Deutschlands Historiker anno 1999

Von Dipl.-Chem. Germar Rudolf

Präludium

Außergewöhnliche Situationen erfordern manchmal außergewöhnliche Maßnahmen. Eine solche außergewöhnliche Situation besteht bekanntlich spätestens seit dem 1.12.1994, als auf Beschluß des Deutschen Bundestages im Zuge einer Strafrechtsänderung das Recht auf freie Meinungsäußerung und Freiheit der Wissenschaft in Deutschland faktisch aufgehoben wurde, indem unter anderem bestimmte Ansichten über die Zeit des Dritten Reiches, seien sie wissenschaftlich begründet oder nicht, einfach verboten und mit hohen Gefängnisstrafen bedroht werden. Gleichzeitig wird nun von den in den Institutionen vorgerückten 68ern auch zunehmend all das verboten, was ihnen nur dünkt, es könne ein Indiz dafür sein, daß "der Schoß immer noch fruchtbar ist, aus dem das kroch". Seit neuestem ist z.B. Der Schlesier ein Angriffsziel der Strafbehörden, wagte er doch die Verlegung zeitgeschichtlich kritischer Broschüren (vgl. VffG 4/98, S. 307f.). Und schlägt man den Schlesier, meint man bekanntlich die Vertriebenen in cumulo. Parallel dazu und sicher nicht zufällig erreicht der finanzielle und machtpolitische Mißbrauch der »Faschismus-Keule« (Prof. Knütter) weltweit neue Rekorde. Daß die Sache selbst dem Establishment nun zunehmend ein wenig gegen den Strich geht, hat Martin Walser in seiner Rede anläßlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels ausgedrückt, und er scheint der erste seit Jahrzehnten zu sein, dem dies zumindest nicht sofort zum Verhängnis wird, doch warten wir ab. An seinen Anforderungen an einen Kritiker, als der er ja ausdrücklich auftreten will, ist er allerdings schon in dieser Rede gescheitert, nur haben das wohl nur wenige gemerkt (vgl. FAZ, 12.10.98, S. 15). Seine Anforderungen lauten:

»etwas, was man einem anderen sagt, mindestens genauso zu sich selber sagen. Den Anschein vermeiden, man wisse etwas besser. Oder gar, man sei besser«

Wenig später dann aber wird sein Versagen deutlich:

»Kein ernstzunehmender Mensch leugnet Auschwitz. Kein zurechnungsfähiger Mensch deutelt an der Grauenhaftigkeit von Auschwitz herum;«

Kann es eine härtere Kritik geben als die, ein Andersdenkender sei aufgrund seiner abweichende Meinung unzurechnungsfähig? Ich gehe jede Wette darauf ein, daß Martin Walser auch nicht einen einzigen Beitrag des wissenschaftlichen Revisionismus gelesen, geschweige denn begriffen hat. Er erlaubt sich also ein absolutes, besserwisserisches Urteil über ein Thema, ohne auch nur den winzigsten Funken von Ahnung zu haben, wovon er eigentlich spricht. So sehr Martin Walsers Rede daher in seiner taburührigen Tendenz zu begrüßen ist, so sehr läßt sie aber bezüglich dieses für sein Thema immerhin absolut zentralen Problems an gedanklicher Reife zu wünschen übrig. Ob dem abgeholfen werden kann?

Daß die neuen verschärften Strafbestimmungen Deutschlands Gefängnisse zunehmend mit politischen Gefangenen füllen – ein für ein demokratisches Land unwürdiger Zustand – hat des Bundeskanzlers (selbsternannter?) Busenfreund Horst Mahler kritisiert (SZ, 30.9.98):

»Nach einer französischen Studie soll es zur Zeit in Deutschland mehr politische Gefangene geben als in der DDR im Jahre vor ihrem Zusammenbruch. Nur werden diese Überzeugungstäter, die wegen Volksverhetzung, wegen Leugnung des Holocaust und wegen Fortführung verbotener Organisationen verurteilt sind, hierzulande nicht als politische Gefangene wahrgenommen, […]. Es sind überwiegend junge Leute, die so zu Märtyrern der nationalen Wiedergeburt Deutschlands werden.«

Wohlgemerkt: zu Märtyrern werden, nicht etwa werden wollen. Die Signale sind deutlich.

