Dritte Vorlesung

Auschwitz: chemisch-physikalische Betrachtung

3.0. Vorwort zur dritten Vorlesung

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser!

Lassen Sie uns über die Zahl der jüdischen Opfer durch das Dritte Reich sprechen. W. Benz, Leiter des Berliner Institutes für Antisemitismusforschung, gab dazu jüngst ein umfangreiches Werk heraus, das zu dem Schluß kommt, daß es rund 6 Millionen jüdische Opfer waren[1]. Benz selber schrieb hierzu das Vorwort, an Hand dessen ich dieses Werk vorstellen möchte. Da zitiert er die bekannten Zeugen Höttl und Wisliceny, die während des Nürnberger Tribunals angaben, Eichmann habe ihnen die Zahl der ermordeten Juden angegeben: 5 bis 6 Millionen.

Benz fällt es nicht ein, die sogenannten Beweise des alliierten Rachetribunals einer Kritik zu unterziehen. Er erwähnt nicht die katastrophalen rechtlichen Bedingungen dieses Prozesses, die diesem jede Beweiskraft nehmen (siehe hierzu in der 4. Vorlesung): der perfekte Beweis der Unwissenschaftlichkeit. Auch erwähnt er z. B. nicht, daß der Zeuge Höttl als langjähriger Agent der Alliierten tätig war[2]. Dieser Zeuge, der niemals einem Kreuzverhör unterzogen wurde, sondern sozusagen nur seine Vorstellung vor dem Gericht zu geben brauchte, erhielt nach dem Verfahren von dem CIA eine neue Identität und tauchte unter. Amerika liebt die Lüge und manchmal auch den Lügner. Aber mehr noch: Benz unterstellt Eichmann, er habe während seines Prozesses in Jerusalem diese ihm unterschobenen Zahlen »im Grund nicht geleugnet«. In dem von ihm als Beleg angegebenen Buch von R. Aschenauer[3] steht aber, daß Eichmann bestreitet, jemals mit irgend jemandem über irgendeine Zahl gesprochen zu haben, da er eine solche Zahl selber nicht gewußt haben könne. Eichmann war nämlich nur ein mittlerer, ausführender Beamter ohne Zugang zu umfassenden statistischen Daten. Geleugnet hat er nicht, da er nichts wußte. Aber als Beweis für die These von Herrn Benz taugt Eichmanns Aussage nicht. Im Gegenteil: Sie überführt die Zeugen Höttl und Wisliceny der Lüge und Herrn Benz der Verfälschung der Aussagen von Eichmann.

Zeugenaussagen und Dokumente des Nürnberger Tribunals sind denn auch die einzigen Primärquellen, auf die sich Benz stützen kann.

Auf Seite 4 führt er ein angeblich neues Beweisdokument an und verweist auf einen Vortrag eines Bekannten von ihm. Was ist das für eine Quellenangabe?

Auf Seite 5 erwähnt er die Wannseekonferenz ohne kritische Worte (siehe Abschnitt 1.6.);

auf Seite 10 erwähnter die Aussage von R. Höß, unterläßt aber jeden Hinweis auf die an diesem begangenen schweren Folterungen vor seiner Aussage (siehe Abschnitt 4.12);

auf Seite 17 meint er, die Opfer der Massaker von exakt 33 771 Juden in Babi Yar seien dokumentarisch belegt, nennt uns aber nicht die Quelle der Dokumente (die es nicht gibt! Siehe Abschnitt 1.11);

für den Leuchter-Report schließlich nennt er keine Quelle (S. 8), ja er verweigert Leuchter sogar einen Eintrag im Personenregister;

das Lachout-Dokument wird auf Seite 9 wiederum als Fälschung hingestellt, obwohl alle bisher in dieser Sache gefällten Gerichtsurteile diese Fälschungsbehauptung selber als eine strafbare Falschbehauptung einstufen (siehe Vorwort zur 2. Vorlesung).

Und die einzelnen Beiträge selber? Der Stuttgarter Historiker Prof. Jäckel meint, daß das Buch ein Sammelsurium von Beiträgen sei, bei dem sich jeder Autor scheuklappenblind um ein Land kümmere. Dadurch müßte es zu Fehlern kommen[4].

Der Koautor G. Robel zählt die jüdischen Opfer des stalinistischen Holocausts als deutsche Opfer (S. 560): »Das ist berechtigt. Auch sie waren Opfer nationalsozialistischer Gewaltpolitik«, da Stalins Massendeportationen und Zwangsarbeitslager für Juden ihre Ursache in der deutschen Aggression hätten, was natürlich eine unhaltbare Logik ist.

Was rate ich Ihnen bei soviel erwiesener Lüge und Verdrehung? Nehmen Sie das Buch von W. Sanning Die Auflösung des osteuropäischen Judentums zur Hand. Es kommt zu dem Ergebnis, daß etwa 300.000 Juden umkamen. Ich möchte damit nicht sagen, daß Herr Sanning zum richtigen Ergebnis kommt. Der Boden, auf dem wir uns hier bewegen, ist viel zu dünn, als daß man jetzt schon zu gefestigten Meinungen finden könnte. Aber ich rate Ihnen, sich beide Bücher anzusehen und erst im Vergleich zu entscheiden, welcher der beiden Autoren durch objektive Beweisführung besticht. Dieser wird dann wahrscheinlich näher bei der Wahrheit liegen. Schließlich können nicht beide Autoren recht haben.

Bezeichnend ist übrigens, daß W. Sannings Buch, das die Herausgabe von Benz' Buch überhaupt erst initiiert hat, in Benzens Papierstoß nur in einer Fußnote auf Seite 559 erwähnt wird. Danach soll Sanning durch »methodisch unzulänglichen Umgang mit dem statistischen Material und ebenso kühne wie nachweislich irrige Kombinationen und Schlüsse« glänzen. Beweisen muß man diese Unterstellungen natürlich nicht. Wer wird dem wissenschaftlich sein wollen? Es reicht ja, wenn die Revisionisten wissenschaftlich sind…

Ihr E. Gauss

3.1. Was ist Zyklon B?

G: Wir wollen uns nun von der Technik ab- und der reinen Naturwissenschaft zuwenden. Es soll nun um die Frage gehen, welcher Natur das Giftgas ist, mit dem in Auschwitz Millionen Menschen getötet worden sein sollen und welche Wirkungen es auf die belebte und unbelebte Natur hat.

Zuerst möchte ich das Produkt vorstellen, dessen Name in der Welt zweifelhaften Ruhm erlangt hat. Die neueste Auflage des Römpp Chemie Lexikons (R) schreibt unter dem entsprechenden Stichwort folgendes[5]:

R: »Zyklon B. Ursprünglich Handelsname für hochwirksame, Blausäure enthaltende Begasungsmittel (Fumigantien) zur Schädlingsbekämpfung, wurde im 2. Weltkrieg als Deckname für Blausäure zur Massentötung in den NS-Vernichtungslagern benutzt.«

G: Damit ist scheinbar alles und dennoch zugleich nichts gesagt. Wir wissen jetzt nur, daß Zyklon B die giftige Blausäure enthält, mehr nicht. Das ist, milde ausgedrückt, etwas dünn für ein angesehenes Nachschlagewerk. Ich möchte Ihnen daher zuerst eine eingehende Charakterisierung des Präparates Zyklon B geben, bevor wir über die Wirkungen der Blausäure sprechen. Zunächst ist Zyklon B natürlich nicht identisch mit Blausäure, die unter Normalbedingungen gasförmig oder flüssig ist. Es handelt sich hierbei vielmehr um einen porösen Träger, der die flüssige Blausäure adsorbiert, das heißt aufgesaugt, hat. Blausäure in flüssiger Form ist nämlich nicht sehr langzeitresistent und wegen der schlechten Handhabbarkeit sehr gefährlich. Schon am Ende des 1. Weltkrieges brachte man die Blausäure in leichter zu handhabender und sicherer Form auf den Markt: Man tränkte poröse Materialien mit Blausäure unter Zusatz eines Stabilisators und eines Reizstoffes, der die Menschen schon bei geringen Konzentrationen vor dem nur schwach riechenden Giftgas warnt. Das von der in Frankfurt ansässigen Firma DEGESCH produzierte und lizensierte Präparat 'Zyklon B' stellte diese leicht handhabbare Form der Blausäure dar. Es spielte bis zum Ende des 2. Weltkrieges eine außerordentlich wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Insekten und Nagem[6] in Lebensmittellagern, Großraumtransportmitteln (Züge, Schiffe), öffentlichen Gebäuden, Kasernen, Kriegsgefangenenlagern, Konzentrationslagern[7] und natürlich allgemein bei der Hygiene und Seuchenbekämpfung[8] in vielen Ländern der Erde, da zum Beispiel die Laus der Hauptüberträger des Typhus ist (Fleckfieber). Freilich gab es neben Zyklon B noch etliche andere gasförmige Schädlingsbekämpfungsmittel[9]. Auch nach dem Kriege spielte Zyklon B noch eine Zeit lang eine bedeutende Rolle, bevor es vom DDT und seinen Nachfolgern verdrängt wurde[10].

Zyklon B konnte damals in drei Formen bezogen werden: Pappscheiben aus porösem Fasermaterial, ähnlich Bierdeckeln, mit Lochung in der Mitte, einem körnigen Trägermaterial aus Gips (Erco) und Kieselgur in gekörnter Form, Korngröße kleiner als 1 cm (Diagrieß). Heute ist das Erco-Produkt nicht mehr erhältlich; der Produktname wurde in 'Cyanosil®' umgeändert. Das angeblich zur Menschenvergasung verwendete Zyklon B bestand aus dem Diagrieß-Produkt, dessen 5 bis 10 mm große, mit Blausäure getränkte Körner aus Diatomeenerde (Kieselgur) bestanden.

Z: Was ist das, wenn ich mir die bescheidene Frage erlauben darf?

G: Im Prinzip sind dies Meeresbodenablagerungen der Silikatskelette von Kieselalgen. Diese urzeitlichen Sedimente liegen heute vielfach auf trockenem Land. Immerhin mindestens 60 % der Masse des Gesamtproduktes vom Zyklon B entfallen auf dieses Trägermaterial[11]. Die Verdunstung des Giftgases vom Träger erfolgt recht langsam. Dies war durchaus erwünscht, da bei Raumbegasungen das Personal, mit Gasmasken ausgestattet, das Präparat in den Räumen verteilen mußte. Da ein Schutzfilter ab einer bestimmten Konzentration unsicher wird und auch eine Vergiftung durch die Haut erfolgen kann, ist die langsame Freisetzung des Gases Voraussetzung für den sicheren Rückzug des Personals nach Auslegung des Präparates.

Da die Daten dieser Grafik unfundiert und irreführend sind, wird sie hier nicht dargestellt.

Grafik 3.1: Verdampfungsgeschwindigkeit von Blausäure vom Trägermaterial nach US-Army Chemical Corps.

Verdampfung Zyklon B nach Detia

Grafik 3.2: Verdampfungsgeschwindigkeit von Blausäure vom Trägermaterial bei mehr als 20 C und feiner Verteilung des Präparates, nach Detia Freyberg GmbH.

Die Verdampfungscharakteristik der Blausäure von Trägermaterialien wird in zwei Quellen angegeben[12]. Die Information der zweiten, von den US-Army Chemical Corps stammenden Quelle ist der Grafik 3.1 zu entnehmen. Leider wird in der Quelle nichts ausgesagt über die Art des Trägermaterials und die Anhäufung des Präparats bei der Anwendung. Bei einer Raumtemperatur von etwa 26° C, der Siedetemperatur der Blausäure, dauert danach der Vorgang bis zur Abdampfung von 80 bis 90 % der Blausäure rund 9 Stunden.

Die zweite Quelle stammt von der Detia Freyberg GmbH, einer Nachfolgegesellschaft der DEGESCH, die bis Kriegsende der Hauptlieferant für Blausäure-Produkte war. Da die Gasfreisetzung von Temperatur und Luftbewegung abhängig ist, gibt die Detia Freyberg GmbH nur eine Faustregel an. Danach gibt der Träger bei einer Temperatur von mehr als 20° C und gleichmäßiger Verteilung des Präparates innerhalb von 120 min 80 bis 90 % der Blausäure ab, siehe Grafik 3.2. Nach 48 Stunden sind im Träger keine oder nur vernachlässigbare Blausäurereste nachzuweisen. Bei niedrigeren Temperaturen soll sich dieser Vorgang entsprechend dem fallenden Dampfdruck von Blausäure verlangsamen. Danach ist mit 50 % Blausäure-Abgabe nach 40 bis 45 Minuten zu rechnen. G. Peters[13] gibt für eine 50%ige Freisetzung der Blausäure eine halbe Stunde an, bei einer Verteilung des Präparates von 0,5 bis l cm Schichtdicke.

ZYKLON® B

Fumigant zur Bekämpfung von Schädlingen (Insekten, Nager)

Wirksame Komponente: Blausäure (HCN), blockiert das zelluläre Atmungsenzym Ferrocytochromoxidase durch reversible Anlagerung an Fe3+. Als Warnstoff werden einige Prozente Reizgas zugegeben, da Blausäure nicht von jedem wahrgenommen werden kann.
Tödliche Dosis: Für Menschen 1 mg CN- pro kg Körpergewicht, bei Schädlingen bis zu 10 mg/kg und mehr.
Tödliche Konzentration an Luft: Bei Menschen 0,01-0,02 Vol.% in 1/2 bis 1 Stunde, bei Läusen 1 Vol.% in 1 bis 2 Stunden (für Menschen innerhalb von wenigen Minuten tödlich).
Darreichungsformen: Adsorbiert auf Pappe, Gips (Handelsname Erco) und Diatomeenerde (Diagrieß) in Metalldosen zu 250, 500, 1000 und 2000 9 HCN-Nettogehalt. (60 80% der Bruttomasse fallen auf den Träger)
Einsatzweise: Auslegen des Präparates in zu begasende, abgedichtete Räumlichkeiten mit Gasmaskenschutz. Durch langsame Gasabgabe ist sicherer Rückzug des Personals gewährleistet. Lüftungsbeginn frühestens nach 2 Stunden, da zuvor noch Blausäure im Träger vorhanden ist.
Verbreitung: ln der Zeit vom Ersten Weltkrieg bis zur Entdeckung des DDT (Anfang der 40er Jahre, in Deutschland erst nach dem Zweiten Weltkrieg) das meistverwendete Schädlingsbekämpfungsmittel der Welt.
Einsatzgebiete: Begasung von Schiffen, Transportzügen, Mühlen, Lebensmittellagern, Wohnräumen, Unterkünften in Kasernen, Kriegsgefangenenlagern und Konzentrationslagern, öffentlichen Großgebäuden usw.
Heutige Verwendung: Unter dem Namen Cyanosil® nur bei hartnäckigem Befall, wenn moderne chemische Fumigantien nicht anwendbar sind.

Damit liegt dies ungefähr in dem von der Detia Freyberg GmbH genannten Zeitbereich. Für spätere Feststellungen ist es hier notwendig festzuhalten, daß während der ersten fünf, wahrscheinlich sogar zehn Minuten nach der Präparatauslegung bei einer Temperatur von etwa 20° C maximal l0 % der Blausäure den Trägerstoff verlassen haben.

Z: Das sieht mir aber eher nach fünf als nach zehn Minuten aus.

G: Wenn Sie die Grafik exakt auswerten, kommen sie auf etwa 7 Minuten, bis l0 % der Blausäure den Träger verlassen haben. Nun habe ich mich lange genug mit allen möglichen Leuten herumgestritten, die es für falsch halten, daß ich hier einen exponentiellen Verlauf angenommen habe. Tatsächlich wäre der Verlauf eher linear, also zu Beginn der Abgabe wesentlich langsamer als hier dargestellt. Diese Funktion zeigt also den ungünstigsten Fall an. Deshalb gehe ich fortan von l0 Minuten aus, bis bei 20°C l0 % der Blausäure den Träger verlassen haben.

Bei einer Erniedrigung der Temperatur vom Siedepunkt der Blausäure auf 0°C würde sich die Verdampfungsdauer etwa verdreifachen, da dann der Dampfdruck der Blausäure etwa nur noch ein Drittel des Wertes nahe dem Siedepunkt besitzt[14].

