Revisionistische Gutachten

Von Dr. Ing. Bertrand Clair

Bis Ende der 80er Jahre gab es praktisch keine naturwissenschaftlich-technischen Untersuchungen über die NS-‘Gaskammern’ zur Menschentötung. Sogar im großen Frankfurter Auschwitz-Prozeß Mitte der 60er Jahre wurde noch nicht einmal der Versuch gemacht, den angeblichen "industriellen Massenmord" durch Techniker untersuchen zu lassen.

Erst der Deutsch-Kanadier E. Zündel beauftragte 1988 den US-Gaskammerspezialisten Fred. A. Leuchter, über die Spuren der vermeintlichen Tatwaffen in Auschwitz und Majdanek ein Gutachten anzufertigen. Leuchters Schlußfolgerung, die dortigen NS-‘Gaskammern’ hätten aus vielerlei Gründen nicht funktionieren können, führte zu einer heftigen Auseinandersetzung unter Fachleuten, die allerdings in deutschen Medien kaum Beachtung fand. Etwa 5 Jahre nach dem Leuchter-Report wurde das Rudolf-Gutachten publiziert, das wie Leuchter zu dem Schluß kommt, die ‘Gaskammern’ in Auschwitz hätten nicht wie bezeugt funktionieren können. Das Rudolf-Gutachten und seine Nachfolgepublikationen (alle bei VHO erhältlich) sind die Meinungsführer in einem Streit, der sich z. Zt. vor allem um die Frage dreht, ob sich durch die Begasung mit Zyklon B (Wirkstoff: Blausäure) im Mauerwerk der ‘Gaskammern’ bestimmte Farbstoffe (Berlinerblau) hätten bilden müssen und ob diese in den ‘Gaskammern’ nachweisbar sind. VHO bietet zu diesem Streit ein Flugblatt an, das die wichtigsten Argumente und Gegenargumente aufführt (vgl. Werbung am Ende dieses Heftes).

Die nachfolgende Kritik am Leuchter-Report und am Rudolf-Gutachten wurde zuerst in der französischen Zeitschrift Revision, Nr. 80, Februar/März 1997, S. 3ff., publiziert (11 rue d’Alembert, F-92130 Issy-sur-Moulineaux). Wir geben sie hier wieder, wobei wir die redaktionelle Einführung durch den Verlag von Revision gekürzt haben. VHO


Der Autor dieses Beitrages, der promovierte Ingenieur Bertrand Clair, ist Fachmann für Blausäure. Ohne sich über den Hintergrund der laufenden Auseinandersetzung um den Revisionismus äußern zu wollen, schrieb der Autor an Revision:

»Auch wenn ich seit einer Reihe von Jahren bezüglich der Blausäure und seiner Derivate einen vorzüglichen Beobachtungsposten besitze, werde ich mich hüten, bezüglich der Frage der Existenz oder der Wichtigkeit der Nazi-Gaskammern ein globales Urteil zu fällen. Ich habe die zwei Dokumente analysiert [den Leuchter-Report und das Rudolf Gutachten], die diejenigen der Verteidigung sind und die legitimerweise Thesen vertreten, die günstig für die Angeklagten sind. Wie Sie wissen, kann die Wahrheit – vorausgesetzt, daß es nur eine gibt – nur herausgefunden werden durch die Konfrontation der eventuell auch widersprechenden Einzelteile. […]

Da ich andere Berufungen und andere Interessen habe, wünsche ich nicht, in eine Polemik einbezogen zu werden, an der ich nur teilweise Anteil nehme.«

 

Das Rudolf Gutachten

»Ich habe den Leuchter Report und das Rudolf Gutachten, die Sie mir zukommen ließen, aufmerksam gelesen. Bezüglich der Untersuchungen und der Analysenmethoden habe ich keinerlei Kritik anzubringen. Die wiedergegebenen physikalischen Eigenschaften der Blausäure (HCN) sowie die physiologischen Eigenschaften (Angriffsstelle) und die Mechanismen der Vergiftung sind genauso exakt (Rudolf, S. 60).

Über die Ausführungen der Gebäude in Auschwitz (S. 1 bis 38) habe ich nichts zu sagen.

Das gleiche gilt für die langen Abschweifungen bezüglich Preußisch Blau (=Berlinerblau, S. 37 bis 56), ausgenommen daß sich das Preußisch Blau weder aus Blausäure noch aus Cyaniden bildet.

Man hat im Gegenteil durch das Preußisch Blau (Eisenhexacyanoferrat) zum ersten Mal die Blausäure entdeckt, daher der Name "Blausäure", auf französisch "preußische Säure".

Dies wurde übrigens vom promovierten Chemiker Bailer erwähnt (S. 104), den Rudolf als ignorant bezeichnet.

Ich habe diesbezüglich den vormaligen Direktor unserer Fabrik befragt, in der Cyanide (und Blausäure) in der Zeit zwischen 1907 und 1973 produziert wurden. Keine blauen Spuren wurden dort bis zum Abriß jemals gesehen!

Genauso verhält es sich mit den Labors und den industriellen Installationen, die danach errichtet wurden.

