Ist es die Nacht oder ist es der Nebel?

Serge Thion[1]

Bezüglich Jean-Claude Pressacs neuem Meisterwerk spricht Le Monde von einem »Historiker der Nacht«. Le Monde stellt uns das Werk eines »Amateurs« vor, der tagsüber Apotheker ist.[2] Einer der jahrzehntelang am häufigsten gegen die Revisionisten vorgebrachten Vorwürfe, nämlich »Amateurhistoriker« zu sein, wird plötzlich zu einem Gütezeichen, welches den Wert der von der Presse sogleich übernommenen Thesen garantiert. Dies sei die endgültige Antwort auf die Revisionisten. Wäre es sehr unhöflich, daran zu erinnern, daß wir schon eine lange Liste »endgültiger Antworten« verschiedenster Art vorliegen haben, die von den großen Prozessen 1980 bis '82 gegen Robert Faurisson über das Buch eines wichtigen Zeugen (»Drei Jahre in der Gaskammer«!), bis zu dem cineastischen Meisterwerk des ausgezeichneten Lanzmann reicht?

Pressac ist bei verschiedenen Gelegenheiten bereits als der große Rübezahl vorgestellt worden, der dafür sorgen würde, daß auf dem Acker Faurissons kein Halm mehr gedeihe. Er trat 1982 auf einem Kolloquium der Sorbonne auf (das diese Frage bereits regeln sollte). Damals stand er unter dem allerhöchstem Schutz der größten moralischen Instanz unserer Zeit, des Ritters vom weißen Pferde, Doctissimus Vidal-Naquet. Da es um Fragen technischer und stofflicher Art ging, von denen der bedeutsame Kenner der Antike nicht allzu viel versteht, führte er Pressac mit einem anderen endgültigen Terminator des Revisionismus, mit dem schwer verkannten Chemiker Wellers zusammen, der, nach vielem Zögern, einen Artikel von Pressac auf den Seiten einer heiligen und unantastbaren Zeitschrift namens Le Monde Juif unterbrachte (Juli-September 1982). Dort entwickelte Pressac seine »gazouillage« genannte Theorie, die an Stelle des bisher geltenden Kanons der Darstellung treten sollte: ja, es hat Vergasungen gegeben, aber weniger als bisher angegeben: man muß alles nach unten revidieren. Nun war der Effekt Pressac aber nicht so recht wirksam geworden. Es bedurfte anderer Mittel. Für diese sollte das Medienkonsortium der Familie Klarsfeld sorgen. Pressac brütete den endgültigen Text aus. Gewiß hatte er bei seinen Recherchen in den Archiven nicht den entscheidenden Beweis dafür gefunden, daß die Nazis in Auschwitz eine Todesfabrik errichtetet hätten, aber er fand eine gewisse Zahl an Spuren, Ausgangspunkte für Mutmaßungen, wie es vor Gericht genannt werden würde. Das Werk enthält Hunderte von Plänen, Fotos, Unterlagen der technischen Dienste von Auschwitz, die, wie man weiß, im Auftrag der SS angefertigt wurden. Um dieses große, schlecht verschnürte Paket überzeugender zu gestalten, haben Klarsfelds die Nichtauslieferung organisiert. In englischer Übersetzung in New York editiert, wurde es weder allgemein verkauft, noch auf Anfrage hin zugestellt. Indem man es verschiedenen »Verantwortlichen in der Gemeinde« und »Meinungsführern« anbot, sollte durch dessen ungreifbare, gewissermaßen mythische Existenz, der Glaube an die Vorstellung gestärkt werden, daß es eine ANTWORT gäbe, daß eine solche ein für allemal erteilt sei.[3] Die Revisionisten hatten keinerlei Schwierigkeiten, sich in Besitz dieser Prosa zu bringen, die offensichtlich weder von Vidal-Naquet, noch von Klarsfeld näher zur Kenntnis genommen wurde. Andernfalls wären ihnen gewisse Seltsamkeiten und Widersprüche aufgefallen, hätten sie daran zweifeln müssen, das richtige Pferd gesattelt zu haben.

Noch immer wird Pressac gegen den Leuchter-Report in Stellung gebracht, gegen jenes Gutachten eines amerikanischen Spezialisten für die Konstruktion von Gaskammern, der nach einer Untersuchung der Örtlichkeit und der Umgebung jener Räume, die als Gaskammern vorgeführt werden, zu dem Schluß kam, daß dort unmöglich wiederholte Vergasungen einer großen Zahl von Menschen stattgefunden haben können.

Nun haben wir also die vierte endgültige Beweisführung. Für dieses Mal hat Pressac den Schutzgewaltigen gewechselt und sich unter die Fittiche Bédaridas begeben, eines offiziellen Historikers, lange Zeit Direktor eines »Instituts der Gegenwart«, und in einer Jury mit Harlem Désir. Letzterer hatte - ohne diese gelesen zu haben - festgestellt, die Thesen von Roques seien keinen Hasenfurz wert. Auf diesen Höhen der Gelehrsamkeit befindet sich auch ein kleiner Katechismus, der, an alle Geschichtslehrer von Frankreich und Navarra verteilt, den geeigneten Stoff liefert, um den Schülern das Hirn zu stopfen. Auf diese Weise mit einer hohen Auflagenzahl vertraut, korrigierte der heldenhafte Bédarida am 22./23.7.1990 in den Spalten von Le Monde die Opferzahl von Auschwitz nach unten; ohne daran zu denken, daß eine solche Korrektur, eine solche Behauptung, daß jetzt nicht 4, sondern 1,1 Millionen Menschen in Auschwitz umgekommen seien, der Erklärung bedürfe. Wobei, fügt der sorgsame Bédarida hinzu, man die Archive noch nicht eingesehen habe. Im übrigen erklärt er weder dies, noch warum man die Archive seit 1945 unerforscht ließ. Soweit vom Schutz des Schützlings.

Das ist also unser Leuchtturm des Geschichtsdenkens, der - zusammen mit ein paar anderen Honoratioren seiner Sorte - für Pressac bürgt. Diese Bürgschaft ist nicht geringzuschätzen, ist das Buch doch vom Centre National de la Recherche Scientifique, dem Nationalen Zentrum für Wissenschaft und Forschung, veröffentlicht worden. In diesem hochangesehenen Verlag kann nur veröffentlichen, wer mit seinem, auf einem speziellen Gebiet verfassten, Bericht gleich eine ganze Kommission zu überzeugen vermag. Solch ein Gutachten möchte man kennenlernen.

Was steht in Pressacs Buch? Er erbringt den formalen Beweis, daß die Deutschen Krematoriumsöfen gebaut haben. Man muß schon Journalist sein, um zu glauben - oder diesen Glauben vorzugeben -, die Revisionisten leugneten das Vorhandensein der Krematoriumsöfen oder der Konzentrationslager. Die Krematorien sind seit 1945 bekannt und wiederholt erwähnt worden. Die Frage war, ob sich hinter ihnen geheime Installationen für einen Massenmord verbergen. Pressac, der doch Zehntausende von Dokumenten aus der Hinterlassenschaft der Bauabteilung des Konzentrationslagers durchforstet hat, räumt ohne jede Einschränkung ein, daß diese Einrichtungen zum Zeitpunkt ihrer Planung keinerlei mörderische Intention erkennen lassen, sondern daß diese zur Bewältigung der infolge der hohen Sterberate in Lagern - vor allem nach Kriegsausbruch - entstandenen hygienischen Probleme entworfen worden waren; angesichts des Ausbruchs von Epidemien, die nicht nur unter den Häftlingen wüteten, sondern auch die Deutschen erfaßten, und sogar die Grenzen des Lagers überschritten. In diesem Zusammenhang hatte die Kremierung keinerlei philosophische Bedeutung, es ging lediglich um die allgemeine Gesundheit, um die der Gefangenen wie der anderen.

Den Briefwechsel zwischen den Bauabteilungen von Auschwitz und den zivilen Firmen, die für bestimmte Arbeiten Aufträge erhielten, bis ins einzelne untersuchend, bietet Pressac uns diese Geschichte detailliert (eine ziemlich langweilige Geschichte übrigens), mit all den verschiedenen Bauphasen der Errichtung der verschiedenen Krematorien, einschließlich der vielen Meinungsänderungen der verantwortlichen Herren der SS in der Bauabteilung, die offenbar über keinerlei Weitsicht verfügten und unmittelbar von Vorgesetzten abhingen, die für Auschwitz große Pläne machten, ohne sich allzusehr um die Probleme der Verwaltung zu kümmern, welche arme Teufel von Unteroffizieren dann an Ort und Stelle lösen sollten. Unter diesen Tausenden von Akten, die auf Deutschland, Polen und Moskau verteilt sind, wo nichts geheim ist, in denen die »Politiker« der SS kaum auftreten, Akten, die man bei Kriegsende unversehrt ließ - der Abteilungsleiter hatte deren Vernichtung »unterlassen« -, in ihnen findet sich nicht ein einziges Dokument, aus welchem eine Nutzung dieser Räumlichkeiten zum Zweck des Massenmords hervorgeht. Nicht eines. Pressac bietet keinerlei Erklärung dieses seltsamen Umstands. Gewiß, er behauptet - wie vor ihm schon andere -, daß die Hinweise auf »Sonderaktionen«, die sich in gewissen Akten finden, in verschlüsselter Form auf dieses ungeheure Verbrechen deuteten. Aber die Dokumente zwingen ihn auch zu der Feststellung, daß »Sonderaktion« auch etwas ganz anderes, wenig aufregendes bedeuten kann, daß der Ausdruck »Sonder-« in der Militär- und Verwaltungssprache im Deutschland dieser Zeit bei allen möglichen Gelegenheiten Verwendung fand.

