Bücherschau

Holocaust-Historiker graben ihr eigenes Grab

Robert van Pelt, Deborah Dwork, Auschwitz: 1270 to the Present, Yale University Press, New Haven and London 1996.

Professor Robert van Pelt, ein gebürtiger niederländischer Jude, lehrt an der University of Waterloo in Ontario Architekturgeschichte. Basierend auf den Plänen und Bauzeichnungen des bekannten Lagers Auschwitz, die er in seinen eigenen Archiven und im KGB-Archiv in Moskau fand, hat er eine erstklassige Geschichte der Stadt und des Lagers verfaßt. Wenig dienlich dagegen war die Mitarbeit seiner Koautorin, die sich für ihre Berichte über das, was sich hinter den Wänden und Zäunen abspielte, lediglich auf Sekundärquellen, auf Überlebendenberichte und auf die Memoirenliteratur stützt.

Ich habe ihm einen Kommentar zukommen lassen, der nachfolgend wiedergegeben wird und auf den ich in Kürze eine Antwort erwarte:

Ich habe ihr Buch über Auschwitz gelesen. Der Rezension von Dr. David Cesarani im Jewish Chronicle zufolge schien das Buch ein revisionistischer Coup zu sein!

90% dessen, was Sie schreiben, ist für mich neu – wobei ich die Aspekte der mittelalterlichen Geschichte, der Architektur und der Stadtplanung von Auschwitz und Umgebung meine. Warum hat nie zuvor jemand daran gedacht, jenes grimmige Hauptstück auf einer derart großen Leinwand auszubreiten? Vieles davon ist bekannt: das immer wiederkehrende Thema Ihres Buches ist die Jahrhunderte währende Dominanz der tödlichen Epidemien sowohl in dieser sumpfigen Region als auch in den von den Nazis dort errichteten Lagern.

Für Ihre Geradlinigkeit sind Sie zu loben. Laut Süddeutscher Zeitung sollen Sie bei einer Veranstaltung des Instituts für Kulturwissenschaften in Essen Ihre Irritation ausgedrückt haben über die Ausführungen von Auschwitz-Überlebenden bezüglich der Eisenbahnrampe, »die nach allen vorliegenden Bauplänen«, so werden Sie zitiert »nicht existiert hat.« Sie fragten »Was war das für eine Rampe, an die sich die Juden erinnerten?« Die Vorsitzende dieser Tagung soll Sie mit den Worten gerügt haben, Sie hingen einer Realitätsmystifikation an. Auch die Süddeutsche Zeitung tadelte Sie, indem sie darauf verwies, daß »Erinnerung« mehr sei als »sich in das Gespinst wirklicher Geschichte zu vertiefen.« Ich frage mich, welche Meinung Sie zu dieser Episode haben?

Darf ich frei heraus sagen, welches meine Hauptkritikpunkte an Ihrem Buch sind? Es ist offensichtlich die Arbeit zweier verschiedener Autoren – Sie und Ihre Partnerin Deborah Dwork –, und die jeweiligen unvermischten Beiträge werden manchmal schmerzlich offensichtlich. Ich nehme an, Sie sind der Autor der architektonischen Analysen – den sprichwörtlich harten Belegen für Ihre Geschichte. Dies hat für einige bestimmte Gedanken provozierende Konflikte in Ihren Schlußfolgerungen verursacht, die, obwohl sie tief in Ihrem Text verborgen liegen, meines Erachtens entscheidend für die gesamte Kontroverse sind.

Kurz gesagt, es ist bedauerlich, daß Sie sich durch eine Koautorin geharnischt sahen, die sich leichtfertig auf Quellen wie Danuta Czech verläßt, ganz zu schweigen von Filip Müller, Kitty Hart, SS-Rottenführer Pery Broad und den Masseur Felix Kersten. Des letzteren Tagebücher sind bekanntermaßen verdächtig: Ich habe sein Kapitel über die Gesundheit Hitlers vor Jahren mit dem damals gerade erst aufgefundenen echten Tagebüchern von Prof. Theo Morell verglichen, Hitlers Arzt (und Erfinder des Rusla-Puders, einem Anti-Läuse- und damit Anti-Typhus-Mittel), und ich entschied, daß die veröffentlichten Tagebücher von Kersten als Quelle wertlos sind; die echten Tagebücher, ja, das ist eine andere Sache; aber der Bonnier Bokförlag (ein schwedischer Großverlag) brachte die Familie Kerstens dazu, diese nicht zu veröffentlichen. Sie zitieren z.B. Kitty Harts Bezug zu einer »SS-Frau«: Darf ich fragen, was das war? Gehe ich hinsichtlich Ihres Bezuges auf Rudolf Vrba nicht recht in der Annahme, daß er während des Kreuzverhörs im Zündel-Prozeß in Toronto ziemlich heruntergemacht wurde? Zudem stimmt es mich nachdenklich, daß Sie es für richtig halten, einen deutschen Richter in einem Nachkriegsverfahren gegen Kriegsverbrecher als Quelle zu nennen – insbesondere wenn all seine Richterkollegen eine andere Meinung haben.

Bezüglich Broad darf ich davon ausgehen, daß Sie mit seinen Angaben in britischer Haft vertraut sind (von denen beim Auschwitz-Prozeß nur eine amtlich nicht bestätigte Kopie vorlag) und mit seinen Ausführungen während des IG-Farben-Prozesses bezüglich des Krematoriums im Stammlager (Auschwitz I) . Dort spricht er von einem Flachdach mit sechs Öffnungen von etwa 10 cm Breite zur Einführung des Giftgases. Die Schreie der Opfer hätten 2 bis 3 Minuten gedauert. Broad sprach ebenso von den Flammen der Scheiterhaufen, die noch in 30 Kilometer Entfernung zu sehen gewesen seien (Hm!). Während des Verhörs im späteren Auschwitz-Prozeß hat Broad verständlicherweise versucht, dieses und andere Geständnissen abzuleugnen. Sie zitieren Broad aus einem Gedenkband des Jahres 1991 mit den Worten, die Gaskammer im Stammlager (d.h. Auschwitz I) habe 900 Menschen fassen können, aber auf den Seiten 363f. versichern Sie, daß es in Auschwitz I niemals eine Gaskammer gegeben habe und daß das, was den Touristen seit dem Kriegsende gezeigt werde, eine von den polnischen Kommunisten errichtete Fälschung sei.

Ich begrüße Ihren abschätzigen Verweis auf Jan Sehn und seine »offiziellen« polnischen Regierungsuntersuchungen. Aber trotz seines hochtrabenden lateinischen Titels schreit meiner Ansicht nach auch Danuta Czechs Kalendarium der Ereignisse des Konzentrationslagers Auschwitz nach einer Bloßstellung durch einen gewissenhaften Doktoranden, der zum Beispiel damit beginnen möge, die darin angeführten Statistiken mit denen zu vergleichen, die Richard Korherr in seinem wohlbekannten Bericht an Himmler verfaßte. Das Resultat dieses Sich-Verlassens auf das Kalendarium ist, daß Sie, Herr Professor, aufgrund architektonischer und anderer Beweise schlußfolgern, Zehntausende russischer Kriegsgefangener seien wegen der stümperhaften Lagerplanung und -struktur der Nazis wie die Fliegen gestorben, während Ihre Koautorin, indem sie sich auf Czech bezieht, die Ansicht wiederkäut, Hunderte von Russen seien im September 1941 vergast worden. Unter Bezugnahme auf eine Quelle aus Dritter Hand führt sie später sogar sorglos aus, die Sowjets seien vernichtet worden. Darf ich Ihre geschätzte Aufmerksamkeit in diesem Zusammenhang auf die verschiedenen Aussagen richten, die der Kommunist Kasimierz Smolen, zuerst Schreibkraft und dann (selbstbezichtigt) »Kapo« in Auschwitz, in diesem Zusammenhang gemacht hat, insbesondere auf jene, die er am 15. und 16. Dezember 1947 in Krakau beeidet hat (National Archives microfilm M.1019, roll 9)?

Ich wäre bereit zu akzeptieren, daß es sowohl in Auschwitz als auch anderswo in begrenztem Maße experimentelle Vergasungen gegeben hat. Adolf Eichmanns Papieren, die ich in Argentinien erhielt, kann man entnehmen, daß er selbst irgendwo einer Versuchsvergasung in einem LKW beigewohnt haben will, von der er dem SS-Gruppenführer Heinrich Müller berichten sollte, aber selbst ihm wurde niemals eine Gaskammer in Auschwitz gezeigt.

