Auerbach-Gutachten zum Leuchter-Gutachten - Eine Gegenüberstellung nach Rüdiger Kammerer, Herausgeber des Rudolf-Gutachtens, Institut für Zeitgeschichte, München[1]

In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Mannheim gegen G.A. Deckert[2], Bundesvorsitzender der NPD, wird auf ein Gutachten von H. Auerbach vom Institut für Zeitgeschichte vom November 1989[3] zurückgegriffen. Nach einer Wissenschaftlich aussagelosen, dafür aber passagenweise beleidigenden und polemischen Einleitung zur Entstehung des Leuchter-Reports[4] geht der technisch und naturwissenschaftlich unkundige Auerbacher auf technisch-naturwissenschaftliche Einzelheiten des Leuchter-Gutachtens ein. Er bezieht sich dabei auf Ausführungen des französischen Apothekers J.C. Pressac[5]. In der folgenden Tabelle ist eine Auflistung der Argumente Auerbachs enthalten ~inke Spalte), die die Fehlerhaftigkeit der Aussagen Leuchters belegen sollen. In der rechten Spalte finden sich Richtigstellungen fachkundiger Naturwissenschaftler und Techniker (Chemiker, Ingenieure) mit Kenntnis in Detailfragen des Auschwitz-Komplexes.

Gegenüberstellung der Argumente H. Auerbachs (Institut für Zeitgeschichte)

mit den tatsächlichen Gegebenheiten bezüglich des Leuchter-Reports:

»Schon allein dadurch, daß Leuchter von den Verhältnissen in amerikanischen Gefängnissen ausgeht, wo Hinrichtungen mittels Gas in hochentwickelten und komplizierten Gaskammern und unter strikter Beachtung sehr strenger Vorsichtsmaßregeln stattfinden, und die völlig anders gelagerten Umstände in den Vernichtungslagern außer acht läßt, kommt er zu falschen Schlüssen. […]«

Man wird den vermutlichen Massenmördern der SS unterstellen dürfen, daß sie sich nicht selber umbringen oder ernsthaft gefährden wollten. Das Vorhandensein von technisch einwandfrei arbeitenden Anlagen zur schnellen Freisetzung des Giftgases, zum gefahrlosen Entsorgen der Restbestände des Gases im Trägermaterial und die für die Umgebung ungefährliche Belüftung der angeblichen Gaskammern ist daher erste Voraussetzung. All dies war im Falle der Gaskammern nur teilweise oder gar nicht möglich.

»Zyklon-B (Blausäure) wird erst bei einer Temperatur von ca. 26 Grad gasförmig. Eine Gaskammer in den USA muß demzufolge aufgeheizt werden. Daß auch in einem viel größeren Raum, wenn er vollgepfercht ist mit Menschen, diese Temperatur sehr schnell erreicht wird, es also gar keiner Heizung bedarf, berücksichtigt Leuchter nicht.«

Entscheidend ist nicht der Siedepunkt der Blausäure, sondern wie schnell der Trägerstoff des Zyklon-B, Kieselgur, die Blausäure auch bei verschiedenen Temperaturen abgibt. Nach Herstellerangaben braucht es ca. 30 - 45 Minuten, bis bei Raumtemperatur die Hälfte der Blausäure abgedampft ist. Die allgemein bezeugten Hinrichtungszeiten von wenigstens Augenblicken bis wenigen Minuten sind also nur möglich, wenn große Mengen an Zyklon B, gleichmäßig im Raum verteilt, angewendet wurden.

»In den Gaskammern der Vernichtungslager wurde durch die Aspiration der vielen Menschen das Giftgas sehr schnell in die Körper aufgenommen; die Entlüftung und Entnahme der Leichen war dadurch schneller zu bewerkstelligen.«

In den meisten Kammern hätte man das eingeworfene Zyklon-BGranulat nicht herausholen können, da es unter bzw. zwischen den Leichen gelegen hätte. Dort gibt es noch über Stunden das tödliche Gas ab. Eine Lüftung der mit toten Körper angefüllten Räume, die bei diesen Gaskammern über nur eine Türe hätte erfolgen können (Fenster oder gar Ventilatoren gab es nicht!), hätte Stunden bis Tage gedauert.

