Kapitel II:
Die Entstehung des Bildes von Treblinka als Vernichtungslager

1. Die Nebentötungsmethoden

Wie wir in der Einleitung gesehen haben, war an Treblinka recht wenig geheim. Bereits ab August 1942 gelangten ausführliche Berichte über dieses Lager nach Warschau. Diese stammten im wesentlichen von aus Treblinka geflohenen Juden, der in der Umgebung des Lagers ansässigen polnischen Bevölkerung sowie den polnischen Eisenbahnern, welche die Züge mit den Deportierten fuhren.

Bei diesen Berichten spielt die kurz nach Kriegsende von der offiziellen Geschichtsschreibung übernommene und heute noch gültige Version der Massenmorde - Vergasungen mittels den Abgasen eines Dieselmotors - eine ganz nebensächliche Rolle. Sie tritt nur in zwei Berichten auf, in denen überdies von nicht näher definierten »giftigen Stoffen« die Rede ist, welche den Abgasen beigemischt worden sein sollen.

Am 5. Oktober 1942 verbreitete die polnische Untergrundzeitung Informajca bieżąca (Laufende Information) folgenden Bericht:[108]

»Treblinka. Das Todeslager ist weiterhin in Betrieb. Es kommen Transporte aus dem ganzen Land an (zuletzt Radom, Siedlce, Międzyrzec). Gegenwärtig läßt man nicht 20, sondern 10 Züge aufs Mal heranfahren, denn es dauert lange, bis man die Leichen der unterwegs Gestorbenen (20-30%) ausgeladen hat. Die Gaskammer funktioniert wie folgt: Außerhalb der Baracke ist rund um die Uhr ein Verbrennungsmotor von 20 PS Stärke in Betrieb. Das Ende seines Auspuffsrohrs ist in einer Wand der Baracke montiert; die Abgase mit Beimischung giftiger Flüssigkeiten,[109] die man dem Treibstoff des Motors speziell beigemengt hat, töten die in der Baracke eingesperrten Menschen. Auf dem Gebiet des Lagers befinden sich außer den jüdischen Arbeitern ein jüdisches Orchester sowie eine Gruppe jüdischer Frauen, mit denen sich das Personal vergnügt.

Bis Ende August wurden in Treblinka 320.000 Juden ausgerottet.«

Die hier geschilderte Tötungsmethode tauchte auch in einem Bericht auf, der am 31. März 1943 als Bestandteil einer Serie von Meldungen über Treblinka an die polnische Exilregierung in London weitergeleitet wurde:[110]

»Nach der Ankunft im Lager erhalten die Juden den Befehl, sich nackt auszuziehen, unter dem Vorwand, sie würden in ein Bad geführt. Sie werden in eine abgedichtete Kammer gebracht, eine Baracke, ungefähr 1000 Menschen aufs Mal. Außerhalb der Baracke steht ein Verbrennungsmotor von 20 PS, der rund um die Uhr läuft. Die Mündung des Auspuffsrohrs des Motors führt durch die Barackenwand, und die durch diese geleiteten Abgase mit Beimischung giftiger Flüssigkeiten, die man dem Treibstoff des Motors speziell beigemengt hat, töten die in der Baracke eingesperrten Menschen.«

In den Informationen der polnischen Widerstandsbewegung werden auch andere Mordtechniken geschildert. So war in einer auf den 17. August 1942 datierten Ausgabe von Informacja Bieżąca von einer mobilen Gaskammer die Rede:[111]

»Nach der Abfahrt der Lokomotiven werden die Juden gezwungen, sich auszuziehen, angeblich zum Baden; dann werden sie in die Gaskammer geführt und hingerichtet, worauf sie - manchmal noch lebend - in ausgehobenen Gruben verscharrt werden. Die Gruben werden maschinell ausgehoben; die Gaskammer ist mobil und bewegt sich über den Gruben hin und her. Die Lagerstärke betrug am 5. August 40.000 Juden, täglich werden ca. 5000 hingerichtet. Durchgeführt wird die Liquidierung von Ukrainern unter der Führung von SS-Männern. Bis zum 10. September dieses Jahres soll die Aktion im Warschauer Ghetto abgeschlossen sein.«

Am 8. September 1942 berichtete die Informacja Bieżąca vom Einsatz eines nicht näher beschriebenen Gases mit Verzögerungseffekt:[112]

»Die Ausrottung der Juden spielt sich völlig unabhängig von den Vorgängen im Lager ab. Die Lokomotive schiebt die Waggons mit den Juden unter die Rampe, der Reihe nach. Die Ukrainer zerren die Juden aus den Waggons und führen sie zum "Baden" ins Badehaus. Es ist dies ein von Stacheldraht umranktes Gebäude. Sie gehen in Gruppen von 300 bis 500 Personen hinein. Jede Gruppe wird sofort hermetisch eingeschlossen und vergast. Die Wirkung dieses Gases ist freilich nicht unmittelbar, denn als nächstes müssen die Juden zu den ca. zehn bis zwanzig Meter entfernten und 30 m tiefen Gruben gehen. Dort verlieren sie das Bewußtsein und fallen hinunter, und der Bagger bestreut sie mit einer dünnen Schicht Erde. Dann kommt die nächste Gruppe.«

Eine weitere Tötungsmethode war ein - wiederum nicht näher definiertes - Gas mit sofortiger Wirkung. Von diesem sprach ein mit seiner jüdischen Frau am 6. September 1942 nach Treblinka geschickter, doch nach wenigen Tagen von dort geflüchteter polnischer Offizier. Sein Bericht gehörte zu jener Serie von Meldungen, die der polnischen Exilregierung in London am 31. März 1943 zugestellt wurden:[113]

»Außerhalb der Baracke zogen sich die Frauen nackt aus und wurden mit den nackten Kindern durch einen Nebenausgang auf einen Weg, der auf beiden Seiten mit einem Drahtnetz umgeben war, zu den riesigen Baracken von "Treblinka II" geführt. In diesen Baracken wird man angeblich gebadet, doch in Wirklichkeit tritt ein jäher Tod durch Gas ein. Ich weiß nicht, welcher Art das verwendete Gas ist, doch weiß ich von einem Kollegen, der drei Wochen lang in "Treblinka II" arbeitete, daß die Leichen eine bläuliche Verfärbung aufweisen. [...] Ich weiß nicht, wieviele Menschen in Treblinka umgekommen sind; die Haufen von Kleidern und Schuhen sind ungeheuer und erreichen eine Höhe von zwei Stockwerken; sie nehmen eine riesige Fläche ein. [...] An der Spitze der Gruppe von Arbeitsjuden stehen ein Jude, Kommandant des Lagers, und sein Stellvertreter.[sic!]«

Als Bestandteil derselben Serie von Meldungen wurde auch ein Bericht nach London gesandt, der gleichfalls von einer Judenvernichtung in »Gaskammern« sprach. Was für ein Gas Verwendung fand, wurde darin nicht mitgeteilt, wohl aber, daß es »um die hundert Gaskammern« (!) gegeben haben soll:[114]

»In diesem gigantischen Holzhaus, wo in stehender Position ungefähr 10.000 Menschen Platz haben, begrüßt sie ein SS-Offizier sehr höflich und sagt wörtlich folgendes: "Zu wenig habt ihr bisher für den deutschen Staat gearbeitet, und daher hat das Deutsche Reich beschlossen, euch in die Ukraine umzusiedeln, damit ihr mehr arbeitet. Ihr seid hier in einem Durchgangslager. Gleich werdet ihr ins Bad gehen." [...] Schließlich sind sie am Ziel - dem Schein nach Bäder, in Wirklichkeit Gaskammern. Sie gehen, jeweils ein paar aufs Mal, in eine Kammer, und von diesen Kammern gibt es sicher um die hundert. [...] Man türmt die Leichen in gleichmäßigen Schichten auf, hundert aufs Mal, und bestreut sie mit Chlor.«

Ebenfalls unter den am 31. März 1943 nach London überstellten Meldungen befand sich ein Bericht mit dem Titel »Charakterystyka metód Treblinki« (Charakteristik der Methoden Treblinkas), in dem weitere drei Mordmethoden aufgelistet wurden: Erschießen, Züge mit ungelöschtem Kalk sowie Wasserdampf:[115]

»Zu Beginn der sog. Aussiedlungsaktion, als die technischen Vorbereitungen der Todesmaschinerie noch nicht vervollkommnet waren, töteten die Deutschen in Treblinka ihre Opfer auf höchst einfache Art: Auf eine Menge herbeigeführter Männer, Frauen und Kinder wurde aus Maschinengewehren das Feuer eröffnet, und sie wurden samt und sonders niedergeschossen. Eine Mannschaft von Totengräbern warf alle - die Leichen der Getöteten, die Schwerverwundeten sowie die Leichtverwundeten - in die bis zu jenem Zeitpunkt vorbereiteten Gruben und überschüttete sie mit Erde.

Im August sowie den folgenden Monaten, als die Beschleunigung der Aktion die Möglichkeiten der Dampfkammern überstieg, lud man die Transporte in Waggons, die mit einer Schicht von Kalk und Chlor bestreut waren, so daß nach der Ankunft in Treblinka ausschließlich violett-blau verfärbte Leichen aus den Waggons geworfen wurden. Alle waren unter Qualen in den Waggons erstickt. Für diese Transporte (z.B. aus Międzyrzec Podl., Kielce) war Treblinka nur noch der Bestattungsort. Aus diesen Angaben geht hervor, daß den Deutschen an einer pünktlichen und genauen Ausführung des entworfenen Plans gelegen war. Die oben beschriebenen Methoden wurden praktiziert, als die Kapazität der Todesmaschinerie in Treblinka ins Stocken kam. Bei den aus den Dampfkammern gezogenen Leichen werden in Treblinka die Zähne untersucht. Mittels Zahnarztinstrumenten werden Goldzähne und -brücken herausgerissen.«

1946 zitierte Eugen Kogon in seinem bekannten Buch Der SS-Staat den - ein Jahr zuvor entstandenen - Augenzeugenbericht eines Oskar Berger, der seinen eigenen Angaben zufolge im Juli 1942 aus dem Ghetto von Kielce nach Treblinka deportiert worden und im September desselben Jahres von dort entkommen war. Er erklärte u.a.:[116]

»Mitunter kamen Transporte mit Leichen an. Ich vermute, daß diese Menschen im Waggon durch Gas getötet worden waren, denn Wunden habe ich nicht bemerkt.«

Er fügte hinzu, anfangs seien die im Lager eingetroffenen Juden erschossen worden. Während seines Aufenthalts in Treblinka hätten die Deutschen »ein kleines Gebäude aus Ziegeln«[117] errichtet. Von da an, so der Zeuge, »wurden die Ankömmlinge nicht mehr erschossen, sondern vergast«.

Diese Tötungstechniken - Motorabgase mit dem Treibstoff beigefügten Giftstoffen, stationäre Gaskammern, eine mobile Gaskammer, Gas mit verzögerter Wirkung, Gas mit sofortiger Wirkung, Erschießen, mit ungelöschtem Kalk bestreute Zugwaggons, elektrischer Strom[118] - wurden in den Meldungen über Treblinka nur sporadisch und ohne nähere Einzelheiten erwähnt. Die im Vordergrund stehende Mordmethode, die sowohl am häufigsten als auch am detailliertesten geschildert wurde, war das Verbrühen mit Wasserdampf.

2. Die Haupttötungsmethode: Wasserdampfkammern

Am 15. Oktober 1942 vermerkte Emmanuel Ringelblum in seiner "Ghettochronik":[119]

»Nachricht von den Totengräbern (Jakub Rabinowicz), den Juden aus Stoczek, die aus den mit Gegenständen, Gold und Bargeld beladenen Zügen entflohen sind. Übereinstimmende Beschreibung des "Bades", die Totengräber mit goldenen Flicken auf den Knien.

Tötungsmethode: Gas, Dampf, Elektrizität.[120]«

Die Journalistin Eugenia Szajn-Lewin lebte bis April 1943 im Warschauer Ghetto und führte während dieser Zeit ein Tagebuch. Bezüglich Treblinkas hielt sie in diesem fest, was bis Ende 1942 im Ghetto über dieses Lager erzählt wurde:[121]

»Das Schlimmste ist der Tod in Treblinka. Jetzt wissen inzwischen alle von Treblinka. Dort kochen sie die Menschen bei lebendigem Leibe. Sie wissen inzwischen, daß Bigan aus Treblinka geflüchtet ist. [...]

