Die kapitalistische und die kommunistische Internationale

In der jüngeren Geschichte werden die Gesellschaften durch zwei Systeme geprägt, durch den Kommunismus und den demokratischen Kapitalismus. Von beiden Systemen nehmen wir an, daß sie sich gegenseitig bekämpfen, die Macht streitig machen und die Herrschaft des einen über den anderen zu gewinnen trachten. Eine alternative Gesellschafts- oder Regierungsform, die noch von Belang wäre, existiert bestenfalls noch im Islam, soweit sich diese Völker nicht schon der einen oder anderen Richtung zugeordnet haben.

Im Jahre 1929 erschien in der Judisk Tidskrift, Nr. 57, ein von Blumenthal gezeichneter Artikel mit der Aussage:

Erst kürzlich hat unsere Rasse der Welt einen neuen Propheten geschenkt, der zweierlei Gesichter und zwei Namen trägt: Auf der einen Seite ROTHSCHILD, auf der anderen KARL MARX, der Apostel jener Seite, die die andere zerstören möchte.

Blumenthal behauptete also, daß Rothschild als Vertreter des Kapitalismus und Marx als Begründer des Kommunismus gleichen Ursprungs sind, gleichartige Interessen vertreten und derselben Sache dienen, während sie sich nur scheinbar gegenseitig bekämpfen.

Rakowski, der Todeskandidat, der um diese Tatsache wußte, saß dem eingefleischten Stalinisten Kuzmin gegenüber, der im Grunde nur formale Schuldbekenntnisse suchte, um die längst beschlossene

151


Todesstrafe in einem Urteil begründen zu können. Bei derartigen Vernehmungen kam es vornehmlich darauf an, System- oder Ideologiefeindlichkeiten herauszufordern. Ein Bekenntnis zu Trotzki wäre eine solche Systemfeindlichkeit. Rakowski mußte daher sein ganzes diplomatisches Geschick aufwenden, um Kuzmin in eine Diskussion um die Grundlagen des Kapitalismus und Kommunismus zu verwickeln, um die von Marx behaupteten Widersprüchlichkeiten des Kapitals vielmehr als Gemeinsamkeiten zwischen Kommunismus und Kapitalismus aufzudecken. Er sagte ihm:

Nehmen Sie irgendein Wirtschaftsjahrbuch irgendeines Landes und teilen Sie den Ertrag unter die Lohnempfänger auf, und Sie werden sehen, was für ein »außerordentlicher« Quotient dabei herauskommt. Dieser Quotient ist das Konterrevolutionärste der Weltgeschichte, und wir müssen ihn als größtes Geheimnis hüten...

Hat man die Arbeiterschaft mit ihrer angeblichen Ausbeutung durch die Unternehmer in die Revolutionen gelockt, hoffend, daß es ihnen viel besser gehen würde, wenn der Mehrwert unter den Arbeitern aufgeteilt wird, so erfährt Kuzmin, daß dieses ein Betrug ist, weil der dabei herauskommende Quotient lächerlich gering sei. Berücksichtigt man, daß mit der Vergesellschaftung der Betriebsmittel sowohl Leistung als auch Qualität absinken werden, absinken müssen, so käme für die Proletarier nur noch eine Passivdividende heraus. So fragte er Kuzmin:

Können Sie nicht den Verdacht hegen, daß die berühmten inneren Widersprüche des Kapitals auch von jemandem organisiert sein könnten? Als Grundlage der Einführung erinnere ich daran, daß die proletarische Internationale bei der Auslösung von Inflationen mit der Finanz-Internationale übereinstimmt. Und wenn es Übereinstimmung gibt, kann es sich auch um ein Abkommen handeln.