Womöglich eines der folgenreichsten bisher von staatlicher Seite eingeleiteten Strafverfahren gegen "historische Dissidenten" erfolgte gleich nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes gegen Herausgeber, Verleger, Autoren, Drucker, Buchhändler und Bezieher des Holocaust-revisionistischen Grundlagenwerks Grundlagen zur Zeitgeschichte. In einer konzertierten Aktion wurden bundesweit ungezählte Haushalte nach Exemplaren des Buches durchsucht, um es restlos vernichten zu können. Sogar eigentlich straffreie Einzelexemplare wurden nicht verschont. Der Verleger Wigbert Grabert wurde im Juni 1996 in erster Instanz zu DM 30.000 Strafe verurteilt. Dabei ignorierte das Gericht zwei Gutachten angesehener Historiker, die dem Buch Wissenschaftlichkeit und somit den unumschränkten Schutz des Menschenrechts auf Wissenschaftsfreiheit attestierten.

Seither wartet man vergebens darauf, daß das Landgericht Tübingen das Berufungsverfahren ansetzt. Ein im Herbst 1998 erfolgter telefonischer Vorstoß des mit der Sache betrauten Richters beim Verteidiger Graberts mag erhellen, warum das Berufungsverfahren bisher verschleppt wurde: Der Richter legte Herrn Grabert nahe, er solle die Berufung zurückziehen, da er ansonsten mit einer weit höheren Geldstrafe sowie mit der finanziellen Vernichtung seines Verlages rechnen müsse. Ist dies nun ein Bluff, weil man sich vor diesem Verfahren fürchtet, bei dem jeder Richter offenen Auges das Recht brechen muß, wenn er nicht selbst vom auf ihm lastenden politischen Druck zerstört werden will? Oder ist dies eine wohlwollende Warnung an Deutschlands führenden revisionistischen Verlag? Tatsache ist, daß sich an diesem Verfahren die Wasser scheiden würden: Entweder der Verfassungsbruch durch die deutsche Justiz wird für jedermann offenkundig, oder die Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland geht den Bach runter. Diese Last der Verantwortung kann dieser Richter am LG Tübingen wohl nicht ertragen.

Im Zusammenhang mit diesen Vorgängen hinter den Kulissen ist der Versuch des Landesamtes für Verfassungsschutz Baden-Württemberg zu sehen, das den einen Gutachter im obigen Verfahren versucht, in Mißkredit zu bringen, einfach indem man ihn im Landesverfassungsschutzbericht von 1997 namentlich erwähnt (S. 93):

»Zu den wichtigsten Autoren [der Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung] gehören […] die bekannten Revisionisten David IRVING und Robert FAURISSON sowie die revisionistischen Historiker Dr. Alfred SCHICKEL und Dr. Joachim HOFFMANN.«

Da jedoch der Abdruck eines aktenkundigen, in einem Öffentlichen Verfahren eingereichten Gutachtens nicht bedeutet, daß der Verfasser des Gutachtens zugleich ein Autor, geschweige denn ein »wichtiger Autor«, in unserem Medium ist, habe ich Herrn Hoffmann folgendes Dokument zur Verfügung gestellt, damit dieser sich gegen die oben zitierte falsche Darstellung des Landesamtes für Verfassungsschutz wehren kann:

Eidesstattliche Erklärung

Die unter ISSN 1370-7507 erscheinenden, von der belgischen Stiftung Vrij Historisch Onderzoek […] herausgegebenen Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung werden seit ihrer Gründung im Sommer 1996 von mir verantwortlich redigiert. Die Erstausgabe dieser Zeitschrift erschien im März 1997. Aus juristischen Gründen übernahm Herr Herbert Verbeke die formelle presserechtliche Verantwortung für die ersten fünf Ausgaben dieser Zeitschrift. Die inhaltliche Gestaltung oblag jedoch immer mir und wurde weder von Herrn Verbeke noch von anderen Dritten in irgendeiner Weise beeinflußt.

