Kapitel IX:
Durchgangslager Treblinka
1. Die Deportation der Juden aus dem Warschauer Ghetto (1942)
Die bisher gesammelten Beweise und Indizien führen zur Schlußfolgerung, daß Treblinka ein vor allem für die jüdische Bevölkerung des Bezirks Warschau errichtetes Durchgangslager war, das sich in den Rahmen der nationalsozialistischen Politik der Judenumsiedlung nach Osten einfügte. In diesem Sinn lassen sich die verifizierbaren Deportationen nach Treblinka erklären. Beginnen wir mit jenen aus dem Warschauer Ghetto.
Laut den Daten des Judenrats von Warschau wurden im Sommer 1942 folgende Juden aus dem Ghetto ausgesiedelt:[813]
|
Datum |
Überstellte |
DuLag[814] |
Arbeits- |
Insgesamt |
|
22.7.1942 |
6.250 |
17 |
22 |
6.289 |
|
23.7.1942 |
7.300 |
490 |
25 |
7.815 |
|
24.5.1942 |
7.400 |
0 |
44 |
7.444 |
|
25.7.1942 |
7.350 |
130 |
50 |
7.530 |
|
26.7.1942 |
6.400 |
250 |
41 |
6.691 |
|
27.7.1942 |
6.320 |
130 |
74 |
6.424 |
|
28.7.1942 |
5.020 |
291 |
70 |
5.241 |
|
29.7.1942 |
5.480 |
225 |
17 |
5.722 |
|
30.7.1942 |
6.430 |
181 |
40 |
6.651 |
|
31.7.1942 |
6.756 |
98 |
|
6.894 |
|
1.8.1942 |
6.220 |
45 |
|
6.265 |
|
2.8.1942 |
6.276 |
49 |
|
6.325 |
|
3.8.1942 |
6.458 |
99 |
|
6.387 |
|
4.8.1942 |
6.568 |
140 |
|
6.726 |
|
5.8.1942 |
6.623 |
160 |
|
6.783 |
|
6.8.1942 |
10.085 |
1.369 |
|
11.454 |
|
7.8.1942 |
10.672 |
154 |
|
10.826 |
|
8.8.1942 |
7.304 |
351 |
|
7.655 |
|
9.8.1942 |
6.292 |
1.920 |
|
8.212 |
|
10.8.1942 |
2.158 |
1.531 |
|
3.679 |
|
11.8.1942 |
7.725 |
452 |
|
8.177 |
|
12.8.1942 |
4.688 |
|
|
4.688 |
|
13.8.1942 |
4.313 |
|
|
4.313 |
|
14.8.1942 |
5.168 |
331 |
|
5.479 |
|
15.8.1942 |
3.633 |
174 |
|
3.857 |
|
16.8.1942 |
4.095 |
408 |
|
4.503 |
|
17.8.1942 |
4.160 |
|
|
4.160 |
|
18.8.1942 |
3.976 |
220 |
|
4.196 |
|
19-24.8.42 |
20.000 |
|
|
20.000 |
|
25.8.1942 |
3.002 |
|
|
3.002 |
|
26.8.1942 |
3.000 |
|
|
3.000 |
|
27.8.1942 |
2.454 |
|
|
2.454 |
|
3.9.1942 |
4.609 |
|
|
4.609 |
|
4.9.1942 |
1.669 |
|
|
1.669 |
|
6.9.1942 |
3.634 |
|
|
3.634 |
|
7.9.1942 |
6.840 |
|
|
6.840 |
|
8.9.1942 |
13.596 |
|
|
13.596 |
|
9.9.1942 |
6.616 |
|
|
6.616 |
|
10.9.1942 |
5.199 |
|
|
5.199 |
|
11.9.1942 |
5.000 |
|
|
5.000 |
|
12.9.1942 |
4.806 |
2.100 |
|
6.906 |
|
Sumen: |
251.545 |
11.315 |
|
262.911 |
Somit sollen 251.545 Juden nach Treblinka deportiert und dort ermordet, weitere 11.315 Juden jedoch ins Durchgangslager des Ghettos und anschließend zur Arbeit eingesetzt worden sein. Sind diese Angaben zuverlässig?
Heben wir zunächst die enorme Diskrepanz zwischen Arbeitsfähigen und Arbeitsunfähigen hervor: Erstere sollen ganze 4,5%, letztere hingegen 95,5% der Deportierten ausgemacht haben! Im Ghetto von Lodz waren, um einen Vergleich zu ziehen, am 30. Juni 1942 bei einer Gesamtbevölkerung von 102.546 Juden[815] 68.896 beschäftigt, d.h. arbeitstauglich,[816] also 67,2 %!
Eisenbahndokumente über die Deportation der Juden aus Warschau sind leider äußerst rar. Für den uns hier interessierenden Zeitraum existiert diesbezüglich nur eine einzige Fahrplananordnung. Sie wurde am 3. August 1942 von der Generaldirektion der Ostbahn in Krakau ausgestellt und lautete:
»Ab 6. August 1942 verkehrt bis auf weiteres täglich noch ein Sonderzug mit Umsiedlern von Warschau Danz BF [Danziger Bahnhof] nach Treblinka und Leerzug wie folgt [...]«
Vorgesehen war die Abfahrt eines Zugs pro Tag: »1/. P Kr 9085 / 30,9 / Warschau Danz Bf - Malkinia - Treblinka«, mit Abfahrt um 12:25 und Ankunft um 16:20, sowie Rückkehr »2/. Ln Kr 9086 / 30,11 / Treblinka - Malkinia - Warschau Danz Bf« mit Abfahrt um 19:00 und Ankunft um 23:19.[817]
Außerdem erstattete Albert Ganzenmüller, Staatssekretär im Reichsverkehrsministerium und Stellvertretender Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, SS-Gruppenführer Wolff am 28. Juli 1942 folgende Meldung:[818]
»Seit 22. 7. fährt täglich ein Zug mit je 5000 Juden von Warschau über Malkinia nach Treblinka, außerdem zweimal wöchentlich ein Zug mit 5000 Juden von Przemysl nach Belzec.«
Am 13. August antwortete Wolff:[819]
»Mit besonderer Freude habe ich von Ihrer Mitteilung Kenntnis genommen, daß nun schon seit 14 Tagen täglich ein Zug mit 5.000 Angehörigen des auserwählten Volkes nach Treblinka fährt und wir doch auf diese Weise in die Lage versetzt sind, diese Bevölkerungsbewegung in einem beschleunigten Tempo durchzuführen.«
Am 11. April 1962 wurde Wolff anläßlich einer Befragung als Zeuge bei den Voruntersuchungen zum Frankfurter Auschwitz-Prozeß mit diesem Brief konfrontiert. Wolff machte dazu folgende Aussage:[820]
»Ich habe damals mit der Bezeichnung Treblinka nicht den Begriff eines Massenvernichtungslagers verbunden. Ich nahm an, es handele sich um eine Judenreservation [sic], wie Himmler es mir erklärt hatte.«
Unglaublicherweise ist kein einziger deutscher Bericht über eine dermaßen umfangreiche Bevölkerungsverschiebung erhalten. Die einzige numerische Angabe, über die wir verfügen, entstammt einem knappen Auszug aus dem Stroop-Bericht:[821]
»Die erste große Aussiedlung fand in der Zeit vom 22. Juli bis 3. Oktober 1942 statt. Es wurden hierbei 310.322 Juden ausgesiedelt.«
Diese Ziffer ist bestimmt verläßlich und entspricht im großen ganzen der oben angeführten Tabelle, so daß diese reelle Zahlen widerspiegeln dürfte. Es ist auch durchaus wahrscheinlich, daß die meisten Transporte nach Treblinka abgingen. Aus den wenigen erhaltenen Fahrplananordnungen geht ferner hervor, daß die Züge in Treblinka geleert wurden und ohne Fahrgäste zum Ausgangsort zurückkehrten.