»Die Gaskammern und die Desinfektionsräume in Auschwitz waren nach demselben Schema gebaut.«

Während die Entlausungsanlagen Schleusen, Heizungen, Lüftungsventilatoren, z.T. sogar Warmluftföhns zur schnellen Blausäureentwicklung und Umluftsysteme zur Giftgasverteilung im Raum besaßen, ist davon nichts in den vermeintlichen Menschengaskammern zu finden.

»Da aber für die Entlausung höhere Quanten des Giftes notwendig sind (als für Menschenvergasungen), […]«

Will man von wenigen Einwurfstellen aus mit Zyklon-B riesige Menschenmengen in großen Räumen in kurzer Zeit umbringen ohne Blausäureentwickler (Warmluftföhn) und Umluftsysteme, muß man riesige Mengen an Zyklon-B einwerfen, da das Zyklon-B das Giftgas nur langsam abgibt.

(Fortsetzung des obigen Satzes) schlug sich dort (in den Sachentlausungsanlagen) mehr Zyanwasserstoff nieder als in den für Menschen bestimmten Gaskammern.«

Die mangelnde Lüftbarkeit der angeblichen Gaskammern bzw. im Fall der Keller der Krematorien II und III deren Feuchtigkeit bewirken eine wesentlich größere Aufnahme an Zyanwasserstoff im Gemäuer als in den lüftbaren und geheizten Sachentlausungskammern.

»Diese Gebäude (mit den Gaskammern) […] sind […] seit mehr als vierzig Jahren Wind und Wetter ausgesetzt gewesen; […] Durch den Feuchtigkeitseinfluß sind die 1945 noch feststellbaren Spuren von Zyanid inzwischen verschwunden.«

Nicht alle angeblichen Gaskammern bzw. alle Teile der teilweise zerstörten Kammern sind der Witterung ausgesetzt. Aber auch dort finden sich keine interpretationsfähigen Zyanidspuren. Nach den Bedingungen, die damals dort geherrscht haben müssen, müssen Spuren auffindbar sein, zumal die entstehende Verbindung eine der stabilsten Verbindungen ist, die man kennt: Eisenblau oder Berlinerblau. In Langzeittests hat sich ihre Umweltresistenz gegen widrigste Verhältnisse erwiesen.

»Daß aber schon vor gut vierzig Jahren, im Jahre 1945, durch das Gerichtsmedizinische Institut der Universität Krakau entsprechende Untersuchungen gemacht wurden, die sowohl an Gebäuden ... Haaren, an Haarspangen und anderen Metallgegenständen ... sehr deutliche Spuren von Zykloin-B aufwiesen. […]«

Die chemischen Untersuchungen 1945 wurden nicht an Gebäuden durchgeführt[6]. Damalige Zyanidbefunde in Haaren würden nur beweisen, daß die Haare Zyanidverbindungen ausgesetzt waren. Daß die angeblich analysierten Haare während der damaligen Begasung noch auf dem Kopf des Besitzers weilten, ist pure Spekulation. Das 1990 vom selben Institut angefertigte Gutachten zur Überprüfung der Ergebnisse Leuchters hat er-wiesen, daß dem Institut keine angemessenen Analyseverfahren zur Verfügung stehen. Außerdem hat das Institut durch fehlerhafte Angaben und durch privaten Schriftwechsel praktisch zugegeben, von der Chemie des Zyanids wenig Sachverstand zu haben[7]. Der damalige Befund an Metallgegenstsänden unbekannter Herkunft wurde 1990 nicht überprüft.

»[…] die verwendeten Mengen Blausäure […] zu gering waren, um eine Explosion auszulösen.«

Soll die bezeugte Massenhinrichtung in den technisch unzulänglichen Anlagen innerhalb kürzester Zeit stattgefunden haben, so war die Verwendung sehr großer Zyklon-B-Mengen nötig. In der Nähe der Zyklon-B-Einwurfstellen hätte man dann mit explosiven Blausäuremengen rechnen müssen. Die Wirkung von Blausäureexplosionen gleicht denen der Dynamitexplosionen.