Prof. Robert van Pelt und Prof. Deborah Dwork, in:

AUSCHWITZ - 1270 bis heute

»Die Architektur zur Durchführung der Metamorphose von Mensch zu Untermensch war bei der Befreiung des Lagers durch die Sowjets 1945 noch intakt. Alle Spuren wurden erst danach beseitigt. Der offizielle Lagerführer erwähnt das Gebäude [der Gaskammern im Lager Auschwitz, Krematorium I] überhaupt nicht. Vielleicht konnten die Männer und Frauen, die das Museum geschaffen haben, dies mit ihrer Ideologie des Widerstandes, eine Ideologie, die der ungerechten Behandlung total widersprach, nicht in Einklang bringen. Vielleicht war es auch einfach nur eine Frage der Mittel und die Notwendigkeit einer touristischen Dienstleistung. Ob aus doktrinären oder praktischen Gründen, die Zerstörung der Orginalbaulichkeit innerhalb des derzeitigen Besucher-Empfangs-Zentrums stellt sowohl eine bewußte Nachkriegs-Irreführung als auch einen Verlust dar.

In dem Lager, das die Russen 1945 vorfanden, wurde Neues dazugebaut und Altes abgetragen. Und der Abbau des ehemaligen Häftlings-Aufnahmegebäudes paßt zum rekonstruierten Krematorium I außerhalb der nordöstlichen Umkreises des derzeitigen Lagermuseums. Mit seinem Kamin und seiner Gaskammer sorgt das Krematorium für einen besinnlichen Abschluß einer jeden Lagertour. Die Besucher erfahren nicht, daß es sich bei dem von ihnen besichtigten Krematorium weitestgehend um eine Nachkriegsrekonstruktion handelt.

Als Auschwitz nach dem Krieg in ein Museum verwandelt wurde, wollte man die Geschichte auf eine Komponente des Lagerkomplexes konzentrieren. Die berüchtigten Krematorien, wo die Massenmorde stattfanden, befinden sich als Ruinen im ca. vier Kilometer entfernten Birkenau. Das Komitee war der Meinung, daß am Ende einer jeden Gedenktour durch das Lager ein Krematorium besichtigt werden sollte. Und so wurde Krematorium I rekonstruiert, das die Geschichte der Verbrennungsöfen von Birkenau erzählen sollte.

Dieses Programm der unrechtmäßigen Aneignung war recht genau. Es entstand ein Kamin als herausragendes Symbol für Birkenau, vier abdeckbare Öffnungen auf dem Dach, die das Einfüllen von Zyklon B in die darunterliegende Gaskammer suggerieren sollten, und zwei der drei Einäscherungsöfen mit Originalteilen. Bis heute gibt es keine Schilder, die auf diese Nachkriegsentstehung hinweisen. Lagerführer bleiben still, wenn Touristen davon sprechen, daß es in diesem Bau geschah.« [S. 363f.]

Wie glaubwürdig sind die Kronzeugen Pery Broad, Rudolf Höß und andere, die in plastischen Worten über die Gaskammer im alten Krematorium des Stammlagers berichteten, eine Gaskammer, von der wir nun aufgeklärt werden, daß sie ein Produkt polnisch-kommunistischer Nachkriegs-Volkspädagogik ist? Können dann analoge Aussagen zu anderen Gaskammern glaubhafter sein? Und wie rechtfertigt man die Bestrafung von David Irving, der für eine ähnliche Behauptung in Deutschland zur Zahlung von DM 30.000,- verurteilt wurde?

Warum gab sich Ihre Koautorin mit den Bänden des Nürnberger Tribunals, mit Nazi Conspiration and Aggression und mit allerlei Erinnerungsliteratur zufrieden, wenn es Primärdokumente gibt? Sie verlassen sich auf das, was Dritte über Heydrichs RSHA-Konferenz im September/Oktober 1939 berichtet haben, obwohl sie die ganzen Berichte im Bundesarchiv in Koblenz oder in den National Archives in Washington DC hätten einsehen können. Es gibt zum Beispiel detaillierte Berichte der Konferenz von Oswald Pohl, Maurer und anderer in Auschwitz vom 16.6.1944. Sie zitieren noch nicht einmal den ominösen Brief an Kammler vom 9.1.1943 (Nürnberger Dokument NO-4473) bezüglich des Baufortschritts von Krema II und der Verwendung seines »Vergasungskellers«. Sie hätten über die Bedeutung dieses Wortes fröhlich drauflos interpretieren können, und ich hätte Sie darauf aufmerksam gemacht, daß dieser Brief keinerlei Sicherheitsklassifizierung enthält.

Warum haben Sie von den britischen Abhörprotokollen der Tätigkeitsberichte keinen Gebrauch gemacht, die in verschlüsselter Form von sieben KZ-Kommandanten, einschließlich Rudolf Höß, zwischen Frühling 1942 und Februar 1943 nach Berlin gesandt wurden, in denen genaue Angaben über die Todesraten enthalten sind, einschließlich des kolossalen Anteils der »natürlichen« Todesarten – Seuchen wie Fleckfieber – aber nur eines geringen Anteils von Hinrichtungen und keine Vergasungen? Diese Funksprüche führten auch auf, wie viele davon Juden, Polen, andere Europäer und Russen waren.

»Die Meldungen aus Auschwitz, dem größten der Lager mit 20.000 Gefangenen, erwähnten Krankheit als Haupttodesursache, aber enthielten auch Angaben über Erschießungen und Erhängungen. Hinweise auf Vergasungen fanden sich in den Entschlüsselungen nicht.«

(Prof. Sir Frank H. Hinsley et al., British Intelligence in the Second World War; Its Influence on Strategy and Operations, Cambridge, 1979-1984, 3 Bde., hier Bd. 2, Anhang, S. 673)

In meinem zweiten Band von Churchill’s War führe ich aus:

Später in diesem Monat September 1942 erreichten Churchill weitere Informationen aus den geheimsten Quellen, die den Schleier von dem lüfteten, was in Hitlers Konzentrationslagern wirklich vor sich ging. Die ULTRA Mitschnitte der täglichen Meldungen ihrer Kommandanten, verschlüsselt nach Berlin gesandt, lieferten Angaben über die Sterberaten in verschiedenen Konzentrationslagern während der letzten Monate. Darin enthalten waren 21 Tote in Niederhagen, 88 in Flossenbürg und 74 in Buchenwald. Im anscheinend schnell wachsenden Lager Auschwitz-Birkenau in Oberschlesien gab es eine bemerkenswerte Summe von 6.829 männlichen und 1.525 weiblichen Toten im August 1942. Zu jener Zeit wütete im Lager eine tödliche Epidemie. »Obwohl der Typhus in Auschwitz immer noch grassiert, scheint es, als würden weiterhin neue Transporte eingehen«, führte der britische Geheimdienstbericht aus.

»Jetzt betreten wir die Gaskammer, sagte mein Führer. Später las ich bei van Pelt und Dwork, daß die Gaskammern und das Krematorium, die ich mich geweigert hatte zu betreten, Rekonstruktionen von denen in Birkenau sind. Auschwitz selbst hatte keine derartige Einrichtung.«

Shoa-Expertin Linda Grant in The Guardian (London), 5.4.1997

Der Betrug ist ein einträgliches Geschäft.

Kannten Sie das Dokument NO-205, ein Brief von Victor Brack vom 23.6.1942, und NO 21(a)(b), ein Bericht von Oswald Pohl an Himmler vom 5.4. und 9.5. 1944? Diese umreißen die Sicherheitsmaßnahmen in Auschwitz. Pohl berichtet darin von drei Lagern: Auschwitz I mit 16.000 Gefangenen, Auschwitz II mit 15.000 männlichen und 21.000 weiblichen Gefangenen, von denen 15.000 arbeitsunfähig waren (warum wurden die nicht in Übereinstimmung mit der Standardversion in die "Gaskammern" getrieben?). Außerdem befanden sich weitere 15.000 Gefangene in vierzehn Außenlagern, darunter auch Auschwitz III. Nach Pohl befanden sich 2.300 Mann SS-Wachpersonal allein in den Lagern I und II.

Während Sie von den im Moskauer und im Auschwitz-Archiv befindlichen Bauplänen großartigen Gebrauch machen, vermeiden Sie jeden Kommentar zu einem ärgerlichem Mangel: Keines dieser SS-Baudokumente trägt irgendeine Sicherheitsklassifikation. Jene wenigen Dokumente in anderen Archiven, die einen Hinweis auf die häßlichere Seite der vielfältigen Bedeutung des Wortes Sonderbehandlung geben, besitzen die höchste Klassifikation – Geheime Reichssache oder Chefsache. Ihre Baupläne sind noch nicht einmal als Geheime Kommandosache klassifiziert. Und aus diesem Grunde zeugen weder die Luftbildaufnahmen noch Ihre eigenen Illustrationen von den Krematorien von irgendwelchen Sicherheitsmaßnahmen um diese Gebäude, wie etwa Stacheldraht.

Dies wirft erhebliche Zweifel auf bezüglich der Bedeutung des scheinbar hochwichtigen Aktenvermerks vom 29.1.1943, Brieftagebuch-Nr. 22/39/43/Swo/Lm – bei Ihnen auf S. 330 – in dem über ein Treffen zwischen dem AEG-Ingenieur Tomitschek aus Kattowitz und dem SS-Unterscharführer Swoboda von der Zentralbauleitung Auschwitz berichtet wird.

