verhaftungswelle in der Bundesrepublik, die Festnahme Adolf Eichmanns durch den israelischen Geheimdienst sowie die Prozesse, die in allernächster Zeit in Deutschland und anderswo stattfinden werden.

Es läßt sich nicht leugnen, daß der Nürnberger Prozeß bei den bundesdeutschen Behörden einen Freud'schen Komplex ausgelöst hat, der sie seit nunmehr fünfzehn Jahren bedrängt, und der sich vor allem in der Angst äußert, die Weltöffentlichkeit könnte ihnen gewisse Neigungen zu einem revanchistischen Militarismus, eine Schwäche gegenüber antijüdischen Hetzern unterstellen und könnte sie für die Komplizen jener mehr in der Einbildung als wirklich vorhandenen Überreste des Nationalsozialismus halten.

Diesen Komplex weiß die Sowjetzone — glänzend beraten durch Moskau — mit großem Geschick für ihre Zwecke auszunützen: in regelmäßigen Abständen bringen die Zeitungen Pankows Namenslisten von Leuten, die im Dritten Reich führende Posten in der Verwaltung, der Wehrmacht oder der Regierung innegehabt haben sollen, und die aus diesem Grunde der Kriegsverbrechen beschuldigt werden. Und unverzüglich schreiten die bundesdeutschen Gerichte zur Untersuchung oder gar Verhaftung. Nicht einmal der Fall Oberländer hat die Augen darüber geöffnet, daß in den Listen neben bedeutenden Persönlichkeiten des jetzigen Westdeutschland zwar eine Anzahl ehemaliger einfacher Soldaten, Unterführer und kleiner Leute aus der NS-Verwaltung aufgeführt wird, daß diese Veröffentlichungen sich aber vor allem gegen die erstgenannten jetzt führenden Persönlichkeiten richten.

Was Moskau in Wahrheit erstrebt, ist nichts anderes als die Desorganisation des gesamten politischen Lebens, der gesamten Verwaltung und Wirtschaft der Bundesrepublik; und es wird keine Ruhe geben, solange es die Regierung der Bundesrepublik nicht fertig bekommt, alle ihre hohen Beamten und alle führenden Männer der Wirtschaft ins Gefängnis zu werfen. Es hat sich bisher noch niemand überlegt, daß, wie die Statistiken zeigen, praktisch 92 % der ganzen Vorkriegswählerschaft in Ost und West Hitler gewählt haben, — daß also nur sehr wenige Leute sich der Kollektivpsychose haben entziehen können, und daß demzufolge Mittel- wie Westdeutschland nach dem Kriege nicht anders verwaltet werden können als von Leuten, die in Mehrheit Hitler unterstützt haben.

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Man weiß, daß das in Mitteldeutschland der Fall ist. Der Beweis dafür ist lange erbracht. Aber es werden keine Namenslisten veröffentlicht. Und wenn man sich dazu entschließen sollte, sie zu veröffentlichen, so würde Pankow sich nicht darum kümmern. Es weiß schon, was es tut.

Auf die Veröffentlichung der jüngsten Liste Pankows hin — im Februar/März 1960 — jener Liste, auf der Minister Oberländer stand —, hat sich das Bonner Parlament mit der Angelegenheit befaßt und hat dann im Mai das folgende Kommuniqué veröffentlicht:

"Bonn, den 24. Mai 1960 (Agence France Presse) — In einer Bundestagsdebatte hat der Bundesjustizminister einige Angaben gemacht über die Kriminalfälle, deren Unterlagen augenblicklich den zuständigen Gerichtsbehörden zugeleitet werden. Er hat zum Beispiel die folgenden Fälle erwähnt, die den Staatsanwälten der Länder übergeben werden:

  1. dem Generalstaatsanwalt in Frankfurt/Main den Fall Auschwitz (900 Angeklagte),
  2. dem Generalstaatsanwalt in Bonn den Fall des Vernichtungslagers Chelmo bei Posen (60—70 Angeklagte),
  3. dem Bundesstaatsanwalt in Düsseldorf den Fall des Vernichtungslagers Treblinka im Raum Warschau (etwa 40 Angeklagte),
  4. dem Generalstaatsanwalt in München den Fall des Vernichtungslagers Belzec (Polen) (10 Angeklagte),
  5. dem Generalstaatsanwalt in Hamburg den Fall der Judenerschießungen in Riga (120 Angeklagte),
  6. dem Generalstaatsanwalt in Frankfurt/Main den Fall der Judenerschießungen in Litauen (70 Angeklagte)."

Insgesamt: 1200 Angeklagte mit einem Schlage!

Seit fünfzehn Jahren hört man nun jede Woche, manchmal jeden Tag von gerichtlichen Untersuchungen, die eingeleitet werden, um dann zum Teil ergebnislos zu verlaufen, zum Teil zu Verhaftungen und Verurteilungen zu führen. Ich frage mich aber, ob man eine Aktion, die solche Ausmaße annimmt, daß sie nach und nach ein ganzes Volk in ihren Bann zieht, noch als Form der ausgleichenden Gerechtigkeit bezeichnen kann.

Man möge mich richtig verstehen: wahrscheinlich haben diese Menschen tatsächlich irgend etwas mit den in dem Kommuniqué genannten Fällen zu tun gehabt. Es ist auch klar, daß die Nachwelt wissen muß, was sich in Wirklichkeit in allen Lagern abgespielt hat. Diese Menschen werden also vernommen werden müssen, um einen historisch bedeutsamen Punkt aufzuhellen. Man muß sie also als Zeugen vernehmen,

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nicht als Angeklagte, weil eine Vernehmung von Angeklagten, die eine Bestrafung zu erwarten haben, der sicherste Weg ist, niemals Klarheit zu gewinnen.

Man weiß, was in Nürnberg geschah: da das Geständnis generell als die beste Verteidigung angesehen wurde, hat jeder — abgesehen von den starken Persönlichkeiten des Nazi-Regimes, die "en bloc" alles abgestritten haben, — praktisch alles gestanden, was man von ihm verlangte und hat, soweit wie nur möglich, die Umstände ausgenutzt, um alle Schuld den Toten und den Abwesenden aufzubürden. Und es scheint mir klar, daß die jetzt anlaufenden Prozesse einfach kein anderes Ergebnis zeitigen können. Wenn man das will ... Bei einer Vernehmung von Zeugen aber — also wenn die Vernommenen keine Bestrafung zu befürchten haben — besteht große Aussicht, endlich die ganze Wahrheit ans Licht zu fördern.

Sind diese Leute nun wirklich so schuldig? Ich frage mich das immer wieder und komme immer wieder zum gleichen Schluß, zu dem meines Erachtens der gesunde Menschenverstand zwingend führt: daß nämlich die Errichter, nicht die Bewachungsmannschaften der Lager die Verantwortung tragen für die abscheulichen Dinge, die sich in jener düsteren Welt abgespielt haben. Und wenn diese Schlußfolgerung heutzutage noch nicht wieder als unwiderlegbare Wahrheit gilt, so nur infolge des Nürnberger Prozesses.

Aber hier gilt es nur, Geduld zu üben. Das Nürnberger Gericht hatte zwei neue Begriffe in das internationale und das bürgerliche Recht eingeführt: die Kollektivverantwortung und das Kriegsverbrechen. 1953 ist die Kollektivverantwortung wieder verworfen worden dank den Bemühungen gewissenhafter Juristen, vor allem des großen französischen Rechtsgelehrten Professor Raymond Geouffre de la Pradelle. Bald wird man entdecken, daß die Schaffung des Rechtsbegriffes "Kriegsverbrechen" nur gewisse, während des Krieges begangene Handlungen als Rechtsbruch gelten läßt, während der Krieg selbst nicht als Verbrechen anzusehen wäre. Nun meine ich, daß keine Tat von einer so abscheulichen Unsittlichkeit ist wie der Versuch, den Krieg auf diesem Umwege zu legitimieren. Und es scheint mir über jeden Zweifel erhaben, daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo diese Ungeheuerlichkeit von allen als solche erkannt wird.

