Geschichte der Verfemung Deutschlands, Band 7

Zur Hölle mit allen Deutschen!

Von Dr. jur. et Dr. phil. et Dr. rer. pol. Franz J. Scheidl


IV. Teil

Mehr deutsche Würde


Mehr deutsche Würde

»Da ich ein Teil von ihnen bin, werde ich niemals die Meinen verleugnen, was sie auch tun mögen. Ich werde nie vor jemand anderem gegen sie predigen. Wenn ich ihre Verteidigung übernehmen kann, werde ich sie verteidigen. Wenn sie mich mit Schande bedecken, werde ich diese Schande in meinem Herzen verschließen und schweigen. Was ich dann über sie auch denken mag, ich werde nie als Belastungszeuge dienen … Denn so rettet man seine Ehre nicht … Ich gehöre zu Frankreich … Wir dürfen nichts von dem verleugnen, zu dem wir gehören.«

(Bekenntnis des Franzosen Antoine de Saint-Exupéry.)

»… Zu den Deutschen geh’ ich nimmer mehr, auch wenn es noch zu meinen Lebzeiten unbedenklich werden sollte. Sie gingen mir längst bis da und was Gutes und Großes an ihnen ist, bewundert man am besten par distance … wieder zu leben unter ihnen nach dem, was sie diesmal angestellt – denn es ist ja nicht A. Hitler, der das alles macht – wäre mir doch peinlich. Es ist unvergeßlich und sollte nicht vergessen werden. Ich bin auch durchaus dagegen, sie zusammen zu lassen. Wozu Deutsches Reich? …«

(Der »Deutsche« Thomas Mann an den Linkssozialisten Dr. Kurt Hiller. Zitiert in dessen Buch »Köpfe und Tröpfe«, S. 140.)

»Die Deutschen kennen keine Mittellinie. Sie sind maßlos. In guten Tagen verherrlichen sie ihre Ideale bis zur Selbstaufopferung. Nach der Niederlage aber beschmutzen sie ihr eigenes Nest, nur um uns zu gefallen.«

(Clémenceau)

»Die Deutschen sind ein Volk der Dichter und Denker, der Träumer und Idealisten. Sie haben die meisten Nobelpreisträger, die bedeutendsten Musiker und Philosophen hervorgebracht. Sie sind alle sehr tüchtig, übertüchtige Arbeiter und Soldaten. Das ist das eine Phänomen. Sie können wunderbare Straßen bauen, Mondraketen und Elektronenmikroskope. – Aber wo immer auf der Welt ein paar Deutsche zusammentreffen, erlebt die Welt das schmutzige und jämmerliche Schauspiel der Hader aus Leidenschaft und Idealismus und leider auch der gegenseitigen Denunziation. Das Geheimnis der deutschen Schwäche ist diese deutsche Zwietracht. Wenn die Deutschen eine Zukunft haben wollen, so müssen sie diese Schwäche überwinden.«

(Henrik van Elk)

135


»Niemals darf ein Mensch, ein Volk, wähnen, das Ende sei gekommen. Güterverlust läßt sich ersetzen; über anderen Verlust tröstet die Zeit; nur ein Übel ist unheilbar: Wenn ein Volk sich selbst aufgibt.«

(Johann Wolfgang Goethe)

»Ich bekenne mich als Deutscher und bin bereit, das Schicksal des deutschen Volkes und Vaterlandes zu tragen und zu teilen. Ich fühle mich diesem Schicksal verpflichtet in guten wie in bösen Tagen. Ich verleugne nicht meine Volks- und Staatszugehörigkeit persönlicher und sonstiger Vorteile willen. Ich kann diese Schicksalsgemeinschaft nicht verlassen, wenn es mir persönlich gefährlich erscheint und ihr wieder beitreten, wenn das Risiko vorüber ist.«

(Kai-Uwe von Hassel, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein bei einer Kundgebung in der Holsteinischen Heide)

Was dem deutschen Volke fehlt: der Halt und die Stütze von oben

Wir wollen absehen von den verabscheuungswürdigen Selbstbefleckern, denen die deutsche Ehre und Würde so wenig bedeutet.1 Aber es ist tief erregend, daß auch die offiziellen Stellen in Deutschland nichts zur Verteidigung des deutschen Volkes gegen die ungeheuerlichen Beschuldigungen tun. Auch sie sind anscheinend selbst völlig der Greuelpropaganda zum Opfer gefallen. Dies führt in der Folge zu der grotesken Erscheinung, daß viele Deutsche in offizieller Stellung, selbst solche in höchsten Ämtern, mit Schuldbekenntnissen, Eingeständnissen und Selbstbeschuldigungen sich geradezu überstürzen.

Und dies, ohne daß bis jetzt gewagt worden wäre, objektive Wissenschaftler mit der Untersuchung der Fakten und der Erforschung der Wahrheit zu beauftragen.

Der Bundestagsvorsitzende Gerstenmayer leistete sich in einem Fernsehinterview mit ABC (New York) die Selbstbeschuldigung:

»Solange wir leben, werden wir mit der Schande dessen, was die Nazi verbrochen haben, konfrontiert werden!«

Dabei beruht die ganze Selbstbeschuldigung des Bundestagspräsidenten nur auf den Behauptungen der Greuellügenpropaganda. Was mag ein


1
Vgl. Scheidl: »Geschichte der deutschen Verfemung«, Band 7. Abschnitt: Das dunkelste Kapitel: die deutschen Selbstbeschuldiger.

136


deutscher Junge, ein deutsches Mädchen bei einer so ungeheuerlichen Erklärung wohl gegenüber seinen Eltern und seinem Volke empfinden?

Leider müssen wir hier feststellen, daß auch der verstorbene ehemalige deutsche Bundespräsident, Professor Heuß, dem überall gegen Deutschland wuchernden Haß nicht nur nicht mit aller Entschiedenheit entgegentrat. Er war ein vertrauensseliger Nachplapperer der Greuellügen. Er fühlte sich gedrängt, über manche Dinge zu reden, ohne auf der Höhe der Tatsachen zu stehen und wirklich unterrichtet über sie zu sein. Es war manchmal tief erschütternd, den ersten Mann Deutschlands reden zu hören.

Welch eine Gesinnungsverwirrung, welche Gewissensqual, muß in vielen Deutschen, besonders in den einfachen, der Obrigkeit vertrauenden Bürgern, vor allem auch in den Beamten entstehen, wenn hohe und höchste Staatsfunktionäre eine solche Sprache führen! Eine solche Bekenntnissprache reumütiger Verbrecher, eine solche Sprache nach einem Zusammenbruch ohnegleichen, nach der Millionen-Austreibung und Millionen-Ermordung unschuldiger deutscher Familien, nach den namenlosen Entbehrungen der, einer maßlosen Rache wehrlos und erbarmungslos preisgegebenen, buchstäblich verhungernden Deutschen. Wahrlich! Niemals früher in seiner Geschichte bedurften die Deutschen mehr und dringender eines seelischen Halts, einer moralischen Stärkung, als heute, inmitten dieses Meeres von Haß, das sie umbrandet. Niemals bedurften sie dringender eines Schutzes vor der Sturzflut von Greuellügen, von Jauche und Unflat, der sie wehrlos preisgegeben sind.

Niemals hätte der deutsche Name und die deutsche Ehre mehr und dringender eines Schildes bedurft, als in diesen Jahren, in denen jeder, dem es darnach gelüstet, seine Rache an jedem Deutschen ungestraft üben konnte und noch kann.

Professor Heuss und die Kriegsschuldfrage

Welche Geistes- und Sinnesverwirrung mußte selbst bei den höchsten verantwortlichen Stellen herrschen, wenn der höchste politische Beamte, einer der beiden deutschen Reichshälften vor den Volksvertretern dieser Reichshälfte sich folgenden Ausspruch leisten konnte:

»Ist denn das Menschengedächtnis so kurz? Hat man denn jetzt bei den Deutschen schon vergessen, daß doch die deutschen Nationalsozialisten den Krieg entfesselt und das ganze Elend, unter dem die Welt stöhnt, heraufbeschworen haben?«

137


Die Meinung des Herrn Professors über die Schuld am Zweiten Weltkrieg deckt sich nicht mit der Meinung der berufenen – wohlgemerkt: nichtdeutschen Gelehrten. Über die Ursachen und die Schuld am Ausbruche des Zweiten Weltkrieges haben wir uns an anderer Stelle näher auseinandergesetzt.

Ganz zu schweigen von den deutschen Historikern, gibt es über die Kriegsschuldfrage eine ganze Anzahl ernster Forschungsarbeiten, die Deutschland von der Anklage der Hauptschuld am Kriege – ganz zu schweigen von der Alleinschuld – entlasten: René d’Argile, Jacques Benoist-Méchin, Maurice Bardèche, Harry Elmer Barnes, Jacques Béarn, William Henry Chamberlain, Henry Coston, Pierre Antoine Cousteau, Russell Grenfell, David Leslie Hoggan, William L. Neumann, J. Polcard d’Assac, Raymond de Geouffre de la Pradelle, Henri Lèbre, Michel de Menny, Frederic R. Sanborn u. a. m.

Deutschland hat nur den Krieg gegen Rußland anscheinend ohne Anlaß selbst begonnen. Aber nur anscheinend. Es ist Rußland nur zuvorgekommen. Dieser Krieg war für Deutschland unvermeidlich notwendig, denn Rußland war zum Kriege gegen Deutschland fest entschlossen. Es wollte nur den Zeitpunkt seines Beginnes nach vorhergehender sorgfältiger Vorbereitung selbst wählen. Deutschland kam Rußland nur zuvor; es ließ ihm keine Zeit, seine Kriegsvorbereitungen ungestört zu Ende zu führen. Deutschlands Schlag gegen Rußland zerschlug rechtzeitig die russischen Aufmarschpläne. (Vgl. Fishman »Stalin« (New York) und Oberst Rudel in seinem Buche »Trotzdem«.)

Im Lichte der geschichtlichen Tatsachen gesehen, ist daher diese ungeheuerliche Äußerung des dem Volke verantwortlichen höchsten Mannes geradezu beispiellos.

Es ist kein Wunder, wenn jedermann auf der ganzen Welt, die sich derart maßlos selbstbeschuldigenden Deutschen, für schuldig halten muß und sie dementsprechend behandelt. Jede Schandtat und jedes Unrecht an solchen Verbrechern, als welche die Deutschen im Munde ihrer höchsten Vertreter sich selbst bezeichnen, ist dann ja gerechtfertigt oder doch entschuldigt.

Ist es bei solchen Äußerungen ein Wunder, daß der seelisch stärkste Deutsche in eine Gewissensqual, in eine Sinnesverwirrung sondergleichen geworfen wird, aus der er keinen Ausweg findet? Muß ein solches Beispiel nicht verheerend wirken und besonders bei allen labilen Charakteren Gesinnungsschwund und Gesinnungslumperei entstehen lassen?

138


Derselbe Theodor Heuß, der sich nach 1945 als deutscher Bundespräsident nicht genug tun konnte an Selbstbeschuldigungen, schrieb 1918 als einfacher deutscher Bürger, der seine Befähigung zum deutschen Bundespräsidenten keinen fremden Machthabern nachweisen mußte, in seinem Buche »Zwischen gestern und morgen«:

»Es muß Schluß gemacht werden mit jener Periode, in der wir vom Ausland Mitleid erflehten und uns auf die Gassen der Welt stellten, um die deutsche Schuld auszuplärren … Wie können wir von den anderen Nationen Achtung für uns erwarten, wenn wir sie uns selbst versagen? Nicht, um uns in einen frisch aufgebrühten Chauvinismus zu stürzen, nicht, um die Freiheit unserer politischen Erneuerung in die Enge dumpfer Rachegefühle zu drängen, sondern um die Kraft und Beweglichkeit einer eigenen Politik überhaupt zu bewahren, müssen wir heute den nationalen Stolz und die Würde in den Gesinnungen eines verstörten oder abgestumpften Volkes nicht verkommen lassen.«

Ist das noch derselbe Theodor Heuß, der als einfacher Bürger das zu schreiben und zu sagen wagte, was er als deutscher Bundespräsident nicht zu sagen und zu tun wagte?

Unfassbar – Noch eine Selbstbeschuldigung und Selbsterniedrigung

Ein anderer deutscher Minister erklärte anläßlich eines Besuches in Israel:

»Das deutsche Volk muß endlich zu der Einsicht kommen, daß es nicht nur eine Kollektivschuld auf sich geladen hat, sondern jeder einzelne muß sein Gewissen erforschen und erkennen, daß sein Volk an der Entfesselung zweier Weltkriege die alleinige Schuld getragen hat.«

Wir nennen den Namen dieses Ministers, der diese geradezu ungeheuerliche Erklärung abgegeben hat, nicht, weil wir doch hoffen, daß er heute nicht mehr dazustehen wird.

Professor Heuss und das Geiselrecht

Professor Heuß, der damalige Präsident der Deutschen Bundesrepublik fand es für notwendig, bei seinem offiziellen Staatsbesuch in Italien

139


(November 1957) auch die Fosse Ardeatine, die ardeatinischen Höhlen, aufzusuchen, um am Grabe der dort von den Deutschen erschossenen italienischen Geiseln1 einen Kranz niederzulegen. Er soll hierbei, den Zeitungsberichten nach, als Präsident der Deutschen Bundesrepublik, als höchster Repräsentant des deutschen Volkes, ein förmliches Schuldbekenntnis abgelegt und – dem Inhalte nach – offiziell etwa Folgendes gesagt haben:

»Angesichts des fluchwürdigen Verbrechens der Erschießung der unschuldigen italienischen Geiseln durch die deutschen Soldaten, ist es zu wundern, daß die durch ein solches Verbrechen belasteten Beziehungen Italiens zu Deutschland bereits wieder so gut geworden sind.«

Eine Kranzniederlegung am Grabe des Unbekannten Soldaten gehört zum ungeschriebenen offiziellen internationalen Höflichkeitszeremoniell. Die Kranzniederlegung am Grabe der unglücklichen erschossenen Geiseln war ein Akt, den wohl dem mitfühlenden Herzen von Professor Heuß alle Ehre, dem geschichtlichen Wissen des Herrn deutschen Bundespräsidenten aber ein sehr schlechtes Zeugnis ausstellt und ihm gar keine Ehre macht. Hat er aber dazu noch die von den Zeitungen berichteten Äußerungen wirklich gemacht, dann hat er sich in dieser Angelegenheit seiner Stellung als höchster Repräsentant des deutschen Volkes als nicht gewachsen gezeigt.

Ist dem Herrn Professor nicht bekannt, daß viele Zehntausende deutscher Soldaten, Söhne deutscher Mütter, erbarmungslos und feige aus dem Hinterhalt von erbärmlichen Mördern hingemordet und niedergemetzelt wurden? Daß sie, wo immer sie einzeln oder in kleinen Gruppen gingen, in Gefahr waren, wie Hasen gejagt und ermordet zu werden? Und das auch in Italien, einem verbündeten und befreundeten Land! Daß es zur Verhinderung eines hemmungslosen, hinterhältigen Massenmordes an deutschen Soldaten nur einen einzigen halbwegs wirksamen Schutz, eben das Geiselrecht, gab?

Das Geiselrecht ist ein Kriegs-Notrecht; daran müssen alle gegen es ins Treffen geführten, ethischen und humanitären Argumente zerschellen. Die Pflicht, das Leben der eigenen Soldaten vor hemmungsloser, hinterhältiger und heimtückischer Massenhinmordung zu schützen, zwingt gebieterisch und unvermeidbar zur Anwendung dieses furchtbaren Kriegs-Notrechtes, zur Anwendung dieses entsetzlichen, aber einzig wirksamen Schutzmittels. Der Krieg ist eben entsetzlich und


1
Die Erschießung der 335 Geiseln erfolgte als Vergeltung auf einen Anschlag der Partisanen (Rom 23. März 1943), bei dem 32 deutsche Soldaten ermordet und weitere 52 schwer verwundet worden waren.

140


furchtbar und die Bestie Mensch kann nur durch solche eiserne, unbarmherzige, bestialische Mittel in Zaum gehalten werden. Wer die Bestialität kennt, mit der, gerade auch in Italien, in Frankreich und in Jugoslawien deutsche Soldaten aus dem Hinterhalt von Zivilisten hingemordet wurden, der weiß auch, wie unvermeidlich die Geiselnahme und das Geiselrecht zum Schutze des Lebens deutscher Soldaten war.

Die Geiselnahme wurde zu allen Zeiten und bei allen Völkern tatsächlich und dauernd geübt, wie die Geschichte lehrt, am wenigsten hart durch die Deutschen. Schon in der Urzeit der Geschichte ist das Geiselrecht bei allen Völkern geschichtlich nachgewiesen. Es bestand bei den Babyloniern und Assyrern (Kohler »Grundlagen des Völkerrechts«, Stuttgart 1918, S. 20), bei den Griechen (Diodor, III, 10, 2; Dionys, IV, 30, 6; Livius V, 27/14; Polybios XXXVI, 5, 6; usw.) und bei den Germanen (Lutteroth »Die Geisel im Rechtsleben« u. a.). Die Geschichte aller europäischen Völker bietet eine Überfülle von Beispielen hiefür. (Literatur und Quellenangabe bei Scheidl »Die Kriegsgefangenschaft«, eine völkerrechtliche Monographie, Berlin 1943. Ferner: »Völkerrecht im Weltkrieg«. Dritte Reihe im Werke des Untersuchungsausschusses der verfassunggebenden deutschen Reichsverfassung und des deutschen Reichstages 1919 – 1927, II. Bd. 1927, S. 138/139 und S. 214/221.)

Die unglücklichen, unschuldigen Geiselopfer in den Ardeatinischen Höhlen verdienen sicher das größte Mitleid. Aber nicht weniger die vielen Zehntausende heimtückisch hingemordeten deutschen Soldaten. Es wäre zweckmäßiger gewesen, wenn Herr Professor Heuß, statt einem ganz unrichtigen Schuldbekenntnis einer gar nicht bestehenden deutschen Schuld, vielmehr dem italienischen Volke etwas von den oben erwähnten Ursachen und der italienischen Mitschuld an der entsetzlichen Geiseltötung mitgeteilt und auch ein Wort des Mitgefühls für die Zehntausenden ermordeten deutschen Soldaten gefunden hätte. Damit hätte er der historischen Wahrheit und dem Ansehen des deutschen Volkes, das zu vertreten er die hohe Ehre hatte, besser gedient.

Wenn der Herr Professor schon die Geiseltötung nach Geiselrecht, die nach dem geltenden Kriegsrecht und aus bitterer Kriegsnotwendigkeit erfolgte, in krasser Unkenntnis des Völkerrechts und Kriegsrechtes, und ganz zu Unrecht als fluchwürdiges »deutsches Verbrechen« bezeichnete, dann hätte er zum allermindesten bei dieser Gelegenheit – wenn er sich schon an diesem heiklen Thema die Finger verbrennen mußte – auch das wirklich schwere Verbrechen der anderen brandmarken müssen, das darin bestand, daß man die Bevölkerung offiziell zum Meuchelmorde an deutschen Soldaten aufforderte und die Meuchel-

141


mörder dann für ihre Meuchelmorde mit Orden und Medaillen und andere Belohnungen auszeichnete und damit den Meuchelmord als patriotische Heldentat und die Meuchelmörder als Helden glorifizierte.

Wir möchten dem ehemaligen deutschen Bundespräsidenten bei dieser Gelegenheit nur zwei der scheußlichen offiziellen Partisanenbefehle, die die italienische Zivilbevölkerung offen zum Meuchelmorde an deutschen Soldaten aufforderten, zur Kenntnisnahme und zum Gedächtnis ins Stammbuch schreiben:

Befehl des italienischen Marschalls Badoglio vom 7. Juli 1944, verlesen im alliierten Rundfunk (mit der Unterschrift des britischen Feldmarschalls Alexander):

»Partisanen! Greift die deutschen Kommandostellen und die kleinen militärischen Zentren an! Tötet die Deutschen von hinten, damit ihr Euch der Gegenwehr entziehen und weitere töten könnt! Tötet erbarmungslos!«

Befehl des italienischen Partisanen-Generals Fenulli vom 7. Oktober 1943:

»Streift durch die Straßen von Rom und tötet die alleingehenden Deutschen, wo immer sich eine günstige Gelegenheit findet! Nehmt keine Rücksicht auf die Italiener. Schießt sie nieder, wenn Eure Sicherheit dies verlangt und wenn ihr verfolgt werdet!«

Herr Professor Heuß hatte offensichtlich keine Ahnung davon, daß auch der französische Ministerpräsident Reynaud den Franktireurkrieg und die Ermordung jedes notgelandeten deutschen Fliegers anordnete!

Herr Professor Heuß hatte offensichtlich keine Ahnung davon, daß die Franzosen und Amerikaner 1945 in den deutschen Städten Maueranschläge anbrachten, auf denen sie dem deutschen Volke ankündigten, daß die Ermordung jedes alliierten Soldaten mit der Hinrichtung bis zu hundert deutscher Geiseln vergolten werden würde. (Vgl. Oberst Royé in »Nation Europa«, Heft 4, 1954, S. 47.) Und daß nur die deutsche Korrektheit, die das hinterlistige Morden nach dem Beispiel der französischen, belgischen, italienischen, jugoslawischen usw. Franktireure verabscheut und verurteilt, das deutsche Volk von der Ermordung von Besatzungsangehörigen abhielt und damit vor hundertfachen Morden bewahrte.

Wer einen kleinen Begriff von den grauenhaften Morden etwa der italienischen – fast rein kommunistischen – Partisanen-Mörderbanden bekommen will, der lese Lothar Greil »Die Lüge von Marzabotto«

142


(Nr. 2 der vom Schild-Verlag, München, herausgegebenen Dokumentarreihe) und das Erinnerungswerk Feldmarschall Kesselrings »Soldat bis zum letzten Tage« (Athenäum-Verlag, Bonn) u. v. a.

Der belgische, französische, italienische, jugoslawische, polnische, russische usw. Franktireur-Krieg forderte auf der deutschen Seite ungeheure Opfer. Mir liegen derzeit nur die Zahlen der Opfer des französischen Franktireurkrieges vor. Darnach wurden während der vier Jahre deutscher Besatzung in Frankreich von der deutschen Besatzungsmacht insgesamt erschossen: 489 Geisel und 254 Sühnepersonen. In der selben Zeit wurden in Frankreich weitaus mehr als die hundertfache Zahl Deutscher von den Maquis ermordet. Nach Mitteilungen von französischer Seite waren 85 Prozent der im französischen Zentralmassiv tätigen Maquis kriminelle Elemente. Besonders während des Rückzuges der Deutschen aus Frankreich wurden viele Zehntausende deutscher Soldaten und Zivilisten aus dem Hinterhalt feige und erbarmungslos ermordet.

Über den belgischen Franktireur-Krieg hat Herr Landesgerichtsrat Dr. Glasebock beachtliches Material gesammelt. Vgl. hiezu auch Carl Riess »Underground Europe«, der Kampf der Partisanen in den besetzten Ländern, New York – London – Buenos Aires. Ferner Brigadier C. Aubry Dixon »Partisanen«. Ferner:

Liddell Hart: »Jetzt dürfen sie reden«, Hitlers Generäle berichten. Stuttgarter Verlag GmbH., Stuttgart-Hamburg, 1958.

Hunold Albert u. a. »Die Freie Welt im Kalten Kriege.« Institut für Auslandsforschung, Eugen Rentsch Verlag, 1955.

Rentsch Helmuth »Partisanenkampf, Erfahrungen und Lehren.« Bernhard & Graefe, Verlag für Wehrwesen, Frankfurt am Main, 1961.

Franklin Mark Osanka »Der Krieg aus dem Dunkel«. Markus-Verlag, Köln, 1963.

Schmitt Carl »Theorie des Partisanen«, Duncker & Humblot, Berlin, 1963.

Sama Faìtan »Partizanska vojna na slovensku« (Der Partisanenkrieg in Slowenien), Bratislava, 1959.

»German antiguerilla Operations in the Balkans (1941 – 1944)«, Washington (Department of the Army), 1954.

»Irregulars, partisans, guerillas. Great stories from Roger’s rangers to the Haganah«, herausgegeben und kommentiert von Irwin R. Blaker, New York 1954, 487 S.

Lenin »Zwei Taktiken«, Berlin, 1946.

Ferner in: Enzyklopädie der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken »Die UDSSR«, Verlag Enzyklopädie, Leipzig, 1959.

Hatte der Herr Professor keine Ahnung von den grauenhaften Morden der Partisanenbanden in Italien?

143


Der bekannte britische Rechtshistoriker F. J. P. Veale schreibt in seinem erschütternden Werke »Advance to Barbarism« (Der Barbarei entgegen):

»Tausende deutsche Soldaten wurden erstochen oder aus dem Hinterhalte erschossen, fielen Bombenanschlägen und Landminen zum Opfer. Die italienischen Partisanen machten sich alle Methoden der spanischen Heckenschützen gegen Napoleons Armeen zu eigen. Dazu kamen Neuerungen. Die Partisanen stellten den Deutschen Fallen. Sie stellten Pfähle auf, auf die sie die abgeschlagenen Köpfe deutscher Soldaten steckten. (Wenn nun die deutschen Truppen sich solchen Pfählen näherten und selbstverständlicherweise den abgeschlagenen Köpfen ihrer so scheußlich ermordeten und geschändeten Kameraden ein christliches Begräbnis zu bereiten, gingen sie in den Tod. Die Berührung mit den Pfählen löste verborgene Landminen aus.

Die regulären deutschen Truppen reagierten auf diese Angriffe und Scheußlichkeiten, wie reguläre Truppen in der Vergangenheit immer reagiert hatten, wenn sie ähnlichen Angriffen ausgesetzt waren.«

Der deutsche Feldmarschall Kesselring schildert in seinem Erinnerungswerk »Soldat bis zum letzten Tag« (Athenäum-Verlag, Bonn) die scheußliche Kampfführung der italienischen, durchwegs kommunistischen Partisanen-Mordbanden:

»Die Individualität konnte sich austoben, das südländische Temperament tat das seinige dazu … Die kriminellen verbrecherischen Instinkte der Kriminellen in diesen zusammengewürfelten Haufen setzten sich weitgehend durch. So konnte die verabscheuungswürdige, hinterhältige Kampfführung Orgien feiern … In kleineren Gruppen oder auch einzeln auftretend, wüteten die Banden hemmungslos. Sie übten überall, aber nie offen, ihre lichtscheue Tätigkeit aus … Die vielen Sabotageakte an Wehrmachtseinrichtungen, Lagern, Bahnen, Straßen, Brücken, Nachrichtenanlagen und die ebenso häufigen gegen die Menschlichkeit verstoßenden Rohheitsverbrechen. Es gibt in der Skala von heimtückischem Abschießen, Erhängen, Ertränken, Verbrennen, Erfrierenlassen, Kreuzigen, Martern jeder Art, Attentate gegen einzelne und Gemeinschaften bis zur Brunnenvergiftung, keines, das nicht oft viele Male, ja laufend vorgekommen wäre. Der immer widerkehrende Mißbrauch des Roten Kreuzes muß hier betont werden.

Dies alles wurde erleichtert, da die Bandenangehörigen fast durchwegs keine Abzeichen und ihre Waffen verborgen trugen oder auch völkerrechtswidrig deutsche und faschistische Uniformen benutzten …

Durch all das entstand auf der deutschen Seite erhebliche Unruhe, da der deutsche Soldat in den ›bandenbesetzten‹ Zonen in jedem Zivilisten beiderlei Geschlechter einen fanatischen Meuchelmörder vermuten mußte und aus jedem Haus angeschossen werden konnte. Daneben

144


vollzog sich der Späh- und Alarmdienst (der Partisanen) unter Mitwirkung oder Duldung der gesamten Einwohner … Hatten die Banditen ihre heimtückische Aufgabe aus dem Hinterhalt erfüllt, verschwanden sie als Bürger unter Bürgern …«

Im Spätsommer 1944 nahmen die Verbrechen der Partisanen im Juli ein derartiges Ausmaß an, daß sich die deutsche Führung vor die zwingende Notwendigkeit gestellt sah, diesem gefährlichen Unwesen mit militärisch wirksamen Mitteln zu begegnen, um die Sicherheit der kämpfenden Truppe und das Heranbringen des notwendigen Nachschubs zu sichern. Die von Generalfeldmarschall Kesselring erteilten Befehle (vom 17. Juni und 1. Juli 1944) hielten sich streng an den Artikel 42 der Haager Landkriegsordnung. Einerseits stellten sie die Antwort auf die Mordaufrufe des Marschalls Badoglio dar, andererseits fanden sie ihre Berechtigung und Notwendigkeit in der Tatsache, daß allein vom Juni bis August 1944 durch die Partisanen 5000 (fünftausend!) deutsche Soldaten ermordet und annähernd 30.000 (dreißigtausend!) deutsche Soldaten verwundet und verschleppt wurden.1

Der deutsche Bundespräsident bezeichnete unfaßbarerweise die bei dieser Sachlage unerläßlich notwendige und pflichtgemäße Geiselnahme und Geiselerschießungen zum Schutze des Lebens deutscher Soldaten vor Meuchelmördern als »fluchwürdiges« deutsches Verbrechen!

Jeder gewöhnliche Staatsbürger würde durch eine solche unerhörte Selbstbeschuldigung – wenn sie wirklich erfolgte – die Grenzen des


1
Hier der wesentliche Inhalt der Befehle Feldmarschalls Kesselring im Wortlaut: Befehl vom 17. Juni 1944: »Der Kampf gegen diese Banden muß daher mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und mit größter Schärfe durchgeführt werden. Ich werde jeden Führer decken, der in der Wahl und Schärfe der Mittel über das bei uns übliche zurückhaltende Maß hinausgeht. Auch hier gilt der Grundsatz, daß ein Fehlgreifen in der Wahl der Mittel, sich durchzusetzen, immer noch besser ist, als Unterlassung und Nachlässigkeit. Die Banden sind anzugreifen und zu vernichten.«

Befehl vom 1. Juli 1944:

a) In meinem Aufruf an die Italiener habe ich den Bandenkampf mit den schärfsten Mitteln angekündigt. Diese Ankündigung darf keine leere Drohung sein. Ich mache es allen Soldaten und Polizeisoldaten zur Pflicht, im Tatfall die schärfsten Mittel zur Anwendung zu bringen. Jeder Gewaltakt der Banden ist sofort zu ahnden.

b) Wo Banden in größerer Zahl auftreten, ist der in diesem Bezirk wohnende, jeweils zu bestimmende Prozentsatz der männlichen Bevölkerung festzunehmen und bei vorkommenden Gewalttätigkeiten zu erschießen.

c) Werden Soldaten aus Ortschaften beschossen, so ist die Ortschaft niederzubrennen. Täter und Rädelsführer sind öffentlich aufzuhängen. Jede Art von Plünderung ist untersagt und wird auf das strengste geahndet. Jede Maßnahme soll hart, aber gerecht sein. Das Ansehen der deutschen Soldaten verlangt dies.

Aus den Bestätigungen alliierter Truppenführer geht die allerorts bewiesene korrekte und gerechte Durchführung der deutschen Sicherheits-Maßnahmen hervor.

145


Maßes an Geduld und Nachsicht, auf das jeder Bürger seinen Mitbürgern gegenüber Anspruch hat, weit überschreiten.

Selbst die Todfeinde Deutschlands, die dem deutschen Volke alle nur denkbaren Verbrechen andichten, um es als Verbrechervolk hinzustellen, bezeichnen die Geiselnahme und Geiseltötung als notwendig und zulässig.

Das US-Militärgesetz statuiert in Artikel 358 ausdrücklich, daß die Hinrichtung von Geiseln als notwendige Maßnahme unentbehrlich sei, um das Leben der kämpfenden Truppe zu sichern.1

Ja, selbst die Nürnberger Rachegerichte anerkannten ausdrücklich das Recht zur Geiselnahme und Geiseltötung. Im Urteil des Nürnberger Militärgerichtshofes Nr. V gegen Generalfeldmarschall Wilhelm List und zehn weitere deutsche Truppenführer (vgl. Fall VIII vom 19. Februar 1948, S. 10., Z. 21/10.322) heißt es:

»Zum Zwecke dieser Urteilsfindung wollen wir unter dem Worte ›Geiseln‹ solche Personen der Zivilbevölkerung verstehen, die in Gewahrsam genommen werden, um mit ihrem Leben das künftige gute Verhalten der Angehörigen dieser Gemeinschaft, der sie entnommen wurden, sicherzustellen. Der Ausdruck ›Sühnegefangene‹ wird auf Personen angewendet werden, die aus den Reihen der Zivilbevölkerung genommen werden, um als Vergeltung für von unbekannten Personen innerhalb der besetzten Gebiete begangene Verbrechen getötet zu werden.

Eine Prüfung des uns über diese Materie zur Verfügung stehenden Beweismaterials überzeugt uns, daß Geiseln genommen werden können, um das freundliche Verhalten der Bevölkerung der besetzten Gebiete sicherzustellen und die unter gewissen Umständen und wenn die notwendigen vorbereitenden Schritte getan werden, als letzter Ausweg erschossen werden können.

Die Bewohner haben die Pflicht, ihrer gewöhnlichen friedlichen Beschäftigung nachzugehen und sich aller schädigenden Handlungen ge-


1
In den Gesetzen zur Regelung des Kriegsrechtes und in den Militär-Felddienstordnungen aller maßgebenden Staaten ist das Geiselrecht verankert.

