FÜNFTES KAPITEL

Die Juden in der Nachkriegs-Sowjetunion

Die Überlebenden

In der Nachkriegspresse wird die Zahl der in der Sowjetunion überlebenden Juden mit ca. zwei Millionen oder sogar weniger angegeben. Das Year Book kam auf 2.032.500[1], andere zionistische Quellen jedoch auf nur 1.500.000. Die Tatsache, daß es den Sowjets gelungen ist, die Masse der jüdischen Bevölkerung nach dem angeblich »überfallartigen« deutschen Angriff rechtzeitig zu evakuieren, wird ganz einfach geleugnet. Wenn trotzdem 600.000 Juden im Zweiten Weltkrieg in der Roten Armee gedient haben[2], dann wird dies wohl in der Evakuierung der wehrfähigen jüdischen Bevölkerung eine Erklärung finden. Nähere Angaben über die altersmäßige Zusammensetzung derjenigen Juden, die vor Kriegsausbruch in den niemals von Deutschland besetzten Teilen der UdSSR lebten, gibt es unseres Wissens nicht, und wir griffen deshalb auf die Altersstruktur der polnischen Juden von 1931 zurück. Auf dieser Basis kommt man bei der sowjetisch-jüdischen Gesamtbevölkerung auf einen Anteil von 22,7 % für die männliche Altersgruppe »16-45 Jahre«[3]. Vor Kriegsausbruch lebten über 1,6 Millionen Juden[4] in Teilen der Sowjetunion jenseits des späteren deutschen Ausdehnungsbereiches. 22,7 % von 1,6 Millionen ergibt 360.000 Juden der Altersgruppe 16 bis 45 Jahre für die Zeit vor 1941 in den von deutschen Truppen niemals erreichten Gebieten der UdSSR.

Von diesen 360.000 männlichen Juden im wehrfähigen Alter wurden wiederum kaum alle eingezogen. Rückstellungen wegen der Notwendigkeit, Fachkräfte in der Industrie und Verwaltung zu belassen, körperliche Gebrechen usw. ließen bestimmt nicht zu, daß mehr als 70 % oder 250.000 eingezogen wurden. Also müssen 350.000 aus den deutsch besetzten Gebieten stammen. Legt man auch hier das gleiche Verhältnis zwischen denen, die in der Roten Armee dienten, und denjenigen, die zurückgestellt wurden, zugrunde, dann müssen die Sowjets ca. 500.000 jüdische Männer im wehrfähigen Alter aus den später deutsch besetzten Gebieten entfernt haben.

Damit kommt man auf 2,1 Millionen. Zieht man davon die 200.000 gefallenen jüdischen Rotarmisten ab und addiert die angeblich nur sehr geringe Anzahl, die die deutsche Besatzung überlebten, dann kommt man tatsächlich auf nur ca. zwei Millionen oder weniger überlebende sowjetische Juden. Nur so ist erklärlich, wieso so viele Juden in der Roten Armee dienten und fielen, obwohl doch die meisten Sowjetjuden - wenigstens in der Nachkriegsversion - in deutsche Hand geraten sein sollen.

Doch die Sache hat einen Haken. Insgesamt hätten den Sowjets also 860.000 Juden im wehrfähigen Alter zur Verfügung gestanden; die Mehrzahl wurde eingezogen und 200.000 kehrten nicht zurück. Übrig blieben nach Kriegsende nur noch 660.000 männliche Juden dieser Altersgruppe. Falls aber die Sowjets nur die oben genannte halbe Million männliche Juden evakuiert hätten und die Masse der zurückgebliebenen Juden von den Deutschen vernichtet worden wäre, dann können den überlebenden 660.000 männlichen wehrfähigen Juden nach 1945 nur ca. 400.000 Jüdinnen derselben Altersgruppe gegenüber gestanden haben, ein Verhältnis von 66 zu 40! Eine solch »verkehrte« Geschlechterstruktur ist unseres Wissens aber nirgends in der Nachkriegsliteratur kommentiert worden. Das ist doch etwas sehr seltsam.

Im Gegenteil, die sowjetische Volkszählung von 1959 zeigte für die jüdische Bevölkerung eine für die Nachkriegszeit »normale« Geschlechterverteilung, wie man sie auch in anderen Ländern, die unter den verheerenden Männerverlusten in den beiden Weltkriegen zu leiden hatten, sehr wohl kennt: Das Verhältnis der männlichen zu den weiblichen Juden war 45,4 % (d.h. 1.030.629) zu 54,6 % (d.h. 1.237.185)[5]. Gute zehn Jahre später wies die sowjetische Volkszählung vom Januar 1970 schon erste Anzeichen einer allmählich eintretenden Normalisierung des Geschlechterverhältnisses unter den Juden auf; es betrug 45,9 % zu 54,1 %[6].

Unter Zugrundelegung der Altersstruktur der Juden in der RSFSR[7] gehörten von den 2.267.814 Juden in der gesamten UdSSR (1959) 705.290 den Altersgruppen 0-28 Jahre an, also einer Schicht, die Ende des Zweiten Weltkrieges entweder noch gar nicht geboren oder zumindest noch nicht im wehrfähigen Alter war und die deshalb ein in etwa gleichmäßiges Geschlechterverhältnis aufweisen mußte. Die Verteilung zwischen dem männlichen und weiblichen Geschlecht bei den Altersgruppen 29 Jahre und älter betrug somit jeweils 677.984 bzw. 884.540.

Altersgruppe

Männer

Frauen

Insgesamt


Alle Altersgruppen

1.030.629

1.237.185

2.267.814

0 -28 Jahre alt

352.645

352.645

705.290


29 Jahre und älter

677.984

884.540

1.562.524


Bei den Altersgruppen über 28 Jahre entspricht dies einem Mann/Frau-Verhältnis von 43,4 % zu 56,6 % und ist sogar noch etwas besser als für die gesamte sowjetische Bevölkerung im Jahre 1959, deren Mann/Frau-Verhältnis für die Über-30-Jährigen nur 38,4 % zu 61,6 % betrug[8].

Jedenfalls hatten die Jahrgänge, die zu einem großen Teil in beiden Weltkriegen teilgenommen hatten, eine Differenz von fast 200.000 zugunsten des weiblichen Geschlechts aufzuweisen. Einige Zehntausend dieser Differenz sind natürlich der normalerweise niedrigeren Lebenserwartung der Männer zuzuschreiben. Weitere Zehntausende sind den Gefallenenverlusten im Ersten Weltkrieg anzulasten. Die durch den Zweiten Weltkrieg hervorgerufenen Gefallenenverluste können somit nicht sehr viel mehr als 100.000 betragen haben.

Wie aber schon weiter oben erwähnt, werden die sowjetisch-jüdischen Gefallenenverluste von zionistischen Quellen mit mindestens 200.000 angegeben. Die sowjetische Volkszählung von 1959 hat also offensichtlich nicht die gesamte jüdische Bevölkerung erfaßt, da bei dieser angeblich knapp über zwei Millionen starken Volksgruppe nur ca. 100.000 oder vielleicht sogar 125.000 mögliche Gefallenenverluste gefunden wurden.

Wir sehen uns also folgenden Tatsachen gegenüber:

  1. Mehr als eine halbe Million jüdischer Männer dienten im Zweiten Weltkrieg in der Roten Armee.
  2. Es wäre unmöglich gewesen, 600.000 Soldaten aus einer Bevölkerung zu rekrutieren, die nur zwei Millionen umfaßte; daher mußte der größte Teil der sowjetischjüdischen Bevölkerung von den Sowjets nach Osten außerhalb des deutschen Machtbereichs evakuiert worden sein.
  3. Der Einwand, die Sowjets hätten nur die wehrfähige männliche jüdische Bevölkerung mitgeschleppt, während die aus Alten, Frauen und Kindern bestehende zurückgebliebene jüdische Bevölkerung von den Deutschen abgeschlachtet wurde, ist unhaltbar, denn sonst hätte die Zahl der männlichen Juden - trotz der vielen Gefallenen - nach dem Krieg erheblich größer sein müssen als die der weiblichen. Dem aber ist nicht so, wie die Volkszählung von 1959 zeigte, die - 14 Jahre nach dem Krieg - bei den im Zweiten Weltkrieg wehrfähigen Jahrgängen ein Geschlechterverhältnis von 43 % zu 57 % zugunsten des weiblichen Geschlechts aufwies.

