• Augenzeugenbericht Nr. 27: Miklos Nyiszli

    Ich, der unterzeichnete Dr. Miklos Nyiszli, bin Arzt und ehemaliger Häftling des Konzentrationslagers Auschwitz; ich war beschäftigt im Krematorium und an den Scheiterhaufen, wo das Feuer Millionen Körper von Vätern, Müttern und Kindern verzehrte.

    Ich erkläre als unmittelbarer Zeuge, dass ich meinen Bericht Über diese finsterste Zeit der Menschheitsgeschichte nach der Wirklichkeit, ohne Übertreibung und ohne zu beschönigen, niedergeschrieben habe.

    Als Arzt beim Auschwitzer Krematorium angestellt, formulierte ich ungezählte ärztliche und gerichtsmedizinische Protokolle über Sektionen von Leichen; ich unterschrieb sie eigenhändig mit der mir eintätowierten Häftlingsnummer

    Anschliessend wurden diese Dokumente von dem mir vorgesetzten SS-Arzt Dr. Mengele signiert und gelangten mit der Post an folgende Adresse: «Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik, Berlin-Dahlem» - also an eines der bekanntesten medizinischen Institute der Welt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass man die Protokolle noch heute im Archiv dieses Instituts vorfinden kann.

    Mit meiner Arbeit erstrebe ich keinerlei literarischen Erfolg, denn ich bin Arzt, kein Schriftsteller.

    Nagyvarad, im März 1946, Dr. Miklos Nyiszli

    Mit diesen Worten bestätigte Dr. med. Miklos Nyiszli die Richtigkeit seines anschliessend an seine Lagerzeit in Auschwitz-Birkenau niedergeschriebenen Berichts. Dieser erschien 1946 in ungarischer Sprache. 1951 wurden in der von Jean-Paul Sartre herausgegebenen Monatszeitschrift Les Temps Modernes Auszüge in französischer Sprache veröffentlicht. 1961 brachte die Boulevardzeitschrift Quick rechtzeitig zum Eichmann-Prozess eine fünfteilige Nyiszli-Serie in deutscher Sprache, und im selben Jahr erschien bei René Julliard eine aus der Feder eines Tibère Kremer stammende französische Gesamtübersetzung. Insgesamt gibt es von Nyiszli 18 Publikationen in mehreren Sprachen (1).

    Der französische Forscher Paul Rassinier setzte sich nach der Lektüre der Quick-Artikel Anfang 1961 mit der Zeitschrift in Verbindung, um Nyiszlis Adresse zu erfragen, und erfuhr, dass der Verfasser verstorben sei. Im November desselben Jahres erkundigte sich Rassinier beim Verlag René Julliard über die Person Nyizlis, konnte aber nichts anderes in Erfahrung bringen als eben, dass dieser nicht mehr unter den Lebenden weilte. Rassinier hegte ernstliche Zweifel daran, dass es diesen Nyiszli überhaupt gegeben hatte (2).

    Ob es ihn nun gab oder nicht, während langer Jahre gehörte der ungarisch-jüdische Arzt zu den gefeiertsten Holocaust-Kronzeugen. Doch später wurde es sehr still um ihn. Hilberg nennt ihn gerade noch in einer oder zwei Fussnoten, und die Enzyklopädie des Holocaust würdigt ihn nicht einmal eines Namenseintrags.

    Sic transit gloria libri, hätte man da beinahe wehmütig gesagt, doch glücklicherweise zu früh, denn gänzlich unerwartet erschien 1992 beim Berliner Dietz Verlag unter dem Titel Im Jenseits der Menschlichkeit eine vollständige Nyiszli-Übersetzung, welche diesen erstrangigen Holocaustzeugen der drohenden Vergessenheit entriss. In der Einleitung betont Friedrich Herber, der Text bedürfte «auch heute nur an wenigen Textstellen geringfügiger Korrekturen und Ergänzungen». Die wenigen Irrtümer, die dem Autor unterliefen, werden vom Dietz Verlag akribisch berichtigt. So ertappen die Herausgeber Nyiszli beispielsweise bei der Fehlaussage, die SS-Hauptsturmführer hätten Goldtressen getragen, während es in Tat und Wahrheit Silbertressen waren (3)! An den Grundaussagen des Buches aber gibt es, so der Verlag, nichts zu rütteln.

