Zweites Kapitel
Die zeitnahen Dokumente

Wenn wir nunmehr die zeitnahen Dokumente verschiedenster Art im einzelnen betrachten, werden wir sehen, daß daraus die gewünschten Schlüsse -- wenn überhaupt -- nur durch fragwürdige Interpretationen, Unterstellungen oder durch die Herstellung in Wirklichkeit nicht bestehender, mindestens aber zweifelhafter Zusammenhänge gezogen werden können und von den Auschwitz-Mythologisten natürlich auch gezogen werden. Mit anderen Worten: die Indizienkette ist nicht lückenlos, ja die einzelnen Indizien sind nicht einmal eindeutig [1].

Eine solche Beweisführung ist dem Juristen unbegreiflich; auch für den Historiker dürfte sie unzulässig sein. So stellt denn auch der angesehene britische Historiker David Irving bezüglich der behaupteten Judenvergasungen unmißverständlich fest, daß die zur Verfügung stehenden Dokumente darüber keine Auskunft gäben und es dem Historiker nicht erlaubt sei, zu spekulieren [2].

Im folgenden habe ich versucht, die Dokumente nach sachlichen Gesichtspunkten und nach ihrer Bedeutung aufzugliedern. Die Gaskammern von Birkenau werden nur in einigen wenigen zeitnahen Berichten angeblicher Augenzeugen ausdrücklich bestätigt. Diese sind jedoch derart fragwürdig und widersprüchlich, daß man sich nach dem Kriege kaum noch darauf zu berufen wagte oder nur Auszüge daraus veröffentlichte.


I. GRUNDLEGENDE DOKUMENTE AUS DEUTSCHEN AKTEN

1. Der Göring-Erlaß vom 31. Juli 1941

In fast allen Darstellungen zur Geschichte der angeblichen Judenausrottung wird als grundlegendes Dokument ein Erlaß des Reichsmarschalls Hermann Göring vom 31. Juli 1941 erwähnt, mit dem angeblich schon früher geplante und teilweise durchgeführte Vernichtungsaktionen nunmehr organisatorisch zusammengefaßt werden sollten. Vom Zeitpunkt dieses Erlasses ab wird in der Regel der Beginn der großen Vernichtungsaktionen, die in Auschwitz ihren Höhepunkt erreicht haben sollen, datiert. Dieses Dokument wurde bereits im Nürnberger IMT-Prozeß vorgelegt und hat folgenden Wortlaut [3]:

"Der Reichsmarschall des Großdeutschen Reiches
Beauftragter für den Vierjahresplan
Vorsitzender des Ministerrats für die Reichsverteidigung
An den Chef der Sicherheitspolizei und des SD SS-Gruppenführer Heydrich Berlin
Berlin, 31.7. 1941
In Ergänzung der Ihnen bereits mit Erlaß vom 24. 1. 3 9 übertragenen Aufgabe, die Judenfrage in Form der Auswanderung oder Evakuierung einer den Zeitverhältnissen entsprechend möglichst günstigen Lösung zuzuführen, beauftrage ich Sie hiermit, alle erforderlichen Vorbereitungen in organisatorischer, sachlicher und materieller Hinsicht zu treffen für eine Gesamtlösung der Judenfrage im deutschen Einflußgebiet in Europa. Sofern hierbei die Zuständigkeiten anderer Zentralinstanzen berührt werden, sind diese zu beteiligen.
Ich beauftrage Sie weiter, mir in Bälde einen Gesamtentwurf über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Vorausmaßnahmen zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage vorzulegen.
gez.Göring"

 

Der Nürnberger Ankläger Robert M. W. Kempner meint hierzu mit schlichter Selbstverständlichkeit [4]:

"Damit war Heydrich und seinen Mitarbeitern offiziell der verwaltete Mord übertragen worden."