England: Manual of military law (englisches Militärhandbuch), Artikel 453 und 454, Land-Warfare. An Exposition to the Laws and Usages of war on land for the guidance of officers of his Majesty’s Army (Par. 161–464). (Siehe auch Oppenheim, Internat. Law Assoc. P. 317.)

USA: Rules of Land Warfare, Par. 387.

Frankreich: Reglement v. 21. März 1893, Artikel 2, Nr. 2.

Deutschland: Deutsche Felddienstordnung 190G, Ziffer 398. Großer Generalstab: Kriegsausbruch im Landkrieg. Kriegsgeschichtliche Einzelschriften, Heft 31, Berlin 1902.

usw. usw.

146


genüber den Truppen … zu enthalten. Die Besatzungsmacht kann auf der ordnungsmäßigen Erfüllung dieser Vorschriften, die für die Sicherheit der Besatzungstruppen und für die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung nötig sind, bestehen. Zur Erreichung dieses Zieles kann die Besatzungsmacht nur als letzten Ausweg zur Geiselnahme und Erschießung schreiten.«

Angesichts der gegebenen Sachlage und den zehntausenden, ja hunderttausenden Morden an deutschen Soldaten, wäre es von den deutschen Kommandostellen pflichtvergessen gewesen, das Geiselrecht zum Schutze des Lebens deutscher Soldaten nicht anzuwenden.

Genau diesen Standpunkt nahm auch das italienische Kriegsgericht ein, das im Juli 1948 über diesen Fall zu Gericht saß.

Der deutsche Bundespräsident verdammt die Deutschen wegen dieser Geiselerschießungen als »fluchwürdige Verbrecher«, das italienische Kriegsgericht anerkannte sie als dem Kriegsrecht entsprechend und sprach den deutschen Kommandanten frei.1

Im Süd-Ost-Prozeß (Fall VII) des amerikanischen Militärgerichtes in Nürnberg und im Verfahren gegen Generaloberst von Falkenhausen wurde die Anordnung von Repressalien gegen die Zivilbevölkerung als nicht völkerrechtswidrig anerkannt.

Im letztgenannten Verfahren hebt das belgische Militärgericht in Brüssel hervor:


1
Am 28. Juli 1948 ging vor einem italienischen Militärgericht der Kriegsverbrecherprozeß gegen den ehemaligen deutschen Polizeichef von Rom während des Krieges, den Stuttgarter Herbert Kappel, zu Ende.

Am 23. März 1944 waren in Rom durch eine Zeitbombe 33 deutsche Soldaten zerrissen worden. Als Repressalie wurden 335 italienische Geiseln (in der Mehrzahl verurteilte italienische Schwerverbrecher, die man aus den italienischen Gefängnissen holte) erschossen. Es war einer der Fälle, die in der Weltöffentlichkeit als Beweis für die Unmenschlichkeit und Brutalität der Deutschen hochgespielt wurden.

Das Urteil des italienischen Militärgerichtes lautete auf Freispruch wegen der Erschießung von 320 italienischen Geiseln, die das Gericht als nach dem Völkerrechte zulässig anerkannte. Die Erschießung von weiteren fünf Italienern über die befohlene Zahl von 320 hinaus wurde als auf einen entschuldbaren Irrtum zurückzuführen angesehen. Für die Erschießung von weiteren zehn Italienern wurde Kappler für voll verantwortlich gefunden, da er – dem Urteilsspruche zufolge – diese zehn Erschießungen nicht auf Grund eines ordnungsgemäßen Befehls, sondern aus eigenem Beschluß befohlen habe als Vergeltung für einen später an seinen Verwundungen noch gestorbenen deutschen Polizeisoldaten. Für die Erschießung dieser zehn Italiener erhielt Kappier lebenslängliches Gefängnis.

Die Mörder der 33 deutschen Soldaten, die Kommunisten Guglielmo Biasi und Rosario Bentivengo, blieben ungeschoren. Sie wurden auch nicht von Prof. Heuß durch einen deutschen Orden ausgezeichnet, ja nicht einmal als italienische Helden lobend erwähnt.

147


»In Anbetracht der Tatsache, daß … das Bestehen dieser Handhabung durch den Wortlaut der Regelungen, die nicht nur in den deutschen Heeren während des Zweiten Weltkrieges in Kraft waren, sondern noch heute in den Heeren anderer Großmächte bestehen, hinreichend erwiesen ist …, müssen die angeordneten Repressalhinrichtungen als gerechtfertigt angesehen werden.«

Dieselbe Feststellung traf das italienische Tribunale Supremo Militare vom 13. März 1950 gegen General Wagner.

Die anglo-amerikanische wie auch die deutsche, französische und italienische Kriegsgeschichte geben Beispiele, aus denen hervorgeht, daß Repressalmaßnahmen und Geiselerschießungen als rechtens angesehen wurden.

Über einen Fall der Erschießung von deutschen Geiseln durch französisches Militär berichtet Erich Kern in »Deutschland im Abgrund«, S. 19 und 20:

»Am 22. April 1945 mittags wurden alle Kampfhandlungen in und um Reutlingen eingestellt. Zwei Tage später wurden vier Reutlinger Bürger ohne Angabe von Gründen verhaftet. Es waren dies: der Chefarzt der Reutlinger Lazarette, Dr. Wilhelm Egloff, Vater von drei Kindern, der verwundete Architekt Ludwig Ostertag, Vater von sieben Kindern und der Schneidermeister Jakob, Vater von sieben Kindern. Es wurde ihnen lediglich erklärt, sie seien als Geiseln verhaftet, weil in der Stadt ein französischer Offizier niedergeschlagen wurde … Es fand keinerlei Untersuchung und keinerlei Kriegsgerichtsverhandlung statt. Der katholische Stadtpfarrer von Reutlingen, Keicher, berichtete später: ›Ich wurde am 24. April von einem französischen Militär geistlichen aufgesucht und aufgefordert, mit ihm zu gehen, um vier Deutschen, die als Geiseln erschossen würden, geistlichen Beistand zu leisten. Ich wurde in ein dem Professor Mautz gehörendes Privathaus (in der Urbanstraße) gebracht. Dort befanden sich französische Offiziere und die vier Reutlinger Bürger, die als Geiseln erschossen werden sollten … Die Geiseln, die erst in den frühen Mittagsstunden des 24. April 1945 verhaftet worden waren, wurden bereits wenige Stunden später zwischen 15 und 16 Uhr des gleichen Tages erschossen. Alle vier Geiseln gingen tapfer und aufrecht in den Tod. Der unter den Geiseln befindliche Oberfeldarzt der Reserve, Dr. Egloff, dem die Reutlinger Lazarette unterstanden, trug die Uniform eines Sanitätsoffiziers der Deutschen Wehrmacht. In dieser Uniform wurde er auch erschossen. Weder den Erschossenen, noch ihren Angehörigen, noch der Bevölkerung wurde jemals mitgeteilt, wo und wann und welcher französische Offizier niedergeschlagen worden war.‹«

148


Der französische General Leclerc erließ 1944 den Befehl, für jeden ermordeten französischen Soldaten fünf Deutsche zu erschießen.

Aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges dürfen einige Beispiele mit den angedrohten Verhältniszahlen angegeben werden:

Befehl General Leclercs vom 25. November 1944: »Für jeden französischen in der Stadt Straßburg erschossenen Soldaten werden fünf Geiseln erschossen.«

Befehl General de Lattre de Tassignys in Stuttgart: »Repressalquote 1:25.« Androhung in Leutkirch: »Wenn ein Deutscher auf einen Franzosen schießt oder sonst das geringste passiert, werden fünf Häuser angezündet und 200 Deutsche erschossen.«

Bekanntmachung des Kommandanten der Besatzungsmacht in Saulgau vom 27. April 1945: »Falls ein französischer Soldat oder Zivilist getötet oder auch nur verwundet wird, werden 200 Personen erschossen. Im Wiederholungsfall wird außerdem ein Viertel der Stadt, in der die Tat erfolgte, niedergebrannt.«

In einem Aufruf der französischen Militärverwaltung vom 11. Juli 1945 in Deutschland wird die Erschießungsquote 1:10 festgelegt.

Die Quoten im Südharz betrugen 1:200 und in Berlin 1:50.

Für die russischen Partisanen rühmte sich der sowjetische Sachverständige Pomarenko stolz, daß sie nicht weniger als 500.000 (fünfhunderttausend!) Deutsche heimtückisch ermordet hätten.

In Stalins Befehlen für den Partisanenkampf heißt es:

»In den okkupierten Gebieten müssen für den Feind und alle seine Helfershelfer unerträgliche Bedingungen geschaffen werden. Sie müssen auf Schritt und Tritt verfolgt und vernichtet werden, und alle ihre Maßnahmen müssen vereitelt werden.« (3. Juli 1941)

»In allen vom Feind okkupierten Gebieten ist die Sabotage in der Kriegswirtschaft, die Sprengung deutscher Vorratslager, die Vernichtung deutscher Transportzüge und die Tötung deutscher Soldaten, Offiziere zur täglichen Erscheinung geworden.« (1. Mai 1942).

Über das Repressalienrecht

Am 20. Juni 1899 nahm die Erste Haager Friedenskonferenz eine Resolution an, die lautete:

149


»In der Erwartung, daß später ein durchaus vollständiger Kodex der Kriegsgesetze gegeben werden kann, hält es die Konferenz für zweckmäßig, festzustellen, daß in den nicht in dieser Konvention vorgesehenen Fällen die Bevölkerung und die Kriegführenden unter dem Schutz und der Herrschaft des Völkerrechts bleiben, wie sie sich aus den unter den zivilisierten Nationen festgestellten Gebräuchen, aus den Gesetzen der Humanität und aus den Forderungen des öffentlichen Gewissens ergeben.«

Diese Generalklausel geht auf den kaiserlich russischen Staatsrat Friedrich von Martens zurück, der die Gedanken der Formel bereits auf der Brüsseler Landkriegsdeklaration von 1874 präzisierte.

Vollständig scheiterte auf der Haager Konferenz der Versuch, ein Abkommen über das Vergeltungsrecht zu erzielen. Bitter beklagte dies Professor von Martens.

Die Möglichkeiten zu »gegenseitigen Anschuldigungen ohne Ende und Repressalien ohne Gnade« blieben bestehen (vgl. La Paix et la Guerre, 1901, Vorwort S. VIII).

Nach Karl Strupps »Wörterbuch des Völkerrechts und der Diplomatie« wurde die Stellungnahme gegen das Verbot mit dem Gedanken begründet, man dürfe sich nicht durch hastig gefaßte Beschlüsse der Mittel berauben, deren man sich später vielleicht einmal mit Erfolg bedienen könne.

Im Völkerrecht wird zwischen Repressalie, Geisel und Kollektivstrafe (Artikel 50 Haager Landkriegsordnung) unterschieden. Bei letzterer wird eine Gesamtheit von Personen zur Sühne einer Straftat, bei der sie nicht beteiligt, für die sie jedoch mitverantwortlich zu machen ist, herangezogen. Eine Einschränkung erfuhr die Kollektivstrafe erst durch die Genfer Konvention von 1949.

Das britische Manual of Military Law in seiner Auflage von 1929 besagt in den Paragraphen 386 und 458:

»Wenn entgegen der Pflicht der Bewohner, friedlich zu bleiben, von einzelnen Bewohnern feindselige Handlungen begangen werden, so ist ein Kriegführender gerechtfertigt, wenn er die Hilfe der Bevölkerung anfordert, um die Wiederkehr solcher Handlungen zu verhüten, und in ernsten und dringenden Fällen, wenn er zu Repressalien greift.«

»Wenn auch eine Kollektivbestrafung der Bevölkerung für die Handlungen von Einzelpersonen, für die sie nicht als gesamtverantwortlich angesehen werden kann, verboten ist, so können Repressalien gegen

150


eine Örtlichkeit oder Gemeinschaft für eine Handlung ihrer Einwohner oder Mitglieder, die man nicht namhaft machen kann, notwendig sein.«

Paragraph 454 des genannten Militärhandbuches bemerkt hinsichtlich des vorliegenden Problems:

»Repressalien sind eine äußerste Maßnahme, weil sie in den meisten Fällen unschuldigen Personen Leiden auferlegen. Darin indessen besteht ihre zwingende Kraft, und sie sind als letzte Mittel unentbehrlich.«

Die amerikanischen »Rules of Land Warfare« stellen in Paragraph 358 c fest:

»Ungesetzliche Kriegführung, die Vergeltungsmaßnahmen rechtfertigt, kann begangen werden: von einer Regierung, von ihren militärischen Befehlshabern oder von einer Gemeinde oder von Einzelpersonen, die zu ihr gehören und die nicht ergriffen, abgeurteilt und bestraft werden können.«

Nach Paragraph 358 d können die dem Gesetz zuwiderhandelnden Streitkräfte und Bevölkerungsteile angemessenen Vergeltungsmaßnahmen unterworfen werden.

Nach Oppenheim-Lauterpacht, H.: International Law, (Band II, 6. Auflage, London 1944, § 247) wird von einer Repressalie im militärischen Sinne gesprochen, wenn ein Kriegführender mit unrechtmäßigen Mitteln Vergeltung übt, um den Gegner zu zwingen, rechtswidrige Kriegshandlungen aufzugeben und in Zukunft die Grundsätze rechtmäßiger Kriegführung einzuhalten.

Die italienische »Legge di Guerra« sagt in Artikel 8, Absatz 2:

»Zweck der Repressalie ist es, den kriegführenden Gegner zur Beachtung der Pflichten zu bringen, die durch das internationale Recht auferlegt sind. Sie kann sich äußern in Akten, die denen des Gegners entsprechen, oder in solchen, die davon verschieden sind.«

Ein allgemeines Verbot von Repressalien aus der Geiselnahme besteht erst seit der Genfer Konvention über den Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten vom 12. August 1949 durch die Artikel 33 und 34.

Winston Churchill behandelt in seiner Arbeit »Die Weltkrise« in The Aftermath, Seite 278 ff., das Thema der Repressalien in den irischen Freiheitskriegen.

Zu Repressalienerschießungen kam es durch Italien im Lybischen Feldzug 1911/12, im Äthiopischen Krieg 1936 und bei der Besetzung Griechenlands.

151


Die Repressalien der anderen

Die Deutschen sind Kriegsverbrecher, weil sie das Geiselrecht ausübten. Wie harmlos waren bei dieser Ausübung die Deutschen im Vergleiche zu den Anderen:

Die französischen Besatzungstruppen erschossen in Reutlingen Geiseln im Verhältnis 4:1.

Der französische General Leclerc verkündete, daß er für jeden in Straßburg von Zivilisten getöteten französischen Soldaten deutsche Geiseln im Verhältnis 5:1 erschießen lasse.

In Birkenfeld war die Erschießung im Verhältnis 10:1 angesetzt. Der französische General de Lattre de Tassigny setzte in Stuttgart die Erschießung deutscher Geiseln im Verhältnis 25:1 fest, für die Tötung französischer Soldaten.

In Markdorf war das angedrohte Verhältnis 30:1.

Die russische Besatzungsmacht machte in Berlin die Androhung von Geiselerschießungen im Verhältnis 50:1 kund.

Die Amerikaner im Harz gingen noch weiter. Sie drohten mit Sühneexekutionen im Verhältnis 200:1.

In Nürnberg wurden deutsche Generäle wegen ihrer Partisanenbekämpfungsbefehle unter Anklage gestellt und von verantwortungslosen amerikanischen Richtern zum schmählichen Henkerstode durch Erhängen verurteilt. Viele deutsche Soldaten, die im Partisaneneinsatz gestanden hatten, wurden von den Amerikanern hingerichtet oder den roten Henkern in der Sowjetunion, in Polen und Jugoslawien einem hundertfachen Tode ausgeliefert.

Heute stehen die Amerikaner in Vietnam selbst inmitten eines gnadenlosen Partisanenkrieges, der von ihnen noch viele Opfer fordern wird. Jetzt handeln sie in ihrer verzweifelten Lage ebenso hart gegen die hinterhältigen Meuchelmörder der Vietkongmänner, wie einst die deutschen Soldaten in gleicher Lage handeln mußten. So senkt sich der Schatten Nürnbergs über Vietnam. Hoffentlich bewähren sich die US-Fallschirmjäger und Ledernacken genauso wie der deutsche Landser der Wehrmacht und der Waffen-SS in ihrem Schicksalskampf. Und hoffentlich werden die amerikanischen Soldaten nicht dereinst dafür genauso gehenkt, wie die deutschen Soldaten, die ihren Befehlen gehorchten.

Der deutsche Oberst a. D. Doyé schrieb die beherzigenswerten Worte (»Nation Europa«, Heft 4/1954, S. 47):

»Der Partisanenkrieg ist die schlimmste Entartung der Kriegsführung. Wie man auf Seiten der Alliierten 1945 hinsichtlich eines etwaigen

152


deutschen Partisanenkrieges (und der Erschießung deutscher Geiseln) dachte, geht daraus hervor, daß die Franzosen und Amerikaner in den deutschen Städten Maueranschläge anbrachten, auf den sie ankündigten, daß die Ermordung jedes alliierten Soldaten mit der Hinrichtung von bis zu hundert deutschen Geiseln vergolten werden würde!«

So dachten die Alliierten über Partisanen und über das Geiselrecht. Es ist nichts darüber bekannt, daß etwa der amerikanische oder der französische Präsident nach dem ebenso unrühmlichen wie unverständlichem Beispiel Professor Heuß’ jemals ein Wort rührseligen und tränenreichen Bedauerns für die unglücklichen deutschen Geiseln ausgesprochen hätte. Abgesehen von der katastrophalen Unkenntnis des Kriegsrechtes wäre eine solche Würdelosigkeit bei den führenden Staatsmännern anderer Völker eben undenkbar.1

Öffentlicher Skandal

Einen öffentlichen Skandal nennt die »DWZ« (5. Juni 1964, S. 4) die Entschädigungszahlung von 40 Millionen DM an Italien. Sie zitiert dabei die Stellungnahme der »Frankfurter Allgemeinen« vom 22. April 1964 und nimmt zu dieser Zahlung folgende Stellung:

»Die Vergeudung öffentlicher Mittel durch die Bundesregierung hat Ausmaße angenommen, die nicht mehr vertretbar sind. Zu allem Überfluß sind in Bonn 40 Millionen DM für diejenigen Italiener bewilligt worden, die – wenn auch nur kurzfristig – aus folgenden Gründen in den Jahren 1939 bis 1945 eingesperrt worden waren:

1. Wegen Betätigung am italienischen ›Freiheitskampf‹ (also als Partisanen).

2. Wegen politischer Betätigung gegen das italienische faschistische Regime und gegen die deutsche Wehrmacht.

3. Wegen Zugehörigkeit zu politischen Parteien, die von dem italienischen faschistischen Regime und von den Nationalsozialisten verboten waren.


1
Der Niederländer Jan A. van der Made berichtet in der angesehenen Monatsschrift »Nation Europa«, Heft 4/1954, S. 53: »Die amtliche Vertretung des Staates Israel bezeichnete kürzlich den an 72 Menschen erfolgten Mord als gerechte ›Vergeltungsmaßnahme‹ für den Mord an einer israelischen Frau.«

Nach der letzten Morddrohung der israelischen Geheimorganisation werden in Hinkunft für jeden bei einem arabischen Terroranschlag ums Leben gekommenen Israeli nicht nur – wie bisher üblich – ein arabisches Haus in die Luft gesprengt, sondern je 50 arabische Menschen (auch Frauen und Kinder) als Repressalien ermordet.

153


4. Wegen Beteiligung an Protestkundgebungen gegen das italienische Regime und gegen die deutsche Wehrmacht.

5. Wegen Beteiligung an Streiks, die von der deutschen Wehrmacht in Italien als feindselige Handlung erachtet wurden.

Seltsam, daß sich die deutsche Bundesregierung sogar zur Zahlung von Entschädigungen an Italiener verpflichtete, die sich gegen ihr eigenes Regime aufgelehnt haben.

Außerdem sollen in den Genuß dieser Abfindung auch diejenigen italienischen internierten Militärpersonen und ›unfreiwilligen‹ italienischen Arbeiter treten, die wegen Sabotage in deutsche Lager eingeliefert worden waren. Wenn also italienische Partisanen etwa ein deutsches Lebensmittellager in die Luft gesprengt haben, wobei womöglich deutsche Soldaten den Tod fanden, dann soll ihnen heute eine ›moralische Entschädigung‹ (riparatione morale) gezahlt werden? Eine Dankesschuld für einen solch ›freundlichen Akt‹.

Eine derartige Verpflichtung der deutschen Bundesregierung, die der deutschen Öffentlichkeit kaum bekannt geworden ist, wohl aber in dem italienischen Amtsblatt ›Gazetta Ufficiale‹, Nr. 16, 1964, zu lesen ist, stellt den Niederschlag einer politischen Instinktlosigkeit dar.«

Griechenland henkt zwei deutsche Generäle

Am 9. Dezember 1946 wurden die deutschen Generäle Friedrich Wilhelm Müller und Bruno Bräuer von einem griechischen Sondergericht in Athen zum Tode verurteilt.

Am 3. Mai 1947 richteten die beiden Generäle an Paul, den König der Hellenen, ein Gnadengesuch. Der Wortlaut dieses Schreibens an den griechischen König ist ein Dokument der erbarmungslosen Vergewaltigung gegenüber Deutschen in jenen rechtlosen Jahren nach 1945. Es heißt in diesem Schreiben wörtlich:

»Die Anklageschrift wurde acht Tage vor Prozeßbeginn in griechischer Sprache zugestellt; die Übersetzung im Gefängnis durch deutsch sprechende griechische Gefangene war verboten unter dem Hinweis darauf, Übersetzung sei Sache der Verteidiger. Verteidiger aber wurden erst bei Prozeßbeginn zugelassen, sodaß uns der Inhalt der Anklageschrift zu Beginn des Prozesses nicht bekannt war. Durch die flüchtige Voruntersuchung, die Monate vorher stattgefunden hatte, waren

154


uns die Gründe, weshalb wir angeklagt werden sollten, nicht klar geworden. Eine Vorbereitung der Verteidigung war daher nicht möglich.

Drei Athener Anwälte hatten Monate vor Prozeßbeginn mit uns Verbindung aufgenommen und sich zur Übernahme unserer Verteidigung bereit erklärt. Auf Grund unseres Gesuches an das griechische Justizministerium wurden uns diese Anwälte als Pflichtverteidiger zwar zugebilligt, ihre endgültige Beauftragung aber nicht zugesprochen. Wenige Tage vor Prozeßbeginn wurden uns nun – ohne Berücksichtigung der Monate vorher geäußerten Wünsche – vom Sondergericht vier völlig fremde Rechtsanwälte zugewiesen, von denen nur einer deutsch sprach, mit dem wir uns verständigen konnten, und zwar Dr. Kristallis. Wir lehnten die drei anderen Anwälte ab und baten das Gericht, uns statt dieser die uns bereits seit Monaten vom Ministerium zugebilligten Anwälte als Pflichtverteidiger zuzuteilen Diesem Antrag wurde nicht entsprochen. Wir hatten also bis zum Prozeßbeginn keine Anwälte, von denen wir uns beraten hätten lassen können. Wir selbst waren hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen und hatten keine Möglichkeiten zur Beschaffung von Gesetzestexten, einschlägiger Literatur und Entlastungsmaterial, waren also auch hierdurch in der Vorbereitung unserer Verteidigung auf das schwerste gehemmt.

Unser bei Prozeßbeginn gestellter Antrag um Zulassung deutscher Anwälte wurde theoretisch genehmigt. Die Frage des Herrn Vorsitzenden des Gerichts, warum wir uns nicht bereits früher um deutsche Anwälte bemüht hätten, konnten wir nur damit beantworten, daß man uns über den Zeitpunkt des Prozesses über sechs Monate im Unklaren gelassen hätte und daß uns ohne die Mithilfe des griechischen Staates und der zuständigen Besatzungsmacht in Deutschland die Heranziehung deutscher Anwälte schon allein wegen der Aus- und Einreise unmöglich sei. Unser Antrag, die Verhandlung bis zum Eintreffen von zwei deutschen Anwälten zu vertagen, wurde vom Gericht abgelehnt. Ein wegen der Anwälte von mir (General Müller) nach Deutschland geschriebener Brief hat den Bestimmungsort nie erreicht. Es bestand keine Möglichkeit, deutsche Entlastungszeugen aus Deutschland kommen zu lassen. Unsere Mitarbeiter in den Stäben und unsere unterstellten Kommandeure hätten ohne Zweifel – ganz anders als wir dazu in der Lage waren, dem Gericht darlegen können, in welcher Weise wir uns stets um den Burgfrieden auf Kreta bemüht haben, mit welcher Strenge wir Übergriffe einzelner Soldaten geahndet haben, welche Sabotage- und Terrorakte die Kreter im einzelnen gegen uns begangen haben, daß die monatelang versuchten ›milden‹ Mittel der Bekämpfung die Sabotage und des Terrors und die Suche nach den Schuldigen nicht zum Ziele führten und daß letzten Endes das Ver-

155


halten der kretischen Bevölkerung die harten Maßnahmen der Repressalien gegen mehr oder minder wenige Schuldige oder Mitschuldige herausgefordert hat.

Griechische Entlastungszeugen, die am besten über unseren ehrlichen guten Willen orientiert waren und über unser unausgesetztes redliches Bemühen, Zwangsmaßnahmen gegen die Bevölkerung und unnützes Blutvergießen auf beiden Seiten zu vermeiden, konnten nicht vorgeladen werden, um sie nicht der Gefahr von Terrormaßnahmen seitens rachesüchtiger Leute auszusetzen. Soweit einige wenige Griechen von uns als Entlastungszeugen benannt wurden, sind sie aus Furcht nicht vor Gericht erschienen. Das Gericht hat es dabei bewenden lassen.

Unserem Antrag, den Bandenführer Panduwas als Zeugen vorzuladen, wurde vom Gericht nicht stattgegeben. Panduwas hätte Auskunft geben können über die Ermordung von neun bis zehn deutschen Soldaten Anfang September 1943 bei Simi, über das Gefecht des folgenden Tages mit zwei deutschen Kompanien, wobei diese 20 Tote, 30 Verwundete und zunächst 30 Vermißte hatten; alles Vorfälle, die zum ›Unternehmen Voianos‹ führten, um die Bande zu vernichten. Panduwas hätte vor allem Auskunft geben können über das Schicksal der in seiner Hand verbliebenen deutschen Soldaten, von denen nach mehrwöchiger Gefangenschaft 13 erschossen wurden und nur einer zur Truppe zurückkehrte. Panduwas hat mehrfach im Zuhörerraum der Gerichtsverhandlung beigewohnt, hätte also ohne weiteres als Zeuge vernommen werden können. Da dies nicht geschehen ist, hat das Gericht uns hiedurch eindeutig zugunsten der Anklage benachteiligt.

Ferner wurde unserem Antrag auf Ladung eines griechischen Sachverständigen nicht stattgegeben. Der Sachverständige sollte Auskunft geben über im kleinasiatischen Kriege 1922/23 seitens griechischer Truppen gegen türkische terroristische Zivilbevölkerung vorgenommene und nach internationalem Kriegsrecht zulässige Repressalien. Es ist aus der Kriegsgeschichte bekannt, daß Griechenland hauptsächlich wegen der Terrormaßnahmen der türkischen Bevölkerung den Krieg verloren hat. Es ist bekannt, daß griechische Truppen, um sich vor den Übergriffen und Sabotageakten der türkischen Bevölkerung zu schützen, rechtmäßig zu Repressalien schreiten mußten; z. B. zur Zerstörung von Dörfern, zur Erschießung türkischer Zivilpersonen, unter anderem ein Fall der Erschießung von 50 Zivilpersonen durch Truppen des Generals Pangalos wegen Kabel-Sabotage. Die Kenntnis dieser Tatsachen hat die Entschlüsse der deutschen Führung nicht beeinflußt.

Die Ablehnung eines Sachverständigen war eine Beeinträchtigung unserer Verteidigung. Es handelte sich hierbei nicht nur um die Heranziehung von Beispielen aus dem türkisch-griechischen Krieg, sondern um die grundsätzliche Beleuchtung des Begriffes der Repressalie im allgemeinen und im griechischen Kriegsrecht.

156


Griechische Belastungszeugen mit schriftlichen Aussagen, von denen nicht ersichtlich war, ob ihre Aussagen auf eigener Wahrnehmung beruhten oder nicht, ob die Aussage beeidet war oder nicht, wurden auf unseren Antrag, persönlich vor Gericht zu erscheinen, nicht zugelassen.

Die Anklagerede des Herrn Staatsanwaltes wurde uns nur unvollkommen und bruchstückweise von den Dolmetschern übersetzt, da der Herr Staatsanwalt fließend, ohne Pause und ohne Absätze zu machen, sprach und das Gericht den Dolmetschern keine Gelegenheit gab, die Anklagerede Satz für Satz zu übersetzen. Wir hatten daher keine Gelegenheit, die Anklagepunkte zu widerlegen oder zu ihnen Punkt für Punkt Stellung zu nehmen …

Damit das Gericht und die Zuhörer im Zuschauerraum den Verhandlungen genau folgen konnten, war während der ganzen Prozeßdauer im Gerichtssaal eine Lautsprecheranlage in Tätigkeit. Bei den Verteidigungsreden unserer Anwälte war die Lautsprecheranlage abmontiert.

Monatelang haben wir versucht, mit den mildesten Mitteln die Widerstandsbewegung zu unterdrücken, Sabotage- und Terrorakte mit polizeilichen Maßnahmen zu bekämpfen, die Banden durch Bandenjagdkommandos zu stellen und bei all diesen Maßnahmen die Täter und wirklich Schuldigen zu fassen und sie gerichtlicher Bestrafung zuzuführen. Bei den besonderen Schwierigkeiten des Geländes, bei der Unkenntnis der Sprache und Gepflogenheiten der Bevölkerung auf deutscher Seite, der auf kretischer Seite die volle Geländekenntnis, die Tarnung der Partisanen als harmlose Hirten oder Bauern und ihre volle Unterstützung durch die gesamte Bevölkerung gegenüberstand, waren alle milden Maßnahmen zum Mißerfolg verurteilt. Erst nachdem alle milden Mittel versagt hatten, sind wir in Berücksichtigung unseres militärischen Auftrages und zur Sicherung unserer eigenen Truppen gezwungenermaßen zu härteren Maßnahmen geschritten. Wir haben erst aus Anlaß ganz besonders schwerwiegender Sabotage- und Terrorakte von dem Recht der Repressalien Gebrauch gemacht.

Nach der deutschen Niederlage bei Stalingrad und auf dem afrikanischen Kriegsschauplatz hatte sich die Bandenlage auf Kreta seit Frühjahr 1943 bis Herbst 1943 wesentlich verschärft. Sabotageakte gegen Wehrmachtseinrichtungen und Überfälle auf Einzelne häuften sich, ohne daß wir der Täter habhaft werden konnten. Als Anfang September 1943 bei Simi, ostwärts Vianos zwei einzelne Soldaten, ferner alle Soldaten einer Feldwache (7–9) ermordet wurden, sandten wir auch nach diesem schweren Terrorakt zunächst nur deutsche Kompanien als Bandenkommando in den Raum Simi, um die Schuldigen zu fassen. Nachdem diese zwei Kompanien in einen Hinterhalt gerieten und in einer Schlucht von den Banden zusammengeschossen wurden, da erst

157


wurde das Unternehmen ›Vianos‹ befohlen, um durch ein größeres Truppenaufgebot und völlige Einkreisung des gesamten Gebietes um Simi die Banden zu vernichten und die Bevölkerung aus diesem Gebiet zu evakuieren. Diese nach internationalem Kriegsrecht zulässigen harten Maßnahmen waren militärisch zwingend notwendig, da der Abfall der Italiener unmittelbar bevorstand und ihre Vereinigung mit der kretischen Widerstandsbewegung gegen uns zu befürchten war; ferner mußte in Verbindung mit dem Abfall der Italiener mit einer alliierten Landung auf Kreta gerechnet werden. Tatsächlich bewahrheiteten sich alle deutschen Befürchtungen.

Ausgang des Winters 1943/44 wurden 21 Soldaten der deutschen Feldwache der Omalos-Hochebene ermordet, verstümmelt und geschändet; Ende April 1944 erfolgte die Entführung des Generals Kreipe. Kein Tag verging ohne irgendwelche Überfälle auf einzelne deutsche Soldaten, auf Feldwachen, kleinere Truppenabteilungen; kein offener Kampf, sondern Kampf aus dem Hinterhalt, Partisanenkrieg in seiner übelsten Form, wobei sich die kommunistischen Bandentruppen besonders skrupellos zeigten.«

Der um Gnade aufgerufene König hatte, obwohl vom Athener Sondergericht (das um die Fragwürdigkeit seines Urteils sehr wohl wußte) dazu ermuntert, von seinem königlichen Recht der Großmut keinen Gebrauch gemacht. Der König schwieg. Die beiden untadeligen, pflichtgetreuen deutschen Generäle mußten sterben. Sie mußten sterben, weil sie pflichtgemäß versucht hatten, den heimtückischen Morden an deutschen Soldaten Einhalt zu gebieten.

Achtzehn Tage später, am 20. Mai 1947, dem Jahrestag der deutschen Eroberung Kretas, wurden die beiden deutschen Generäle exekutiert.

Der deutschstämmige griechische König fühlte sich in seiner Stellung so schwach, daß er nicht wagte, das Recht gegen die Banditen zu vertreten. Deshalb mußten zwei deutsche Generäle unter den Galgen.