Das ist offensichtlich nicht die Sprache der Juristen. Diese belasten sich nicht mit humanitären Erwägungen: sie kennen nur ihre Tradition, die sie unaufhörlich in ihren äußerst geraden und unangreifbar logischen Beweisführungen zitieren. Die Juristen brauchen nur einen einzigen ihrer traditionellen Grundsätze, um den Nürnberger Prozeß in die Greuelkammer der Geschichte zu verbannen. Der Grundsatz heißt:

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"Nulla poena sine lege" (Keine Strafe ohne Gesetz). Es ist das älteste juristische Prinzip. Bis zum Nürnberger Prozeß hatten sich nur Gewaltherrscher gegen diesen Grundsatz vergangen. In Nürnberg ist er dann von den Demokratien verletzt worden.

Das bedeutet, daß es eines Tages einen neuen großen Prozeß geben wird, in dem man sicher nicht die Verurteilten von Nürnberg rehabilitieren wird, wo man aber die Ankläger von Nürnberg anklagen und verurteilen wird: wer das Schwert aufnimmt, wird durch das Schwert umkommen, sagt die Bibel. Hier aber wird es sich nicht um den Prozeß des Schwertes gegen das Schwert handeln, sondern um den des Geistes gegen das Schwert, einen Prozeß, den man mit dem Wort Napoleons eröffnen wird: "Möge der Geist das Schwert besiegen!"

Denn die Historiker sind anspruchsvoller als die Juristen. Die ersteren stützen sich ja auf die Wahrheit, auf ein Gut also, das einen nahezu absoluten Wert besitzt — nicht auf eine Tradition, die immer nur bedingte Wahrheiten widerspiegeln kann. Aus dem Grunde zeigen die Historiker auch weniger Interesse für die juristischen Erwägungen über die Umstände, unter denen Eichmann vom israelischen Geheimdienst festgenommen wurde. Die Historiker sehen hier vor allem eine einmalige Gelegenheit, Licht in die Frage der Konzentrationslager und in die Frage zu bringen, ob mit der Verschleppung tatsächlich die Vernichtung eines Volkes beabsichtigt war oder nicht: man hat den Leiter und 1200 seiner Untergebenen in der Hand; hier könnte uns eine allgemeine Gegenüberstellung in einer nicht-politischen Atmosphäre der historischen Wahrheit einen Riesenschritt näher bringen.

Es läßt sich allerdings nicht leugnen, daß eine solche Gegenüberstellung weder von der deutschen noch von der israelischen Regierung beabsichtigt ist, noch von den Vertretern der anderen Länder der Vereinten Nationen.

Es läßt sich ebensowenig leugnen, daß es beim heutigen Stand der Dinge überhaupt nicht möglich ist, die Entschlüsse der Regierungschefs der Welt in dieser Hinsicht zu beeinflussen.

Darum war ich der Meinung, die wesentlichen zur Diskussion stehenden Punkte — schon gesammelt in meinem Buch "Die Lüge des Odysseus" — hier so genau wie möglich darlegen zu müssen, um eine erste Grundlage für das kommende Gespräch zu schaffen.

Der Leser wird entschuldigen, daß ich die Meinung zweier israelischer Persönlichkeiten und die des großen französischen Rechtsgelehrten, Herrn Professor Geouffre de la Pradelle, anführe; diese Äußerungen sind meines Erachtens der Ermittlung der historischen Wahrheit dienlich.

1. Juli 1960

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