Dies alles heißt freilich noch lange nicht, daß die Deportierten in Treblinka ermordet worden sind. Die »Eröffnungen und Auflagen für den Judenrat« vom 22. Juli 1942 schrieben vor:
»Alle jüdischen Personen, gleichgültig welchen Alters und Geschlechts, welche in Warschau wohnen, werden nach dem Osten umgesiedelt.«
Ausgenommen von der Umsiedlung waren unter anderem:
»[...] alle jüdischen Personen, die am ersten Tag der Umsiedlung in einem der jüdischen Krankenhäuser liegen und nicht entlassungsfähig sind. Die Entlassungsfähigkeit wird von einem vom den Judenrat zu bestimmenden Arzt festgestellt.«
Hinsichtlich des Gepäcks galt folgende Vorschrift:[822]
»Jeder jüdische Umsiedler darf von seinem Eigentum 15 kg als Reisegepäck mitnehmen. Es können sämtliche Wertsachen: Gold, Schmuck, Geld usw. mitgenommen werden. Verpflegung ist für 3 Tage mitzunehmen.«
Die - ebenfalls vom 22. Juli 1942 stammende - Bekanntmachung des Judenrats enthielt dieselben Anordnungen, begann aber wie folgt:[823]
»Auf Befehl der Deutschen Behörde werden alle jüdischen Personen, gleichgültig welchen Alters und Geschlechts, die in Warschau wohnen, nach dem Osten umgesiedelt.«
Die Anweisungen bezüglich des Gepäcks enthielten zudem folgende Warnung:[824]
»Gepäck mit mehr als 15 kg wird beschlagnahmt.«
In einer Bekanntmachung vom 24. Juli 1942 kündete der Judenrat an:[825]
»Infolge unzutreffender Nachrichten, die im jüdischen Wohnbezirk in Warschau im Zusammenhang mit der Umsiedlung kreisen, wurde der Judenrat in Warschau von den Behörden berechtigt, bekanntzugeben, daß die Umsiedlung der im jüdischen Wohnbezirk in Warschau nicht produktiv tätigen Bevölkerung tatsächlich nach dem Osten erfolgen wird.«
Am 29. Juli 1942 erließ der Leiter des Jüdischen Ordnungsdienstes folgenden Aufruf:[826]
»Ich gebe hiermit bekannt, daß alle Personen, die gemäß der Anordnung der Behörden zur Aussiedlung kommen, sich am 29., 30. und 31. Juli ds. Jhrs. freiwillig zur Abreise melden werden, erhalten pro Person 3 kg. Brot und 1 kg. Marmelade.[sic] Sammelpunkt und Produktenverteilung - Stawkiplatz Ecke Wildstraße.«
Für die Freiwilligen stellten die deutschen Behörden 180.000 kg Brot und 36.000 kg Marmelade bereit.[827]
Fassen wir zusammen: Die Juden des Warschauer Ghettos sollten »nach dem Osten umgesiedelt werden«; die in den Krankenhäusern befindlichen »nicht entlassungsfähigen« Kranken waren von der Umsiedlung ausgenommen; jede Person durfte 15 kg Gepäck mitnehmen; jeder Umsiedlungswillige erhielt 3 kg Brot und 1 kg Marmelade - all dies paßt einfach nicht zu einer Ausrottungspolitik.
Hier lohnt es sich, zu zitieren, was Eugene Kulischer hierzu schrieb:[828]
»Die polnischen Ghettos sind nicht die letzte Stufe in der erzwungenen Ostwanderung des jüdischen Volkes. Am 20. November 1941 meldete Gouverneur Hans Frank im Rundfunk, daß die Juden letzten Endes weiter nach Osten abgeschoben würden. Seit Sommer 1942 sind die Ghettos und Arbeitslager in den deutsch besetzten Ostgebieten zum Zielort von Deportierten sowohl aus Polen als auch aus West- und Mitteleuropa geworden; insbesondere ist eine neue, umfangreiche Aussiedlung aus dem Warschauer Ghetto vermeldet worden. Viele der Deportierten wurden in die Arbeitslager an der russischen Front gesandt; andere wurden zur Arbeit in den Sümpfen von Pinsk abkommandiert oder in die Ghettos der baltischen Staaten, Weißrußlands und der Ukraine geschickt.«
Kulischer wußte sogar darüber Bescheid, daß
»am 22. Juli 1942 der Warschauer Judenrat den Befehl erhalten hat, die tägliche Verschickung von 6.000 Personen in die Wege zu leiten.«[829]
In den darauf folgenden Monaten trafen im Warschauer Ghetto sogar Briefe und Postkarten aus Białystok, Pinsk, Bobruisk, Brzezc, Smolensk, Brest Litowsk und Minsk ein, die von deportierten Juden an ihre Verwandten gerichtet waren.[830] Natürlich mußten die Widerstandsorganisationen im Ghetto, die damals bereits mit der Gruselgeschichte von den Dampfkammern hausierten, wohl oder übel behaupten, diese Briefe und Karten seien von den Deutschen zwecks Irreführung der Juden fabrizierte Fälschungen. Am 4. Dezember 1942 wurde diese Behauptung in einer Bekanntmachung der Jüdischen Kampforganisation aufgestellt.[831] Und in einem Aufruf der Jüdischen Kampforganisation des Warschauer Ghettos vom Januar 1943 hieß es:[832]
»Im Verlauf der letzten Wochen verbreiteten Menschen aus bestimmten Kreisen Nachrichten über Briefe, die angeblich von Juden stammen, die aus Warschau ausgesiedelt wurden und sich jetzt in Arbeitslagern bei Pinsk oder Bobruisk befinden sollen.«
Die Verfasser des Aufrufs gaben an, solche Nachrichten seien von Menschen verbreitet worden, »die im Dienst der Gestapo stehen«. Die offizielle Geschichtsschreibung hat diese einfältige Erklärung später aufgegeben und die These vertreten, die Briefe und Postkarten seien »in Treblinka unter Druck« verfaßt worden,[833] doch hat kein einziger der selbsternannten Überlebenden von Treblinka diesbezügliche Behauptungen aufgestellt. Tatsächlich bestätigen diese - wenn auch sehr fragmentarischen - Informationen das von E. Kulischer gezeichnete Bild.
Am 30. Mai 1943 wurde ein Transport mit 960 im Warschauer Ghetto gefangen genommenen Juden nach Bobruisk gesandt. Am 28. Juli desselben Jahres gelangte ein weiterer Judentransport aus Warschau in Bobruisk an; ein Teil der Deportierten wurde nach Smolensk weitergeleitet.[834]
In der Informacja Bieżąca Nr. 30 vom 17. August 1942 wird auf einen Transport von 2.000 »Handwerkern« aus dem Ghetto von Warschau nach Smolensk vom 1. August Bezug genommen. Ein weiterer Transport mit 2.000 Handwerkern sei nach Malaszewicz abgegangen,[835] eine Ortschaft an der Grenze zu Weißrußland ca. 12 km von Brest. Der bereits früher erwähnte Bericht »Liquidierung des Warschauer Ghettos« vom 7. September 1942 bestätigte:[836]
»Zwei kleine Transporte mit 4.000 Personen wurden zur Arbeit an kriegswichtigen Anlagen in Brzesc und Malachowicze geschickt.«
Schließlich ist die Ankunft zumindest eines Transportes aus dem Warschauer Ghetto an einen östlich von Treblinka gelegenen Ort hieb- und stichfest dokumentiert. Am 31. Juli 1942 sandte der Reichskommissar für Weißrußland Wilhelm Kube dem Reichskommissar für das Ostland Heinrich Lohse ein Telegramm, in dem er gegen die Versendung eines Transports von »1.000 Juden aus Warschau zu Arbeit nach Minsk« protestierte, weil dies zu Seuchengefahr und einer Zunahme der Partisanentätigkeit führen werde.[837]
Am 5. August 1942 antwortete Lohse in einem Brief zum Thema »Einfuhr von 1000 Juden aus Warschau«, in dem er darauf hinwies, daß
»die praktische Durchführung der Lösung des Judenproblems ausschließliche Angelegenheit der Polizei ist.«
Der Polizei obliege auch die Verantwortung »für die ordnungsmäßige Durchführung der Maßnahmen«, so daß Proteste nicht zulässig seien.[838]
Kube griff das Problem in einem neuen, am 17. August 1942 an Lohse geschriebenen Brief (wiederum zum Thema »Einfuhr von 1000 Juden aus Warschau«) auf und verlangte weitere Anweisungen, da er »grundsätzliche Entscheidungen über die Hereinnahme weiterer Juden nach Weißruthenien als Polizeiangelegenheit« treffen wolle.[839]
Zumindest ein Judentransport »mit Arbeitern« (P Kr 9130) traf am 25. August 1942 aus Międzyrzec Podlanski in Treblinka ein,[840] und es ist nicht gesagt, daß es sich um das Arbeitslager Treblinka 1 gehandelt hat.
Die Deportationen von Juden aus dem Warschauer Ghetto in die Ghettos der Baltenstaaten Litauen und Lettland finden außerdem eine Bestätigung in den bereits erwähnten Deportationslisten der Judentransporte aus Kaunas und Riga nach Stutthof im Sommer 1944. Diese Listen, obgleich nur fragmentarisch erhalten, umfassen die Namen von ca. 1.200 polnischen Juden, darunter 112 Knaben und Mädchen im Alter von bis zu 15 Jahren.
Weitere, schon früher zitierte Quellen erwähnen die Überstellung von Juden aus polnischen Ghettos in die Ukraine über Bełżec Ende März/April 1942. G. Reitlinger schreibt hierzu:[841]
»Die Berichte, nach denen Juden aus dem Lager Belzec in Rußland angesiedelt worden sind, können als Teil der Tarnmaßnahmen betrachtet werden, die Heydrich seit der Wannsee-Besprechung getroffen hatte. Tatsächlich können die Hinweise auf die jüdischen Kolonien in Krivoi Rog und auf die Lager in Pinsk, wo Land urbar gemacht wurde, sehr wohl auf gefälschte Feldpostkarten zurückzuführen sein.«
Während also die Einsatzgruppen die Juden am hellichten Tage und ohne die geringsten Versuche der Geheimhaltung erschossen, nahmen sich andere SS-Leute die Mühe, Feldpostkarten zu fälschen, um ihre angeblichen Massenmorde in "Vernichtungslagern" zu vertuschen!