In dem Beileidstelegramm des deutschen Bundespräsidenten anläßlich des Ablebens des griechischen Königs hieß es:

»Die Erinnerung an den um die Freiheit der griechischen Nation hochverdienten Monarchen wird in Deutschland stets lebendig bleiben.«1


1
König Paul war als Sohn der Prinzessin von Preußen ein Neffe des letzten deutschen Kaisers. Er war der fünfte König aus der Dynastie der Holstein-Sonderburg- Glücksburg; seine Frau, Friederike Luise von Braunschweig, war die Tochter des Herzogs Ernst August von Braunschweig und seiner Gemahlin, Prinzessin Viktoria Luise von Preußen, der einzigen Tochter Kaiser Wilhelms II.

158


Deutschland versöhnt griechische Partisanen-Mörder

Im »Tagesspiegel« (Berlin) war zu lesen (zitiert in »Nation Europa«, Heft 4/1954, S. 69):

»Der griechischen Königin Friederike wurde eine offizielle deutsche Spende von 50.999 DM für den Wiederaufbau der griechischen Ortschaft Kalavryta überreicht. Kalavryta wurde während des Krieges von den Deutschen als Vergeltung für Partisanenüberfälle und Ermordung deutscher Soldaten zerstört; fast alle männlichen Einwohner wurden erschossen.

Die Bundesregierung versprach überdies, junge Leute aus Kalavryta kostenlos an deutschen Landwirtschaftsschulen ausbilden und deutsche Fachleute zum Aufbau eines Molkereibetriebes dorthin zu entsenden und für den Absatz handgewebter Textilien aus diesem Orte Sorge zu tragen.«

Man könnte dies als erfreuliches Zeichen ansehen, die durch den Krieg auseinandergerissenen Menschen wieder zusammenzuführen, wenn damit auch ein Zeichen der Achtung und Ehrung der unglücklichen deutschen Soldaten verbunden wäre, die damals – unter bewußtem Bruch des Völkerrechtes – von den Leuten aus Kalavryta heimtückisch und hinterrücks erschossen wurden. Es fehlt dabei auch jedes Gedenken an die deutschen Hinterbliebenen – Frauen und Kinder – der meuchlerisch gemordeten deutschen Opfer.

Die Karst-Höhlen

Wenn schon der deutsche Bundespräsident den unbezähmbaren Wunsch hatte, die ardeatinischen Höhlen zu besuchen und einen Kranz zu Ehren der wenigen unglücklichen und bedauernswerten Geiselopfer niederzulegen, so wäre es für einen deutschen Bundespräsidenten nur geziemend gewesen, auch an den Gräbern der Tausenden, von den italienischen Freischärlern aus dem Hinterhalte feige gemordeten deutschen Soldaten einen Kranz niederzulegen und daneben auch die italienischen Karsthöhlen ob Triest zu besuchen.

In diesen Höhlen steht allerdings kein Denkmal zu Ehren und zur Erinnerung an die 20.000 wehrlosen Kriegsgefangenen, die im Mai 1945, nach Beendigung und Einstellung der Kriegshandlungen als Kriegsgefangene der Engländer entgegen den Bestimmungen des Völkerrechts und gegen jedes Gesetz der Humanität von dem britischen

159


General Freyberg den Partisanenmördern Titos ausgeliefert wurden. Diese erschossen und erschlugen diese 20.000 wehrlosen Kriegsgefangenen – unter denen sich viele Schwerverwundete befanden – auf die viehischeste Weise und warfen sie – zum Teil noch lebend – in die Karsthöhlen, die sogenannten Foibas. Die Höhlen wurden einfach zugemauert.

Vergleiche hierzu den Bericht von Alexander Keller in der »Furche« (links-katholisches Wochenblatt) Nr. 41, vom 11. Oktober 1958.

Hier kündet kein Denkmal von dem furchtbaren Geschehen. Hier wurde durch den deutschen Bundespräsidenten kein Kranz zu Ehren und zum Gedenken an diese viehisch ermordeten 20.000 Soldaten der deutschen Armee niedergelegt. Hier wurden auch durch den Herrn Bundespräsidenten keine Worte des Abscheus vor den viehischen Mördern, und keine Worte des Erbarmens und Mitleides mit den Partisanenopfern gesprochen.

Die italienische Regierung machte 1947 und dann noch einige Jahre später wieder den Versuch, das »Katyn« Titos zu öffnen, die Toten zu agnoszieren und ihnen eine würdige Ruhestätte zu bereiten. Die Durchführung dieser Absicht scheiterte jedoch an dem Widerstande der alliierten Militärbehörden mit der Begründung:

»Eine Erlaubnis zum Öffnen der Foibas kann nicht gegeben werden … es würde die ohnehin schon bestehende Spannung in der nördlichen Adria noch erheblich verstärken …«

Es schwiegen die deutschen offiziellen Stellen. Kein deutscher Politiker oder Volksvertreter, keiner der eifrigen Selbstbesudler erhob dagegen seine Stimme. Keine deutsche Zeitung, keine einzige der gewissen großen deutschen Illustrierten berichtete bis heute auch nur mit einem Worte von diesen Greueln. Sind nur deutsche Greuel interessant und lohnend?1


1
Die internationale Politik forderte, daß Zehntausende ermordeter Soldaten »unbestattet blieben«, damit keine Spannungen verschärft würden.

Als dann der Konkurrenzstreit zwischen Stalin und Tito ausbrach, ersuchten die Triestiner Behörden noch einmal die Engländer und Amerikaner, die Leichen endlich bergen zu dürfen. Wieder wurden sie in London und Washington abgewiesen: »Es wäre nicht opportun, die Foibas gerade jetzt zu öffnen … Das Öffnen der Foibas wäre ein schwerer moralischer Schlag für Tito und gerade während seines heftigen ideologischen Streites mit Stalin müßte man Tito vor einem solchen Schlag bewahren … Das Ansuchen muß daher abgewiesen werden.«

Und die Welt schwieg weiter. Gefragt sind nur deutsche Greuel. 1958/59 gab die italienische Regierung 20 Millionen Lire für die Öffnung dieser Gräber und die Bestattung der ermordeten Soldaten frei.

In ihrer Ausgabe Nr. 41 vom 11. Oktober 1958 berichtete die links-katholische Wiener Wochenschrift »Die Furche« durch ihren Mitarbeiter Alexander Keller über diese scheußliche Geschichte:

160


Dem Blutrausch der kommunistischen Partisanen in Jugoslawien fielen an die 100.000 Menschen, meist versprengte deutsche Einheiten und zurückziehende Teile der Armee, zum Opfer. Man hat es bis heute verstanden, diese Verbrechen fast vollkommen zu verschleiern. Der Welt ist nichts von diesen Ungeheuerlichkeiten bekannt geworden. Von einem deutschen Staatsoberhaupte aber würde man erwarten, daß es die Gefühle der hunderttausenden Hinterbliebenen, die um ihre hingemordeten Söhne und Väter trauern, Ehrfurcht hat. Und wenn es schon nicht die Sühnung dieser gräßlichen Verbrechen fordert, so doch nicht noch das eigene Volk anklagt.


 
»Mai 1945. Die Achsenmächte sind endgültig niedergebrochen. Die Reste ihrer Armeen ziehen sich in zwei Kolonnen von der Balkanhalbinsel zurück. Die nördliche, über Kroatien und Slovenien zurückgehend, kommt bis Bleiburg in Kärnten (Österreich). Sie wird dort von den Engländern entwaffnet und den Partisanen übergeben (und von diesen niedergemetzelt; Anm.d.A.). Die südliche zieht sich entlang der adriatischen Küste zurück, überquert Istrien und gelangt in den Raum von Triest. 19.000 Kroaten, 4.500 Italiener, 1.500 Deutsche und etwa 1.200 Österreicher, alle im Verbande der deutschen Wehrmacht. Die Triestiner nehmen sie freundlich auf. Die Flüchtlinge atmen auf: sie stehen jetzt unter dem Schutz einer westlichen regulären Armee und sind froh, in englische Kriegsgefangenschaft zu kommen … Tito fordert von den Engländern die Auslieferung ihrer Gefangenen … Niemals durfte der königlich-britische Marschall Alexander Kriegsgefangene den kommunistischen Partisanen ausliefern. Der britische General Freyberg (kommandierender englischer General in Triest, ein Neuseeländer) mußte außerdem wissen, daß die Auslieferung dieser Unglücklichen einem Todesurteil gleichkam. Die kommunistischen Tito-Partisanen hatten sofort nach der Machtübernahme in Triest mehr als 4000 Menschen in wenigen Tagen erschossen.

Trotzdem erklärte sich General Freyberg bereit, die ganze Masse der Kriegsgefangenen den Titopartisanen zu übergeben, wobei ausdrücklich betont wurde, daß die britische Armee den Kommunisten dabei hilfreiche Hand leisten würde.

Als die Verhandlungen nahezu beendet waren, stellte ein britischer Offizier die Frage: ›Was soll mit den Österreichern und Deutschen geschehen, die schwerverwundet oder schwerkrank im deutschen Militärspital in Triest liegen?‹

Die Antwort lautete: ›Ausliefern!‹

… Von den Soldaten der Westmächte unterstützt, wurden die Kriegsgefangenen von den Partisanen zusammengetrieben … Vom Partisanen-Hauptquartier war bereits tags vorher der Befehl ausgegeben worden: die Gefangenen aus der Stadt treiben und sie im Karst oberhalb Triest liquidieren.

… In langen Zügen marschierten die Unglücklichen aus der Stadt. Außerhalb der Stadt gaben die Offiziere den Befehl, die Pferde in Trab zu setzen.

›Die Gefangenen haben mit den Pferden Schritt zu halten, jeden, der nicht mitkommt oder der niederfällt – niederschießen!‹ … Am Abend erreichen die Überlebenden die Höhe … In der Nacht werden die Kriegsgefangenen niedergemetzelt. Aus den Foibas kommen gellende Schreie … Tote, Verwundete und Lebende wurden unbarmherzig hineingeworfen. Die Körper fallen in die Tiefe und klatschen irgendwo auf. In der Foiba ›Miniera‹ entleeren Partisanen Benzinkanister und werfen benzingetränkte brennende Fetzen nach … weiter drüben bemühen sich Partisanen, Felsblöcke in eine mit Leibern gefüllte Foiba zu werfen. Die Blöcke zerschellen an den Wänden und begraben Lebende und Tote. In dieser Nacht starben über 20.000 kriegsgefangene, wehrlose Soldaten einen grausigen Tod!«

Die »Foiba 149« ist bei Opicina, die »Mineria« bei Basovizza. Der Eingang der »Foiba 149« ist durch eine mächtige Betonplatte verschlossen. Eine italienische Inschrift lautet: »Ehre und christliche Frömmigkeit denjenigen, die hier gefallen sind. Ihre Opfer führe die Menschen zu Gerechtigkeit und Liebe auf dem Wege dorthin, wo die Blumen des wahren Friedens blühen.«

161


Man leistet dem deutschen Volke einen schlechten Dienst, wenn man – vor allem verantwortliche Staatsführer und prominente Politiker – mit Selbstbeschuldigungen und demütigen Schuldbekenntnissen die Geschäfte der Hasser und Todfeinde Deutschlands und des deutschen Volkes besorgt. Es täte diesen Staatsmännern und Politikern gut, etwas weniger Bereitschaft zu bekunden, diese haßerfüllten Anklagen und Beschuldigungen von vornherein als wahr und erwiesen anzunehmen, sondern sie der Reihe nach gewissenhaft zu prüfen und unter die Lupe zu nehmen. Und daneben ist ihnen zu empfehlen, etwas mehr die Geschichte dieser Hasser und Ankläger selbst zu studieren. Dann würde es nicht vorkommen, daß z. B. der deutsche Bundespräsident, Professor Heuß, auf die Würde des deutschen Volkes so wenig Bedacht nimmt, daß er es hinnimmt, als Repräsentant des deutschen Volkes vor dem kanadischen Parlament zu sprechen, dem die Hälfte der Abgeordnetenmitglieder aus Demonstration gegen Deutschland und das deutsche Volk fernbleibt; zumindest dort nicht zu sprechen, ohne die Gelegenheit wahrzunehmen, die Hasser des deutschen Volkes in die Schranken zu verweisen und ihnen maßvoll und mit Würde zu sagen, was einem Manne und einem Deutschen in solcher Lage und in einem solchen Kreise bei einer solchen Brüskierung Deutschlands zu sagen ziemt und zukommt.

Der Mann mit dem gesenkten Haupte (Carlo Schmid)

Dem deutschen Volke wird ein sehr schlechter Dienst erwiesen, wenn sehr redegewandte Politiker und Parteiführer nach Polen gehen und sich dort »mit gesenktem Haupte« und demütigend, selbstanklagend, schuldbewußt und verzeihungflehend Menschen nähern, die dem deutschen Volke gegenüber mit einem Vielfachen der Blutschuld belastet sind, als es jene ist, die deutsche Menschen ihnen gegenüber je auf sich geladen haben.

Deutschland hat sich, hinsichtlich seiner Polenpolitik und der Behandlung von Polen, einiges vorzuwerfen. Kennt der Herr Parteiführer, der sich bei seinem offiziellen Besuche in Polen den offiziellen Ausspruch leistete:

»Ich nahe mit gesenktem Haupte …«

die wertvolle Aufbauarbeit, die in dieser Zeit der deutschen Verwaltung für Polen geleistet wurde? Weiß er, daß es den Polen (ebenso wie den Tschechen) in der Zeit der deutschen Besatzung unvergleichlich besser ging als heute in der »freien Volksdemokratie«? Weiß er, dass

162


im Generalgouvernement Polen in einer Zeit von zwei Jahren (in jener Kriegszeit) bei einer Bevölkerung von insgesamt über 20 Millionen Menschen insgesamt nur 163 Todesurteile gefällt wurden? Und diese ausschließlich wegen rein krimineller Verbrechen, zum größten Teil wegen Kapitalverbrechen, also Morden?

Weiß der Herr mit dem gesenkten Haupte nicht, daß nach dem Ersten Weltkrieg Polen deutsches Land mit eineinhalb Millionen deutschen Bewohnern zugesprochen erhielt? Kennt der Herr mit dem gesenkten Haupte das Schicksal dieser unglücklichen, der polnischen Herrschaft überlieferten Deutschen nicht? Weiß er nicht, daß mehr als eine Million dieser Unglücklichen in den folgenden Jahren spurlos verschwanden? Hat der Mann mit dem gesenkten Haupte noch nie etwas von dem Wüten der Mordbanden Korfantys in Oberschlesien nach dem Ersten Weltkriege gehört? Hat der Mann mit dem gesenkten Haupte noch nie etwas von dem Martyrium der fünf Millionen Ukrainer gehört, die 1919 in den Diktaten von Versailles und St. Germain unter polnische Herrschaft gestellt wurden?

Damals schrieb das »Journal de Genève« in seiner Nummer vom 30. Dezember 1919:

»In eben dem Augenblick, da man überall das Recht der freien Selbstbestimmung verkündet, sieht sich ein Volk von fünf Millionen Seelen kalt geopfert.«

Weiß der Mann mit dem gesenkten Haupte nicht, daß der Haß der Polen gegen Deutschland schon Jahrhunderte alt ist und seit den Tagen gärt, als deutsche Ordensritter kolonisierend und siedelnd ostwärts vordrangen? Kennt er die bluttriefenden Romane von Henryk Sienkiewicz (»Die Kreuzritter« u. a.) nicht? Kennt er den »Brudergruß« nicht, das polnische Kampflied, den polnischen Haßgesang der Koziniere gegen Deutschland von 1948?

»Brüder, nehmt die Sensen in die Hände!
Auf zum Kampfe laßt uns eilen,
Polens Knechtschaft hat ein Ende;
Länger wollen wir nicht weilen.
Sammelt Scharen um Euch Alle;
Unser Feind, der Deutsche, falle!
Plündert, raubet, senget, brennet!
Laßt die Feinde qualvoll sterben!
Wer die deutschen Hunde hänget,
Wird sich Gotteslohn erwerben.
Ich, der Probst, verspreche Euch
Fest dafür das Himmelreich.

163


Jede Sünd’ wird Euch vergeben;
Selbst der wohlbedachte Mord,
Den der Polen freies Leben,
Unterstützt von Ort zu Ort!
Aber Fluch dem Bösewicht,
Der bei uns für Deutschland spricht.
Polen soll und muß bestehen!
Papst und Gott verspricht es mir.
Rußland, Preußen muß vergehen.
Heil dem polnischen Panier!
Darum jauchzet froh darein
›Polska zjie‹ groß und klein!«

Von den Leiden der Ukrainer unter polnischer Herrschaft berichtet der »Manchester Guardian« 1930 mit allen Zeichen des Grauens:

»… Außer diesen Prügelexekutionen, die an mittelalterliche Foltern gemahnen, finden noch die sogenannten Revisionen statt, die folgendermaßen ausschauen: Auf den Bauernhöfen werden alle Schober durchwühlt und das Getreide wird mit Kot und Dünger gemischt. Die ganze Hauseinrichtung wird zerschlagen. Jene Häuser, die blau-gelb (ukrainische Nationalfarben) angestrichen sind, sowie jene, die von in der ukrainischen Kulturbewegung tätigen Bauern bewohnt sind, werden vollkommen zerlegt, unter dem Vorwand, daß man in den Strohdächern und in den Wänden nach Munition, Gewehren und Bomben sucht … Ukrainische Volkslesehallen und Konsumgenossenschaften werden durch die Strafexpeditionen vollkommen zerstört, das heißt, es werden alle Waren mit Petroleum übergossen oder in den Kot geworfen, die Bücher werden zerrissen oder verbrannt und die Einrichtung zur Gänze vernichtet … Nach dem Abzug der Strafexpeditionen werden dem Dorfe hohe Kontributionen auferlegt. Außerdem müssen die Strafexpeditionen von der betreffenden Gemeinde erhalten werden. Die Bauern verlassen massenhaft die Dörfer und ziehen in Haufen planlos durch die Wälder und Felder …

… In den Städten fassen die Gefängnisse nicht mehr die Zahl der verhafteten Abgeordneten, Politiker, Pfarrer, Lehrer, Studenten. In Zellen für fünf Personen sind zwanzig zusammengepfercht … Von den 2100 ukrainischen Schulen, die bestanden, als das Land unter russischer Herrschaft war, waren 1926 alle bis auf drei geschlossen. Ukrainische Haupt-, Fach- und Mittelschulen bestehen überhaupt nicht, keine einzige. 251 Kirchen wurden den Ukrainern weggenommen. Das ist polnisches Joch! Welches Leid verbirgt sich hinter diesen Zahlen! Ein Volk von fünf Millionen ohne Unterricht in der Muttersprache … Ungeheure Steuern werden auferlegt … Steuerrückstände werden als

164


Steuerverweigerung behandelt. Militärische Strafexpeditionen erscheinen. Die Dörfer werden umzingelt und ganz einfach niedergebrannt.«

Grauenhaft sind die Berichte des Buches »Polish atrocities in Westukraine« und die Berichte des ukrainischen Pressebüros in London. In einem Hilferuf nach London im September 1932 heißt es:

»Die ganze Herbsternte ist von den Polen verbrannt worden. In den Dörfern wimmelt es von polnischen Soldaten. Viele Bauern, gänzlich unschuldig, wurden gehenkt. In Poworok wurden am 17. August 1932 zwölf junge Burschen, halbe Kinder, hingerichtet … Die Dörfer werden von der polnischen Polizei und von Militär umzingelt. Die Einwohner, auch Frauen, Kinder und Greise erbarmungslos geprügelt. Um Gotteswillen, schicken Sie jemanden, daß er sich diese Greuel ansieht, rufen Sie die zivilisierte Welt an!«

Weiß der Mann mit dem gesenkten Haupte nicht, daß beim Polenfeldzug 1939 die Polen die deutschen Bewohner ihrer Grenzgebiete sammelten und ins Innere des Landes schickten, wobei dreiviertel dieser unglücklichen Deutschen, Männer und Frauen, Greise und Kinder unterwegs erschlagen oder sonstwie ermordet wurden, etwa 20.000 an der Zahl?

Weiß der Mann mit dem gesenkten Haupte nicht, daß nach dem Zweiten Weltkrieg viele Millionen deutscher Menschen, Männer und Frauen, Kinder und Greise von eben diesen Polen nacktberaubt und auf die barbarischste Art aus Ost-Deutschland vertrieben und viele Hunderttausende von ihnen bestialisch ermordet wurden?

Weiß der Mann mit dem gesenkten Haupte nicht, daß man diese Reihe von Beispielen noch lange fortsetzen könnte?

Wir empfehlen dem Manne mit dem gesenkten Haupte die Lektüre des erschütternden Buches von Dr. Hans Edgar Jahn »Pommersche Passion« (296 Seiten mit zahlreichen Bildern. Ernst Geerdes-Verlag, Preetz, Holstein), Präsident der Bonner Arbeitsgemeinschaft demokratischer Kreise (ADK), daß das furchtbare Schicksal der Ostdeutschen im heutigen Polen schildert. Rund 498.000 Deutsche wurden dort erbarmungslos massakriert.

Vgl. dazu die zeitgenössischen Berichte in den deutschen und ausländischen Zeitungen 1920. Ferner das deutsche Weißbuch über die damaligen Zustände und Ereignisse (Titel: »Der polnische Aufstand in Oberschlesien und die Mitschuld der Franzosen«, Mai bis Juli 1921. Das Weißbuch des Kreises Tost-Gleiwitz. Dargestellt nach Protokollen

165


und Berichten des Plebiszit-Kommissariates für Deutschland«), Hermann Pastel-Verlag, Berlin.

Vgl. dazu ferner die vielen Dokumentarberichte über die polnischen Greuelverbrechen an Deutschen in der »NZ« (so unter anderem in Nr. 50 vom 10. Dezember 1965 und in Nr. 51 vom 17. Dezember 1965, S. 10) und in der »DWZ«.

Über die Ermordung von Deutschen durch Polen berichtet auch Otto Falkenstein in einem Artikel »Opfergang der Deutschen in Polen« (»DWZ« vom 28. August 1964, S. 2) insbesondere über die Vorgänge in der schauerlichen Bartholomäusnacht von Bromberg (2. September 1939). Allein in den Tagen vom 1. bis 13. September 1939 massakrierten die Polen dort 58.000 Deutsche.

Nach der Hölle beim Einmarsch der Roten Armee, brach die polnische Hölle über die unglücklichen Deutschen herein. 1945 wurden rund 900.000 deutsche Männer und Frauen, Greise und Kinder in polnische KZ und Zwangsarbeitslager gebracht. Das Grauen in diesen Lagern und bei der Austreibung der Deutschen ist kaum zu schildern: es war ein Massenmorden, Massenschänden und Massenplündern. Niemand kennt die Zahl der Ermordeten, niemand die Zahl der nach Sibirien Verschleppten.

Der sehnsüchtige Wunsch Winston Churchills ging damals in Erfüllung, den er 1944 gegenüber dem exilpolnischen Ministerpräsidenten Mikolajzyk zum Ausdruck brachte: nämlich, daß er hoffe, daß die ostdeutsche Bevölkerung im Zuge dieser gemeinsam geplanten und abgesprochenen Austreibung liquidiert würde.

Der Franzose Bernard George schildert in seinem zeitgeschichtlichen Buche »Die Russen kommen« (Edit. »La Table Ronde«, Paris) als Augen- und Ohrenzeuge die in der Zeit der Flucht und der Austreibungen von Polen an Ostdeutschen begangenen Grausamkeiten.

Weiß der Mann mit dem gesenkten Haupte, welches Leben die Deutschen heute unter polnischer Herrschaft östlich der Oder-Neisse-Linie führen? Was immer sich Deutschland hinsichtlich seiner Behandlung seiner seinerzeitigen polnischen Minderheit auch vorzuwerfen hat: Im Vergleich zum Leben der deutschen Minderheit unter polnischer Herrschaft war das Leben der Polen innerhalb Deutschlands das Leben in einem Rechtsparadiese.

Vielleicht hätte der Mann mit dem gesenkten Kopfe auch mehr Nackensteife bekommen, wenn er sich bei Gelegenheit seines Besuches in Polen den polnischen Film »Die Ritter vom Deutschen Orden« ange-

166


sehen hätte. Dieser polnische Haßgesang (wohlgemerkt: nicht gegen die Nazi) ist wahrscheinlich der deutschfeindlichste Film, der überhaupt jemals gedreht wurde; er ist der Gipfel der Deutschenhetze und des Deutschenhasses überhaupt. Dabei richtet sich der Haßgesang nicht etwa gegen die Nazi, sondern gegen den Deutschen Ritterorden, die deutschen Kulturbringer des Ostens.

Der Regisseur hat ein grauenhaftes Bild von den Deutschen gezeichnet: die Ordensritter sind allesamt grausam, falsch, hochmütig; sie schielen heuchlerisch nach dem Kruzifix, während sie schon das Messer zücken.

Wir empfehlen dem Mann mit dem gesenkten Haupte die Lektüre der Septemberausgabe der in Paris erscheinenden Monatsschrift »Kultura«. Dort kann er nachlesen, wie die Polen heute ihre Minderheiten behandeln, dieselben Polen, die er »mit gesenktem Haupte« besucht hat und denen gegenüber er sich so demütig schuldbewußt und moralisch unterlegen gefühlt und gezeigt hat. In einem Artikel dieser Zeitschrift befaßt sich Maria Pankowski nach einem Besuch der Volksrepublik Polen mit den »erschreckenden Demonstrationen« des polnischen Nationalismus, mit dem Haß, der Verachtung und dem Hochmut, mit dem die Polen ihre Minderheiten, die Ukrainer, die Deutschen und die Tschechen behandeln.

Und der Bericht »In polnischer Uniform«, Erlebnisbericht eines Volksdeutschen. (In »Neues Europa«, 1964, Heft 5, S. 21 f.)

Man braucht die bestehende schuld Deutschlands gegenüber Polen weder zu leugnen noch zu verkleinern, man braucht sie weder zu verteidigen, noch zu entschuldigen, noch auf die leichte Schulter zu nehmen. Aber es ist – abgesehen von der Dummheit und der Unkenntnis der Geschichte, die sich darin offenbaren – würdelos, als Deutscher in einem fremden Lande zu tun, als ob es nur eine deutsche Schuld gäbe. Man kann natürlich in einem fremden Lande nicht von den Verbrechen reden, mit denen sich Angehörige dieses Landes gegen Deutschland befleckt haben. Man faßt eben ein so heißes Eisen in der Fremde überhaupt nicht an. Man redet bei solchen Gelegenheiten überhaupt nicht zwecklos und negativ von schlimmer Schuld und bösen Fehlern der Vergangenheit, sondern positiv und zielbewußt von den Pflichten und Aufgaben, die der Völker in der Zukunft harren, um sie einer glücklicheren Gemeinschaft zu verbinden und zu vereinen. 1945 waren die deutschen Selbstbeschuldigungen noch erklärlich und verständlich. Die Deutschen waren eben alle wie gelähmt durch die furchtbaren und unüberprüfbaren Beschuldigungen, die ihnen da an den Kopf geworfen wurden. Die Selbstbeschuldiger mochten sich wohl

167


durch diese Selbstbeschuldigungen Vorteile für unser Land, in manchen Fällen wohl auch persönliche Vorteile – so vor allem die Berufung und Einsetzung in einträgliche Ämter – für sich selbst versprechen, wenn sie den Alliierten nach dem Munde sprachen und die von ihnen gewünschte und erwartete Haltung als reuige Sünder und Büßer einnahmen.

Nicht wenige von diesen Selbstbeschuldigern sind als Nutznießer des Zusammensturzes an solchen Selbstbeschuldigungen und Übertreibungen interessiert gewesen.

Aber heute ist es hoch an der Zeit, mit diesen Selbstbeschuldigungen endlich aufzuhören und sich dafür mehr um die Feststellung der Wahrheit und um den Schutz der Ehre des deutschen Volkes vor Verleumdungen und Lügen zu kümmern.

Ich habe in einem eigenen Bande (»Das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte: Die deutschen Selbstbesudler«) die schauerliche Geschichte dieser deutschen Selbstbeflecker festgehalten. Es ist unvorstellbar, daß wirklich möglich war, was in diesem Buche, das die Schande der verachtungswürdigen Gesellen verewigt, festgehalten wird.

Ich übernehme aus meinem Buche als einziges Beispiel den erbärmlichen Betrug, den Thomas Mann am deutschen Volke verübte. Es wundert nicht, daß ein Mann, der zu dieser Tat imstande war, einen Golo Mann als Sohn und würdigen Nachfolger in die Welt setzte.

Im Nürnberger Prozeß bediente sich der britische Ankläger, Sir Hartley Shawcross, eines Zeugnisses, das weit über die Angeklagten hinaus das ganze deutsche Volk vor der ganzen Welt verächtlich machen sollte. Und tatsächlich, was da in der gespenstischen Stille des Gerichtssaales verlesen wurde, das war ein vernichtendes Verdammungsurteil über den deutschen Nationalcharakter durch die Größe und Autorität dessen, der es angeblich gefällt hatte: Deutschlands größter Dichter, Johann Wolfgang von Goethe.

»Daß sie (die Deutschen) den Reiz der Wahrheit nicht kennen, ist zu beklagen; daß ihnen Dunst und Rausch und all berserkerisches Unmaß so teuer, ist widerwärtig; daß sie sich jedem verzückten Schurken gläubig hingeben, der ihr Niedrigstes anruft, sie in ihren Lastern bestärkt und sie lehrt, Nationalität als Isoliertheit und Rohheit zu begreifen, daß sie sich immer erst groß und herrlich vorkommen, wenn alle ihre Würde gründlich verspielt, und mit so hämischer

168


Galle auf die blicken, in denen die Fremden Deutschland sehen und ehren, ist miserabel.«

In der Tat, ein tödliches Werturteil eines der größten der deutschen Nation über die Deutschen – wenn es wirklich von Goethe stammte! Aber es stammt nicht von ihm. Es ist erfunden von Thomas Mann und in seinem Goetheroman »Lotte in Weimar« als Phantasie-Zitat Goethe unterschoben.

Thomas Mann hat dies auch, als der Betrug später durch die Londoner »Times« aufgedeckt wurde und sich das britische Außenamt (Foreign Office) Aufklärung erbat, zugeben müssen. Er erklärte: Er habe sich so in Goethe hineingelebt und sich mit ihm so identifiziert, daß er sich berechtigt fühlte, seine Worte als Goethes Worte auszugeben. Er meinte, Goethe hätte so gesprochen, wenn er den Nationalsozialismus erlebt hätte.

Das heißt doch, den Zynismus eines Betrügers auf die Spitze treiben!

Der Staatsbesuch des ehemaligen Herrn Bundespräsidenten in England

Auch die letzte Auslandsreise Professor Heuß’, sein Staatsbesuch in England, ließ bei vielen Deutschen ein starkes Gefühl großen Mißbehagens zurück.

Zeitungsnachricht vom 22. Oktober 1958 (»Neues Österreich«, Wien):

»London (N.K.). Der deutsche Bundespräsident wird heute auf seinen persönlichen Wunsch eine Dokumentensammlung über die Grausamkeiten des nationalsozialistischen Regimes besuchen.«

Herr Professor Heuß hat anscheinend niemals Anlaß und Zeit gefunden, die Wahrheit über die Hetzanschuldigungen gegen Deutschland selbst zu erforschen oder einem berufenen Gelehrtenkomitee den Auftrag hierzu zu geben. Im Rahmen eines hochoffiziellen viertägigen Staatsbesuches, bei dem jede Stunde, ja jede Minute genau eingeteilt ist, findet er Zeit und Anlaß, einer gänzlich unüberprüften, gegen Deutschland gerichteten privaten Hetzsammlung, als deutsches Staatsoberhaupt einen offiziellen Besuch abzustatten.

Professor Heuß redet auch wieder:

»Die in Deutschland nach geschwätzte These vom Handelsneid der Engländer weist das deutsche Staatsoberhaupt zurück.«

169


Ja, um Gotteswillen! Die Engländer waren also immer von einer neidlosen, verständnisvollen, wohlwollenden Gesinnung gegen den Handel des übervölkerten Deutschland erfüllt? Niederschmetternd, was sich die Engländer bei dieser Weißwaschung der Engländer durch das deutsche Staatsoberhaupt wohl gedacht haben müssen! Ist dem Herrn Professor diese von ihm geleugnete Tatsache des elementaren englischen Handelsneides gegen Deutschland, die panische englische Furcht vor der deutschen Handelskonkurrenz wirklich nicht bekannt oder will er den Engländern nur zu Gefallen reden? War und ist dem Herrn Professor wirklich nicht bekannt, daß die Furcht vor der deutschen Handelskonkurrenz seit 1900 ein Hauptmoment, wenn nicht überhaupt das Hauptmoment bei der Bestimmung der öffentlichen Meinung in England und der offiziellen britischen Regierungspolitik gegen Deutschland war? (Vgl. hierzu »Geschichte der Verfemung des deutschen Volkes«, Band 1.)