Kuzmin drohte seinem Häftling, die Zeit nicht mit Spitzfindigkeiten und Phantasien zu vertun, doch er war längst hellhörig und neugierig geworden. Rakowski schmeichelte ihm, lobte seine Intelligenz und

152


nahm als selbstverständlich an, daß er ein Scholastiker des Kapitals sei, so daß er ihm in der Darstellung der Widersprüche folgen könne. Er sagte:

In der Geldfrage erscheint Marx als Reaktionär, und das war er, zur größten Überraschung, obwohl er jenen fünfzackigen Stern - gleich dem Sowjetstern - vor Augen hatte, der ganz Europa mit Glanz erfüllte: die fünf Brüder Rothschild mit ihren Banken, die Herren über die größte Akkumulation des Kapitals, die die Welt je gesehen hat.

Was Rakowski seinem Vernehmer so nebenbei erklärte, war nichts anderes als der Ursprung des Pentagramms, des fünfzackigen Sterns, der ebenso symbolhaft das bolschewistische Rußland wie das kapitalistische Amerika ziert, die fünf Brüder Rothschild markiert, die jeweils in Frankfurt, London, Paris, Wien und Neapel das Kapital schlechthin vertraten; ebenso ist dieses Pentagramm aber auch zugleich die Symbolik der Freimaurerei.

Rakowski machte ihn weiter auf eine gewisse Erscheinung in den Revolutionen der Komintern aufmerksam:

Wir können beweisen, daß, wenn die Massen sich einer Stadt oder Nation bemächtigen, sie immer eine fast abergläubische Furcht vor Bankiers und Banken zeigten. Sie haben Könige, Generale, Bischöfe, Polizisten, Priester und andere Bevorrechtigte der verhaßten Klasse umgebracht, haben Kirchen, Paläste und sogar Stätten der Wissenschaft geplündert und in Brand gesetzt, aber als wirtschaftlich soziale Revolutionäre haben sie das Leben der Bankiers respektiert und die prächtigen Bankgebäude unverletzt gelassen. Nach meinen Aufzeichnungen bis zu meiner Verhaftung wiederholt sich das Gleiche.

Als Kuzmin wissen wollte, wo sich denn das Gleiche ereigne, verwies Rakowski ihn an die aktuelle Revolution in Spanien und fragte ihn, ob ihm das nicht alles recht außergewöhnlich vorkomme und er nicht bemerkt habe, daß internationale Finanz und internationales Proletariat insgesamt nicht nur eine gewisse Ähnlichkeit, sondern Identität hätten.

153


Nach einer gründlichen Vorbereitung konnte Rakowski seinem Vernehmer etwas offenbaren, was diesem sonst wohl einen Schock versetzt haben würde:

Wissen Sie, daß die nicht geschriebene Geschichte, die nur wir kennen, uns als den Gründer der Ersten Internationale des Kommunismus - natürlich geheim - Adam Weishaupt angibt? Erinnern Sie sich seines Namens? Er war der Führer des als »Illuminaten« bekannten Freimaurerordens... Als dieser große Revolutionär, Semit und Exjesuit (eine seltene Konstellation!) den Triumph der Französischen Revolution voraussah, entschloß er sich (oder wurde beauftragt - man nennt als seinen Chef den großen Philosophen Mendelssohn), eine Organisation zu schaffen, die geheim sein und und die Französische Revolution über ihre politischen Ziele hinaus weitertreiben sollte, um sie in eine soziale Revolution zur Aufrichtung des Kommunismus zu verwandeln. In jenen heldischen Zeiten war es eine ungeheure Gefahr, den Kommunismus auch nur als Ziel zu erwähnen. Daher alle die Vorsichtsmaßnahmen, Prüfungen und Mysterien, mit denen er das Illuminatentum umgeben mußte.

Erinnern wir an die Protokolle der Weisen von Zion, in denen diese sich rühmen, daß die Französische Revolution mit den »unsinnigen« Parolen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit »unser« Werk gewesen ist.

Die seinerzeit wahrlich revolutionären Thesen Weishaupts finden wir später bei Marx und Lenin wieder. Sie lauteten: Abschaffung des Privateigentums, Abschaffung des Nationalismus, Abschaffung der Regierung, Beseitigung aller Religionen - Abschaffung der Familie, Errichtung einer Weltregierung.