2. Der Warschauer Ghetto-Aufstand und der Stroop-Bericht
In seinem bekannten Bericht vom 16. Mai 1943 über die Zerstörung des Warschauer Ghettos hob SS-Brigadeführer Jürgen Stroop hervor:[842]
»Im Januar 1943 wurde vom Reichsführer-SS anläßlich seines Besuchs in Warschau dem SS- und Polizeiführer im Distrikt Warschau der Befehl erteilt, die im Ghetto untergebrachten Rüstungs- und wehrwirtschaftlichen Betriebe mit Arbeitskräften und Maschinen nach Lublin zu verlagern.«
Laut Y. Arad wurden zwischen dem 18. und dem 22. Januar 1943 aus dem Warschauer Ghetto 6.000 Juden nach Treblinka deportiert.[843] In Wirklichkeit hatte Himmler am 9. Januar 1943 dem SS-Obergruppenführer Krüger befohlen, 8.000 Juden aus dem Warschauer Ghetto in die Lager der Gegend um Lublin zu überstellen und weitere 15.000 bis zum 15. Februar zu deportieren.[844] Am 2. Februar 1943 stellte SS-Oberführer Ferdinand von Sammern, SS- und Polizeiführer im Distrikt Warschau, Himmler einen geheimen Brief zu, in dem er unter Bezugnahme auf die Firmen im Warschauer Ghetto schrieb:[845]
»Es werden nicht nur die Firmen Többens und Schulz & CO, sondern auch alle übrigen, es sind dies insgesamt 8 Betriebe mit etwa 20.000 jüdischen Arbeitern, in das Konzentrationslager bei Lublin verbracht.«
Nach dem Stroop-Bericht belief sich die Anzahl der deportierten Juden auf 6.500.[846]
Am 31. März 1943 informierte Dr. Max Horn, zusammen mit Odilo Globocnik Direktor der Ostindustrie GmbH (Osti), den Leiter der Zentralbauleitung von Lublin-Majdanek:[847]
»Aufgrund des Befehls des Reichsführers SS müssen die im Warschauer Ghetto befindlichen rüstungswichtigen Betriebe, die mit jüdischen Kräften arbeiten, aus polizeilichen Gründen und im Interesse der Steigerung des jüdischen Arbeitseinsatzes raschestens verlegt werden. Die Verlagerung erfolgt nach Poniatowa, Trawniki und Lublin in bereits vorhandene Bauten.«
Die Juden widersetzten sich einer freiwilligen Umsiedlung, und am 19. April rückte Stroop mit seinen Truppen ins Ghetto ein, wonach der bewaffnete Kampf begann.
Von der offiziellen Geschichtsschreibung wird der Stroop-Bericht als Beweis dafür angeführt, daß Treblinka ein Vernichtungslager war. Beispielsweise behauptet G. Reitlinger, es seien »am 16. Mai, dem festgesetzten Schlußtag der Aktion, offiziell 7000 Juden im Ghetto getötet und 7000 nach T 2 geleitet worden«.[848] R. Hilberg greift diese Zahlen auf:[849]
»Viele tausend Juden waren in den Trümmern umgekommen, 56.065 hatten sich ergeben. 700 der gefangengenommenen Juden wurden erschossen; weitere 7000 wurden in das Todeslager Treblinka gebracht; 15.000 traten den Weg ins Konzentrationslager und Tötungszentrum Lublin an; der Rest verschwand in Arbeitslagern.«
Weder Reitlinger noch Hilberg geben die Quelle für diese Ziffern an. Bei dieser handelt es sich um ein Fernschreiben vom 24. Mai 1943, in dem Stroop mitteilte:[850]
»Von den 56.065 insgesamt erfaßten Juden sind ca. 7000 im Zuge der Großaktion im ehem. jüd. Wohnbezirk selbst vernichtet. Durch Transport nach T. II wurden 6.929 Juden vernichtet, so daß insgesamt 13.929 Juden vernichtet wurden. Über die Zahl 56.065 hinaus sind schätzungsweise 5-6000 Juden bei Sprengungen und durch Feuer vernichtet worden.«
Dieses Fernschreiben ist im Stroop-Bericht, der den Titel »Es gibt keinen jüdischen Wohnbezirk in Warschau mehr!« trägt und beim Nürnberger Prozeß als Dokument PS-1061 vorgelegt wurde,[851] nicht enthalten; dieser endet nämlich mit einem Fernschreiben vom 16. Mai 1943. L. Poliakov und J. Wulf teilen in einer Fußnote mit:[852]
»Dokument PS-1061 enthält auch ein Duplikat des Stroop-Berichts mit einem Tagesrapport vom 24. Mai 1943 (siehe Faksimile), der im Originalbericht fehlt.«
Der betreffende Passus wurde beim Nürnberger Prozeß anläßlich der Verhandlung vom 14. Dezember 1945 zitiert.[853]
Über das Schicksal der 56.065 gefangengenommenen Juden hat Stroop drei verschiedene Versionen geliefert. Die im Fernschreiben vom 24. Mai enthaltene und von R. Hilberg aufgegriffene haben wir bereits kennengelernt. Im Fernschreiben vom 16. Mai meldete er:[854]
»Gesamtzahl der erfaßten und nachweislich vernichteten Juden beträgt insgesamt 56.065.« (Hervorhebung von uns.)
Doch es ist offensichtlich falsch, daß 56.065 Juden »nachweislich vernichtet« wurden!
In einer eidesstattlichen Erklärung vom 24. Februar 1946 machte Stroop schließlich folgende Aussagen:[855]
»Nachdem die Leute aus dem Getto herausgenommen wurden, eine Anzahl von 50 bis 60.000, wurden sie an den Bahnhof gebracht. Die Sicherheitspolizei hatte absolute Aufsicht über diese Leute und hatte den Abtransport nach Lublin unter sich.«
Demzufolge wurden die 56.065 gefangengenommenen Juden also nach Lublin deportiert.
Der Stroop-Bericht wirft noch andere Probleme auf. Sein Verfasser präsentiert eine Statistik, in der zwei Kategorien von Juden angeführt werden: die getöteten und die "erfaßten", doch zu letzteren gehören auch die getöteten. Ab 23. April gibt Stroop ferner die Gesamtzahl der Juden an, die »zur Verlagerung erfaßt bzw. bereits abtransportiert« waren: 19.450.[856]
In der folgenden Tabelle geben wir die Ziffern des Stroop-Berichts wieder, wobei wir die Zahl der Getöteten von derjenigen der "Erfaßten" trennen, wenn sie zusammen genannt werden,[857] so daß die betreffende Spalte nur die lebend gefangenen Juden bezeichnet. Die Gesamtzahl erhält man, indem man der Gesamtzahl des Vortages die Ziffer des Tags danach hinzufügt, beispielsweise (für den 24. und 25. April) 25.500+1.964+27.464. Die einzige Ausnahme besteht in den Zahlen für den 23. und 24. April, weil 19.450+1.990 = 21.440 ergibt und nicht 25.500, so daß (25.500 - 21.440=) 4.060 Personen fehlen. Im Rapport für den 24. April erwähnt Stroop auch 1.814 Juden, die »aus Bunkern hervorgezogen« worden seien und die man zu den »1.660 Juden, [die] zur Verlagerung eingebracht« wurden, hinzufügen muß, so daß die Gesamtzahl der Fehlenden (4.060 - 1.814=) 2.246 ergibt. Vermutlich gehörten diese Juden zu den 3.500 am Vortag "erfaßten", wie im Rapport für den 6. Mai, in welchem die 2.850 »zur Umlagerung erfaßten« Juden in der Gesamtziffer des Vortags inbegriffen sind,[858] doch als Tagesgesamtziffer vermeldet Stroop eine Zahl von 1.070.
