Zur Lage des Holocaust-Revisionismus

Revisionisten bestreiten NS-Massenmord an Juden / Wachsender Erfolg bei Akademikern

Spätestens seit der Historiker Prof. E. Nolte ’93 in seinem Buch Streitpunkte den Holocaust-Revisionisten einen wissenschaftlichen Standard zugestand, der dem der etablierten Historikerschaft ebenbürtig sei (S. 308), muß klar sein, daß es eine wachsende Personengruppe gibt, die den NS-Massenmord an den Juden negiert. Nicht minder beunruhigt zeigte sich die Öffentlichkeit, als der damalige Präsident der Bundesingenieurkammer Österreichs, W. Lüftl, in den Jahren ’91/’92 eine Arbeit verbreitete, in der er einigen Aspekten der Massenvernichtung aufgrund vermeintlicher technischer Unmöglichkeiten die Realität absprach (SZ, 14.3.92). Als ’95 Dr. J. Hoffmann, bis neulich Historiker am bundeswehreigenen Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Freiburg, sein Buch Stalins Vernichtungskrieg vorlegte, in dem er sich partiell den Ansichten dieser Revisionisten annähert, sprach Die Zeit (10.11.95) von einem Skandal.

Daß das Problem ein grenzüberschreitendes ist, zeigte sich im Sommer ’95, als 16 Lehrstuhlinhaber der verschiedensten Hochschulen Italiens in einem Appell Frankreich aufforderten, die französische Ausgabe des Buches eines deutschschweizerischen Revisionisten nicht zu verbieten, sondern gerade auch bezüglich der dissidenten Revisionisten die Freiheit der Meinungsäußerung als höchstes Gut der Demokratie zu wahren (La Lente di Marx, 6/95). Die Existenz einer bis tief in das bürgerliche Lager hineinreichenden Holocaust-Revisionsbewegung ist also weder zu übersehen noch zu übergehen. Zudem werden neuerdings Persönlichkeiten wie Simon Wiesenthal sogar von den Massenmedien angegriffen (ARD-Panorama, 8.2. 96), und auch die niederländische Anne-Frank-Stiftung muß sich Kritik gefallen lassen (Spiegel, 5.2.96). In ihrem Prozeß gegen einen flämischen Revisionisten wegen der Authentizität des Tagebuches der Anne Frank droht dieser Stiftung möglicherweise sogar eine Teil-
niederlage.

Ignorieren oder bekämpfen?

Der Kampf gegen den Holocaust-Revisionismus mittels staatlicher Gewalt scheint kaum Wirkung zu zeigen. So muß inzwischen auch die seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland übliche Maßnahme als gescheitert angesehen werden, den Revisionisten die Beweisführung für ihre Thesen vor Gericht dadurch abzuschneiden, indem man alle ihre Beweisanträge wegen Offenkundigkeit des NS-Judenmordes ablehnt und sie ohne Beweisaufnahme zu hohen Haftstrafen verurteilt. Trotz dieser Maßnahmen werden die Revisionisten immer zahl- und erfolgreicher.

Besonders der Versuch des Simon-Wiesenthal-Centers, revisionistische Adressen im Internet zu zensieren (vgl. Spiegel-TV, 4.2.96), muß als gescheitert angesehen werden, da das Internet praktisch nicht zensierbar ist. Erst durch die mit diesem Zensurversuch verbundenen Pressemeldungen schließlich erfuhren Millionen von Internet-Benutzern, daß es revisionistische Adressen im Internet gibt, so daß heute ein Vielfaches der früheren Personenzahl die revisionistischen Argumente zur Kenntnis nimmt (siehe z.B. http://www.ihr.org/). Sogar der deutsche Justizminister mußte jüngst eingestehen, daß die juristische Unterdrückung des Revisionismus der Bundesrepublik Deutschland eine Rüge seitens der UNO eingebracht hat (Bei Ruge, 3-SAT, 10.3.96).

Auch eine der profiliertesten Revisionismusgegnerinnen, die US-amerikanische Expertin für Holocaust-Studien Prof. Lipstadt, meint daher, daß sich der Erfolg des Revisionismus durch bloßes Ignorieren oder Zensieren nicht mehr eindämmen lasse (Betrifft: Leugnen des Holocaust, S. 267f). Es wird zudem vermehrt erkannt, daß ein Verbot die Thesen der Revisionisten eher interessanter erscheinen läßt, als sie es ohne Verbot wären. Denn schließlich verliert man durch Verbote an Glaubwürdigkeit, da man schnell in den Verdacht gerät, etwas verbergen zu müssen oder in Argumentationsnot geraten zu sein. Es ist daher nur richtig, daß auch Historiker aus dem deutschen Sprachraum den Revisionismus nicht länger ignorieren. (Vgl. z.B. B. Bailer-Galanda u.a. (Hg.), Wahrheit und Auschwitzlüge, 1995.)

Revisionismus = Rechte Ideologie?

Zwar stammen die herausragendsten Vertreter der Revisionisten von der Linken, wie etwa der ehemalige Sozialist und KZ-Häftling Prof. Paul Rassinier oder Prof. Robert Faurisson, und auch einige Juden bekennen sich zum Revisionismus. Dennoch hat sich die Ansicht durchgesetzt, daß es sich bei den Holocaust-Revisionisten vorwiegend um rechte Ideologen handelt, die ihre Ideologie unter dem Mantel der Scheinwissenschaftlichkeit verbergen. Der Ex-Präsident der Organisation Amerikanischer Historiker (OAH) Carl Degler hat aber mit seiner Feststellung recht, daß die Beweggründe eines Forschers irrelevant sind (Lipstadt, S. 249). Tatsächlich wird durch politische Vorwürfe kein Argument der Revisionisten entkräftet. Daher hilft der Versuch, die Revisionisten politisch zu demaskieren, in der Sache nicht weiter.