In ziemlich verantwortungsloser Weise sagten Sie während der BBC-Sendung Horizon am 9.5.1997 (»Blueprints for Genocide«) über dieses Dokument:

»Es sagt sehr deutlich: "Man wird in diesem Gebäude zur gleichen Zeit töten und verbrennen können"«

Tatsächlich ist der deutsche Text weit weniger deutlich:

»Diese Inbetriebsetzung [des Krematoriums II ab 15.2.1943] kann sich jedoch nur auf beschränkten Gebrauch der vorhandenen Maschinen erstrecken (wobei eine Verbrennung mit gleichzeitiger Sonderbehandlung möglich gemacht wird), da die zum Krematorium führende Zuleitung für dessen Leistungsverbrauch zu schwach ist.«

Der Rest des Briefes macht deutlich, daß der Engpaß im Mangel an Elektrokabeln lag, da diesem Bauvorhaben im streng rationierten Rohstoffmarkt Deutschlands keine genügend hohe Priorität zugeordnet worden war. (Höchste Priorität hatten damals U-Boote, V-Waffen und ähnliches Kriegsmaterial.)

Es verursacht daher grundlegende Probleme, dieses Dokument mit seinem ominösen Wort Sonderbehandlung in der Weise zu interpretieren, wie Sie es tun – Probleme, die sich womöglich einfach beheben lassen; ich wäre sehr interessiert, darüber von Ihnen zu hören:

Sie spielen mehrmals auf Hitlers persönlicher Kenntnis bezüglich dieser Verbrechen an. Sie werden mit mir übereinstimmen, daß Hans Kammler eine Schlüsselrolle während der gesamten Entwurfs- und Ausweitungsphase des Komplexes Auschwitz-Birkenau spielte. Und dennoch notierte Joseph Goebbels am Tag nach einem Gespräch mit Hitler in seinem Tagebuch am 31.3.1945, Hitler habe den Namen Kammler noch nicht einmal gehört, bevor dieser die Einsatzplanung der V-Waffen übernahm. (Nachdem Kammler im Sommer 1944 die Verantwortung über die V-Waffen erhalten hatte, wurde er im Januar 1945 Sonderbeauftragter des Führers.)

Nun zu Rudolf Höß, Kommandant von Auschwitz zwischen 1940 und 1943. Sie versichern, er habe sein Geständnis in Nürnberg unterschrieben, aber das Original in Washington beweist klar, das er das nicht tat. (Nur der "Zeuge seiner Unterschrift" bestätigte seltsamerwiese, daß er unterschrieb.) Wären Sie diesem relativ einfachen Pfad der Nachforschungen gefolgt (Washington D.C. ist nur einen 90-Minuten-Flug oder eine prächtige ganztägige Autofahrt von Waterloo, Ontario, entfernt), so hätten Sie in den National Archives den Mikrofilm M. 1270, roll 7, mit einigen Wortlautprotokollen der vorgerichtlichen Verhöre von Höß und anderen vom April 1946 gefunden. Sie (oder Frau Dwork) hätten ebenso die faszinierende Dreier-Konfrontation zwischen Höß, einem Vernehmer und dem Gärtner bzw. Genickschußspezialisten Otto Moll gefunden, der sich mit Höß über die jeweiligen Verantwortlichkeiten bezüglich der sogenannten "Bunker"-Morde stritt.

»Oh, also werden wir wirklich nicht ermordet?«

Die Autoren Pelt und Dwork zitieren einen bemerkenswerten Brief aus dem im Jahre 1912(!) publizierten Buch The Promised Land (Das versprochene Land, Houghton Miffin), in dem Maryashe Antin, ein zwölfjähriges jüdisches Mädchen, eine Entlausungsprozedur in Auschwitz beschreibt, der sich alle Insassen eines Zuges unterziehen mußten, in dem um die Jahrhundertwende nach Westen auswandernder Ostjuden saßen. Dieser Bericht erinnert stark an jene Neurosen, die von den Charakteren in Schindlers Liste so plastisch gespielt werden: Die panischen Passagiere des Zuges werden in einem Gebäude zusammengepfercht, müssen sich dort ausziehen, waschen, und Ihre Kleider werden begast. Und all dies geschieht unter Anleitung von unheimlichen, weiß gekleideten Deutschen, die immerzu »Schnell! Schnell!« rufen.

Aber dies geschieht nur, damit sie nicht den Anschlußzug verpassen.

»Oh, also werden wir wirklich nicht ermordet!« ruft das Mädchen aus. »Sie bereiten uns nur für die weitere Fahrt vor, befreien uns von allen Verdachtsmomenten gefährlicher Krankheiten. Gott sei Dank!«

Natürlich verraten derartige Wortlautprotokolle vollkommen, auf welche Art man den Druck auf die Gefangenen erhöhte, und wie sie zunehmend an das "erinnert" wurden, was sie nach Auffassung der Vernehmer womöglich "vergessen" hatten. Das plastischste Beispiel ist sicherlich der Kommandant von Mauthausen Ziereis, der in US-Gefangenschaft irgendwie vom Leben an die Schwelle zum Tod befördert wurde, aber dennoch wenige Minuten vor seinem Dahinscheiden in die Ewigkeit die Geistesgegenwart besessen haben soll, sein "unterschriebenes Geständnis" sowohl mit Zeit- als auch Datumsangabe zu versehen – namentlich um 2:30 Uhr morgens.

Nebenbei: Woher nehmen Sie die Autorität, Höß’ seltsamen Ort »Wolzek« einfach mit »[Sobibor]« gleichzusetzen (S. 279)? Höß’ »Wolzek« hat die Revisionisten lange fasziniert. Auf ähnliche Weise liegen Sie falsch, wenn Sie meinen, die Operation Reinhardt – so die richtige Schreibweise – sei in Erinnerung an Reinhard Heydrich benannt worden, der im Mai 1942 ermordet worden war. Die Benennung erfolgte vielmehr nüchtern nach dem Staatssekretär Fritz Reinhardt, einem Beamten des Finanzministeriums, der damit beauftragt war, das Eigentum der deportierten, verstorbenen und getöteten Juden zu verwerten.

Wären Sie nach Ihrem Besuch in Washington nach London (England) geflogen, hätten Sie die vielen Fassungen der handgeschriebenen Memoiren von Höß’ damaligem Stellvertreter Kurt Aumeier verwenden könne, die er unter ähnlichem Zwang abfaßte. Auch er wurde – zweifellos zu recht – von den Polen gehängt. Diese mit Bleistift verfaßten Papiere werden im Public Record Office aufbewahrt. Aber Aumeier taucht in Ihrer Geschichte noch nicht einmal auf.

Ist nicht ein derartiges Originaldokument, daß zeitnah verfaßt wurde, zehnmal mehr wert als was eine Kitty Hart oder ein Primo Levi unter Bezahlung für gewinnorientierte Verlage schreiben? Wie kann Ihre Kollegin Deborah Dwork eine »Professorin für Holocaust-Geschichte an der Clark-University« sein, wenn sie noch nicht einmal Aumeiers Zeugnisse oder die Washingtoner Vernehmungsprotokolle kennt?

Bezeichnenderweise haben Sie es vermieden, die Frage nach der Entsorgung der massenhaften Leichen aufzugreifen. Nach meinen Rechnungen passen etwa 10 Leichen in einen Kubikmeter Erdreich. Um 355.000 Leichen zu vergraben – angeblich hat eine derartige Vergasungsorgie nur drei Wochen gedauert (ab dem 14.5.1944) – wären Massengräber eines Volumens von 35.000 m3 erforderlich gewesen, die sicherlich auf den Luftaufnahmen sichtbar wären. Wenn die Leichen verbrannt worden wären, bedeutet dies entsprechend der eisernen Regel, daß man pro Leiche etwa 30 bis 40 kg Koks braucht, daß dann einige Zehntausend Tonnen Koks benötigt worden wären. Die Brennstofflager der Krematorien konnten nur etwa 20 Tonnen aufnehmen.

Der tatsächliche Koksverbrauch kann Dokumenten aus der Zeit zwischen November 1942 und Oktober 1943 entnommen werden, als sich die Krematorien entsprechend Ihrem Buch und Ihrer Quelle, Danuta Czech, nicht gerade im Leerlauf befanden: Insgesamt wurden damals 760 Tonnen ins Lager geliefert, gerade ausreichend für die Kremierung von 25.000 Leichen, was recht gut mit den Zahlen übereinstimmt, die die Revisionisten festgestellt haben.

Sie haben die Geschichten von den riesigen Verbrennungsgräben übernommen und sich auf Gruben bezogen, in denen die Vergasungsopfer verbrannt worden sein sollen. Aber auf S. 191 berichten Sie völlig richtig von der sumpfigen Natur der ganzen Gegend mit einem Wasserstand von nur wenigen Dezimetern unter der Oberfläche. Sehen Sie diesbezüglich Ihre eigene Illustration auf S. 323: diese Aufnahme zeigt einen Graben, der bis etwa 15 cm unter Geländeoberkante mit Wasser gefüllt ist! Jede Grube, die man in Auschwitz gegraben hätte, hätte sich unmittelbar mit Wasser gefüllt.

