Die Wahrheit

Wer die Wahrheit verschweigt, ist ein Feigling.
Wer die Wahrheit verbietet, der kann sie nur fürchten.
Wer die Wahrheit fürchtet,
muß sich hinter ganz dicken Lügen verschanzt haben.
Wer sich gar von der Wahrheit verletzt fühlt,
gesteht damit ein, welch' schlechtes Gewissen er hat.

Alexander Hoyer

Vorwort der Herausgeber

Der "Fall Günter Deckert" ist kein Einzelfall. Doch dieser Fall hat einmal wegen der Person Günter Deckert (NPD-Parteivorsitzender), aber auch wegen der Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH) in Karlsruhe vom März/April 1994 für weltweites Aufsehen gesorgt, das durch das Urteil Mannheim 11 vom Juni/Juli 1994 noch gesteigert worden ist.

Die Herausgeber, die Günter Deckert kennen und ihm in vielfacher Weise verbunden sind, haben die Aufgabe, den Fall in Form einer Dokumentation einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, gerne übernommen.

Absicht ist es, den Gesamtvorgang so gut wie möglich zu belegen, um tiefere Einblicke in die Entwicklung der politischen Kultur, der sogenannten Zeitgeschichtsforschung und der Rechtsprechung in BRD-Deutschland zu ermöglichen. - Die Herausgeber danken in diesem Zusammenhang K.-H. Sendbühler, München, für die Analyse des Medienechos.

Der Untertitel der vorliegenden Dokumentation "Märtyrer für Forschungs-, Meinungs- und Redefreiheit" ist nicht überzogen. Im Gegenteil: Er weist genau in die richtige Richtung, nämlich auf eine Entwicklung der Kriminalisierung wissenschaftlichen Arbeitens in zeitgeschichtlich kontroversen Sachbereichen, die sich in den letzten Jahren vollzogen hat. Der Revisionismus, in diesem Fall der sogenannte "Auschwitz-Revisionismus" wird systematisch kriminalisiert. Anstatt sich der geistigen Herausforderung zu stellen und freier Forschung mit kontroverser Darstellung der Sachverhalte und Ergebnisse freien Lauf zu lassen, was eines wirklich freien Gemeinwesens würdig wäre, wird immer mehr nach dem Staatsanwalt, nach der Justiz gerufen, die auf Grund entsprechender Gesetze (u.a. "A...-Gesetz") von politischen Hexen- und Ketzerjägern tätig werden muß, und im Falle eines Mannheimer Staatsanwaltes sogar mit sadistischer Freude tätig wird. Auf der Strecke bleiben elementare Grundrechte, auf die man sich in BRD-Deutschland bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit beruft.

Wir wünschen der Buchdokumentation eine weite Verbreitung in und mit der Hoffnung, daß sie dazu beitragen möge, noch mehr freiheitlich denkende Menschen zu bewegen, sich ihr Recht auf freie Rede, freie Forschung und freie Meinung nicht nehmen zu lassen.

November 1994

Gunther Anntohn
Berlin/Heidelberg

Henri Roques
Colombes/Paris

Gunther Anntohn studiert Geschichte und Politologie, Dr. Henri Roques ist gelernter Agraringenieur und wurde bekannt durch seine Doktorarbeit an der Uni Nantes, Frankreich, "Les confessions de Kurt Gerstein" - deutsche Bearbeitung und Übersetzung Günter Deckert unter dem Titel "Die Geständnisse des Kurt Gerstein - zur Problematik eines Schlüsseldokumentes" (Auschwitz), Druffel-Verlag, Berg a. See, 1986.


Prof. H. Diwald und Auschwitz

Zu Beginn des Jahres 1979 mußte sich Deutschlands Zeitungskönig Axel Springer bei einer Feierstunde in der Berliner jüdischen Gemeinde aus dem Munde des Zionistenführers und Herausgebers der winzigen "Allgemeinen jüdischen Wochenzeitung", Heinz Galinski, folgendes anhören: "Dieses Buch (Prof. Diwalds 'Geschichte der Deutschen') hat Bestürzung hervorgerufen und hat Beurteilungen gefunden, die geeignet waren, die gesamte Arbeit des Propyläen-Verlages in ein Zwielicht zu setzen." Diwalds umstrittenes Buch habe "in der vorliegenden Fassung das Gegenteil einer Aufhellung geschichtlicher Zusammenhänge bewirkt", entschied Galinski.