Der Wert von Pressacs Arbeit bestünde somit darin, die sich auf die Errichtung der Krematorien, die Tatorte des behaupteten Verbrechens, beziehenden Unterlagen gewissermaßen erschöpfend studiert zu haben. Wie in seinen vorangegangen Werken findet er »Spuren« verbrecherischer Absichten. Von denen er auf seinem Weg übrigens viele wieder verlor. Die »Spuren«, die er in seiner Arbeit von 19893 als solche präsentiert, sind in dem Buch von 19932 nicht mehr zu finden. Er hatte beispielsweise festgestellt, daß die SS in den Leichenkellern der Krematorien Be- und Entlüftungseinrichtungen installieren lassen wollte, was den Willen zu krimineller Nutzung beweise. Pressac war davon dermaßen überzeugt, daß er andere Erklärungsmöglichkeiten außer Acht ließ, etwa die Notwendigkeit, in der Zeit der Typhusepidemien die Leichenkeller mit jenem Zyklon B zu entwesen, das auch bei der Entwesung von Kleidungsstücken, der Baracken usw. angewendet wurde. Er glaubte einen weiteren Hinweis auf ein Verbrechen darin entdeckt zu haben, daß für das Entlüftungssystem ein hölzerner Ventilator vorgesehen war, der von der aggressiven Blausäure weniger angegriffen würde als ein Ventilator aus Metall. Ein paar Tage später aber läßt der Ingenieur den hölzernen Ventilator durch einen anderen ersetzen: durch einen aus Metall. Auch behauptet Pressac, daß der »entscheidende Beweis« für das Vorhandensein einer Gaskammer zu Mordzwecken in den Krematorien sich in einem Dokument vom März 1943 (Dokument 28, zitiert auf Seite 72) befände, aus welchem hervorgehe, eine Dienststelle von Auschwitz sei auf der Suche nach »Gasprüfern«, mit denen sich Rückstände von Blausäure aufspüren ließen. Da er aber zuvor erklärt hatte, daß die Verwaltung »tonnenweise« Zyklon B zum Zweck der Entwesung eingesetzt habe, erscheint dieser Beweis schon deshalb nicht besonders zwingend. Wieso die SS aber, die nach unstrittiger Auffassung mit dem Problem der Rückstandskontrolle also lange vor 1943 vertraut gewesen sein mußte, »Gasprüfer«(?) (welch seltsames Wort!) ausgerechnet bei einer Ofenbaufirma und nicht bei einem Laborgerätehersteller bestellte, ist erst recht nicht zu erkennen.

80.000 Dokumente, das ist die Zahl, die er in seinem Gespräch mit dem Nouvel Observateur nennt. [4] Diese 80.000 Dokumente, die er innerhalb weniger Tage in Moskau gesichtet haben will, betreffen, wenn ich es recht verstehe, ausnahmslos die Bauleitung der SS von Auschwitz. Also eine Dienststelle neben vielen anderen. Aber eben jene, die für die Planung und Errichtung dieser berühmten »Schlachthöfe für Menschen«, von denen so viel die Rede ist, verantwortlich gewesen wäre. Man kann sich schon darüber verwundern, daß derartige Einrichtungen denselben untergeordneten Dienststellen anvertraut gewesen sein sollen, die sich sonst um die Errichtung von Baracken, Bäckereien, um den Wegebau usw. zu kümmern hatten. Keinerlei Geheimhaltung, nicht die geringste Vorsichtsmaßnahme: diese kleinen Funktionäre zögerten nicht, mit Privatfirmen Werkverträge zu schließen, von denen keinerlei besondere Diskretion verlangt wurde. Das erklärt sich daraus, daß - wie Pressac im Überfluß zeigt - diese Einrichtungen nicht zu mörderischen Zwecken, sondern ganz im Gegenteil, als Mittel der Aufrechterhaltung der öffentlichen Gesundheit an diesem Ort geplant waren.

Die Sache ist ziemlich klar: von den 80.000 Dokumenten, von denen ein Teil ausschließlich die Krematorien betrifft, bezieht sich nicht eines auf eine ausgesprochene Mordeinrichtung. Anderenfalls wäre dieses Dokument auch längst triumphierend herumgereicht worden. Bis zu Pressac hatte man sich sagen können, es gebe geheime oder unzugängliche Archive, die ein solches Dokument bergen könnten. Aber Pressac teilt uns mit, die Archive seien (insofern diese die Bauleitung von Auschwitz betreffen) jetzt komplett; der Chef dieser Dienststelle war offenbar der Meinung, sie würden nichts Explosives bergen, denn er hatte deren Zerstörung bei Kriegsende unterlassen. Kurz, man wird zustimmen müssen, daß in dem Aktenberg, der die Angelegenheit hinreichend erhellen sollte, sich nur einige wenige Stücke finden, die einer Vermutung für eine mörderische Absicht Raum geben könnten. Dort, wo man logischerweise tausend oder zehntausend Dokumente hätte finden müssen (denn es gab weder eine Verschlüsselung, noch wurde etwas zerstört, wo doch alles auf Befehl erfolgte), bleiben lediglich ein paar Stücke am Rande, deren Bedeutung unklar ist; die für den Fall, daß man einen Zusammenhang herstellen könnte, der diesen einen eindeutigen Sinn gäbe, wohl als Beweisstücke dienen könnten, die aber auch ganz andere Bedeutungen haben können, welche von den Historikern normalerweise zunächst überprüft werden, bevor man ein Stück gegebenfalls beiseite legt. Nicht so bei Pressac, der an andere Möglichkeiten der Interpretation nicht zu denken wagt. Wenn er dann das, was er als »Anfangsbeweise« bezeichnet, wieder aufgibt (und nur halbherzig protestiert, wenn beispielsweise der Journalist von France-Inter seine »Anfangsbeweise« umstandslos als voll gültig behandelte), wäre er zu dem Eingeständnis verpflichtet, daß seine ganze Arbeit zu nichts geführt hat. Denn er hat in aller Schärfe klargestellt, daß die Lagerverwaltung und die Ingenieure sich mehr oder weniger sporadisch zur Planung und zum Bau der Krematorien entschlossen, welche im übrigen nicht gerade durch Effektivität glänzten. Punkt. Woran offenbar niemals jemand gezweifelt hatte. So hat er also zehn Jahre verbracht, um eine Tür einzurennen, die stets offen war; eine Tür, von der er jede Phase der Konstruktion, angefangen von der ersten Idee über den Bauplan und alle Fertigungsstufen bis ins einzelne beschreibt. Das Interessante aber ist, daß er offenbar nichts anderes gefunden hat, ungeachtet einer Recherche, die in diesem Rahmen als erschöpfend bezeichnet werden kann.

Denn was macht Pressac, um die offizielle These im Notfall zu retten? Er führt etwas von außen zu. Der wesentliche Text, das Ergebnis seiner Arbeit, das ist die Chronik der Konstruktion der Krematorien. Dafür gibt es Quellen in den Archiven. In den Anmerkungen sind diese angegeben: für eine nach der anderen liefert er uns entsprechend abgekürzt den Schlüssel: Seite VIII: ACM, ARO, AEK, usw. Sieht man sich aber die Seiten 97 bis 109 an, so wird diese Folge plötzlich - abgesehen von seltenen Literaturangaben und Auskünften wie »Pohl war Oberzahlmeister« - durch Verweise auf das »Kalendarium«[5] oder auf Höß unterbrochen. Im Text geht es dann um die Vergasungen. So läßt er auf Seite 34 seine Archive im Stich, um von der »ersten Vergasung« zu sprechen[6] und im gleichen Abschnitt von der Kremierung, von »ein oder zwei Wochen intensiver Arbeit«, der Verbrennung von 550 bis 850 Leichen, die zur Zerstörung eines Ofens führte. Es existiert ganz offenbar keinerlei notwendige Verbindung zwischen der »Vergasung« (die zum »Kalendarium« und dem Bericht von Höß paßt) und dem aus den Archiven ersichtlichen Defekt des Ofens, - wenn man nicht eine Vermutung ehrloserweise als Tatsache angibt. Schließlich stellt der unerschrockene Wissenschaftler fest:

»Man nimmt heute an, daß in diesem Krematorium nur sehr wenige Vergasungen stattgefunden haben, daß diese aber, da sie direkte oder indirekte Zeugen beeindruckten, vermehrt wurden.«

Pressac schreibt saumäßig. Was ist ein »indirekter Zeuge«? Was soll es bedeuten, daß Vergasungen »vermehrt« wurden? Ich fürchte, man wird hier eine regelrechte Exegese durchführen müssen. Vermutlich will dieser verführerische Ausdruck sagen: gewiß hat man viel über die Vergasungen im Krematorium I des Stammlagers Auschwitz, als den Beginn des Völkermordes, geschrieben. In Anbetracht der Unglaubwürdigkeiten aber und der Erfindungen, welche die Revisionisten aufgespießt haben, entscheide ich, Pressac (»man nimmt heute an«), dieses Feld zu räumen (auf dem etwas »vermehrt« wurde), und als Erklärung für die Unwahrscheinlichkeiten die »beeindruckten« Zeugen anzugeben, - selbst diejenigen, die nicht an Ort und Stelle waren, und ungeachtet dessen als Zeugen angesehen werden, wenn auch nur als »indirekte«. Nicht eine Quelle, kein einziges Dokument, das diesen Rückzug rechtfertigte. Pressac ist sich wohl bewußt, daß die kanonisierte Darstellung nicht standhält. Um diese zu stützen, macht er Zugeständnisse, ohne diese jedoch ihrerseits begründen zu können. »Man schätzt...«, - die Fortsetzung ist vom gleichen Stoff:

»Da eine Vergasung die vollkommene Isolierung des Gebietes um das Krematorium erfordert, [kein Zeuge hat das jemals erwähnt, dies folgt aus der Kritik der Revisionisten] und diese daher während des Betriebes nicht durchführbar war, hat man Ende April entschieden, diese Art der Aktivität nach Birkenau zu verlegen.« (S. 35)

Eine Entscheidung, von der niemand etwas weiß; die er erfunden hat, um wieder auf die Füße zu fallen und sich in den Zug der offiziellen Geschichtsschreibung einreihen zu können.