Man braucht nicht zu betonen, daß sich diese Ziele auch in den Protokollen der Weisen wiederfinden, nicht jedoch als Grundsätze ihrer eigenen kommenden Regierung, sondern zu dem Zweck, die bestehenden Ordnungssysteme zu zerstören. Je größer nämlich das angerichtete Chaos ist, desto eher sind die Gojim bereit, jedes wie

154


auch immer geartete Ordnungssystem zu akzeptieren, weil eben jede Ordnung besser ist als das Chaos. Nun aber kam der eigentliche Hammer, als Rakowski sagte:

Was man nicht kennt, ist die Verbindung von Weishaupt und seinen Anhängern zum ersten Rothschild.

Hierzu einiges über die Rothschilds: Sie tauchten erstmals 1743 unter dem Namen des Amschel Moses Bauer als Geldwechsler in Frankfurt auf und kamen aus dem Ostjudentum. Dessen Sohn lernte im Bankhaus Oppenheimer und erwies sich dort als ein sehr talentierter Bankmann. Er übernahm hernach das »Comptoir« seines Vaters, und da dieser seine Wechselstube mit einem roten Schild gekennzeichnet hatte - die rote Flagge war im Ostjudentum das Siegeszeichen der revolutionären Juden -nannte sich Moses Amschel Bauers Sohn Rothschild.

Über die Verbindung Rothschilds mit Adam Weishaupt sagte Rakowski:

Das Geheimnis von dem Ursprung des Vermögens dieser berühmten Bankiers läßt sich damit erklären, daß sie die Schatzmeister der ersten Komintern waren. Es bestehen Anzeichen dafür, daß allen fünf Brüdern eine geheimnisvolle Macht half, das sagenhafte Vermögen anzusammeln. Es könnten jene ersten Kommunisten aus den Katakomben Bayerns gewesen sein, die über ganz Europa verstreut waren.

Über die Ursprünge der Rothschildvermögen gibt es auch etliche andere Erklärungen; es mag sein, daß Rakowski hier etwas in den Vordergrund spielen wollte, was den Zusammenhang von Kapital und Kommunismus verstärken sollte. So schränkte er denn auch gleich diese Behauptung wieder ein, indem er sagte:

Andere aber sagen, ich glaube mit größerem Recht, daß die Rothschilds die Führer jenes ersten geheimen Kommunismus waren. Diese Auffassung stützt sich auf die Tatsache, daß Marx und die höchsten

155


Führer der ersten, nun schon öffentlichen Internationale, darunter Heine und Herzen, dem Baron Lionel Rothschild gehorchten, dessen revolutionäres Bild, von Disraeli, dem seinerzeitigen britischen Premier und ebenfalls einer seiner Kreaturen, geschaffen, ihn uns in der Gestalt des Sidonia hinterließ, des Mannes, der als Multimillionär unzählige Spione, Carbonari, Freimaurer, Geheimjuden, Zigeuner, Revolutionäre usw. kannte und befehligte.

Man beachte die Randbemerkung Rakowskis, daß der seinerzeitige britische Premierminister, Benjamin Disraeli, eine Kreatur Rothschilds gewesen sei. Um Disraelis Übereinstimmung mit Rothschilds geheimen Weltmachtplänen zu charakterisieren, sei hier aus J. A. Koflers Rettet das Leben eine Äußerung Disraelis aus dem Jahre 1852 zitiert:

Die Welt wird von ganz anderen Persönlichkeiten geleitet, als sich derjenige vorstellt, dessen Auge nicht hinter die Kulissen blickt. Diese mächtige Revolution, die gerade jetzt sich verbreitet und sich in Deutschland zusammenbraut, entwickelt sich ganz und gar unter jüdischer Führung... Die Abschaffung des Privateigentums wurde von den geheimen Bünden und den aus ihnen gebildeten vorläufigen Regierungen verkündet, und an der Spitze beider standen Männer jüdischer Rasse... Das auserwählte Volk geht Hand in Hand mit dem Abschaum Europas denselben Weg. Und alles nur, weil sie diese Christenheit vernichten wollen, deren Tyrannei sie nicht mehr ertragen können.