    Dank dieser mit 46 Jahren Verspätung erschienenen deutschen Gesamtübersetzung wissen wir nun auch definitiv, dass es Dr. Miklos Nyiszli sehr wohl gab. Der im Anhang figurierenden Biographie zufolge wurde er am 17. Juli 1901 in der zur Donaumonarchie gehörenden Stadt Soralyo geboren, die durch den Vertrag von Trianon an Rumänien fiel. 1927 begann Nyiszli in Breslau ein Medizinstudium, das er mit einer Dissertation über Selbstmordarten erfolgreich abschloss. Er kehrte später nach Rumänien zurück, wo er in Viseu de Sus eine Arztpraxis eröffnete. Durch den Wiener Schiedsspruch wurde Westsiebenbürgen Ungarn zugeschlagen, und Nyiszli wurde somit ungarischer Staatsbürger.

    Im Mai 1944 wurde er, zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter, die Krieg und KZ dann wie er selbst durch ein Wunder überlebten, nach Auschwitz deportiert, wo er dem Sonderkommando als Arzt zugeteilt wurde. Nach seiner Befreiung und der Niederschrift seiner Lagermemoiren sagte er 1947 bei einem der Nürnberger Nachfolgeprozesse aus (Aktenzeichen US AGO-D. 4325.33; US AGO-D. 4325.36 und US AGO-D. 4325.37). Seine letzten Jahre waren von Krankheiten überschattet; er starb am 5. Mai 1956.

    Nun also einige der wichtigsten Ausschnitte aus seinem Bericht, der, so Herausgeber Herber, «den Lebenden als Erinnerung, als Mahnung, als Verpflichtung und Auftrag dienen» soll. Den grössten Teil des Buches nehmen Schilderungen von allerlei perversen pseudowissenschaftlichen Experimenten ein, die Nyiszli für den Dr. med. Josef Mengele durchführen musste. Diese Beschreibungen sind für unser Thema, die Judenausrottung in den Gaskammern, nicht von Belang, und wir gehen deshalb nicht darauf ein.

    Gleich nach ihrer Ankunft im Lager wurden die Häftlinge einer Selektion unterworfen (4):

    Es geht los! Die SS-Mannschaft trennt eilig die Männer von den Frauen sowie Kindern unter 14 Jahren. Diese bleiben bei ihren Müttern. Die lange Front vor den Waggons zerfällt so in zwei Teile. Wir alle werden unruhig. Schon sind wir von unseren Familien getrennt. Die Bewacher antworten beruhigend auf besorgte Fragen. Das alles hat nichts zu bedeuten, sagen sie, man bringt euch zum Baden und später zum Desinfizieren, so ist es hier vorgeschrieben, danach kommt jeder wieder zu seiner Familie.

    Was so eine Selektion für die auf die linke Seite gelangenden Menschen bedeutete, stellt Nyiszli an anderer Stelle klar: den sofortigen Tod (5):

    Im Ergebnis der Selektion gelangen 95 % auf die linke, 5 % auf die rechte Seite. Die Ausgestossenen sind gebeugt von der Bürde ihres tragischen Schicksals, zermartert von der seelischen Leere der 5 Jahre im Ghetto, um Jahrzehnte gealtert durch die aufgezwungene Sklavenarbeit. Sie fühlen nicht mehr den Unterschied zwischen gut und schlecht. Ohne Regung durchschreiten sie das Tor des Krematoriums, obwohl es kein Geheimnis für sie sein kann, dass dies die letzte Station ihres Weges ist.

    Was in Birkenau vor sich ging, konnte den Ankömmlingen nicht lange verborgen bleiben (6):

    Das erste, was meine Aufmerksamkeit fesselt und magisch anzieht, ist ein riesiger, viereckiger, aus roten Ziegeln erbauter und sich nach oben verjüngender Schornstein, der sich aus einem gewaltigen, ebenfalls aus Ziegeln errichteten zweistöckigen fabrikähnlichen Gebäude erhebt. Dieser Fabrikschornstein hat eine merkwürdige Form. Was mich erschüttert, ist die aus ihm hervorbrechende, 8, 10 Meter hohe Flammensäule zwischen den auf dem Schornstein angebrachten 4 Blitzableitern. Ich rätsele, welche Höllenküche das wohl sein mag, in der ein so gewaltiges Feuer gebraucht wird. Rasch finde ich die Antwort: Wir sind im Land der Krematorien, in Deutschland, wo ich 10 Jahre lang als Student und Arzt lebte. Seit damals weiss ich, dass jede deutsche Kleinstadt ein Krematorium besitzt. Das ist also ein Krematorium! Nicht weit entfernt ein zweites, und ziemlich versteckt in einem Wäldchen gelegen entdecke ich einen dritten ähnlichen Bau, mit einem ebensolchen feuerspeienden Schornstein.