Axel Springer, über seinen Ullstein-Verlag Alleininhaber des Propyläen-Verlages, entschuldigte sich für seine Fehlleistung: "Das Erscheinen eines solchen Buches ist ein ausgesprochenes Mißgeschick". Sein Verlag hätte das Manuskript rechtzeitig "gegenlesen" müssen. Er, Springer, habe das Buch nicht gelesen und werde es erst lesen, wenn es, was er hiermit zusage, "in veränderter und verbesserter Form" neu aufgelegt werde und danach "nicht wiederzuerkennen" sei.

Lediglich einen kleinen Vorgeschmack auf diese in klassischer Weise die Freiheit unserer Gesellschaft bezeugende Totalrevision der "Geschichte der Deutschen" liefert die beigefügte Frühjahrsauflage 1979, die zwar nur Veränderungen auf zwei halben Seiten, nämlich 164 und 165 enthält, aber doch ahnen läßt, was bei der allgemeinen Überarbeitung des Buches in einer weiteren Neuauflage bevorstehen könnte. Diwald hatte noch im Dezember 1978 in einem Interview im Bayerischen Rundfunk versichert, er werde keiner einzigen Zeile Änderung zustimmen, allenfalls ein Nachwort beifügen. Der Historiker hatte wohl die Gegebenheiten in unserem Land unterschätzt.

Sehen wir uns die Umschreibungen auf den Seiten 164 und 165 einmal an. In der beigefügten Frühjahrsauflage 1979 (bisher wurden verkauft die erste Auflage mit 100.000 Exemplaren und eine weitere mit 10.000) findet sich auf Seite 164 die zusätzliche Einschaltung: "Die Massenmorde in den Vernichtungslagern werden in dem Testament Hitlers kaum noch verschleiert und als Vergeltung für deutsche Opfer gerechtfertigt." Weggefallen ist dafür folgende Stelle: "Seit der Anklage, daß die SS im Auftrag Hitlers durch Himmler und das Reichssicherheitshauptamt versucht hat, die europäischen Juden physisch zu vernichten, steht das Problem 'Auschwitz' unter dem Schutz einer totalen Abschirmung, zumal 'Auschwitz' seit der Kapitulation 1945 auch noch eine Hauptfunktion bei der völligen moralischen Herabwürdigung der Deutschen erfüllte. In Deutschland existiert das Judenproblem vorwiegend als abseitiges Thema periodisch wiederkehrender Bekenntniskongresse."

Die Streichungen

In dieser Neuauflage ist folgender Satz eingeführt:

"In dem Protokoll der Geheimkonferenz in Berlin-Wannsee, die Heydrich am 20. Januar 1942 mit den für die Evakuierung zuständigen Staatssekretären abhielt, scheint der Begriff 'Endlösung' jedoch bereits eine andere Bedeutung zu haben, denn in einem Passus des Protokolls wird festgestellt, daß diejenigen Juden, die bei ihrem Arbeitseinsatz im Osten nicht 'durch natürliche Verminderung ausfallen', 'entsprechend behandelt werden müssen'."

Hier wird allerdings verschwiegen, daß ein Protokoll in Wahrheit überhaupt nicht existiert, sondern lediglich eine nicht unterzeichnete maschinengeschriebene Niederschrift, die weithin als Fälschung betrachtet wird.

Es rundet das Bild ab, wenn man bedenkt, daß in der Neufassung zugleich folgende Ausführungen ersatzlos verschwinden:

"Ebenso eindeutig sind die durchorganisierten riesenhaften Deportationen der jüdischen Bevölkerung in die Lager der Ostgebiete. Über dieses Tatsachen, vor der Kulisse der abscheulichen Entrechtung der Juden im Dritten Reich, sind nach 1945 zahlreiche Schriften veröffentlicht und Behauptungen aufgestellt worden, die sich nicht beweisen ließen und das Schandbare durch Zynismus erweiterten: Man beutete eins der grauenhaftesten Geschehnisse der Moderne durch bewußte Irreführungen, Täuschungen, Übertreibungen für den Zweck der totalen Disqualifikation eines Volkes aus. So nannten die alliierten Sieger Vernichtungslager, von denen es in Deutschland kein einziges gegeben hat.