Er [Bigan] wird Hallen bauen, wie es sie dort in Treblinka gab. Alles wird modern sein: die Kessel, die mit Strom angeheizt werden, darin Dampf-Gas, der Fußboden beweglich und abschüssig. "Dort treib ich die Deutschen hinein, alle nackt. Viele, viele Deutsche, damit jeder Winkel ausgenutzt ist, jeder Zentimeter". Und aus den Kesseln wird der Gasdampf durch die Rohre geleitet, die Kessel sind rot, und der Dampf... ein höllisches Siedebad. Vier Minuten genügen, dann geht die Bodenklappe automatisch herunter, und die schleimige Masse aus roten, gekrümmten Leibern fließt ab in die Senkgruben. Und Schluß, nur noch die Gruben mit Chlor zugeschüttet, und keine Spur mehr von dem, was mal gelebt hat. "Das alles dauert nur sieben Minuten, verstehst du?"«

Am 15. November 1942 verfaßte die im Untergrund wirkende Widerstandsbewegung des Warschauer Ghettos einen langen Artikel mit dem Titel »Likwidacja żydowskiej Warszawy« (Liquidierung des jüdischen Warschau), der eine ausführliche Schilderung Treblinkas enthielt,[122] zusammen mit einer Lagerskizze.[123] Aufgrund der Wichtigkeit dieses Artikels[124] verdient er es, trotz seiner Länge vollständig wiedergegeben zu werden. Er wurde der polnischen Exilregierung in London am 6. Januar 1943 zugestellt[125] und lautet wie folgt:[126]

»Treblinka. Ewiges Schandmal für das deutsche Volk.

[...] Das Dorf Treblinka liegt in der Nähe der Eisenbahnlinie Warschau-Białystok, einige Kilometer von Małkinia entfernt, in einer wald- und sandreichen Gegend. Das Dorf besitzt eine polnische, aus Landwirten und Waldarbeitern bestehende Bevölkerung. Im Jahre 1940 [richtig: 1941] errichteten die Deutschen unweit dieses Dorfes auf sandigen Hügeln ein Straf- und Konzentrationslager - Treblinka A - für Polen, die gewisse Verstöße gegen den Okkupanten begangen oder das ihnen auferlegte Kontingent an Landwirtschaftsprodukten nicht geliefert hatten, oder die man beim Schmuggeln ertappt hatte. Die Disziplin in diesem Lager ist sehr scharf - aus beliebigem Anlaß werden Häftlinge erschossen. Dieses Lager genießt bereits denselben Ruf wie das Straflager Auschwitz.

Im März 1942 begannen die Deutschen mit dem Bau eines neuen Lagers - Treblinka B - in der Nähe von Treblinka A. Dieses Lager wurde zur Hinrichtungsstätte für Juden aus Polen und anderen europäischen Ländern auserkoren. Bei den Vorbereitungs- und Grundnivellierungsarbeiten wurden Polen aus der Nähe des Lagers eingesetzt, aber auch Juden, die man in den nahegelegenen Kleinstädten bei Razzien festgenommen hatte. Diese Arbeiten dauerten bis Ende Mai, als auch der zentrale Punkt dieses Lagers errichtet wurde - das Todeshaus Nr. 1 (14).[127]

Das neue Lager - Treblinka B - liegt auf sandigen Anhöhen inmitten von Hainen. Die Größe des Lagers ist verhältnismäßig gering und beträgt ungefähr 5000 Hektar.[128] Der gesamte Ort ist mit einer Hecke umzäunt, die dicht mit Stacheldraht durchflochten ist (3). Ein Teil der Umzäunung verläuft durch einen jungen Wald auf der Nordseite (25). An den vier Ecken des Ortes sind Beobachtungspunkte für den Lagerschutz angebracht.

Der Lagerschutz rekrutiert sich vorwiegend aus Ukrainern, die mit Maschinengewehren bewaffnet sind. Zur Beleuchtung des gesamten Ortes bei Nacht befinden sich an den Beobachtungspunkten starke Scheinwerfer. Ebenfalls im Zentrum des Ortes, auf den Hügeln neben den Hainen, sind Beobachtungsposten aufgestellt. Die Westgrenze von Treblinka B bildet ein Eisenbahndamm mit einem Anschlußgleis, welches das Lager mit der Hauptlinie verbindet (1). Das Anschlußgleis (2) wurde in den letzten Monaten errichtet, damit die Waggons direkt mit den Transporten zur Hinrichtungsstätte gelangen können. Die Nordgrenze des Lagers bildet ein junger Wald, die Ost- und Südgrenze verlaufen durch sandige Anhöhen. Auf dem Lagergelände erstreckt sich ein langer Waldgürtel von der Nordgrenze beginnend parallel zur Eisenbahnschiene (25).

An das Nebengleis grenzt die Rampe (4) an, bei der die Züge mit den Transporten anhalten. Von dieser Rampe führt ein Ausgang auf den Platz, der zwei- bis dreitausend Menschen fassen kann. Dieser Platz besitzt eine besondere Stacheldrahtumzäunung. Auf dem Platz befindet sich unweit der Nordgrenze eine große Holzbaracke. In der südwestlichen Ecke steht ein Wachthäuschen, wo sich 24 Stunden pro Tag ein Militärposten befindet (7). Auf der Südseite dieses Platzes, außerhalb der Umzäunung, befindet sich der sogenannte Lumpensortierungsplatz (21) und weiter südlich der Hinrichtungsplatz für den Chefkommandanten des Lagers sowie die Gräber der Opfer, die er ermordet hat (22). Der Ankunftsplatz (6), von dem wir vorher gesprochen haben, wird mit dem übrigen Gelände durch ein Tor an der nordöstlichen Ecke der Umzäunung verbunden (8). Von dort führt ein Waldweg ungefähr 200 m nach Osten (9), biegt dann rechtwinklig südwärts ab und verläuft neben dem Wald, parallel zur Westgrenze des Ankunftsortes. Dieser Weg bricht bei einem großen Gebäude (10) von besonderem Aussehen ab: Es ist dies der Rumpf eines unvollendeten einstöckigen gemauerten Gebäudes von ca. 40 m Länge und 15 m Breite.

In der ersten Septemberhälfte, als wir Informationen betreffs Treblinka B erhielten, stand dieses Gebäude kurz vor der Vollendung. Mit dem Bau dieses gemauerten Hauses begannen die Deutschen schon zu einem Zeitpunkt, wo die Aktion noch andauerte - vermutlich Mitte August - mit Hilfe jüdischer Handwerker, welche unter den zwecks Ausrottung nach Treblinka gebrachten Juden ausgesucht worden waren. Charakteristisch ist die Tatsache, daß die zum Bau notwendigen Ziegel von Warschau mit Waggons herbegeschafft wurden, die an jeden Transportzug angehängt waren. Die Ziegel luden jüdische Arbeiter auf dem Warschauer Umschlagplatz um. Laut Bericht eines Augenzeugen sieht das Innere des Gebäudes wie folgt aus: In der Mitte verläuft ein Korridor von 3 m Breite, und auf beiden Seiten befinden sich je 5 Räume, Kammern; die Höhe einer jeden Kammer beträgt ungefähr 2 m. Die Oberfläche jeder Kammer mißt ca. 35 Quadratmeter.

Die Hinrichtungskammern besitzen keine Fenster; stattdessen weisen sie Türen auf, die zum Korridor führen, sowie eine bestimmte Art von Klappen in den Außenwänden. Neben diesen Klappen befinden sich Rampen mit leicht hohler Oberfläche, die an große Backtröge erinnern. Die Arbeiter haben Röhren montiert, durch welche Wasserdampf eindringen sollte. Dies soll das Todeshaus Nr. 2 werden.

Der Waldweg (9) macht einen Bogen um dieses Haus; er verläuft längs der Westmauer inmitten der Bäume des Waldes und bricht schließlich beim nächsten Gebäude (12) ab, beim Todeshaus Nr. 1 (14); dieses Haus nimmt eine rechtwinklige Stellung zum Todeshaus Nr. 2 ein. Es ist ein gemauertes Gebäude, viel kleiner als das vorher geschilderte. Es besteht nur aus drei Kammern sowie einem Kesselraum. Entlang der Nordmauer dieses Hauses verläuft ein Korridor, aus dem man durch die Türen in die Kammern eintreten kann. Die Außenwand der Kammern besitzt eine Klappe (noch bis vor kurzer Zeit eine Tür, die aus praktischen Gründen durch eine Klappe ersetzt wurde). Ferner verläuft dort auf der Höhe der Klappen eine Rampe von Gestalt eines Backtrogs (15). Unmittelbar an das Gebäude schließt sich ein Kesselraum an (15a). Innerhalb des Kesselraums befindet sich ein großer Kessel zur Erzeugung von Wasserdampf, und durch Röhren, die durch die Todeskammern verlaufen und die entsprechende Anzahl Öffnungen aufweisen, dringt überhitzter Wasserdampf in die Kammern. Während diese Todesmaschinerie in Betrieb ist, sind Türen und Klappen hermetisch verschlossen. Der Fußboden in den Kammern ist mit Steingutfliesen verkleidet, die sehr rutschig werden, wenn man sie mit Wasser begießt. Neben dem Kessel befindet sich der Brunnen - der einzige Brunnen auf dem ganzen Gelände von Treblinka B.

Unweit des Todeshauses, auf der Südseite, hinter dem Stacheldrahtverhau und dem Bretterzaun, liegt das Lager der Totengräber. Sie leben in einer Baracke (19), neben welcher sich Küchengebäude befinden. Auf beiden Seiten dieses Lagers sind je zwei Wachhäuser gelegen (17-20). Das restliche Gelände von Treblinka B ist für die Gräber der ermordeten Opfer bestimmt. Ein Teil des Terrains stellt bereits einen großen Friedhof dar (22, 23, 24). Anfänglich hoben in diesem Lager angestellte Polen die Gräber aus, doch später, als die Mordaktionen beschleunigt wurden und ein Bedürfnis nach Gruben entstand, brachte man spezielle Maschinen herbei - Bagger, die Tag und Nacht beim Ausheben von Gräbern eingesetzt werden. Angetrieben werden sie von einem Dieselmotor, dessen Rattern das charakteristische Geräusch des Todeslagers Treblinka B ist.

Das Aufsichts- und Hinrichtungspersonal ist zahlenmäßig sehr klein. An der Spitze des Mordkommandos steht ein SS-Mann im Rang eines Hauptmanns der Gendarmerie (er heißt Sauer). Die aus SS-Leuten bestehende deutsche Mannschaft hat panische Angst vor ihrem "Chef". Wenn sie ihn nur von weitem sehen, beginnen sie die Arbeitsjuden und die Opfer auf ihrem Todesweg mit noch größerer Energie zu hetzen. Deutsche gibt es insgesamt zehn, Ukrainer hingegen dreißig. Die deutsche Besatzung wechselt von Zeit zu Zeit; im Lager treffen manchmal SS-Männer aus verschiedenen Städten des sogenannten Generalgouvernements ein, wo sie bei der "Aussiedlung" tätig sind.

Außer dem deutsch-ukrainischen Lagerschutz gibt es auch einen jüdischen Hilfsdienst, von dem ein Teil beim Sortieren der Kleidungsstücke der Ermordeten (dem Lumpensortierplatz) beschäftigt ist, ein Teil aber als Gräber beim Leeren der Hinrichtungskammern und Begraben der Toten eingesetzt wird; der Rest bildet die Dienstmannschaft auf dem Ankunftsplatz.

An der Spitze der einzelnen Gruppen des jüdischen Hilfsdienstes stehen Gruppenführer, die von den Deutschen Kapos genannt werden. Sie sind verhältnismäßig besser genährt; zur Unterscheidung von den anderen haben sie auf den Hosenknien gelbe, dreieckige Fetzen aufgenäht. Die Stärke des jüdischen Hilfsdienstes ändert sich fast täglich. Es kommt nur selten vor, daß ein Jude bei diesem Dienst länger als zwei Wochen übersteht, und dies aufgrund der unmenschlichen Behandlung durch die Deutschen. Sie werden immerfort mißhandelt und mit Peitschen geschlagen; körperliche Strafen (25 Hiebe) sowie Erschießungen Entkräfteter, die nicht mehr arbeitsfähig sind, kommen oft vor. Dies erledigt der "Chef" überwiegend selbst; jeden Tag findet nach dem Mittagessen ein Appell für die Arbeitsuntauglichen statt. Auf die Frage des Deutschen, wer sich nicht mehr stark genug fühle, um weiterzuarbeiten, treten einige aus der Reihe, melden dem Chef, sie könnten nicht mehr arbeiten, und bitten um ihre Erschießung wie um einen Gnadenakt. Die Hinrichtung findet auf einem speziellen Platz statt, wobei das Opfer in aufrechter Stellung ans Grab tritt und ihm der Chef eine Kugel in den Hinterkopf jagt. Das nächste Opfer muß dann nähertreten und die Leiche des Ermordeten in die Grube werfen, wonach es einige Augenblicke später das Los seines Vorgängers teilt. Diese jungen Juden sind dermaßen überarbeitet, daß sie keinen Drang zum Widerstand mehr verspüren, und der von den Deutschen ausgeübte Terror ist so entsetzlich, daß die Opfer schon bald nicht mehr weiterleben wollen, um die unmenschlichen Martern nicht länger erdulden zu müssen. In den ersten Septembertagen hat der "Chef" von Treblinka im Verlauf eines einzigen Tages jeweils 500 junge Juden ermordet, indem er sie der Reihe nach mit Schüssen aus seinem Karabiner tötete, und das Merkwürdigste ist, daß keiner von dieser mehrere hundert Angehörige zählenden Menschengruppe sich auf den Deutschen stürzte, um sich vor dem Tod zu schützen. Die Hinrichtung dauerte von 7.30 Uhr morgens bis drei Uhr nachmittags.

