Das Rudolf Gutachten auf http://www.vho.org/D/rga/rga.html

2.4. Stabilität von Eisenblau

2.4.1. pH-Sensibilität


Die Ausgangsverbindungen des Pigments, die Hexacyanoferrate, sind Basen sehr starker Säuren[131]. Es wundert daher nicht, daß Eisenblau ein säureresistentes, aber basenzersetzliches Pigment ist. Erst durch warme, verdünnte Schwefelsäure wird Blausäure freigesetzt, Salzsäure dagegen zeigt keine Wirkung [132]. Das Pigment ist in konzentrierter Salzsäure allerdings reversibel löslich, d.h., das Pigment wird nicht zersetzt, sondern nur physikalisch in Lösung gebracht, es entweicht also keine Blausäure[108]. Bei deutlich alkalischen pH-Werten wird merklich Fe3+ als Fe(OH)3 gefällt, das in diesem Bereich noch wesentlich schlechter löslich ist als das Eisenblau (siehe Tabelle 5) und damit der Komplex Fe4[Fe(CN)6]3 zerstört.
In der Literatur sind Arbeiten mit Eisenblau bei pH-Werten von 9 und 10 verbürgt, bei denen es noch stabil ist[125
]. Der pH-Bereich um 10 bis 11 kann als die kritische Grenze für die Stabilität des Eisenblaus angesehen werden.
Suspensionen von Eisenblau haben einen pH-Wert von etwa 4[112
]. (Suspensionen (lat.: schweben) sind grobdisperse Systeme mit Teilchengrößen größer als 10-6 m, vgl.  Dispersionen)
Bei diesem leicht sauren Eigen-pH, wie er z.B. durch sauren Regen in Oberflächengewässern gebildet wird, ist das Eisenblau am stabilsten.

In der Technik wird die Basenresistenz durch Zugabe von Nickel verbessert[109,110,133,134].


Anmerkungen

  1. J. Jordan, G.J. Ewing, Inorg. Chem. 1962, 1, S. 587-591. Ergebnisse der Analysen der Dissoziationskonstanten ergeben für das Hexacyanoferrat(III): K>K>K>0,1; Hexacyanoferrat(II): K>K>0,1; K=6×10-3; K=6,7×10-5. Damit ist das Hexacyanoferrat(III) bei pH=1 noch annähernd komplett dissoziiert, das Hexacyanoferrat(II) zweifach, ab pH=3 dreifach, ab pH=5 komplett.

  2. G.-O. Müller, Lehrbuch der angewandten Chemie, Bd. I, Hirzel, Leipzig 1986, S. 108., vergleiche auch Anm. 108 und Abschnitt 4.2., Analysenmethode Cyanid-total nach DIN. Danach wird das Pigment durch kochende HClaq. zerstört.

  3. E. Elsermann, Deutsche Farben-Z. 1951, 5, S. 419ff.

  4. R. Beck, Deutsche Farben-Z. 1952, 6, S. 231.




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