Das amüsante Paradox bei all dem ist, daß Pressac von der offiziellen Geschichtsschreibung einzig jene der Gaskammern respektiert. Ansonsten tritt er die Dogmen ganz nach Belieben mit den Füßen. Die berühmte »Wannsee-Konferenz«, die ein ganzer Olymp engagierter Autoren zum Ort und als Zeitpunkt bestimmt haben, an dem die Vernichtung beschlossen wurde, wird mit sechs Zeilen weggefegt (noch immer S. 35). Pressac macht es wie die Revisionisten, er liest den Text, in dem von der Verschickung der Juden nach Osten, aber keineswegs von einer industriellen Vernichtung die Rede ist. Er bestätigt das durch die Tatsache, daß die Bauleitung im Ergebnis dieser Konferenz auf hoher Ebene keinerlei spezielle Anweisung erhielt. Der die Entscheidung zum Völkermord umgebende Nebel wird entsprechend dicker. Ich würde gern die Gedanken der sogenannten Fachleute lesen können, wenn ihnen diese sechs Zeilen unter die Augen kommen!

Mit Seite 39 ist man bei den Bauernkaten von Birkenau angekommen, die nun also der Ort der Vernichtung sein sollten.[7] Dort wird von neuem eine Passage in den sonst sich auf die Archive stützenden Text eingefügt, deren Quelle das »Kalendarium« ist. Auf Seite 41 informiert Himmler Höß über die Wahl seines Lagers als Zentrum der Auslöschung des Judentums. Pressac selbst teilt uns mit, daß der Bericht von Höß enorme Unglaubwürdigkeiten enthält und ganz und gar nicht verläßlich ist (Anmerkung 132). Es ist ein fauler Apfel, und doch das Einzige, von dem Pressac auf einem Gebiet zehren kann, auf dem er nicht geforscht hat: auf jenem der Politik. Zwar gibt es Archive, aber da diese nicht technischer Natur sind, läßt Pressac sie unberührt. Das ist Brot für die Historiker, das kann unser Apotheker nicht kauen. Zu dieser Zeit muß aber doch über die ungeheuer mörderische Aktivität dieser kleinen Funktionsträger entschieden worden sein. Sowohl in Bezug auf Himmler als auch hinsichtlich des Höß-Berichtes steht Pressac, indes die Winterszeit nun einmal gekommen ist, nahezu unbekleidet da.

Wenn er über die Sonderkommandos schreibt, diese hätten die Toten aus den Gaskammern ziehen müssen (S. 43), gibt er als Quelle in Anmerkung 141 aufs neue das »Kalendarium« an. Das ist die dritte Injektion.

Auf Seite 47 teilt Pressac dann mit, daß man große Mengen Zyklon B für den Kampf gegen die im Lager wütende Typhusepidemie benötigte, welches man höheren Orts unter dem Titel »Sonderbehandlung«, was ganz offensichtlich die Entwesung von Gebäuden bedeutete (ein SS-Mann ist sogar dabei vergiftet worden, siehe vorangehende Seite), beantragte. Und weiter unten, auf der gleichen Seite, schreibt er, daß die Bauleitung »wegen der durch die "Sonderaktionen" entstandenen Lage« die Errichtung eines neuen Krematoriums ins Auge gefasst hätte. Der Text wird zu prüfen sein. Wie Pressac ohne nähere Begründung behaupten kann, diese Formulierung sei die Bestätigung, daß Auschwitz zum »Ort der Massenvernichtung der Juden« erwählt worden war, bleibt ein großes intellektuelles Geheimnis. Und das angesichts einer Verwaltung, die sich abmüht, eine Epidemie in den Griff zu bekommen, die 20.000 Tote kosten sollte (eine Zahl, die Pressac dem Nouvel Observateur nannte, Anm. 4, S. 94); die weiß, daß das Lager weitere Ausdehnung erfahren soll - um Zehntausende aus dem Osten Deportierte aufzunehmen, die als besonders »verlaust« gelten -, und die versucht, sich die Waffen für diesen Kampf zu verschaffen: tonnenweise Zyklon B und Krematorien. (Erinnern wir uns, daß die Engländer in Bergen-Belsen die Epidemie, die bei ihrem Eintreffen wütete, nicht unter Kontrolle brachten). Und Pressac gelangt somit von seiner bescheidenen persönlichen Vermutung, die nur als eine Anpassung sinnvoll ist, zu einem ihm im voraus gegebenen Erklärungsmuster:

»Diese bestürzende Vorrichtung zur Einäscherung [die gleichwohl eng mit der Situation verbunden war] mußte den Dienststellen der SS in Berlin bekannt sein [ganz offensichtlich, denn diese hatten die Gelder bewilligt], und von diesen schließlich mit der "Endlösung" der Judenfrage in Verbindung gebracht werden.« (S. 47)

Letzteres ist eine Behauptung, die sich auf keinerlei Dokumentation aus diesen berühmten Archiven stützen kann.

Immer bestrebt, die Herde seiner Argumente zusammenzuhalten, meint Pressac, von »Sonderaktion« (ein Wort, mit dem in der Militär- und Verwaltungssprache jener Zeit nahezu alles und jedes gemeint sein konnte) sei gesprochen worden, um von Berlin die Genehmigung zum Bau des Krematoriums III zu erhalten, welches laut Pressac einer »vocation sanitaire«, also hygienischen Zwecken diente. Indem sie dieses Wort verwendeten, hätten die Schlauköpfe der SS Berlin glauben lassen, daß dieses Krematorium für die Vernichtung der Juden gebraucht würde, während es doch ganz normalen Bedürfnissen des Lagers entsprach. Eine gewiß kunstvolle Kombination - vielleicht hätte sich Pressac statt auf der Militärakademie von Saint-Cyr bei den Kunstreitern von Saumur bewerben sollen.

Mit den Open-Air-Verbrennungen, die Pressac Gelegenheit zu harscher Kritik am Bericht von Höß geben (S. 58), will ich mich nicht weiter aufhalten und nur darauf hinweisen, daß Pressac hier die Zahl von 50.000 Leichen, die während zweier Monate verbrannt worden sein sollen, erfindet; ein Kalkül, das sich auf eine Angabe »getötete Juden während des Sommers« stützt, welche er allenfalls dem »Kalendarium« entnommen haben kann, das er an dieser Stelle aber nicht anführt. Um die 100.000 Kubikmeter Holz, die hierfür (mindestens) nötig gewesen wären und irgendwelche Spuren in den Archiven hätten hinterlassen müssen, macht er sich keine Sorgen. Es ist bekannt, daß Pressac mit dem Auschwitzthema in Berührung kam, weil er einen Roman schreiben wollte, von dem einige Szenen dort angesiedelt sein sollten. Man weiß auch, daß diese romanesken Anfälle rund um Auschwitz schon mehrere Bücher verursachten. Pressacs dichterische Berufung kommt immer mal wieder an die Oberfläche, so zum Beispiel auf Seite 65, wo Pressac Gespräche zwischen Ingenieuren und der Firmenleitung von Topf & Söhne - jenem Unternehmen, das die Öfen für die Krematorien gebaut hat - schlicht und einfach erfindet. Auch die folgenden Seiten sind wahrscheinlich jenem unbekannten Roman entnommen, denn Pressac, der Apotheker aus der Vorstadt, schlüpft in die Haut der schrecklichen SS, die nach einem Weg zur rationellen Vergasung sucht. Die Einzelheiten kommen dann auch nicht aus den Archiven, sondern von einem gewissen Tauber, einem von Pressac hochgeschätzten Zeugen (Anmerkung 203).

Auch wenn er die »erste Vergasung auf industrieller Stufenleiter« behandelt (im Krematorium II), bezieht er sich nicht auf die Archive, sondern auf das »Kalendarium« und auf den Zeugen Tauber (Seite 73/74). Auch die zweite Vergasung stützt sich auf das »Kalendarium« (S.77).

Muß ich fortfahren? Ich denke, die Technik der Injektion ist verstanden. Man muß immer ein Auge bei den Anmerkungen haben, um dem Wechsel der verschiedenen Ebenen der Erzählung folgen zu können. Dies bliebe immer noch ein annehmbares Verfahren, wenn die Quellen vergleichbar wären. Aber das »Kalendarium« wird von den Historikern schon seit langem nur noch mit spitzen Fingern angefaßt. Pressac selbst sagt darüber:

»Danuta Czechs Arbeit bietet, indem sie manchen Zeugenaussagen auf Kosten anderer Gewicht beimißt, ohne dies zu erklären, Anlaß zur Kritik. Diese besondere Ausrichtung der Geschichtsdarstellung, die mit der dritten Ausgabe des "Kalendarium" [...] von Czech fortgeführt wird, welche eben auf polnisch erschien, und den Aktenbestand in den Moskauer Archiven noch nicht berücksichtigt, schränkt den Wahrheitsgehalt dieses grundlegenden, unglücklicherweise ein wenig zu sehr aus dem Blickwinkel der politisch angespannten 60er Jahre geschriebenen Werkes stark ein.« (Anmerkung 107, S.101)

Was Pressac nun wirklich sagen will, weiß Gott allein. Für viele Menschen aber ist das eine Arbeit, die direkt vom Auschwitz-Museum herkommt, das der Nutzung von Auschwitz als Instrument des russisch-polnischen Stalinismus - um zur Zeit des kalten Krieges die Sympathien der Antifaschisten im Westen zurückzugewinnen - entspricht. Was die von der Bewußtseinsindustrie hergestellten »Zeugnisse« wert sind, ist hinreichend bekannt. Würde Pressac dieser Art von Quellen vertrauen, wäre es nur logisch, sie zu verwenden. Indes tut er äußerstes Mißtrauen kund, stützt aber seinen Bericht über die Vergasungen ausschließlich auf jene, von ihm selbst als von sehr beschränktem Wert beurteilten Quellen. Diese Geschichten sind schon tausendfach veröffentlicht worden. Die ihnen eigenen Schwachstellen haben mit Paul Rassinier den Revisionismus hervorgebracht.[8] Wenn er diese wieder aufnimmt - so wie sie sind, oder mit ein paar kosmetischen Korrekturen -, bleiben große Widersprüche, paßt vieles nicht. Vielleicht ist das der Stoff, aus dem die »Geschichten eines Apothekers« gemacht sind?

