• Augenzeugenbericht Nr. 5: Claude Vaillant-Couturier.
  • Am 26. Juli 1945 erklärte Sir Hartley Shawcross, Hauptankläger für das Vereinigte Königreich, vor dem Nürnberger Tribunal (1):

    Zwölf Millionen Morde! Zwei Drittel der Juden Europas vernichtet, mehr als sechs Millionen von ihnen, nach eigenen Angaben der Mörder (Dokument 2738PS) . Das Morden wurde betrieben wie irgendeine Industrie der Massenproduktion, in den Gaskammern und den Öfen von Auschwitz, Dachau, Treblinka, von Buchenwald, Mauthausen, Maidanek und Oranienburg.

    Der heutigen orthodoxen Geschichtsschreibung nach gab es in Dachau und Buchenwald keine Gaskammern (2); in Mauthausen und Oranienburg fanden einigen Autoren zufolge Vergasungen kleineren Umfangs statt (3); Majdanek wird von den meisten Exterministen als Vernichtungslager eingestuft (4). Unbestritten in die Kategorie der «Vernichtungslager» gehören nach heutiger Auffassung von den sieben genannten Lagern nur Treblinka und Auschwitz. Da Rudolf Höss in Nürnberg von drei Millionen Auschwitz-Opfern (darunter zweieinhalb Millionen Vergasten) sprach (5), müsste man annehmen, dass das Gericht nichts unterliess, um möglichst viele und möglichst gewichtige Augenzeugen der Auschwitz-Greuel auftreten und aussagen zu lassen. Überraschenderweise war dies aber keineswegs der Fall.

    Dass die Nürnberger Anklägerer es merkwürdigerweise unterliessen, die Autoren des WRB-Berichts in den Zeugenstand zu laden, haben wir bereits erwähnt. Statt diese wichtigen Kronzeugen zu vernehmen, untersuchten sie die Ausrottung der Juden mittels Atombomben.

    Die fraglos wahnwitzigste Passage aus den Nürnberger Protokollen steht mit Auschwitz in Verbindung. Am 21. Juni 1946 kam es zu folgendem Dialog zwischen US-Ankläger Robert Jackson und Albert Speer (6):

    Jackson: Und gewisse Experimente und Forschungen wurden auch in der Atomenergie durchgeführt, nicht wahr?

    Speer: Wir waren leider nicht so weit, denn dadurch, dass die besten Kräfte, die wir in der Atomforschung hatten, nach Amerika auswanderten, wurden wir in der Atomforschung sehr stark zurückgeworfen, und wir waren an sich noch ein bis zwei Jahre davon entfernt, um vielleicht eine Atomzertrümmerung bekommen zu können.

    Jackson: Man hat mir einen gewissen Bericht über ein Experiment, das in der Nähe von Auschwitz durchgeführt wurde, ausgehändigt, und ich möchte gerne wissen, ob Sie davon gehört haben oder etwas davon wussten. Der Zweck dieses Experiments war, ein schnelles und wirksames Mittel zu entdecken, mit dem man Mensch n, ohne sich - wie man es bisher getan hatte - mit Erschiessen, Vergasen und Verbrennen anstrengen zu müssen, auf dem schnellsten Weg vernichten konnte. Wie man mir mitgeteilt hat, wurde das Experiment in folgender Form durchgeführt: In einem kleinen provisorischen Dorf, das für diesen Zweck vorübergehend aufgebaut wurde, brachte man 20'000 Juden unter. Mit Hilfe des neu erfundenen Zerstörungsstoffes wurden diese 20'000 Menschen fast augenblicklich vernichtet, und zwar derartig, dass nicht das geringste von ihnen übrigblieb. Die Explosion erregte eine Temperatur von 400 bis 500 Grad Celsius und zerstörte die Leute derartig, dass sie überhaupt keine Spuren hinterliessen.

    Wir enthalten uns eines Kommentars zu diesem Dialog. Gewiss, Auschwitz-Kommandant Rudolf Höss war in Nürnberg eine Schlüsselfigur, doch von ihm abgesehen wurden nur gerade zwei Augenzeuginnen vorgeladen, und bei diesen handelte es sich um recht obskure. Am 28. Januar trat Claude Vaillant-Couturier, eine französische Jüdin, als Zeugin der Anklage in Nürnberg auf. Sie sollte später Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Frankreichs werden. Hier die zentralen Passagen ihrer Aussage (7):

    Am 5. Februar [1943] fand ein allgemeiner Appell statt (...)

