Pressac und die deutsche Öffentlichkeit

Manfred Köhler[1]

1. Der Anspruch

1.1. Die Medien

Die angesehenste Zeitung des deutschen Sprachraumes und eine der angesehensten Zeitungen der Welt überhaupt, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, veröffentlichte am 14.10.1993 auf Seite 37 einen Artikel von Joseph Hanimann unter dem Titel »Ziffernsprache des Ungeheuerlichen«. Darin berichtete Hanimann von dem Ende September 1993 im Verlag des Centre National de la Recherche Scientifique herausgegebenen Buches des französischen Apothekers Jean-Claude Pressac über die Krematorien von Auschwitz, die die Technik für den Massenmord an ungezählten Menschen, vor allem jüdischen Glaubens, beherbergt haben sollen.[2] Hanimann schreibt:

»Das mit Bauplänen und Fotomaterial versehene Buch liest sich wie ein Ingenieurshandbuch, in dem technische Materialwerte, wie Verbrennungskapazität und Brennstoffverbrauch pro Leiche, kalt das Ungeheuerliche dokumentieren [...]

Daß damit die technischen Details erstmals historisch exakt analysiert werden, ist der positive Ertrag dieser Publikation.«

Erstaunt stellt der Laie zunächst fest, daß das angeblich größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte erstmals knapp 50 Jahre später einer technisch-kriminologischen Untersuchung unterzogen worden sein soll. Jeder Autounfall und jeder einfache Mord wird für gewöhnlich sofort nach dessen Bekanntwerden eingehend auch durch technische und kriminologische Sachverständige untersucht. Warum zögerte man hier 50 Jahre lang? Die Antwort deutet Hanimann selbst an:

»Der Autor, der sich in die eiskalte Logik der Techniker hineindenkt und in ihrer hohlen Sprache der Zahlenwerte den Völkermord abhandelt, tritt den damaligen Technikern und den heutigen Revisionisten auf ihrem eigenen Feld entgegen. Dadurch entsteht aber zugleich der seltsame Eindruck, als schriebe in Spiegelschrift ein anderer mit: Pressacs früherer Meister, der Revisionist Faurisson. In dem Maße, wie Pressac seine ganze Argumentationskraft aufbietet, um das doch Offensichtliche, die Realität der Gaskammern, zu beweisen, scheint der ursprüngliche Zweifel bei ihm noch nachzuwirken.«

Es gibt also Leute, die den Massenmord in Auschwitz anhand technischer und naturwissenschaftlicher Argumente bestreiten. Denen mußte endlich durch eine wissenschaftlich-technische Expertise das Handwerk gelegt werden. Doch wieder wundert sich der Laie: Wurden die Zweifler nicht bisher als Verrückte hingestellt, deren Argumente ohnehin nicht ernstzunehmen seien? Warum muß man sich auf einmal doch mit ihnen auseinandersetzen und ein solch schweres Geschütz, wie es eine Publikation der höchsten wissenschaftlichen Institution Frankreichs darstellt, auffahren? Sind die Einwände der Leugner also doch diskussionswürdig? Sind ihre Argumente doch schlagkräftig? Warum aber wurden sie dann den deutschen Lesern der angeblich seriösesten Zeitung Deutschlands vorenthalten? Warum erfährt man von Ihnen erst durch eine vermeintliche Widerlegung? Warum verheimlicht die FAZ ihren Lesern die Meinung der Leugner, die doch die eigentliche Ursache für Pressacs Buch sind? Traut die FAZ ihren Lesern nicht zu, zwischen richtigen und falschen Beweisführungen unterscheiden zu können? Stecken hinter der FAZ doch keine klugen Köpfe? Oder fürchtet die Chefredaktion, daß die Leser entdecken könnten, daß die Macher ihrer Zeitung keine klugen Köpfe sind? Fragen über Fragen...

Offensichtlich zeigte die Kritik vieler Leser an dieser einseitigen Darstellung des Themas bei Joseph Hanimann eine gewisse Wirkung, denn in seiner Besprechung der deutschen Ausgabe von Pressacs Buch[3] am 16.8.1994 unter dem Titel »Teuflische Details« (S. 8) findet man neben einer im wesentlichen inhaltlichen Wiederholung seiner früheren Aussagen auch folgende Passagen:

»Der Deutsche Germar Rudolf bezeichnet Pressacs Unterlagen kurzerhand als Fälschung; Faurisson hat inzwischen im Selbstverlag eine "Antwort auf Jean-Claude Pressac" veröffentlicht. Er begrüßt darin kontextentstellend, was er als "Zugeständnisse" Pressacs an den revisionistischen Standpunkt betrachtet: daß die Opferzahl unter den bisherigen Schätzungen liege, daß auf der Wannseekonferenz keine Massenvernichtung beschlossen, daß Zyklon B zur Bekämpfung von Typhus eingesetzt worden sei, daß die Krematorien von Birkenau ursprünglich ohne Gaskammern geplant worden wären. Die Dürftigkeit der Einwände gegen Pressac, die Faurisson dann vorbringt, belegen jedoch klar seine Verlegenheit.«

Weitere Rezensionen werteten das neue Pressac-Buch ähnlich. So schrieb z.B. Greta Maiello unter dem Titel »Neue Erkenntnisse über Auschwitz« in Die Welt vom 27.9.1993:

»Das Ergebnis ist eine umfassende und betont sachliche Studie.«

Gezeichnet mit dem Kürzel »ell« unter dem Titel »Die Maschinerie des Todes« schrieb die Welt am Sonntag am 3.10.1993:

»[...] bis in die kleinsten technischen Details beschrieben wird, wie die Menschen in den Konzentrationslagern umgebracht wurden.«

Peter Hillebrand von der Berliner TAZ meinte unter der Überschrift »Die Gaskammer-Erbauer von Auschwitz« am 21.3.1994 über die deutsche Ausgabe von Pressacs Buch:

»Er [Pressac] konnte nun anhand technischer Unterlagen die Existenz und den Betrieb der Gaskammern bestätigen [...] In seinem in Kürze auch in deutsch erscheinenden Buch beschrieb er mit beklemmender, eiskalter Sachlichkeit die Arbeiten der Monteure, Bauleiter und Ingenieure. Gerade die akribische Beschreibung von technischen Details, aufschlußreichen Planänderungen, Pfusch und Schlamperei [...] vermittelt die unfaßbare Skrupellosigkeit der Erbauer dieser Menschenvernichtungsanlage.«

Burkhard Müller-Ullrich begleitete ein Interview mit Pressac unter dem Titel »Die Technik des Massenmordes« im Focus, Nr. 17 (S. 116ff.) vom 25.4.1994 mit folgenden Kommentaren:

»Was bislang fehlte, sind Beweise für die technische Durchführung des Massenmordes. Genau an diesem Punkt haken die "Revisionisten" ein, eine Internationale von Privathistorikern, zumeist bekennenden Nationalsozialisten, die das Verbrechen leugnen oder "kleinrechnen" wollen.[...] Ein Verdienst von Pressac ist jedoch, mit seinem Buch allen Einwänden der Revisionisten und "Auschwitz-Leugner" die Basis entzogen zu haben, wenn sie denn je eine hatten.[...] Somit ahnte Nolte noch nichts von der unbestreitbar schlüssigen Widerlegung, mit der Pressac vor allem die Hauptthese der Auschwitz-Leugner erledigt hat, daß nämlich eine Massenvergasung von vielen Tausenden Menschen an einem Tag in einem einzigen Lager technisch unmöglich gewesen sei.«

Harald Eggebrecht führte unter der Schlagzeile »Die Sprache des Unfaßbaren« in der Süddeutsche Zeitung am 29.4.1994 aus:

»[...]vor allem seit dem brutalen Auftreten von Neonazis und ihrem frechen Leugnen der Judenvernichtung in den Gaskammern von Auschwitz, unterfüttert mit pseudowissenschaftlichen Thesen, die die Mordmaschinerie aus sogenannten technischen Gründen für unmöglich halten wollen, seitdem also scheint es, als müsse Auschwitz neu bewiesen werden.[...] Nur in wenigen Zeilen dieser um extrem sorgfältige Aufarbeitung aller Dokumente bemühten Dokumentation packt auch Pressac das Grausen.[...] Wie schon gesagt, dieses Buch ist keine Sensation, dies ist kein Beweisstück der Verteidigung gegen den Angriff der Unbelehrbaren, der Frechen, der Zyniker und professoralen Relativierer à la Ernst Nolte, es sei denn, man wollte deren Äußerungen und Elaborate ernst nehmen im Sinne wissenschaftlicher Diskussion. Wer das tut, ist auf dem besten Weg zur "Auschwitzlüge" und zur Akzeptanz der NS-Zeit als integrierbarer Epoche.«

Ebenso deutlich wurde der in der Regionalzeitung Stuttgarter Nachrichten schreibende Manfred Kriener am 18.6.1994, als er Pressacs Meisterwerk unter der Überschrift »Die Technik des Massenmordes« besprach:

»Pressac hat über die Technik geschrieben, aber kein technisches Buch. Der[4] Schatten der Leichenberge und das Leid der Opfer sind immer präsent. [...] Seine Bücher wurden Teil jenes Materials, das Auschwitz heute zum "bestdokumentierten Tötungsgeschehen des bisherigen Menschengeschichte" machen.[...] Die Hoffnung, daß Pressac als ehemaliger "Revisionist" seine früheren Gesinnungsgenossen vom Gegenteil überzeugen könnte, ist sicher illusorisch. Solche Bücher lesen immer die Falschen.[...] Diese Massenvernichtung und ihre praktisch technische Umsetzung ganz zu begreifen - dazu leistet Pressac einen wertvollen Beitrag.«

Halten wir also fest: Die Printmedien präsentieren uns das Werk von Pressac als eine technisch orientierte, wenn auch nicht im rein Technischen verbleibende Studie auf hohem wissenschaftlichen Niveau, das angelegt war und dazu geeignet ist, die angeblich pseudowissenschaftlichen Argumente der vermeintlich ignoranten und neonazistischen Revisionisten bzw. Auschwitz-Leugner zu widerlegen.[5]

1.2. Die Justiz

Die Strafjustiz in Deutschland verweigert jedem Angeklagten, dem vorgeworfen wird, den Holocaust in Teilen oder gänzlich öffentlich geleugnet zu haben, für seine Ansicht Beweise vorzubringen. Sie stützt sich dabei auf den § 244 Absatz III Satz 2 der Strafprozeßordnung, der ausführt, daß ein Beweis nicht erhoben werden muß, wenn eine Sache offenkundig wahr ist. Unsere Justiz geht seit den Nürnberger Prozessen 1946 davon aus, daß der Holocaust genauso offenkundig ist wie die Tatsache, daß die Erde sich um die Sonne dreht. Die Offenkundigkeit kann jedoch durch zwei Dinge aufgehoben werden: Erstens durch eine Diskussion innerhalb seriöser wissenschaftlicher Kreise und zweitens dadurch, daß der Angeklagte dem Gericht neue Beweise vorlegt, die allen bisher vorgebrachten Beweisen überlegen sind. So wäre zum Beispiel ein technisch-naturwissenschaftliches Gutachten allen bisherigen Beweisen überlegen, da bisher lediglich Zeugenaussagen und Dokumente vorgebracht wurden, die in ihrer Beweiskraft der von Sachgutachten unterlegen sind. Nun gibt es seit einiger Zeit im wesentlichen zwei Sachgutachten, die immer wieder von der Verteidigung als Beweise für die Richtigkeit der Thesen ihrer Mandanten vorgebracht werden, nämlich den Leuchter-Report[6] sowie das Rudolf-Gutachten[7]. Als diese beiden Gutachten jüngst in einem Strafprozeß vorgebracht wurden, lehnte das Gericht diese Beweismittel ab, da sie nicht nur ungeeignet seien, in der »seriösen historischen Forschung« für »Zweifel« zu sorgen, sondern auch, weil es sich dabei nicht um neue und allen bisher vorgelegten Beweisen überlegene Beweismittel handele. Konkret führte das Oberlandesgericht Celle aus:[8]