Die von Rakowski gegebene Beweisführung für die Ursprungsidentität von Kapital und Komintern schien noch nicht sehr überzeugend gewesen zu sein, so daß Rakowski fortfährt:

Das erscheint alles phantastisch, aber es ist erwiesen, daß Sidonia das idealisierte Bild des Sohnes von Nathan Rothschild darstellt, wie auch der Kampf beweist, den er gegen Zar Nikolai I. zu Gunsten von Herzen geführt hat - einen Kampf, den er gewann...

Etwas Geniales: Mit dem Kapitalismus die Akkumulation des Kapi-

156


tals in höchstem Maße zu schaffen, das Proletariat zur Arbeitseinstellung und in die Verzweiflung zu treiben und zur gleichen Zeit die Organisation zu schaffen, die die Proletarier vereinigen soll, um sie in die Revolution zu treiben. Das wäre das erhabenste Kapitel der Geschichte.

Mehr noch: Sie erinnern sich eines Satzes der Mutter der fünf Brüder Rothschild: »Wenn meine Söhne es nicht wollen, gibt es keinen Krieg.« Das heißt, sie waren Schiedsrichter und Herren über Krieg und Frieden, nicht die Kaiser... Sehen Sie hier nicht schon den Krieg in seiner revolutionären Funktion? Krieg - Kommune! Seit damals also war jeder Krieg ein Riesenschritt zum Kommunismus.

Kuzmin tat zumindest so, als ob er von der Ursprungsidentität des Kapitalismus und Kommunismus noch nicht überzeugt sei, versuchte, Rakowskis Darlegungen mit dem »inneren Widerspruch des Kapitalismus« zu erklären, und verlangte weitere Beweise von Rakowski.

Die rote Fahne, die rote Armee, der rote Platz in Moskau, niemand vermag genau zu erklären, wer, wann und warum dieses Rot als Symbol der kommunistischen Weltrevolution beschlossen hat. Das rote Schild über dem »Comptoir« der Geldwechselstube in der Judengasse von Frankfurt zieht sich hingegen wie ein roter Faden vom kommunistischen Gedankengut Adam Weishaupts bis zum unvorstellbaren Terror Stalins.

Außerdem sind die naturphilosophischen Grundlagen des kommunistischen Staatskapitalismus gleich denen des demokratischen Privatkapitalismus: Beide anerkennen nur die Materie als die einzig wahre und von unseren Sinnesempfindungen unabhängige Realität; beide anerkennen nur ein materielles Glück; beide reduzieren alles Sein und Geschehen auf Physik und Chemie; beide behaupten eine naturgesetzliche Selbstorganisation der Geschichte, der Gesellschaft und der Wirtschaft; beide haben sich von einem ständigen Wirtschaftswachstum abhängig gemacht und beide behaupten, in ihrem Gesellschaftssystem alle Macht dem Volke übertragen zu haben, um die

157


Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu verwirklichen. Erinnern wir außerdem an das Kapitel IX der Protokolle der Weisen von Zion, in dem es heißt:

Wir haben die Jugend der Gojim irregeführt, getäuscht, verdorben, indem wir sie nach Grundsätzen und Theorien erzogen, die uns zwar als falsch bekannt sind, die wir Ihnen aber dennoch einschärften.

Es sind die Theorien, Methodiken und Systematiken des wissenschaftlichen Materialismus oder der materialistischen Wissenschaftsauffassung, die in der Tat bis heute unangefochten unser wissenschaftliches Denken ebenso beherrschen wie unsere Gesellschaft und Politik.