Diese Bemerkung ist nun allerdings für den unbefangenen Leser des Dokuments erstaunlich. Denn über einen Mordplan sagt dieser Erlaß unmittelbar gewiß nichts aus. Nach seinem Wortlaut betraf er vielmehr Maßnahmen zur Auswanderung oder Evakuierung der Juden aus dem deutschen Einflußbereich in Europa, nicht dagegen deren physische Ausrottung oder Vernichtung. Diesen Sinn erhält das Dokument nur dann, wenn man den darin gebrauchten Ausdruck "Endlösung" entsprechend interpretiert, wie es denn auch durchweg geschieht [5]. Andreas Hillgruber bezeichnet gar in seiner Abhandlung über "Die Endlösung und das deutsche Ostimperium", die 1972 in den Vierteljahresheften für Zeitgeschichte erschien, die "Endlösung" im Sinne von Ausrottung aller Juden geradezu als Kernstück des rassenideologischen Programms des Nationalsozialismus [6]. Niemand von denen, die dem Begriff "Endlösung" diese Bedeutung geben, macht sich indessen die Mühe, nachzuweisen, wann und bei welcher Gelegenheit diese angebliche Bedeutung des Begriffs festgelegt wurde und insbesondere durch wen das geschehen ist. Daß Heydrich, an den der Erlaß gerichtet war, schon lange vorher mit der Organisation der Auswanderung der Juden aus dem Reichsgebiet befaßt war, wobei das von SS-Obersturmbannführer Eichmann geleitete Referat IV B 4 des Reichssicherheitshauptamts (RSHA) federführend war, wird in der einschlägigen Literatur allenfalls als Erleichterung der ihm nunmehr angeblich übertragenen Aufgabe der Vernichtung aller Juden angesehen [7]. Jeder sonstige Zusammenhang des Göring-Erlasses mit dieser Heydrich schon vorher übertragenen Aufgabe wird ignoriert. Verschiedentlich wird sogar behauptet, der Göring-Erlaß habe eigentlich nur noch formale Bedeutung gehabt, da die "Endlösung", die auf einem Befehl Hitlers an Himmler beruhe, im damaligen Zeitpunkt schon im Gange gewesen sei. Heydrich habe mit diesem "nur mehr formalen Akt" nur noch die Vollmacht zur Einschaltung auch "anderer, namentlich staatlicher Dienststellen" in die "Endlösung" erhalten [8].

Man sieht, wie hier einfach drauflos spekuliert wird, indem ein bisher nicht nachweisbarer Befehl Hitlers mit dem willkürlich als "Judenvernichtung" interpretierten Begriff "Endlösung" verquickt und so der Eindruck erweckt wird, als habe ein nach Wortlaut und Inhalt völlig unverfänglicher Erlaß Görings die Qualität eines Beweismittels für geplanten Judenmord. Wie ausgerechnet Göring dazu kam, zu einem von Hitler an Himmler erteilten Mordbefehl gewissermaßen eine Durchführungsanweisung zu geben, bleibt das Geheimnis dieser Interpretierkünstler.

Dem Nürnberger Hauptankläger Jackson genügte übrigens der Erlaß in der vorliegenden Form offenbar noch nicht. Er versuchte jedenfalls bei der Rückübersetzung des Dokuments aus der der Anklagebehörde vorliegenden englischen Fassung neben anderen Veränderungen des Wortlauts das im ersten Absatz des Erlasses verwendete Wort "Gesamtlösung" durch "Endlösung" zu ersetzen, vermutlich, um das Dokument den Behauptungen der Anklage besser anzupassen. Diesem Versuch trat Göring jedoch energisch und erfolgreich entgegen [9]. Seither wird nur noch der von Göring anerkannte, oben wiedergegebene Wortlaut des Erlasses zitiert.