Das Ungeheuerlichste aber ist es, glauben zu machen, das Buch von Pressac wäre von Zeugenaussagen vollkommen frei. Er selbst sagt es den Journalisten mit Nachdruck. Und die schlucken es; denn sie vertrauen dem Kommentar mehr als dem Text selbst. Indem er den Rückgriff auf die abgetragensten Stücke aus dem polnisch-stalinistischen Fundus in seinen Anmerkungen geschickt verbirgt, kann Pressac als jemand gelten, der den Revisionisten auf ihrem ureigensten Gebiet - jenem der überprüfbaren Tatsachen, falls man akzepziert, daß die heute gültigen physikalischen Gesetze auch 1944/45 wirksam waren - antwortet.

Was den Katalog der Nichtübereinstimmung betrifft, so sei hier vermerkt, daß ich es sorgsam vermieden habe, frühere Schriften Pressacs mit der soeben erschienenen zu vergleichen. Aber es ist klar, daß andere Leser weniger nachsichtig sein könnten und sich eventuell den bösen Spaß machen, Variationen, Kehrtwendungen und Schrittwechsel der verschiedensten Art, die solch eine Lektüre an den Tag bringt, aufzudecken. Auf jeden Fall wird man sich fragen: what next?

Ich erspare dem Leser auch die Wiedergabe der Auseinandersetzung um einen zentralen Aspekt der Diskussion, die sich der Bestimmung der realen Kapazität der Krematorien, deren Leistungsdaten (das ist genau das Wort, das man für eine Industrieanlage gebraucht) widmet. Es versteht sich, daß bezüglich der Leistungsdaten eine Differenz zwischen den Angaben der Verkäufer von der Firma Topf & Söhne und der im tatsächlichen Betrieb mit allen Pannen, Fabrikations- und Planungsfehlern erreichten Daten besteht. Pressac aber schert sich um realistische Zahlen nicht besonders und hält die Leser zum Narren, wenn er für die Krematorien II und III eine Kapazität von 1.000 Kremierungen pro Tag schätzt. Selbst in modernen Anlagen kommt man auf nicht mehr als 5 bis 7 Verbrennungen pro Tag und Muffel. Wenn man für die größte der Anlagen, das Krematorium II mit 15 Muffeln, eine Verdreifachung oder Vervierfachung der Taktfolge annimmt, so kommt man auf 300 Körper pro Tag, - bei dem Risiko eines entsprechend hohen Verschleißes. Auf diesem Feld der Technik enthält Pressac sich aller Ausflüge. Und meint im übrigen, daß es sich bei diesen Angaben um (von der SS gegenüber Berlin) geschönte Zahlen handelt; gleichwohl seien sie verwendbar. Pressac hütet sich, in diesem Buch wieder die in dem vorhergehenden, bei Klarsfeld Follies veröffentlichten, Werk genannten Zahlen anzugeben, in denen er den Kohlebedarf der Krematorien nach unten rechnete. Ist es doch einigermaßen schwierig, zu glauben, daß zwei oder drei Kilogramm Kohle für die Verbrennung eines Körpers genügen sollten. Sollte er in Moskau weitere Rechnungen gefunden haben, die seine Schätzungen etwas weniger unwahrscheinlich machten, so hätte er uns das gewiß mitgeteilt.

Derart makaber buchgehalten wird in dem Text nur gelegentlich. Das ändert sich erst mit dem Anhang 2, S. 144 bis 148, »Die Zahl der Toten im KL Auschwitz-Birkenau«, wo Pressac sich wie in einem Prokrustesbett fühlt: die Schätzung der Einäscherungskapazität der Krematorien berechtigt ihn, die in den »Zeugnissen« des »Kalendarium« genannten Zahlen etwas abzuschleifen und ohne weitere Umstände zu erklären, es habe entweder weniger Transporte gegeben, oder jene hätten weniger Menschen umfaßt. Als ob die Ankunft der Transporte letztendlich vom technischen Zustand der Krematorien abhängig gewesen wäre. Eine absurde Vorstellung. Was in der Folge dieses Ansatzes sonst noch alles nicht zusammenpaßt, lasse ich hier beiseite. Hinsichtlich der ungarischen Juden, für die schon Rassinier das zwangsläufig Unrichtige der polnisch/offiziellen Quellen nachgewiesen hatte, verwirft Pressac die entsprechenden Hirngespinste Wellers. Er teilt uns so nebenher mit, daß sich in Israel, in Yad Vashem, ein Verzeichnis mit den Namen von 50.000 Juden befände, die über Auschwitz nach Stutthof gelangt seien. Da sie in Auschwitz angekommen, aber dort nicht registriert worden sind, gelten sie üblicherweise als »vergast«. Es sei hier noch Forschungsarbeit zu leisten. Hinsichtlich der Deportationen polnischer Juden spricht er »vom Hypothetischen dieser Frage infolge mangelnder Dokumentation«.

Aber um auf die ungarischen Juden zurückzukommen: Pressac bringt sich in eine unhaltbare Lage. Beispielsweise akzeptiert er die Berichte über die Verbrennungsgruben, deren Unstimmigkeit aus den Luftaufnahmen der Alliierten, die zu der fraglichen Zeit das Lager mit allen Einzelheiten fotografiert hatten, hervorgeht. Denn die theoretische Verbrennungskapazität muß sich entsprechend erhöht haben, wenn man in Auschwitz schließlich 438.000 ungarische Juden ankommen läßt (das wären mehr als das Zweifache der bisherigen Belegung). Pressac kalkuliert also ziemlich abstrakt, die SS habe innerhalb von 70 Tagen 300.000 Menschen umbringen können (S. 148). Aber dann stellt sich die Frage, wo die 300.000 Menschen, tot oder lebendig, während dieser zwei Monate, der für die Einäscherung benötigten Zeit, verblieben sein sollten.

Pressac kam in der französischen Ausgabe seines Buches auf eine Zahl von 630.000, die im Gas umgekommen sein sollen. In der deutschen Ausgabe reduzierte er die Zahl weiter auf 470.000 bis 550.000.[9] Die Millionen Toten von Auschwitz sind keine Millionen mehr. Vor einigen Jahren haben die Polen ihre Zahlen gesenkt. Hilberg hat seine Zahlen gesenkt. Bédarida hat seine Zahlen gesenkt. Pressac senkt diese gleich zweimal weiter ab. Aber unter uns gefragt: aus welchen Gründen und auf welche Weise reduziert man derartige Zahlen? Weiß man irgendetwas mehr? Keineswegs. Man pokert nur ein wenig anders. Pressac, der in gewisser Weise verschlagen, vor allem aber über alle Maßen naiv ist, zeigt uns, wie man spekuliert. Da es sich bei den Ausgangsdaten meist um Schätzungen handelt, werden diese variiert. Wellers »belädt« seine polnischen Züge mit 5.000 Menschen, was Hilberg nicht gefällt; ihm sind 5.000 zu viel. Also bucht er 2.000. Bei 120 Transporten gibt das eine respektable Differenz. Pressac gelangt nicht über die Eisenbahntechnik zu dem, was ihm nicht gefällt; er macht es thanatotechnisch.[10] Er senkt dabei die Transportstärke auf 1.000 bis 1.500 (Seite 146 bis 147). Wenn er eines Tages bemerkt, daß seine Schätzungen der Kremierungskapazitäten Phantasterei und die Freiluftverbrennungen vom Flugzeug aus hätten sichtbar sein müssen, wird er seine Preise nochmals senken. Keine dieser Kalkulationen gründet sich auf ein Archiv. Das ist ins Blaue hinein gerechnet, man ist immer nur der Nase nach gegangen. Und wenn diese Zahlen jetzt geändert werden, so nicht, weil man Ordnung in die Akten bringen will, sondern weil der Zeitgeist aus einer anderen Richtung weht und man diesen erschnuppert hat.

Pressac und die französische Presse

Die Haltung der Presse ist meiner Meinung nach - wie immer in den nun fünfzehn Jahren, seit die Geschichte in der Öffentlichkeit ist - der interessanteste Punkt. Deren Rolle ist bei dem Versuch, das öffentliche Bewußtsein zu produzieren, bestimmend. In der Tat ist, um sich ein einigermaßen sicheres Urteil zu verschaffen - und dies zu einer Zeit, da das letzte Licht noch längst nicht aufgesteckt ist - eine beträchtliche persönliche Anstrengung erforderlich. Die Journalisten und die »Fachleute« fungieren daher gegenüber dem Publikum als Autoritäten, die berufen sind, kraft ihres Wortes Wahres von Falschem zu trennen. Ich habe in zwei Büchern eine Chronik dieser medialen Agitation geliefert, deren letztes Kapitel der gegenwärtige Rummel um das Buch von Pressac ist.[11]

Man muß sagen, daß die Medien nach allen Regeln der Kunst vorgegangen sind. Pressac, der bislang eher im Schatten stand, ist diesmal gefördert worden, als hätten die besten PR-Agenturen sich zu seiner Unterstützung vereinigt. L'Express[12] eröffnete den Reigen mit einem ganzseitigen Foto und großen Lettern auf der Frontseite: »Auschwitz: die Wahrheit«.[13] Der Nouvel Observateur folgt bald darauf mit »Ein Week-End in Auschwitz in Begleitung von Pressac«[14] und der schweren Artillerie der »besten Fachleute«. Libération stößt mit einer Doppelseite, mit weiteren Fotos und Dokumenten dazu.[15] Le Monde bringt eine halbe Seite aus der Feder von L. Greilsamer, der die gerichtlichen Auseinandersetzungen um Faurisson seit langem verfolgt.[16] Und auch Radio und Fernsehen lassen die Wogen hochgehen. In manch kleinem Dorf hat man seit dem Hundertjährigen Krieg solche Aufregung nicht mehr erlebt.