Die verhältnismäßig leichteste Arbeit im Todeslager ist das Sortieren der Kleidung der Ermordeten, bei der man sich leicht den Bauch vollschlagen kann, denn die "ausgesiedelten" Juden haben große Vorräte an Lebensmitteln mit auf die Reise genommen: Brot, Marmelade, Schmalz, Zucker. Doch der Chef läßt die Leute nicht lange bei dieser Arbeit verweilen; schon nach ein paar Tagen ordnet er an, sie zu den Grabarbeiten zu versetzen.

Die Lücken im jüdischen Hilfsdienst werden aus den in Treblinka ankommenden Transporten gefüllt. Normalerweise gelangen in Treblinka täglich zwei Transporte an: Morgens und gegen Abend, doch wenn die Aktionen unter großem Zeitdruck stattfinden, sind es mehrere Transporte. Jeder Zug besteht aus zwischen zehn und zwanzig Güterwagen. Ein Teil der Wagen steht auf dem Anschlußgleis gegenüber dem Ankunftsplatz, die übrigen aber werden zur Seite geleitet und warten dort, bis der erste Teil erledigt ist. Die Waggons werden rasch geleert. Die malträtierte und in höchstem Grad nervöse Menschenmasse atmet erleichtert auf, wenn sie auf den Ankunftsplatz hinaustritt. Sogleich nimmt sie der jüdische Hilfsdienst mit den Kapos an der Spitze in Empfang. In jiddischer Sprache wird ihnen befohlen, was sie zu tun haben. Die Frauen mit den Kindern weist man sofort an, die Baracke zu betreten, die Männer hingegen bleiben auf dem Platz. Wenn sie um sich blicken, sehen sie an einem hohen Pfosten ein Plakat hängen, auf dem in riesigen Lettern "Achtung Warschauer" geschrieben steht, obwohl in Treblinka auch massenweise Transporte mit Juden aus vielen anderen Städten des sog. Generalgouvernements sowie aus Deutschland und westeuropäischen Ländern eintreffen. "Macht euch keine Sorgen um euer Schicksal", kann man weiter lesen, "ihr fahrt alle zur Arbeit nach Osten, ihr werdet arbeiten, und eure Frauen werden den Haushalt führen. Doch vor der Abreise müßt ihr baden, und eure Kleider müssen entlaust werden. Eure Wertsachen und euer Geld müßt ihr in der hiesigen Kasse deponieren, worauf ihr entsprechende Quittungen erhaltet, und nach dem Baden und Entlausen bekommt ihr alles in unbeschädigtem Zustand zurück".

Im ersten Zeitraum des Mordens war in Treblinka auf dem Platz ein SS-Offizier mit Engelsgesicht zugegen, der großes Vertrauen einflößte und eine Ansprache mehr oder weniger ähnlichen Inhalts an die Versammelten hielt. Doch als mit dem Fortgang der Aktion immer mehr Transporte aus allen Richtungen eintrafen und man die ungeheuren Massen der Ankömmlinge rascher liquidieren mußte, schafften die Deutschen diese Ansprache als überflüssig ab.

Um bei den Juden Zutrauen zu den Deutschen zu erzeugen und den Eindruck zu erwecken, auf dem Ankunftsplatz spiele sich tatsächlich eine Trennung nach Berufen zwecks Entsendung verschiedener Berufsgruppen zur Arbeit ab, sind auf dem Platz an mehreren Orten Tafeln mit den Aufschriften "Schneider", "Schuster", "Tischler" etc. aufgestellt. Natürlich gab es in Wirklichkeit keine solche Trennung.

Stattdessen stellen die Kapos die Männer rasch in Reihen von jeweils 10 Personen auf, befehlen ihnen, die Schuhe auszuziehen, sich anschließend vollständig zu entkleiden und sich zum Bade zu begeben. Jeder darf ein Stück Seife und Dokumente [sic] mitnehmen. In der Zwischenzeit bringt die Kleidersortierungsmannschaft die abgelegten Kleidungsstücke an ihren Platz. Auch Frauen und Kinder müssen sich völlig nackt ausziehen. Jetzt setzt der letzte Akt der Tragödie von Treblinka ein; die terrorisierte Masse von Männern, Frauen und Kindern tritt ihren letzten Gang an, den Gang in den Tod. Vorne drängt sich die Gruppe der Frauen mit den Kindern, ständig durch Peitschenhiebe oder Püffe seitens der sie mit Peitschen in den Händen begleitenden Deutschen angetrieben. Je rascher sie diese Gruppe hetzen, desto härter prasseln die Hiebe auf die Köpfe der vor Angst und Schmerz wahnsinnigen Frauen nieder. Die Schreie und das Wehklagen der Frauen, die Flüche und Schimpfwörter der Deutschen durchbrechen die Waldesstille. Die Menschen haben endlich begriffen, daß sie in den Tod gehen. Beim Eingang zum Todeshaus Nr. 1 steht der Chef selbst mit einer Peitsche in der Hand und treibt die Frauen kaltblütig mit Schlägen hinein. Der Fußboden in den Kammern ist rutschig, die Menschen gleiten aus und fallen um, können aber nicht mehr aufstehen, denn auf sie wälzen sich neue Massen gewaltsam hineingetriebener Opfer. Kleinkinder schleudert der Chef auf die Köpfe der Frauen in die Kammern. Auf diese Weise werden die Hinrichtungskammern bis zum Bersten gefüllt, und dann werden die Türen hermetisch geschlossen, und es beginnt das langsame Ersticken der Menschen durch Wasserdampf, der durch die zahlreichen Öffnungen aus den Röhren tritt. Anfangs dringen aus dem Innern erstickte Schreie, die allmählich schwächer werden, und nach 15 Minuten ist die Hinrichtung vollzogen.

Nun sind die Totengräber an der Reihe. Mit Geschrei und Verwünschungen treiben die deutschen Aufseher die Totengräber zur Arbeit an, die darin besteht, die Leichen aus den Hinrichtungskammern zu zerren. Die Totengräber stehen bei der Rampe gegenüber den Klappen. Die Klappen öffnen sich, aber es fällt keine Leiche heraus. Unter dem Einfluß des Dampfs hat sich aus allen Leichen eine monolithische Masse gebildet, die durch den Schweiß der Gemordeten zusammengekittet wird. Im Todeskampf haben sich viele Hände, Beine und Rümpfe auf makabre Art verwickelt. Um den Totengräbern das Herausziehen der einzelnen Leichen zu ermöglichen, übergießt man diese Masse mit Eimern kalten Wassers aus dem nahen Brunnen. Nun löst sich der eine Leichnam vom anderen, und man kann sie leichter herausholen. Im allgemeinen hat sich der äußere Anblick der Leichen nicht verändert; nur Kopf und Gesäß haben sich violett verfärbt. Die Totengräber, von den Deutschen unablässig geprügelt und gehetzt, legen die Leichen auf die Rampe, bis die Kammern geleert sind. Alles liegt da wie das Fleisch geschlachteten Viehs, und nun erfolgt das Vergraben der Leichname. Noch bis vor kurzem (erste Augusthälfte) standen den jüdischen Totengräbern Schubkarren zur Verfügung, mit denen sie die Leichen zu den Gruben schafften - dies mußte in wahnsinnigem Tempo verrichtet werden. Doch in letzter Zeit hob der Chef diese Erleichterung auf. Ein Mann - zwei Leichen: Dies heißt, daß auf einen Totengräber zwei Leichen zum Begraben entfielen. Er bindet mit dem Hosengürtel die Hände oder Füße der Leiche zusammen und schleift sie im Laufschritt von der Rampe zu den Gruben, wirft sie hinein und muß dann, wiederum im Laufschritt, zur nächsten Ladung zurückkehren. Früher befanden sich die Gruben gleich beim Todeshaus, und man konnte die Ermordeten rasch verscharren. Doch mit dem Eintreffen ständig neuer Opfer hat sich die Grenze der Gräber immer weiter nach Osten verschoben, und das Schleppen der Leichen an die Stätte der ewigen Ruhe nimmt mehr und mehr Zeit in Anspruch. Nach dem Füllen des Grabs überschütten die Totengräber die Begrabenen schnell mit Erde, und schon wartet in der Nähe die Maschine, um das nächste Grab auszuheben.

Auf gleiche Weise erfolgt die Hinrichtung der Männer. Auch sie werden auf diesem Waldweg in den Tod getrieben. Die Menschen reagieren stets verschieden, wenn man sie in Richtung auf das Todeshaus treibt: Die einen sagen laut Psalmen auf und beichten ihre Sünden, andere fluchen Gott, doch die schrillen Rufe der Deutschen und die Hiebe, die auf den Rücken der Todgeweihten niederprasseln, bringen die ganze Schar zum Schweigen. Manchmal haben nicht alle Opfer Platz in den überfüllten Kammern, und dann halten die Deutschen die übrigen in dem Wäldchen neben der Hinrichtungsstätte zurück. Diese Menschen sehen und hören alles, doch fehlt ihnen jeglicher Selbsterhaltungstrieb. Dies ist ein unwiderlegbarer Beweis für den grausamen Terror, den die Deutschen ihren Opfern gegenüber ausüben.

Das neue Todeshaus ist zur Erledigung von acht- bis zehntausend Opfern gedacht. Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf dem Gelände Treblinkas bereits 2.000.000 (zwei Millionen) Opfer begraben sind, d.h. der größte Teil des polnischen Judentums, drängt sich die beunruhigende Frage auf, für wen die SS-Männer das neue Todeshaus bestimmt haben und was für Verurteilte in dieser Hinrichtungsanlage ihren Geist aufgeben sollen. Aller Wahrscheinlicheit nach wird sich die einmal in Gang gekommene Hinrichtungsmaschinerie nicht nur auf die Tötung der Juden beschränken. Das Gespenst des Todes in den Dampfkammern steht zum heutigen Zeitpunkt dem polnischen Volk vor Augen, und gewisse Warnsignale wurden bereits bemerkbar: Nach dem Bericht eines Augenzeugen haben die Deutschen in der zweiten Augusthälfte im Todeshaus Nr. 1 eine Gruppe von Polen hingerichtet.«

Dieser Bericht erfreute sich einer weiten Verbreitung. Eine vollständige englische Übersetzung erschien bereits im Jahre 1943 im Sammelband The Black Book of Polish Jewry mit dem Untertitel Treblinka. Official Report Submitted to the Polish Government.[129]

Am 8. August 1943 meldete die New York Times unter Berufung auf einen in einer Londoner Zeitung erschienenen Artikel: »2.000.000 Murders by Nazis Charged. Polish Paper in London says Jews Are Exterminated in Treblinka Death House« (2.000.000 Morde den Nazis zur Last gelegt. Polnisches Blatt in London schreibt, die Juden werden in einem Todeshaus in Treblinka ausgerottet). Der Untertitel lautete: »Den Berichten nach wird Dampf verwendet, um Männer, Frauen und Kinder an einem Ort in den Wäldern zu töten.« Der Artikel fußte auf einem am 7. August in der Zeitschrift Polish Labor Fights publizierten Beitrag, bei dem es sich um nichts anderes handelte als um den Bericht vom 15. November 1942. Dies geht zweifelsfrei aus den darin stehenden Passagen hervor.[130]

1944 veröffentlichte Rabbiner A. Silberschein einen achtseitigen Bericht über das Lager »Tremblinki« (Verballhornisierung von Treblinka). Darin tauchen viele im Vergleich zum Bericht vom 15. November 1942 neue Elemente auf, insbesondere in bezug auf die Tötungstechnik, so daß man davon ausgehen darf, daß er zumindest teilweise aus einer anderen Quelle stammt. Das selbst den Spezialisten so gut wie unbekannte Dokument[131] verdient es aufgrund seiner Bedeutung, vollständig zitiert zu werden. Silberschein spricht einerseits von »Gaskammern« und von »Gas, das aus Röhren strömt«, andererseits davon, daß die Leichen »unter dem Einfluß des Wasserdampfs« ineinander verklammert gewesen seien. Entweder betrachtete Silberschein also Dampf als Gas, oder er war sich über die Tötungstechnik nicht sicher.

Daß im Text viele sprachliche Unsauberkeiten auftreten, erklärt sich wohl damit, daß er von einer des Deutschen nicht vollkommen mächtigen Person aus dem Französischen übersetzt worden ist.

Er lautet wie folgt:[132]

»Tremblinki - Das Hauptvernichtungslager

Das kleine Dorf Tremblinki liegt an der Bahnstrecke Warschau-Bialostock [sic]. Nicht weit von dem Dorfe befand sich das Hauptvernichtungslager, dreimal so gross wie das Lubliner. Zuerst war es als Konzentrationslager für Juden und Polen angelegt; aber im März 1942 verwandelten es die Deutschen in ein Vernichtungslager nur für Juden. Sie bauten das Lager eigens dafür um und statteten es mit Gasexperimentierräumen und Öfen aus.