    Der leichte Wind treibt den Rauch in unsere Richtung. Der übelerregende Geruch verbrannten Fleisches und versengter Haare lässt meinen Atem stocken. Für einen Arzt ist dies ein bekannter Geruch! Es ist der Geruch brennenden Menschenfleisches, das Akrolein abgibt.

    Da Nyiszlis medizinische Kenntnisse Dr. Josef Mengele tief beeindruckten, bestimmte ihn dieser zum Arzt für die im Krematorium arbeitenden SS-Leute sowie die Sonderkommandoleute. Für letztere bedeutete allfällige ärztliche Hilfe allerdings nur einen kurzen Aufschub des Todes, denn (7):

    Von einem alten Häftling weiss ich, dass das Krematoriumspersonal als «Sonderkommando» eingestuft ist. Die Verpflegung ist ausgezeichnet, man darf gute Zivilkleidung tragen, muss die grässlichste Arbeit von allen verrichten. Die Angehörigen des Sonderkommandos können das Gelände des Krematoriums nicht verlassen. Nach jeweils vier Monaten, wenn sie zuviel gesehen haben, werden sie liquidiert. Seit das KZ besteht, erging es jedem Sonderkommando so. Noch keiner ist hier lebend herausgekommen. Keiner konnte der Welt berichten, was seit Jahren hinter diesen schrecklichen Mauern geschah. (...) Ich lerne die Geschichte des Sonderkommandos kennen. Das jetzige ist schon das zwölfte.

    Der graue Alltag der Krematoriumsangestellten sah wie folgt aus (8):

    Ich vernehme laute Befehle und eilige Schritte. Dieser Lärm kommt aus dem Heizraum des Krematoriums; dort laufen die Vorbereitungen zum Empfang des Transports. Man hört das Brummen der Elektromotoren - also sind die riesigen Ventilatoren eingeschaltet, die das Feuer in den Öfen bis zur notwendigen Temperatur entfachen. 15 Gebläse arbeiten gleichzeitig, neben jedem Ofen eines. Der Verbrennungsraum, etwa 150 Meter lang, ist ein heller, weiss gekalkter Raum mit gewaltigen Gitterfenstern und Betonfussboden. Die 15 Verbrennungsöfen sind jeweils gesondert im Ziegelmauerwerk eingelassen. Schwarz und glänzend reihen sich ihre mächtigen Eisentüren über die Länge des Raumes aneinander.

    In fünf, sechs Minuten erreicht der Transport das Tor, und dessen Flügel Öffnen sich weit. In gewohnten Fünferreihen schwenken alle auf den Hof ein. Über das, was nun folgt, kann keiner der Marschierenden jemals berichten. Die 300 Meter von der Rampe war ihr letzter Weg (...) Weiter geht es, etwa 100 Meter über den von grünen Rasen gesäumten Schlackeweg, bis zu einem grauen Eisengitter Dort führen zehn Betonstufen in einen unterirdischen Raum. An seinem Eingang verkündet eine Tafel in deutscher, französischer, griechischer, ungarischer Sprache, dass dies eine Bade- und Desinfektionsraum sei. Die Ahnungslosen beruhigen sich, sogar die Zweifelnden. Fast fröhlich gehen sie die Treppe hinab.

    Sie betreten einen etwa 200 Meter langen, hell erleuchteten und weiss getünchten Raum. Eine Säulenreihe zieht sich an der Mitte des Raumes hin. Rings um die Säulen und an den Wänden stehen Bänke, über ihnen sind Kleiderhaken in endloser Reihe angebracht, darüber stehen Zahlen. Tafeln geben bekannt, dass jeder seine Schuhe und Kleider zusammengebunden an einen Haken hängen möge. Man möge sich aber die Nummer seines Hakens unbedingt merken, damit bei der Rückkehr vom Bad kein unnötiger Tumult entstehe.