»Ein Werk, das den Historikern der ganzen Welt als Nachweis dienen wird«,

schreibt der Express. Dank der sowjetischen Archive »ist die erste Zusammenfassung unserer Kenntnisse über eines der wichtigsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts gelungen« meint eben jener Express (S. 77). Die Besprechung stammt von einem gewissen Conan und einem gewissen Peschanski, Geschöpfe Bédaridas, Forscher am CNRS.[17] Die hohen Kommentatoren bekräftigen, daß die Entscheidung und die Ausführung des »Judeozides« (ein neuerdings aufgetauchter Begriff, der noch nicht näher betrachtet wurde) von »absoluter Geheimhaltung« umgeben war, wobei gesagt werden muß, daß dieses Geheimnis bis heute nicht gelüftet ist. Warum aber hat man die Archive so lange schlummern lassen?

»Weil sich ein wichtiger Strom des jüdischen Gedächtnisses der verstandesmäßigen Näherung an die Endlösung, die als "unaussprechbar" und "undenkbar" qualifiziert wurde, widersetzte.«

Man wünschte, diese Erklärung wäre etwas weniger dunkel ausgefallen, daß Namen und Quellen genannt worden wären, aber beim Express ist man wie immer sehr vorsichtig. Die idyllische Ruhe ist durch die »Schriften der Leugner« gestört; diese machten sich daran, »die logischerweise zahlreichen Fehler in den Berichten der Zeugen und in den sowjetischen Texten aus der Nachkriegszeit, in denen Auschwitz als ein Thema ideologischer Propaganda genutzt wurde«, aufzuzeigen. Daß alle Ausführungen Pressacs über die Gaskammern unmittelbar auf diese sowjetischen oder polnischen Texte zurückgreifen, ist den Spürnasen vom Express nicht aufgefallen; aber das ist wohl auch zuviel verlangt. Pressac selbst aber hat entdeckt, daß »die technologische Geschichte der Endlösung noch zu schreiben ist«. Unmöglich für die blitzgescheiten Journalisten vom Express, darauf zu kommen, daß der Vater dieser »Entdeckung« Professor Faurisson ist. Denn man kann nicht zugeben, daß seit geraumer Zeit jeder Fortschritt auf diesem Gebiet in irgendeiner Weise mit ihm verbunden ist.[18]

Mit seinem 1989 bei der Beate Klarsfeld Foundation in New York erschienen Werk - Ergebnis seiner Sichtung von wohl 50.000 Dokumenten in polnischen und deutschen Archiven - hat Pressac »den Weg gebahnt«. So, wie Pressac und die Klarsfelds es seinerzeit behaupteten, das Problem endgültig gelöst zu haben, war es offenbar nicht. Mit den 80.000 Dokumenten der Sowjets würde man mehr darüber wissen. Immerhin, im Buch von 1989 steht noch vieles mehr über viele ander Dinge. Hätten die Journalisten ihre Hausaufgaben gemacht, wäre ihnen aufgefallen, daß der Themenkreis sich 1993 sehr eingeschränkt hat, und selbst auf diesem Restgebiet noch viele Behauptungen von 1989 zurückgenommen wurden.

Nachdem wir also an der erstaunlichen Entdeckung haben teilnehmen dürfen, daß die Verwaltung verwaltete, die Bauabteilung Konstruktionspläne entwarf, Kostenvoranschläge und Rechnungen erbat, kommen die subtilen Exegeten zu dem Schluß, Pressac habe »die Beweise für die Organisation des Mordes aufgefunden«. Das sind Taschenspielertricks. Pressac, das ist sicher, hält sich im Unverbindlichen. Er behauptet niemals direkt, er habe die »Beweise«; er spricht von »Spuren« oder »Indizien«, die Beweisen gleichkämen. Für Journalisten sind derlei Feinheiten des Ausdrucks offenbar kein Hindernis; und Pressac protestiert nicht. Nicht er ist es, der es gesagt hat - sie waren es. Er kann sich gegenüber ernstzunehmenden Kritikern stets auf diese infantile Position zurückziehen. Denn diese »Beweise«, das sind »präzise Indizien«, die »geheime Anweisungen verraten« (S. 82), diese Geheimnisse sind dann dermaßen geheim, daß sie nicht einmal existieren: Pressac selbst hat erklärt, es gäbe keinerlei Verschlüsselung...

Das Lächerlichste auf der Liste der zu Beweisen mutierten Indizien findet sich zwar nicht im Buch, ist aber typisch Pressac:

»In einer wirklichen Leichenhalle werden Desinfektionsmittel wie Chlorwasser oder Kresol verwendet, nicht aber ein zur Entlausung bestimmter Stoff.« (Le Nouvel Observateur, Anm. 4, S. 84)

Der Hausapotheker von Frau Müller ist sich offenbar der Größenordnung der Probleme nicht bewußt: auf dem Höhepunkt der Typhusepidemie (und die Krematorien sind im Hinblick auf diese sehr gegenwärtige Gefahr errichtet worden) brachte man täglich 250 bis 300 Leichen, deren Körper von Läusen, den Überträgern dieser Krankheit, wimmelte.[19] Stellt er sich vor, man hätte diese einfach so in der Leichenhalle gestapelt, ohne etwas zu unternehmen? Und ein Kommando geschickt, diese mit Chlorwasser oder Kresol zu waschen? Während in allen anderen Einrichtungen, einschließlich der Baracken, Zyklon B gegen die Läuse eingesetzt wurde?

Von diesen Leichenhallen wäre, wenn man nicht etwas unternommen hätte, eine ungeheure Ansteckungsgefahr ausgegangen, es wären geradezu biologische Bomben gewesen. Pressac mit seinem Chlorwasser ist eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit. Man sollte ihm seine Apothekerlizenz im Hinblick auf derartige Äußerungen wieder wegnehmen. Warum diese Eselei? Weil unter allen Umständen der Eindruck erweckt werden muß, daß einzig in den Leichenkellern der Gebrauch von Zyklon B nicht üblich gewesen wäre. Da der SS die Existenz des Chlorwassers[20] bekannt war, hätte sie - im Namen einer ebenso närrischen wie von der Logik geforderten Verordnung - die Leichenkeller nicht mit Zyklon B entwesen dürfen. Denn die Logik der Geschichte liegt auf einer höheren - und verborgenen - Etage. Hätte die SS Zyklon B zum Schutz des Personals (und zu ihrem eigenen) in den Krematorien eingesetzt, wäre dies, so wie die Krematorien anfangs geplant waren, nur einmal möglich gewesen. Ohne Entlüftung wäre das Gas in den Räumen verblieben. Es war also eine Entlüftung für die halb in der Erde gelegenen Räume notwendig. Und genau das belegt Pressac im einzelnen. Da er aber im voraus, und ohne jede Stützung durch seine umfangreichen Akten (130.000 Dokumente!) entschieden hat, daß in diesen Einrichtungen der Beweis für mörderische Absichten zu erblicken sei, gilt es, jede mögliche andere Interpretation beiseitezuschieben. Deshalb ist das Chlorwasser den beiden Paten vom Express auch so kostbar. Geweihtes Wasser für die Gläubigen.[21]

Die Wannsee-Konferenz wird von den flinken Federn ohne ein Blinzeln beerdigt: sie schlucken alles, was Pressac sagt, so wie sie vor 5 oder 10 Jahren genau das Gegenteil geschluckt haben. Etwas anderes ist auch nicht zu erwarten, akzeptieren sie doch auch die Idee, zwischen Ende Mai und Anfang Juni 1942 habe ein im Ursprung bislang nicht identifizierter »politischer Wille« in den [dank des Herrn Dipl.-Ing. Prüfer] in Auschwitz entwickelten technischen Neuerungen [sehr schlichter Natur, die technisch gesehen - Pressac sagt es - eher einen Rückschritt darstellen] das Mittel für eine industriemäßige Vernichtung erblickt. »Welch ein Glück!«, werden sich die hohen Nazis (Wer eigentlich? Himmler selbst?) gesagt haben, und dies dank dieses kleinen Ingenieurs, Vertreter einer Ofenbauerfirma, der für jeden verkauften Ofen Prozente bekam. Hoch lebe Prüfer, nun werden wir die Juden töten können. Auch einem nicht unmäßig kritischen Geist fällt es schwer, sich vorzustellen, daß ein »Völkermord« sich unter solchen Umständen vollzieht... Für die Historiker vom Express aber hat diese neue Wahrheit ebenso den Charakter einer Offenbarung wie die alte, und bereitet daher als Glaubensangelegenheit keine besonderen Schwierigkeiten.

Sie können somit die von Pressac vorgestellten Zahlenspielereien auch ehrlichen Herzens als »Berechnungen« auftischen. Man kommt von 5,5 Millionen Toten (der sowjetischen Zahl von 1945) auf etwa 500.000, ohne zu wissen warum. Conan der Barbar und Peschanski der Gemäßigte sehen zudem voraus, man werde auch die Zahlen der anderen Lager, ebenso wie die Sterblichkeit in den Ghettos, nach unten revidieren. (Haben sie etwa schon ein paar Zahlen im Ärmel?) Das aber habe im Grunde keine allzu große Bedeutung, fügen sie abschließend hinzu: »der Charakter der Endlösung bleibt unverändert«. Nach meiner persönlichen Kenntnis sind einzig die Dogmen von unveränderlicher Natur. Und selbst die...