|
S.[859] |
Datum |
Getötet |
Erfasst |
Tages- |
Gesamtzahl |
|
|
650 |
22.4.1943 |
230[860] |
1.100 |
1.330 |
||
|
652 |
23.4.1943 |
800 |
2.700 |
3.500 |
19.450 |
|
|
655 |
24.4.1943 |
330 |
1.660 |
1.990 |
25.500 |
|
|
656 |
25.4.1943 |
274 |
1.690 |
1.964 |
27.464 |
|
|
659 |
26.4.1943 |
1.692 |
30 |
1.722 |
29.186 |
|
|
661 |
27.4.1943 |
547 |
2.013 |
2.560 |
31.746 |
|
|
664 |
28.7.1943 |
110 |
1.545 |
1.655 |
33.401 |
|
|
665 |
29.4.1943 |
106 |
2.253 |
2.359 |
35.760 |
|
|
667 |
30.4.1943 |
179 |
1.420 |
1.599 |
37.359 |
|
|
668 |
1.5.1943 |
245 |
781 |
1.026 |
38.385 |
|
|
670 |
2.5.1943 |
235 |
1.617 |
1.852 |
40.237 |
|
|
672 |
3.5.1942 |
95 |
1.474 |
1.569 |
41.806 |
|
|
674 |
4.5.1943 |
204 |
2.079 |
2.283 |
44.089 |
|
|
676 |
5.5.1943 |
126 |
944 |
1.070 |
45.159 |
|
|
677 |
6.5.1943 |
356 |
1.553 |
1.909 |
47.068 |
|
|
679 |
7.5.1943 |
255 |
1.019 |
1.274 |
48.342 |
|
|
680 |
8.5.1943 |
280 |
1.091 |
1.371 |
49.713[862] |
|
|
682 |
9.5.1943 |
573 |
1.037 |
1.610 |
51.313 |
|
|
683 |
10.5.1943 |
187 |
1.183 |
1.370 |
52.683 |
|
|
685 |
11.5.1943 |
51 |
931 |
982 |
53.667 |
|
|
686 |
12.5.1943 |
133 |
663 |
796 |
54.463 |
|
|
687f. |
13.5.1943 |
155 |
561 |
716 |
55.179 |
|
|
691 |
14.5.1943 |
154 |
398 |
552 |
55.731 |
|
|
692 |
15.5.1943 |
67 |
87 |
154 |
55.885 |
|
|
693 |
16.5.1943 |
180 |
0 |
180 |
56.065 |
|
|
Summe: |
7.564 |
29.829 |
|
|
||
Die Gesamtzahl der getöteten Juden beträgt 7.564. Was Treblinka betrifft, so wird dieses Lager im Stroop-Bericht viermal als "T II" abgekürzt genannt. Die erste Erwähnung findet sich im Fernschreiben vom 25. April. Der einschlägige Text, den wir im folgenden wiedergeben, wird in der offiziellen Literatur oft zum Beweis dafür zitiert, daß Treblinka ein Vernichtungslager gewesen sein soll:[863]
»Das heutige Unternehmen endete bei fast sämtlichen Stroßtrupps damit, daß Riesenbrände entstanden und dadurch die Juden zum Verlassen ihrer Verstecke und Schlupfwinkel veranlaßten. Es wurden insgesamt 1.690 Juden lebend erfaßt. Nach Erzählung der Juden sind hierunter mit Bestimmtheit abgesetzte Fallschirmspringer und solche Banditen, die von einer unbekannten Stelle mit Waffen beliefert wurden. 274 Juden wurden erschossen und wie an allen Tagen ungezählte Juden in gesprengten Bunkern verschüttet und, wie immer wieder festgestellt werden kann, verbrannt. Mit der heutigen Beute an Juden sind meines Erachtens ein sehr großer Teil der Banditen und niedrigsten Elemente des Ghettos erfaßt worden. Die sofortige Liquidierung wurde wegen Eintritt der Dunkelheit nicht mehr durchgeführt. Ich werde versuchen, für morgen einen Zug nach T II zu erhalten, andernfalls die Liquidierung morgen durchgeführt wird.«
Einen Tag darauf notierte Stroop in seinem Fernschreiben:[864]
»Z.Zt. sind von den erfaßten Juden keine mehr in Warschau. Der vorgeschriebene Transport nach T II ist erfolgt.«
Die nächste Erwähung von Treblinka erfolgte im Fernschreiben vom 12. Mai:[865]
»Die nunmehr von hier abgehenden Judentransporte werden erstmalig heute nach T II geleitet.«
Schließlich hieß es im Fernschreiben vom 13. Mai:[866]
»Aus einem Wehrmachtbetrieb wurden heute 327 Juden erfaßt. Die jetzt erfaßten Juden werden nur nach T II geleitet.«
Der Stroop-Bericht veranlaßt in diesem Zusammenhang zu drei Fragen:
Wenden wir uns zunächst der ersten Frage zu. Am 25. April wurden insgesamt 1.990 Juden gefangen genommen, von denen 274 erschossen wurden. Die Erschießungsaktion wurde beim Einbruch der Dämmerung unterbrochen. Der Transport nach Treblinka konnte somit lediglich die restlichen (1.990-274=) 1.660 Personen erfassen. Doch ist dies die höchste Zahl von an einem einzigen Tag nach Treblinka Deportierten. Dies wird durch die Tatsache bestätigt, daß am Tage danach 1.722 Juden gefangen genommen wurden, von denen 1.692 getötet wurden, und die Gesamtzahl für den 26. April entspricht jener des 25. April plus jenen 1.722 Juden: 27.460 + 1.722 = 29.186.
Im Bericht vom 12. Mai heißt es, die von Warschau abgehenden Judentransporte seien an jenem Tag "erstmalig" nach "T II" geleitet worden. Es ist nicht klar, wie sich dies mit dem Transport vom 25. April vereinbaren läßt, der als erster nach Treblinka kam. Wie dem auch sei, aus dem Fernschreiben vom 13. Mai geht hervor, daß nach Treblinka lediglich die täglich erfaßten Juden verbracht wurden.
Nach obiger Tabelle wurden am 12. Mai 1.709 Juden gefangengenommen.
Die Maximalzahl von während dieses Zeitraums nach Treblinka deportierten Juden beträgt somit (1.660+1.709=) 3.369. Es ist darum unklar, wie Stroop in seinem Fernschreiben vom 24. Mai auf eine Zahl von 6.929 gelangt. Doch wichtiger ist ein anderes Problem: Wenn diese Juden in "T II" vernichtet wurden, bedeutet dies dann, daß Treblinka ein zum Zweck der Menschentötung errichtetes Lager war? Unserer Ansicht nach beweist die dort erfolgte "Liquidierung" einiger tausend Juden, welche die SS als »Banditen und niedrigsten Elemente des Ghettos« einstufte, weder, daß diese vergast wurden, noch daß es sich bei Treblinka um ein "Vernichtungslager" handelte. Hält man sich vor Augen, daß das Lager nur 80 km von Warschau entfernt lag, so wäre es nicht verwunderlich, wenn die SS dort einige tausend Menschen erschossen hätte, die sie in der Stadt nicht exekutieren konnte oder wollte. Doch hier taucht ein anderes Problem auf.
In der Einleitung zu seinem Bericht schreibt Stroop:[867]
»Während der Großaktion konnten Juden gefangen werden, die bereits nach Lublin bzw. Treblinka verlagert waren, dort ausbrachen und mit Waffen und Munition versehen in das Ghetto zurückkehrten.«
Es besteht also Grund zum Zweifel daran, daß die (laut Stroop) 6.929 nach Treblinka deportierten Juden alle "vernichtet" worden sind. Einer dieser Juden, ein Samuel Zylbersztajn, wurde in der Tat am 30. April 1943 aus dem angeblichen Vernichtungslager Treblinka nach Majdanek deportiert, und zwar als Angehöriger eines Transports von 308 Juden.[868] Der Titel seines Erlebnisberichts lautet, ins Deutsche übersetzt: »Die Erinnerungen eines Häftlings von zehn Lagern«. Zylbersztajn überlebte nach dem "Vernichtungslager" Treblinka nämlich auch das "Vernichtungslager" Majdanek und acht "gewöhnliche" Konzentrationslager dazu; er ist somit ein lebendiger Beweis dafür, daß die Deutschen ihre jüdischen Gefangenen nicht systematisch ausgerottet haben.
Weitere 356 Juden wurden am 13. Mai 1943 von Treblinka nach Majdanek überstellt.[869] Die jüdischen Historiker Tatiana Berenstein und Adam Rutkowski schreiben dazu:[870]
»Einige der Transporte aus Warschau gelangten via Treblinka, wo die Selektion der Deportierten stattfand, nach Lublin.«
Erhärtet wird diese Tatsache durch etliche Zeugen, die im Rahmen des Auslieferungsverfahrens gegen John Demjanjuk in den USA befragt worden sind. In den in unserem Besitz befindlichen offizellen Zusammenfassungen der Befragungen[871] sind die Namen der Zeugen unkenntlich gemacht worden, so daß wir jeweils das Datum nennen, an dem die Befragung stattfand.
Befragung vom 12. Dezember 1979: Der Zeuge wurde im April 1943 von Warschau nach Treblinka deportiert. Am nächsten Tag wurde er nach Majdanek überstellt, wo er 6-7 Tage verbrachte; anschließend kam er für ca. ein Jahr nach Budzyn. Von Budzyn aus wurde er nach Wieliczka (in der Nähe von Krakau) geschickt, von dort gegen Mitte 1944 nach Flossenbürg und schließlich nach Leitmeritz.
Befragung vom 17. Dezember 1979: Der Zeuge wurde von Krakau nach Płaszów und von da aus weiter nach Auschwitz deportiert. Danach kam er nach Oranienburg und schlußendlich nach Flossenbürg
. Er gab an, einen einzigen Tag in Treblinka verbracht zu haben, ohne Einzelheiten zu nennen.Befragung vom 3. Januar 1980: Der Zeuge wurde im Mai 1943 in Warschau gefangen genommen und direkt nach Majdanek geschickt, von wo aus er später nach Budzyn überstellt wurde.
Befragung vom 7. März 1980: Der Zeuge wurde im April 1943 von Warschau nach Treblinka deportiert, wo er nur einen Tag lang blieb; anschließend überstellte man ihn zusammen mit 180 anderen Häftlingen nach Majdanek. Nach zwei Tagen ging die Reise weiter nach Budzyn, wo er zwei Jahre verbrachte. Er wurde von den Sowjets aus einem ungenannten deutschen KL befreit.
Befragung vom 11. März 1980: Der Zeuge wurde im April 1943 nach Treblinka gesandt, wo er nur einen Tag lang blieb. Überstellung nach Majdanek, von da aus nach Budzyn, wo er rund ein Jahr lang interniert war. Am 5. Mai 1945 in Mauthausen befreit.