    «Typisch deutsche Ordnungsliebe», sagen diejenigen, die zu einer Schwäche für die Deutschen neigen. Und sie haben sogar recht! (...) 3000 Menschen bevölkern jetzt diesen Raum im Kellergeschoss, Männer, Frauen, Kinder. SS-Soldaten erscheinen und geben den Befehl: «Alles ausziehen!» Die Zeit dafür ist genau festgelegt: zehn Minuten. Erschrocken stehen Alte, stehen Grossväter und Grossmütter, Kinder, Frauen, Männer. Mädchen und schamhafte Frauen sehen einander ratlos an. Vielleicht haben sie die deutschen Worte falsch verstanden? Doch der Befehl wird wiederholt. Der Ton ist nun ungeduldiger, fast schon drohend (...) Nach zehn Minuten sind alle nackt (...) Die nackten Menschen drängen sich in den nächsten, ebenfalls hell erleuchteten Raum. Er unterscheidet sich kaum vom vorigen, nur die Bänke und Haken fehlen. In der Mitte reichen vier Säulen in etwa jeweils 30 Meter Abstand vom Boden bis zur Decke. Doch dies sind keine Stützpfeiler, sondern viereckige Stahlblechrohre, an jeder Seite wie ein Sieb mit Löchern versehen.

    Nun sind alle im Saal. Ein lauter Befehl: «SS und Sonderkommando verlassen den Raum!» Die Betreffenden gehen hinaus und zählen einander. Die Türen schlagen zu, von aussen wird das Licht gelöscht. Ausserhalb des Gebäudes brummelt inzwischen ein Pkw, ein Luxuswagen des Roten Kreuzes, heran. Ein SS-Offizier und ein Sanitätsdienstgrad steigen aus. Letzterer trägt vier grüne Blechbüchsen im Arm. Beide betreten den Rasen, aus dem im Abstand von 30 Metern flache Betonschächte ragen. Den ersten haben sie erreicht. Sie setzen Gasmasken auf und nehmen die ebenfalls aus Beton bestehende Abdeckplatte ab. Der Patentverschluss der ersten Büchse wird aufgeschlagen. Der Inhalt des Behälters - eine lilafarbene, aus bohnengrossen Körnern bestehende Substanz - wird in die Öffnung geschüttet, von der aus er durch Blechrohre in die unterirdischen Gaskammern gelangt. Die Substanz: Zyklon B. Im Kontakt mit der Luft entwickelt sich aus der Substanz ein Gas, das durch die vielen tausend Löcher der Stahlrohre in den mit Menschen vollgestopften Raum eindringt. Innerhalb von fünf Minuten ist so der gesamte Transport vernichtet (...) Weitere fünf Minuten warten die zwei Gashenker, ehe sie sich ihrer Sache völlig sicher sind. Sie zünden sich eine Zigarette an, dann steigen sie in ihren Wagen. 3000 völlig unschuldige Menschen haben sie soeben umgebracht.

    Nach zwanzig Minuten werden die elektrischen Entlüfter eingeschaltet, um das Gas zu entfernen. Die Türen werden geöffnet, Lastwagen treffen ein. Eine Gruppe des Sonderkommandos verlädt Schuhe und Kleider jeweils gesondert in die Wagen. Ihre Ladung wird zum Desinfizieren gebracht, diesmal in einen echten Desinfektionsraum! Von dort aus wird die Beute waggonweise in die verschiedenen «notleidenden» Zentren des Reiches weitergeleitet.

    Die modernen Luftreiniger entfernen das Gas rasch aus dem Saal, doch in den Ritzen und zwischen den Leichen bleibt es, wenn auch in kleinen Mengen, noch lange zurück. Wenn man es einatmet, ruft es noch nach Stunden einen quälenden Hustenreiz hervor. Deshalb trägt die mit Wasserschläuchen ausgerüstete Gruppe des Sonderkommandos, die den Raum betritt, Gasmasken.

    Der Raum ist nun wieder hell erleuchtet. Dem Eintretenden offenbart sich ein schreckliches Bild.

    Die Leichen liegen nicht etwa kreuz und quer auf dem Fussboden, sondern türmen sich stockwerkhoch zu einem Haufen. Die Erklärung dafür ist, dass die herabfallenden gasbildenden Körnchen zuerst den unmittelbar über dem Boden gelegenen Raum vergiften; erst nach und nach erreicht ihre tödliche Ausdünstung auch die höher gelegenen Abschnitte der Umgebung. So werden die Unglücklichen gezwungen, einander niederzutreten und an den von ihnen Sterbenden hochzukriechen. In der Höhe erreicht sie das Gas später. Welch schrecklicher Überlebenskampf muss hier stattgefunden haben! Dabei beträgt der Zeitgewinn nur ein, zwei Minuten (...) Die Gruppe des Sonderkommandos nimmt in Gummistiefeln rund um die Leichenberge Aufstellung und überschwemmt sie mit mächtigen Wasserstrahlen, denn das allerletzte Stadium des Erstickungstodes, also auch des Gastodes, ist die Befreiung vom Stuhl. Alle Leichen sind beschmutzt. Nachdem das «Bad» der Toten beendet ist - mit welcher Aufgabe des eigenen Ichs erledigen das die Angehörigen des Sonderkommandos! -, beginnt das Auseinandernehmen des Leichenberges.