Der wahre Anlaß zur Herausgabe dieses Erlasses ergibt sich eindeutig und zweifelsfrei aus seinem ersten Absatz, wonach die von der Reichsregierung bisher nur den deutschen Juden gegenüber betriebene Politik der Auswanderung oder Evakuierung nunmehr auf alle im deutschen Einflußgebiet in Europa ansässigen Juden ausgedehnt werden sollte. Sinngemäß paßt daher hier auch nur der Ausdruck "Gesamtlösung", da die bisherigen Maßnahmen gegen die Juden in Deutschland im Hinblick auf den inzwischen erweiterten Einflußbereich des deutschen Reiches nur noch als Teillösung gelten konnten. Eine nicht unwesentliche Rolle mag hierbei der Umstand gespielt haben, daß gerade die Juden in den während der Jahre 1940/41 von der deutschen Wehrmacht besetzten europäischen Ländern angesichts der zahlreichen provokatorischen und hetzerischen Aufrufe verschiedener Führer des Weltjudentums gegen das Reich [10] ein nicht zu unterschätzendes Sicherheitsrisiko darstellten. Das legte zwangsläufig Evakuierungsmaßnahmen für alle europäischen Juden in ein geeignetes Gebiet nahe, sofern nicht ihre Entfernung aus dem von Deutschland besetzten Raum durch Auswanderung möglich war.

Heydrich hatte mithin "in Ergänzung" der bereits erhaltenen Anweisungen die bisher schon betriebene Auswanderungs- und Evakuierungspolitik [11] nunmehr auf europäischer Ebene unter Berücksichtigung aller neu hinzugetretenen Umstände weiterzuführen [12]. Insoweit brachte der Erlaß also sachlich wirklich nichts Neues, wenn man davon absieht, daß Heydrich gemäß Absatz 1 Satz 2 des Erlasses zusätzlich ermächtigt worden war, andere Zentralinstanzen an den zu treffenden Maßnahmen zu beteiligen, sofern deren Zuständigkeiten hiervon berührt wurden.

Da Heydrich weiter gehalten war, die Judenfrage -- wie bisher -- "einer den Zeitverhältnissen entsprechenden möglichst günstigen Lösung" zuzuführen, hatte er selbstverständlich gewissen Veränderungen der sachlichen Voraussetzungen und Möglichkeiten Rechnung zu tragen. Der zunächst vorrangig betriebenen Auswanderungspolitik hatte der Ausbruch des Krieges enge Grenzen gesetzt. Schon vorher hatten allerdings die in Betracht kommenden Einwanderungsländer der Aufnahme von Juden zunehmend ablehnend gegenübergestanden, eine Tatsache, die ihren sichtbaren Ausdruck auf der sogenannten Evian-Konferenz im Juli 1938 gefunden hatte; jeder der an dieser Konferenz teilnehmenden Staaten brachte Gründe dafür vor, daß er keine Juden aufnehmen bzw. nicht mehr aufnehmen könne [13]. Trotzdem war bis in den Krieg hinein die Auswanderungspolitik den sich bietenden Möglichkeiten entsprechend fortgesetzt worden, wie selbst die jüdische Autorin Hannah Arendt bestätigen muß. Erst im Herbst 1941 soll die Auswanderung durch Himmler verboten worden sein [14]. Doch scheint es hierbei zahlreiche Ausnahmen gegeben zu haben. Selbst noch für das Jahr 1944 hat Jürgen Rohwer nachgewiesen, daß mehrere jüdische Auswanderungsschiffe Rumänien über das Schwarze Meer unter dem Schutz der deutschen Kriegsmarine verließen [15]. Das alles spricht zweifellos gegen den angeblichen Ausrottungsplan. Denn jeder ausgewanderte Jude ist ein lebender Zeuge und überzeugender Beweis dafür, daß eine physische Vernichtung des jüdischen Volkes nicht im Sinn der Reichsregierung lag.

Neben der Auswanderung war ebenfalls bereits vor dem Kriege -- übrigens nicht nur von deutscher Seite -- erwogen worden, alle Juden in einem bestimmten Territorium geschlossen anzusiedeln. Man nannte dieses Vorhaben auch Evakuierung. Konkret wurde von der deutschen Reichsregierung in Anlehnung an die Pläne des Begründers der zionistischen Bewegung, Theodor Herzl, erstmals im Jahre 1938 die Insel Madagaskar als Siedlungsgebiet für die Juden ins Auge gefaßt [16]. Dieser von den Vertretern der Vernichtungsthese nur ungern und meist als nicht ernst zu nehmend hingestellte Madagaskar-Plan [17] trat nach der Niederwerfung Frankreichs im Westfeldzug in den Bereich des Möglichen, da Madagaskar französische Kolonie war. Es wurde wiederholt hierüber verhandelt; der Plan scheiterte jedoch schließlich am Widerstand der Vichy-Regierung [18].