Oder es wurden jahrelang im KZ Dachau den Besuchern Gaskammern gezeigt, in denen die SS angeblich bis zu fünfundzwanzigtausend Juden täglich umgebracht haben soll, obschon es sich bei diesen Räumen um Attrappen handelte, zu deren Bau das amerikanische Militär nach der Kapitulation inhaftierte SS-Angehörige gezwungen hatte. Ähnlich verhielt es sich mit dem berüchtigten KZ Bergen-Belsen, in dem fünfzigtausend Häftlinge ermordet worden seien. In Wirklichkeit starben in der Zeit, in der das Lager existierte, von 1943 bis 1945, rund siebentausend Insassen, und zwar vorwiegend in den letzten Monaten des Krieges aufgrund von Seuchen und Unterernährung, da im Zuge des Bombenkrieges die medikamentöse Versorgung und Verpflegung zusammengebrochen war. Der britische Kommandant, der nach der Kapitulation das Lager übernahm, stellte fest, daß in Bergen-Belsen Verbrechen großen Ausmaßes nicht vorgekommen waren.

Das stand in der Erstausgabe

Wir finden als weitere Ergänzung hinzugefügt:

"Völkermord ist nichts Neues. Doch die Tatsache, daß ein ganzes Volk aufgrund weltanschaulich-geschichtsmetaphysischer Zwangsvisionen zum Träger alles Bösen auf Erden, zum Weltenübel schlechthin erklärt und deshalb seine physische Vernichtung betrieben wird, rührt an Apokalyptisches. Hitler hatte in 'Mein Kampf' geschrieben: 'Siegt der Jude mit Hilfe seines marxistischen Glaubensbekenntnisses über die Völker dieser Welt, dann wird seine Krone der Totenkranz der Menschheit sein, dann wird dieser Planet wieder wie einst vor Jahrmillionen menschenleer durch den Äther ziehen.'"

Weggefallen ist dafür zum "Ausgleich":

"Die Judendeportationen wurden zunächst ein Teil des allgemeinen Programms der Zwangsarbeit im Dienst der Rüstungsindustrie. Seit Beginn der Rußland-Offensive steigerten sich die Anstrengungen der deutschen Kriegswirtschaft von Monat zu Monat, und Mitte 1942 war ein Höhepunkt erreicht. jeder, der einigermaßen arbeitsfähig war, wurde zwangsverpflichtet, auch die jüdische Bevölkerung. Für sie galten entsprechend ihrem Sonderstatus besonders unmenschliche Regelungen. Das riesige Planungsprogramm ihrer Deportation aus allen besetzten Gebieten auf dem Schienenweg, für dessen Benutzung die militärischen und kriegswichtigen Aufgaben Vorrang hatten, wurde mit dem Einsatz in östlichen Rüstungsfabriken und Arbeitslagern begründet und gerechtfertigt, auch gegenüber den Transportdienststellen des Heeres. Auschwitz selbst, eine alte Industriestadt auf der oberschlesischen Platte, wurde zu einem Zentrum der Rüstungsproduktion entwickelt. Die chemische Industrie überflügelte rasch die früheren Zinkwalzwerke und Dampfmühlen; eine Hauptrolle spielten die Kohlehydrierung und die Kunstkautschuk-Produktion. Seit dem 16. Februar 1942 wurden sämtliche Konzentrationslager in die Kriegswirtschaft und Rüstungsindustrie eingegliedert und aus diesem Grund organisatorisch dem Hauptamt der SS- Wirtschaftsverwaltung und seinem Leiter, Obergruppenführer Otto Pohl, unterstellt. Die Außenstellen der angegliederten Arbeitslager von Auschwitz wuchsen ihrer rüstungstechnischen Bedeutung wegen binnen kurzer Zeit auf neununddreißig an. Nach den Interessen der Kriegswirtschaft wurden die einzelnen Lager eingestuft. Birkenau, das zum Komplex von Auschwitz gehörte, diente als Lager für diejenigen Häftlinge, die als nicht arbeitsfähig erklärt worden waren. Deshalb erreichte hier die Sterblichkeitsquote die höchsten Ziffern. Am 26. Juli 1942 brach in Birkenau eine verheerende Typhusepidemie aus. Innerhalb von knapp drei Monaten starben bis an die zwanzigtausend Menschen. Das war der Grund, warum sich in Birkenau ungewöhnlich große Einrichtungen für die Verbrennung von Toten befanden. Die Berichte von diesem Massensterben veranlaßten Himmler am 18. Dezember 1942 zu dem Befehl, 'die Zahl der Todesfälle in den Konzentrationslagern um jeden Preis herabzusetzen'."