Das Eisenhexacyanoferat ist kein Cyanid und hat keines von dessen Eigenschaften. So ist es zum Beispiel nicht toxisch.

Cyanide oder Blausäure können höchstens Eisencyanid bilden (was farblos ist).

Auch wenn Cyanide für sich genommen sehr stabil sind (es zersetzt sich erst jenseits von 600 °C), sind sie dennoch sehr empfindlich:

Alle beobachteten blauen Spuren haben daher eine andere Ursache oder wurden durch Autosuggestion hervorgerufen: Hatte nicht ein Zeuge "blaue Dämpfe" der Blausäure gesehen, das, flüssig oder gasförmig, tatsächlich farblos ist?

Es ist augenscheinlich, daß die Autoren ("Chefingenieur" Leuchter und Rudolf) niemals selbst mit Blausäure gearbeitet haben. Deshalb sind die von ihnen angegebenen Lüftungszeiten zwischen den einzelnen Vergasungen (Stunden oder gar eine Woche!) rein imaginär. Zur Verdeutlichung erinnere ich mich, daß ich in Labors eintrat, in denen ich, von außen kommend, einen starken HCN-Geruch wahrnahm (man gewöhnt sich daran, daher die Gefährlichkeit). Ich öffnete die Fenster und ging dort meiner Arbeit nach. (Wir hatten niemals einen tödlichen Unfall.)

Auch die Risiken der Gaskammern für die Umwelt sind stark übertrieben, abgesehen davon, daß es sich bei dem Personal der "Sonderkommandos" um Menschen handelte, deren Leben in den Augen der SS nicht viel wert war.

Die Explosionsgefahr ist ebenfalls stark übertrieben, zumal das Gasgemisch bei einem Anteil unter 6 Vol.-% in Luft nicht explosiv ist, und auch darüber bedarf es einer Zündquelle. Erinnern wir uns, daß eine Konzentration von 0,03 Vol.-% schnell tödlich ist.[1]

Die von Rudolf zitierten Exekutionszeiten (S. 65f., 69); »um die fünf Minuten« oder »einige Minuten nicht überschreitend«, bis zur Öffnung der Türen nach der Vergasung »15 bis 20 Minuten«, erscheinen wahrscheinlich und sprechen eher für eine Verwendung flüssiger Blausäure als von Zyklon B.

Die Zahlen zur Verdampfungsgeschwindigkeit der Blausäure vom Trägermaterial des Zyklon B (Rudolf, S. 57-59) beruhen auf Angaben der US-Armee. Wie Rudolf richtig anmerkt, "wird in der Quelle nichts ausgesagt über die Art des Trägermaterials und die Anhäufung des Präparats bei der Anwendung." Ich füge hinzu, daß darin auch nichts über die Luftbewegungen über dem Material (Ventilation?) gesagt wird, was alles verändern kann.

Bei der Analyse der Zeugenaussagen bezeichnet Rudolf die Ausführungen von Höß über die schnelle Entfernung der Leichen aus der Gaskammer (1/2 Stunde) als unwahrscheinlich. Man muß hier berücksichtigen:

  1. die Flüchtigkeit der Blausäure;
  2. die Tatsache, daß Blausäure unterhalb der tödlichen Konzentration nicht mehr gefährlich ist;
  3. die Tatsache, daß das dort arbeitende Personal, das "Sonderkommando", für die SS ohne menschlichen Wert war.

Blausäure wurde 1915 durch die Deutschen versuchsweise als Kampfgas eingesetzt. Es erwies sich als wirkungslos, da es sich schnell in der Luft verteilte, so daß man diese Versuche einstellte.

Zusammenfassend meine ich, daß die persönliche Arbeit Rudolfs wie auch seine Kritik am Leuchter Report und anderen Arbeiten (81-96) ehrlich und gewissenhaft sind, während es an seiner Methodologie nichts auszusetzen gibt. Aber alle Wissenschaftler wissen, wie schwierig es ist, entgültige Schlüsse aus Analysenergebnissen zu ziehen, erst recht, wenn sie auf Oberflächenmaterial von vor 50 Jahren beruhen.

Die Rückführung blauer Flecken auf farblose Blausäure wie auch die Reaktionen, die durch HCN in Wänden, selbst bei Anwesenheit von Eisen, hervorgerufen werden können, erscheinen mir fehlerhaft. Rudolf wird schon zu der Erkenntnis kommen, daß das Blau an den Außenseiten der Mauern auf etwas anderes zurückzuführen ist.

Was mich irritiert, ist die Auswahl, die er unter den Experten trifft (S. 104 und im Resumee S. 108). Er stellt Lüftl, dem "Präsidenten der österreichischen Bundesingenieurkammer", den er als "zweifellos kompetent" tituliert, Bailer, den "promovierten Chemiker" gegenüber, der "offensichtlich genehmen Unsinn verzapft".

Dies, obwohl ein promovierter Chemiker in Deutschland mindestens 8 Jahre Ausbildung und Forschung in Chemie besitzt, während der Präsident einer Bundesingenieurkammer, der eher einen Verwaltungs- als einen technischen Beruf ausübt, im Detail kaum kompetent und wahrscheinlich kein Chemiker ist.