»Die Beweisanträge stützen sich im wesentlichen auf Untersuchungen des Diplom-Chemikers Rudolph[9] und den sog. "Leuchter-Bericht"des Amerikaners Frederick A. Leuchter. [...] Zur Reaktion in der Fachdiskussion wird lediglich darauf hingewiesen, daß der "Leuchter-Bericht"Kritik hervorgerufen habe und daß von dem französischen Pharmakologen und Toxikologen Pressal[10] sowie dem Sozialoberrat a.D. Wegner Gutachten erstellt worden seien, die zu einem gegenteiligen Ergebnis gekommen seien. Damit wird weder mit Tatsachen belegt, daß die vorgetragenen neuen Erkenntnisse in der Fachwelt zu einer zu Zweifeln über den Grundkonsens berechtigten Diskussion geführt haben, noch, aus welchem Grund die angebotenen Beweismittel den bereits vorliegenden Gegengutachten überlegen sind.«

Der mittlerweile an die 90 Jahre alte Sozialoberrat Wegner hat sich mit seinem Artikel,[11] der wohl niemals den Normen eines Sachgutachtens auch nur nahe kommt, mächtig blamiert, da er weder für chemische, toxikologische noch technische Dinge kompetent ist und auch nie den Versuch gemacht hat, seine Ausführungen nach den dort gültigen Regeln und Gesetzmäßigkeiten auszurichten. Er ist daher aus der Diskussion in Fachkreisen sang- und klanglos ausgeschieden. Pressac dagegen wird als einziger Fachmann hingestellt, der sich den Argumenten der Revisionisten entgegenstellt - auch wenn er nie zu den Ausführungen im Rudolf-Gutachten Stellung bezogen hat. Dennoch: Pressacs Werke gelten für die Gerichte als die Widerlegung der revisionistischen Argumente, als den revisionistischen Werken zumindest ebenbürtig. Pressac ist der letzte Strohhalm, an dem die Offenkundigkeit oder mit anderen Worten: die Beweismittelunterdrückung der deutschen Justiz hängt.

1.3. Die Historiker

Eberhard Jäckel, Professor für Zeitgeschichte in Stuttgart und einer der profiliertesten Holocaust-Spezialisten, schrieb am 18.3.1994 in der Wochenzeitung Die Zeit unter der Überschrift »Die Maschinerie des Massenmordes« eine Rezension über die kurze Zeit später erscheinende deutsche Ausgabe von Pressacs Buch. Er führt darin aus:

»Es hat einige Leser empört, daß er [Pressac] all dies mit der gefühllosen Präzision eines Heizungstechnikers schildert. Immerhin hat er für jede Aussage einen Brief oder eine Zeichnung, aus den Akten der Bauleitung. Ärgerlicher ist, daß er so tut, als habe er den Beweis erbracht. In Wahrheit waren die Vorgänge, wenn auch ohne die technischen Details, längst ziemlich genau bekannt, und es ist überdies fraglich, ob sie so in Gang kamen, wie er es schildert.[...] Ein richtiger Historiker ist er in den zehn Jahren seiner Forschungen nicht geworden. Sein Buch ist durch und durch technisch, auf einen Aspekt begrenzt, man könnte auch sagen: borniert. Und doch ist es gerade deswegen nützlich. Der Nutzen liegt nicht eigentlich darin, daß nun der ganz unwiderlegliche Beweis für die Existenz der Gaskammern erbracht worden ist.[...] Nützlich ist es, daß Pressac die antisemitischen Leugner mit ihren eigenen technischen Argumenten widerlegt. Man darf gespannt sein, was ihnen nun noch einfällt. Aber da es ihnen nie um die Wahrheit, sondern immer nur um Scheinbeweise ihrer Vorurteile ging, wird auch Pressac sie wohl kaum überzeugen. Der größte Nutzen des Buches liegt darin, daß wir nun den Hergang auch in seinen technischen Einzelheiten ganz erkennen können.«

Die Meinung der Holocaust-Hofhistoriker weicht also nur unmerklich von der der Medien ab. In der Bewertung von Pressac als der technisch-wissenschaftlichen Wunderwaffe gegen die »bösen« Revisionisten sind sie sich einig, über die Bewertung der Arbeitsweise Pressacs allerdings gibt es Diskrepanzen. Jäckel ärgert sich wohl zurecht darüber, daß Pressac so tut, als habe er allein das Rad erfunden. Tatsächlich wurde der Großteil der Arbeiten bereits von anderen geleistet, nämlich neben den vielen etablierten Historikern und Hobbyhistorikern vor allem durch die Revisionisten vom Schlage Faurissons - was Jäckel freilich nicht erwähnt.

Entlarvend war auch die Stellungnahme, die das Institut für Zeitgeschichte auf Anfrage zum Rudolf-Gutachten abgab:[12]

»Seitens des Instituts für Zeitgeschichte ist zu diesem Gutachten keine Stellungnahme erfolgt. Es erübrigt sich u. E. auch, auf die diversen Versuche von "revisionistischer" Seite, die Massenvergasungen in Auschwitz abstreiten zu wollen, im einzelnen einzugehen. Die Tatsache dieser Vergasungen ist offenkundig und erst wieder vor kurzem durch die in einem Moskauer Archiv aufgefundenen Akten der Bauleitung der Waffen-SS und Polizei in Auschwitz bestätigt worden (siehe die Publikation von Jean-Claude Pressac: Les Crématoires d'Auschwitz. La machinerie du meurtre de masse. - Editions CNRS, Paris 1993).«

Auch hier wird also Pressac als entscheidende Waffe gegen die Revisionisten aufgefahren.