Der amerikanische Präsident und Professor Woodrow Wilson erklärte im Gegensatz zu seinem deutschen Kollegen Heuß (Rede vom 5. September 1919):

»Gibt es einen Mann oder eine Frau – ja laßt mich sagen, gibt es ein Kind, das nicht weiß, daß in der modernen Welt der industrielle und kommerzielle Wettbewerb der Kriegssamen ist?«

Zu all diesen ständigen Selbstbeschuldigungen, die Professor Heuß immer wieder bei offiziellen Gelegenheiten, insbesondere bei seinen offiziellen Auslandsbesuchen gegen Deutschland vorbringt, ist zu sagen: In England und gegenüber England von deutscher Schuld zu sprechen, hat, mit nur allzuviel Recht, Tränen der Scham verursacht. England hat in den letzten Jahrzehnten am allerwenigsten Verständnis für die deutsche – aus der Überbevölkerung herrührende – Notlage gezeigt. England hat nicht nur keinerlei Hilfsbereitschaft in der deutschen Not- und Zwangslage gezeigt. Es hat vielmehr, in dem ständigen Bestreben, Deutschland niederzuhalten und als Handelskonkurrent auszuschalten, sich immer auf die Seite der Feinde Deutschlands gestellt. England war immer das stärkste Glied im Ringe der Einkreisung um Deutschland. England hat im Ersten Weltkrieg sich mit der Schmach und Schande der Hungerblockade gegen die deutsche Zivilbevölkerung bedeckt und die Schuld am Tode hunderttausender deutscher Frauen und Kinder auf sich geladen. England ist einer der Hauptschuldigen am Schanddiktat von Versailles. England hat nach dem Ersten Weltkrieg die Ursachen der deutschen Not noch weiter verschärft: durch den Raub, durch die Ausplünderung Deutschlands; durch den Raub der deutschen Rohstoffgebiete in Übersee, in Oberschlesien, im Saargebiet. Es hat Deutschland unentbehrliches

170


deutsches Ackerland entrissen; es hat Millionen Deutsche unter das Joch polnischer und tschechischer Zwangsherrschaft und dem Entnationalisierungsdruck gebracht; es hat Millionen Deutsche dem Haß- und Vernichtungswillen der Todfeinde allen Deutschtums ausgeliefert.

England ist einer der Hauptschuldigen am Zweiten Weltkrieg. Es duldete nicht, daß Deutschland dem unmöglichen und unnatürlichen Zustand des Danziger Korridors mitten durch Deutschland, der Abtrennung Danzigs, der Abschnürung Ostpreußens und der entwürdigenden Lage der unter Fremdherrschaft leidenden Deutschen ein Ende machte.

England befleckte sich mit der untilgbaren Schande der grauenvollsten Massenmorde von Dresden, Hamburg und dutzender anderer deutscher Städte und Orte. England befleckte sich mit der Schande, die vor den Bolschewisten geflohenen Kosaken und Kaukasusvölker mit ihren Frauen und Kindern den Bolschewiken und damit erbarmungslos einem grauenvollen Tode ausgeliefert zu haben.

Und das englische Schuldbuch ist damit noch lange, lange nicht zu Ende. Wir reden hier davon, nicht um als moralische Richter gegen England aufzutreten, was uns unendlich ferne liegt, sondern nur um zu zeigen, wie fehl es am Platze ist, England gegenüber, um dessen Freundschaft das deutsche Volk im ganzen Laufe seiner Geschichte heiß geworben hat und unverändert heute noch wirbt, nur von einer »deutschen Schuld« zu reden.1


1
England war es, das schärfsten Protest dagegen einlegte, als die Bonner Regierung eine Verfügung erließ, daß ab 1. Mai 1960 Verfolgungen nach dem »Kriegsverbrechergesetz« nicht mehr aufgerollt werden sollten, um den Kreislauf des Hasses endlich zu unterbrechen und eine gesunde Normalisierung des Lebens und der Verhältnisse zu ermöglichen. England ist aber nicht nur führend darin, daß Deutschland wirkliche und angebliche Kriegsverbrecher endlos weiterverfolgen muß; es ist auch führend in dem ungeheuerlichen Unterfangen, Deutschland die Untersuchung und Verfolgung von Kriegverbrechern zu verbieten, die von Anderen an Deutschen begangen wurden.

England war und ist zum Teil heute noch einer der Hauptbeteiligten an der Haß- Greuelpropaganda gegen Deutschland und das deutsche Volk. Sefton Delmer, ein britischer Publizist, war Secret Service Agent und seit 1940 Spezialist für politische Lügen und Fälschungen der Westalliierten. Über diese seine Tätigkeit berichtet Delmer in seiner Lebensbeichte »Die Deutschen und ich« (Nannen-Verlag, Hamburg) bis zur Selbstzerfleischung alle Untaten, die England während des Krieges auf diesem Gebiete vollbracht hat. In diesem Zusammenhang sei auch auf eine andere Tatsache verwiesen, daß England nicht nur selbst antideutsche Greuelhetze trieb, sondern auch seine Verbündeten dazu aufforderte und mit Material versorgte.

Der Pole Edward J. Rozek berichtet in seinem Buche »Allied Wartime Diplomacy – a Pattern in Poland«, New York 1950, über eine Anweisung des britischen Informationsministeriums vom 29. Februar 1944, durch Greuellügen gegen Deutschland die zu erwartenden Greuel der Sowjetarmeen zu übertönen.

Dieses Rundschreiben hatte nach Rozek folgenden Wortlaut:

171


Doppelt unglücklich sind diese dauernden Selbstbeschuldigungen auch noch deshalb, weil die dem deutschen Volke aufgeladenen Tatbestände ganz und gar unerwiesen, zum Teil offenkundig lügnerisch und verleumderisch und in jedem Falle auch dort, wo sie eine reale Basis haben, tausendfach übertrieben, verzerrt und verfälscht sind. Bei anderen Nationen wären solche Selbstbezichtigungen durch offizielle Persönlichkeiten und zu offiziellen Anlässen, auch dann nicht möglich, wenn sie der Wahrheit entsprächen.

Es zeigt sich zu allem überdies auch, daß solche Verbeugungen vor den Feinden Deutschlands völlig zwecklos sind.

Es ist eine ganz vergebliche Hoffnung, die Todfeinde Deutschlands durch diese Selbstbeschuldigungen zu einer Änderung ihrer feindseligen Einstellung und Gesinnung und ihres Hasses gegen Deutschland zu veranlassen oder gar, sie Deutschland gegenüber günstiger zu stimmen. Das gerade Gegenteil ist der Fall: Die unerhörte Behandlung Deutschlands, die maßlose Hetze gegen Deutschland und alle feindseligen Maßnahmen gegen Deutschland erhalten dadurch den Anschein von Gerechtigkeit und Berechtigung. Die Situation des deutschen Volkes wird durch die deutsche Bestätigung der Greuellügen, durch diese deutschen Selbstbeschuldigungen nur sehr verschlimmert und erschwert.


 
›Sir, ich bin vom Ministerium angewiesen, Ihnen folgenden Rundbrief zu übersenden: Es ist oft die Pflicht guter Bürger und frommer Christen, gegenüber ihren Verbündeten ein Auge zuzumachen. Aber es kommt die Zeit, da man zu Dingen, die bisher verheimlicht wurden, doch Stellung nehmen muß.

Wir kennen die vom bolschewistischen Diktator angewandten Herrschaftsmethoden in Rußland selbst und zwar aus den Artikeln und Reden des Premierministers (Churchill) im Verlauf der letzten zwanzig Jahre. Wir wissen, wie die rote Armee sich in Polen 1920 verhielt und was sie kürzlich in Finnland, Estland, Litauen, Galizien und Bessarabien getan hat.

Wir müssen daher damit rechnen, daß die Rote Armee sich ähnlich verhalten wird, wenn sie Zentraleuropa überrennt. Wenn wir nicht Vorsorge treffen, dann werden die augenscheinlich unvermeidbaren Schrecken, die sich dabei ergeben, die öffentliche Meinung bei uns sehr belasten. Wir können die Bolschewiken nicht bessern, aber wir können unser Bestes tun, um sie – und uns – vor den Folgen ihres Handelns zu schützen. Wir könnten heute die Enthüllungen aus den letzten 25 Jahren mit Schweigen zudecken. Wir könnten aber auch die öffentliche Meinung von dem, was geschehen ist, ablenken.

Die letzte Ablenkung ist aber erfahrungsgemäß die Entfachung einer gegen Deutschland gerichteten Greuelpropaganda. Unglücklicherweise ist die Öffentlichkeit nicht mehr so empfänglich wie in den Tagen der ›Leichenfabriken‹, der ›verstümmelten belgischen Kinder‹ und der ›gekreuzigten Kanadier‹.

Ihre Mitarbeit ist daher ernstlich erbeten, um die öffentliche Aufmerksamkeit von den Taten der Koten Armee abzulenken, und zwar durch Ihre volle Unterstützung der verschiedenartigsten Anklagen gegen die Deutschen und Japaner, wie sie bereits vom Ministerium in Umlauf gebracht wurden und weiter in Umlauf gebracht werden.

Ihre Darstellung dieser Anklagen mögen andere überzeugen.

Ich bin, Sir, Ihr sehr ergebener Diener. – gez. H. Hewett, Assistant Secretary.

172


Gerade der deutsche Staatsbesuch in England lieferte den Beweis hiefür: trotz der vielen de- und wehmütigen offiziellen Selbstbeschuldigungen, die dem Besuch Professor Heuß’ vorausgegangen waren und ihn begleiteten, war der ganze Staatsbesuch geradezu aufreizend demütigend und verletzend für das deutsche Volk. Die englischen Zeitungen schwiegen ihn teils tot, teils begleiteten sie ihn sogar, wie der »Daily Mirror«, mit beleidigenden, fulminanten Hetzartikeln. Der »Daily Mirror« leistete sich folgenden abscheulichen Hetzartikel:

»20. September 1958. Die guten Manieren von Professor Heuß können nicht die Natur jener Nation, die er vertritt, hinwegwaschen, einer Nation, die … die größte Kollektion von Verbrechern beherbergt, die die Welt jemals gekannt hat. Allein der Tod von zehn Millionen Juden lastet auf ihrem Gewissen – wenn sie eines haben.«

Allein die infame Lügenzahl von 10 Millionen getöteter Juden zeigt zur Genüge, mit welchen »Engländern« wir es beim »Daily Mirror« zu tun haben. Die englischen illustrierten Zeitungen ignorierten in beleidigender Weise den deutschen Staatsbesuch völlig und brachten nicht ein einziges Bild. Die Armensünder-Miene Professor Heuß’ beim Abschreiten der Ehrenkompanie der englischen Garde wurde nur als die selbstverständliche, angemessen demütige Haltung eines Vertreters einer überwiesenen Verbrecher-Nation registriert. Das Abschreiten der Ehrenkompanie hatte nicht den Charakter der Ehrung, die man dem Vertreter einer großen geachteten Nation erwies, sondern glich eher einem Spießrutengang. Mit Befriedigung registrierten die Zeitungen, daß Heuß auch nicht mit einem Blick die paradierenden roten Waffenröcke zu streifen, geschwiege denn auch nur einem einzigen englischen Soldaten ins Auge zu sehen wagte.

Die »Züricher Zeitung« berichtete dazu (22. Oktober 1958, S. 2):

»Die Kapelle spielte die deutsche Hymne mit auffällig wehmütiger Betonung.«

Die englische Königin Elisabeth II fand es für notwendig und richtig, beim Staatsbankett zu Ehren des deutschen Bundespräsidenten zu erklären:

»Nichts kann ja aus den Blättern der Geschichte gewisse Taten und Geschehnisse tilgen, die zu unseren Lebzeiten in Europa verübt worden sind.«

Ich weiß natürlich, daß die englische Königin ihre offiziellen Reden nicht selbst verfaßt, sondern daß sie ihr vorgeschrieben werden. Trotzdem finden wir ihre Worte weder für klug, noch für angebracht von seiten der Gastgeberin als Königin eines Staates, der es selbst so not-

173


wendig hat, daß über so viele Taten und Geschehnisse seiner Geschichte der Mantel des Schweigens und Vergessens gebreitet wird.

Am offiziellen Festbankett, das der Lordmajor von London zu Ehren des deutschen Staatsoberhauptes in der Guild Hall gab, nahmen viele Staatsmänner, Diplomaten, die Großen der Hochfinanz und der Wirtschaft teil, die die Gelegenheit dieses offiziellen Banketts zu einem beleidigenden Affront gegen Deutschland benützten. Ein Großteil der anwesenden prominenten englischen Persönlichkeiten weigerte sich, an dem bei solchen Gelegenheiten nach den internationalen Gepflogenheiten üblichen Toast teilzunehmen. Sie weigerten sich, beim Toast auf das deutsche Staatsoberhaupt mitzutrinken. Demonstrativ standen sie steif und unbeweglich; viele unterließen es sogar, das Glas auch nur in die Hand zu nehmen oder bis an die Lippen zu führen.

Welch ein Haß und welche Unerzogenheit gehören dazu, eine Einladung des Lordmajors von London zu einem Festbankett zu Ehren eines Staatsoberhauptes und dessen Landes anzunehmen und dem Ehrengaste dann die primitivste Höflichkeit zu verweigern! Diese Ungezogenheit ist ein Beweis für Unerzogenheit und mehr eine Beleidigung für die Gastgeber, als für den Gast; sie gereicht mehr dem Demonstranten zur Unehre und dem Lande, das sie bei diesem offiziellen Bankett vertraten, zur Beschämung, als dem Land und dessen Oberhaupt, die sie damit zu treffen meinten.

Gerade Professor Heuß mit seinem ehrlichen und unermüdlichen Bestreben um eine Verständigung und Versöhnung hatte diese Ungezogenheit und Unerzogenheit am wenigsten verdient.

Wir glauben, daß Heuß mit seiner betont reumütigen Anerkennung der Behauptungen der feindlichen Haßpropaganda unserem Lande schadete, jedenfalls weniger diente, als mit einem entschiedenen offenen Kampf um die Feststellung der Wahrheit.

Der Gegner, der uns gegenübersteht, ist ein bedingungsloser und erbarmungsloser Gegner, der sich vor der Wahrheit nur dann beugt, wenn ihn unsere Stärke dazu zwingt. Niemals aber wird ihn Schwäche zu einer Änderung seiner Gesinnung und seiner Vernichtungspolitik uns gegenüber veranlassen.

Die sehr bedauerlichen Vorfälle in England zeigen, daß dieser Kampf um die Wahrheit immer dringender und notwendiger wird. Die Greuelpropaganda hat in vielen Menschen so ungeheure psychische Verheerungen angerichtet, hat so restlos von ihnen Besitz ergriffen,

174


hat sie so völlig aus dem seelischen und logischen Gleichgewicht gebracht, daß bei ihnen jede Vernunft, jedes Überlegen und rationelle Denken ganz einfach ausgeschaltet ist.

Ein Engländer leistete sich im Zusammenhange mit der Diskussion über die Vorfälle beim deutschen Staatsbesuch in England folgenden ungeheuerlichen Ausspruch (ein würdiges Gegenstück zum Haßausbruch des »Daily Mirror« ):

»Wenn wir mit einem Deutschen zu tun haben, verliert er erst dann für uns ein penetrantes Odium der Unappetitlichkeit, wenn er uns beweisen kann, daß seine Hände, die wir schütteln, keine jüdischen Frauen erwürgt und keine slawischen Säuglinge als ›unerwünschte Bolschewistenbrut‹ erschlagen haben.«

Dazu ist zu sagen: Wie jemand beweisen soll, daß er kein Mörder ist, das muß uns dieser moralische Engländer erst zeigen. Und nichts weniger maßt er sich ja an, als diesen Beweis von jedem Deutschen zu fordern. Wie naiv und beschränkt muß ein Mensch sein, um der Greuelpropaganda so restlos zum Opfer zu fallen. Wir können aber dem moralischen Engländer für das ganze deutsche Volk versichern: Was immer auch wirklich geschehen sein mag, kein Deutscher hat jemals auch nur eine Judenfrau erwürgt oder slawische Säuglinge als unerwünschte Bolschewistenbrut erschlagen

Wenn wir schon von der englischen Intelligenz nicht erwarten können, daß sie es ablehnt, jede Greuellüge unbewiesen als wahr hinzunehmen, so erwarten wir doch von der englischen Fairneß, daß sie einen von ihnen selbst, von ihrer Regierung und ihrer Königin eingeladenen Gast nicht solcher verletzender Behandlung aussetzt, wie dies dem deutschen Staatsoberhaupte gegenüber geschah. Der eingeladene deutsche offizielle Gast wurde von denselben Engländern, die die Bolschewiken stürmisch und mit einer geradezu außer Rand und Band geratenen Begeisterung umjubelten, demonstrativ beleidigt und verletzt. Es rührte sich keine Hand, kein Ruf der Begrüßung ertönte; nur haßerfüllte Zeitungsartikel bildeten die Begleitmusik für den eingeladenen deutschen Gast.

Chruschtschow und Bulganin, den russischen Bolschewistenführern, wurde im selben königlichen London, das das deutsche Staatsoberhaupt den Gast der Königin und der Regierung, so verletzend empfing, bei ihrem Staatsbesuch von der Bevölkerung eine geradezu enthusiastische Begrüßung zuteil; sie wurden stürmisch umjubelt und gefeiert von denselben Engländern, die genau wissen, mit welch ungeheurer Blutschuld die Bolschewisten belastet sind, die aber nicht wissen und

175


nicht fühlen, daß es letzten Endes – wenn überhaupt, dann nur die Deutschen sein werden, die die gefeierten und umjubelten Russen daran hindern werden, in London Dauergäste zu werden.

Der deutsche Bundespräsident in Frankreich

Bei dem offiziellen Staatsbesuch des deutschen Bundespräsidenten in Frankreich war die ebenso korrekte, wie würdige und bescheidene Person Lübkes zwar keinen solchen schweren Beleidigungen ausgesetzt, wie Heuß bei seinem Besuche unserer englischen Vettern. Aber immer war verletzend offenkundig, daß de Gaulle einen großen Unterschied zwischen dem Empfang jedes anderen ausländischen Staatspräsidenten und jenem des deutschen Bundespräsidenten machte.

Während zum Beispiel Kennedy und Baudouin von de Gaulle bei dessen Begrüßungsansprache in besonders gefühlsbetonten Worten seiner »Amitié« versichert wurden, begnügte er sich bei Heinrich Lübke, ihn in höflichen Worten seiner »Considération« (Achtung) zu versichern. Lübke wurde auch nicht, wie Kennedy, im Präsidenten-Cabriolet Nr. 1 mit offenem Verdeck im Triumphzug an der Seite de Gaulles vom Flugplatz Orly in die Stadt geführt; er muß sich mit einem viel einfacheren Simca-Chambord mit geschlossenem Verdeck begnügen; er wird ohne jedes Aufsehen vom Flugplatz in die Stadt spediert. Lübke überreicht de Gaulle den Großkreuz-Verdienstorden und erhält das Großkreuz der Ehrenlegion. Höflich und dem primitivsten Takt entsprechend trägt Lübke am nächsten Tage in der Oper den französischen Orden. De Gaulle legt den ihm verliehenen höchsten deutschen Orden nicht ein einziges Mal an.

Die Fahrt zur üblichen Kranzniederlegung am Grabmal des Unbekannten Soldaten unter dem Arc de Triomphe erfolgt nicht wie üblich über die offizielle Zufahrtstraße, den Champs Elysées, sondern über eine Nebenstraße, die Avenue Marceau. Auf Wunsch de Gaulles blieb Lübke die übliche Zeremonie mit dem Schwert (zum Entfachen der Flamme) verwehrt. Die Kranzniederlegungszeremonie in der traditionellen Dauer von einer Stunde wird beim deutschen Bundespräsidenten in knappen 10 Minuten abgehaspelt. Lübke wird auch nicht, wie bei ausländischen Staatschefs üblich, durch de Gaulle oder den Ministerpräsidenten, sondern sinnigerweise durch den Landwirtschaftsminister begleitet. Der deutsche Nato-General Speidel muß auf Wunsch de Gaulles der Kranzniederlegung fernbleiben.

Will man so die Deutschen für sich gewinnen?

176


Der Karls-Preis der deutschen Krönungsstadt Aachen

»Es kommt nur darauf an, möglichst viele Deutsche zu töten. Ich verbünde mich mit jedem, der Deutsche töten kann.«

Nach seinem eigenen Bekenntnis in seinen Memoiren antwortete Churchill auf den sogar von Stalin eingebrachten Einwurf, ob denn nicht die Vertreibung von Millionen Deutschen und ihre Zusammenballung im deutschen Westen eine unerträgliche Überbevölkerung ergäbe: »Der verehrte Alliierte möge sich darüber keine Sorgen machen. Bis dahin hätte die Luftwaffe der westlichen Alliierten schon für eine entsprechende Dezimierung der deutschen Zivilbevölkerung gesorgt.«

Die berühmte alte deutsche Kaiserkrönungsstadt Aachen verlieh den höchsten Preis, den sie zu vergeben hat, an einen Ausländer; und zwar ausgerechnet an Winston Churchill.

Das deutsche Volk fragt sich, ob die deutsche Kaiserkrönungsstadt Churchill diesen höchsten Preis für seinen hervorragenden Anteil verliehen hat an der Überlassung von Schlesien, Pommern, West- und Ostpreußen an Polen und Rußland, seinen maßgeblichen Anteil an der Vernichtung und Austilgung des Deutschtums in diesen Gebieten, an der Austreibung von an die 20 Millionen Deutschen aus den Ostgebieten und Südostgebieten Europas und an der bestialischen Ermordung von Millionen von deutschen Männern, Frauen und Kindern bei dieser Gelegenheit.

Winston Churchill schreibt in seinen Memoiren, daß er den größten Teil seines Lebens damit verbrachte, Krieg gegen das deutsche Volk vorzubereiten und zu führen.

1924 erklärte er:

»Ich bin dafür, methodisch vorbereitete Bazillen absichtlich auf Menschen und Tiere loszulassen … Pest, um die Bevölkerung weiter Gebiete zu töten; das alles nenne ich fortschrittliche Kriegswissenschaft.«

Und 1925 erklärte er:

»Es wird sich das nächste Mal darum handeln, Frauen und Kinder, ja die Zivilbevölkerung überhaupt auszurotten.«

Das hat Churchill dann im Zweiten Weltkriege in Deutschland auch ausgeführt.

177


Churchill war es auch, der den Ausspruch tat:

»Nur ein toter Deutscher ist ein guter Deutscher.«

Was ihn für den deutschen Karlspreis ganz besonders qualifizierte.

Churchills »Verdienste« um Deutschland

Den preisverleihenden Stadtvätern sei empfohlen, wenigstens im Nachhinein die damit zusammenhängenden blutrünstigen Haßreden des gemütvollen Preisträgers, Herrn Churchill – nicht gegen den Nationalsozialismus, sondern gegen Deutschland und das deutsche Volk – zu lesen.

Am 15. Dezember 1944 berichtet Churchill dem britischen Unterhaus über das Ergebnis der Verhandlungen, die Churchill und Eden Mitte Oktober 1944 mit Stalin und Molotow über Deutschland führten:

»Es wird Polen freigestellt, ihr Staatsgebiet nach ihrer Wahl und ihrem Belieben auf Kosten Deutschlands nach Westen zu erweitern. Polen werde im Norden das ganze deutsche Ostpreußen südlich und westlich von Königsberg erhalten, einschließlich von Danzig, das eine der prächtigsten Städte der Welt, schon durch Jahrhunderte berühmt und ein großer Handelsumschlagplatz für die ganze Welt sei. Statt eines stets bedrohten und künstlichen Korridors, den man mühsam nach dem letzten Kriege errichtet habe, werden sich Polen nunmehr auf eine Grenze von 200 Meilen an der Ostsee erstrecken … Die Polen werden gesunde und lebenskräftige (deutsche) Gebiete mit hochentwickelter Industrie … erhalten … Gleichzeitig wird eine gänzliche Austreibung der Deutschen durchgeführt werden. Es wird eine Total-Austreibung der Deutschen aus allen Gebieten stattfinden, die den Polen zugesprochen sind. In diesen Gebieten, die Polen von Deutschland erhalte, werden die Polen aus den Gebieten angesiedelt, die Rußland erhält … Es wird keine Vermischung der Bevölkerung gewünscht … Eine solche Zwangsvertreibung sei die zufriedenstellendste und dauerhafteste Methode … Ich (Churchill) vermag nicht einzusehen, warum sich nicht in Deutschland Raum für die deutsche Bevölkerung Ostpreußens und der übrigen von mir erwähnten Gebiete finden lassen werde …«

Im Februar 1945 kamen die großen Drei auf Yalta in der Krim zusammen. Auf dieser Yalta-Konferenz wurde die Abtretung ganz Ostdeutschlands an Polen und die Austreibung der Deutschen aus den abgetretenen Gebieten beschlossen. In der Sitzung vom 7. Feber 1945 sagte Churchill:

178


»Im Hinblick auf die Oder-Neisse-Grenze möchte ich erklären, daß ich immer die Ausdehnung der Polen nach Westen, also auf Kosten Deutschlands anerkannt habe. Die Polen sollen Freiheit erhalten, soviel deutsche Gebiete zu übernehmen, als sie wünschen. Ich möchte die polnische Gans aber nicht nudeln, bis sie an Verdauungsstörungen durch zuviel deutsches Gebiet eingeht. Ich bin mir auch bewußt, daß viele Engländer über den Gedanken entsetzt sind, Millionen von Menschen gewaltsam umzusiedeln. Ich persönlich bin darüber nicht entsetzt … Wir haben sechs bis sieben Millionen Deutsche getötet, sodaß es in Deutschland Platz für die Ostdeutschen gibt!«

Am 27. Februar 1945 berichtete Churchill vor dem britischen Unterhause:

»Darüber hinaus sind die drei Mächte übereingekommen, daß Polen im Norden und Westen wesentlichen Gebietszuwachs (auf Kosten Deutschlands) erhält. Wir brauchen nicht zu fürchten, daß die Aufgabe, die neue Grenzlinie zu halten, sich als zu schwer für die Polen erweisen, oder eine neue deutsche Revanche heraufbeschwören wird oder künftige Kriege in sich tragen werde. Wir gedenken weitaus drastischere und wirksamere Maßnahmen als nach dem letzten Kriege ergreifen, weil wir jetzt mehr von diesem Geschäft verstehen, sodaß ein offensives Vorgehen von Seiten Deutschlands auf Generationen hinaus gänzlich unmöglich gemacht werden wird … wir lassen uns gegenüber Polen und der UdSSR von dem Grundsatz leiten, daß wir jeden unterstützen, der … diese Hunnen (Deutschen) töten kann.«

Bedürfen solche Reden überhaupt noch eines Kommentars? Dabei ist die verhängnisvolle Rolle Churchills darin noch lange nicht erschöpft, daß er bei der Preisgabe des deutschen Ostens an den Kommunismus, der Vernichtung des Deutschtums und der Vertreibung und Ermordung vieler Millionen Deutscher die Führung inne hatte. Winston Churchill war der Hauptverantwortliche für die Terrorangriffe der britischen Luftwaffe gegen die Zivilbevölkerung der deutschen Städte. Churchill ist auch der Mörder von Dresden. Der Angriff auf Dresden – der allein an die 300.000 deutschen Zivilpersonen, hauptsächlich Frauen und Kindern einen unvorstellbar grausamen Tod brachte – erfolgte auf ausdrücklichen Befehl Winston Churchills, da dieser zur Konferenz nach Yalta eine »aufmunternde Nachricht« mitbringen wollte.1


1
Vgl. hiezu das 1961 (1600 Seiten umfassende) Standardwerk über die »Strategische Luftoffensive gegen Deutschland 1939 bis 1945«. Verfaßt im Auftrage des britischen Verteidigungsministeriums von Sir Charles Webster und Noble Frankland.

179


Churchill ist nicht nur der Hauptschuldige an der Austreibung der Millionen Deutschen aus dem Osten; er ist auch der Hauptschuldige an den vielen Hunderttausenden von Morden, die bei dieser Austreibung an der deutschen Bevölkerung begangen wurden. Der exilpolnische Ministerpräsident Mikolajczyk bezeugte, daß Churchill ihm gegenüber im Jahre 1944 seinen wahrhaft teuflischen Willen und seiner ungeheuerlichen Erwartung Ausdruck gab, daß die ostdeutsche Bevölkerung im Zuge der gemeinsam geplanten und abgesprochenen Vertreibung von den Sowjets liquidiert werden würde.

Winston Churchills immer wieder geäußerte Hauptsorge war die Dezimierung und möglichste Schwächung des deutschen Volkes; an ihr hat er den größten Anteil.1

Im Jänner 1965 starb eben dieser Winston Churchill, der Mann, der den Tod von Millionen deutscher Frauen und Kinder und die Schändung hunderttausender deutscher Frauen auf dem Gewissen hat. Der englische Unterhausabgeordnete Emrys Hughes kommt in seiner Untersuchung der Persönlichkeit Churchills zu dem vernichtenden Urteil:

»Es ist kaum eine Übertreibung, wenn man feststellt, daß jeder politische Triumph Winston Churchills eine Tragödie für sein Land, für die Welt oder für beide gewesen ist …«

(»Churchill – ein Mann in seinem Widerspruch«, deutsch bei Schlichtenmayer, Tübingen.)

Man kann Churchill als den Totengräber des britischen Imperiums und der Vorherrschaft der weißen Rasse nennen. Seine Politik hatte den hervorragendsten Anteil daran, daß das britische Weltreich zerschlagen wurde und nie wieder erstehen wird.

Tiefste Trauer erfüllt uns bei seinem Tode; aber nicht seiner verhängnisvollen Gestalt willen, sondern um die Millionen unschuldiger Opfer, die er auf dem Gewissen hat.

Blütenlese von Churchill-Zitaten

»Die Gesamtdeutsche Warte«, Hamburg, bringt in einem Bericht eine Sammlung historischer Aussprüche Churchills, des Karls-Preis-Trägers der Stadt Aachen, die in das Gedenkbuch dieser Stadt eingetragen werden sollten:


1
Für 1964 ging der Karlspreis an Italien. Er wurde dem Staatspräsidenten Segni verliehen. Für seine Verdienste um die Entdeutschung Südtirols.

180


Februar 1915, Interview im »Matin« (Paris):

»Ich werde Deutschland an der Kehle packen, bis sein Herz aussetzt …«

März 1919 (Aufrechterhaltung der Hungerblockade nach dem Ersten Weltkriege):

»Wir halten alle unsere Zwangsmittel in voller Wirksamkeit aufrecht. Deutschland ist dem Verhungern nahe …«

1936:

»Wir werden Hitler den Krieg aufzwingen, ob er will oder nicht.«

1937 (zu Ribbentrop):

»Wenn Deutschland stark wird, wird es wieder zerschlagen werden …«

(Zu Baruch):

»Der Krieg kommt sehr bald! Wir werden dabei sein!«

(vor dem Polenfeldzug):

»In diesen letzten Wochen vor der Entscheidung war es meine Hauptsorge, daß die britische Regierung trotz unserer Garantie vor einem Kriege zurückschrecken könnte …«

1939, 3. September (im Rundfunk):

»Dieser Krieg ist Englands Krieg! Sein Ziel ist die Vernichtung Deutschlands … Vorwärts, Soldaten Christi!«

(als neuernannter Premierminister):

»Ich führe keinen Krieg mit Hitler, sondern einen Krieg mit Deutschland.«

(in einem Telegramm an den jugoslawischen Ministerpräsidenten, wörtlich auch 1953 in seine Kriegserinnerungen übernommen):

»Das deutsche Volk besteht aus 60 Millionen Verbrechern und Banditen!«

Beim Kriegsein tritt der USA (Dezember):

»Das ist das Ziel, von dem ich geträumt, das ich ersehnt und auf das ich hingearbeitet habe; jetzt ist es Wirklichkeit geworden.«

1952 (Im I. Bd. der Weltkrieg-II-Memoiren, S. 162, 163):

»Über 400 Jahre ist es das Ziel der Außenpolitik Englands gewesen, sich der stärksten, aggressivsten, vorherrschenden Macht auf dem Kontinent gegenüberzustellen. Die Frage ist nicht, ob es Spanien ist, oder die französische Monarchie oder das französische Kaiserreich oder das Hitlerregime. Es hat nichts zu tun mit Herrschern oder Nationen, sondern es richtet sich einfach darnach, wer jeweils der stärkste oder möglicherweise der beherrschende Tyrann ist.«

1953, im Oktober in Margate:

»Ich habe einen großen Teil meines Lebens damit verbracht, gegen die Deutschen Krieg zu führen oder Vorbereitungen hierfür zu treffen.«

Das gibt es

Für eine gewisse Gruppe von Menschen genügt es, daß Winston Churchill der größte Deutschenhasser war, um seine Person mit einer Gloriole zu umgeben. Walter Hofer, wie Kogon einer der deutschen

181


»Nach-1945-Professoren«, versteigt sich soweit, Churchill als »größten Staatsmann unserer Zeit« zu bezeichnen. Hofer fordert in einem Aufruf die Gründung eines »Winston-Churchill-Fonds«, der für alle Zeit »an den Kampf des großen Mannes« erinnern soll. Der Schweizer Walter Hofer, ist durch seine sehr umstrittene Tendenzschrift »Die Entfesselung des Zweiten Weltkrieges« unliebsam bekannt geworden. Die unwissenschaftliche Tendenzschrift und die ebenso tendenziöse Wald- und Wiesenzusammenstellung von NS-Dokumenten in einer Taschenbuchausgabe legitimierten diesen Ausländer (Schweizer) für die Würde eines »deutschen Professors«. Es blieb diesem »Professor« vorbehalten, den geistig auf keiner Höhe stehenden, haßbeschränkten Zerstörer der europäischen Freiheit und Totengräber des britischen Imperiums (er bestand nicht einmal die Aufnahmsprüfung in eine englische Kadettenschule, trotzdem er dem britischen Hochadel angehörte!) als »größten Staatsmann unserer Zeit« zu feiern! Wenn Churchill noch leben würde, würde er sicher seinerseits Herrn Hofer »als größten Historiker unserer Zeit« feiern.

