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Bild-»Dokumente« zur NS-Judenverfolgung?

UDO WALENDY


1. Einleitung

Bereits im Ersten Weltkrieg spielte das Bild als Verleumder des Feindes in der alliierten Kriegspropaganda eine zentrale Rolle, wie es F. Avenarius anhand vieler Beispiele aufgezeigt hat.[1] Zwar war die Retuschiertechnik seinerzeit sehr primitiv und daher waren die Fälschungen für den kritischen Zeitgenossen leicht zu durchschauen, aber in der aufgeheizten Situation des Ersten Weltkrieges waren solche kritischen Geister in der Minderzahl und vor allem unerwünscht. Heute wundert man sich, daß selbst einfache, als solche zu erkennende Zeichnungen und Karikaturen von den damaligen Zeitgenossen für bare Münze genommen wurden. Doch haben wir Anlaß zu solchem Hochmut?

A. Jaubert hat gezeigt, daß besonders diktatorische Systeme zur Manipulation von Fotos oder zur Herstellung gestellter bzw. totalgefälschter Aufnahmen neigen.[2] Allerdings widmet sich Jaubert zum überwiegenden Teil nur der Selbstdarstellung der Herrschenden durch manipulierte und geschönte Bilder, wohingegen gerade die interessante Frage der Propaganda während der Kriegszeit bei ihm größtenteils ausgespart bleibt - und leider auch die Propaganda der demokratischen Systeme, die - allen voran Großbritannien - selten größere Skrupel beim Fälschen hatten als Diktaturen.

Ein Beispiel Jauberts ist es wert, hier näher betrachtet zu werden. Auf S. 78 zeigt er ein Bild, daß die Beschimpfung englischer Kriegsgefangener in Frankreich durch die französische Zivilbevölkerung während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg zeigt. Jaubert interpretiert dies als ein von den deutschen Besatzungstruppen gestelltes Bild. Einen Beweis dafür führt er allerdings nicht an. Da die Alliierten auch auf französische Städte massive Luftangriffe führten, bei denen große Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung zu verzeichnen waren,[3] ist es immerhin nicht undenkbar, daß es zu Beschimpfungen alliierter Kriegsgefangener durch Franzosen gekommen ist, vor allem in Anbetracht der Tatsache, daß ein nicht unerheblicher Teil der französischen Bevölkerung teils aus Opportunimus, teils aus Überzeugung mit den Deutschen kollaborierte. Sowohl die alliierten Bombardements als auch die damalige Kollaboration mit den Deutschen aber sind Tabus der heutigen französischen Gesellschaft. Ist also das von Jaubert gezeigte Foto gestellt oder ist sein Interpretation falsch, da nach seiner Meinung nicht sein kann, was nicht sein darf?

2. Zur Technik der Bildfälschung und ihrer Aufdeckung

Wir unterscheiden nachfolgend drei Arten der Bildfälschung:

  1. Echte und unverfälschte Bilder werden falsch untertitelt. Es handelt sich dabei also nicht eigentlich um eine Bildfälschung, sondern nur um die falsche Angabe dessen, was dort angeblich abgebildet ist. Dies ist allerdings seit je eine der wirksamsten Mittel der Irreführung, da das Bild selber ja echt ist und die falsche Betitelung häufig nur entdeckt werden kann, wenn anhand zuverlässiger Quellen nachgewiesen werden kann, was auf dem Bild tatsächlich dargestellt ist. In einigen Fällen jedoch kann man auch anhand von Details des Bildinhaltes selbst beweisen, daß der unterstellte Gesamtinhalt falsch ist, so zum Beispiel, wenn abgebildete Örtlichkeiten, Personen oder Gegenstände nicht mit dem unterstellten Ereignis in Deckung zu bringen sind.
  2. Echte Bilder werden gezielt verändert. Hierzu gehört erstens, daß man nur gewisse Ausschnitte eines Bildes wählt, um solche Teile zu entfernen, die die unterstellte falsche Aussage des Bildes widerlegen würden. Zweitens gehört hierzu die Einmontierung eines echten - veränderten oder unveränderten - Bildteils in einen anderen Teil, der wiederum echt oder unecht sein kann, womit der Gesamteindruck des Bildes verändert wird. Die Veränderung des echten Bildteils beschränkt sich dann meistens auf veränderte Gesichter oder Unkenntlichmachung unerwünschter Bildpartien. Dies geschah bis Ende der siebziger/Anfang der achtziger Jahre von Hand, indem man große Abzüge eines Bildes malerisch veränderte oder ergänzte. Solche Fälschungen sind für das geschulte Auge meist leicht zu entdecken, da Schattenwürfe, perspektivische Verzerrungen und naturnahe Darstellung selten exakt glücken. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen die Veränderungen nahezu genial glücken oder solche, bei denen diese Veränderungen durch bewußt unscharfes Abfotografieren des manipulierten Abzuges schwer nachweisbar werden.
    Durch die fortgeschrittene Rechnertechnologie können Bilddokumente heute nahezu unbegrenzt manipuliert werden, ohne daß man irgendwelche Veränderungen nachweisen könnte. Heutige Rechnersysteme können an vorhandenen Fotos, die in den Rechner eingeladen (gescannt) werden, sowohl Schattenwürfe sowie perspektivische Verzerrungen als auch natürliche Farb- und Formgebung perfekt manipulieren. Somit haben Bilddokumente heutzutage keinen Beweiswert mehr. Sollte also ein Bild über strittige zeitgeschichtliche Themen heute zum ersten Mal veröffentlicht werden, so muß man es rigoros als Beweis ablehnen. Erst der Nachweis, daß das Material des zugehörigen Negativs bzw. Diapositivs aus der angegebenen Vor-Computer-Zeit stammt, macht das Bild wieder zu einem zeitgeschichtlichen Dokument.
  3. Die Totalfälschung. Besteht ein angebliches Bilddokument aus einer abfotografierten Zeichnung oder wurde es aus Komponenten anderer Bilder zusammengesetzt, so hat man es mit einer Totalfälschung zu tun, wobei der Übergang zwischen manipulierten Bildern und Totalfälschungen naturgemäß fließend ist. Die Aufdeckung solcher Fälschungen kann wie bei den retuschierten Bildern durch Aufdeckung von Widersprüchen in Schattenwurf, Perpektive, Form- und Farbgebung sowie Strichführung, als auch durch Nachweis der unmöglichen Kombination von Personen, Gegenständen und Örtlichkeiten gelingen.

Dank der modernen Rechnertechnologie gilt für die Beweiskraft neuerer Bilddokumente das unter 2. ausgeführte entsprechend.