2. Die Wirklichkeit

2.1. Die Wissenschaftlichkeit

Allgemein formuliert ist Wissenschaft jede von Außenstehenden überprüfbare Untersuchung und deren systematische Darstellung. Überprüfbarkeit heißt, daß jeder die Untersuchung aufgrund definierter Bedingungen bei Experimenten und logischen Schlußfolgerungen nachvollziehen kann. Weiter muß die Quellenlage nachvollziehbar sein, auf die sich der Untersuchende bezieht. Das heißt, daß Schlußfolgerungen, die auf Urkunden oder fremden wissenschaftlichen Untersuchungen basieren, als solche in der Art ausgewiesen sein müssen, daß der Außenstehende die Urkunden und Publikationsstellen der fremden Untersuchungen auffinden kann. Darüberhinaus verlangt eine wissenschaftliche Arbeitsweise die Einbeziehung wenigstens der wichtigsten bereits bestehenden wissenschaftlichen Meinungen und Gegenmeinungen in die Untersuchung, also auch eine systematische Behandlung bekannter Arbeiten zum gleichen Thema. Ferner muß ein Wissenschaftler die Prämissen seiner Untersuchung offenlegen, also zwischen Fakten und Werturteilen nach außen erkennbar unterscheiden sowie die Grenzen seiner fachlichen Kompetenzen aufzeigen, sofern dies nicht schon aus dem Publikationszusammenhang hervorgeht.

Vielen dieser Punkte handelt Pressac massiv zuwider. Wie besonders R. Faurisson nachfolgend unter Beweis stellen wird, kann z.B. Pressacs Zitierweise nicht als wissenschaftlich akzeptiert werden. Er bildet immer wieder Sätze mit mehreren inhaltlichen Aussagen und belegt diese Aussagen mit einem Dokument, welches allerdings nur eine dieser Aussagen belegt. Ferner vermischt er seine private, oft unfundierte Meinung untrennbar mit den Aussagen von ihm zitierter Dokumente, ohne diese Vorgehensweise offenzulegen.

Ebenso läßt die Systematik von Pressacs Arbeit sehr zu wünschen übrig, da er sich offensichtlich nicht die Mühe gemacht hat, die Gesamtheit der von ihm analysierten Dokumente zu einem Gesamtbild des Lagers Auschwitz zusammenzufügen, wodurch ein ganz anderes Bild entstehen könnte, als er es uns zeigt. Statt dessen sucht er in dem Strohhaufen der Dokumente lediglich irgendwelche Indizien für ein vermeintliches Verbrechen und unterläßt es, möglicherweise entlastende Dokumente ebenfalls in seine Untersuchungen einzubeziehen.

Mit der Einbeziehung von Gegenmeinungen ist es bei Pressac nicht weit her. Obwohl Pressac selber vorgibt, die Argumente der Revisionisten zu widerlegen - und die Medien, Zeitgeschichtler und die Justiz fallen in diesen Kanon ein -, blendet Pressac in seinem Werk systematisch alle Fakten, Quellen, Ansichten und Ergebnisse aus, die seine Auffassung in Frage stellen. Kein revisionistisches Werk wird genannt, auf kein einziges revisionistisches Argument wird eingegangen. Da Pressac gerade wegen der Revisionisten und gegen sie in Stellung gebracht wird, gibt allein schon dieses Faktum seinem Werk den Todesstoß.

Weiterhin führt Pressac nirgends an, daß er als Apotheker weder eine tragfähige Ausbildung noch autodidaktische Erfahrungen als Historiker bzw. als Techniker hat. Er erweckt aber mit seiner Publikation und dem durch sie verursachten Medienecho zumindest grob fahrlässig den Eindruck, als würde er bezüglich dieser Fachgebiete endgültige Erkenntnisse veröffentlichen. Er wäre verpflichtet daraufhinzuweisen, daß er eben keine Expertenqualitäten besitzt, wenn er den Erfordernissen eines Wissenschaftlers entsprechen wollte.

2.2. Technik und Naturwissenschaft

Man wäre geneigt, gerade über die systematische Ausblendung gegenläufiger Meinungen großzügig hinwegzusehen, wenn Pressac wenigstens dem im Titel seines Buches niedergelegten Anspruch, wie er von den Medien, Zeitgeschichtlern und unserer Justiz gebetsmühlenartig wiederholt wird, gerecht werden würde, nämlich eine technisch fundierte Abhandlung zur Frage der Krematorien in Auschwitz zu liefern. Tatsächlich jedoch enthält sein Werk auch nicht eine Quelle aus einer technischen Fachveröffentlichung. Es enthält kein einziges Ergebnis eigener oder fremder technischer Studien. Hierfür sei ein Beispiel angebracht: Gerade bezüglich der Kremierungsdauer einer Leiche in den Krematorien von Auschwitz, einem wichtigen Wert zur Bestimmung ihrer Maximalkapazität, findet man bei Pressac keine eigenen Berechnungen oder auf Fachliteraturdaten beruhende Angaben, dagegen an mehreren Stellen seines Buches sich völlig wiedersprechende Werte (1 h, S. 7; 30-40 min, S. 13; 1 h 12 min, S. 15; 15 min, S. 28; 1 h 36 min, S. 34; 34-43 min, S. 49; 13 min, S. 72; 29 min, S. 74; 22 min, S. 80)[13]. Aus unerfindlichen Gründen hat Joseph Hanimann in der FAZ J.-C. Pressac für seine Bestimmung der Kapazität der Krematorien von Auschwitz gelobt...

C. Mattogno wird in diesem Buch detailliert aufzeigen, daß Pressac die in den Zeugenaussagen und Dokumenten vorkommenden Widersprüche über technische Vorgänge keiner technischen Kritik unterzieht, ja meistens sogar übergeht, als hätte er sie selber gar nicht bemerkt. Allerhöchstens vernimmt man von Pressac einige lapidare Bemerkungen, daß der eine oder andere Zeuge wohl etwas übertrieben habe und somit unzuverlässig sei, nicht aber, wo denn das belegbar technisch Mögliche gewesen wäre. Insofern unterscheidet sich Pressac nicht von den übrigen Historikern und Hobbyhistorikern der gläubigen Holocaust-Zunft.