Auf Seite 80 bringt der Express einen Aufsatz Bédaridas, des Schutzgewaltigen jenes Buches von Pressac (siehe Anm. 17). Bédarida gehört zu einer noch ungenügend erforschten Art von Riesenkraken, die, in der Kultur-Suppe schwimmend, sich mit hoher Geschwindigkeit auf alle Direktorenstühle zubewegen, an welchen sie sich mit ihren Saugnäpfen festhalten. Sich immer in Verteidigungsposition befindend, spritzt er mit Tinte nur so um sich, auf diese Weise die Umgebung vollkommen benebelnd. Als Autor eines bedeutsamen Büchleins über die »Vernichtungspolitik der Nazis« erkennt er mutig an, daß man zu diesem Gegenstand noch nicht »über alle notwendige Kenntnis verfügt«. Nachdem er Pressac als Mutanten akzeptiert hat (ist der doch »zum Historiker mutiert«, - was so nebenher beweist, daß Kraken keine Historiker sind), meint er, dieser sei zu einem »unangreifbaren, geradezu einzigartigen Fachmann« geworden. Angegriffen wird er gleichwohl, und keineswegs nur von den Revisionisten. Einzigartig ist er schon; - falls man die offizielle Geschichte, wie sie von all den Bédaridas und unter dem Eindruck der verschiedenen, gegen die Revisionisten verabschiedeten Gesetze, geschrieben wurde, für die einzige hält. Zu meinen, Pressac habe die Dokumente einer »unbarmherzigen kritischen Prüfung« unterzogen, kann den kundigen Leser nur herzlich lachen lassen. Eine Arbeit, die sich mit Konstruktionsplänen, Fragen der Entlüftung, der Heizung und anderen Problemen beschäftigt, mit denen jeder für einen öffentlichen Dienst arbeitende Ingenieur täglich zu tun hat, »erschreckend« zu nennen, scheint mir auf einen unmäßigen Hang zum Pathos bei den Kraken zu deuten, - es sei denn, mit dieser »erschreckenden Arbeit« wolle er insgeheim auch sagen: »die ohne Antwort bleibt«.

Wie kommt es, fragt sich der Saugnapf,[22] daß man sich derartigen Fragen nicht schon früher zugewandt hat? Er könnte die Wahrheit sagen: weil man auf Professor Faurisson nichts zu antworten wußte, nachdem man solange erklärt hatte, daß keine Antwort nötig sei. Aber nein, er bevorzugt die Erklärung, man habe sich um »Täter und Opfer« gekümmert. Wie aber erklärt er die allzu große Verzögerung (fünfzehn Jahre nach Faurisson)? Mit der Öffnung der Moskauer Archive. Reines Geschwätz: das fürchterliche, bereits alles enthaltende Medley Pressacs erschien 1989, also vor der Öffnung der russischen Archive. Der einzige Beitrag der 80.000 Dokumente Moskaus ist die Geschichte eines Apparates der Firma Siemens, der per Kurzwelle Läuse töten sollte, und in Auschwitz vermutlich erprobt worden ist (Pressac, S. 83 ff.). Das wußte man noch nicht. Wird dieses Gerät nun das umfangreiche Arsenal mythischer industrieller Einrichtungen vermehren, als da sind: die Anlagen zur Umwandlung von Juden in Seife, die Elektrobäder, die Vakuum- oder Dampfkammern, die Heizplatten, die Züge mit den Kalkwagen, usw.; alles Dinge, für die zahlreiche, genaue und übereinstimmende Zeugenaussagen vorliegen, und die gleichwohl dem Dunkel des Vergessens anheim gefallen sind, aus welchem sie nur das immense Talent eines Claude Lanzmann eines Tages noch zu ziehen vermöchte? Da dieser Kurzwellenentlausungsapparat nicht im Verdacht steht, Menschen getötet zu haben, sondern im Gegenteil dazu dienen sollte, auch jüdischen Menschen das Leben zu retten, wird er wohl unbekannt bleiben. Das sind also die Moskauer Errungenschaften, die vom KGB 45 Jahre lang verborgen gehalten wurden.

1979 fragte ich nach dem »Wie des Warum«.[23] Der Krake ist 1993 immer noch »auf der Suche nach dem Wie und dem Warum«. Die Historiker haben bislang kaum Fortschritte gemacht; wohl aber sind verschiedene Steine aus dem Weg geräumt, künstlich errichtete Hindernisse abgebaut worden. Noch immer ist der Weg nicht frei, - wird es eines Tages aber sein müssen.

Für den Nouvel Observateur berichtet Claude Weill. Dieser muß über geheime Informationen verfügen, denn er schreibt:

»Die Existenz der Gaskammern und die Realität der Politik der Vernichtung gegenüber den Juden sind im Überfluß bewiesen worden. Die Beweise stehen jedermann, der lesen kann, und willens ist, die Augen zu öffnen, zur Verfügung.«

Ich bitte Herrn Weill also sehr herzlich, mir die Augen öffnen zu wollen, indem er diese Beweise veröffentlicht, was die diversen Nachtarbeiten Pressacs dann auch überflüssig machen würde, so daß ein auf seinen Beruf konzentrierter Pharmazeut sich wieder stärker dem Wohl der Kranken widmen kann.

Der Journalist erzählt seine kleine Geschichte von bekannter Sorte. Er folgt Pressac und seinen technischen Überlegungen. Zum Schluß hin aber bricht er zusammen. Diese Diskussionen seien abscheulich; ob Pressac sich denn dessen bewußt sei. Wer die wissenschaftliche Diskussion behindere, meint unser Gelehrter, »bereitet das Bett für Faurisson«. Der Journalist ist gewarnt. Ein wenig niedergeschlagen sagt er sich, die Geschichtsschreibung werde das Thema meistern, die richtige Zeit dafür sei gekommen, »die Shoah wird dem grausamen Blick der Historiker nicht entgehen«. Ich wußte bislang nicht, daß die Historiker einen grausamen Blick haben. Grausam für wen? Der Satz hat es in sich, habe ich das Gefühl. Der Böse aber ist Pressac: er nimmt sich die von verschiedenen Seiten genannten Todeszahlen von Auschwitz vor und nennt diese unsanfterweise »Enten«. Vor solchen auf Tafeln geschriebenen »Enten« haben sich Willy Brandt, der Papst und viele andere verneigt. Zieht man in Betracht, auf welche Weise diese offiziellen Zahlen zustande kamen, so muß man sich fragen, warum das, was Pressac heute liefert, nicht demnächst ebenfalls zur Kategorie »Ente« gehören sollte.

Zum Schluß hin läßt der Journalist ein gewisses Mißtrauen erkennen. Er empfindet verschiedene Folgerungen als etwas »schnell«, hält die Begründung für die Beseitigung der Wannsee-Konferenz für »nicht vollkommen überzeugend«, meint, daß Pressac bei der Reduzierung der Opferzahlen »ein wenig unklug vorgegangen« sei, und die »Debatte nicht abgeschlossen habe«. Alles in allem ist der Observateur nur zur Hälfte bédarisiert.

Aber man hält sich bedeckt. Und gibt den Großmeistern der Offiziellen Wahrheit das Wort, allen voran Pierre Vidal-Naquet, dem Erfinder von Pressac. Wie gewöhnlich stellt dieser sogleich klar, daß er nicht lesen kann: er meint, die von Pressac vorgenommene »Präzisierung« hinsichtlich der »ersten Vergasungen« stünde mit den sowjetischen Archiven in Zusammenhang. Das ist ganz offensichtlich falsch;[24] diese Korrekturen sind rein Pressac'sch, was zu erklären mir der Herr Doktor gestatten wird: Pressac entnimmt den Archiven, daß die Gebäude zu dem bislang gültigen Datum (dem Gegenstand der Erinnerung) noch nicht fertig waren. Er wartet also den Tag der Fertigstellung des Krematoriums ab, und bezieht sich auf das »Kalendarium« (ein weiterer Gegenstand der Erinnerung), um jenen Tag der ersten Vergasungen nach diesem (laut Pressac nur beschränkt wahrhaftigen) Werk zu »präzisieren«. In den Moskauer Archiven findet sich darüber offenbar kein Wort. Was die Berechnungen Pressacs betrifft, so urteilt Hochwürden Schnellrichter ein wenig herum, es sei »nicht so einfach«, »wahrscheinlich«, ... Der Ritter von der Ehrenlegion zieht die Zahlen Hilbergs vor, die ihm »ziemlich solide« vorkommen. Unser griechischer Held zeigt weiche Knie. Er schlägt mehr Haken als üblich. Er muß sich langsam fragen, ob es richtig war, Pressac zu fördern, der inzwischen auf eigenen Bahnen schwebt und eine Bruchlandung riskiert.

Danach ist Hilberg dran. Der Polit-Prof. hat seit seinem ersten Auftritt im Prozeß gegen Ernst Zündel in Toronto mächtig dazugelernt. Er ziert sich, der Raul. Er nuschelt etwas, Pressac wäre kein Geschichtsschreiber, er spräche nicht »das letzte Wort zu dem Gegenstand«.[25] Er knirscht etwas von »wichtigen Recherchen, die noch zu leisten« seien, daß es »noch besser die deutschen Quellen zu studieren« gelte, daß die Sache »noch lange nicht erschöpft« wäre. Man fragt sich, was ihm schiefgelaufen ist, dem Raul, seit 1948, daß er nun so in der Tinte sitzt. Er muß schon ziemlich faul gewesen sein, so viel den anderen zu überlassen. Vielleicht ist er aber auch großzügig, knabbert er absichtlich nur herum, um den anderen auch etwas Brot zu lassen. Aber er sagt schon etwas sehr Seltsames: da man keinen Befehl von Hitler gefunden hat, wird man auch keinen von Himmler mehr finden. Himmler und Höß hätten sich »während der fraglichen Zeit« nicht einmal gesehen. Was heißt das? Hätte Höß demnach alles ganz alleine entschieden? Oder war der etwa auch nicht informiert? Es gibt auch keinen Befehl von Höß an seine Untergebenen. Eine merkwürdige Geschichte. Man sollte Vidal-Naquet fragen. In solchen komplizierten Fällen weiß Dottore immer Rat.