3. Bild-»Dokumente« über die Judenverfolgung des Dritten Reiches

Kann man angesichts der in diesem Band an vielen Stellen aufgedeckten zweifelhaften Umständen, unter denen Zeugenaussagen, Geständnisse, eidesstattliche Erklärungen, aber auch Dokumente jeder Art über die NS-Judenverfolgung zustande kamen und kommen, kritiklos davon ausgehen, daß alle uns in den letzten Jahren präsentierten Bild-»Dokumente« über die NS-Judenverfolgung echt sind? Oder sollte man nicht allenthalben Vorsicht walten lassen und jedes dieser Bilder einer kritischen Untersuchung unterziehen?

Tatsächlich gibt es bisher nur eine Monographie, die sich mit den tatsächlichen oder vermeintlichen Bilddokumenten der NS-Judenverfolgung befaßt.[4] A. Jaubert[2] befaßt sich nicht mit dieser Thematik, da er es möglicherweise für politisch nicht opportun hält. G. Frey[5] reißt das Thema an, widmet ihm jedoch meiner Auffassung nach nicht die Aufmerksamkeit, die es verdienen würde. Ansonsten besteht die Diskussion der etablierten Historikerschaft über die Authentizität solcher Bilddokumente nur in Polemik und Strafanzeigen gegen Zweifler und Kritiker.

Dies ist deshalb so erschreckend, da das Bilddokument im Zeitalter der Illustrierten und des Fernsehens auf die Bevölkerung eine enorme pädagogische Wirkung hat und somit Bildfälschungen eine kaum zu unterschätzende propagandistische, ja volksverhetzende Wirkung haben. Dies trifft bezüglich der NS-Judenverfolgung besonders zu, da wir es hier mit einem Thema zu tun haben, bei dem der überwiegende Teil unseres Volkes mittlerweile eine Art Betroffenheitsritual eingeübt hat, das jede kritische Auseinandersetzung mit dem vorgelegten Beweismaterial fast unmöglich macht.

Nachfolgend sollen einige Bilder, die immer wieder als Beweistücke für gewisse tatsächliche oder vermutete Vorkommnisse der NS-Judenverfolgung vorgebracht werden, vorgestellt und einer kritischen Analyse unterzogen werden. Diese Darstellung kann wegen der begrenzten Seitenzahl weder bezüglich der Anzahl der zu analysierenden Bilder noch bezüglich des Umfangs jeder einzelnen Analyse vollständig sein. Eine umfassende Kritik der bekannten Bild-»Dokumente« zu diesem Thema, die über meine bisherigen Arbeiten hinausgeht,[6] muß erst noch erstellt werden.

3.1. Falsch betitelte Bilder

Der Nachweis, daß ein Bild tatsächlich das ihm unterstellte Ereignis darstellt, ist vielfach schwierig. In der Regel stehen einem dafür nur Zeugenaussagen zur Verfügung, und zwar einerseits die des Fotografen und andererseits die derjenigen, die das Ereignis selber miterlebt haben und möglicherweise auf dem Foto abgebildet sind. Daneben helfen einem die auf dem Foto gezeigten Örtlichkeiten bei der Feststellung des Aufnahmeortes und evt. auch der Aufnahmezeit. Die Abbildung bekannter Persönlichkeiten, deren Teilnahme am Ereignis überprüfbar ist, kann eine Identifizierung wesentlich erleichtern. Sind auf einem Bild dagegen nur solche Personen abgebildet, deren Identität nicht feststellbar ist, und zeigt auch der Hintergrund der Aufnahme keine charakteristischen Eigenheiten, die eine räumliche und eventuell auch zeitliche Fixierung der Aufnahme ermöglichen, so ist man auf Gedeih und Verderb auf die Aussage des Fotografen angewiesen. Ist sogar dieser unbekannt und nur die Berufung auf Zeugen vom Hörensagen möglich, so sind die Fotos als histotrischen Dokumente annähernd wertlos, da nun jeder über dessen vermeintlichen Inhalt unüberprüfbar behaupten kann, was er will.

Tatsächlich sind für alle der nachfolgend gezeigten Bilder sowohl die dargestellten Personen als auch die angeblichen Ersteller völlig anonym. Dies ist ein Faktum, das auf annähernd alle angeblichen Bild-»Dokumente« zum Judenmord zutrifft. Eigentlich sollte das schon Grund genug sein, die Bilder beiseite zu legen. Aber sehen wir uns dennoch einige Exemplare an.

Abbildung 1: Sogenannnte Schrumpfköpfe, aus R. Neumann, Hitler - Aufstieg und Untergang des Dritten Reiches, Oldenbourg, München 1961, S. 183.

Unser erstes Bild zeigt angeblich eine Sammlung medizinischer Muster, die von den amerikanischen Truppen bei der Befreiung des Lagers Buchenwald gefunden worden sein sollen. Es soll sich hierbei um Körperteile verstorbener Häftlinge handeln. Für besondere Furore sorgten dabei angeblich aus tätowierter Menschenhaut bestehende Lampenschirme, Bucheinbände, Lesezeichen sowie zwei Schrumpfköpfe. Diese Beweismittel dienten neben der generellen Anklage in Nürnberg vor allem als Beweismittel in den Prozessen gegen Ilse Koch, der Frau des ehemaligen Lagerkommandanten des KZ Buchenwald. Sie soll lebende Häftlinge im Lager nach ihren Tätowierungen ausgesucht und zur Tötung bestimmt haben, um schließlich aus den Häuten Gebrauchsgegenstände herstellen zu lassen. A.L. Smith hat in seiner ausführlichen Studie festgestellt, daß die durch eine US-Untersuchung als Menschenhaut identifizierten Gegenstände nach ihrer Versendung zum Internationalen Militärtribunal (IMT) nach Nürnberg spurlos verschwanden.[7] Laut Aussage des US-Generals Clay sollen die angeblichen Menschenhaut-Lampenschirme aus Ziegenhaut gewesen sein.[8] Alle sonstigen später aufgefundenen Gegenstände waren entweder aus Kunst- bzw. Tierleder, aus Stoffen oder Pappe. Die später vor einem deutschen Gericht erhobenen Anschuldigungen gegen Frau Koch ruhten lediglich auf den unglaubwürdigen Aussagen jener Berufszeugen der Dachauer Prozesse, wie sie M. Köhler im vorliegenden Band bereits charakterisiert hat. Frau Koch, zuvor von den Amerikanern in Dachau zu lebenslanger Haft verurteilt und schließlich begnadigt, wurde in der damals herrschenden Atmosphäre von Hysterie, »Propaganda und Massensuggestion«[9] von einem deutschen Gericht in Augsburg wiederum zu lebenslanger Haft verurteilt und beging später Selbstmord. Die zwei gleichzeitig präsentierten Schrumpfköpfe erwiesen sich als südamerikanischer Provenienz mit einer Inventarnummer eines deutschen anthropologischen Museums.

