Die Rolle der Presse im Fall Germar Rudolf[1]

Ein Potpourri der Unwahrheiten um das Rudolf Gutachten und seinen Autor

Der Gegenstand des Eifers

Als Germar Rudolf die ersten Fassungen seines "Gutachtens über die Bildung und Nachweisbarkeit von Cyanidverbindungen in den Gaskammern von Auschwitz" erstmalig im Frühjahr 1992 an einen eng begrenzten Empfängerkreis in Wissenschaft und Politik versandte, reagierten einige Historikern sehr interessiert, die Medien jedoch erhielten von der Existenz des Gutachtens keine Kenntnis. Erst als Generalmajor a.D. Otto Ernst Remer im Frühjahr 1993 eine erweiterte Fassung dieses Gutachtens mit einem gepfefferten politischen Vor- und Nachwort versah und gegen den Willen Rudolfs in 1000 bis 2000 Exemplaren unter Medien, Staatsanwaltschaften, Politiker und Wissenschaftler verstreute, erfuhr ein gewisser Kreis des Establishments von der Existenz des Rudolf Gutachtens.

Bis auf zwei kurze Artikel am 8./9. und 13. Mai 1993 im Wiesbadener Kurier über die Unannehmlichkeiten, die das Gutachten dem von Rudolf beauftragten, in Taunusstein bei Wiesbaden ansässigen, chemischen Analyseninstitut Fresenius bereitete, und einer Meldung in der Märkischen Allgemeinen vom 14.5.93, daß Prof. L. Bisky, MdB, Anzeige erstattet habe, schwieg die Presse jedoch. Erst als im Frühjahr 1994 der Arbeitsgerichtsprozeß zwischen Rudolf und seinem früheren Arbeitgeber, dem Stuttgarter Max-Planck-Institut für Festkörperforschung, stattfand, der mit einem Vergleich endete, brachte die dpa eine Meldung, die in vielen Zeitungen und sogar im Hörfunk veröffentlicht wurde. Das wiederum war der Anlaß für die ARD-Fernsehsendung Report, gegen Rudolf eine Hetzsendung in Szene zu setzen.

Regelmäßig erschienen jedoch in der Lokalpresse meist sachliche Meldungen der Polizei, nachdem das Staatsschutzdezernat[2] des LKA Baden-Württemberg bei G. Rudolf aus verschiedenen Anlässen Hausdurchsuchungen durchgeführt hatte (30.9.1993[3], 18.8.1994[4] und 27.3.1995[5]). Lediglich die von den Zeitungen selbst gewählten Schlagzeilen waren stellenweise unseriös, so zum Beispiel am 29.3.1995 im Böblinger Boten: "Nazi-Buchlager in Steinenbronn". Tatsächlich befand sich in der Wohnung von G. Rudolf weder ein Buchlager, noch gab es dort Nazis oder Nazimaterial.

Das von G. Rudolf autorisierte Gutachten wurde im Sommer 1993 unter dem Titel Das Rudolf Gutachten in Großbritannien veröffentlicht und kann seither ohne Einschränkungen in Deutschland erworben und verbreitet werden, ist also strafrechtlich unbedenklich.[6] Es fand bisher in der Medienlandschaft kein Echo.

Anläßlich des gegen Rudolf vor der 17. Staatsschutzkammer[1] des Stuttgarter Landgerichts geführten Strafverfahrens wegen des Verdachtes auf Beteiligung an der Herstellung und Verbreitung von Remers Raubkopie jedoch zeigten die Medien ein verstärktes Interesse, allerdings nicht an dem Gutachten oder an der Person Rudolfs, sonder lediglich daran, wieder einmal aus volkspädagogischen Gründen ein Exempel "gegen Rechts" zu statuieren.

Hierzu bot sich dieses Verfahren an, ging es dabei doch nicht um inhaltliche Aussagen des Gutachtens, sondern nur um die polemischen Kommentare Remers und um die Gesinnung des Angeklagten. Gesinnungsprozesse aber, die eigentlich in einem Rechtsstaat verboten sind (vgl. Artikel 3 Absatz 3 Grundgesetz), bieten sich bekanntlich hervorragend an, um sie in Schauprozesse umzuwandeln, was dem Gericht und den Medien auch trefflich gelang.

Nachfolgend werden einige der Medienberichte, die im Zuge des öffentlichen Rummels um das Rudolf Gutachten und seinen Autor veröffentlicht wurden, einer kritischen Betrachtung bezüglich ihres Wahrheitsgehalts oder besser ihres Unwahrheitsgehalts untersucht.

Über die frei erfundene Expertenmeinung der ›dpa‹

Am 28.3.1994 gab die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) eine Presseerklärung zum Rudolf Gutachten über die Gaskammern von Auschwitz und Birkenau heraus. Sie berichtete darin über interne Vorgänge im Max-Planck-Institut für Festkörperforschung, dem ehemaligen Arbeitgeber des Gutachters Dipl.-Chem. G. Rudolf. Die MPG wies abschließend darauf hin, daß sie in Übereinstimmung mit den Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes und des Bundesgerichtshofes wegen der Offenkundigkeit des Holocaust nicht gedenke, inhaltlich auf die vom Rudolf Gutachten ausgelöste Diskussion einzugehen.

Die daraufhin vom dpa-Pressebüro Stuttgart herausgegebene Meldung, die am folgenden Tag in fast allen Tageszeitungen und sogar im Rundfunk veröffentlicht wurde, enthält folgende Passage:

»Die Max-Planck-Gesellschaft hat nach Auskunft ihres Pressesprechers keinen Beweis dafür, daß die Proben wirklich aus Auschwitz stammen. Sollten Sie aber von dort stammen, ist es nach Expertenmeinung alles andere als ein Wunder, daß keine Blausäurespuren gefunden wurden, weil Cyanidverbindungen sehr schnell zerfallen. Im Boden geschehe dies schon nach sechs bis acht Wochen; im Gestein könnten sich die Verbindungen nur unter ›absoluten Konservierungsbedinungen, unter völligem Ausschluß von Luft und Bakterien‹ halten.«[7]

Der auf Nachfrage bei der dpa als verantwortlich für die Meldung bezeichnete Albert Meinecke bezog sich bezüglich der vermeintlichen Expertenmeinung zuerst auf die Presseerklärung der MPG. [8] Nachdem Meinecke vorgehalten wurde, daß diese keine inhaltlichen Aussagen zum Gutachten, geschweige denn zur Frage der Langzeitstabilität von Cyanidverbindungen macht,[8] zog er sich je nach Anrufer und Zeitpunkt seiner Ausführungen auf verschiedene Standpunkte zurück:

Der in der dpa-Meldung durch die Satzfolge hergestellte Zusammenhang zwischen der MPG und der ungenannten Expertenmeinung suggeriert dem Leser, daß es sich bei der Expertenmeinung um die der MPG handelt. Diese hat am 12.4.1994 per Fax erklärt, daß dies nicht der Fall ist und daß sie die Formulierung der dpa-Meldung für mißverständlich hält.

Am 13.4.1994, nach zwei Wochen Sprachlosigkeit, ließ der stellvertretende dpa-Chefredakteur D. Ebeling aus Hamburg verlauten, der ungenannte Experte wolle aus zu respektierenden Gründen nicht namentlich zitiert werden. Zwei Tage darauf wies A. Meinecke in einer nicht abgezeichneten Fax-Meldung meine Falschunterstellung[10] zurück und verwies mich wegen der Sache zur Chefredaktion nach Hamburg.

Zu den Sachfragen

Die dpa-Pressemeldung enthält unter anderem folgende Behauptung:

»Sollten sie [die Proben] aber von dort [Auschwitz] stammen, ist es nach Expertenmeinung kein Wunder, daß keine Blausäurespuren gefunden wurden, weil Cyanidverbindungen sehr schnell zerfallen.«

Offensichtlich kennt der Ersteller dieser Zeilen noch nicht einmal den Unterschied zwischen Blausäure und Cyanidverbindungen. Sollte er die Cyanidverbindungen allerdings unter Spuren der Blausäure subsumieren, was zur Verständlichmachung gegenüber dem Laien angebracht sein kann, so ist klar: Dieser Satz und auch der folgende sprechen von der Stabilität von Cyanidverbindungen, was einzig im Zusammenhang mit dem Rudolf Gutachten sinnvoll ist. Die von Ebeling in die Diskussion gebrachte Frage nach der Stabilität von Blausäure als solcher interessiert in diesem Zusammenhang niemanden.[11] Diese Frage ist ein ungeeignetes Ablenkungsmanöver vom Thema.