    An diesem Tage wurden zehn französische Frauen unserer Gruppe gefasst und in den Warteblock gebracht. Nachdem alle Verhafteten ins Lager zurückgebracht waren, wurde eine Kolonne gebildet, der ich angehörte, um auf die Ebene zurückzukehren und die Toten aufzuheben, die wie auf einem Schlachtfeld zerstreut herumlagen. Wir haben unterschiedslos die Toten und die Sterbenden in den Hof von Block 25 gebracht. Sie sind dort zusammengepfercht liegen geblieben. Dieser Block 25 war das Vorzimmer zur Gaskammer, wenn man so sagen darf. Ich kenne ihn sehr gut, denn wir sind zu dieser Zeit in den Block 26 verlegt worden, und unsere Fenster Öffneten sich in den Hof des Blocks 25. Man sah Mengen von Leichen im Hofe aufgehäuft, und von Zeit zu Zeit bewegte sich unter diesen Leichen eine Hand oder ein Kopf, die versuchten, sich freizumachen. Es war eine Sterbende, die sich loszulösen versuchte, um weiter zu leben (...) Als wir 1944 in dem Block der Näherinnen arbeiteten, lag unser Block, in dem wir wohnten, gegenüber der Ankunftsstelle der Züge. Man hatte das ganze Verfahren verbessert: Anstatt die Auswahl bei der Ankunftsstelle vorzunehmen, brachte ein Abstellgeleise den Zug fast bis zur Gaskammer, der Zug hielt also etwa 100 Meter vor der Gaskammer. Das war genau vor unserem Block, aber natürlich durch zwei Reihen Stacheldraht getrennt. Dann sahen wir, wie die Plomben von den Wagen entfernt und wie Frauen, Männer und Kinder von Soldaten aus den Wagen herausgeholt wurden. Wir wohnten den entsetzlichen Szenen bei, wenn alte Ehepaare voneinander getrennt wurden. Mütter mussten ihre Mädchen verlassen, weil diese in das Lager zu gehen hatten, während die Mütter und Kinder in die Gaskammern gebracht wurden (...)

    Diejenigen, die für die Gaskammern ausgesucht worden waren, das heisst die alten Leute, Kinder und Mütter, wurden in ein rotes Ziegelgebäude geführt (...) Nachdem die Leute ausgezogen waren, führte man sie in einen Raum, der wie ein Duschzimrner aussah, und durch ein Loch in der Decke wurden die Kapseln in den Raum hinabgeworfen. Durch ein Guckloch beobachtete ein SS-Mann die Wirkung. Nach ungefähr fünf bis sieben Minuten, wenn das Gas sein Werk getan hatte, gab es ein Signal zur Öffnung der Türe. Männer mit Gasmasken, es waren auch wieder Häftlinge, kamen herein und brachten die Leichen heraus. Sie haben uns erzählt, dass die Häftlinge vor ihrem Tod gelitten haben müssen, denn sie waren zu Trauben aneinander geklammert, so dass es schwer war, sie voneinander zu trennen. Danach kam eine andere Mannschaft, um ihnen die Goldzähne und Gebisse herauszureissen. Nach der Verbrennung wurden sie aber noch einmal durchgesiebt, um den Versuch zu machen, das Gold zu sammeln. In Auschwitz waren acht Verbrennungsöfen. Diese waren aber ab 1944 nicht mehr ausreichend. Die SS liess von den Häftlingen grosse Gruben ausgraben, in denen sie mit Benzin übergossenes Reisig anzündeten. In diese Gruben warfen sie dann die Leichen. Von unserem Block aus sahen wir ungefähr dreiviertel bis eine Stunde nach der Ankunft eines Transports hohe Flammen aus dem Verbrennungsofen emporschlagen und den Himmel durch die brennenden Gräben leuchten. Eines Nachts wurden wir durch furchtbare Schreie aufgeweckt. Am nächsten Tag haben wir von den Männern, die im Sonderkommando, dem Gaskommando, arbeiteten, erfahren, dass sie am Abend vorher lebendige Kinder in die Scheiterhaufen geworfen hätten, da nicht mehr genügend Gas vorhanden war.