Revisionismus = Negationismus?

Wie Prof. Lipstadt eingehend darstellt, macht sich der Holocaust-Revisionismus die Tatsache zunutze, daß ähnliche Berichte aus dem Ersten Weltkrieg als Propagandalügen zugegeben wurden und daß es immer wieder Korrekturen zum Geschichtsbild des Holocaust gegeben hat. So schlössen die Revisionisten von der heute erwiesenen Falschheit bestimmter Details in alten Holocaust-Darstellungen auf die Falschheit des Ganzen. Sie vertreten die Meinung, daß es sich bei den bisher erfolgten Korrekturen am Bild des Holocaust nicht nur um Details, sondern um entscheidende Fragen handele. Sie stellen u.a. die Frage, wie man es verantworten könne, einerseits die Berichte über Menschenvergasungen in den Lagern des Altreiches (z.B. Dachau, Sachsenhausen, Buchenwald, Bergen-Belsen, Ravensbrück) heute stellenweise in Frage zu stellen, andererseits aber Thesen über die Zweifelhaftigkeit analoger Berichte aus den Lagern des Ostens unter Strafe zu stellen. Unter diesen Umständen dürfte es wenig fruchten, die revisionistische Skepsis als unwissenschaftlich abzutun und zu ignorieren.

Revisionismus = Scheinwissenschaft?

Prof. Lipstadt wirft den Revisionisten vor, sie wiesen alles von sich, was zu ihren vorgefaßten Meinungen in Widerspruch stehe. Sie würden wegen des Umstandes, daß Zeugen bisweilen irren, die Zeugenaussage als Beweis generell verwerfen, obwohl man dieses Manko behöbe, indem man Augenzeugenberichte in den Kontext anderen Beweismaterials einarbeite.

Die Revisionisten ihrerseits werfen der Historikerschaft vor, sie ignorierte bei der Einarbeitung der Zeugenaussagen in den historischen Kontext die Sachbeweise, die den anerkanntermaßen höchsten Beweiswert haben. Da dieser Vorwurf schwerwiegend wäre, träfe er zu, muß man die von den Revisionisten vorgebrachten sogenannten Sachbeweise auf ihre Stichhaltigkeit untersuchen.

Zur Widerlegung einiger revisionistischer Sachbeweise greifen die Historiker hauptsächlich auf Werke des französischen Apothekers J.-C. Pressac zurück. Die Werke dieses Franzosen haben bei den Revisionisten zu einer großen Produktivität geführt. Es wird von Tag zu Tag deutlicher, daß dieser französische Autor den Revisionisten vielfältige Argumente zur Stützung ihrer Thesen geliefert hat. Die Revisionisten werfen Pressac zudem vor, er habe in seinem jüngsten Buch Die Krematorien von Auschwitz. Die Technik des Massenmordes die Gesetze wissenschaftlichen Arbeitens verletzt, indem er es unterlassen habe, sachverständige Untersuchungen zur Technik des Massenmordes vorzulegen. Inzwischen wird Pressac aus ähnlichen Gründen sogar von jüdischer Seite massiv angegriffen (Le Monde Juif, 1-4/1996, S. 192ff.).

Jedermanns Hilfe ist gefragt!

Genau hier stehen die Eliten unserer Gesellschaft in der Verantwortung! Inzwischen stehen auf Seiten der Revisionisten Akademiker aus den verschiedensten, vor allem technischen und naturwissenschaftlichen Fachrichtungen. Um die Wahrheit über die NS-Judenverfolgung auch in Zukunft wirksam darstellen zu können, sind daher alle gefragt, ihr Fachwissen einzubringen.

Um in der Diskussion um den Revisionismus erfolgreich eintreten zu können, muß man jedoch über Kenntnisse der Argumente beider Seiten verfügen. Jenseits der bundesdeutschen Zensurmaßnahmen glauben wir, daß allein die Kenntnisnahme revisionistischer Argumente ihre korrekte Einordnung ermöglicht. Während die hier zitierten Werke der etablierten Geschichtsforschung überall im Buchhandel erhältlich sind, ist die revisionistische Literatur in Deutschland kaum zugänglich. Deswegen bieten wir Ihnen die Möglichkeit, die zwei unseres Erachtens bedenklichsten revisionistischen Bücher zu einem Sonderpreis zu erwerben, wozu Sie bitte die beigefügte Bestellkarte verwenden. Sie erhalten gratis dazu das Buch des Zeit-Autors Till Bastian Auschwitz und die ›Auschwitzlüge‹. Dieses beispielhafte Buch für die Bekämpfung revisionistischer Argumente ermöglicht Ihnen einen Vergleich der Argumentationsweisen und des wissenschaftlichen Niveaus beider Seiten.

Sollten Sie sich nach Lektüre dieser Werke in der Lage sehen, ein Scherflein zur Durchsetzung der Wahrheit beizutragen, so bitten wir Sie, sich an uns zu wenden.

Ihre Stiftung Vrij Historisch Onderzoek


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(2) (1997), S. 108f.


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