Andererseits standen aber jetzt durch die hinzugewonnenen Gebiete im Osten Europas neue Möglichkeiten für eine Evakuierung der deutschen und europäischen Juden zur Verfügung, an die auch Göring bei Herausgabe seines Erlasses gedacht haben mochte.

Das erklärt, warum Heydrich dem Erlaß zufolge (vgl. Absatz 2 aaO.) jetzt auch "in Bälde einen Gesamtentwurf über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Vorausmaßnahmen zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage" vorzulegen hatte. Denn unter dem Begriff "Endlösung" wurde tatsächlich schon immer die geschlossene Ansiedlung der Juden in einem bestimmten Territorium verstanden. So schrieb bereits im Jahre 1933 der bekannte Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Johann von Leers in seinem Buch "14 Jahre Judenrepublik" folgendes [19]:

"Wir haben -- bei allem Radikalismus -- niemals den Kampf gegen das Judentum geführt, um das jüdische Volk zu vernichten, sondern um das deutsche Volk zu schützen. Auf eigener Erde und ohne den Willen und die Möglichkeit, die deutsche Entwicklung weiter zu stören, haben wir nur allen Grund, dem jüdischen Volke Erfolg für eine ehrliche Volkwerdung zu wünschen. Judenfeindschaft um ihrer selbst willen ist dumm und im letzten wirklich barbarisch. Unsere Judenfeindschaft ist begründet durch den Wunsch, unser eigenes Volk vor einer geistigen, wirtschaftlichen und politischen Verknechtung durch das Judentum zu retten. Der Grundgedanke der Zionisten, das jüdische Volk unter Völkern auf eigenem Boden zu organisieren, ist, soweit sich damit keine Weltherrschaftsideen verbinden, gesund und berechtigt. Statt sich fruchtlos von Jahrhundert zu Jahrhundert das Judenproblem gegenseitig zuzuschieben, täten die europäischen Völker gut, eine wirkliche Loslösung des Judentums aus ihren Völkern und seine Unterbringung in einem ausreichenden und gesunden außereuropäischen Siedlungsgebiet zu organisieren."

So sah also ein profilierter Nationalsozialist die Judenfrage und niemand wird behaupten können, daß darin auch nur der Keim eines Plans zur Ausrottung der Juden zum Ausdruck gekommen wäre. Die Förderung des Madagaskarplans vor Beginn des Krieges und während der ersten Kriegsjahre beweist, daß diese Auffassung auch die Auffassung der Reichsregierung war. Die verschiedenen Versuche, diesen Plan als nicht ernst gemeint hinzustellen, entbehren jeder Grundlage.

Selbst der stets als besonders kompromißloser Befürworter der Judenvernichtung hingestellte Heydrich war ganz offensichtlich dieser Meinung. Am 24. 6. 1940 bat er Ribbentrop, ihn bei etwa "bevorstehenden Besprechungen, die sich mit der Endlösung der Judenfrage befassen", zu beteiligen. Wörtlich erklärte Heydrich damals [20]:

"Das Gesamtproblem -- es handelt sich bereits um rund 3 1/4 Millionen Juden in den heute deutscher Hoheitsgewalt unterstehenden Gebieten -- kann durch Auswanderung nicht mehr gelöst werden; eine territoriale Endlösung wird daher notwendig. "

Und Himmler hatte in einer undatierten Denkschrift für Hitler, die aus dem Monat Mai 1940 stammen soll, wörtlich erklärt [21]:

"Den Begriff Juden hoffe ich, durch die Möglichkeit einer großen Auswanderung sämtlicher Juden nach Afrika oder sonst in eine Kolonie völlig auslöschen zu sehen."