Die sowjetische Volkszählung von 1959 belegt damit die Massenevakuierung der Juden durch die Sowjets im Jahre 1941. Gleichzeitig gibt sie einen Hinweis auf das relative Ausmaß der Verluste unter den jüdischen Rotarmisten.

Wie verläßlich ist die sowjetische Volkszählung? Das Stigma der Manipulation haftet allen sowjetischen Statistiken an. Aber auch wenn man diesen Einwand beiseite läßt, liegt doch der größte Nachteil in der Methode. Es wurde dem Einzelnen überlassen, sich für statistische Zwecke zu diesem oder jenem Volkstum zu bekennen. Dadurch verschafften die Sowjets nicht nur den gänzlich assimilierten Juden, sondern auch denen, die sich mit dem Judentum verbunden fühlten, eine Gelegenheit, nach außen nicht als Juden in Erscheinung treten zu müssen; wegen der antisemitischen Einstellung großer Teile der slawischen und baltischen Bevölkerung versuchten viele Juden ihre Identität zu verheimlichen und ließen sich als Russen usw. erfassen[9].

Andererseits geben die in den 70er Jahren in Israel in verstärktem Maße aus der UdSSR eingetroffenen Juden einen Hinweis auf die Geschlechterverteilung unter den sowjetischen Juden. Im Gegensatz zu den in den ersten Nachkriegsjahren hauptsächlich aus Europa einströmenden Juden, deren Mann/Frau-Verhältnis unter den 50-64-Jährigen bei 49 % zu 51 % lag[10], konnten die von 1976 bis 1979 aus der UdSSR in Israel einwandernden männlichen 50-64-Jährigen nur Anteile von 37-40 % vorweisen[11]:

1976

40 %
1977 37 %
1978 38 %
1979 37 %

Mit anderen Worten, die in Israel aus der Sowjetunion einwandernden Juden zeigen in etwa das gleiche Geschlechterverhältnis, wie es von der sowjetischen Volkszählung für die Juden ausgewiesen wird.

Zusammenfassend bleibt also festzuhalten: Die sowjetische Volkszählung gab die geschlechtermäßige und wohl auch altersmäßige Zusammensetzung der sowjetischen Juden korrekt wieder; ihre absolute Zahl dagegen liegt beträchtlich höher als offiziell erfaßt.

Die in der Nachkriegspresse vor 1959 veröffentlichten Zahlen von nur zwei Millionen überlebenden Juden in der UdSSR können sich keineswegs auf offizielle sowjetische Statistiken stützen. Wie man ursprünglich auf diese Zahl gekommen ist, schildern Auszüge aus dem Year Book:

»Statistische Angaben über die russischen Juden waren auch schon vor dem Krieg spärlich und nicht immer verläßlich. ... Die aus vielerlei inoffiziellen sowjetischen und anderen Quellen zusammengetragenen Information sind zwangsweise bruchstückhaft und haben oft hypothetischen Charakter. Es gibt keine befriedigende Basis, ein vollständiges Bild über das heutige Judentum in der Sowjetunion zu erlangen oder die durch Krieg und Nachkriegswiederaufbau hervorgerufenen weitreichenden Veränderungen abzuschätzen. ...«

»In den Jahren 1939-1940 wurden Ostpolen, Bessarabien, die Bukowina und die baltischen Staaten in die Sowjetunion eingegliedert. ... Die Gesamtzahl der innerhalb der Grenzen der Sowjetunion lebenden Juden vor Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges im Juni 1941 kann deshalb auf 5.500.000 geschätzt werden, einschließlich ungefähr 350.000 polnisch-jüdischen Flüchtlingen. Corliss Lamont (The Peoples of the Soviet Union, Harcourt, Brace & Co., N.Y., 1946) veranschlagt die Zahl der damaligen Sowjetjuden auf 5.300.000, die nicht-sowjetischen jüdischen Flüchtlinge nicht miteingerechnet«.

»Aber diese Zahlen als solches sagen nichts über die Zahl der gegenwärtigen jüdischen Bevölkerung in der Sowjetunion aus. Denn dafür sollten wir nicht nur die Zahl derjenigen Juden kennen, die ihr Leben auf Grund von Nazi-Verbrechen verloren, sondern auch die Geburtenrate der sowjetischen Juden, die Zahl der im Krieg gefallenen jüdischen Soldaten, die Sterblichkeitsziffer der nach Zentralasien und Sibirien deportierten und evakuierten Juden und das Ausmaß der Rückführungen nach dem Krieg nach Polen und Rumänien. Nur in bezug auf den letzten Punkt jedoch, haben wir genaue Informationen. Von den 350.000 Juden aus Mittel- und Ostpolen, die in der sowjetischen Zone Polens in den Jahren 1939/1940 Sicherheit suchten, wurden die allermeisten von den Sowjets nach Sibirien, Zentralasien usw. deportiert, eine große Anzahl davon in Konzentrationslager. Es muß hier betont werden, daß diese Menschen nicht als Flüchtlinge gingen, sondern zwangsweise verbannt wurden. Einige Tausend haben die Sowjetunion mit der nach Persien im Jahre 1942 evakuierten polnischen Armee verlassen, ungefähr 150.000 kehrten 1946 nach Polen zurück und nur einige Tausend entschieden sich dafür, in der Sowjetunion zu bleiben. Der Rest - ungefähr 200.000 - ist dort wahrscheinlich gestorben«.

»Die größten Meinungsverschiedenheiten tauchen bei der geschätzten Zahl der Opfer der deutschen Massenmorde auf. Diese Schätzungen bewegen sich zwischen 1.500.000 (Corliss Lamont) und 3.000.000 (Jacob Lestschinsky). Nur ein ganz geringer Teil der Juden, die in den von den Deutschen eroberten Gebieten zurückgeblieben sind, hat überlebt (vielleicht nur 1 Prozent). Die Zahl der aus diesen Gebieten vor der deutschen Besetzung evakuierten Juden ist deshalb äußerst wichtig, kann aber nicht genau ermittelt werden. Es scheint sicher zu sein, daß die optimistischen Schätzungen, die während und Ende des Krieges außerhalb der Sowjetunion veröffentlicht wurden, übertrieben waren. Die deutsche Besetzung der baltischen Staaten, der Ukraine und Weißrußlands - alles Gebiete mit großen, dichten jüdischen Siedlungen - ging sehr schnell voran, und weder war das sowjetische Transportsystem in der Lage, die Evakuierungen schnell, noch in dem dafür erforderlichen Ausmaß durchzuführen. Viele Transporte wurden von dem schnellen deutschen Vormarsch überrollt«.

»In seiner Studie, The Displacement of Populations in Europe (International Labor Office, Montreal, 1943) schätzt Kulischer, daß 1.100.000 Juden aus den Gebieten der Sowjetunion in den Vorkriegsgrenzen, 30.000 aus den baltischen Staaten und 500.000 aus den westlichen Teilen Rußlands und der Ukraine in die nicht-besetzten sowjetischen Gebiete evakuiert wurden. In der letzteren Zahl schließt er die Zwangsdeportierten der Jahre 1939/1940 ein. Andere glauben, daß diese Zahlen übertrieben sind«.