Das Lager

Das Lager befand sich inmitten von dichten Waldungen von der Aussenwelt ganz abgeschnitten und war durch ein Bahngeleise mit der Hauptlinie Warschau-Bialostock erreichbar. Es umfasste eine Fläche von 100 Morgen und ist mit dichtestem Stacheldraht umgeben.

Es bestand aus drei Teilen: dem eigentlichen Lager; dem Vernichtungslager und einem freien Platz. Das eigentliche Lager weist drei Blöcke auf: ein Männerlager, ein Frauenlager und zwischen diesen beiden, ein Kinderlager.[133]

Das Innere eines jeden Blockes teilte ein drei Meter breiter Vorraum in zwei Teile. Aus dem Vorraum münden Türen in die Zellen. Jede Zelle misst 36 m2 bei einer Höhe von nicht mehr als zwei Metern [...[134]. Jedes Objekt war 40 × 50 M. gross. Ausserdem wurden später noch zwei langgestreckte Gebäude, ein jedes etwa 120 × 150 M. gross als Männerlager ausgebaut (sind im Plan nicht ersichtlich).

Die Vernichtungsanlagen nahmen ungefähr denselben Raum als die Unterkunftsräume ein, und enthielten die Garderobe (s. Plan). Die Garderobe enthielt ein Empfangszimmer für die Lagerleitung, einen Vorraum und den eigentlichen Auskleideraum. Der Zugang zu der Garderobe war vom freien Platz aus. Eine Türe führte von der Garderobe zu den Bädern, von hier eine Tür zum Versuchsraum für Erstickungsgase und von da eine Türe zu den Öfen. Die Öfen waren mit einem Schienenweg, der zum Friedhof führte, verbunden (s. Plan).

Auf dem freien Platz war ein grosses Podium aufgestellt. In diesem Lager befanden sich fast keine Werkstätten und auch nur wenige Arbeitsplätze.

Der Wachdienst - die Behandlung

Den Wachdienst im Vernichtungslager von Tremblinki versah eine SS-Abteilung unter dem Kommando des Hauptmann Sauer. Der Mannschaftsbestand der Abteilung wechselte häufig.

Die Insassen verrichteten verschiedene Arbeiten im Zusammenhang mit den Lagerbedürfnissen. Sie wurden hierbei entsetzlich malträtiert und misshandelt und mussten die erdenklichst unmenschlichsten Strafen für jede kleinste Übertretung der Hausordnung oder sonstige Versehen ertragen. Nicht alle arbeiteten, die meisten warteten in den Zellen nur solange, bis die Vergasungsanstalt sie aufnehmen konnte. Manchmal wurden sie aber auch schon früher auf andere Weise umgebracht. Die Deutschen erschossen Tag für Tag etliche Juden, vor allem der Kommandant Sauer in eigener Person. Durch seine Schergen liess er jeden Nachmittag die noch am Leben gebliebene Judenschaft versammen. Dann fragte er: "Wer ist schwach, wer kann nicht mehr arbeiten?". Die Juden antworteten garnicht darauf: wer genug hatte, trat einfach aus der Reihe - und wurde niedergeknallt. Der Hauptmann Sauer hat auf diese Weise an einem einzigen Tag Anfang September 1942 - 500 jüdische Jugendliche ermordet, einen nach dem anderen.

Die "Kapus"

Eine besondere Stellung nahmen die sogenannten "Kapus" ein. Es waren dies Juden, denen manche wichtige Vorrichtungen im Lager auferlegt wurden. Die meisten Kapus hatten die Kleider derjenigen in Ordnung zu bringen, die aus dem Leben befördert worden waren. Sie taten diese Arbeit an einem Ort, der "Lumpensortierungsplatz" hiess.

Andere waren auch am Bahnhof tätig, beim Empfang der frisch Eintreffenden. Wieder Andere mussten sich als Totengräber betätigen. Nicht selten kam es vor, dass es die also beschäftigten Juden nicht länger als zwei Wochen aushielten und Selbstmord verübten.

Die Einlieferung

Tag um Tag trafen in Tremblinki zwei Züge ein, mit Juden vollgestopft. Aus allen Teilen Europas sind Juden hierher verschleppt worden; aber die Hauptkontingente stellten die Juden aus Warschau, Nordpolen und dem Baltikum.

Jeder Zug war 30 bis 50 Waggons stark. Die Leerung der Waggons ging blitzschnell vor sich. Dann empfingen die Kapus die Ankömmlinge und lasen ihnen in jüdischer Sprache die Lagerbestimmungen vor. Am Stationsgebäude war folgender Aufruf angebracht: "Habt keine Sorge um Euer Schicksal! Ihr fahrt alle nur zur Arbeit noch dem Osten. Ihr selbst werdet die Arbeit verrichten und Eure Frauen die Hausarbeit tun. Vor der Weiterreise habt ihr zu baden und aus Euren Kleidern die Bazillen zu entfernen. Gold und sonstige Gegenstände sind an der Kasse zu hinterlegen, wo Ihr darüber eine Bescheinigung empfängt". Und wirklich, um den Glauben an diese Versprechungen in Sicherheit zu wiegen, hatten die Deutschen an der Bahnstation ein Büro errichtet, wohin sich jeder Neueintreffende zu wenden und seine Fachausbildung zu melden hatte. Nach Vollzug dieser "Statistik" wurden die Leute ins Lager gebracht und zunächst nur in die Bäder zur Desinfizierung geschickt. Nach dem Bad wurden sie vorläufig in die einzelnen Zellen eingewiesen. Dort sollten sie warten, bis sie an die Reihe kamen. Die Eingewiesenen wussten aber zumeist nicht, welches Los ihrer harrte. Sie glaubten noch immer, dass sie bald die Weiterreise zum Arbeitsplatz antreten werden. Dieser Glaube war noch bekräftigt dadurch, dass im Lager keine grossen Fabrikanlagen sich befanden und alles so ausgesehen hatte, als ob es nur eine Durchgangsstation wäre.

Das Mordwerk

Als aber die Räume die Neuangekommenen nicht mehr aufnehmen konnten, wurden die ältesten Insassen vergast. Jeden Tag brachte man in die Gas- und Öfenkammern Gruppen von je tausend Menschen. Zunächst wurden sie von den Kapus wie bei ihrem Eintreffen in das Bad geführt. Jedermann hatte Kleider und Schuhe auszuziehen und blieb nackt. Zur weiteren Täuschung der Opfer händigte man jedem ein Stückchen Seife aus. In der Zwischenheit vollzog sich die Ordnung der abgelegten Kleider und Schuhe. Im Empfangszimmer der Vernichtungsanlage nimmt sie Hauptmann Sauer in Empfang. Er lässt es sich nicht nehmen, jeden einzelnen auszupeitschen. Dann treiben die Deutschen als erste die Frauen und Kinder in die Vernichtungszellen. Jetzt begann der letzte Ausrottungsakt:

Männer und Weiber, Greise und Kinder, alle nackt, gehen ihren letzten Gang, in den Tod. Voran schreiten die Frauen und Kinder, die Männer, alte und junge, folgen nach. Um sie zu schnellerem Laufen anzutreiben, schlagen die Deutschen sie auf Kopf und Körper. Jetzt laufen die Opfer, furchtgepeinigt: ihr Angstgeschrei, besonders das der Frauen und Kinder, steigt zum Himmel. Jetzt ist allen klar, wohin es geht - in den Tod. Der Fussboden ist schlüpfrig, man gleitet aus und stürzt. Aber die Fallenden können schon nicht mehr aufstehen; denn über die hin werden fortwährend neue Opfer geschleudert. Über die Köpfe der Mütter hinweg wirft man die Kinder in den Raum. Die Vernichtungszellen füllen sich. Sind sie voll, so werden sie hermetisch verschlossen, von allen Seiten öffnen sich Rohre, aus denen Gas strömt. Der Erstickungstod hält rasche Ernte. Binnen einer Viertelstunde ist alles vorbei. Dann müssen die Kapus ans Werk. Mit erbarmungslosen Hieben zwingt sie die Wache zu ihrer Arbeit.

Die Todestore öffnen sich - aber man kann die toten Körper nicht etwa einzeln herausziehen: denn alle sind unter dem Einfluss des Wasserdampfes ineinander verklammert und erstarrt.

Damit die Totengräber die Leichname fortschaffen können, holt man aus einem ganz nahen Brunnen Wasser und besprengt damit die Körper. Dadurch lösen sich diese einer vom andern, und es ist leichter, sie zu entfernen. Ihr Aussehen hat sich nicht verändert, ausser, einer violetten Verfärbung des Kopfes und der Rückseite [sic].

Jetzt ladet man die Toten auf eine Rampe, führt sie über einen Schienenweg zum Friedhof in die Massengräber, wo die Kapus ihr Werk zu Ende führen. (Siehe fast identische Schilderung in dem Artikel von Tymon Terlecki "Alle Juden raus", zitiert von uns auf Seite 18 in "L'extermination des Juifs polonais IV"[135]).

Zu vieler Hunderttausenden wurden Juden aus allen Gegenden Europas allein in Tremblinki auf diese Weise ausgerottet.

Das Lagerorchester

Aber noch eine "Spezialität" hatte das Lager von Tremblinki. Es wurde nämlich dort das jüdischen Orchester Arthur Gold's (s. Plan) konzentriert, und es hatte die Pflicht, denen aufzuspielen, die man zum Tode führte!!!! Im gleichen Augenblick, da Tausende von Juden in den Gaskammern verendeten, mussten die Musiker frohe Weisen spielen. Wer von ihnen sich weigerte, es zu tun, wurde, Kopf nach unten, an den Füssen aufgehängt. Mehrere der Musiker packte mitten im Spiel der Wahnsinn. Dann sprangen wohl die Künstler einer nach dem anderen zwischen die Menge, die darauf harrte, dass die Reihe an sie komme, und brüllten mit sich überschlagender Stimme und irrsinnverzerrtem Gesicht "Frait och, yidelach, ir got zum tot mit klezemer!" (Freut euch, ihr Juden, ihr geht mit Musik in den Tod). Da surrten die deutschen Kugeln, und sie sanken unter ihnen entseelt zu einem Klumpen zu Boden. Das Orchester wurde hernach ergänzt und das Spiel wiederholte sich jedes Mal.«

In einem von der polnischen Regierung zu Händen des Nürnberger Gerichts verfaßten und von den Sowjets als Dokument URSS-93 eingereichten Bericht über angebliche deutsche Verbrechen in Polen hieß es bezüglich Treblinkas:[136]

»Als der Exterminationsprozeß der Juden begonnen hatte, war Treblinka das erste Lager, in welches die Juden gebracht wurden. Sie wurden in Gaskammern durch Dämpfe und durch elektrischen Strom hingerichtet.« (Hervorhebung von uns.)

Die Anklage Nr. 6 der polnischen Regierung gegen Hans Frank, laut welcher der frühere Generalgouverneur »im März 1942 [sic!] das Vernichtungslager in Treblinka, das zur Massentötung von Juden durch Ersticken in dampfgefüllten Kammern gedacht war, errichtete«, beruht im wesentlichen auf dem Bericht vom 15. November 1942, aus dem größere Auszüge zitiert werden, wobei der Schilderung der Struktur der beiden "Todeshäuser" sowie dem angeblichen Tötungssystem besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird.[137]

Noch 1961 gab in Düsseldorf - vermutlich im Vorfeld des Prozesses gegen den (angeblichen) letzten Treblinka-Kommandanten Kurt Franz[138] - ein Zeuge zu Protokoll, die Opfer seien in Treblinka mit Wasserdampf umgebracht worden.[139]

3. Die Bedeutung des Berichts vom 15. November 1942 für die Geschichtsschreibung

Der Bericht vom 15. November 1942 ist die wichtigste historische Quelle über das Lager Treblinka während der Zeit seiner Existenz, und die gesamte nachfolgende offizielle Geschichtsschreibung stützt sich auf diesen Bericht, angefangen bei der Beschreibung der angeblichen "Gaskammern". Dennoch bereitet er den offiziellen Historikern arges Bauchgrimmen, so daß sie ihn gelegentlich grob verfälscht wiedergeben.