Zwischen der amerikanischen und den beiden deutschen Quellen liegt also ein Faktor 4. Da die deutschen Entlausungsprozeduren, wie ich nachher noch zeigen werde, in der Regel im Bereich einiger weniger Stunden liegen, ist den deutschen Quellen eher zu trauen, zumal hier auch die Verteilung des Präparates angegeben ist.

3.2. Giftgas Blausäure

G: Ich möchte nunmehr über die Reaktionen der Blausäure (HCN) im belebten Körper sprechen. Der biochemische Wirkungsmechanismus von Blausäure beruht auf der reversiblen Anlagerung des Cyanids an das Fe3+ des Atmungsenzyms Cytochromoxidase in den Zellen des Körpers. Dadurch wird die Sauerstoffzufuhr der Zelle unterbrochen, wodurch die für die Zelle lebenswichtigen Oxidationsprozesse unterbunden werden. Der Mensch erstickt quasi durch die Erstickung der lebenswichtigen Zellfunktionen. Übrigens hat der etablierte Holocaust-Apologet G. Wellers in einem Standardwerk seinerzeit geschrieben, daß eine Blausäurevergiftung irreversibel und damit besonders gefährlich sei[15]. Diese vollkommen falsche Aussage ist deshalb besonders peinlich, da G. Wellers Professor für Physiologie und Biochemie in Paris ist und es somit eigentlich besser wissen müßte.

Die Aufnahme von Cyanid kann sowohl oral, durch Atmung als auch durch die Haut in tödlichen Dosen erfolgen. Während orale Vergiftungen mit hohen Konzentrationen (z. B. durch Zyankali, KCN) durch Erstickungskrämpfe der Muskulatur sehr schmerzhaft sind, fällt das Opfer bei Inhalation hoher Blausäurekonzentrationen vor dem Auftreten von Erstickungskrämpfen in Ohnmacht. Dies ist der Grund für die Anwendung der schmerzlosen Blausäure-Exekutionen in einigen Staaten der USA. Tödlich gilt allgemein eine Dosis von 1 mg Blausäure pro kg Körpergewicht. Nicht tödliche Mengen an Cyanid werden im Körper durch Bindung an Schwefel (zum Rhodanid) rasch unschädlich gemacht und ausgeschieden.

Als Leichenbefund gilt allgemein u. a. die hellrote Färbung des Blutes wie der Totenflecken, bedingt durch die Sauerstoffübersättigung des Blutes, das den Sauerstoff nicht mehr an die Zellen abgeben kann[16]. Bezeugungen von qualvollen Todeskämpfen bei rasch verlaufenden Hinrichtungen und blau angelaufenen Opfern können somit nicht der Wirklichkeit entsprechen.

Die Aufnahme der Blausäure über die Haut wird besonders gefördert, wenn die Haut z. B. durch Arbeit feucht geschwitzt ist. Allgemein rät man, bei Umgang mit Blausäure darauf zu achten, daß man nicht schwitzt. Hier werden Konzentrationen ab 6 000 ppm[17] (0,6 Vol. %) gesundheitsschädlich, bei 10 000 ppm ( 1 Vol.%) kann nach wenigen Minuten ernste Lebensgefahr bestehen[18].

Damit stellt sich schließlich die Frage, ob und wenn dann wie schnell ein Mensch bei bestimmten Blausäurekonzentrationen in der Luft stirbt. F.A. Leuchter berichtet von den in den USA bei Exekutionen angewandten Blausäurekonzentrationen in der Größenordnung von 3 200 ppm, welchen die Opfer unmittelbar ausgesetzt wurden. Dabei tritt der Tod je nach Konstitution des Opfers nach 4 bis 10 Minuten ein[19]. Bei einem normalen Atemvolumen von etwa 15 bis 20 Litern pro Minute sind dann etwa 230 bis 380 mg HCN aufgenommen worden, was in etwa der drei- bis fünffachen Menge der tödlichen Dosis entspricht.

Bestätigt wird dies durch Pressemeldungen, die den Gaskammertod als eine langwierige und daher grausame Tötungsmethode beschreiben[20]. Es ist natürlich nicht richtig, daß der Gaskammertod grausam ist, da dieser Tod im Gegensatz beispielsweise zum elektrischen Stuhl sehr schmerzarm ist.

Tabelle 3.1: Wirkungen verschiedener Blausäurekonzentrationen an Luft auf den Menschen

2 bis 5 ppm merklicher Geruch
10 ppm maximal zulässige Arbeitsplatzkonzentration (MAK)
20 bis 40 ppm leichte Symptome nach einigen Stunden
45 bis 54 ppm tolerierbar für 1/2 bis 1 Stunde ohne signifikante unmittelbare oder verzögerte Effekte
100 bis 200 ppm tödlich innerhalb 1/2 bis 1 Stunde
300 ppm schnell tödlich

Die Wirkungen verschiedener Blausäurekonzentrationen in der Luft, wie sie in der Literatur beschrieben werden, können Sie der Tabelle 3.1 entnehmen. Danach stellt die in den amerikanischen Exekutionskammern angewandte Konzentration eine etwa zehnfache Überdosis dar, die einen verhältnismäßig schnellen Tod sicherstellen soll.

3.3. Eine lausige Sache

Z: Wie reagieren die Schädlinge auf Blausäure?

G: Das hängt ganz vom Schädling ab. Säugetiere, wie Ratten und Mäuse, sind größenordnungmäßig ähnlich empfindlich wie Menschen. Insekten, also Flöhe, Wanzen, Kornkäfer, Läuse usw., sind dagegen wesentlich resistenter.

Z: Damit mußte die Einwirkzeit und die Blausäurekonzentration bei Insekten entsprechend hoch sein, oder?

G: Wenn sie dies mit Menschenexekutionen vergleichen, ohne Zweifel. Die Konzentrationen bei Entlausungen lagen in der Regel um den Faktor drei höher als die bei den amerikanischen Exekutionen angewendeten. Die Einwirkzeit schwankt je nach Anlage zwischen 2 und 20 Stunden. Die längere Begasungsdauer bei Insekten und deren Eiern gegenüber Warmblütern liegt dabei nicht nur an der größeren Resistenz gegen das Giftgas, sondern zum großen Teil auch daran, daß das Gas bis in den engsten Winkel und letzten Kleidersaum des Begasungsgutes in tödlicher Konzentration eindringen muß, um z. B. auch jede versteckte Laus zu töten. Warmblüter sind dagegen nicht nur aufgrund ihrer Lungenatmung, sondern vor allem wegen ihrer Größe recht rasch den großen Konzentrationen des Gases ausgesetzt.

Das gibt mir Gelegenheit, einige Ausführungen über die damals gebräuchlichen Schädlingsbekämpfungsmethoden zu machen. Für die Sachentlausungsanlagen sind aus der Kriegs- und Vorkriegszeit eine Fülle von Veröffentlichungen zugänglich[21], auf die ich für den näher Interessierten verweise. Daneben gibt es aus damaliger Zeit Richtlinien zur Begasung von Gütern und Räumen, die die Vorgänge bis ins Detail be- und vorschreiben[22]. Diese unterscheiden sich im wesentlichen nicht von den heutigen Vorschriften[23]. Auf dieser Grundlage soll die Technik und Verfahrensweise hier nur kurz erläutert werden.

Anfänglich wurden für die Sachentlausung einfache Räume von 10 bis 30 m2 Grundfläche provisorisch umgebaut, indem man Fenster und Türen möglichst gasdicht machte, für eine gute Heizung des Raumes sorgte sowie eine Lüftungsmöglichkeit vorsah. Das Zyklon B wurde von Arbeitern mit Schutzmaske gleichmäßig am Boden des mit dem Entlausungsgut versehenen Raumes verteilt. Diese Prozedur ähnelte den damals üblichen Begasungen normaler Räume zur Ungezieferbekämpfung. Noch heute sind im Stammlager Auschwitz I solche umgebauten Räume zu sehen. Das Betreiben provisorisch abgedichteter Räume zur Begasung ist nicht ohne jedes Risiko, zumal das Abdichten nur selten vollkommen gelingt.

Zur Verdeutlichung der Problematik undichter, mit Blausäure begaster Räumlichkeiten sei ein Fall aus der Literatur (L) zitiert[24]:

L »Fallbeispiel. J. M., 21jährige Tapeziererin. Die Frau arbeitete im Keller des Hauses, in dem gerade im 2. Stock eine Wohnung wegen Ungeziefer mit Cyangas desinfiziert wurde, wobei durch ungenügenden Abschluß Gas in den Korridor drang, dort den Desinfektor vergiftete und dann durch einen Schacht auch in den Keller gelangte. Frau M. spürte bei der Arbeit plötzlich ein auffallendes Kratzen im Hals und bekam Kopfweh und Schwindel. Zwei Mitarbeiterinnen bemerkten ebenfalls die gleichen Erscheinungen und verließen deshalb mit ihr den Keller. Nach einer halben Stunde kehrte sie wieder in den Keller zurück und stürzte jetzt plötzlich bewußtlos zusammen. Wird zusammen mit dem bewußtlosen Desinfektor in das Spital eingeliefert. Die Patientin erwacht schon im Lift des Spitals, fühlt sich wieder vollkommen wohl und zeigt bei der Untersuchung keine Vergiftungserscheinungen mehr. Der Desinfektor dagegen stirbt im Moment der Einlieferung.«

G: Später ging man zum Bau spezieller, fensterloser, gasdichter Anlagen über, die mit leistungsfähigen Heizungen und Lüftungssystemen, später auch mit Umluftsystemen (sog. 'Kreislaufverfahren') zur schnelleren Verteilung des Gases im Raum versehen waren. Hier wurden zunehmend die Zyklon B-Dosen durch einen von außen bedienbaren Mechanismus

geöffnet, so daß sich die Arbeiter keinerlei Gefahren mehr aussetzten. Dabei fiel beim automatischen Aufschneiden des Dosenbodens das Präparat in einen Korb, über den ein Heißluftstrom, vergleichbar einem Fön, geleitet wurde. Diese Anlagen mit der sogenannten Kreislaufeinrichtung hatten ein verhältnismäßig kleines Volumen von wenigen m3 zur Vermeidung von nicht für das Entlausungsgut benötigtem Totraum, also zur Einsparung des recht teuren Schädlingsbekämpfungsmittels.

Die Anwendungskonzentrationen können je nach Ungezieferart und äußeren Bedingungen recht unterschiedlich sein und lagen zumeist im Bereich zwischen 5 bis 30 g Blausäure pro m3. Die Anwendungszeit variierte ebenso stark von unter 2 Stunden bis zu 10 Stunden und mehr. Bei den moderneren Anlagen mit Heizung (wärmer als 25°C) und Kreislauf-/Umlufteinrichtung konnten mit Konzentrationen von 20 g pro m3 schon nach 1 bis 2 Stunden gute Erfolge verbucht werden.

3.4. Cyanide bleiben als Spuren vom Giftgas

G: Kommen wir nun zur konkreten Chemie. Als ich seinerzeit in der Literatur das erste Mal etwas vom Leuchter-Report hörte[25], machten mich die darin gemachten Aussagen stutzig. Ich erfuhr zuerst nur, daß die Analysen von Leuchters Proben aus den angeblichen Gaskammern keine Rückstände des Giftgases Zyklon B enthielten. Das kam mir logisch vor, da Gase nunmal leicht flüchtig sind und nach 45 Jahren wohl nicht erwartet werden konnte, daß man davon Rückstände findet. Es wurde aber behauptet, daß heute noch langzeitresistente Spuren zu finden sein müßten, wie sie in den Entlausungskammern in großen Mengen zu finden seien. Ich fragte mich als Chemiker also, was das für ein Giftgas war, das da Langzeitspuren hinterlassen sollte. Nach der durch einen kurzen Blick in ein Lexikon gewonnenen Erkenntnis, daß es sich um Blausäure handele, erahnte ich die Lösung des Problems. Der Leuchter-Report ließ es dann zur Gewißheit werden[26]: Es soll sich um langzeitstabile Salze der Blausäure handeln, die durch Reaktionen mit Stoffen im Mauerwerk entstünden.

Jetzt muß ich Sie, verehrte Damen und Herren, leider mit Chemie belästigen. Ich versuche es aber auf ein Minimum zu beschränken.

Blausäure ist eine schwache Säure. Sie verbindet sich im Mörtel von Mauerwerken mit den dort befindlichen neutralen bis schwach basischen Alkali- und Erdalkalicarbonaten, -silikaten und -aluminaten und bildet Salze, Cyanide genannt. Die daraus entstehenden Alkali- und Erdalkalicyanide sind aber nicht sehr langzeitresistent. Anders dagegen sieht es mit den Cyaniden aus, die sich mit Eisen bilden. Eisen befindet sich fast überall in unserer Umwelt in beachtlichen Mengen, ebenso im Baumaterial unserer Häuser. Aus Tabelle 3.2 kann man den Eisengehalt des gebräuchlichsten Zementes entnehmen. Er schwankt gewöhnlich um 2 bis 4 %. Kalkmörtel bekommt seinen Eisengehalt nur durch den Sandzusatz, der bis zu 4% Eisen enthält. Allgemein kann man bezüglich des Eisengehaltes folgende Aussage treffen: Je mehr die Farbe von Sand, Verputz, Mörtel und Beton von reinem Weiß oder Grau zu ockerfarbenen oder rötlichen Tönen übergeht, um so größer ist der Eisengehalt, da das Eisen in der Natur erwartungsgemäß als Eisenoxid (Fe2O3), also Rost, vorliegt.

Tabelle 3.2: Zusammensetzung von Portlandzement[27]

Al2O3: 5 -10 % K2O: 0,2 - 0,6 %
SiO2: 20 % Na2O: 0,5 - 3 %
CaO: 60 % Fe2O3: 5 %

Z: Ist das Eisen auch der Grund für die rote Farbe der Ziegelsteine?

G: Ganz richtig. Obwohl in diesen der Eisengehalt gewöhnlich nicht höher ist als in Mörteln und Betonen, sind sie meist intensiv rot. Das ist der Effekt der Sinterung des Ziegelmaterials. Die Bezeichnung »Backstein«, so ihr Name im Volksmund, weist ja deutlich auf diesen Prozeß hin. Diese Sinterung bewirkt aber auch, daß das Eisen im Ziegelmaterial mechanisch sehr fest gebunden ist. Dadurch findet an Ziegelsteinen kaum eine Reaktion statt, es sei denn, sie wurden z. B. durch aggressive Umwelteinflüsse an der Oberfläche chemisch aktiviert. Die Eisenverbindungen im Mörtel stehen dagegen einer chemischen Reaktion verhältnismäßig leicht zu Verfügung.

Wer hier im Raume ist Chemiker? Aha, drei, nein vier Personen. Können Sie mir sagen, was passiert, wenn man Blausäure und Eisensalze verschiedener Wertigkeiten zusammenfügt?

Keiner? Ich bitte Sie, das ist doch einfach!

Z: Berlinerblau?

G: Richtig! Allgemeiner ausgedrückt: Mit der Blausäure bilden sich komplexe Eisencyanide, die sogenannten Hexacyanoferrate. Am Schluß der Reaktion steht dabei das (alle Mann in volle Deckung) Eisen(drei)Hexacyanoferrat(zwei) (Fe4III(FeII(CN)6]3) berühmt geworden unter dem Namen Berlinerblau, Turnbullsblau oder Preußisch Blau.

Nun wird auch der ältere Chemiker wieder an seine Studienzeit erinnert, da der junge Student von dieser und ähnlichen Verbindungen in den ersten Semestern regelrecht verfolgt wird. Für die Fachleute: Diese gemischtwertige Eisenverbindung erhält ihre blaue Farbe durch einen Charge-Transfer-Übergang zwischen dem zwei- und dreiwertigen Eisen. Es handelt sich hierbei um eines der stabilsten und am längsten bekannten blauen Farbpigmente der Welt[28].

Nun fragt sich der gewiefte Chemiker, woher man das zweiwertige Eisen bekommt, um diesen Komplex zu erhalten. Schließlich kommt Eisen in Baumaterialien nur in der dreiwertigen Form vor. Nun, Cyanid selber ist ein mildes Reduktionsmittel, so daß sich Eisenhexacyanoferrat(III) mit Cyanidüberschuß allmählich in Berlinerblau umwandelt[29]. Allerdings wird die Sache recht rabiat, wenn das Milieu alkalisch wird. Dann wird nämlich das Eisenhexacyanoferrat(III) selber zu einem starken Oxidationsmittel[30], da es gerne zum Eisenhexacyanoferrat(II) werden möchte[31]. Somit sind alle Grundvoraussetzungen im Mauerwerk gegeben, damit sich das langzeitresistente Berlinerblau bilden kann.