Doch Kuzmin schien immer noch davon überzeugt zu sein, daß Kapitalismus und Kommunismus die wahren Todfeinde auf dieser Welt seien. Wenn er jedoch glaubte, daß die russische Revolution von 1917 ein Sieg gewesen sei, der allein den russischen Kommunisten zu verdanken ist, irrte er sich. Bereits in den Protokollen der Weisen von Zion haben »Jene« bemerkt, daß das Papsttum und das Zarentum jene Feinde seien, die es vorrangig zu vernichten gelte. So erläuterte nun auch Rakowski, wie diese Revolution von langer Hand vorbereitet wurde:

Nun, »Jene« haben politisch den Zaren für den russisch-japanischen Krieg isoliert, und die Vereinigten Staaten haben Japan finanziert, genauer gesagt, Jakob Schiff, Chef des Bankhauses Kuhn, Loeb & Co., Nachfolger des Hauses Rothschild, aus dem Schiff hervorging...

Der russisch-japanische Krieg mit der organisierten Niederlage der Heere des Zaren rief die Revolution von 1905 hervor, die, obwohl verfrüht, nahe dran war zu siegen... Sie schuf die notwendigen Voraussetzungen für den Sieg von 1917.

Zielstrebig kam Rakowski nunmehr auf Trotzki zu sprechen und empfahl Kuzmin, die »gesäuberten« Berichte über die Revolution von 1905 zu vergessen. Trotzki sei 1905 erst 25 Jahre alt gewesen

158


und allein nach Rußland zurückgekehrt, ohne Partei und ohne Organisation:

Trotzki steht an der Spitze der Revolution von Petrograd. Das ist die Wahrheit. Nur er geht aus der Revolution mit Prestige und Volkstümlichkeit hervor. Wie und warum steigt der unbekannte Trotzki auf und gewinnt auf einmal Autorität über die ältesten und angesehensten Revolutionäre? Ganz einfach, er hat geheiratet. Mit ihm kommt nach Rußland seine Frau, die Sedowa. Wissen Sie, wer das ist? Das ist die Tochter von Jivotovsky, eng verbunden mit den Bankiers Warburg, den Teilhabern und Vettern von Jacob Schiff, der Finanzgruppe also, die Japan finanziert hat und nun durch Trotzki auch die Revolution von 1905 finanziert.. .

Machen wir einen Sprung nach 1914. Hinter dem Attentat auf den Erzherzog steht Trotzki, und das Attentat löst den europäischen Krieg aus. Glauben Sie wirklich, daß das Attentat und der Krieg bloße Zufälle sind, wie es auf einem Zionistenkongreß Lord Melchet sagte?

In der Tat, der Attentäter von Sarajewo hat gestanden, im Auftrag gehandelt zu haben. Man war davon überzeugt, daß die französische Loge Grand Orient dahinter gestanden habe; sie soll das Attentat bereits für 1912 vorgesehen gehabt, jedoch keinen geeigneten Attentäter gefunden haben.'' Daß Grand Orient und »Jene« in Verbindung standen, ist wohl unbestritten. Vielleicht wollte Rakowski die Rolle Trotzkis noch bedeutsamer machen und schob ihm direkt etwas zu, woran er wohl nur indirekten Anteil als Eingeweihter hatte.

So schilderte Rakowski weiter, daß es eine meisterliche Leistung gewesen sei, die Niederlage des Zaren herbeizuführen, wenngleich er zu den Alliierten gehörte.

Als Rakowski auch noch behauptete, daß selbst Kerenskij nur eine Scheinrolle gespielt, bewußt eine Massakeroffensive inszeniert habe, um danach die totale Übergabe des Staates an die Kommunisten durchzuführen, hielt Kuzmin das für absurd. Doch Rakowski blieb dabei, daß die Bolschewisten eine Macht übernommen haben, »die Jene ihnen auslieferten«.