Der israelische Historiker Yitzhak Arad faßt ihn wie folgt zusammen:[140]

»In diesem Dokument werden der Bau des Vernichtungslagers Treblinka, seine Lage sowie seine Größe beschrieben; ferner enthält es einen detaillierten Plan, einschließlich einer Skizze der Gegend. Dieser Bericht umfaßt auch eine Schilderung der Dutzenden [sic] von neuen Gaskammern sowie anderer Gebäude im Lager. Hinsichtlich der Wachmannschaft wird festgehalten, daß es neben den Deutschen und Ukrainern auch - im Dokument "jüdische Hilfskräfte" genannte - Juden gibt, die bei Nebenarbeiten eingesetzt werden: Dem Sortieren der Kleider der Ermordeten, dem Herausziehen der Leichen aus den Gaskammern sowie ihrem Begraben. Das Dokument erwähnt die extrem schweren Umstände, unter denen die Häftlinge leben, die tagtäglichen Morde an solchen Juden sowie die Tatsache, daß ihre Lebenserwartung in diesem Lager nicht mehr als zwei Wochen betrug. Bei der Beschreibung der Art und Weise, wie die Deportierten behandelt wurden, stehen ein Hinweis auf die betrügerischen Tricks der Deutschen sowie eine Beschreibung des Ausrottungsprozesses vom Moment, wo die Menschen die Züge verließen - die Art, wie sie gequält wurden - bis zum Augenblick, wo man sie in die Gaskammern führte, aber auch des Systems der Leichenbestattung. Als Schlußfolgerung wird dargelegt, daß bis zum damaligen Zeitpunkt zwei Millionen Juden in Treblinka ermordet worden seien - die Mehrheit des polnischen Judentums. Der Bericht endet mit der Frage, weshalb die neuen Gaskammern errichtet worden seien, da die Mehrzahl der polnischen Juden doch schon getötet worden sei, und bemerkt, daß die Deutschen laut einem Augenzeugen Mitte August bereits eine Gruppe von Polen umgebracht hätten.

Dieser Bericht ist der erste, der eine umfassende Beschreibung des Vernichtungslager enthält. Die Tatsachen sind zum größten Teil richtig wiedergegeben. Seine Quelle sind aus dem Lager Entronnene, die sich ins Warschauer Ghetto durchgeschlagen und dem Ringelblum-Archiv sowie jüdischen Untergrundgruppen im Warschauer Ghetto ihre Erlebnisse mitgeteilt hatten. Demnach fußt dieser Bericht auf den Schilderungen der Zeugen, die den Ausrottungsvorgang mit eigenen Augen mit angesehen und Tage oder Wochen als Häftlinge im Lager verbracht hatten, bei verschiedenen Arbeiten eingesetzt worden waren und denen schließlich die Flucht gelungen war. Die aufgrund des Gesehenen dargelegten Fakten waren zutreffend, doch stimmte die Zahl von zwei Millionen Ermordeten nicht. Im Zeitraum, auf den sich der Bericht bezieht, war ein Viertel bis ein Drittel dieser Zahl umgebracht worden. Unrichtig ist auch die Behauptung, man habe in Treblinka eine Gruppe von Polen ermordet.«

Die grobschlächtigen Verfälschungen, die sich der von der offiziellen Geschichtsschreibung als namhaftester Treblinka-Fachmann betrachtete Arad hier zuschulden kommen läßt, lassen seine tödliche Verlegenheit angesichts dieser so ungemein wichtigen historischen Quelle erahnen, widerspricht diese doch einem der Hauptpfeiler eben dieser offiziellen Geschichtsschreibung kraß, indem sie als Mordwaffe nicht etwa Dieselgaskammern, sondern Dampfkammern erwähnt.

Y. Arad behauptet zwar, der Bericht enthalte »eine Schilderung der Dutzenden von neuen Gaskammern« sowie eine »Beschreibung des Ausrottungsprozesses«, geht aber mit keinem Sterbenswörtchen auf die Dampfkammern ein, sondern verwandelt sie schamlos in »Gaskammern«! Außerdem macht er geltend, die Tatsachen seien »zum größten Teil richtig wiedergegeben« und die Zeugenaussagen »zutreffend«, obwohl die offizielle Geschichtsschreibung die Dampfkammern schon längst ins Reich der Legende verwiesen hat.

Eine nicht minder unehrliche Zusammenfassung des Berichts vom 15. November 1942 liefert der polnische Historiker Józef Marszałek, indem er schreibt:[141]

»In diesem Teil [des Berichts] werden Lage und Topographie des Lagers genau gezeigt, und es wird die Anzahl der Gaskammern[142] sowie ihre Struktur mit den Einrichtungen zur Vergasung[143] der Opfer beschrieben.«

Wenden wir uns nun der Frage zu, wie die wundersame Verwandlung der Dampfkammern in Gaskammern erfolgt ist.

4. Von den Dampfkammern zu den Kohlenmonoxidkammern

Im August 1944 besetzten die Sowjets die Gegend um Treblinka und führten eine militärgerichtliche Untersuchung mit Nachforschungen auf dem Lagergelände sowie Zeugenbefragungen durch.[144] Die bei letzteren von den Zeugen am häufigsten erwähnte Mordmethode unterschied sich wiederum von den bereits erwähnten und bestand im Heraussaugen der Luft aus hermetisch verschlossenen Räumen mittels einer durch einen Motor bedienten Pumpe. Nach und nach mauserte sich dieser Motor, der zunächst lediglich zur Bedienung der Pumpe Verwendung gefunden hatte, zur Mordwaffe - zunächst noch in Verbindung mit dem Herauspumpen der Luft, ehe er dann, vor allem dank Jankiel Wiernik, zum einzigen Tötungsinstrument wurde, mittels dessen die Opfer durch Kohlenmonoxid umgebracht wurden.

Die Mordtechnik Ersticken durch Herauspumpen der Luft wurde namentlich von zwei Zeugen beschrieben. Der Jude Abe Kon, ehemaliger Treblinka-Häftling, sagte am 17. August 1944 aus:[145]

»Ich wurde im Oktober 1942 mit meinen Verwandten - Vater, Mutter, zwei Schwestern, einem Bruder - ins Lager Treblinka geschickt. [...] Man schlug die vorbeigehenden Nackten mit Peitschen. Sie gingen zu einem Gebäude, das sauber aus Zement gemauert war. Auf dem Haus war ein jüdisches Symbol angebracht, der "Davidsstern". Beim Eingang zum "Bad" stand ein Ukrainer mit Messer und Peitsche. Diejenigen, die nicht eintreten wollten, stach er mit dem Messer und schleppte sie in das Gebäude. Das Dienstpersonal nannte diesen Ukrainer "Ivan den Schrecklichen".

Plan des "Bades": Das Bad bestand aus 12 Kabinen. Jede Kabine maß 6 × 6 m. Die Höhe betrug 2,5 m. In eine Kabine jagte man jeweils 600 Personen. Auf ihre Köpfe schleuderte man die Kinder. Die Kabinen hatten zwei Türen, die hermetisch abschließbar waren. In der Ecke zwischen der Decke und der Wand waren zwei mit Schläuchen verbundene Öffnungen. Hinter dem "Bad" stand eine Maschine. Sie pumpte die Luft aus den Kammern. Die Menschen erstickten in 6 bis 15 Minuten. Man öffnete die zweite Tür und trug die Menschen heraus. Man untersuchte die Zähne und riß die Goldzähne aus. Darauf trug man die Leichen auf Bahren weg und vergrub sie im Boden. Man vergrub sie nicht weiter als 100 m vom "Bad" entfernt. Ins "Bad" trieb man dreimal täglich Menschen. Auf diese Weise vernichtete man jeden Tag 15.000 bis 18.000 Personen. So ging es zwei Monate lang. Später gruben Maschinen diese Leichen aus und verbrannten sie in Öfen. Es wurden nicht weniger als eine Million verbrannt.

Später lief der Ausrottungsvorgang wie folgt ab: Ersticken und Verbrennen. Man verbrannte sie in einem speziell angefertigten Ofen, der bis zu 6000 Leichen fassen konnte. Der Ofen wurde mit Leichnamen gefüllt. Diese wurden mit Benzin oder Erdöl übergossen und verbrannt. Die Verbrennung dauerte bis zu einer Stunde. [...] Diejenigen, die nicht bis zum "Bad" gehen konnten - Invalide, Greise - schickte man ins "Spital"; dorthin kamen sie. Man setzte sie auf den Rand einer tiefen Grube, auf deren Grund sich ein Scheiterhaufen aus Menschen befand. Die Opfer bekamen einen Schuß ins Genick, worauf sie in die Grube fielen und verbrannten. So ging es Tag für Tag.«

Am 22. August 1944 gab der Pole Kazimierz Skarzyński folgende Erklärung ab:[146]

»Im Lager inhaftierte Juden berichteten, man pferche viele hundert Häftlinge aufs Mal in hermetische Kammern und ersticke sie, indem man die Luft herauspumpe. Die Menschen starben sehr rasch - in 10 bis 12 Minuten. Den Erzählungen der Juden nach war der Ofen [sic] eine Grube von 25 m Länge, 20 m Breite sowie 5-6 m Tiefe, mit einem Gitter aus Schienen auf dem Grubengrund, das ein Zugloch darstellte. Auf den Schienen stapelte man die Leichen auf und verbrannte sie. Der Schein des Feuers war auf 15 km Entfernung zu sehen. Tagsüber verbreitete sich ein schwarzer Rauch. Der Brandgeruch war bei starkem Wind noch 30 km vom Lager entfernt wahrnehmbar.«

Die Tötungstechnik Luftabsaugung taucht auch im ersten offiziellen sowjetischen Bericht über Treblinka I und II auf. Er stammt vom 24. August 1944. Über Treblinka II wird dort berichtet:[147]

»Das "Bad" war ein Haus, welches aus 12 Kabinen von jeweils 6 × 6 m Größe bestand. In eine Kabine trieb man gleichzeitig 400 bis 500 Personen. Sie hatte zwei Türen, die sich hermetisch abschließen ließen. In der Ecke zwischen Decke und Wand waren zwei mit Schläuchen verbundene Öffnungen. Hinter dem "Bad" stand eine Maschine. Sie pumpte die Luft aus dem Raum. Die Leute erstickten in 6 bis 10 Minuten. Man öffnete die zweite Tür und brachte die Toten auf Schubkarren zu den Spezialöfen.«

Am 15. September 1944 verfaßte eine polnisch-sowjetische Kommission ein »Protokoll einer provisorischen Voruntersuchung und Erkundung im ehemaligen Konzentrationslager Tremblinka« (sic), wo es heißt:[148]

»Anfangs verwendete man hier die Methode, die Luft mittels eines kleinen Automotors aus dem Raum zu pumpen. Dann, als Folge der großen Zahl Todgeweihter, begann man chemische Stoffe zu verwenden.«

Wassili Grossmann traf anfang September in Treblinka ein und unterhielt sich mit den Zeugen, die zu jenem Zeitpunkt auch von der sowjetischen Untersuchungskommission befragt wurden. Wie er in seinem Buch schreibt, hat er das Bild von Treblinka »nach den Erzählungen lebender Zeugen« rekonstruiert, den »Aussagen von Leuten, die in Treblinka vom ersten Tag der Einrichtung des Lagers bis zum 2. August 1943 gearbeitet haben«.[149] Grossmann gab sich jedoch nicht damit zufrieden, die widersprüchlichen Aussagen dieser Zeugen wiederzugeben, sondern versuchte sie zu einem zusammenhängenden historischen Bild zu verknüpfen:[150]

»Anfangs funktionierten auch die Druck- und Absauganlagen schlecht, die Leiden der Unglücklichen zogen sich damals acht und zehn Stunden hin. Die verschiedensten Mittel wurden zur Tötung angewandt: man preßte die Auspuffgase eines schweren Panzermotors hinein, der die Kraftstation von Treblinka bediente. [...].