3.5. Was unterstützt die Cyanidanreicherung?

Z: Nun wissen wir, daß sich dieses Berlinerblau bilden kann, aber nicht, ob und wann es das bevorzugt tut.

G: Dieses Pigrnent entsteht bevorzugt in wässrigem Medium. Das ist aus mehreren Gründen kein Wunder:

Tabelle 3.3: Physikalische Konstanten von Blausäure, HCN[33]

Molekulargewicht 27,026 g mol-1
Siedepunkt (1 atm) 25,7°C
Schmelzpunkt -13,24°C
Relative Dichte des Gases bei 31°C
(Luft= 1)
0,947
Wärmekapazität flüssig (20,9°C)
(Wasser = 187 J g-1 K-1)
2,625 J g-l K-1
Dielektrizitätskonstante (20°C)
(Wasser= 78,5)
114
Verdampfungswärme 28 kJ mol-1
Verdampfungsentropie 190 J mol-1 K-1
Selbstentzündungstemperatur 538°C
Flammpunkt -17,8°C
Explosionsgrenzen in Luft 6-41 Vol.%

1. Blausäure ist durch seinen polaren Molekularaufbau und durch seine Fähigkeit zur Ausbildung von Wasserstoff-Brückenbindung in seinen physikalischen Eigenschaften dem Wasser nahe verwandt und reichert sich daher gerne in Wasser an. So löst es sich z. B. 250 mal besser im Wasser als Kohlendioxid und 10 000 mal besser als Sauerstoff[32].

Der Tabelle 3.3 können wir einige physikalische Eigenschaften der Blausäure entnehmen. So ist zum Beispiel die Wärmekapazität, also die Energie, die nötig ist, um Blausäure um ein Grad zu erwärmen, halb so groß wie die des Wassers. Da die Wärrnekapazität des Wassers außergewöhnlich groß ist, ist dieser Wert der Blausäure erstaunlich hoch. Auch an der Dielektrizitätskonstanten erkennt man die nahe Verwandtschaft zum Wasser. Hier übertrifft die Blausäure sogar fast alle bekannten flüssigen Stoffe.

2. Die Blausäure muß zur Reaktion mit den Eisenionen und anderen Metallionen des Mauerwerkes dissoziieren, was sie nur in wässriger Lösung kann.

3. Auch die Verbindungen im Baumaterial werden durch einen hohen Feuchtigkeitsgehalt für chemische Reaktionen aktiviert.

4. Die Redoxreaktionen zum Ubergang in das Berlinerblau sind ebenso stark von wässrigem Medium abhängig.

HCN-Sättigung in Wasser

Grafik 3.3: Sättigungskonzentration von Blausäure in Wasser als Funktion der Temperatur bei einem Partialdruck[35] von p(HCN)=0,01 (10 mbar Blausäure bei 1000 mbar Gesamtdruck).

Die Frage nach dem Feuchtigkeitsgehalt des Mauerwerks ist also absolut dominant und überlagert daher alle anderen möglichen Randbedingungen, die daher vernachlässigt werden können. So wird zwar z. B. jede chemische Reaktion durch eine Temperaturerhöhung beschleunigt, bei einer Temperaturdifferenz von 20° C um etwa 100 %. Allerdings nimmt in gleichem Maße die Löslichkeit von Blausäure in Wasser ab, wie dies für alle Gase gilt. So ist die Löslichkeit bei 10° C doppelt so groß wie bei 30° C, siehe Grafik 3.3. Diese beiden Effekte heben sich also gegenseitig auf. In ähnlicher Weise verhalten sich Gase übrigens auch bei ihrer Adsorption an festen Oberflächen. Je höher die Temperatur ist, um so weniger Gas bleibt an einer Festkörperoberfläche haften[34].

Z: Und an warmen Wänden kann die Blausäure nicht auskondensieren.

Tabelle 3.4: Aufnahme von Blausäure durch verschiedene Baustoffe bei Einwirkung von 2 Vol.% HCN über 24 Stunden[36].

Material HCN [mg m-2]
Klinker 55,2
Ziegelstein

73,0

Schlackenstein 2 880,0
Schwemmstein 3 790,0
Kalksandstein, naturfeucht 22 740,0
Kalksandstein, kurz getrocknet 4 360,0
Kalksandstein, etwa 1/2 Jahr bei 20°C getrocknet 2 941,0
Betonstein, 3 Tage getrocknet 8148,0
Die Vol.%-Angabe stellt laut Autoren einen theoretischen Sollwert dar, der in der Praxis aber oft nur zu 50% und weniger erreicht wurde durch Adsorption an Wänden und Begasungsmaterial.

G: Das stimmt, aber ist hier kaum von Bedeutung. Wenn ein Gas aus der Luft auskondensieren will, muß es seinen Taupunkt erreicht haben. Das würde für die Blausäure aber z. B. selbst bei O° C bedeuten, daß ihr Anteil an der Luft etwa 30 % betragen müßte, was in den hier betrachteten Fällen nicht vorkommt. Hier liegen die Blausäuregehalte immer weit unter 5 %. Der Feuchtigkeitsgehalt von Mauerwerken steigt bei Erniedrigung der Raumtemperatur um nur 10° C von z. B. 25° C auf 15° C um etwa den Faktor zehn an[37]. Der Tabelle 3.4 kann man dann auch entnehmen, daß naturfeuchtes Baumaterial eine etwa achtfach so große Blausäureaufnahme besitzt wie zimmertrockenes Material.

Lassen Sie mich daher hier festhalten: In einem kühlen, feuchten Keller ist mit einer um etwa den Faktor 8 höheren Blausäureaufnahme durch die Wände zu rechnen als in einem geheizten, trockenen Raum. Zudem mu6 in diesen Wänden allgemein mit einer stark erhöhten Reaktivität gerechnet werden. Verluste durch späteres Ausgasen der Blausäure oder durch Erosion und Korrosion von Cyanidverbindungen sind in feuchten Kellern durch die stärkere und schne]lere physikalische wie chemische Fixierung weitaus unwahrscheinlicher als in trockenen Räumen. Damit ist es gerechtfertigt, bezüglich der relativen Reaktivität zur Bildung langzeitresistenter Cyanidverbindungen bei feuchten Kellern mindestens einen Faktor 10 gegenüber trockenen, auf Zimmertemperatur erwärmten Räumen anzunehmen.

Z: Sind die Meßwerte von Tabelle 3.4 alle bei der gleichen Temperatur ermittelt worden?

G: Ja, alle bei Raumtemperatur.

Z: Wenn also der naturfeuchte Stein zehn Grad kälter gewesen wäre, hätte er nochmal die doppelte Menge an Blausäure aufnehmen können aufgrund der höheren Blausäurelöslichkeit in kaltem Wasser.

G: …stimmt. Dieser Aspekt ist bisher nicht berücksichtigt worden. Sie sehen also, daß der Faktor zehn wahrscheinlich eine kühne Untertreibung ist.

3.6. Verschwinden die Spuren des Giftes mit der Zeit?

Z: Dann stellt sich nur noch die Frage, ob die entstehenden Verbindungen die Zeit vom Zweiten Weltkrieg bis heute überstanden haben können.

G: Nun, es gibt noch mehrere offene Fragen, aber diese ist die naheliegendste, der ich mich daher jetzt zuwenden möchte.

Ich kann mir die Sache jetzt zwar sehr umständlich machen und tausend Einzelheiten aufzählen. Ich möchte es aber bei vier Hinweisen belassen, die sich auf das hier vor allem interessierende Berlinerblau beziehen.

Berlinerblau ist eine Verbindung, die gegen schwache und mittelstarke Säuren resistent ist, von starken Säuren aber und schon von mittelstarken Basen zersetzt wird. Oder – kurz ausgedrückt – Berlinerblau fühlt sich im leicht sauren Milieu des Sauren Regens am wohlsten[38]. So haben Aufschlämmungen von Berlinerblau wegen des leicht Lewis-sauren Verhaltens vor allem des Fe3+-Ions einen pH-Wert von 4 bis 5[39]. Wäre das Berlinerblau also säureempfindlich, würde es sich selber auflösen, was es natürlich nicht tut. Schließlich sind die freien Hexacyanoferratsäuren selber recht starke Säuren, ohne daß sie durch sich selbst ihr Cyanid als Blausäure freisetzen würden[40].

Über die Löslichkeit von Berlinerblau gibt es keine zuverlässigen Angaben[41]. An Hand der pH-Stabilität kann man diese aber errechnen, da man die Löslichkeit von Fe(OH)3 kennt. Da Berlinerblau bei pH 7 noch stabil ist, muß die durch diese Verbindung freigesetzte Fe3+-Menge niedriger sein, als die bei pH 7 von Fe(OH)3 freigesetzte Menge, da jeder Überschuß an Fe3+-Ionen als Fe(OH)3 ausfallen und somit den Komplex zerstören würde. Demnach liegt die Löslichkeit unter 0,000000000000001 Gramm pro Liter Wasser, die Verbindung gilt daher als unlöslich[42].

Das Pigment gilt ferner als hervorragend resistent gegen Licht[43].

Interessant ist vor allem ein Langzeittest, der in einem Industrieort in der Nähe von London in den fünfziger Jahren gestartet und in den achtziger Jahren beendet wurde[44]. Man stellte damals gefärbte Aluminiumplatten auf das Dach eines Hauses. Unter den verwendeten Farbstoffen befand sich auch Berlinerblau, das in einem Wasserbad durch Zusammenfügen der Komponenten erzeugt und durch Diffusion auf der Aluminiumfläche abgeschieden worden war. Die Flächen waren nach der 21jährigen Exposition an der Londoner Industrieluft, sicher in den fünfziger und sechziger Jahren eine der dreckigsten und korrosivsten Gegenden der Welt, annähernd so kornblumenblau wie zum Testbeginn. Diese Farbe stellte sich neben dem Eisenocker, also den Eisenoxiden, als die stabilste aller Farben heraus.

Was gäbe es, meine Damen und Herren, für einen besseren Beweis, daß dieses Pigment wirklich Wind und Wetter trotzt? Dies sogar dann, wenn es nur ganz oberflächlich anhaftet! Wenn es aber im Mauerwerk entstanden ist, also ein integraler Bestandteil des Mauerwerkes selbst geworden ist, dann bleibt es darin auf alle Ewigkeit. Mit einer Stabilität, die der der Eisenoxide vergleichbar ist, aus denen es hervorgegangen ist, wird diese Verbindung nur dadurch zu zerstören sein, daß man das Mauerwerk selber zerstört und in alle Winde zerstreut.

3.7. Gaskammer – Entlausungskammer – eine Simulation

G: Nun haben wir viel Datenmaterial zusammengetragen, das wir jetzt auf unseren Fall übertragen wollen. Fragen wir uns erst genau, was wir wissen wollen. Wir wissen, daß es in Auschwitz Räume gegeben hat, in denen mit Zyklon B Sachentlausung betrieben wurde. Wir haben daneben Zeugenaussagen, die behaupten, daß in anderen Räumlichkeiten Menschen mit Zyklon B umgebracht worden sein sollen. Die Frage, die sich uns jetzt stellt, lautet:

  1. Wie verhalten sich die Bedingungen der jeweiligen Räumlichkeiten bei ihrer jeweiligen Anwendungsweise bezüglich ihrer Bildung langzeitresistenter Cyanidverbindungen? Oder deutlicher ausgedrückt:
  2. Ist in den angeblichen Menschengaskammern mit weniger, gleich viel oder mehr Cyanidrückständen zu rechnen als in den Sachentlausungsanlagen?

Ich möchte Ihnen hierzu einige Dinge aus den vorigen Abschnitten sowie aus den bautechnischen Erörterungen ins Gedächtnis zurückrufen.

  1. Die angebliche Gaskammer des Krematoriums II von Birkenau ist heute noch gut und witterungsgeschützt erhalten und somit einer Untersuchung gut zugänglich.
  2. Diese vermeintliche Gaskammer soll die am intensivsten genutzte aller Gaskammern gewesen sein. Nach Zeugenaussagen und nach der Opferzahl muß die Kammer etwa einmal täglich gebraucht worden sein (Betriebszeit etwa 550 Tage bei 400 000 Opfern a 1 000 pro Vergasung[45]).
  3. Diese vermutete Gaskammer war ein nicht heizbarer Kellerraum. Die Wände müssen daher naturfeucht und kühl gewesen sein. Durch die Atmung und Körperausdunstungen der eng eingepferchten Menschen ist sogar damit zu rechnen, daß die Wände sehr feucht waren, da an ihren kühlen Flächen die Luftfeuchtigkeit intensiv auskondensierte.
  4. Die Reaktivität solcher kühl-feuchter Kellerwände zur Bindung von Blausäure und damit zur Bildung langzeitresistenter Cyanidverbindungen ist daher mindestens zehnmal so hoch wie die warmer, trockener Wände, wahrscheinlich sogar noch weit höher.
  5. Die Vergasungsaktionen sollen bis zum Öffnen der Türen eine viertel bis maximal eine halbe Stunde gedauert haben. Die Lüftung soll zuvor das Giftgas abgezogen haben. Wir werden uns später mit der Frage beschäftigen, ob das technisch möglich war[46]. Wir nehmen nachfolgend eine Begasungszeit von 12 bzw. 24 Minuten an.
  6. Die Anwendungskonzentrationen sollen denen der Entlausungsaktionen geähnelt haben[47].
  7. Die Sachentlausungskammern der Bauwerke 5a und 5b lagen oberirdisch und waren intensiv geheizt, um die Blausäureabgabe des Zyklon B zu beschleunigen und den Kreislauf der kaltblütigen Schädlinge zu aktivieren, was deren Blausäureempfindlichkeit steigert.
  8. Diese Anlagen können maximal einmal täglich benutzt worden sein, da für einen häufigeren Betrieb nicht genügend Zyklon B zur Verfügung stand[48].
  9. Sachentlausungen ohne Kreislaufverfahren dauern in der Regel zwischen 4 und 8 Stunden. Das übersteigt die Dauer der angeblichen Menschenvergasungen um den Faktor 20.

Nun kann man die Sache übers Knie brechen und sagen, daß der zwanzigfachen Begasungszeit in den Entlausungskammern mindestens eine zehnfache Reaktivität in der angeblichen Menschengaskammer gegenüberstand, daß also die Menschengaskammerwände einen Cyanidwert erwarten lassen müssen, der gegenüber den Entlausungskammern etwa um den Faktor 2 erniedrigt ist. Ich möchte die Sache aber etwas genauer betrachten, um hier nicht den Verdacht voreiliger Schlüsse aufkommen zu lassen. Dank der vorgeschrittenen Rechnertechnik kann man nämlich mit einigen Randdaten Simulationsrechnungen anstellen, um Vergleichsdaten zwischen einer fiktiven Menschengaskammer und einer Entlausungskammer zu erhalten.

Die für solche Rechnungen erforderlichen Randdaten kann man aus alten Veröffentlichungen entnehmen. Damals hat man nämlich gemessen, wie sich der Blausäuregehalt in Zementblöcken verhält. Dazu wurden diese Blöcke einen Tag lang begast, und anschließend wurde gemessen, wie schnell der Zementblock die zuvor aufgenommene Blausäure verliert, bzw. wie hoch der Restgehalt in dem Zementblock ist.

Der Grafik 3.4 kann man eine solches, verhältnismäßig langsames Blausäureabgabeverhalten eines Zementblockes über die Zeit entnehmen. Selbst nach drei Tagen geht die Blausäurekonzentration nicht unter ein Viertel des Ausgangswertes zurück. Bei täglichen, mehrstündigen Begasungen wird dies in diesem Beispiel zu einem Einschwingen der Konzentration im Gemäuer bei ungefähr 100 bis 200 mg Blausäure pro m2 Gestein führen.