    Anmerkungen zur Zeugenaussage

    1) IMT XIX, 483.
    2) In einem Brief an die ZEIT schrieb Martin Broszat, damaliger Mitarbeiter und späterer Leiter des Münchner Instituts für Zeitgeschichte, am 19. August 1960, weder in Dachau noch in Buchenwald noch in Bergen-Belsen seien Juden oder sonstige Häftlinge vergast worden. In der Gedenkstätte Dachau wird ein Raum als «nie in Betrieb genommene Gaskammer» bezeichnet. Kogon/Langbein/Rückerl schreiben, ob im KZ Dachau Tötungen durch Giftgas vorgenommen wurden, sei «bis heute nicht schlüssig nachgewiesen» (S. 277). Die Existenz einer Gaskammer in Buchenwald wird heute in der Standardliteratur noch nicht einmal diskutiert.
    3) Hilberg erwähnt keine Vergasungen in Mauthausen und Oranienburg. Hingegen sprechen Kogon/Langbein/Rückerl von insgesamt über 4000 in Mauthausen Vergasten (S. 253). In Sachsenhausen (dem Nachfolgelager Oranienburgs-, in der Literatur werden die beiden Namen oft unterschiedslos verwendet) habe eine Gaskammer existiert, die «offenbar nur in besonderen Situationen benutzt» worden sein (S. 255). Auch die Enzyklopädie des Holocaust ortet Gaskammern in Mauthausen (S. 931) und Sachsenhausen (S. 1270).
    4) Gerald Reitlinger meint, Majdanek sei kein Vernichtungslager gewesen (S.512).
    5) NO 3868 PS.
    6) IMT IV, 409.
    7) IMT XVI, 499/500.


  • Kritik
  • 1) Die Zeugin spricht von einer Vergasung, die am 5. Februar 1943 in Birkenau stattfand. Zu jenem Zeitpunkt war noch keines der Krematorien fertiggebaut. Der Standardliteratur zufolge wurden die Vergasungen in Birkenau vor der Errichtung der Krematorien in zwei zu Gaskammern umgebauten Bauernhäusern durchgeführt. Laut Frau Vaillant-Couturier war der Block 25 «das Vorzimmer zur Gaskammer». Dieser Block 25 lag aber im Frauenlager. Nirgends in der Literatur wird dort von Vergasungen berichtet.

    2) Die Zeugin spricht bald von «der Gaskammer» im Singula r, bald von «den Gaskammern» im Plural.

    3) Auch im Jahre 1944 lag «die Gaskammer», bzw. lagen «die Gaskammern» der Zeugin nach noch in einem Block im Frauenlager.

    4) Dass die Gaskammer laut Claude Vaillant-Couturier nicht im selben Gebäude wie eines der Krematorien lag, ist ferner daraus ersichtlich, dass die Leichen der Ermordeten hinausgetragen und «auf dem Hof aufgehäuft» wurden.

    5) Dass «der Raum» wie ein Duschzimmer aussah, weist darauf hin, dass er recht klein gewesen sein muss.

    6) Aus bereits erwähnten Gründen ist ein Räumen der Gaskammer nach bereits fünf bis sieben Minuten absolut unglaubhaft.

    7) Der Tod durch Blausäure ist nicht qualvoll, sonst würde dieses Gift in den Vereinigten Staaten nicht zur Hinrichtung von Delinquenten benutzt. Vgl. dazu Gauss, S. 229.

    8) Als reine Absurdität ist die Geschichte von den nach der Verbrennen zwecks Goldsammlung noch einmal «durchgesiebten» Leichen zu betrachten.

    9) In Auschwitz gab es, so die Vaillant-Couturier, «acht Öfen». Es ist nicht ganz klar, ob damit acht Krematorien oder acht Retorten gemeint sind. In beiden Fällen entspricht die Zahl nicht den Tatsachen.

    10) Offenkundige Greuelpropaganda ist die Episode von den mangels Gas lebendig «in die Scheiterhaufen geworfenen» Kindern.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Zeugin eine private, von der Literatur und den anderen Zeugenaussagen nirgends gedeckte Version der Massenvergasungen in Birkenau präsentiert.


    Anmerkung zur Kritik

    (Bei der Kritik dieser Zeugenaussage waren die Anmerkungen Wilhelm Stäglichs im 3. Kapitel des Auschwitz-Mythos - S. 163 ff. - für uns sehr hilfreich).


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