Die angeblichen Ausführungen des unbekannten Experten gehen allgemein dahin, das Cyanidverbindungen schnell zerfallen. Diese pauschale Aussage ist und bleibt unhaltbar und für jeden Experten blamabel. Beweise:

Die Mauern der Kleiderentlausungsanlagen in Auschwitz, in denen mit Blausäure unter dem Handelsnamen Zyklon B Läuse getötet wurden, sind auch heute noch, 50 Jahre nach ihrer Stillegung, durch und durch mit Cyanid-Rückständen gesättigt, selbst an Bereichen, die der Witterung ausgesetzt sind. Dies führt an Innen- wie Außenwänden zu charakteristischen blaufleckigen Verfärbungen von Putz, Ziegeln und Mörtel. Diese Verfärbung wird verursacht durch die Eisencyanidverbindung Eisenblau (bekannt auch unter dem Namen Berliner Blau).[12]

In einem Langzeitversuch in einem Londoner Industrievorort wurde festgestellt, daß der Farbstoff Eisenblau, ohne Schutzschicht aufgetragen auf einem Aluminiumblech, auch nach über 20 Jahren Exposition an der aggressiven Londoner Luft der End-50er bis Anfang-80er Jahre nicht zerstört wurde. Er war mit der stabilste Farbstoff überhaupt.[13]

Die Böden alter, bereits lange Zeit stillgelegter Stadtgaswerke enthalten auch noch viele Jahrzehnte nach der Stillegung der Gaswerke hohe Mengen Eisenblau, da dieses bei der Stadtgaserzeugung anfällt und als Unkrautbekämpfungsmittel auf dem Gelände verstreut wurde. Das Eisenblau wurde weder zersetzt, noch von Regenwasser aufgelöst oder fortgespült, da es unlöslich ist.[14]

Daß die Bildung blaufleckiger Wandflächen analog dem Erscheinungsbild der Auschwitz-Entlausungskammern tatsächlich die Folge von Blausäurebegasungen ist, kann durch ein in der wissenschaftlichen Literatur dokumentiertes Ereignis bewiesen werden. In der periodisch erscheinenden Bauschäden Sammlung wurde vor 14 Jahren berichtet, welche Folgen die Blausäure-Begasung einer wenige Wochen zuvor frisch verputzten Kirche hatte. Dort traten nach einigen Monaten überall intensiv blaue Flecken auf, die sich nach chemischen Analysen als Eisenblau entpuppten. Erst nach über einem Jahr war die Reaktion abgeschlossen. Der neue Putz mußte komplett abgeschlagen werden, da das Eisenblau nicht anders zu entfernen war.[15]

Die Ausführungen Ebelings,[10] es können, müssen jedoch keine stabilen Verbindungen entstehen, bedarf keiner Bestätigung von kompetenter Seite, denn die Tatsache, daß alle Säuren dieser Welt stabile wie instabile Verbindungen bilden, ist so trivial wie das Amen in der Kirche.

In der dpa-Meldung wird ausgeführt, Cyanidverbindungen seien im Gestein nur unter »absoluten Konservierungsbedinungen« haltbar; gerade im Mauerwerk jedoch sind sie extrem haltbar, da sich die Blausäure dort sofort in Cyanide und schließlich bevorzugt weiter in extrem stabile Eisencyanidverbindungen vom Typ Eisenblau umwandelt. Zum Beweis dessen vergleiche man die weiter oben angeführten Argumente.

Tatsächlich weisen sich die im Rudolf Gutachten untersuchten Rückstände der Blausäurebegasungen, Eisencyanidverbindungen vom Typ Eisenblau, durch eine enorme Langzeitstabilität aus. Die dpa-Meldung ist daher nicht nur bezüglich der mit aller Wahrscheinlichkeit wahrheitswidrigen Unterstellung, sie wäre von einem Experten getätigt worden, falsch, sondern auch inhaltlich völlig unhaltbar. Kein Experte hätte sich zu einer solchen für ihn äußerst blamablen Aussage hergegeben. Insofern kann man verstehen, warum derjenige, der diese Meldung in die Welt gesetzt hat, nach Angaben von Herrn Ebeling nicht namentlich zitiert werden möchte.

Im übrigen hat selbst das polnische Auschwitz-Museum in seiner bis vor kurzem noch kommunistischen Besetzung keine Zweifel daran, daß die von Rudolf festgestellte Tatsache, daß es in den tatsächlichen oder nur vermeintlichen Gaskammern des Konzentrationslagers Auschwitz keine signifikanten Cyanidrückstände gibt, der Wahrheit entspricht.[16]

Die laut der oben genannten dpa-Meldung angeblich von der Max-Planck-Gesellschaft geäußerten Zweifel an der Echtheit der von mir zur Analyse übergebenen Proben stellen daher ein ungeeignetes Ablenkungsmanöver von der eigentlichen Kernfrage dar. Außerdem wird niemand daran gehindert, die Ergebnisse des Rudolf Gutachtens nachzuvollziehen.[17]

Report-Porträt: Volksverhetzung

Einen der Höhepunkte der Hexenjagd gegen Germar Rudolf läutete der Südwestfunk mit seiner linken Report-Sendung in der ARD vom 11.4.1994 ein. In dem Beitrag von Stefan Rocker wurde von konservativ-christdemokratischen Persönlichkeiten bis zu neonazistischen Personen bzw. Darstellern alle in einen großen Topf geworfen, darunter auch G. Rudolf. Durch diese undifferenzierte Art der Berichterstattung schafft man in bestimmten Kreisen unserer Bevölkerung eine Pogromstimmung gegen alles, was tatsächlich rechts ist oder nur rechts sein soll. Nicht genug damit, blendete Report von Bildern der ausgebrannten Lübecker Synagoge und den Worten, kaum daß Auschwitz-Leugner wieder Konjunktur hätten, würden wieder Synagogen brennen, direkt über zu einem Bild von Germar Rudolf auf dem Weg zum Arbeitsgericht in Stuttgart. Damit wird Herrn Rudolf eine Art Schreibtischtäterschaft für den Brandanschlag von Lübeck untergeschoben, verstärkt durch die Wortwahl des Kommentators, der an dieser Stelle den bekannten Titel Biedermann und die Brandstifter in den Mund nimmt.[18]

Wenn das nicht den Straftatbestand der Verhetzung des deutschen Fernsehvolkes gegen Germar Rudolf erfüllt, was erfüllt ihn dann? Daß solcherlei Berichte mit jeder Menge Bilder von Konzentrationslagern, deportierter Juden und einem Meer von Leichen garniert werden, um die angeblichen Leugnungsthesen eines Germar Rudolf lächerlich zu machen, versteht sich wohl von selbst. So arbeitete auch Report.

Doch welcher Zuschauer weiß schon, daß Rudolf das damals geschehene mannigfache Unrecht gar nicht leugnet, sondern vielmehr ebenso anprangert?[19] Und wer merkt schon, daß die gezeigten Bilder lediglich beweisen, daß in den KZs Abertausende an Krankheiten und Unterernährung gestorben sind? Wer achtet schon darauf, daß ihm das Fernsehen nie eine Filmaufnahme oder ein Bild einer funktionstüchtigen oder in Aktion befindlichen Gaskammer zeigt, über die allein G. Rudolf anderer Auffassung ist als unsere Medien vom Stil Report? Report hat über Germar Rudolf und sein Gutachten eine ganze Menge Unwahrheiten und Lügen in die Welt gesetzt. Eine davon wurde später von Franziska Hundseder in ihrem Buch Rechte machen Kasse aufgegriffen und wird daher im nächsten Abschnitt behandelt. Hier soll daher eine andere erläutert werden:[20]

Rudolf hat im Anhang seines Gutachtens unter der Überschrift Danksagung einer Vielzahl von Personen und Institutionen gedankt, die ihn in irgendeiner Weise bei der Sammlung von Daten und Quellen, bei der Einholung und Analyse der Proben sowie für verschiedene Hilfestellungen bei der Erstellung seines Gutachtens zur Seite standen. Hierunter werden auch die Firmen DEGUSSA AG und Institut Fresenius aufgezählt, wobei die erste Firma wichtige Unterlagen über die Stabilität von Eisenblau zur Verfügung stellte, während die andere den Großteil der Proben in Anwesenheit und mit anfänglicher Hilfe von G. Rudolf analysierte. Diese Danksagung ist in wissenschaftlichen Publikationen durchaus üblich, ja sie gehört zum guten Ton.

Report warf G. Rudolf in seinem Beitrag vor, er habe mit der Anführung renommierter Institute und Firmen seinem Gutachten den Schein der Seriosität geben wollen. Dieser Vorwurf für sich genommen ist angesichts der oben angeführten Tatsachen zwar "nur" böswillig und lächerlich zugleich. Die sich daran aber anschließende Behauptung Reports, wegen dieser Anführung renommierter Namen liege gegen Herrn Rudolf eine Strafanzeige wegen Betruges vor, ist frei erfunden. Tatsächlich ist bis heute, Juli 1996, nichts von einer Strafanzeige seitens einer der indirekt bei der Gutachtenserstellung involvierten Personen oder Institutionen bekannt geworden. Hier hat Report schlicht mittels einer unwahren Behauptung G. Rudolf mit Gewalt in ein unseriöses Licht stellen wollen.