Auschwitz - in zentralen Fragen ungeklärt

Einen Höhepunkt der Neufassung stellt dar:

"Wie könnte mit den begrenzten Mitteln der Sprache formuliert werden, was zu dem Spannungsbogen zwischen der abstrusen Phantastik dieser Sätze Hitlers und den Vernichtungslagern gehört? Fassungslosigkeit, Reue bis zur erklärten Unfähigkeit, mit jener Erschütterung, die dem Kern persönlich-religiöser Reue ausmacht, auf das in einem ganz präzisen Sinn 'Unvorstellbare' zu reagieren, abgründige Scham, Ohnmacht der Empfindung schließlich - eine Summierung derartiger Begriffsversuche läuft letztlich nur auf ein völliges Verstummen hinaus als Eingeständnis, daß die Tiefendimension des nicht zu fassenden Verbrechens auch nicht mit dem vorhandenen Vokabular zu fassen, mit Worten nicht wiederzugeben ist."

Der Säuberung zum Opfer gefallen ist:

"Während des Krieges war unter dem Ausdruck 'Gesamtlösung' oder 'Endlösung' zunächst zu verstehen: Da eine Auswanderung nicht mehr möglich war, sollten alle Juden in den Osten evakuiert, aus Zentraleuropa herausgelöst, von der deutschen Bevölkerung abgesondert und in neuen Gettos zusammengefaßt werden. Diesen Plan umriß der Chef des Reichssicherheitshauptamtes Reinhard Heydrich am 24. Juni 1940. Was sich in den folgenden Jahren tatsächlich abgespielt hat, ist trotz aller Literatur in zentralen Fragen noch immer ungeklärt. 'Auschwitz' ist das deutsche Stigma dieses Jahrhunderts. Es ist ein Symbol des Entsetzens, doch es ist auch symbolisch für die sowohl tatsächlich nachzuweisende als auch gegen besseres Wissen absichtlich hineingedeutete Gleichsetzung vom Dritten Reich und Deutschland. Dies freilich gehört zu dem Prozeß einer allgemeinen intellektuell-sittlichen Verwirrung als Ergebnis radikaler Standortbezogenheiten und ideologischer Festlegungen, der in Deutschland bereits in den beginnenden dreißiger Jahren eingesetzt hat."

Die totale Umdrehung des Standpunkts binnen weniger Monate geht aus der folgenden neuen Hinzusetzung hervor:

"An der Tatsache der systematischen Vernichtung der Juden, und zwar ohne jeden Zusammenhang mit Kriegsnotwendigkeiten und sogar im Widerspruch zu den Notwendigkeiten der Front, ist nichts strittig. Anders steht es mit dem Gesamthintergrund, den auslösenden Motiven für den Umschlag des ursprünglichen Konzepts einer forcierten Auswanderung der Juden über ihre gewaltsame Austreibung bis hin zur systematischen Ermordung des ganzen Volkes, den verschiedenartigen Problemen der jüdischen Bevölkerung in den einzelnen Ländern sowie der Verflechtung mit ausländischen Interessen und Bemühungen, Rettungsversuchen und Widerständen dagegen. Deshalb ist das, was sich im Zusammenhang mit jenem Plan der 'Endlösung' samt all seinen vielfachen Verzweigungen zwischen den Jahren 1941 und 1945 tatsächlich abgespielt hat, trotz alter Literatur in zentralen Fragen der Zuständigkeiten, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsbefugnisse noch immer ungeklärt.

Von den Siegermächten wurden sämtliche Akten nach der Kapitulation beschlagnahmt, ein Teil davon vernichtet. Freier Zugang zu den einschlägigen Dokumenten ist aber die Voraussetzung dafür, um alle diese Fragen zu klären."

Das zuvor Ausgeführte beweist zur Genüge, was aus der "Freiheit der Wissenschaft" in diesem unserem Lande geworden ist, damals schon: 1979.

1979 - Text als Flugblatt verbreitet


Zur Bedeutung

Artikel 5 (Meinungsfreiheit)

(1) jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.


"Wenn Deckerts (revisionistische) 'Auffassung zum Holocaust' richtig wäre, wäre die Bundesrepublik auf eine Lüge gegründet. Jede Präsidentenrede, jede Schweigeminute, jedes Geschichtsbuch wäre gelogen. Indem er den Judenmord leugnet, bestreitet er der Bundesrepublik ihre Legitimität."

Patrick Bahners, "Objektive Selbstzerstörung",

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.8.1994, S. 21


Zum nächsten Abschnitt
Zurück zum Inhaltsverzeichnis
Back to Archive