Warum dieses Buch?

Die Arbeit der Historiker für die Geschichtsschreibung besteht in der Rekonstruktion der politischen Ereignisse. Dazu sind sie angewiesen auf Dokumente, Verträge, Korrespondenzen, auf Reden namhafter Politiker, diplomatische Noten, Presseberichte, Fotos und anderes mehr. Diese Unterlagen sind das Gerippe, aber deswegen wesentlich, weil auch der Historiker seine Aussagen beweisen muß. Dabei hat er natürlich das Recht, sein Material so auszuwählen und zu bewerten, daß eine vorgefaßte oder gar in Auftrag gegebene Meinung bewiesen wird. Diese Art der Geschichtsschreibung ist wie die Darstellung eines menschlichen Individuums anhand seiner Anatomie. Sie liefert das Substantielle, das Beweisbare. Aber das Wesen eines Menschen, was das Individuum von allen anderen Menschen unterscheidet, seine Gefühlswelt, seinen Charakter, seinen Geist, seine Erfahrungen, sein Wissen und Können, findet man nicht in der Anatomie. Hier wie dort würde die Reduzierung der Geschichte oder das Wesen eines Menschen auf die substantiellen Fakten der spekulativen Argumentation sehr viel Spielraum lassen. In der geschichtlichen Vergangenheit haben die Idealismen als treibende Kraft der politischen Entwicklungen eine wesentliche Rolle gespielt, Idealismen als Traditionen, Nationalismen, Mythologien, Religionen. Sie haben das Denken und damit das Handeln der Menschen über viele Jahrtausende bestimmt und bestimmen sie teils heute noch. Diese Idealismen dienen mehr als Recht und Gesetz der

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Disziplinierung der Völker als wichtigste Voraussetzung für gemeinschaftliche Ordnungssysteme.

Doch wir heutigen modernen Industrienationen glauben uns erhaben über diese archetypische Denkweise und halten uns für ideologiefreie Realisten. Daß aber unsere materialistische Denkweise, die längst unsere Weltanschauung, Philosophie, Naturwissenschaft, Gesellschaft und Politik beherrscht, auch nur als eine besondere Art von Ersatzreligion in Szene gesetzt worden sein könnte, um unser Denken und damit unser Handeln in eine bestimmte Richtung zu lenken, um uns als Kommunisten oder Kapitalisten oder Liberalisten von einem optimalen, natürlichen Daseinszweck abzulenken, auf einen solchen Gedanken können wir deshalb nicht kommen, weil wir von der Alleinrichtigkeit unseres wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Materialismus überzeugt sind.

Genau das aber dürften jene bereits gewußt haben, welche schon vor über 200 Jahren durch die Behauptung von einer naturwissenschaftlichen Kausalität mit der Verführung unseres Denkens begonnen und eine allmähliche Zerstörung der idealistischen oder autoritären Ordnungssysteme eingeleitet haben. Von Revolution zu Revolution, von Krieg zu Krieg sind sie ihrem langfristig angelegten Planziel einen Schritt näher gekommen. Doch in keinem Geschichtsbuch sind diese lenkenden intelligenten Geisteskräfte je erwähnt, wenngleich sie die Geschichte mehr beeinflußt haben als Napoleon, Bismarck, Churchill oder Hitler. Bis heute würden wir von jenen, welche die Geschichte dirigieren, weder etwas ahnen noch wissen, wenn nicht zwei entscheidende Dokumente existieren würden, die wir aus der Versenkung wieder hervorgeholt haben:

Es sind einmal die Protokolle der Weisen von Zion, welche gleich nach ihrem Erscheinen von der Judenheit als Fälschung zum Zweck der antisemitischen Hetze behauptet wurden. Das zweite Dokument ist das Rakowski-Protokoll, die Vernehmung des Sowjetbotschafters in Paris, Rakowski, der als Trotzkianhänger zum Tode verurteilt werden sollte und am 26. Januar 1938 durch den Stalinvertrauten

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Kuzmin vernommen wurde. Das Vernehmungsprotokoll wurde im 2. Weltkrieg bei einem toten NKWD-Arzt gefunden.

Das erste dieser beiden Dokumente könnte man als ein zionistisches Manifest bezeichnen, während der eingeweihte Rakowski die Umsetzung des Manifestes in praktische Politik seit dem 18. Jahrhundert offenbart. Damit erfährt die Weltgeschichte einen Navigator, dessen Wirken bisher unbekannt oder unterdrückt war. Man könnte diese Dokumente, ob Fälschung oder nicht, vergessen, wenn die darin zum Ausdruck gekommene prophetische Weltsicht sich nicht geradezu fahrplanmäßig erfüllt hätte. Man könnte ferner diese Dokumente nach ihrem Einbau in die Geschichte als einen Aspekt der Vergangenheit ad acta legen, wenn nicht in jüngster Zeit so oft von einer neuen Weltordnung gesprochen und geschrieben würde, ohne daß ein Betreiber dieser neuen Weltordnung jemals deren Konzept vorgelegt hätte. Der Golfkrieg gegen den Irak bespielsweise wurde auch im Interesse dieser neuen Weltordnung geführt, und niemand hat die Propagandisten dieser neuen Weltordnung gefragt, wie diese augenscheinlich paradiesische Zukunft gestaltet werden würde.

Diese beiden Dokumente beschreiben die neue Weltordnung, die uns bevorstehende Zukunft, und sie erklären auch, warum uns niemand sagt, was uns da bevorsteht.

Heute sind die Protokolle der Weisen von Zion aus fast allen Bibliotheken verschwunden. In allen Nachkriegslexika sind sie als Fälschungen deklariert. Wir würden uns gern diesem Urteil anschließen; wir würden gern das, was sich seit der Französischen Revolution zielstrebig auf die neue Weltordnung hin entwickelt hat, nicht wahrhaben wollen. Wenn uns aber jene Hintermänner nicht ihr wahres Weltordnungskonzept unmißverständlich auf den Tisch legen, dann sollen sie uns, die wir für sie diese Offenbarung betreiben, widersprechen und uns sagen oder gar beweisen, daß das alles nicht wahr ist.

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