Stefan Rocker war auch beteiligt an einer Sendung der ARD-Tagesthemen vom 6. Juni 1996 über den seinerzeit vor dem Amtsgericht Tübingen laufenden Bücherverbrennungsprozeß gegen das von Rudolf herausgegebene Buch Grundlagen zur Zeitgeschichte.[21] Dieser Beitrag wurde von der taz am 10.6.1996 auf S. 14 inhaltlich wiedergegeben. Er beginnt mit folgendem Satz:

»Ein Biedermann als Brandstifter: German[22] Scheerer[41] (31), Diplomchemiker, wurde wegen Aufstachelung zum Rassenhaß und der Leugnung des Holocaust vor einem Jahr vom Stuttgarter Landgericht zu einer 14monatigen Haftstrafe verurteilt.«

Anschließend wird Rudolf vorgeworfen, er habe ein »pseudowissenschaftliches« »Machwerk« namens Grundlagen zur Zeitgeschichte publiziert, wodurch er sich als »rechtsextremistischer Wiederholungstäter« ausgewiesen habe und nun, da er sich ins Ausland abgesetzt habe, per Haftbefehl gesucht werde.

Die Tatsache, daß 100 Akademiker prozeßbegleitend zum Bücherverbrennungsprozeß eine Anzeige in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung geschaltete hatten,[23] in dem diese die Zensurpraktiken und Verletzungen der Menschenrechte durch deutsche Gerichte anprangerten, wird in dem Beitrag als »Frontalangriff auf die bundesdeutsche Justiz« interpretiert. Anschließend öffnen die Autoren einen großen braunen Topf, in den sie alle werfen, die rechts der politischen Mitte eingeordnet werden.

Die Phantasien der Franziska H.

Mitte Mai berichtete Panorama über einige mittelständige Unternehmer, die bei unterschiedlichen Gelegenheiten als Unterstützer rechter Kreise aufgefallen waren.[24] Diese Sendung war eine filmische Aufbereitung des von der verantwortlichen Redakteurin Franziska Hundseder verfaßten Buches Rechte machen Kasse[25]. In diesem Buch kommt die Autorin zweimal auf Germar Rudolf bzw. auf sein Gutachten zu sprechen. Beide Stellen sind voll der Irrtümer und Unwahrheiten. Germar Rudolf hat daraufhin Frau Hundseder aufgefordert, ihm bis Ende Juni 1995 mitzuteilen, daß sie sich bei ihrem Verlag dafür einsetzen werde, daß die entsprechenden Passagen abgeändert werden.

Frau Hundseder hat nicht reagiert. Nachfolgend sei Rudolfs Brief vom 15. Mai 1995 an Frau Hundseder wiedergegeben. Aus dem Umstand, daß Frau Hundseder es nicht für nötig erachtete, sich Herrn Rudolf gegenüber zu äußern, ergibt sich zwangsläufig, daß sie es akzeptiert hat, öffentlich als Lügnerin bezeichnet zu werden:

»Offener Brief an F. Hundseder

Ihre Äußerungen über meine Tätigkeiten in Ihrem Buch Rechte machen Kasse

Verehrte Frau Hundseder,

in Ihrem Buch Rechte machen Kasse (Knaur, München, Mai 1995) schreiben Sie auf den Seiten 208f. über meine gutachterlichen Feststellungen fehlender Cyanidrückstände in den tatsächlichen oder angeblichen Gaskammern von Auschwitz:

"Nach Expertenmeinung sei das allerdings auch kein Wunder, weil Blausäureverbindungen sehr schnell zerfallen und zwar schon nach ein paar Wochen. Später nachweisbar sei Cyanid nur dann, wenn Gestein unter absoluten Konservierungsbedingungen, unter völligem Ausschluß von Luft, Feuchtigkeit und Bakterien, aufbewahrt wird, schrieb die Süddeutsche Zeitung am 29.3. 1994. Insofern ist dieses sogenannte Gutachten des Herrn Rudolf (wie auch das »Gutachten« des Frederick A. Leuchter, der ebenfalls keine Cyanid-Spuren in den Mauern von Auschwitz I und II, Birkenau fand) gar kein Beweis - außer für die Methoden, mit denen Rechtsextremisten Geschichtsfälschung versuchen."

Der Anlage können Sie eine Dokumentation zu der damaligen, in vielen Zeitungen publizierten, dpa-Meldung zu meinem Gutachten entnehmen (Deutschland in Geschichte und Gegenwart, Heft 2/1994, S. 25f., Grabert-Verlag, Tübingen). Die damals publizierte angebliche Expertenmeinung wurde vom zuständigen Redakteur der dpa-Südwest, Albert Meinecke, frei erfunden. Ich habe ihn daher öffentlich der Fälschung bezichtigt, was ich auch heute noch aufrecht erhalte. Herr Meinecke bzw. seine Vorgesetzten haben sich bis heute zu meinen Vorhaltungen nicht geäußert. Tatsächlich erkennt jeder nur rudimentär mit Chemiekenntnissen Ausgestattete, daß die in der dpa-Meldung gemachte Sachaussage über die Stabilität von Cyanidverbindungen die Tatsachen auf den Kopf stellt. Cyanidverbindungen im Mauerwerk sind extrem langzeitstabil.

Ich darf Sie daher bitten, sich bei Ihrem Verlag dafür einzusetzen, daß diese Passage Ihres Buches in der nächsten Ausgabe entsprechend geändert wird. Diesbezüglich erwarte ich bis zum 30.6.1995 eine entsprechende Versicherung Ihrerseits, daß Sie meinem Wunsch nachkommen. Ansonsten sehe ich mich genötigt, Sie öffentlich der wissentlichen Verbreitung falscher Nachrichten zu bezichtigen, sprich: Lügnerin zu nennen.

Wenn Sie dann schon beim Ändern sind, dürfen Sie auch Ihre zweite Passage, in der Sie mich erwähnen, umformulieren. Auf Seite 212 zitieren Sie Auszüge eines Schreibens, wie sie im Frühjahr 1994 von der ARD-Fernsehsendung Report wiedergegeben wurden. Es sind Auszüge aus einem Schreiben, das ich Anfang Februar 1993 an verschiedene Herren sandte. Ich bat darin, einem Dritten Gelder zur Verfügung zu stellen, damit dieser die Beschaffung von Kopien der Sterbebücher des KZ Auschwitz aus Moskauer Archiven finanzieren kann. Sie hätten diese meine Angaben übrigens leicht selbst feststellen können, denn dieses Schreiben war in meinem z.Zt. laufenden Prozeß eingeführt und verlesen worden. Gerne dürfen Sie die Herren Richter Dr. Mayer, Heitmann oder Helwerth von der 17. Strafkammer des LG Stuttgart um eine Bestätigung des Inhalts des Schreibens bitten.

Da der Titel Ihres Buches "Rechte machen Kasse" heißt, wird dem Leser suggeriert, hier hätte ich für meinen Geldbeutel gebettelt. Tatsächlich jedoch habe ich niemals für mich selbst Geld erbeten. Im übrigen wurde das während der oben angesprochenen Aktion gesammelte Geld nach Scheitern des Projekts den Spendern mit Zinsen wieder ausgezahlt, so daß hier niemand "Kasse gemacht" hat. Es böte sich daher an, den entsprechenden Abschnitt Ihres Buches komplett zu streichen.

Falls Sie dies nicht tun wollen, schlage ich vor, daß Sie die Passage auf S. 212 Ihres Buches etwa wie folgt umformulieren (Änderungen unterstrichen):

"Der Holocaust-Revisionist Germar Rudolf, der kürzlich geheiratet hat und jetzt Scheerer[41] heißt, hatte Briefe verschickt, in denen Unternehmer aufgefordert werden, für die Finanzierung der Beschaffung von Kopien der in Moskauer Archiven lagernden Sterbebücher des KZ Auschwitz »in Ihrem Bekanntenkreis in äußerst diskreter Weise die nötigen Mittel, Summen über 10 000 Mark« zu beschaffen, die nicht Rudolf, sondern Dritten zufließen sollten."[26]

Ich darf Sie auch bezüglich dieser Passage bitten, sich bei Ihrem Verlag für eine sinngemäße Änderung bei der nächsten Auflage einzusetzen. Auch hier erwarte ich bis zum 30.6.95 eine entsprechende Versicherung Ihrerseits, daß Sie meinem Wunsch nachkommen. Ansonsten gilt hier wie zuvor, daß ich Sie öffentlich der wissentlichen Verbreitung falscher Nachrichten bezichtigen werde.

Angesichts des Umstandes, daß alle Passagen, in denen Sie meine Person zum Thema machen, vor Lügen, Halbwahrheiten und sinnentstellenden Auslassungen nur so strotzen, darf ich Ihnen die Frage stellen, ob der Rest des Buches von ähnlicher Qualität ist. Sollte dies so sein, so handelt es sich bei dem Inhalt Ihres Buches nicht um gewissenhaft recherchierte "Facts", wie es das Logo auf der Titelseite suggeriert, sondern schlicht um Lug und Trug.