Wir müssen daher Filip Müllers farbige Geschichte von den Kanälen, die gezogen wurden, um das Fett aufzufangen, das aus den brennenden Leichen floß, mit Vorsicht genießen; warum das Fett kein Feuer fing, ist ein Frage; wie es bergauf fließen konnte, eine weitere.

Sie haben es gleichfalls unterlassen, die Sterbebücher von Auschwitz zu erwähnen, die die Sowjetunion 1989 dem Suchdienst des Internationalen Roten Kreuzes in Arolsen übergeben hat. Darin werden etwa 66.000 beurkundete Todesfälle aufgeführt. Es fehlen zwar einige Bände, aber die untersuchten haben gezeigt, daß im Gegensatz zu der Versicherung, daß Alte und Arbeitsunfähige nicht registriert, sondern sofort getötet wurden, die Todesurkunden eine normale Altersverteilung von den sehr Jungen bis zu den sehr Alten zeigen.

Sie wiederholen auf S. 10 die übliche Behauptung, daß die sich zurückziehenden Nazis die Krematorien sprengten, um alle belastenden Beweise zu vernichten. Ich erinnere mich, Christopher Browning in einer BBC Fernsehsendung sagen zu hören, daß die Rote Armee diese Gebäude sprengte, und auch die Luftaufnahmen der Luftwaffe von Februar 1945 weisen darauf hin, daß sie bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesprengt waren.

Sie lassen sich recht ausgiebig über die zwei Besuche Himmlers vom 1.5.1941 und 17.7.1942 an dieser recht wichtigen Nazistätte aus. Himmlers Persönlicher Referent SS-Sturmbannführer Rudolf Brandt führte ein (geheimes) Steno-Tagebuch, das man heute im Bundesarchiv einsehen kann (Akte NS19/Zug.DC/!3) und das ich vor knapp 20 Jahren mit Hilfe von Steno-Fachleuten komplett entziffern ließ. Mich irritiert, daß dieses Tagebuch, obwohl darin Auschwitz viermal erwähnt wird, nicht den kleinsten Hinweis darauf gibt, daß dort etwas Häßliches vor sich ging. Es erscheint bemerkenswert, daß Himmler diesen Ort nur zweimal besuchte, wenn man Auschwitz jene Schlüsselrolle zuweist, die heutige Historiker ihm zuweisen.

Gauleiter Albert Hoffmann – Gauleiter Brachts Stellvertreter seit 10.2.1941–, der in einem Verhör britischen Vernehmern gegenüber ausführte, er halte die Behandlung der Juden als Unerwünschte durch die Nazis für gerechtfertigt, gab an, er habe Dachau vor 1938 (die Bedingungen dort seien hervorragend gewesen) und Auschwitz mit Himmler zusammen ohne Zweifel im Jahr 1942 besucht:

»Hier seien die Bedingungen erheblich schlechter gewesen. Mißhandlungen seien vorgekommen und [Hoffmann] hat tatsächlich die Öfen gesehen, in denen die Leichen verbrannt wurden. Er glaubt den Presseberichten über die dortigen Greuel aber absolut nicht.« (Meine Hervorhebung. Quelle: Interrogation record, US Federal Records Center, RG.332, ETO, MIS-Y Sect., box 50).

Ihr eigenes Buch wirft häufig mehr Fragen auf, als es beantwortet: In der allerersten Zeile wird ein neunzehnjähriges jüdisches Mädchen, das 1945 in Auschwitz untergebracht war, bei einem Gespräch mit Ihrer Koautorin wie folgt zitiert:

»Ich war schwer an Rippenfellentzündung und Typhus erkrankt.«

Warum haben die Nazis sie dann nicht wegen Arbeitsunfähigkeit "vergast"? Das gleiche gilt für die »600 kranken Insassen« und für jene »60.000 Menschen« weiter unter auf der gleichen Seite sowie für Anne Frank, ihre Schwester Margot und deren Vater Otto oder für alle ihre Nachbarn und Freunde, die sich allesamt bei den Bedingungen in Auschwitz oder Bergen-Belsen mit Typhus infizierten. Auf Seite 335 verweisen Sie auf die Vorbereitungen der SS, um 3.188 Kranke Männer und 3.188 kranke Frauen in zwei Lagerkrankenhäusern in Auschwitz II (Birkenau) zu behandeln. Diese Frage kann nicht übergangen werden, weil sie an die Wurzel der ganzen Geschichte herangeht.

Ich bin beeindruckt von Ihrer Ehrlichkeit, wenn Sie berichten, das ganze Lager Auschwitz habe im Sommer 1942 »mit Tonnen von Zyklon B entlaust werden müssen«, nachdem dort eine Typhusepidemie ausgebrochen war. Dies gibt dem unvoreingenommenen Betrachter wie mir einen Eindruck davon, in welchem Umfang dieses Pestizid in Auschwitz angewandt werden mußte.

Allerdings bezeichnen Sie Zyklon B als kristallines Cyanid, was es nicht war: es war ein Granulat aus Holzfasern, Diatomeenerde oder Gips, imprägniert mit flüssiger Blausäure. Sie erläutern richtig, daß Räume, die mit Zyklon B begast wurden, »erst nach zwanzig Stunden Durchlüftung sicher betreten werden konnten«. Das kollidiert heftig mit den von Frau Dwork bevorzugten "Augenzeugen", die beschreiben, wie die Sonderkommandos nur wenige Minuten, nachdem die Schreie der Opfer verstummt waren, ohne Gasmasken und Zigaretten rauchend in die "Gaskammern" gehen.

Nach kurzem Nachdenken bin ich nicht beeindruckt von der Bedeutung der Entfernung einer Leichenrutsche neben den Treppen zu den Leichenkellern der Krematorien II und III in Birkenau, wie Sie es auf den Moskauer Bauplänen schlau bemerkt haben – und Gerald Fleming und J.-C. Pressac vor Ihnen. Sie kommentieren dies unheimlich:

»Die Opfer würden zu ihrem Tod gehen.«

Schließt das auch die große Menge an Typhusopfern ein? Diese konnten die Treppen bestimmt nicht hinabgehen.

Sie beschreiben, wie die Sonderkommandos Goldzähne ausreißen und den Frauen die Haare schneiden: Wann wurde dies getan, und viel wichtiger: wo? In dem unterirdischen Leichenkeller, der zugleich eine Gaskammer war und noch nach Blausäure stank? Im kleinen Zweipersonenaufzug? Im ebenerdigen Ofenraum des Krematoriums? Lassen Sie uns bezüglich dieser Details genau sein.

Aus Ihrer hochinteressanten Entdeckung bezüglich Himmlers grandiosen Zukunftsplänen für das Lager (die J.-C. Pressac bereits 1989 publiziert hat) – z.B. einem überdimensionalen Funkraum, der großartigen Empfangshalle der Kommandantur, Himmlers mächtigem Büro usw. – läßt darauf schließen, daß dieser Ort als Zentrum der SS-Verwaltung für den Osten Europas vorgesehen war.

Würde Himmler dies wirklich im Herzen eines Massenmordzentrums errichtet haben?

Das wäre gleichbedeutend mit der Verlegung von Downing Street Nr. 10 in einen Flügel des Wandsworth Gefängnisses – oder des Weißen Hauses zur Death Row von Sing-Sing. [oder der Villa Hammerschmidt, dem Sitz des deutschen Bundespräsidenten, in einen Flügel des Hochsicherheitsgefängnisses von Stuttgart-Stammheim, Anm. d. Übers.]

David Irving

 

Die Schwächen der Wehrmachtsaussteller werden ihre Gegner stärken

R. Proske, Vom Marsch durch die Institutionen zum Krieg gegen die Wehrmacht, von Hase & Koehler, Mainz 1997, 208 S.

"Die Stärke der Wehrmachtsausstellung ist die Schwäche ihrer Gegner", so ähnlich schrieb vor nicht allzu langer Zeit die FAZ. Ohne Zweifel hat sie damit recht, doch hat die Anti-Wehrmachtsausstellung mit ihren pauschalen Urteilen und insbesondere die linksideologische Einstellung ihrer Veranstalter und Unterstützer mindestens einen Vorteil: diese massiven Einseitigkeiten provozieren Widerspruch. So bildet sich in Deutschland langsam aber sicher eine Opposition auch in Personenkreisen, die manche linkslastige Geschichtsverdrehung bisher allzu schweigsam übergingen. Einer der Exponenten dieser Oppositionsbewegung gegen das linke Geschichtsschreibungskartell ist Rüdiger Proske.

