Leuchter-Gegengutachten: ein wissenschaftlicher Betrug?[1]

Die drei polnischen Autoren J. Markiewicz, W. Gubala und J. Labedz veröffentlichten in Polen jüngst eine chemische Studie über die Frage der Nachweisbarkeit von Cyanidverbindungen in den Entlausungskammern und den angeblichen Gaskammern des KZ Auschwitz. Diese Cyanidverbindungen sind Überreste des mit dem Wirkstoff Blausäure versehenen Entlausungsmittels Zyklon B, mit dem in den Entlausungskammern Läuse getötet wurden, in den vermeintlichen Menschengaskammern dagegen angeblich Menschen. Erstaunlicherweise verwendeten sie für den Nachweis ein Verfahren, mit dem die wichtigsten langzeitstabilen Cyanidrückstandsarten vom Typ Eisenblau nicht nachweisbar sind. Als Begründung führen sie aus, daß sie nicht verstünden, wie sich solche blaufarbenen Rückstände im Mauerwerk überhaupt bilden könnten. Sie glauben eher, daß diese Rückstände durch andere Umstände ins Gestein gelangt seien, zum Beispiel durch blaue Anstrichfarbe. Um diese eventuell als Anstrichfarbe aufgetragenen Verbindungen vom Nachweis auszuschließen, habe man eine andere Nachweismethode gewählt als die gemeinhin übliche. Dieses von den Polen eingestandene chemische Unverständnis der möglichen chemischen Vorgänge in mit Blausäure begastem Mauerwerk steht im krassen Gegensatz zu den von revisionistischen Forschern erarbeiteten Fakten, die die Bildung dieser Rückstandsarten aufgrund von Fachliteratur erklären und belegen. Diese Fakten sind den polnischen Autoren bei Abfassung ihres Artikels bekannt gewesen, denn sie zitieren eines der revisionistischen Werke. Zudem hat man inzwischen einen Bauschadensfall ausfindig gemacht, der endgültig nachweist, daß blaue Wandfärbungen tatsächlich eine Folge von Zyklon B-Begasungen sind. Die Analysenergebnisse der drei polnischen Autoren müssen daher wegen bewußter Verwendung einer falschen Analysenmethode als irreführend abgelehnt werden. Es kommt der Verdacht auf, daß eine betrügerische Absicht hinter diesem Beitrag steht.


Einführung

Die Vorstöße des Holocaust-Revisionismus auf naturwissenschaftlich-technischem Gebiet werden seit 1990 in steigendem Maße von der etablierten Forschung thematisiert und somit für diskussionswürdig erachtet, also quasi hoffähig gemacht. [2] Einen neuen Vorstoß in diese Richtung stellt ein Beitrag dar, den die polnischen Autoren Jan Markiewicz, Wojciech Gubala und Jerzy Labedz in der Zeitschrift Z Zagadnien Nauk Sadowych veröffentlichten.[3] In diesem Artikel werden die Analysenergebnisse von Gemäuerproben aus den angeblichen Gaskammern und aus Sachentlausungskammern des KZ Auschwitz, wie sie von F. Leuchter[4] und G. Rudolf[5] vorgestellt und interpretiert wurden, zum Anlaß genommen, eigenständige Analysen und Versuche der Autoren zu beschreiben. Hatten Leuchter und Rudolf aus ihren Ergebnissen geschlossen, daß es in den vermeintlichen Gaskammern von Auschwitz überhaupt keine Vergasungen (Leuchter) oder zumindest nicht in bezeugten Ausmaß und auf die bezeugte Weise (Rudolf) gegeben haben könne, da die Gemäuerproben dieser Räume keine signifikanten Zyklon B-Rückstandswerte (Cyanide) zeigen, wohingegen die Proben aus den Entlausungskammern gigantische Rückstände aufweisen, so kommen die polnischen Autoren zu dem Schluß, daß sowohl die vermeintlichen Gaskammern als auch die Entlausungskammern vergleichbare Mengen an Cyaniden aufweisen, womit sie die Massenvergasungen in Auschwitz meinen bewiesen zu haben. Nachfolgend soll der Artikel der drei polnischen Autoren kritisch unter die Lupe genommen und aufgezeigt werden, wo darin Schwachstellen liegen und welche Fragen beantwortet werden müssen, bevor man ihre Ergebnisse richtig werten kann.

Die Analysenmethode

Markiewicz und seine Kollegen ließen in einer Mikrodiffusionskammer 24 Stunden lang 10%ige Schwefelsäure auf ihre fein gemörserten Proben einwirken. Dabei eventuell ausdiffundierende Blausäure (HCN) wurde in einer Laugenlösung aufgefangen. Der Nachweis des Cyanids erfolgte nach seiner Umsetzung zu einem Farbstoff spektrometrisch, wobei auf eine äußerst empfindliche Methode einer Veröffentlichung aus dem Jahre 1947 zurückgegriffen wurde.[6]

Die Analyseninstitute, die von F. Leuchter und G. Rudolf beauftragt wurden, deren Proben zu untersuchen,[7] verwendeten eine Methode, die auf der von der Gesellschaft Deutscher Chemiker erarbeiteten Norm zum Nachweis des Gesamtcyanids in flüssigen Proben basiert (DIN 38 405, Teil D 13). Hierbei wird die fein gemörserte Probe 1 bis 2 Stunden in leicht reduktiver, salzsaurer Lösung gekocht und das dabei frei werdende gasförmige HCN im Luftstrom in eine Laugenvorlage überführt. Der Nachweis erfolgt bei geringen Mengen wie oben beschrieben spektrometrisch, bei größeren Mengen titrimetrisch.

Markiewicz und Kollegen geben an, daß durch ihr Verfahren Eisencyanidverbindungen nicht nachgewiesen werden können. Diese Feststellung steht in Übereinstimmung mit den in meinem Gutachten zitierten Literaturangaben über die annähernde Unzerstörbarkeit dieser äußerst stabilen Stoffgruppe selbst durch kalte konzentrierte Säuren. Als Grund für die Wahl ihrer Methode geben die polnischen Autoren an, daß sie sich nicht vorstellen könnten, wie sich im Mauerwerk blaue Eisencyanidverbindungen bilden könnten, und daß sie mit J. Bailer1 davon ausgehen, daß die blaue Färbung der Entlausungskammerwände von einem Farbenanstrich herrühren könne. Um diese Farbe vom Nachweis auszuschließen, entschlossen sie sich, eine Methode anzuwenden, die gegen Eisencyanide unempfindlich ist. Eine solche Vorgehensweise ist im Falle der Entlausungskammern allerdings nur dann korrekt, wenn man mit praktischer Gewißheit ausschließen kann, daß die Einwirkung von Blausäure auf Mauerwerk zur Eisencyanidbildung führt. Diese Frage zu klären, haben die polnischen Autoren aber völlig unterlassen; schlimmer sogar: Die in meinem Gutachten und bei Gauss wiedergegebenen Argumente,4 fundiert mit einer langen Latte herkömmlicher Fachliteratur, für die Tatsache, daß die Bildung stabiler Eisencyanide sogar mehr als wahrscheinlich ist, wurden schlicht ignoriert. Und auch die Argumente, die die These von der in den Auschwitzer Entlausungskammern angeblich verwendeten blauen Anstrichfarbe widerlegen, wurden völlig übergangen. Diese absurde These Bailers habe ich im Gutachten ausführlich behandelt. Auf meine Frage, wie es denn komme, daß diese vermeintliche »Anstrichfarbe« nur in statistischen, unregelmäßigen Flecken auftauche und auch tief im Mauerinnern zu finden sei, habe ich bis heute von Dr. Bailer keine Antwort erhalten. Mehr noch: Sogar an Stellen, die völlig weiß scheinen, findet man in Putz und tieferen Mörtelschichten hohe Cyanidwerte. Herr Bailer hat mir bis heute nicht erklärt, ob er ein »Cyanweiß« kennt, mit dem die Wände, der Putz und der Mauermörtel vor seiner Verarbeitung weiß »eingefärbt« wurden.