    Das ist eine schwere Arbeit. Lederriemen werden um die krampfhaft verrenkten Glieder gelegt und so die vom Wasser glitschigen Leichen zu den im Nachbarraum befindlichen Aufzug geschleift. Vier grosse Lastenaufzüge sind hier in Betrieb. 20 bis 25 Leichen werden jeweils eingeschichtet. Ein Klingelsignal gibt das Zeichen zum Hochziehen. Im Verbrennungsraum des Krematoriums hält der Aufzug, seine grossen Türflügel Öffnen sich automatisch (...) Nunmehr folgt eine weitere Station bei der «Verwertung» der Opfer. Ihre Kleider und Schuhe hat sich das Dritte Reich bereits angeeignet. Doch auch das Haar ist ein wertvolles Material; man benötigt es zur Herstellung von Bomben mit Zeitzünder Ein Haar ist wie ein Faden, der sich in feuchter Luft ausdehnt und in trockener zusammenzieht. Diese Eigenschaft kann auch den Zündmechanismus von Bomben auslösen. Also werden die Toten geschoren (...) Die Goldzähne gibt man in Eimer, die mit verdünnter Salzsäure gefüllt sind, um die Knochen- und Fleischreste zu beseitigen (...) Gold ist ein schweres Metall. Ich schätze, dass 8 bis 10 Kilogramm jeden Tag in einem Krematorium zusammenkamen (...) Nachdem auch der letzte Goldzahn aus dem Mund seines toten Besitzers gebrochen ist, bemächtigt sich das Einäscherungskommando der Leichen. Jeweils drei werden auf ein aus Stahlplatten hergestelltes Rohrgestell gelegt. Automatisch Öffnen sich die schweren Eisentüren der Öfen, das auf Stahlrädern montierte Gestell schiebt sich in das glühende Innere, wirft seine Last ab und kehrt zurück. Es ist glühend heiss. Zwei Männer richten kräftige Wasserstrahlen auf das Gestell und kühlen es ab.

    Die Leichen sind innerhalb von 20 Minuten zu Asche verbrannt. Das Krematorium arbeitet mit 15 Öfen. Seine tägliche Kapazität reicht so zur Verbrennung von 5000 Menschen aus. Insgesamt gibt es vier Krematorien mit dieser Kapazität. Täglich gehen 20'000 Menschen durch die Gaskammern und die Einäscherungsöfen.

    Allerdings reichte selbst diese staunenswerte Kapazität der Krematorien nicht zur Bewältigung der tagtäglich anfallenden Leichenhimalayas, so dass die bewährten Verbrennungsgruben in Aktion treten mussten. Diese befanden sich, wie wir aus vielen anderen Zeugenberichten wissen, neben den zu Gaskammern umgebauten Bauernhäusern. Doch halt, es gab in diesen beiden Bauernhäusern, bzw. in diesem einen Bauernhaus, gar keine Gaskammern, sondern lediglich einen Entkleidungsraum (9):

    Wir betreten einen hofähnlichen Platz. In seiner Mitte steht ein langgestrecktes Haus mit abgeblättertem Putz und Schilfdach. Die kleinen Fenster sind mit Fensterläden verschlossen. In der bekannten Art deutscher Bauernhäuser erbaut, ist es vielleicht schon 150 Jahre alt. Das längst geschwärzte Schilfdach und der oftmals ausgebesserte Mauerputz deuten darauf hin. Birkenau liegt neben Auschwitz. Im Interesse des KZ-Aufbaus wurde das Dorf vom deutschen Staat in Besitz genommen, seine Häuser wurden bis auf dieses eine abgerissen, die Einwohner vertrieben.