Deutsches Glückwunschtelegramm an Churchill

Aus Anlaß des 79. Geburtstages eben dieses Winston Churchill richtete der sehr verehrte, um Deutschland so hochverdiente deutsche Bundeskanzler folgendes Glückwunsch-Telegramm an diesen:

»Zum 79. Geburtstag übersende ich Ihnen, Herr Premierminister, meine aufrichtigsten Glückwünsche. Das deutsche Volk weiß sich mit allen freien Völkern einig in dem Wunsch, daß es Ihnen noch lange vergönnt sein möge, Ihre nie ermüdende Energie, Ihre weise Voraussicht und ihre in der Vergangenheit so oft bewährte Tatkraft zum Schutze der Freiheit und zur Aufrechterhaltung des Friedens wirken zu lassen.«

Die Mehrheit des deutschen Volkes war über die Verleihung des Karls-Preises an Churchill tief betroffen, um nicht mehr zu sagen. Das Telegramm verursachte bei der Mehrheit des deutschen Volkes lähmende Bestürzung. Das Telegramm mochte vielleicht politisch klug, vielleicht sogar notwendig gewesen sein; psychologisch wirkte es auf das deutsche Volk verheerend und niederdrückend. In der ganzen tausendjährigen Geschichte der Beziehungen zwischen Deutschland und England gab es keine für die Deutschen verhängnisvollere Gestalt, keine Person, die furchtbareres Verderben über Deutschland und Europa brachte, als Winston Churchill. Entgegen der Auffassung, die das Telegramm zum Ausdruck bringt, war Churchill kein Staats-

182


mann;1 er war ausschließlich ein ehrgeiziger, sehr beschränkter, sturer und karrieresüchtiger politischer Pokerspieler. Ursprünglich war er Deutschland nicht feindlich gesinnt. Er wurde erst zum wütenden Gegner Deutschlands, als er erkannte, daß Gegnerschaft gegen Deutschland einen Politiker in England populär machte und politische Karriere versprach, ohne daß man dazu besonderer Qualitäten und Kenntnisse bedurfte, deren Winston Churchill – nach der Meinung vieler seiner Landsleute und Zeitgenossen – in weitem Maße ermangelt.

Es ist der Verdienst Roosevelts und Churchills, Europa an den Rand der Vernichtung gebracht und die Bolschewiken zu einer Weltmacht gemacht zu haben.

Es ist ein krasser Widerspruch zur historischen Wahrheit, daß Winston Churchill seine Tatkraft zum Schutze der Freiheit und zur Aufrechterhaltung des Friedens wirken ließ. Er war einer der Hauptdränger zum Zweiten Weltkriege; er ließ auch die Weltöffentlichkeit nicht im geringsten Zweifel, daß für ihn der Krieg gegen Deutschland nicht etwa ein Krieg für die Freiheit, nicht etwa ein Krieg gegen den Nationalsozialismus, sondern ein rein englischer Krieg war, der ausschließlich um englischer Interessen willen geführt wurde.

In einer Rundfunkansprache erklärte er ausdrücklich:

»Dieser Krieg ist ein englischer Krieg und sein Ziel ist die Vernichtung Deutschlands.«

Den Agenten des Widerstandes in der Schweiz wurde ausdrücklich und unmißverständlich erklärt (zitiert nach Peter Kleist »Auch du warst dabei«):

»Sie müssen sich klar darüber sein, daß dieser Krieg nicht gegen Hitler oder den Nationalsozialismus geht, sondern gegen die Kraft des deutschen Volkes, die wir für immer zerschlagen wollen, gleichgültig, ob sie in den Händen Hitlers oder eines Jesuitenpaters liegt.«2


1
Vgl. hiezu Hughes Emery »Churchill – Ein Mann in seinem Widerspruch«, Verlag Schlichtenmauer, Tübingen.
2
Daß es den Engländern nicht um den deutschen Nationalsozialismus, sondern um Deutschland schlechthin geht, zeigte sich auch kraß in der Haltung Englands bei der Außenministerkonferenz der Alliierten vom März 1947. Als Molotow den Antrag stellte, durch gesamtdeutsche Wahlen eine gesamtdeutsche Regierung und damit einen gesamtdeutschen Staat zu schaffen, lehnten die Westmächte diesen Antrag ab. Der britische Außenminister Bevin erklärte hiebei ausdrücklich, England sei es ganz gleich, ob die künftige deutsche Regierung monarchistisch, demokratisch oder kommunistisch sein würde; auf jeden Fall würde eine gesamtdeutsche Regierung gefährlich sein.

183


Selbst wenn politische Klugheit das Telegramm an sich rechtfertigen würde, dann ist doch die Textierung sehr deprimierend. Ich hätte es in tausend Jahren nicht abgeschickt. Für jeden, der die Geschichte und die verhängnisvolle Rolle Churchills in den letzten Jahrzehnten kennt, für jeden, der weiß, daß es Churchill war, der schon in Ottawa mit Roosevelt einmütig den furchtbaren Plan zur Gesamtaustreibung der Deutschen aus dem Osten beschloß und damit zum hauptsächlichen Mitschuldigen an den millionenfachen Morden an deutschen Frauen und Kindern wurde, war dieses Glückwunschtelegramm wie die Verleihung des Karls-Preises an Winston Churchill ein Faustschlag mitten ins deutsche Antlitz.

Und noch einmal der Karls-Preis der »Deutschen« Stadt Aachen

Der Karls-Preis der »deutschen« Stadt Aachen soll durch die »Karls- Preis-Gesellschaft der Stadt Aachen« an einen »konsequenten Verfechter der Europäischen Idee« vergeben werden. Der europäische Karls-Preis droht immer mehr – von der Liste der Karls-Preis-Träger her gesehen – zu einem »uneuropäischen Karls-Preis« zu werden. Es ist fast zu einer unerquicklichen Aufgabe geworden, sich die Liste der Karls-Preis-Träger zu betrachten. Er wurde Persönlichkeiten zugesprochen, die dem deutschen Volke – wie u. a. Churchill – unsagbares Leid zugefügt haben.

1967 wurde der Karls-Preis dem holländischen Außenminister Luns zuerkannt, der kurz vor der Verleihung am 28. Dezember 1966 vor seinem Parlamente, der Zweiten Kammer der Generalstaaten sich dazu bekannte, einen wesentlichen Teil Europas, nämlich die deutschen Ostgebiete, dem Kommunismus preiszugeben. Dieser sonderbare Preisträger eines »deutschen« Preises erklärte:

»Die niederländische Regierung … würde keinerlei Bedenken tragen, wenn der Friedensvertrag die Oder-Neisse-Grenze als endgültige deutsche Ostgrenze festlegen würde.«

Die Verleihung des deutschen Karls-Preises an einen solchen Feind Deutschlands ist eine Herausforderung, die dem deutschen Volk ins Gesicht schlägt. Die Karls-Preis-Gesellschaft macht sich damit zum Handlanger der Politiker des Verzichtes und der Preisgabe urdeutschen Landes.

184


Der deutsche Schiller-Preis der Stadt Mannheim

Gleich unverständlich wie die Verleihung des Deutschen Karls-Preises an Winston Churchill, den Todfeind Deutschlands, ist die Verleihung des deutschen Schiller-Preises. Die Stadt Mannheim, in der Schillers Drama »Die Räuber« seine Uraufführung erlebte, und der Kultusminister von Baden-Württemberg haben den Schillerpreis des Gedenkjahres 1959 dem Schweizer Dichter Friedrich Dürrenmatt zuerkannt. Gab es in Deutschland wirklich niemanden, der dieses Preises würdig gewesen wäre? Spüren die Verantwortlichen nicht, daß durch die Verleihung des Preises ins Ausland der Eindruck erweckt werden könnte, man wolle dadurch das Lob und das Wohlwollen des Auslandes erbetteln?

Anselm, Bern, schreibt über Dürrenmatt (»Neues Europa«, Heft 1/63, Seite 57):

»Seit Jahren ist Dürrenmatt darauf bedacht, den Kitzel der biederen Bürger aller Welt zu dienen, indem er ihnen als gewandter Kabarettist, der die Effekte wohl berechnet, Abnormitäten, Zoten, Verbrechen, Prasserei und Stumpfsinn aller Art in bunter Folge und Mischung auftischt. Es muß für Dürrenmatt ein besonderes Vergnügen sein, daß gerade die Bürger, denen er diese Ware liefert, ihn als den großen Dichter und Dramatiker deutscher Zunge feiern …

Dürrenmatt wäre nicht Dürrenmatt, wenn ihm dieser Rummel nicht Spaß bereitete. Er machte aus der Verleihung des Schiller-Preises einen Witz; er wird darüber gelacht haben, daß man ihm die Gelegenheit dazu gab, obwohl er mit Schiller ganz und gar nichts gemein hat und auch nichts gemein haben will. Wer Dürrenmatt kennt, konnte gar nichts anderes erwarten, als was in Mannheim geschah. Während das Preisgericht und die Festgäste im Frack, der Mannheimer Oberbürgermeister im vollen Prunkornat seines Amtes und mit feierlichen Mienen angetreten waren, um dem Preisträger mit Musik und wohlgemessenen Reden zu huldigen, erschien Dürrenmatt mit Mütze in Sportjacke und Alltagshose, nahm die 10.000 Mark in Empfang und verkündete dann in einer schnoddrigen Rede, daß er mit Schiller nichts anzufangen wisse.

Er erklärte, zu Schiller habe er nie ein Verhältnis finden können. Er wolle lieber einen Bogen um ihn machen, weil ihm Schillers dramatischer Sinn für Effekte nicht weniger dick als in Hollywood erschiene. Und überhaupt vermöge er die klassischen Dichter nicht als heilige Güter der Nation zu erkennen. Dafür hielt er eine Lobrede auf den kommunistischen Dichter der Dreigroschenoper, Bert Brecht. Brecht sei in der Gegenwart der bedeutendste deutsche Dramatiker und

185


Brechts Werk und sein Streben (nicht das Schillers) müsse Anerkennung und Nachahmung finden.

Man kann Dürrenmatt keinen Vorwurf machen. Er war ganz Dürrenmatt. Betrüblich ist nur, daß Schillers Name … dazu diente, einem Possenreißer zu huldigen … der erklärt, es gäbe keine Völker mehr, sondern nur Massen, und die Vaterlandsliebe sei bloß noch Treue zur Firma …«

Von solchen »Kulturträgern« und »Schiller-Preis-Trägern« kann Schiller allerdings nicht verstanden werden.

Wer wird der nächste »Schiller-Preis-Träger« sein?

Der deutsche Bundespräsident und Hemingway

Der deutsche Bundespräsident war schlecht beraten, als man ihm ein Telegramm zur Unterschrift vorlegte, in dem er der Witwe Hemingways »das Beileid des deutschen Volkes« aussprach und in dem es heißt:

»Ernest Hemingway ist für viele Deutsche mehr gewesen als ein großartiger Schriftsteller, in dessen Vorstellungswelt und Sprache sich unsere Zeit so treffend wiederspiegelt. Die deutschen Leser haben ihn, der wie sie selbst zweimal durch das Inferno schrecklicher Weltkriege gegangen ist, als einen Sprecher ihrer Generation empfunden.

Das Andenken an Ernest Hemingway wird in Deutschland fortleben.«

Dieser selbe Hemingway schrieb über Deutschland:

»Wenn dieser Krieg gewonnen ist, sollte Deutschland so gründlich zerstört werden, daß wir es für 100 Jahre nicht mehr zu bekämpfen haben; aber wenn richtig ausgeräumt wird, überhaupt nicht mehr. Dies kann nur durch Sterilisation geschehen.«

Auch ohne diesen Haßausbruch ist das Werk Hemingways nicht so bedeutend, um aus seinem Ableben einen Trauerfall für Deutschland zu machen. Bezeichnend ist die Geschichte mit dem Nobel-Preis. Als Hemingway die Nachricht erhielt, daß er für seine Erzählung »Der alte Mann und das Meer« den Nobel-Preis erhalten habe, lachte er schallend. Dasselbe hatte auch ich getan.

Ein deutscher Kanzler-Kandidat: Eine Million Deutsche zuwenig umgebracht

Erscheint es nicht unfaßbar, daß in Deutschland ein Politiker für die Kanzlerschaft kandidieren kann, der es noch 1957 bedauert haben soll,

186


daß 1945 nicht noch zusätzlich eine Million Deutscher in Deutschland umgebracht wurde? Als Draufgabe zu den gehenkten deutschen Generälen.

Frahm-Brandt, Vorsitzender der SPD, soll am 26. März 1957 der führenden dänischen Tageszeitung »Politiken« ein ungeheuerliches Interview gegeben haben, daß die »DWZ«, Hannover, in ihrer Nummer vom 11. März 1961 auszugsweise auf Seite 1 bringt. Darnach gab Frahm-Brandt folgende ungeheuerliche und unfaßbare Erklärung ab, in der es unter anderem heißt:

»Das deutsche Volk leidet darunter, daß es nie eine echte Revolution gehabt hat. Die Chance gab es 1945; aber die Alliierten verdarben sie … Deutschland, würde, historisch gesehen, gut getan haben, wenn – lassen sie uns sagen – eine Million Schurken und auch einige tausend Kreisleiter und darüber von ihren eigenen Landsleuten ins Jenseits expediert worden wären.«

Es ist ganz unverständlich, wie ein Deutscher ein so ungeheuerliches Interview in einer ausländischen Zeitung gegen Deutschland geben kann.1 Es ist unverständlich, wie ein Mann, der offen bedauert, daß man nicht eine Million deutscher Mitbürger umgebracht hat, als deutscher Kanzler kandidieren kann.

Was für Stümper waren doch Stalin und Roosevelt junior in ihrem Deutschenhaß gegen Frahm-Brandt, der es nicht unter einer Million ermordeter Deutscher tut. Wie kann politischer Haß soweit gehen, die Ermordung einer Million Mitbürger zu wünschen. Wer so etwas wünscht, kann doch sittlich nicht zum Kanzler des gesamten deutschen Volkes berufen sein. Vielleicht zum Oberhaupt eines kommunistischen Klassenstaates, der wir doch noch lange nicht sind.

Vom ersten Kriegstage an war es klar und wurde mit jedem Tage für jeden Einsichtigen klarer und offenkundiger, daß dies nicht ein Krieg gegen Hitler, sondern ein Krieg gegen das deutsche Volk war.

Man erwartete und forderte von den Emigranten, daß sie an diesem Kriege gegen Deutschland und das deutsche Volk teilnahmen. Nur allzuviele Emigranten waren hierzu bereit, obwohl jeder greifbar füh-


1
Jedenfalls übertrifft Frahm-Brandt mit seinen Tötungsabsichten gegen deutsche Mitbürger noch weit die Mordlust Stalins und des jungen Roosevelt an Deutschen. Am 27. November 1943 brachte Stalin in Yalta beim Treffen mit Roosevelt und Churchill den Trinkspruch aus:

»Ich trinke auf unseren gemeinsamen Willen, nach dem Siege mindestens 50.000 deutsche Offiziere zu erschießen.«

Und Elliot Roosevelt, der Sohn, sprang begeistert auf und trank Stalin zu: »Ich hoffe, daß wir nicht bei 50.000 Halt machen, sondern auf ein paar Hunderttausend kommen!«

187


len mußte, was selbstverständlich war: daß man jeden, der gegen sein eigenes Volk und seine eigene Heimat auftrat, im Innersten verabscheute und verachtete. Diese Emigranten verloren die Achtung ihres Landes und ihres Volkes, ohne dafür die Achtung der Feinde ihres Volkes zu erwerben. Sie erniedrigten sich zu Handlangern von Menschen und Mächten, denen es nicht um den Sturz des Regimes, sondern um die Entmachtung Deutschlands und die Vernichtung des deutschen Volkes ging. In jedem anderen Lande, vor allem in England und Frankreich, hätten sich Menschen, die sich so gegen ihr Volk und ihr Land vergingen, den Rückweg in ihre Heimat verbaut. Lord Amerys Sohn war während des Krieges nur Radiosprecher in Deutschland. Für diese antibritische Tätigkeit wurde er nach dem Kriege in England gehenkt. So behandelte England seine freiwilligen Emigranten. Wer hätte auch Menschen, die sich an der Vernichtungspropaganda und an dem Vernichtungskampf gegen ihr eigenes Volk teilnahmen, je wieder mit Achtung begegnen können?

In Deutschland aber wurden Menschen, die an der militärischen Niederringung ihres Vaterlandes, an der Ermöglichung der Verwirklichung des grauenhaften Morgenthau-Planes, der Austreibung von 20 Millionen Deutschen, der Lynchjustiz in den sogenannten Kriegsverbrecherprozessen usw. mitgewirkt hatten, mit den höchsten politischen Ämtern und Würden bedacht. Mit Betroffenheit erinnert man sich dabei an die harten Worte Madame von Staels, die einmal über die Deutschen sagte:

»Die Deutschen träumen viel von Charakterstärke, sie möchten sie gerne, sie begreifen sie theoretisch, aber in der Praxis fehlt sie ihnen oft«.

Ein unerfreulicher Prozess

Vor der 10. Großen Strafkammer des Westdeutschen Landgerichts wickelte sich ein Prozeß gegen den 39jährigen Lothar Brenner, den Chefredakteur der früheren Wochenzeitungen »7-Uhr-BIatt« und »Wochen-Echo« ab. Brenner ist beschuldigt, Herrn Frahm-Brandt durch eine Artikelserie »Hier drückt uns der Schuh« politisch verleumdet und durch üble Nachrede beleidigt zu haben. Die »NZ« Nr. 30 vom 25. Juli 1965 berichtete ausführlich über diesen unliebsamen Prozeß.

Der Welt wurde auch zur Kenntnis gebracht, daß Frahm-Brandt eine Reihe von Büchern herausgegeben habe, die von vielen deutschen Bürgern als deutschfeindlich empfunden und nicht von jedermann als für einen deutschen Kanzlerkandidaten als passend empfunden

188


werden, so unter anderem das Buch »Forbrytere og andere Tyskere« (Verbrecher und andere Deutsche), das 1946, also zu einem Zeitpunkte erschien, als die ganze Welt von Haß gegen Deutschland erfüllt war; das Buch war sicher nicht geeignet, diesen Haß gegen das deutsche Volk zu mindern, sondern nur noch mehr zu vertiefen.

Der Hauptvorwurf, der gegen Frahm-Brandt erhoben wird, ist, daß er mit der Waffe in der Hand in norwegischer Uniform gegen deutsche Soldaten gekämpft haben soll und daß er auch in Spanien auf Seiten der Kommunisten tätig gewesen sei und daß die Behauptung, er sei dort nur als Berichterstatter skandinavischer Blätter tätig gewesen, vom angeklagten Brenner mit der Versicherung abgewiesen wird, er habe trotz eifriger Nachforschung in den skandinavischen Blättern jener Zeit auch nicht einen einzigen Spanienbericht aus der Feder Willy Brandts entdecken können.

Hoffentlich wird dieser Prozeß Herrn Frahm-Brandt gründlich und eindeutig von diesen Vorwürfen reinigen; nach meiner Meinung wäre es ganz ungeheuerlich, wenn solche Vorwürfe gegen einen deutschen Kanzlerkandidaten zurecht gemacht werden könnten.

Das deutsche Volk scheint eine verhängnisvolle Neigung für die Führung durch Männer zu haben, die möglichst wenig gelernt und niemals einen geregelten Beruf ausgeübt haben.

Wenn man die bis 1945 – meines Erachtens – unbürgerliche Lebensführung Brandts verfolgt und seine primitiven politischen Ansichten kennen lernt, kann einem angst und bange werden, daß Deutschland einem solchen Manne politisch ausgeliefert werden könnte. Tief besorgt sieht man einer Zukunft entgegen, daß Brandt deutscher Kanzler werden könnte. Es läuft einem kalt über den Rücken, daß ein Mensch, der folgende politische Ansichten äußert und eine so katastrophale Einstellung zum Kommunismus hat, wie sich aus seinen schriftlichen Ergüssen ergibt, Kanzler werden könnte. In seinem Buche »Verbrecher und andere Deutsche« (schon aus diesem ungeheuerlichen Titel ergibt sich die katastrophale politische Instinktlosigkeit und die nationale Würdelosigkeit Brandts) schreibt er:

»… In Wirklichkeit fand sich kein größerer Unterschied zwischen den beiden Arbeiterparteien (KPD und SPD).«

Über die sowjetischen Kriegsverbrechen und über die Schändung deutscher Frauen sagte er folgende Ungeheuerlichkeit:

189


»Man soll sich weiterhin klar darüber sein, daß Schändungsgeschichten die Eigenschaft haben, die Phantasie der Leute in Schwung zu bringen; ich werde nie eine Frau unter den Flüchtlingen in Hamburg vergessen, die es offenbar genoß, vor einem zahlreichen Publikum zu berichten, wie oft sie vergewaltigt worden sei.«

Über die Sudetendeutschen:

»Eine große Anzahl von Sudetendeutschen beging Verrat gegen die CSSR, die ihnen trotz allem (!) sehr große Minderheitsrechte gegeben hatte.«

Herr Brandt lehnt leidenschaftlich den Verdacht ab, deutscher Nationalist zu sein; das hält er für einen deutschen Kanzler offenbar als schrecklich. Nicht schrecklich aber ist für ihn, sich als norwegischer Patriot und Nationalist zu deklarieren. Er veröffentlicht keine Schrift über »Deutschlands Lebenskampf«; aber er fühlt sich gedrängt zu einer Schrift »Norwegens Freiheitskampf 1940–1945«, die ihn mir als norwegischen Nationalisten erscheinen läßt. Am Schlusse dieser Schrift spricht er in Lobestönen von der Nürnberger Rachejustiz der »Sieger«:

»Das stellte zweifellos einen geschichtlichen Fortschritt dar. Das gab den Nationen, auch den kleinen, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft … Durch den Nürnberger Prozeß wurde festgelegt – und darin lag seine weitreichende Bedeutung – daß Angriffskriege Verbrechen sind …«

Abgesehen davon, daß die Schuld am Ausbruche des Zweiten Weltkrieges eine sehr geteilte war, haben wir seither über vierzig klare Angriffskriege ohne die Deutschen zu verzeichnen. Über vierzig Galgen ragen heute einsam im moralischen Raum und warten auf die dazu gehörigen Angreifer, ohne das das Herrn Frahm-Brandt im geringsten irritiert. Für den deutschen Kanzlerkandidaten Brandt sind anscheinend nur deutsche Angreifer und Kriegsverbrecher interessant.1

Das alles aber ist niederschmetternd! Und dieser Mann soll politischer Führer des deutschen Volkes werden! Und dieser Mann ist heute Führer der großen sozialistischen Partei!

Man kann Hitler sicher vieles anlasten; aber eines wird man ihm immer zugute halten müssen: er hat die unendliche Gefahr des Bol-


1
Wer über die Emigrationszeit des Vizekanzlers sich informieren will, muß die von ihm selbst autorisierten Texte seiner Veröffentlichungen von 1933 bis 1945 lesen. Mehr als diese eindrucksvollen Selbstenthüllungen braucht man über Herrn Brandt nicht zu wissen.

190


schewismus klar erkannt und das deutsche Volk vor dem Kommunismus bewahrt. Brandt mit seinen katastrophalen politischen Ansichten wird – auch ohne es zu wollen – das deutsche Volk geradewegs in den von ihm so in Schutz genommenen Kommunismus (»den kein größerer Unterschied von der SPD trennt«) führen.

Die Zeit bis 1945 hat unser Volk in einen Zusammenbruch geführt, aus dem beharrlicher Fleiß und harte Arbeit das deutsche Volk wieder herausgeführt haben. Brandts Unberufenheit zu einem politischen Führeramte, wird uns wahrscheinlich in den bodenlosen Abgrund des Kommunismus, in ein armseliges, lebensunwertes Dasein, in eine Verdammnis der Unfreiheit und der wirtschaftlichen Not und Bedrängnis führen. Die einst blühenden und reichen Staaten, die jetzt unter kommunistischer Wirtschaft armselig dahinvegetieren, stehen als lehrreiche und abschreckende Beispiele vor uns. In diesen Staaten führen nur die politischen Apparatschikis als fette Drohnen ein prächtiges Leben; die Gesamtheit des Volkes aber lebt in einer Hölle der politischen Unfreiheit, aus der nur ein Wunder sie retten kann.

Die Herren Söhne in den Fusstapfen des Herrn Deutschen Aussenministers und Kanzlerkandidaten

Ich muß es mir aus Gründen des Anstandes und des guten Geschmackes versagen, mit den einzig gebührenden Worten und in der einzig gebührenden Weise zur widerlichen Geschichte des Auftretens der Söhne Brandts in dem abscheulichen Film »Katz und Maus«. Die »DWZ« vom 6. Jänner 1967 schreibt dazu:

»Der Sohn des Ex-Norwegers und derzeitigen bundesdeutschen Außenministers Frahm-Brandt spielt im Onanistenfilm ›Katz und Maus‹ die Rolle des abartigen Joachim Mahlke. Der … pornographisch verseuchte Film enthält eine widerwärtige Verunglimpfung des Ritterkreuzes. Der ordinäre Streifen wurde von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden mit dem Prädikat ›Wertvoll‹ ausgezeichnet. Der verflossene Bundesinnenminister … hat für diesen infamen Unfug ein Darlehen von 300.000 DM gewährt, das nur dann zurückgezahlt werden muß, wenn der Kitsch genügend Geld einspielt.«

Geradezu furchtbar ist der Bericht der »NZ« vom 10. Februar 1967:

»Das Innenministerium forderte an 14 Stellen des Films Schnitte. Der Filmproduzent … ließ sich nur bewegen, an zwei Stellen insgesamt sieben Meter Zelluloid der Schere zu opfern: ein Szene, in der

191


Brandt-Sohn Lars sich ein Ritterkreuz vorne in die abgespreizte Badehose baumeln läßt und eine andere, in der der Ministersproß auf einem Wrack in der Danziger Bucht Selbstbefriedigung betreibt. Erhalten bleibt die Szene, in der Mahlke alias Lars Brandt von Mitschülern laut Beifall gespendet wird: ›Mensch, Mahlke kann zweimal! Und das gleich nach dem Baden!‹«

Nach der »DWZ« vom 10. Februar 1967 hat sich der Filmproduzent bereit erklärt, eine Szene zu entfernen, in der Lars Brandt mit nacktem Hinterteil ein Präservativ von einer Türklinke entfernt. Damit scheint sich die Bundesregierung abzufinden.

Wird einem nicht übel bei dieser Geschichte?

General L.D. Clay – Ehrenbürger von Berlin

Der ehemalige amerikanische Militärgouverneur und oberster Militär- Gerichtsherr der US-Zone im besetzten Deutschland wurde als »Freund des deutschen Volkes« (!) zum Ehrenbürger der Stadt Berlin ernannt. Clay ist ein sonderbarer »Freund des deutschen Volkes«. Tatsächlich ist er mit der praktischen Anwendung des Morgenthau-Planes in Deutschland untrennbar verbunden. Er hat in seinem Herrschaftsbereich die Errichtung von Spruchkammern besonders betrieben. Er hat eine politische Sonderjustiz durch das am 5. März 1946 in Kraft getretene »Gesetz zur politischen Säuberung« eingeführt, dessen Ausführung deutschen Behörden überlassen wurde.

Clay erklärte damals, daß allein in seiner Zone mit einer halben Million »Säuberungsverfahren« zu rechnen sei. Vor allem würden auch alle deutschen Industriellen und Finanzleute, die nicht als Kriegsverbrecher angeklagt sind, zur Verantwortung gezogen. Clay bewährte sich auch als radikaler Demontage-General. Er veröffentlichte am 19. August 1946 einen Bericht, daß 70 Prozent aller »Rüstungsfabriken« in der US-Zone zerstört und auf seinen Befehl Werke wie Daimler-Benz Flugzeugmotorenbau und Kugel-Fischer (Kugellager) demontiert und in die UdSSR gebracht worden seien. Als der Unwille und die Empörung in Deutschland gegen die Demontagen wuchs, drohte Clay im Oktober 1947 dem bereits verhungernden deutschen Volke, die Westmächte würden auch noch ihre beschränkten Lebensmittelsendungen nach Deutschland einstellen, falls es zu Widerstandshandlungen gegen die Industrie-Demontage kommen sollte. Jedermann, der das Wirken Lucius D. Clays als aktiver General und Militärgouverneur in der US-Zone Deutschlands kennt, weiß, was er von Clay zu halten hat.

192


Auf Befehl der amerikanischen Militärregierung in Deutschland durfte kein deutscher Offizier eine Pension erhalten, selbst wenn er so alt war, daß er nicht einmal mehr am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatte. Witwen und Waisen der für ihr Vaterland gefallenen Offiziere wurden auf Befehl der amerikanischen Militärregierung die kargen Pensionen gestrichen. An der Spitze der Militärregierung stand General Clay.

Kein Sieger hat je den besiegten Feind unritterlicher und unmenschlicher behandelt als die amerikanische Militärregierung die besiegte deutsche Armee behandelte. Als Generalfeldmarschall Ritter von Leeb sich mit der Bitte an General Clay wandte, den deutschen Ländern möge gestattet werden, wenigstens an Witwen und Waisen gefallener Offiziere kleine Renten auszuzahlen, hielt es der nunmehrige »deutsche Ehrenbürger« nicht einmal der Mühe wert, dem greisen deutschen Generalfeldmarschall persönlich zu antworten. Er verurteilte die Kinder seiner erschlagenen Gegner und ihre Witwen zu einem Bettlerdasein.

Clay war als Militärgouverneur oberster Gerichtsherr. Von einem General ist es gänzlich unverständlich und ungeheuerlich, daß er gegen deutsche Offiziere und Soldaten, die Befehlen pflichtgemäß gehorcht hatten, Gerichtsverfahren und Mordprozesse durchführen und Mordurteile am laufenden Band vollstrecken ließ. Wer sich in Deutschland noch ein Gefühl für Recht erhalten hatte, schrie vor Entsetzen auf über diese ungeheuerlichen Prozesse und Urteile.

Am 15. September 1947 beschwor der Münchner katholische Weihbischof, Dr. Johannes Neuhäusler, General Clay als Obersten Gerichtsherrn, die Vollstreckung der Todesurteile aufzuschieben.

Am 19. Jänner 1948 schrieb der amerikanische Rechtsanwalt Earl Carrol beschwörend an Clay, die amerikanischen Rechtsverfahren zu überprüfen.

Am 4. Juni 1948 bat der evangelische Bischof Warm Clay telegrafisch, kein Todesurteil mehr vollstrecken zu lassen.

Einzeln und korporativ wandten sich die katholischen und evangelischen Bischöfe beschwörend an Clay.

Alle Beschwörungen der höchsten geistlichen Würdenträger blieben ohne Erfolg. Am 30. Juli 1948 erließ er zwar einen Hinrichtungsstop für deutsche Kriegsverurteilte, der aber nach zwei Monaten ohne jede Begründung wieder aufgehoben wurde. Clay ließ weiter hängen.

Am 14. Oktober hatte Clay den Mordstop aufgehoben. Bereits am nächsten Tage wurde der deutsche Polizeioberleutnant Kiwitt am

193


Landsberger Würgegalgen gehenkt. Seine letzten Worte waren:

»Ich sterbe unschuldig; Gott verzeihe meinen Mördern.«

Leutnant Karl Kirchner starb am 26. November 1948 mit den Worten:

»Melden Sie Ihrem General Clay, Captain Wilson, daß er mit ruhigem Gewissen auch an mir einen Mord vollziehen ließ … Sagen Sie Ihrem General, daß die Saat, die er auf den Friedhöfen von Landsberg und im deutschen Lande gesät hat, zu einer reifen Frucht aufgehen wird. Wer gibt Ihnen, Captain Wilson, das Recht, seine (Clay’s) verbrecherischen Befehle auszuführen?

Wenn Sie einmal vor Gericht gestellt werden, dann wird der tote Leutnant Kirchner zeugen gegen Sie von der schmachvollen Behandlung, vom langsamen Sterben eines gesunden Körpers, wird zeugen von dem Haß, den Sie alle uns hier spüren ließen. Der tote Leutnant Kirchner wirft Ihnen und Ihren Befehlsgebern Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor: begangen an Soldaten, Verwundeten und Gelungenen, während des Krieges und nachher …«

Am selben Tag bekundete Andreas Ingebrand unter dem Galgen von Landsberg:

»Ich habe mein Vaterland geliebt. Ich sterbe als deutscher Mann und Katholik. Ich verzeihe meinen Henkern …«

Kaum eine Stunde später verabschiedete sich Reinhard Purucker:

»Vergeßt uns nicht! Das soll nicht Haß und Rache sein. Denkt nur, daß wir für das Vaterland gestorben sind. Wir alle sind keine Verbrecher und auch nicht verbrecherisch veranlagt …«

Kurt Müller sagte vor seiner Hinrichtung:

»Wenn ich diese Richtstätte betrete, bedeutet es für mich keine Schande. Tüchtigere Männer standen hier schon vor mir. Ich habe keine Verbrechen begangen. Ich habe Befehle ausgeführt, wie sie jeder Amerikaner auch ausgeführt haben würde. Der Befehl stand nicht im Widerspruch mit dem Kriegsrecht. Er wurde allerdings ausgelöst durch ein völkerrechtswidriges Verhalten alliierter Saboteure. Ich bin auch nicht nach Rechtsgrundsätzen verurteilt, sondern nach dem Spruch: ›Vae Victis!‹ (›Wehe dem Besiegten!‹) Der Tod kann mich nicht schrecken, denn nach den Worten unseres großen Dichters heißt es ›Das Leben ist der Güter höchstes nicht, der übel größtes aber ist die Schuld!‹ – Ich sterbe unschuldig! Captain Wilson, melden Sie Ihrem General Clay, daß ich niemanden ermordet habe … Ich verzeihe meinen Henkern … Rache und Haß haben mich hierhergebracht …«

Hauptmann der Flieger, Noack, Träger des Ritterkreuzes, wurde auf der Flucht aus Landsberg schwer verletzt und an die Amerikaner ausgeliefert. Nach erfolgter Beinamputation wurde Hauptmann Noack auf

194


Befehl Clays von den amerikanischen Henkern Wood, Raleigh und Dennis auf einer Tragbahre zum Galgen geschleppt und gehenkt.