Das Meisterstück aber liefert, wie immer, Lanzmann. Von brutaler Radikalität, stumpfsinnig, einer jeden Argumentation unzugänglich, aber mit dem Instinkt eines Tieres ausgestattet. Bei seinem Film auf nahezu jeden Quellennachweis zu verzichten, das ist schon ein beachtenswerte Eingebung. Gewiß kennt er die Quellen, wenn er auch nicht versteht, was dort geschrieben steht, aber er verfügt über ein fotografisches Gedächtnis und sagt mit vollem Recht, daß der ganze Pressac schon längst bekannt sei. Und verteidigt seinen hohlen Hamburger geradezu mit der Wortgewalt Célines: Gefühl, nichts anderes (»Ich ziehe die Tränen des Friseurs von Treblinka dem Dokument Pressacs über die Gasprüfer vor«). Lanzmann gehört zur Moderne, vom Scheitel bis zur Sohle; die Droge an Stelle des Denkens, Wühlen im Makabren: Pressac aber »vertreibt das Gefühl, das Leiden, den Tod«. Er tritt Vidal-Naquet mit Macht ans Schienbein, der ihm Jahre hindurch regelmäßig die Stiefel geleckt hat:

»Das Traurige aber ist, daß ein Geschichtsschreiber, der sich in seinem Sein gewiß von der Wahrhaftigkeit, von der Kraft, der Deutlichkeit der Zeugenaussagen auf die Probe gestellt sieht, nicht zögert, sich für eine derartige Perversität zu verbürgen. Ein Historiker kapituliert vor einem Apotheker.[...]«

Die beiden Männer verbindet ein Sado-Maso-Drama; ob damit schon tiefere Schichten des »Seins« berührt sind, da bin ich nicht sicher.

Lanzmann hat Pressac erschnüffelt. Er versteht besser als die ganze universitäre und journalistische Traube, die sich in der Hoffnung an Pressac hängt, mit dem Revisionismus abrechnen zu können:

»[...] Faurisson ist der einzige Gesprächspartner, der in den Augen dieses Konvertiten zählt. Um von diesem erhört zu werden, muß er dessen Sprache sprechen, dessen Fragestellung zu der seinen machen, diese erschöpfend beantworten und den entscheidenden Beweis liefern, die ultima ratio, die seinen ehemaligen Meister überzeugen wird [...] Selbst in der Zurückweisung legitimiert man damit die Argumente der Revisionisten, weil man ihre Fragestellung akzeptiert.«

Man kann den armen Mann schon verstehen, er muß sich schon ein bißchen einsam vorkommen, mit seinen Filmrollen unter dem Arm. Er hätte noch etwas warten und seinen Film in Anbetracht der Fragestellung Faurissons vollständig umarbeiten sollen. Es sind nicht die allerorten verfolgten Revisionisten, die das Terrain besetzen, es sind die Bruchstücke in sich zusammenstürzender Gläubigkeit, deren professioneller Vorsänger, deren Kantor zu später Stunde Lanzmann war. Es war nicht Faurissons Frage, nicht sie allein, die diese Implosion verursacht hat. Die Zeit selbst zerstört die Mythen: fugit irreparabile tempus. Denn die modernen Zeiten benötigen moderne Mythen. Lanzmann ist dabei, in Staub zu zerfallen. Bald wird nicht viel mehr als ein vom Wind zerfetztes Schweißtuch von ihm übrigbleiben. Jack Lang[26] wird an der Stelle, da es gefunden wurde, dann jedes Jahr Feldblumen niederlegen.

Zu dem Artikel in Libération ist nicht viel zu sagen. Philippe Rochette, der ihn unterzeichnet hat, hält sich auf dem Trockenen. Er bleibt bei dem Spruch Vidal-Naquets von 1979: das, was geschah, war technisch möglich, denn es ist geschehen. Dieser aber hatte sich mit diesen Worten kräftig auf die Zunge gebissen.[27] Den romanesken Teil des Pressac'schen Buches schluckt er perfekt runter: die Techniker, die Meister der kleinen am Bau des Krematoriums beteiligten Privatfirmen, »haben gesehen«. Dieser unbestimmte Gebrauch des Verbes »sehen« verdient nähere Betrachtung. In diesen drei Worten »sie haben gesehen« ist die ganze Geschichte enthalten, einschließlich der Gründe für deren Zurückweisung. Dabei handelt es sich, wie man sehen wird, um eine reine Spekulation Pressacs. Nichts in den Dokumenten läßt den Schluß zu, jemand hätte etwas »gesehen«, was auch immer unter solch knapper Formulierung zu verstehen ist. In dem Interview, das Pressac Rochette gibt, tritt er diesem weniger unter dem Tisch auf den Fuß, sondern sagt in aller Ruhe:

»Ich war ein Vertrauter Faurissons, der mich Ende der siebziger Jahre ziemlich gut in die Argumentation der Leugner eingeführt hat.«

Später kommt er auf eine wohl kaum ernstzunehmende Passage aus seinem Buch zurück, in welcher er meint: die einzigen Mitglieder der Bauleitung, die nach dem Krieg vor Gericht gestellt wurden - Dejaco und Ertl in Österreich 1972 -, hat man freigesprochen, da die Österreicher weder einen Bauplan noch eine technische Zeichnung lesen konnten. Und dabei haben dem Gericht Dokumente aus den Moskauer Archiven vorgelegen. Was sind diese Österreicher doch für Schwachköpfe, daß sie - ohne es zu ahnen - auf das Licht aus der Apotheke von Ville-du-Bois warten mußten. Übrigens scheint Pressac sich in diesem Zusammenhang den Prozeß gegen den Ingenieur Prüfer von der Firma Topf & Söhne, der die Krematorien entworfen hatte und im April 1948 vor einem sowjetischen Gericht stand, nicht näher angesehen zu haben. Eigentlich müßten sich in den sowjetischen Archiven die Protokolle der Verhöre befinden. Die Sowjets, zu dieser Zeit wahrscheinlich ebensolche Dummköpfe wie die Österreicher, sind nicht darauf gekommen, daß Prüfer der Motor der Vernichtung war, wie Pressac es vorschlägt. Also, wer schaut in Moskau noch mal nach?

Den Artikel von Le Monde habe ich zum Nachtisch aufgehoben. Sein Autor, Laurent Greilsamer, verfolgt die Saga der gerichtlichen Auseinandersetzungen seit langem mit gleichbleibendem Haß. Es ist daher - auch im Zusammenhang mit dem in Gang gekommenen großen Kleiderwechsel - interessant zu bemerken, daß er an Pressac eben das lobt, was er Faurisson vorgeworfen: daß dieser ein Amateurforscher sei; daß er eine Art Pionier sei, indem er angefangen habe, die Tatwaffe zu untersuchen; daß er sich für alles und jedes interessiere, sich mit Ruinen und Dokumenten befasse und den Zeugnissen der Überlebenden bewußt den Rücken kehre. Für »elementar« hält er das. Dieses »Elementare« ist etliche Tonnen Gerichtsakten schwer! Und die Schlußfolgerungen Pressacs (achten wir auf die Wortwahl) »revidieren im ehrenhaften Sinn des Wortes das, woran die Gemeinde der Geschichtsschreiber bislang glaubte«. Welch ein Glück, daß solch eine ehrenhafte Revision gelungen ist! Kein Versteckspiel, keine Sklavensprache; alle Welt soll es ruhig wissen: Glasnost ist angesagt. Warum aber, fragt ängstlich unser Tartüff im Dienst der Perestrojka, warum hat man von all dem nicht schon früher gesprochen? »Aus Angst, einen Skandal zu provozieren«. Und Pressac ergänzt:

»Weil die Menschen noch nicht reif waren. Der Gegenstand war zu sensibel und die Berliner Mauer noch nicht gefallen. Vergessen Sie nicht, daß die Geschichte von Auschwitz in Polen von den Kommunisten geschrieben wurde und in Frankreich das Gesetz Gayssot die freie Meinungsäußerung verbietet.«

Die Revision mußte also in »homöopathischer Dosierung« verabreicht werden. Wie man gesehen hat, verabscheut Doktor Pressac aber auch die Schulmedizin nicht: auf eine gute Dosis Revision folgen intravenöse Injektionen von Sedativa aus dem »Kalendarium Polonorum« - um die Schmerzen der Erinnerung, der diverse Illusionen amputiert wurden, zu lindern. Sich aber zu fragen, was Pressac vielleicht schriebe, gäbe es das Gesetz Gayssot nicht, ist der Journalist nicht helle genug.

Dafür bläht Pressac sich Le Monde gegenüber um so mehr auf. Da es unter seiner Würde ist, die Suppe auszulöffeln, spuckt er hinein:

»Die Forscher haben alle geschwiegen, um ihre kostbaren Sessel nicht zu gefährden [der Krake wird unruhig!]. Die Revisionisten nutzten die universitäre Feigheit zum Leugnen. Ich selbst habe eine Art Basisarbeit geleistet. Jeder mit einem gesunden Menschenverstand Ausgestattete kann das tun.«

Respekt!

Höchst vorsichtig geht Pressac mit den falschen Zeugen um:

»Man sollte nicht sagen, die Leute hätten gelogen. Es gilt, ein bestimmtes persönliches Gefühlsmoment zu berücksichtigen.«

So spricht Tartüff; der genau weiß, daß bewußt, organisiert, bezahlt gelogen wurde, was mit einem »Gefühlsmoment« - welches für sich genommen, wie bei jeder Zeugenaussage zu welchem Gegenstand auch immer, gewiß existiert - nichts zu tun hat.