Befragung vom 18. Juli 1980: Der Zeuge wurde am 18. April 1943 von Warschau nach Majdanek deportiert. Nach 5 Wochen kam er nach Auschwitz, und dann - gegen Ende 1944 - nach Gusen (einem Nebenlager von Mauthausen), wo er befreit wurde.
Das Urteil des Schwurgerichts Düsseldorf vom 3. September 1965 hält klipp und klar fest, daß
»einige tausend Menschen von Treblinka wieder nach anderen Lagern gekommen seien.«[872]
Wenden wir uns zum Schluß der Frage zu, wohin die große Masse der Deportierten geschickt wurde. Laut T. Berenstein und A. Rutkowski wurden 30.000 bis 40.000 Juden aus dem Warschauer Ghetto nach Lublin deportiert, wobei einige Transporte über Treblinka dorthin gelangten, wo zuvor eine Selektion der Arbeitstauglichen durchgeführt worden war.[873] Die polnische Historiker Zofia Leszczyńska schreibt, die Juden aus Warschau seien wie folgt verteilt worden: 14.000 nach Poniatowo, 6.000 nach Trawniki, 800 nach Budzyn und 16.000 nach Majdanek.[874] Laut ihrer Chronologie der Transporte, die sehr lückenhafte Zahlenangaben enthält, gelangten folgende Judentransporte aus Warschau ins Lager Lublin-Majdanek:
|
27. April: |
3.496 Personen, einschließlich Kinder |
|
28. April: |
Anzahl unbekannt, einschließlich Kinder |
|
30. April: |
Anzahl unbekannt, einschließlich Kinder |
|
1. Mai: |
Anzahl unbekannt, einschließlich Kinder |
|
2. Mai: |
Anzahl unbekannt, einschließlich Kinder |
|
3. Mai: |
Anzahl unbekannt, einschließlich Kinder |
|
8. Mai: |
861 Männer |
|
9. Mai: |
895 Männer |
|
10. Mai: |
875 Männer |
|
14. Mai: |
Anzahl unbekannt, einschließlich Kinder.[875] |
3. Die Deportationen aus dem Ghetto von Białystok sowie dem Durchgangslager Małkinia
Die Räumung des Ghettos von Białystok war für den 16. August 1943 vorgesehen. Die Juden im Ghetto leisteten schwachen Widerstand, und vom 16. bis zum 20. August gab es Zusammenstöße, bis die Bewohner von den Deutschen überwältigt waren. Zum Los der gefangengenommenen Juden berichtet die Enzyklopädie des Holocaust:[876]
»Die Deportationen aus dem Ghetto begannen am 18. August 1943, und im Verlauf von drei Tagen wurde der größere Teil der Juden aus Bialystok deportiert. Einige kamen nach Treblinka und wurden dort ermordet, andere nach Majdanek, wo sie einer "Selektion" unterzogen wurden. Die als arbeitsfähig Eingestuften wurden in das Lager Poniatowa gebracht, in das Lager Blyzyn oder nach Auschwitz. Ein Zug mit 1200 Kindern wurde nach Theresienstadt geschickt; einen Monat später endeten auch die Kinder in Auschwitz.«
Der Verfasser dieses Artikels[877] unterläßt es jedoch, die bereits von G. Reitlinger ins Feld geführten wichtigen Argumente zu zitieren. Dieser schreibt:[878]
»Aus zufällig in der Königsberger Reichsbahndirektion erhalten gebliebenen Begleitpapieren geht hervor, daß in der Zeit zwischen dem 21. und 27. August fünf Sonderzüge von Bialystok nach Treblinka gegangen sind. 266 Waggons wurden abgefertigt. Auf einer solchen Fahrt, die im allgemeinen zwei bis zweieinhalb Stunden dauerte, konnten 80 bis 100 Juden in den Viehwagen Platz finden. So war also Raum genug für alle 25.000 Überlebenden.«
Laut Reitlinger wurden diese 25.000 Juden allesamt "vergast". Die von ihm angeführte Quelle ist die englische Übersetzung eines von Z. Łukaszkiewicz verfaßten Artikels, den wir im 3. Kapitel zitiert haben.[879] Dort ist von einem »wykaz wagonów« (Wagenzettel) vom 17. August 1943 die Rede, einem Telegramm vom 18. August sowie einer »Fahrplananordnung Nr. 290«[880] der Reichsbahndirektion Königsberg, in der angeordnet wird:[880]
»Zur Abbeförderung von Aussiedlern verkehren folgende Sonderzüge von Bialystok nach Malkinia, Ziel Treblinka.«
Wie wir bereits gesehen haben, sieht der Fahrplan der in den von Łukaszkiewicz zitierten
Dokumenten wie folgt aus:|
17. August:[881] |
39 Waggons |
|
18. August: |
39 Waggons |
|
19. August: |
35 Waggons |
|
21. August: |
38 Waggons |
|
21. August: |
38 Waggons |
|
22. August: |
38 Waggons |
|
22. August: |
38 Waggons |
|
23. August: |
38 Waggons |
|
Insgesamt: |
8 Züge und 303 Waggons. |
Es ist jedoch sicher, daß die Juden aus dem Ghetto von Białystok größtenteils in die Gegend von Lublin deportiert worden sind. Nach T. Berenstein und A. Rutkowski wurden 24.000 dieser Juden nach Majdanek gebracht.[882]
Am 20. August 1943 traf aus Białystok ein Transport mit 2.031 Personen in Majdanek ein.[883] Er enthielt Männer, Frauen und Kinder,[884] so daß in Treblinka keinerlei Selektion stattgefunden haben kann. Am gleichen Tag kam in Majdanek noch mindestens ein weiterer Transport mit ungefähr 2000 Juden (Männer, Frauen und Kinder) an.[885] Auch der Transport mit 1.200 (ursprünglich für Palästina bestimmten[886]) Kindern zwischen 6 und 12 Jahren, der am 24. August in Theresienstadt angelangte,[887] ging über Treblinka, das also für diese Transporte als Durchgangslager diente.
Laut dem Kalendarium von Auschwitz traf am 10. Dezember 1942 aus dem Durchgangslager Małkinia ein Transport mit 2.500 Personen ein, von welchen 524 Männer mit den Nummern 81400 - 81923 immatrikuliert wurden. Die übrigen 1.976 sollen vergast worden sein. Am 12. Dezember desselben Jahres, so das Kalendarium, kam aus dem Durchgangslager Małkinia ein Transport mit 2.000 polnischen Juden nach Auschwitz, von welchen 416 Männer mit den Nummern 82047 bis 82462 sowie 6 Frauen mit den Nummern 26800 bis 26805 regulär in den Lagerbestand aufgenommen wurden; auch diesmal heißt es, die übrigen seien vergast worden.[888]
Zieht man den Informator enzycklopedyczny der "Hauptkommission zur Untersuchung der Hitlerverbrechen in Polen" zu Rate, in dem alle während der deutschen Besatzung auf polnischem Boden existierenden Lager und Gefängnisse aufgelistet sind, so findet man unter dem Stichwort Małkinia keinerlei Lager irgendeines Typs.[889] Doch erkennt man auf der Luftfoto vom 15. Mai dort deutlich ein Lager, entlang der Straße nach Ostroleka, die merkwürdigerweise durch dieses hindurchführt, und ca. 5 km von Treblinka entfernt.[890] Man kennt seine Funktion nicht.
In der ersten deutschen Ausgabe des Kalendariums hatte D. Czech noch geschrieben, die beiden Transporte seien aus dem Ghetto von Ciechanów eingetroffen.[891]
Diese zwei Transporte sind im Rahmen der zwischen dem 9. November und dem 20. Dezember 1942 erfolgten Judendeportation aus Kielbasin (von den Deutschen Lososna genannt) zu sehen. Bei diesem handelt es sich um einen Ort rund 50 km nordöstlich von Białystok, auf der Straße nach Grodno. Anläßlich dieser Aktion sollen weitere Transporte nach Treblinka geleitet worden sein: Einer mit 7000 Juden am 14. Dezember, der letzte am 20. desselben Monats.[892]
Da das angebliche "Vernichtungslager" Treblinka zu jener Zeit in Betrieb gewesen sein soll, ergibt es keinen Sinn, daß die mehr als 3.500 arbeitsuntauglichen Juden zur "Vergasung" ins mehr als 500 km entfernte Auschwitz statt ins nahe Treblinka geschickt worden sein sollen. Wenn es aber noch weitere Transporte nach Treblinka gab, so drängt sich der Schluß förmlich auf, daß auch die nach Auschwitz abgegangenen über Treblinka dorthin gelangten, wie diejenigen aus dem Ghetto Białystok.
4. Treblinka: Gaskammern oder Entwesungskammern?
Geht man davon aus, das Treblinka ein Transitlager war, kann man auch die Beschreibung der angeblichen Ausrottungseinrichtungen durch die Zeugen deuten. In seinem im ersten Kapitel erwähnten, 1995 erschienenen Artikel hat J.-C. Pressac eine sehr interessante Hypothese bezüglich der vermeintlichen Vernichtungslager aufgestellt. Er schrieb:[893]
»Nur ein polnischer Zeuge, Stanisław Kosak,[894] hat die Einrichtung des Vernichtungslagers Belzec ab November 1941 geschildert. Es wurden drei nebeneinander liegende Baracken errichtet: Die erste diente den Juden als Wartesaal, in der zweiten badeten sie, und in der dritten wurden sie in drei Räumen vergast. Auf einer Schmalspurbahn kursierende Waggons besorgten den Transport der Leichen zu einer am Lagerrand befindlichen Grube. Kosak fügt hinzu, in den Gaskammern seien drei mit der Kanalisation verbundene Öfen installiert worden.