Die Meßwerte der Grafik 3.4 wurden durch eine Funktion angenähert, die sich aus zwei Termen zusammensetzt:

c(t) = l00 × e–(t/0,3) + 100 × e–(t/4)
c(t) = HCN-Konzentration zur Zeit t
t = Zeit inTagen
e = Eulersche Zahl

Der erste Term kann dabei als Desorptionsterm von der Oberfläche des Materials interpretiert werden. Der zweite Term beschreibt die langsamer ablaufenden Diffusionsvorgänge im Porenwasser des Materials. Für die hiermit beschriebene Konzentrationsabnahme wird man mit fortschreitender Zeit zunehmend größere Fehler machen, da die Blausäure-Abgabe durch physikalische und chemische Effekte (stabile Verbindungen) zunehmend gehemmt wird.

HCN-Abnahme in Zementblöcken

Grafik 3.4: Abnahme der Biausäure-Konzentration in alten, getrockneten Zementblöcken nach 24stündiger Begasung mit 2,5 Vol. % HCN (siehe Fußnote Tabelle 3.4.).

Für die Blausäureaufnahme wird eine analoge Funktion angenommen:

c(t) = 100 × (2-e–(t/0,3)-e–(t/4))

Das ist berechtigt, da die Blausäureabgabe wegen physikalischer und chemischer Verzögerungseffekte und irreversibler Bindungen langsamer abläuft als die Aufnahme. Diese Funktion beschreibt den Vorgang aber nur dann richtig, wenn die Blausäurekonzentration der Raumluft konstant bleibt. Dann erreicht die Funktion nach ungefähr 20 Tagen ihr Sättigungsmaximum.

Um diese Näherung machen w können, ist man gezwungen, die eingesetzte Begasungszeit mit konstanter Konzentration derart herabzusetzen,

daß sie dem realen Fall mit veränderlicher Konzentration gleicht. Man kann aber auch die gesamte Begasungszeit einsetzen, wenn das Konzentrationsprofil in der Zeit bei beiden Vorgängen - Entlausung und Menschenvergasung - ähnlich ist. Aus damaligen Veröffentlichungen kann man diese Profile für Sachentlausungen entnehmen[49]. Die Konzentration erreicht bei Raumtemperatur erst nach vier Stunden ihr Maximum und fällt danach durch Adsorptionsverluste an Wänden und Entlausungsmaterial wieder ab, je nach Materialmenge und -feuchtigkeit verschieden stark. Dies ähnelt durchaus dem zu erwartenden Profil einer Menschenvergasung, bei der die gleichen Effekte zu beobachten sein müssen. Folglich habe ich für Simulationsrechnungen zur Bestimmung der quasistationären Blausäurekonzentration im Mauerwerk ein ähnliches Profil für beide Vorgänge angenommen.

Bei einer Wechselbelastung des Mauerwerks (n Stunden Begasung, n Stunden Lüftung) stellt sich im Mauerwerk ein quasistationärer Zustand annähernd konstanter Blausäure-Konzentration ein. Bei Verwendung obiger Funktionen steigt die mittlere Blausäure-Konzentration dabei ungefähr linear mit der mittleren Begasungszeit an, wenn die Begasungszeit die Lüftungszeit nicht überschreitet. Bei Überschreitung erfolgt nurmehr eine geringe Erhöhung der Konzentration. Grafik 3.5 zeigt die Ergebnisse zweier rechnerischer Simulationen am Beispiel einer Entlausungskammer mit unterschiedlichen Begasungsweisen. Aufgetragen ist der relative Blausäuregehalt des Mauerwerks bezüglich seiner Sättigungskonzentration, also der maximal durch die Wand aufnehmbaren Blausäuremenge (100 %). Fall eins zeigt den Blausäure-Konzentrationsverlauf in der Mauer einer Entlausungskammer bei gleichmäßig abwechselnder Be- und Entlastung im Langzeit-Dauerbetrieb, d.h. abwechselnd vier Stunden Begasung und Lüftung, also drei Begasungen täglich. Wie zuvor ausgeführt, reichte dafür die Zyklon B Menge nicht aus. Man kann aber dieses Beispiel auch für eine 1 2stündige Begasung täglich heranziehen, bei der das Ergebnis ähnlich aussieht. Die mittlere Konzentration pegelt sich bei dieser Belastungsweise bei ca. 50 % der Sättigungskonzentration ein. Der zweite Fall zeigt den Konzentrationsverlauf einer einma1igen, vierstündigen Begasung täglich mit entsprechend etwa dem dritten Teil der relativen quasistationären mittleren Konzentration (etwa 15 % gegen 46%).

Entlausungskammer-Simulation

Grafik 3.5: Simulation der relativen Blausäure-Konzentration bezüglich der Sättigung (100 %) im Mauerwerk einer Entlausungskammer bei abwechselnden Begasungen und Lüftungen und idealem mathematischen Verhalten. (Neuere Werte nach korrigiertem Ansatz 1996)

Menschengaskammer-Simulation

Grafik 3.6: Simulation der relativen Blausäure-Konzentration bezüglich der Sättigung (100 %) im Mauerwerk einer 'Menschengaskammer' bei abwechselnden Begasungen und Lüftungen sowie idealem mathematischen Verhalten. (Neuere Werte nach korrigiertem Ansatz 1996)

Grafik 3.6 enthält als Fall drei und vier die Ergebnisse der Simulation der relativen Blausäure-Konzentration bezüglich des Sättigungswertes des Mauerwerks durch eine 12- und eine 24minütige tägliche Begasung einer Menschengaskammer mit anschließend 23 Stunden und 10 Minuten

Lüftung mit gleicher Blausäurekonzentration wie im Entlausungsfall. Die dabei aufretenden mittleren Blausäuregehalte des Mauerwerkes liegen bei knapp 0,76 % bzw. rund 1,5 % der Sättigungskonzentration. Man erkennt, daß sich die Ergebnisse der Entlausungskammer von denen der Menschengaskammer tatsächlich um den zuvor vorausgesagten Faktor 20 (15 %/0,76 %) bzw. für eine dreißigfache Begasungszeit um den Faktor 30 (46 %/1,5 %) unterscheiden.

Vergleichbar werden die Fälle der Entlausungs- und Menschengaskammer erst, wenn man die absoluten Blausäurekonzentrationen im Mauerwerk betrachtet. Da die Blausäureaufnahme der kühl-feuchten Keller mindestens achtmal so hoch ist, wie die der trocken-warmen, ergibt sich für die Relation der absoluten Blausäuregehalte ein Verhältnis von 15: 6 bzw. 46: 9. Da wir vorhin festgestellt haben, daß unter Berücksichtigung aller weiteren Faktoren die Gesamtreaktivität zur Bildung langzeitresistenter Cyanide mindestens um den Faktor 10 höher ist, schrumpft der Vorsprung der Entlausungskammern höchstens auf einen Faktor von 2 bis 3 zusammen. Bei der Analyse von Probenmaterial muß also davon ausgegangen werden, daß sich in den vermeintlichen Menschengaskammem Cyanidwerte befinden, die mindestens 33 bis 50 % der Werte aus den Entlausungskammern ausmachen, wenn die Zeugenaussagen über Massenvergasungen richtig sein sollen.

Gibt es soweit zu meinen Ausführungen Fragen oder Einwendungen?

3.8. Chemische Analysen - Leistungsfähigkeit und Grenze

G: Wenn das nicht der Fall ist, möchte ich mich nun den Analysenergebnissen zuwenden, die bisher bekannt geworden sind. Zuvor jedoch möchte ich zur chemischen Analytik selbst ein paar Worte verlieren und die beim Cyanidnachweis benutzten Nachweisverfahren mit ihrer Leistungsfähigkeit und ihren Tücken vorstellen.

Von der chemischen Analytik wird heute oftmals verlangt, daß sie auch noch die geringsten Spuren aller möglichen Stoffe exakt nachweist. Dabei betrachtet die Öffentlichkeit diesen Anspruch mittlerweile als ihr Gewohnheitsrecht, da sie durch die enormen technischen Fortschritte in den Methoden der Umweltanalytik an die tollsten Spurennachweise mit äußerst niedrigen Nachweisgrenzen gewöhnt ist. Eine Nachweisgrenze ist übrigens der Wert, unterhalb dessen zwar noch Analysenwerte erhältlich sind, die aber wegen extrem großer Schwankungen nicht mehr zuverlässig sind.

Schließlich beobachtet man häufig geradezu eine Art Umwelt-Hypochondrie. Kaum findet man in einer Bodenprobe etliche ppb eines Giftes, schon schlägt man Alarm, obwohl kaum ein Mensch weiß, was ein ppb ist[50]. Zudem wundert sich der geübte Analytiker über die sagenhafte Zahlengläubigkeit vieler Menschen. Dabei ist es unter Fachleuten nur allzusehr bekannt, daß die Spurennachweise äußerst fehleranfällig sind. Es hat immer wieder Untersuchungen gegeben, die nachgewiesen haben, daß die Analysenergebnisse von Spurennachweisen häufig unzuverlässig sind. Wenn man zum Beispiel eine Probe mit einer bestimmten Menge eines Umweltgiftes versetzt und diese Probe den verschiedensten öffentlichen und privaten Analytiklabors zur Analyse übergibt, so darf man nicht überrascht sein, wenn das eine Labor nichts findet, das andere aber den doppelten Wert der tatsächlich vorhandenen Giftmenge. Die Ursache dafür liegt meist an menschlichen Fehlern.

Um diese Klippe zu umschiffen, ist man bei Spurennachweisen auf Kontrollanalysen angewiesen. Dabei sollte man sich davor hüten, die Kontrollanalysen von dem gleichen Labor machen zu lassen, denn es versteht sich von selbst, daß dessen Ergebnisse jeweils kaum voneinander abweichen werden.

Z: Weil sie die Werte etwa angleichen, also manipulieren?

G: Nein, das will ich niemandem unterstellen. Aber dieses eine Labor verwendet ja immer den gleichen Versuchsaufbau und das gleiche Personal, so daß im ungünstigen Fall eben nur die Fehler wiederholt werden, aber keine echte Kontrolle erfolgt.

Z: Aber heißt denn das nicht, daß alle Analysenergebnisse an sich zweifelhaft sind und somit auch die darauf beruhenden Schlußfolgerungen?

G: Solange Sie nur eine Probe nehmen und davon keine Kontrollanalysen machen, ja. F. Leuchter hat, wie wir noch sehen werden, aus der Sachentlausungsanlage seinerzeit nur eine Probe entnommen und davon keine unabhängigen Kontrollanalysen machen lassen. Einem solchen Ergebnis sollte man daher in der Tat nicht über den Weg trauen. Wenn Sie aber diesen Wert durch viele weitere Proben größenordnungsmäßig bestätigen können und auch Kontrollanalysen im Bereich annehmbarer Fehlertoleranzen liegen, kann man sich auf die Analysenwerte sehr gut verlassen.

Z: Was sind in ihren Augen annehmbare Toleranzen?

G: Das hängt immer von der relativen Menge der untersuchten Verbindung zum Gesamtmaterial und von der Zuverlässigkeit der Analysenmethode

ab. Im allgemeinen gibt man für Proben mit Mengen bis zu einer Zehnerpotenz über der Nachweisgrenze eine Toleranz von etwa 50 bis 100 % an. Bei hohem Anteil in der Probe, also Werten von zwei oder drei Zehnerpotenzen über der Nachweisgrenze, sollte er aber unter 10 % bzw. 1 % liegen. Legen Sie mich jetzt aber bitte nicht auf diese Zahlen fest, sie sollen Ihnen nur eine Orientierung geben. Aber auch bei hohen Anteilen gibt es immer wieder Ausreißer, zumeist durch menschliches Versagen.

Schließlich möchte ich noch auf einen weiteren großen Feind der Spurenanalyse hinweisen. Das sind die Störverbindungen, in unserem Falle Störionen. Wenn man etwas ganz Spezielles nachweisen will und nichts anderes sonst, muß man ausschließen, daß andere, ähnliche Stoffe durch das ausgesuchte Nachweisverfahren ebenso erfaßt werden. Leider ist dies immer nur in bestimmten Grenzen möglich. So wird die Leistungsfähigkeit einer Nachweismethode häufig dadurch eingeschränkt, daß andere Stoffe nicht oder nur in geringen Mengen vorhanden sein dürfen, da sie ansonsten falsche, zumeist zu hohe Werte vortäuschen.

Wenden wir uns dem Cyanid-Spurennachweis zu. Die Maßeinheit, in der Cyanidspuren bestimmt werden, ist das ppm. Das sind parts per million oder, zu altdeutsch, Teile auf eine Million Bezugsteile. Man kann das auch konventionell ausdrücken: Das Maß ist in unserem Fall: Milligramm Cyanid pro Kilogramm Gestein (mg/kg). Für den näher Interessierten sei hier auf die DIN-Norm verwiesen, die den Cyanid-Spurennachweis regelt[51]. Diese Norm entspricht übrigens der international gebräuchlichen. Leider muß ich einen Wermutstropfen in diese Analysenmethode geben. Sie wird nämlich von großen Carbonatmengen gestört. Da Mörtel und Betone neben Silikaten vor allem aus Carbonaten bestehen, das ist der berühmte Kalk, müssen wir hier mit Störungen rechnen. In der Wirklichkeit bewirkt dieser hohe Carbonatwert eine Verschiebung der Nachweisgrenze zu höheren Werten, da der Kalk immer einen geringen Cyanidwert vortäuschen kann. Diese geringe Erhöhung fällt aber nur bei geringen Cyanidspuren auf. Bei großen Cyanidmengen geht diese Erhöhung in den Meßwertschwankungen unter. Die Erfahrung zeigt, daß die normalerweise bei 0,5 bis 1 mg/kg liegende Nachweisgrenze für feste Stoffe durch Mörtelmaterial auf 10 mg/kg angehoben wird. Analysenwerte unter 10 mg/kg sind also einer vernünftigen Interpretation nur dann zugänglich, wenn es sich um carbonatarmes Material handelt.

3.9. Die Ergebnisse des Leuchter-Reports

G: Nun möchte ich Ihnen in chronologischer Reihenfolge der Analysenanfertigung die bisher bekannt gewordenen Analysenergebnisse von Proben aus dem Lager Auschwitz vorstellen. Da ist zunächst der amerikanische Spezialist zur Konstruktion von Exekutionsgaskammern, F. A. Leuchter[52]. Er ließ seine Proben bei Prof. Dr. J. Roth in den Alpha Analvtic Laboratories in Ashland, Massachusetts, analysieren. Die

Tabelle 3.5: Cyanidkonzentrationen im Mauerwerk von 'Gaskammern'/ Entlausungskammern.
Nach F.A. Leuchter/Alpha Analytic Laboratories, Ashland, Massachusetts, USA

Probennummer Entnahmeort CN[mg pro kg]
1-7 Krematorium II, Leichenkeller I 0,0
8 Krematorium III, Leichenkeller I 1,9
9 Krematorium III, Leichenkeller I 6,7
10,11 Krematorium III, Leichenkeller I 0,0
12 Türdichtung 0,0
13,14 Krematorium IV 0,0
15 Krematorium IV 2,3
16 Krematorium IV 1,4
17-19 Krematorium IV 0,0
20 Krematorium IV 1,4
21 Krematorium V 4,4
22 Krematorium V 1,7
23,24 Krematorium V 0,0
25 Krematorium I, Leichenhalle 3,8
26 Krematorium I, Leichenhalle 1,3
27 Krematorium I, Leichenhalle 1,4
28 Krematorium I, Waschraum 1,3
29 Krematorium I, Leichenhalle 7,9
30 Krematorium I, Leichenhalle 1,1
31 Krematorium I, Leichenhalle 0,0
32 Entlausungskammer 1 1050,0
Die Leichenhalle des Krematoriums I und der Leichenkeller I des Krematori- ums II sollen 'Gaskammern' gewesen sein.

Grundriß LK 1 Krema II mit Leuchter-Probenahmen

Abbildung 3.1: Grundriß des Leichenkellers l ('Gaskammer') des Krematoriums 11 in Birkenau mit Probenentnahmestellen von F.A. Leuchter:
Proben 1,2,3,5 von Mauerwerk; Probe 4 von Decke; Probe 6 von Säule; Probe 7 von Geröll am Boden.