Die polnischen Autoren hätten ihre unfundierte These von der Unmöglichkeit der Bildung stabiler Eisencyanidverbindungen übrigens anhand der von ihnen selbst durchgeführten Begasungsversuche überprüfen können. Hätten sie nur eine dieser Proben auf den Gesamtcyanidgehalt mittels der international anerkannten DlN-Methode überprüft, wäre ihnen wahrscheinlich ihr Irrtum bewußt geworden. Überhaupt erscheint es mehr als seltsam, warum auch die Proben von Örtlichkeiten, die keine Blaufärbung aufweisen (angebliche Gaskammern, Häftlingsbaracken, Probebegasungen), nach der gegen Eisencyanide unempfindlichen Methode analysiert wurden. Hier hätte man keine Störung durch blaue Farbe erwarten müssen. Hier hätte man problemlos klären können, ob sich Eisencyanide im Mauerwerk bilden oder nicht und ob die Analysenergebnisse der zwei verschiedenen Methoden überhaupt vergleichbar sind.

Daß die Bildung blaufleckiger Wandflächen analog dem Erscheinungsbild der Auschwitz-Entlausungskammern tatsächlich die Folge von Blausäurebegasungen ist, kann übrigens durch lediglich ein Zitat aus der Fachliteratur plakativ demonstriert werden. In der periodisch erscheinenden Bauschäden Sammlung wurde nämlich vor mehr als 10 Jahren berichtet,[8] welche Folgen die Blausäure-Begasung einer wenige Wochen zuvor frisch verputzten Kirche hatte. Dort traten nach einigen Monaten überall intensiv blaue Flecken auf. Erst nach über einem Jahr war die Reaktion abgeschlossen. Der neue Putz mußte komplett abgeschlagen werden, da der Eisencyanidkomplex nicht anders zu entfernen war.

Damit steht fest, daß die polnischen Autoren mit ihrer Analysenmethode möglicherweise gerade jene Verbindungen von der Analyse ausgeschlossen haben, um die es bei der ganzen Streitfrage geht.

Nachweisgrenze und Analysenergebnisse

Die polnischen Autoren geben als Nachweisgrenze für ihre Nachweismethode 3-4 µg Cyanid pro kg Probenmaterial an. Bei der DlN-Methode liegt diese Grenze sogar bei nur 2,5 µg, und J. Epstein gab 1947 sogar einen Wert unter 1 µg als Nachweisgrenze an.5 Allerdings haben die beiden letzten Nachweisgrenzen einen Haken: Sie beziehen sich lediglich auf Lösungen von Cyanidverbindungen in Wasser. Der Nachweis chemischer Verbindungen in stark heterogenen, nicht gänzlich auflösbaren Feststoffen, wie es Mauermaterial nunmal darstellt, ist erfahrungsgemäß um Größenordnungen schwieriger. Folglich geben die professionellen Analyseninstitute als Nachweisgrenzen für Cyanidnachweise in Feststoffen nicht etwa 2,5 µg/kg, sondern mindestens 100 µg/kg, ja stellenweise sogar 1.000 µg/kg an (1.000 µg = 1 mg). Daß auch dieser Wert noch Probleme bereiten kann, kann durch den Umstand gegeben sein, daß Gemäuerproben in der Regel große Mengen Carbonate enthalten, die die Abtrennung des Cyanids behindern können (vgl. DIN-Methode). Es ist zweifelhaft, daß die von Markiewicz und Kollegen gemachte Erfahrung bezüglich ihrer Nachweisgrenze sich auf Feststoffe bezieht, da man hierfür zuvor definierte Mengen an Cyaniden in Baumaterialien einbringen müßte, um diese dann durch die Analyse wiederzufinden. Sollte sich ihre Nachweisgrenze auch auf wäßrige Lösungen beziehen, so sind sämtliche Analysenergebnisse mit Werten unterhalb 1 mg/kg mit größter Skepsis zu betrachten.

In der obenstehenden Tabelle sind grob die Größenordnungen der Analysenergebnisse der drei hier besprochenen Arbeiten in mg/kg (ppm) aufgeführt.[9] Die Rahmenbedingungen der Probebegasungen von Rudolf einerseits und Markiewicz und Kollegen andererseits waren im wesentlichen vergleichbar. Allerdings wurden die Analysen von Rudolfs Proben erst nach einer relativ langen Ausgasungszeit (ca. 2 Monate) durchgeführt, wohingegen die Maximalwerte von Markiewicz und Kollegen aus Analysen 48 Stunden nach Beendigung der Begasung stammen. (Näheres zu den Probebegasungen vgl. weiter unten.)

Vergleich der Größenordnungen von Analysenergebnissen verschiedener Proben

Autor

Markiewicz u.a.

Leuchter

Rudolf

Nachweis von:

Cyanid ohne Eisencyanide

Gesamtcyanid

Gesamtcyanid

Entlausungskammer

0 - 0,8 mg/kg

1.025 mg/kg

1.000 - 13.000 mg/kg

vermeintliche Gaskammer

0 - 0,6 mg/kg

0 - 8 mg/kg

0 - 7 mg/kg

Häftlingsbaracken

0 mg/kg

-

0 - 3 mg/kg

Probebegasungen

0 - 12 mg/kg

-

50 - 100 mg/kg

Unter der Annahme, daß die einzelnen Untersuchungsergebnisse größenordnungsmäßig stimmen, lassen sich einige interessante Schlüsse aus dem Vergleich der Ergebnisse der verschiedenen Analysenmethoden ziehen:

1. Das heute in den Wänden der Entlausungskammern von Auschwitz auffindbare Cyanid liegt zu mehr als 99,9 % in einer Art gebunden vor, die durch die Analysenmethode von Markiewicz und Kollegen nicht nachzuweisen ist. Dabei wird es sich wahrscheinlich überwiegend um komplexe Eisencyanidverbindungen vom Typ Eisenblau handeln. Oder deutlicher ausgedrückt: Das Verhältnis stabiler Eisencyanidverbindungen zu weniger stabilen Cyanidverbindungen beträgt hier etwa 1.000 bis 10.000 und mehr zu 1.

2. In den Proben aus den vermeintlichen Gaskammern beträgt das entsprechende Verhältnis maximal 10 zu 1.

3. Während Markiewicz und Kollegen fanden, daß der Gehalt instabiler Cyanidverbindungen in vermeintlichen Gaskammern und Entlausungskammern annähernd gleich ist, ergibt sich aus den Analysenergebnissen von Leuchter und Rudolf, daß der Gesamtcyanidgehalt - und damit wahrscheinlich auch der Eisencyanidgehalt - in den Entlausungskammern um den Faktor 1.000 oder gar mehr höher liegt als in den vermeintlichen Gaskammern.

Zunächst kann man ausschließen, daß dieser Effekt auf eine Auflösung der stabilen Eisencyanidverbindungen in den vermeintlichen Gaskammern zurückzuführen ist, denn es widerspricht jeder Logik, daß sich dort nur die stabilen Verbindungen auflösen, wohingegen die instabilen heute noch annähernd unvermindert nachweisbar sein sollen. Will man dieses Phänomen nicht mit einem Meßfehler oder mit einer Falschinterpretation der extrem niedrigen Analysenergebnisse der polnischen Autoren erklären, so kommt man nicht um die Schlußfolgerung herum, daß allein in den vermeintlichen Gaskammern keine Eisencyanidverbindungen gebildet werden konnten. Betrachtet man die Bildungsbedingungen des Eisenblaus in dem oben beschriebenen Bauschadensfall der begasten Kirche, so erinnern sie frappierend an die Randbedingungen, die in den vermeintlichen Gaskammern der Krematorien II und III in Auschwitz-Birkenau geherrscht haben sollen. In beiden Fällen handelte es sich um kühle, feuchte Räume, deren alkalische Zementverputze erst wenige Wochen vor der (im Fall der »Gaskammer« vermeintlichen) Begasung aufgebracht wurden. Mir fallen keine Gründe ein, warum nur im Fall der Kirche die absorbierte Blausäure auch zum Eisenblau umgesetzt worden sein soll.