Bei dieser Menschentötungseinrichtung sind zwei Elemente unverständlich: Die Bäder (warum sollte man die Deportierten vor ihrer Vergasung baden lassen?) sowie die drei mit Wasser versorgten Öfen (zur Tötung wurde ja Kohlenmonoxid verwendet).
Für Treblinka schilderten die Zeugen in anderen Worten genau dieselbe Reihenfolge: Eintritt in den Auskleideraum, dann ins Bad, darauf in den Experimentierraum für Erstickungsgase, der an einen Ofenraum grenzte, von wo aus die Gleise zu einem "Friedhof" führten. Sie erwähnen die Verwendung von Wasserdampf in der Gaskammer. Dieses "Totenhaus" weist mehr bizarre Aspekte auf als jenes von Belzec: Bad, Wasserdampf und Öfen, deren Zweck nicht darin bestehen kann, die Leichen einzuäschern, da diese ja auf dem "Friedhof" beerdigt werden. Ein Bericht vom November 1942, der nach London gesandt wurde, bestätigt, daß die Erstickungskammern aus drei Räumen von 4 × 4 m Größe bestanden, mit einem Heizraum, wo sich ein Heizkessel zur Produktion von Wasserdampf befand, welcher dann in die drei Kammern geleitet wurde. Diese Widersprüche belegen, daß die Zeugenaussagen nicht "arrangiert" worden sind, sondern die Worte der Zeugen richtig wiedergeben.
Anstelle von einer Menschentötungseinrichtung auszugehen, wird man die Hypothese akzeptieren müssen, daß Ende 1941 bis Mitte 1942 in Belzec, Sobibor und Treblinka drei Entlausungsanlagen eingerichtet wurden. Daß man dafür Orte an einer hinfällig gewordenen Grenze wählte, läßt sich erklären, wenn man in den Begriffen der prophylaktischen Hygiene und des Kampfes gegen den Typhus durch Tötung der ihn übertragenden Insekten, der Läuse, denkt und sich vor Augen hält, daß die Deutschen den Typhus in ihrer Besatzungszone mehr oder weniger im Griff hatten, nicht jedoch in den eroberten sowjetischen Gebieten. Somit wurde das bei der Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942 festgelegte Programm zur Abschiebung der Juden nach Osten eingehalten, indem man die Deportierten durch diese drei sanitären Einrichtungen schleuste. Die vorzeitige Gründung von Belzec läßt sich durch die Verschiebung der Wannsee-Konferenz erklären, oder auch dadurch, daß der Zeuge Kosak ein falsches Datum für die Errichtung der Entlausungsanlage genannt hat.«
Eine Reihe von Gründen spricht dafür, daß Pressac den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Im zweiten Kapitel haben wir gesehen, daß laut den Zeugenangaben die angeblichen Ausrottungsinstallationen von Treblinka als "Bad" getarnt waren. Dieser Punkt verdient eine nähere Behandlung.
Rachel Auerbach erwähnt »eine ganze Liste von Instruktionen über Baden und Desinfektion, darüber, was man mit Geld, Juwelen und Dokumenten anstellen solle«. In einigen Fällen seien den Neuankömmlingen tatsächlich Quittungen ausgehändigt worden, nachdem sie ihre Wertsachen am Kassenschalter abgegeben hatten.[895] Sie schreibt, man habe die Frauen oft gebeten, Handtücher ins Badehaus mitzunehmen,[896] und legt dar:[897]
»[...] diese Tür führte zur "Badeanstalt". Diese war ein grauweißes Gebäude mit allem Zubehör eines normalen öffentlichen Bades im Inneren: "Kabinen", plus einige Kamine, die aus dem Dach ragten. [...] Der Fußboden war abschüssig und mündete in weite, hermetisch abschließbare Klapptüren gegenüber dem Eingangstor. Echte Duschköpfe waren an der Decke der Kammern angebracht, doch sie waren mit keiner Wasserleitung verbunden.«
Später führt sie aus:[898]
»[...] in der Anfangszeit sagte man den Juden, als sie sich auszogen und ihr Geld abgaben, sie sollten einen Zloty behalten, um "für das Bad" zu zahlen. Ein ukrainischer Wachmann saß in einer Holzhütte am Eingang zur "Himmelsstraße" und sammelte die Zlotys ein.«
Der Bericht vom 15. November 1942 fügt ein weiteres, wichtiges Indiz hinzu: Den Kesselraum zur Erzeugung des Wasserdampfs, der in einer Desinfektions- und Entlausungsanlage durchaus seinen Sinn hat, jedoch in einer Ausrottungseinrichtung ganz und gar fehl am Platz ist. Wasserdampf war tatsächlich eine der gängigsten Methoden der Entseuchung (Desinfektion) und Entwesung.[899] Der Silberschein-Bericht vervollständigt das Bild der Indizien: Gleich nach ihrer Ankunft wurde den Deportierten mitgeteilt, sie würden ihre Reise »zur Arbeit nach dem Osten« fortsetzen. Im Urteil des Düsseldorfer Schwurgerichts von 1965 heißt es, die Warschauer Juden seien mit folgender Ansprache begrüßt worden:[900]
»Achtung Warschauer Juden!
Ihr befindet Euch hier in einem Durchgangslager, von dem aus der Weitertransport in Arbeitslager erfolgen wird.
Zur Verhütung von Seuchen sind sowohl Kleider als auch Gepäckstücke zum Desinfizieren abzugeben. Gold, Geld, Devisen und Schmuck sind gegen Quittung an der Kasse zu übergeben. Sie werden später gegen Vorlage der Quittung wieder ausgehändigt.
Zur Körperreinigung haben sich alle Ankommenden vor dem Weitertransport zu baden.«
Nach der Ansprache erfolgte laut erwähntem Bericht die Unterteilung nach Berufen. Die SS hatte in der Tat am Lagerbahnhof ein Büro eingerichtet,
»wohin sich jeder Neueintreffende zu wenden und seine Fachausbildung zu melden hatte.«
Dann, so fährt der Bericht vom 15. November 1942 fort,
»wurden die Leute ins Lager gebracht und zunächst nur in die Bäder zur Desinfizierung geschickt. Nach dem Bad wurden sie vorläufig in die einzelnen Zellen eingewiesen. Dort sollten sie warten, bis sie an die Reihe kamen.«
Die dem Silberschein-Bericht beigelegte Skizze[901] zeigt ein Männerlager, ein Kinderlager sowie ein Frauenlager; dorthin hätten sich die Deportierten im Anschluß an das Bad begeben. Die Informacja bieżąca vom 17. August 1942 behauptete, daß in Treblinka »die Lagerstärke am 5. August 40.000 Juden« betrug,[902] was auf eine Internierung der Deportierten nach dem Bad hindeutet.
In dem Bericht heißt es dann, die Juden seien »in die Gas- und Ofenkammern« gesandt und dort umgebracht worden - doch warum, bitteschön, befahl man ihnen dann vorher noch, sich zu baden? Die angebliche Ausrottungseinrichtung, wie sie in der Skizze dargestellt wird, ist auch sonst aufschlußreich: Das Gebäude bestand aus einer Garderobe, einem Baderaum, einem »Versuchsraum für Erstickungsgase« sowie aus einem Ofenraum, von wo ein Schienenweg zum Friedhof führte. Wozu dienten dann die Öfen?
Andererseits war der Baderaum nicht mit dem Versuchsraum für Erstickungsgase identisch (warum eigentlich "Versuchsraum"?) und mußte somit ein wirkliches Bad gewesen sein, durch welches die Deportierten gingen, ehe man sie in einem der drei oben erwähnten Lager unterbrachte. Doch auch die Garderobe sowie die Öfen sind mit der Ausrottungsthese unvereinbar, und zwar erst recht mit der heute gültigen Version, denn einerseits sollen sich die Todgeweihten im Freien ausgezogen haben, und andererseits behauptet kein Historiker, in Treblinka habe es Krematorien gegeben. Sieht man die ganzen Einrichtungen jedoch vor einem ganz anderen, nämlich hygienisch-sanitären Hintergrund, so wirkt die Beschreibung völlig logisch. In einer Einrichtung, die eine Garderobe und einen Baderaum enthält, kann ein Ofenraum nichts anderes als Entwesungsöfen enthalten, aber dann war der angrenzende Raum bestimmt kein »Versuchsraum für Erstickungsgase«, sondern eine Entwesungs-Heißluftkammer. (In diesem Zusammenhang lohnt sich der Hinweis darauf, daß auch für das vermeintliche "Vernichtungslager" Chełmno ein Entwesungsofen vorgesehen war.[903])
Solche Entwesungsöfen wurden von mehreren Firmen hergestellt, darunter der Firma Topf in Erfurt, die in der Zentralsauna von Birkenau zwei davon (mit vier Heißluftkammern) installierte,[904] sowie der Firma H. Kori in Berlin, die weniger massive Öfen produzierte.[905] Eine weitere Firma, welche Heißluftentlausungskammern, Dampf- und Dampfformalin-Entwesungskammern sowie andere solche Einrichtungen fabrizierte, war die Ing. C. Klobukowski & Co, mit Sitz in Warschau.[906]
Die im Silberschein-Bericht enthaltene Beschreibung und beiliegende Zeichnung erinnern an den Plan der provisorischen Entwesungsanlage des K.G.L. Lublin. Dort gab es einen Aus- und Ankleideraum (Garderobe), ein Kesselhaus (Kesselraum), ein Raum mit Brausen (Bad) und eine Entlausung (»Versuchsraum für Erstickungsgase«).