Der Autor dieses Bandes, Jahrgang 1916, sammelte zwischen 1947 und 1951 erste journalistische Erfahrungen u.a. bei dem Ex-Kommunisten Eugen Kogon in den linksradikalen Frankfurter Heften. Später wirkte er als Intendant beim Nordwestdeutschen Rotfunk und rief 1961 das linke politische Fernsehmagazin PANORAMA in Leben. 1977 verfaßte er u.a. mit Hans Jürgen Eysenck und Ernst Topitsch das Werk Die Grundlagen des Spätmarxismus. Nach einer derart von linkem Gedankengut geprägten Karriere würde man kaum erwarten, daß sich daraus einer der schärfsten Kritiker der Anti-Wehrmachtsausstellung um Jan Philipp Reemtsma und Johannes Heer entwickelt. Und dennoch geschah es offenbar, daß diesem ehemaligen Staffelführer der Luftwaffe der Kragen platzte, als er sich als Wehrmachtssoldat in letzter Zeit immer häufiger als Verbrecher tituliert sah.

Der rezensierte Band ist die Fortsetzung der im letzten Jahr erschienenen Streitschrift, die unter dem unhandlichen Titel Wider den politischen Mißbrauch der Geschichte deutscher Soldaten zu politischen Zwecken inzwischen vier Auflagen erreicht hat. Dies zeigt offenbar, daß es einen enormen Markt für kritische Untersuchungen der "Wehrmachts-Entblößer" gibt.

Man darf sich von diesem Buch nicht erhoffen, daß es sich inhaltlich mit der Anti-Wehrmachtsausstellung auseinandersetzt. Es stellt lediglich eine Untersuchung über den ideologischen Hintergrund derer dar, die sich heute engagieren, die deutsche Zeitgeschichte bis 1945 im allgemeinen und bezüglich der Wehrmacht im Dritten Reich im besonderen als Anhäufung von Verbrechen und Verbrechern darzustellen.

Das Verdienst Proskes liegt einerseits darin aufzuzeigen, wer alles im deutschen öffentlichen Leben zur Unterstützung dieser Geschichtsverfälschung heraneilt: Politiker, Juristen, Wissenschaftler und Journalisten aus allen Parteien und Lagern geben sich immer mehr die Klinke in die Hand. Zudem zeigt Proske auf, wie sehr sich linksideologische Zirkel, die man gemeinhin als linksradikal oder gar -extremistisch bezeichnet, die Hilfswilligen, d.h. ebenfalls linkslastigen, oder die Naiven und durch die "Faschismuskeule" Verängstigten des Establishment zunutze machen, um ihrer Propaganda immer mehr den Anschein der "offiziellen Wahrheit" zu geben – auch wenn so etwas nur in Diktaturen existiert. Proskes Verdienst liegt vor allem darin offenzulegen, wie bestimmte linksradikale Zirkel die wichtigen "offiziellen" deutsche Geschichtsforschungsinstitute (das es so etwas überhaupt geben darf!) in ihrem Griff haben, wie etwa das Militärgeschichtliche Forschungsamt und das Institut für Zeitgeschichte, wodurch Zeitgeschichtsschreibung in Deutschland immer mehr ein Monopol der radikalen Linken geworden ist.

Das Buch Proskes liest sich flüssig, und man verlangt, am Ende angelangt, nach mehr von derartigem Enthüllungsjournalismus, der auf der Linken Roß und Reiter nennt, die sich bisher mangels wirksamen Kritikern so erfolgreich überall haben einnisten und durchsetzen können.

Leider aber hat das Werk auch zwei große Nachteile: Kaum eines der von Proske angeführten Behauptungen über Herkunft und Geschichte von Persönlichkeiten sowie deren enthüllende Zitate sind mit Quellen belegt. Ein Fußnoten- oder Anmerkungsapparat sowie eine Bibliographie fehlen komplett. Somit kann man mit dem Buch zwar jene, die zu glauben bereit sind, überzeugen, aber nicht jene, die derartigen Publikationen skeptisch gegenüber stehen. Es ist geradezu ein Jammer, daß dieses hervorragend geschriebene und offenbar mit hohem Aufwand recherchierte Buch keine Belegstellen angibt, die es einem ermöglichten, zur Argumentation gegen linksideologische Volksverhetzer auf harte, belegte Fakten zu verweisen.

Außerdem muß man darauf bestehen, daß auch die besten Belege, daß die Veranstalter und Unterstützer der Anti-Wehrmachtsausstellung und anderer volkspädagogischer Veranstaltungen ideologisch verbohrte Extremisten und Fanatiker sind, nicht im geringsten beweist, daß deren Sachbehauptungen falsch sind. Vor jeder Kritik an ideologischen Präferenzen bestimmter öffentlich auftretender Personen sollte die Sachauseinandersetzung mit ihren Argumenten liegen. Erst, wenn sich die Argumente als stark verzerrt oder verfälscht erweisen, kann eine Untersuchung über das Warum der Verzerrungen weitere Aufklärungen bringen. Das gleiche gilt im übrigen auch für den Revisionismus, dem bekanntermaßen in weiten Bereichen von rechtsideologisch gefärbten Personen gehuldigt wird.

Natürlich kann man das Manko fehlender wissenschaftlicher Untersuchungen nicht Proske anlasten, der als Nichthistoriker wahrscheinlich nicht in der Lage sein dürfte, die Schwachstellen der Anti-Wehrmachtsausstellung zu entblößen. Es besteht eben nur die Gefahr, daß der Leser die Beweisführung Proskes über den ideologischen Hintergrund der Ausstellung zum Anlaß nimmt, die Thesen und "Beweise" der Ausstellung selbst als falsch anzusehen. Das aber ist unzulässig – auch wenn nach meiner Auffassung die Thesen und viele der angeboten Beweise wissenschaftlich unhaltbar sind. Aber diese Falschheit einer These ergibt sich eben nicht aus der Feststellung ideologischer Präferenzen. Wissenschaftliche Fragen lassen sich nicht mit politischen Feststellungen beantworten. Das hätte in dem Buch klar gemacht werden müssen, wenn man schon die wissenschaftliche Argumentation nicht zu führen imstande oder willens ist.

Doch bei aller Kritik sind wir natürlich froh über jeden, der seine ideologischen Überzeugung nicht auch noch weiterhin zum Anlaß nimmt, bestimmte Fakten und Zusammenhänge zu verschweigen, zu verfälschen oder zu unterdrücken. Wir hoffen daher, daß Proskes zwar mangelbehaftetes, aber dennoch mutiges und wichtiges Buch anderen Anlaß ist, ihm zu folgen und unerschrocken den Fakten auf den Grund zu gehen.

Angela Schneider

 

Ironie des Schicksals: Die Archive des NKWD widerlegen Reemtsmas Anti-Wehrmachtsausstellung

A.E. Epifanow, H. Mayer, Die Tragödie der deutschen Kriegsgefangenen in Stalingrad, Biblio Verlag, Osnabrück 1996; E. Peter, A.E. Epifanow, Stalins Kriegsgefangene, Leopold Stocker, Graz 1997

Es ist selten, daß eine Sammlung von Manuskripten, zusammengefaßt durch eine preiswerte Papierklebebindung mit nicht gerade ansprechendem Layout, in einer großen Tageszeitung ausgiebig rezensiert wird. Und dennoch unternahm es Friedrich-Christian Schroeder, das erste hier besprochene Buch unter dem Titel »Unzeitgemäße Erinnerungen« in der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10.4.1997 in einem Vierzeiler zu besprechen. Man muß daher die Hervorhebung dieses ansonsten unscheinbaren Werkes als politische Entscheidung der FAZ-Redaktion werten. Dazu paßt, daß dieses streng historische Buch in der Rubrik »Das politische Buch« rezensiert wurde, wo es – streng genommen – nicht hingehört, denn das Buch enthält im wesentlichen lediglich eine Zusammenfassung von Dokumenten des NKWD über die Vorgänge in den deutsch besetzten Gebieten um Stalingrad während des letzten Rußlandfeldzuges, über die Behandlung und das Schicksal deutscher Kriegsgefangener und über die Verfahrensweisen bei den sowjetischen Kriegsverbrecherprozessen. Es enthält sich aber jeder weiteren Wertung und insbesondere jeder politischen Schlußfolgerung.

Der Wert dieses Buches liegt offiziell darin, daß darin das Schicksal der deutschen Kriegsgefangen im Detail beschrieben wird, insbesondere auch die Vorgehensweise der sowjetischen Justiz bei der Inszenierung Hunderter von Schauprozessen gegen Angehörige der Wehrmacht, deren rechtswidrige Natur inzwischen zu einer Massenrehabilitation geführt hat (S. 105). Da diese und ähnliche Vorgänge eine der wichtigsten Grundlagen darstellen, auf denen das heute von Reemtsma, Heer und Anhängern verbreitete Bild der Wehrmacht als Verbrecherarmee aufbaut, bedeutet dieses Buch eine Sprengladung an den Pfeilern dieser verzerrten Sichtweise, wird darin doch ganz offen ausgesprochen, daß die Wehrmacht sich – im Gegensatz zur Roten Armee – im großen und ganzen an die Gesetze der Kriegführung gehalten habe und Übergriffe eine Ausnahme waren.