Cyanidanalysen erfolgten analog dem der deutschen Normung. Für einige Proben nahe der of offiziellen Nachweisgrenze von 1 mg pro kg wurden Kontrollanalysen, allerdings vom gleichen Institut, angefertigt. Die Ergebnisse schwankten um bis zu 40%.

Z: Ich denke, die Nachweisgrenze liegt bei 10 mg/kg?

G: Die offizielle Nachweisgrenze gilt für die Fälle, daß keine großen Carbonatmengen im Material enthalten sind.

Der Tabelle 3.5 können Sie die Analysenergebnisse entnehmen. Bis auf die letzte Probe mit der Nummer 32 stammen alle Mauerproben aus Räumen, in denen Menschen vergast worden sein sollen. Die Ergebnisse liegen alle unter der tatsächlichen Nachweisgrenze und nur knapp über der offiziellen. Die Probe aus der Entlausungskammer liegt um den Faktor 150 bis 1000 über diesen Werten. Ich möchte diese Ergebnisse erst einmal unkommentiert lassen, bis wir die anderen Ergebnisse auch zur Kenntnis genommen haben.

Allein ein paar allgemeine Anmerkungen erlauben Sie mir. Zuerst möchte ich anmerken, daß Leuchter seine Proben sowohl von ungeschützten, der Witterung ausgesetzten Stellen als auch von vollkommen geschützten Stellen genommen hat. Offensichtlich hat dies keinen erkennbaren Einfluß auf das Analysenergebnis. Die Leichenhalle des Krematoriums I und der Leichenkeller I des Krematoriums II sollen 'Gaskammern' gewesen sein.

Auffallend ist zudem der positive Befund (1,3 mg pro kg) der Probe 28, die Leuchter aus der Trennwand des ehemaligen Waschraumes zum Sezierraum des Krematoriums I entnahm, einer Wand, die nie Teil der angeblichen Gaskammer war und außerdem beim Umbau zum Luftschutzbunker wahrscheinlich neu errichtet wurde[53]. Dieser Befund in ähnlicher Höhe wie in den restlichen Proben ist unser erster Hinweis dafür, daß Cyanidwerte unterhalb 10 mg/ kg keinen Aussagewert haben, da der Waschraum nie Teil der Gaskammer war und somit dort auch nicht annähernd so viel Cyanid zu finden sein dürfte wie in den Wänden der angeblichen Gaskammer.

Z: Worin liegt Ihrer Meinung nach die Bedeutung des Leuchter-Reportes?

G: Nun, zuerst einmal ist es an Hand dieses Gutachtens überhaupt gelungen, eine sachliche und wissenschaftliche Diskussion auf technischer und naturwissenschaftlicher Grundlage in Gang zu setzen. Insofern hat der Leuchter-Report eine Eisbrecherfunktion gehabt, deren Bedeutung kaum überschätzt werden kann.

Z: Hat der Leuchter-Report aber nicht schon alles gesagt, was gesagt werden mußte? Sind also neue Gutachten überhaupt noch notwendig?

G: Ein Gutachten allein kann niemals alle Fragen für ewig beantworten. Aber schauen sie, das Leuchter-Gutachten ist, wie ich bereits erwähnt habe, gewissermaßen zwischen Tür und Angel hergestellt worden. Man kann von diesem Schriftstück daher weder eine erschöpfende noch eine fehlerfreie Bearbeitung des Themas erwarten.

Z: Und worin liegen die Fehler und Mängel des Reports?

G: Als Wissenschaftler sieht man sich zu allererst an, ob das Werk eine solide Quellengrundlage hat. Leuchters Bericht weist leider kaum solche Quellen auf. Die ganzen chemischen Schlußfolgerungen sind z. B. überhaupt nicht belegt. Irgendwelche Analysenergebnisse selber sagen schließlich noch nichts aus. Sie müssen richtig interpretiert werden. Die Behauptung: Da sind keine Cyanide, also ist da niemand vergast worden, kann man so nicht machen. Es kann schließlich auch noch andere Gründe für den Mangel an Cyanidverbindungen geben. Die hätte Leuchter zuvor alle wissenschaftlich ausschließen müssen.

Z: Aber diese Arbeiten kann Leuchter ja nicht machen, da er kein Chemiker ist.

G: Ein Gutachter sollte über Dinge, von denen er nicht genug versteht, schweigen oder aber ein Subgutachten eines Fachmannes anfertigen lassen und dieses als Teil seines Gutachtens mit einbauen. In einer solch gewichtigen Angelegenheit hätte dies erfolgen müssen.

Z: Aber er stützt sich ja nicht nur auf die Chemie. Er sagte vor Gericht ja sogar, daß dies nur ein geringer Teil seines Gutachtens sei.

G: Das ist richtig, aber auch seine anderen Aussagen beruhen z. T. auf Quellen, die nicht korrekt sind. So besaß er nicht die Originalpläne der Krematorien, was ihn zu der falschen Aussage trieb, die Krematorien II und III hätten keine Lüftungsmöglichkeiten besessen. Auch macht er einige Fehler, die z. B. für einen Chemiker oder Physiker offensichtlich gewesen wären. Zum Beispiel verrennt er sich bezüglich der Explosivität von Blausäure-Luft-Gemischen. Er hält die vermeintlich angewendeten Blausäurekonzentrationen, etwa 1 Vol. %, für explosiv, obwohl er in seinem Bericht eine Tabelle zeigt, die deutlich angibt, daß erst Gemische mit mehr als 5 Vol. % explosiv sind. Ferner meint er, daß es zur Tötung mit Dieselabgasen nötig sei, den Raumdruck mit komprimierten Dieselabgasen zu erhöhen, um den Kohlenmonoxidanteil in der Kammer zu erhöhen. Das ist natürlich purer Nonsens, da der relative Anteil am Gesamtgasgehalt nicht durch die Erhöhung des Gesamtgasgehaltes in einer Kammer beeinflußt wird.

Z: Das sind doch aber Nebensächlichkeiten.

G: Sie belegen aber, daß der Ersteller dieses Gutachtens einen gewissen Mangel an naturwissenschaftlich-technischem Sachverstand hat, sonst wären ihm solche Fehler nicht unterlaufen. Dies aber untergräbt die Seriosität der Person Leuchters, der sich offenbar eine technisch-naturwissenschaftliche Urteilsfähigkeit anmaßt, die er nicht besitzt. Schließlich erscheint damit die ganze Arbeit unglaubwürdig. Solcherart sind zumindest die Vorwürfe, die Leuchter von der Gegenseite gemacht werden, und sie sind nicht gänzlich aus der Luft gegriffen.

Z: Ist der Leuchter-Report also im Endergebnis falsch?

G: Das muß er nicht sein; aber er kann nicht das Ende, sondern er muß der Anfang umfassender Untersuchungen zum Thema sein.

Z: Es gibt ja nun genügend Veröffentlichungen, die vorgeben, Leuchter widerlegt zu haben. Ist dies alles Unsinn, was da veröffentlicht wurde?

G: Nein. Jedes Argument, das von irgendeiner Seite vorgebracht wird, ist es wert, überprüft zu werden. In der 5. Vorlesung werde ich die wichtigsten Argumente vorstellen und diskutieren.

Z: Teilweise wird ja auch bezüglich des Leuchter-Reports auf Argumente gegen die Person Leuchters zurückgegriffen. Sind sie Ihrer Meinung nach angebracht?

G: Wer für sich den Anspruch erhebt, Wissenschaft zu betreiben und die Wahrheit zu suchen, den kümmert es niemals, was eine Person denkt, fühlt und meint. Nur das Sachargument zählt. Nur solche Personen, denen die Argumente ausgehen, greifen zur verbalen Gewalt gegen Andersdenkende. Eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Fred Leuchter kann in keinster Weise als Nazi oder Rechter bezeichnet werden, und auch der krampfhafte Versuch, ihn als unqualifizierten Selfmademan zu desavouieren, scheitert an seinen vorzeigbaren Qualifikationen[54]. Dies ist sicherlich mit ein Grund, warum es diesmal nicht gelungen ist, die hier geführte Diskussion in der Öffentlichkeit durch Totschweigen und Verunglimpfung zu unterdrücken. Die Verleumdungen ziehen bei Leuchter einfach nicht.

3.10. Die Ergebnisse des Krakauer Gutachtens

G: Nach der Veröffentlichung des Leuchter-Reportes sah sich das Staatliche Museum Auschwitz unter Zugzwang gesetzt und gab bei dem Jan-Sehn-Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung für Gerichtstoxikologie, in Krakau ein Gutachten in Auftrag, das die Analysenergebnisse Leuchters nachprüfen sollte[55]. Dieses Gutachten möchte ich nun vorstellen. Die Polen verwendeten für den Cyanidnachweis nicht die internationale Norm, sondern das Mikrodiffusionkammer-Verfahren. Dies gilt allgemein als untauglich für den Nachweis von Cyaniden, denn bei diesem Verfahren wird die Probe 24 Stunden halbkonzentrierter Schwefelsäure ausgesetzt. Dieser Behandlung halten die Cyanide und die freigesetzte Blausäure nur bedingt stand, da Schwefelsäure ein beachtliches Oxidationsmittel ist.Krakau gibt die gefundenen Cyanidkonzentrationen in Mikrograrnm Zyankali (KCN) pro l00g an, eine unübliche Einheit. Die Werte sind in der Tabelle 3.6 umgerechnet auf mg Cyanid (CN-) pro kg. Man erkennt sofort, daß die Meßergebnisse unhaltbar sind, da alle Ergebnisse weit unterhalb der offiziellen Nachweisgrenze der internationalen Norm liegen, sogar solche Proben, die durch ihren blauen Schimmer deutlich im Bereich von einigen tausend mg pro kg zu erwarten gewesen wären.

Z: Vielleicht ist dieses Nachweisverfahren empfindlicher.

G: Im Gegenteil. Es handelt sich hier um eine Art Holzhammeranalyse. In einem Schreiben an W. Wegner hat das Krakauer Institut ganz klar festgestellt, daß die von ihm angewendete Analysenmethode ungeeignet ist. Man mußte stellenweise sogar durch IR-Spektroskopie nachprüfen, ob überhaupt CN-Schwingungsbanden vorhanden sind[56]. Die Polen haben hieralso nicht nur einen Größenordnungsfehler gemacht, sondern zudem grobe meßmethodische Fehler.

Z: Vielleicht hatten Sie nicht das nötige technische Gerät.

G: Also, für die DIN-Analyse braucht man zuerst einmal nur einen Kocher, Glaskolben, Rührer, einen Blasenstein zur Lufteinleitung und eine KOH Vorlage sowie Null-Acht-Fünfzehn-Chemikalien. Das sollte wirklich in jedem Labor vorrätig sein. Man muß sich freilich die Mühe machen, in den analytischen Werken nach einem vernünftigen Cyanidnachweis Ausschau zu halten.

Somit ist der einzige Rat, den ich Ihnen als Fachmann zu diesem Gutachten geben kann, dieser: Vergessen Sie es ganz schnell!

Die mangelnde fachliche Qualifikation des Krakauer Institutes tritt außerdem ganz klar in den Schlußfolgerungen des Gutachtens zu Tage. Ich zitiere:

K: »Cyanwasserstoff ist eine schwache Säure, was zur Folge hat, daß sich ihre Salze in Gegenwart von stärkeren Säuren leicht zersetzen. Eine solche stärkere Säure ist sogar Kohlensäure, die durch Reaktion von Kohlendioxid und Wasser entsteht. Stärkere Säuren wie z. B. die Schwefelsäure zersetzen Cyanide leichter. Dauerhafter sind komplexe Verbindungen von Cyanid-lonen mit Schwermetallen. Das schon erwähnte 'Preußisch-Blau' zählt zu solchen Verbindungen, aber auch dies zerfällt langsam in saurem Medium.

Daher war es kaum zu erwarten, daß sich nach 45jährigem Zeitraum derivate Verbindungen von Cyaniden in Baumaterialien (Putz, Ziegel), die den Umwelteinflüssen (Niederschläge, saure Oxide, besonders Stickstoffmonoxid) ausgesetzt sind, erhalten würden.«

Tabelle 3.6: Cyanidkonzentrationen im Mauerwerk von 'Gaskammern'/ Entlausungskammern Nach Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung fur Genchtstoxikologie, Krakau, Polen; Angaben in mg pro kg

Nr. Gebäude Entnahmeort und -tiefe Material CN-
1 Block 3 Entlausung Raum 4, um Ventilatoröffnung, 2 mm Verputz 0,068
2 Entlausung Block 3 Raum 4, neben Türe zu Raum 3, 2 mm Verputz 0,036
7 Entlausung Block 3 Raum 3, unter Fenster, gegenüber Eingangstür, 2 mm Verputz 0,076
8 Entlausung Block 3 Türöffnung zwischen Raum 2 und 1, 2 mm rechts oben Verputz 0,140
9 Entlausung Block 3 wie Nr. 8, links unten Verputz 0,404
10 Entlausung Block 3 Raum 1, Ventilatoröffnung, 2 mm Verputz 0,528
11 Entlausung Block 3 wie 10, schwach blau Verputz 0,588
15 Krematorium II, Leichenkeller I Beton-Stützsäule Verputz (?) 0,024
4 weitere Proben aus Krematorium II, 1 aus Krematorium I, 1 aus Krematorium V, jeweils aus angeblicher 'Gaskammer', und 2 Kontrollproben enthielten keine nachweisbaren CN-Spuren.

G: Wenn Sie sich an das erinnern, was ich zuvor ausgeführt habe, werden Sie mit mir feststellen: Diese Aussagen sind unhaltbar!

  1. Eisenblau ist enorm langzeitresistent.
  2. Schwach saures Milieu schadet ihm nicht.

Zudem erscheint mir eines seltsam: Die Krakauer nahmen aus der angeblichen Gaskammer des Krematoriums II die meisten Proben. Obwohl die Entlausungskammern der Bauwerke 5 a und b in unmittelbarer Nähe zum Krematorium II liegen, entnahmen sie hier keine Proben. Sie warfen noch nicht einmal einen Blick darauf. Statt dessen beschränkten sie sich auf die damals sporadisch benutzten provisorischen Entlausungskammern des Stammlagers.

Z: Warum soll das irgendeine Bedeutung haben?

G: Nun, die der Witterung seit 50 Jahren ausgesetzten Außenwände der Entlausungstrakte der Bauwerke 5 a und b sind durch Berlinerblau stellenweise intensiv blau gefärbt, trotz oder vielleicht sogar wegen 50jähriger Bewitterung. Später darauf angesprochen, äußert sich das Institut in völliger Unkenntnis über die Dinge wie folgt:[56]

K: »…IX. Die blauen Flecken auf den äußeren Wänden des Bauwerkes 5 a in Birkenau sind nicht leicht zu erklären. Vor allem müssen wir prüfen, ob es wirklich Berliner-Blau ist…«

Z: Und wie sind sie zu erklären?

G: Die Umsetzung der in allen möglichen Variationen im Mauerwerk vorliegenden Cyanidverbindungen zum letztendlich stabilen Berlinerblau kann sehr lange dauern. Je feuchter die Witterung ist, um so schneller geht der Vorgang analog den zuvor gemachten Feststellungen.

3.11. Die Ergebnisse des Rudolf-Gutachtens

G: Genaueres dazu kann man dem sehr ausführlichen Rudolf-Gutachten entnehmen, das sich sehr intensiv mit den theoretischen Grundlagen der Berlinerblaubildung und -stabilität auseinandergesetzt hat[57].

Z: Dieses Gutachten geistert nun schon sehr lange in einigen Medien herum. Wann wird es denn nun veröffentlicht?

G: Nun, es soll meines Wissens zusammen mit einer Reihe weiterer Gutachten zu diesem Thema in nächster Zeit veröffentlicht werden.

Z: Was heißt das? In einem Monat oder gegen Ende meines Lebens?

G: Ungeduld ist bei diesem hochbrisanten Thema wohl kaum angebracht. Innerhalb der letzten 45 Jahre hat Deutschland Hundertausende Chemiker hervorgebracht, die alle in diesen Dingen nichts zu bewegen vermochten. Wer wird jetzt auf einmal die Geduld verlieren, da nun endlich der erste Schritt getan ist?