Wenn Lanzmann recht hat, hat er recht. Ohne Faurisson gäbe es keinen Pressac. Pressac besteht zu 90% aus Faurisson, mit gelegentlichen, leicht identifizierbaren Injektionen Vidal-Naquet. Und die gesamte Presse folgt im Gänsemarsch. Fragt sich nur, wer der Scheinheiligere ist: Pressac, der - mit dem Rückgriff auf Höß und dem »Kalendarium« - den Ast, auf dem er sitzt, schon zur Hälfte durchgesägt hat; oder die Journalisten, die Pressac dasselbe freudig und dankbar abnehmen, was sie bei Faurisson, als er es ihnen darlegte, zurückwiesen?

Aber vielleicht gibt es doch noch eine Lösung. Eine Bemerkung Bédaridas im Express weist den Weg aus dem Dilemma. Er meint, Pressac sei zunächst der Anziehungskraft der revisionistischen Arbeitsweise erlegen, habe dann aber dieser kleinen Bande (diese als »niederträchtig« zu bezeichnen, wie der vorzügliche Doktissimus es tut, unterläßt er) »auf dem Weg der Verleugnung« die Gefolgschaft verweigert. Der unglückliche Umberto Eco hat sich von Roger-Pol Droit, einem Kommissar der ideologischen Brigade bei Le Monde, gefangennehmen lassen; er erklärt, der Revisionismus sei gut, sei natürlich, man könne in aller Ruhe über die Dokumente diskutieren, nur möge man doch nicht in die Negation verfallen und alles den Juden während des Zweiten Weltkrieges zufügte Leid leugnen wollen.

Womit also eine Art Scheidelinie gezogen wäre zwischen dem guten und richtigen Revisionismus, wie Pressac und der ganze Haufen hinter ihm, ihn vorführen - die sich der Arbeitsweise der Revisionisten beugen müssen, weil dies ganz einfach das übliche Vorgehen wissenschaftlicher Geschichtsschreibung ist -, und den Leugnern, den Negationisten (ein hierfür neu erfundener Begriff), für die das letzte Tabu, die Gaskammer, reserviert ist, (verziert und vermehrt mit phantasierten Leugnungen, wie etwa der Konzentrationslager, der Deportationen, der Eisenbahnen usw.). So daß der Revisionismus schließlich, zitierfähig geworden, seinen teuflischen Charakter verliert und die Existenz der Gaskammern Pressac'sch beweisen darf (mittels der »bavures«[28]). Die Opferzahlen können dann noch weiter gesenkt werden, ohne daß sich am Wesen der Shoah etwas ändert. Die Revisionisten sähen sich ihrer wissenschaftlichen Waffen beraubt, deren sich jetzt ihre Gegner bedienen, und würden ins Nichts des Gesetzes Gayssot [bzw. des 21. Strafrechtsänderungsgesetzes[29]] zurückgestoßen. Und die zu 90% verwandelten Kraken können, frisch eingekleidet wie die Schulanfänger, von ihren fetten Pfründen aus weiterhin zur Akademie Française oder zum Panthéon hinüberschielen.[30]


Notes

  1. Der Autor dieser Aufsatzes, geboren 1942, arbeitet als Soziologe über Indochina. Während des Algerienkrieges kam er in Berührung mit der Politik; seither beteiligte er sich an zahlreichen Aktionen der antikolonialistischen Bewegung. Er hat zu verschiedenen Themen, die Afrika, den Mittleren Osten und Asien berühren, Bücher und Aufsätze veröffentlicht.
  2. J.-C. Pressac, Les Crématoires d'Auschwitz. La Machinerie du meurtre de masse, CNRS Éditions, Paris 1993.
  3. J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers, Beate-Klarsfeld-Foundation, New York 1989.
  4. 30. Sept. - 6. Okt. 1993.
  5. D. Czech, Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939 - 1945, Rowohlt, Reinbeck 1989.
  6. »De nos jours [...] durée anormale de ce gazage«.
  7. »Courant mai [...] sans plus de précision«.
  8. Besonders: P. Rassinier, Das Drama der Juden Europas, Pfeiffer, Hannover 1965.
  9. J.-C. Pressac, Die Krematorien von Auschwitz. Die Technik des Massenmordes, Piper, München 1994, S. 202.
  10. Von thanatos, griechisch, der Tod; hier: die Kremierungstechnologie als Todestechnologie verstanden.
  11. S. Thion, Vérité historique ou vérité politique?, La Vielle Taupe, Paris 1980; ders. (dt.): Historische Wahrheit oder Politische Wahrheit?, Verlag der Freunde, Postfach 217, 10182 Berlin, 1994; ders., Une Allumette sur la banquise, Le Temps Irréparable, 1993.
  12. 23 - 29 September 1993, 11 Seiten Text und Fotos.
  13. Von Orwell klassisch übersetzt mit »Die Lüge«.
  14. 30. Sept. - 6. Okt. 1993. Acht Seiten werden dieser Reise gewidmet, die unwillkürlich an die von irgendeinem bekannten Archäologen geleiteten Kreuzfahrten im Mittelmeer denken läßt. Die Situation kommt durchaus ins Bewußtsein: »Pressac rennt durch die Ruinen wie ein englischer Archäologe durch die Anlage von Ephesos« (S. 92). Das Bild ist interessant: in der Tat haben die Engländer 1863 als erste in Ephesos gegraben. Wir befinden uns also in einer Lage, die an das 19. Jahrhundert erinnert, an den Beginn der wissenschaftlichen Archeologie, an die Entdeckung bzw. Wiederentdeckung der großen Zivilisationen der Vergangenheit. Pressac enthüllt uns im Gewand eines Edelmannes aus einem Roman von Jules Verne eine unbekannte Welt. All unser bisheriges Wissen wird durch diesen Triumphritt des Entdeckers entwertet, der, indem er uns die Vergangenheit entschleiert, fast einem Weltschöpfer gleicht.
  15. 24. September 1993, S. 28 - 29.
  16. 26. - 27. September 1993, S. 7.
  17. Das Buch ist unter der Schirmherrschaft Bédaridas im Verlag CNRS (Centre National de la Recherche Scientifique) erschienen. Das Kardinalprinzip in der Welt der Pariser literarischen Kritik ist bekannt: »Am besten wird man von sich selbst bedient - aber es darf nicht herauskommen«.
  18. Den grundlegensten Prinzipien in der Geschichte der Ideen, so wie sie an der Sorbonne gelehrt werden, muß unbedingt das Lebenslicht ausgeblasen werden. So schaut die intellektuelle Ehre der bédaristischen Fußstapfentreter aus.
  19. Angabe nach Pressac, der auf Seite 145 seines Buches die entsprechenden Zahlen der Sterbebücher von Auschwitz wiedergibt.
  20. Wo in diesen 130.000 Dokumenten sind die Rechnungen für das Chlorwasser?
  21. Man hat von den berühmten Puderkammern bei Dr. Kahn gehört. Nun erhalten wir eine Chlorwasser-Läusetod-Garantie von Pressac.
  22. Derzeit im Sessel des Generalsekretärs beim Internationalen Komitee der Geschichtswissenschaft.
  23. Erster Teil des Buches Historische Wahrheit oder Politische Wahrheit, Anm. 11.
  24. Wie man seit dem unvergänglichen Aufsatz Vidal-Naquets 1980 im Esprit, Sept. 1980, Nr. 8, weiß, ist jemand, der irgendetwas Falsches schreibt, ein Fälscher.
  25. Die Presse bezeichnet ihn gleichwohl als Historiker, dies aber ist nicht sein Beruf. Auch er ist ein »Amateur«.
  26. 10 Jahre lang Minister für Kultur in der sozialistischen Regierung Frankreichs.
  27. In der Zeitschrift L'Histoire vom Juni 1992, S. 51, heißt es in Bezug auf diese berühmte Sentenz: »Wir hatten, zumindest in der Form, gewiß Unrecht; selbst wenn unsere Frage im Grunde richtig war.«
  28. Wörtlich übersetzt: »Gußnähte«; sinngemäß: Schnitzer, Patzer.
  29. Hellmut Diwald hat in seinem Buch Deutschland einig Vaterland, Berlin 1990, S. 70, zur entsprechenden Gesetzgebung der BRD folgendes bemerkt: »Nun gibt es aus der Geschichte des Dritten Reiches keinen Fragenkomplex, der sich einer genauen Erforschung durch deutsche Historiker so heillos entzieht wie das grauenhafte Schicksal der Juden während des Krieges. Das Bonner Grundgesetz garantiert zwar die Freiheit von Forschung und Wissenschaft. Eine Reihe von einschlägigen Urteilen und Verurteilungen empfiehlt jedoch, sich weder dem Risiko auszusetzen, durch eine entsprechende Themenwahl die Freiheit jener Grundrechte einer Probe aufs Exempel zu unterziehen, noch sich dem nicht minder großen Risiko auszusetzen, auch nur andeutungsweise gegen das 21. Strafrechts-Änderungs-Gesetz vom 13. Juni 1985 zu verstoßen und eine Anklage wegen Beleidigung zu provozieren. Das bedeutet Tabuisierung gerade jenes Fragenkomplexes der Zeitgeschichtsforschung, der wie kein anderer im Zusammenhang mit der insgeheim nach wie vor aufrecht erhaltenen These von der Kollektivschuld das deutsche Volk belastet wie kein anderes Ereignis.«
  30. Ob diese Besprechung bereits unter das Gesetz Fabius-Gayssot fällt, weiß ich nicht; sicher ist nur, daß dessen Wirksamkeit vom Buch Pressacs erheblich beeinträchtigt ist. Ebenso von einer jeden Besprechung dieses Buches. Sollte es zu Anzeige und Gerichtsverfahren kommen, gäbe es auf der Anklagebank jedenfalls eine Menge Wäsche zu waschen.

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