»Der französische Pharmakologe und Toxikologe J.-C. Pressac [… hat] sich damit als wirklicher Fachmann für die Vergasungsvorgänge ausgewiesen. […]«

Pressac schreibt an mehreren Stellen, daß Blausäure von trockenem, warmem Gemäuer wie dem der Entlausungskammern besser aufgenommen wird als von feuchtem, kühlem, wie dem der angeblichen Menschengaskammern. Richtig ist dagegen, daß Gase an kühlen Gegenständen bevorzugt niederschlagen und daß sich Blausäure mit besonderer Vorliebe an feuchten, kühlen Gegenständen anreichert. Entweder besitzt J.-C. Pressac nicht die naturwissenschaftliche Sachkenntnis, oder er täuscht den Leser bewußt. Beides disqualifiziert ihn. Ferner bildet er in seinem Buch keines der angeblich auffindbaren Zyklon-B-Einwurflöcher der Leichenkeller des Krematoriums II ab. Es gab zur Kriegszeit keine Einwurflöcher. Es gibt nur zwei der bezeugten vier Löcher. Die zwei heute sichtbaren Löcher sind zweifelsfrei nach der Sprengung der Gebäude, also nach Kriegsende hergestellt und eines davon nie fertiggestellt worden. Pressac bildet statt dessen ein Kanalisationsloch ab und gibt dieses als ein Zyklon-B-Einwurfloch aus. Hier ist ihm zumindest fahrlässige Irreführung vorzuwerfen.

  1. Diese Gegenüberstellung wurde tatsächlich von Dipl.-Chemiker Germar Rudolf erstellt und von Rüdiger Kammer Herrn Deckert übermittelt, offenbar ohne Angabe über die Autorenschaft. Daher dieser Irrtum. Anm. des Websmasters.
  2. Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Mannheim gegen G.A. Deckert, Az.: 503 JS 9/92 - 5 KLs 2/92, vom 17.03.1992.
  3. H. Auerbach, lnstitut für Zeitgeschichte, November 1989, erschienen in: U. Walendy, Historische Tatsachen Nr. 42, Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung, Vlotho 1990, S. 34.
  4. F. Leuchter, An Engineering Report on the alleged Execution Gas Chambers at Auschwitz, Birkenau und Majdanek, Poland, Samisdat Publishers Ltd., Toronto 1988, 195 pp. Britische Ausgabe: The Leuchter Report, Focal Point Publications, London 1989, 67 pp. Deutsche Ausgabe: U. Walendy, »Ein Prozeß, der Geschichte macht«, Historische Tatsachen Nr. 36, Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung, Vlotho 1988 (zur Zeit unter Zensur).
  5. J.-C. Pressac, Jour J, 12. Dezember 1988, I-X. Siehe auch Ergänzung dazu, vorliegend in undatierter Übersetzung, ohne Quellenangabe. Siehe auch: J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers, Beate Klarsfeld Foundation, New York 1989.
  6. Krakauer Gutachten von 1945 über Cyanide in Menschenhaar, Haarspangen und einer Ventilationsöffnung, B. Baller-Gandala, Amoklauf gegen die Wirklichkeit, Dokumentationszentrum des österreichischen Widerstandes, Bundesministerium für Unterricht und Kultur (Hrsg.), Wien 1991, S. 36-40, Original im Staatlichen Museum Auschwitz.
  7. J. Markiewicz, W. Gubala, J. Labedz, B. Trzcinska, Gutachten, Prof. Dr. Jan Sehn, Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung für Gerichtstoxikologie, Krakau, 24. September 1990, unveröffentlicht, und Prof. Dr. jan Sehn, Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung für Gerichtstoxikologie, Krakau, Schreiben an W. Wegner, o.D. (Winter 91/92), o.A. (unleserliche Unterschrift) unveröffentlicht:
    »[…] IV. Mit der von uns angewandten Methode waren wir nicht imstande, alle Zyanidverbindungen zu bestimmen. Z.B. von Berliner-Blau kann nur ein Teil von Zyanidionen abgespalten werden. Wir mußten uns dabei mit IR-Spektroskopie bedienen, aber nur für qualitative Ergebnisse. […]«
    »[…] VIII. Das Wasser aktiviert viele chemische Prozesse. Die Kammern waren ganz gewiß naß. Was für einen Einfluß das auf die Bindung von HCN durch Zement (Wandputz) ausübt - ist uns unbekannt. […]«
    »[…] IX. Die blauen Flecken auf den äußeren Wänden des Bauwerkes 5a in Birkenau sind nicht leicht zu erklären. Vor allem müssen wir prüfen, ob es wirklich Berliner-Blau ist. […]«

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