Mit angemessenen Grüßen Ihr

[gez. Germar Scheerer[41]

Die ganz normale Vorverurteilung

Als Ende November 1994 der Strafprozeß gegen Germar Rudolf vor der Staatsschutzkammer des Stuttgarter Landgerichts begann, gab es anfangs einige wenige Pressestimmen, die sich in erster Linie durch peinliche Unkenntnis der Materie und des eigentlichen Verhandlungsgegenstandes auswiesen. Ursache dafür dürfte sein, daß es kein Journalist für notwendig erachtete, einen der Prozeßbeteiligten um Informationen zu beten. So kam es, daß immer wieder Dinge falsch verstanden bzw. wiedergegeben wurden, ohne daß man deshalb den Journalisten Vorsatz vorwerfen wollte, wenn, ja, wenn da nicht der Umstand wäre, daß diese Mißverständnisse grundsätzlich zum Nachteil von Rudolf ausfielen.

Parteiisch zeigte sich der Süddeutsche Rundfunk, der während des ganzen Prozesses nur über die Aussagen eines einzigen Zeugen berichtete, nämlich den von der Anklage geladenen untersuchenden Kripobeamten.

Da dessen Aussagen dem SDR offensichtlich nicht belastend genug waren, erfand man kurzerhand Dinge. Die zwei einzigen, vom Kripobeamten zitierten Passagen in Rudolfs vielhundertseitigen Korrespondenz, in denen er sich gegenüber zwei jüdischen Persönlichkeiten kritisch äußert, nimmt der SDR zu Anlaß, wahrheitswidrig auszuführen, der Kripobeamte habe den gesamten Rest der Korrespondenz des Angeklagten "als übelste Hetze und Verleumdung" bezeichnet. Auch unterstellt der SDR dem Kripobeamten fälschlich, er habe bei Rudolf den Willen festgestellt, dieser wolle die Geschichte Deutschlands "neu schreiben von 1871 an, ohne Holocaust und Zweiten Weltkrieg", was angesichts der Absurdität des Behaupteten am Verstand des Journalisten zweifeln läßt. Über die vielen in den Monaten danach vorgebrachten entlastenden Beweise der Verteidigung schwieg der SDR konsequent.[27]

Bis zum Ende des Verfahrens herrschte mit wenigen Ausnahmen Schweigen in den Medien. Dem Verhalten der anwesenden Journalisten konnte man entnehmen, daß Sie nicht auf der Suche nach der Wahrheit waren, sondern dem großen Zeitgeist ein Opfer darzubringen gedachten: Sie wandten sich bei ihrer Suche nach Informationen bis auf einen Fall (ein neu im Metier befindlicher Journalist des Südwestfunk) nur an Staatsanwaltschaft und Richter.

In welche Richtung die tendenziöse Berichterstattung der Medien ging, zeigte zum Beispiel die Stuttgarter Zeitung (StZ) sehr deutlich. Da die in den viele tausend Seiten umfassenden Briefwechsel von Rudolf bei der ersten Hausdurchsuchung im September 1993 gefundenen Passagen anscheinend nicht genug "Verwerfliches" abwarfen, erfand die StZ am 27.1.1995 zusätzlich »Schriebe aus der Feder des Angeklagten mit eindeutig [...] ausländerfeindlichem Inhalt«. Tatsächlich war im gesamten Verfahren nie von Ausländerfeindlichkeit oder Rassismus des Angeklagten die Rede, weil es hierfür wirklich nicht die geringsten Anhaltspunkte gab. Am Ende eines Beitrages der Landesschau des Fernsehsender Südwest 3 am 27.12.1994 mutierte der christlich-konservative Rudolf dann sogar zum Neonazi, indem das Verfahren gegen Rudolf als ein weiterer Fall eines Neonazis am Stuttgarter Landgericht bezeichnet und dieser in Kontinuität zu dem kurz zuvor geplatzten Stuttgarter Neonaziprozeß gestellt wurde.[28]

Eine andere häufig anzutreffende, nämlich vorverurteilende Tendenz, machte sich anschließend bemerkbar, als abschließend gefragt wurde, ob es auch hier Schwierigkeiten geben werde, Rudolf der ihm bezichtigten Tat zu überführen, als ob das Gericht nicht etwa die Aufgabe hätte, unparteiisch die Wahrheit herauszufinden, sondern vielmehr den Angeklagten zu verurteilen, egal ob er die Tat begangen hat oder nicht.

Ähnlich tendenziös berichtete die Böblinger Kreiszeitung am 10. Mai 1995, als sich der Prozeß seinem Ende zuneigte. Dort hieß es auf Seite 13 unter dem Titel "Urteil noch vor Pfingsten" u.a.:

»Er [der Staatsschutzkammer-Vorsitzende] gehe jedenfalls davon aus, daß am nächsten Verhandlungstermin, dem 18. Mai dieses Jahres, die Staatsanwältin das Wort erhält und dann noch vor Pfingsten ein Urteil gegen den Chemiker gefällt werden kann, sollte nicht Unvorhergesehenes eintreten!«

Wie kann es sein, daß laut dieser Pressemeldung der Vorsitzende Richter noch vor Abschluß des Verfahrens (es endete erst am 23.6.1995) ausführt, das zu erwartende Urteil werden gegen den Angeklagten, also zu dessen Nachteil gefällt? Korrekt hätte es heißen müssen: Das Urteil wird über eine Sache oder über den Angeklagten gefällt. Für den Fall, daß der verantwortliche Journalist den Richter richtig zitierte, beweist diese Wortwahl die Befangenheit des Vorsitzenden Richters, im anderen Falle aber die des Journalisten.

Bezeichnend auch, welches Gewicht die Medien den jeweiligen Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung beimaßen. Während die StZ am 13.6.1995 auf Seite 2 ausgiebig die Argumente der Staatsanwältin in einem Dreispalter wiedergab, erschien anläßlich des Plädoyers der Verteidigung am darauffolgenden Tag lediglich ein kleiner Einspalter, der zudem lediglich die Prozeßgeschichte rekapitulierte, von den Argumenten des Angeklagten jedoch kein einziges wiedergab.

Der Fairneß halber sei aber auch erwähnt, daß die zuständige Redakteurin der StZ, Sonnhild Maier, nach dem Urteil am 24.6.1995 noch einige Argumente der Verteidigung nachschob:

»Das Gericht entschied: Gutachten und Vorwort sind als ein einheitliches Werk und eine Art "Gemeinschaftsproduktion" von Scheerer[41] und Remer anzusehen.

Genau dies hatte der angeklagte Chemiker heftig bestritten. Er sei praktizierender Katholik, fühle sich der demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik verpflichtet und wäre nie eine Allianz mit Remer, den er für ein "lebendes politisches Fossil" halte, eingegangen: "Ich wäre doch nicht so saublöd und hätte in der Endphase meiner Promotion an der Vernichtung meiner Existenz mitgewirkt", [29] so der Chemiker, der zur fraglichen Zeit gerade am Max-Planck-Institut in Stuttgart an seiner Doktorarbeit bastelte und nach dem Publikwerden seines "Gutachtens" den Job verlor.«

Die Stuttgarter Nachrichten gaben am 14.6.1995 in einen Dreispalter in erster Linie die Argumente der Staatsanwaltschaft wieder. Dem wurde zwar jeweils eine angebliche Behauptung der Verteidigung entgegengestellt, diese werden im Artikel jedoch nicht von den entsprechenden Argumenten begleitet, die die Richtigkeit der Behauptungen ergeben würden. Statt dessen werden die Angaben der Verteidigung durch den verantwortlichen Redakteur Frank Schwaibold zum Teil sogar mittels falscher Gegenargumente scheinbar konterkariert.

So wandte der Verteidiger gegen den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, Rudolf habe sich durch seine Betätigung unter dem Pseudonym Ernst Gauss als Überzeugungstäter entlarvt und damit keine Bewährung verdient, zwar tatsächlich wie im Artikel angegeben ein, der Fall Gauss dürfe nicht verwendet werden. Unterschlagen wird dem Leser, daß in einem Rechtsstaat einem Angeklagten aus noch nicht rechtskräftig abgeschlossenen Verfahren in der Tat keine Nachteile entstehen dürfen. Dem Widerspruch der Verteidigung gegen die These der Staatsanwaltschaft, Rudolf habe mit Remer kooperiert, setzt der verantwortliche Redakteur Frank Schwaibold die unwahre Behauptung entgegen, Rudolf hätte sich mit Remer dreimal zu Gesprächen getroffen. Tatsächlich trafen Rudolf und Remer lediglich zufällig im Zuge der Tätigkeit Rudolfs als Gutachter für die Verteidigung von O.E. Remer zusammen, wobei es bei diesen Treffen zu keinen Gesprächen zwischen beiden kam, wie auch das Gericht feststellte.[30]

Der Behauptung der Verteidigung, der Angeklagte sei kein Neonazi, setzt der Redakteur sinn- und kontextentstellend einen Brief entgegen, in dem Rudolf »im Zusammenhang mit der Person Ignatz Bubis von der "Judenrepublik Deutschland" spricht.« In jenem Brief[31] kritisiert Rudolf den im Frühjahr 1993 gemachten Vorschlag, Ignatz Bubis zum Bundespräsidenten zu machen. Als Grund für diesen Vorschlag kann Rudolf angesichts des nicht vorhandenen politischen Renommees und der bewiesenen kriminellen Vergangenheit von Bubis lediglich erkennen, daß ihm als dem Vorsitzenden einer verschwindend kleinen Minderheit in unserem Staat eine extrem übergewichtige Bedeutung zugemessen wird. Deshalb sei es nur angemessen, dem Staat als Präfix jene Minderheit voranzustellen: Judenrepublik Deutschland.[32] Diese Kritik wurde von dem jüdischen Zeugen Horst Lummert am 9.1.1995 vor Gericht als vollauf berechtigt bestätigt.[33]

Wo sich unter diesen Umständen hinter Rudolfs Bemerkung Neonazismus verbergen soll, sollte uns Frank Schwaibold erklären.