    Was war wohl die ursprüngliche Funktion dieses Hauses? War es ein Wohnhaus? Vielleicht hatte man die Trennwände entfernt, so dass ein einziger grosser Raum entstand. Vielleicht aber sah es schon vorher so aus, diente als Lager oder etwas Ähnliches. Ich weiss es nicht. Jetzt stellte es einen Entkleidungsraum dar, in dem die zum Tode auf dem Scheiterhaufen Verurteilten ihre Kleider ablegten. An diesen Ort werden diejenigen Transporte geschickt, die von den vier Krematorien nicht mehr bewältigt werden können. Ihnen ist das fürchterlichste Ende bestimmt. Hier gibt es keine Wasserleitungen, an denen die Opfer ihren Durst löschen können. Es sind auch keine ablenkenden Aufschriften vorhanden, die ihre schlimmsten Befürchtungen vertreiben können. Hier existiert keine Gaskammer, die man für eine Badestätte halten könnte. Nur ein vormals gelb gestrichenes Bauernhaus mit Schilfdach und geschlossenen Fensterläden steht da. Hinter ihm aber steigt ein riesiger Rauchpilz zum Himmel, den Geruch von brennendem Menschenfleisch und schmorendem Haar verbreitend.

    Eine etwa 500 Seelen zählende Menschenmenge steht, vor Angst versteinert, auf dem Hof Eine dichte Kette von SS-Posten, die ihre Bluthunde kaum an der Leine halten können, umgibt sie. 300 bis 400 Menschen auf einmal werden in das Entkleidungshaus getrieben. Unter Stockhieben werfen sie die Kleidung ab und treten nackt aus der gegenüberliegenden Tür, machen den nachfolgenden Opfern Platz.

    Wenn sie aus dem Haus treten, bleibt ihnen keine Zeit, sich umzusehen, das Fürchterliche ihrer Situation zu erfassen. Schon packen zwei Leute des Sonderkommandos sie an den Armen und schleifen sie zwischen zwei Postenketten auf dem von Bäumen begrenzten, etwa 150 Meter langen Weg bis zum Scheiterhaufen. Ihn können sie erst am Ende des Weges sehen, wenn sie zwischen den Bäumen heraustreten.

    Der Scheiterhaufen, das ist ein 50 Meter langer, 6 Meter breiter und 3 Meter tiefer Graben, voll mit Hunderten brennender Leichen. An seiner Längsseite stehen in 5 Meter Abstand voneinander SS-Männer. In den Händen halten sie die für den Genickschuss gebräuchliche, kleinkalibrige 6-mm-Waffe. Wenn das unglückliche Opfer das Ende des Weges erreicht hat, packen es zwei andere Männer des Sonderkommandos und schleppen es bis über 15 bis 20 Meter vor einen der SS-Schützen. Zwischen den markerschütternden Todesschreien klingt der Schuss nur wie ein Knacken. Danach wird das meist noch lebende Opfer in das Flammenmeer gestossen. 50 m weiter ist ein zweiter Scheiterhaufen voll in Betrieb (...) Die Kapazität der beiden Scheiterhaufen beträgt 5000 bis 6000 Tote, etwas mehr als die eines Krematoriums.

    Kurz vor der Einstellung der Vergasungen, am 1. November 1944, machte Nyiszli «einen kurzen Spaziergang in der Abenddämmerung» und warf einen nachdenklichen Blick auf seinen Arbeitsplatz (10):

    Mich umgibt die auf allem liegende unheilverkündende Stille. Der kalte Stein der Betontreppe, der Weg zur Gaskammer verschwinden im Nebel. 4 Millionen unschuldiger Menschen nahmen an dieser Stelle mit einem letzten schmerzlichen Blick Abschied von ihrem Leben, sanken dann in ihr ungegrabenes Grab... Allein stehe ich hier, auf der letzten Stufe des Lebens von 4 Millionen.

    Nach diesen negativen Erfahrungen beurteilt Nyiszli die Ideologie des Nationalsozialismus naturgemäss mit kritischer Distanz (11):

    Pseudowissenschaft! (...) Nutzt doch die Nazipropaganda naturgemäss jegliche in ein wissenschaftliches Mäntelchen kleidbare Lüge, sei sie auch noch so himmelschreiend. Diejenigen aber, die solche Art Propagandamaterial betrachten und den erläuternden Teil lesen werden, besitzen kaum kritischen Verstand, sondern werden alles so hinnehmen, wie man es ihnen serviert.