Am 22. Oktober 1948 stand Oberleutnant Herbert Kunze unter dem Galgen. Mit dem Strick um den Hals sprach er:

»Herbert Kunze, Oberleutnant der deutschen Wehrmacht, meldet sich zum Erhängen! Ich bin verurteilt, weil ich gehorsam war!«

General Lucius D. Clay war Oberster Gerichtsherr in Deutschland. Alle Todesurteile tragen seine Unterschrift. Es wäre sinnig gewesen, wenn Frahm-Brandt seinem Ehrenbürger gleichzeitig mit der Urkunde der Stadt Berlin in Leder gebunden die letzten Worte überreicht hätte, die die Opfer Clay’s unter dem Galgen sprachen, wohin sie Clay geschickt hatte.

Alle diese Opfer wohnten als unsichtbare Gäste der Feier der Überreichung der Ehrenbürgerurkunde bei. An ihrer Spitze stand Professor Dr. Brandt, ein echter Brandt, den kalte Rache an Clay’s Galgen brachte.

Als Professor Brandt unter dem Galgen stand, sprach er die unvergeßlichen Worte an die Adresse seines Henkers; für alle Wissenden übertönten diese mannhaften Worte die würdelosen Schmeichelworte jenes anderen Frahm-Brandt, der sich den Namen des Toten angeeignet hatte:

Brandt sagte:

»Ich stelle fest, daß dieses soeben verlesene Urteil eines amerikanischen Militärtribunals formeller Ausdruck eines politischen Racheaktes ist. Dieses sogenannte Urteil dient – abgesehen von der bestrittenen Zuständigkeit – nicht der Wahrheitsfindung und nicht dem Recht. Man versteht die Rabulistik, welche General Clay durch diesen Akt deckt, wenn der Ankläger des Nürnberger Prozesses feststellt, das Verfahren habe zwar gezeigt, daß Karl Brandt von den Versuchen nichts gewußt habe; da er es aber hätte wissen müssen, werde er nachträglich zum Mittäter. Wie kann überhaupt die Nation, welche die Spitze in der Durchführung von Humanversuchen in jeder nur erdenklichen Form hält, wie kann diese Nation es wagen, andere, welche höchstens die vorgemachten Versuchsanordnungen nachmachen konnten, deswegen anklagen und verurteilen!?

Und gar die Euthanasie! Man schaue heute auf Deutschland und seine ausgeklügelte, hingehaltene Not! Da ist es freilich nicht verwunderlich, wenn diese Nation, die vor der Menschheit ewig das Kainszeichen von Hiroshima und Nagasaki tragen wird, versucht, sich hinter moralischen Superlativen zu vernebeln. Es diktiert die Nacht. Und diese Nacht will

195


Opfer. Wir sind solche Opfer! Ich bin solches Opfer! Aber eben darum ist es auch keine Schande, auf diesem Schaffott zu stehen: ich diene hier bereit und mit ganzem Einsatz meinem Vaterland! Durch Kameraden vor mir ist es schon so geworden: der Galgen von Landsberg ist das Symbol innerer Verpflichtung aller Aufrechten!

Ich bedaure als Offizier, daß Angehörige der amerikanischen Armee sich dazu hergeben, Handlanger für Heuchelei und politischen Mord zu sein, und daß sie den Schild ihres Soldatentums weiterhin beflecken. Ich kann sie darum nicht hassen. Henker und ihre Mittler sind mir weder Partner noch Gegner. Ich habe für sie nur Verachtung, tiefste Verachtung. Mein Herz ist frei! Ich gedenke meiner Freunde, ich gedenke meiner Mitarbeiter in weitestem Sinne. Sie haben in dem furchtbaren Krieg ihre Pflicht phrasenlos erfüllt.

Ich gedenke meiner armen, mir heiligen Heimat; meines Volkes, seiner Jugend, die strebend sich bemüht und sieht, sich und das Ewige. In ihr fühle ich mich wohl und geborgen. Ich habe in dieser für mich feierlichen Stunde dem Leben zu danken, daß es mich als ganzen Menschen nahm. Ich habe seine Schmerzen ertragen und es hat mir meine Freuden nicht vorenthalten. Ich habe das Schöne erlebt, wenn mir auch das Niedrige nicht erspart blieb. Der Begrenzung bin ich begegnet und ich durfte dennoch das Unendliche ahnen in Ehrfurcht und in heiterer Andacht.

Mein Dank für das schwere Glück eines Daseins ist mein Bekenntnis zum Leben! Ich wollte ihm dienen mit meinem ganzen Wesen. Ich wollte ihm Helfer sein; aber immer habe ich mich bemüht und gesorgt und immer habe ich auch gekämpft für meine Überzeugung und um meines Gewissens willen; aufrecht, aufrichtig und mit offenem Visier. So sehe ich es und so wollte ich das Leben. So habe ich gelebt: Nein! So lebe ich! Meine alten Eltern und mein tapferer Sohn brauchen sich meiner nicht zu schämen. Ich bin ihnen nahe und in unerschütterlicher Zuversicht verbunden. In Liebe ist mit mir meine Frau. Ich bin bereit …!«

So starb Professor Dr. Karl Brandt!

Frahm-Brandt kann stolz auf seinen Ehrenbürger General Lucius D. Clay sein.1


1
Der zum Tode verurteilte Obergruppenführer Pohl wurde zwölfmal zum Galgen geführt! Elfmal wurde er vom Galgen wieder zurück in die Zelle geführt. Erst beim zwölften Male wurde er gehenkt. Er starb zwölf Tode! Das ist alttestamentarische Rache und hat mit Recht nichts mehr zu tun!

Der ehemalige KZ-Arzt Dr. Jobst des KZ Groß Rosen wurde auf Befehl General Clays hingerichtet; trotz eines Konvoluts von Aussagen und Zeugnissen dankbarer früherer KZ-Insassen, die Jobst’s Münchner Rechtsanwalt über die segensreiche Tätigkeit des Dr. Jobst vorlegte, trotz des Telegramms der nord-, west- und süddeutschen Rektoren an General Clay.

196


Ein aufschlussreicher Bericht

Der hochdekorierte amerikanische Fliegermajor Charles Lincoln, heute im kalifornischen Staate Santa Monica lebend, schrieb ein aufschlußreiches Memoirenwerk »Auf Befehl der Militärregierung«. (Moderne Verlags GmbH., München, 1966.) Er schildert darin erschütternd die Verhältnisse unter der Militärregierung Clays (den er wiederholt einen Narren nennt).

Zitate aus Lincoln:

Über die Franzosen als Besatzungsmacht:

Ein französischer Capitaine, der beim Essen neben Lincoln saß, sagte zu ihm:

»Letzte Nacht hätten Sie dabei sein sollen, Major. Das war eine Nacht! So etwas habe ich noch nicht erlebt. Goebbels, der gute Goebbels, warnte die deutsche Armee, alle ihre Frauen würden vergewaltigt werden, wenn sie dem Feind erlaubten, die deutsche Grenze zu überschreiten. Jetzt frage ich Sie: Sollen wir den guten Goebbels Lügen strafen? Kommen Sie heute Nacht mit uns!«

General Patton ließ alle in der Tschechoslowakei befindlichen deutschen Kriegsgefangenen erfassen und die Landwirte und Landarbeiter sofort zur Einbringung der Ernte nach Württemberg transportieren:

»Als die deutschen Kriegsgefangenen aus den Waggons stiegen, wurden sie sogleich von den Franzosen kassiert. Als sie ihre amerikanischen Entlassungspapiere vorzeigten, wurden diese von den Franzosen zerrissen. Obwohl ich protestierte, wurden sie jetzt als französische Kriegsgefangene nach Frankreich geschafft.«

Tief empört war Lincoln über die Franzosen, als diese aus Stuttgart abzogen, um vereinbarungsgemäß den Amerikanern das Gebiet zu überlassen. Die Franzosen hatten Lincoln versprochen, die geräumten Gebäude in tadellosem Zustande zu hinterlassen. Was aber fand Lincoln vor?

Alles war vergeblich. Dr. Jobst wurde von General Clay den Henkern überliefert; ein Mann, verehrt und geliebt von denen, die seiner Fürsorge ihr Leben verdanken. Ein ehemaliger KZler, Theodor Loester hat Dr. Jobst, diesem unvergeßlichen Arzt und Menschen, ein bleibendes Denkmal gesetzt: »Plädoyer für einen Hingerichteten«, Nation Europa, Heft 9/1960, S. 21 f.

General Clay, der amerikanische Henker-General und Ehrenbürger von Berlin, hat es nicht gelesen.

Lucius D. Clay wurde »in Anerkennung der um die BRD erworbenen Verdienste« das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik verliehen. Der sechszackige goldene Stern mit Schulterband wurde Clay im Namen des Bundespräsidenten Lübke in Washington von Botschafter Knappstein überreicht.

Ohne Kommentar.

197


»Auf den Böden lagen Matratzen, dazwischen Fäkalien. In der Eingangshalle tappten wird durch zentimeterhohe stinkende Pfützen. Aber das Schlimmste sollte noch kommen. In der Telefonzelle im Keller waren die Drähte herausgerissen, die Apparaturen mit dem Hammer zerschlagen. Die Franzosen hinterließen ein Chaos und ein fast total ausgeplündertes Land.«

Über die Entnazifizierungs-Tragikomödie sagt Lincoln:

»Wenn wir ein Gefühl für Gerechtigkeit und Fair Play hätten, würden wir alle miteinander amnestieren, mit Ausnahme derjenigen, hei denen uns Beweise vorliegen, daß sie Verbrechen begangen haben. Die Nazipartei wurde 1933 legal und demokratisch an die Macht gewählt. Wenn wir sie als eine illegale Organisation betrachtet hätten, hätten wir keinen Botschafter zur Vertretung der USA nach Berlin schicken dürfen.«

Lincoln nannte die ganze Entnazifizierungsgeschichte eine »unsagbar dumme Sache«.

Zu viel verlangt? Nur ein bisschen Würde…

Ike Dwight Eisenhower, im Zweiten Weltkriege Höchstkommandierender der alliierten Heere, dann amerikanischer Präsident, unternahm im Sommer 1962 als Privatmann eine Europareise. Diese führte ihn auch in die BRD. Als er in Köln Quartier machte, wurde er von den Deutschen umdrängt und umjubelt, wenn er sich zeigte. Die Deutschen standen in Massen vor seinem Hotel und schriien und klatschten. Ike konnte sich mit seiner Gattin überhaupt nicht mehr frei bewegen. Die karnevalistische Begeisterung der Deutschen erdrückte ihn beinahe. Hilfesuchend wendete sich der militärische Adjutant Eisenhowers, General Robert Scholtz, an die Kölner Behörden. Er meinte sarkastisch: »Alles was wir wollen, ist ein bißchen Würde!«

Ein Peitschenhieb mitten ins deutsche Antlitz!

Wie hatte sich nun Eisenhower, den die Deutschen da so umjubelten und so frenetisch Beifall klatschten, daß sie von ihm erst ermahnt werden mußten, doch wenigstens ein bißchen Würde zu zeigen, als Höchstkommandierender und Militärgouverneur in Deutschland gegenüber dem deutschen Volke verhalten?

198


Eisenhower, die Personifikation des Hasses gegen Deutschland

Eisenhower gehört, neben Churchill, für Deutschland zu den verhängnisvollsten Gestalten des Zwanzigsten Jahrhunderts.

Eisenhower war – besonders in den Jahren ab 1945 – die Verkörperung des Hasses gegen Deutschland, der eifrigste Vertreter der Morgenthau-Clique. Der ehemalige Finanzminister der USA und persönliche Ratgeber Roosevelts, der berüchtigte Henry Morgenthau, berichtet in der New Yorker Post vom 24. November 1947 mit Genugtuung, wie er seinen teuflischen Vernichtungsplan gegen Deutschland, den nach ihm benannten »Morgenthau-Plan« Eisenhower vortrug, der damals Generalstabschef war, um dessen Unterstützung für diesen barbarischen Vernichtungsplan gegen das widerstrebende US-Außenministerium zu gewinnen. Morgenthau gibt in seinem Bericht die haßerfüllten Äußerungen Eisenhowers gegen Deutschland wörtlich wieder:

»General Eisenhower gab mir eine prompte und klare Antwort:

›Ich sage Ihnen eindeutig, daß ich nicht im geringsten an der deutschen Wirtschaft interessiert bin‹, sagte er zu mir. ›Ich persönlich würde sie nicht wieder aufrichten, wenn hiedurch das Los der Deutschen besser würde. Die Forderungen nach einem wirklichen Frieden für Deutschland‹, so fuhr Eisenhower fort, ›stammen von Leuten, die aus Deutschland ein Bollwerk gegen Rußland machen wollen. Es ist richtig, daß Rußlands Stärke heute so phantastisch ist; aber Rußland hat heute alles, was es überhaupt nur will und verdauen kann. Und damit ist es beschäftigt bis lange nach unserem Tod. Das ganze deutsche Volk ist sowieso geisteskrank (paranoid) und solche Leute kann man nicht milde behandeln. Ein ganzes Leben lang ist der gesamten deutschen Bevölkerung beigebracht worden, im Denken und Handeln paranoid zu sein. Und das muß ihnen ausgetrieben werden. Um das zu erreichen, muß man sie schön hart behandeln …‹ Wenn nötig, werde er selbst mit dem Präsidenten reden.«

Auch der Assistent Morgenthaus, Dexter White, der bei der Geburt des Morgenthau-Planes, bei der Besprechung vom 7. August 1944 anwesend war, bestätigt diese Haltung und Worte Eisenhowers. (Vgl. »United Nations World«, März 1947.)

Es war Eisenhower, der zwei Millionen deutsche Soldaten, die sich den Amerikanern als kriegsgefangen ergeben hatten, den Bolschewiken und damit einem furchtbaren Schicksale auslieferte und so zu deren indirektem Mörder wurde.

199


Es war Eisenhower, der die Kapitulation Deutschlands nicht annahm, bevor es nicht auch vor den Bolschewiken kapitulierte; er lieferte dadurch viele Millionen ostdeutscher Zivilisten, Männer, Frauen und Kinder dem entsetzlichsten Schicksale aus; Hunderttausende deutscher Zivilisten, Männer und Frauen, wurden von den Bolschewiken, gleich den Kriegsgefangenen, als Arbeitssklaven in die Eiswüsten und Bergwerke Sibiriens verschleppt, nur wenige von ihnen sahen ihre Heimat wieder.

Es war Eisenhower, der so die Verantwortung für den entsetzlichen Tod von Millionen unschuldiger deutscher Männer und Frauen auf sein Gewissen lud, der in seiner Eigenschaft als Höchstkommandierender und Militärgouverneur im besetzten Deutschland öffentlich die Entfernung aller jener Amerikaner von ihren Posten verlangte, die ihm nicht hart und erbarmungslos genug gegen Deutschland erschienen und die die Vernichtungspolitik Morgenthaus gegen Deutschland nicht rücksichtslos genug durchführten.

Das »Blatt der Gesellschaft zur Verhinderung des Dritten Weltkrieges« berichtet (Nr. 22, Oktober 1947, S. 147):

»… daß Eisenhower im Oktober 1945 öffentlich die Tatsache beklagte, daß viele seiner Untergebenen nicht vertrauenswürdig genug waren, die Potsdam-Politik durchzuführen, und klar feststellte, daß jene, die nicht mit den Potsdamer Entscheidungen sympathisierten, ihre Ämter niederlegen sollten.«

Es war Eisenhower, der das barbarische Fraternisierungsverbot an die amerikanischen Besatzungstruppen in Deutschland herausgab.

Es war Eisenhower, der in jedem Ort, das die westlichen Alliierten besetzten, die haßtriefende Proklamation anschlagen ließ:

»Wir kommen nicht als Befreier! Wir kommen als Sieger!«

Auch in der streng geheimen Instruktion JCS-Joint Chiefs Staff 107 belehrte Artikel 4b: »Deutschland wird nicht zum Zwecke der Befreiung, sondern als besiegte Nation besetzt.«

Es war Eisenhower, der ganze deutsche Armeen, die sich ihm auf Gnade und Ungnade ergeben hatten, mit Gewalt den Bolschewiken und damit einem grauenvollen Schicksal auslieferte.

Es war Eisenhower, dessen Deutschenhaß ihn zu einem blinden Werkzeug der Rache der amerikanischen Morgenthau-Leute machte.

Es war Eisenhower, dessen Deutschenhaß sich vor allem gegen den deutschen Offiziersstand richtete. Kein früherer deutscher Offizier, vom Hauptmann aufwärts, durfte in einer Dienststelle der Staatsverwaltung oder einer kommunalen Verwaltung ein Amt bekleiden

200


oder auch nur in einem freien Berufe tätig sein! Auf Befehl Eisenhowers durfte kein deutscher Offizier eine Pension erhalten, selbst dann nicht, wenn er so alt war, daß er nicht einmal am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatte! Witwen und Waisen der für ihr Vaterland gefallenen Offiziere wurden auf Befehl der Militärregierung Eisenhowers die Pensionen und Versorgungs-Bezüge gestrichen.

Es war Eisenhower, der ganze Armeen von Zivilisten, die sich vor den Bolschewiken hatten retten können, mit Gewalt in deren Hände zurück auslieferte.

Es war Eisenhower, der Zehntausenden Frauen und Kindern, den von wahnsinniger Todesangst vorwärts getriebenen Flüchtlingskolonnen mit Gewalt das Betreten der westlichen Besatzungszonen im eigenen Vaterlande, verweigerte.

Es war unter dem Oberkommando Eisenhowers, daß bei Forchheim der amerikanische Colonel Dwyr zweihundert deutsche Nachrichtenhelferinnen in Ausführung der Befehle Eisenhowers mit Gewalt auf einen Elbkahn verladen ließ, um sie gröhlenden, betrunkenen Rotarmisten auszuliefern.

Es war Eisenhower, der am 15. Oktober 1945 mitteilte, daß er sofort 1,750.000 kriegsgefangene Deutsche nach Frankreich überführen lasse, wo sie als Zwangsarbeiter – vor allem in Bergwerken – Sklavenarbeiten leisten mußten; der 50.000 Kriegsgefangene als Arbeiter für die Bergwerke in Polen lieferte.

Es war Eisenhower, dessen Haß und Vernichtungswille gegenüber dem deutschen Volke so weit ging, daß er dem Roten Kreuz verbot, zur Linderung der deutschen Hungersnot einzugreifen. (Erst im Januar 1946 erteilte Eisenhower dem Schwedischen Roten Kreuz die Erlaubnis, sich der verhungernden deutschen Kinder anzunehmen.)

Es war Eisenhower, dem die Aushungerung der deutschen Zivilbevölkerung nicht gräßlich genug war und noch nicht rasch genug vor sich ging; unter den die unvorstellbar unmenschlichen, geradezu satanischen Haß gegen alles Deutsche atmenden Befehle ergingen: wonach alle amerikanischen Dienststellen alle Küchenabfälle und übrigbleibenden Speisereste der im buchstäblich verhungernden Deutschland üppig lebenden Amerikaner durch Überschüttung mit Kalk oder sonst auf eine andere Weise ungenießbar gemacht werden mußten, damit sie nicht die Leiden der vor Hunger fast wahnsinnigen deutschen Frauen und Kinder lindern könnten.

201


Ist so ein Haß vorstellbar? Dieser Befehl gehört wohl zu den barbarischsten und grausamsten, sittlich verlottertsten Befehlen, die je ein militärischer Befehlshaber gegeben hat.

Ein Faustschlag jedem christlichen Soldatentum mitten ins Gesicht! Bezeichnend für den unmenschlichen und unsoldatischen, unchristlichen und unsittlichen Haß Eisenhowers gegen alles Deutsche war die unwürdige und unsoldatische Behandlung der deutschen Kapitulationsdelegation. Bezeichnend für die Beschränktheit Eisenhowers, der – wie die große ungebildete Masse alle Behauptungen der Greuelpropaganda blind glaubte – und für seinen daraus entspringenden unsoldatischen Haß gegen alles Deutsche ist ein Bericht von Hans Habe (Bekessy). In seinem Buche »Ich stelle mich« (Kurt Desch Verlag, Wien, 1954) schreibt er (S. 489 ff.):

»Schon das Zimmer Eisenhowers machte auf mich einen höchst ungünstigen Eindruck. Es war ein riesiger, eiskalter Raum mit einem Mussolinischreibtisch, theatralisch indirekt beleuchtet, geschmacklos goldgelb tapeziert. Man mußte von der Tür aus einen langen Marsch unternehmen, ehe man vor dem Tische stand, hinter dem der General ›thronte‹… Sein Gesicht war glatt, kalt und humorlos … Der General begann mit einem zweistündigen Monolog. Während dieser zwei Stunden hatte ich kaum Gelegenheit, etwas anderes als ›Yes, Sir‹ oder ›No, Sir‹ zu sagen. Der General begann sein politisches und journalistisches Programm zu entwickeln … Je weiter er in seinen Ausführungen gedieh, desto größer wurde meine Ernüchterung … Die immer erschrecklicheren Plattheiten wurden mit der Endgültigkeit sokratischer Weisheiten vorgetragen … Der Stellvertreter Eisenhowers, Generalleutnant Bedell-Smith betrat das Zimmer. ›Wir müssen etwas tun‹, sagte er zu Eisenhower. ›Diese Photographien werden mir zugeschickt. So sehen die kriegsgefangenen deutschen Soldaten aus, die wir den Franzosen abgetreten haben. Sie verhungern ja. Es kann so nicht weitergehen. Soll ich mit den Franzosen sprechen?‹ Eisenhower besah sich die Bilder. ›Tun Sie nichts dergleichen‹, sagte Eisenhower. ›Schicken Sie einen Bericht nach Washington.‹ Bedell-Smith zuckte mit den Achseln und ging … Der General setzte seinen Monolog fort. Er gab mir eine Stunde lang Weisungen, die kein Journalist hätte befolgen können. Dann verlangte er, ich solle seine Weisungen wörtlich aufnehmen. Es handelte sich dabei um die Geleitworte, die er, von ihm selbst unterzeichnet, auf der ersten Seite der »Neuen Zeitung« (der ersten von den Amerikanern im besetzten Deutschland herausgegebenen Zeitung) sehen wollte.

Daß es zuweilen nicht leicht ist, keine Satire zu schreiben, wird man zugeben, wenn ich aus dieser Erklärung Eisenhowers, wie sie am

202


18. November 1945 in der ersten Nummer der »Neuen Zeitung« erschien, wörtlich zitiere:

›Der Militarismus muß zusammen mit dem Nationalismus vernichtet werden. Die physische Entmilitarisierung wird tatkräftig durchgeführt; aber sie allein kann nicht garantieren, daß Deutschland in der Zukunft die Welt nicht wieder in einen neuen Krieg zwingt. Militärisches Denken muß aus der deutschen Gedankenwelt ausgeschaltet werden. Für alle zivilisierten Nationen der Erde gilt Aggression als unmoralisch; die Deutschen müssen aber zu dieser selbstverständlichen Wahrheit erst erzogen werden.‹

Also sprach Eisenhower … Ihm war offensichtlich nicht bekannt, daß die ganze Geschichte der westlichen Verbündeten eine fast ununterbrochene Reihe von ›unmoralischen Aggressionen‹ war. Nachdem Dwight D. Eisenhower noch eine Weile über Deutschland gesprochen und auch weiterhin seine erschreckende Fremdheit gegenüber Deutschland verraten hatte, wurde ich entlassen …«

Wie groß und wie blind muß der Haß Eisenhowers gegen Deutschland gewesen sein, um einen General etwas so Dummes sagen zu lassen. Der große Hasser Deutschlands und Oberste Machthaber in Deutschland erklärte in seiner Rede in London anläßlich der Verleihung der Ehrenbürgerwürde von London über die alliierten Kriegsziele in Deutschland:

»Viele Wochen eingehender Studien in dem verfallenen deutschen Reich haben in mir die Überzeugung reifen lassen, daß Deutschland nie wieder zu einem Zustand zurückkehren wird, den die Deutschen selbst als ›normal‹ empfinden. Die Deutschen verstehen unter ›normal‹ die Vorstellung, daß Deutschland imstande ist, mit jeder anderen hochzivilisierten und stark industrialisierten Nation der Welt konkurrieren zu können. Dieses Ziel wird Deutschland, obgleich es heute Millionen von Reichsangehörigen vorschwebt, nie wieder erreichen, d. h. wenn die Anregungen befolgt werden, die von mir und meinem Stabe ausgehen. Rußland, Großbritannien und die USA sind zweifellos entschlossen, es Deutschland für alle Zeit unmöglich zu machen, wieder einen Krieg zu führen, und damit ergeben sich zwangsläufig Vorsichtsmaßnahmen, die Deutschland aus der Reihe der großen Industriestaaten ausschalten.«

Wie das ganze amerikanische Volk, war auch Eisenhower als Morgenthau-Person der Greuellügenpropaganda gegen das deutsche Volk völlig verfallen; Eisenhower war eines der gläubigsten Lämmer innerhalb der Schafherde, die alle – auch die dümmsten Greuellügen – unbedingt glaubten und von einer Haßpsychose gegen das »grausame deutsche Volk« befallen war und sich ihr widerstandslos überließ.

203


Eisenhower – obwohl selbst ein Kriegersmann und Fünf-Sterne-General – hatte weder genügend Erkenntniskraft, die Kriegsgreuelpropaganda als Kriegsmittel zu erkennen, noch genügend Urteilskraft, den Wert dieser Greuellügen demnach einzuschätzen. Wie für die große Lämmerherde der naiven Amerikaner mit ihren kindlich-gläubigen und vertrauensseligen Gemütern, hatten auch für Eisenhower die Greuelbehauptungen über das deutsche Volk den Wert und das Gewicht von Zitaten aus der Heiligen Schrift, der Bibel.

Selbst als Eisenhower durch den persönlichen Kontakt mit dem deutschen Volke schließlich erkennen mußte, daß das abscheuliche Bild, das die Haßpropaganda dem amerikanischen Volke vom deutschen Volke eingehämmert hatte, nicht der Wahrheit entsprach, behielt Eisenhower seine tiefe Abneigung gegen das deutsche Volk – dem er doch schließlich selbst entstammte – auch weiterhin bei. Er war in seiner Politik als amerikanischer Präsident und in seiner persönlichen Haltung unaufrichtig und falsch gegen das deutsche Volk, selbst noch zu einer Zeit, als Deutschland Bündnispartner Amerikas geworden war. Während er nach außen hin Deutschland versicherte, daß er für das demokratische Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes und für ein geeintes Deutschland eintrete, verriet er insgeheim Deutschland in der Frage der Zweiteilung an die Bolschewiken. Chruschtschow erklärte öffentlich, daß Eisenhower ihm gegenüber erklärt habe, daß er (Eisenhower) an der Zweiteilung Deutschlands festhalte. Diese Entlarvung der Unaufrichtigkeit Eisenhowers gegenüber dem deutschen Bündnispartner erschütterte das deutsche Volk aufs tiefste.

Eine Deutsche – die nicht in Deutschland begraben sein will

Es gab treue deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens, die ihre Heimat bis über den Tod hinaus liebten und ihr trotz des Krieges und der düsteren Kriegsereignisse treu blieben, daß sie nach dem Kriege nicht im fremden Auslande, sondern in ihrer deutschen Heimat begraben sein wollten. Neben diesen Zeugen deutscher Heimat- und Vaterlandsliebe, gab es auch einige wenige sogenannte »Deutsche«, die ihre Heimat und ihr Vaterland schon beim ersten Hahnenschrei verleugneten und verrieten.

Über eine deutsche Bar- und Nachtklubsängerin lesen wir im »Tagesspiegel«, Berlin, 2. Februar 1966:

204


»Die französische Zeitschrift ›Le Nouveau Candide‹ veröffentlicht ein Interview mit einer gewissen Marlene Dietrich. Diese rühmt sich, sie habe sich im Kriege freiwillig zum Fallschirmabsprung über Deutschland gemeldet, um dort Sabotage und Spionage zu treiben. Man habe dies jedoch mit der Begründung abgelehnt, daß sie zu leicht erkannt werden würde. Die Bombenabwürfe auf deutsche Städte hätten sie nicht erschüttert, sagte Marlene Dietrich.

›Weil wir im Kriege waren und ich alles akzeptierte, damit dieser Krieg schnell zu Ende geht und für unseren Sieg … Ich stand auf der Seite der Unschuldigen und diese mußten gewinnen.‹

Marlene Dietrich schloß das Interview mit der Erklärung, daß sie um keinen Preis in Deutschland beerdigt werden möchte, sondern in dem Land, das sie als ihre eigentliche Heimat betrachte, nämlich in Frankreich.«

Das gibt es auch! Begraben sein in Deutschland – nein. Aber in Deutschland DM kassieren, das möchte sie. Ohne Kommentar.

Diese sonderbare Deutsche soll auf die Frage, was sie getan hätte, wenn sie nach ihrem geplanten Fallschirmabsprung in Deutschland dabei Deutsche hätte töten müssen, geantwortet haben:

»Je mehr man von ihnen getötet hätte, desto schneller wäre es (der Krieg) zu Ende gewesen.«

Weiters soll sie auf Befragen gesagt haben:

»Die Bombardierung Hamburgs habe nicht ihr Herz zerrissen, da es schon bei der Bombardierung der Stadt London zerrissen worden sei.«

(Constanze-Heft 10, 1. März 1966, S. 14).

Die Ermordung der Vaterlandsliebe der deutschen Jugend

»Deutschland, heiliges Land Du, voll Unendlichkeit …!«

»Ich bin geradezu bestürzt, wie wenig Nationalgefühl das deutsche Volk hat. Sie wissen, daß ich kein Nationalist bin; aber ohne Nationalgefühl kann ein Volk auch in der heutigen Welt einer europäischen Integration nicht bestehen.«

(Bundeskanzler Adenauer am 7. Juli 1960 in Bad Godesberg).

Nach 1945 haben die Alliierten und ihre deutschen Mithelfer dem deutschen Volke seine nationalen Tugenden gründlich ausgebleut und

205


alles getan, ihm sein Rückgrat zu brechen und die Wurzeln seiner Kraft abzuschneiden. Der Erfolg blieb nicht aus: der totalen Aufopferung und Vaterlandsliebe von einst steht der totale Materialismus und Egoismus von heute gegenüber. Die Jugend von heute hält Charakter für Dummheit und Vaterlandsliebe für Schwachsinn. Der satt gewordene Bürger aber kümmert sich heute weder um sein Volk, noch um die Zukunft seines Landes.

Eine gewisse Presse und ein gewisses Schrifttum überschlagen sich in der Verunglimpfung der deutschen Vergangenheit 1933 bis 1945 und treiben durch ihre blinde Haßhetze die deutsche Jugend seelisch in eine ausweglose Situation. Die Verheerungen, die die Hetze dieser sich »deutsch« nennenden Presse, die Hetze dieses haßerfüllten Schrifttums in den Seelen der deutsche Jugend – vor allem der akademischen Jugend – angerichtet hat, zeigt erschütternd ein Bericht, den wir dem Buche W. S. Schlamms »Die Grenzen des deutschen Wunders« (S. 151 f.) entnehmen:

»Am 30. Januar 1958, dem 25. Jahrestag von Hitlers Aufstieg zur Macht fand in München (einst ›die Hauptstadt der Bewegung‹ genannt) ein Ereignis von großer Bedeutsamkeit statt. Im überfüllten Auditorium Maximum und in den angrenzenden Hallen der Münchner Universität töteten 5000 Studenten eine Tradition, die Deutschlands akademische Jugend 150 Jahre lang bestimmt hatte, die Tradition der unbedingten Treue des deutschen Studenten zum Patriotismus. Es handelte sich um eine Vollversammlung der Münchner Studentenschaft. Die Münchner Universität unterrichtet 15.000 Studenten (in ganz Deutschland gibt es 160.000 Studenten) – und niemals vorher hatte ein so erheblicher und leidenschaftlicher Teil der Münchner Studentenschaft einer Vollversammlung beigewohnt. Sie war einberufen worden, um zu entscheiden, ob das alte akademische Motto ›Dulce et decorum est patria mori‹ durch ein neues ersetzt werden sollte: ›Mortui viventes obligant.‹ Einige Monate vorher war Horazens ehrwürdiges ›Dulce et decorum est …‹, für unzählige Generationen der deutschen Jugend der selbstverständliche Gemeinplatz einer redlichen Vaterlandsliebe, an einem der wiedererbauten Teile der gebombten Münchner Universität angebracht worden. Da stand es nun ›Es ist süß und ehrenvoll, für das Vaterland zu sterben!‹ – in würdigen Buchstaben aus Eisen, so wie es seit jeher an deutschen Universitäten zu lesen war. Ein paar Tage später aber hatten irgendwelche Studenten diesen ehrwürdigen Spruch mit einem anonymen Plakat überklebt, das proklamierte: ›Turpe et stupidum est pro amentie loqui‹ – ›Es ist schändlich und dumm, für den Wahnsinn zu sprechen.‹ Der Rektor der Münchner Universität, Professor Egon Wiberg, spürte hinter dieser anonymen Demonstration die Möglichkeiten einer großen erzieherischen Debatte.