Eine mediale Exekution

Nach der Verkündung des Urteils des Landgerichts Stuttgart, in der G. Rudolf zu 14 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt wurde, hatten es die Medien naturgemäß einfach, G. Rudolf durch den Schmutz zu ziehen. Als erster wandte sich der Süddeutsche Rundfunk in seinem dritten Hörfunkprogramm an seine Hörer. Es betitelte Rudolf, der Forderung des Zeitgeistes folgend, als "Neonazi", ohne sich dabei auf Wertungen des Gerichts oder auf irgendwelche anderen Beweise stützen zu können. Zudem versuchte es, das Rudolf Gutachten dadurch lächerlich zu machen, daß es auf die vor über einem Jahr publizierte falsche dpa-Meldung zurückgriff. SDR 3 behauptete einfach, seriösen Chemikern sei bekannt, daß Cyanidverbindungen im Gestein binnen weniger Wochen zerfallen.[34]

Die Landesschau des regionalen Fernsehsenders Südwest 3 berichtete in ähnlicher Wertung über Rudolf wie der SDR 3, steigerte die Verleumdung jedoch noch, indem es einen in der Vorwochen veröffentlichten Artikel der Stuttgarter Nachrichten entstellte. Dieser Artikel vom 14. Juni 1993 war wie folgt tituliert: »Nur ein Opfer der "Vaterfigur des Neonazismus"?«. Unter dem Wort "Neonazismus" wurde ein Bild des Angeklagten wiedergegeben. Gemeint war mit der Frage in der Schlagzeile, ob Rudolf ein Opfer der Raubkopieraktion des als "Vaterfigur des Neonazismus" bezeichneten O.E. Remer wurde.

Der Südwestfunk knickte beim Abfilmen dieses Artikels dessen linke Hälfte um, so daß der Zuschauer über dem Foto Rudolfs lediglich die Worte "Vaterfigur des Neonazismus" erkennen konnte. Bei den Zuschauern mußte somit der Eindruck entstehen, als sei mit dem gnadenlosen Urteil über Rudolf gerichtlich festgestellt worden, bei Rudolf handele es sich um die Vaterfigur des Neonazismus. Kann man sich Medienfälschungen bösartiger vorstellen?

Daß vielen Blättern, die über das Urteil berichteten, die Feststellungen des Gerichtes nicht genügten, um G. Rudolf fertigzumachen, sei anhand einiger Beispiele gezeigt. So berichtete der Böblinger Bote am 24. Juni 1995, Rudolf würde sich mit der Rassenlehre des Nationalsozialismus identifizieren. Diese frei erfundene Behauptung ist so absurd und fern jeder Realität, daß sie während des ganzen Prozesses nicht einmal Verhandlungsgegenstand war, geschweige denn in der mündlichen Urteilsbegründung des Gerichts erwähnt wurde. Dies hinderte das Gericht freilich nicht, diese unfundierte Behauptung in der schriftlichen Urteilsbegründung nachzuschieben.[35]

Frank Schwaibold von den Stuttgarter Nachrichten kann es am gleichen Tag trotz persönlicher Aufforderung durch Rudolf erneut nicht unterlassen, die Kontakte Rudolfs zu O.E. Remer unsachgemäß aufzubauschen, indem er schreibt, Rudolf sei »nachweisbar dreimal persönlich mit Remer« zusammengekommen, wobei das Wort persönlich eine Beziehung beider zueinander unterstellt, die tatsächlich nie existent war.

Die Süddeutsche Zeitung tat sich am 24.6.1995 ebenfalls besonders durch Manipulationen hervor. So schrieb sie, Rudolf sei zeitweise Mitglied der rechtsextremen Republikaner gewesen. Tatsächlich war Rudolf aber zu einem Zeitpunkt Mitglied dieser Partei, als sie noch nicht als rechtsextrem angesehen wurde und sogar angesehene Politiker der Union mit Mitgliedern dieser Partei Kontakte pflegten. Welche Bewertung diese Partei nach seinem Austritt im Sommer 1991 durch Medien und Verfassungsschützer auch immer erfahren haben möge, kann wohl kein Kriterium für die Bewertung der politischen Ansichten Rudolfs sein. Außerdem stand Rudolf nicht wegen seiner politischen Ansichten vor Gericht, die nach Artikel 3 Absatz 3 unseres Grundgesetzes niemals Anlaß zu einer Rechtsbenachteiligung sein dürfen. Schließlich ist es absurd, die nationalkonservativen Ansichten der Republikaner in die Nähe der nationalsozialistischen Gesinnung O.E. Remers bringen zu wollen, wie es wohl in der Absicht der SZ lag.

Als einzige der großen Zeitungen bringt die Süddeutsche Zeitung in ihrem Beitrag die auf der gefälschten dpa-Meldung basierenden Mär von der angeblich längst erfolgten Widerlegung des Rudolf Gutachtens:

»Nach Angaben seriöser Chemiker zerfallen Blausäureverbindungen jedoch unter dem Einfluß der Witterung innerhalb weniger Monate und sind dann nicht mehr nachweisbar.«

Mit dieser perpetuierten Unwahrheit dürfte jedem unbedarften Leser klar gemacht worden sein, daß es sich bei dem Rudolf Gutachten um das sachlich falsche Machwerk eines unseriösen Chemikers handele. Den gleichen Unsinn hat übrigens auch der Böblinger Bote zu Prozeßbeginn am 23.11.1994 verbreitet:

»Nach Meinung von Experten könnten übrigens nach über 50 Jahren keine Cyanidrückstände mehr gefunden werden, weil diese sehr schnell zerfallen.«

Und auch der Bayerische Verfassungsschutz entblödete sich in seinem Bericht des Jahres 1997, S. 64, nicht, diesen Unsinn zu perpetuieren

Logisch, daß alle Zeitungen angesichts der angeblich erwiesenen Pseudowissenschaftlichkeit des Rudolf Gutachtens in ihren Artikeln das Wort Gutachten nach Möglichkeit mieden oder aber in Anführungsstrichen setzten, mitunter es z.B. als "Machwerk" abqualifizierten (StZ, 23.11.1994). Das Gericht hingegen stellte zu Beginn des Verfahrens am 23.11.1994 klar, daß es sich nicht für kompetent erachte, darüber zu entscheiden, inwiefern das Gutachten wissenschaftlichen Kriterien genüge. Um den sachverständigen Beweis kam es jedoch herum, indem es Rudolf die von Remer verfaßten Vor- und Nachworte der Raubkopie zuschrieb und ihn deswegen verurteilte.

Zur Frage der inhaltlichen Richtigkeit des Rudolf Gutachtens hat sich jüngst der Direktor der niederländischen Anne-Frank-Stiftung, Hans Westra, geäußert. Die Anne-Frank-Stiftung gehört mit zu den weltweit bekanntesten Institutionen, die sich professionell damit beschäftigten, den Holocaust in all seinen Details nachzuweisen und zu dokumentieren. Hans Westra antwortete auf die Frage eines Journalisten, ob die wissenschaftlichen Analysen des Rudolf Gutachtens stimmen würden, wie folgt:[36]

»Diese wissenschaftlichen Analysen sind perfekt. Was man aber nicht kontrollieren kann, ist, wie dieser Rudolf sie ausgearbeitet hat, wie er die Muster bekommen hat.«

Freilich konnte auch Herr Westra sich nicht verkneifen, die Echtheit der Proben anzuzweifeln, denn ein anderes Schlupfloch als diesen billigen Einwand scheinen die etablierten Forscher in dem dicht gewobenen Argumentationsgeflecht des Rudolf Gutachtens nicht zu finden.

Volkspädagogische Meldungen

Der Tag der Verkündung des Urteilsspruches im Fall Germar Rudolf sollte der einzige bleiben, an dem die überregionalen Medien über das Verfahren berichteten. Wie oben bereits angemerkt, widmete die Süddeutsche Zeitung dem Urteil eine ausführliche Meldung.

