von Udo Walendy
![]() "Zur Exekution". Mit diesem Bildtext veröffentlicht in S. Einstein "Eichmann — Chefbuchhalter des Todes", Roederberg Verlag, Frankfurt/M, 1961, S. 200. |
Dieses Bild ist in Wirklichkeit eine fotografierte Zeichnung, die noch nicht einmal gut ist. Lichtreflexe, Unschärfe, Hintergrundbeleuchtung, die weiße Frau rechts im Hintergrund ohne jegliche Konturen sprechen für sich. Man beachte auf den Bildausschnitten auch Gesichter, Haarbeleuchtung, Schatten, die — genau wie die Gesamtsituation — völlig unnatürlich sind.
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![]() "... keine Barbarei zu infam : Jüdinnen auf dem Weg zur Hinrichtung" Mit diesem Bildtext veröffentlicht in "Der Spiegel" Nr. 53/1966 S. 48 "Der Spiegel" in einem privaten Brief nach Vorhalt der Bildfälschung : "Selbstverständlich kann der Spiegel nicht den Beweis antreten, daß dieses Photo echt ist." "Massenexekution in Lijepaja, Lettland" Mit diesem Bildtext abgedruckt in Gerhard Schoenberner "Der gelbe Stern — Die Judenverfolgung in Europa 1933 bis 1945", Rütten und Loening Verlag Hamburg 1960 mit einem Vorwort von Thomas Mann S. 97. |
Bei diesem Bild handelt es sich um eine verbesserte Retusche von Bild S. 14. Man vergleiche die Frau im Hintergrund, den Abstand zwischen den beiden Knien der Frau vorn rechts und der Frau vorn links, das rechte Bein (links im Bild) der dritten Frau von links, der generell neu gestaltete Boden auch im Hintergrund, die neuen Schattierungen, die auch auf dieser Retusche weder den Lichtverhältnissen noch der Bildschärfe gerecht werden. Vordergrund ganz links hier hell, auf dem ursprünglichen Bild dunkel.
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![]() "Polen werden im Lemberger Ghetto gezwungen, auf der Erde zu kriechen". Mit diesem Bildtext veröffentlicht in R. Schnabel "Macht ohne Moral", S. 442. Ebenfalls veröffentlicht in Schoenberner "Der gelbe Stern" a.a.O. S. 60. |
Auch dieses Bild ist eine Fotomontage. Typisch bereits der konturlose weiße Vordergrund, der ohne geringste Lichtunterschiede bis durch das Tor hindurchreicht. Durch das Tor im Bretterzaun ist eine Tür des dahinterstehenden Gebäudes angedeutet, die jedoch nur an den Schultern der Soldaten, nicht mehr an den Füßen zu sehen ist. Eine so kleine Tür widerspricht den großen Fenstern und auch den dort sichtbaren Farbkontrasten. Wenn die Hände der Kriechenden bereits Schatten nach rechts hinten werfen, ist es unverständlich, weshalb der halbstehende "Pole" keinerlei Schatten (mit Ausnahme zwischen seinen Füßen) wirft. Auch der zweite kriechende "Pole" läßt die Schatten seiner linken Hand vermissen, ebenso die im Hintergrund stehenden Soldaten. Da das Licht von vorne links kommt, müßte die linke Person vorn durchweg heller beleuchtet sein. Die zweite kriechende Person v. r. hinten hat ein verhältnismäßig zu schwarzes Gesicht; ihr Körper hätte die Beleuchtung zwischen ihren Armen beeinträchtigen müssen, der Schatten ihrer Arme bzw. der davor kriechenden Frau sind zu dunkel im Vergleich zu den Schatten der anderen. Der Kopf des kriechenden "Polen", der scheinbar mit der Frau spricht, paßt anatomisch überhaupt nicht zu seinem Körper und ist außerdem viel zu dunkel im Vergleich zu seiner Hand.