G. Reitlinger schreibt, daß einige im August 1943 aus dem Ghetto von Białystok nach Theresienstadt überstellte Kinder
»gesehen hatten, wie ihre Eltern in ein "Badehaus" geschleppt wurden.«[907]
Da diese Kinder durch das Transitlager Treblinka geschleust worden waren - dasselbe galt auch für die anderen Juden, Erwachsene und Kinder, die nach Lublin/Majdanek und anderen Lagern überstellt wurden -, war dieses Badehaus offensichtlich ein echtes Badehaus!
Die Struktur der beiden vermeintlichen Vergasungseinrichtungen, die von der offiziellen Geschichtsschreibung akzeptiert worden ist, paßt allerdings mehr zu Blausäure-Entwesungskammern. In beiden weisen die Kammern zwei Türen auf den einander gegenüberliegenden Seiten auf, so daß es eine "reine" und eine "unreine" Seite gibt. In diesem Zusammenhang bekommt die Mission Kurt Gersteins einen einleuchtenden Sinn. Gerstein war nämlich kein Experte für Massentötungen, sondern einer für Entwesung, und zwar ein dermaßen qualifizierter, daß ihm der SS-Hauptsturmführer d. Res. Walter Dötzer in dessen Vorwort zu seinem vom Hygiene-Institut der Waffen-SS veröffentlichten Buch über Entwesung gedankt hatte:[908]
»SS-Obersturmführer (F) Dipl.-Ing. Gerstein möchte ich an dieser Stelle für seine Beratung in allen technischen Fragen meinen Dank aussprechen.«
Dies liefert auch eine zwanglose Erklärung für Samuel Rajzmans Hinweis auf »Cyklon-Gas«, also Zyklon-B, in Treblinka. Wie Mieczysław Chodzko berichtet, brachte im November 1942 eine Sanitätskommission Entwesungsapparate und mobile Öfen zur Heizung des Wassers für die Duschen nach Treblinka I.[909]
Im Distrikt Galizien herrschte bereits im Januar 1942 große Besorgnis über die hygienisch-sanitären Zustände.[910] Im Kreis Kolomea waren Fleckfieberfälle aufgetreten,[911] doch waren wohl auch andere Kreise davon betroffen, so daß der Gouverneur allen Kreisärzten die Anweisung erteilte, einen »Fragebogen betr. Bade- und Entlausungsanstalten« zu erstellen.[912] Zu den verschiedenen Entwesungsanlagen gehörte sogar eine »Begasungszelle für Räudepferde«.[913] Die Lage spitzte sich dermaßen zu, daß Plakate in deutscher, ukrainischer und polnischer Sprache angeschlagen wurden, welche vor dem Fleckfieber warnten. Diese waren vom »Kreishauptmann in Tarnopol. Abt.: Gesundheitswesen« ausgefertigt worden und erklärten Art und Gefährlichkeit der Seuche sowie die Notwendigkeit der Bekämpfung ihre Träger: »Ohne Läuse kein Fleckfieber. Kampf der Verlausung!« Dann hieß es warnend:
»Ein großer Teil der Bevölkerung, am meisten aber die Juden, ist verlaust!«
Der Plakattext schloß mit der Mahnung, bei den ersten Symptomen der Krankheit einen Arzt aufzusuchen.[914]
Die Umsiedlung der jüdischen Bevölkerung des Generalgouvernements, die in den Ghettos unter mißlichen hygienischen Umständen gelebt hatte, nach Osten erforderte deshalb Durchgangslager mit Badeanstalten, Entwesung und Entlausung.
5. Was war das Schicksal der Deportierten?
Das Schicksal der in den Osten deportierten Juden ist eine jener Fragen, auf die man mangels Dokumenten kaum eine sichere Antwort geben kann. Sie ist eng mit dem noch komplexeren Problem der jüdischen Bevölkerungsverluste während des Zweiten Weltkriegs verbunden, das nicht Gegenstand der vorliegenden Studie ist.[915]
Wie wir im 7. Kapitel gesehen haben, sind die Zahlen der laut den "Ereignismeldungen" - oder anderen Quellen - von den Einsatzgruppen getöteten Juden enorm übertrieben, so daß die Anzahl der Juden, die entweder von den Sowjets evakuiert wurden oder im deutschen Besatzungsbereich überlebten, weitaus höher gewesen sein muß als jene 700.000, von denen G. Reitlinger spricht.[916] Zu dieser Frage hebt eine sowjetische Quelle folgendes hervor:[917]
»Als Hitler im Jahre 1939 in Polen einfiel, flohen Zehntausende von polnischen Juden nach Ostpolen, von wo aus sie später in die Sowjetunion gelangten. Zusammen mit der Bevölkerung der Ukraine und Weißrußlands waren diese Juden die ersten, die nach Osten evakuiert wurden. Da die Behörden wußten, daß die Juden der am stärksten bedrohte Bevölkerungsteil waren, stellten sie Tausende von Zügen zu ihrer Evakuierung zur Verfügung. In Zhitomir verließen 88% der Juden die Stadt, noch ehe die Nazis dort einrückten. Besondere Mühe wurde aufgewendet, um die jüdischen Kolchosenbauer zu erretten; auf der Krim wurden viele von ihnen unter Umständen evakuiert, die es ihnen gestattete, ihr ganzes Vieh mitsamt Landwirtschaftsgeräten mitzunehmen. In einem 1942 erschienenen Artikel im "Congress Weekly", einer New Yorker Zionistenzeitung, gab der palästinensische Jude Solomon Itzhaki die dankbare Schilderung eines polnisch-jüdischen Journalisten über seine eigene Evakuierung wieder. Während einer fünf- bis sechswöchigen Reise wurden von der sowjetischen Regierung Lebensmittel, Kleidung und besondere Hilfe für Kinder und Kranke zur Verfügung gestellt. Laut diesem Journalisten wurden Millionen von Evakuierten, Juden und Nichtjuden, nach der Ankunft an ihrem Bestimmungsort rasch untergebracht und erhielten eine nutzbringende Arbeit in der Kriegsindustrie und den landwirtschaftlichen Betrieben zugewiesen. Während eine große Zahl polnischer Juden in der sowjetischen Kriegsindustrie vortreffliche Arbeit leisteten, besuchten die polnisch-jüdischen Jugendlichen zu Tausenden die sowjetischen Schulen. Hunderte studierten an der - während des Krieges nach Saratov verlegten - Universität von Leningrad, wo sie in von der Regierung zur Verfügung gestellten Schlafsälen schliefen und in besonderen Kantinen verköstigt wurden. Alle "Yeshivas" (Talmudseminare) wurden auf Kosten der Sowjetregierung aus Ostpolen nach Zentralasien verlegt. Die geflüchteten Rabbiner führten ihre geistliche Tätigkeit weiter, und Michail Kusevitski, Meistersinger der Großen Synagoge von Warschau, leitete eine Konzerttournee durch die Sowjetunion, wobei er Soldaten wie Zivilisten mit seinem Singen des "Kol Nidre", einem feierlichen Gebet anläßlich des jüdischen Sühnetages, zutiefst rührte. Die Mehrheit der aus den von Deutschland besetzten Zonen evakuierten Juden kamen nach Usbekistan. Viele andere Familien wurden von der autonomen sozialistischen Sowjetrepublik Baschkirien im Ural aufgenommen. Laut Abdul Akhmetov, dem baschkirischen Vizekommissar für Landwirtschaft, arbeiteten die Evakuierten Seite an Seite mit den Baschkiren auf den Kolchosefeldern und leisteten "ausgezeichnete Arbeit". Eine gewisse Anzahl jüdischer Kolchosebauern aus der Ukraine ließen sich in der Gegend von Saratov in eigenen Kolchosen nieder. Tausende weiterer Juden, darunter viele aus Witebsk, Kiew und Riga stammende betagte Menschen, fanden eine Anstellung in den Fabriken und Textilindustrien derselben Gegend.«
E. Kulischer berechnet die Zahl der aus den ostpolnischen Provinzen in die nie unter deutsche Herrschaft geratenen sowjetischen Gebiete geflüchteten Juden auf 500.000; dazu seien noch 30.000 Juden aus den Baltenstaaten sowie 1.100.000 Juden aus den von den Deutschen eroberten Sowjetterritorien gekommen.[918]
In einer Studie des Titels »Die Juden in der UdSSR« liest man:[919]
»Die baltischen Staaten, Weißrußland sowie die Ukraine erlitten besonders schwere Verluste. Eine gewisse Anzahl von Flüchtlingen der Kriegszeit ließ sich in Zentralasien nieder, so daß die jetzige [1966] jüdische Bevölkerung Usbekistans aus alten jüdischen Einwohnern Bucharas und Immigranten aus den europäischen Territorien besteht. Andere ließen sich in verschiedenen Städten des Urals sowie Sibiriens nieder oder wurden dorthin evakuiert. Von den Flüchtlingen kehrten manche nach dem Krieg an ihre einstigen Wohnsitze zurück, andere blieben, was die hohe Zahl von Juden in Ortschaften wie Swerdlowsk und Cheliabinsk erklärt.«
Der jüdische Journalist Louis Rapoport zeichnet ein entschieden pessimistischeres Bild; er schreibt:[920]
»Von der rund einen Million in den Ural sowie nach Sibirien geschickten polnischen Juden - die Fahrt dauerte vier bis sechs Wochen und verlief unter entsetzlichen Bedingungen - starb nach einem Nachrichtenblatt des Joint Distribution Committee aus dem Jahre 1943 ein Fünftel bis ein Drittel.«
Für den Zeitraum von März bis September 1946, »als die große Rückwanderung aus dem Inneren des Landes erst begonnen hatte«, liefert G. Reitlinger unter Berufung auf einen Artikel in der jiddischsprachigen sowjetischen Zeitung Ainikeit, dessen Erscheinungsdatum er nicht nennt, für fünf sowjetische Städte jüdische Bevölkerungszahlen, die nicht allzu tief unter den Vorkriegsziffern liegen:
|
Stadt |
jüdische Vorkriegsbevölkerung[921] |
jüdische |
|
Kiew |
140.000 |
100.000 |
|
Odessa |
153.000 |
80.000 |
|
Dnjepropetrowsk |
62.000 |
50.000 |
|
Winniza |
21.800 |
14.000 |
|
Schitomir |
30.000 |
6.000 |
|
Insgesamt: |
406.800 |
250.000 |
Es besteht kein Zweifel daran, daß ein großer Teil der Juden in den unter deutsche Kontrolle geratenen sowjetischen Gebieten während des Krieges den Tod fand, und zwar durchaus nicht nur als Folge von Massakern, sondern auch aufgrund von Kriegshandlungen, Krankheiten, Erschöpfung und Entbehrungen. Daran besteht tragischerweise kein Zweifel, wenn man bedenkt, daß die meisten dieser Juden Arbeitsunfähige, alte Menschen, Kinder und schwache Personen waren.