Smith meint, es habe im KZ Buchenwald einen Medizinstudenten der Universität Jena gegeben, der seine Dissertation über den Zusammenhang von Hauttätowierungen und Kriminalität angefertigt habe. In diesem Zusammenhang sei es möglicherweise zur Verwendung tätowierter Haut, allerdings bereits gestorbener Häftlinge gekommen.[10] Da die Verwendung von Körperteilen Verstorbener für die medizinische Forschung und Lehre bei Einverständnis der Verstorbenen oder ihrer Angehörigen nichts Außergewöhnliches noch Verwerfliches ist, wäre zu klären, ob und in welchem Rahmen diese Hautentnahme geschah. Auf jeden Fall sind die den aufgefundenen Beweismitteln unterschobenen Geschichten von vorne bis hinten erlogen.

Abbildung 2: Angebliche Opfer eines Gemetzels des Bataillons Nachtigall, tatsächlich jedoch Opfer des sowjetischen Geheimdienstes. Aus H. Bergschicker, Der Zweite Weltkrieg, Deutscher Militärverlag, Berlin 1968.

Abbildung 2 soll nach Bergschicker die Opfer eines Gemetzels des ukrainischen Nationalisten-Bataillons Nachtigall zeigen, dessen politischer Offizier angeblich Theodor Oberländer war.[11] Kurt Ziesel wies in seinem Buch Der Rote Rufmord nach, daß diese gegen den damaligen Bundesminister gerichtete Kampagne auf einer falschen Bilduntertitelung ruhte.[12] Das Bild zeigt tatsächlich Opfer des sowjetischen NKWD, der vor dem Rückzug der Roten Armee 1941 Regimegegner massenweise liquidierte. Dieser Fall ist kein Einzelbeispiel. Gerne werden irgendwelche Leichenansammlungen ohne Beweise irgendeinem vermeintlichen Missetäter untergeschoben, und da die Deutschen diesbezüglich gutgläubig und zu voreilenden Schuldeingeständnissen bereit gemacht worden sind, erwischt es sie am häufigsten.

Abbildung 3: Jenes in der US-Zeitschrift Life vom 21. Mai 1945 reproduziert Foto mit den »Leichen von nahezu 3.000 Sklavenarbeitern bei Nordhausen«. (Zum Vergrößern Bild anklicken)

Ein ähnliches Beispiel zeigt Abbildung 3, abgebildet unter anderem in der amerikanischen Zeitschrift Life vom 21.5.1945. Danach stellt dies eine Ansammlung toter Sklavenarbeiter des KZ Nordhausen dar. Das Blatt suggeriert durch seinen Kommentar, daß diese Häftlinge durch Hunger, Überarbeitung und Schläge gestorben seien. Tatsächlich jedoch hat unter anderem M. Broszat festgestellt, daß diese Toten KZ-Häftlinge Opfer eines alliierten Luftangriffes waren.[13]

Abbildung 4 soll angeblich Massenmord-Opfer von Auschwitz zeigen.[14] Tatsächlich jedoch handelt es sich hierbei um Typhus-Opfer des KZ Bergen Belsen. Bis heute kennt man keine ähnlichen Aufnahmen des KZ Auschwitz oder anderer Orte angeblicher Massenvernichtung. Es geschieht daher wahrscheinlich in Ermangelung anderer Bilder immer wieder, daß die Hunger-, Typhus- und sonstigen Opfer von Mangelversorgung und unhygienischen Zuständen in den Lagern des Dritten Reiches gegen Kriegsende als Opfer eines vorsätzlichen Massenmordes hingestellt werden. Tatsächlich machten die auf den unbefangenen westallierten Zuschauer infernalisch wirkenden Zustände der westlichen Lager am Kriegsende den Eindruck, als wären in diesen Lagern Massentötungen mit Vorsatz vorgefallen, so daß die entsprechenden ersten alliierten Meldungen verständlich erscheinen. Tatsächlich wurden diese Bedingungen jedoch durch äußere Umstände bewirkt, so zum Beispiel durch die von Himmler zu dieser Zeit sicherlich unsinnigerweise befohlene Evakuierung frontnaher Lager ins Landesinnere,[15] die damit verbundene völlige Überbelegung der verbliebenen Lager und die zusammenbrechende sanitäre, medizinische und Nahrungsmittelversorgung der Lager infolge des völligen Zusammenbruchs der Infrastruktur des zu Tode gebombten Dritten Reiches. Norbert Frei führt dementsprechend zur Reaktion der Westalliierten bei ihrer Ankunft in den KZs aus:[16]

Abbildung 4: Aufnahme von Typhustoten, die nach der englischen Besetzung des KZs Bergen-Belsen gemacht wurde und die in verschiedneen Zeitschrifen, etwa Quick im Jahre 1979, mit falschem Untertitel wiedergegeben wurde.
»Der Schock über die Entdeckungen führte nicht selten zu faktisch falschen Schlußfolgerungen, die sich zum Teil als recht zählebig erweisen sollten. Paradoxerweise konnten aber auch daraus historisch-politisch richtige Einsichten erwachsen.«

Wahrscheinlich versteht er unter den historisch richtigen Schlußfolgerungen jene im Westen falschen Vernichtungsunterstellungen, die sich bezüglich der vermeintlichen Vernichtungslager im Osten als richtig erwiesen haben sollen. Die politisch richtigen Schlußfolgerungen dürften sich schließlich auf die volkspädagogisch erwünschten Wirkungen der falschen Betitelung solcher Aufnahmen beziehen.[17]

3.2. Verfälschte Bilder

Bild 5a wurde inzwischen mehrfach als Beweis für unmenschliche Judendeportationen in Ghettos und Vernichtungslager[18] publiziert und auch im Deutschen Fernsehen als solches gezeigt.[19] Was dieses Bild jedoch tatsächlich darstellt, kann man bei der Bildstelle der Bundesbahndirektion Hamburg erfahren. Danach handelt es sich um einen im Hamburger Bahnhof szehenden, mit deutschen Flüchtlingen vollbesetzten Leergüterzug für das Ruhrgebiet im Jahr 1946. Im Hamburger Hauptbahnhof schließlich hängt das unretuschierte Originalbild, Abbildung 5b.[20] Dort erkennt man links im Bild Doppeldecker-Personenwaggons auf dem Weg nach Lübeck und rechts Gebäudeteile des Hauptbahnhofs. Beide Indizien hätten es ermöglicht, den Hamburger Hauptbahnhof als Aufnahmeort zu identifizieren, beides wurde in der Fälschung retuschiert bzw. herausgeschnitten. Mit dieser Feststellung soll durchaus nicht behauptet werden, daß es keine Deportationen von Juden in Ghettos und Konzentrationslager gegeben hat, und auch nicht, daß diese Transporte nur in komfortablen Personenzügen erfolgten, auch wenn dies besonders in der Anfangsphase der Deportationen durchaus der Fall war. Die Aufdeckung dieser Fälschung soll nur zur Skepsis gegen vermeintliche Bilddokumente auffordern.