Innenaufnahme LK1 Krema II
Abbildung 3.2: Innenaufnahme aus der Ruine des Leichenkellers I ('Gaskammer') vom Krematorium II. Der Pfeil weist auf die Entnahmestelle der Probe 3 hin )

Lassen Sie mich nun zuerst die Analysenergebnisse vorstellen, die Sie in Tabelle 3.7 finden. Die Analysen wurden vom bekannten Institut Fresenius nach der deutschen DIN-Norm durchgeführt.

Rudolf hat sich bei seiner Probennahme auf die Entlausungsanlagen konzentriert, um hier die Entstehung des Pigmentes Berlinerblau nachvollziehen zu können. Schließlich kennt man hier die chemisch-physikalischen Rahmenbedingungen sehr gut. Daneben hat er auch Proben dort entnommen, wo mit keinem bis nur geringem Blausäureeinsatz zu rechnen war, also z. B. in Häftlingswohnbaracken.

Bezüglich der angeblichen Menschengaskammern beschränkte er sich auf die des Krematoriums II, da diese Gaskammer noch einigermaßen erhalten ist und das Wandmaterial dort über weite Bereiche vor der Witterung geschützt ist. Siehe dazu die Abbildung 3.2. Zudem sollen hier am meisten Menschen vergast worden sein, so daß hier am ehesten etwas zu finden sein müßte.

Die Analysenergebnisse dieser Proben (Nr. 1 bis 4) entsprechen denen Leuchters, egal wie groß die Entnahmetiefe war.

Eine erste Überraschung waren die Analysenergebnisse aus Wänden, die nie oder nur ausnahmsweise einer Begasung ausgesetzt wurden. Das sind die Proben 5 bis 8, 23 und 24 aus Wohnbaracken sowie die Proben 10 und 21 aus dem Bauwerk 5 a. Diese beiden Proben aus dem Bauwerk 5 a stammen von Wänden, die nach dem Umbau der Entlausungskammer in eine Heißluftentlausungskammer eingezogen wurden, somit also keiner Blausäurebegasung mehr ausgesetzt waren. In diesen Proben konnten stellenweise Cyanidwerte festgestellt werden, die in gleicher Größenordnung liegen wie die der vermeintlichen Gaskammern, also knapp über der offiziellen Nachweisgrenze.

Tabelle 3.7: Cyanidkonzentrationen im Mauerwerk von 'Gaskammern'/ Entlausungskammern
Nach G. Rudolf/Institut Fresenius, Taunusstein, Hessen, Deutschland
Konzentrationsangaben in mg pro kg; %Fe: Maximaler Anteil des zu Eisenblau umgesetzten Eisens am Gesamteisengehalt.

Nr.

Gebäude

Entnahmeort und -tiefe

Material

c[CN-]

c[Fe]

%Fe

1

Krema II

Leichenkeller I, Decke, zwischen 2. und 3. Stützsäule von Süden aus gesehen, großflächige Entnahme, Betonnasen inkl. eines kleinen Stückes tieferen Materials, 0-3mm.

Beton

7,2

13000

-

2

Krema II

wie 1, 1-5 mm.

Beton

0,6

20000

-

3

Krema II

Innenseite Westmauer Leichenkeller I, 0-1,5 cm, siehe Abbildung 12 (Seite 25).

Verputz

6,7

10000

-

4

Krema II

Innenseite Nordmauer Kamintrakt, Müllverbrennung, 0-1 cm.

Verputz

0,1

11000

-

5

B1b Baracke 20

Trennmauer Koje, unterhalb des Querbalkens einer Liege im Großraum, vom Eingang 2. Kojenreihe, rechts 1. Koje (Trennmauer), ca. 5 · 5 · 5 cm3 groß.

Verputz

0,6

9400

-

6

B1b Baracke 20

abgetrennter Raum im Westen, Innenmauer, Mörtel zwischen Ziegelsteinen,

0-1 cm.

Mörtel

<0,1

4400

-

7

B1b Baracke 20

wie 6, direkt rechts neben Eingang, 0-1 cm.

Verputz

0,3

19000

-

8

B1b Baracke 13

wie 5, hintere Balkenauflage.

Verputz

2,7

11000

-

9

B1a BW 5a

Innenseite Außenmauer (West), 120 cm von Nordmauer, 155 cm vom Boden, 0-2 mm.

Verputz

11000,0

12000

75

10

B1a BW 5a

Innenmauer (Süden), 240 cm von Westmauer, 170 cm vom Boden, 0-2 mm.

Verputz

3,6

10000

-

11

B1a BW 5a

wie 9, 1-10 mm.

Verputz

2640,0

6000

36

12

B1a BW 5a

Ostmauer (innen), 170 cm von Nordmauer, 170 cm vom Boden, (östl. Heißluftkammer), 0-2 mm.

Verputz

2900,0

8500

28

13

B1a BW 5a

wie 12, 2-10 mm.

Verputz

3000,0

9000

27

14

B1a BW 5a

Außenseite Westmauer, 40 cm von Südseite, 160 cm vom Boden, 0-5 mm.

Ziegel

1035,0

25000

3,5

15a

B1a BW 5a

Außenseite Südmauer, 40 cm von Westseite, 210 cm vom Boden, 0-3 mm.

Mörtel

1560,0

10000

13

15b

B1a BW 5a

wie a, > 0-5 mm, von Pigmentschicht befreit.

Ziegel

56,0

n.b.

-

15c

B1a BW 5a

wie b, abgetragene Pigmentschicht, < 1 mm.

Ziegel

2400,0

n.b.

-

16

B1b BW 5b

Außenseite Südmauer, 2 m von Eingangstür, 1 m vom Boden, 0-7 mm.

Ziegel

10000,0

47000

17

17

B1b BW 5b

Innenseite Südmauer, 130 cm von Ostmauer, 130 cm vom Boden, 4-10 mm .

Verputz

13500,0

15000

74

18

B1a BW 5a

Bodenbereich Türpfosten Heißluftentlausung, östl. Kammer, zum Trakt hin weisend, 0-5 mm.

Holz

7150,0

n.b.

-

19a

B1b BW 5b

Innenseite Nordmauer, 230 cm von Ostmauer, 90 cm vom Boden, 0-4 mm.

Verputz

1860,0

4300

35

19b

B1b BW 5b

wie 19a, 4-8 mm.

Verputz

3880,0

9500

33

20

B1a BW 5a

Innenseite Außenmauer (West), 40 cm von Südmauer 210 cm vom Boden,

0-3 mm.

Verputz

7850,0

11000

59

21

B1a BW 5a

Innenmauer (Ost) aus westlichem Raum, 30 cm von Tür, 190 cm vom Boden, 10-50 mm.

Mörtel

0,3

18000

-

22

B1a BW 5a

Innenseite Außenmauer (Süd), 40 cm von Westmauer 155 cm vom Boden, 3-10 mm.

Verputz

4530,0

11000

34

23

B1a Baracke 3

Sonderraum Nordwest, Innenseite Außenmauer (Nord), 0-5 mm.

Verputz

0,3

8100

-

24

B1a Baracke 3

Hauptraum Innenseite Außenmauer, (Nord), 0-5 mm.

Mörtel

0,1

13000

-

25

Versuch

unbehandelter Stein, 0-5 mm.

Ziegel

9,6

35000*

-

26

Versuch

16 h in 0,3 Vol.% HCN, 0-5 mm, siehe Text.

Ziegel

0,1

35000*

-

27

Versuch

24 ¾ h in 2 Vol.% HCN, +1 g H2O, 20 mm, 100 g.

Zementmörtel

109**

8800*

1,0

28

Versuch

wie 27, ohne H2O-Zusatz,108 g.

Zementmörtel

94**

8800*

0,9

29

Versuch

wie 28, 94 g.

Kalkmörtel

53**

4500*

1,0

30

Versuch

wie 28, + 2g H2O, 96 g.

Kalkmörtel

58**

4500*

1,1

Werte für Cyanide zwischen 0,1 und 0,5 mg pro kg unsicher (NN); n.b.=nicht bestimmt; *=eigene Analysen; **= Institut für Umweltanalytik Stuttgart (IUS).

Außenmauer von Bauwerk 5a/Birkenau

Abbildung 3.3: Die Außenwand des  Blausäure-Entlausungstraktes des Bauwerkes BW 5a im Hochsommer 1991. Geringe Mengen an Cyanid, die durch die Mauer diffundierten, färben die Wand bis heute stellenweise blau. 50 Jahre widrigste Witterungsverhältnisse taten dem keinen Abbruch.

Besonders frappierend war das Analysenergebnis eines naturbelassenen Ziegelsteinbrockens aus einer Ruine eines niederbayerischen Bauernhauses, Probe 25, das über dem aller Gaskammern liegt. Wenn also die Cyanidwerte in den vermeintlichen Gaskammern von Auschwitz Massenvergasungen beweisen, wie uns einige Exterminationisten weismachen wollen, so müssen in diesem bayerischen Bauernhaus Millionen Menschen vergast worden sein. Mir ist davon nichts bekannt.

Aber nun zum besonders interessanten Teil, den Entlausungskammern. Abgesehen von den oben erwähnten Proben aus nachträglich eingebauten Wänden liegen hier alle Werte über 1000 mg/kg, stellenweise sogar über 10 000 mg/kg.

Z: Das kann doch gar nicht sein, das wäre ja ein Prozent der ganzen Wand!

G: Das sehen Sie richtig, aber das kann sehr wohl sein. Links in der Tabelle ist wiedergegeben, wieviel Prozent des im Material enthaltenen Eisens zum Berlinerblau umgesetzt wäre, wenn alles nachgewiesene Cyanid als Berlinerblau vorläge. Wir erreichen hier Spitzenwerte von knapp 75%, also drei Viertel allen Eisens.

Besonders hoch sind die Cyanidwerte im Bauwerk 5 b, das einige Zeit länger betrieben wurde als das Bauwerk 5 a. Ich möchte Ihnen an Hand einiger Bilder vorführen, wie eine dermaßen mit Cyanid gesättigte Wand aussieht. In Abbildung 3.3 sieht man eine bläulich verfärbte Mauerstelle der Außenwand vom Bauwerk 5a. Hiervon stammt die Probe 15. Der Ziegelstein hat übrigens nur an der Oberfläche Berlinerblau gebildet, die tieferen Schichten sind cyanidarm, siehe Probe 15b gegen 15c. Denn nur an der Oberfläche ist das Eisen des Ziegelsteins durch Witterungseinflüsse reaktiv.

Entlausungsraum im Bauwerk 4a/Birkenau

Abbildung 3.4: Aufnahme des nordwestlich gelegenen Innenraumes des Entlausungstraktes des Bauwerkes BW 5a (siehe Abbildung 2.18). Im Hintergrund und rechts im Bild die Außenmauer mit der intensiven Blaufärbung durch das Eisenblau. Die Probenentnahmestellen der Proben 9 und 11 sind zu erkennen. Links im Bild die Innenmauer, die mit dem Umbau zur Heißluftentlausungskammer eingezogen wurde. Von ihr wurde die Probe Nr. 10 genommen, mit leicht positivem Cyanid-Befund.

Interessant ist auch die Abbildung 3.4, die eine Innenwand des Bauwerkes 5a zeigt. Was hier bläulich schimmert, ist Berlinerblau. Ganz besonders die oberste Schicht ist reich daran. An diesem Foto erkennt man übrigens gut den Einfluß, den die Feuchtigkeit bei der Pigmentbildung hat. Ziegelsteine mit unterschiedlicher Brennqualität haben wegen ihrer dadurch unterschiedlichen Wärmeleitfähigkeiten auch andere Feuchtigkeitsgehalte. So kommt es, daß sich die Ziegelsteinstruktur in der Intensität der Pigmentbildung widerspiegelt.

Abbildung 3.5 schließlich zeigt die Außenwand von Bauwerk 5b. Hier ist selbst der Ziegelstein bis in tiefere Schichten mit Berlinerblau gesättigt, wie Probe 16 beweist. Selbst tiefe Mörtelschichten im Inneren haben extrem hohe Cyanidwerte, Probe 17. Die Innenwände dieses Raumes sind übrigens weiß bis stellenweise fahlgrün, obwohl dort die Cyanidwerte ebenfalls sehr hoch sind, wie die Probe 19a zeigt. Die Eisenanalyse gibt uns aber einen Hinweis, warum hier die Wände nicht ebenso tiefblau sind. Hier wurde nämlich ein eisenarmer Kalkputz aufgetragen. Da dieser zudem nur schlechten Kontakt zum Mauerwerk selber hat – er fällt an mehreren Stellen ab –, konnten hier keine Anreicherungsprozesse aus der Wand heraus zur Oberfläche stattfinden. Wenn man die Kalkschicht entfernt, so erscheint darunter ein Verputz, der stärker grünlich bis bläulich verfärbt ist.

Z: Sie haben gerade gesagt, daß in dem Bauwerk 5b die obere Putzschicht nicht blau ist. Wie kann denn dann der Cyanidnachweis stark positiv sein?

G: Verwechseln Sie bitte zwei Dinge nicht! Das Auge nimmt die blaue Farbe einer ganz bestimmten Cyanidverbindung wahr, nämlich des Berlinerblaus. In der Wand gibt es aber noch eine große Menge von anderen Cyanidverbindungen, die wir wegen ihrer weißen Farbe nicht vom Putz unterscheiden können. Die chemische Analyse aber zeigt uns alle Cyanide an, die im Berlinerblau und allen anderen Verbindungen gebunden sind. Ein hoher Cyanidgehalt setzt also nicht eine tiefblaue Farbe voraus!

Z: Kann man das Cyanid aus dem Berlinerblau überhaupt nachweisen, wenn das Berlinerblau so stabil ist?

Außenmauer Entlausungstrakt BW5b/Birkenau

Abbildung 3.5: Im Gegensatz zum Bauwerk BW 5a (siehe Abbildung 31) wurde der Entlausungstrakt des Bauwerkes BW 5b länger als Blausäure-Entlausungskammer benutzt. Dementsprechend ist dessen Außenmauer über große Flächen blau gefärbt, auch hier unbeeindruckt von 50 Jahren Witterungseinflüssen.

G: Die DIN-Norm wurde genau an dieser Substanz, besser am stabilen Kern dieser Verbindung, dem Hexacyanoferrat(II), ausgerichtet. Dank der halbkonzentrierten, kochenden Salzsäure bekommt man mit diesem Verfahren alles Cyanid freigesetzt.

Z: Mich wundert, wie eine Wand, die zu 99 oder 99,9 % aus weißem Kalk besteht, dermaßen tiefblau sein kann.

G: Nun, die tieferen Putzschichten sind fahlblau wie man es für eine Mischung von 1:100 oder 1000 erwarten würde. An der obersten, vielleicht nur Mikrometer messenden Schicht der Wand kann es aber durch Anreicherungsprozesse zu wesentlich höheren Gehalten kommen. Solche Wanderungsprozesse vor allem in feuchten Wänden kennen die Hausbesitzer ja zur Genüge. Ich erinnere hier nur an das berühmte Kalkblühen.

Z: Sie haben doch ausgeführt, daß das Berlinerblau fest in der Wand sitzt.

G: Richtig. Das Berlinerblau unterliegt auch kaum diesen Prozessen, sondern die anderen, beweglicheren Cyanidverbindungen. Diese reichem sich an der Oberfläche an, sei es im Raum oder an der Außenwand, und setzen sich dort langsam zum Eisenblau um, besonders natürlich, wenn es feucht ist.

In diesen Zusammenhang paßt die Tatsache, daß die Ostseite der Außenwand dieses Traktes kaum blau gefärbt ist. Wahrscheinlich liegt dies daran, daß Ostwinde meist trocken sind. Dadurch ist diese Wand trockener als die anderen, wodurch hier die Anreicherungsprozesse zur Maueroberfläche (Diffusion) und die Umsetzung zum Pigment geringer sind.

Als ein Fazit der Analysenwerte der Sachentlausungsproben kann man festhalten, daß der Cyanidwert von Leuchters Entlausungsprobe in der Serie der bisher untersuchten Proben ganz unten rangiert.

Ferner sind in den angeblichen Menschengaskammern tatsächlich nicht mehr Cyanidspuren vorhanden als in jedem x-beliebigen Gebäude.

3.12. Kontrollanalysen

Z: Hatten Sie nicht gesagt, daß diese Werte ohnehin nicht interpretierbar sind?