Das zweite, in Treblinka am meisten angewandte Verfahren war das Herauspumpen der Luft aus den Kammern mit Hilfe spezieller Absaugvorrichtungen - die Todesursachen waren ungefähr die ählichen wie bei der Vergiftung mit Kohlengas: den Menschen wurde die Sauerstoffzufuhr gesperrt. Und schließlich noch die dritte, seltener, aber ebenfalls angewandte Methode, die Ermordung duch Dampf, die auch darauf beruhte, dem Organismus den Sauerstoff zu entziehen: der Dampf drängte die Luft aus der Kammer. Man wandte auch verschiedene Giftgase an, aber lediglich zu Versuchzwecken; der fabrikmässige Massenmord wurde so durchgeführt, wie das in den beiden zuerst erwähnten Verfahren beschrieben worden ist.«

Ende 1945, anläßlich ihrer Befragung durch den polnischen Untersuchungsrichter Z. Łukaszkiewicz, waren sich die Treblinka-Zeugen noch unsicher, welcher der diversen Ausrottungstechniken sie den Vorzug geben sollten. Zeuge Szymon Goldberg schilderte in einer zwischen Oktober und Dezember abgegebenen Erklärung folgende Tötungsmethode in den »Vergasungskabinen« Treblinkas:[151]

»Die Juden wurden vergiftet, indem man die Luft abpumpte - es gab eine Maschine zum Herauspumpen der Luft - und Gas [d.h. Abgase] eines Fahrzeugs hereinleitete. Man verbrannte Äther und leitete diese Dämpfe herein. Dann gab es noch Chlor.«

Zeuge Henryk Reichmann gab am 12. Oktober 1945 zu Protokoll:[41]

»Die Tötungen wurden entweder durch das Herauspumpen der Luft oder durch Einführen von CO vollzogen. Einmal, als weniger Transporte ankamen, machten die Deutschen ein Experiment: Sie pumpten die Luft heraus, ohne Gift einzuführen. Als die Türen nach 48 Stunden geöffnet wurden, fanden wir drinnen einige Lebende.«

Gleichen Inhalts war die Aussage des Zeugen Stanisław Kon vom 7. Oktober 1945:[152]

»Die Tötung erfolgte durch das Herauspumpen der Luft oder durch Einführen von Motorabgasen.«

Im Januar 1946 veröffentlichte Rachel Auerbach, Angehörige der Jüdischen Zentralen Historischen Kommission, ihr bereits erwähntes Buch, das dann 1979 von Alexander Donat unter dem Titel In the Fields of Treblinka auf Englisch herausgegeben wurde. Dort wird die Funktionsweise der Gaskammern wie folgt beschrieben:[153]

»Der in einer Werkstatt neben dem Badehaus installierte Motor konnte nun in Bewegung gesetzt werden. Zuerst wurde eine Saugpumpe eingesetzt, um die saubere Luft aus der Kammer zu entfernen. Dann konnte die Röhre zum Abgasreservoir des Motors geöffnet werden. [...] Anscheinend brach im letzten Moment, wenn die Pumpe alle Atemluft herauszusaugen begann, jegliche Selbstbeherrschung zusammen, und in der Gaskammer kam es zu einem kollektiven Ausbruch von Hysterie.«

Prägnantestes Beispiel für die heillose Verwirrung, die damals unter den Augenzeugen hinsichtlich der in Treblinka zur Judenausrottung verwendeten Methode herrschte, sind die Aussagen Samuel Rajzmans. Der von A. Donat als »Nestor der Treblinka-Überlebenden«[154] bezeichnete Rajzman wurde am 26. September 1944 vom Militäruntersuchungsrichter der Militärstaatsanwaltschaft der 65. Sowjetischen Armee befragt, dem Oberleutnant der Justiz Jurowski. Er gab an, am 27. September 1942 in Treblinka eingetroffen und bis zum 2. August 1943 dort geblieben zu sein, hat also seinen Angaben zufolge mehr als zehn Monate im Lager verbracht und mußte über die Gaskammern sowie ihre Funktion perfekt Bescheid wissen, wenn es sie gab. Doch berichtete er folgendes:[155]

»Dr. Horonschitzki hatte ebenfalls keinen Zutritt zu den Kabinen, aber davon, was ihm bekannt war, erzählte er mir folgendes: Die Menschen wurden in großen Partien in die Kabinen der sogenannten "Bäder" hineingetrieben. Diese Kabinen wurden hermetisch abgeschlossen. In der ersten Zeit erfolgte die Tötung mit Hilfe des Auspumpens der Luft aus den Kabinen; dann ging man zu einer anderen Methode über - Vergiftung durch Chlor-Gas und Cyklon-Gas. Auf dem Territorium des Lagers befand sich ein spezielles Materiallager mit einer großen Menge (bis 15 to.) des sogenannten Chloren. Chloren stellte äußerlich Steine von weißer Farbe dar. Täglich wurden vor meinen Augen in die zweite Abteilung Fässer dieses Chlorens hereingetragen. Gefäße mit Cyklon habe ich nicht gesehen, aber periodisch selten trafen mit Transporten verschiedene Kisten ein, die unverzüglich von den Wachmännern in die 2. Abteilung überführt wurden. Die Motoren in den "Badestuben" liefen ununterbrochen 24 Stunden. Ob eine Vergiftung durch Dunstgas stattgefunden hat, habe ich nicht gehört.«

Einen Monat zuvor, im August, hatte Rajzman einen 16-seitigen Bericht mit dem Titel Kombinat Smerti v Treblinke (Das Todeskombinat in Treblinka) verfaßt,[156] in welchem er die Ausrottungsmethode in Treblinka wie folgt darstellte:[157]

»Nach dem Scheren wurden die Frauen in die "Badeanstalt" geschickt, die aus einer Reihe von Kammern bestand, von denen jede 700 Personen fassen konnte. In den Kammern hingen Handtücher, und es war ein Schild mit der Aufschrift "Regeln zur Benutzung des Bades" angebracht! Man führte die Menschen hinein und schloß die Türen hermetisch ab. Anfangs wurde die Methode des Herauspumpens der Luft angewandt: die Menschen starben unter furchtbaren Qualen den Erstickungstod. Mit der Zeit stellten die Deutschen auf Vergiften mit Gas um, was rascher ging. Jede Gruppe blieb 12 bis 20 Minuten in der Kammer, nicht länger, denn Massen von Neuankömmlingen warteten darauf, im "Bad" an die Reihe zu kommen. Nach zwanzig Minuten loderten die Leichen bereits auf einem ungeheuren Scheiterhaufen. Es kam vor, daß aus dem Feuer verzweifeltes Wehklagen ertönte. Die Deutschen schenkten dem keine Beachtung - eine Äußerung der "außergewöhnlichen deutschen Weichherzigkeit". Es gab Fälle, wo einer der Deutschen einem lebend ins Feuer gestoßenen Menschen den Gnadenschuß versetzte. Bevor die Leichen ins Feuer fielen, wurden sie von einer Gruppe von "Dentisten" untersucht, die überprüfte, ob bei jemandem vielleicht Zähne, Kronen oder Plomben aus Gold vorhanden waren; all dies wurde mit Zangen aus dem Mund des Toten gerissen.

Die Leichen wurden in einer riesigen Baugrube verbrannt. Auf deren Grund waren Fundamente aus Zement aufgestellt, auf denen man Roste aus Eisenbahnschienen anbrachte. Unter den Rosten brannte ein starkes Feuer, in das man irgendeine Flüssigkeit goß. Die Arbeiter an den Öfen [sic] wechselte man alle paar Tage aus, und nur selten blieb einer mehr als eine Woche lang bei dieser "Arbeit". Man ersetzte sie durch frische Arbeitskraft, die tagtäglich mit den neuen Zügen eintraf. Als "Belohnung" für die abgearbeiteten Tage schickte man diese Häftlinge nicht ins "Bad", sondern brachte sie mittels Genickschuß um.«

Beim Nürnberger Prozeß, wo er am 27. Februar 1946 in den Zeugenstand trat, sprach Rajzman nun lediglich von der »Gaskammer« (im Singular), ohne näher auf ihre Struktur oder die Art des verwendeten Gases einzugehen.[158]

Im gleichen Jahr, also 1946, verfaßte Rajzman einen achtseitigen Bericht mit dem Titel Mój pobyt w Treblince (Mein Aufenthalt in Treblinka).[159] Hier behauptete er, in Treblinka seien täglich 25.000 Menschen ermordet worden,[160] ging jedoch nicht auf die Tötungsmethode(n) ein.

In den fünfziger Jahren hatte Rajzman sich der offiziellen Version von den "Gaskammern" glücklich angeschlossen, schwieg sich jedoch über Einzelheiten aus. In seinem von A. Donat auf Englisch publizierten Bericht begnügte er sich mit folgenden Bemerkungen:[161]

»Die Frauen mußten in Reih und Glied antreten, und man schnitt ihnen alle Haare ab. Sie sollten für deutsche Matratzen verwendet werden. Nackt traten sie dann den Weg ohne Rückkehr an, in die Gaskammern. Während sie sich entkleideten und zu den Gaskammern gingen, prügelten die Deutschen sie aufs brutalste; viele starben schon an den Schlägen. Jedermann beeilte sich, um rasch zu den Gaskammern zu gelangen, weil die Ukrainer und die Deutschen sie so grausam schlugen. Alle hasteten vorwärts. Der ganze Platz war mit Blut bedeckt. Die Menschen wußten nicht, daß ihnen dort das Ende bevorstand; sie wollten einfach weg von dem Platz kommen, wo man sie prügelte. Dabei marschierten sie schnurstracks in die Gaskammern.«

In diesen wenigen Sätzen erwähnt Rajzman also die "Gaskammern" gleich viermal, verliert jedoch kein Wort über ihre Struktur und Funktionsweise.

5. Der Ursprung der Version von den Kohlenmonoxidgaskammern

Fassen wir zusammen: Ende 1945 machten sich noch drei verschiedene Massenmordmethoden den ersten Rang streitig: Wasserdampf, Abpumpen der Luft sowie Motorabgase. Wie erwähnt gab die polnische Regierung anläßlich des Nürnberger Prozesses dem Wasserdampf den Vorzug und verlieh diesem dadurch die offizielle Weihe einer "geschichtlichen Tatsache".

Im folgenden wurde diese "geschichtliche Tatsache" zur Legende erklärt, und der Wasserdampf mußte den Abgasen eines Dieselmotors weichen.

Was war der Ursprung dieser Version? Und warum hat sie sich letzten Endes durchgesetzt?

Die Behauptung, in Treblinka werde mit Motorabgasen gemordet, tauchte (ohne Hinweis auf den Motortyp) bereits flüchtig im Jahr 1942 auf, verschwand jedoch alsbald wieder in der Versenkung. Sie wurde später von Jankel Wiernik wieder aufgegriffen und ausgebaut. Wiernik wurde seinen eigenen Aussagen zufolge am 23. August 1942 nach Treblinka deportiert und blieb bis zum 2. August 1943 dort, dem Tag des Häftlingsaufstandes. Im Mai 1944 veröffentlichte er in polnischer Sprache einen Bericht über Treblinka, der noch im selben Jahr in den USA in englischer Übersetzung publiziert wurde.[162] Wiernik weiß über die erste Vergasungsanlage folgendes zu berichten:[163]

»Als ich im Lager eintraf, waren drei Gaskammern bereits in Betrieb, und während meines Aufenthalts kamen weitere zwei dazu. Eine Gaskammer maß 15 × 15 Fuß [ca. 4,5 m × 4,5 m] und war rund sieben Fuß [ca. 2,10 m] hoch. Die Lüftungsöffnung auf dem Dach wies einen hermetisch abschließenden Deckel auf. Die Kammer war mit einer Öffnung für eine Gasröhre und einem in Richtung Plattform abschüssigen Boden aus gebrannten Ziegeln versehen. Das Ziegelgebäude, in dem sich die Gaskammern befanden, war durch eine Holzwand vom Lager Nr. 1 getrennt. Diese Holzwand sowie die Ziegelmauern des Gebäudes bildeten zusammen einen Korridor. Die Kammern waren mit dem Korridor durch eine hermetisch abschließbare Eisentür verbunden, die zu jeder der Gaskammern führte. Auf der Seite des Lagers Nr. 2 waren die Kammern durch eine Plattform verbunden, die längs aller drei Kammern verlief. Die Plattform stand oberhalb des Erdbodens. Es gab auch auf dieser Seite eine hermetisch abschließbare Tür.

Jede Kammer besaß auf der Seite des Lagers Nr. 2 eine Tür, die nur von außen geöffnet werden konnte, indem man sie mit eisernen Stützbalken hob. Geschlossen werden konnte sie mit Eisenhaken, die an ihren Rahmen befestigt waren, sowie mit hölzernen Riegeln. Die Opfer betraten die Kammer durch die zum Korridor führenden Türen, während die Leichen der Vergasten durch die Türen auf der Seite des Lagers Nr. 2 herausgezerrt wurden. Die Stromanlage war längs der Kammern in Betrieb. Sie versorgte Lager Nr. 1 und 2 mit elektrischem Strom. Ein einem schrottreifen sowjetischen Panzer entnommener Motor stand in der Stromanlage. Er war mit den Einflußrohren verbunden und wurde dazu verwendet, das Gas in die Kammern zu pumpen. Wie rasch die bedauernswerten Opfer starben, hing von der Menge der in die Kammer strömenden Abgase ab.

Zwischen 450 und 500 Menschen wurden in einer 125 Quadratfuß [ca. 11,60 Quadratmeter[164] messende Kammer zusammengepfercht. [...]

Die Kammer wurde gefüllt, der Motor in Betrieb genommen und mit den ins Innere der Kammer führenden Rohren verbunden. Nach höchstens 25 Minuten lagen alle tot da, oder genauer gesagt, sie standen tot da.«

Von den beiden zusätzlich errichteten Gaskammern ist in keiner anderen Zeugenaussage die Rede, und auch die offizielle Geschichtsschreibung weiß von ihnen nichts.

Ein paar Seiten später geht Wiernik auf die neue Vergasungseinrichtung ein:[165]

»Der Bau der neuen Anlage zwischen Lager Nr. 1 und Lager Nr. 2, an dem ich beteiligt war, wurde in sehr kurzer Zeit vollendet. Es stellte sich heraus, daß wir zehn zusätzliche Gaskammern bauten, die größer waren als die alten und eine Fläche von ungefähr 150 Quadratfuß [ca. 14 Quadratmetern[166] aufwiesen. Bis zu 1000 oder 1200 Menschen konnten in einer Gaskammer zusammengepfercht werden. Das Gebäude war entsprechend einem Korridorsystem errichtet, wobei auf jeder Seite des Korridors fünf Gaskammern lagen. Jede Kammer wies zwei Türen auf, von denen eine zum Korridor führte - durch sie traten die Opfer ein -, während die andere, in Richtung Lager weisende zum Herausziehen der Leichen diente. Die beiden Türen waren gleich konstruiert wie jene der alten Kammern. Vom Lager Nr. 1 aus sah man fünf große Betonstufen mit Blumenkörben auf beiden Seiten. Dann kam ein langer Korridor. Der Davidsstern prangte dem Lager gegenüber auf dem Dach. Das Gebäude sah aus wie ein alter Tempel. [...]