»Die Meinungsverschiedenheiten führen natürlich zu unterschiedlichen Kalkulationen über heute in der Sowjetunion lebende Juden. Sogar Dr. Frank Lorimer von der Princeton Universität, ein hervorragender Fachmann, wagte nicht, in seinem Werk, The Population of the Soviet Union: History and Prospects (Genf, Völkerbund, 1946) eine Berechnung anzustellen«.

»Inoffizielle sowjetische Veröffentlichungen erwähnen 2.500.000 als die gegenwärtige [1947] jüdische Bevölkerung in der UdSSR. Diese Zahl, die Kulischers Kalkulationen (Rescue, Juli/August 1946) entspricht, scheint aber übertrieben. ...«

»Diese inoffiziellen Schätzungen werden von dem jüdischen Volkswirt Lestschinsky schwer kritisiert. Seiner Darlegung zufolge leben gegenwärtig nicht mehr als 1.500.000 Juden innerhalb der Grenzen der heutigen Sowjetunion (The New Leader, 8. März 1947, N.Y.). Er behauptet, auf der Basis inoffizieller sowjetischer Informationen errechnet zu haben, daß in den 60 größten Siedlungen im europäischen Rußland höchstens 800.000, in den kleineren Siedlungen im europäischen Teil der UdSSR weniger als 100.000 Juden und im asiatischen Teil der Sowjetunion 500-600.000 Juden leben. Auf diese Weise kommt er auf die Gesamtzahl von 1.500.000 Juden in der Sowjetunion«.

»Vergleicht man diese Zahl mit den 5.500.000 in der Sowjetunion vor Ausbruch des Krieges im Jahre 1941, dann ergibt sich eine Differenz von 4.000.000. Um diese verschollenen 4.000.000 Juden zu erklären, schätzt Letschinsky die Zahl der im Kriege gefallenen jüdischen Rotarmisten auf 200.000 und die Zahl der in Sibirien und Zentralasien umgekommenen Juden auf 500.000. Daraus folgt, daß die Deutschen mehr als 3.000.000 Sowjetjuden massakrierten. Es ist offensichtlich, daß auch Lestschinskys Zahlen nur hypothetischen Charakter haben«.

»Die Forschungsabteilung des American Joint Distribution Committee in New York schätzt die gegenwärtige Zahl der Sowjetjuden auf 1.800.000. Dies schließt die asiatischen Provinzen ein, aber nicht die baltischen Staaten, wo jetzt angeblich 32.500 Juden leben (vor dem Krieg 255.000).«

»Die Schätzungen des J.D.C. scheinen den Tatsachen am nächsten zu kommen. Bis jedoch verläßliche Statistiken veröffentlicht werden, kann die tatsächliche jüdische Bevölkerung der UdSSR nicht definitiv ermittelt werden«[12].

In der darauffolgenden Ausgabe schreibt das Year Book nochmals: ».. weder die russisch-jüdischen Organisationen noch die allgemeinen UdSSR-Statistiken geben Informationen über dieses so wichtige Thema bekannt. Unsere Schätzungen, die wir auf der Basis sorgfältigen Durchleuchtens russischen und jüdischen Materials über die in den nicht-besetzten Teil des Landes evakuierten Menschen machten, ...«[13]

Hier wird von einer führenden zionistischen Publikation bestätigt, daß die Informationen über das Sowjetjudentum bestenfalls bruchstückhaft sind, die Zahl der auf Grund angeblicher Nazi-Verbrechen umgekommenen sowjetischen Juden völlig unbekannt ist, und das Rätselraten über die Zahl der den Krieg überlebenden Sowjetjuden zu großen Meinungsverschiedenheiten und Ziffern rein spekulativen Charakters geführt hat. Ja, man gibt zu, daß die Zahl von nur zwei Millionen oder weniger überlebenden Juden auf zwei Hypothesen beruht: Erstens, die Deutschen hätten die allermeisten der im eroberten Gebiet zurückgebliebenen Juden umgebracht. Zweitens geht man von der Annahme aus, daß nur ein ganz geringer Teil der jüdischen Bevölkerung nach Osten auswich. Die »Schätzungen« für die Evakuierten sollen auf der Basis eines Durchleuchtens russischen und jüdischen Materials über die in den nichtbesetzten Teil des Landes evakuierten Menschen zustande gekommen sein. Welche Sorgfalt dabei angewandt wurde, ist schon daraus ersichtlich, daß die Massenevakuierungen von 1941 einfach geleugnet werden. So einfach ist das.

Revidierte Schätzungen

Die von der Nachkriegspresse auf zwei Millionen bezifferte Zahl überlebender sowjetischer Juden entbehrt also nach eigenem Eingeständnis der »Ermittler« dieser Zahl jeder reellen Grundlage. Auf eine offizielle Bestätigung dieser hypothetischen Zahl mußte bis 1959 gewartet werden, als die Sowjets das Ergebnis ihrer Volkszählung veröffentlichten, und die offizielle sowjetische Ziffer von 2.267.814 nur geringfügig von der eigenen abwich. Zwar wurde zugegeben, daß die sowjetische Volkszählungsmethode zwangsläufig zu einer zu niedrigen jüdischen Bevölkerungszahl führe, aber, meint das Year Book, es bleibt nichts übrig, als sie zu akzeptieren. Es schreibt wörtlich: »Die Frage der Anzahl der Juden in der Sowjetunion wurde mit der Veröffentlichung der sowjetischen Volkszählung vom Januar 1959 zum großen Teil beantwortet«[14].

Die folgende Volkszählung vom Januar 1970 wies aber nur 2.151.300 aus, also 117.000 weniger als elf Jahre zuvor[15]. Der sowjetische Bevölkerungsstatistiker A.M. Maksimow äußerte sich dazu treuherzig: In der Sowjetunion spielt sich »ein Prozeß der Fusion der Völker ab; dieser Prozeß hat in einer sozialistischen Gesellschaft den Charakter der Freundschaft...«

Aufgeschreckt durch diesen Freundschaftsprozeß bemerkte man, daß die Sowjets dabei waren, die Juden statistisch langsam, aber sicher verschwinden zu lassen. Schreibt das Year Book: »Ein 'untergetauchter' Jude oder ein assimilierter Jude, bleibt immer ein Jude und sollte als solcher gezählt werden,« und weiter, »es ist fraglich, ob man die unwahrscheinlichen Zahlen, die von einer nicht übermäßig freundlichen Quelle stammen, akzeptieren soll«[16]. Eine ausgezeichnete Frage! Jedenfalls ist man wieder der Ansicht, daß es unter diesen Umständen unmöglich ist, die genaue Zahl der jüdischen Bevölkerung in der Sowjetunion festzustellen.

Zwar tauchten schon vor 1970 Berichte in der Presse über eine möglicherweise doch größere jüdische Bevölkerung in der UdSSR als bisher »geschätzt« auf, aber seit diesem Jahr werden regelmäßig Meldungen veröffentlicht, die ein ganz anderes Bild von dem zahlenmäßigen Bestand der Juden in der Sowjetunion zeichnen. Am deutlichsten war bisher das Year Book, das zugab, gut informierte russische Juden in der UdSSR und sowjetische Emigranten behaupten stets, in der Sowjetunion lebten heute noch bis zu 4. 000. 000 Juden[17]. Ähnliche Zahlen wurden von der New York Times vom 22.1.1975 erwähnt[18].

Professor Shapiro, der beim Year Book für die jährlich veröffentlichten jüdischen Weltbevölkerungsstatistiken verantwortlich zeichnet, sagt dazu: »Die Schätzung der Emigranten ist auch deshalb bemerkenswert, weil alle, mit denen ich sprach, eine mehr oder weniger gleiche Zahl erwähnten, die, wie sie sagten, unter den Juden in Rußland im Umlauf sei«[19]. Auch die Judaica, hinter der immerhin zionistische Persönlichkeiten vom Format eines Arthur J. Goldberg und Dr. Nahum Goldmann stehen, spricht von den 3 bis 4 Millionen Juden in der Sowjetunion Anfang der 70er Jahre[20].