Abbildung 5a: Retuschiertes Bild mit der Überschrift »Transporte in Ghettos und Vernichtungslager«, in H. Eschwege, Kennzeichen J, Berlin 1981. Abbildung 5b: das Originalbild der Bundesbahndirektion Hamburg mit der Überschrift: »Güterzüge mit Flüchtlingen 1946. Vollbesetzter Leerzug für das Ruhrgebiet. Im Hintergrund Doppelstockwagen nach Lübeck
Abbildungsgruppe 6 (oben und Mitte)
Abbildung 7: (unten ) Karikatur aus dem französischen Machwerk Israël souviens-toi! Think of it, Israel, Israel, denke daran, herausgegeben von E. Varlin in Paris 1935.

Die Bildergruppe 6 bedarf eigentlich keines weiteren Kommentars.[21] Es soll, je nach Version verschieden, den Münchner Juden Dr. S(p)iegel (oder auch A. Schwartz) zeigen, der 1933 bei der Polizei Schutz suchen wollte, jedoch von dieser mit einem Plakat versehen und der Schuhe, Strümpfe und Beinkleider beraubt, durch die Innenstadt getrieben worden sei. Andere Quellen geben an, dies sei eine Szene aus der Reichskristallnacht, also vom 9.11.1938 (seit wann ist es nachts hell?). Trotz intensiver Forschung gelang es bisher nicht, die volle Identität dieses Menschen zu lüften. Zwar gelang es herauszubekommen, daß im Jahre 1979 ein Jude Namens Dr. Michael Siegel, Inhaber des Bundesverdienstkreuzes, in seinem ständigen Wohnsitz in Peru verstorben ist, doch ein Konterfei wurde bis heute von niemandem der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.[22]

Die dem Bild zugrundeliegenden Fotos sind offensichtlich weitgehend retuschiert worden, was nicht nur an der ständig wechselnden Beschriftung des Plakates erkennbar ist, sondern auch an dem unwirklich erscheinenden, unscharfen Unterleib des Herrn S(p)iegel/Schwartz.

Interessant ist eine Karrikatur, die der einen Bilder-Gruppe verblüffend ähnlich sieht und bereits im Jahre 1935 veröffentlicht wurde, dort aber nicht als auf einem echten Bild basierend deklariert wurde, Abbildung 7.[23] Im Gegensatz dazu wurden die in Abbildungsgruppe 6 gezeigten Bilder erst nach dem Krieg nach und nach veröffentlicht. Damit stellt sich die interessante Frage: War die Karrikatur zuerst da oder das Bild? Handelt es sich also möglicherweise um eine Komplettfälschung? Man darf spekulieren...

Abbildung 8 soll dem Spiegel zufolge einen KZ-Wächter mit seinen Opfern im KZ Buchenwald zeigen. Die Häftlinge sollen an den Händen zusammengebunden an Bäumen hängen.[24] Hierzu kann ich nur jeden zum Selbstversuch raten: Hängen Sie sich in einer Turnhalle mit den Händen nach hinten an eine Sprossenwand und versuchen Sie, die Beine dabei angewinkelt zu halten. Ich beglückwünsche Sie zu Ihrer wohltrainierten Bauchmuskulatur, wenn Sie dies länger als eine Minute aushalten. Übrigens scheinen die Bindfäden, mit denen die vermeintlichen Häftlinge an die Bäume gebunden sind, unerklärbar haltbar zu sein. Stricke jedenfalls können es nicht sein, denn die wären so dick, daß man sie sähe. Dies scheint also eine Fotomontage zu sein, wenn nicht gar ein komplett gefälschtes Bild, also ein Gemälde.

Abbildung 9 (a,b,c) hat Anfang 1994 einen aktuellen Bezug erhalten, als sich ein Mädchen in Halle selber ein Hakenkreuz aufmalte und damit die Medien, die Staatsanwaltschaft und die ganze linke Bewältigungschickeria an der Nase herumführte und zu großen Straßendemonstrationen gegen die »Rechtsradikalen« veranlaßte.[25] Ihre Idee war nicht neu, wie man leicht anhand der immer wieder wechselnden Judensterne auf der Stirn der drei anonymen Juden erkennt, abgebildet vor einem völlig neutralen Hintergrund.[26] Montage oder Gemälde?

Abbildung 8 (a,b): Das linke Bild erschien im Spiegel (42/1966) mit der Überschrift »Im SS-Staat das perfekte Sklavensystem«; rechts eine "Variante" mit der Überschrift »SS-Sadisten "verordnen" das "Baumhängen"«, erschienen in H. Eschwege, aaO. Anm. 18, S. 266.
Abbildung 9 (a, right): Mit der Überschrift »SS-Männer schnitten Juden Sterne in die Haut« erschien dieses Bild in Faschismus, Getto, Massenmord, herausgegeben vom Jüdischen Historischen Institut in Warschau, Frankfurt/Main 1960, S. 42.
Abbildung 9 (b,c, unten): links: Ausschnitt, erschienen bei R. Neumann, Hitler - Aufstieg und Untergang des Dritten Reichs (aaO., Anm 26); man merke, daß die "Sterne" woanders sitzen; rechts: das gleiche Bild bei T. Kotarbinski, Meczenstwo walka, zaglada zydow w Plsce 1939-1945, Warschau 1960, Bild Nr. 38.

Abbildung 10 soll nach R. Schnabel lebende neben toten Häftlingen im KZ Mauthausen zeigen.[27] Abbildung 11 ist ein echtes Foto mit einem dem linken Bildteil von Abb. 10 analogen Motiv. Es stellt sich sonnende kranke Häftlinge im Russenlager des KZ Mauthausen dar.[28] Die Häftlinge können in beiden Bildern annähernd komplett zu Deckung gebracht werden. Auffällig an Abb. 10 ist zunächst seine gegenüber dem Original merkliche Unschärfe, was eine Fälschung schwerer erkennbar macht. Sodann erkennt man leicht, daß die im Hintergrund links befindliche Baracke völlig neu gemalt wurde, ebenso wie der ganze rechte Bildteil hinzugemalt wurde. So hat zum Beispiel die Baracke rechts ein schiefes Fenster und einen falschen Schattenwurf.