G: Richtig. Aber ich war Ihnen bisher den stichhaltigen Beweis dafür schuldig geblieben. G. Rudolf hat natürlich von einigen seiner Proben bei einem anderen Labor, dem Institut für Umwelt- und Schadstoffanalytik Stuttgart (IUS), Kontrollanalysen machen lassen. Eine Gegenüberstellung der Ergebnisse dieser Analysen mit denen des Institutes Fresenius sehen sie in Tabelle 3.8. Nun sind die vorher positiven Proben aus der vermeintlichen Menschengaskammer und der Wohnbaracke unterhalb selbst der offiziellen Nachweisgrenze. Werte bis 10 mg/kg sind also offensichtlich nicht reproduzierbar.

Tabelle 3.8: Analysenergebnisse Institut Fresenius und Institut für Umweltanalytik Stuttgart (IUS)

In beiden Fällen erfolgte der Cyanidnachweis nach DIN 38 405/ 313. Angaben in mg CN pro kg
Probe Entnahmestelle Fresenins IUS
3 Leichenkeller I ('Gaskammer'), Krematorium II, Wandverputz 0-1,5 cm 6,7 < NG
8 B1b, Baracke 13, Trennmauer Koje, 3-5 cm 2,7 < NG
11 B1a, Bauwerk 5a, Innenseite, Außenmauer (West), 1-10 mm 2640,0 1430*
25 unbehandelter Ziegelstein 9,6 9,6
26 3 weitere Proben des begasten Ziegelsteins <NG*
* Diese Proben wurden nach DIN 35 405/D14 untersucht. Hier wird im Gegensatz zu D13 kein Cadmiumsalz zugesetzt. Über die Auswirkungen auf die Ergebnisse ist nichts bekannt. Nachweisgrenze (NG) jeweils 0,5 mg pro kg.

Ärgerlich ist das Kontrollergebnis der Probe 11. Zwar wird bestätigt, daß der Cyanidgehalt gut über 1000 mg/kg liegt, aber eine so große Abweichung dürfte eigentlich nicht passieren.

Z: Wer ist der Schuldige?

G: Um das festzustellen, müßte man von der gleichen Probe weitere etwa 10 Analysen anfertigen lassen, um eine statistische Auswertung machen zu können.

Z: Hätte man nach diesem Ergebnis nicht alle Proben noch einmal testen müssen?

G: Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, ja. Allerdings kann ein Gutachter bei dem, was er tut, nicht gänzlich unabhängig schalten und walten. Bei einem Analysenpreis von 70 bis 120 DM je Probe würde sich durch eine komplette Kontrollanalysenserie eine wesentliche Erhöhung des Aufwandes zur Erstellung des Gutachtens ergeben, mit dem der Kunde des Gutachters einverstanden sein muß. Sind ihm die Ergebnisse auch ohne nochmalige Kontrolle eindeutig genug, und auf diesen Standpunkt kann man sich hier ohne Zweifel stellen, so wird er von diesen zusätzlichen Kosten absehen. Somit muß der Gutachter sich damit begnügen, wenn er die Sache nicht aus eigener Tasche zahlen will oder aber einen Sponsor findet.

Z: Werden angesichts dieser Unsicherheit nicht alle Analysenergebnisse zweifelhaft und damit auch die Folgerungen, die darauf aufbauen?

G: Wenn man auf dem exakten Wert einer Analyse eine Aussage aufbauen würde, wäre diese Aussage zweifelhaft. Das ist übrigens ein häufig gemachter Fehler der Zahlengläubigen. Hier braucht man sich aber nur an Größenordnungen zu halten, also Zehnerpotenzen, die durch solche Schwankungen nicht ins Wanken gebracht werden.

Schließlich ist nicht anzunehmen, daß der obige Ausreißer eine Regel ist. Ich möchte hier daher noch einmal festhalten: Wir vergleichen hier Werte von tausend bis zehntausend mit solchen von null bis zehn, also einen Unterschied von gleich drei Zehnerpotenzen! Da kann auch eine ausnahmsweise auftretende Fehlerbreite von 50 %, selbst wenn sie vermeidbar wäre, das Ergebnis und damit die Schlußfolgerungen nicht beeinflussen.

Schließlich möchte ich noch auf die letzte Kontrollanalyse aufmerksam machen. Es handelt sich um den Ziegelstein aus Niederbayern. Wie Sie sehen, läßt sich dessen Cyanidwert bis auf die Kommastelle reproduzieren. Woran liegt das? Nun, im Ziegelstein ist kaum Carbonat enthalten. Damit entfallen hier die Störungen nahe der Nachweisgrenze. Außerdem zeigt uns diese Ziegelsteinprobe, daß Cyanide durchaus auch von Quellen stammen können, die nichts mit Menschenvergasungen zu tun haben müssen.

Z: Welche können das sein?

G: Der Teufel weiß das! Vielleicht hat das Labor auch einfach nur die Kugelmühle nicht sauber gemacht. Soll auch vorkommen.

Mit diesen Ergebnissen der Kontrollanalysen steht in der Tat fest, daß in stark carbonathaltigem Material 10 mg/kg eine vernünftige Nachweisgrenze darstellt. Darunter liegende Werte sind gleichbedeutend mit Nullwerten, jedenfalls sind sie einer vernünftigen Interpretation nicht mehr zugänglich.

3.13. Probenbegasung

G: Zuletzt stehen noch einige Ausführungen zu den Proben 26 bis 30 an. Herr Rudolf hat nämlich einige Materialproben in einer kleinen Versuchsgaskammer, dargestellt in Abbildung 3.6, einmalig mit Blausäure begast. Die Probe 26 ist eine andere Probe des besagten Ziegelsteins, nunmehr mit negativem Ergebnis.

Z: Wie geht das? Der war doch vor der Begasung positiv.

G: Möglicherweise war nur die analysierte Probe cyanidhaltig, nicht aber der Stein selber. Deswegen meine Äußerung vorhin mit der verschmutzten Kugelmühle.

Das Ergebnis dieses Versuchs ist nicht weiter überraschend, da Ziegelsteine durch den Sinterprozeß Blausäure kaum irreversibel, also chemisch, binden können.

Interessant sind dagegen die anderen Proben. Es handelt sich bei den Proben 27 und 28 um Zementmörtel, dem Baumaterial der angeblichen Gaskammerwände, und bei den Proben 29 und 30 um Kalkmörtel, dem Baumaterial der Entlausungsanlagen.

Z: Woher kennen Sie das Material der Gaskammerwände?

G: J.-C. Pressac gibt in einer Veröffentlichung die Zusammensetzung des Verputzes der Kellerwände von Krematorium II und III an[58]. Allerdings erwähnt er dort nicht die Quelle, der er diese Information entnommen hat. Sie soll aus originalen Bauunterlagen stammen. Sodann kann man natürlich an Hand der Konsistenz abschätzen, um welche Art von Material es sich handelt, wobei das natürlich mit großen Unsicherheiten verbunden ist. Die Angaben von Pressac stimmen mit der Konsistenz des Materials gut überein, so daß man durchaus davon ausgehen kann, daß sie stimmen.

Alle Proben wurden naturfeucht bzw. extra angefeuchtet rund 24 Stunden mit etwa 2 Vol. % begast, wobei die gesamte Blausäure schon nach wenigen Stunden praktisch ganz durch die Steine aufgenommen war.

Z: Moment. Ein ganz entscheidender Parameter bei solchen Untersuchungen ist das Oberflächen-Volumen-Verhältnis, das in den Gaskammern geherrscht hat. Schließlich beeinflußt das die Blausäuremenge, die pro Wandfläche zur Adsorption zur Verfügung stand.

G: Ich kann Sie beruhigen. Die Proben wurden von 5 der sechs Seiten mit Paraffinwachs abgedichtet. Die verbliebene Stirnfläche hat zum Volumen der Experimentalgaskammer das gleiche Verhältnis wie die Wand, Decken- und Bodenfläche in der vermeintlichen Gaskammer im Krematorium II zu dessen Volumen.

Die Proben wurden nach der Begasung etwa zweieinhalb Monate in einem trockenen und warmen Zimmer gelagert, bevor sie analysiert wurden. Diese Lagerungsart ist eine große Fehlerquelle, da durch diese Behandlung sehr viel Blausäure ausgaste, die im kühl-feuchten Keller gebunden worden wäre. So berichtet der Autor über eine zweiwöchige, intensive Blausäuregeruchsbelästigung im Lagerraum.

Z: Aber der Autor hat das überlebt.

G: Ja, die Konzentration kann also nicht gefährlich gewesen sein. Herr Rudolf hat aber offenbar ein feines Näschen für Blausäure entwickelt, denn mehr als die Hälfte aller Menschen können den feinen Geruch der Blausäure überhaupt nicht wahrnehmen.

Bei den Analysenwerten dieser Proben ist zunächst beachtlich, daß sie alle überraschend deutliche Cyanidwerte aufweisen. Bei einer kühlen und feuchten Lagerung hätten die Ergebnisse aber durchaus auch um den Faktor 2 oder auch 4 höher sein können.

Die Analysen weisen nun für den Zementstein einen um den Faktor 2 höheren Wert auf als für den Kalkmörtelstein. Wer die Chemie und die Physik des Zementmörtels kennt, den wundert das nicht. Durch seinen höheren pH-Wert und seine wesentlich größere innere Oberfläche59 kann er nämlich wesentlich mehr Cyanid binden als Kalkmörtel.

An Hand dieser einfachen Versuche erkennt man, daß schon einfache Begasungen in feuchtem Material deutliche Spuren hinterlassen.

Z: Demnach müßten aber in den Häftlingsbaracken auch deutliche Cyanidspuren zu finden sein, wenn diese entlaust worden sind.

G: Nur, wenn deren Mauem naß-kalt waren. Bei den Versuchen von Herrn Rudolf hatten die Materialien eine Temperatur von 11° C und die Luft 90 bis 100 % relative Luftfeuchte. Die Wohnbaracken aber waren geheizt, so daß hier mit Werten zu rechnen ist, die höchstens 10 % der hier gefundenen Werte ausmachen, wahrscheinlich aber wesentlich weniger. Damit gelangt man geradewegs in den analytisch unzuverlässigen Bereich der Methode.

Versuchbegasungapparat

Abbildung 3.6: Konstruktionszeichnung der Versuchsanordnung zur Blausäure-Begasung von Materialproben.

1: Glaszylinder; 2: O-Dichtungsring; 3: PVC-Deckel- und Bodenplatte; 4: Gasauslaß Druckmessung; 5: Gasauslaß Entlüftung; 6: Magnet-Rührmotor; 7: Porzellan-Schale mit 16 Vol. % H2SO4 und Magnetrührer; 8: Löffel mit KCN auf Achse befestigt, über Magnet von außen kippbar; 9: Probengut (hier Ziegelstein); 10: Spannschrauben.

3.14. Richtige und falsche Schlußfolgerungen

G: Nebenbei bemerkt: Wir hatten vorhin festgestellt, daß bei den Cyanidwerten der Proben aus den vermeintlichen Menschengaskammern mit Werten zu rechnen ist, die höchstens um 33 bis 50 % unter denen der Entlausungskammern liegen, wenn die Zeugen recht haben. Nun berücksichtigen wir noch den durch die Probenbegasung zusätzlich gefundenen Faktor zwei, den die Zementmörtelwände der Gaskammern mehr an Aufnahmekapazität besessen haben würden. Dann lautet unsere Voraussage, daß die Analysenergebnisse aus Menschengaskammern und aus Entlausungskammern ungefähr gleich sein müßten.

Ich möchte nun aus unseren chemisch-physikalischen Betrachtungen einige Schlußfolgerungen ziehen, die es in sich haben:

  1. Wenn sich Cyanidverbindungen gebildet haben, so sind diese bis heute nachweisbar.
  2. Wenn die angeblichen Zyklon B-Gaskammern von Auschwitz jener Aufgabe gedient haben, die ihnen durch Zeugen zugeschrieben werden, so müssen in deren Wänden deutliche Cyanidspuren zu finden sein. Diese müssen in der gleichen Größenordnung liegen wie die in den Wänden der Sachentlausungsanlagen. Damit einhergehend müssen deutlich blaue Verfärbungen durch das Berlinerblau-Pigment zu sehen sein.
  3. In den vermeintlichen Menschengaskammem gibt es keine interpretationswürdigen Cyanidrückstände. Auch fehlt jede Spur einer bläulichen Verfärbung. Vielmehr liegen die Analysenwerte hier um den Faktor 1000 und mehr niedriger als in den Sachentlausungsanlagen.
  4. Damit ist bewiesen, daß die Wände der von den Zeugen angegebenen Räumlichkeiten niemals auch nur annäherungsweise im bezeugten Maße mit dem Giftgas Blausäure aus dem Präparat Zyklon B in Berührung gekommen sein können.

Z: Es hat also in Auschwitz keine Gaskammern gegeben.

G: Diese Schlußfolgerung können Sie nicht ziehen. Sie können nur sagen,

daß die als Gaskammern bezeichneten Räume nicht wie bezeugt als Mordwaffe eingesetzt wurden.

Z: Es gab also vielleicht Gaskammern, aber keine Vergasungen.

G: Auch falsch. Man kann nur beweisen, daß es die bezeugten massenweisen Vergasungen mit Blausäure in den untersuchten Räumen nicht auch nur annähernd in dem Maße gegeben haben kann.

Z: Also einzelne Vergasungen können Sie nicht ausschließen.

G: Sie können die Randbedingung für eine oder wenige Vergasungen immer so hinbiegen, daß sie mit den Untersuchungsergebnissen übereinstimmen.

Z: Oder einfach ein anderes Giftgas annehmen, das keine Spuren hinterläßt.

G: Freilich.

Z: Aber das heißt ja, daß man jede noch so phantastische Behauptung, und sei sie noch so weit entfernt von den Zeugenaussagen, widerlegen müßte, um den Makel 'Auschwitz' loszuwerden.

G: Ganz korrekt. Man nennt so etwas unter Juristen eine 'probatio diabolica', einen Teufelsbeweis. Hier muß also nicht die Schuld des Angeklagten bewiesen werden, sondern der Angeklagte muß seine Unschuld beweisen, und zwar gegen alle möglichen und erdenklichen Anschuldigungen. Lassen Sie mich zum Abschluß des physikalisch-chemischen Teils meiner Vorlesung eine Pressestimme bringen, die uns sogleich auch als Überleitung zu unserem nächsten Thema dienen soll. In der Zeitung Neues Österreich wurde zur Zeit des großen Frankfurter Auschwitz-Prozesses natürlich intensiv über den Prozeßvorgang berichtet. Angesichts des gerade Angeführten stutzt der Leser, wenn er am 1. 6. 1963 auf Seite 12 dieser Zeitung (ö) folgendes lesen muß:

Ö: »Was der Angeklagte nicht widerlegen kann, das ist offenkundig doch geschehen, so unglaublich es auch klingt.«

Unglaubliche Zeiten, meine Damen und Herren!

Z: Aber das hat doch nichts mit rechtsstaatlichen Mitteln zu tun!

G: Das hat auch niemand behauptet! Ich hoffe aber, daß ich Ihnen aufzeigen konnte, daß wir in diesem einen äußerst wichtigen Fall die seltene Möglichkeit haben, durch Sachverständigengutachten die Unschuld des Angeklagten in den bisher ernsthaft erhobenen Anschuldigungen zu beweisen. Es braucht nur Mut vor Königsthronen und Durchhaltevermögen.

Im nächsten Teil unserer Vorlesung geht es dann unter anderem um juristische Fragestellungen, die, wie hier schon angedeutet, teilweise von haarsträubender Ungerechtigkeit sind.