Übrigens lehnt Himmler in demselben Dokument bezeichnenderweise den Gedanken "der physischen Ausrottung eines Volkes aus innerer Überzeugung als ungermanisch und unmöglich" ausdrücklich ab. Hitler soll diese Denkschrift für "sehr gut und richtig" befunden haben [22]. Er soll damals ebenfalls es als seine Absicht bezeichnet haben, "sämtliche Juden aus Europa zu evakuieren" [23]. Nach "Hitlers Tischgesprächen" von Dr. Henry Picker, deren Authentizität und sachliche Richtigkeit bisher von niemandem angezweifelt wurden, soll Hitler sich am 24. Juli 1942 noch für die Zeit nach dem Kriege zu dieser Absicht bekannt haben [24].

Mindestens die zitierte Äußerung Heydrichs, in der das Wort "Endlösung" ausdrücklich erscheint, zeigt, daß dieser Begriff mit der Aussiedelung der Juden in ein ihnen zuzuweisendes Territorium im Zusammenhang stand, wo sie als geschlossene Gemeinschaft in einem eigenen Staat leben sollten. Darin sah man, wie auch alle übrigen oben wiedergegebenen Aussagen führender Nationalsozialisten beweisen, in Wahrheit die endgültige Lösung der jüdischen Frage. Äußerungen von gleicher Klarheit, in denen der Begriff "Endlösung" direkt oder auch nur indirekt auf die Ausrottung aller Juden hinweist, gibt es nicht. Die Intentionen der nationalsozialistischen Machthaber entsprachen damit durchaus den zionistischen Forderungen nach einem eigenen Judenstaat, nur mit dem Unterschied, daß die zionistischen Bestrebungen ausschließlich auf Palästina ausgerichtet waren.

Übrigens wurde der Begriff "Endlösung" in diesem Sinne nachweisbar sogar noch nach der sog. Wannsee-Konferenz, auf der angeblich die Ausrottung aller Juden definitiv beschlossen und in Einzelheiten geregelt worden sein soll, in einem amtlichen Schreiben verwendet. Unter dem Datum 10.2. 1942 erging nämlich eine Anweisung des Leiters der Abteilung Deutschland III des Auswärtigen Amtes Rademacher, die in ihrem hier interessierenden Teil folgenden Wortlaut hatte [25]:

"Der Krieg gegen die Sowjetunion hat inzwischen die Möglichkeit gegeben, andere Territorien für die Endlösung zur Verfügung zu stellen. Demgemäß hat der Führer entschieden, daß die Juden nicht nach Madagaskar, sondern nach dem Osten abgeschoben werden sollen. Madagaskar braucht mithin nicht mehr für die Endlösung vorgesehen zu werden."

Es ist ganz klar, daß der Ausdruck Endlösung in diesem Zusammenhang nur als geschlossene Umsiedlung der Juden in ein bestimmtes Territorium verstanden werden kann. Wenn man insoweit -- wie z. B. Reitlinger- von "Fiktion" oder "Tarnung" spricht, so beweist das mangels entsprechender dokumentarischer Anhaltspunkte nur die Einseitigkeit und Voreingenommenheit jener Schreiberlinge [26].

Der Göring-Erlaß bietet also angesichts aller Umstände, aber auch seinem eindeutigen Wortlaut nach, nicht den geringsten Anhaltspunkt dafür, daß Heydrich durch diese Weisung "der verwaltete Mord" übertragen worden war, wie der jüdisch-amerikanische Ankläger von Nürnberg Robert M. W. Kempner es so überaus dramatisch formulierte (siehe oben Seite 32). Der erkennbare Zweck des Erlasses war vielmehr, die bisher schon betriebene Politik der Zurückdrängung des Judentums durch Auswanderung oder Evakuierung auf den gesamten deutschen Einflußbereich in Europa auszudehnen und ihre Durchführung in einer Hand zusammenzufassen, nachdem durch die Kriegsentwicklung eine weitgehende Veränderung der Grundlagen und Möglichkeiten dieser Politik eingetreten war. Darüber hinaus sollte Heydrich einen Plan über Vorausmaßnahmen für die nach wie vor angestrebte "Endlösung der Judenfrage" vorlegen, unter der stets nur die Ansiedlung aller Juden in einem geschlossenen Territorium, dem Judenstaat Theodor Herzlos, verstanden wurde, nicht dagegen die physische Vernichtung des jüdischen Volkes. Letzteres ist eine zwar ständig wiederkehrende, dokumentarisch aber nicht nachweisbare Behauptung.