Der an der Hebräischen Universität Jerusalem lehrende Professor Dr. Michael Zand, dem vor Jahren nach großen Schwierigkeiten die Auswanderung aus der Sowjetunion gelang, äußerte sich nach einer Meldung der israelischen Beth Shalom dahingehend, daß seines Wissens heute noch 4,5 Millionen Juden in der Sowjetunion lebten. Die offiziellen Statistiken der Sowjetunion spiegeln nach seiner Meinung nur diejenigen Juden wieder, die sich zur jüdischen Nationalität gehörend eintragen ließen[21].

Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, daß sowjetische Volkszählungsstatistiken keineswegs die offizielle sowjetische Version zur Frage der tatsächlichen jüdischen Bevölkerung darstellen. Der Zweck der Volkszählung ist in jener Gesellschaft auf gar keinen Fall, die zahlenmäßige Größe der Völker der UdSSR im Sinne einer ethnischen Erfassung zu ermitteln. So war es z.B. möglich, mittels einer Änderung des Nationalitätenbegriffs zwischen 1926 und 1939 den Anteil der Großrussen von 52,9 % auf 58,1 % zu »erhöhen«, obwohl die Großrussen in bezug auf Fruchtbarkeit nicht nur unter dem gesamtsowjetischen, sondern auch unter dem ukrainischen und weißrussischen Durchschnitt lagen. Als dann im Zuge der territorialen Expansion in den Jahren 1939/1940 die sowjetische Bevölkerung um weitere ca. 25 Millionen Ukrainer, Weißrussen, Balten, Rumänen (aber nur wenige Großrussen) anstieg, hätte auch der »erhöhte« großrussische Anteil vor dem deutsch-sowjetischen Krieg wieder auf ca. 51 % zurückfallen müssen. Seither lagen die großrussischen Geburtenüberschüsse stets unter dem Durchschnitt, und trotzdem zeigt die Volkszählung von 1959, daß die Großrussen immer noch 54,6 % der Sowjetbevölkerung ausmachen[22].

Die in den sowjetischen Volkszählungen ausgewiesenen »Großrussen« schließen daher ungezählte Millionen Menschen weißrussischer, ukrainischer, jüdischer usw. Abstammung mit ein. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn andere offizielle Veröffentlichungen - z.B. Jews in the Soviet Union, Moskau, 1967, S. 45, von Solomon Rabinovich - von 3 Millionen Juden in der UdSSR sprechen[23].

Leider haben sich westliche zionistische Kreise trotzdem noch nicht offiziell zu einer höheren Einschätzung der jüdischen Bevölkerungszahl in der Sowjetunion durchringen können. Dies kann auch kaum verwundern, da die längst überfällige Richtigstellung natürlich unbequeme Fragen nach sich ziehen würde.

Nichtsdestoweniger kann man eine kaum merkliche, schrittweise Kehrtwendung beobachten, wenn man willens ist, etwas tiefer unter der Oberfläche zu bohren. Die Judaica zum Beispiel, die unter der Leitung und Mitarbeit prominenter jüdischer und israelischer Persönlichkeiten herausgegeben wird[24], zitiert zwar nach wie vor in gewohnter Weise die jüdische Bevölkerungszahl wie in den sowjetischen Statistiken für 1970 veröffentlicht, kommt dann aber zu dem bezeichnenden Ergebnis, daß Hunderttausende sowjetischer Juden sich bei der Volkszählung zu einer nicht-jüdischen Nationalität bekannt hätten; sie schreibt dazu wörtlich: »Schätzungen, die der tatsächlichen Bevölkerungszahl näher kommen, sind in den Angaben für die einzelnen Städte zu finden«[25].

Wir haben uns die Mühe gemacht und die jüdischen Bevölkerungsziffern für fünfzehn sowjetische Städte in der Judaica ausfindig gemacht, für die jeweils auch die offizielle sowjetische Volkszählungsstatistik und die zionistischen Schätzungen der tatsächlichen Bevölkerungszahl aufgeführt waren. Das Resultat ist auf der Tabelle 10 zusammengefaßt.

Tabelle 10: Jüdische Bevölkerung in 15 sowjetischen Städten der Nachkriegszeit


Stadt

Sowjetische
Volkszählung
von 1959

Schätzungen
der Judaica
für 1970

Differenz


Moskau

239.246

500.000

260.754

Leningrad

162.344

200.000

37.656

Kiew

154.000

200.000

46.000

Odessa

102.200

180.000

77.800

Kischinew

42.934

60.000

17.066

Minsk

38.842

55.000

16.158

Riga

30.267

38.000

7.733

Baku

26.263

80.000

53.737

Rostow

21.500

30.000

8.500

Donetsk (Stalino)

21.000

40.000

19.000

Gorki

17.827

30.000

12.173

Nikolajew

15.800

20.000

4.200

Schitomir

14.800

25.000

10.200

Dnjepropetrowsk

13.256

25.000

11.744

Proskurow

6.200

10.000

3.800

15 Städte

906.479

1.493.000

586.521


 

(100 %)

(165 %)

(65%)


Quelle: Encyclopaedia Judaica, Jerusalem, 1972 (div. Bände)

Nach offizieller sowjetischer Zählung umfaßten diese fünfzehn Städte im Jahre 1959 906.479 Einwohner jüdischer Nationalität oder 40 % der in der Sowjetunion lebenden Juden von offiziell 2,27 Millionen. Die Schätzungen der Judaica aber kommen auf insgesamt 1.493.000 Juden in den genannten fünfzehn Städten oder 65 %, mehr als offiziell erfaßt wurden. Mit anderen Worten, von zehn sowjetischen Juden haben sich nur sechs bei der Zählung zur jüdischen Nationalität bekannt. Da kein Grund besteht, daß die in anderen sowjetischen Städten lebenden Juden sich wesentlich anders verhalten haben, kommt man zu dem Ergebnis, daß führende zionistische Kreise die Zahl der sowjetischen Juden im Jahre 1970 eigentlich auf 31/4 Millionen schätzen, d.h. 165 % von 2,27 Millionen!

Wenn man berücksichtigt, daß es nach wie vor im zionistischen Interesse liegen muß, die Schätzungen möglichst zurückhaltend vorzunehmen, kann man davon ausgehen, daß führende und gut informierte Persönlichkeiten des Weltzionismus selbst die jüdische Bevölkerung in der Sowjetunion in der Nähe von vier Millionen sehen! Ein Beispiel dafür, daß die von der Judaica genannten Zahlen für die jüdische Bevölkerung der auf Tabelle 10 genannten sowjetischen Städte manchmal am unteren Ende angesiedelt sind, bietet die von einer anderen unverdächtigen zionistischen Quelle genannte jüdische Einwohnerzahl Leningrads, nämlich 325.000 im Jahre 1963; das ist 60 % mehr als die Judaica und 100 % mehr, als die sowjetische Volkszählung von 1959 fand[26].

Wie wertlos die offiziellen Volkszählungsangaben über die Zahl der jüdischen Bevölkerung tatsächlich sind, wird auch am Beispiel der Stadt Moskau zum Ausdruck gebracht. 1940 beherbergte diese Großstadt 400.000 Juden[27], im Jahre 1959 aber sollen es nur noch 239.000 gewesen sein. Woher dieser Rückgang? Von deutschen Truppen war Moskau niemals erobert worden, und die Attraktivität dieser Stadt mit ihren für sowjetische Verhältnisse unvergleichlichen Karrieremöglichkeiten hatte nach dem Krieg eher noch zugenommen. Eine Reduzierung der jüdischen Minderheit um 40 % (!) zwischen 1940 und 1959 ist daher gänzlich ausgeschlossen. Im Gegenteil, verstärkt durch Zuzüge aus anderen Landesteilen hätte die Gesamtzahl der jüdischen Minderheit Moskaus eher noch stark anwachsen müssen, so daß sogar noch die Schätzung der Judaica von 500.000 Juden (1970) konservativ erscheint.