4. Markiewicz und Kollegen stellten nach einem Monat Lagerzeit eine Reduktion des Cyanidgehalts ihrer im Versuch begasten Proben um etwa 50% fest. Damit liegen ihre Analysenergebnisse um den Faktor 100 unter denen meiner Proben, die im warmen, trockenen Raum über zwei Monate gelagert wurden. Auch hier scheinen die polnischen Autoren also lediglich 1% des Gesamtcyanids festgestellt zu haben, was gegebenenfalls dafür sprechen würde, daß schon nach so kurzer Zeit der überwiegende Teil des Cyanids als stabile Eisencyanide gebunden ist. In dem oben zitierten Bauschadensbericht wird ausgeführt, daß nach etwas über 11/2 Jahren die Reaktion des absorbierten Cyanids zum Eisenblau vollständig abgelaufen gewesen sei. Die Vorstufe dieser Reaktion, die Bildung wesentlich farbschwächerer Eisencyanide (Blutlaugensalze), könnte demnach tatsächlich schon einige Zeit früher abgeschlossen gewesen sein.

Analysenergebnisse der Proben aus Versuchen

Abgesehen von diesen offensichtlich problematischen Analysenergebnissen weisen die Probebegasungen der drei polnischen Autoren aber noch weitere interessante Details auf, die zu einer Reihe von Fragen Anlaß geben. In der nachfolgend angeführten Tabelle sind die Ergebnisse der Analysen von Proben aufgeführt, die von den polnischen Autoren unter verschiedenen Bedingungen einer HCN-Begasung unterzogen wurden. In der ersten Reihe wurde der Einfluß von Blausäure ermittelt, während in der zweiten Reihe der Effekt hoher Kohlendioxid (CO2)-Anteile an der Luft auf die Blausäureabsorption untersucht wurde.

Die Ergebnisse der Begasung mit HCN untermauern meine Feststellung, daß feuchte Wände wesentlich mehr Blausäure aufnehmen als trockene (zehnmal soviel und mehr). Da die Entlausungskammern aus geheizten Räumen mit trockenen Wänden, die vermeintlichen Gaskammern der Krematorien II und III dagegen aus ungeheizten, feuchten Kellern (Leichenkeller) bestanden, schloß ich, daß die Reaktivität dieser vermeintlichen Menschengaskammern zur Bildung stabiler Eisencyanidverbindungen viel größer gewesen sein muß als die der trockenen Entlausungskammern.

Wesentlich interessanter ist die zweite Untersuchungsreihe. Hier wurden der mit 2 Vol.-% HCN angereicherten Luft 10 Vol.-% CO2 zugegeben. Die polnischen Autoren argumentieren dabei wie folgt: Die Menschen in der vermeintlichen Gaskammer hätten durch ihre Atmung den CO2 -Gehalt der Luft angehoben. Dies müsse berücksichtigt werden. Da nach Zeugenaussagen die Opfer binnen etwa 5 Minuten gestorben sein sollen, hätten sie in dieser Zeit den CO2 Gehalt auf etwa 1 Vol.-% angehoben. Dieser Gehalt übersteige die HCN-Konzentration, die damals angeblich angewandt worden sei, etwa um den Faktor 10. Für die Versuche habe man allerdings nur den Faktor 5 berücksichtigt.

Analysenergebnisse HCN-begaster Proben nach Markiewicz u.a., Angaben in mg CN-/kg

Materialart:

Frischer Putz

Alter Mörtel

Frischer Mörtel

Neuer Ziegel

Alter Ziegel

Begasung mit:

trocken

feucht

trocken

feucht

trocken

feucht

trocken

feucht

trocken

feucht

2 Vol.-% HCN

0,024

0,48

-

-

0,176

2,7

0,004

0,052

0,02

0

wie oben + 10 Vol.-% CO2

5,92

12,8

1

0,244

0,492

0,388

0,052

0,036

0,024

0,060

Diese Angaben der drei polnischen Autoren geben zu einigen kritischen Bemerkungen Anlaß. Zunächst einmal ist es unwahrscheinlich, daß es in einem großen, mit Menschen vollgestopften Raum binnen weniger Minuten gelungen wäre, mit relativ geringen HCN-Konzentrationen schnell zu töten. Dazu habe ich in meinem Gutachten ausführliche Untersuchungen angestellt. Sodann aber ist zu fragen, ob es erlaubt ist, eine fiktive in einer Gaskammer herrschende CO2 Konzentration von 1 Vol.-% auf 10 Vol.-% für die Versuche hochzusetzen. Gerade das Verhalten feuchter und frischer, noch nicht abgebundener Putz- und Mörtelproben kann durch diesen Zehnerfaktor massiv beeinflußt werden, was die Blausäureaufnahme entscheidend verändern kann.

Betrachtet man den Einfluß, den das CO2 auf die HCN-Aufnahme des Gesteins macht, so ergibt sich: Bei frischem, trockenem Putz wird die Aufnahme massiv gesteigert (247-fach), bei frischem, feuchtem Putz etwas weniger (27-fach); bei frischem, trockenem Mörtel wird die Aufnahme gering gesteigert (knapp verdreifacht), bei frischem, feuchtem Mörtel dagegen abgesenkt (auf ein Siebtel); trockene Ziegelsteine nehmen in Anwesenheit von CO2 etwas mehr HCN auf, feuchte mal mehr und mal weniger. Markiewicz und seine Kollegen schließen aus diesen Ergebnissen, daß die angeblich als Menschengaskammern verwendeten kühlfeuchten Leichenkeller der Krematorien II und III keine höhere Reaktivität zur Eisenblaubildung besaßen als die trockenen Entlausungskammern.

Nun sind die Ergebnisse der kombinierten HCN- und CO2-Begasungen alles andere als eindeutig, jedoch überwiegen die Fälle, in denen die HCN-Aufnahme durch den CO2-Einsatz gesteigert wird. Leider unterlassen es die polnischen Autoren völlig, ihre Ergebnisse einer chemischen Interpretation zu unterziehen, also die Frage zu beantworten, warum sich der CO2-Einsatz im einzelnen Fall derart auswirkt.

Der Einfluß des CO2 könnte z.B. darin bestehen, daß es den pH-Wert des Mauerwerks absenkt (d.h. den Säuregehalt erhöht) und durch die Abbindung (Carbonatisierung) des Materials die Poren zunehmend verschließt. Beides würde durch ein feuchtes Material begünstigt und würde in jedem Fall zu einer Absenkung der HCN-Aufnahme führen. Damit ließe sich aber nicht erklären, warum die HCN-Aufnahme durch den CO2-Einsatz mitunter massiv stieg.

Tatsächlich geht aus dem Beitrag der drei polnischen Autoren nicht hervor, welcher Zusammensetzung das Material ihrer Proben war und in welchem Zustand diese waren, als sie begast wurden. Für die Reaktivität bezüglich Blausäureaufnahme ist es aber entscheidend, wie hoch bei ihrer Herstellung der Wasser-, Sand-, Zement- und Kalkanteil der einzelnen Baustoffproben war und wie lange sie welchen Bedingungen (Temperatur, Luftfeuchte) ausgesetzt waren, bevor sie begast wurden. Es dürfte zum Beispiel bezüglich des HCN-Absorptionsverhaltens gut einige Zehnerpotenzen Unterschied ausmachen, ob man eine Kalkputzprobe am Tag ihrer Herstellung begast oder ob man damit eine Woche wartet, bis der Kalk fast völlig abgebunden ist. Die von den polnischen Autoren gemachten Angaben »frisch« und »alt« sind dafür völlig unzureichend.