2.3. Die Geschichtswissenschaft

Auch den Anforderungen, die die Geschichtswissenschaft an wissenschaftliche Arbeiten ihrer Disziplin stellt, wird das Buch von Pressac nicht gerecht. Er hebt sich damit von den Arbeiten seiner Glaubensgenossen ebensowenig ab.

Wo bleibt zum Beispiel die Aussagen- und Dokumentenkritik, A und W jeder Geschichtswissenschaft? Wie oben angesprochen ist von einer fundierten Zeugenaussagenkritik nicht die Spur zu finden. Auch eine Dokumentenkritik wenigstens der angeblich wichtigsten der von Pressac untersuchten 80.000 Dokumente sucht man vergeblich. C. Mattogno zeigt an einem Beispiel, daß gerade die Kritik der in KGB-Archiven gefundenen Dokumente unerläßlich ist.

Von einem Werk, das vorgibt, mittels der Krematorien von Auschwitz die Technik des Massenmordes zu untersuchen, kann man womöglich nicht verlangen, daß es bezüglich der Vorgänge in den Lagern von Auschwitz eine historische Gesamtschau anfertigt. Was man aber sehr wohl verlangen kann und muß, ist eine Gesamtschau der mit der angeblichen Vernichtungsmaschinerie direkt oder indirekt verbundenen technischen und organisatorischen Gegebenheiten und Vorgänge im Lager. Auch diesbezüglich blendet Pressac jene technischen Fakten aus, die dem Bild des schrecklichen, unmenschlichen Vernichtungslagers widersprechen: Freizeitanlagen, Krankenhäuser, hochmoderne und teure sanitäre Anlagen, zivile, nichtkriminelle Nutzung der Krematorien, Sumpfentwässerung, Abwässerklärung, Biogasgewinnung aus Klärschlamm, industrielle Arbeitsprogramme etc. pp.

3. Die Wertung

3.1. Presse

Als die Chefredaktion der Frankfurter Allgemeine Zeitung gebeten wurde darzulegen, aus welchen Gründen sie das Buch Pressacs völlig unkritisch über den Klee lobt, und ob es in der Redaktion niemanden mit technischer oder naturwissenschaftlicher Bildung gäbe, der die oben aufgezeigten entscheidenden Mängel des Buches erkennen könne, hielt sich diese vornehm zurück und leitete die Anfrage dem in Paris lebenden verantwortlichen Journalisten Joseph Hanimann zu. Dieser führte in seiner Antwort aus, daß es weder in seinem Aufgabenbereich noch in seiner Kompetenz liege, das Buch Pressacs einer Kritik zu unterziehen. Vielmehr sei es seine Aufgabe, über die Ereignisse in Frankreich, zu denen die Veröffentlichung von Pressacs Buch mit dem damit verbundenen Pressewirbel gehöre, zu berichten. Außerdem sehe er keine Veranlassung, das Buch Pressacs kritisch zu besprechen, da seines Wissens kein seriöser Historiker an ihm Anlaß zur Kritik sähe.[14] Kritischer Journalimus scheint offensichtlich in deutschen Redaktionsstuben nicht angebracht zu sein, wenn unsere Hofhistoriker husten. Vorauseilender Gehorsam ist wohl die bessere Bezeichnung solchen Verhaltens. Offensichtlich hat Herr Hanimann zudem nicht begriffen, daß Historiker die falschen Adressaten für technische bzw. naturwissenschaftliche Fragen sind. Man kann daher von keinem Historiker erwarten, daß er die Mängel in diesen Bereichen erkennt. Letztlich beweist diese Art der Berichterstattung die Inkompetenz der Journalisten und Redakteure der FAZ in diesem Themenkomplex sowie den Umstand, daß unsere Journalisten nicht viel mehr machen, als von anderen Schreibern gleichen Geistes kritiklos abzuschreiben. Analog verhält es sich mit den übrigen Rezensenten, deren ähnlich lautende Formulierungen das Abschreiben stellenweise sogar greifbar erscheinen lassen.

Ein gewisser Lichtblick stellt die am 16.8.1994 von der FAZ publizierte Besprechung der deutschen Pressac-Ausgabe durch Hanimann dar. Zwar ist seine Beurteilung von Pressacs Buch identisch mit der im Oktober des Vorjahres, aber immerhin nennt er nun zwei Namen führender Revisionisten, wobei er jedoch wie durch Zufall zu erwähnen vergißt, was er Pressac durch die Nennung seines Berufes (Apotheker) zukommen läßt: er unterschlägt dem Leser, daß es sich bei beiden Revisionisten um Akademiker handelt. Ob die Ansicht Hanimanns, Pressac habe Faurisson in Verlegenheit gebracht, richtig ist, wollen wir dem Urteil unserer Leser überlassen. Befremdlich dagegen muß erscheinen, daß Hanimann Germar Rudolf unterstellt, er habe Pressacs Unterlagen als Fälschung bezeichnet. Tatsächlich hat Rudolf in einem Gutachten das Buch Pressacs lediglich dahingehend untersucht, ob es den Normen wissenschaftlicher Arbeiten entspricht, wobei seine Kritik ähnlich ausfällt wie die in diesem Beitrag geäußerte.[15] Das Wort Fälschung fällt in Zusammenhang mit Pressacs Unterlagen bei Rudolf gar nicht. Lediglich mit dem Hinweis auf die Totalfälschung des aus Moskauer Archiven stammenden Demjanjuk-Ausweises[16] unterstreicht er in einer Fußnote die Notwendigkeit der von Pressac sträflich vernachlässigten Dokumentenkritik. Die FAZ besaß aber immerhin die Fairness, eine Richtigstellung Rudolfs inklusive der Angabe, welche Aussagen sein Gutachten tatsächlich macht, am 26.8.1994 auf S. 8 als Leserbrief abzudrucken.

Heißluftentwesung in Birkenau
Menschenvernichtungsmaschinerie: die Gaskammern von Auschwitz
Bildfälschung durch Falschuntertitelung seitens der Stuttgarter Nachrichten (18.6.94): Tatsächlich handelt es sich bei der gezeigten Anlage um eine Heißluftentwesungsanlage für Häftlingskleidung.