Nach den in dieser Analyse angestellten Berechnungen waren Ende des Krieges noch bis zu 4,3 Millionen Juden in der UdSSR. Gibt es eine natürliche Erklärung für ein eventuelles Absinken auf vier Millionen oder weniger in den 25 Jahren zwischen 1945 und 1970? Viele Anzeichen sprechen dafür, daß die sowjetischen Juden in der Tat auch in der Nachkriegszeit einen erheblichen Rückgang ihrer Bevölkerung in Kauf nehmen mußten. Auf die enormen Männerverluste im Kriege und die beträchtliche Kindersterblichkeit im Zuge der sowjetischen Evakuierungen in den Jahren 1940/1941 wurde schon an anderer Stelle hingewiesen. Dazu kommt die fast totale Verstädterung (96 %) der sowjetischen Juden[28].

Ein weiterer - heute wohl der bedeutendste - Faktor für eine negative Wachstumsbilanz ist aber die schon in der Vorkriegszeit einsetzende und nach dem Krieg noch verstärkte Tendenz zur Assimilierung durch Mischheiraten. In der Regel gehen die aus solchen Verbindungen hervorgegangenen Kinder dem jüdischen Volkstum verloren[29]. So sollen schon 1926 außerhalb der Ukraine und Weißrußlands 25 % der jüdischen Männer Nicht-Jüdinnen geheiratet haben, in den beiden genannten Provinzen aber waren es nur 4,6 % bzw. 2,0 %[30].

Die zunehmende Verlagerung des jüdischen Bevölkerungszentrums aus den traditionellen antisemitischen Regionen (Ukraine und Weißrußland) in den Norden und Osten hatte schon seit der Revolution angedauert und wurde durch die Massendeportationen 1940/1941 noch verstärkt. »Anfang der 60er Jahre«, schreibt das Year Book, »erreichten die Mischheiraten zwischen Juden und Nicht-Juden einer zuverlässigen Quelle zufolge ungefähr 50 % in Moskau und Leningrad. Die gleiche Quelle erwähnt, daß die Quote der Mischheiraten in den neuen Städten Sibiriens -viele mit einer akademisch gebildeten Bevölkerung - äußerst hoch blieb«[31].

Es ist zwar richtig, daß eine Mischheirat als solche die Nationalität weder des einen noch des anderen Ehepartners ändert. Wenn die aus solchen Verbindungen hervorgehenden Kinder dem Minderheitenvolkstum verloren gehen, sind die Auswirkungen auf das natürliche Wachstum einer ethnischen Gruppe nicht anders, als ob die die Mischheiraten eingehenden Volkstumsangehörigen kinderlos bleiben.

Wenn man nun die Schätzungen der Judaica zugrunde legt, nach denen ca. 20 % der sowjetischen Juden der Nachkriegszeit in Leningrad und Moskau leben[32], wo nur jeder zweite Angehörige der jüdischen Minderheit innerhalb des eigenen Volkstums heiratet, dann läuft dies darauf hinaus, daß mindestens 10 % der jungen familiengründenden sowjetischen Juden ohne Kinder bleiben. Nun sind die beiden genannten Städte, wie in der zionistischen Literatur immer wieder bedauert wird, nicht als Ausnahme anzusehen.

In den 20er Jahren lag der Anteil der Mischheiraten unter den in den traditionell antisemitischen Gebietender Sowjetunion (Ukraine usw.) lebenden Juden noch unter 5 %. Geht man deshalb davon aus, daß sich diese antisemitische Einstellung unter der einheimischen Bevölkerung dieser Regionen bis heute erhalten hat, wenn auch in abgeschwächter Form, dann ist der Anteil der Mischheiraten unter den in diesen Gebieten lebenden Juden - ca. 45 % aller sowjetischen Juden -möglicherweise bis auf 10 % gestiegen.

Wenn man weiterhin konzediert, daß die außerhalb der alten jüdischen Siedlungsgebiete wohnenden Juden, ohne Leningrad und Moskau, nicht die enormen Mischheiraten verzeichnen, wie dies in diesen beiden Metropolen der Fall ist, und man nur 30 % als Arbeitsgrundlage benutzt, dann sieht der Anteil der Mischheiraten unter den jungen sowjetischen Juden wie folgt aus:

Gebiete bzw. Städte

Anteil der Juden in der UdSSR

Anteil der Misch-
heiraten

»Kinderlose« gemischte jüd. Eheleute


Moskau und Leningrad

20 %

50 %

10,0 %

Restliche Gebiete im Norden und Osten

35 %

30 %

10,5 %

Ukraine, Weißrußland, Moldau und Baltikum

45 %

10 %

4,5 %


25,0 %


Nach dieser hypothetischen Aufstellung bleibt jeder vierte junge Jude in der Sowjetunion »kinderlos« - jedenfalls soweit sein Volkstum davon betroffen ist -, da er außerhalb seines Volkstums, heiratet und die aus solchen Mischheiraten hervorgehenden Kinder meistens dem jüdischen Volk verloren gehen. Es war nun keineswegs der Zweck dieser Übung, den genauen Anteil solchermaßen »kinderlosen« Juden zu ermitteln; es ist auch völlig egal, ob der Anteil der Mischheiraten unter den Juden nun 20 % oder 30 % beträgt. Tatsache ist, daß Mischheiraten unter den Juden in der UdSSR äußerst verbreitet sind. Da die großstädtischen sowjetischen Juden schon in den 20er Jahren der Kleinfamilie den Vorzug gaben, wie Professor Lorimer ermittelte, und der Geburtenzuwachs damals gerade noch die natürliche Mortalität ausglich, muß diese ausgesprochen starke Tendenz zu Mischheiraten in der Nachkriegszeit zu äußerst hohen jährlichen Geburtendefiziten geführt haben.

Nun berichtet der israelische Professor U.0. Schmelz von der Hebräischen Universität Jerusalem, daß in der Russischen Sowjetischen Föderativen Sozialistischen Republik (RSFSR) nur 7 % der Juden der Altersgruppe "0 bis 10 Jahre" angehörten und 26,5 % 60 Jahre oder älter waren - eine unerhörte Überalterung. Zum Vergleich: Die auch nicht mehr »junge« Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland wies 1977 13,5 % bzw. 19,7 % auf. Wie stark die Überalterung und wie niedrig die Geburten waren, zeigt folgende Tabelle[33]:

Juden in der Russischen Sowjetrepublik (RSFSR)
Gliederung nach Altersgruppen - 1970


Altersgruppe

Anteil

Durchschnittl.
Anteil pro
Jahrgang


0-10 Jahre

6,9

0,63

11-15 Jahre

4,3

0,86

16-19 Jahre

3,9

0,98

20-29 Jahre

10,9

1,09

30-39 Jahre

15,1

1,51

40-49 Jahre

16,1

1,61

50-59 Jahre

16,3

1,63

60 Jahre und älter

26,5

?


Summe

100,0

 


Berücksichtigt man ferner, daß die Altersgruppe von 40 bis 59 Jahre durch die Gefallenenverluste im Zweiten Weltkrieg riesige Einbußen erlitten hatte, wäre ihr Anteil ohne diesen externen Einfluß noch höher gewesen. Es ist auch deutlich, daß der Geburtenrückgang kein Nachkriegsphänomen ist, sondern schon Jahrzehnte vor dem Zweiten Weltkrieg einsetzte. In den 60er Jahren schließlich fielen die Geburten auf ca. 6 pro 1.000 Einwohner; um aber den Bestand der jüdischen Bevölkerung zu sichern, müßte der Anteil der jüngsten Jahrgänge mindestens doppelt so groß sein!