    Anmerkungen zur Zeugenaussage

    1) Kurt Vindex, Das Blaubuch. Team Schweiz, Postfach 97, 8320 Fehraltdorf, Schweiz.
    2) Paul Rassinier, Le drame des juifs européens, La Vieille Taupe, Nachdruck der 1964 bei Sept couleurs erschienenen Ausgabe.
    3) Miklos Nyiszli, Im Jenseits der Menschlichkeit, Dietz Verlag Berlin, 1992, S. 10; S.155.
    4) ibidem, S. 11.
    5) ibidem, S. 122.
    6) ibidem, S.11/12.
    7) ibidem, S. 24, S. 31.
    8) ibidem, S. 32 ff.
    9) ibidem, S. 59 ff.
    10) ibidem, S. 129/130.
    11) ibidem, S. 127/128.


  • Kritik

    Während die orthodoxen Historiker heutzutage von 800'000 bis 1,5 Millionen Auschwitz-Opfern ausgehen (vgl. dazu die Tabelle im 3. Kapitel), wurden in der Nachkriegszahl allgemein Zahlen von 3 bis 4 Millionen oder mehr genannt. Wieviele Menschen starben nun unserem Kronzeugen Dr. med. Miklos Nyiszli zufolge in diesem grössten Konzentrationslager? Nyiszli legt sich nirgends auf eine Gesamtzahl der Opfer fest; wir müssen also mühsame Berechnungen anstellen, die wie folgt aussehen:

    1) Als Nyiszli im Mai 1944 in Auschwitz eintraf, war das zwölfte Sonderkommando im Einsatz.

    2) Jedes Sonderkommando wurde nach vier Monaten («wenn seine Angehörigen zuviel gesehen hatten») liquidiert.

    3) Folglich hatten die Massenvergasungen 45 bis 48 Monate vor der Ankunft Nyiszlis begonnen, also zwischen Mai und September 1940.

    4) Nun gab es 1940 nach allgemeiner Ansicht in Auschwitz noch keine Gaskammern, diejenige des Stammlagers soll 1941, die Bauernhäuser vom Birkenwalde 1942, die Krematorien von Birkenau 1943 in Betrieb genommen worden sein. Folgen wir Dr. Nyiszli, so ist diese Ansicht falsch. Im Birkenwald gab es ihm nach überhaupt keine Gaskammern, sondern bloss Hinrichtungsstätten, wo die Opfer mit einer Kugel in die Feuergruben befördert wurden. Höchstwahrscheinlich waren die vier Krematorien von Birkenau bereits ab 1940 in Betrieb. Ja, so muss es gewesen sein, denn Nyiszli beteuert ja, er habe alles «ohne Übertreibung und ohne zu beschönigen» niedergeschrieben. Die Massenmorde gingen bis in den November 1944 weiter.

    5) Jedes Krematorium konnte gemäss unserem Zeugen täglich 5000 Menschen vernichten. Dazu kamen täglich weitere 6000 Menschen, die durch die kombinierte Methode Erschiessen/Verbrennen (eine der vielen exekutionstechnischen Errungenschaften des faschistischen Systems) getötet wurden. Nach Adam Riese belief sich die tagtägliche Ausrottungskapazität des Todeslagers somit auf stattliche 26'000 Einheiten.

    6) Demnach konnten, wenn wir für einen Monat 30 Tage ansetzen, monatlich 780'000 Menschen umgebracht und eingeäschert werden.

    7) Da der Ausrottungsprozess 45 bis 48 Monate vor Nyiszlis Eintreffen in Auschwitz seinen Anfang genommen hatte und danach noch 6 Monate andauerte, war die Todesmaschinerie insgesamt 51 bis 54 Monate in Betrieb.

    8) Vorausgesetzt, die Todesmaschinerie funktionierte von Anfang an ununterbrochen reibungslos, wurden in Auschwitz folglich zwischen 39,78 und 42,12 Millionen Menschen ermordet und verbrannt.

    9) Nun behauptet Nyiszli ja nirgends, dass die tägliche Maximalkapazität ständig erreicht wurde. Andererseits warf er am 1. November 1944 einen nachdenklichen Blick auf seinen Arbeitsplatz, das Krematorium II, wo 4 Millionen Menschen den Tod gefunden hatten. Es gab 4 Krematorien, die alle gleich leistungsfähig waren. Zudem waren sie stets voll ausgelastet, denn sonst hätte man die Verbrennungsgräben ja gar nicht benötigt. Dementsprechend belief sich die Mindestzahl der in den Krematorien von Birkenau um die Ecke gebrachten Menschen auf 16 Millionen.