Nur am Rande sei in diesem Zusammenhang noch vermerkt, daß die Vernichtungsthese schon deshalb unsinnig erscheinen muß, weil die Reichsregierung zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit hatte, sie auch nur annähernd zu verwirklichen. Denn bei einer jüdischen Weltbevölkerung von fast 16 Millionen bei Kriegsbeginn [27] betrug die Zahl der im deutschen Machtbereich zur Zeit seiner größten Ausdehnung lebenden Juden -- wie Harwood nachgewiesen hat -- nur rund 3 Millionen [28]. Übrigens teilte die New Yorker jüdische Zeitung "Der Aufbau" am 30. Juni 1965 mit, daß bis zum damaligen Zeitpunkt 3,375 Millionen Wiedergutmachungsanträge gestellt worden seien [29]. Ein Kommentar hierzu dürfte sich erübrigen.


Anmerkungen

  1. Ein instruktives Beispiel für diese Methode der Geschichtsschreibung liefert uns Professor Walter Hofer mit seinem gezielt zum Bestseller gemachten Buch "Der Nationalsozialismus -- Dokumente 1933-1945".
    Der Titel tauscht übrigens offensichtlich eine reine Dokumentensammlung vor, obwohl das in Wirklichkeit nicht der Fall ist. Das Buch enthält vielmehr neben einem für unser Thema wenig aufschlußreichen Anhang mit ausgewählten Dokumenten einen sehr umfangreichen Textteil, der die von den Umerziehern gewünschte Aussage liefert. Geschickt wird der Eindruck erweckt, als sei das im Textteil Gesagte durch die zum Teil sogar nur auszugsweise wiedergegebenen Dokumente einwandfrei belegt. Abgesehen davon, daß ein Teil der Dokumente als nicht authentisch oder gefälscht bezeichnet werden muß, kann ein kritischer Leser jedoch erkennen, daß das keineswegs der Fall ist.
    Hinsichtlich der einzelnen Fakten der Auschwitz-Legende verweist Butz (Hoax, Seiten 100, 131; Jahrhundertbetrug, Seiten 131, 171 f.) zutreffend darauf, daß diese verschiedene Interpretationen (a dual interpretation of facts) zuließen. Er bezeichnet es als Notwendigkeit für die Urheber der Legende, solche mehrdeutigen (wahren) Tatsachen in ihre Vernichtungsgeschichte einzubauen. weil bei einem Betrug dieses Ausmaßes, wenn er glaubwürdig sein solle, nicht jede Einzelheit unwahr sein dürfe. Diese Beweisführung überzeugt allerdings nicht immer -- jedenfalls nicht für sich allein.
  2. Vgl. "Hitler und seine Feldherren", Seite 277.
  3. Nbg. Dok. NG-2586/PS-710 (vgl. IMT IX, 575ff. und XXVI, 266-267). Das Dokument ist hier zitiert nach Krausnicks Gutachten im Auschwitz-Prozeß ("Anatomie des SS-Staates, Band 2, Seite 372). In Reimund Schnabels Dokumentensammlung "Macht ohne Moral" ist der Erlaß als Dokument 175 abgedruckt (aaO. Seite 496); er tragt dort allerdings das Datum "8. 7. 1941". Das Datum "31. 7. 1941" entspricht den Feststellungen im IMT-Prozeß.
  4. "Eichmann und Komplizen", Seite 98.
  5. Vgl. z. B. Kempner aaO. Seite 5; Scheffler aaO. Seite 36; Hannah Arendt: "Eichmann in Jerusalem", Seiten 116f. Selbstredend wurde der Begriff "Endlösung" auch in der Anklageschrift des Generalstaatsanwalts Gideon Hausner im Jerusalemer Eichmann-Prozeß in dieser Bedeutung verwendet (Servatius "Adolf Eichmann", Seite 7), dem das Gericht insoweit folgte. überhaupt gibt es kein Gerichtsverfahren der Nachkriegszeit, weder vor ausländischen noch vor deutschen Gerichten, in dem der Begriff "Endlösung" nicht von vornherein und ohne jede nähere Nachprüfung in diesem Sinne verstanden worden wäre.