Der extrem hohe Anteil der älteren Altersgruppen dagegen läßt auch auf äußerst hohe natürliche Sterbeziffern schließen. Professor Schmelz schreibt, der natürliche Rückgang der sowjetisch-jüdischen Bevölkerung habe zwischen 1959 und 1970 ein Prozent pro Jahr betragen. Wie die Altersstruktur weiter zeigt, muß auch schon in den 50er Jahren jährlich ein deutlicher natürlicher Rückgang stattgefunden haben. Und es gibt keine Hinweise, daß sich diese ungünstige Entwicklung in den letzten zehn Jahren wesentlich verbessert hat. Auch ein evtl. Geburtenüberschuß in den ersten Nachkriegsjahren kann auf Grund der großen Männerverluste während des Krieges und den katastrophalen Nachkriegsverhältnissen nur von kurzer Dauer gewesen sein, wie die schwache Altersgruppe von "20 bis 29 Jahre" zeigt.

Wie groß das durchschnittliche Geburtendefizit in der gesamten Nachkriegszeit war, kann unter den gegebenen Umständen kaum ermittelt werden. Nach Professor Schmelz dürfte die jüdische Bevölkerung der restlichen Sowjetunion keine wesentlich andere Altersstruktur aufweisen als die der Russischen Sowjetrepublik. Sicher ist: die jüdische Bevölkerung hat seit 1945 im Schnitt ein erhebliches Geburtendefizit zu verzeichnen gehabt. Ob das jährliche Defizit nun etwas über oder unter 0,5 % lag, kann unter der gegebenen Dürftigkeit der sowjetischen Statistiken kaum entschieden werden.

Wie schon erwähnt, lag die Zahl der Sowjetjuden nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges bei höchstens 4,3 Millionen. Legt man verschiedene durchschnittliche negative Veränderungsraten seit 1945 zugrunde und berücksichtigt außerdem noch ca. 250.000 jüdische Emigranten zwischen 1970 und 1980[34] - vor 1970 fand nur eine marginale Auswanderung statt - dann ergeben sich folgende Alternativentwicklungen bis 1970 bzw. 1980:


Durchschnittlicher
Rückgang per annum
seit 1945

Jüdische Bevölkerung in der UdSSR


1970

1980


a) - 0,3 %

3,98 Millionen

3,61 Millionen

b) - 0,4 %

3,88 Millionen

3,48 Millionen

c) - 0,5 %

3,77 Millionen

3,35 Millionen

d) - 0,6 %

3,69 Millionen

3,23 Millionen


Ganz offensichtlich besteht daher die Möglichkeit, ja, die Wahrscheinlichkeit, daß die jüdische Bevölkerung der Sowjetunion bis 1970 mehr als 10 % unter 4,3 Millionen zurückgegangen ist. Diese Zahl ist völlig im Einklang mit den Aussagen der sowjetischen Juden. selbst über ihre eigene Volkstumsstärke, wie Professor Shapiro vom Year Book schriftlich bestätigte.

Sogar die Judaica, deren Schätzungen der jüdischen Bevölkerung einzelner sowjetischer Städte auf eine Zahl von knapp unter vier Millionen schließen läßt, kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, daß die Zahl der heute in der Sowjetunion lebenden Juden nicht etwa das Resultat einer positiven natürlichen demographischen Entwicklung ist; sie schreibt: »Im übrigen gibt es bruchstückhafte Indizien, und es besteht generell die Wahrscheinlichkeit, daß das Wachstum der jüdischen Bevölkerungsgruppe in der UdSSR seit dem Krieg gering war, wenn es dies wegen der Überalterung, die durch die Kriegsverluste verstärkt wurde, der geringen Geburtenfreudigkeit, der Mischheiraten, des Assimilierungsdrucks usw. überhaupt gegeben hat«[35]. Dies ist sehr vorsichtig ausgedrückt. Die Judaica hätte sich auch so ausdrücken können, daß Ende des Zweiten Weltkriegs mindestens so viele Juden wie heute in der Sowjetunion gelebt haben - wahrscheinlich jedoch noch mehr, also über 4 Millionen!

In diesem Zusammenhang sei noch auf eine weitere bemerkenswerte Mitteilung von Dr. Nahum Goldmann, dem früheren Vorsitzenden des Jüdischen Weltkongresses, hingewiesen. Er stellt klipp und klar fest, die jüdische Bevölkerung der UdSSR zähle (1980 !) ca. drei bis dreieinhalb Millionen Menschen[36]; diese Ziffer entspricht in etwa einer Bevölkerung, wie sie 1980 unter Berücksichtigung von knapp einer viertel Million Emigranten und einem Minuswachstum von mindestens 0,5 % p.a. zu erwarten gewesen wäre. Da wohl gerade auch von ihm eine Überschätzung der Zahl der sowjetischen Juden nicht zu erwarten ist, können wir von folgenden Tatsachen ausgehen: Im Jahre 1970 betrug die Zahl der Juden in der Sowjetunion wahrscheinlich weniger als 4 Millionen und beträgt auch heute noch, nachdem zwischenzeitlich ein paar Hunderttausend ausgewandert sind, etwa 3,5 Millionen.

Der jüdische Blutzoll und die sowjetischen Verluste

Wir sehen also die von uns errechneten 4,3 Millionen überlebenden sowjetischen Juden von respektablen und informierten jüdischen Quellen bestätigt. Damit bliebe letztlich noch die Frage, in welchem Verhältnis die sowjetisch-jüdischen Bevölkerungsverluste zu den gesamten Einbußen der Sowjetbevölkerung stehen.

Der amerikanische Ingenieur John Scott, der lange Jahre hindurch in der sowjetischen Kriegsindustrie gearbeitet hatte und sich mit einer Russin verheiratete, schrieb nach seiner Rückkehr aus Magnitogorsk ein unter dem Titel Behind the Urals (Boston, 1942) veröffentlichtes Buch. Darin schilderte er, wie die unmenschlichen sowjetischen »Arbeitsmethoden« in Sibirien Millionen von Männern und Frauen einfach vor Hunger und Kälte zugrunde gehen ließen und weitere Millionen durch die geradezu unvorstellbaren Lebensbedingungen in den Tod getrieben wurden[37].

Nach den verheerenden Verlusten der Roten Armee kämmten die Sowjets die Industrie rücksichtslos durch, um Männer für die Aufstellung von Ersatzarmeen freizumachen. An ihrer Stelle wurden Frauen eingesetzt, die wie die Stachanowarbeiter Tag und Nacht in zwei Schichten arbeiten mußten. Um auch die letzten Kräfte zu mobilisieren, wurde der sog. »Marschallplan« zu Ehren der Selbsternennung Stalins zum Marschall verkündet: Jeder Sowjetbürger, gleichgültig ob Mann oder Frau, vom 14. bis 70. Jahr wurde verpflichtet, seine Arbeitsleistung zu verdoppeln, auch wenn sie schon bisher Höchstleistung war. Die Menschen starben wie die Fliegen[38].

Willkie, der die UdSSR im September 1942 besuchte, beschrieb die vorgefundenen Verhältnisse damals wie folgt: »Im kommenden Winter gibt es in Rußland nur wenig zu essen - vielleicht viel zu wenig. ... In Millionen russischer Unterkünfte wird man diesen Winter fast ohne Heizmaterial auskommen müssen. Bekleidungsgegenstände sind kaum noch zu bekommen; sie sind für die Armee und die in kriegswichtigen Betrieben beschäftigten Arbeiter bestimmt. Viele lebenswichtige Arzneien gibt es einfach nicht mehr. Millionen russischer Frauen arbeiten Seite an Seite mit ihren Kindern - manche sind nur acht und zehn Jahr alt - an Maschinen in der Kriegsindustrie und in den landwirtschaftlichen Betrieben. Jeder diensttaugliche Mann ist in der Armee oder arbeitet bis zur Erschöpfung...«[39].