Zur Interpretation der Ergebnisse

Gehen wir als erstes davon aus, daß die Analysenergebnisse von Markiewicz und Kollegen korrekt und auf Analysen des Gesamtcyanidgehalts übertragbar sind, und zweitens, daß die polnischen Autoren unter Putzproben solche aus Kalkmörtel verstehen und unter Mörtelproben solche aus Zementmörtel. Ersteres Material wurde in den Entlausungskammern verwendet, während letzteres für die Wände der Leichenkeller (vermeintliche Gaskammern) der Krematorien II und III verwendet wurde. Dann hätten die trockenwarmen, weitgehend CO2-freien, frisch in Betrieb genommenen Entlausungskammern in den Tests der polnischen Autoren mit einem Wert von 0,024 mg Cyanid pro kg Probenmaterial abgeschnitten. Die feuchtkalten, CO2-geschwängerten und ebenfalls frisch in Betrieb genommenen vermeintlichen Gaskammern der Krematorien II und III hätten in ihren Tests mit einem Wert von 0,388 mg/kg abgeschnitten, also einem um den Faktor 16 höheren Wert als die Entlausungskammern. Bei allen anderen Materialkombinationen sind die Faktoren ebenfalls immer größer als 1 (Zement/Zement: 2,2; Zement/Kalk: 72; Kalk/Kalk: 533). Nun dürfen Sie raten, wie die polnischen Autoren zu ihrer Aussage gelangten, daß die vermeintlichen Menschengaskammern gegenüber den Entlausungskammern keine erhöhte Reaktivität zur Blausäurebindung hatten!

Angesichts der Tatsache, daß bei den polnischen Autoren die maximalen Analysenergebnisse der Proben aus den Entlausungskammern mit denen aus dem Leichenkeller I des Krematoriums II (vermeintliche Gaskammer) vergleichbar sind, ringen sich die polnischen Autoren zu der Aussage durch, daß dies kaum verwunderlich sei, da große Bereiche dieses Raumes geschützt sind vor jedem Witterungseinfluß. Also konnte das dort einmal gebundene Cyanid ebenso wenig verschwinden wie in den Entlausungskammern. Damit sind wir einverstanden. Auch dem stillen Eingeständnis, daß die heute auffindbaren Cyanidrückstände in den Entlausungskammern in ähnlicher Größenordnung liegen müßten wie in den vermeintlichen Menschengaskammern, können wir zustimmen. Aber in Anbetracht des Gesamtcyanidgehalts ist dies eben absolut nicht der Fall. Vielmehr liegen hier trotz der festgestellten höheren Reaktivität der vermeintlichen Menschengaskammern Welten zwischen den Analysenwerten (Faktor 1.000 und mehr).

Wie schlecht es um die chemische Fachkompetenz der drei polnischen Autoren bestellt ist, zeigt ein weiterer Punkt: Sie meinen, sich nicht erklären zu können, wodurch die Ziegelsteine an den Außenseiten der Entlausungsgebäude fleckig blau verfärbt wurden. Zwar haben die polnischen Autoren die bereits von mir festgestellte relative Reaktionsträgheit von Ziegelsteinen durch ihre eigenen Begasungen bestätigt. Allerdings scheinen sie mein Gutachten und das von ihnen zitierte Buch von Ernst Gauss nicht aufmerksam gelesen zu haben. Daß viele lösliche Cyanidverbindungen im Inneren des Mauerwerks der Entlausungsgebäude, angetrieben durch die im Mauerwerk aufsteigende und an den Außenflächen verdunstende Bodenfeuchtigkeit, langsam zur Außenseite der Mauer diffundieren und sich unter dem Einfluß der Witterung begünstigt in stabile Verbindungen umsetzen, sollte ihnen einleuchten. Wer schließlich die Oberfläche der Ziegelsteine dieser Gebäude überprüft hat, der weiß, daß diese stark angegriffen sind, und zwar wahrscheinlich in erster Linie durch sauren Regen, der in Oberschlesien, einem der dreckigsten Industrieregionen dieser Welt, häufig auftritt. Oder zu gut chemisch: Das durch die Sinterung fixierte Eisen des Ziegels wurde durch das saure Medium aktiviert und konnte damit leicht mit ausblühenden Cyanidverbindungen zum Eisenblau abreagieren.

Schlußfolgerungen

Ob der von den polnischen Autoren in einigen Experimenten festgestellte Einfluß von CO2 auf die Anreicherung von HCN im Mauerwerk sich bestätigt oder nicht, kann zwar für die Interpretation der Analysenergebnisse von Auschwitz von Bedeutung sein, und zwar in beide Richtungen, ist aber für die Frage, wie man den Beitrag der drei polnischen Autoren bewerten muß, völlig unwichtig. Diesen kann man anhand rein formeller Kriterien als einem wissenschaftlichen Standard nicht genügend bewerten:

1. Bezüglich entscheidender Fragen wird nicht einmal versucht, in eine fachliche Diskussion einzutreten. Zwar erwähnt man, daß es bereits Arbeiten zum selben Thema gibt, jedoch ignoriert man jegliche darin angeführte Argumente. Über die fachlichen Hintergründe der Arbeit, etwa chemische Vorgänge in Baumaterialien und die Eisencyanidchemie allgemein, schweigt man sich ganz aus. Bezüglich der aufgeworfenen Fragen versucht man nicht etwa herauszufinden, ob es dazu in der Fachliteratur bereits Ergebnisse gibt, nein, man entscheidet ohne Begründung ex cathedra, was wahr ist und was nicht. Beispielhaft dafür ist die aus heiterem Himmel fallende Erklärung der Autoren, daß man sich nicht vorstellen könne, wie sich in Baumaterialien Eisenblau bilden könne. Also entscheidet man sich dafür, Eisencyanide komplett aus dem Nachweis auszuschließen.

2. Die Dokumentation der durchgeführten Versuche macht es annähernd unmöglich, sie nachzuvollziehen. Weder die Zusammensetzung der Proben noch ihre Geschichte ist zu erkennen.

3. Die Schlußfolgerungen der polnischen Autoren aus ihren Versuchsergebnissen stehen den tatsächlichen Ergebnissen diametral entgegen. Tatsächlich zeigen auch die Versuche der polnischen Autoren, daß die vermeintlichen Menschengaskammern eine höhere Reaktivität zur Bildung stabiler Cyanidverbindungen gehabt hätten als die Entlausungskammern von Auschwitz. Die Autoren behaupten aber das Gegenteil.

Während die Angabe der exakten Versuchsbedingungen von Markiewicz und seinen Kollegen nachholbar ist, stößt die Anwendung der total falschen Analysenmethode auf unüberwindliche Schwierigkeiten. Es muß daher gefordert werden, daß die gleichen Proben nochmals mit der richtigen Methode untersucht werden.

Die drei polnischen Autoren vom Krakauer Instytut Ekspertyz Sadowych erhielten diesen Beitrag per Fax Anfang November 1994 mit der Bitte zugesandt, zu den hier aufgeworfenen Fragen Stellung zu beziehen. Ihre Stellungnahme traf kurz vor der Drucklegung ein und kann daher erst in der nächsten DGG-Nummer abgedruckt werden.