Noch skrupelloser im Umgang mit der Wahrheit als Hanimann haben sich die Stuttgarter Nachrichten erwiesen. Sie haben ihren oben erwähnten Artikel mit einem Bild einer Heißluftkleiderentwesungsanlage von Auschwitz aus Pressacs Buch geschmückt und es mit folgenden Worten untertitelt: »Menschenvernichtungsmaschinerie: die Gaskammern von Auschwitz«, womit zweifellos suggeriert wird, es handle sich um Menschengaskammern. Da dieses Bild in Pressacs Buch ausdrücklich und unübersehbar als Heißluftentwesungskammer, also als harmlose Einrichtung zur Reinigung von Häftlingskleidung zur Seuchenprävention, also zum Schutz jüdischen Lebens, ausgezeichnet ist, muß man dem verantwortlichen Journalisten Manfred Kriener schon völliges Analphabetentum oder Teilblindheit zuschreiben, wollte man an ein Versehen glauben. Meiner Meinung nach handelt es sich hierbei um eine der übelsten Fälschungen und dreistesten Betrügereien, die mir je untergekommen sind.

Bezeichnend für die Denkweise unserer Medien über die Revisionisten ist einerseits, daß sie diese pauschal als Nazis diffamieren oder ihnen eine Apologie des NS-Regimes vorwerfen. Der durchschnittliche Leser mag von dieser zumeist falschen Beschuldigung beeindruckt sein, sie kann jedoch kein einziges Sachargument entkräften und kann daher nur den Sinn haben, von der sachlichen auf eine politische Ebene abzulenken. Diese politische Instrumentalisierung des Themas durch die Medien (und ebenso durch die Hofhistoriker und die Justiz) kann niemals im Sinne einer wissenschaftlichen Diskussion sein, ja sie stellt ein Verbrechen an der Wissenschaft dar.

Andererseits trifft man immer wieder auf Medienäußerungen, die den Bürger ausdrücklich davor warnen, die Argumente der Revisionisten wegen ihrer Gefährlichkeit überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. So schrieb die Schweizer Weltwoche am 19.5.1994:

»Daher unsere Warnung an alle, die mit diesem seinen Antisemitismus nur schlecht verhüllenden Propagandamaterial in Berührung kommen: Lassen Sie sich auf keine Diskussion mit bekennenden Revisionisten ein! Wer die Ermordung von Juden in den Gaskammern des NS-Regimes negiert, lügt, kann sich, wie auch das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe unlängst festgestellt hat, nicht auf die Meinungsfreiheit berufen.«

Also: Wegen der potentiellen Gefahr für den Seelenfrieden durch die Erkenntnis der Wahrheit sicherheitshalber: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen! Aber: warnen, drohen, schimpfen und verbieten.

3.2. Justiz

Das oben aufgeführte Urteil des OLG Celle bezieht sich explizit auf die Arbeiten von W. Wegner und J.-C. Pressac als Gegengutachten zu den revisionistischen Arbeiten. Tatsächlich jedoch gilt ein Gutachten erst dann als Gegenbeweis in einem Verfahren, wenn es materiell von einer der Parteien vorgebracht wurde. Es ist also schon an sich ein Verfahrensfehler, einen Beweisantrag abzulehnen mit der Begründung, es gäbe irgendwo ein Schriftstück, das anderer Meinung sei. Schließlich kann es niemals in die Kompetenz des Gerichtes fallen, darüber zu entscheiden, ob die Arbeiten von Wegner und Pressac tatsächlich gegeignet sind, die Argumente der Revisionisten zu widerlegen. So ist z.B. nie behauptet worden, daß etwa Pressac das Rudolf-Gutachten widerlegt habe, und dennoch wird das Rudolf-Gutachten seit Frühjahr 1992 ungesehen und ohne Begründung abgelehnt. Ob die Erwiderungen der Gegenseite die revisionistischen Argumente widerlegen können, wäre allein durch Sachverständige zu klären. Vor allem aber: Dies ist eine interwissenschaftliche Frage, deren Klärung nicht vor einem Gericht erfolgen kann und folglich dort nichts zu suchen hat.

Schließlich ist es an sich eine Frechheit sondergleichen, zur Aufhebung der Offenkundigkeit eine öffentliche Diskussion über die revisionistischen Thesen zu verlangen, da man unter Berufung auf ebendiese Offenkundigkeit jeden, der sich öffentlich im revisionistischen Sinne äußert, ohne Möglichkeit einer Verteidigung anklagt und verurteilt. Die Offenkundigkeitsformel ist es gerade, die eine öffentliche Diskussion verhindert.

Unsere Justiz maßt sich also trotz schreiender Inkompetenz Urteile über wissenschaftliche Fragen an und verfolgt Wissenschaftler mit anderer Meinung in einer Weise, die nur mit den Methoden der mittelalterlichen Hexenverfolgung verglichen werden kann.

3.3. Historiker

Daß die Historiker inkompetent sind, technisch-naturwissenschaftliche Fragen sachverständig zu beantworten, ist trivial. Weniger trivial scheint dagegen zu sein, daß die Grundlage auch der Geschichtswissenschaft immer nur das sein kann, was mit den Naturgesetzen, den Gesetzen der Logik und dem zur untersuchten Zeit technisch Möglichen in Übereinstimmung zu bringen ist. Das Primat dieser Wissenschaftsgebiete herrscht auch über die Geschichtswissenschaft - auch wenn es so manchem Historiker nicht schmeckt. Gerade in den Fragen des angeblichen Massenmordes an den Juden durch das Dritte Reich jedoch spielen technische und naturwissenschaftliche Fragen eine überragende Rolle, da ein so gigantisches spurloses Massenmorden an sich schon ein technisches und naturwissenschaftliches Phänomen darstellt, das der sachverständigen Untersuchung bedarf - ganz abgesehen von der kritischen Würdigung so mancher absurder Zeugenaussagen, die seit Jahrzehnten von unseren Hofhistorikern kritiklos hingenommen werden, als wären sie Kleinkinder und würden gläubig einem Märchenerzähler an den Lippen hängen. Selbst Pressac führt zu dieser Praxis kritisch aus:[17]