3.15. Anmerkungen

  1. W. Benz, Dimension des Völkermordes, Oldenbourg, München 1991.
  2. Siehe in L. Rosenthal, »Endlösung der Judenfrage«, Massenrnord oder »Gaskammerlüge«, Verlag Darmstädter Blätter, Darmstadt 1979, S. 103.
  3. R. Aschenauer, Ich Adolf Eichmann, Druffel, Leoni 1980.
  4. E. Jäckel, in Die Zeit, 28. 6. 1991.
  5. J. Falbe, M. Regitz (Hg.), Römpp Chernie Lexikon, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1992.
  6. Siehe dazu z. B.: O. Hecht, »Blausäuredurchgasungen zur Schädlingsbekämpfung«, in Die Naturwissenschaften, 1928, 16 (2), 17-23; G. Peters, Blausäure zur Schädlingsbekämpfung, Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1933; G. Peters, W. Ganter, »Zur Frage der Abtötung des Kornkäfers mit Blausäure«, Zeitschrift für angewandte Entomologie, 1935, 21 (4), 547-559.
  7. Siehe dazu z. B.: F. E. Haag, Lagerhygiene, Taschenbuch des Truppenarztes, BandVI, F. Lehmanns Verlag, München 1943; W. Dötzer, »Entkeimung, Entwesung und Entseuchung«, in: J. Mrugowsky (Hrsg.), Arbeitsanweisungen für Klinik und Laboratorium des Hygiene-lnstitutes der Waffen-SS, Heft 3, Urban & Schwarzenberg, Berlin 1944; F. Puntigam, »Die Durchgangslagerder Arbeitseinsatzverwaltung als Einrichtungen der Gesundheitsvorsorge«, Gesundheitsingenieur, 1944, 67 (2), 47-56.
  8. Siehe hierzu z. B.: F. Puntigam, H. Breymesser, E. Bernfus, Blausäuregaskammern zur Fleckfieberabwehr, Sonderveröffentlichung des Reichsarbeitsblattes, Berlin 1943; O. von Schjerning, Handbuch der Ärztlichen Erfahrungen im Weltkrieg 191411918, Band VII Hygiene, J. A. Barth Verlag, Leipzig 1922, besonders S. 266ff.: Sanierungsanstalten an der Reichsgrenze; R. Wohkab, »Flecktyphusbekämpfung im Generalgouvernement«, Münchner Medizinische Wochenschrift, 1942, 89 (22), 483-488; W. Hagen, »Krieg, Hunger und Pestilenz in Warschau 1939-1943«, Gesundheitswesen und Desinfektion, 1973, 65 (8), 115-127; ebenda, 1973, 65 (9), 129-143; Neuere Behandlung des Themas: F. P. Berg, »Typhus and the Jews«, J. Hist. Rev., Winter 88/89, 8 (4), 433-481.
  9. Siehe hierzu z. B.: G. Peters, Die hochwirksamen Gase und Dämpfe in der Schädlingsbekämpfung, F. Enke Verlag, Stuttgart 1942; DEGESCH, Acht Vorträge aus dem Arbeitsgebiet der DEGESCH, 1942, S. 47; Dokument NI 9098 im Nürnberger Prozeß, Eigenschaftstabelle der von der DEGESCH verwendeten gasförmigen Insektizide/Rottizide.
  10. Siehe hierzu z. B.: H. Kruse, Leitfaden für die Ausbildung in der Desinfektion und Schädlingsbekämpfung, Muster-Schmidt, Göttingen 1948; H. Kliewe, Leitfaden der Entseuchung und Entwesung, F. Enke Verlag, Stuttgart 1951.
  11. Siehe hierzu die Abbildungen in: J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique and Operation of the Gaschambers, Beate-Klarsfeld-Foundation, New York 1989, S. 17; F. A. Leuchter, An Engineering Report on the alleged Execution Gas Chambers at Auschwitz, Birkenau and Majdanek, Poland, Samisdat Publishers Ltd., Toronto 1988, S. 148; jeweils entnommen der Produktinformationen der DEGESCH (Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung), und daneben die Produktinformationen der Firmen Detia Freyberg GmbH, Laudenbach, und ARED GmbH, Linz.
  12. Informationen der Detia Freyberg GmbH, Laudenbach; S. Pinter, »Mauthausen-Bericht«, Beilage 3/US-Army Chemical Corps, 5. 8. 48.
  13. G. Peters, Blausäure zur Schädlingsbekämpfung, aaO., S. 64f.
  14. W. Baker, A.L. Mossman, Matheson Gas Dara Book, Matheson Gas Products, East Rutherford 1971, S. 301.
  15. G. Wellers, in: E. Kogon, H. Langbein, A. Rückerl et al. (Hg.), Nationalsozialistische Massentetungen durch Giftgas, S. Fischer Verlag, Frankfurt 1983, S. 285.
  16. Zur Toxikologie von Blausäure- und Cyanidvergiftungen siehe z.B.: W. Wirth, C. Gloxhuber, Toxikologie, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1985, S. 159f; W. Forth, D. Henschler, W. Rummel, Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Wissenschaftsverlag, Mannheim 1987, S. 751 f; S. Moeschlin, Klinik und Therapie der Vergiftung, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1986, S. 300f.; H.-H. Wellhöner, Allgemeine und systematische Pharmakologie und Toxikologie, Springer Verlag, Berlin 1988, S. 445f.
  17. ppm steht für englisch 'parts per million', Teilezahl pro Million Bezugsteile; hier entspricht ein ppm HCN 1 ml HCN pro m3 (1000000 ml) Luft.
  18. F. Flury, F. Zernik, Schädliche Gase, Dämpfe, Nebel, Rauch- und Staubarten, Berlin 1931, S. 405.
  19. F. A. Leuchter, Boston, FAX an H. Herrmann vom 20. 4. 1992 sowie mündliche Mitteilung von Herrn Leuchter.
  20. Stuttgarter Zeitung, 22. 4. 1992, Seite 18: »Das lange Sterben in der Gaskammer«.
  21. Siehe dazu z. B.: F. Puntigam, H. Breymesser, E. Bernfus, aaO.; O. Hecht, aaO.; G. Peters, Blausäure zur Schädlingsbekämpfung, aaO.; G. Peters, W. Ganter, aaO.; F. E. Haag, aaO.; W. Dötzer, aaO.; F. Puntigam, aaO.; G. Peters, »Gefahrlose Anwendung der hochgiftigen Blausäure in Entlausungskammern«, Arbeitsschutz, 1942, 5 (III), 167 f.; F. Puntigam, »Raumlösungen von Entlausungsanlagen«, Gesundheitsingenieur, Juni 1944,67 (6), 139-180; E. Wüstinger, »Vermehrter Einsatz von Blausäure-Entlausungskammern«, Gesundheitsingenieur, Juli 1944, 67 (7), 179; Eine Zusammenfassung zum Thema neueren Datums ist erschienen von F. P. Berg, »The German Delousing Chambers«, J. Hist. Rev., Spring 1986, 7 (1), 73-94.
  22. Siehe hierzu z. B.: »Entseuchungs- und Entwesungsvorschrift für die Wehrmacht«, H. Dv. 194, M. Dv. Nr.277, L. Dv.416, Reichsdruckerei, Berlin 1939; Richtlinien für die Anwendung von Blausäure (Zyklon) zur Ungeziefervertilgung (Entwesung), Gesundheitsanstalt des Protektorats Böhmen und Mähren, Prag o.J.; Dokument No. NI-9912 (1) im Nürnberger Prozeß.
  23. Technische Regeln für Gefahrstoffe, TRGS 512, Begasungen, BArbBI. Nr. 10/1989, S. 72, in: Kühn, Brett, Merkblätter Gefährlicher Arbeitsstoffe, ecomed, Landsberg 1990.
  24. S. Moeschlin, aaO.
  25. A. Mohler, Der Nasenring, Heitz & Höffkes, Essen 1989, S. 226.
  26. F. A. Leuchter, An Engineering Regort on the alleged Execution Gas Charnbers at Auschwitz, Birkenau and Majdanek, Poland, aaO.
  27. W.H. Duda, Cement-Data-Book, Bauverlag, Wiesbaden 1976, S. 4ff.
  28. Siehe zu diesem weltberühmten Farbstoff z.B.: J.L.M. Coleby, Ann. Sci. 1939, 4, 206-11; F.Fritz, Deutsche Farben-Z. 1954, 8, 7f.; R. Walter, Deutsche Farben-Z. 1955, 9, 131-34; E. Gratzfeld, Färg och Lack 1957, 3, 85-108; E. Herrmann, Farbe und Lack 1958, 64, 130-135; C. Clauss, E. Gratzfeld, H. Kittel, Pigmente, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Stuttgart 31960; H.P. Preuss, Met. Fin. 1972, 70, 56-61; A. Ludi, J. Chem. Ed. 1981, 58, 1013.
  29. M. A. Alich, D. T. Haworth, M. F. Johnson, J.lnorg.Nucl.Chem. 1967, 29, 1637-1642.
  30. J. C. Bailar, Comprehensive Inorganic Chemistry, Vol. 3, Pergamon Press, Oxford 1973, S. 1047.
  31. R. M. Izatt, G. D. Watt, C. H. Bartholomew, J. J. Christensen, Inorg. Chem. 1970, 9, 2019ff. Kalorimetrische Messungen bezüglich der Bildungsenthalpien von Eisenblau aus den unterschiedlichen Ausgangsstoffen (in Klammern) ergaben:
    DH(Fe2+ + [Fe(CN)6]3-) = -66,128 kJ mol-1;
    DH(Fe3+ + [Fe(CN)6]4-) = 2,197 kJ mol-1.
    Bedenkt man, daß das Fe2+ im Gegensatz zum Fe3+ mit 6 CN-Liganden die Edelgaskonfiguration des Krypton erreichen kann, so wird einem dies verständlich. Weiterhin ist Fe3+ gegenüber Fe2+ u.a. nur deswegen in der freien Natur die stabile Oxidationsstufe, da seine gegenüber dem Fe2+ weitaus höhere Ionisationsenergie durch die Solvatationsenergie des Wassers überkompensiert wird. Schließlich ist Fe2+ gegenüber dem Fe3+ eine weichere Lewis-Säure, so daß bei der Anlagerung von CN- an Fe2+ entsprechend der Ligandenfeldtheorie ein größerer Energiegewinn durch die Orbitalaufspaltung erzielt wird als mit dem Fe3+. Dafür spricht z. B., daß im Kristall der 'weiche' Kohlenstoff des CN dem Fe2+, der 'harte' Stickstoff aber dem Fe3+ zugewandt ist. Siehe hierzu z. B.: H.J. Buser, D. Schwarzenbach, W. Peter, A. Ludi, Inorg. Chem. 1977, 16, 2704-2710.
  32. Landolt-Börnstein, Eigenschaften der Materie in ihren Aggregatzuständen, Teil 2, Band b, Lösungsmittelgleichgewichte 1, Springer, Berlin 1962,
  33. Siehe W. Baker, A. L. Mossman, aaO., und R. C. Weast (Hrsg.), Handbook of Chemistry and Physics, 66th Ed., CRC Press, Boca Raton, Florida 1986, E 40.
  34. J. Oudar, Physics and Chemistry of Surfaces, Blackie & Son, Glasgow 1975,S.26ff..
  35. Der Partialdruck eines Gases ist dessen Bruchteil am Gesamtgasgehalt.
  36. L. Schwarz, W. Deckert, Z. Hygiene und Infektionskrankheiten, 1927, 107, 798-813; ebenda, 1929, 109, 201-212.
  37. K. Wesche, Baustoffe für tragende Bauteile, Band 1, Bauverlag, Wiesbaden 1977, S. 37; ders., ebenda, Band 2, aaO., S. 51f.
  38. Zur pH-Sensibilität siehe z. B.: R.E. Kirk, D.F. Othmer, Encyclopedia of Chemical Technology, Vol. 13, 3. Ed., Wiley & Sons, New York 1979, S. 765-771; J. A. Sistino, in Pigment Handbook, Vol. 1, Wiley and Sons, New York 1974, S.401-407; H. Ferch, H. Schäfer, Schriftenreihe Pigmente Nr.77, Degussa AG, Frankfurt 1990; M. A. Alich, D. T. Haworth, M. F. Johnson, aaO.; J. Jordan, G. J. Ewing, Inorg. Chem. 1962, 1, 587-591; G.-O. Müller, Lehrbuch der angewandten Chemie, Bd. I, Hirzel, Leipzig 1986, S. 108.; E. Elsermann, Deutsche Farben-Z. 1951,5,419-421; R. Beck, Deutsche Farben Z. 1952,6,231.
  39. H. Ferch, H. Schäfer, aaO.
  40. J. Jordan, G. J. Ewing, aaO. Ergebnisse der Analysen der Dissoziationskonstanten ergeben für das Hexacyanoferrat(III): K1III>K2III>K3III>0,1; Hexacyanoferrat(II): K1II>K2II>0,1; K3II=6×10–3; K4II=6,7×10–5. Damit ist das Hexacyanoferrat(III) bei pH=1 noch annähernd komplett dissoziiert, das Hexacyanoferrat(II) zweifach, ab pH=3 dreifach, ab pH=5 komplett.
  41. Die Untersuchungen von I. V. Tananaev, M. A. Glushkova, G. B. Seifer, J. Inorg. Chem. USSR 1956, 1, 72ff., und F. Krleza, M. Avlijas, G. Dokovic, Glas. Hem. Tehnol. Bosne Hercegovine, 1977 (Vol. Date 1976), 23f., 7-13, sind nach den einleuchtenden Ausführungen von G. Rudolf (Fußnote 57) methodisch sehr fehlerhaft und leicht als falsch nachzuweisen. Danach haben die Autoren in der Mutterlauge restliches, emulgiertes Berlinerblau bestimmt, nicht aber gelöstes.
  42. DIN-Sicherheitsdatenblatt VOSSEN-Blau®, in Schriftenreihe Pigmente Nr. 50, Degussa AG, Frankfurt 1985.
  43. Siehe dazu: H. Ferch, H. Schäfer, aaO.; Winnacker-Küchler, Chemische Technologie, Band 2, Carl Hanser Verlag, München 1982, S. 197; Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie, Band 13, Urban und Schwarzenberg, München 31962, S.794; ebenda, Band 18, Verlag Chemie, Weinheim 1979, S. 623 ff.; H. Watanabe, J. Jap. Soc. Col. Mat. 1961, 34, 5-8; L. Müller-Focken, Farbe und Lack 1987, 84, 489-492.
  44. J. M. Kape, E. C. Mills, Trans. Inst. Met. Finish. 1958, 35, 353-384; ebenda, 1981, 59, 35-39
  45. J.-C. Pressac, aaO., S. 183.
  46. Es sei hier verraten, daß es nicht möglich gewesen wäre. Siehe Abschnitt 4.5.
  47. Siehe Abschnitt 4.4.
  48. Siehe dazu Abschnitt 2.10.
  49. Siehe dazu z. B.: F. Puntigam, H. Breymesser, E. Bernfus, aaO., S.35ff.; L. Schwarz, W. Deckert, aaO.; G. Peters, Gefahrlose Anwendung der hochgiftigen Blausäure in Entlausungskammern, aaO.
  50. parts per billions, Teile auf eine Milliarde Bezugsteile. Im englischen Sprachraum ist eine Billion gleich der deutschen Milliarde!
  51. DIN 38 405, Teil D 13
  52. F. A. Leuchter, An Engineering Report on the alleged Execution Gas Chambers at Auschwitz, Birkenau and Majdanek, Poland, aaO.
  53. Siehe hierzu in den Abschnitten 2.2 und 2.3.
  54. Siehe hierzu die Darstellung von M. Weber, J. Hist. Rev., Winter 1992/ 93, 12(4), 421-428.
  55. J. Markiewicz, W. Gubala, J. Labedz, B. Trzcinska, Gutachten, Prof. Dr. Jan Sehn Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung für Gerichtstoxikologie, Krakau, 24. September 1990.
  56. Prof. Dr. Jan Sehn Institut für Gerichtsgutachten, Abteilung für Gerichtstoxikologie, Krakau, Schreiben an W. Wegner, o.D. (Winter 91/92), o.A. (unleserliche Unterschrift) unveröffentlicht.
  57. G. Rudolf, Gutachten über die Bildung und Nachweisbarkeit von Cyanidverbindungen in den 'Gaskammern' von Auschwitz, Stuttgart, 3. Auflage November 1992, unveröffentlicht.
  58. J.-C. Pressac in: S. Shapiro (Hg.), Truth Prevails: Demolishing Holocaust Denial: The End of the Leuchter Report, Beate Klarsfeld Foundation, New York 1990.
  59. Siehe hierzu z. B.: Verein Deutscher Zementwerke, Zement Taschenbuch 1972/73, Bauverlag, Wiesbaden 1972, S.19ff.; W. Czemin, Zementchemie für Bauingenieure, Bauverlag, Wiesbaden 1977, S. 49f.; K. Wesche, aaO.

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