 


Briefwechsel mit dem Jan-Sehn-Institut Krakau[10]

Instytut Ekspertyz Sadowych
im. Prof.dra Jana Sehna,

Fax an G. Rudolf vom 24. 1. 95, 8.51 Uhr

Herrn Germar Rudolf

In bezug auf die Telefaxe von 10.XI.1994 und 9.XII.1994 sowie auf beiliegendem Druck "Einige Fragen an J. Markiewicz, W. Gubala und J. Labedz " stellen wir höflichst das nachstehende dar:

1. In unseren Untersuchungen interessierten [wir] uns vor allem für Objekte bzw. Ruinen der Objekte, die - hauptsächlich bei den Krematorien untergebracht - als Gaskammern fungieren sollten. Etwa 2/3 sämtlicher untersuchten Proben kamen von diesen Objekten her. Unser Interesse für die Räume, in denen die Desinsektionen - zumal der Kleidung - vermittels des Zyklon B durchgeführt wurden, hatte einen nachgeordneten Charakter, da niemand bezweifelt, dass das Präparat dort angewandt wurde. Als Kontrollmaterial für diese Untersuchungen wählten wir ehemalige Wohnbaracken, wo - wie bekannt - kein Kontakt mit HCN zu verzeichnen ist, bis auf eventuelle allgemeine Desinfektion, die bei der Fleckfieberseuche im Lager in 1942 Verwendung fand. In den Materialien aus diesen Baracken wurden keine Zyanverbindungen nachgewiesen.

2. Die von uns angewandte Ausscheidungsmethode des HCN aus seinen Verbindungen schliesst die Möglichkeit einer Zersetzung von besonders beständigem "Preussischblau", bezüglich dessen seine Herkunft in manchen Stellen der untersuchten Objekte beanstandet wurde, aus. Das Ion [FeII(CN)6]4- in solchen Verbindungen, wie z.B. K[FeII(CN)6] in Bedingungen der von uns angewandten Methode, wird unter Ausscheidung von HCN zersetzt. Andere Möglichkeiten der Entstehung von Preussischblau in den Wänden der untersuchten Objekte nicht ausschliessend, fanden wir vermittels der von uns angewandten Methode andere Zyanverbindungen, diesmal [vom] erwähnten Farbstoff absehend. Reale Eigenart sämtlicher Zyanverbindungen konnte somit höher, als es unsere Untersuchungen auswiesen, liegen. Wir wiesen also aus, dass in der Reaktion des HCN mit den Bestandteilen der Wände der untersuchten Objekte nicht nur das Preussischblau entsteht, sondern auch andere Verbindungen, die - in mannigfachen Bindungen - die Periode von beinahe 50 Jahren überstehen konnten. Wenn es im allgemeinen nur solche Bedingungen gäbe, die ausschliesslich die Bildung von Preussischblau zuliessen, sollten die Wände von z.B. Entlausungsanlagen im ganzen blau gefärbt werden.

Es ist hier zu bemerken, dass die Leitung des Museums in Auschwitz uns eine kleine Probe Kieselgur vom alten Präparat Zyklon B (Musealobjekt) zur Verfügung stellte. Mittels der von uns angewandten Methode fanden wir in dieser Kieselgur 1360 µg CN-/kg, wobei eine Blaufärbung fehlte.

3. Die von uns (und vom Herrn Rudolf) untersuchten Materialien sind nicht homogen, wodurch ihre chemischen Eigenschaften - zumal in bezug auf ihre Bindungskapazität und/oder ihr Reaktionsvermögen gegen HCN - sind in einzelnen, sogar gegenseitig nahe liegenden Fragmenten verschieden. Die Streuung der einzelnen Bestimmungen betrug z.B. im Krematorium III 0-640 µg CN-/kg, und im Krematorium IV 0-500 µg CN-/kg. Dasselbe bezieht sich auf die Desinfektionsanlagen. Z.B. der Block Nr. 30 in Auschwitz 0-900 µg CN-/kg. Die Badeanstalt in Birkenau (3,1 - A) 0-840 µg CN-/kg. In dem letztgenannten Objekt gibt es, ausser den dunkelblauen Einfärbungen von Putz, Stellen, wo dieser Putz weiss ist und sehr wenig an Zyanverbindungen enthält. Es ist eine Frage vom reinen Zufall, dass man eine Probe nimmt mit grösserem oder kleinerem Inhalt der Zyanverbindungen, oder sogar frei von diesen Verbindungen (vgl. auch die Untersuchungsergebnisse der von F.A. Leuchter genommenen Proben).

4. Die Nachweisgrenze des CN- in der von uns angewandten Methode, auf 3-4 µg/kg gesetzt, wurde experimental verifiziert und entspricht annähernd dem von J. Epstein (Autor der Methode) bestimmten Wert. Es ist also [eine] sehr empfindliche und zugleich spezifische Methode, was von Herrn Rudolf nicht bestritten wird.

5. Auf Grund und in bezug auf durchgeführte Untersuchungen von Wänden der Objekte aus dem ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau wurden von uns einige Pilotexperimente durchgeführt. Sie prätendierten wohl nicht zu Studien. Das uns zur Verfügung stehende Material war bestimmt von dem authentischen aus dem Lager verschieden. Die einzelnen Proben unterschieden sich auch, sogar makroskopisch. Leider war es nicht möglich, eine und dieselbe Probe in verschiedenen Bedingungen des Experiments zu untersuchen, da sie im Gang der Analyse zerstört wurde. Der Putz und andere "frische" Materialien waren ein paar Wochen und die "alten" Materialien einige zehn Jahre "alt". Die weitgehenderen Vereinfachungen der durchgeführten Experimente ungeachtet, konnte man gewisse Trends bemerken, die jedoch in grösseren Serienanalysen nachgeprüft werden sollen. Diese Trende sind folgend:

a) reichere Bindung der HCN an feuchten Materialien, was wohl leicht verständlich ist,

b) CO2, das in den Kammern in beträchtlichen Konzentrationen anwesend sein musste, kann gewisse Schwierigkeiten beim Lösen oder auch Bindung des HCN durch Bestandteile der untersuchten Materialien bewirken. Man sollte darauf gleichfalls Rücksicht nehmen. Die Kohlensäure ist nämlich [eine] erheblich stärkere Säure als die Blausäure. Das in der Luft befindliche Kohlendioxyd kann langsam die Alkalizyanide zersetzen. Somit kann es also die Bildung der Zyanide nicht begünstigen. Die mittels des HCN unter Zusatz von CO2 geräucherten Proben verlieren anscheinend leichter das HCN bei stärkerer Lüftung.

c) Wasser spült sehr bedeutsame Mengen des adsorbierten bzw. gebundenen HCN, wenigstens an der ersten Etappe nach der Fumigation.

6. Das vom Herrn Rudolf angegebene Beispiel einer Kirche, in deren Wänden während ungefähr eines Jahres nach durchgeführter Ausräucherung mittels HCN ausgedehnte, von dem Preussischblau herkommende Flecke erschienen, beweist, dass die chemische Zusammensetzung des Putzes in dieser Kirche, und die näher unbezeichneten anderen Faktoren, begünstigten die Bildung dieser Verbindung. Die Ausräucherung mancher Objekte bei der Verwendung des HCN wird noch heutigen Tages durchgeführt, und es ist keinesfalls eine Regel, dass es nach einer solchen Fumigation überall erwähnte Beflecken mit dem Preussischblau entstehen.

7. Einige Erwägungen von Herrn Rudolf, z.B. diese, die die Genese der dunkelblauen Beflecken auf den äusseren Wänden (Ziegeln) der Entlausungsanstalt im Lager in Birkenau, weisen den Charakter wissenschaftlicher Spekulationen aus, die sowohl richtig als auch fehlerhaft sein können. Ohne eine empirische Festigung dieser Spekulationen darf man nicht sie als Axiome annehmen. Dies bezieht sich auch auf Behauptungen, dass wir mittels unserer Methode 0,01 %, entweder 0,1 %, oder 10 % der tatsächlich in den untersuchten Materialien enthaltenen Zyanidverbindungen nachwiesen.

