Wilhelm Höttl (36 KB)

Zeuge Nr. 14: Dr. Wilhelm Höttl / Unterschrift oder Tod.

Dr. Wilhelm Höttl in seine Brief vom 28. 7. 1988:

"...ich müßte weit ausholen und vor allem die Person Eichmanns mit all ihren Hintergründen schildern. Dieser war kein Massenmörder, aber..."

ZEUGE NR. 14

HÖTTL, Dr. Wilhelm, ehemaliger SS-Obersturmbannführer des SI), nach dem Krieg Agent des englischen Geheimdienstes, später Inhaber einer Privatschule in Österreich, derzeit Pensionist im Salzkammergut. Einziger von allen Historikern zitierter Belastungszeuge der Anklage des Tribunals von Nürnberg.

VERFOLGUNG: Durch seine Aussage von Nürnberg bewahrte er sich vor der Auslieferung an das kommunistische Regime in Ungarn. Er rettete nicht nur sein Leben, sondern entging damit auch weiterer politischer Verfolgung.

Höttl widerruft nach 43 Jahren (Juli 1988) brieflich seine Aussage von Nürnberg und erklärt sich schriftlich und mündlich, nach dem Studium des Manuskriptes des vorliegenden Buches, zur Mitarbeit bereit. Knapp vor Drucklegung zieht er seine Zusage zurück, widerruft seinen Widerruf und unterstreicht nunmehr wieder seine Aussagen von Nürnberg, die er Tage vorher noch richtiggestellt haben wollte. Alleine sein Brief vom 28. Juli 1988 läßt den Hauptbelastungszeugen von Nürnberg zum Zeugen der Verteidigung werden.


1. Brief Dr. Höttls

Erster Brief von Dr. Höttl

2. Brief Dr. Höttls

Zweiter Brief von Dr. Höttl: Eichmann war kein Massenmörder

3. Brief Dr. Höttls

Dritter Brief von Dr. Höttl: Gaskammern dürfen doch nicht angezweifelt werden.


Gerd Honsik
1040 Wien, Schefleingasse 12/8

Wien, 13.8. 1988

Sehr geehrter Herr Dr. Höttl!

Von Ihrem Meinungsumschwung bin ich sehr enttäuscht. Seit Monaten wissen Sie, daß ich an einem Buch arbeite, in welchem 36 Zeugen zu Wort kommen sollten, die die These der Vergasung von Menschen im Dritten Reich durch ihre Aussagen in Zweifel ziehen. In Ihrem Schreiben vom 14. Juli 1988 stellen Sie als Bedingung für Ihre Mitarbeit, daß ich Ihnen das Manuskript des Buches zum Lesen überlasse, worauf ich Ihnen die Bürstenabzüge von ca. zehn Kapitel übersandte. Sie haben also gewußt, daß es darum ging, jene zu Wort kommen zu lassen, die die Gaskammern anzweifeln. Und nicht jene, die die Existenz dieser Institutionen bestätigen, denn die sind ja seit 43 Jahren ohnedies am Wort. In Ihrem Brief vom 28. Juli 1988, nachdem Sie also "meine Sendung gründlich studiert" hatten, meinten Sie sehr wohl, eine Aussage im Sinne dieses Buches machen zu können. Sie stellten bereits in dem Telefonat mit Herrn H. Leopold E. fest, daß Sie mit Ihrer Aussage von Nürnberg Ihre Auslieferung an Ungarn verhinderten (und damit Ihr Leben retteten, was ich Ihnen nicht verübeln kann). Sie sagten im Zuge dieses Telefongespräches, in dessen Verlauf unsere spätere Korrespondenz angebahnt worden ist, daß Sie froh wären, nun endlich einmal zu Wort zu kommen, nachdem all die Jahre Ihre Rolle in Nürnberg falsch dargestellt worden ist. Und Sie schrieben mir in Ihrem Brief vom 28. Juli, daß Eichmann kein Massenmörder war. Was deshalb schon im Sinne des geplanten Buches bemerkenswert ist, weil Eichmann ja nicht zuletzt auf Grund der Ihnen abgepreßten Aussage als Massenmörder in die Geschichte eingegangen ist.