206


Er verhüllt das Horaz-Wort und erbat vom Akademischen Senat, der Regierung der Universität, eine rasche und endgültige Intervention. Der Akademische Senat lud seinerseits die Lehrer und Schüler der Universität ein, ein Motto vorzuschlagen, das die süßen und ehrenvollen Worte von anno dazumal ersetzen könnte. Die Professoren sandten 490 Vorschläge ein, die Studenten nur drei. Rektor Wiberg suchte den ihm am gefälligsten Vorschlag aus, den dann die Studentenschaft annehmen oder ablehnen konnte ›Mortui viventes obligant‹ – ›Die Toten verpflichten die Lebenden.‹ Der Allgemeine Studentenausschuß, die gewählte Vertretung der Studentenschaft, gab seine Mehrheitsmeinung kund, daß die Horaz-Worte gut genug wären, die Gefühle der Münchner Studentenschaft noch für eine Weile auszudrücken. Unter dem Allgemeinen Studentenausschuß stimmten die konservativen Studentenorganisationen zu, die Burschenschaften, die Turnvereine und die Landsmannschaften. Aber sofort bildete sich ad hoc ein ›Ring Freier Studentengruppen‹, der seine selbstgesetzte Aufgabe darin sah, eine in der Verfassung der Universität vorgesehene Vollversammlung der Studenten einberufen zu lassen. Als 1000 Unterschriften auf einer entsprechenden Petition gesammelt waren, war die Vollversammlung erzwungen.

Udo Jansen, der Präsident des Allgemeinen Studentenausschusses eröffnete das Massenparlament. Dann sprach Rektor Wiberg und seine Rede war sanftester professoraler Pazifismus. Er schloß seine Rede mit dem Appell, in ewiger Erinnerung an die hingerichteten beiden Münchner Studenten, Sophie und Hans Scholl, das Motto zu wählen: ›Mortui viventes obligant.‹«

(Anm. d. Verf.: Hier erliegt der Herr Rektor einem Trugschluß: denn auch die Geschwister Scholl starben für ihr Vaterland, das sie eben in ihrer Weise gestalten wollten.)

»Was dann folgte, war ebenso rührend wie deprimierend: Tausende junge Deutsche versuchten – in einer hilflosen Naivität, die beinahe körperlich fühlbar war – das Rechte zu tun; und zwar indem sie einander mit Gemeinplätzen bewarfen, die sie halbfertig aus der Presse bezogen hatten – pazifistische Gemeinplätze auf der einen, nationalistische Gemeinplätze auf der anderen Seite. Hier standen tausende recht außergewöhnliche junge deutsche Männer und Frauen; denn in Deutschland erreichen nur etwa vier Prozent der Achtzehnjährigen die Hochschulen, während in den USA 34 Prozent der amerikanischen Jugend vom Hochschulalter die Colleges stürmen. Es war kein Zweifel möglich, daß diese jungen Menschen die Wahrheit suchten. Aber an ihrer Statt nahmen sie die Schlagworte des routinierten Journalismus. Es gab nur einen Augenblick echter Tragödie: Ein ungarischer Student,

207


der seine von der Budapester Revolution im Jahre 1956 unterbrochenen Studien in München abschloß, erzählte der Vollversammlung, wie einige seiner Freunde, ehe die Sowjetschützen sie exekutierten, mit ihren Fingernägeln in die Gefängnismauern die Worte geritzt hätten: ›Dulce et decorum est pro patria mori.‹ Bestürzt hörte die Vollversammlung der Studenten zu. Und dann, ein paar Minuten nach diesem Zwischenruf der blutigen Geschichte in die Tagung hinein, stimmten die Münchner Studenten mit einer Mehrheit 2:1 dafür, daß von nun an das Motto ihrer Universität ›Mortui viventes obligant‹ sein solle. Überdies, als ob sie mit ihrer Größe ein wenig schachern wollten, stimmten sie auch für eine Resolution, nach der der Akademische Senat die abmontierte Horaz-Inschrift dem ungarischen Studenten zu treuen Händen übergeben solle, auf daß er sie nach Ungarn tragen möge, wenn sein Vaterland jemals wieder frei werden sollte. Die Vollversammlung der Münchner Studenten schien also damit sagen zu wollen, daß es süß und ehrenvoll für die Ungarn sei, für das ungarische Vaterland zu sterben, aber schamlos und dumm für die Deutschen, ähnliches für das deutsche Vaterland zu tun … Das Ergebnis der Münchner Studentenabstimmung war ein Sieg der deutschen Presse …«

Wie man die deutsche Jugend, statt sie zu stützen und ihr seelischen Halt zu geben, immer tiefer in seelische Verstörtheit hineinjagt und ihre Vaterlandsliebe kalt abwürgt, davon liefert uns der Bericht eines Augen- und Ohrenzeugen ein erschütterndes Beispiel. Er erzählt:

»Neulich war ich Zeuge, als der Rektor der Freien Universität Berlin (also ein Mann, der in erster Linie dazu berufen wäre, der deutschen Jugend Halt zu geben) in einem Hörsaal voller Studenten diesen jungen Menschen die ›Jahre der deutschen Schande‹ wieder ins Gedächtnis rief. Er fand scharfe Worte und der Ton seiner Stimme verriet, daß er meinte, was er sagte. Ich betrachtete diese jungen Männer und Frauen, die schweigend seine Worte entgegennahmen oder genauer gesagt, diese ungeheure Bürde entgegennahmen. Und ich empfand leise Trauer und Verlegenheit. Man wälzt grausam die Vergangenheit auf das Denken dieses Volkes. Ich glaube, daß es nicht richtig ist, was da geschieht, daß man Zwanzigjährigen eine solche Last auf die Seele lädt. Ich habe niemals verstanden und werde es niemals verstehen, daß die deutschen Historiker dazu schweigen … daß die artige deutsche Jugend mit verschränkten Armen das ganze Jahr lang bei jeder Stunde Gegenwartsgeschichte anhören muß, daß ihre Vorgänger und nächsten Verwandten Unwürdige waren, daß die Schande kein Ende findet … So eine Lage kann nicht mehr ohne Gefahr dauern!«

(»Le Figaro« vom 9. Februar 1960, Paris)

208


Ein Tagesbefehl Eisenhowers an die Deutschen

Die Geistesverfassung General Eisenhowers gegenüber dem deutschen Volke wird einem durch nachstehenden »Tagesbefehl« klar, den er 1945, nachdem er viele Hunderttausende kriegsgefangener Deutscher Soldaten den Bolschewisten ausgeliefert hatte – an die kriegsgefangenen deutschen Soldaten erließ:

»Der Krieg ist zu Ende! Befreit bist Du von dem fluchbeladenen Soldatendienst, von dem schuldbewußten deutschen Militarismus. Nie wieder wird Dich ein schrilles Kommando über den Kasernenhof oder das Schlachtfeld hetzen. Die Asche Deines Wehrpasses hat sich mit der von Buchenwald und Dachau vermengt, und Deinen Schutz haben die siegreichen Alliierten Nationen übernommen, die durch ihre großen Opfer Dich und Deine Nachkommen für ewige Zeiten vom Waffendienst befreiten. Aber gegenüber ihren großen Opfern hast Du nun die Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß in Deiner Heimat sich nie wieder die Neigung zum Waffendienst erhebt. Daß nie wieder junge Deutsche die besten Jahre ihres Lebens zugunsten der Gelüste des preußischen Junkertums und seines kriegslüsternen Generalstabs zum Opfer bringen, sondern fortan nur noch Frieden und Wohlfahrt ihre Kraft und ihre Begabung widmen.«

(Vgl. die »Grenzmark« Nr. 10/15, 1962, S. 42.)

Unter Glas und Rahmen zu hängen

Derselbe Dwight D. Eisenhower gibt, nunmehr als amerikanischer Präsident folgende Erklärung ab (New York Times, 13. Mai 1954):

»Der Gehorsam eines Offiziers hat ein unbedingter zu sein und untersteht nicht etwa dem eigenen Gewissen … Das Wesen einer Armee beruht darauf, daß die Befehle des Vorgesetzten und der Regierung ohne Bedenken zur Ausführung gebracht werden, wofür die Verantwortung bei dem Obersten Befehlshaber liegt. In der Armee wie überhaupt im Staatsdienste verpflichtet der Diensteid zum Gehorsam gegenüber den Vorgesetzten und ihren Befehlen. Ich würde nicht eine Sekunde Insubordination und Ungehorsam dulden. Befehle sind von allen Soldaten und Offizieren bedenkenlos auszuführen. Auch Gesetze der Regierung sind dem eigenen Gewissen nicht zu unterbreiten. Der Diensteid verpflichtet in der Armee wie im Staatsdienst zu bedingungslosem Gehorsam.«

209


Die Folge der Umerziehung. Ergebnisse einer Rundfrage

Die »Deutsche Wochenzeitung«, Hannover, Nr. 29 vom 21. Juli 1962, brachte auf Seite 2 folgenden bezeichnenden Bericht:

»262 Abiturienten und 447 Oberklasseschülern wurde folgende Frage vorgelegt: Für welche Idee lohnt sich der Einsatz des Lebens?

Darauf antworteten:

12 v. H. mit »für die Religion«
44 v. H. mit »für die Freiheit«
28 v. H. hatten zu dieser Frage überhaupt keine Meinung;
3 v. H. verweigerten jegliche Angabe und nur
3 v. H. antworteten »für das Vaterland«.

Noch ein Ergebnis der Umerziehung und Erneuerung Deutschlands

Moderne deutsche Lyrik von Heißenbüttel: (aus »CinemaScope« 1959/60)

»Dicht daran wie zu wie dicht dran wo’s stinkt Wo ungeheilter Gestank die Eitelkeit allen Bein- fleischs wo wie inoben zerhackt hybrid zum Zeigentanz sinternd zu Sinkstoff wo zum noch tieferen Ort ideologisch dräniert Kops Kapos Beats Hiags Paras der Scheißdreck der Weltgeschichte was sag was änder selbst nicht Bertold Brecht die flache Lache von Schaustück rein optisch Schaustück Gedächtnis das ins Gedächtnis wo immer noch wo ich schieße auf alle.«

(Zitiert in »Neues Europa«, Heft 1/1962, S. 33.)

Dem Fischer-Taschenbuch »das atelier« entnehmen wir folgende Probe zeitgenössischer deutscher Lyrik:

eiwie winde lauen faul          + 1 Hahn auf 1 Mist
eiwie morgen weht ins maul      + 1 Wurm er frißt
wer zum winde geht wird faul
wer zum morgen läuft wird maul
lila winde – silber faul        + 1 Mist und
kleines morgen großes maul      + 1 Wurm und

210


es gehn es gehn                 1 Huhn
zwei dunkle.                    er frißt und
                                auf 1 Mist
                         1 Wurm
                         1 Wurm Hahn und
                                kikeriki

Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« vom 30. Jänner 1965 bringt folgendes Gedicht eines »umerzogenen« Deutschen über den bewältigten Hitler:

Horst Bingel, Hitler Fragegedicht

Hitler ist eine Erfindung
der bösen der guten der blöden
wer so etwas
wir aber werden
verzeihen
poesie
das hebt
heraus
Hitler ist keine Nationaldichtung
wir waren schon immer
verderbt
durch fremdländisches

Hitler ist das größte
an internationaler Poesie
schade
doch Goethe hat es
geahnt
Goethe unser

Hitler hat inspiriert
autobahnen
briefmarken
wir haben Hitler
umgesetzt
wirtschaftlich autark
nichts wurde fortan
unmöglich
Hitler
unsere stärke
war
fremdländisches
umzusetzen

211


wir haben Itler
assimiliert geschluckt
Hitler
ich
du
er
sie
es
und und
Hitler
ich
du
ohne ende ohne
kein ende
ich
du
wir fragen nach
Hitler Hitler
wir
Hitler
aber wir fragen

(im Auszug)

Aus Helmut Heissenbüttel »Textbuch 4« (Walter Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau):

1 Mann     auf 1 Bank
1 Zwieback in  1 Hand
               1 Hand
           in  1 Hand und
1 Mann                und
1 Zwieback            und
                 Hand
           in    Hand und
           auf 1 Bank
1 Zwieback            und
  Krümel

Über die deutschen Illustrierten fällte Universitätsprofessor Dr. Dr. h. c. Wilhelm Röpke, Genf, folgendes vernichtendes Urteil (»Neues Europa«, Heft 8, August 1965):

»Was die deutschen Illustrierten, Zeitungen und Zeitschriften enthalten, welche die Verkaufswagen auf den Bahnsteigen mit einer erschreckenden Ausschließlichkeit feilbieten, läßt sich nur schlicht als dekadenter Journalismus schlimmster Art kennzeichnen. Sie zeigen einen kaum noch zu überbietenden Grad an Zügellosigkeit und Ver-

212


antwortungslosigkeit … Es wäre bittere Ironie, die von ihnen gebotene Kost als ›geistige‹ zu bezeichnen. Sie zeigen eine Zügellosigkeit, die sich selbst zerstören muß … Ich gestehe, daß mich die Beweise der geistig-moralischen Auflösung, die mir entgegentraten, wann immer ich eine Illustrierte oder irgend eine, der mehr oder weniger verdummenden Bildzeitungen öffnete, aufs tiefste erschreckt haben … Ich bin sicher, daß hier ein Punkt des Nihilismus erreicht ist, an dem die völlige Hoffnungslosigkeit beginnt … hier kann das Ende nicht mehr fern sein. Das Ende oder eine heilsame Krise, in der alles erbrochen wird.

… Es ist dieselbe ungesunde Luft … die sich mit ebensoviel Unwissenheit wie Verantwortungslosigkeit in Leitartikeln von Illustrierten, im Rundfunk oder am Fernsehschirm dartun … Es ist ein wahres Wunder, daß unter dem täglichen Niederschlag, der solcherart auf die Seelen der Millionen in Deutschland herabrieselt, die geistig-moralische Gesundheit des Volkes bisher eine robuste Widerstandskraft bewiesen hat.

Aber es wäre ein Überschwang an Optimismus, wenn man sich dauernd darauf verlassen wollte … Die Entwicklung hat den Punkt erreicht, wo man das Wort ›unhaltbar‹ aussprechen muß … Die Gefahr erreicht die höchste Alarmstufe, wenn das Land seine Seele zu verlieren droht.«

Die Umerziehung blüht und gedeiht

An der Theodor-Heuß-Schule in Hamberg a. d. W. manifestierte eine Gruppe linksradikaler Schüler in der Schülerzeitschrift »Schulecho« ihren sittlichen Verfall. Man kann dort lesen (»Schulecho« 1/1967):

»Einer unserer Lehrer sagte, er halte es für seine Pflicht, uns zu Ordnung, Pflichtbewußtsein, Zurückhaltung und Ehrfurcht zu erziehen. Unser Antwort darauf: Da kann man nichts dazu sagen. Das wird sich überleben. Es ist nicht mehr die Zeit der Queen Victoria.«

Und an anderer Stelle:

»Was haben unsere deutschen Soldaten als Kämpfer für unser aller Vaterland denn geleistet? Allein in der Sowjetunion haben die edlen, hehren, reinen, anständigen, sauberen und tapferen Kämpfer 20 Millionen umgebracht.«

Das Groteske ist dabei, daß das Bundes-Verteidigungsministerium in einem derartigen Blatt, wie es dieses »Schulecho« ist, bereitwillig Anzeigen aufgibt und damit die Zersetzung der deutschen Jagend und die Diffamierung des deutschen Soldatentums damit subventioniert.

213


Ein Umerziehungs-Kabarett

Jahrelang hat das Kabarett »Kom(m)ödchen« seine destruktive Umerziehungstätigkeit verübt. Alle uns einmal wertvollen Begriffe und Güter wurden dort in den Schmutz gezogen und lächerlich gemacht. Gegen alles, was deutsch heißt, wurde dort zu Felde gezogen. Das erregte so sehr das Entzücken aller Todfeinde Deutschlands, daß die deutschen Selbstbeschmutzer mit ihrem Programm selbst ins Ausland gehen konnten und mit der Herabsetzung Deutschlands und des deutschen Volkes so durchschlagenden Erfolg hatten, daß eine begeisterte Zuschauerin dem Kabarett versicherte, daß sie in den zwei Stunden der Kabarett-Darbietungen Deutschland besser kennengelernt habe, als jemals zuvor in ihrem Leben. Gott schütze Deutschland vor solchen »Botschaftern« im Auslande! Sie arbeiten mit als Totengräber an der Ermordung des deutschen Namens in der Welt.

Die seelische Vergiftung des deutschen Volkes durch einen Teil der deutschen Presse

Der Journalist ist in höchstem und weitestem Sinne des Wortes Lehrer und Priester seines Volkes. Sein Wort kann Segen stiften oder zum Fluche gereichen.

Das Recht, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und öffentliche Kritik zu üben, gehört zu den verantwortungsvollsten Vorrechten, die einem Menschen gewährt werden können. Die Aufgaben des Journalismus erfordern von den Journalisten die höchsten geistigen und sittlichen Qualitäten.

Es ist nicht zulässig, daß jedermann, der einigermaßen zu schreiben versteht, auf die Welt losgelassen wird und so viele gutgläubige, vertrauende Leser in seine Hand gegeben und ihm ausgeliefert werden.

Wenn überhaupt ein Beruf, dann erfordert der Journalistenberuf eine akademische Ausbildung. Die Zeitungswissenschaft sollte ein besonders wichtiger Zweig an unseren Hochschulen sein, und die Zulassung, als Journalist zu wirken, sollte an die Vorbedingung eines besonderen, hohen Grades geistiger und sittlicher Ausbildung gebunden sein.

Es ist ungeheuerlich, aber es muß doch gesagt werden, daß ein Teil der heutigen deutschen Presse weit davon entfernt ist, ein Spiegelbild der deutschen Seele, des deutschen Volkes und ein Dolmetscher der

214


Meinung des deutschen Volkes zu sein. Ein Teil der heutigen deutschen Presse ist heute weder willens, noch fähig, das deutsche Volk zu vertreten, seine Würde und Ehre zu wahren, seine Unterrichts- und Erziehungs- und Führungsaufgaben gegenüber dem deutschen Volke zu erfüllen. Statt die Ehre des deutschen Volkes zu verteidigen, seine Würde zu wahren, seine Leser objektiv zu unterrichten, besorgt dieser Teil der deutschen Presse die Geschäfte der Todfeinde Deutschlands.

Wenn man diese Zeitungen heute aufschlägt, faßt einem das kalte Grausen. In selbstmörderischem Hasse raubt sie der deutschen Jugend alle jene Tugenden, die das deutsche Volk einst vor allen anderen Völkern auszeichneten: Soldatenehre, Wehrdienst, Fahneneid, Pflichterfüllung, Gehorsam, Treue, Vaterland und Vaterlandsliebe; alles wird der heutigen Jugend lächerlich gemacht und hämisch in den Schmutz gezogen. Alle Ideale, die einst die deutschen Jünglinge und Mädchen begeisterten, ihrem Leben Wert und Sinn und Inhalt gaben und sie zum Höchsten befähigten, werden in den Schmutz gezerrt, ohne der Jugend für die geraubten Ideale andere zu geben, andere ethische Werte, andere Ideale, denen zuzustreben, ihrem Leben Ziel und Sinn, Wert und Inhalt geben würde. (Wie etwa die im Desch-Verlag erscheinende Zeitschrift »Kultur«, Johannes Hönscheid, seit Jahren als eines der aggressivsten Angriffsblätter nicht nur gegen das deutsche Soldatentum, sondern gegen jede Regung deutscher Vaterlandsliebe.)

Das ärgste Krebsgeschwür am Körper der deutschen Publizistik aber sind heute gewisse deutsche »Illustrierte«.

Es ist einfach atemberaubend, wie weit wir es nach der Apokalypse des Jahres 1945 gebracht haben. Vom lallenden Dorftrottel aufwärts bis zum Super-Generaldirektor werden da die nicht mit einer Feuerzange anzufassenden Illustrierten im steigenden Maße gekauft und – ohne zu kotzen – gefressen. Je infamer die Selbstbefleckung und Selbstbesudelung, je gewissenloser die totale Geschichtsverfälschung, je lauter und penetranter der Chor des »Schuldbekenntnisses«, desto höher die Auflagen.

Eine ungeheuerliche Besudelung der deutschen Soldatenehre leistete sich Siegfried Einstein (aus Mannheim), ohne daß eine deutsche Behörde gegen ihn einschritt. »Die Andere Zeitung« brachte aus seiner Feder folgende Besudelungen:

Am 2. Mai 1963:

»In der Legion Condor … flogen Deutschlands tüchtigste Berufsverbrecher gen Spanien … Die Legion Condor darf ihre Siege feiern: die gnadenlose Vernichtung wehrloser Säuglinge und Greise …«

215


Am 28. August 1963:

»Auf Seiten Franco’s haben doch nur Abenteurer und Asoziale, Zyniker und Zuhälter gestritten.«

Was würde in anderen Ländern mit solchen Menschen geschehen?

Die heiligsten und wertvollsten sittlichen Werte werden heute von diesen – teils volksfremden, jedenfalls aber volksfernen – zersetzenden Elementen, die sich heute in Deutschland vordrängen und fälschlich vorgeben, Vertreter und Sprachrohr des deutschen Volkes und der öffentlichen deutschen Meinung zu sein, auf den Schindanger geworfen. Alle unentbehrlichen Fundamente für einen gesunden Staat und ein lebensfähiges und lebenskräftiges Volk werden zerstört und hinter den Trümmern dieser Zerstörung starrt uns der Totenkopf der Verzweiflung der Ohnmacht, des Nichts, entgegen.

»Wer heute das Wort Vaterland … lebendig zu erhalten versucht, setzt sich erheblichen Gefahren aus. Wer heute Deutschland als sein Vaterland liebt und sich dazu bekennt, wird argwöhnisch beschnüffelt, als habe er sich damit schon halb zu Hitler bekannt. Und wenn jemand die Auffassung vertritt, daß der Dienst für die Wehrhaftigkeit unseres Volkes, für die Verteidigung unserer Freiheit keine Debattierklubs uniformtragender Staatsbürger, sondern Zucht, Gehorsam, Einordnung erfordert, gilt als verpreußter Militarist und befindet sich damit schon in der Nachbarschaft der Nazis.

Wer den Bauern z. B. nicht nur als Fabrikanten für Lebensmittel betrachtet, sondern seinem Stand noch tiefere Werte beimißt, ihn bevölkerungspolitisch und biologisch als Kraftquelle des ganzen Volkes ansieht, der steht sofort im Geruch eines Blut- und Bodenideologen, so als sei das Bekenntnis zum Asphalt und der Wurzellosigkeit der Städte Voraussetzung für einen wahrhaften Demokraten. Mütter, gar kinderreiche, zu ehren, sich für die Familie und ihre Forderungen einzusetzen, sie als Urzelle und lebensbestimmende Macht jeder staatlichen Ordnung zu erkennen, setzt einen zumindest der Lächerlichkeit aus … Und wenn man gar sich erfrechen sollte, vom Arbeitsdienst zu sprechen (der gar nicht Hitlers Erfindung ist) und man etwa die Ansicht vertritt, mit einem solchen freiwilligen Einsatz der Jugend für überpersönliche Dinge werde mit einem Schlage das Halb Starkenproblem gelöst, die Leere und Sinnlosigkeit, die das Dasein unserer Jugend charakterisiert, überwunden werden können … werde man die vorhandenen Lebenskräfte, die sich heute in ekstatischen Tanzexzessen oder in sonstigen Krawallen austoben, sinnvoll entfalten können, dann erhebt sich ein Hohngeschrei … Welche Chance aber läge darin, durch solchen Dienst an der Gemeinschaft … etwa Schulen, Siedlungen, Heimstätten … zu bauen. Was für Möglichkeit, Land zu

216


gewinnen, Flüsse zu regulieren! Das Wort Arbeitsdienst allein löst schon eine Kettenreaktion aus … man reagiert mit entsetztem Aufschrei: ein Militarist, ein Faschist, ein Verbrecher! … Ist so viel Dummheit auf einem Haufen überhaupt noch erträglich? Finden sich denn nirgends Politiker, Erzieher, Publizisten, die dieser Selbstberaubung gemeinschaftsbildender Möglichkeiten Einhalt gebieten und die mit Entschlossenheit, Härte, ohne Rücksicht auf das Geheul der Meute bekennen: Wir brauchen Liebe zum Vaterland, Gemeinschaftssinn, Opferbereitschaft … Wir müssen neben Ehrfurcht und Liebe für unser Vaterland ohne jede nationale Überheblichkeit auch wieder das richtige Verhalten zur Familie, zum Bauerntum, zum Soldaten finden … Wer das alles heute offen ausspricht, kann des Hasses und des Wutgeschreies … sicher sein …

Wie glaubt man denn ernstlich, einen echten Staat schaffen und die Freiheit erhalten zu können, wenn man alle Voraussetzungen dazu beseitigt? (Oder ist es die tiefere Absicht einer bestimmten Gruppe von Menschen, auf diese Weise Deutschland zielbewußt zu zerstören? Anm. d. Zit.) … Es bedarf keiner Philosophien und keiner politischen Lehren, keiner Zitate von Plato … um zu wissen, daß ohne solche Fundamente kein Haus auf die Dauer bestehen kann …

Wann endlich werden ein paar mutige Männer in Deutschland aufstehen und sich zu den Thesen einer solchen sittlichen Erneuerung bekennen … Hier könnte die Jugend, vor allem die akademische Jugend, einen tatkräftigen Beitrag leisten. Wehrt Euch … und wenn Ihr nicht mehr wissen solltet, was das Vaterland ist, dann schaut Euch nur um! Es ist da und lebendig, in jedem Augenblick in Euch und um Euch! Ihr erfahrt es in Eurer Sprache, Ihr hört es in der Musik, Ihr seht es in den Kirchen und Burgen, in der Landschaft, die Euch umgibt; in jedem guten Gesicht, das Euch begegnet, leuchtet es; in jedem Kind, das Euch anlächelt, blickt es Euch an. Wehen Euch seine Wahrheit und seine Unsterblichkeit nicht entgegen, wenn Ihr die Dichtungen Goethes, Schillers, Kleists … erlebt? Im Fernsehen allerdings findet Ihr Euer Vaterland nicht und auch kaum im Kino. Wenn Ihr nur gewisse Illustrierte verschlingt oder sonstige Exkremente unserer Publizistik von heute, werdet Ihr keinen Hauch mehr von ihm verspüren. Auch in den schönen Reden jener Professoren nicht, die Euch nicht mehr die Wahrheit sagen, weil sie zu feig sind … auch bei den ewigen Masochisten der Selbstbeschuldigung werdet Ihr es schwerlich finden, Euer Vaterland …

Unser Vaterland ist so reich, viel reicher, schöner und liebenswerter als das Dunkle, Bittere und Gemeine, das man daraus gemacht hat. Aber glaubt auch Euren Vätern … wenn sie sich gegen die Niedertracht wehren, mit der Schmutzfinken aller Art die deutschen Soldaten beschimpfen, ihnen die Ehre abschneiden und den Tod von Millionen

217


für ihr Vaterland als sinnlosen Wahnwitz hinstellen. Sie sind nicht für Hitler gefallen! Laßt Euch nicht alle Eure Epochen, alle Eure großen Denker und Dichter vergällen, nicht Arndt und Fichte, nicht Friedrich den Großen und Bismarck, nicht den Freiherrn von Stein, Nietzsche und Wagner und wie sie sonst alle heißen … Seid nicht blind in Eurer Liebe zum Vaterland, liebt es mit kritischen Augen, aber glaubt an das Haus, in dem wir alle wohnen müssen …«

(Kurt Ziesel »Die verratene Demokratie«, S. 32 ff.)

Bei einer österreichischen Fernsehsendung am 28. Oktober 1960 um 20.20 Uhr erzählte der österreichische Bundesminister für Unterricht, Dr. Heinrich Drimmel:

»Nach 1945 mußten sich die Offiziers-Heimkehrer, die an einer Wiener Hochschule studieren wollten, einer Befragung unterziehen. Es wurden ihnen u. a. folgende Fragen gestellt: Haben Sie desertiert? Haben Sie Ihre Untergebenen zur Desertation aufgefordert?«

Wer diese Fragen verneinte, wurde zum Hochschulstudium nicht zugelassen, wer sie bejahte, wurde zum Hochschulstudium zugelassen.

Ich maße mir über keinen Menschen ein Richteramt an. Auch nicht über Offiziers-Deserteure. Das muß jeder mit seinem Gewissen ausmachen. Aber die Zulassung zum Hochschulstudium davon abhängig zu machen, ob einer ein Deserteur war oder nicht, das ist wohl der Gipfel geistiger und sittlicher Verlotterung; eine niedrigere und verächtlichere Gesindel-Gesinnung ist wohl kaum möglich.

Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft versuchte der ehemalige Flugzeugführer Nikolaus Englisch an einer deutschen Universität zu inskribieren. Bei allen Universitäten, bei denen er die Inskription versuchte, wurde er abgewiesen und zur Inskription nicht zugelassen mit dem Bescheid:

»Für einen deutschen Offizier ist an einer deutschen Universität kein Platz!«

Es ist bejammernswert, wie wenige Menschen heute mutig genug sind, sich gegen die Gesinnungsdiktatur des Gesindels zu wehren, das heute das deutsche Volk – vor allem die deutsche Jugend – dadurch sittlich zu entwurzeln versucht, daß sie, aus Haß gegen die jüngste Vergangenheit, nun mit dieser Vergangenheit auch alle jene hohen und unersetzlichen sittlichen Werte bekämpft, die dem deutschen Volke in der Vergangenheit so teuer waren: Vaterlandsliebe, Gemeinschaftsgeist, Treue, Soldatenehre, Fahneneid, Pflichterfüllung u. a. m.

Kein Mensch fast wagt heute, aus Furcht, als Hitlerianer angegriffen und verfolgt zu werden, gegen die sittliche Entartung und Zersetzung offen aufzustehen.

218


Zu den ganz wenigen, die heute wagen, die deutsche Nation zur Besinnung aufzurufen, gehört vor allem Kurt Ziesel. Wie ein Aufschrei aus tiefster, gequälter Seele hört es sich an, wenn er sagt (S. 69):

»Ungeahndet können in Deutschland maßgebende Politiker, sogar führende Männer der Kirchen, die Bundeswehr als ›Verbrecherschule‹ bezeichnen,1 ungestraft können Parteien des eigenen Landes den Verteidigungsminister zum Feind Nr. 1 des Staates deklarieren, ungestraft werden unsere eigenen Söhne, die zum Wehrdienst einberufen werden, nach Gesetzen, die vom Volke gewählte Abgeordnete beschlossen haben, von den Gazetten, den Sendern, Literaten, Geistlichen, Abgeordneten ihres eigenen Volkes mit Hohn und Spott bedacht. Der Staat, die Justiz, sehen diesem Schauspiel schweigend und tatenlos zu, ohne zu begreifen, daß sich hier eine beispiellose Selbstbesudelung des eigenen Staates vollzieht, der damit an der Wurzel zerstört wird, wenn man den Soldaten als Trottel, den General als Schweinehund und den Verteidigungsminister als kriegslüsternen Verbrecher hinstellt …

… Das Geheul dieser … Landesverräter gegen den eigenen Staat ist im Hinblick auf die bis an die Zähne bewaffneten Diktatoren im Osten ebenso frivol, wie frech und verlogen … Während man hier ganz offen die Kriegsdienstverweigerung als das höchste demokratische Menschenrecht, ja als einen besonders schlüssigen Beweis für musterhafte demokratische Gesinnung … propagiert und man diese Kriegsdienstverweigerer, die sich der allgemeinen Verteidigungsbereitschaft für unsere Freiheit, also für die Demokratie, entziehen wollen, vor Publicity geförderte Kommissionen stellt, wandern die Kriegsdienstverweigerer bei den Friedensaposteln in Pankow ins Zuchthaus …«

Man hat nach 1945 hunderttausende Existenzen erbarmungslos vernichtet, hat hunderttausende Menschen mit ihren Familien unglücklich gemacht, nur weil sie vor 1945 von dem demokratischen Grundrecht Gebrauch gemacht hatten, der damaligen Staatspartei als Mitglieder anzugehören. Ist das Recht? Ist das nicht unsittlich und unrecht?

Das Vertrauen in den deutschen Rechtsstaat, in die Demokratie, in die demokratischen Grundrechte ist heute so völlig verschwunden, daß


1
Von Pastor Niemöller wird folgender entsetzliche – bis heute unbestritten gebliebener Ausspruch behauptet: »Mütter und Väter sollen wissen, was sie tun. wenn sie ihren Sohn Soldat werden lassen: Sie lassen ihn zum Verbrecher ausbilden! Ausbildung: zum Soldaten … (ist die) … hohe Schule für Berufsverbrecher.«

(Zitiert in »Neues Europa«, 1964, Heft 3. Suchlicht S. 1.)