Der Motor in den neuen Kammern war schadhaft, und die unglücklichen Opfer mußten vor ihrem Ableben stundenlang leiden. Wenn man die Kammern wieder öffnete, waren viele der Opfer erst halbtot, und man mußte ihnen mit Gewehrkolben, Kugeln oder kräftigen Tritten den Rest geben.«

Zwei wichtige Elemente ermöglichen es uns, bis zum Ursprung dieser Version der Ausrottungsmethode in Treblinka vorzustoßen: Der von Wiernik veröffentlichte Lagerplan und sein Hinweis auf die »Stromanlage«, die »längs den Kammern in Betrieb war« und »Lager Nr. 1 und 2 mit elektrischem Strom versorgte«.

Dokument 4 im Anhang zeigt den Plan von Treblinka, den Wiernik publiziert hat, um seinen Behauptungen Glaubwürdigkeit zu verleihen. In Wirklichkeit hat er ganz einfach den Plan kopiert, welcher den vom 15. November 1942 stammenden Bericht über die Dampfkammern beigefügt war (siehe Dokument 2 im Anhang). Beide Pläne tragen dieselbe Bezeichung: »Treblinka. Szkic orientacyjny« (Treblinka. Orientierungsskizze);[167] beide weisen dieselbe Bildlegende auf;[168] auf beiden sind die Einrichtungen mit 1 bis 26 numeriert, was zwar im Bericht vom 15. November 1942, nicht jedoch bei Wiernik erklärt wird. Mit Nr. 14 werden auf beiden Plänen die drei ersten »Ausrottungskammern« bezeichnet, die im Bericht vom 15. November 1942 »Dampfkammern«, bei Wiernik aber »Gaskammern« heißen. Entsprechend wird unter Nr. 15a im Bericht vom 15. November 1942 ein Kesselraum zur Erzeugung des Wasserdampfs dargestellt und bei Wiernik der Ort mit dem Vergasungsmotor. Auch die Schilderung der beiden Vergasungseinrichtungen - der ersten mit drei und der zweiten mit zehn Kammern - entspricht voll und ganz dem Bericht vom 15. November 1942 und dem diesem beigefügten Lagerplan!

Gerade darum, weil es sich bei ihr um die Frucht eines Plagiats handelt, ist Wierniks Skizze dermaßen karg: Auf ihr fehlen nicht nur viele Gebäude des Lagers, sondern auch die Verbrennungsroste, obschon er seinen Bericht im Jahre 1944 abgefaßt hat. Erst 1945 berichtigte Wiernik diesen Irrtum, indem er einen neuen, "korrigierten" Plan von Treblinka lieferte. Vergleicht man diesen mit demjenigen des Vorjahres, so tritt das Plagiat noch greller zutage.[169]

Anläßlich der Verhandlung 66 beim Jerusalemer Eichmann-Prozeß wies Wiernik den Plan aus dem Jahre 1945 vor, der als Dokument T-1300 zu den Akten kam, behauptete jedoch lügenhaft, ihn im Jahre 1943 gezeichnet zu haben.[170]

Somit ist klar, daß Wiernik ganz einfach den Plan des Berichts vom 15. November plagiiert und dabei das Wort Dampfkammern durch »Motorabgaskammern« ersetzt hat. Warum hat er dies getan? Vermutlich war er - und zwar mit gutem Grund - der Ansicht, die damals gängigen Versionen der Massenmorde in Treblinka seien gar zu einfältig. Andererseits drängte sich der Gedanke mit dem Motor geradezu auf.

Daß es in Treblinka ein Stromaggregat gab, ist nicht nur wahrscheinlich, sondern sicher. Jedes Konzentrationslager besaß ein solches. Selbst Lager mit Anschluß an die lokale Stromversorgung waren mit einem Notstromaggregat ausgerüstet. Dies galt erst recht für jene, die - wie Treblinka - nicht an die örtliche Stromversorgung angeschlossen waren. Somit war in Treblinka das Stromaggregat keine Notvorrichtung, sondern die eigentliche Anlage zur Versorgung des Lagers mit dem zu seinem Funktionieren nötigen Strom, und entsprechend mußte es 24 Stunden pro Tag in Betrieb sein. Der Generator eines solchen Aggregats wurde üblicherweise mittels eines Dieselmotors betrieben. Angesichts der Wichtigkeit dieses Motors verwendete man normalerweise einen - natürlich neuen - Spezialmotor. Wie komplex eine solche Anlage technisch gesehen war, geht beispielsweise aus dem »Kostenvoranschlag über Notstromanlage« hervor, der im KL Auschwitz am 10. November von der Firma Georg Grabarz, Elektromeister, aus Gleiwitz erstellt wurde. Wir kommen darauf noch zu sprechen.

Wo befand sich das Notstromaggregat in Treblinkia? Wie wir gesehen haben, behauptete Wiernik, es sei beim ersten »Vergasungshaus« installiert gewesen. Dies wird auch von Rajzman bestätigt, der berichtet:

»Die Motoren in den "Badestuben" liefen ununterbrochen 24 Stunden.«

Bei den »Badestuben« handelte es sich um die angebliche Tötungskammern. Daß ein oder mehrere Motoren »ununterbrochen 24 Stunden« in Betrieb gewesen sein sollen, läßt sich nicht mit den Sachzwängen einer Ausrottungsaktion erklären, bei welcher die Motoren nur wenige Stunden täglich gelaufen wären, sondern einzig und allein mit der Notwendigkeit, rund um die Uhr Strom für das Lager zu erzeugen.

Daß die Geschichte von den Motorabgaskammern jeglicher realen Grundlage entbehrt und nichts weiter als ein Propagandamärchen ist, geht ohne jeden Zweifel auch aus Wierniks Schilderung der Leichen angeblicher Vergasungsopfer hervor:[171]

»Alle waren gleich. Es gab keine Schönheit oder Häßlichkeit mehr, denn alle sahen vom Gas gelb aus.«

Rachel Auerbach, die sich auf die Aussagen dreier Augenzeugen stützt, schreibt:[172]

»Die Leichen waren nackt; einige davon waren weiß, andere blau und aufgeschwollen.«

In Wirklichkeit weisen die Opfer von Kohlenmonoxidvergiftungen eine kirschrote oder rosarote Färbung auf.[173] Dies wird durch die Farbe des Kohlenmonoxidhämoglobin bewirkt, das sich als Folge der chemischen Reaktion von Sauerstoff, Kohlenmonoxid und Hämoglobin im Blute bildet.

Höchst merkwürdig ist nun folgendes:

Die polnische Regierung kannte Wierniks Schrift und erwähnte sie sogar in ihrem zu Händen des Nürnberger Gerichts erstellten offiziellen Bericht über die angeblichen deutschen Verbrechen in Polen, der von den Sowjets als Dokument URSS-93 vorgelegt wurde. Dort liest man:[174]

»Wie in anderen Fällen, so auch in diesem ist ein Dokument aus erster Hand vorgelegt, das die Zustände und Verbrechen in Treblinka schildert. Es stammt von einem gewesenen Häftling, dem es gelang, aus dem Lager zu entfliehen. Es war Yankiel Wieznik[sic], ein jüdischer Baumeister, welcher ein Jahr in Treblinka verbracht hat. Er legte einen Bericht über Treblinka vor, welcher, wie er in seiner Vorrede hinweist[sic!], den einzigen Sinn seines weiteren Fortlebens bildet.«[175]

In diesem Bericht geht die polnische Regierung jedoch mit keinem Wort auf die von Wiernik geschilderte Tötungsmethode - Motorabgase - ein, sondern spricht lediglich von Wasserdampf und Elektrizität. Dies heißt natürlich, daß sie die Realität der Vergasungen nicht akzeptierte, aber gleichwohl nicht auf einen erstklassigen Kronzeugen verzichten wollte. Daher dieser eigenartige Kompromiß.

Beim Nürnberger Prozeß griff Oberjustizrat L.N. Smirnow, Hilfsankläger für die Sowjetunion, bei der Vorlegung des Dokuments URSS 93 diesen Punkt des polnischen Berichts auf (und verballhornisierte Wierniks Namen dabei noch ärger):

»Auf Seite 70 des russischen Textes dieses Berichts finden Sie eine Stelle aus der Aussage eines Zimmermanns aus Warschau, Jakob Vernik [sic], der ein Jahr im Vernichtungslager Treblinka 2 verbracht hat. [...] Es folgt der Bericht, den Vernik der Polnischen Regierung über Treblinka erstattet hat, der Bericht, in dessen Einleitung er betont, daß der Wille, ihn zu übermitteln, für ihn der einzige Grund gewesen wäre, "sein elendes Leben fortzusetzen".«

Doch in Wirklichkeit folgte im sowjetischen Dokumentenbuch kein "Bericht", sondern es folgten lediglich die beiden Zitate aus Wierniks Schrift, die im polnischen Dokument standen und von Smirnow wiedergegeben worden waren.[176]

6. Der Triumph der Version von den Kohlenmonoxidgaskammern

Als letztes gilt es noch folgende Frage zu klären: Warum und wann haben sich die Kohlenmonoxidgaskammern gegenüber den Dampfkammern durchgesetzt? Der Grund dafür war zweifacher und zwingender Natur. Erstens konnte kein auch nur durchschnittlich gebildeter Mensch die Fabel von der Ausrottung durch Dampf ernstnehmen. Der britisch-jüdische Historiker Gerald Reitlinger bemerkt zu dieser mit Recht:[177]

»Es ist schwer vorstellbar, daß Menschen mit Hilfe von Dampf ausgerottet werden konnten. [...]«

In der Tat wäre dann ja jede beliebige Sauna eine "Dampf-Vernichtungskammer"! Zweifellos aus diesem Grund hat der Untersuchungsrichter Z. Łukaszkiewicz in seinem Bericht über Treblinka vom 29. Dezember 1945 die schwachsinnigsten unter den diversen von den Zeugen feilgebotenen Mordmethoden ausgebootet und lediglich jene beibehalten, die ihm am glaubhaftesten vorkam: Die Motorenabgase nämlich.[178] Doch stieß sein Bericht anfangs auf wenig Resonanz.

Andererseits zog der sogenannte "Gerstein-Bericht" gleich nach seiner Veröffentlichung das Interesse der Historiker auf sich und wurde flugs zum Beweis par excellence für die Existenz des angeblichen "Vernichtungslagers" Bełżec (sowie in zweiter Linie des "Vernichtungslagers" Treblinka). Der Gerstein-Bericht erwies sich bei der Wahl der Tatwaffe - Dieselabgase - in den drei angeblichen "Vernichtungslagern" Bełżec, Treblinka und Sobibór für die Geschichtsschreibung als entscheidend.

So gesehen war der Bericht der polnischen Regierung vollkommen unglaubwürdig, denn für Bełżec erwähnte diese eine Tötungsmethode, die kaum minder närrisch war als die "Dampfkammern" von Treblinka: elektrischen Strom:[179]

»Unter dem Vorwand, daß man sie ins Bad führt, wurden die Juden völlig entkleidet und ins Gebäude hineingetrieben. Durch den Fußboden dieses Gebäudes ging ein starker elektrischer Strom; Tausende von Menschenwesen wurden hier getötet.«

In der Sitzung vom 19. Februar 1946 las Smirnow, immer noch als Bestandteil des Berichts der polnischen Regierung (Dokument URSS-93), folgende Passage vor:[180]

»In dem gleichen Bericht im letzten Absatz, auf S. 136 des Dokumentenbuchs, finden wir eine Feststellung darüber, daß das Lager Beldjitze[181] im Jahre 1940 errichtet wurde; jedoch wurden im Jahre 1942 die besonderen elektrischen Anlagen für die Massenvernichtung von Menschen installiert. Unter dem Vorwand, die Leute zum Bade zu führen, zwang man sie, sich vollkommen zu entkleiden und trieb sie in das Haus, wo der Fußboden mit elektrischem Strom geladen war; dort wurden sie getötet.«

In ihrem offiziellen Bericht ging die polnische Regierung auch auf das Lager Sobibór ein, doch nur flüchtig, auf lediglich neun Zeilen; die Juden, hieß es da, seien in Sobibór »in Gaskammern« umgebracht worden, jedoch wurden keine Einzelheiten angegeben.[182]

Im Dezember 1947 verfaßte Elias Rosenberg, der sich später Eli(y)ahu Rosenberg nannte, einen offensichtlich vom "Gerstein-Bericht" beeinflußten Rapport über Treblinka, in welchem nun glücklich die Version von der Tötung durch »Auspuffgase eines einzigen Dieselmotors« erschien. Doch vergilbte dieser Text jahrzehntelang in einem Archiv[183] und rückte erst anläßlich des Demjanjuk-Prozesses ins Rampenlicht.[184]

1951 benutzte Léon Poliakov den "Gerstein-Bericht",[185]um das Gerücht von den "Vernichtungslagern" in Polen in der Geschichtsschreibung zu verankern. Er zitierte einen langen Auszug daraus und schloß wie folgt:[186]

»Wir brauchen dieser Beschreibung nicht viel hinzuzufügen; sie gilt für Treblinka und Sobibor ebenso wie für das Lager Belzec. Die Einrichtungen waren dort ganz ähnlich konzipiert, und von einem Dieselmotor erzeugtes Kohlenoxid war die bei der Verwaltung des Todes auserkorene Methode.«

Zwei Jahre später griff Gerald Reitlinger in seinem Werk The Final Solution, das rasch zum Klassiker der offiziellen Geschichtsschreibung wurde und unter dem Titel Die Endlösung auch auf Deutsch erschien, Poliakovs Behauptungen auf[187] und bestätigte dadurch die Dieselabgase endgültig als Ausrottungsmethode in den "östlichen Vernichtungslagern".[188]Somit ist es hauptsächlich dem "Gerstein-Bericht" zu verdanken, daß Treblinka, genau wie Bełżec und Sobibór, seinen Dieselmotor erhielt und die Dampfkammern in die Rumpelkammer der Geschichte verbannt wurden.

