Bild-Sonderdruck
des historischen Quellenwerkes

Europa in Flammen 1939-1945
Band II

von Udo Walendy




"Polnische Zivilisten werden von SS zum Erschießen vor einem Graben aufgestellt."

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in R. Schnabel "Macht ohne Moral", S. 399. Das Bild übernahm J. Thorwald "Die große Flucht", S. 479; der dortige Text weist diese "Zivilisten" als "Geiseln" aus.

In verbesserter Retusche veröffentlicht in Gerhard Schoenberner "Der gelbe Stern", a.a.O. S. 87.

Auch dieses Bild ist keine echte Fotografie. Ungeachtet der deutlichen Erkennbarkeit von Ästen im Hintergrund und Falten an Jacken und Hosen der Polen sind die drei Gesichter nicht nur unkenntlich, sondern das ganze jeweilige Gesicht ist in gleicher Lichttönung gehalten. Den Schattenverhältnissen des linken SS-Mannes zufolge scheint die Sonne von rechts oben aus der Waldrichtung. Die beiden Gesichter rechts einschließlich der Hand des rechten SS-Mannes konnten daher niemals total weiß sein; das gleiche gilt für die Mützen der Polen, die auch auf der Schattenseite gleichbleibend hell sind. Die Hosenbeine der jeweils dritten Polen v. r. u. 1. haben falsche Lichtreflexe. Der schwarze Streifen unter der weißen Hand des rechten SS-Mannes, der offenbar die Arme der beiden rechten Polen darstellen soll, paßt weder der Anatomie noch den Lichtreflexen nach ins Bild. Das nach rechts Ziehen des zweiten Polen entbehrt der sachlichen Logik, denn er steht bereits "richtig". Das ganze Verhalten dieser Polen ist unwirklich. Eine nicht überbelichtete Fotografie in der vorliegenden Bildschärfe läßt den Vordergrund auch dann deutlich erkennen, wenn es sich um Sand handelt. Dieser ist hier durch konturlose weiße Fläche ersetzt, die im oberen Rand nicht wie feuchte oder trockene Erde abschließt.

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"Vor der öffentlichen Exekution wird den Opfern das 'Urteil' verlesen, dann erfolgt die Salve".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in "Der Zweite Weltkrieg in Bildern und Dokumenten", II. Bd. : "Der europäische Krieg 1939-1941", herausgegeben von Hans-Adolf Jacobsen und Hans Dollinger, Verlag Kurt Desch, München, Wien, Basel, 1962, S. 101.

"Polen vor der Hinrichtung (in Sosnowiec) : Es ist ein göttliches Gebot ...". Mit diesem Bildtext in "Der Spiegel" Nr. 51/1966, 12. 12. 1966, S. 83.

Dieses Bild ist eine Fotomontage. Die Undeutlichkeit der Embleme an den Mützen sowie deren beleuchtete Ränder widersprechen der Bildschärfe an anderen Stellen. Die Spiegel der SS-Leute stehen unrichtig, was auf einen falschen Schnitt der Revers zurückführt. Im SA-Sportabzeichen des rechten

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SS-Mannes ist das Hakenkreuz verzeichnet. Die Beleuchtung des Bildes ist nicht einheitlich. Dem linken Polen zufolge scheint die Sonne von links oben ein, was weder an dem Hosenumschlag des linken Gefangenen noch überhaupt beim rechten Gefangenen, auch nicht beim rechten SS-Mann Entsprechungen findet; hier kommt die Lichtquelle offenbar von rechts. Das Schwarz in den Augen, Ohren, an den Hosenträgerrändern, dem oberen Hemdkragenzipfel des rechten Gefangenen ist niemals eine fotografische Wiedergabe. Die Hand des linken Gefangenen ist anatomisch unrichtig, auch zu hell beleuchtet, der Hintergrund zwischen den Hosen der Gefangenen falsch. Die ganze Situation ist unwirklich. Exekutionen wurden allenfalls mit Stahlhelm und nicht in Ausgehuniform vorgenommen. Bilder oder Hinweise über die Ermordungen von 500 000 deutschen Soldaten durch sowjetische Partisanen (amtliches Eingeständnis der Sowjets) und die vielfach systematische Vernichtung deutscher Kriegsgefangener in der Sowjetunion, Polen, Tschechoslowakei, Jugoslawien und anderen Ländern finden sich in diesen "wissenschaftlichen" Büchern nicht.


Das Bild S. 25 ist eine Fotomontage. Weder den Polen noch Schützen noch die Hälfte der dargestellten Soldaten hat es je gegeben. Die drei linken Soldaten könnten einer privaten Gruppenaufnahme, der Panzermann und sein rechter Nebenmann (im Bild links von ihm) einem Privatfoto entnommen und mit Hilfe weiß gehaltener Übergänge in das Bild hineinmontiert worden sein. Alle übrigen Soldaten sind deutlich sichtbar — diletantisch — hineingezeichnet worden. Die Lichtreflexe sind widerspruchsvoll und unnatürlich, auch bei den Leichen und dem Polen. Man vergleiche seine hell-weiße Hand mit dem Schwarz, in dem seine Beine verschwinden. War sein Arm schon schwierig darzustellen, so entging man diesem Problem bei dem rechten Arm, indem man über alle schwierig darzustellenden Partien einen Mantel legte. Zusätzlich weist die situationsfremde Haltung der Soldaten dieses Bild eindeutig als Bildfälschung aus. Dies ist auch jenen Leuten aufgefallen, die Jahre später dieses Bild erneut der Fotomontage unterworfen haben. Siehe Vergleichsbilder.