Nachdem nun von meiner Seite alle Voraussetzungen für Ihren zugesagten Beitrag erbracht worden waren, trat bei Ihnen ein rätselhafter Meinungsumschwung ein, von dem ich nicht weiß, wer oder was denselben ausgelöst hat.

Als ich nun Anfang August anläßlich meines Besuches in St. Gilgen mit Ihnen zusammentreffen sollte, erkrankten Sie bedauerlicherweise. Wie ich nun Ihrem letzten Brief vom 11.8.1988 entnehmen muß, hat sich Ihre Krankheit weiter verschlechtert. Nun pochen Sie plötzlich wieder auf Gaskammern, deren Existenz Sie noch vor Wochen zusammen mit 35 anderen Autoren und Zeitzeugen in Frage stellen wollten, und verlangen von mir betreffend der in diesem Zusammenhang mündlich und schriftlich gemachten Angaben "Diskretion". Sicherlich hätte ich lieber Ihre Stellungnahme als Ihre Korrespondenz veröffentlicht. Alleine die Zurücknahme Ihrer Zusage läßt mir keine andere Wahl. Mit der Veröffentlichung Ihrer Briefe meine ich dennoch unter den gegebenen Umständen keine "Indiskretion" zu begehen, da Sie ja von Anfang an wußten, welches Buch ich schreibe. Von Anfang an war also ein Offenlegen aller Fakten geplant und nicht ein Verschleiern. So bitte ich Sie denn auch um Verständnis, wenn ich den Widerruf der Schuld Eichmanns aus Ihrem Munde der Mitwelt nicht vorenthalten will.

Sie wären in meinem Buche ohnehin vorgekommen, weil ein Buch über den Vergasungsvorwurf ohne der Erwähnung Ihres Namens gar nicht auskommen kann. Aber ich wollte nicht, daß Sie nur von den bitteren Worten Otto Skorzenys und von der kühlen Sachlichkeit Erichs Kerns und Paul Rassiniers geschildert werden. Da Sie nun plötzlich eines anderen belehrt worden sind und von Ihrem zugesagten Beitrag nicht nur Abstand nehmen, ja sogar den gegenteiligen Standpunkt beziehen, will ich selbst betreffend Ihrer Person auf Grund meines Wissenstandes das Wort ergreifen:

Wilhelm Höttl war nicht der Verräter, als den ihn der gerechte Zorn des bewußten Deutschlands bezeichnet. Ihm fehlte zum Verrat das Merkmal der bösen Absicht. Höttl hat auch nicht (siehe Zeuge Nr. 34) sein Vaterland für Cognac und Zigaretten verkauft. Höttl hat mit einer Unterschrift, die, wenn er sie nicht geleistet hätte, einem anderen abgezwungen worden wäre, sein Leben gerettet. Wenn die Revision triumphieren sollte, dann darf Höttl nicht als Täter, sondern er muß als Opfer des Nürnberger Verbrechertribunals bewertet werden. Die vorgelegte Korrespondenz, aber auch der Briefwechsel mit Ing. Friedl Rainer, den ich studiert habe, ist mir Beweis, daß wir es mit einem Mann zu tun haben, der schwer an der Last trägt, die ihm damals aufgebürdet worden ist, indem er sein Vaterland und seine Vorgesetzten zu belasten genötigt worden war.

Diese Worte, verehrter Herr Dr. Höttl, meine ich in diesem Buch zu Ihrer Rechtfertigung sagen zu müssen, auch wenn ich von Ihnen nicht dazu autorisiert bin. Mit der abschließenden Bitte an Sie, wenigstens in einem vor einem Notar hinterlegten Testament Ihr Wissen oder besser gesagt Ihr Nichtwissen niederzulegen, verbleibe ich in der Hoffnung, daß Ihr Gesundheitszustand sich ehebaldigst bessert, mit freundlichen Grüßen

Gerd Honsik


Zum fünfzehnten Zeugen
Zum dreizehnten Zeugen
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