Der nach Lektüre des Buches entstehende Wunsch, dieses Thema in jeder Hinsicht vertieft zu sehen und für den Leser in einer etwas verdaulichere und ansprechendere Form zu gießen, wurde dieses Jahr durch den Grazer Leopold Stocker Verlag entsprochen. Epifanows zweites Buch auf dem deutschsprachigen Markt behandelt das gleiche Thema, diesmal aber unter einer etwas breiteren Perspektive und nicht mehr nur aus den NKWD-Dokumenten trocken zitierend und zusammenfassend, sondern auch auf Grundlage von Erinnerungen der Betroffenen.

Interessant sind die Anmerkungen in den NKWD-Dokumenten bezüglich der deutschen Besatzungspolitik. So wurde von den Sowjets z.B. mit Bedauern angemerkt, daß es den Deutschen gelang, einen Großteil insbesondere der russischen Jugend für den Nationalsozialismus zu begeistern sowie derjenigen Bevölkerungsgruppen, die unter den Sowjets am meisten zu leiden hatten: Grundbesitzer aufgrund der Rückgabe von Eigentum, christlich-religiöse Menschen aufgrund der Wiedereröffnung Tausender christlich-orthodoxer Kirchen und nationale Minderheiten aufgrund des Endes der Unterdrückungen und der Aussicht auf nationale Unabhängigkeit nach einem gewonnenen Feldzug. Für böses Blut sorgten unter der russischen und ukrainischen Bevölkerung nicht etwa deutsches "Herrenmenschentum", unverhältnismäßige Repressalien, Unterdrückungen und anderes. Für Unruhe sorgte vielmehr einerseits die teilweise Wiederherstellung alter Besitzverhältnisse vor allem in Gebieten weit hinter der Front, wodurch sich die zu zaristischen Zeiten Besitzlosen betrogen vorkamen. Andererseits sorgten mit fortschreitender Kriegsdauer die zunehmenden Requisitionen von kriegswichtigem Material durch die Deutschen, also von Lebensmitteln, Kleidung, Transportmaterialien und Unterkünften für wachsenden Widerstand sowie die drakonischen Strafen, die u.a. für Diebstahl an Wehrmachtseigentum verhängt wurden. Weder waren dieser Vorgänge nach damaligem Kriegsrecht rechtswidrig noch hätten andere kriegsführende Mächte es unter den damals herrschenden Bedingungen im Osten anders machen können bzw. anders gemacht. Schließlich wurde auch jeder Deutsche für Diebstahl ähnlich schwer bestraft. Vergegenwärtigt man sich zudem die Umstände, die auf sowjetischer Seite herrschten mit weitaus drakonischeren Requisitionsmaßnahmen, der allgemeinen grauenhaften Hungersnot und der herrschenden brutalen Willkür, so wären wohl auch die Mißmutigen unter den Russen und Ukrainern zumindest bis zum Ende der deutschen Besatzung besser gefahren, wenn sie die kriegsbedingten Einschränkungen akzeptiert hätten. Ob sie das vor der "Befreiung" durch die Rote Armee, also vor den grauenhaften Nachkriegssäuberungen mit ihren ungezählten Opfern – ein Kapitel, das bis heute einer genaueren Untersuchung harrt –, gerettet hätte, bleibt aber vor allem angesichts der erfolgreichen Unterstützung von "Onkel Joe" durch Roosevelt anzuzweifeln.

Übrigens erwähnen die von Epifanow im ersten hier besprochenen Buch zitierten Berichte nur einmal ganz beiläufig deutsche Morde an Juden. Offenbar war dieses Thema für die zumeist an der Wahrheit orientierten geheimen internen Berichte des NKWD über die Vorgänge bei den Deutschen von geringer bis gar keiner Bedeutung.

Germar Rudolf

 

Holocaust-CD: Volkspädagogische Multimediashow mit lediglich emotionalem Tiefgang

Gegen das Vergessen. Eine Dokumentation des Holocaust, Navigo Multimedia, München 1997, DM 99,-.

»Also, mir würde der Ton auf die Nerven gehen. Kannst Du den nicht abschalten?« war die Reaktion meiner Freundin, als ich Stunde über Stunde vor dem Monitor saß, um diese volkspädagogische CD Gegen das Vergessen (des Holocaust an den Juden) über mich ergehen zu lassen. Über-sich-ergehen-lassen ist wohl die richtige Beschreibung, denn die CD ist eine Aneinanderreihung unästhetischer Bilder, Geräusche und Texte: Alles grau in grau, dröhnende, nervenaufreibende, sich immer wiederholende, drohend wirkende Stimmen, Klänge und Rhythmen, ein weiße Schreibmaschinenschrift auf schwarzem Hintergrund, und natürlich Leichen über Leichen ausgemergelter KZ-Häftlinge und aus welchen Gründen auch immer hingerichteter Menschen. Daß weniger die Aufklärung und Erklärung von Zusammenhängen der Sinn dieser CD ist, wird im Vorwort auch gleich zugegeben:

»Die hier zusammengetragenen Texte, Bilder und Klänge sollen dazu beitragen, Gefühle und Gedanken zu wecken«,

wobei die derart geweckten Gefühle jeden kritischen Gedanken wohl unterdrücken dürfte.

Dies sind die Essenzen, aus denen man eine volkspädagogisch wirksame CD macht, die allein schon durch ihr Äußeres erschauern läßt. Für den Kassenerfolg werden die Medien und die Politiker sorgen, denn schließlich wurde das Projekt von der Europäischen Union gefördert.

Doch der Reihe nach. In Tabellenform wird nachfolgend die Struktur der CD dargestellt. Daraus wird deutlich, daß diese CD den Holocaust in seiner weitest möglichen Definition versteht, also der gesamten Geschichte der Welt von 1933 bis 1945 in Bezug auf die Verfolgung der Juden durch das Dritte Reich. Zu jedem Kapitel der 2. und 3. Ebene werden eine ganze Reihe von Bild-, Text- und zum Teil sogar Ton- und Filmdokumenten angeboten sowie eine vorgelesene thematische Zusammenfassung. Keiner der Dokumente enthält jedoch einen Hinweis, woher das Dokument stammt, und die Behauptungen im Text werden durch nichts belegt. Dies ist eines der größten Mängel der CD, wodurch sie für einen Benutzer in Wissenschaft, Lehre und im möglichen Kampf gegen die schrecklichen Revisionisten unbrauchbar ist.

Durch einen Trick wurde es zudem unmöglich gemacht, den Bildschirminhalt in den Zwischenspeicher zu laden und anderweitig zu verwenden: Die Bildschirmdaten werden beim Abspeichern völlig farbentfremdet und die Auflösung vergröbert. Leider hat dieser Trick zur Folge, daß der gleiche Entfremdungseffekt auch beim Multitasking (dem Umschalten zwischen verschiedenen Programmfenstern in Windows) auftritt. Man kann daher das Programm nicht wechseln, ohne daß die Bildschirmdarstellung irreversibel zerstört wird. Man ist dann gezwungen, das ganze Programm neu zu starten. Aus alledem ist zu erkennen, daß diese CD wirklich nur aus pädagogischen Gründen für unkritische Bürger erstellt wurde, nicht aber für den etwas gehobenen Bedarf. Dem hohen Preis von DM 99,- wird das Produkt daher nicht gerecht.

Eine Überraschung hält sofort das erste Kapitel über die Juden bereit. Mehr als eine kurze Diaschau mit recht dürftigen Kommentaren bekommt der Zuschauer hier über die Herkunft, Geschichte und Religion nicht geboten. Man erfährt im wesentlichen nur, daß das Judentum im mittleren Osten entstand, den Monotheismus erfand und in den letzten 2.000 Jahren durch den Antisemitismus der christlichen Kirchen furchtbar zu leiden hatte. Dieser Seitenhieb gegen die Christen wird in einem eigenen, gegen Papst Pius XII. gerichteten Kapitel später noch intensiviert (Der Holocaust/Eine teilnahmslose Welt/Das Schweigen des Vatikan). Erst die Emanzipation habe den Juden vor etwa 200 bis 150 Jahren endlich die Gleichberechtigung und damit auch Wohlstand gebracht, besonders im kaiserlichen Deutschland (dessen Grenzen auf einer dort gezeigten Karte die von 1989 sind!).

Gegen das Vergessen

Gegen das Vergessen: Eine Holocaust-"Dokumentation", die wegen ihrer offensichtlichen Mängel eine kompetente Reaktion durch die Revisionisten geradezu herausfordert.

Die ganzen Beiträge dieser CD sind erwartungsgemäß geprägt von einer judeozentrischen, einseitigen Sichtweise, die manchmal in alte ausgetretene Propagandalügen abrutscht, wie nachfolgend an einigen Beispielen gezeigt werden soll.

Zum Thema Reichstagsbrand liest man hier:

»Obwohl wahrscheinlich die Nazis selbst das Gebäude in Brand gesetzt haben, lieferte das Feuer den willkommen Anlaß für eine antikommunistische Kampagne.«

Tatsächlich geht heute bis auf einige linke Geschichtsfälscher niemand mehr davon aus, daß der Reichstag von den Nazis selbst angezündet worden ist (so U. Backes, in, ders., E. Jesse, R. Zitelmann (Hg.), Die Schatten der Vergangenheit, Frankfurt 1990). Diese Formulierung läßt daher aufhorchen.

