Als Yad Vashem und die Kritiker schliefen

Otto Schwerdt, Mascha Schwerdt-Schneller, Als Gott und die Welt schliefen, Edition Lichtung, Viechtach 1998, 107 S.

Spätberufene Augenzeugen des Holocaust gibt es offenbar viele, und die Tatsache, daß sich viele davon als Lügner herausgestellt haben - vgl. dazu die Fälle Donald Watt (VffG 1/98, S. 38), Wilkomirski (VffG 1/99, S. 88) und nun auch noch Salomón Isacovici (dieses Heft) - scheint die anderen nicht zur Vorsicht zu mahnen.

Otto Schwerdt ist ein weiterer Beleg für die mittlerweile offenkundige Tatsache, daß eine sogenannte Augenzeugenaussage 55 Jahre nach dem angeblichen Geschehen nicht mehr das Papier wert ist, auf dem sie niedergeschrieben wird.

Der Autor, der in Regensburg lebende Jude Otto Schwerdt, schildert in seinen Aufzeichnungen u.a. seine Erlebnisse im KL Auschwitz in der Zeit von August bis Oktober 1943. Er hat übrigens nach Auschwitz noch weitere KL mit Hilfe mehrerer »Wunder« er- bzw. überlebt (vgl. S. 33, 38, 53, 92), wie es bei Juden wohl üblich zu sein scheint, heißen sie nun Otto Schwerdt, Elie Wiesel, Simon Wiesenthal.

Ich habe das Buch in der Erwartung gekauft, neue Informationen über die Gaskammern zu erhalten. Davon kann aber keine Rede sein. Zwar wimmelt es nur so von abstrakten Aussagen wie »P[l]ötzlich ist es mir klar. Links bedeutet Tod, rechts Leben. Rechts Arbeitslager, links Gas. [...] Sie vergasen Menschen.« (S. 47), »Sie werden vergast« (S. 48), »"In den Duschen werden Menschen vergast"«, »Jeden Tag treiben die Nazis Menschen in die Gaskammer. Jeden Tag brennen die Öfen.« (S. 55), »Die Nazis schickten sie ins Gas [...] links - Gas, rechts - Leben. [...] Sie mußten sich ausziehen und wurden von den Herrenmenschen zur Gaskammer getrieben.« (S. 57, ähnlich S. 58), »Bei der nächsten Selektion gehst Du ins Gas« (S. 62)...

Doch wo und wie vergast wurde, darüber verliert Schwerdt nicht ein einziges Wort. Daraus kann nur geschlossen werden, daß er selbst eine Gaskammer noch nicht einmal von außen gesehen hat, also höchstens Gerüchte wiedergibt.

Dafür fehlt aber nach bekanntem Muster der »Freund« nicht, der die Gaskammern zu Gesicht bekam (S. 57), ein Mitglied des Sonderkommandos nämlich, das - schon wieder ein Wunder - ausnahmsweise nicht »nach wenigen Wochen oder Monaten« vergast worden ist, wie sonst angeblich üblich. Derartige Fälle häufen sich inzwischen! Schwerdts Aussage, »wie es ihm gelang, am Leben zu bleiben, weiß ich nicht«, ist völlig unglaubwürdig, denn gerade darüber wird bei dem behaupteten Treffen »nach dem Krieg« mit Sicherheit gesprochen worden sein.

Otto Schwerdt anno 1946

Otto Schwerdt anno 1998

Bereits bei der Beschreibung der Ankunft in Auschwitz (S. 47) wird der kritische Leser mißtrauisch. Schwerdt scheint nämlich über hellseherische Fähigkeiten zu verfügen. Als er aus dem Waggon gestiegen ist und an der Rampe steht, wird ihm »plötzlich [...] klar«: »Sie tun es. Sie tun es wirklich. Sie vergasen Menschen.« Er weiß auch schon, daß die bereitstehenden Fahrzeuge mit dem Roten Kreuz (»Krankenwagen«! Ein bisher nicht bekannter Luxus!) nur dazu da sind, nicht gehfähige Häftlinge »zur Gaskammer« zu fahren.

Seltsames erfährt man von Schwerdt über die Art seiner Tätigkeit in Auschwitz: Er war ständig damit beschäftigt, völlig sinnlos tiefe Löcher zu graben, die anschließend wieder zugeschüttet wurden. »So ging es jeden Tag. Ein Loch auf, das andere zu, ohne Ende.« (S. 54, auch S. 57, 59, 61). Meines Wissens ein Novum unter den Zeugenaussagen.

Einzigartig in der Auschwitz-Literatur dürfte Schwerdts groteske Behauptung sein, daß »die Nazis über Lautsprecher [die Nummern der Häftlinge] für die nächste Vergasung ausriefen.« (S. 61).

Weitere falsche Aussagen Schwerdts seien nur kurz angeführt:

Interessant auch, wie Schwerdt zwischen zwei Arten von Selektionen unterscheidet: Die eine führt angeblich in die todbringenden Gaskammern (S. 61f.), die andere in ein lebensversprechendes anderes Außenlager (S. 63). Während er über die erste Art nur Gerüchte wiederzugeben vermag, kann er die zweite genau beschreiben, denn bei dieser Selektion wurde er selbst ausgewählt. Wären nur Dritte davon betroffen gewesen, darf man wohl davon ausgehen, daß er im Glauben geblieben wäre, auch dieser Transport sei in den Gaskammern geendet. So aber weiß er es besser, ist aber dank 55-jähriger Auschwitz-Propaganda nicht in der Lage, diese Erkenntnis rational zu verarbeiten.

Schwerdt weiß auch zu berichten, daß die Häftlinge insbesondere auch unter ihren Mithäftlingen zu leiden hatten, ein Eingeständnis, das man nicht immer zu hören bekommt (S. 51, 56, 82).

Fazit: Dieses »unter Qualen« entstandene Buch wurde auch der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem zur Verfügung gestellt, die sich für die »Bereicherung« in einem Schreiben an Otto Schwerdt bedankte (Mittelbayerische Zeitung, 19.5.1998). Fest steht jedoch, daß durch den Bericht dieses Augenzeugen die Geschichte von den Gaskammern in Auschwitz kein bißchen glaubwürdiger geworden ist. Das gleiche läßt sich wohl auch über die zur Kritik unfähigen Historiker in Yad Vashem und über die "kritischen" deutschen Journalisten sagen, die nach wie vor ihren Schlaf der intellektuellen Besinnungslosigkeit schlafen.

Moritz Bauer


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(2) (1999), S. 225f.


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