Technik und Arbeitsweise deutscher Gasschutzbunker im Zweiten Weltkrieg

Eine Widerlegung von J.-C. Pressacs »kriminellen Spuren«

Von Samuel Crowell

1. Einführung

Es ist allgemein bekannt, daß im Zweiten Weltkrieg kein Giftgas eingesetzt wurde, obwohl es im Ersten Weltkrieg noch massiv zum Einsatz gelangte. Folglich übersehen wir leicht, daß die Menschen in den dreißiger Jahren davon ausgingen, daß ein Gaskrieg Bestandteil künftiger Auseinandersetzungen sein würde. Die damalige deutsche Literatur über den Zivilschutz spiegelt diese Angst wieder, indem darin im Detail beschrieben wird, wie man Luftschutzräume bauen müsse, um sie sowohl bomben- als auch giftgassicher zu machen.
Mit anderen Worten: Deutsche Luftschutzräume waren immer auch Gasschutzräume.[1] Obwohl die deutsche Weltkriegsliteratur über den Zivilschutz weitgehend vernachlässigt wurde, ist sie doch für Historiker als Primärquelle von enormem Wert. Sie ist besonders für die Historiker des Holocaust relevant, da diese Literatur jene Terminologie enthält, die man normalerweise mit den Menschengaskammern von Auschwitz-Birkenau in Verbindung bringt.
1989 erschien in englischer Sprache von dem Franzosen Jean-Claude Pressac das Buch Auschwitz: Technique and Operation of the Gas Chambers.[2] Pressac versuchte darin ausschließlich mit Dokumenten nachzuweisen, daß in jedem der vier Krematorien von Birkenau Menschengaskammern eingebaut worden waren. Der Kern seiner Beweisführung war eine Liste mit 39 »kriminellen Spuren« für diese Gaskammern.[3] Das Kuriose daran ist: Jede einzelne dieser Spuren beschreibt Eigenschaften eines gewöhnlichen deutschen Luftschutzraumes. Oder anders ausgedrückt, jede als Indiz für die Gaskammern angeführte Spur kann genauso als Beweis für einen deutschen Luftschutzraum oder, genauer gesagt, für die Ausrüstung eines Gasschutzraumes interpretiert werden.
Es ist wichtig darauf hinzuweisen, daß die Erwähnung der Ähnlichkeiten zwischen Menschengaskammern und Gasschutzräumen nicht neu ist, sondern schon früher in der Holocaust-Literatur erwähnt wurde.[4] Unter den unabhängigen Forschern war Wilhelm Stäglich der erste, der das Vorhandensein von gasdichten Türen in den Kellern der Birkenauer Krematorien als Indiz dafür ansah, daß diese einzigen Kellerräume des Lagers als Luftschutzbunker dienten.[5] Sodann hatte Friedrich Paul Berg die Wichtigkeit der deutschen Zivilschutz-Literatur erkannt, sein Forschungsschwerpunkt lag aber woanders.[6] Unter den wenigen europäischen Forschern hat Robert Faurisson in einem Artikel vor wenigen Jahren einige anregende Bemerkungen gemacht.[7] Im August 1996 schließlich machte der Amerikaner Dr. Arthur R. Butz den entscheidenden Schritt, als er auf seiner Internet-Homepage auf dem Zentralrechner der Northwestern University argumentierte, der Leichenkeller 1 des Krematoriums II in Birkenau sei tatsächlich ein Gasschutzkeller gewesen.[8]
Während es des öfteren Berichte über deutsche Luftschutzräume gab, wurde ihre Eigenschaft als Gasschutzräume meist übersehen. Dieser Beitrag soll dieses Mißverhältnis ausgleichen, indem er aufzeigt, daß die deutschen Luftschutzräume immer auch Giftgasschutzeigenschaften aufwiesen. Indem wir diese Eigenschaften aufzeigen, werden wir zugleich die wichtigste Literatur zum Thema vorstellen. Schließlich wird die Gegenüberstellung von Planung und Ausstattung dieser Gasschutzräumen mit den »kriminellen Spuren« Pressacs den Wert dieser Literatur beweisen.
Dieser Beitrag besteht aus zwei Teilen, eingeführt von einem kurzen Überblick über den Gaskrieg. Im ersten Teil wird diverse Literatur über die deutschen Luft- bzw. Gasschutzbunker vorgestellt, deren Lektüre dem interessierten Forscher wärmstens empfohlen wird. Dabei werden einige Auszüge zitiert werden, weil ich der Ansicht bin, daß dies nicht nur wegen der Wichtigkeit der behandelten Literatur und ihrer Seltenheit notwendig ist, sondern auch, weil die möglichen Schlußfolgerungen eine wichtige Streitfrage berühren.
Nach dem Literaturüberblick werden einige Folgerungen aus den Eigenschaften deutscher Luftschutzräume gezogen. Im zweiten Teil werden wir uns, unter Hinzuziehung der Ergebnisse des ersten Teils, Pressacs »kriminellen Spuren« widmen, wobei auf einige Dokumente in Pressacs Buch Bezug genommen wird. Es wird sich herausstellen, daß jede Spur auf zweierlei Arten interpretiert werden kann: Einerseits als unheimliches Kennzeichen einer Menschengaskammer, oder andererseits als die gutartige Ausrüstung eines gewöhnlichen deutschen Luftschutzraumes. Die Konsequenzen dieser Tatsache sind nicht zu vernachlässigen.

2. Kurzer Überblick zum Gaskrieg vor dem 2. Weltkrieg

Obwohl man die Verwendung von Giftgasen noch weiter zurück verfolgen kann, ist man sich allgemein einig, daß die Ära des Gaskrieges am 22. April 1915 begann.[9] An diesem Tag setzten die Deutschen die französischen Stellungen bei Ypres unter Chlorgas, wodurch sie einen Durchbruch erlangten, den sie allerdings nicht ausnutzen konnten. Ab diesem Zeitpunkt verwendeten beide Seiten Giftgas, wodurch Hunderttausende verletzt, aber nur ein recht geringer Anteil getötet wurde.
Die angewandten Gase wurde allgemein in vier Klassen eingeteilt, je nach ihren Eigenschaften:
1. Tränengase (nach der deutschen Klassifizierung Weißkreuz genannt). Ihr Hauptzweck war, den Feind zu zwingen, die Gasmaske abzunehmen, um sich so seines Schutzes zu entledigen.
2. Sternutatoria oder Nasen-Rachen-Reizstoffe (Blaukreuz), die ursprünglich entwickelt wurden, um den Feind kampfunfähig zu machen, die aber später ebenfalls als Mittel eingesetzt wurden, um den Feind aufgrund des Nieß-, Hust- oder Würgreizes zum Abnehmen seiner Masken zu zwingen und ihn damit den tödlichen Giftgasen auszusetzen.
3. Blasenziehende Kampfstoffe (Gelbkreuz), schwere, schwerflüchtige Aerosole, die das umkämpfte Gebiet für beide Seiten unzugänglich machten und die auf der Haut Brandblasen erzeugen und zu dauerhaften Vernarbungen führen.
Die Wirkung dieser Brandgase auf die Schleimhäute in Rachen und Lunge konnte tödlich sein, und bei Einwirkung auf die Augen konnte man erblinden. Diese Klasse umfaßt die verschiedenen Senfgase wie etwa Lewisit. Wahrscheinlich das berühmteste Opfer dieser Giftgasklasse war Adolf Hitler, dessen temporäre Erblindung im Jahre 1918 zu seiner lebenslangen Abneigung gegen Giftgas führte, was möglicherweise der Grund dafür ist, daß Deutschland es im Zweiten Weltkrieg nicht anwandte.[10]
4. Lungenreizgase oder Erstickungsgase (Grünkreuz), eine Klasse, die quasi den ganzen Rest an Gasen umfaßte wie Chlor oder Phosgen, wobei letzteres ein besonders gefürchtetes Gas ist, da es die Lungen des Opfers ganz langsam mit Wasser füllt, so daß man noch bis zu 48 Stunden nach dem Angriff plötzlich sterben konnte. Phosgen war wegen dieses Effekts zusätzlich als tödliches Gas klassifiziert, aber damals war nur ein Gas bekannt, das sofort tödlich war, und dies war Blausäure (HCN), auch Cyanwasserstoff genannt.
Blausäuregas ist wegen seiner Flüchtigkeit ein ungeeignetes Mittel für den Gaskrieg. Die Deutschen haben daher nie ernsthaft daran gedacht, es zu benutzt. Die Briten und Franzosen hingegen entwickelten HCN-haltige Gemische, die sie gegen die Deutschen einsetzten. Diese Gemische bestanden je etwa zur Hälfte aus HCN und verschiedenen Chlorverbindungen.[11] Die Wirksamkeit von HCN im taktischen Sinne hing von der Mischung ab. Die Einwirkung von Tränengasen oder Nasen-Rachen-Reizstoffen zum Beispiel würde den Feind in falsche Sicherheit wiegen und seine Gasmaskenkapazität erschöpfen, so daß er sie zum Auswechseln des Filters oder zum Einsetzen eines anderen Typs abnimmt. Genau zu diesem Zeitpunkt wäre eine Ladung geruchsarmen und unsichtbaren HCN-Gases ein tödlicher Hauch.[12]
Die Anwendung von HCN und anderer tödlicher Gase erzeugte im Ersten Weltkrieg einen Optimismus, der uns befremden muß. Als der deutsche Jude Fritz Haber, der den Gaskrieg erfunden hatte, im Jahre 1918 den Nobelpreis für die Ammoniaksynthese erhielt, bemerkte er:

»In allen zukünftigen Kriegen wird das Militär Giftgas nicht mehr ignorieren können. Es ist eine höhere Form des Tötens.«[13]

Major General Sir Louis Jackson brachte es 1923 fertig zu schreiben:

»Der Gaskrieg an sich ist weder notwendigerweise noch besonders grausam. Wenn er zum Beispiel den Umständen entsprechend von beiden Seiten mit Cyangas geführt wird, resultiert daraus ein Sterben, daß so gnädig ist wie es die Geschichte noch nie gesehen hat.«[14]

Teilweise aufgrund dieser positiven Einstellungen wurde HCN schließlich in den USA ab 1924 als Giftgas für Hinrichtungen verwendet.[15]

Gassichere Blende

Abb. 1: »An der Decke aufgehängt gassichere Blende für große Fenster eines Werkstattraumes. Geschlossen.«[124]

Auch nach dem Ersten Weltkrieg wurde Giftgas im Kriege eingesetzt, allerdings nicht mehr in Europa. Sowohl die Briten als auch die zaristischen Truppen setzten es während der russischen Revolutionskämpfe gegen die Bolschewisten ein. Die Briten verwendeten es in Afghanistan, die Franzosen in Marokko. Die berühmteste Anwendung nach 1918 allerdings war die der Italiener in Äthiopien im Jahre 1935, als etwa 15.000 Äthiopier dem eingesetzten Senfgas zum Opfer fielen.[16] Der wichtigste Aspekt dieses Giftgaseinsatzes war wahrscheinlich, daß die Italiener es per Luftwaffe einsetzten. Dadurch wurde der konzeptionelle Zusammenhang von Luftangriff und Gaskrieg geschaffen. Parallel zu den Giftgasanwendungen anderer europäischer Länder begann die Sowjetunion in den 20er Jahren, große Lagerbestände an Giftgas zu erzeugen, einschließlich HCN, das in einer Fabrik in Karaganda erzeugt wurde.[17]
Die deutschen Vorbereitungen zum Schutz vor einem Gaskrieg sollten natürlich neben anderen Gasen auch den Schutz vor Blausäure berücksichtigen. Eine Quelle zu Beginn des Dritten Reiches z.B. behandelt unter den Giftgasen auch Blausäure. Unter den neun darin beschriebenen Gasmaskentypen hat der Typ »B« für Reizgase wie Chlor und Phosgen eine geringe Aufnahmefähigkeit für Blausäure (0,5 g), während der Filtertyp »G« speziell für HCN gedacht ist mit einer Kapazität von 3,6 g.[18] Hieran können wir erkennen, wie eine Mischung von Blausäure mit »Grünkreuz«-Gasen die Wirksamkeit der Blausäure anheben würde.
Angesichts seines Berufes kann es nicht verwundern, daß uns Branddirektor Rumpf seine praktische Erfahrung mit Bränden zuteil werden läßt, um die möglichen Gefahren giftiger Gase zu diskutieren. So listet er z.B. in einer Tabelle der Giftgase Zyklon B wegen seiner durch Zusätze hervorgerufenen reizenden Eigenschaften separat von Blausäure auf.[19] Anderswo diskutiert er die Entwicklung giftiger Gase bei Bränden, so z.B., wie Gase in Flammen entstehen, wie sie in Bereiche niedrigerer Temperaturen wandern und dort als Nebel oder Rauch auskondensieren.[20] Er beobachtete auch folgendes:

»So wissen wir, daß z. B. bei Leder, Zelluloid und eiweißhaltigen Substanzen nitrose Gase und sogar Zyan und Blausäure, bei Gummi Schwefelverbindungen und gasförmige schweflige Säure entstehen. Alle diese Gase wirken als Atemgifte.«[21]

Zusammenfassend sei festgehalten, daß Giftgase bereits 24 Jahre angewendet wurden, als im Jahre 1939 erneut Feindseligkeiten in Mitteleuropa ausbrachen. Unter den bereits zuvor gegen Deutsche angewendeten Gasen befand sich auch HCN, und ein möglicher Kriegsgegner Deutschlands, die Sowjetunion, hatte Vorräte an HCN produziert. Die Deutschen waren bereits mit HCN angegriffen worden, sie selbst waren vorbereitet, es einzusetzen, und sie hatten gute Gründe, seinen Einsatz zu fürchten. Es sollte daher überhaupt nicht überraschen, daß sie Gasmasken besaßen und Gasdetektoren hatten, um sich gegen dieses tödliche, geruchsarme und unsichtbare Gas zu schützen.

3. Analytischer Überblick über die deutsche Literatur zum Thema Gasschutzräume aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges

Drahtgeflecht

Abb. 2: Inserat in der zeitgenössischen Luftschutzliteratur.[60]

Unser erstes Dokument heißt Luftschutz durch Bauen. Dieses Buch gibt einen Überblick über die Bauweise, den Einsatz und die Ausstattung von Luftschutzräumen. Ein Abschnitt darin enthält Zeichnungen mit allem, was man in einem deutschen Luftschutzraum erwarten würde, z.B. einen Behälter für vergiftete Kleider, gasdichte Türen, einen Waschtisch, eine Schutzraum-Apotheke, eine Notbeleuchtung, eine Bank und einen Schutzraumbelüfter. Darin enthalten ist auch eine Explosionszeichnung eines Notausstiegs: zuerst kommt der Ausgangstunnel, gefolgt von einer Zarge und einer gasdichten Gasglocke sowie schließlich einem Trümmerschutz, der wie ein Drahtgitter mit einem breiten Rahmen darum herum aussieht.[22]
Ein anderer Abschnitt beschreibt die Bauweise eines regulären Luftschutzbunkers: man tritt durch einen kleinen Vorraum ein, wo sich ein Eimer für verunreinigte Kleidung befindet und wo man seine Schuhe in einem Kasten mit Sand reinigen kann. Dann geht es weiter in die Gasschleuse, in der man sich setzen kann und in der sich ein Kaltwasserhahn zum Waschen befindet.[23] Im Schutzraum selbst befinden sich Bänke, Tische und Klappstühle. Der Autor merkt dazu an:

»Häufig werden heute Schutzräume gleichzeitig als Wasch- und Garderobenräume der Belegschaft ausgebildet. Während früher in Kellerschutzräumen vornehmlich Kleiderschränke und Waschbrunnen aufgestellt wurden [...]«[23]

wobei der Autor offenbar kleine Räume im Sinne hat. An anderer Stelle des Buches wird der Schutzraumbelüfter im Detail beschrieben. Die Außenluft wird per Rohrleitung durch einen Staubfilter in Deckenhöhe gesaugt, von wo das Rohr abwärts zu einer Absperrvorrichtung geht. Danach fließt die Luft durch zwei weitere Filter, einschließlich eines Gasfilters. Schließlich wird die Luft durch ein Pumpensystem geführt, das sowohl elektrisch als auch per Hand bedient werden kann. Die frische Luft tritt schließlich in Bodennähe aus dem Rohr aus.[24]

Grundriß Luftschutzbunker

Abb. 3: Grundrißplan eines typischen zeitgenössischen deutschen Luftschutzbunkers.[47] (Vollbild durch Anklicken (201KB))

An anderer Stelle beschreibt das Buch die Schutzvorrichtungen gegen Trümmer und Schutt:

»Als neuer Bauteil waren vor allem die Fallroste oder Schutt-Fallroste zu nennen. Der waagerechte Abschluß eines Lichtschachtes wird mit einem kräftigen, trümmersicheren Stahlgitter verschlossen. Die eine Hälfte des Rostes ist herunterklappbar ausgebildet, so daß bei Verschüttung durch Bautrümmer eine Räumung des Schutzraumes durch den Notausstieg möglich ist. Die Klappe des Fallrostes wird durch Gestänge mit Kettenzug betätigt. An der Innenseite des Kellerfensters sitzt die gasdichte Blende.«[25]

Anschließend werden Schutzraumtypen besprochen, wie man sie in Fabriken oder größeren Arbeitsplätzen erwarten würde: solch ein Schutzraumbau würde mehrere Teile umfassen, einschließlich einer Befehlsstelle, einer Rettungsstellung und einer Entgiftungsanstalt.[26] Die ganze Anlage wäre mit Gasspürern ausgerüstet,[27] und die Menschen würden durch gasdichte Stahltüren eintreten. Dieser Warteraum wäre recht groß, um die Menschen während eines Luftangriffes einigermaßen angenehm zu beherbergen:

»Vom Warteraum führen Türen einerseits in den Behandlungsraum und andererseits in den Liegeraum. Zwischen den Behandlungsräumen für Verwundete und für Gasvergiftete liegt ein Arztzimmer und ein Raum zur Operationsvorbereitung. Bei größeren Anlagen werden Behandlungsraum und Operationsraum getrennt. Ferner treten weiter Liegeräume, Schutzräume für Leichtverwundete, und Entgiftungsanstalten zu der Anlage hinzu.«[28]

Bereits jetzt können wir erkennen, daß deutsche Luftschutzkeller relativ wohldurchdachte Konstruktionen waren mit systematischer Gestaltung und einer Vielzahl von Funktionen. Die Bezüge zu gasdichten Türen, Eimern für kontaminierte Kleidung, Wach- und Umkleideräumen, von Entgiftungsanstalten schließlich zeugen von der Ernsthaftigkeit, mit der man mit Giftgasangriffen rechnete. Unser zweites Dokument trägt den Titel Schutzraumabschlüsse.[29]

Guckloch

Abb. 4: Einbauweise eines Guckloches bzw. Spions in eine deutsche Luftschutztür.[34]

Dieses Büchlein beschreibt sehr detailliert, wie ein Schutzraum gasdicht gemacht werden sollte. Tatsächlich hebt Dr. Scholle hervor, daß ein Schutzraum sowohl gassicher, trümmersicher als auch splittersicher sein muß.[30] Scholle erläutert, daß der Schutzraum von außen trümmer- und splittersicher gemacht werden müsse, während die Gassicherheit innen hergestellt werde, und zwar an jedem Fenster und Notausstieg.[31] In der Praxis bedeutet das, daß die Abschirmung oder Vergitterung von außen, eine Gasabdichtung dagegen auf der Innenseite jeder Öffnung erfolgt.
Bezüglich Fenstern und anderen Öffnungen erläutert er, wie groß diese sein müssen, wenn sie zugleich als Notausstiege dienen sollen:

»Abmessungen für Fenster und sonstige Wandöffnungen sind freigestellt. Sollen diese Öffnungen jedoch als Notausstiege verwendet werden, so müssen sie unter allen Umständen eine lichte Durchgangsöffnung von 50 × 50 cm freilassen.«[32]

Er beschreibt auch die Notwendigkeit der Ausrüstung gasdichter Schutzraumtüren mit gasdichten Gucklöchern:

»Jede gassichere Schutzraumtür muß mit einem Guckloch versehen sein. Das Guckloch muß rund ausgebildet sein, ohne Verwendung von Kitten oder anderen leicht erhärtenden Stoffen leicht gasdicht einzusetzen sein und einen freien Durchblick von 40 mm Durchm. gestatten. Die mindestens 6 mm dicke Scheibe aus Mehrschichtenglas muß durch eine gelochte Stahlscheibe nach außen gegen Beschädigung geschützt sein.«[33]

Technische Beschreibung Spion

Abb. 5: Technische Beschreibung eines Spions in einer Schutzraumtür.[34] (Vollbild durch Anklicken (21 KB))

Das Guckloch in der Schutzraumtür hatte den Zweck, daß z.B. die Feuerwehr oder das Rettungspersonal erkennen konnte, wie es den Insassen drinnen erging und ob sie irgendwelche Bedürfnisse hatten. Deshalb saß die dünne Glasscheibe flach an der Innenseite der Türe und bedurfte daher des Schutzes vor Zerstörung vom Inneren des Schutzraumes her.[34] Auch wenn eine perforierte Stahlplatte für diesen Zweck bevorzugt wurde, ist klar, daß auch andere Konstruktionen diesen Zweck erfüllen konnten.[35]
Weiterhin beschreibt Scholle die Notwendigkeit, an der gasdichten Tür eine Schwelle anzubringen. Ein Foto in diesem Buch trägt folgenden Untertitel:

»Hochgeklappte Schwelle, die in der Türöffnung stehenbleibt. Die Schwelle wird auf dem Boden festgeschraubt, wenn Gassicherheit erforderlich ist«[36]

Das Bild zeigt einen flachen Eisenriegel in einem Türdurchgang. Abschnitt (k) beschreibt mit einigen Fotos, wie man gasdichte Doppeltüren baut.

»Einwandfreie Gassicherheit von zweiflügligen Schutzraumabschlüssen wurde für lange Zeit für unmöglich gehalten und gelingt auch heute noch nicht allen Herstellern. Es kommt darauf an, die Dichtlinien von zwei Abschlußblättern gasdicht zu vereinigen.«[37]

Das Büchlein beschreibt zudem, wie man mit Holz und Dichtmaterial gasdichte Türen herstellt,[38] wie man aus Beton Dichtungen herstellt,[39] wie Luken mit zweiteiligen Rosten gesichert werden[40] und noch einiges andere mehr.
Von besonderem Interesse ist die Diskussion von Überdruckventilen. Eines davon ist ein Guckloch, das durch ein Gewicht dicht gehalten wird. Das Guckloch kann bewegt werden, so daß Luft entweichen kann und kleinere Gegenstände durchgereicht werden können.[41] Ein üblicheres Überdruckventil besteht aus einem Rohr in der Wand des Schutzraumes. Das äußere Ende des Rohres ist offen, während das innere zwar verschlossen ist, es enthält am unteren Ende aber eine gummierte, abschraubbare Kappe.[42]
Unser drittes Dokument ist die Zeitschrift Gasschutz und Luftschutz, die 1939 bereits im 9. Jahrgang erschien.
Der Artikel »Der Zivile Luftschutz auf den Frühjahrsausstellungen 1939« von Heinz-Günther Mahl beschreibt die letzten Neuerungen des Zivilschutzes auf einer Zivilschutzausstellung in Leipzig. Darin wird allen möglichen Eigenschaften von Luftschutzräumen Aufmerksamkeit geschenkt, einschließlich der Methoden zur Verdunklung. Die Verdunklung der Schutzräume wurde als sehr wichtig angesehen. Sie war das erste, was man bei einem Luftangriff in einem Schutzraum tun mußte.[43] Die gesetzlichen Bestimmungen sahen vor, das Licht soweit herunterzuregeln, bis es in 500 m Entfernung nicht mehr zu sehen war.[44] In einem anderer Artikel »über das Sehen im Hellen und Dunkeln« beschreibt Müller die Verwendung farbigen Lichts zur Verdunklung.[45]
Der Leipziger Artikel enthält zudem eine Diskussion über Modifikationen für Luftschutzbunker, einschließlich Türen und Fensterabdeckungen, die aus verschiedenen Materialien hergestellt werden können, sowie eine Abhandlung darüber, wie man Kamine und Rauchabzüge gasdicht macht:

»Schutzraumtüren und Fensterblenden wurden in zahlreichen und unterschiedlichen Ausführungen - aus Stahl, in stahlsparender Bauweise, aus Holz und aus Baustoffplatten - angeboten. [...] Unter den gassicheren Schornsteinabschlüssen fiel als Neuheit eine Konstruktion auf, die keine Stahlzarge mehr aufweist [...] der in einer Nute des Verschlußdeckels liegende Gummihohlschnurriemen wird vielmehr gegen die als Rahmen ausgebildete Betonzarge gepreßt. Diese Konstruktion spart somit Stahl und vermeidet überdies ein Undichtwerden durch Rostbildung an der Zarge. Eine andere Konstruktion einer Schornsteinreinigungstür benützt zum Abdichten eine Gummiplatte, die im Frieden ausgehängt ist und lediglich bei Aufruf des Luftschutzes mittels einiger Aufhängehaken an der Innenseite der äußeren Verschlußklappe befestigt zu werden braucht, um die Gasdichtheit der Schornsteinklappe herzustellen.«[46]

Luftschutzdeckungsgräben

Abb. 6: Leichte Erhöhungen vor den Baracken im Lager Auschwitz-Birkenau: wahrscheinlich Splitterbunker für die Häftlinge.[125]

Ebenfalls im Jahre 1939 veröffentlichte Dr.-Ing. Karl Quasebart einen Artikel über »Werkrettungsstellen«, der einen Grundrißplan eines typischen Gasschutzbunkers enthält, in dessen Legende es heißt:

»A-Abluftventil; E-Entwässerung: L-Luftansaugleitung; GT-Gasdichte Tür; N-Notausstieg: S-Absperrschieber; Ü-Überdruckventil«[47]

Der gleiche Artikel enthält Empfehlungen über die Einrichtung einer besonders für Gasangriffe ausgelegten Werkrettungsstelle als Teil eines Luftschutzkomplexes:[48]

»Die Gelbkreuzverletzten oder -verdächtigen dagegen gelangen, getrennt nach Frauen und Männern, in die Auskleideräume, Duschräume, Ankleideräume, in denen saubere Notkleidung zur Verfugen steht, und von hier wieder in den Warteraum entweder zum Abtransport oder zur Weiterleitung in den Arztraum.«

Gelbkreuz bezeichnete nach dem Wehrmachts-Klassifikationssystem für Giftgase blasenziehende Kampfstoffe.[49] Der Auskleiderraum und die Duschen waren Voraussetzung für die Dekontamination und waren als integraler Bestandteil des Luftschutzkomplexes vorgesehen.[50]

Höß Quartier

Abb. 7: KZ-Kommandatur des Lagers Auschwitz, zugleich Wohnsitz des Kommandanten. Rechts neben der Türe: Die Blende eines Luftschutzkellers?[72]

Dr. Quasebarts Artikel enthält sogar Fotos dieser Dekontaminationsanlagen. Ein Duschraum könnte Duschen enthalten, auch wenn das als solches betitelte Foto keine Duschen, sondern nur drei Wasserhähne mit Schläuchen zeigt, die um senkrecht nach oben laufende Rohre gewickelt sind.[48] Ein anderes Bild mit dem Titel »Bade- und Duschraum für Kampfstoffverletzte« zeigt eine Badewanne mit einer typischen Duschvorrichtung.[51] Offenbar waren die Konzepte für Duschräume und Dekontaminationszentren in ihrer Anwendung recht flexible.
Ein weiterer Artikel von Major a.D. Stein, »Aus der Praxis für die Praxis im Werkluftschutz«, enthält eine Diskussion, wie man den Anforderungen eines Luftschutzraumes gerecht wird. Bezüglich Schutzvorrichtungen empfiehlt er statt der Verwendung teuren Stahls die Verwendung von Baustahlgewebe, daß er wie folgt beschreibt:

»[...] ein Geflecht von Draht verschiedener Abmessungen mit verschweißten Schnittpunkten bietet einen sehr guten Ersatz, insbesondere auch für Deckenkonstruktion.«[52]

Unser viertes Dokument entstammt dem Periodikum Gasschutz und Luftschutz aus dem Jahr 1940. Im März dieses Jahres wurde der Titel dieses Blattes in Baulicher Luftschutz umgeändert.
In diesem Jahr erschien ein besonders erwähnenswerter Artikel des Titels »Behelfsmäßige Luftschutzräume, falsch und richtig« von Dr.-Ing. Ernst Baum.[53]
Der Beitrag enthält einige Bilder von gassicheren Fensterblenden, von denen die meisten aus Holz gefertigt sind. Er beschreibt z.B. auch, wie man eine Fensterblende falsch an einem Fensterrost befestigt:

»Fenster gassicher abzuschließen sollte an Hand der erlassenen Vorschriften zu den einfachsten Maßnahmen gehören. Und trotzdem konnten bezüglich gassicherer Blenden zahlreiche Fehler beobachtet werden. Falsch ist es z. B., ein Holzbrett mit einem einfachen Tuch zu bespannen und mit Hilfe eines Weihnachtsbaumstammes von unten gegen die Gitterstäbe des Fensterschachtrostes zu pressen.«[54]

Der Artikel enthält auch einen Bezug zu einer Holzblende.[54]
Ein anderer Beitrag des Titels »Bemerkungen zur Verordnung und den Bestimmungen über die behelfsmäßige Herrichtung von Luftschutzräumen« von K. Otto, Referent im Reichsluftfahrtministerium, gibt eine Reihe von Empfehlungen für den Bau von Do-it-yourself-Bunkern, inklusive der, daß der Schutzraum für andere Zwecke genutzt werden sollte, wenn er gerade nicht als Schutzraum benötigt wird:

»Luftschutzräume brauchen nach Nr. 12 der Bestimmungen gegebenenfalls nur soweit ausgeräumt zu werden, bis der notwendige Luftraum von 3 m3 je Person und sichere Begehbarkeit gewährleistet sind. In diesem Fall dürfen nur solche Dinge im Luftschutzraum belassen werden, die seine Nutzung als Luftschutzraum nicht beeinträchtigen oder gefährden. Wenn eine anderweitige Unterbringung nicht möglich sein sollte, so ist es jedoch zulässig, Möbel, Kisten, und andere Gegenstände sowie Kartoffeln, Kohlen, und andere Vorräte im Luftschutzraum zu belassen.«[55]

Diese Hinweise gelten freilich nur für provisorische Schutzräume, d.h. für solche, die normalerweise kein ausreichendes Lüftungssystem besaßen. Wie wir noch sehen werden, galten für belüftete Schutzräume andere Grenzwerte für die Belegung.

Drahtnetzgitter

Abb. 8: Inserat in der damaligen Fachliteratur: Drahtnetzgitter zur Sicherung eines Notausstieges.[ 60]

Unser fünftes Dokument ist das Periodikum Baulicher Luftschutz des Jahres 1942. Es enthält einen langen Artikel mit dem Titel »Hygienische und physiologische Grundlagen für den Bau von Luftschutz-Bunkern« von Dr. W. Liese vom Reichsgesundheitsamt.[56] Darin werden einige Anmerkungen über empfohlene Temperaturen, Luftzirkulation und andere relevante Themen in Schutzräumen gemacht.
Von besonderem Interesse ist die Diskussion der Pettenkoferschen Regel über die Anreicherung von Kohlendioxid (CO2) in einem geschlossenen Raum, die besagt, daß die Luft nicht mehr atembar ist, wenn der CO2-Pegel konstant über 1,5 liegt:

»Wir wissen heute, daß die zu Grunde liegende Parallele zwischen Kohlensäuregehalt und Anreicherung an Riech- und Ekelstoffen nur bedingt richtig ist und durch andere Einflüsse stark verschoben sein kann. Immerhin kann die Pettenkofersche Angabe als Richtlinie nach wie vor mit praktischem Nutzen gebraucht werden. Wir wollen uns vor Augen führen, daß im Schlafraum der LS-Bunker je Kopf knapp 2 m3 Luftraum zur Verfügung stehen. Wird lediglich dieser Luftraum betrachtet, so heißt das, daß nach rund 3 Stunden die Kohlensäure die hygienisch zulässige Grenze von höchstens 2 bis 3 v.H. zu erreichen beginnt und Frischluft zur Verfügung stehen muß. Unter Benutzung dieser Belastungsgrenze gibt es eine Beziehung, mit deren Hilfe ungefähr überschlagen werden kann, wann im geschossenen Raum Lufterneuerung notwendig wird. Danach ist der Rauminhalt durch die Zahl der Personen zu teilen und dieser Wert mit 1,5 zu multiplizieren. Beispiel:
Rauminhalt 60 m3, Personenzahl 60, also 1,5 × 60 : 60 =3D 1 × 1.5 =3D 1,5, d. h. nach 11/2 Stunden wäre in diesem Falle die Grenze erreicht. Wollte man für den Luftraum des LS-Bunkers von rund 2 m3 den hygienisch sehr hohen Anspruch der Petterkoferschen Regel gelten lassen, d. h. sollte der Kohlensäuregehalt der Raumluft nicht mehr als 1 v.T. betragen, so müßten je Stunden rund 30 m3 Frischluft je Person zugeführt werden oder mit anderen Worten ein annähernd 15 facher Luftwechsel gewährleistet sein.
In Nr. 6 (1) der Bestimmungen über die Belüftung, Heizung und Kühlung der LS-Bunker wird je Person eine Frischluftmenge von 18 m3 Stunde vorgeschrieben.«
[57]

Das oben Angeführte bringt sehr deutlich zum Ausdruck, daß der Luftraum in Schutzräumen, die mit einer Lüftungsanlage versehen sind, 2 Kubikmeter pro Person betragen soll, und daß jeder Person stündlich 30 Kubikmeter frische Luft zur Verfügung stehen soll, was eine Lüftungskapazität von fünfzehn Luftwechseln pro Stunde erfordert. Die Bestimmungen sehen demgemäß ein Minimum von 18 Kubikmetern frischer Luft pro Person vor. Das würde zum Beispiel bei einer Belegung von einer Person pro Kubikmeter einen achtzehnfachen stündlichen Luftwechsel voraussetzen. Man kann daher erwarten, daß Luftschutzkeller ein Lüftungssystem vergleichbarer Leistungsfähigkeit besitzen.

Querschnitt Notausstieg

Abb. 9, oben: Querschnittszeichnung eines Notausstieges eines Luftschutzkellers.[78]

Abb. 10, unten: Querschnittszeichnung der Zentralsauna in Birkenau: Der Heizkeller enthält ein Kellerfenster/Notausstieg analog der oben dargestellten Bauweise.[77]

Querschnitt Zentralsauna

Ein weiterer interessanter Aspekt dieses Beitrages bezieht sich auf Temperaturen: mit Bezug auf die Verordnung Nr. 7 für Luftschutzbunker empfiehlt er eine Lufttemperatur von 17°C und eine Bodentemperatur von 16°C.[58] Demnach wäre der Versuch, einen Luftschutzkeller mit Öfen oder Heißluft zu heizen, nichts weiter als der Versuch, dieser Vorschrift zu genügen.
Der Artikel mit dem Titel »Einfluß der Heizung und Belüftung auf die Planung von LS-Bunkern« von Dr.-Ing. Hermann Schrader, Regierungsbaurat im Reichsluftfahrtministerium, beschäftigt sich detailliert mit Luftumwälzsystemen.[59]
Diese Zeitschrift enthält in diesem Jahrgang eine Reihe interessanter Anzeigen wie etwa:

»Drahtgeflechte / Drahtwarenfabrik / Otto Christ / Mannheim Käfertal« »Gasschutztüren und Blenden / geprüft RL 3 - 37/234 / Unbedingte Betriebssicherheit! / Die einfache Bauart ermöglicht leichte, schnelle Bedienung / Albus Stahltürenwerk / Dortmund« »Armaturen für Schutzraumbelüftungsanlagen / gem. §8 Luftschutzgesetz zugelassen / Überdruckventile, Lüftungsventile, Rosettenschieber, Absperrschieber für Ansaugleitungen, Ansaughauben, Vorwärmgeräte und Ausblaseschieber für Frischlüftverteilungsleitungen«[60]

Unsere letzte Quelle stammt vom US War Department, »Handbook on German Military Forces«.[49]
Kapitel VIII, Abschnitt VI widmet sich der deutschen Chemiewaffen-Ausrüstung. Darin werden verschiedene Aspekte behandelt, wie z.B. Dekontaminationsfahrzeuge für Kleidung (Kfz 93), die Heißdampf verwendeten, Dekontaminationslaster für Personen (Kfz 92), in denen sich 150 Personen pro Stunde duschen konnten,[61] sowie eine Vielzahl anderer Gasschutzvorrichtungen für Menschen, Pferde und sogar für Hunde und Tauben.
Der Text erwähnt ausdrücklich Gasschutzbunker,[62] während der Unterabschnitt c. nicht weniger als 15 verschiedene deutsche Gasdetektoren vorstellt, einschließlich Gasspürgeräte für Anreicherungen und Gasspürlaboratorien.[63] Dieser Abschnitt erwähnt ausdrücklich, daß die Deutschen sich bewußt waren, daß Cyanidverbindungen für kriegerische Zwecke verwendet werden konnten, woraus wir schließen, daß sich unter den Detektoren auch solche befanden, die Cyanide in der Atmosphäre nachweisen konnten.
Dieser Abschnitt enthält zudem ein Foto eines Schutzraumbelüfters.[64] Das Bild zeigt die großen Deckenkanäle, die mit Bügeln an der Decke befestigt sind. Da die Decke anscheinend aus Beton ist, nehmen wir an, daß die Bügel an anderen im Beton eingelassenen Elementen befestigt sind, etwa quadratischen Holzstücken. Ebenso sei angemerkt, daß ähnliche Bügel regelmäßig auch an den Außenseiten von Luftschutzräumen zur Befestigung verstärkender Elemente wie Holz, Sandsäcke, Beton u.a. verwendet wurde.[65]

SS-Luftschutzbunker

Abb. 11: Grundrißzeichnung des Luftschutzbunkers der SS im Stammlager Auschwitz.[71]

Auf Basis dieser Dokumente können mit Bestimmtheit folgende Schlußfolgerungen gezogen werden:
1. Spätestens seit 1939 waren deutsche Luftschutzräume auch als Gasschutzkeller konstruiert.
2. Deutsche Bomben- oder Gasschutzbunker waren sequentiell aufgebaut, was eine Dekontamination und einige andere Funktionen ermöglichte. In größeren Anlagen waren diese Funktionen in getrennten Räumen untergebracht.
3. Die Dekontamination erforderte eine bestimmte Reihenfolge von Vorgängen wie Entkleidung, Duschen oder Waschen sowie medizinischer Versorgung. In größeren Anlagen waren diese Funktionen in getrennten Räumen untergebracht.
4. Obwohl gewöhnlich unterirdisch, konnten Luftschutzräume sich auch oberirdisch befinden.
5. Der Verdunklung im Falle von Luftangriffen wurde besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
6. Deutsche Bomben- oder Gasschutzräume besaßen ein ausgeklügeltes Lüftungssystem, das die Luft auf Deckenhöhe ansaugte und in Bodennähe filterte. Die Lüftungskanäle würden an der Decke befestigt sein. Zusätzlich empfahlen die Vorschriften eine Leistung von 15 bis 18 Luftwechseln pro Stunde sowie eine Lufttemperatur von 17°C im Bunker.
7. Eine Standardausrüstung deutscher Luftschutzbunker war eine gasdichte Tür. Diese ein- oder zweiflügelige Türe konnte sowohl aus Holz als auch aus Stahl sein. Die Dichtung konnte entweder aus Gummi oder aus Filz bestehen.
8. Gasdichte Türen besaßen Gucklöcher, deren Glas mittels einer gelochten Stahlplatte oder auch anderweitig vor Zerstörung geschützt wurde.
9. Ein flacher Eisenriegel wurde häufig auf die Schwelle der gasdichten Tür geschraubt, um sie gasdicht zu versiegeln.
10. Fenster wurden gewöhnlich mit Gittern, Rosten oder Drahtnetzen vor Schutt und Trümmern gesichert.
11. Notausstiege wurden genauso mit Gittern, Rosten oder Drahtnetzen vor Schutt und Trümmern geschützt.
12. Sowohl Notausstiege als auch Fenster wurden innen mit gasdichten Blenden aus Stahl oder Holz versehen.
13. Eine Anzeige für derartiges Drahtnetz erschien in einem Periodikum, woraus wir schließen, daß es ein übliches Material zur Herstellung von Gittern für Notausstiege und Fenster war. Außerdem fanden wir einen Hinwies auf die Verwendung von Drahtnetz zur Herstellung von Schutt- und Trümmerschutzvorrichtungen.
14. Auch Kamine und Rauchzüge wurden gasdicht ausgelegt.
15. Gasdetektoren gehörten in der Reichswehr zur allgemein üblichen Ausrüstung. Daß die deutsche Armee auch mit Blausäuredetektoren ausgerüstet war, ist eine sichere Annahme.
16. Die Literatur über Zivilschutz ist umfangreich, angefüllt mit einer Anzahl von Synonymen und Wortneubildungen, wie es nach der Einführung eines neuen Konzeptes erwartet werden kann, da es immer eine Weile dauert, bis sich die Terminologie standardisiert. Giftgasopfer werden zum Beispiel »Gelbkreuzverletzte«, »Gasvergiftete« und »Kampfstoffvergiftete« genannt. Wir sollten daher bei der Untersuchung von Dokumenten über Luftschutzräume ebenso erwarten, für deren Bezeichnung eine ähnliche Vielfalt angewendeter Wörter zu finden.

Schutzraumbelüftung

Abb. 12: Inserat von Luftschutzutensilien.[60]

4. Zivilschutz in deutschen Konzentrationslagern[66]

Drei Dokumente sind uns bisher bekannt, die für die Rolle des Zivilschutzes in den deutschen Konzentrationslagern von Bedeutung sind. Hierbei handelt es sich zunächst einmal um das im November 1940 gestartete Luftschutz-Führerprogramm, das festsetzte, daß alle bestehenden Komplexe mit Luftschutzräumen nachzurüsten und neue Komplexe, insbesondere wenn sie Teil der Rüstungsindustrie waren, von Anbeginn an mit Luftschutzräumen zu versehen waren.[67]
Das zweite Dokument stammt von Oswald Pohl, dem Leiter der SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamtes, vom 25.10.1943. Dieses als geheim eingestufte Dokument wurde an alle 19 KZ-Kommandanten verschickt und betraf vor allem die Verbesserung der Ernährung der Häftlinge. Als Grund führt Pohl darin an:[68]

»Im Rahmen der deutschen Rüstungsproduktion stellen die KL dank der Aufbau-Arbeit, die in den vergangenen 2 Jahren geleistet wurde, einen Faktor von kriegsentscheidender Bedeutung dar.«

Diese Feststellung ist wichtig, deutet sie doch an, daß die KZ-Häftlinge schon längst unentbehrlich für die Rüstungsindustrie geworden waren. Es erscheint daher nur folgerichtig, daß irgendwann auch die KZs in den Rahmen des Luftschutz-Führerprogrammes eingegliedert wurden, da mit Luftangriffen zu rechnen war. Tatsächlich wird in der Literatur von alliierten Luftangriffen auf KZs berichtet, die Arbeitskräfte für kriegsentscheidende Industrien bereitstellten.[69]
Schließlich macht ein von Heinrich Himmler am 8.2.1943 erlassener Befehl, in dem Maßnahmen zur Verhinderung einer Häftlings-Massenflucht bei Luftangriffen befohlen werden, deutlich, daß die KZs tatsächlich aus der Luft bedroht waren.[70] Genau ab jener Zeit erscheinen in den Auftragsbüchern der Bauleitung des KZ Auschwitz Aufträge, die heute zumeist als Indizien für die Existenz von Menschengaskammern gewertet werden, die aber auch, wie wir nachfolgend sehen werden, als Indizien für Maßnahmen zum Luftschutz für die Bewacher und Häftlinge des Lagers erklärt werden können.
Daß in Auschwitz Luftschutzräume entstanden, ist zumindest bezüglich des Stammlagers unstreitig. Die Umwandlung des dortigen alten Krematoriums in einen Luftschutzbunker für SS-Revier ist reichlich dokumentiert.[71] Ob auch noch an anderer Stelle des Lagers, insbesondere im großen Lager Birkenau, Luftschutzräume eingerichtet wurden, ist bisher nicht dokumentarisch belegt. Angesichts der obigen Dokumente und anhand von Indizien wie Bestellungen oder Fotografien von Ausrüstungsgegenständen, die typisch für Luftschutzräume sind, erscheint es aber als wahrscheinlich. In diesem Beitrag haben wir zwei Abbildungen beispielhaft wiedergegeben, die auf die Existenz weiterer Luftschutzräume in deutschen KZs schließen lassen:

gasdichte Blende Fachliteratur

Abb. 13 oben: gasdichte Blende für Luftschutzbunker aus deutscher Fachliteratur.[126]

Abb. 14 unten: gasdichte Fenster bzw. Blenden aus Auschwitz, Verwendungszweck nicht bekannt.[127]

Gasdichte Blende Birkenau

  1. Das Wohnhaus des Kommandanten von Auschwitz, Rudolf Höß, weist neben dem Eingang eine Verschlußklappe auf, wie sie zur gasdichten Verriegelung von Fenstern bzw. Notausstiegen in Luftschutzräumen typisch war, Abb. 7.[72]
  2. Eine stählerne Tür des Bad- und Desinfektionsgebäudes II im KZ Lublin-Majdanek,[73] die Pressac als Entlausungstür vorstellt,[74] ist identisch mit der in der zeitgenössischen deutschen Fachliteratur vorgestellten Luftschutztür. Makaber ist, daß exakt die gleiche Tür im US Holocaust Memorial Museum als Tür zu einer NS-Massentötungsgaskammer vorgestellt wird, ohne daß diese Behauptung belegt werden kann, Abb. 15 bis Abb. 18.[75]
  3. Sowohl auf Luftaufnahmen als auch auf Bodenfotos erscheinen vor den Häftlingsbaracken in Birkenau jeweils Erhöhungen, bei denen es sich um Splittergräben handeln kann, d.h. einfache, aus Beton errichtete Bunker, die laut Literaturangaben in verschiedenen deutschen Lagern für die Häftlinge gebaut wurden, Abb. 6.[76]
  4. Der Querschnitt durch den unterirdischen Heizraum der Zentralsauna in Birkenau weist eine Kellerfensterkonstruktion auf,[77] die typisch für einen Notausstieg eines Luftschutzkellers ist, Abb. 9 und Abb. 10.[78]

Viele weitere Indizien werden wir nachfolgend bei der Analyse von Pressacs »kriminellen Spuren« finden.

5. Die »kriminellen Spuren« J.-C. Pressacs

Bevor wir die kriminellen Indizien Pressacs untersuchen, sind einige Vorbemerkung angebracht.
Die kriminellen Spuren Pressacs stellen den Versuch dar, ausschließlich auf Basis von Dokumenten die Existenz von Menschengaskammern in den Krematorien von Birkenau zu beweisen. Er vermeidet daher absichtlich so weit wie möglich den Rückgriff auf Zeugenaussagen oder Nachkriegsberichte.
Wenn aber die Holocaust-Forscher sich diesen kriminellen Spuren nähern, sind sie meist schon recht gut dressiert. Die Anhänger der herkömmlichen Lehre vom Holocaust sind meist logozentrisch, das heißt, sie konzentrieren sich auf die Worte der Augenzeugen und die Nachkriegsberichte als Beweise für die Vernichtungsgaskammern. Jeder materielle Beweis ist lediglich ergänzend.
Die Revisionisten hingegen sind sachorientiert, was heißt, daß sie auf die Gesamtheit der physikalischen und strukturellen Beweise des Lagers Birkenau blicken und dadurch schlußfolgern, daß dort keine Vernichtung mit Giftgas stattfand. Dies ist der Grund, warum Revisionisten dazu tendieren, für mögliche kriminelle Spuren, mit denen sie konfrontiert werden, Erklärungen anzubieten, die manchmal weder wohldurchdacht noch durch andere Beweise gestützt sind.
Wenn die angebotene, nichtkriminelle Erklärung eines "kriminellen" Indizes aber richtig ist, ergibt sich meist, daß die Anhänger der konventionellen Lehre derartige Interpretationen einfach ignorieren, auch wenn sie sich gezwungen sehen zuzugeben, daß es keine kriminellen Spuren mehr gibt.
Die Revisionisten hingegen werden diese Erklärung schlicht als weitere Bestätigung dafür hinnehmen, daß es in den Leichenkellern der Birkenauer Krematorien keine Menschenvergasungen gegeben hat.

KRIMINELLE SPUR NR. 1: DER »VERGASUNGSKELLER«

Dies ist die älteste aller kriminellen Spuren, entnommen einem Brief eines SS-Hauptsturmführers nach Berlin, in dem das Wort »Vergasungskeller« benutzt wird. Zuerst während des Nürnberger IMT präsentiert, wurde es 1954 von Gerald Reitlinger als Beweis für die Existenz der Gaskammern angeführt. Seit 1976 haben die Revisionisten verschiedene andere Erklärungen dafür angeboten. Arthur R. Butz meinte, dieser Begriff habe einen Raum bezeichnet, in dem die Verbrennungsgase für die Krematoriumsöfen erzeugt wurden. Robert Faurisson führte aus, daß damit ein Entlausungsraum gemeint gewesen sei. Letztes Jahr schlug Arthur R. Butz vor, daß damit auf einen Gasschutzkeller Bezug genommen wurde.[8]
All diese Interpretationen sind insofern plausibel, als daß der Begriff Vergasungskeller eine Wortneubildung ist. Die entscheidende Frage ist, ob sich diese Wortneubildung auf eine neue Funktion bezieht - die konventionelle Betrachtungsweise - oder ob diese Wortneubildung eine bekannte Funktion bezeichnet, so die revisionistische Position. Keine der Annahmen kann zur Zeit letztendlich bewiesen werden, aber wie wir noch sehen werden, enthalten einige der von Pressac zitierten Dokumente unkonventionelle Wortbildungen.
Folgendes muß hervorgehoben werden: Der Begriff Vergasungs[keller] taucht in keinem anderen bisher bekannten Dokument und in keiner anderen Publikation der damaligen Ära auf. Die primäre Bedeutung des Wortes »vergasen« ist zudem »in den gasförmigen Zustand versetzen«. 1943 gab es formell gesehen nur eine sekundäre Bedeutung dieses Wortes, die sich auf den Angriff mit Gas bezieht, und zwar in militärischem Zusammenhang. In der deutschen Fachliteratur über Schädlingsbekämpfung trifft man allerdings seit jeher auf den Begriff "Vergasung" im Sinne einer Unter-Gas-Setzung eines Gebäudes oder Gegenstandes zur Schädlingsbekämpfung. Der korrekte Begriff hierfür lautet allerdings eigentlich "Begasung" und nicht "Vergasung". Das Präfix "be-" zeigt eine zuordnende Handlung an, also hier das Zuordnen des Gases zu einem Gegenstand oder Raum, während das Präfix "ver-" sehr häufig eine entscheidende Änderung in Zustand, Eigenschaft oder Lage anzeigt, wie etwa das Umwandeln in ein Gas oder das Schädigen durch Giftgas. Somit können Räume nicht "vergast", sondern nur "begast" werden. Schädlinge hingegen sollen durch ihre "Begasung" (Unter-Gas-Setzung) "vergast" (getötet) werden. Dies tut allerdings der Tatsache keinen Abbruch, daß das Wort "Vergasung" synonym im Sinne von "Begasung" verwendet wurde und wird.
Vergasung endet mit dem Suffix -ung, das im Deutschen häufig ein fortdauerndes Geschehen beschreibt: Wohnung, wo man wohnt, Kleidung, die kleidet, und Be- bzw. (eigentlich falsch, aber gebräuchlich) Vergasung, unter Gas setzen.[79]
Andererseits wird das Suffix -ung auch häufig einfach zur Substantivierung von Verben benutzt: Entscheidung (etwas Entschiedenes), Erfindung (etwas Erfundenes), so daß Vergasung auch einfach auf etwas vergastes, gasförmig gemachtes Bezug nehmen kann. Diese letzte Klasse von Hauptwörtern erinnert uns daran, daß viele deutsche Wörter mit dem Suffix -ung nicht etwa ein andauerndes oder gar zukünftiges Geschehen beschreiben, sondern einen abgeschlossenen Vorgang. Tönung z.B. ist das Ergebnis des Tönens, Verletzung ist das Ergebnis des sich Verletzen. Diese Beispiele sind wichtig, wenn wir uns Wörtern zuwenden, die Gasopfer beschreiben.
Das Wort Gaserkrankung beschreibt nicht das Krankwerden durch Gas, sondern den Zustand nach dem Einwirken von Gas. Der Begriff Vergiftung dagegen ist ambivalent. Er beschreibt sowohl den Vorgang des Vergiftet-Werdens als auch den Zustand nach dem Vergiftet-Werden. Derartige Begriffe sind in der deutschen Literatur üblich.
Insofern könnte der Begriff Vergasung also auch den Zustand eines Menschen nach Einwirkung von Gas beschreiben, anstatt den Vorgang des Gasförmigmachens oder der Begasung.

Gasdichte Türen

Abb. 15 (links): gasdichte Tür des Bad- und Desinfektionstraktes im KL Lublin-Majdanek.[73]

Abb. 16 (rechts): gasdichte Luftschutzraumtüre der Fa. Repal, Inserat in dt. Fachliteratur.[60]

In unserem Fall würde Vergasungskeller einen Keller beschreiben, der zur Aufnahme von Gasverletzen gedacht ist.
Kurz gesagt können etymologische Argumente darüber entscheiden, ob der Begriff Vergasungskeller einen Ort bezeichnet, wo Menschen (oder Schädlinge) vergast werden, wo Menschen vor einem Giftgasangriff Schutz suchen oder wo Menschen nach einem Gasangriff behandelt werden, wobei die beiden letzten Begriffsinhalte eng miteinander verbunden sind; allerdings steht keiner der Begriffsinhalte isoliert vom Kontext anderer Argumente da.
Es dürfte zumindest klar sein, daß der entsprechende Begriff in dem betrachteten Dokument nicht an sich eine kriminelle Spur darstellt, da auch völlig harmlose Interpretationen möglich sind. Ein kriminelles Gewicht erhielte der Begriff erst durch andere, belastende materielle Beweise. Wir werden am Ende unserer Betrachtung der kriminellen Spuren zu diesem Begriff noch einmal zurückkehren.

KRIMINELLE SPUR NR. 2: »10 GASPRÜFER«

Wie zuvor bereits angemerkt, waren Gasspürer, manchmal auch Gasprüfer genannt, üblicher Ausrüstungsbestandteil der deutschen Gaskriegsführung und ebenso in den Luftschutzbunkern.[80] Da eine harmlose Interpretation möglich ist, ist auch dies keine kriminelle Spur.
Aber es gibt weitere Dokumente zu dieser Spur. 1993 publizierte Pressac ein weiteres Buch, das im wesentlichen eine Zusammenfassung seines ersten Buches darstellt. Darin zitiert er einen Brief von Kurt Prüfer an die Bauleitung von Auschwitz, worin dieser anführt, er habe ohne Erfolg versucht, 10 Anzeigegeräte für Blausäure-Reste zu beziehen,[81] über deren Bezug bzw. deren Lieferung es bisher tatsächlich keinen Beweis gibt. Somit standen sie auf jeden Fall nicht für den Zweck zur Verfügung, für die sie Pressac vorgesehen glaubt.[82] Wir könnten also seine kriminelle Spur schon jetzt als unfundiert zurückweisen: die Deutschen wurden im Ersten Weltkrieg mit HCN angegriffen und erwarteten dies auch jetzt, weshalb sie sich darauf vorbereiteten. Die Anwesenheit von HCN-Detektoren hat somit keine kriminelle Bedeutung.
Aber es gibt da noch ein Problem: Warum sollte man eine Ofenbaufirma bitten, Gasdetektoren zu kaufen? Oder anders ausgedrückt: Wir wissen, daß die Hersteller von Zyklon B, die allein schon wegen der massenhaften Entlausungen mit Zyklon B im Lager Auschwitz ein- und ausgingen, auch HCN-Detektoren anboten und wir sind uns sicher, daß sowohl die Wehrmacht als auch die SS ihre eigenen Detektoren hatten. Warum sollte man also einen Krematoriumsofenbauer nach Gasdetektoren fragen, und warum gerade zehn Stück? Die einfachste Antwort ist, daß diese 10 Gasprüfer für die 10 in den Krematorien II und III installierten Dreimuffelöfen gedacht waren, wozu sie bestimmte (hitzebeständige) Eigenschaften haben mußten, um sie in Öfen einzusetzen.[83] Es erscheint sinnreich anzunehmen, diese Gasprüfer seien für die Krematorien II und III gedacht gewesen, da Pressac erstens angibt, diese beiden Krematorien seien immer zusammen als Paar behandelt worden (genauso wie die Krematorien IV und V),[84] und weil die Krematorien IV und V statt zusammen 10 Dreimuffelöfen nur zusammen vier Doppelmuffelöfen besaßen.
Sodann müssen wir uns fragen, welche Funktion diese Gasprüfer gehabt haben. Pressac meint, diese Prüfer bewiesen Menschenvergasungen in den Krematorien mit Zyklon B. Aber in einem solchen Falle wäre es nicht nötig gewesen, das eine Etage über den angeblichen Gaskammern arbeitende Ofenpersonal vor gefährlichen HCN-Konzentrationen in der Nähe der Öfen(!) zu warnen. Mit anderen Worten: Der Bedarf von Detektoren in Ofennähe legt nahe, daß HCN-Gas durch andere Vorgänge erzeugt wurde als durch die Freisetzung reiner HCN im Kellergeschoß der Krematorien.

Panzerlit gasdichte Türen

Abb. 17: Panzerlit-Luftschutzraumtüre, links aus dem US-Holocaust Memorial Museum in Washington, dort fälschlich als Menschengaskammertüre ausgegeben.[75]

Abb. 18, rechts: Werbung für die gleiche Türe in der damaligen Fachliteratur.[60]

Im März 1997 führte Dr. Arthur R. Butz aus, daß der hinter den Kremierungsöfen befindliche Müllverbrennungsofen in den Rauchabzügen der Krematorien II und III große Mengen an HCN habe erzeugen können, falls darin bestimmte Gewebesorten verbrennt worden wären. Für diese Annahme gibt es gute Gründe, zumal bekannt ist, daß die deutschen Uniformen zu Beginn des Krieges aus einem Mischgewebe aus Wolle und Kunstseide hergestellt wurden und daß der Anteil der Kunstseide im Laufe des Krieges ständig erhöht wurde.[85] Es ist weder abwegig anzunehmen, daß auch die meisten der in den Konzentrationslagern verwendeten Stoffe eine ähnliche Zusammensetzung hatten, noch daß hochentzündliche Kunstseidegewebe, die mit bestimmten Flamminhibitoren behandelt waren, bei ihrer Verbrennung merkliche Mengen an HCN freisetzten.
Zudem hat unser Literaturüberblick ergeben, daß es eine ganze Reihe anderer Stoffe gibt, die bei ihrer Verbrennung giftige Mengen HCN abgeben, einschließlich Leder, Zellulose und proteinreiche Stoffe. All dies wäre in einem Müllverbrennungsofen verbrannt worden.[86]
Als Gegenargument könnte man anführen, diese Detektoren hätten speziell für Menschenvergasungen entwickelte Eigenschaften besessen. Aber abgesehen davon, daß dies rein spekulativ ist und daß dieses Argument nicht erklärt, was diese besonderen Eigenschaften gewesen sein sollen, bleibt auch offen, wieso ein Ofenbauer sie besorgt haben soll und warum so viele davon bestellt wurden und wie sie denn angewendet werden sollten an einem Ort, der nur eine Türe besaß. Auch ist nicht klar, warum die 10 Gasdetektoren so wichtig für Menschenvergasungen gewesen sein sollen, wenn letztlich doch nichts anderes als die ganz normalen, überall bei Zyklon B-Begasungen verwendeten DEGESCH Gasrestnachweisgeräte verwendet worden sind (schließlich ist unbewiesen, daß die 10 Anzeigegeräte für Blausäure-Reste dann doch noch geliefert wurden).
Da die Detektoren an sich kein kriminelles Indiz sind, liegt das Problem in der Frage, warum sie bei der Ofenbaufirma Topf bestellt wurden. Angesichts dieser Tatsache akzeptiere ich die von Dr. Butz aufgestellte These, auf die der Leser verwiesen sei,[87] solange keine anderen überzeugenden Erklärungen angeboten werden.

KRIMINELLE SPUR NR. 3: »1 STCK HANDGRIFF FÜR GASTÜR«

Gasdichte Türen waren eine übliche Ausrüstung von Luftschutzbunkern.[88] Es sei angemerkt, daß diese Notiz eine Abkürzung enthält: Stck für Stück; uns werden noch andere Beispiele von möglichen Abkürzungen begegnen. Da eine harmlose Interpretation möglich ist, handelt es sich nicht um ein kriminelles Indiz.

KRIMINELLE SPUREN NR. 4F., 10 & 12: »AUSKLEIDERRAUM«, »AUSKLEIDEKELLER«, »AUSKLEIDEKELLER II«

Hierbei handelt es sich nur dann um eine kriminelle Spur, wenn sie durch andere kriminelle Spuren gestützt wird. Auskleideräume waren ein üblicher Bestandteil von Luftschutzbunkern als Teil des Dekontaminationsprozesses.[89] Da eine harmlose Interpretation möglich ist, handelt es sich nicht um kriminelle Indizien.

KRIMINELLE SPUR NR. 6: GASTÜR 100/192

Gasdichte Türen waren üblicher Bestandteil von Luftschutzbunkern.[88] Da eine harmlose Interpretation möglich ist, handelt es sich nicht um ein kriminelles Indiz. Auf der Bestellung steht außerdem: »Gastür, mit Guckloch aus doppeltem 8 mm Glas mit Gummidichtung und Beschlag«, was Pressac als Guckloch mit Gummidichtungsstreifen für die Türe (welche laut Pressac durch eine Filzdichtung ersetzt worden sein soll[90]) und einen Rahmen interpretiert. Tatsächlich aber passen diese Bezeichnungen genau zu einer Luftschutzraumtüre[33] mit mehrlagigem Glas von mindestens 6 mm Dicke, Gasdichtigkeit und einem Beschlag. Daher kann man dieses Dokument als einen deutlichen Hinweis auf eine Luftschutzraumtüre ansehen.

KRIMINELLE SPUREN NR. 7, 11, 14F., 22FF., 27, 29: VERSCHIEDENE BEZÜGE ZU GASDICHTEN TÜREN[91],[92]

Gasdichte Türen waren üblicher Bestandteil von Luftschutzbunkern.[88] Da eine harmlose Interpretation möglich ist, handelt es sich nicht um kriminelle Indizien.

KRIMINELLE SPUREN NR. 8 & 9: »4 DRAHTNETZEINSCHIEBVORRICHTUNGEN« & »4 HOLZBLENDEN«

Da beide Elemente auf der Inventarliste in gleicher Anzahl aufgeführt sind und beide handschriftlich eingetragen wurden, wird von allen Seiten angenommen, daß ihre Funktion miteinander gekoppelt war.
Blenden wurden entweder aus Holz oder aus Metall angefertigt. Sie waren in Luftschutzräumen sehr gebräuchlich, um eine Öffnung, wie etwa ein Fenster, gasdicht zu verschließen.[93] Da eine harmlose Interpretation möglich ist, handelt es sich nicht um ein kriminelles Indiz.
Pressac hat zudem noch einige Fotografien dieser Blenden publiziert,[94] die er als gasdichte Fenster (oder Türen) von Krematorium IV und V bezeichnet. Diese Blenden sind allgemein von gleicher Größe, Form und Bauart wie die hölzernen Blenden, die man häufig in der oben angeführten Literatur finden kann und sie eignen sich der Größe nach auch als Notausgänge. Somit beschreiben gasdichte Fenster (oder Türen), Blenden und Holzblenden alle die gleiche Sache. Dies festzuhalten ist nicht nur deshalb wichtig, weil es den Hang der Birkenauer Ingenieure und Arbeiter zur Verwendung unkonventioneller Namen belegt, sondern auch, weil es uns hilft, den Begriff Drahtnetzeinschiebvorrichtung richtig einzuordnen.
Drahtnetzeinschiebvorrichtung ist eine Wortneuschöpfung, weshalb wir keine abschließende Erklärung anbieten können. Pressac spekuliert, es könne sich dabei um Drahtnetze gehandelt haben, mittels derer das Zyklon B in die Hinrichtungsgaskammern eingelassen wurde, aber kein materieller Beweis stützt dies. Wir führen zur Stützung unserer Schlußfolgerung folgende Beobachtungen an:
1) Mindestens in zwei Anzeigen werden in der Luftschutzliteratur Drahtnetzgitter dargestellt, in einer davon befindet sich dieses Gitter hinter einer offenen Blende.[60]
2) Dort findet man ebenso ein Inserat für Drahtnetz.[60]
3) Nach der Luftschutzliteratur benötigten alle Fenster und andersartige Öffnungen eine Art von Rost, Gitterstäbe, oder Drahtgeflecht.[95]
4) Die Auschwitzer Auftragsnummer-Nr. 353 vom 27. April 1943[96] enthält folgende Bestellung: »12 Stücke Fenstergitter 50 x 70 cm«, was allgemein als Drahtnetzgitter für jene 12 gasdichten Fenster (oder Türen) angesehen wird, die wir oben als identisch mit den Blenden und Holzblenden festgehalten hatten.
5) Wir können daher annehmen, daß die Drahtnetzeinschiebvorrichtung in direkter Beziehung zu den Holzblenden stehen, ähnlich wie die Fenstergitter mit den gasdichten Fenstern (oder Türen) der Krematorien IV und V verbunden sind.
6) Die Luftschutzliteratur erläutert außerdem, daß jene Öffnungen als Notausstiege verfügbar sein sollen. Wir stellen daher die These auf, daß jene Einsätze abnehmbar gewesen sein müssen.[97]
7) Die Luftschutzliteratur erwähnt einige Male bestimmte »Schieber« (Absperrschieber, Rosettenschieber, Ausblaseschieber). Als »Schieber« wird dabei immer etwas bezeichnet, daß in etwas hineingeschoben wird, niemals aber als etwas, daß irgendwo hineingeschoben wird, um dann selbst wiederum etwas aufzunehmen.[60] Wir schließen deshalb, daß die Bezeichnung der Drahtnetzeinschiebvorrichtung als eine "Drahtnetzeinführvorrichtung" (»wire mesh introduction device«), wie es Pressac interpretiert hat, semantisch falsch ist.
8) Schließlich enthält die Auschwitzer Auftrags-Nr. 78 vom 11.3.1943[98] eine polnische Bestellung des Inhalts: »na wykonanie zas i kantówek dla krematorium II /B.W. 30/, z tre którego wynika, ze dla wykonania tego zamówienia zuzyto gaze druciana i druciana plecionke.«, in schlechtem Polnisch, was übersetzt sinngemäß heißen könnte: "für die Herstellung der Gitter und Rahmen für das Krematorium II /B.W. 30/, aus deren Inhalten sich ergibt [z tre którego wynika], daß für die Ausführung der Bestellung Drahtgewebe und Drahtnetz verwendet wird."
Diese Bestellung liegt nur als polnische Abschrift vor, da das Original nicht mehr erhältlich ist. Pressac zufolge (ATO 438) hat irgend jemand das Dokument, das er Zuhause untersuchen wollte, aus dem Archiv des Auschwitz-Museums ausgeliehen und nicht mehr zurückgebracht. Daher mußte Pressac auf jenen Auszug in polnischer Sprache Bezug nehmen, der während des Höß-Prozesses angefertigt und von Jan Sehn beglaubigt wurde. Immerhin aber scheint diese Bestellung die Natur jener Drahtnetzeinschiebvorrichtung zu beschreiben. Der Hinweis auf Drahtgitter weist jedenfalls nicht auf Einlaßvorrichtungen hin, vielmehr wird man dabei an jene vorhin erläuterten Drahtgitter für Notausstiege erinnert.[22] Falls unsere Übersetzung des zugegebenermaßen vagen Polnischen falsch sein sollte, so wäre es hilfreich, wenn das Dokument dorthin ins Museum zurückkehrt, wo es hingehört.
Unser Hypothese ist daher, daß jene Drahtnetzeinschiebvorrichtung einfach entfernbare Drahtnetzgitter waren, die in jene Öffnungen eingeführt wurden, für deren Abdeckung die Holzblenden entworfen worden waren. Gestützt wird diese Annahme durch die oben angeführte Literatur. Da eine harmlose Interpretation möglich ist, handelt es sich also nicht um ein kriminelles Indiz.
Abschließend soll darauf hingewiesen werden, daß Pressac selbst bemerkt hat, daß das Dach des Leichenkellers 1 von Krematorium II (für das jene 4 Blenden seiner Meinung nach angefertigt worden sein sollen), das zwar zusammengebrochen, aber im wesentlichen noch intakt ist, heute lediglich zwei Löcher aufweist (ATO, 436). Daß diese Löcher zudem erst nach Kriegsende hergestellt wurden, hat G. Rudolf nachgewiesen[99]. Aber selbst falls sie schon vorher vorhanden gewesen sein sollten, können die jeweils vier Drahtnetzeinschiebvorrichtung und Holzblenden nicht ausschließlich für diese zwei Löcher im Dach des Leichenkellers 1 von Krematorium II benutzt worden sein, wie Pressac glaubt. Diese Tatsache untergräbt daher Pressacs Interpretation dieser Dokumente.

KRIMINELLE SPUREN NR. 13 & 26: »FLACHEISEN FÜR [...] GASTÜRBESCHLÄGE«

Flacheisen und andere Materialien wurden regelmäßig verwendet, um die Gasdichtigkeit von Türen und Verschläge zu verbessern. Bei gasdichten Türen wurden derartige Flacheisen entlang der Seite oder am unteren Ende angebracht.[36] Da eine harmlose Interpretation möglich ist, handelt es sich nicht um kriminelle Indizien.

KRIMINELLE SPUR NR. 16: »14 BRAUSEN«

Es gibt keinen dokumentarischen Grund, der die Bezeichnung der Brausen als »falsch« zulassen würde, wie es Pressac tut. Hierbei handelt es sich nur dann um eine kriminelle Spur, wenn sie durch andere kriminelle Spuren gestützt wird. Duschen waren als Teil des Dekontaminationsprozesses ein üblicher Bestandteil von Luftschutzbunkern.[89] Da eine harmlose Interpretation möglich ist, handelt es sich nicht um ein kriminelles Indiz.
Hier sei noch angemerkt, daß die 14 Brausen im Inventarverzeichnis des Leichenkellers von Krematorium III auftauchen, nicht etwa von Krematorium II. (Für das Krematorium II wird die unbewiesene Behauptung aufgestellt, dort habe es 24 Duschköpfe gegeben.) Entsprechend dem Inventarverzeichnis des Krematorium II war der dortige Leichenkeller 1 mit entweder drei oder fünf Wasserhähnen ausgerüstet, was ebenfalls mit der Ausrüstung eines Dekontaminationsduschraumes übereinstimmen würde.[48]

KRIMINELLE SPUREN NR. 17, 17A&B: »12 STÜCK GASDICHTEN TÜR CA. 30/40 CM«, »12 STÜCK GASDICHTE TÜR«

Diese Dokumente, die im Zusammenhang gesehen werden, beziehen sich auf gasdichte Fenster/Luken in den Krematorien IV und V. Auch gasdichte Fenster waren in deutschen Luftschutzräumen üblich.[93] Der Leser wird die unkonventionelle Verwendung des Begriffes Tür (30 cm × 40 cm!) bemerken: Dies stützt die These, daß die in diese Projekte eingebundenen Personen ungewöhnliche Begriffe zur Beschreibung bekannter Objekte benutzten. Zudem wurde bereits angemerkt, daß diese Objekte offenbar identisch sind mit den bereits diskutierten Blenden. Da eine harmlose Interpretation möglich ist, handelt es sich nicht um kriminelle Indizien.

KRIMINELLE SPUREN NR. 18 & 20: »GASSDICHTENFENSTER VERSETZEN«; SOWIE NR. 19 & 21: »BETONIEREN IM GASSKAMMER«

Pressac nimmt an, daß es in beiden Fällen der gleiche Schreibfehler ist. Ich dagegen neige dazu anzunehmen, daß es sich um eine Abkürzung für Gass[chutzraum]dichtenfenster bzw. Gass[chutz]kammer handelt. Jedenfalls waren gasdichte Fenster in deutschen Luftschutzräumen üblich.[93] Zudem wurde bereits angemerkt, daß die Fenster identisch sind mit den Blenden. Da eine harmlose Interpretation möglich ist, handelt es sich nicht um kriminelle Indizien.
Hierzu noch einige Ausführungen. Die kriminellen Spuren Nr. 18 + 19 erscheinen auf Arbeitszeit-Bescheinigungen, die vom Vorarbeiter der beim Bau der Krematorien eingesetzten zivilen Baufirma geschrieben wurde. Sie enthalten zwei ähnliche Schreibweisen, die Pressac als Fehler interpretiert: gassdichtenfenster, and Gasskammer.
Die kriminelle Spuren 20 + 21 wiederholen diese "Schreibfehler" in einem Berichtheft. Ich halte dies deshalb für merkwürdig, da dort noch mehrere "Fehler" begangen werden.
Es ist unwahrscheinlich, daß das einfache Wort Gas wiederholt falsch geschrieben und abgeschrieben würde. Wir müßten daher zur Stützung von Pressacs These annehmen, daß beide involvierten Personen nicht richtig deutsch schreiben konnten und zudem beide den gleichen Fehler machten.
Tatsächlich aber waren sie des Deutschen mächtig, da unmittelbar nach der beanstandeten Rechtschreibung sowohl der Vorarbeiter als auch der Abschreiber des Wort Fußboden richtig schrieben. Deshalb können gassdichten- und Gasskammer keine Fehler sein, sondern es handelt sich um vorsätzliche Schreibweisen, also um Abkürzungen. Ich habe den Begriff Gasschutz- als mit Gass- abgekürzt angenommen, da er in der Luftschutzliteratur am häufigsten auftaucht, aber es könnte genauso gut gassicher bedeuten.
Es hilft auch nicht anzunehmen, daß etwa ein Pole diesen Fehler gemacht hätte. Das slawische Wort für Gas ist in allen Sprachen gaz, wobei das z ein weicher Konsonant ist, ungleich dem deutschen ss. Deshalb hätte kein Slawe Gas als Gass geschrieben. Ein weiteres Gegenargument gegen unsere These könnte sein, daß Gass- deshalb keine Abkürzung sein kann, weil keiner weiß, was sie bedeuten soll. Dies ist aber aus zwei Gründen wenig stichhaltig: Erstens gibt es viele deutsche Abkürzungen mit mehrfacher Bedeutung, z.B. Geschw. für Geschwister, Geschwindigkeit, Geschwader. Und dies führt uns zum zweiten Grund: Eine Abkürzung erklärt sich immer aus ihrem Zusammenhang, welcher in unserem Fall offenbar der von Luftschutzräumen ist.

KRIMINELLE SPUR NR. 25: »DREI GASDICHTE TÜRME«

Pressac vermutet, daß Türme in diesem Zusammenhang keinen Sinn hat und daß es in allen Fällen Türen hätte lauten sollen. Es gibt für diese Annahme keinen materiellen Beweise, doch selbst wenn Pressac recht hat, beziehen wir uns auf gasdichte Türen. Gasdichte Türen waren üblicher Bestandteil von Luftschutzbunkern.[88] Da eine harmlose Interpretation möglich ist, handelt es sich nicht um ein kriminelles Indiz.
Aber ich gehe davon aus, daß es sich bei den gasdichten Türmen um Verschlüsse für Kamine und Rauchabzüge handelt, die gemäß der deutschen Luftschutzliteratur auch gasdicht gemacht werden mußten.[46] Tatsächlich finden wir in der Luftschutzliteratur Luftschutztürme,[100] von denen wir annehmen, daß es sich dabei um Belüftungskamine handelt. Eine Betrachtung der Zeichnungen und Photos der Krematorien IV und V zeigt einerseits die großen Krematoriumskamine, die das Dach überragen. Andererseits besitzen diese Gebäude am anderen Ende mehrere kleine Belüftungskamine. Unsere Schlußfolgerung ist also, daß mit Türmen auf gasdichte Verschlüsse für Kamine und Abzüge bezug genommen wurde. Pressacs Vorstellung, Türme sei ein Schreibfehler, erscheint allein schon deshalb abwegig, weil dieser "Fehler" im besagten Dokument gleich viermal vorkommt.
Es sei hier angemerkt, daß Jan Sehn die Änderung von Türme zu Türen in den Dokumentenabschriften willkürlich durchführte. Diese manipulierten Abschriften beglaubigte er dann als "echt". Die Beglaubigung veränderter Dokumente kann man sicherlich als Fälschung bezeichnen. Jedenfalls ist eine harmlose Interpretation des Dokuments möglich, weshalb es sich nicht um eine kriminelle Spur handelt.

KRIMINELLE SPUR NR. 28: »24 ANKERSCHRAUBEN FÜR GASDUCHTE TÜREN«

Gasdichte Türen waren üblicher Bestandteil von Luftschutzbunkern.[88] Es sei angemerkt, daß gasdichte in der vorliegenden Abschrift fehlerhaft als gasduchte geschrieben wurde. Der Fehler findet sich im deutschen Original nicht. Da eine harmlose Interpretation möglich ist, handelt es sich nicht um ein kriminelles Indiz.

KRIMINELLE SPUR NR. 30F.: BEZUG ZUR VORWÄRMUNG DES LEICHENKELLERS MITTELS HEISSLUFT

Dies ist nur dann eine kriminelle Spur, wenn andere Dokumente seinen kriminellen Charakter stützen. Andererseits wird in der Luftschutzliteratur erwähnt, daß Luftschutzräume geheizt werden sollen, um die Luftfeuchtigkeit niedrig zu halten.[101] Da eine harmlose Interpretation möglich ist, handelt es sich nicht um kriminelle Indizien. Außerdem wurde letztlich von jeder Vorwärmung des Leichenkellers Abstand genommen, so daß diese Indizien ohnehin hinfällig sind.[102]

KRIMINELLE SPUR NR. 32: »BESCHLÄGE FÜR GASDICHTE TÜR«

Gasdichte Türen waren üblicher Bestandteil von Luftschutzbunkern.[88] Da eine harmlose Interpretation möglich ist, handelt es sich nicht um ein kriminelles Indiz.
Da diese Bestellung das Datum 17.6.1943 trägt, ist Pressac gezwungen anzunehmen, diese neuen Beschläge seien als Ersatz für alte, beschädigte Beschläge bestimmt, ohne dafür einen materiellen Beleg zu haben.

KRIMINELLE SPUR NR. 33: »1 SCHLÜSSEL FÜR GASKAMMER«

Pressac selbst geht nicht davon aus, daß es sich um eine kriminelle Spur handelt, aber er führt das Dokument in seiner Liste auf, womöglich weil es das Wort "Gas" enthält.
Die von Polen gefertigte Abschrift des Dokuments lautet:
»1 Schlüssel. für Gaskammer /Melden bei H.stuf der Apotheke im 44-Revier/. Bestellschein der Verwaltung BBD Nr. 87 Block vom 9.7.43.«
Pressac räumt ein, daß dieses Dokument beim momentanen Kenntnisstand unverständlich ist. Er interpretiert es als Schlüssel eines Raumes, in dem Zyklon B aufbewahrt wurde, zumal die Gaskammern keine Schlösser gehabt haben sollen (wofür er keinen Beweis hat). (ATO, S. 456)
Da nicht auszuschließen ist, daß bei der Abschrift Fehler gemacht wurden, sollte jede Interpretation dieser "Spur" ruhen, bis das deutsche Original dieser Bestellung vorliegt.
Das interessanteste an diesem Dokument, aus dem die Spuren Nr. 32 und 33 stammen, ist ein Eintrag, den Pressac nicht erwähnt. Am 11.8.1943 erscheint dort mit der Nr. 708 eine Bestellung von 30 Stück Befestigungskonstruktionen für Rotlichtlampen für die Krematorien IV und V. Wie wir gesehen haben, war die Verdunklung von Luftschutzräumen sehr wichtig, wobei naturgemäß Rotlichtlampen diese Funktion in derartigen Anlagen übernahmen.[103] Der Zweck von Rotlichtlampen in Vernichtungsanlagen ist hingegen völlig unklar.

KRIMINELLE SPUR NR. 34: »DIE BESCHLÄGE ZU 1 TÜR MIT RAHMEN, LUFTDICHT MIT SPION FÜR GASKAMMER«

Wieder hält Pressac dies nicht für eine kriminelle Spur, da in dieser Dokumentenabschrift die Gaskammer eindeutig als Entwesungskammer [sic!], also als Entlausungskammer identifiziert wird. Dennoch paßt diese Bestellung auf die Beschreibung einer normalen Luftschutztüre mit Guckloch bzw. Spion.[33] Da eine harmlose Interpretation möglich ist, handelt es sich nicht um ein kriminelles Indiz.

6. Die kriminelle Spur Nr. 1: Der »Vergasungskeller«

Nachdem wir festgestellt haben, daß alle anderen kriminellen Spuren eine einfache, nicht-kriminelle Interpretation erlauben, wenden wir uns jetzt wieder der »Vergasungskeller«-Spur zu.
Dr. Arthur R. Butz war der erste, der in gedruckter Form ausführte, daß diese Spur, mit der allgemein akzeptiert der Leichenkeller 1 von Krematorium II gemeint ist, auf einen Luftschutzkeller Bezug nimmt.[8]
Die Argument von Dr. Butz sehen wie folgt aus:

GROSSE BETONKELLER WÄREN IDEAL FÜR DIESEN ZWECK

Dies ist eines von einer ganzen Anzahl von Argumenten, die die Verwendung eines Leichenkellers als Luftschutzraum bekräftigen. Die unterirdische Lage, das Stahlbetondach und die vorgesehene Erdbedeckung bieten die Nutzung als Luftschutzraum an.[104]

»VERGASUNGSKELLER« KANN "GASKELLER" BEDEUTEN

"Gaskeller" bedeutete nach Butz' Recherchen damals "Gasschutzkeller". Dies ist ein wichtiges etymologisches Argument, da wir schon gesehen haben, wie "kreativ" die Ingenieure und Arbeiter bei der Benutzung von Begriffen waren.
Wie bereits gezeigt, strotzt die Luftschutzliteratur förmlich von eindrucksvollen Wörtern, Synonymen und Wortneubildungen. Einige Substantive, die niemals zuvor benutzt wurden, wurden hier geprägt, wobei »Gasschutz-« oder »Luftschutz-« als Präfixe benutzt wurden. Im Stichwortverzeichnis eines Jahrgangs finden wir mindestens 20 Wörter, die mit Gas- oder Gasschutz- beginnen oder enden, einschließlich Gasschutzbettchen und Kleinkindergasschutz. Luftschutz- ist sogar noch ergiebiger: Nicht weniger als 50 Begriffe sind aufgeführt, einschließlich solch interessanter Begriffe wie Luftschutzhausapotheke und Luftschutztürme.[105] Ähnlich fruchtbar sind die Wörter -schutz-(Gasschutzraum, -keller, Gaskeller (wie Dr. Butz anmerkte), Luftschutzraum, -haus, -keller, Schutzraum, auch Selbstschutz; LS-Bunker nur selten), sowie solche mit Bezug auf Giftgasopfer (Gaserkrankung, Vergiftungen, Kampfstoffvergiftung, Kampfstoffverletzte, Gaskranke, Gelbkreuzverletzte u.a.m.) und mit Bezug auf Dekontamination (Entgiftungsanstalt, Bade- und Duschraum für Kampfstoffverletzte, Gasentgiftung, Rettungsstelle). Begriffe wie Vergasungskeller für Krematorium II und Gasskammer für die Krematorien IV und V würden diese Serie der Neologismen auf natürliche Art ergänzen.

LEICHENKELLER 1 HATTE EINE GASDICHTE TÜR

Wie wir gesehen haben, ist dies ein zentrales Argument. Dennoch kann diese Tatsache auf verschiedene Weisen interpretiert werden: sie wurde schon als Beleg dafür angesehen, daß es sich bei dem »Vergasungskeller« um eine Entlausungskammer oder aber um eine Hinrichtungsgaskammer handelt.
Pressac führt in seinem Buch einige Fotografien von Entlausungsgaskammertüren mit Spion an,[106] aber selbst er gesteht ein, daß die Sowjets bei dem Versuch, Vergasungsbehauptungen glaubhaft zu machen, diese Fotos manipuliert wurden (»a completely put up job«[107]), obwohl er selbst angibt, die Hinrichtungsgaskammertüren wären mit denen der Entlausungskammern identisch gewesen.[108] Es ist eine schlichte Tatsache, daß bisher niemand in der Lage war, eine wirklich vom Krematorium stammende gasdichte Türe vorzuzeigen.
Es muß hier ebenfalls angemerkt werden, daß Pressac bezüglich dieser Türen noch andere Behauptungen aufstellt. Er schließt zum Beispiel, daß alle derartigen Türen Spione hatten, präsentiert uns dann aber das Foto einer Entlausungskammertüre aus Dachau ohne Spion;[109] er behauptet, derartige Spione seien mit einem Drahtnetz abgeschirmt gewesen,[110] zeigt und dann aber eine Türe ohne Gitter;[111] er behauptet, daß sich an allen Türen mit Spion außen ein Riegel befand, präsentiert uns dann eine ohne Riegel;[108] er behauptet, daß sie von außen zu schließen gewesen seien, zeigt dann aber ein Foto einer Tür, die anscheinend einen Mechanismus zur öffnung von innen hat.[112] All diese Dinge sind interessant, haben aber keine Relevanz für die hier betrachtete Sache, also die Konstruktionsweise und Ausrüstung der Krematorien von Birkenau.

ES GAB KEIN HEIZUNGSSYSTEM

Dies ist weniger ein Argument, das die These vom Luftschutzkeller stützt, als eines, das die These von der Hinrichtungsgaskammer unterminiert. Eine Heizung konnte es in Luftschutzräumen sehr wohl geben und wurde sogar empfohlen,[58] aber natürlich konnte ein Luftschutzraum auch ohne Heizung funktionieren. Andererseits würde das Fehlen einer Heizung in einer Hinrichtungsgaskammer Probleme bezüglich der Anwendung von Blausäure bereiten. Da die Siedetemperatur von Blausäure 25,7°C beträgt, wird ihre Verdampfung bei niedrigeren Temperaturen mitunter stark verlangsamt und sie tendiert zur Adsorption, besonders in feuchten Räumen. Beides schränkt die Effektivität einer solchen Kammer ein.

LEICHENKELLER 1 HATTE EINE MOTORBETRIEBENE BE- UND ENTLÜFTUNG; DIE ZU- UND ABLUFTFÜHRUNG WAR NICHT DIE EINER ENTLAUSUNGSKAMMER

Tatsächlich war die Zu- und Abluftführung in den Krematorien II und III umgekehrt gegenüber jenen, die man bei der Anwendung von Blausäure erwarten würde, weshalb Butz meint:

»Man muß sich auf den Kopf stellen, um [den Leichenkeller] als Gaskammer zu interpretieren.«[8]

Dies ist ohne Zweifel das stärkste seiner Argumente. Fritz Berg hat die Arbeitsweise der Entlausungskammern ausführlich beschrieben,[6] so daß es sehr unwahrscheinlich ist, daß diese Räume diesem Zweck dienten, da sie nicht entsprechend gestaltet waren. Zudem entsprechen die Leistungsdaten der Lüftung denen eines Luftschutzkellers (und, nebenbei bemerkt, auch denen eines normalen Leichenkellers[113]), nicht aber denen einer unterstellten Blausäure-Gaskammer.
Wie schon angemerkt lag die empfohlene Lüftungsleistung eines Schutzraumes zwischen 15 und 18 Luftwechseln pro Stunde.[57] Das Volumen von Leichenkeller 1 betrug 525 m3 (30×7×2,5 m3). Wenn man zwei m3 pro Person ansetzt und von einem Bedarf von 30 m3 pro Stunde und Person ausgeht, dann betrug der stündliche Bedarf insgesamt 7.890 m3 (525 m3¸ 2 = 263 m3; 263 m3 × 30 m3/h= 7.890 m3/h). Andererseits befänden sich bei maximaler Kapazität 525 Personen im Bunker (eine pro m3), die bei einem Minimalbedarf von 18 m3 pro Person und Stunde eine stündliche Förderleistung von 9.450 m3 benötigten (525 m3 × 18 = 9.450). Wie Pressac beschreibt, betrug die Lüftungskapazität zwischen 9.000 und 10.000 m3 pro Stunde.[114]
Nebenbei sei angemerkt, daß der Leichenkeller 2 in den Krematorien II und III ein Lüftungssystem besaß, dessen Leistung der im Leichenkeller 1 installierten vergleichbar war, wenn man das größere Volumen des ersten berücksichtigt (nach der Originalbestellung 7,5 PS gegen 3,5 PS für LK 1). Niemand hat bisher behauptet, daß auch dieser Leichenkeller für Vergasungen verwendet worden sei.
Insgesamt hören sich Butz' Argumente also vernünftig an, allerdings sind sie meiner Meinung nach nicht zwingend. Überzeugend wird es erst durch die Argumente, die sich aus dem Studium der zeitgenössischen technischen Literatur ergeben.
Nun kehren wir wieder zu Pressac zurück und zählen weitere Eigenschaften auf, die den Leichenkeller 1 seiner Meinung nach von normalen Leichenkellern unterscheidet.[115]
1. Zu Leichenkeller 2 wurde nachträglich eine Kellertreppe hinabgebaut.[116] Dies könnte ein Zugang zu einem Luftschutzkeller gewesen sein.
Diese zusätzliche Treppe an der Verbindungsstelle des Hauptgebäudes mit den rechtwinklig angeordneten Leichenkellern ist deshalb sinnreich, weil die Zuflucht Suchenden ansonsten noch einmal 50 Meter gehen müßten.
Die Frage nach dem Zutritt wirft zugleich die Frage auf, für wen diese Schutzräume eigentlich gedacht waren. Hier müssen wir zunächst bedenken, daß die primäre Funktion dieser Räume die von Leichenkellern war, so daß deren Eigenschaften zunächst diese Funktion widerspiegeln würden. Aber allein schon die Lüftungsanlage macht klar, daß in dieser Anlage 500 bis 1.500 Personen Schutz vor einem Luftangriff finden könnten.
Die Krematorien von Birkenau waren die am meisten hervorstechenden und die dauerhaftesten Gebäude des ganzen Lagers. Sie waren die einzigen Gebäude, die die Deutschen von Grund auf errichteten. Es erscheint daher nur logisch, daß man diese Gebäude derart entworfen und ausgerüstet hätte, daß sie einer Vielzahl von Funktionen und Zwecken dienen könnten. Wenn man sich ihre massive Struktur und ihren hervorstechenden Charakter vor Augen hält, kann man sich leicht Situationen vorstellen, in denen sie als Luftschutzräume, Dekontaminationszentren oder gar als Unterstände von weit mehr Personen als unter normalen Verhältnissen benutzt würden. Aus militärischer Sicht konnten die Krematorien tatsächlich als eine Art Stützpunkt angesehen werden: ihre Position quer bzw. nahe den Gleisen würde ihre taktische Lage unterstreichen. Sicher kann angenommen werden, daß es bei einem feindlichen Angriff aus der Luft oder zu Land, mit Bomben, Giftgas oder Artilleriefeuer keinen sichereren Ort im Lager gegeben hätte als die Leichenkeller der Krematorien II und III.
2. Die Doppeltür für den Leichenkeller 1 wurde umgestaltet, um nach außen zu öffnen. Eine bekannte Zeichnung zeigt diese nach außen öffnende Doppeltüre. Allerdings ist die öffnungsrichtung einer inneren Türe irrelevant. Tatsächlich sieht Pressac in der nach außen öffnenden Türe Probleme, da sie die Leichenrutsche blockiert. Pressac führt zudem an, daß diese Doppeltüre nie installiert wurde.
3. Die Doppeltüre wurde durch eine einfache gasdichte Tür ersetzt. Diese These wird durch ein Dokument gestützt, wobei allerdings nicht klar ist, ob die Tür im Leichenkeller 1 oder 2 eingebaut wurde. Jedenfalls haben wir gesehen, daß gasdichte Türen beiden Typs in Luftschutzräumen eingebaut wurden. Eine andere Merkwürdigkeit an Pressacs Behauptung ist (ATO 434), daß eine Doppeltür der Maße 190 cm × 190 cm durch eine einfache Tür von nur 100 cm × 192 cm ersetzt worden sein soll. Es erscheint daher wahrscheinlicher, daß die einfache Tür für den Leichenkeller 2 gedacht war.
4. Die Abwasserleitungen des Leichenkellers 1 wurden von denen des Hauptgebäudes getrennt. Diese Vorgehensweise stimmt mit der von Luftschutz- bzw. besser Gasschutzräumen überein. Wenn, wie vorgeschlagen, das Abwassersystem des Leichenkellers 1 dazu gedacht war, das dekontaminierte Abwasser abzuleiten, dann hätte man es natürlich von dem der anderen Räume getrennt.[117]
5. Die Leistungsfähigkeit der Lüftungssystems wurde mit Blausäure getestet. Diese Behauptung Pressacs ist ohne jeden Beweis.
6. Eine Holzwand wurde vor der Leichenrutsche installiert. Dies spricht für die Ausrüstung eines Luftschutzkellers.
7. Vier Drahtnetzeinführungssäulen mit abdeckbaren Stutzen wurden installiert. Auch diese Behauptung Pressacs ist ohne jeden dokumentarischen Beweis.
8. 24 falsche, hölzerne Duschköpfe wurden angebracht. Dies ist eine weitere unfundierte Behauptung: Die Inventarlisten geben nur für das Krematorium III 14 Duschen an (nicht falsche Duschköpfe). Jedenfalls würde man diese Duschen in einem Dekontaminationstrakt eines Luftschutzkomplexes erwarten.
Diesbezüglich sei angemerkt, daß die Bauzeichnungen für den Leichenkeller 1 des Krematoriums II keine Leitungen für Duschköpfe beinhalten. Aber auch die Duschköpfe sind dort nicht zu finden, sondern nur drei Wasserhähne an der östlichen Wand (bzw. entsprechende Symbole, zu denen Wasser zu verlegen ist).[118] Es befremdet, daß Pressac angibt,[119] diese Zeichnung würde die Entfernung derselben Wasserhähne dokumentieren. Tatsächlich führt er als Beleg für die Entfernung der Wasserhähne nur Zeugenberichte an. Weiterhin macht nachdenklich, daß Pressac das Fehlen eingezeichneter Leitungen überhaupt für signifikant hält. An anderer Stelle seines Buches[120] gibt Pressac nämlich vier Zeichnungen eines bekannten Entlausungsgebäudes für Gefangene wieder, wobei zwar alle jeweils 55 Duschköpfe aufweisen, aber nur in einer der Zeichnungen sind die Leitungen mit aufgeführt, die auf nur vier Zuleitungen zurückgehen. Die Art, wie man mit nur wenigen Zuleitungen derart viele Duschköpfe im Verhältnis 1:14 mit Wasser versorgen kann - durch die Verwendung langer Wasserleitungen, die an Eisenstangen an der Decke aufgehängt werden - zeigt Pressac auf einem Foto.[121]
Es sollte daher klar sein, daß das ganze Thema der Leitungen, Duschköpfe, Wasserhähne und dergleichen vom dokumentarischen Standpunkt aus betrachtet unerheblich ist.
9. Die drei Wasserhähne wurden entfernt. Eine weitere unfundierte Behauptung: Die Anwesenheit von Wasserhähnen zur Reinigung und Dekontamination war typisch für Luftschutzräume. Diese Wasserhähne hätten sicherlich Duschen mit ausreichend Wasser versorgen können, wie wir gesehen haben.
10. Im Leichenkeller 2 wurden Bänke und Kleiderhaken angebracht. Bänke waren üblich in den Vorräumen (Warteräumen) großer Luftschutzräume. Kleiderhaken würde man in großen Luftschutzräumen mit Dekontaminationszentren erwarten.
11. Die Fläche des Leichenkeller 3 wurde verkleinert. Tatsächlich wurde der Leichenkeller in mehrere Räume unterteilt, um mehrere Räume zu erhalten, übereinstimmend mit der Gestaltung eines Luftschutzbunkers. Eine dieser Umbauten diente offenbar dem Sammeln von Gold und anderen Metallen aus den Zähnen der Toten, was absolut nachvollziehbar ist, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Leichenkeller nun einmal in erster Linie Leichenkeller waren, und daß Metalle in den Öfen nicht verbrennen; vielmehr führt das Verbrennen von Amalgamfüllungen zur Emission toxischer Gase.[122]
Abschließend läßt sich feststellen, daß keine der von Pressac angeführten dokumentarisch belegten oder nur behaupteten Änderungen am Leichenkeller 1 ein Anzeichen dafür hergibt, daß der Keller in eine Hinrichtungsgaskammer umgewandelt wurde. Andererseits schlägt uns Dr. Butz einige Gründe vor, warum der »Vergasungskeller« ein Gasschutzkeller war, und seine Interpretation wird sogar durch eine der von Pressac erwähnten Änderungen gestützt. Zudem hat die Durcharbeitung der »kriminellen Indizien« gezeigt, daß sie alle mit der Bauweise eines deutschen Luftschutzraumes übereinstimmen.
Wir sind im Besitz einer umfangreichen zeitgenössischen Literatur, die im Detail die Planung, Bauweise und Ausstattung zeigt, mit denen normale Keller in solche umgewandelt werden, die auch als Luftschutzräume verwendbar sind. Andererseits gibt es keinerlei zeitgenössische Literatur, die erklärt, wie man solche Räume als Hinrichtungsräume nutzt. Wir müssen daher schließen, daß diese Leichenkeller tatsächlich als Leichenkeller mit einer möglichen Zusatzfunktion als Luftschutzkeller entworfen und gebaut wurden. In diesem Zusammenhang kann daher der Leichenkeller mit einer gasdichten Türe und mit Duschköpfen (bzw. Wasserhähnen) nur eines bedeuten: eine Einrichtung (Entgiftungsanstalt, Duschraum) zur Behandlung und Dekontamination von Giftgasopfern (Gasvergiftete, Kampfstoffvergiftete, Gelbkreuzverletzte): ein unterirdisches Dekontaminationszentrum oder Vergasungskeller.

7. Schlußfolgerungen

Folgende Schlüsse können gezogen werden:
1. Jedes der angeblichen kriminellen Indizien kann als Eigenschaft eines deutschen Luftschutzraumes erklärt werden. Da die Vorstellung von den kriminellen Spuren von der Annahme abhängt, daß man die Dokumente kriminell interpretieren muß, werden die »Spuren« durch unsere Gegenargumente wertlos. Die kriminellen Spuren hören somit auf zu existieren.
2. Da es also keine kriminellen Spuren mehr gibt, folgt daraus, daß die Existenz von Menschentötungsgaskammern in den vier Birkenauer Krematorien nicht durch materielle oder dokumentarische Beweise nachgewiesen werden kann.
3. Daraus folgt, daß Zeugenaussagen und Nachkriegsberichte die einzigen Beweise für die Existenz von Menschentötungsgaskammern in den vier Birkenauer Krematorien sind.
4. Entwurf, Planung, Bauweise und Ausrüstung jener Räume, die Pressac als Hinrichtungsgaskammern beschreibt, passen zu Leichenkellern mit der Zusatzfunktion als Luftschutzkeller mit Giftgasschutzeigenschaften. Entsprechend dem betrachteten Material hätten Pressacs Hinrichtungsgaskammern also keine besonderen Eigenschaften.
5. Entwurf, Planung, Bauweise und Ausrüstung deutscher Luftschutz- oder Gasschutzräume werden in der umfangreichen zeitgenössischen Literatur beschrieben, wovon wir einen kleinen Teil betrachtet haben. Andererseits gibt es keine vergleichbare Literatur, die Entwurf, Planung, Bauweise und Ausrüstung von Menschentötungsgaskammern beschreibt.
6. Aus den materiellen und dokumentarischen Beweisen müssen wir daher schlußfolgern, daß die angeblichen Hinrichtungsgaskammern in den vier Krematorien von Birkenau als Leichenkeller mit Abänderungen zur Nutzung als Gasschutzräume geplant und gebaut wurden, das heißt, sie wurden nicht gebaut, um Giftgas drinnen zu halten, sondern um es draußen zu halten.
7. Wie diese deutschen Gasschutzkeller zusätzlich zu ihrer primären Verwendung als Leichenkeller tatsächlich genutzt wurden und welche weiteren Änderungen nötig gewesen wären für andere Nutzungsweisen, und ob und durch wen solche Änderungen tatsächlich durchgeführt wurden, kann nicht innerhalb dieses Artikels behandelt werden.
8. Allerdings mögen sich die Historiker mit dem Fachgebiet europäische Zeitgeschichte eingeladen fühlen, diesen Fragen nachzugehen und ihre Vorstellungen von den Begebenheiten in Auschwitz-Birkenau zu revidieren.
9. Schließlich sei ihnen dringend geraten, die genannte Literatur zu studieren.
Es sollte noch kurz angemerkt werden, daß zur Umwandlung der Leichen- bzw. Luftschutzkeller in effektiv nutzbare Hinrichtungsgaskammern noch weitere Abänderungen nötig wären. Insbesondere müßten die Drahtgitter und die Verschlußklappen umgekehrt eingebaut werden. Normalerweise befänden sich die Gitter außen, um gegen Bombensplitter und Trümmer zu schützen, während sich die Klappen im Inneren befänden, um Gasdichtigkeit herzustellen. Würde dies nicht umgekehrt, würden die angehenden Opfer der Vergasung die Notausgänge einfach öffnen und herausklettern. Wenn die Anordnung allerdings umgekehrt wäre, gäbe es keinen Schutz vor Bombensplittern, Trümmern und Giftgas. Kurz: der Umbau dieser Räume zu Hinrichtungskammern würde sie als effektive Luftschutzräume unbrauchbar machen. Und zudem gibt es keine materiellen Beweise, daß derartige Umbauten je getätigt wurden.
Der Leser mag annehmen, ich sei in meinen Analysen und Schlußfolgerungen ungebührlich hart gegenüber Jean-Claude Pressac gewesen. Dabei ist er gewiß ein Mann von Integrität und Ehre. Auf Seite 436 seines Buches schreibt er bezüglich seiner Vorstellung von den Einfüllöchern in der Decke des Leichenkellers 1 von Krematorium II:

»Dem amerikanischen Aufklärungsfoto vom 24. August 1944 zufolge befanden sich die vier Einfüllöcher entlang einer Linie längs des Raumes in dessen ÖSTLICHER Hälfte. In den heutigen Ruinen sind noch zwei dieser Öffnungen am südlichen Ende zu sehen, allerdings in der WESTLICHEN Hälfte. Bisher schient sich keiner um diesen Widerspruch gekümmert zu haben, geschweige denn, daß er erklärt wurde.«

Der Leser wird bemerken, daß es des Mutes bedarf anzumerken, daß es in der Decke des Leichenkeller 1 von Krematorium II nicht vier, sondern nur zwei Löcher gibt, und daß sie sich nicht dort befinden wo sie erwartet werden. Kombiniert mit dem, was wir über die Notwendigkeit von Notausstiegen aus Luftschutzräumen wissen, sei der Leser eingeladen, seine eigenen Schlußfolgerungen zu ziehen.[123]

© 1997, Samuel Crowell


Anmerkungen

[1]Die Begriffe »Luftschutzraum«, »Gasschutzraum« oder allgemein »Schutzraum« werden nachfolgend als Synonyme verwendet wie in der hier benutzen Literatur auch.
[2]Beate Klarsfeld Foundation, New York.
[3]Tatsächlich sind es nicht exakt 39, da sich Pressacs Zahl lediglich auf die Anzahl der in seinem Buch faksimilierten 39 Dokumente bezieht.
[4]In Miklos Nyiszlis Buch Auschwitz: A Doctor's Eyewitness Account, Arcade Publishing, New York 1993, für Pressac eine wichtige Quelle, wird auf S. 128 behauptet, daß die Gefangenen bei Luftangriffen in der Gaskammer Zuflucht suchten. Martin Gilberts Auschwitz and the Allies (Henry Holt & Co., New York 1981), S. 309, enthält die Aussage einer weiblichen Überlebenden, derzufolge sie zusammen mit vielen anderen weiblichen Ankömmlingen in einen dunklen Raum geführt worden sei, um dort während eines Luftangriffes zu bleiben. Das Interessanteste an dieser Aussage ist die Beschreibung, wie einige der Frauen während des Luftangriffs hysterisch wurden, da sie selbst glaubten, Giftgas einzuatmen. Einen weiteren Schluß, den man aus dieser Aussage ziehen kann, ist, daß die SS darum bemüht war, ihre Häftlinge vor Luftangriffen zu schützen, und daß es in Birkenau einige solcher Luftschutzräume, die normalerweise auch giftgassicher ausgerüstet waren, gegeben haben muß, was allerdings bisher völlig unbemerkt und ungewürdigt blieb.
[5]Wilhelm Stäglich, Auschwitz: A Judge Looks at the Evidence, IHR, S. 53 (dt.: ders., Der Auschwitz Mythos, Grabert, Tübingen 1979).
[6]F.P. Berg, »The German Delousing Chambers«, The Journal of Historical Review, Spring 1986, 7 (1), S. 73-94; ders., »Typhus and the Jews«, The Journal of Historical Review, Winter 88/89, 8 (4), S. 433-481.
[7]R. Faurisson, The Journal of Historical Review, Spring 1991, 11(1), S. 55ff.
[8]»Vergasungskeller« wurde erstmals am 6. August 1996 veröffentlicht, am 7.11.1996 revidiert und dergestalt vom Adelaide Institute im Januar 1997 publiziert im Adelaide-Institute-Newsletter Nr. 51. Eine erneute Überarbeitung erfolgte am 7.1.1996. Der Artikel befindet sich auf Dr. Butz' Website: http://pubweb.acns.nwu.edu/~abutz/di/dau/vk.html
[9]Dieser Abschnitt beruht auf folgenden Veröffentlichungen: Sterling Seagrave, Yellow Rain: A Journey Through the Terror of Chemical Warfare, M. Evans & Co., New York 1981; der Artikel »Poison Gas Warfare« von Major General Sir Louis Jackson, in: Encyclopedia Britanica, 121923 (Ergänzungsband zur 11. Auflage 1910), Vol. XXXII, S. 110-117, und der Artikel »A Whiff of Death: Chemical Warfare in the World Wars« von David Tschanz, in: Command: Military History, Strategy & Analysis, 33, März-April 1995, S. 46-57. Der Autor dankt Richard A. Widmann für die Vermittlung der letzten Quelle.
[10]S. Seagrave, S. 281f.; D. Tschanz, S. 56f., beide aaO. (Anm 9).
[11]L. Jackson, aaO. (Anm 9), S. 115.
[12]Ebenda, S. 113.
[13]D. Tschanz, aaO. (Anm 9), S. 46.
[14]L. Jackson, aaO. (Anm 9), S. 115.
[15]Stephen Trombley, The Execution Protocol: Inside America's Capital Punishment Industry, Crown Publishers, Anchor Books, New York 1992, S. 12.
[16]D. Tschanz, aaO. (Anm 9), S. 54f.
[17]S. Seagrave, aaO. (Anm. 10), S. 145.
[18]Branddirektor Hans Rumpf, Gasschutz: Ein Leitfaden für den Gasschutzlehrer und den Gasschutzmann, E.S. Mittler & Sohn, Berlin 31936, S. 46.
[19]Ebenda, S. 49, 52.
[20]Ebenda, S. 54.
[21]Ebenda, S. 55.
[22]O.A., Luftschutz durch Bauen, Bauwelt Verlag, Berlin 1939, S. 174-177.
[23]Ebenda, S. 180.
[24]Ebenda, S. 178f.
[25]Ebenda, S. 182f.
[26]Ebenda, S. 205.
[27]Ebenda, S. 208.
[28]Ebenda, S. 210.
[29]Dr.-Ing. R. Scholle, Schutzraumabschlüsse, W. Ernst & Sohn, Berlin 1939.
[30]Ebenda, S. 2.
[31]Ebenda, S. 3.
[32]Ebenda, S. 5.
[33]Ebenda, S. 21.
[34]Ebenda, Fotos S. 32, 37.
[35]Weitere Nachforschungen haben ergeben, daß die Glasscheibe tatsächlich sowohl nach vorne als auch nach hinten versetzt sein konnte und entweder innen oder außen mit einem Schutzgitter versehen wurde (außen: Gasschutz und Luftschutz, Verlag Gasschutz und Luftschutz, Berlin-Charlottenburg, 10. Jg. (1940), S. 6 (vgl. Zeichnung Abb. 1), 42, innen: Anm. 34; vgl. die Türen in J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 2), S. 30, 46-50, 61). Zudem waren offenbar viele Gucklöcher nicht rund, sondern quadratisch (Gasschutz und Luftschutz, aaO., S. 42, vgl. J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 2), S. 30, 61), und statt mehrschichtiger Gläser, geschützt von einer gelochten Stahlplatten, wurde auch einfaches Drahtglas verwendet (»[...] andere hatten viereckige Gucklöcher. Bei vielen war statt Mehrschichtenglases nur einfaches oder Drahtglas vorhanden.«, Gasschutz und Luftschutz, aaO., S. 42).
[36]R. Scholle, aaO (Anm. 29), S. 22.
[37]Ebenda, S. 24f.
[38]Ebenda, S. 27f.
[39]Ebenda, S. 31.
[40]Ebenda, S. 34.
[41]Ebenda, Nachrichten, S. 32, 37.
[42]Ebenda, S. 38.
[43]Gasschutz und Luftschutz, aaO. (Anm. 35), 9. Jg. (1939), S. 5.
[44]Ebenda, S. 264.
[45]Ebenda, S. 323ff., hier S. 325.
[46]Ebenda, S. 111.
[47]Ebenda, S. 236.
[48]Gasschutz und Luftschutz, aaO. (Anm. 43), S. 237.
[49]US War Department (Hg.), Handbook on German Military Forces, Washington, März 1945; Neuauflage: Stephen E. Ambrose (Hg.), Lousiana State University Press 1990, hier S. 528.
[50]Luftschutz durch Bauen, aaO. (Anm. 22), S. 210.
[51]Gasschutz und Luftschutz, aaO. (Anm. 43), S. 239.
[52]Ebenda, S. 263.
[53]Ebenda, 10. Jg. (1940), S. 22ff.
[54]Ebenda, S. 26.
[55]Ebenda, S. 8.
[56]Baulicher Luftschutz, 1942, S. 104-110.
[57]Ebenda, S. 105.
[58]Ebenda, S. 107.
[59]Ebenda, S. 110-116.
[60]Ebenda, Anzeigen.
[61]Stephen E. Ambrose (Hg.), aaO. (Anm. 49), S. 522f.
[62]Ebenda, S. 518.
[63]Ebenda, S. 526.
[64]Ebenda, S. 527.
[65]Baulicher Luftschutz, 1942, S. 202.
[66]Dieser Abschnitt ist eine stark gekürzte Fassung eines zweiteiligen Beitrages von S. Crowell, der bisher nur im Internet erschien: »Defending Against the Allied Bombing Campaign: Air Raid Shelters and Gas Protection in Germany, 1939-1945»
[67]J. Stahl, Bunker und Stollen für den Luftschutz im Raum Siegen, Verlag die Wielandschmiede, Kreuztal 1980, S. 23f.; W.G. Schramm, Der zivile Luftschutz in Nürnberg 1933-1945, Schriftenreihe des Stadtarchivs Nürnberg, Nürnberg 1983, S. 327ff.
[68]Vgl. H. Friedlander, S. Milton, Archives of the Holocaust, Garland Publishing, New York 1993, Bd. 20, Doc. 169, S. 462ff., hier 463.
[69]Am bekanntesten dürfte der Angriff auf das Lager Nordhausen sein, vgl. U. Walendy, in: E. Gauss, (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1994, S. 222f.; M. Broszat, Studien zur Geschichte der Konzentrationslager, Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte Nr. 21, Stuttgart 1970, S. 194f.; D. Czech, Auschwitz Chronicle: 1939-1945, Henry Holt & Co., New York 1997, S. 692, 697, 708. Diese Eintragungen widerlegen die bisherige Annahme, das KZ Auschwitz sei niemals bombardiert worden. Dank gebührt Richard Widmann, der mich hierauf aufmerksam machte.
[70]Vgl. R. Hilberg, The Destruction of the European Jews, Quadrangle, Chicago 1961, revidierte Ausg. 1967, S. 584, Fußnote 58:  Himmler an Pohl und Glücks, 8. Feb. 1943, Himmler Files, Folder No. 67.
[71]Vgl. den Plan in J.-C. Pressacs großem Werk, aaO. (Anm. 2), S. 156.
[72].
[73]M. Berenbaum, The World Must Know, Little, Brown & Co., New York 1993, S. 138.
[74]J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 2), S. 557.
[75]Vgl. http://www.ushmm.org/misc-bin/add_goback/outreach/892-1.htm.
[76]Vgl. die Beschreibung in United States Strategic Bombing Survey, Civil Defense Division Final Report, 2. Aufl., War Department, Washington 1947, S. 156
[77]J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 2), S. 70.
[78]Gasschutz und Luftschutz, aaO. (Anm. 35), S. 7.
[79]Analog dazu im Englischen das Gerundium mit der Endung -ing, das allerdings ausschließlich für andauernde Ereignisse steht.
[80]Stephen E. Ambrose (Hg.), aaO. (Anm. 49), S. 525ff.
[81]Dt.: Die Krematorien von Auschwitz, Piper, München 1994, S. 93. Argumente, die auf eine Fälschung dieses Dokumentes hinweisen, haben W. Rademacher, in: E. Gauss (Hg.), aaO. (Anm. 69), S. 55ff., und C. Mattogno, »Auschwitz: Das Ende einer Legende«, in: Herbert Verbeke (Hg.), Auschwitz: Nackte Fakten, Vrij Historisch Onderzoek, Berchem 1995, S. 147f., vorgebracht.
[82]J.-C. Pressac, Die Krematorien..., aaO. (Anm. 81), S. 94.
[83]Es sei hier auch darauf hingewiesen, daß der Begriff »Gasprüfer« laut zeitgenössischer deutscher Fachliteratur ein Instrument zur Prüfung der Zusammensetzung von Rauchgasen in Kaminzügen war: Akademischer Verein Hütte (Hg.), Hütte, des Ingenieurs Taschenbuch, Verlag von W. Ernst & Sohn, Berlin 1931, I. Band, S. 1013, Nr. 3, mit spezifischem und exklusivem Hinweis auf die »Rauchgasanalyse« (S. 1011); vgl. Carlo Mattogno, aaO. (Anm. 81), bes. S. 146-152, hier S. 147.
[84]J.-C. Pressac, Auschwitz:..., aaO. (Anm. 2), S. 452.
[85]Stephen E. Ambrose (Hg.), aaO. (Anm. 49), S. 541ff.
[86]H. Rumpf, aaO. (Anm. 18), S. 55.
[87]»Gas Detectors in the Auschwitz Crematorium II« wurden von Dr. Butz am 7.3.1997 publiziert und am 24.4.1997 revidiert; vgl. Dr. Butz' Homepage: http://pubweb.acns.nwu.edu/~abutz/di/dau/detect.html
[88]Vgl. Anm. 33, 37, 60 (v1) und Baulicher Luftschutz (1940), S. 236.
[89]Vgl. Anm. 23, 26, 28 und 48.
[90]J.-C. Pressac, Auschwitz:..., aaO. (Anm. 2), S. 434.
[91]»Gasdichtetür«, »Gastür«, »Beschläge für 1 Stück Gastür«, »4 Gasdichte Tür«, »Gastüren Verankerungen 210 stk«,[92] »4 dichte Türen, mit Türfutter«, »[...]für 4 gasdichte Türen [...]«, »Gastüren einsetzen«.
[92]W. Rademacher hat darauf hingewiesen, daß es unwahrscheinlich ist, daß 210 Verankerungen für die wenigen Luken in den angeblichen Hinrichtungsgaskammern geordert wurden; in E. Gauss, aaO. (Anm. 69), S. 57.
[93]Vgl. Anm. 46, 53 und 54.
[94]J.-C. Pressac, Auschwitz:..., aaO. (Anm. 2), S. 425-428.
[95]Vgl. Anm. 25, 54 sowie Baulicher Luftschutz (1940), S. 263.
[96]J.-C. Pressac, Auschwitz:..., aaO. (Anm. 2), S. 441.
[97]Vgl. Anm. 32 sowie 22, S. 174ff, 182f.
[98]J.-C. Pressac, Auschwitz:..., aaO. (Anm. 2), S. 440.
[99]R. Kammerer, A. Solms (Hg.), Das Rudolf Gutachten, Cromwell Press, London 1993, erhältlich bei VHO.
[100]Gasschutz und Luftschutz, aaO. (Anm. 43), S. 276.
[101]Vgl. Anm. 56; abgesehen davon ist auch die Beheizbarkeit eines Leichenkellers zumindest im Winter ohnehin unabdingbar, um die Temperatur über dem Frostpunkt zu halten, vgl. E. Neufert, Bauentwurfslehre, Ullstein Fachverlag, Frankfurt 1962, S. 423.
[102]J.-C. Pressac, Auschwitz:..., aaO. (Anm. 2), S. 230.
[103]Vgl. Anm. 43-45.
[104]Tatsächlich hatte der Leichenkeller Eigenschaften, die ihn nicht nur als Luftschutzkeller verwendbar machten, sondern auch als Unterstand, wie er in den deutschen Frontstellungen üblich war und insofern als offensives Instrument angesehen wurde, weil sie Reserven für einen Gegenangriff schonten. Derartige Unterstände wurden bevorzugt unterirdisch angelegt bzw. »so tief wie es der Grundwasserpegel erlaubt«: Stephen E. Ambrose (Hg.), aaO. (Anm. 49), S. 263. Sie wurden aus Stahlbeton errichtet, waren gasdicht, gut getarnt und besaßen vier Ventilationsöffnungen, davon zwei falsche, um gegnerische Angriffe irrezuführen, ebenda, S. 262ff.
[105]Vgl. Index von Quelle Anm. 43.
[106]J.-C. Pressac, Auschwitz:..., aaO. (Anm. 2), S. 46, 48-50.
[107]Ebenda, S. 46.
[108]Ebenda, S. 50.
[109]Ebenda, S. 547.
[110]Ebenda, S. 486.
[111]Ebenda, S. 48, Foto 23; S. 49, Foto 28.
[112]Ebenda, S. 48, Foto 25.
[113]W. Heepke, Die Leichenverbrennungs-Anstalten (die Krematorien), C. Marhold, Halle a.S. 1905, S. 104, vgl. Dok. 4; vgl. C. Mattogno, aaO. (Anm. 81), S. 135.
[114]J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 81), S. 94; ders., Auschwitz:..., aaO. (Anm. 2), S. 289.
[115]J.-C. Pressac, Auschwitz:..., aaO. (Anm. 2), S. 286.
[116]Da der ursprüngliche Eingang zum Keller für eine andere Anordnung des Gebäudes entworfen worden war und nach Planänderung unbrauchbar wurde, ist dies ohnehin kein Indiz, vgl. Anm. 99.
[117]Dies trifft, nebenbei bemerkt, auch auf Infektionsleichenkeller zu, die es in Birkenau mit seinen Fleckfieberseuchen gegeben haben muß, vgl. Anm. 99.
[118]J.-C. Pressac, Auschwitz:..., aaO. (Anm. 2), S. 312, Bauleitung Zeichnung Nr. 1897 [b](r).
[119]Ebenda, S. 310.
[120]Ebenda, S. 55-58.
[121]Ebenda, S. 80.
[122]K.V. Iserson, Death to Dust. What Happens to Dead Bodies?, Galen Press, Tucson 1994, S. 251.
[123]Gemäß den Untersuchungen von Rudolf, aaO., (Anm. 99), erscheint es allerdings ausgeschlossen, daß die nach Fertigstellung der Betondecke grob durchgemeißelten Löcher, aus denen die Bewehrungseisen nicht entfernt wurden, sicher, d.h. gasdicht, hätten verschlossen werden können. Außerdem kann als sicher angenommen werden, daß diese Löcher erst nach Kriegsende durchgebrochen wurden, vgl. Anm. 99.
[124]Gasschutz und Luftschutz, aaO. (Anm. 35), S. 6.
[125]J. Webber, C. Wilsack, T. Swiebocka, Auschwitz: A History in Photographs, Indiana University Press, Bloomington 1995, S. 63.
[126]Gasschutz und Luftschutz, aaO. (Anm. 35), S. 25.
[127]J.-C. Pressac, Auschwitz:..., aaO. (Anm. 2), S. 428, 500.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(4) (1997), S. 226-243.


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