Abbildung 10: aus R. Schnabel, Macht ohne Moral Abbildung 11: aus V. Berdych, Mauthausen

Die Abbildungen 12 soll angeblich Freiluftverbrennungen von Opfern der Massenvergasungen im Krematorium V in Birkenau darstellen, aufgenommen aus einem Fenster des Krematoriums V.[29] Tatsächlich entspricht der im Hintergrund befindliche Zaun und der Verlauf des Waldes annähernd den Gegebenheiten, wie sie damals waren. Einer der heute zugänglichen Luftaufnahmen kann an der entsprechenden Stelle auch eine leichte Rauchentwicklung entnommen werden.[30] Es ist also möglich, daß die Grundlage dieses Bildes ein echtes Foto ist. Einige Details der Abbildung 12 machen uns jedoch skeptisch. So zum Beispiel die links hinten stehende, nur schematisch erkennbare Gestalt, die sich auf einen Stock stützt. Da alle anderen Gestalten auf diesem Bild von der Sonne hell erleuchtet sind, ist diese Dunkelheit und Konturlosigkeit nicht zu erklären. Auch die Form der angeblichen Leichen darf uns skeptisch machen, besonders die in Abbildung 13 vergrößerte. Wahrscheinlich wurde hier also der erwünschten Wahrheit auf die Sprünge geholfen, indem man bei einem Feuer durch Hinzufügen von Leichen und Arbeitern eine Kremierungsszene inszeniert hat. Aber selbst wenn das Bild echt wäre: Wären dies dann Opfer einer Vergasung oder einer Typhus-Epidemie?

Abbildung 12: Bei Pressac, auch in der deutschen Ausgabe, Die Krematorien von Auschwitz, Piper, München 1994, als Dokument 57 enthalten.
Abbildung 13: Eine Vergrößerung von Abbildung 12, in G. Schoenberner, aaO. (Anm. 29), S. 162. Der linke Arm des über die vermeintlichen Leichen steigenden Mannes ist viel zu lang und scheint zwei Ellenbögen zu haben. Die sehr unscharf abgebildeten am Boden liegenden Körper weisen zudem eine unmögliche Anatomie auf.

Die Abbildungsgruppe 14 (a,b,c) soll die Erschießung polnischer Juden an einem offenen Grab dokumentieren.[31] Der schießende Soldat besitzt mal eine Brille, mal keine, mal weiße Ränder am Kragenspiegel, mal nicht. Er wirkt wie ausgeschnitten und eingeklebt: Helle Ränder an der Uniform, kein Schattenwurf. Auch die Männer im Hintergrund wirken beim Übergang zum Hintergrund wie ausgeschnitten. Man versuche zudem, die Beine den einzelnen Männern zuzuordnen. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um eine Fotomontage, mit Sicherheit aber um eine Fälschung mit gemalten Szenen.

Abbildungsgruppe 14 a)-c) (Fußnote 31)

3.3. Totalgefälschte Bilder

Die Abbildungsgruppe 15 soll nackte Häftlinge in einer Schlange vor den Gaskammern von Treblinka zeigen.[32] Von Abbildung 16a zu c sinkt die Güte der Bilder dramatisch ab durch mehrfaches retuschieren, vorausgesetzt daß diese Bilder tatsächlich auf einem Foto basieren. Weder der Fotograf noch der Ort ist dokumentiert, und es bleibt daher ein Rätsel, wie man behaupten kann, daß es sich hierbei um eine Hinrichtung handelt. Es kann wohl sein, daß Abbildung 16c das Original ist, also ein Foto, Gemälde oder eine Fotomontage, und daß die anderen daran angelehnt durch ständiges Verfeinern und zunehmends Retuschieren.

Abbildung 15a: From history1900s.about.com/education/history1900s/library/holocaust/bleinsatz6.htm; etwas schlechter in Gerhard Schoenberner, Der gelbe Stern, Hamburg 1960 - mit dem Legendentext: »Der Fotograf der Frauen in Treblinka, die, mit ihren Kindern auf dem Arm, in die Gaskammern gehen, ist nicht bekannt
Abbildung 15b: Aus Jüdisches Historisches Institut Warschau, Faschismus - Getto - Massenmord (S. 334), mit der Überschrift »Frauen mit Kindern unmittelbar vor der Exekution«.
Abbildung 15c: aus S. Einstein, Eichmann - Chefbuchhalter des Todes, Frankfurt/Main 1961, S. 202.

Das gleiche gilt für die Abbildungsgruppe 16, das nackte Häftlinge vor einer Massenexekution in Lettland zeigen soll.[33]

Abbildungsgruppe 16: Aus G. Schoenberner, Der gelbe Stern, mit der Legende »Massenexekutionen in Lijepaja«; rechts aus S. Einstein, Eichmann - Chefbuchhalter des Todes.

Abbildungsgruppe 17: Aus R. Schnabel, Macht ohne Moral mit der Legende »Tausende von Schuhen ermordeter Häftlinge in Auschwitz«; rechts aus C. Simonov, The Lublin Extermination Camp (KZ Majdanek)

Abbildungsgruppe 17 zeigt angeblich Schuhberge der in Auschwitz oder Majdanek - je nach Publizist - ermordeten Häftlinge.[34] Der unscharfe Hintergrund und die unrealistisch gemalt wirkenden Schuhe dieser, was die Schuhe anbelangt, gleichen, ansonsten aber sehr unterschiedlichen Bilder, läßt auch hier die Vermutung aufkommen, daß es sich schlicht um ein Gemälde handelt. Während im linken Bild die im Vordergrund sichtbaren, sich vom weißen Untergrund sehr kontrastreich abhebenden Schuhe scharf abgebildet sind - ohne daß dabei Details der Schuhe sichtbar wären -, wird das Bild beim Übergang zu dem im Hintergrund befindlichen Haufen plötzlich unerklärlich unscharf. Im rechten, 13 Jahre vor dem linken Bild publizierten Bild sind die Schuhe exakt gleich gelagerten, aber wesentlich detaillierter zu erkennen. Der Hintergrund ist schärfer und mit Soldaten sowie weiter hinten mit einem Zaun bestückt. Vorne links liegen Schuhe, wo im rechten Bild andere Gegenstände zu lagern scheinen, die sich durch besonder Unschärfe auszeichnen. Dies weckt den Verdacht, daß der linke Bildstreifen im rechten Bildes retuschiert wurde.

Häufig werden dem Publikum irgendwelche Berge von Schuhen, Brillen, Rasierpinseln, Eheringen oder ähnliches als Beweis für die Vernichtung der Juden präsentiert. Logisch betrachtet ist dieser Beweis ebenso schlüssig wie die Behauptung, das Vorhandensein von Bergen von Altkleidern, die jährlich in Deutschland z.B. vom Roten Kreuz gesammelt werden,sei Beweis, daß das Rote Kreuz bei jeder Sammlung das deutsche Volk vernichte. Tatsächlich ist heute kaum mehr in Erinnerung, daß im Dritten Reich besonders in der Kriegszeit aus chronischem Rohstoffmangel annähernd alles gesammelt und wiederverwertet wurde. Wer garantiert uns also, daß ausnahmsweise mal auftauchende echte Aufnahmen nicht einfach die Sammelergebnisse solcher Aktionen zeigen?[35] Vielleicht wurden sie auch einfach nur von den Alliierten gesammelt, um ebensolche Propagandaaufnahmen anzufertigen.[36]