Sehr aufschlußreiche und sehr erschütternde Einzelheiten über Pastor Niemöller berichtet Professor Rassinier in seinem Buche »Das Drama der Juden Europas«, Pfeiffer-Verlag, Hannover, 1965, S. 43 ft. – Wir zitieren sie hier nicht mit Rücksicht auf Pastor Niemöller.

219


jeder lieber mit den Wölfen heult, als Bekennermut zu zeigen und damit seine Familie und seine Sicherheit und sein Lebensglück zu gefährden. Nichts aber tut heute unserem Volke und Vaterlande, tut der Demokratie mehr not, als daß mutige Männer aufstehen und gegen das Geheul der Wölfe für die Erneuerung der sittlichen Werte und Tugenden eintreten, deren jede Nation bedarf, wenn sie frei und glücklich leben will. Nichts tut Deutschland heute mehr not, als gegen jene destruktiven Mächte, jenes destruktive Gesindel aufzutreten, deren Macht heute nur von unserer Feigheit lebt.

Ein Teil der heutigen Presse – wie des Schrifttums überhaupt – ganz zu schweigen von den destruktiven Wirkungen vieler Sendungen des deutschen Rundfunks und Fernsehens, die längst hinweggefegt wären, wenn es heute wirklich eine Demokratie gäbe – zeigt sich nicht nur als unfähig, sondern auch als unwillig, ihre hohen Aufgaben im Dienste von Volk und Vaterland zu erfüllen; sie wirkt wie ätzendes Gift, zerfressend und zerstörend auf die Seele des deutschen Volkes, vor allem aber der deutschen Jugend.1

Sehr viele Deutsche sind heute – ob mit Recht oder zu Unrecht, das zu untersuchen ist nicht Aufgabe dieses Buches – der Überzeugung, daß ein Großteil der Presse unter dem starken, oft maßgeblichen Einfluß volksfremder, undeutscher und nichtdeutscher Elemente steht. Bei der Schreibweise dieser Presse, die die Anschauungen der deutschen Allgemeinheit nicht nur nicht zum Ausdruck bringt, sondern in oft krassem Gegensatz dazu steht und das Empfinden des deutschen Volkes oft zutiefst verletzt, kann es nicht Wunder nehmen daß in den Herzen vieler Deutschen aus tiefster Empörung heftiger seelischer Widerstand wachgerufen wird und da und dort in manchem Herzen und Hirnen wieder der lebhafte Wunsch sich zu regen beginnt, den in Deutschland sich immer häufiger und immer verletzender bemerkbar machenden übermäßigen Einfluß dieser volksfremden Elemente


1
In einem in Wien aufgeführten Theaterstück trat der Teufel auf, geschmückt mit einem Ritterkreuz. Diese geschmacklose Verunglimpfung wurde durch den Unterrichtsminister Dr. Drimmel eingestellt.

Eine der sattsam bekannten deutschen »Illustrierten« leistete sich in Verbindung mit einem Preisausschreiben folgende beispiellose Beleidigung des deutschen Soldatentums: Die bei einer Rätselaufgabe ausgesetzten Preise waren:

11. – 100. Preis: eine deutsche Generalsmütze und ein Offizierspatent
101. – 1000. Preis: je ein eisernes Kreuz…
Trostpreise: Nahkampfspangen …

Die Wiener Zeitschrift »Kunst ins Volk« schrieb dazu: »Nicht nur die Träger dieser Auszeichnungen, sondern alle anständigen Soldaten, für welches Land immer sie gekämpft haben, werden eine solche Verhöhnung zurückweisen.«

Wäre eine solche Verhöhnung und Verunglimpfung von Kriegsauszeichnungen in England oder in den USA oder sonst in irgendeinem anderen Lande möglich?

220


zu beschränken und – besonders auf dem Gebiete der Presse und Publizistik – endlich und womöglich ganz auszuschalten.

Der französische Universitätsprofessor Maurice Bardèche hat ein Buch geschrieben »Der Weg nach vorne«. Wir lesen darin ein Stück Zeitgeschichte über die Entstehung der französischen Lizenzpresse.

»Gleichzeitig mit der provisorischen Regierung Frankreichs 1944 machten sich in dem Sessel der Zeitungsdirektionen unbekannte Persönlichkeiten breit, die man nie zuvor in der französischen Presse kennengelernt hatte, und die mitunter erst ganz frisch auf französischem Gebiet gelandet waren. Sie haben sich in die Direktorenstühle gesetzt, wie ein Autodieb sich hinter das Steuer eines gestohlenen Autos hockt. Man hat ihnen gesagt ›Nehmen Sie nur ruhig Platz!‹ Man hat hinzugefügt ›Sie sind hier zuhause. Die Zeitung gehört Ihnen! Sie sind jetzt die französische Meinung, auch wenn Sie in der Bukowina geboren sein sollten. Und was Sie nun in Ihren gestohlenen Zeitungen mit Hilfe der gestohlenen Setzmaschinen schreiben werden, das verpflichten wir uns als genau das anzusehen, was das französische Volk denkt.‹

Und nicht nur in Frankreich hat man das so gemacht!

Als man die neuen Herausgeber auswählte, hat man ihnen ungefähr folgende Rede gehalten:

›Versichern Sie auf Ihre Ehre, Ihr Vaterland während des Kampfes verraten zu haben? Können Sie beschwören, daß Sie seine Niederlage gewünscht haben? Sind Sie sicher, schlechte Patrioten gewesen zu sein? Haben Sie während der schlechten Zeiten nie etwas für ein Hilfsunternehmen zugunsten frierender und hungernder Kinder gegeben? Wenn Sie diese Fragen für uns zufriedenstellend beantworten können, dann setzen Sie sich dorthin, mein Herr, Sie sind jetzt Eigentümer dieses Gebäudes, dieser Druckerei, dieses Unternehmens, dieses Lehrkreises und auch dieses Schlosses, das Sie in der Ferne sehen. Von nun an sind Sie die Stimme dieses Volkes und wenn Sie sprechen, werden wir das so ansehen, als sprächen wer weiß wie viele Franzosen durch Ihren Mund!‹«

So war es also nach dem Zeugnis vom Professor Maurice Bardèche 1944 in Frankreich. Wie war es 1945 bei uns in Deutschland, als sich die Tore der Rache öffneten und die Scharen der Racheapostel Deutschland überschwemmten?

221


Liebe zum Vaterland darf nicht kundgetan werden

Die »DWZ« bringt am 25. Februar 1966 folgende aufrüttelnde und unbegreifliche Nachricht (S. 2):

»Strafe wegen Deutschland-Lied.

Der Medizinstudent Giesbert Schauer der Universität Halle hatte im September vergangenen Jahres (1964) nach dem Ernteeinsatz mit 15 Kommilitonen in einer Gastwirtschaft des Kreises Templin das Deutschland-Lied gesungen. Da Schauer die Melodie obendrein auf dem Klavier begleitet hatte, wurde er von der Hochschule exmatrikuliert. Die anderen erhielten strenge Verweise.«

Das ist nur in Deutschland möglich.

Glaube und Vaterland

In einer Reichstagsrede im Jahre 1878 sagte Fürst Otto v. Bismarck:

»… Wenn sie den Leuten in Hohn und Spott, in Bild und Wort, alles, was ihnen bisher heilig gewesen ist, als eine Lüge darstellen; alles, was unsere Väter begeistert und geführt hat als einen Schwindel, als eine hohle Redensart hinstellen, ihnen den Glauben, die Anhänglichkeit an das Vaterland, den Glauben an die Familie, an den Besitz, an die Vererbung dessen, was sie erworben für ihre Kinder, wenn sie ihnen alles das nehmen, so ist es nicht schwer, einen Menschen dahin zu führen, daß er schließlich mit der Faust spricht: Fluch sei der Hoffnung, Fluch dem Glauben und Fluch vor allem der Geduld! Ein so geistig verarmter und nackt ausgezogener Mensch, … was bleibt denn dem übrig, als eine wilde Jagd nach sinnlichen Genüssen, die allein ihm noch mit diesem Leben versöhnen können …«

(Zitiert aus »Der Reichsadler« Nr. 4/ 1965.)

Da kann ja jeder Straßenfeger kommen

Aus einem Bericht der »NZ« vom 18. Februar 1966 geht hervor, wieviel Schmutz heute ein Soldat der Bundeswehr über sich ergießen lassen muß:

»Vor dem Standesbeamten Gatz von Empelde, Kreis Hannover, wollte der Bundeswehrleutnant Jaritz in Uniform heiraten. Der Standesbeamte bezeichnete es als unhöflich und beleidigend, in Uniform zu

222


heiraten. Er bekräftigte dem erstaunten Leutnant: ›Ja, das ist mein Ernst! Es wird nicht getraut! Da könnte ja jeder Straßenfeger kommen!‹ Und der Gemeindedirektor Humbeck empfahl Leutnant Jaritz, sich doch anderswo trauen zu lassen.«

So sieht das Ergebnis der Sprache eines Großteils unserer Presse aus!«

Seelenmörder am Werke

Peter Kleist stellt in seinem Buche »Chruschtschow 50 Kilometer von Hamburg« fest:

»In Westdeutschland arbeiten heute etwa 400 bis 500 Organisationen auf das Ziel hin, den Patriotismus auszurotten … und die vaterlandsliebende Schicht zu unterminieren. Es gibt 60 ›Weltfriedens-Organisationen‹, 12 kommunistisch gesteuerte Offiziers- und Soldatenvereinigungen, 200 Komitees gegen die Wiederbewaffnung.«

Zu der selbstzerstörenden Sucht der Selbstanklage und Selbstbezichtigung und der Verleugnung seines eigen Volkes schreibt Peter Kleist (»50 Kilometer von Hamburg«, S. 353 f.):

»Als die Bolschewisten sich in Rußland durchgesetzt hatten, gingen sie mit ähnlichen Motiven daran, die Geschichte des russischen Volkes unter dem Zaren als ein einziges Meer von Blut, Zwang und Unrecht umzuschreiben … So war es vor vierzig Jahren. Inzwischen haben die Sowjets gründlich umgelernt. Sie haben erkannt, daß die Geschichte eines Volkes eine Einheit ist, aus der man nicht nach Belieben einen Abschnitt heraustrennen kann … In Deutschland hat man von diesem Zwang der Geschichte noch nichts begriffen. Man wühlt mit trübem Eifer (in der Vergangenheit) …

Wenn irgendein prominenter Ausländer nach Warschau kommt, so führt man ihn ins Warschauer Ghetto oder nach Auschwitz. In Rom läßt man ihn an den Gräbern kommunistischer Partisanen Kränze niederlegen. In Paris zeigt man ihm die Gedenktafeln erschossener Widerstandskämpfer. In England muß er sich die letzten Erzeugnisse des ›Blitz‹ anschauen.

Kommt er nach Deutschland, zeigt man ihm nicht die Trümmerreste des alliierten Terrorbombardements, nicht die Stätten, wo deutsche Gefangene verhungerten oder erschlagen wurden, nicht die Galgen der Rachejustiz der Sieger. Man weist die Vertriebenenverbände empört zurecht, weil sie den amerikanischen Präsidenten an ihre geraubte Heimat zu erinnern wagten und man wird nicht müde, Gedenkstätte um Gedenkstätte einzuweihen, die die Welt an die deutschen – und nur an die deutschen – Greueltaten erinnern sollen. Niemand, der

223


an dieser Propaganda gegen Deutschland teilnimmt, darf sich darüber beklagen, daß das deutsche Volk als das einsame und alleinige Verbrechervolk auf dieser friedlichen und sittsamen Erde angesehen, eingeschätzt und behandelt wird.

Während in Deutschland ein früherer General ungestraft als ›Schwein‹ beschimpft werden darf, während Freisprüche deutscher Offiziere wieder und wieder aufgehoben und zur Neuverhandlung gestellt werden, während zweimal und dreimal abgeurteilte Vergehen oder behauptete Verbrechen unbekümmert um uralte Rechtsordnungen noch und noch einmal vor den Richter gezerrt werden – hat Großbritanniens Königin den Urheber des völkerrechtswidrigen Bombenterrors gegen Deutschland mit Ordensverleihung und Adelserhebung ausgezeichnet, hat Frankreichs Staatspräsident den Angreifer des tunesischen Dorfes Sakiet dekoriert …«

Die Meinung der Jungen

Die »DWZ« erhielt folgenden Brief (15. Juni 1963, S. 8):

»Ich bin Geburtsjahrgang 1945 und gehöre zu den Jugendlichen, die noch nicht von den heutigen Meinungsmachern vergiftet sind. Es ist unglaublich, wie auf dem Gymnasium die jüngste Geschichte entstellt wird. Von der Quarta an wird den Schülern immer wieder vorgepredigt, welche Schuld das deutsche Volk auf sich geladen hat. In Einzelheiten wird geschildert, welche Verbrechen deutsche Soldaten in den Nachbarstaaten, vor allem in der Ukraine begangen haben sollen und welch grauenvolle Dinge sich in den KZ’s abgespielt haben. Man könnte hierbei den Eindruck gewinnen, die ganze deutsche Armee habe nur aus Verbrechern bestanden.

Diese Hetze aber beschränkt sich keineswegs nur auf den Geschichtsunterricht, sondern wird von bestimmten Lehrern auch in Deutsch, Gemeinschaftskunde und sogar Religion bei jeder Gelegenheit an den Mann gebracht … Von Verbrechen und Massenmorden an Deutschen habe ich in der Schule noch kein Wort gehört. Weder der Bombenterror der Alliierten oder Mord und Vertreibung von Millionen Ost- und Sudetendeutschen, noch die Ausplünderung des deutschen Volkes mittels Demontage und Reparationen sind offenbar wichtig genug, um im Geschichtsunterricht auch nur gestreift zu werden.

Hier sind einige der Lügen, die man uns heute noch als geschichtliche Tatsachen vorlegt: ›Die Nazis haben den Reichstag selbst angezündet! Österreich ist dem Reiche gewaltsam und gegen seinen Willen einverleibt worden. Es gab keinen Grund für den Einmarsch in das Sudetenland und in Polen. Hitler hat von Anfang an den Krieg mit Frank-

224


reich gewollt. England hat dagegen den Krieg mit allen Mitteln verhindern wollen. Die Autobahnen sind nur für Kriegszwecke gebaut worden.‹ – usw. usw.

Obwohl alle diese Behauptungen schon längst widerlegt sind, wird in den überholten Schulbüchern nichts gestrichen; die Schüler werden weiterhin angelogen.

Die Folgen dieser Geschichtsverfälschung bleiben natürlich nicht aus. Die Jugend hat sich so an das ›neue Geschichtsbild‹ gewöhnt, daß sie jede Behauptung und Lüge widerspruchslos hinnimmt. Niemanden erregt die schändliche Diffamierung des deutschen Soldatentums, wie sich erst vor kurzem bei den Filmen ›Stalingrad‹ und ›Der längste Tag‹ zeigte, die man uns als ›besonders wertvoll‹ empfohlen hatte, und an denen kaum ein Schüler der Oberstufe etwas auszusetzen hatte, weil niemand es anders wußte.

Ich möchte bezweifeln, ob diese Einstellung, Verunglimpfung und Hetze unserer Bundeswehr förderlich ist. Der Widerwille gegen den Wehrdienst ist so groß, daß es im allgemeinen als besonderes Glück angesehen wird, ihm zu entgehen. Es fehlt der Jugend ein Ideal … Der Soldat von heute weiß nicht, wofür er überhaupt kämpfen sollte. Trotz unserer durch Grundgesetz garantierten Demokratie und Meinungsfreiheit bitte ich darum, meinen vollen Namen nicht anzugeben, da ich vor dem Abitur keine unliebsame Überraschung mehr erleben will. (XYZ, Oldenburg).«

1963 haben 1545 Obersekundaner und 1166 Oberprimaner an 27 Oberschulen in Niedersachsen und in Hessen Fragebogen ausgefüllt. Die Antworten müssen die Umerzieher bitter enttäuschen. (Dr. Rudolf Raasch vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung berichtet darüber in seinem Buche »Zeitgeschichte und Nationalbewußtsein« .)

Trotz zwanzigjähriger Umerziehung zu charakterlosem Internationalismus und Selbstentehrung ärgert es immer noch 83 Prozent der befragten Oberschüler, »wenn das deutsche Volk im Ausland als grausam und verbrecherisch angegriffen wird.«

Die Befragten führen den Mangel an Vaterlandsliebe auf die dauernden Schuldbekenntnisse von Lehrern, Historikern, Politikern und Publizisten zurück.

Ein Obersekundaner schreibt:

»Ohne Zweifel kamen auf beiden Seiten Greuel vor. Nur werden sie bei uns; weil wir die Verlierer waren, hemmungslos herausgestellt. Wir hören nur: Hitler ist schlecht … Alle Deutschen sind Mörder.

225


Juden sind die besten Menschen der Welt. Die Deutschen sind die einzigen Schuldigen an beiden Weltkriegen … Wenn ich im Geschichtsunterricht etwas über die Zeit nach 1918 höre, möchte ich am liebsten den Raum verlassen …«

Deutsche Verleger als Hüter deutscher Würde

Es ist unvorstellbar, wieviel Haß und Gift gegen das deutsche Volk in Büchern verspritzt wird, die von Todfeinden Deutschlands geschrieben, von deutschen Verlegern ins Deutsche übersetzt, verlegt und herausgegeben werden.

Der Verlag Droemer und Knaur gibt in Deutschland das Buch von E. M. Nathanson »Das dreckige Dutzend« heraus. Der Verfasser läßt seinen Helden Reisman sagen:

»Der Tod von Deutschen war besonders gut und erhebend, eine Haupttriebkraft in seinem Leben …« (S. 28).

»Ich (Reisman) gebe Ihnen 5 Piepen in bar für jede Nazikehle, die Sie durchschneiden. Bei Ihrem Haß, White, müssen Sie am Ende des Krieges ein reicher Mann sein.« (S. 327)

Worte, dem deutschen Volke ins Herz geschrieben

Wir können dieses traurige Kapitel nicht besser abschließen, als mit den Worten, die ein holländischer Freund 1959 nach Deutschland schrieb:

»… Es tut uns, als ihre ehemaligen Gegner, wirklich leid, immer wieder feststellen zu müssen, daß Ihr Deutsche, vierzehn Jahre nach dem Kriege, unseren damaligen Propagandalügen mehr Glauben beimeßt, als der nüchternen Wirklichkeit …

Ihr Deutschen seid nicht schlechter als wir! Seit Deutschland besiegt, zerspalten und geschändet ist, ist die Welt nicht um ein Haar besser geworden! Wir haben den Deutschen Soldaten immer als tapferen, ritterlichen Gegner kennengelernt. Im Jahre 1959 wird er von Euch mehr in den Kot gezogen und mehr lächerlich vorgestellt, als selbst wir, haßerfüllt, während des Krieges und in den Nachkriegsjahren, es taten. Etwas mehr Haltung wäre durchaus am Platze und würde von der Welt mehr geschätzt. Seid stolz auf Eure Soldaten und Eure Leistung! Das sollte das Erste sein!«

226


Ein britischer Offizier schrieb an die deutsche Jugend:

»Ich kenne das deutsche Volk seit vielen Jahren, in Wohlstand und im Elend … Besonders der jüngeren deutschen Generation möchte ich zurufen: Kopf hoch! Sie und auch Ihre Vorväter besitzen zu Vieles, auf das Sie stolz sein dürfen; viel mehr als Dinge, über die sie sich schämen müßten! G. A. Meeks, Captain i. R., Oxford.«

Die Diffamierung der deutschen Kriegsauszeichnungen

Zu den Veranlassungen und Verfügungen, die das Bedenken vieler deutscher Staatsbürger erwecken und leicht mißdeutet werden können, gehört auch das Verbot des Tragens von Kriegsauszeichnungen aus dem Zweiten Weltkrieg. Welch verheerende moralische Zerstörungen muß ein solches Verbot in der Seele junger Menschen anrichten, wenn den Staatsbürgern, die in schwersten Zeiten sich als Bürger und Soldaten bewährten, nun die Kreuze von der Brust gerissen werden, und dadurch die Eigenschaften, die Mannes- und Soldatentugenden, die notwendig sind, solche Ehrenzeichen zu erwerben, in den Kot gezerrt werden! Tapferkeitsauszeichnungen, Sturmabzeichen, Nahkampfspangen, Verwundetenabzeichen sollen nun eine Schande sein? Die Tapferen, die bewährten Bürger und Soldaten, die in der Erfüllung ihrer vaterländischen Pflichten ihr Leben aufs Spiel setzten, sollen nun Narren oder Verbrecher gewesen sein?

Das unglückselige Verbot wurde, wenn schon nicht in der österreichischen Armee, so doch wenigstens in Deutschland eingeschränkt auf das Hakenkreuz, das jene Kriegsauszeichnungen tragen; dies erweckt schon dadurch bei vielen den Verdacht, daß es auf Wunsch von Menschen und aus Rücksichten erlassen wurde, die außerhalb des deutschen Volkes und Landes liegen. Das Verbot eines Symbols ist immer ein Zeichen der Schwäche und der eigenen inneren Unsicherheit; es ist darüber hinaus eine Einschränkung und Vergewaltigung der staatsbürgerlichen und Gesinnungsfreiheit; und schließlich verfehlt es völlig seinen Zweck, sofern es nicht der Liebedienerei gegenüber gewissen ausländischen Kreisen dient, sondern eine Sicherung vor jenen politischen Überzeugungen sein soll, deren Symbol das verbotene Zeichen einmal war.

Der Zwang eines Verbotes, die Vergewaltigung der persönlichen und geistigen Freiheit, schaden den Zwecken, denen sie dienen sollen, erfahrungsgemäß immer mehr, als sie ihnen nützen.

227


Wir Deutsche, soweit wir uns nicht persönlich mit Schuld belastet haben, haben keine Ursache, unser Volk und unsere Vergangenheit zu verleugnen; auch dann nicht, wenn wir uns mit dem herrschenden System irgendeiner Epoche in der Vergangenheit ganz und gar nicht decken.

Bilderstürmerei gegen Symbole aus zurückliegenden Epochen der völkischen Vergangenheit sind eines freien Volkes unwürdig; ganz besonders dann, wenn diese Bilderstürmerei nicht aus dem Volk selbst erwächst, sondern seine Ursachen und Quellen außerhalb des Volkes liegen.

Der Krieg, der hinter uns liegt, wurde nicht für den Nationalsozialismus geführt; die Auszeichnungen, die sich Deutsche in Erfüllung ihrer staatsbürgerlichen und soldatischen Pflichten erwarben, gereichen ihnen zur hohen Ehre; sie mit Stolz zu tragen, bedeutet in keiner Weise und auch nicht im entferntesten ein Bekenntnis zum Nationalsozialismus, sondern ausschließlich ein Bekenntnis zu unserem Volk, und zum berechtigten Stolz darauf, unsere Pflichten erfüllt zu haben.

Das Verlangen, ein Symbol daraus zu entfernen, ist eine Fälschung der Geschichte und ein Zeichen der Furcht vor diesem Symbol, das in der hinter uns liegenden Epoche nicht nur Symbol politischer Anschauungen war, mit denen wir uns ganz und gar nicht decken, sondern ebensowohl damals auch zu einem sehr beachtlichen Teil Symbol völkischer und politischer Ansichten war, mit denen wir uns sehr wohl decken und für die wir – schon lange bevor es überhaupt einen Nationalsozialismus gab – mit Recht begeistert waren und gekämpft haben und die uns heute noch teuer sind.

Wie etwa die Befreiung von den entwürdigenden Fesseln des Versailler Diktates, von den erwürgenden Reparationszahlungen, von der diffamierenden Kriegsschuldlüge, die Wiederherstellung der deutschen Ehre und Souveränität, die Wiedergewinnung der politischen Gleichberechtigung und des politischen Ansehens in der Welt, die Befreiung der Deutschen in der CSSR und in Polen vom schmählichen Joche der Unterdrückung und Entnationalisierung, die Rettung aus dem Abgrund hoffnungsloser Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Not, die Überwindung des Klassenkampfes und der Klassenschichtung des deutschen Volkes durch soziale Gleichstellung aller deutschen Bürger, die Einigung aller Kräfte des deutschen Volkes im Kampfe gegen die zersetzenden Kräfte des Weltkommunismus usw.

Man sollte es daher der persönlichen freien Entscheidung jedes einzelnen Staatsbürgers überlassen, ob er die Kriegsauszeichnungen tragen oder

228


sie – nach dem Willen mancher Hasser1 – auf den Misthaufen werfen will.

Jeder Zwang aber, sei es zum Einen oder zum Anderen, ist leidenschaftlich und bedingungslos abzulehnen.

»Nicht vergessen?«

Man will im deutschen Volk das Gefühl der »deutschen Schuld«, des Schuldbewußtseins, nicht zur Ruhe kommen lassen und es mit aller Gewalt lebendig erhalten. Das deutsche Volk soll mit allen Mitteln dazu gezwungen werden, seine Vergangenheit zu verabscheuen.

Der ehemalige Bundespräsident, Professor Heuß, fühlte sich veranlaßt, dem deutschen Volk immer wieder zu predigen:

»Die Deutschen müssen lernen, nicht zu vergessen!«

Er meinte damit, die Verbrechen, die von einigen Deutschen begangen wurden (zum Teil auch nur behauptet werden) nicht zu vergessen. Abgesehen nun davon, daß nicht »die Deutschen«, sondern »einige Deutsche« Verbrechen begangen haben, und zwar erheblich weniger, als die Haßpropaganda dem deutschen Volke und der Welt vorlügt, wäre der Welt ein sehr schlechter Dienst damit erwiesen, wenn die Deutschen wirklich nicht vergessen könnten. Denn die Gegenrechnung, die das deutsche Volk den anderen Völkern – vor allem den sich zu seinen Anklägern und Richtern aufspielenden Völkern und Menschengruppen – vorzuhalten hat, ist viel grauenvoller, als umgekehrt. Die Deutschen haben heute viel mehr ihnen zugefügtes Leid zu vergessen, als seine Ankläger und Richter.

Gebe der Himmel, daß das deutsche Volk die Mahnung, die der Herr Professor an es richten zu müssen glaubte, nicht befolgt. Die Mahnung, die man heute – nach dem eben hinter uns liegenden Zusammenbruch der Menschlichkeit auf beiden Seiten – mit tiefster Inbrunst beschwörend an das deutsche Volk und an die ganze Menschheit richten muß, lautet vielmehr:

Vergebt und vergeßt die Unbill, das Unrecht und das Leid, das ihr erdulden mußtet, um einer besseren Zukunft willen.


1
Bei manchen Hassern mag die letzte Ursache ihres Hasses darin zu finden sein, daß sie selbst die charakterlichen Fähigkeiten und Eigenschaften nicht besitzen, die Voraussetzung des Erwerbes solcher Auszeichnungen sind.

229


Denn wenn die Menschen nicht fähig sind, zu vergessen und zu vergeben, dann hieße das: Unfriede und Haß, Krieg und Vergeltung und gegenseitige Vernichtung in Permanenz zu erklären.

Noch ein Gipfel deutscher Würdelosigkeit

In einem gesunden Staate wird jeder Bürger alles tun, den Ruf seines Staates zu schützen und sein Ansehen zu mehren. Das werden in jedem gesunden Staate seine Bürger als Selbstverständlichkeit und als erste Bürgerpflicht ansehen. Besonders aber ist es die erste Pflicht der Auslandsvertreter des Staates, in erster Linie auf den Ruf ihres Landes bedacht zu sein.

Wäre es auch nur denkbar, daß etwa die Vertreter Englands oder der USA offiziell ein Buch propagieren, in dem englisch-amerikanische Kriegsverbrechen – etwa die hunderttausendfachen Morde an deutschen Frauen und Kindern durch die Terrorbomber – der Welt nachdrücklich zur Kenntnis gebracht und damit Haßpropaganda gegen das eigene Land getrieben würde? Oder daß ein polnischer Diplomat ein Buch über polnische Morde an deutschen Kindern, oder ein tschechoslowakischer Generalkonsul ein Buch über die tschechischen Folterungen und die Ermordung der sudetendeutschen Kinder der Welt und den heutigen Tschechen empfehlen würde?

Diese Frage beantwortet sich von selbst.

In Deutschland aber ist dies bei bundesdeutschen Diplomaten möglich gewesen. (Bericht der »DWZ« vom 3. Februar 1967 »Kinderkreuzzug gegen Deutschland«.)

Das Generalkonsulat der BRD im kanadischen Toronto versendet folgendes offizielles Schreiben:

Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland

Toronto 5, Ont. Canada

71 Admiral Bd. 15. Juni 1966

Sehr geehrte Herren!

Im Namen und im Auftrag des Auswärtigen Amtes überreiche ich Ihnen das kürzlich erschienene Buch von Inge Deutschkron ›… denn ihrer war die Hölle – Kinder in Ghettos und Lagern‹.

Die Berichte Inge Deutschkrons sind ganz besonders dazu angetan, uns verstehen zu helfen, warum die Schatten der Vergangenheit noch immer auf uns lasten und warum wir als Deutsche oder Deutschstämmige noch immer hier und dort auf Zurückhaltung, wenn nicht gar auf Ressentiment stoßen.

230


Mit freundlichen Grüßen – im Auftrag – R. Horn, Konsul, Presse und Information.«

Mit diesem Schreiben erhalten die Empfänger zugleich das Buch geschenkt. Die Kosten des Versands und des Geschenkes trägt der deutsche Steuerzahler! Siegfried Härtle schreibt zu dieser Ungeheuerlichkeit in der »DWZ«:

»Verfasserin dieses Buches, das auf Kosten des deutschen Steuerzahlers versandt und verschenkt wird, ist eine Inge Deutschkron. Sie vermag nichts aus eigener Anschauung zu berichten. Sie selbst war weder in einem Ghetto noch in einem Lager. Sie bedankt sich beim Institut für Zeitgeschichte in München, bei der zionistisch tendierenden Wiener Library und last not least – beim Institut Yad Washem in Jerusalem. Niemand wird jedoch daraus folgern können, daß damit schon ein Beweis für die Echtheit ihres Materials geliefert wäre. Diesen Beweis will sie von vornherein gar nicht erst anbieten. Sie gibt sogar ausdrücklich zu: ›Die Versuchung lag nahe, die Zeugenaussagen durch Dokumente zu belegen.‹ Frau Inge Deutschkron hat dieser Versuchung widerstanden. Sie wählte einen erheblich einfacheren Weg der Beweisführung. Sie stützt sich vor allem auf das sowjet-polnische Auschwitz- Museum, das noch kein Forscher der freien Welt auf seinen Wahrheitsgehalt hin exakt überprüfen durfte.

Umso eifriger bemüht sich die Autorin, ihr Material durch Zeichnungen zu illustrieren. Die meisten davon stammen von Kindern, die Ghetto und Lager wieder verlassen konnten; die meisten von zwei jetzt in Israel lebenden Malern: Avivdor Arikha und Jehuda Bacon. Offenbar handelt es sich vor allem um nachträgliche Zeichnungen … Noch bedenklicher ist jedoch die Auswahl der Texte. Die Autorin gibt zu, sie habe die Schicksale von Kindern ›zusammengetragen‹, wie sie in Aussagen von Zeugen vor den Gerichten von Jerusalem oder Frankfurt dargestellt wurden.

Sie kommt gar nicht einmal auf den Gedanken, nur Aussagen zu übernehmen, die der gerichtlichen Überprüfung standhalten könnten; dies, obwohl inzwischen genug Beweise dafür geliefert wurden, daß solche Zeugen Vorgänge, die 25 Jahre und mehr zurückliegen, entweder unter dem Trauma ihrer Erlebnisse oder als bewußte und bezahlte Schwindler Tatsachen und Erfindungen unentwirrbar durcheinandermischen … Eine sachliche Darstellung der wirklichen Leiden solcher Kinder ist berechtigt, besonders um künftige Generationen zu warnen … Aber diese Darstellung muß auf überprüften und überprüfbaren Zeugnissen beruhen. Selbst wahrheitsgemäße Berichte dürfen sich nicht auf völlig einseitig ausgewählte Berichte beschränken und dadurch den völlig falschen Eindruck erwecken, als dürften sich solche Vorfälle nur auf

231


jüdische Kinder beschränken. Dadurch, daß Verbrechen aus der gleichen Kriegszeit gegen deutsche und japanische Kinder – etwa die zu Tode gebrannten und zerfetzten Kinder von Dresden, Hamburg, München usw. und die zu Tode gefolterten sudetendeutschen Kinder – mit keinem Worte erwähnt werden, wird der einseitige Bericht auch dann unwahr, wenn es sich nur auf überprüfte, wahre Berichte stützte, was er aber von vorneherein gar nicht tut.«

Diese innere Unwahrheit, die einseitige und unüberprüfte Auswahl, ihre Darstellung und die einseitige Überbetonung der Verbrechen gegen jüdische Kinder muß die Autorin selbst verantworten. Aber ganz unerträglich wird die Sache, wenn solche einseitige Hetzbücher, die nur dazu dienen, den Haß gegen Deutschland wachzuhalten und zu verewigen, von deutscher amtlicher Seite noch gefördert, zu Lasten der deutschen Steuerträger angekauft und verschenkt werden, und das deutsche Nest mit dem Unrat, den seine Todfeinde liefern, beschmutzen.

Selbst wenn es sich um eine wahre Darstellung handeln würde und um historisch überprüfte Tatbestände, wäre die amtliche Verbreitung und Verteilung solcher Bücher nicht zulässig und ein Faustschlag ins Gesicht der deutschen Würde.

232