Darüber hinaus sahen sich auch die heute-Nachrichten des ZDF veranlaßt, am 23.6.1995 eine kurze Meldung darüber zu bringen, daß der Diplom-Chemiker Germar Rudolf wegen eines Gutachtens über die Gaskammern von Auschwitz zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten ohne Bewährung verurteilt worden sei. Da die überregionalen Medien über diesen Fall bisher so gut wie gar nicht informiert hatten, wird der Fernsehzuschauer mit dieser äußerst kurz gehaltenen Meldung kaum etwas anzufangen gewußt haben. Daher kann diese Meldung nur einen Sinn gehabt haben: Jedem potentiellen Sachverständigen sollte bundesweit klar gemacht werden, daß derjenige, der zum Holocaust-Komplex eine Meinung vertritt, die von der offiziell erlaubten abweicht, und sei sie auch noch so sachlich, seriös, wissenschaftlich und möglicherweise gar fachlich korrekt, ohne Bewährung im Gefängnis landet.

In ähnlichen Bahnen bewegten sich Meldungen der Lokalpresse am 6.5.1996 nach der Verwerfung der Revision durch den Bundesgerichtshof.[37] Darin wurde dem Leser suggeriert, der Wissenschaftler Rudolf sei wegen seines zu einem falschen Ergebnis gelangenden Gutachtens, das den Holocaust leugne, verurteilt worden. Daß das Gutachten gar nicht Verhandlungsgegenstand war, interessierte offensichtlich niemanden. Und natürlich konnte sich der Böblinger Bote nicht verkneifen, erneut die dpa-Lüge auszugraben:

»Entgegen seriöser wissenschaftlicher Erkenntnisse habe der Jettinger Chemiker behauptet, daß bei der Massenvernichtung von Menschen mit Blausäure unbedingt Cyanidrückstände im Mauerwerk der heute noch stehenden Gebäude in dem Lager zu finden sein müßten, was aber nicht der Fall sei.«

Daß die unbarmherzig harte Verurteilung Rudolfs aus volkspädagogischen Gründen erfolgte, also zur Abschreckung aller Wissenschaftler, die mit dem Gedanken spielen, eine eventuell abweichende Meinung öffentlich kundzutun (Generalprävention), meinte am 27 Juni 1996 auch der Böblinger Bote:

»Die im Juni letzten Jahres verhängten 14 Monate Freiheitsstrafe wurden aus generalpräventiven Gründen nicht zur Bewährung ausgesetzt.«

Gehetzt im Ausland

Im März 1996 setzte sich Germar Rudolf ins Ausland ab. Die Presse verlor dadurch zunächst seine Spur und damit vorläufig auch das Interesse. Das änderte sich jedoch im Herbst 1999, als der britische Journalist Chris Hastings (34) sich daran machte, Rudolfs Spuren in England aufzuspüren. Da Rudolf sich bei seiner Ankunft im Lande dort pflichtgemäß gemeldet hatte, und die Melderegister in England öffentlich zugänglich sind, war es nicht schwer, herauszufinden, daß Rudolf offenbar im Lande war. Auch gab er auf seiner Website www.vho.org freimütig seine Postfachaddresse in England an (PO Box 118, Hastings TN34 3ZQ). Chris Hastings gelang es, die Wohnung  ausfindig zu machen, in der Rudolf registriert ist. Er hinterließ dort eine Nachricht mit der Bitte um ein Interview. Rucolf gewährte ihm diesen Wunsch, indem er sich mit Hastings im Londoner Bahnhof Victoria zu einem zweistündigen Gespräch traf. Inhalt dieses Gespräches war vor allem die Menschenrechtssituation in Deutschland und das Verfolgungsschicksal Rudolfs. Doch wie zu befürchten war Hastings Interesse daran nur vorgeschoben. In seinem Artikel im Sunday Telegraph vom 17.10.1999 kam dieses Thema nämlich gar nicht vor. Statt Dessen lautete es dort unter einer Überschrift, in der Rudolf schlicht als »Neo-Nazi« verunglimpft wird, u.a.:[38]

»Er [Rudolf] bestätigt, daß er während seines Aufenthalts in England Verbindungen zu Rechtsextremisten geschmiedet, einschließlich Mitgliedern der National Front und der British National Party. [...]

In England arbeite ich 24 Stunden als Holocaust-Revisionist. Meine Arvbeit hat mich mit führenden Leuten der radikalen Rechten zusammengebracht. Ich habe während meines Aufenthalts in England mit führenden Mitgliedern der National Front und der British National Party Kontakt aufgenommen.«

Hastings hat hier Wort- und Satzfetzen aus dem Zusammenhang gerissen und nach Belieben zusammengefügt. Derartige Sätze hat Rudolf nie gesagt (bis auf jenen mit den 24 Stunden). Tatsache ist, daß Germar Rudolf im Frühjahr 1999 mit Nick Griffin zusammentraf, um von diesem über dessen Erfahrungen mit der britischen Justiz zu hören. Griffin war im Jahr zuvor als Herausgeber einer kleinen rechten Zeitschrift u.a. wegen revisionistischer Aussagen angeklagt, jedoch freigesprochen worden. Aufgrund seiner eigenen gefährdeten Lage, und da er selbst in seiner Zeitschrift Vierteljahreshefte für freie Geschichtforschung ausführlich über Zensur berichtet, interessierte sich Rudolf dafür naturgemäß sehr. Für die politischen Mitgliedschaften und Funktion Griffins hatte er kein Interesse. Rudolf war vor seinem Treffen noch nicht einmal bekannt, daß Griffin führend in der englischen Rechtspartei British National Party tätig war, hörte von diesem dann aber, daß er den Parteivorsitz anstrebe, was ihm dann später auch gelang. Von Hastings konkret danach gefragt, ob er Kontakte zu Leuten der politischen Rechten habe, berichtet er wahrheitsgemäß diesen Vorgang, und Hastings nutzte dies dazu, dem Leser zu suggerieren, als habe Herr Rudolf Verbindungen zu führenden Mitgliedern der beiden größten englischen rechtsradikalen Organisationen geschmiedet. Ein Kontakt zu einem Mitglied der Nationalen Front ist  seines Wissens nie zustande gekommen.

Hastings interviewte sogar die ehemalige Vermieterin Rudolfs, die sich angeblich in folgender absurder Weise geäußert haben soll:

»Sheila Evans, Rudolfs ehemalige Vermieterin, sagte: "Ich erinnere mich, daß er gesagt hat, er arbeite für Zeitschriften in Deutschland. Ich war beeindruckt wie sauber er das Haus hinterließ als er auszog. Er nahm alles mit. Ich denke, er versuchte, seine Spuren zu verwischen."«

Tatsächlich sagte Rudolf vor seinem Einzug in Pevensey Bay (Juli 1996), er werde für eine deutschsprachige Zeitschrift schreiben (VffG startete erst im Frühjahr 1997). Frau Evans war der schlimmste Hausdrache, der Rudolf je unter die Augen gekommen ist. Jeder Kratzer an den Fußleisten, jedes bißchen abgeplatzer Lack an Türen und Heizkörpern, jedes Löchelchen in den Wänden mußten Rudolf beim Auszug reparieren und neu streichen, damit er seine Kaution zurückbekommen konnte. Und daß man beim Auszug all sein Eigentum mitnimmt, ist wohl nur normal. Anscheinend sehen die Menschen überall Gespenster und weiße Mäuse, sobald ihnen die Medien irgend eine Story über ihre Nachbarn erzählen.

Anschließend machte Chris Hastings alle möglichen Persönlichkeiten auf meine Anwesenheit und Tätigkeit bewußt und stachelte Sie zu Aussagen auf, wie etwa daß man nun auch in England ein Holocaust-Leugnungs-Gesetz einführen müsse, und daß alles getan werden müsse, damit Rudolf schnellstmöglich an Deutschland ausgeliefert werde.