Das Ausmaß dieser menschlichen Tragödie wurde schon 1943 von Paul Holt, dem Moskauer Korrespondenten des Londoner Daily Express genannt. Der nach 15 Monaten Aufenthalt in der Sowjetunion nach London zurückgekehrte Holt schrieb, die Sowjetunion habe bisher im ganzen 30 Millionen Menschen an Gefallenen, Verwundeten, Kriegsgefangenen und Zivilisten, die an Hunger und Krankheiten zugrunde gegangen seien, verloren[40]. Es ist zwar nicht bekannt, wie diese unvorstellbare Ziffer zwischen militärischen und zivilen Verlusten aufzuteilen ist, doch dürfte die Mehrzahl der Roten Armee zuzuschreiben sein. In deutscher Gefangenschaft befanden sich damals schon 5,4 Millionen Sowjets[41], und eine ähnliche Zahl dürfte auch für die Gefallenen anzusetzen sein. Zählt man dazu noch mehrere Millionen Verwundete, dann ist ein durch Hunger, Epidemien und Kälte verursachter Ausfall der Zivilbevölkerung von 10-15 Millionen bis Mitte 1943 durchaus denkbar. Weitere Millionen Verluste traten bis Kriegsende ein.

Wir hatten schon im dritten Kapitel festgehalten, daß die Sowjetunion bei Kriegsanfang (Juni 1941) eine Bevölkerung von mindestens 202 Millionen hatte. Der Stand vom Mai 1945 ist nicht bekannt; die erste Volkszählung nach dem Krieg fand 1959 statt, die zweite im Jahre 1970. Zwischen 1959 und 1970 vermehrte sich die Sowjetbevölkerung um 33 Millionen von 209 auf 242 Millionen - eine Zunahme von 1,3 % pro Jahr. Da auch in der Sowjetunion nach den ersten Babyboomjahren eine Minderung des natürlichen Wachstums in Erscheinung trat, kann man davon ausgehen, daß der jährliche Geburtenüberschuß zwischen 1945 und 1959 etwas höher lag - sagen wir 1,5 %. Das heißt, in diesen vierzehn Jahren muß ein Gesamtzuwachs von 39 Millionen eingetreten sein; die Sowjetunion verfügte nach Kriegsende also nur über 170 Millionen Menschen - 32 Millionen weniger als bei Kriegsbeginn.

Die Verluste der Roten Armee sollen im Zweiten Weltkrieg 13,6 Millionen betragen haben[42]; somit entfallen 18,4 Millionen auf die sowjetische Zivilbevölkerung. Bei den sowjetischen Juden waren die entsprechenden Zahlen 200.000 bzw. 830.000, zusammen also 1.030.000.

Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl betrugen die Gefallenenverluste der Sowjetjuden also »nur« 3,8 % (200.000 von 5,3 Mio.), die der sowjetischen Bevölkerung insgesamt jedoch 6,7 % (13,6 Millionen von 202 Millionen). Offensichtlich war der jüdische Bevölkerungsteil in viel geringerem Maße zur kämpfenden Truppe herangezogen worden, was ja durchaus verständlich ist, da die relativ gut ausgebildeten Juden in der Rüstungsindustrie dringend benötigt wurden. Damit wird aber auch verständlich, wieso die Volkszählung von 1959 bei der Kriegsgeneration der sowjetischen Gesamtbevölkerung einen so viel geringeren Anteil für das männliche Geschlecht feststellte als bei der jüdischen Teilbevölkerung, nämlich 38,4 % zu 43,4 %.

Betrachtet man jedoch die Gesamt- und Zivilverluste, dann sind die der sowjetischen Juden beträchtlich größer:

Zivilverluste der

 

- sowjetischen Gesamtbevölkerung 9,1 17o (18,4 Mio. von 202 Mio.)
- gesamten jüdischen Teilbevölkerung 15,7 % (830.000 von 5,3 Mio.)

Summe der Verluste der

 

- sowjetischen Gesamtbevölkerung 15,8 % (32 Mio. von 202 Mio.)
- gesamten jüdischen Teilbevölkerung 19,4 % (1.030.000 von 5,3 Mio.)

Diese Betrachtungsweise läßt jedoch die Tatsache unberücksichtigt, daß große Teile der slawischen und baltischen Bevölkerung, aber nur eine relativ geringe Anzahl der Sowjetjuden in deutsche Hand fiel. Nach unseren Recherchen kamen etwa 65 Millionen der bodenständigen Bevölkerung unter deutsche Verwaltung, davon knapp eine dreiviertel Million Juden. Umgekehrt heißt dies, daß 137 Millionen sowjetische Einwohner, einschl. 4,61 Millionen Juden, außerhalb des deutschen Machtbereichs unter sowjetischer Kontrolle blieben. Setzt man die Menschenverluste dagegen, ergibt sich folgendes Bild:

Zivilverluste der

 

- sowjetischen Bevölkerung außerhalb des deutschen Einflußbereichs 13,4 % (18,4 Mio. von 137 Mio.)
- jüdischen Teilbevölkerung außerhalb des deutschen Einflußbereichs 18.0 % (830.000 von 4,61 Mio.)

Summe der Verluste der

 

- sowjetischen Bevölkerung außerhalb des deutschen Einflußbereichs 23,4 % (32 Mio. von 137 Mio.)
- jüdischen Teilbevölkerung außerhalb des deutschen Einflußbereichs 22,3 (1.030.000 von 4,61 Mio.)

Während also die Gefallenenverluste der nicht-jüdischen sowjetischen Bevölkerung proportional beträchtlich höher waren als die der Sowjetjuden, war es bei den Zivilverlusten der unter sowjetischer Kontrolle gebliebenen Juden und Nicht-Juden umgekehrt. Erklärungen dafür sind unschwer zu finden: So hatten die Sowjets schon 1940 einen verhältnismäßig großen Teil der in der Sowjetunion befindlichen Juden aus den Westgebieten nach Sibirien verschleppt; nicht nur kamen von der in Frage kommenden dreiviertel Million polinisch-jüdischer Flüchtlinge Hunderttausende auf dem Weg nach Sibirien um, weitere Hunderttausende dieser unerwünschten »ausländischen Elemente« starben in den folgenden Monaten an Kälte, Entkräftung und Unterernährung in den sibirischen Arbeits- und Konzentrationslagern. Die Kinder litten unter der barbarischen Behandlung ganz besonders. Bei der im Jahre 1941 evakuierten slawischen Bevölkerung handelte es sich zum großen Teil um wehrfähige Männer, so daß der Anteil der Greise und Kinder relativ gering war. Beide Faktoren bewirkten von vornherein proportional größere Zivilverluste unter den Sowjetjuden.

Interessant ist jedoch, daß die Gesamtverluste der unter Stalins Kontrolle verbliebenen sowjetischen Bevölkerung und Sowjetjuden in etwa gleich hoch waren - ungefähr 23 %! Die Tatsache aber, daß - gemessen an der Gesamtbevölkerung - die jüdischen Verluste mit 20 % bedeutend höher waren als die sowjetischen insgesamt (16 %), ist nur auf den viel höheren Anteil der Evakuierten unter den Juden (ca. 80 %) als unter den übrigen sowjetischen Einwohnern (ungefähr ein Viertel) der deutsch besetzten Gebiete zurückzuführen. Damit entpuppt sich die sowjetische Massenevakuierung im Zweiten Weltkrieg als die bei weitem bedeutendste Ursache für den ungeheueren Substanzverlust der sowjetischen Juden.

Die von uns mit 4,3 Millionen berechneten überlebenden Sowjetjuden entsprechen durchaus der Realität: Die Aussagen Dr. Goldmanns, der Judaica und der jüdischen Dissidenten in der UdSSR bestätigen dies. Für den Zweck dieser Analyse ist es auch unerheblich, ob die tatsächliche Zahl näher bei 4 oder 41/2 Millionen lag. Auf jeden Fall liegen die jüdischen Verluste bei ungefähr einer Million und daher durchaus im Rahmen der von der gesamten sowjetischen Bevölkerung auf Grund der barbarischen stalinschen Evakuierungs-, Zwangsarbeits- und Kampfstrategie erduldeten Dezimierung.