  6. AaO. Seiten 133ff.
  7. Vgl. z.B. Henkys: "Die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen", Seite 127.
  8. Buchheim in "Anatomie des SS-Staates", Band 1, Seite 81; Krausnick ebd.. Band 2, Seite 372. Ebenso Adler; "Der verwaltete Mensch", Seiten 84f.
  9. IMT IX, 575. Die Auseinandersetzung zwischen Göring und Jackson ist auch bei Härtle nachzulesen: "Freispruch für Deutschland", Seiten 170ff.
  10. Die jüdische Hetze gegen das Reich setzte bereits vor der Machtergreifung Hitlers ein und wurde von 1933 ab verstärkt bis in den Krieg hinein fortgesetzt. Vgl. hierzu Heinz Roth: "Was hätten wir Väter wissen müssen?", Teil 2, Seiten 52ff. und 113; Härtle aaO. Seiten 244ff.
  11. Vgl. hierzu Scheidl, "Geschichte der Verfemung Deutschlands", Band 5 Seiten 23 ff. und Härtle aaO. Seiten 144 ff.
  12. In diesem Sinne beurteilt sogar der sonst ebenfalls der Endlösungslegende verfallene Uwe Dietrich Adam (Judenpolitik im 3. Reich) diesen Erlaß (aaO., Seiten 308-309). Adler ("Der verwaltete Mensch", Vorwort, Seite XXVII) bezeichnet diesen in der Bewältigungsliteratur erstaunlichen Anflug von Sachlichkeit freilich als "ein wenig naiv´, ohne indessen selbst dem mehr als die üblichen verschwommenen und jeder Grundlage entbehrenden Behauptungen entgegensetzen zu können.
  13. Aretz, "Hexeneinmaleins...", Seite 138; Instauration, Ausgabe Nov. 1977.
  14. Hannah Arendt aaO. Seite 97; Krausnick, "Anatomie des SS-Staates", Band 2, Seite 373
  15. Jürgen Rohwer, "Die Versenkung der jüdischen Flüchtlingstransporter Struma und Mefkure im Schwarzen Meer (Februar 1942, August 1944)". Vgl. auch Härtle aaO. Seiten 162-163. Die Auswanderungspolitik der Reichsregierung ist ausführlich behandelt bei Scheidl, "Geschichte der Verfemung Deutschlands, Band 5, Seiten 23 ff. Vgl. auch Roth, "Was hätten wir Vater wissen müssen?", Teil 2, Seiten 138ff.
    Rassinier weist anhand des Berichts des Komitees zur Rettung der ungarischen Juden von Dr. Reszo Kasztner (sog. Kasztner-Bericht) nach, Daß die Judenauswanderung durch deutsche Dienststellen wahrend des ganzen Krieges gefordert wurde ("Was nun, Odysseus?", Seiten 84ff.). Es wurden sogar Ausbildungslager zur Erlernung landwirtschaftlicher oder handwerklicher Fähigkeiten für solche Juden eingerichtet, die sich zur Auswanderung nach Palästina bereiterklärt hatten (Scheidl, aaO. Seite 28).
  16. Harwood aaO. Seiten 5-6, deutsche Ausgabe Seiten 6-7; Härtle aaO. Seite 165; Aretz aaO. Seite 150. Zur Entwicklung des Madagaskarplans ausführlich auch Scheidl. "Geschichte der Verfemung Deutschlands", Band 5, Seiten 31 ff. Der Madagaskarplan als solcher ist im übrigen unbestritten. Schon vor den Bemühungen der Reichsregierung hatten sich die polnische und die französische Regierung mit einem ähnlichen Plan befaßt. Vgl. auch Reitlinger aaO. Seiten 86ff.
  17. So Z. B. von Kempner aaO. Seite 107, der ihn ohne nähere Begründung als "Alibi" abzuwerten versucht.
  18. Harwood aaO. Seite 5, deutsche Ausgabe Seiten 6-7.