In der Ausgabe 3 des ersten Jahrgangs der Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung vom September 1997 wurde auf den Seiten 205-207 der Wortlaut eines Gerichtsgutachtens abgedruckt, das Dr. Joachim Hoffmann im Zusammenhang mit dem Strafverfahren gegen u.a. den Grabert-Verlag und mich [als Herausgeber] wegen des Buches Grundlagen zur Zeitgeschichte (AG Tübingen, Az. 4 Gs 173/95) verfaßt hatte. Wie mir berichtet wurde, wurde das Gutachten in dem benannten Öffentlichen Strafverfahren in schriftlicher Form vorgelegt und zu den Akten genommen. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob mir eine Kopie dieses Gutachtens vom Gutachter selbst oder vom Grabert-Verlag zur Verfügung gestellt wurde.

Ende Juni 1996 führte ich mit Dr. Joachim Hoffmann ein längeres Telefongespräch über den Verlauf und Ausgang des Mitte Juni 1996 abgeschlossenen, oben genannten Strafverfahrens und seine Rolle als Gutachter darin. Im Verlauf des Gespräches frug ich ihn, ob er sich vorstellen könne, sein Gutachten zu publizieren. Er antwortete mir, daß er dagegen sei, da er in diese Auseinandersetzung nicht hineingezogen werden wolle.

Herr Dr. Joachim Hoffmann wurde vor dem Abdruck seines Gutachtens in der Nummer 3/97 der Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung nicht über mein Vorhaben in Kenntnis gesetzt. Er konnte daher seine evtl. geänderte Meinung zu dieser speziellen Veröffentlichung nicht äußern.

Dies erkläre ich an Eides statt.

Germar Scheerer* […], am 20. Oktober 1998

Nachrede

In einem Schreiben vom 31.10.98 bedankte sich Herr Dr. Hoffmann für diese Erklärung. Zwar hätte er von der Sache her nichts gegen eine Veröffentlichung des Gutachtens gehabt, weil er es nach bestem Wissen und Gewissen abgegeben hatte. Seine strikte Gegnerschaft gegen eine Veröffentlichung beruhe vielmehr auf seinem Widerwillen, »in die politische Auseinandersetzung hineingezogen zu werden.« Er drückte seine Genugtuung darüber aus, daß ich nun im Ausland in Sicherheit lebe. Die Menschen seien dort »relativ tolerant und nicht solche Spitzel und Denunzianten, wie es die Deutschen immer waren und es heute wieder sind. Schon Goethe schreibt von ihrer Rechthaberei und Intoleranz und von ihrer Neigung zum Polizeibütteltum, Bismarck von ihrer geringen politischen Befähigung. Sie sind immer dieselben geblieben! Und ihre schlechten Eigenschaften stehen heute in einer noch nie dagewesenen Blüte!«

»Die deutschen [Zeit-]Historiker: Lügner und Feiglinge!«: David Irvings Ausspruch trifft auf Dr. Joachim Hoffmann am wenigsten zu. In der Menge der deutschen Historiker ist er wohl einer der wenigen, die als wirklich unpolitisch und rein an der wissenschaftlichen Materie interessiert gelten müssen. Aber auf die Masse der deutschen Historiker dürfte Irvings Ausspruch durchaus zutreffen. Der konservative Historiker Prof. Dr. Werner Maser meinte beispielsweise einmal gegenüber einem Bekannten sinngemäß, man müsse sich als Historiker doch in gewisser Weise dem Zeitgeist beugen und manchmal auch Unwahres von sich geben, wenn man wenigstens einen Teil der Wahrheit ans Tageslicht bringen wolle. Aus Feigheit fühlt er sich also zur Lüge gezwungen. Und kein geringerer als Hans-Heinrich Wilhelm meinte einst lapidar, historische Gutachter würden gerade in Sachen »Holocaust« bisweilen Schweigegebote achten (H.-H. Wilhelm, in: U. Backes, E. Jesse, R. Zitelmann (Hg.), Die Schatten der Vergangenheit, Propyläen, Berlin 1992, S. 403). Man ist geneigt zu sagen: nicht bisweilen, sondern regelmäßig beachten sie nicht nur ein imaginäres Schweige-, sondern auch Falschaussagegebote, und begehen somit als Gutachter das kriminelle Delikt der wissentlichen Falschaussage. Deutschlands Historiker als nicht nur Lügner und Feiglinge, sondern zudem auch noch Kriminelle?