159


»Wollen Sie damit sagen«, fragte Kuzmin, »daß Kerenskij11a sich

freiwillig besiegen ließ?« Rakowski antwortete:

Ja, das steht für mich fest. Verstehen Sie das bitte, da ich ja bei all dem persönlich dabei war. Aber ich werde Ihnen noch mehr sagen: Wissen Sie, wer die Oktoberrevolution finanziert hat? »Jene« haben sie finanziert, genau durch die gleichen Finanzleute, die Japan und die Revolution von 1905 finanziert haben. Jacob Schiff und die Brüder Warburg, das heißt, der große Bund der Banken, eine von den fünf Federal-Reserve-Banken, die Bank Kuhn, Loeb & Co, wobei sich andere europäische und amerikanische Bankiers beteiligten wie Guggenheim, Hanauer, Breitung, Aschberg von der Nya Bank in Stockholm. Ich war aus Zufall in Stockholm dabei und nahm Teil an der Übertragung der Gelder. Bis Trotzki kam, war ich der einzige, der von der revolutionären Seite daran teilnahm.

Rakowski erinnerte daran, daß die Alliierten Trotzki wegen seiner Beteiligung an der russischen Niederlage aus Frankreich ausgewiesen haben und daß die gleichen Alliierten ihn freiließen, damit er im alliierten Rußland für die Niederlage in Frankreich wirken sollte. Wieder ein Zufall? Ebenso wie »Jene« es erreicht haben, Trotzki aus einem Lager in Kanada herauszuholen und diesen Wehrkraftzersetzer mit einem Freipaß durch alle alliierten Kontrollen nach Rußland reisen zu lassen, haben »Jene« es unter dem Einfluß von Rathenau bewirkt, daß auch Lenin durch das feindliche Deutschland nach Rußland einreisen dürfte.

Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Lenin und Trotzki waren sehr groß; doch allein Lenins Frau, die Krupskaja, eine Jüdin, wie man weiß, kannte Trotzkis Rolle und überredete Lenin, Trotzki aufzunehmen; sonst nämlich hätte man Lenin nicht aus der Schweiz herausgelassen. Lenin also wußte, daß Trotzki das Geld und die internationale Hilfe zum Gelingen der Revolution brachte; und Trotzki war es, der die Anarchisten, Sozialisten und Revolutionäre des linken Flügels geeinigt hatte unter der unbedeutenden Rolle der

160


bolschewistischen Partei. Es war nicht, wie später behauptet, Lenins hartem Durchgreifen zu verdanken.

Immer wieder wollte Kuzmin wissen, wer »Jene« sind, die soviel Macht ausüben, und jeweils antwortete Rakowski, daß er es nicht wüßte; und wenn er es wüßte, säße er gewiß nicht hier, wo er Gefahr laufen könnte, sein Wissen auszuplaudern. Wiederholt zählte er die Namen der jüdischen Bankiers auf, die zu »Jenen« gehören, Schiff, Warburg, Loeb, Kahn, Baruch, Frankfurter, Cohen, Benjamin, Lippmann, Rothschild, Morgenthau und andere. Niemals fiel der Name Rockefeller. Wer aber in dieser Gruppe der Befehlsgeber und wer Befehlsempfänger ist, das wissen wohl nur die Betroffenen selbst.

Dann erinnerte Rakowski an die Rolle der Freimaurer, die unmittelbar »Jenen« gehorchten. Sie seien die Vorbereiter der großen Revolutionen, die dann von ihrer eigenen Revolution verschlungen wurden. So geschah es dem Herzog von Orleans, dem eigentlichen König der Revolution, den Girondisten, Hépertisten, den Jakobinern. Als Kuzmin betroffen fragte, ob die Freimaurer dazu bestimmt seien, durch die Hände der Revolution zu sterben, die sie selbst herbeigeführt haben, sagte Rakowski:

Ganz richtig. Sie haben eine tief geheim gehaltene Wahrheit formuliert. Ich bin Freimaurer... Ich werde Ihnen also das große Geheimnis sagen, das man immer dem Freimaurer zu enthüllen verspricht - aber das man ihm weder im 25., noch im 33., noch im 93., noch im höchsten Grad enthüllt. Ich kenne dieses Geheimnis, nicht, weil ich Freimaurer bin, sondern, weil ich zu »Jenen« gehöre.