Diese auf jeden Fall gänzlich ungeeigneten »Beweismittel« sind besonders tragisch, da seltsamerweise besonders solche Ansammlungen von Gegenständen auf den normalen Zuschauer überzeugend wirken und für eine betroffene Grundstimmung sorgen, wie der Film Todesmühlen zeigte, der der deutschen Bevölkerung nach dem Krieg gezeigt wurde und entsprechende Passagen enthielt.[37]

3.4. Filme

Dieser Film wurde von den Amerikanern kurz nach Kriegsende sowohl der deutschen Zivilbevölkerungen als auch den nach vielen Hunderttausenden zählenden deutschen Kriegsgefangenen vorgeführt. Er stellte angeblich die Greuel der KZs dar und sollte zur Umerziehung des deutschen Volkes beitragen. Allerdings gab es seinerzeit durchaus Widerspruch gegen die Authentizität des Films. So berichtet Chamberlin von gelegentlichen Unruhen bei der Vorführung des Filmes, wobei der dort aufkeimende Widerspruch allerdings vom sich betroffen fühlenden Publikum z.T. gewalttätig unterdrückt wurde.[37] Zeitgenössischen Berichten zufolge wurde die Kritik dadurch hervorgerufen, daß den wahrscheinlich authentischen Bildern und Filmsequenzen der Zustände deutscher Konzentrationslager bei Kriegsende Szenen hinzugefügt wurden, die Leichenberge aus ausgebombten deutschen Städten bzw. ausgemergelte deutsche Internierte in den Lagern des »automatic arrest« zeigten - von den Besatzern allerdings ausgegeben als KZ-Opfer.[38] Da Chamberlin von Problemen der Besatzungsbehörden bei der Beschaffung ausreichenden Filmmaterials zur Erstellung des Filmes zu berichten weiß,[39] erscheint es durchaus plausibel, daß man zu dieser »Notlösung« gegriffen hat. Leider sind diese Vorwürfe nie dokumentarisch niedergelegt und belegt worden, so daß deren heutige Nachprüfung schwer fallen muß, vor allem, da die allein kompetente Erlebnisgeneration langsam ausstirbt.

Eine inzwischen erwiesene Komplett-Filmfälschung wurde von den Amerikanern während des IMT vorgeführt. Es handelte sich dabei um die filmische Aufnahme der angeblichen Entdeckung von Goldzähnen ermordeter Juden in der Reichsbank in Frankfurt.[40] Während der Verhandlungen und im Laufe späterer Ermittlungen stellte sich jedoch heraus, daß die Amerikaner diese Szene von Anfang bis Ende gestellt hatten.[41] Woher das angebliche Zahngold kam und wo es verblieben ist, ist ähnlich rätselhaft wie das Schicksal der vermeintlich im KZ Buchenwald gefundenen Menschenhäute.

Diffiziler ist dagegen der Film, den die Amerikaner ebenfalls während des IMT vorführten, und der ähnlich wie der Streifen Todesmühlen die vermeintlichen Greuel der KZs zeigen sollte. Neben der falschen Behauptung, im Duschraum des KZ Dachau seien Häftlinge vergast worden, wurden hier die berühmten Schrumpfköpfe und vermeintlichen Menschenhautrequisiten gezeigt sowie viele an Typhus und Unterernährung gestorbene Häftlinge, allerdings mit fehlleitenden Kommentaren.

Eindeutig mit gefälschten Szenen versehen ist auch der Film, den die Sowjets von der Befreiung des Lagers Auschwitz drehten und erst Mitte der fünfziger Jahre veröffentlichten. So wird dort z.B. der Kopf eines Häftlings gezeigt, dessen Rumpf auf einem Scheiterhaufen verbrannt worden sein soll, während der Kopf mit entsetzten Augen in die Kamera schaut. Wäre der Rumpf tatsächlich vom Feuer verzehrt worden, so hätte der Kopf unmöglich die volle Haartracht behalten können und auch die Augen wären infolge der Hitze zumindest eingetrübt worden, wenn nicht sogar geplatzt.

Abbildung 18: Szene aus dem Film Schindlers Liste

Seltsam erscheint mir in diesem Zusammenhang, daß der Westen Filme der Sowjetunion über angebliche Greuel der Amerikaner in Korea oder Vietnam nie ohne eine vorherige kritische Analyse als wahr akzeptieren würde, wohingegen dieser und ähnliche, das Dritte Reich belastende Filme völlig unkritisch als Unterrichtsmaterial in den Schulen eingesetzt wird.

Von ganz anderer Kategorie sind die Spielfilme in der Machart von Holocaust, Shoah und Schindlers Liste, denen naturgemäß keinerlei Beweiswert zukommt, die jedoch einen ungeheuren psychologischen Einfluß auf die Massen haben.[42] Obwohl das Urteil der Historiker über den Film Holocaust auch auf die anderen Filme zutrifft, daß sie nämlich historisch unhaltbar sind, begrüßt man sie dennoch aufgrund ihrer willkommenen »volkspädagogischen Wirkung«.[43]

An einem Beispiel soll die historische Unhaltbarkeit solcher Filme demonstriert werden. Abbildung 18 zeigt eine Szene aus Schindlers Liste, in der der Lagerkommandant Göth vom Balkon seines Hauses wahllos in die Häftlingsmenge des Lagers Plaszow schießt. Luftaufnahmen aus damaliger Zeit kann man jedoch entnehmen, daß das Haus des Kommandanten am Fuß einer Anhöhe, das Lager selbst jedoch auf dieser Anhöhe lag, Abbildung 20.[44] Die im Film dargestellte Szene, die eine Anordnung von Kommandatenhaus und Lager analog Abbildung 19 erfordert hätte, war also schon aus rein geographischen Gründen unmöglich.

Daß der Film Schindlers Liste, basierend auf einem Roman nach historischen Randereignissen,[45] absichtlich in schwarz-weiß und mit unruhiger Kameraführung gedreht wurde, um dem Zuschauer damit fälschlich den Eindruck eines Dokumentarfilmes zu vermitteln, wird offen zugegeben[46] und zeigt die Intention der Filmemacher und derjenigen, die nicht nur in Deutschland und Österreich ganze Schulen geschlossen in diesen Kinofilm führen.

"Schindlers Liste" - Bloßgestellt als Lügen und Haß 
Luftaufnahmen von 1944 zeigen - Spielbergs Film, Kition und Erfindung

von John Ball - kanadischer Luftbild-Auswerter
Abbildungen 19 + 20: Richtigstellungen durch John C. Ball anhand der US-Luftaufnahmen aus dem Jahre 1944.

4. Statt einer Schlußfolgerung: Einige weniger bekannte echte Bilder

Abbildungsgruppe 21 zeigt Opfer des Holocaust der deutschen Zivilbevölkerung in den von den Alliierten bewußt bombardierten Wohnvierteln deutscher Städte.[47] Insgesamt dürften durch die alliierten Terrorbombardements in Deutschland etwa 1 Million Deutsche auf diese Art gestorben sein.[48] Diese Bilder unterscheiden sich drastisch von den ausgemergelten Hunger- und Typhusopfern deutscher KZs.