Zum Ermächtigungsgesetz liest man dort:

»Hitler beraubte das Parlament mit dem Ermächtigungsgesetz vom 3. März 1939 jeder gesetzgebenden Kompetenz«,

obwohl es doch das Parlament selbst war, daß sich quasi ohne Zwang selbst abschaffte.

Zum Versailler Vertrag liest man verdutzt, daß Deutschland »die Schuld daran, den Krieg angefangen zu haben, anerkennen« mußte. Noch nicht einmal ein Wort des Zweifels an dieser heute selbst von den Siegern des Ersten Weltkriegs eingestandenen Lüge von der deutschen Kriegsschuld kommt den Verfassern dieser CD über die Lippen.

Die Vorgeschichte des samstäglichen Boykottaufrufs gegen jüdische Geschäfte in Deutschland am 1.4.1933, nämlich die weltweiten jüdischen Boykottaufrufe gegen Deutschland, erfährt der Betrachter genauso wenig wie die vollständigen Gründe, die im Oktober 1938 zur Abschiebung in Berlin lebender polnischer Juden nach Polen führte, nämlich den polnischen radikalen Antisemitismus: Polen drohte mit der Aberkennung der polnischen Staatsbürgerschaft aller im Ausland lebenden Juden, falls diese nicht bis Ende Oktober in Polen einen neuen Paß beantragt hätten. Daraufhin setzte Deutschland Sonderzüge ein, die allerdings von Polen mit Waffengewalt an der Einreise gehindert wurden. Da diese Juden, darunter auch ein gewisses Ehepaar Grünspan, einige Zeit im Niemandsland unter schlechten Bedingungen festsassen, bevor sie ins Reich zurückkehrten, erregte dies die Wut eines gewissen in Paris lebenden Herschel Grünspan, Sohn des oben genannten Ehepaares. Er erschoß daraufhin den deutschen Gesandten von Rath, was für die NS-Führung wiederum Anlaß war, in Deutschland die sogenannte Reichskristallnacht zu provozieren und den Juden zusätzlich hohe Kollektivstrafen aufzuerlegen. Auf der CD wird als Ursache nur erwähnt, daß Sohn Grünspan sich für die ungerechte Deportation seiner Eltern durch die Deutschen rächte. Wenn er dies hätte tun wollen, so hätte er einen polnischen Gesandten töten müssen und nicht einen deutschen. Ursache dieser grausam eskalierten Gewalt war also kein deutscher, sondern ein polnischer Unrechtsakt.

Der Rußlandfeldzug wird einseitig als deutscher Eroberungskrieg hingestellt, und naturgemäß darf dann eine Verherrlichung des Partisanenkampfes (z.B. durch einen sowjetischen Propagandafilm, unterlegt mit russischen Heldenliedern!) und eine pauschale Kriminalisierung der deutschen Gegenmaßnahmen nicht fehlen. Diese Kapitel sind insofern eine gekürzte Fassung der linksradikalen, Reemtsma-Heer’schen Anti-Wehrmachtsausstellung. Auch die hinlänglich bekannten Bilder ohne jeden Herkunfts- und Inhaltsnachweis – seien es nun Fotos oder Gemälde – von tatsächlichen oder angeblichen Judenerschießungen werden bis zum Abwinken wiederholt, freilich natürlich immer nur jene Fassung der oftmals in verschiedenen Variationen aufgetauchten Bilder, die am überzeugendsten wirkt (vgl. dazu die Gegenüberstellung mit anderen Fassungen dieser Bilder in U. Walendy, Bild-"Dokumente" für die Zeitgeschichtsforschung?, Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung, Vlotho 1973, S. 18f., 20ff., 26f., 38f., 40-43, 76f.). Daß bei kaum einem dieser Bilder dokumentarisch belegt ist, was da eigentlich wann und wo von wem fotografiert wurde, kümmert die Herausgeber wenig. Im Interpretieren ist man eben großzügig. So muß wieder einmal ein Bild von der Erschießung kriegsrechtlich zum Tode verurteilter Partisanen im serbischen Pancevo dafür herhalten, der Wehrmacht angebliche Kriegsverbrechen zu unterstellen (vgl. VffG 2/97, S. 101). Und natürlich darf auch jene Bildfälschung nicht fehlen, die auch Daniel J. Goldhagens Buch Hitlers willige Vollstrecker (S. 476) ziert, vgl. Abbildung. 1 und 2.

Und so geht es dann im Gleichschritt weiter: der KZ-Kommandant Amon Goeth vom Lager Plazow soll vom Balkon seines Wohnhauses aus Häftlinge erschossen haben, obwohl längst bewiesen wurde, daß sein Wohnhaus in einem Tal, daß Lager aber auf einer Anhöhe lag. In Hadamar, einem der zentralen Tatorte der NS-Euthanasie, stößt ein Schornstein schwarze Schwaden aus, »möglicherweise von einem Krematorium«, obwohl ein Blick in die Fachliteratur gezeigt hätte, daß Krematoriumskamine nicht schwarz rauchen. Bei Zyklon B, das angeblich als »Gas oder in Tablettenform« vertrieben wurde, entstand angeblich »bei Kontakt mit Luft« ein giftiges Gas. Bei soviel Falschinformation allein schon bei diesem psychologisch zentralen Produkt fragt man sich, mit welcher Kompetenz die Autoren eigentlich an ihr Werk gingen (Zyklon B ist weder als Gas noch in Tablettenform lieferbar, und das Giftgas entsteht auch nicht bei Kontakt mit Luft. Zyklon B ist auf porösen Trägern aufgesaugte flüssige, giftige Blausäure, die beim Öffnen der Verpackung langsam verdampft, egal, ob Luft vorhanden ist oder nicht).

Goldhagen Beschnitt

Abb. 1: In CD Gegen das Vergessen mit dem Untertitel »Massenerschießung von Juden in Osteuropa. Ein deutscher Soldat erschießt eine Frau, die ihr Kind in den Armen hält (der Ort des Geschehens ist unbekannt). Die Frauen sollten ihre Säuglinge gegen die Schultern drücken, damit sie ein leichteres Ziel für die Schützen würden.«

Gefechtsszene (?), vollständig

Abb. 2: Das unbeschnittene Bild unbekannter Herkunft: Zivilisten suchen Deckung hinter einem Gegenstand vor einer von rechts kommenden Gefahr, also nicht vor dem deutschen Soldaten. Diese Bildfälschung wurde in der schwedischen Zeitung Sydsvenska Dagbladet am 10.11.1996 anläßlich D.J. Goldhagens Buch Hitlers willige Vollstrecker ausgebreitet (A.W. Johansson, »Med saxen som Vapen«).

In Treblinka und Belzec wird weiter mit Dieselmotorabgasen in maximal 30 min. gemordet, obwohl das erwiesenermaßen unmöglich ist. Über die Frage der spurlosen Beseitigung Hunderttausender Leichen wird einfach hinweggegangen. Aus dem Hygieneinstitut der Waffen-SS in Rajsko wird ein landwirtschaftliches Versuchslager (das lag tatsächlich in Harmense). Birkenau wurde als »"Vernichtungslager"« gegründet, obwohl es unbestrittenermaßen als Kriegsgefangenenlager gegründet wurde. Das letzte der vier Birkenauer Krematorien soll am 4.4.1943 in Betrieb gegangen sein, tatsächlich aber war dies erst am 25.6.1943. Auf der Wannsee-Konferenz wurde ein »europaweites Mordvorhaben geplant«, auch wenn davon im angeblichen Protokoll (das auch noch falsch zitiert wird) nichts steht. Ein zerstörter Magirus-LKW wird als erbeuteter Vergasungslaster hingestellt, obwohl noch nie jemand behauptet hat, hierzu seien Laster der Fa. Magirus eingesetzt worden und obwohl sogar Yad Vashem zugegeben hat, daß man nicht weiß, woher dieses Bild stammt und welche Funktion dieser Lastwagen hat. Als Filmdokument wird ein berüchtigter Film der Amis gezeigt, in dem viele Leichenberge aus den befreiten KZs gezeigt werden, aber nicht darauf hingewiesen wird, warum es zu diesen Toten kam und daß es zu jener Zeit überall in Deutschland derartige Leichenberge gab, innerhalb der Lager und – in noch weitaus größerem Maße – vor allem auch außerhalb…

Neben diesen Mängeln zeichnet die CD auch der Mangel an wichtigen Informationen aus, die bei solchen volkspädagogischen Produkten in der Regel fehlen: Keine Diskussion kritischer Auffassungen über jüdische Religion und Geschichte, wodurch die damaligen Vorkommnisse unverständlich bleiben müssen (was wohl auch das Ziel derartiger Produkte ist); keine Informationen der zumindest bis 1941 auf Auswanderung gerichteten NS-Politik; die NS-Politik gegenüber den Juden wird nicht in den Gesamtkontext der NS-Politik allgemein gestellt; der Revisionismus wird nur mit einer Zusammenfassung von Deborah Lipstadts veraltetem, oberflächlichen Werk Leugnung des Holocaust (Rio, Zürich 1993) begegnet, aber eben nur auf der Eben politischer Verdächtigungen und nicht argumentativ.