Bild S. 26 ist eine zweite Version. Die linke Gruppe Soldaten wurde abgetrennt. Die jetzt sichtbaren linken Soldaten erhielten neue Köpfe. Hinter dem Soldaten in Bildmitte mit den eigenartig schwarzen Augen schaut plötzlich noch ein weiterer Soldat halb verdeckt hervor. Der Soldat rechts vom Panzermann erhielt auch einen neuen Kopf, dennoch vergaß man seine Füße und seinen Körper anatomisch richtig zu montieren. Und dann erst der Schütze; man hat ihn vorsichtshalber völlig neu gemalt — diesmal mit Brille. Man achte auf sein helles Käppi und die im Vergleich zum Hintergrund zwischen seinen Beinen helle Hose bzw. Uniform (im 3. Bild umgekehrt). Daß die Konturen der Leichenteile, Antlitz und Haare des Polen auch verändert sind, ebenso wie der sandige Grund, sei nebenbei erwähnt.

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"SS erschießt Polen in einer Sandgrube".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in R. Schnabel "Macht ohne Moral", Frankfurt 1957, Roederberg Verlag, S. 397.

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"Erschießung polnischer Juden durch die SS".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in "Der Zweite Weltkrieg in Bildern und Dokumenten", herausgegeben von Hans-Adolf Jacobsen und Hans Dollinger, Bd. I. Der europäische Krieg 1939-1941, Verlag Kurt Desch, München, Wien, Basel, 1962, S. 100. Veröffentlicht auch in "Der Spiegel" Nr. 51, 1966 S. 86.

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"Eine Hinrichtung durch Genickschuß im Jahre 1940".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in "Das Gesicht unseres Jahrhunderts — 60 Jahre Zeitgeschehen in mehr als 600 Bildern" von Milo Dor — Reinhard Fedemann, Econ Verlag Düsseldorf, Lizenzausgabe des Forum Verlages Wien, 1960, S. 168.

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Im Vorwort dieses Buches steht : "Bei der Auswahl der Bilder waren wir bestrebt, deutlich reproduzierbare, lebendige und für die wesentlichen Strömungen unserer Zeit repräsentative Photos heranzuziehen".

Erstens ist es infam, ein solches Bild als "repräsentativ für wesentliche Strömungen unserer Zeit" zu bezeichnen und zweitens ist dieses "lebendige, deutlich reproduzierbare Photo" gar keine echte Fotografie, sondern eine üble Fotomontage (3. Version), die den Vergleichsbildern S. 25 u. 26 entnommen worden ist. Der "SS-Schütze" ist wiederum verändert, seine Uniform erheblich dunkler, der Hintergrund dunstig aufgehellt. Die Lichtreflexe am Anzug, im Antlitz und den Haaren der Polen sind deutlicher gekennzeichnet. Der Soldat genau hinter ihm mit den seltsam schwarzen Augen ist verschwunden, dafür ein sehr viel kleinerer an seine Stelle getreten, so daß das Schwarze der Augen des früheren Soldaten nunmehr zum Käppi des neuen wurde. Der ganz links stehende Soldat erhielt ebenso wie die anderen ein dunkles Gesicht und überhaupt andere Schattierungen auf der Uniform. Die auf dem Bild sichtbaren Beine passen zum Teil überhaupt nicht zu den Körpern der Soldaten. Man vergleiche Stiefel und rechtes Hosenbein des Schützen im Vergleich zum Schatten des Sandes daneben und der hier dunklen — auf dem ursprünglichen Bild hellen — Uniform der dahinterstehenden Soldaten. Der Wehrmachtsadler des Panzersoldaten ist hier nicht mehr sichtbar. Daß auf den "Unteroffiziers"-spiegeln des Schützen die SS-Runen einzuzeichnen vergessen wurden, ist nur ein taktischer Formfehler.

Auch hier typisch :

Beim letzten Bild weiß man es genau : Es war im Jahre 1940.


Diese Fotomontage geht zurück auf eine Zeichnung. Typisch ist der unspezifizierte Bildtext, der auch im Text des Buches keineswegs ergänzt wird. Die Lichtreflexe schwarz-weiß bleiben ohne Schattierungsübergänge. Hinzu kommen schwarz-weißer Hintergrund, fehlende Perspektivwirkung, unterschiedliche Schattenrichtungen (bei den Liegenden kommt das Licht von links, bei den Stehenden von rechts) auch bei der stehenden Gruppe, insbesondere beim dritten Mann von links. Dieser zeichnet sich dadurch aus, daß die Anatomie seines Brustkorbes nicht stimmt; so ist das Brustbein verkümmert und die plastische Wölbung der Rippen zum Brustbein hin ist verzeichnet. Der weiße Arm links davon, der zu dem weißen Mann mit seltsam grauem Kopf im Hintergrund gehören soll, ist weder anatomisch richtig, noch paßt er in die Tiefenwirkung der Gruppe. Die Beine der Männer der zweiten Reihe stimmen mit ihren Körpern meist nicht überein. Der schwarze Strich am Bein des linken Mannes hochziehend bis über das Handgelenk ist durch keine wie immer geartete Lichtwirkung erklärbar.

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"Mauthausen".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in R. Schnabel "Macht ohne Moral", S. 341.

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