Abbildungsgruppe 21: Deutsche Zivilopfer alliierter Luftangriffe. Abgeworfene Bombenlast: 2.767.000 Tonnen. Nur weniger Fälle der etwa eine Million deutschen Holocaustopfer. Man neigt dazu zu vergessen, daß das Schicksal der normalen Deutschen, Soldaten und Zivilisten, bisweilen sogar schlechter war als das der Hunderttausenden von Insassen in Kriegsgefangenen und Konzentrationslagern.

Abbildung 22 zeigt die Abbildung aud dem US-Magazin Life, 22. Mai 1944, S. 34f. »Bild der Woche. Als er sich vor zwei Jahren von Natalie Nickerson, 20, einer Rüstungsarbeiterin in Phoenix, Arizona, verabschiedete, versprach ihr der große, gutaussehende marineLeutnant einen Japsen. Letzte Woche erhielt Natalie einen menschlichen Schädel, signiert von ihrem Leutnant und 13 Freunden, und wie folgt beschriftet: "Dies ist ein guter Japs - ein toter, aufgelesen am Strand von Neu Guinea." Natalie, von diesem Geschenk überrascht, nannte in Tojo. Die kämpfenden Einheiten mißbillingen derartiges.«

Während der Kriegszeit herrschte in den USA eine Propaganda, die die Japaner als affenähnliche Untermenschen hinstellte.[49] Einige Soldaten handelten dementsprechend, vgl. Abbildung 22: Was man den Deutschen fälschlich unterschob, war man nur zu gerne bereit, selber zu tun und sogar in den eigenen Medien hochzujubeln.