Anmerkungen

  1. AJYB, 1948, Vol. 49, S. 740.
  2. -, 1942, Vol. 44, S. 234. Andere jüdische Quellen geben etwas niedrigere Zahlen für die jüdischen Rotarmisten an; Solomon Grayzel erwähnt in seinem Buch A History of THE JEWS (Philadelphia, 1948, S. 766) nur 500.000 Juden in der Roten Armee. Leider gibt Grayzel nicht an, welcher Quelle seine Ziffer entstammt; das AJYB dagegen beruft sich ausdrücklich auf sowjetische Berichte. Es ist interessant, daß Grayzel für die USA und Kanada jeweils 550.000 und 17.000 Juden in den Armeen dieser beiden Länder zitiert. Im Verhältnis zur gesamten jüdischen Bevölkerung dieser Länder (davon mehr im 7. Kapitel) sind dies ungefähr knapp 10 %. Dasselbe trifft auch für Südafrika zu. Im Falle Großbritanniens sollen 60.000 Juden gedient haben, ein ausgezeichneter Indikator dafür, daß Großbritanniens jüdische Bevölkerung nicht, wie zionistischen Quellen zu entnehmen ist, während des Krieges nur ca. 350.000 beherbergte, sondern wahrscheinlich ca. 600-700.000. Im Hinblick auf die im Vergleich zu den USA noch etwas größere jüdische Bevölkerung der Sowjetunion während des Zweiten Weltkrieges und der größeren sowjetischen Mobilisierung ihrer männlichen Bevölkerung, scheint Grayzels Ziffer für die Sowjetunion etwas niedrig.
  3. Drugi Powszechny Spis Ludnośći Z Dn. 9.XII 1931 R., »Polska: Mieszkania I Gospodarstwa Domowe, Ludność«, Głowny Urzad Statystyczny Rzeczypospolitej Polskiej, Statystyka Polski, Seria C, Zeszyt 94A (Deuxičme Recensement Général de la Population du 9 Décembre 1931, »Pologne: Logements et Ménages, Population«, Office Central de Statistique de la Polonaise, Statistique de la Pologne, Serie C, Fascicule 94A), Warschau, 1938, Tab. 13.
  4. Siehe zweites Kapitel.
  5. AJYB, 1964, Vol. 65, S. 268.
  6. -, 1976, Vol. 77, S. 165.
  7. Schmelz, U.0. »New Evidence on Basic Issues in the Demography of Soviet Jews«, The Jewish Journal of Sociology, Vol. XVI, No. 2, Dezember 1974, S. 210-214.
  8. Statistisches Bundesamt . Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland, Wiesbaden, 1962, S, 29
  9. AJYB, 1971, Vol. 72, S. 402-405.
  10. Israel. The Central Bureau of Statistics and Economic Research. Statistical Abstract of Israel 1951/52, Nr. 3, Tab. 9, S. 27: Zwischen dem 15.5.1948 und 31.12.1951 wurden 77.536 jüdische Einwanderer im Alter von 50-64 Jahren registriert, davon waren 49 % Männer.
  11. -, Central Bureau of Statistics. Statistical Abstract of Israel 1977 (Nr. 28, S . 125), 1978 (Nr. 29, S. 139), 1979 (Nr. 30, S. 138) und 1980 (Nr. 31, S. 136) jeweils Tab. V/5.
  12. AJYB, 1947, Vol. 49, S. 393-397.
  13. 1949, Vol. 50, S. 696.
  14. 1961, Vol. 62, S. 284.
  15. 1971, Vol. 72, S. 403.
  16. 1972, Vol. 73, S. 536.
  17. 1977, Vol. 78, S. 432.
  18. New York Times, 22.1.1975, zitiert in AJYB, 1976, Vol. 77, S. 460.
  19. Shapiro, Prof. Leon ( Bevölkerungsstatistiker beim American Jewish Year Book). Privatkorrespondenz vom 3. Januar 1980.
  20. Encyclopaedia Judaica, Vol. 9, S. 542.
  21. Kern, Erich. Die Tragödie der Juden, Preußisch Oldendorf, 1979, S. 260. Mit Brief vom 15.8.1980 wurde Prof. Zand (Hebrew University of Jerusalem) um Bestätigung der ihm zugeschriebenen Zahl von 4,5 Millionen Juden in der Sowjetunion gebeten; da die Antwort ausblieb, ging am 2.1.1981 ein Erinnerungsschreiben an Prof. Zand. Daraufhin antwortete Prof. Zand mit Brief vom 13.2.1981 und bat um Wiederholung der am 15.8.1980 gestellten Frage und versicherte, diese bestmöglich zu beantworten. Leider blieb er bis heute trotz mehrfacher Bitten (Brief vom 25.2.1981 und 18.6.1981) eine Antwort schuldig.
  22. Fortune, New York, 14.8.1978, S. 158.
  23. Rabinovich, Solomon. Jews In The Soviet Union, Moskau, 1967, S. 45 in: S. Ettinger, »The Jews in Russia at the Outbreak of the Revolution«, The Jews in Soviet Russia since 1917 (Hrsg. Lionel Kochan), London, 1970, S. 32.
  24. Forschungsstiftung der Encyclopaedia Judaica: Botschafter Arthur J. Goldberg, Ehren-Vorsitzender; Dr. Nahum Goldmann, Ehrenpräsident; Dr. Joseph J. Schwartz; Prof. Salo W. Baron, Beratender Redakteur.
  25. Encyclopaedia Judaica, Vol. 14, S. 482.
  26. AJYB, 1962, Vol. 63, S. 350.
  27. Siehe zweites Kapitel.
  28. Ettinger, S. »The Jews in Russia at the Outbreak of the Revolution«, The Jews in Soviet Russia since 1917, (Hrsg. Lionel Kochan), London, 1970, S. 35.
  29. AJYB, 1976, Vol. 77, S. 472.
  30. Universal Jewish Encyclopedia, Vol. 9, S . 670.
  31. AJYB, 1973, Vol. 74, S. 481.
  32. D.h. 700.000 (vgl. Tabelle 8) von ca. 3-4.000.000 (vgl. Fußnote 20).
  33. Schmelz, U.O. »New Evidence on Basic Issues in the Demography of Soviet Jews«, The Jewish Journal of Sociology, London, Vol. XVI, No. 2, Dezember 1974, S. 214.
  34. New York Times (The). »What Price a Soviet Jew?« in International Herald Tribune, Paris, 6. Mârz 1981, S. 2.
  35. Encyclopaedia Judaica 1973 Year Book, Jerusalem, 1974, S. 190.
  36. Auf Anfrage vom 5.2.1981 ließ Dr. Nahum Goldmann am 13.2.1981 über seine Sekretärin schriftlich mitteilen, daß »die jüdische Bevölkerung in der UdSSR ungefähr drei bis drei-ein-halb Millionen Menscheu beträgt«.
  37. Scott, John. Jenseits des Ural, Stockholm, 19.44, S. 12 (engl. Originalausgabe: Behind the Urals, Boston, 1942).
  38. Deutsche Zeitung im Ostland, Riga, »Neuer Stalin-Terror«, Nr. 77, 18.3.1943, S. 7.
  39. New York Times (The), »Willkie's Statement About Russia's Needs«, 27. September 1942, S. 3.
  40. Daily Express, »Your Questions about Russia - Answered by Paul Holt«, London, (ein paar Tage vor dem) 6. Mai 1943.
  41. Kauener Zeitung, »18 Millionen Gesamtverluste der Sowjets«, Nr. 149, 28.6.1943, S. 1.
  42. Die Tat, Zürich, »Die erschütternde Bilanz zweier Weltkriege«, Nr. 18, 18.1.1955, S. 2.

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