8. Es gereicht uns zwar zur Genugtuung festzustellen das Wiederaufnehmen einer sachlichen Diskussion der besprochenen Probleme durch kompetente Chemiker, doch können wir nicht unsere Missbilligung nicht ausdrücken betr. einige Formulierungen des Herrn Rudolf, die an unsere Adresse geleitet wurden und die bestimmt nicht nötig waren.

9. Bei unseren ziemlich häufigen Verbindungen mit dem in der Nähe von Krakau gelegenen Gelände des Lagers Auschwitz-Birkenau haben wir nicht vor, uns mit den bisher durchgeführten Untersuchungen zu begnügen, den wesentlichen Teil deren wir letztens publizieren konnten.

p. s. Schönen Dank für das interessante Buch!

[Gemeint ist ein Exemplar der Grundlagen zur Zeitgeschichte]


Stellungnahme zur Krakauer Erwiderung

G. Rudolf, 25.1.1995

Zu Punkt 2: Nachweisbarkeit und Sichtbarkeit komplexer Eisencyanide:

Im Eisenblau (Preußisch Blau, FeIII4[FeII(CN)6]3) ist es gerade die Komponente [FeII(CN)6]4-, die sich durch eine außerordentliche Stabilität ausweist. Außerdem besteht Eisenblau niemals aus reinem FeIII4[FeII(CN)6]3, sondern je nach Bildungsbedingung aus unterschiedlichen Anteilen von Fe3+- und Alkali- bzw. Erdalkaliionen (M) (FeIIIxMy[FeII(CN)6]z). Die Resistenz des Eisenblaus gegenüber der Analysenmethode der polnischen Wissenschaftler dürfte also an nichts anderem liegen als an der Stabilität des [FeII(CN)6]4--Ions. Wenn sich somit das CN- im Eisenblau nicht durch die von den drei polnischen Wissenschaftlern verwendete Methode nachweisen läßt, so dürfte sich auch dasjenige in allen anderen Verbindungen des Typs Mx[FeII(CN)6]y nicht nachweisen lassen, also auch K4[FeII(CN)6]. Wenn dies richtig ist, so darf es nicht wundern, wenn die drei polnischen Wissenschaftler mit ihrer Methode den Großteil des Cyanids nicht bestimmen konnten, denn die Cyanidverbindungen im Mauerwerk wandeln sich im Laufe der Zeit gerade wegen ihrer Stabilität in Komponenten vom Typ FeIIIxMy[Fe(CN)6]z um.

Die Auffassung, daß die ganze Wandfläche der Birkenauer Entlausungskammern blau sein müßte, wenn 0,1 bis 1% der Wand aus dem Farbstoff Eisenblau bestünde, ist nicht korrekt. 0,1 bis 1% blauer Farbanteil an weißem Verputz (Mischungsverhältnis 1:100 bis 1:1000) würde wohl nur zu einer unmerklichen bläulichen Tönung führen. Angesichts dieser geringen Blauanteile stellt sich wohl eher die Frage, warum es überhaupt zu tiefblauen Flecken kommt. Dies dürfte durch Anreicherungsprozesse von Cyanidverbindungen an der Wandoberfläche aufgrund wandernder Mauerwerksfeuchtigkeit, die lösliche Cyanide mitschleppt, erklärbar sein.

Der Umstand, daß Kieselgurpräparate trotz merklichen Cyanidgehalts keine Blaufärbungen aufweisen, kann einerseits durch fehlendes Eisen erklärt werden und andererseits durch die Tatsache, daß es in den in Dosen gelagerten Kieselgurkörnern unmöglich zu Anreicherungsprozessen an der Oberfläche kommen kann, da hier die wandernde Feuchtigkeit analog zum Mauerwerk fehlt.

Zu Punkt 3: Fehlende Cyanidverbindung in weißen Putzproben:

Daß Proben, die scheinbar keine Blauverfärbung zeigen, durchaus auch hohe Cyanidgehalte haben können, zeigen die von mir genommenen Proben 19a und b. Sie entstammen der Birkenauer Entlausungsbaracke BW 5b. Beide Proben waren grau bis bräunlich grau, wiesen aber Cyanidgehalte von 1860 mg CN-/kg in der oberen Putzschicht und 3880 mg CN-/kg in der tieferen auf.

Bleibt festzuhalten, daß die Analysenergebnisse der Krakauer Wissenschaftler in keiner Weise mit denen der Alpha Analytical Laboratories, dem Institut Fresenius und dem Institut für Umwelt- und Schadstoffanalytik in Deckung zu bringen sind. Da nicht davon auszugehen ist, daß alle drei oben genannten renommierten Institute mit einer unsinnigen Methode jahrzehntelang den gleichen Unsinn messen, wird der Fehler in der unter Analytikern völlig ungebräuchlichen Analysenmethode der polnischen Wissenschaftler liegen, die den Großteil der Cyanide nicht nachweisen kann. Das wäre dadurch zu überprüfen, daß die polnischen Wissenschaftler ihrerseits Proben aus den Entlausungskammern nach dem DIN-Verfahren von einem unabhängigen Institut prüfen lassen, und zwar am besten ohne Angabe der Herkunft des Materials, um die Unabhängigkeit der Analyse zu gewährleisten.

Zu Punkt 5: Probendefinition und Wirkung des CO2: Es fehlt nach wie vor eine Beschreibung der Zusammensetzung der Proben: Was bedeutet Putz, was Mörtel?

Die Frage, warum in sechs von acht Fällen bei einer HCN-Begasung in Anwesenheit von CO2 die HCN-Aufnahme der Proben z.T. deutlich größer war als ohne CO2, harrt noch einer Beantwortung. Die pauschale Feststellung der polnischen Wissenschaftler, daß CO2 die HCN-Bindung nicht begünstigen könne, widerspricht ja gerade ihren eigenen Befunden.

Zu Punkt 6: Putz-Blaufärbung einer begasten Kirche: In der Regel dürften in den vergangenen Jahrzehnten der HCN-Begasungspraxis vor allem schon länger in Benutzung befindliche, also mit alten, abgebundenen Verputzen versehene Gebäude einer Blausäurebehandlung unterzogen worden sein. Der Unterschied zu dem von G. Zimmermann dokumentierten Bauschadensfall einer Kirche, die nach nur einer Begasung stark blaue Verfärbungen aufwies, dürfte darin liegen, daß hier etwa einen Monat vor der Begasung ein frischer Zementmörtelverputz aufgebracht wurde, der noch nicht völlig abgebunden und zudem aufgrund des allgemeinen Zustandes der Kirche feucht war.[11]

Massenhafte HCN-Begasungen, wie sie in den Entlausungskammern von Birkenau und angeblich auch in den dortigen vermeintlichen Menschengaskammern vorgekommen sein sollen, hat es weder vor noch nach dem 2. Weltkrieg gegeben. Für die Kriegszeit sind aber zumindest noch die Fälle der Entlausungsräume (bzw. nach der herrschende Ansicht der Menschengaskammern) von Majdanek dokumentiert, in denen bei ähnlichen Bedingungen wie in den Birkenauer Entlausungskammern (bzw. Menschengaskammern) ebenfalls eine massive Blaufärbung der Wände zu verzeichnen ist.

Andere Entlausungsanlagen, insbesondere die des Typs Dachau (DEGESCH-Kreislaufanlage), weisen diese Blaufärbung nicht auf, da hier in weiser Voraussicht um die unnötigen HCN-Verluste durch Absorption im Mauerwerk die Wände mit einer undurchlässigen Farbe angestrichen wurden.

Tatsache ist: Durch Begasungen können Verbindungen des Typs Eisenblau entstehen, die anschließend die Wände fleckig blau färben. Tatsache ist weiterhin, daß eine unregelmäßig fleckige Blaufärbung nicht mit einem blauen Farbanstrich zu erklären ist und daß die hohen Cyanidbefunde in tieferen Mauerschichten und auch an unverfärbt erscheinenden Wandstellen unmöglich mit einem blauen Anstrich erklärbar sind.