Angesichts dieser gigantischen Mängel und des völligen Fehlens von Referenzen ist es vom wissenschaftlichen Standpunkt nutzlos, sich mit diesem Produkt zu beschäftigen.

Allerdings sollte es dem historischen Revisionismus als Anlaß dienen, selbst eine derartige CD zu entwickeln, die bei entsprechender Sachlichkeit und guter Aufmachung in der neuen Zeit multimedialer Technologie viele begeisterte junge Zuschauer gewinnen könnte. In jedem Fall dürfte es unmöglich sein, die hier gebotene Qualität zu unterbieten.

Frank Weidenfeld

Struktur der Holocaust-CD Gegen das Vergessen

Ebene 1 Ebene 2 Ebene 3
Die Juden
Hitlerdeutschland Der Aufstieg der Nazis Die Weimarer Republik
Die Juden im modernen Deutschland
Die deutschen Wähler und die Nazis

Das Dritte Reich

Propaganda

Die Arbeitsweise des Nazistaates

Die ersten Lager

Ein Rassenstaat

Die Reinheit der Rasse

'Reichskristallnacht

Die Nürnberger Gesetze

Die Rassengesetze der Nazis

Arisierung

Reaktionen auf Verfolgung

Jüdische Proteste und Ohnmacht

Die Mißerfolg von Evian

Hitler: Eine Biographie

Der Holocaust

Der Weg zur Ausrottung

Operation Barbarossa

T4: Massenmord als Euthanasie

Die Endlösung

Die 'Einsatzgruppen'

Die Lager

Die Wannsee-Konferenz

Mobiler Mord: Gaswagen

Im Reich der Nazis

Der 'Judenrat'

Retter und Rettungsversuche

Die Todesmärsche

Leben und Sterben in den Gettos

Der Widerstand

Der Warschauer Getto-Aufstand

Jüdische Partisanen

Revolte in den Lagern

Reaktion der jüdischen Welt

Eine teilnahmslose Welt

England und Churchill

Neutrale Zuschauer

Roosevelt und die Amerikaner

Das Schweigen des Vatikan

Tod in Europa [Statistiken]

 
Nachwirkungen

Befreiung

Die Aufdeckung des Horrors

DPs (Displaced Persons): Die Entwurzelten

Die Rückkehr der Überlebenden

Nazis vor Gericht

Eichmann in Jerusalem

Die Fälle Barbie und Touvier

Nazis auf der Spur

Jüdisches Leben nach 1945

Israel: Das versprochenen Land

Scherben sammeln

Aufarbeitung des Holocaust

Der Versuch zu verstehen

Erinnern

War Gott in Auschwitz?

Leugnung des Holocaust

Die Darstellung des Holocaust

 

Die Nürnberger Prozesse

 

Vorwort (»Wir werden oft gefragt, ob wir Juden sind«)

Bibliographie (38 Titel der Sekundär- und Tertiärliteratur)

Credits (mit Liste der Foto-, Film- und Audioarchive)

Auf allen Ebenen: Biographien (65); Glossar (96 Stichwörter); Zeittafeln (1933-1945); Karten (4)

 

Massenmord an Deutschen: Wichtige Ergänzungen für John Sacks Dokumentation

Österreichische Historiker-Arbeitsgemeinschaft für Kärnten und Steiermark (Hg.), Völkermord der Tito-Partisanen 1944-1948, 2. Auflage, Oswald Hartmann Verlag, Sersheim 1993, 361 S.; S. Jendryschik, Zgoda. Eine Station auf dem schlesischen Leidensweg, Verlag für ganzheitliche Forschung, Viöl 1997, 184 S.;

Erst seit John Sack in seinem Buch Auge um Auge (Kabel, Hamburg 1996) die Morde an der deutschen Zivilbevölkerung in Ost- und Südosteuropa zu einem internationalen Thema machte, scheinen auch die Leiden der Deutschen in der Welt Gehör zu finden. Natürlich war John Sack nicht der erste, der sich dem Thema widmete. Er hatte nur den Vorteil, ein bisher nicht ausgegrenzter nichtdeutscher Jude zu sein, und derartigen Mitmenschen hört man bekanntlich zu.

Das erste hier besprochene Buch über den Völkermord an den Deutschen im Gebiet des ehemaligen Jugoslawien, das 1993 bereits in zweiter Auflage erschien, füllt eine große Lücke aus, denn selbst im deutschsprachigen Raum wurde diesem Teil der Ausmordung von Menschen deutscher Zunge nach dem Zweiten Weltkrieg kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Durch die Vorherrschaft der bundesdeutschen Perspektive konzentrierte man sich auf die Vorgänge in Ostdeutschland und dem Sudetenland. Um so erfreulicher ist es, daß die in direkter Nachbarschaft zum Ort des Geschehens tätige Österreichische Historiker-Arbeitsgemeinschaft eine derart umfassende Zusammenstellung der Vorgänge zuwege brachte. Nach einer allgemeinen Darstellung über die Geschichte und Hintergründe der Entrechtung, Enteignung, Vertreibung und Ermordung der Deutschen in Jugoslawien wird jede Region des ehemaligen Jugoslawien, in dem es zu Ausschreitungen kam, quasi Stadt für Stadt und Dorf für Dorf abgehandelt. Die Vorgänge werden dabei derart detailliert geschildert, daß es einem unter die Haut geht und man stellenweise geneigt ist, dem Schrecken einfach dadurch auszuweichen, indem man das Buch zumacht und weglegt.

Das Buch basiert neben zahlreichen Zeugenberichten auch auf Veröffentlichungen in der Presse, die ausführlich wiedergegeben werden, und greift auch auf Literatur zurück, die bereits vor Jahren zum gleichen Thema publiziert wurde. Die Bibliographie erwähnt im wesentlichen vier derartige Werke, die bezeichnenderweise alle in Österreich verlegt wurden, zwei davon nur im Selbstverlag.

Vertriebene

KZ für Deutsche

Deutsche Opfer der Tito-Partisanen 1

Deutsche Opfer der Tito-Partisanen 2

Szenen des Völkermords der Tito-Partisanen an den Jugoslawiendeutschen. Foto 1: Jakob Bohn; Foto 2-4: DSZ-Verlag

Das zweite hier besprochene Buch von Sepp Jendryschik widmet sich ausschließlich einem der 1255 vom Bundesarchiv in Koblenz festgestellten Konzentrations- und Vernichtungslager in Polen und Ostdeutschland, deren massenmordende Realität von John Sack ins Bewußtsein der Weltöffentlichkeit gerückt wurde. Allein in dem hier behandelten Lager nahe der Stadt Zgoda, einem Ort in der Region Kattowitz nahe der schlesisch-polnischen Grenze, durch das nach polnischen Quellen etwa 35.000 Deutschen geschleust wurden, soll es insgesamt etwa 7.000 bis 8.000 Tote gegeben haben, die in Massengräbern verscharrt wurden. Bisher gelang es lediglich, zu etwa 1.600 Fällen Todesurkunden zu beschaffen, doch wird davon ausgegangen, daß sich die Zahl noch erhöhen wird. Nach einer von John Sack zitierten geheimen Studie des Bundesarchives sollen von den etwa 200.000 Deutschen, die diese Vernichtungslager durchliefen im Schnitt zwischen 20-50% nicht überlebt haben, was eine Opferzahl von 40.000 bis 100.000 ergibt.

Jendryschiks Buch enthält ebenfalls eine Einleitung, die allerdings weniger sauber gegliedert ist und insbesondere dadurch auffällt, daß sie immer wieder von Passagen unterbrochen wird, die vom Verleger stammen und den historischen Rahmen dieser Morde an der deutschen Zivilbevölkerung erläutern. Es wäre dem Lesefluß sicher besser bekommen, wenn sich Verleger und Autor auf einen gemeinsamen Text geeinigt hätten. Daran anschließend folgen sachliche Hinweise des Autors über die Beweislage sowie ein 56-seitiger Abschnitt mit Zeugenberichten über die damaligen Greuel, die der Rezensent zugegebenermaßen nur angelesen hat, da er auf seine nächtliche Ruhe nur ungern verzichtet. Die letzten 60 Seiten des Buches sind eine Aneinanderreihung von Stellungnahmen, Briefen und Dokumenten zum Thema Massenmord an und Vertreibung der Deutschen allgemein. Dies mag dokumentarisch interessant sein, ist allerdings nicht nach dem Geschmack des Rezensenten, der einen systematisch gegliederten, zusammenfassenden Überblick mit Erläuterungen und Referenzen zu den entsprechenden Dokumenten und eine anschließende Wertung bevorzugt hätte.

Rudolph Markert


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(4) (1997), S. 275-285.


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