Derartige verachtenswerte Verhaltensweisen sind der Grund dafür, warum sich Deutschland in dieser mißlichen Lage befindet, denn nichts anderes als das völlig verzerrte Bild vom Holocaust und damit vom Dritten Reich überhaupt ist der Grund für die vielen gesellschaftlichen Schieflagen Deutschlands, und beileibe nicht nur Deutschlands.

Traurig hat mich die Reaktion Dr. Hoffmanns auf diese Lage gestimmt, der meinte, man solle das Thema »Holocaust« noch einige Jahrzehnte lang ruhen lassen, da es zur Zeit offenbar noch viel zu heiß sei. Ich habe erstens massive Zweifel daran, daß das Thema in einigen Jahrzehnten weniger heiß ist. Die Entwicklung der letzten fünf Jahrzehnte mit ihrer kontinuierlichen Aufheizung des Klimas spricht eher für das Gegenteil. Es ist nur allzu leicht nachvollziehbar, warum der zeitliche Abstand der Aufheizung dienlich ist, denn erstens erlaubt das langsame Abtreten der Erlebnisgeneration überhaupt erst diese negative Mystifizierung jener Zeit, und zweitens entwickelt diese Art der diabolischen Gehirnwäsche ihre volle Wirkung erst nach Generationen, wenn die erlebte Geschichte und jene, die man aus erster Hand von Eltern und Großeltern erzählt bekam, durch die "Geschichten" der 68er Pädagogen vollständig ersetzt worden sind. Ich habe daher trotz aller Walsers und Mahlers angesichts der rot-grünen Regierung und ihrer zeitgeistlichen Langzeitwirkung keine Hoffnung auf eine Besserung oder Änderung.

Außerdem ist Dr. Hoffmanns Vorschlag geradezu grotesk, denn übersetzt lautet er: Weil ich ein gigantisches Problem habe, soll ich es nicht zu lösen versuchen, sondern warten, bis es noch größer geworden ist. Denn egal, welche "Temperatur" das Thema auch immer hat: die sich aus einem falschen Geschichtsbild und der darauf aufbauenden falschen Politik ergebenden gesellschaftlichen Probleme können nur wachsen. Wenn also schon politisch-gesellschaftliche Probleme als Faktoren angeführt werden, nach denen ein Historiker sein Handeln oder eben Nichthandeln ausrichten soll, so können gesellschaftliche Widerstände nicht nur kein Entschuldigungsgrund dafür sein, daß man seinen Berufspflichten nicht nachkommt. Nein und im Gegenteil: Gerade in solcher Lage trennt sich bei den Historikern die Spreu vom Weizen: Erst recht unter Druck muß sich der Historiker unumwunden zu seinen Pflichten bekennen, sprich der Erforschung und Bekanntmachung historischer Zusammenhänge sine ira et studio. Tut er es nicht, so muß er eben damit rechnen, »Lügner und Feigling« genannt zu werden.

Nicht jeder ist angesichts der ausufernden politischen Verfolgung in Deutschland zum Helden geboren, und ein überlebensnotwendiges Maß an Opportunismus muß man wohl besitzen. (Wir hier im Ausland haben ohnehin leicht reden…) Aber eines ist klar: Wenn es nicht die Historiker sind, die den Mund aufmachen, wird sich auf friedliche Weise kaum etwas ändern, denn der heutige Gesinnungsterror ruht auf nichts anderem als auf dem Geschichtsbild, das die Historikerschaft zeichnete oder doch zumindest kritiklos hinnahm. Hier gilt aber wie sonst auch: Millionen denken: »Ich bin allein, ich allein kann ja doch nichts ändern.«…

Wie auch immer sich daher mein damaliger Verleger Herr Wigbert Grabert entscheiden wird, für uns hier gilt weiterhin:

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!


*Anm. Juli 2002: Nach der Scheidung von seiner Ex-Frau Scheerer nahm G. Rudolf seinen Geburtsnamen wieder an.
Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(1) (1999), S. 2f.
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