Tatsache bleibt weiterhin, daß angesichts und in Kenntnis dieser Umstände die Anwendung einer Analysenmethode, die diese blauen Verbindungen vom Nachweis ausschließt, nach einem (Selbst-)Betrug aussieht.

Zu Punkt 7: Fleckig blaue Färbung der Entlausungstraktaußenmauern:

Die drei polnischen Autoren haben nichts dazu beigetragen, meine begründete These über die Entstehungsweise der fleckig blauen Außenmauern der Birkenauer Entlausungstrakte der Bauwerke 5a und 5b zu erhärten oder zu widerlegen. Sie bezeichnen sie ohne Grund schlicht als "wissenschaftliche Spekulationen". Es wäre wohl eher angebracht, meine Gründe kritisch zu diskutieren und sie auf Schwachstellen abzuklopfen. Zudem habe ich nie von "Axiomen" gesprochen, die man bezüglich meiner Interpretation hinzunehmen habe. Außerdem wäre es für die in Krakau quasi um die Ecke lebenden polnischen Wissenschaftler nur wenig aufwendig, von den Außenmauern der Entlausungstrakte Proben zu entnehmen und sie auf ihren Gesamtcyanidgehalt (Analyse nach DIN-Norm!) zu überprüfen, wodurch sich viele Fragen von selbst beantworten würden.

Zu Punkt 8: Freude über beginnende Diskussion und mißbilligte Formulierungen:

Die drei polnischen Wissenschaftler tun gerade so, als wären es die Revisionisten gewesen, die in den letzten 45 Jahren die Argumente der Gegenseite totgeschwiegen und ihre Gegner verunglimpft und durch juristische und gesellschaftliche Verfolgung ruiniert hätten. Genau umgekehrt wird ein Schuh daraus. Dennoch bin auch ich sehr froh darüber, daß endlich eine Diskussion auf sachlicher Ebene einsetzt, auch wenn der Umgang mit beiderseitigen Empfindlichkeiten noch geübt sein will.

Leider erwähnen die drei Autoren nicht, welche Formulierungen ihnen an meinem Beitrag nicht gefallen haben. Wahrscheinlich bezieht sich dies jedoch auf den Verdacht des wissenschaftlichen Betruges. Sollten die drei polnischen Autoren bereit sein, ihre alten oder neu zu nehmenden Proben auch auf den Gesamtcyanidgehalt nach DIN zu untersuchen und die Ergebnisse vorzustellen, so bin ich gerne bereit, diesen Verdacht zurückzunehmen. Die bisher angebotenen Erklärungen für ihre andersartige Analysenmethode reichen dafür allerdings nicht aus.

Wenn allerdings schon über zu mißbilligende Formulierungen diskutiert wird, so möchte auch ich dazu einen Punkt anführen, den ich bisher zu übergehen bereit war, der angesichts der Vorwürfe der drei polnischen Forscher aber nun doch angebracht werden muß:

Die drei polnischen Autoren unterstellen in ihrem Artikel den Revisionisten, sie wollten das Hitlerische System weißwaschen. Dazu ist folgendes zu sagen:

- Wissenschaftler haben die wissenschaftlichen Argumente eines anderen Wissenschaftlers zu interessieren und nicht seine möglicherweise vorhandenen Intentionen. Das gilt auch im Verhältnis zwischen etablierter Wissenschaft und Revisionismus.

- Egal welche Intention welcher Revisionist auch immer hat: Der Hinweis auf vermeintliche Intentionen entkräftet kein einziges Sachargument der Revisionisten und hat daher in einer sachlichen Publikation nichts zu suchen.

- Welches auch immer die Ergebnisse der Revisionismus-Kontroverse sind: Allein die Wahrheit hat den Wissenschaftler zu interessieren und nicht die Auswirkung auf die Reinheit der politisch-moralischen Weste von Adolf Hitler oder sonst irgend jemandem.

- Wer seinem wissenschaftlichen Gegenüber eine politische Intention seiner Forschung unterstellt, die zu belegen er zudem nicht für nötig hält, suggeriert dem Leser, dieses wissenschaftliche Gegenüber wolle ohnehin lediglich Wunschergebnisse produzieren und sei daher wissenschaftlich nicht ernst zu nehmen. Damit verläßt man allerdings den Boden wissenschaftlicher Argumentation und betritt denjenigen der politischen Agitation.

- Die Behauptung, alle Revisionisten würden das Hitlerregime weißwaschen wollen, trifft nicht zu. Weder das von den Nationalsozialisten in mehrere KZs deportierte Résistance-Mitglied Paul Rassinier, Begründer des Revisionismus, noch die ursprünglich von der politischen Linken kommenden Revisionisten Dr. Robert Faurisson oder Serge Thion oder der amerikanische Jude David Cole wollen das Hitlerregime weißwaschen, um nur wenige Beispiele zu nennen. Das gleiche trifft auch auf meine Person zu.

- Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.


Jan-Sehn-Institut Krakau

Fax an G. Rudolf, 28.3.95, 12.45 Uhr

Verehrter Herr!

Die frühere Korrespondenz zusammenfassend, möchten wir feststellen, daß wir vollkommen bewußt waren und sind, daß in unseren Untersuchungen der Objekte des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau der Gehalt von Zyaniden nicht im ganzen bestimmt wurde. Wir haben nämlich den streitigen Preußisch Blau (chemische Formel ist etwas mehr kompliziert) ausgeschlossen. Doch die von uns bestimmte Anwesenheit von anderen (als Preußisch Blau) Zyanverbindungen in Objekten, in denen - nach Angaben - Zyklon B verwendet wurde, zeugt deutlich, daß diese Objekte in Kontakt mit diesen Verbindungen gekommen waren. Und das ist der Sinn unserer Arbeit.

Die von uns angefangenen Untersuchungen werden weitergeführt sein.

Die Formulierungen betr. die Revisionisten fanden wir in Publikationen, die von uns zitiert wurden (Amoklauf...J.C. Pressac). Sie waren für den polnischen Leser notwendig, da dieses Thema bei uns vollkommen unbekannt ist. Ohne diese Informationen wäre die Zweckmäßigkeit der Untersuchungen nicht verstanden.

Mit freundlichen Grüssen


Den Herren Markiewicz, Gubala und Labedz

G. Rudolf, 7.4.1995

Zunächst herzlichen Dank für Ihre kurze Antwort vom 28.3. auf mein letztes Schreiben. Lassen Sie mich zu den einzelnen darin angesprochenen Punkten Stellung nehmen:

Sie schreiben, daß die von Ihnen aus Publikationen der Exterminationisten übernommenen Formulierungen über die Revisionisten für den polnischen Leser notwendig waren, da dieser ansonsten die Zweckmäßigkeit der Untersuchung nicht verstanden hätte. Demnach ist der Zweck Ihrer Untersuchung, der angeblichen Tendenz der Revisionisten, das Hitlerische System weißwaschen zu wollen, entgegenzutreten. Sie wollen also verhindern, daß das Hitlerische System durch gewisse Forschungsergebnisse entlastet werden könnte. Dies ist nun aber keine wissenschaftliche Intention, sondern eine klar politische. Ich darf Sie daran erinnern, daß Sie als Forscher ein Interesse an einer bestmöglichen Annäherung an die Wahrheit haben sollten und nicht an der Be- oder Entlastung irgendeines längst untergegangenen Systems. Es ist in unserer Zeit zwar zum Ritual geworden, die Boshaftigkeit und Schlechtigkeit des Hitlerregimes immer wieder zu beschwören und alles, was dieses System entlasten könnte, in Bausch und Bogen zu verdammen. Das ändert aber nichts daran, daß dies ein zutiefst unwissenschaftliches Vorgehen ist. Wenn die Wissenschaft feststellt, daß das Hitlerregime in einem bestimmten Punkt unschuldig ist, dann hat man das hinzunehmen, auch wenn einem das aus politischen Gründen mißfallen mag.