[1]F. Avenarius, Das Bild als Verleumder, Callwey, München 1916; ders., Das Bild als Narr, ebenda 1918; vgl. U. Walendy, Historische Tatsachen Nr. 22: Alliierte Kriegspropaganda 1914-1919, Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung, Vlotho, nachfolgend als HT, 1984.
[2]A. Jaubert, Fotos, die lügen, Athenäum, Frankfurt/Main 1989.
[3]Vgl. z.B. die Einleitung zu A. Grosser, Ermordung der Menschheit, Hanser, München 1990, S. 9.
[4]U. Walendy, Bild-»Dokumente« für die Geschichtsschreibung?, Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung, Vlotho 1973; vgl. auch ders., Europa in Flammen, Band II, ebenda 1967, Bildanhang, und U. Walendy, The Journal of Historical Review (JHR) 1(1) (1980) S. 59-67.
[5]G. Frey (Hg.), Vorsicht Fälschung, FZ-Verlag, München 1991, S. 246-267.
[6]Neben den Arbeiten in Anm. 4 wären hierfür auch auf die vielen Einzelbeispiele zurückzugreifen, die im Sammelwerk Historische Tatsachen, Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung, Vlotho 1975-1994, immer wieder veröffentlicht wurden.
[7]A.L. Smith, Die »Hexe von Buchenwald«, Böhlau, Köln 1983, S. 103, 138, 153, 164; vgl. U. Walendy, HT Nr. 43, 1990, S. 15ff.; G. Frey, Anm. 5, S. 200ff., 211; A. Mohler, Der Nasenring, Heitz & Höffkes, Essen 1989, S. 133ff.
[8]A.L. Smith, Anm. 7, S. 227.
[9]Ebenda, S. 138.
[10]Ebenda, S. 127f.
[11]H. Bergschicker, Der Zweite Weltkrieg, Deutscher Militärverlag, Berlin (Ost) o.J., S. 150.
[12]K. Ziesel, Der Rote Rufmord, Schlichtenmayer, Tübingen 1961, S. 78ff.; vgl. U. Walendy, Anm. 4, S. 3ff.
[13]M. Broszat, Studien zur Geschichte der Konzentrationslager, Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte Nr. 21, Stuttgart 1970, S. 194f.; vgl. U. Walendy, HT Nr. 34, 1988, S. 37.
[14]So die Quick im Jahre 1979, nach G. Frey, Anm. 5, S. 259, der kein genaues Datum angibt.
[15]Vgl. dazu Vgl. A. Rückerl, NS-Prozesse, C.F. Müller, Karlsruhe 21972, S. 122ff.
[16]Vgl. dazu N. Frei, Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte (VfZ), 35 (1987) S. 385-401, hier 400.
[17]Zwei weitere falsche Bildbetitelungen: M. Weber, »The Warshaw Ghetto Boy«, JHR 14(2) (1994) S. 6f.; »Inaccurate Time Magazine Photo Caption Defames Ukrainians«, JHR 14(2) (1994) S. 8.
[18]H. Eschwege (Hg.), Kennzeichen »J«, Röderberg, Frankfurt/Main 1979, S. 163.
[19]Der Tod ist ein Meister aus Deutschland, Teil 3, 2.5.1990; vgl. E. Gauss, Vorlesungen über Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1993, S. 144f.
[20]So auch veröffentlicht in Hamburger Abendblatt, 21.10.1981, S. 4; vgl. G. Frey, Anm. 5, S. 258; U. Walendy, HT Nr. 13, 1982, S. 16.
[21]Bezüglich der unzähligen einzelnen Quellennachweise vgl. U. Walendy, Anm. 4, S. 68; ders., HT NR. 34, 1988, S. 38ff., ders., HT Nr. 38, 1989, S. 31ff.
[22]U. Walendy, HT Nr. 38, 1989, S. 31ff.
[23]E. Varlin, Israel denke daran!, E. Varlin Edition, Paris 1935; vgl. U. Walendy, HT NR. 34, 1988, S. 38.
[24]Der Spiegel Nr. 40, 10.10.1966, S. 101; vgl. U. Walendy, Anm. 4, S. 24.
[25]Vgl. Welt am Sonntag, 16.1.1994, S. 1.
[26]Abbildung a): R. Neumann, Hitler - Aufstieg und Untergang des Dritten Reiches, Desch, München 1961, S. 151; Abb. b): Jüdisches Historisches Institut Warschau, Faschismus, Getto, Massenmord, Röderberg, Frankfurt/Main 1960, S. 42; R. Neumann, H. Koppel, The Pictorial History of the Third Reich, Bantam Books, New York 1962, S. 148; Abb. c): T. Kotarbinski, Meczenstwo walka, zaglada zydow W Polsce 1939 - 1945, Warschau 1960, Bild Nr. 38; vgl. U. Walendy, Anm. 4, S. 28f.
[27]R. Schnabel, Macht ohne Moral, Röderberg, Frankfurt/Main 1957, S. 322.
[28]V. Berdych, Mauthausen, Nase Vojsko, Prag 1959, Bildanhang Nr. 50; vgl. U. Walendy, Anm. 4, S. 36f.
[29]Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (Hg.), Die SS-Henker und ihre Opfer, Selbstverlag, Wien 1965, S. 17; J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique and Operation of the Gaschambers, Beate Klarsfeld Foundation, New York 1989, S. 422, 424, ders. Les Crématoires d`Auschwitz - la Machinerie du meurtre de masse, Éditions de CNRS, Paris 1993, Doc. 57.
[30]Aufnahme vom 31.5.1994, Ref. No. RG 373 Can D 1508, exp 3055.
[31]Abbildung a): R. Schnabel, Anm. 27, S. 307; Abb. b): H.-A. Jacobsen, Der Zweite Weltkrieg in Bildern und Dokumenten, Band I, Desch, München 1962, S. 100; Der Spiegel Nr 51/1966, S. 86; Abb. c): M. Dor, R. Fedemann, Das Gesicht unseres Jahrhunderts, Forum, Wien 1960, S. 168; vgl. U. Walendy, Anm. 4, S. 40ff.
[32]Abb. a): Jüdisches Historisches Institut Warschau, Anm. 26, S. 334; Abb. b): G. Schoenberner, Der gelbe Stern, Rütten und Loening, Hamburg 1960, S. 163; Abb. c): S. Einstein, Eichmann - Chefbuchhalter des Todes, Röderberg, Frankfurt/Main 1961, S. 202; A. Donat (Hg.), The Death Camp Treblinka, Holocaust Library, New York 1979, S. 260f.; vgl. U. Walendy, Anm. 4, S. 14ff.
[33]Abb. a): S. Einstein, Anm. 32, S. 200; Abb. b): Der Spiegel Nr. 53/1966, S. 48; G. Schoenberner, Anm. 32, S. 97; vgl. U. Walendy, Anm. 4, S. 18ff.
[34]Abb. a): R. Schnabel, Anm. 27, S. 244; Abb. b): C. Simonov, The Lublin Extermination Camp, Foreign Languages Publication House, Moskau 1944, S. 12; vgl. U. Walendy, Anm. 4, S. 70f.
[35]Vgl. U. Walendy, HT Nr. 31, 1987, S. 33.
[36]E. Gauss, Anm. 19, S. 21, stellt die Hypothese auf, daß die im Museum Auschwitz gezeigten Schuhe nicht von Häftlingen, sondern von der umliegenden Bevölkerung stammen, die diese nach dem Krieg dort ablieferte.
[37]B.S. Chamberlin, »Todesmühlen. Ein Versuch zur Massen-"Umerziehung" im besetzten Deutschland 1945-1946«, Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 29 (1981) S. 420-436, hier S. 432.
[38]Die Unabhängigen Nachrichten, Nr. 11 (1986), S. 11, berichteten, daß die Alliierten deutsche Aufnahmen von Leichenbergen des alliierten Terrorangriffs auf Dresden in ihrem Film Todesmühlen verarbeiteten, und zwar als vermeintlichen Beweis für die Massenmorde in den KZ.
[39]B.S. Chamberlin, Anm. 37, S. 425f.
[40]Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Miltärgerichtshof Nürnberg, Nürnberg 1947, Band XIII, S. 186ff..
[41]Vgl. H. Springer, Das Schwert auf der Waage, Vowinckel, Heidelberg 1953, S. 178f.; P. Kleist, Aufbruch und Sturz der Dritten Reiches, Schütz, Göttingen 1968, S. 346; U. Walendy, HT Nr. 43, 1990, S. 12ff.
[42]Zu Holocaust vgl. T. Ernst, Aus Politik und Zeitgeschichte, 31(34) (1981) S. 3-22, und P. Malina, Zeitgeschichte (Wien) (ZG), 7 (1979/80) S. 169-191; zu Shoah G. Botz, ZG, 14 (1986/87) S. 259-265; R. Faurisson, JHR 8(1) (1988) S. 85-92.
[43]Vgl. M. Broszat, VfZ, 27 (1979) S. 285-298; P. Dusek, ZG 6 (1978/79) S. 266-273.
[44]Nach Luftaufnahmen National Archives, Wash., D.C. Nos.: DT RL 751, Krakau, 3.5.1944; TuGx 895 A SK, exp. 382f., Oktober 1944; zitiert nach J.C. Ball, Schindlers Liste - bloßgestellt als Lügen und Haß, Samisdat Publishers, Toronto 1994.
[45]T. Keneally, Schindlers Ark, Hodder & Stoughton, London 1982; zeitgleich: ders., Schindlers List, Simon & Schuster, New York 1982. Keneally will für dieses Buch weltweit zwei Jahre bei überlebenden Juden recherchiert haben. Interessant an den ersten Druckauflagen der 1993 erschienen zweiten Auflage ist folgende, im Impressum erscheinende Passage: »This book is work of fiction. Names, places, and incidents are either products of the author's imagination or are used fictitiously. Any resemblance to actual events or locales or persons, living or dead, is entirely coincidential.« Die Library of Congress Cataloging-in-Publication Data ordneten das Buch damals unter »fiction« ein (Druck-Codes 7 9 10 8 6 und 5 7 9 10 8 6). Während die obige Textpassage in späteren Nachdrucken der gleichen Auflage als erstes verschwindet (bei Druck-Code 9 10 8 lediglich geweißt, später wurden auch die Leerzeilen gelöscht: Code 13 15 17 19 20 18 16 14 12), bedarf es offenbar etwas länger, bis auch die Cataloging Daten aus dem Buch entfernt werden (Code 15 17 19 20 18 16). Offenbar erschien es angesichts des Rummels um Spielbergs Film nicht mehr opportun, Keneally's Buch als eine auf wahren Randereignissen basierende Fiktion einzuordnen. Möglich ist freilich auch, daß diese Passage anfangs nur aus juristischen Gründen ins Impressum gesetzt wurde, um mögliche Ansprüche im Vorfeld abzuwehren. Dies soll häufiger in den USA üblich sein.
[46]Film & TV Kameramann, Nr. 2/1994, S. 24ff., bes. Aussage des Chefkameramanns J. Kaminski, S. 27.
[47]Morale Division, U.S. Strategic Bombing Survey, Medical Branch Report, The Effect of Bombing on Health and Medical Care in Germany, War Department, Washington 1945, S. 17, 21, 23, dankenswerter Weise erhalten von F.P. Berg.
[48]Vgl. D. Irving, Und Deutschlands Städte starben nicht, Weltbild Verlag, Augsburg 1989, hier S. 373.
[49]John W. Dower, War without Mercy, Pantheon Books, New York 1986; vgl. E.L. Jones, The Atlantic Monthly, Februar 1946, S. 48-53, hier S. 49f.; bgl. U. Walendy, Historische Tatsachen, Nr. 68: »US-Amerikanische Kriegsverbrechen«, Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung, Vlotho 1995; neuer: Alliierte Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Arndt, Kiel 21997.

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