Die ganze Bildung des Freimaurers und das öffentliche Ziel der Freimaurerei gehen dahin, alle notwendigen Voraussetzungen für die kommunistische Revolution zu schaffen und zur Verfügung zu stellen, natürlich unter verschiedenen Vorwänden, die sie unter ihrem bekannten Dreispruch (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) verbergen. Und da die kommunistische Revolution die Liquidation der ganzen Bourgeoisie als Klasse und die physische Liquidation jedes

161


politischen Führers der Bourgeoisie voraussetzt, ist das wirkliche Geheimnis der Freimaurerei der Selbstmord als Organisation und der physische Selbstmord jedes irgendwie bedeutenden Freimaurers. Nun verstehen Sie schon, warum, wenn dem Freimaurer ein solches Ende vorbehalten ist, man Mysterien, Theaterszenen und soundsoviel »Geheimnisse« benötigt, um das wirkliche Geheimnis zu verbergen. Lassen Sie sich, wenn Sie dazu Gelegenheit haben, nicht entgehen, sich in irgendeiner zukünftigen Revolution die Geste von Erschrek-ken und Blödheit zu betrachten, die auf dem Gesicht eines Freimaurers erscheint, wenn er kapiert, daß er von den Händen der Revolutionäre sterben soll. Wie er kreischt und sich auf seine Verdienste um die Revolutionen berufen will! Das wird ein Schauspiel, um auch zu sterben, aber vor Lachen!

Erinnern wir an die völlige Übereinstimmung darin, was die Protokolle der Weisen von Zion über Aufgabe und Endzustand der Freimaurerei festgelegt haben, mit dem, was Rakowski als Eingeweihter darüber wußte. Obgleich er selbst Freimaurer war, amüsierte er sich geradezu sarkastisch über das, was seine Brüder nach Vollendung ihrer Aufgaben erwartet. Darüber könnte er vor Lachen sterben. Er selbst nämlich ist als Jude und einer von »Jenen« gar nicht betroffen. Er gehört auch nicht zu den Vollstreckern, sondern zu den Zuschauern.

Nun erfahren wir aber von Rakowski, daß die kommunistische Revolution in Rußland letztendlich nicht das gebracht hat, was »Jene« damit beabsichtigt hatten. Schon die Französische Revolution sollte ja, wie Adam Weishaupt gehofft hatte, die Initialzündung für die Komintern, die kommunistische Internationale, gewesen sein. Doch es war Napoleon Bonaparte, der sie wieder in einen französischen Nationalismus zurückverwandelt hatte. So war auch Trotzki von »Jenen« beauftragt, mit der Revolution in Rußland die kommunistische Internationale einzuleiten. Doch in dem Intrigenspiel Trotzki-Lenin-Stalin siegte Stalin mit seinem brutalen Polizeiapparat und besiegte mit seinem bolschewistischen Kommunismus den internationalen Kommunismus.

162


Welche Maßnahmen »Jene« später eingeleitet haben, um Stalin abzuschaffen, werden wir unten erfahren. Vorerst aber noch zu der Frage, warum eigentlich Karl Marx als Ideenträger der kommunistischen Internationale gar keine Rolle gespielt hat; denn während seines ganzen Lebens hat ja die kommunistische Revolution im Zustand der Konspiration schon gelebt. Seine wirtschaftswissenschaftlichen Arbeiten waren deswegen so genial, weil er damit die Wirtschaftswissenschaftler getäuscht, irregeführt habe. Eines Tages, so Rakowski, habe sich der Jude Mardochai unter dem Namen Karl Marx um Aufnahme in den von Adam Weishaupt gegründeten Illuminaten-Orden beworben. Dort erhielt er den Auftrag für das Kommunistische Manifest unter Zugrundelegung der Thesen von Weishaupt, um nunmehr diese Ideologie und ihre Parteien Vertreter öffentlich zu machen.

163


Zurück zum Inhaltsverzeichnis
Zum nächsten Kapitel
Zum vorhergehenden Kapitel
Zurück zum Archive