Die Folgen ließen nicht lange aus sich warten. Die Medien hatten eine Sensationsstory: »Gesuchter deutscher Neonazi offenbar in Großbritannien«, tönt die dpa am 18.10.99 (veröffentlicht u.a. am 18.10.99 in der Rheinphalz); »Holocaust-Leugner im englischen Versteck« tönten die linken Stuttgarter Nachrichten am 21.10.99, Seite 4. Am 31.10.99 meldet Christ Hastings frohlockend im Sunday Telegraph, Deutschland würde nun wirklich die Auslieferung Rudolfs fordern, und England würde dem wohl nachkommen, da Rudolf nicht wegen Holocaust-Leugnung, sondern wegen Aufstachelung zum Rassenhaß verurteilt worden sei, was in England ebenso strafbar sei. Am 22.10.99 fiel die Lokalpresse in Hastings, Rudolfs Wohnsitz, ein: »Fliehender Neo-Nazi benutzt Basis in Hastings« (Hastings & St. Leonards Observer). Die englische Menschenjagd-Posille Searchlight schloß sich im Dezember der Jagd an: »Auschwitz-Lügner versteckt sich in England« (S. 13).[39] In einer weiteren Meldung vom 16.1.2000 legt Chris Hastings im Sunday Telegraph noch einmal etwas Holz nach: »Wegen Rassenhaß angeklagte Neo-Nazi geht auf die Flucht [...] Deutschland hat einen internationalen Haftbefehl für [Germar Rudolf] erlassen, der nach England geflüchtet war, um einer Haftstrafe wegen Rassenhaß zu entgehen.«

Vollends zur Hysterie schlug die Menschenjagd nach Rudolf dann im März um, eingeleitet von einerm Bericht der BBC am 28.3.2000, der dann tags darauf im südenglischen regionalen Fernsehsender ITV um 23:20 Uhr wiederholt wurde: Es wurden etwa 6-7  Bilder von Rudolf gezeigt, entnommen seiner Internet-Seite, und die Menschen vor diesem »Nazi-Sympathisanten« gewarnt, so als würde Rudolf mit Waffen herumlaufen und Menschen wahllos umbringen. Mike Whine vom englischen Zentralrat der Juden durfte sich vor laufenden Kameras dahingehend äußern, daß es sich bei Rudolf um eine neue Brut gefährlicher Nazis handele. Die Lokalpresse tönte daraufhin: »Entkommener Neo-Nazi versteckt sich immer noch in Hastings [...] er wird immer noch gejagt. « (Hastings & St. Leonards Observer, 31.3.2000). Offenbar will man erreichen, daß die lokale Bevölkerung Rudolf erkennt und aus Angst vor diesem "Unmenschen" umgehend die Polizei verständigt.

Am 27.5.2000 berichtet Günther Hörbst im Hamburger Abendblatt über den Bericht  »Antisemitismus weltweit 1998/99« der israelischen Universität Tel Aviv wie folgt:

»Deutschland sind in dem Bericht zwölf Seiten gewidmet. Beklagt wird die steigende Verbreitung der Holocaust-Lüge, vor allem durch das Internet und rechtsextreme Gruppen. Zwar sei das deutsche Strafgesetzbuch eines der "fortgeschrittensten und effektivsten Mittel zur Bekämpfung der Holocaust-Lüge", dennoch stelle sie "ein wachsendes Phänomen" dar. So verbreite der führende deutsche Holocaust-Lügner Rudolf Scheerer[41] seine Schriften per Internet aus dem Ausland weiterhin, obwohl er rechtskräftig verurteilt sei.«

So ein Ärger aber auch!

Der einzige einigermaßen faire Artikel über Rudolf erschien am 7. Januar in der Los Angeles Times im Zusammenhang mit Irvings Verleumdungsverfahren gegen Deborah Lipstadt, verfaßt von Kim Murphy.

Pressefreiheit = Pressewahrheit?

Gegen einige der oben angeführten Medienmeldungen könnte man im Normalfall in Form von Gegendarstellungen vorgehen, nämlich dort, wo die Persönlichkeit des G. Rudolf selbst angegriffen wird. Falsche Tatsachenbehauptungen als solche, die Rudolf nicht betreffen, etwa die gefälschte dpa-Meldung, sind dagegen nach heutigem Recht nicht angreifbar.

Das Landgericht Stuttgart verurteilte G. Rudolf zu 14 Monaten Haft ohne Bewährung mit der Begründung, Rudolf sei von tiefem Antisemitismus geprägt, er sei in ein revisionistisches und rechtsextremistisches Umfeld verstrickt und er sei offensichtlich ein fanatischer Überzeugungstäter. In dem Augenblick jedoch hat das Gericht den Medien einen juristischen Freibrief ausgestellt, G. Rudolf auch in der übelsten Weise zu verleumden und zu beschimpfen, denn als Antisemiten und Rechtsextremisten gebrandmarkte Menschen sind in der Bundesrepublik Deutschland de facto vogelfrei. Daß das Gericht Rudolf keinen Rechtsextremismus vorwarf, sondern "lediglich" seinen Umgang mit angeblich rechtsextremistischen Personen, war da nur noch zweitrangig und im Zuge der medialen Sippeninhaftierung kein Grund zur Zurückhaltung. Die Gegendarstellungsanträge G. Rudolfs werden nunmehr grundsätzlich abgelehnt, da die in der Presse verbreiteten Wertungen seiner Person ja inzwischen gerichtlich bestätigt seien.

In einer Demokratie ist das Volk der Souverän. Soll Volkes Stimme nicht nur bezüglich seiner Macht Gottesstimme sein, sondern wenigstens ansatzweise auch hinsichtlich seiner Unfehlbarkeit, so muß dafür gesorgt werden, daß das Volk umfassend und wahrheitsgemäß informiert wird. Im modernen Informationszeitalter spielen die Medien die zentrale Rolle bei der Willensbildung des Volkes. Dementsprechend müßte garantiert sein, daß diese Medien das Volk umfassend und wahrheitsgemäß informieren.

Die bewußt falsche und einseitige Information der Bevölkerung hingegen muß beim Volk automatisch zu falschen Vorstellungen der Realität und damit zu falschen politischen Entscheidungen führen. Die bewußte Desinformation durch Nachrichtenunterschlagung oder Verbreitung von Falschnachrichten wäre mithin eines der schwersten politisch motivierten Verbrechen, das in einer Demokratie begangen werden könnte.

Die Frage nach den exekutiven und juristischen Mitteln, die die umfassende und wahrheitsgemäße Information der Bevölkerung garantieren könnte, ist angesichts der Meinungs- und Pressefreiheit sicher brisant. Zu fordern wäre zum Beispiel, daß die Medien einer demokratischen Kontrolle unterworfen werden in dem Sinne, daß eine politische wie wirtschaftliche Monopolbildung wichtiger Medien verhindert wird. Zu denken wäre u.a. an einen ihrer Wähler- bzw. Anhängerschaft proportionalen Zugang politischer Parteien und weltanschaulicher Vereinigungen (z.B. Religionen) zu den ihren Aktionsradius abdeckenden Medien, und zwar ohne Rücksicht auf Prozentklauseln.

Ferner sollte das Gegendarstellungsrecht auch auf jene Fälle erweitert werden, wo nicht eine Person in ihrer Ehre angegriffen ist, sondern wo nachgewiesen werden kann, daß eine verbreitete Nachricht grob einseitig oder gar falsch war, wo also die Wahrheitspflicht als solche grob verletzt wurde.

Die strafrechtliche Ahndung von Personen, denen nachgewiesen werden kann, daß sie bewußt falsche Tatsachenbehauptungen aufstellten und verbreiteten, ist äußerst problematisch, da der Nachweis, jemand habe bewußt falsche Nachrichten verbreitet, also gelogen, nur sehr selten erfolgen kann. Die simple Unterstellung, der Nachrichtenverbreiter müsse die Unwahrheit seiner Nachrichten gekannt haben, weil alle anderen sie kannten, reicht hierzu nicht aus.[40] Wo dieser Tatbestand aber an Hand von Dokumenten oder Selbstbekenntnissen nachweisbar ist, sollte eine strafrechtliche Ahndung möglich sein.