Durch dieses Propagandamanöver erhob die offizielle Geschichtsschreibung schließlich die Kohlenmonoxidgaskammern von Treblinka (sowie den beiden anderen "östlichen Vernichtungslagern") zur "feststehenden historischen Tatsache".


Fußnoten

[108]Krystyna Marczewska, Władysław Waźniewski, aaO. (Anm. 51), S. 138f.
[109]Im Original: »z domieszką płynów trujących«
[110]Krystyna Marczewska, Władysław Waźniewski, aaO. (Anm. 51), S. 153.
[111]Ebenda, S. 136f.
[112]Ebenda, S. 137f.
[113]Ebenda, S. 148.
[114]Ebenda, S. 151.
[115]Ebenda, S. 153f.
[116]Eugen Kogon, Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager, Karl Alber Verlag, München 1946, S. 170.
[117]Laut anderen Zeugen existierte dieses Gebäude im Juli 1942 bereits.
[118]Siehe folgenden Abschnitt.
[119]Emmanuel Ringelblum, Kronika getta warszawskiego, hgg. von Arthur Eisenbach, Czytelnik, Warschau 1983, S. 416.
[120]Tötungen durch elektrischen Strom wurden zu jenem Zeitpunkt allgemein dem Lager Bełżec zugeschrieben.
[121]Eugenia Szajn-Lewin, Aufzeichnungen aus dem Warschauer Ghetto. Juli 1942 bis April 1943, Reclam Verlag, Leipzig 1994, S. 83f.
[122]»Likwidacja żydowskiej Warszawy«, in: Biuletyn Żydowskiego Instytutu Historycznego, Warschau, Januar-Juni 1951, Nr. 1, S. 59-126.
[123]Diese Skizze befindet sich nicht in dem in vorhergehender Anmerkung verzeichneten Artikel.
[124]Der Verfasser dieses Kapitels hat bereits 1985 auf diesen Bericht hingewiesen und die wesentlichsten Passagen über Treblinka übersetzt. Siehe Carlo Mattogno, Il rapporto Gerstein. aaO. (Anm. 92), S. 167-170.
[125]Die Herausgeber des Biuletyn nennen als Datum der Übersendung des Berichts nach London irrtümlicherweise den 15. November 1942, den Tag, auf den der Text datiert ist.
[126]K. Marczewska, W. Waźniewski, aaO. (Anm. 51), S. 139-145.
[127]Die in Klammern stehenden Zahlen beziehen sich auf die dem Bericht beigefügte Skizze. Siehe Dokument 2 im Anhang.
[128]Die Größe von Treblinka betrug 13,45 ha. Siehe folgendes Kapitel.
[129]American Federation for Polish Jews, The Black Book of Polish Jewry, New York 1943, S. 141-147.
[130]The New York Times, 8. August 1943, S. 11.
[131]In seinem als Standardwerk geltenden Buch Belzec, Treblinka, Sobibor (Anm. 71) geht Yitzhak Arad mit keinem Wort auf diesen Bericht ein.
[132]A. Silberschein, Die Judenausrottung in Polen, Genf 1944, Dritte Serie, S. 33-40.
[133]Siehe Dokument 3 im Anhang.
[134]Es folgen zwei unleserliche Wörter.
[135]Es handelt sich um einen am 7. November 1943 in der Nr. 45 der in London publizierten polnischen Zeitung Wiadomości Polskie erschienenen Artikel, in dem Tymon Terlecki längere Abschnitte aus dem bereits zitierten Bericht vom 15. November 1942 anführte.
[136]URSS-93. Die Republik Polen in der Sache gegen: 1. Deutsche Kriegsverbrecher. 2. Deren Körperschaften und Organisationen, bezeichnet unter Anklage Nr. 1 vor dem Internationalen Kriegsgericht, S. 44. Zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit dieses Berichts reicht schon der Hinweis darauf, daß nach dem Abschnitt über Treblinka ein Kapitel mit dem Titel »Eine Seifefabrik aus Menschenfett« steht!
[137]PS-3311, IMG, Band XXXII, S. 154-158. Am 5. Dezember 1945 wurde das Dokument von seinem Verfasser Dr. Tadeusz Cyprian, dem polnischen stellvertretenden Repräsentanten bei der Kriegsverbrecherkommission der Vereinten Nationen in London, durch seine Unterschrift sanktioniert.
[138]Siehe Kapitel V.
[139]K. Marczewska, W. Waźniewski, aaO. (Anm. 51), S. 134.
[140]Yitzhak Arad, aaO. (Anm. 71), S. 334-355.
[141]Józef Marszałek, »Rozpoznanie obozów śmierci w Bełźcu, Sobiborze e Treblince przez wywiad Armii Krajowej i Delegatury Rządu Rzeczyspolitej Polskiej na Kraju« (Die Erkundung der Todeslager Bełżec, Sobibór und Treblinka durch den Nachrichtendienst der Heimatarmee und der Delegation der Regierung der Republik Polen im Land), in: Biuletyn Głównej Komisji Badania Zbrodni przeciwko narodowi polskiemu / Instytutu Pamięci Narodowe, Band XXXV, Warschau 1993, S. 42.
[142]»komór gazowych«
[143]»do gazowania«
[144]Siehe folgendes Kapitel.
[145]GARF, 7021-115-11, S. 33f.
[146]GARF, 7021-115-11, S. 16.
[147]GARF, 7021-115-9, S. 108.
[148]GARF, 7021-115-11, S. 44.
[149]Wassili Grossmann, Die Hölle von Treblinka, in: Die Vernichtungslager Maidanek und Treblinka, aaO. (Anm. 25), S. 33.
[150]Ebenda, S. 49f.
[151]Wydawnictwo Centralnej Żydowskiej Komisji Historycznej (Hg.), Dokumenty i Materiały, aaO. (Anm. 39), S. 179.
[152]Z. Łukaszkiewicz, aaO. (Anm. 31), S. 47.
[153]A. Donat, aaO. (Anm. 4), S. 35f.
[154]Ebenda, »Acknowledgements«, S. 1.
[155]URSS-337, S. 9 der deutschen Fassung.
[156]Dieser Bericht wird im Rapport erwähnt, der am 24. August 1944 von Vertretern der 65. Sowjetischen Armee verfaßt wurde. Er wurde von den Sowjets als Beweisstück für ihre Dokumentation übernommen.
[157]S. Rajzman, Kombinat Smerti v Treblinke, GARF, 7021-115-8, S. 7f.
[158]IMG, Bd. VIII, S. 356-362.
[159]Wydawnictwo Centralnej Żydowskiej Komisji Historycznej (Hg.), Dokumenty i Materiały, aaO. (Anm. 39), S. 182-190.
[160]Ebenda, S. 186.
[161]A. Donat, aaO. (Anm. 4), S. 232. Donat gibt an, dieser Text basiere auf der von Howard Roiter angefertigten englischen Übersetzung eines von Rajzman in jiddischer Sprache abgegebenen und auf Tonband aufgenommenen Augenzeugenberichts (S. 251).
[162]Yankel (sic) Wiernik, A year in Treblinka, published by American Representation of the General Jewish Workers' Union of Poland, New York 1944. - Der Text findet sich auch bei A. Donat, aaO. (Anm. 4)
[163]Y. Wiernik, A year in Treblinka, ebenda, S. 13-15.
[164]Der amerikanische Übersetzer hat die Maße falsch umgerechnet. Im polnischen Text heißt es nämlich, jede Kammer habe eine Fläche von 25 Quadratmetern aufgewiesen (siehe hierzu: R. Czarkowski, Cieniom Treblinki, aaO. (Anm. 75), S. 30). Doch auch dann kämen immer noch 18 bis 20 Opfer auf einen Quadratmeter!
[165]Y. Wiernik, A year in Treblinka, aaO. (Anm. 162), S. 18, 20.
[166]Wiederum hat der amerikanische Übersetzer die Maße falsch umgerechnet. Im polnischen Text heißt es nämlich: »7×7 oraz 50 kw« (7×7 ergibt etwa 50 Quadratmeter). In diesem Fall wäre die Belegdichte der Kammern noch höher: 20 bis 24 Personen pro Quadratmeter!
[167]Auf beiden Plänen ist das Wort »Treblinka« mit einer unterbrochenen Linie unterstrichen.
[168]In der Bildlegende Wierniks steht unter Punkt 3 statt »parkan« (Zaun) das Synonym »płot«.
[169]Siehe Dokument 5 im Anhang. Der Plan wurde von Filip Friedman in seinem Buch To jest Oświęcim! (Das ist Auschwitz!), Krakau 1945, publiziert. Eine englische Übersetzung folgte im Jahre 1946 unter dem Titel This was Oswiecim!, the United Jewish Relief Appeal, London 1946. Der Plan steht dort auf S. 82f.
[170]State of Israel. Ministry of Justice, The Trial of Adolf Eichmann. Record of Proceedings in the District Court of Jerusalem, Jerusalem 1993, Band III, S. 1201-1203.
[171]Y. Wiernik, A year in Treblinka, aaO. (Anm. 162), S. 15.
[172]A. Donat, aaO. (Anm. 4), S. 36.
[173]Friedrich P. Berg, aaO. (Anm. 95), S. 439 sowie Fußnote 23.
[174]URSS-93, S. 45.
[175]Es folgen zwei Zitate aus Wierniks Einleitung zu seinem Buch, aaO. (Anm. 162).
[176]IMG, Band VIII, S. 267f.
[177]Gerald Reitlinger, Die Endlösung. Hitlers Versuch der Ausrottung der Juden Europas 1939-1945. Colloquium Verlag, Berlin 1992, S. 157.
[178]URSS-344, S. 321 (S. 5 des Berichts).
[179]URSS-93, S. 41f.
[180]IMG, Bd. VII, S. 633f.
[181]Transkription des seinerseits aus dem Polnischen transkribierten russischen Namens für Bełżec.
[182]URSS-93, S. 42. Beim Nürnberger Prozeß wurde Sobibór noch nicht einmal der Erwähnung für wert befunden.
[183]Eliahu Rosenberg erschien als Zeuge beim Eichmann-Prozeß in Jerusalem (Verhandlung 66 vom 6. Juni 1961), ging aber bei seinen Ausführungen in keiner Weise auf seinen Rapport vom 24. Dezember 1947 ein. State of Israel, Ministry of Justice, The Trial of Adolf Eichmann. Record of Proceeding in the District Court of Jerusalem, Jerusalem 1993, Band III, S. 1212-1215. Der betreffende Bericht wird auch von A. Donat in seinen biographischen Anmerkungen zu E. Rosenberg nicht erwähnt (aaO. (Anm. 4), S. 289).
[184]Elias Rosenberg, Tatsachenbericht. Das Todeslager Treblinka, Wien, 24.12. 1947. Das Dokument wurde von Hans Peter Rullmann in Der Fall Demjanjuk. Unschuldiger oder Massenmörder? Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1987, auf S. 133f. in Faksimile abgedruckt. Die zitierte Stelle steht dort auf S. 136 (S. 4 des Berichts).
[185]Den "Bericht" vom 25. April 1945. PS-1553.
[186]Léon Poliakov, Bréviaire de la Haine, Calmann-Lévy, Paris 1951, S. 224.
[187]G. Reitlinger, The Final Solution. The Attempt to Exterminate the Jews of Europe 1939-1945, Vallentine, Mitchell, London 1953, S. 140-142.
[188]Dies hinderte Lord Russell of Liverpool freilich nicht daran, noch 1954 zu schreiben, in Treblinka seien »die Massaker mittels zweier Methoden, Dampf und Vergasen« verübt worden: The scourge of the Swastika, Cassel & Company Ltd., London 1954, S. 242.

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