»Nein, nein. Man kann keine seriöse Geschichtsschreibung nur auf Zeugenaussagen aufbauen.«

Einmalig ist der Umstand, daß selbst das angeblich doch so kompetente Institut für Zeitgeschichte angesichts des Rudolf-Gutachtens nicht viel mehr zu äußern vermag, als sich auf die Offenkundigkeit des Holocaust zu berufen, denn der Hinweis auf den lediglich Dokumente und Aussagen interpretierenden Pressac verfehlt völlig die Zielrichtung des naturwissenschaftlich-technischen Rudolf-Gutachtens, kann dieses also nicht entkräften. Weit kann es mit der Argumentationsstärke und damit der Kompetenz dieser im Institut für Zeitgeschichte tätigen, angeblich in der Holocaust-Forschung führenden »Wissenschaftler« nicht her sein.

4. Die Freiheit der Wissenschaft

Das Bundesverfassungsgericht führte in einem Urteil vom 11.1.1994 aus:[18]

»Der Schutz des Grundrechts auf Wissenschaftsfreiheit hängt weder von der Richtigkeit der Methoden und Ergebnisse ab noch von der Stichhaltigkeit der Argumentation und Beweisführung oder der Vollständigkeit der Gesichtspunkte und Belege, die einem wissenschaftlichen Werk zugrunde liegen. Über gute und schlechte Wissenschaft, Wahrheit und Unwahrheit von Ergebnissen kann nur wissenschaftlich geurteilt werden.[...] Die Wissenschaftsfreiheit schützt daher auch Mindermeinungen sowie Forschungsansätze und -ergebnisse, die sich als irrig oder fehlerhaft erweisen. Ebenso genießt unorthodoxes oder intuitives Vorgehen den Schutz des Grundrechts. Voraussetzung ist nur, daß es sich dabei um Wissenschaft handelt; darunter fällt alles, was nach Inhalt und Form als ernsthafter Versuch zur Ermittlung der Wahrheit anzusehen ist.[...]

Einem Werk kann allerdings nicht schon deshalb die Wissenschaftlichkeit abgesprochen werden, weil es Einseitigkeiten und Lücken aufweist oder gegenteilige Auffassungen unzureichend berücksichtigt.[...] Dem Bereich der Wissenschaft ist es erst dann entzogen, wenn es den Anspruch von Wissenschaftlichkeit nicht nur im einzelnen oder nach der Definition bestimmter Schulen, sondern systematisch verfehlt. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn es nicht auf Wahrheitserkenntnis gerichtet ist, sondern vorgefaßten Meinungen oder Ergebnissen lediglich den Anschein wissenschaftlicher Gewinnung oder Nachweisbarkeit verleiht. Dafür kann die systematische Ausblendung von Fakten, Quellen, Ansichten und Ergebnissen, die die Auffassung des Autors in Frage stellen, ein Indiz sein. Dagegen genügt es nicht, daß einem Werk in innerwissenschaftlichen Kontroversen zwischen verschiedenen inhaltlichen oder methodischen Richtungen die Wissenschaftlichkeit bestritten wird.«

Die etablierte Geschichtswissenschaft ignoriert in fast allen ihren Werken grundsätzlich jede von den Revisionisten vorgebrachte wissenschaftliche Gegenmeinung zum Thema Holocaust.[19] Dies wäre verständlich, wenn die revisionistische Forschung für so bedeutungslos und lächerlich gehalten würde, daß man glaubte, sich mit ihr nicht beschäftigen zu müssen. Tatsächlich jedoch beweisen die Vielzahl der Publikationen in Fachveröffentlichungen und in den Medien, daß es gerade die Thesen und Methoden der Revisionisten sind, die die Fragestellungen und Arbeitsweisen der heutigen Holocaust-Forschung bestimmen. Robert Redeker beschrieb diesen Umstand in der französischen, von Claude Lanzmann herausgebenen philosophischen Monatsschrift Les Temps Modernes, Ausgabe 11/93, unter dem Titel »La Catastrophe du Révisionnisme« wie folgt:

»Der Revisionismus ist keine Theorie wie jede andere, er ist eine Katastrophe.[...] Eine Katastrophe ist ein Epochenwechsel.[...] Der Revisionismus markiert das Ende eines Mythos.[...] er zeigt das Ende unseres Mythos an.«[20]

In der Ausgabe 12/93 führte er diese Gedanken mit der Überschrift »Le Révisionnisme invisible« fort:

»Weit davon entfernt, die Niederlage der Revisionisten zu besiegeln, bestätigt das Buch von Herrn Pressac Die Krematorien von Auschwitz. Die Technik des Massenmordes ihren paradoxen Triumph: Die scheinbaren Sieger (diejenigen, die das Verbrechen in seinem ganzen schrecklichen Umfang bestätigen) sind die Besiegten, und die scheinbaren Verlierer (die Revisionisten und mit ihnen die Verneiner) setzen sich endgültig durch. Ihr Sieg ist unsichtbar, aber unbestreitbar.[...] Die Revisionisten stehen im Zentrum der Debatte, setzen ihre Methoden durch, befestigen ihre Hegemonie.«[21]

Die revisionistischen Thesen und Arbeitsweisen sind also nicht vernachlässigbar, sondern offenbar die zentrale Herausforderung für die etablierte Geschichtswissenschaft. Somit muß man der etablierten Holocaust-Geschichtswissenschaft, die die Argumente und Veröffentlichungen der Revisionisten ausblenden, jede Wissenschaftlichkeit absprechen. Dies gilt auch und im besonderen für Pressacs Buch.

Das vorliegende Buch stellt eine systematische Dokumentation der vielen Unwissenschaftlichkeiten, um nicht zu sagen: Betrügereien Pressacs dar. Es ist ein revisionistisches Buch, das sich fast ausschließlich mit den Meinungen der Gegenseite beschäftigt. Es weist all seine Untersuchungen und Ergebnisse exakt nach.