Ich ergreife somit entschlossen Partei für Bailer, wenn er feststellt, das "Blausäure mit dem in Mauern befindlichen Eisen nicht in merklicher Weise reagieren kann. Die Analysenergebnisse Leuchters bezüglich der Entlausungskammern sind daher Artefakte…"

 

Das technische Gutachten von Leuchter

Dieser ist weitaus mehr zu kritisieren, weshalb übrigens Rudolf selbst "einige Fehler" erwähnt. Da seine Fehler enorm sind, ist Leuchter für mich weder in Chemie noch in Physik kompetent.

Zum Beispiel stellt er fest (Zeile 6.004), daß die Räumlichkeit für eine Begasung auf eine Temperatur von über 25,7°C, dem Siedepunkt der HCN, erwärmt werden müsse.[2] Als ob es unterhalb von 25.7°C keine gasförmige Blausäure gäbe! Bei 0°C zum Beispiel beginnt Blausäure erst oberhalb von 30 Vol.-% an auszukondensieren (man erinnere sich, daß Blausäure bereits ab 0,03 Vol.-% schnell tödlich ist).

Die Zeilen 7.005f. enthalten obskures Zeug. Es sei nötig, "die flüssige Blausäure (!) im Lüftungssystem" durch "Chlordämpfe" zu neutralisieren.[3] (HCN + Chlor ergeben ein Produkt, das noch weitaus giftiger ist!)

Zeile 9.002 ist unbegreiflich. Dort wird die untere Explosionsgrenze für HCN mit 0,32 Vol.-% angegeben, obwohl er bei 6 Vol.-% liegt.[4]

Zeile 15.002: Die Verwendung eines Leichenkellers in Auschwitz als Gaskammer "wäre reiner Selbstmord gewesen", "dies hätte in einer Explosion geendet, oder aber das ganze Lager wäre durch ausströmendes Gas vergast worden."[5]

Zeile 15.003: Seine (übrigens falschen) Berechnungen führen ihn zu der Schätzung von einer Lüftungsdauer der Gaskammern von mindestens einer Woche.

Zeile 17.005: "Der abgesenkte Fußweg ist eine potentielle Gasfalle für HCN, wodurch das [Majdaneker Gaskammer-] Gebäude extrem gefährlich ist."[6]

Tatsächlich ist alles, was man von Leuchter weiß, daß er sich Chefingenieur nennt, Vorsitzender der Fred A. Leuchter Associates (Leuchter Report, S. 51).

Demnach ist er vor allem ein Geschäftsmann, wobei die Geschäfte auch den Verkauf und die Wartung von Gaskammern enthalten, die in einigen Staaten der USA für die Hinrichtung zum Tode Verurteilter angewendet werden.

Der Vergleich der NS-Gaskammern mit den amerikanischen Gaskammern ist uninteressant. Indem er die Gefahren übertreibt, denen die Exekutoren in den USA ausgesetzt sind, und indem er extravagante Vorsichtsmaßnahmen ergreift, wertet Leuchter nur seine Gesellschaft auf, und niemand wird ihm seine übermäßige Vorsicht vorwerfen! Die öffentliche Hinrichtung eines einzelnen Verurteilten hat nichts zu tun mit dem, was in einem Konzentrationslager passiert sein kann.«


Anmerkungen

[1]Bezüglich der Giftigkeit vergleiche man die Veröffentlichungen des Institut national de recherche et de sécurité über HCN, worin angegeben wird, daß eine HCN-Konzentration von 300 mg/m³ oder 270 ppm als tödlich innerhalb 5 Minuten angegeben wird. Es ist nicht überraschend, daß Flury und Zernik (Schädliche Gase, Dämpfe, Nebel, Rauch- und Staubarten, Berlin 1931) andere Ziffern angeben: da man die Ergebnisse von Tierversuchen nicht auf den Menschen übertragen kann, und da zudem die Todeszeit stark vom Atemrhythmus abhängt, ist es nicht erstaunlich, daß die Schätzungen unterschiedlich sind. Selbst bei einer Abweichung um das 3- bis 4-fache bleibt die Größenordnung die gleiche. Auf die tödliche Dosis von angegebenen 0,2 g für Cyanide und 0,1 g für HCN bezogen, neige ich für meinen Teil eher zu der höchsten von Flury und Zernik angegebenen Ziffer: 10.000 ppm, 1 Vol.-%.
[2]»The area to be fumigated or utilized in a chamber which circulated and heated the air within the chamber in excess of 78.4°F (25.7°C).«
[3]»The chlorine bleach vapors to neutralize the liquid HCN in the exhaust system.«
[4]»The lower explosion limit of the gas air mixture of 0,32%.«
[5]»It would be sheer suicide to attempt to utilize this morgue as an execution gas chamber. The results would have been an explosion or leaks gassing the entire camp.«
[6]»The depressed walkway is a potential gas trap for HCN, making the building extremely dangerous.«

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(2) (1997), S. 102f.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis