Aus der Forschung

Von Dr.-Ing. Andreas Niepel, Dipl.-Ing. Michael Gärtner und Dipl.-Ing. Werner Rademacher

In dieser Rubrik berichten wir über neue Ergebnisse unserer Arbeit und geben Hinweise auf neue Erkenntnisse. Wir bitten unsere Leser um rege Beteiligung durch Hinweise auf weitere Informationen. Wir bitten weiter um Quellenangaben, in denen Ergänzungen zu finden sind. Wichtig ist hierbei, wo sie zu finden sind. Großen Wert legen wir auf Veröffentlichungen aus den Jahren unmittelbar nach Kriegsende, auch in
Fremdsprachen (möglichst mit Übersetzungen). Wer unsere Tätigkeit unterstützen will, wende sich an den Verlag. Wir können nicht alle Dokumente beschaffen, von denen wir Kenntnis haben, weil uns das Geld dazu fehlt. Wer hierzu Schwerpunkte setzen will, gebe als Verwendungszweck jeweils nur die Buchstaben an, die am Anfang des jeweiligen Punktes genannt sind.

 

HF – Hochfrequenz-Entlausungsanlagen

Die durch den Apotheker J.-C. Pressac[1] in einem Moskauer Archiv gefundenen Dokumente haben wir geprüft und weiter erforscht. Die Ergebnisse sind ungeheuer interessant und wichtig, weil es über zwei (eine stationäre und eine mobile) Anlagen, die in Auschwitz mit Erfolg in Betrieb waren, überraschenderweise keine uns bekannten Zeitzeugenaussagen gibt.

Die fast in jedem Haushalt vorhandenen Mikrowellengeräte sind sehr vereinfachend ausgedrückt die Nachfolgegeneration dieser Technik. Die Entwicklung wurde schon zu Beginn des Krieges durch die Siemens-Schuckertwerke AG, Berlin, in Angriff genommen.. In einem Bericht des Standortarztes vom 10.8.1944 (ZAM Moskau 502-1-333-7/8) teilt dieser die überwältigende Kapazität einer Anlage dem WVHA mit. Die mobile Anlage hatte auf einem LKW-Anhänger Platz. Hierüber gibt es, vermutlich im Bundesarchiv, sogar einen Film. Bestellt waren 10 solcher Anlagen. Wir berichten demnächst auch unter Vorlage von Zeichnungen und technischen Erläuterungen.


[1]J.-C. Pressac, Die Krematorien von Auschwitz. Die Technik des Massenmordes, Piper, München 1994.

 

SB. = Schonblock

Es häufen sich Hinweise darauf, daß es in Auschwitz »Schonblöcke« gegeben hat für Häftlinge, die der Schonung bedurften. Es war auch die Möglichkeit zur Schonung durch Aufenthalt in der eigenen Wohnbaracke gegeben. Über diese vom SS-Arzt Dr. Thilo eingeführte Einrichtung berichtet B. Naumann[1] in seinem Buch über den Auschwitz-Prozeß, Frankfurt. Nach den uns vorliegenden Unterlagen stimmt es jedoch nicht, daß sie nur 2 Monate funktionierten. Im Gegenteil: sie wurden auch in Nebenlagern eingerichtet (Hefte von Auschwitz, Nr. 15, S. 119).[2] Aus sicher verständlichen Gründen wollen wir an dieser Stelle nicht mehr Hinweise geben. Sicher werden wir aber in absehbarer Zeit ausführlich berichten.


[1]B. Naumann, Auschwitz. Bericht über die Strafsache gegen Mulka u.a. vor dem Schwurgericht Frankfurt, Athenäum, Frankfurt/Main 1965, S. 109.
[2]A. Makowski, Organisation, Entwicklung und Tätigkeit des Häftlings-Krankenbaus in Monowitz (KL Auschwitz III). Verlag staatliches Auschwitz-Museum, Auschwitz 1975.

 

HI – Hygieneinstitut der Waffen - SS

Gemeint ist hier speziell die »Hyg.-bakt. Untersuchungsstelle der Waffen-SS, Südost«, in Rajsko, in der Umgebung von Auschwitz. Diese Stelle mit Laboratorien u.a. wurde ab Oktober 1942 eingerichtet. Sie ist wenig bekannt geworden und wird daher in ihrer Bedeutung für alle Lager in Auschwitz samt Nebenlagern unterschätzt. Die Kenntnis aller Hefte von Auschwitz (Buchformat) versetzt uns in die Lage, die nötigsten Angaben an dieser Stelle zu machen. Als wichtigste Tatsache ist anzusehen, daß die Akten dieser Dienststelle erhalten sind. H. Boberach schreibt, die Kopien der beim ISD (Internationalen Suchdienst) in Arolsen gelagerten Akten umfaßten 151 Bände von 1943 bis 1945.[1] Diese Dienststelle gewährt jedoch keine Einsicht in ihre Unterlagen. Es ist uns nur ein Fall bekannt, der über das Bundesinnenministerium abgewickelt wurde.[2] Ob sich das Archiv in Auschwitz anders verhält, darüber fehlt bisher eine Nachricht.

Von der Untersuchungsstelle sind derzeit allein etwa 100.000 Laboruntersuchungen bekannt geworden, und zwar in Fällen von Typhus und ähnlichen Krankheiten. Das Küchenpersonal aller Lager wurde laufend untersucht auf evtl. Ausscheider, wie dies die Gesundheitsämter auch heute handhaben.

Zu einem geeigneten Zeitpunkt werden wir vermutlich auch hierüber berichten. Wir sammeln derzeit noch Material.


[1]H. Boberach, i.A. IfZ, Inventar archivalischer Quellen des NS-Staates. Die Überlieferung von Behörden und Einrichtungen des Reichs, der Länder und der NSDAP, Teil 1, Saur, München 1991, S. 118.
[2]C. Jordan, in: E. Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1994.

 

GA – Gutachten des Prof. Dr. Gerhard Jagschitz

Prof. Jagschitz wurde bekanntlich am 28.1.1987 von einem Landesgericht in Wien als Gutachter in der Sache Honsik bestellt. Mit Schreiben vom 10.1.1991 erstattete er einen »Bericht über die bisherige Tätigkeit als Sachverständiger«. Der Text ist veröffentlicht worden und bekannt durch die Zeitschrift Halt.[1] Bis zum Beginn des Prozesses wurde ein schriftliches Gutachten nicht verfaßt. Beginnend mit dem 29.4.1992 erstattete der Sachverständige ein mündliches Gutachten, das vom Gericht protokolliert wurde.[2] Dieses Gutachten ist Anlaß für die folgende Informationen.

Zuerst sei noch berichtet, daß Prof. Dr. Jagschitz am 5.5. 1992 in einer Diskussion im österreichischen Fernsehen ankündigte, er wurde für ein schriftliches Gutachten noch weitere fünf Jahre benötigen. Dieser Zeitraum ist verstrichen, ohne daß sein Gutachten erschienen ist. Die Gründe lassen sich nach Studium des protokollierten Gutachtens nur vermuten.

Einige Passagen deuten auf Kenntnisse hin, die heute seinen Zwischenbericht in einem neuen Licht erscheinen lassen und evtl. eine schriftliche Abfassung eines Gutachtens behindern. So erwähnt der Sachverständige:

»Es gibt in der Sowjetunion die genauen Planzeichnungen für diese Entlausungsanlagen und auch für die Zykloneinrichtungen in diesen Anlagen.«

Auf Seite 480 der Gerichtsakten formuliert Jagschitz folgenden Satz:

»In der Zeit ist selbst aber der Begriff "Selektion" nicht verwendet worden, sondern der Begriff "Sortierung".«

Die bis dahin umstrittene Frage scheint also gelöst. Schon Dr. Laternser, einer der Verteidiger im Auschwitz-Prozeß, zweifelte an dem Begriff.[3]

Hier haben wir ein Problem. Versuche zur Klärung des Unterschiedes zwischen "Selektion" und "Sortierung" brachten uns die Erfahrung, daß viele jüngere Personen hier keinen Unterschied erkennen. Ältere jedoch definieren sehr genau die verschiedenen Bedeutungen. Man hat das Gefühl, daß bei solchen ein feineres Sprachgefühl ausgeprägt ist. Wir wollen eine wissenschaftliche Definition, aber eine solche Fachkraft fehlt in diesem Kreis. Wir hoffen nun im Leserkreis auf ein Echo. So lange möchten wir eine weitere Bearbeitung zurückstellen.

Auf Seite 415 der Gerichtsakten trifft Prof. Jagschitz eine weitere sehr wesentliche Feststellung:

»[…], manchmal sind die Züge nicht als Züge nach Auschwitz auf diesen Absendelisten bezeichnet, sondern nur als Züge nach Osten. Und man kann nun nicht immer genau feststellen, ob sie nach Auschwitz oder in ein anderes Lager gegangen sind.«

Ad hoc fanden wir im Heft von Auschwitz Nr. 2, S. 21, den »39. Osttransport« am 30.6.1943. Es bedarf keiner Erläuterung, wie wesentlich der zitierte Satz ist.

Nach Erörterungen über die Modalitäten der Transporte wie Personennamenslisten etc., die in Auschwitz vorliegen, folgt dann auf Seite 417 der Akten eine weitere nicht zu übersehende Formulierung:

»Und die Differenz [zwischen abgesandten und registrierten Personen, d. Verf.] ist die Zahl, von der man annehmen muß, daß sie getötet wurden. Ich sage ganz bewußt annehmen, weil es auch hier noch nicht Eindeutigkeiten gibt.«

Es geht dann weiter auf Seite 423:

»Erhalten sind nur zwei Beispiele einer [geschilderten, d. Verf.] Stärkemeldung, die in Auschwitz gezeigt werden, und ich muß hier quellenkritisch bemerken, es enthält dieser Zettel, der ein alter Zettel ist nach dem Papier, keine Angaben, keine Unterschriften und sonst nichts, ich will nicht bezweifeln, daß es so etwas gegeben hat, aber ich kann quellenkritisch nicht bestätigen, daß diese ganz wenigen vorhandenen Aufzeichnungen tatsächlich echt sind.

Also ich möchte nicht sagen, daß es Fälschungen sind, sondern ich möchte dazu nur sagen, daß meine quellenkritischen Mittel nicht ausreichen, die Echtheit zu bestätigen.«

Über weitere Kritiken des Prof. Jagschitz werden wir berichten nach Lösung des oben genannten Problems. Zu erkennen ist, daß die »substantiellen Zweifel«, wie im Bericht des Professors vom 10.1.1991 formuliert, doch ernstere Hintergründe haben als er abschwächend zwischendurch verkündete. Wer noch die Fähigkeit hat kritisch zu lesen, dem kommen bei der Lektüre dieses Gutachten sehr merkwürdige Verdachtsmomente, unter anderem der, daß der Sachverständige Angst hat, auch nur ein falsches Wort zu sagen. Genügen nicht die hier zitierten Worte bereits? Fürchtet er sich deshalb vor einem endgültigen, schriftlichen Gutachten? Hat er vielleicht noch Skrupel, einfach dem in den Gesetzen vorgeschriebenem Dogma zu folgen? Das ist in Österreich noch unglaublicher als in Deutschland. Oder hat er gar noch ein Gewissen, das er nicht vor der Bürotür ablegen kann?


[1]Tätigkeitsbericht des Sachverständigen Prof. Jagschitz an das Landesgericht für Strafsachen, Abt. 26b, Wien, 10.1.1991; vgl. E. Gauss, Vorlesungen zur Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1993, S. 258.
[2]Protokoll des Gutachtens von Prof. Dr. Gerhard Jagschitz, 3.-5. Verhandlungstag der Strafsache Honsik, 29.4., 30.4., 4.5.1992, Az. 20e Vr 14184 und Hv 5720/90, Landesgericht Wien.
[3]H. Laternser, Die andere Seite im Auschwitz-Prozeß, Seewald, Stuttgart 1966, S. 185.

 

IV – Inhaltsvergleiche

Schon eine Reihe von Jahren ist klar, daß in einschlägigen Veröffentlichungen den Gesamtkomplex der Lager Auschwitz samt IG-Farbenindustrie (Monowitz) betreffend zum Teil sehr unterschiedliche Zeitzeugenaussagen vorhanden sind. Geändert hat sich dies mit dem erscheinen des Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von Danuta Czech, beginnend mit Nr. 2 der Hefte von Auschwitz, 1959, bis Nr. 8, 1964.

Diese alte Fassung unterscheidet sich von der neuen[1] dadurch, daß erst in letzterer – wenn auch nicht durchgängig und nicht vollständig – Quellenangaben hinzugefügt wurden. Auffällig ist die Tatsache, daß früher erschienene Bücher als »Quelle« übernommen wurden, die den Anforderungen, die z.B. Prof. Dr. Jagschitz quellenkritisch anlegt, nicht standhalten. Es häufen sich inzwischen die Fälle, in denen wir feststellen, daß die Texte im Kalendarium nicht inhaltsgleich mit veröffentlichten Dokumenten sind. Das oben zitierte Gutachten trifft gleiche Feststellungen.

Es ist nicht auszuschließen, daß in revisionistischen Veröffentlichungen gleiche Fehler enthalten sind. In einem unterscheiden sie sich jedoch mit Sicherheit von den erstgenannten Publikationen: Sie verstoßen, weil die Verfasser zum großen Teil Naturwissenschaftler sind, nicht gegen naturwissenschaftliche Gesetze.

Absurde Tatsachenbehauptungen, d. h. solche, die den Naturgesetzen nicht entsprechen, sind der Hauptgrund der Zweifel aller Revisionisten. Die Naturgesetze aber sind nicht wegzudiskutieren; sie sind Grundlage der Wissenschaft und lassen sich auch durch verordnete »Offenkundigkeiten« nicht ändern.

Jürgen Graf hat in seinem Buch Der Holocaust auf dem Prüfstand ersten Ansatz niedergeschrieben.[2] Germar Rudolf bereinigte einige Probleme mit seinem Gutachten.[3] Wir wollen in Zukunft solche grundsätzlichen Verstöße gegen nachprüfbare Naturgesetze darstellen und wissenschaftlich begründet bereinigen. Wir sind jedoch bereits alle überlastet und fordern deshalb unsere Leser zur Mitarbeit auf.

Was ist hierzu notwendig und wie sollte es geleistet werden?

Erster Grundsatz soll und muß sein: Absolute Sachlichkeit, ohne jede Polemik. Fakten zitieren, belegt durch die Texte, und die Verstöße gegen wissenschaftliche Grundgesetze herausarbeiten. Hierbei jedoch auch durch Inhaltsvergleiche andere Druckwerke mit gleichen oder ähnlichen Fehlern feststellen und benennen. Zu beachten wären im wesentlichen alle Bücher und Veröffentlichungen von Kriegsende bis 1959. Nicht übersehen sollten sie die Werke aus dem ehemaligen Ostblock. Hier sprechen wir vor allem unsere Mitarbeiter in Mitteldeutschland an. Wer fremdsprachliche Bücher für diesen Zweck übersetzen kann ist auch angesprochen. Dies gilt vor allem den frühen Werken in polnischer Sprache.

Wichtig wäre die Feststellung bei jeder Publikation ob sie mit dem Kalendarium übereinstimmt oder wie sie sich unterscheidet. Wir zeigen an nachstehendem Beispiel unsere Vorstellung der Bearbeitung.

Wir hoffen auf Ihre Anregungen und Hilfe.


[1]D. Czech, Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz - Birkenau 1939 - 1945, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1989.
[2]J. Graf, Der Holocaust auf dem Prüfstand. Augenzeugenberichte versus Naturgesetze, Guideon Burg Verlag, Basel 1992.
[3]R. Kammerer, A. Solms (Hg.), Das Rudolf Gutachten, Gutachten über die Bildung und Nachweisbarkeit von Cyanidverbindungen in den "Gaskammern" von Auschwitz, Cromwell, London 1993, jetzt bei Vrij Historisch Onderzoek.

 

TV – Textvergleich

In D. Czechs Buch Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945 (Rowohlt, Reinbek 1989, S. 352) steht folgender Abschnitt:

»Mit einem Transport des RSHA sind aus dem Ghetto in Mlawa etwa 2500 jüdische Männer, Frauen und Kinder eingetroffen. Nach der Selektion werden 406 Männer, die die Nummern 80262 bis 80667 erhalten, als Häftlinge in das Lager eingewiesen. Die übrigen etwa 2094 Menschen werden in den Gaskammern getötet.«

In der Nummer 14 der Hefte von Auschwitz 14 (Verlag staatliches Auschwitz-Museum, 1973, S. 6) ist folgender Text zu lesen:

»Das aufgefundene Notizheft erwies sich als das Tagebuch eines Häftlings – Mitglieds des Sonderkommandos – mit Namen Lejb. Lejb war am 6. Dezember 1942 mit einem Transport aus dem Ghetto in Makow Mazowiecki nach dem KL Auschwitz gekommen, nachdem er vorher das Durchgangslager im Ghetto in Mlawa passiert hatte, das nach der Deportierung der dort wohnenden jüdischen Bevölkerung organisiert worden war. Mit diesem Transport kamen damals über 1,5 Tausend Personen an, von denen nur 406, junge, arbeitsfähige Männer, ins Lager geleitet wurden. Die übrigen Personen und darunter auch die Frau von Lejb, Deborah und ihr einziges Söhnchen Samuel – wurden in einem der Vergasungsbunker getötet.«

Um korrekt zu prüfen, welche Zahl stimmt: »2500« oder «1,5 Tausend« müßte man das genannte Tagebuch einsehen. Es gibt jedoch beweisbar im erstgenannten Buch schon mehr solcher Irrtümer.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(4) (1997), S. 265ff.


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