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![]() "Polnische Frauen müssen sich vor der Vergasung entkleiden". Mit diesem Bildtext erscheint diese "Originalfotografie" in R. Schnabel "Macht ohne Moral", S. 480, Erscheinungsjahr 1957, Frankfurt/M. |
Es handelt sich hierbei in Wirklichkeit um eine reine Zeichnung, die das Bemühen kenntlich macht, möglichst undeutlich zu sein hinsichtlich aller nachprüfbaren Indizien. Die Lichtreflexe sind völlig wahllos und mit Ausnahme der Unterhose im Vordergrund ohne Schattierungsübergänge. Schwarz-weiße Farbübergänge insbesondere bei der am Boden liegenden "Wäsche", den Uniformen, Armbinden und Gesichtern der "Wachmannschaften" sind grundsätzlich unnatürlich.
Der Bildausschnitt S. 18 verglichen mit S. 19 klärt die Fälschung deutlich auf. Die Beine der sitzenden Frau sind von den Knien ab im Schatten und laufen ohne Konturen aus. Der Oberkörper der stehenden Frau ist grundsätzlich weiß, die Hose hat keinen Streifen in der Mitte, der weiße Klecks zwischen den Händen der beiden Frauen entspricht nicht dem Vergleichsbild. Das rechte Bein der sitzenden Frau steht schräg zur Erde (linke Bildpartie) und mündet aus zwischen den beiden oder drei "Wäschestücken" am Boden, wobei der mittlere Teil (2-2,5 cm vom linken Bildrand unten) vor der Mitte des Schienbeines liegt. Auf dem Vergleichsbild endet die Wade mit diesem "Wäschezipfel", d.h. das Bein hat plötzlich eine andere Stellung bekommen.
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![]() Vergrößerter Ausschnitt des Bildes S. 17 In noch verbesserter Retusche veröffentlicht in "Der gelbe Stern" a.a.O. S. 96. |
Dieses Bild ist eine reine Zeichnung, und zwar eine verbesserte Ausgabe des Bildes S. 17.
Auch in diesem Buch wird der Zeitpunkt nicht genannt. Der Bildtext ist auf Anhieb nachweislich falsch : Lijepaja (lettisch) ist Libau, eine Stadt von damals 57 000 Einwohnern, die zweitgrößte Stadt Lettlands. Die Gegend auf dem Bild dagegen weist aus, daß es sich jedenfalls nicht um eine Stadt handeln kann.
Das Bild ist eine Fotomontage, die auf das früher veröffentlichte Vergleichsbild (S. 17) zurückgeht. Besteht doch keine Veranlassung, ein besseres Bild in ein schlechteres zu retuschieren und das schlechtere sechs Jahre früher zu veröffentlichen. Kein einziges Kleidungsstück ist zu spezifizieren. Man vergleiche das "Kleidungsstück" am rechten Fuß der stehenden Frau — insbesondere den rechten Zipfel — mit dem anderen Bild und versuche zu enträtseln, auf welchem Untergrund es liegt. Ein Bild, das genau die einzelnen Falten der Hose der Frau zeigt, müßte auch deutliche Einzelheiten dicht neben dem Fuß erkennen lassen, was jedoch nicht der Fall ist. Der "Bewacher" links der stehenden Frau erscheint erstmals im Bild, wenn auch in der Kopfgegend ohne Konturen, was fototechnisch nicht erklärbar ist, da rechts und links davon Lichtreflexe wirksam sind, jedoch dann besonders auffällt, wenn das ältere
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Vergleichsbild danebengehalten wird. Die weiße Armbinde auf dem rechten statt linken Arm, wie die anderen "Bewacher" sie tragen, ist ein zusätzlicher Formfehler; sein Gewehr oder Knüppel — beiden Deutungen werden die Striche für sog. "Waffen" der Bewacher nicht gerecht! — sowie das seines Hintermannes sind gut sichtbar, im Vergleichsbild nicht. Der Hintergrund links ist herangeholt, die für die Retusche schwierige Bildpartie ganz links ist einfach abgeschnitten worden.