Unsere Justiz sieht es jedoch genau umgekehrt: Die Revisionisten sollen unwissenschaftlich sein und werden strafrechtlich verfolgt, da ihre Thesen angeblich die Juden beleidigen. Die Hofhistoriker jedoch, die nachweislich unwissenschaftlich arbeiten, genießen Narrenfreiheit und dürfen das deutsche Volk mit ihren Thesen auch potentiell beleidigen, da das deutsche Volk nach höchstrichterlicher Rechtssprechung in Deutschland nicht beleidigungsfähig ist. Es stellt angeblich keine "definierte Gruppe" dar.

Sollte sich die Justiz entschließen, auch die Autoren dieses Buches vor Gericht zu stellen und ihr Werk zu verbieten, so sei sie daran erinnert, daß mit diesem Werk der letzte Strohhalm versunken ist, an dem die gerichtliche Offenkundigkeit des Holocaust hing. Die Öffentlichkeit sei zudem daran erinnert, daß allein die Wahrheit eine stabile Grundlage ist, auf der Völkerverständigung und Frieden gedeihen können. Die Wahrheit läßt sich schließlich nur durch freien, unbehinderten wissenschaftlichen Diskurs herausfinden, niemals aber durch ein mittels Strafgesetzen fixiertes Geschichtsbild.


Notes

  1. Manfred Köhler ist ein Pseudonym des Diplom-Chemikers Germar Rudolf, der sich seine Karriere und sein Lebensglück nicht von der bundesdeutschen Justiz und den Inquisitionsmedien zerstören lassen wollte. Unter dem gleichen Pseudonym erschienen bereits: Auch Holocaust-Lügen haben kurze Beine, Cromwell Press, Brighton 1994 (jetzt: P.O. Box 62, Uckfield/East-Sussex TN22 1ZY (Großbritannien)), als Antwort auf die Thesen von Prof. Dr. Ernst Nolte in: Streitpunkte, Propyläen, Berlin 1993; sowie: Der Wert von Aussagen und Geständnissen zum Holocaust, in: Ernst Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1994.
  2. J.-C. Pressac, Les Crématoires d'Auschwitz. La Machinerie du meurtre de masse, CNRS Éditions, Paris 1993.
  3. Die Krematorien von Auschwitz. Die Technik des Massenmordes, Piper, München 1994.
  4. Fehler im Original.
  5. Hans-Günther Richardi weicht in seinem Artikel »Untilgbare Spuren der Vernichtung«, Süddeutsche Zeitung, 13./14./15.8.1994, S. 9, von dieser Generallinie ab, indem er Pressacs Buch lediglich als »Dokumentation« bezeichnet, was aber wahrscheinlich seine Erklärung darin findet, daß ihm Pressacs neues Buch lediglich als Anlaß diente, einen allgemeinen Beitrag über Auschwitz zu schreiben.
  6. F.A. Leuchter, An Engineering Report on the alleged Execution Gas Chambers at Auschwitz, Birkenau and Majdanek, Poland, Samisdat Publishers Ltd., Toronto 1988, 195 pp.; dt.: ders., Der erste Leuchter Report, ebenda, 1988.
  7. R. Kammerer, A. Solms, Das Rudolf Gutachten, Cromwell Press, London 1993 (jetzt: P.O. Box 62, Uckfield/East-Sussex TN22 1ZY (Großbritannien). DM 35,- Vorkasse).
  8. OLG Celle, Beschluß vom 13.12.1993, Az. 3 Ss 88/93, Monatszeitschrift für Deutsches Recht, 46(6) (1994) 608.
  9. Richtig: Rudolf.
  10. Richtig: Pressac, der zudem weder Pharmakologe noch Toxikologe, sondern schlicht Apotheker ist.
  11. W. Wegner in: U. Backes, E. Jesse, R. Zitelmann (Hg.), Die Schatten der Vergangenheit, Propyläen, Frankfurt/Main 1990, S. 450ff.
  12. H. Auerbach, Institut für Zeitgeschichte, Schreiben vom 21.12.1993 an G. Herzogenrath-Amelung.
  13. Seitenangaben der französischen Originalausgabe.
  14. Briefwechsel FAZ/J. Hanimann mit G. Rudolf.
  15. G. Rudolf, »Gutachten über die Frage der Wissenschaftlichkeit der Bücher Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers und Les Crématoires d'Auschwitz. La Machinerie du meurtre der masse von Jean-Claude Pressac«, Jettingen, 18.1.1994, abgedruckt in: W. Schlesiger, Der Fall Rudolf. Menschenrechtswidriger Vernichtungsfeldzug gegen einen tadellosen Wissenschaftler, Cromwell, Brighton 1994 (jetzt: P.O. Box 62, Uckfield/East-Sussex TN22 1ZY (Großbritannien)).
  16. Vgl. D. Lehner, Du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen, Vowinckel, Berg o.J.
  17. J.-C. Pressac im Interview mit Burkhard Müller-Ullrich, »Die Technik des Massenmordes«, Focus, Nr. 17, 25.4.1994.
  18. Az. 1 BvR 434/87, S. 16f.
  19. Die einzige nennenswerte Ausnahme bildet hier E. Noltes Streitpunkte, Propyläen, Berlin 1993.
  20. »Le révisionnisme n'est pas une théorie comme les autres, il est une catastrophe. [...] Une catastrophe est un changement d'époque. [...] Le révisionnisme marque la fin d'une mystique [...] il indique le terminus de notre mystique.«
  21. »Loin de signer la défaite des révisionnistes, le livre de M. Pressac Les crématoires d'Auschwitz. La machinerie du meurtre de masse en consacre le paradoxal triomphe: les apparents vainqueurs (ceux qui affirment le crime dans son étendue la plus ballucinante), sont les défaits, et les apparents perdants (les révisionnistes, confondus avec les négationnistes) s'imposent définitivement. Leur victoire est invisible, mais incontestable. [...] Les révisionnistes se placent au centre du débat, imposent leur méthode, manifestent leur hégémonie.«

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