[1]Erschienen in den Staatsbriefen 2-3/1996, Verlag Castel del Monte, Postfach 14 06 28, 80456 München, S, 23-30.
[2]Für den uneingeweihten Leser mag dies neu sein, doch tatsächlich gibt es in Deutschland einen den Landeskriminalämtern eingegliederten Staatsschutz zur Verfolgung politisch motivierter Straftaten. Dieses mit Abstand größte Dezernat der Kriminalämter ist untergliedert in Abteilungen für rechtsextreme, linksextreme und ausländisch-politische Kriminalität. Beschäftigt werden in den einzelnen Abteilungen jeweils kritisch eingestellte Beamte, also im Bereich Rechtsextremismus betont linke, antifaschistische Personen. Auch die bundesdeutschen Gerichte verfügen über eigene Staatsschutz-Strafkammern, die nichts anderes machen, als politische Prozesse zu führen. Ihnen beigeordnet sind Staatsanwälte, die sich ausschließlich um solcherlei politische Verfahren kümmern.
[3]Diese Durchsuchung betraf die von Remer vertriebene Raubkopie seines Gutachtens.
[4]Diese Durchsuchung betraf den Verdacht einer Beteiligung Rudolfs an der Herstellung und Herausgabe der Zeitschriften Remer Depesche und Deutschland Report.
[5]Diese Durchsuchung betraf das von G. Rudolf unter dem Pseudonym Ernst Gauss herausgegebene revisionistische Sammelwerk Grundlagen zur Zeitgeschichte. Ein Handbuch über strittige Fragen des 20. Jahrhunderts, 415 S., DM 58,-, Grabert-Verlag, Am Apfelberg 18, 72076 Tübingen, November 1994., 415 S., DM 58,-, Grabert-Verlag, Am Apfelberg 18, 72076 Tübingen, November 1994.
[6]R. Kammerer, A. Solms (Hg.), Das Rudolf Gutachten, 120 S., Cromwell Press, London 1993 (jetzige Adresse: P.O. Box 62, Uckfield/East-Sussex TN22 1ZY (Großbritannien)), DM 35,- Vorkasse. Vgl. auch: E. Gauss, Vorlesungen über Zeitgeschichte. Strittige Fragen im Kreuzverhör, Grabert-Verlag, Tübingen 1993, 352 S., DM 39,80; E. Gauss, aaO. (Anm. 4), S. 249-279, 401-404.
[7]Tagespresse, z.B.: Süddeutsche Zeitung, Stuttgarter Zeitung, Südwestpresse-Verbund (29.3.1994), taz, Frankfurter Rundschau (30.3.1994).
[8]Telefongespräche von K. Philipp, Frankfurt/Main, 30.3.1994.
[9]Telefongespräche von G. Rudolf, Jettingen, 30.3.1994.
[10]Pressemitteilung G. Rudolf vom 8.4.1994.
[11]Antwort von D. Ebeling auf mehrere Anfragen an das Stuttgarter dpa-Büro, 13.4.1994.
[12]Vgl. R. Kammerer, A. Solms (Hg.), Das Rudolf Gutachten, aaO. (Anm. 5), S. 87-91.
[13]J.M. Kape, E.C. Mills, Transactions of the Institute of Metal Finishing, 35 (1958), S. 353-384; dies., ebenda, 59 (1981), S. 35-39.
[14]D. Maier, K. Czurda, G. Gudehus, »Das Gas- und Wasserfach«, in Gas · Erdgas, 130 (1989), S. 474-484.
[15]G. Zimmermann (Hg.), Bauschäden Sammlung, Band 4, Forum-Verlag, Stuttgart 1981, S. 120f.
[16]Vgl. die Aussage des ehemaligen Museumsdirektors F. Piper in einem auf Video aufgenommen Interview mit D. Cole und B. Smith, CA 1992; vgl. D. Cole, The Journal of Historical Review, 14. Jg., Heft 2 (1993), S. 11f.
[17]Mittlerweile ist es mit einem polnischen Gelehrtentrio zu einer Diskussion gekommen, vgl.: J. Markiewicz, W. Gubala, J. Labedz, Z Zagadnien Nauk Sadowych, Z. XXX, 1994, S. 17-27.; G. Rudolf, Deutschland in Geschichte und Gegenwart, Grabert, Heft 1/1995, S. 22-26; J. Markiewicz, W. Gubala, J. Labedz und G. Rudolf: Briefwechsel, in: Sleipnir, (Verlag der Freunde, Postfach 35 02 64, 10211 Berlin) Heft 3/1995, S. 29-33. Dieser Briefwechsel führte zu einem vierten Ermittlungsverfahren gegen Rudolf durch die Staatsanwaltschaft Berlin, Az. 81 Js 1385/95, LKA 514 Berlin, Az. 951018/3678-0. Zu mehr als polemischen Ausfällen reichte es bei Dr. J. Bailer nicht: ders., in: B. Bailer-Galanda, W. Benz und W. Neugebauer (Hg.), Wahrheit und Auschwitzlüge, Deuticke, Wien 1995, S. 111-118; vgl. hierzu die Ausführungen von G. Rudolf in Zur Kritik an Wahrheit und Auschwitzlüge, vgl. den Beitrag in diesem Band.
[18]Auch wenn im damit angesprochenen Buch von Max Frisch Herr Biedermann eine ganz andere Funktion erfüllt als die des Schreibtischtäters. Aber es kommt eben auf die Wirkung auf den Zuschauer an.
[19]Vgl. E. Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, aaO. (Anm. 4), S. 25-27.
[20]Eine detailliertere Kritik dieser Sendung befindet sich in: W. Schlesiger, Der Fall Rudolf, Cromwell Press, Brighton 1994 (jetzt: P.O. Box 62, Uckfield/East-Sussex TN22 1ZY (Großbritannien)); darin bestreitet Rudolf allerdings noch, daß er sich hinter dem Pseudonym Ernst Gauss verbirgt. Dies hat er im Verfahren vor dem LG Stuttgart eingeräumt, Az. 17 KLs 3/94.
[21]Vgl. hierzu den Beitrag "Deutsches Gerichtsurteil: Wissenschaftliches Werk wird verbrannt" in diesem Band.
[22]Richtig: Germar. Fehler im Original. D-23
[23]Vgl. hierzu den Beitrag "Über richtige und falsche Erkenntnisse", S. 41.
[24]Vgl. Die Welt, 15.4.1995: "Unterstützen Unternehmer die rechtsextremen Szene?". Als Folge dieser Sendung wurde der Arbeitgeber von Germar Rudolf seitens seiner Kunden, Lieferanten, Wettbewerber und Mitarbeiter so unter Druck gesetzt, daß er sich gezwungen sah, den Arbeitsvertrag mit Herrn Rudolf aufzuheben.
[25]Knaur, München, Mai 1995.
[26]Bei Abfassung dieses Briefes lagen Rudolf die Prozeßakten nicht vor, so daß er den tatsächlichen Wortlaut seines damaligen Schreibens nicht überprüfen konnte, sonst hätte er sicher die Auslassung der Auslassungspunkte (...) gerügt und den Abdruck des vollen Wortlauts verlangt, vgl. oben. Die Akten waren von der Staatsanwaltschaft Tübingen vorübergehend beschlagnahmt worden, vgl. Anm. 4.
[27]Süddeutscher Rundfunk, in allen vier Hörfunkprogrammen am 25.11.1994 am Nachmittag.
[28]Das vom SDR vertriebene Video dieses Beitrages wird entsprechend mit dem Titel "Neo-Nazi" versehen.
[29]Aufgrund der Remerschen Raubkopie verweigert die Universität Stuttgart Rudolf seit Juli 1993, dem Zeitpunkt der Einreichung seiner Doktorarbeit, die Zulassung zur Abschlußprüfung (Rigorosum).
[30]Vertrauliches Schreiben G. Rudolf an H. Herrmann, 20.12.1992, EDV-Ordner 2, Blatt 222, im Akt des LG Stuttgart, Az. 17 KLs 83/94, am 6.12.1994 eingeführt.
[31]Brief an K. Philipp vom 1.3.1993, Ermittlungsordner 1, Blatt 351, im Akt des LG Stuttgart, Az. 17 KLs 83/94, am 17.12.1994 eingeführt.
[32]Stellungnahme von G. Rudolf zum Anklagevorwurf vom Mai 1994, eingeführt im Verfahren LG Stuttgart, Az. 17 KLs 83/94, am 17.3.1995 im Selbstleseverfahren, im Akt.
[33]H. Lummert ist jedoch der Meinung, man solle bei dem Kürzel BRD bleiben: "Bubisrepublik Deutschland". Etwa 30 Zeugen bestätigten, daß G. Rudolf sich niemals antisemitisch geäußert habe, sondern sogar gegen entsprechende Auswüchse einschritt. Gegenläufige Aussagen gab es nicht. Was die Medien ebenfalls übergingen, ist ein von Rudolf vor Studenten gehaltener, eindeutig projüdischer Vortrag. Das Gericht hat am 9.5.1995 als wahr unterstellt, daß der Vortrag stattfand.
[34]SDR 3, 23.6.1995, 1330 Uhr.
[35]Urteil LG Stuttgart, Az. 17 KLs 83/94, S. 15, 156ff. Als Beweis dafür führt das Gericht ein nicht publiziertes Schriftstück des Angeklagten an. Darin führte Rudolf aus, wie sehr die Juden für den Fall der Bestätigung der revisionistischen Thesen kompromittiert wären. Im Akt des Verfahrens am LG Stuttgart, Az. 17 KLs 83/94, EDV-Ordner 3, eingeführt am 26.1.1995. Wo in dieser im Wenn-dann-Stil formulierten These Rassismus stecken soll, bleibt unklar.
[36]BRT 1 (belgisches Fernsehen), Panorama, 27.4.1995.
[37]Kreiszeitung Böblinger Bote und Gäubote/Südwestpresse-Verbund, 6.5.1996.
[38]Jessica Berry and Chris Hastings, »German neo-Nazi fugitive is found hiding in Britain«, The Sunday Telegraph, 17.10.1999; wiederholt am 18.10.99 im Independent.
[39]Das deutsche Pendant dazu, blick nach rechts, zog erst im Juni 2000 mit einem Beitrag von Thomas Pfeiffer nach - im gleichen Ton.
[40]Ein Trick übrigens, mit dem man die Revisionisten ins Gefängnis zu schicken pflegt: Da jeder wisse, daß der Holocaust stattgefunden habe, müßten das auch die Revisionisten wissen. Wenn sie dennoch Gegenteiliges behaupten, so nur gegen ihr Wissen, also lügend. Und wer lügt, führt Böses im Schilde, gehört also hinter Gitter. Das ist die Logik des Terrors.
[41]Anm. Juli 2002: Nach der Scheidung von seiner Ex-Frau Scheerer nahm G. Rudolf seinen Geburtsnamen Rudolf wieder an.

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