![]() "Die Gestapo brachte Frauen und Kinder zum Erschießen". Mit diesem Bildtext (statt "Vergasung" also "Erschießen") veröffentlicht im "ungewöhnlich reichhaltigen Bild- und Dokumentenmaterial von großem historischen Wert" (lt. Vorwort) in K. Zentner "Illustrierte Geschichte des Zweiten Weltkrieges", S. 490; Erscheinungsjahr 1963, München, Südwest Verlag Neumann KG. Der Klappentext vermerkt : "Klare Bilder vom Geschehen an den einzelnen Fronten... Nichts wird beschönigt, nichts verschwiegen, nichts verfälscht". 1964, ein Jahr später also, weiß man es noch genauer : "Massenexekution von Frauen in Lijepaja in Lettland". Mit diesem Bildtext übernommen von "Das Dritte Reich — Seine Geschichte in Texten, Bildern und Dokumenten", herausgegeben von H. Huber, A. Müller unter Mitwirkung von Prof. W. Besson, Bd. II, Verlag Kurt Desch, München, Wien, Basel, 1964, S. 523. "Jüdinnen beim Entkleiden vor der Hinrichtung". Keine Brutalität zu gering ..." Mit diesem Bildtext in "Der Spiegel" Nr. 53/1966 S. 48. |
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![]() "Der Terror in den besetzten Gebieten hatte als erstes Ziel : Die Ausrottung der jüdischen Bevölkerung und die Einschüchterung aller jener Einwohner, die sich nicht völlig dem Regime unterwarfen. Die Gestapo brachte Frauen und Kinder zum Erschießen." Mit diesem Bildtext veröffentlicht in K. Zentner "Illustrierte Geschichte des Zweiten Weltkrieges", S. 490. In verbesserter Retusche veröffentlicht in "Der gelbe Stern" a.a.O. S. 96. |
Dieses Bild dürfte in derselben Fälscherzentrale hergestellt worden sein, wie die Bilder S. 10-19. Dafür spricht die Gleichheit des Motives und der Darstellung. Die Gesamtsituation ist völlig unwirklich. Wenn es eine solcherart dargestellte Exekution gegeben haben sollte, dann wäre es absolut unmöglich gewesen, zunächst noch eine Gruppenaufnahme mit so gelassen und ruhig dreinblickenden Gesichtern zu machen, während die "Wachmannschaften" sich mit Sichtung der abgelegten Kleider dieser Menschen beschäftigten. Die völlig schattenfreie Unterhose der älteren Frau im Vergleich mit den deutlichen Schattenfalten an Hemden und Hosen der anderen Frauen, die differenzierte Farbgestaltung der linken und der rechten "Wachmannschaften", die unechte Schattierung der Frauen einschließlich Gesichter und Haare (Augenbrauen hat nur die im Bild links stehende Frau), die typischen schwarz-weißen Kontraste der Wäsche rechts und ihre grundsätzlich andere Aufmachung links beweisen, daß es sich hier um eine Zeichnung und nicht um eine Fotografie handelt.
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![]() "SS-Männer schnitten den Juden Sterne in die Haut." Mit diesem Bildtext veröffentlicht in "Faschismus, Getto, Massenmord — Dokumentation über Ausrottung und Widerstand der Juden in Polen", herausgegeben vom Jüdischen Historischen Institut Warschau, Frankfurt/M, 1960, S. 42. "Davidsterne wurden Männern auf die Stirn gebrannt" Mit diesem Bildtext veröffentlicht in "The Pictorial History of the Third Reich — A Shattering Photographic Record of Nazi Tyranny and Terror" — Robert Neumann, Helga Koppel — Bantam Books New York S. 148. |
Dieses Bild ist keine Fotografie sondern eine fotografierte Zeichnung. Diese drei Juden hat es nie gegeben. Hätte es sie gegeben, dann wären sie nach Kriegsende der internationalen Öffentlichkeit vorgestellt und auch hier in dieser Veröffentlichung mit Namen und jetzigem Wohnort usw. bekannt gemacht worden. Man schaue sich nur die rechten und linken Hände und die dazugehörigen weißen Hemdsärmel an, dazu den anonym schaurigen Hintergrund, um zu wissen, wie es um diese "Beweisführung" bestellt ist. Ein Einschneiden in die Haut würde Narben geben; Narben aber würden nicht so deutlich in schwarz-weiß Kontrasten sichtbar sein. Man hat also diese angeblichen "Narben" angemalt; wobei beim Stern links offenbar noch eine falsche Vorlage zu Grunde gelegen hat.
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