Mich darf zudem erstaunen, daß Sie die pauschalen politischen Verdächtigungen und Verunglimpfungen, denen sich die Revisionisten durch die Exterminationisten ausgesetzt sehen, als für den polnischen Leser notwendige "Informationen" ausgeben. Wenn Sie einen wissenschaftlichen Beitrag zu dem Thema schreiben, sollten Sie doch fähig sein, zwischen wissenschaftlichen Argumenten und politischer Demagogie unterscheiden zu können. Letztere hat in einem wissenschaftlichen Artikel nichts zu suchen.

Wenn Sie den uninformierten polnischen Leser über das Thema hätten aufklären wollen, so hätte es zum Beispiel nahe gelegen, ihm folgende Punkte vorab zu erläutern, damit er die Thematik des Cyanidnachweises in Gemäuerproben überhaupt nachvollziehen kann:

1. Zyklon B war seit den 20er Jahren in Europa das meistverwendete Insektizid zur Bekämpfung aller möglichen Schädlinge (Läuse, Wanzen, Kornkäfer, Holzwürmer etc.).

2. Im Zweiten Weltkrieg setzten Deutschland und seine Verbündete viele tausend Tonnen Zyklon B ein, um diese Schädlinge in militärischen wie zivilen Anlagen zu bekämpfen (Schädlingstötung in Kasernen, Lebensmittellagern, Schiffen, Zügen, Kriegsgefangenen-, Arbeits-, und Konzentrationslagern) .

3. Im KZ Auschwitz wüteten immer wieder Typhusseuchen. Diese Seuche wird von der Laus übertragen. Zur Bekämpfung der Laus wurden die Häftlingsbaracken und alle anderen Räumlichkeiten in Auschwitz sowie sämtliches Gut der Häftlinge inklusive der Kleidung immer wieder mit Zyklon B entlaust.

4. Das Lager Auschwitz, das einzige, in dem angeblich massenhaft mit Zyklon B getötet worden sein soll, erhielt gegenüber anderen KZs relativ zu seiner Gefangenenzahl keine merklich höheren Zyklon B-Lieferungen. Die etablierte Forschung geht daher davon aus, daß selbst hier 95 bis 98 % aller Zyklon B-Lieferungen zu harmlosen Entlausungszwecken verwendet wurden.

5. In Auschwitz gab die SS viele Millionen Reichsmark (nach heutigem Wert viele Millionen DM) aus, um hochmoderne Anlagen zur Schädlingsbekämpfung und Seuchenprävention einzurichten - leider erst ab 1943, so daß bis dahin verheerende Seuchen Zehntausende Opfer forderten.

Dieses Grundwissen ist absolut notwendig, damit der Leser die Bedeutung von Zyklon B richtig einschätzen kann. Heute wird zumindest so getan, als hätte dieses Mittel in Auschwitz ausschließlich oder hauptsächlich der Menschentötung gedient. Unter diesem verzerrten Blickwinkel betrachtet, muß natürlich der - nach meinen Erfahrungen nicht reproduzierbare - Nachweis geringer Cyanid-Spuren in dem Leichenkeller I des Krematorium II in Auschwitz-Birkenau, der angeblichen Gaskammer, so wirken, als wären dort Menschen getötet worden.

Tatsächlich ist es aber doch so, daß selbst unter der exterminationistischen Prämisse einer 98 %igen Verwendung des Zyklon B zur Schädlingsbekämpfung eine Wahrscheinlichkeit von eben 98 % besteht, daß die heute auffindbaren Cyanid-Spuren von simplen Entlausungsaktionen stammen, ganz abgesehen von allen quantitativen Betrachtungen, die ich hier nicht wiederholen möchte. Die Anwendung von Zyklon B in Auschwitz ist eben nicht gleichbedeutend mit Menschentötungen, wie Sie es in Ihrem Artikel noch darstellten.

Wenn Ihnen nach Aufklärung der polnischen Leser ist, so möchte ich Sie bitten, diesen zu erklären, wie denn das Zyklon B zur Menschenvergasung in den Leichenkeller I des Krematorium II in Birkenau, der angeblichen Gaskammer, gelangt sein soll. Die Zeugen sprechen von drei bis vier Einwurfstutzen in der Decke des Kellers. Ihnen dürfte bei Ihren Untersuchungen in den Ruinen dieses Kellers aufgefallen sein, daß in der noch heute zusammenhängend erhalten gebliebenen Decke der angeblich größten Massenvernichtungsgaskammer des Dritten Reiches jene Löcher eben nicht vorhanden sind. In diesem Punkt muß man Prof. Faurisson unumwunden Recht geben: "No holes, no 'Holocaust!'"


[1]Erschienen in Deutschland in Geschichte und Gegenwart, Jahrgang 43, Heft 1, S. 22-26, Grabert Verlag, Tübingen 1995.
[2]Vgl. dazu z. B. W. Wegner in: U. Backes, E. Jesse, R. Zitelmann (Hg.), Die Schatten der Vergangenheit, Propyläen, Frankfurt/ Main 1990, S. 450ff; J. Bailer in: Dokumentationszentrum des Österreichischen Widerstandes, Bundesministerium für Unterricht und Kultur (Hg.), Amoklauf gegen die Wirklichkeit, Wien 1991, S. 47-52; G. Wellers, Dachauer Hefte 7(7) (1991) 230; D. Lipstadt, Denying the Holocaust. The Growing Assault on Truth and Memory, Free Press, New York 1993.
[3]Z. XXX, 1994, S. 17-27.
[4]An Engineering Report on the alleged Execution Gas Chambers at Auschwitz, Birkenau and Majdanek, Poland, Samisdat Publishers, 206 Carlton Street, Toronto, Ontario, M5A 2L1 (Kanada) 1988, 195pp.;dt.:ders., Der erste Leuchter Report, ebenda, 1988; britische Ausgabe: ders., The Leuchter Report, Focal Point Publications, London 1989, 67 pp.
[5]G. Rudolf, Das Rudolf Gutachten, Cromwell Press, London 1993, zu beziehen über Cromwell Press, P.O. Box 62, Uckfield/ East-Sussex TN 22 I ZY, Großbritannien (DM 35.- Vorkasse); vgl. auch: E. Gauss, Vorlesungen über Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1993, G. Rudolf und E. Gauss, in: E. Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1994., Grabert, Tübingen 1994.
[6]J. Epstein, Analytical Chemistry, Vol. 19 (1947), S. 272f.
[7]Alpha Analytical Laboratories (Leuchter) bzw. Institut Fresenius und Institut für Umwelt- und Schadstoffanalytik (Rudolf).
[8]G. Zimmermann (Hg.), Bauschäden Sammlung, Band 4, Forum-Verlag, Stuttgart 1981, S. 120f. Dank gebührt Herrn W. Lüftl, der diesen Fund machte.
[9]Die Analysenergebnisse der Proben von Auschwitz von Leuchter und Rudolf wurden von J.C. Ball erneut bestätigt: ders., Der Ball-Bericht, Samisdat Publishers, 206 Carlton Street, Toronto, Ontario, M5A 2L1 (Kanada) 1993.
[10]Veröffentlicht in Sleipnir, Heft 3/1995, S. 29-33, Verlag der Freunde, Postfach 35 02 64, 10211 Berlin.
[11]G. Zimmermann (Hg.), aaO. (Anm. 7), sowie persönliche Mitteilung von K. Fischer, Hochstadt a.M.; vgl. E. Gauss, Grundlagen zur Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1994, S.40lff.

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