  19. AaO. Band 2 (Berlin 1933), Seite 126. Auch nach dem Parteiprogramm der NSDAP zielte der NS-Antisemitismus allein auf Rassentrennung, nicht auf physische Vernichtung der Juden ab; vgl. Sundermann. "Das Dritte Reich". Seite 212.
  20. Beweisdokument Nr.464 aus dem Jerusalemer Eichmann-Prozeß, hier zitiert nach Krausnick, "Anatomie des SS-Staates", Band 2, Seite 355. Adler (aaO Vorwort Seite XXVIII) sieht freilich auch hierin nur eine "Sprachregelung". Indessen kann der Terminus "Territoriale Endlösung" nicht nur sprachlich, sondern auch im Hinblick auf die ganze bisherige Behandlung des jüdischen Problems durch die deutsche Regierung kaum anders als im Sinne einer Ansiedlung der Juden in einem bestimmten Territorium verstanden werden.
  21. Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Jahrg. 1957, Seite 197.
  22. Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Jahrg. 1957, Seite 194; vgl. hierzu auch Reitlinger aaO. Seite 41.
  23. Krausnick in "Anatomie des SS-Staates", Band 2, Seite 356.
  24. Henry Picker, "Hitlers Tischgespräche", Seite 471. Vgl. auch Scheidl, "Geschichte der Verfemung Deutschlands", Band 5, Seiten 32--33.
  25. Nbg. Dok. NG-3933 (Wilhelmstraßen-Prozeß), hier zitiert nach Reitlinger aaO. Seite 89. Vgl. auch Harwood aaO. Seite 5, deutsche Ausg. Seite 7.
  26. Einer der Richter im Wilhelmstraßen-Prozeß, Leon W. Powers, soll in seiner "dissenting opinion" -- wie Helmut Sundermann mitteilt ("Deutsche Notizen", Seiten 353-354, Fußnote) -- zum Begriff "Endlösung" folgende Auffassung vertreten haben: "...Tatsache ist, daß -- als die ersten Maßnahmen gegen die Juden eingeleitet wurden -- der Ausdruck ›Endlösung‹ üblich wurde. In den Anfangsstadien bedeutete ›Endlösung‹ erzwungene Auswanderung. Eine Zeitlang bedeutete das Wort Deportierung der Juden nach Madagaskar. Als ein Ergebnis der Wannsee-Konferenz bedeutete ›Endlösung‹ Deportierung in Arbeitslager im Osten. Außer für einige wenige Initiatoren bedeutete sie niemals Ausrottung..."
    Diese Ansicht des Richters Powers war angesichts der damaligen Situation und Weltstimmung außerordentlich mutig. Der letzte Satz und die daran anschließenden Ausführungen des Richters, die Ausrottung sei unter größter Geheimhaltung erfolgt und über die ganze Angelegenheit seien nicht mehr als 100 Personen unterrichtet gewesen, war wohl ein notwendiges Zugeständnis an den Zeitgeist. Richter Powers urteilte in diesem Punkt -- wie Sundermann aaO. bemerkt -- ohne Beweismaterial. Die Hypothese, nicht mehr als 100 Personen hätten bei Massenvernichtungen des behaupteten Ausmaßes mitgewirkt, erscheint geradezu absurd.
  27. Aretz aaO. Seite 25. Möglicherweise lag die Zahl sogar noch hoher, weil wie Rassinier mitteilt ("Das Drama der Juden Europas", Seiten 145,146) -- die jüdische Weltbevölkerung nach den Feststellungen von Dr. Arthur Ruppin, eines der namhaftesten jüdischen Statistiker, bereits im Jahre 1932 die Zahl von 15,8 Millionen erreicht haben soll.
  28. Harwood aaO. Seite 6, deutsche Ausgabe Seite 8. Zur Unsinnigkeit der Ausrottungsthese siehe auch Scheidl aaO. Band 5, Seite 21f.
  29. Harwood aaO. Seite 28, letzter Absatz, deutsche Ausgabe Seite 38. Vgl. hierzu auch Härtle in "Das Freie Forum", Ausgabe 4/1975, Seite 4.

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