    10) Nicht inbegriffen sind in dieser Zahl natürlich die in der Stammlagergaskammer sowie den Gräben Ermordeten. Wenn wir, um ja nicht von unlauteren Kreisen der Übertreibung bezichtigt zu werden, deren Gesamtziffer auf 2 Millionen schätzen, was natürlich ganz unrealistisch niedrig ist, kommen wir auf 18 Millionen Morde.

    Fazit: Gestützt auf den «auch heute nur an wenigen Textstellen geringfügiger Korrekturen und Ergänzungen bedürfenden Bericht» (so Herausgeber Friedrich Herber in der Einleitung zur anno 1992 erschienenen Nyiszli-Übersetzung) können wir die absolute Mindestzahl der Auschwitz-Opfer mit 18 Millionen und die theoretisch mögliche Höchstzahl mit 42,12 Millionen angeben. Unter diesen Umständen stellt sich ernsthaft die Frage, ob Historiker, Journalisten und Politiker, die immer noch von sechs Millionen faseln, nicht wegen Leugnung oder zumindest Verharmlosung von Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Schmähung des Andenkens Verstorbener vor den Richter gehören. ob man auch Demographen gerichtlich verfolgen sollte, welche behaupten, vor dem 2. Weltkrieg habe es nur etwa 16 Millionen Juden gegeben, müsste erwogen werden. Da mindestens 18 Millionen Juden in Auschwitz vernichtet wurden und nach dem 2. Weltkrieg zumindest noch einige tausend am Leben waren (denn sonst besässen wir ja gar keine Überlebendenberichte!), drängt sich der Verdacht auf, dass jene Demographen ebenso wie die Historiker, Journalisten und Politiker den Nazi-Völkermord böswillig verharmlosen und so das Andenken der Toten auf gemeine Weise verunglimpfen. Andererseits kann man zur Entlastung der Demographen anführen, dass Dr. Nyiszli nicht behauptet, alle Ermordeten seien Juden gewesen; es gab ja auch eine Anzahl Zigeuner und sonstige Häftlinge unter ihnen. Die Frage der gerichtlichen Verfolgung der Demographen könnte für die mit der Aburteilung der Auschwitz-Leugner beauftragten Gerichte zur recht eigentlichen Knacknuss werden; wir beneiden diese Richter offen gesagt nicht um ihre Aufgabe.

    Noch einige Worte zu den Gaskammern. Diese waren, so versichert uns unser Starzeuge, 150 m lang (die Länge der Krematorien betrug 200 m). Auch diese Zahl steht im Widerspruch zu den Dokumenten und zur Standardliteratur. Jean-Claude Pressac, der sich in seinem grossen Opus ausgiebig mit Nyiszli befasst, hilft uns weiter (1): «Die Beschreibung (des Krematorium 11 sowie der dortigen Vorgänge) ist sehr genau, AUSGENOMMEN gewisse ZAHLEN, die durch und durch FALSCH sind.» Der Grund dafür ist, so Pressac, dass (3) «DOKTOR NYISZLI, ein ehrenhafter, IN DEUTSCHLAND AUSGEBILDETER AKADEMIKER, die Zahlen mit VIER multipliziert hat, wenn er das Innere des Krematorium II beschrieb und wenn er die Zahl der Personen oder Opfer erwähnte». An anderer Stelle meint Pressac (3): «Das Geheimnis des ‹Multiplikatoren› bleibt weiterhin ungelöst.»

    Dazu bemerkt Robert Faurisson (4): «Nehmen wir an, ein ‹Zeuge› behauptet, er habe während sechs Monaten (denn so lange war Nyiszli an dem von ihm geschilderten Ort) vier Männer gesehen, die allesamt sieben Meter gross und 200 Jahre alt waren, so würde man annehmen, dass kein Mensch diesem Zeugen glaubt. Kein Mensch, ausser Pressac, der, gestützt auf die Regel des berühmten Koeffizienten der Division durch vier, sagen würde: Der Zeuge hat die Wahrheit gesagt, er hat einen Mann gesehen, der 1,75 m gross und 50 Jahre alt war.»


    Anmerkungen zur Kritik

    1) Pressac, S. 473.
    2) ibidem, S. 475.
    3) ibidem, S. 479.
    4) Robert Faurisson, Bricolage et «gazouillages» à Auschwitz et Birkenau selon J. C. Pressac, Revue d'Histoire révisionniste, Nr. 3, S. 128.


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