Ein Akt der Solidarität

Von VHO

Der nachfolgend abgedruckte Beitrag erschien bereits in der Nr. 2/1997 der Zeitschrift Sleipnir (Verlag der Freunde, Postfach 217, D-10182). VffG veröffentlicht zwar in der Regel keine Beiträge, die in deutscher Sprache bereits anderswo erschienen sind. Hier jedoch machen wir eine Ausnahme, und zwar aus folgendem Grund:

Der Verlag der Freunde, vertreten durch Andreas Röhler, wird seit etwa zwei Jahren von der Berliner Justiz massiv verfolgt und mit Gerichtsverfahren überzogen, weil er in seinem Periodikum auch rechte oder als rechts eingestufte Autoren zu Wort kommen ließ. Während vier Hausdurchsuchungen wurden dem Verlag immer wieder entgegen dem geltenden Presserecht allgemeine Ausrüstungsgegenstände geraubt (vgl. VffG 4/97, S. 274, 301). In einem schwebenden Verfahren hat sich Andreas Röhler inzwischen einer psychiatrischen Untersuchung unterziehen müssen. Der dabei zu Rate gezogene Psychiater konnte allerdings bei Herrn Röhler keine Abartigkeiten feststellen. Somit dürfte einer längerfristigen Inhaftierung Röhlers in einem normalen Gefängnis nichts mehr im Wege stehen. Herr Röhler läuft daher Gefahr, das Schicksal der politischen Gefangenen Günter Deckert und Udo Walendy zu teilen.

Der nachstehende Beitrag war mit ein Grund für das letzte gegen Röhler eingeleitete Verfahren. In dem Beitrag stellt Frau Weckert die Tagebücher zweier Männer gegenüber, die beide im Lager Dachau interniert waren: einer vor und der andere nach dem Kriegsende. Eine derartige Gegenüberstellung ist ohne Zweifel hochinteressant und wichtig, eine Kommentierung der sich aus dem Vergleich ergebenden Auffälligkeiten unausweichlich. Allerdings müssen wohl einige Beamte der Berliner Strafjustiz der Auffassung gewesen sein, daß die Zitierweise und die Art der Kommentare strafwürdig seien.

Wir dagegen sind der Meinung, daß diese wichtige und sachliche Arbeit von Frau Weckert unbedingt das Prädikat "wissenschaftlich wertvoll" verdient und somit den Schutz der Menschenrechte genießen muß. Die Tatsache allein, daß das ausführliche Zitieren und begründete Kommentieren älterer Publikationen, die nie beanstandet wurden, Anlaß für ein Strafverfahren ist, zeigt, wie sehr sich die Bundesrepublik Deutschland bereits von rechtsstaatlichen Normen entfernt hat.

Schon aus Gründen der Solidarität mit dem Verlag der Freunde in Person Andreas Röhlers und der ebenfalls verfolgten Autorin dieses Beitrages, Ingrid Weckert, aber auch, um die staatlichen Zensurversuche zu unterlaufen und der bundesdeutschen Inquisition die Sinnlosigkeit ihres Tuns vor Augen zu halten, haben wir uns entschlossen, diesen Beitrag hier wiederzugeben. Zugleich haben wir uns erlaubt, ihn auf unserer Website zu plazieren (http://www.vho.org/D/Sleipnir/RauWe3_2.html). Nun kann sich jeder weltweit selbst seine Gedanken über die Rechtsstaatlichkeit der Bundesrepublik Deutschland machen.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 2(1) (1998), S. 22.


Zum Beitrag von Ingrid Weckert: »Zweimal Dachau«
Zurück zum Inhaltsverzeichnis