Germar Rudolf unterteilt die jüdischen Verluste in folgende Kategorien:
Dazu kommen natürlich die von den Einsatzgruppen, der Wehrmacht etc. erschossenen Juden. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, jeder dieser Kategorien exakte Ziffern zuzuordnen, doch die wenigen hier angeführten Beispiele vermitteln eine Vorstellung davon, wie hoch die nicht auf deutsche Tötungsmaßnahmen zurückgehenden jüdischen Verluste waren.
Die offiziellen Bevölkerungsstatistiken der Nachkriegszeit helfen uns nicht weiter. Erstens stammten sie von jüdischer und stalinistischer Seite und waren somit zwangsläufig von den Erfordernissen der Ideologie und Propaganda beeinflußt, und zweitens berücksichtigten sie entscheidende Faktoren nicht, wie etwa Auswanderung in andere Staaten, Assimilierung oder schlicht und einfach den Willen mancher Juden, nicht als solche registriert zu werden.
1984 erklärte eine italienische kommunistische Zeitung die Verminderung der jüdischen Bevölkerung in der Sowjetunion, die sich in den Volkszählungen von 1926, 1970 und 1976 widergespiegelt hatte, wie folgt:[927]
»Die Verminderung der jüdischen Bevölkerung im Vergleich zum Jahre 1926 geht teils auf die nazistische Ausrottungspolitik zurück, teils auf den natürlichen Assimilierungsprozeß in einem Lande, das mehr als hundert verschiedene Nationalitäten zählt und wo es keinerlei Hürden für Mischehen gibt. Das Schrumpfen der jüdischen Bevölkerung im Jahrzehnt von 1970-1979 ist die Folge desselben Assimilierungsprozesses (in der UdSSR geben die Bürger ihre Nationalität selbst nach freiem Ermessen an, indem sie eine der beiden Nationalitäten ihrer Eltern wählen), aber auch der Auswanderung jener Juden, die im Rahmen der sowjetischen Politik zur Begünstigung der Wiedervereinigung durch die verschiedenartigsten Umstände getrennter Familien ins Ausland gezogen sind.«
Was die erste Nachkriegsvolkszählung anbelangt, jene von 1959, so konnten die Bürger ihre Nationalität angeben, ohne ihren internen Paß vorzeigen zu müssen, in welchem diese offiziell registriert war. Deswegen zogen es zahlreiche Bürger vor, sich aus verschiedenen Gründen eine andere Nationalität zuzulegen.[928] Zusammen mit den übrigen, bereits genannten Faktoren trägt dies dazu bei, ein verzerrtes Bild von der zahlenmäßigen Stärke der Juden in der UdSSR zu liefern.
Fußnoten
| [813] | »Likwidacja Żydowskiej Warszawy«, aaO. (Anm. 122), S. 81, 86, 90. |
| [814] | Durchgangslager. |
| [815] | Kronika getta łódzkiego, Wydawnictwo łódzkie, Lodz 1965, Bd. II, S. 100. |
| [816] | APL, PSZ, 174, S. 26. |
| [817] | Fotokopie bei R. Hilberg, aaO. (Anm. 265), S. 178f. |
| [818] | Ebenda, S. 177. |
| [819] | Ebenda, S. 181. |
| [820] | Staatsanwaltschaft beim Landgericht Frankfurt (Main), Strafsache gegen Baer und andere beim Schwurgericht Frankfurt (Main), Az. 4 Js 444/59, Band 65, S. 12100. |
| [821] | PS-1061. IMG, Bd. XXVI, S. 634f. |
| [822] | Faschismus - Getto - Massenmord, aaO. (Anm. 286), S. 305. |
| [823] | Ebenda, S. 110. |
| [824] | Ebenda, S. 111. |
| [825] | Ebenda, S. 115. |
| [826] | Ebenda, S. 309. |
| [827] | »Likwidacja Żydowskiej Warszawy«, aaO. (Anm. 122), S. 80. |
| [828] | E. Kulischer, aaO. (Anm. 797), S. 110f. |
| [829] | Ebenda, S. 110, Anmerkung 2. |
| [830] | Auf diese Tatsache haben bereits Mark Weber und Andrew Allen in ihrem Artikel »Treblinka«, aaO. (Anm. 107), S. 139f., hingewiesen. |
| [831] | Lucy Dawidowicz, The Holocaust Reader, Berman House, New York 1976, S. 356. |
| [832] | Faschismus - Getto - Massenmord, aaO. (Anm. 286), S. 496. |
| [833] | Lucy Dawidowicz, The War against the Jews 1933-1945, Bantam Publisher, New York 1976, S. 414. |
| [834] | C. Gerlach, aaO. (Anm. 415), S. 762. |
| [835] | K. Marczewska, W. Waźniewski, aaO. (Anm. 51), S. 137. |
| [836] | HI, Report on conditions in Poland. Annex No. 7, HI, Box 29. |
| [837] | GARF, 7445-2-145, S. 80. Siehe Dokument 22 im Anhang. |
| [838] | GARF, 7445-2-145, S. 81. Siehe Dokument 23 im Anhang. |
| [839] | GARF, 7445-2-145, S. 85. |
| [840] | Fahrplananordnung Nr. 562 vom 22. August 1942. Fotokopie bei R. Hilberg, aaO. (Anm. 265), S. 183. |
| [841] | G. Reitlinger, Die Endlösung, aaO. (Anm. 177), S. 284. |
| [842] | PS-1061. IMG, Bd. XXXVI, S. 635. |
| [843] | Y. Arad, aaO. (Anm. 71), S. 392. |
| [844] | Faschismus - Getto - Massenmord, aaO. (Anm. 286), S. 349. |
| [845] | Ebenda, S. 449f. |
| [846] | PS-1061. IMG, Bd. XXVI, S. 635. |
| [847] | WAPL, ZBL, 268, S. 1. |
| [848] | G. Reitlinger, Die Endlösung, aaO. (Anm. 177), S. 315. |
| [849] | R. Hilberg, aaO. (Anm. 17), Bd. 2, S. 538f. |
| [850] | Fernschreiben Stroops vom 24. Mai 1943. Fotokopie bei: L. Poliakov, J. Wulf, aaO. (Anm. 377), S. 168f. |
| [851] | IMG, Bd. XXVI, S. 628-694. |
| [852] | L. Poliakov, J. Wulf, aaO. (Anm. 377), S. 159. |
| [853] | IMG, Bd. III, S. 622. |
| [854] | PS-1061. IMG, Bd. XXVI, S. 693. |
| [855] | PS-3841. IMG, Bd. XXXIII, S. 202. |
| [856] | Ebenda. S. 653. |
| [857] | Beispielsweise heißt es im Rapport vom 27. April: »2560 Juden erfaßt, davon 547 erschossen«. Unsere Berechnung sieht also wie folgt aus: (2.560-547=) 2.013 lebend Gefangengenommene. |
| [858] | Offenbar waren diese Juden am Vortag gefangen genommen worden. |
| [859] | IMG, Band XXVI, auf angegebener Seite. |
| [860] | Im Text steht 203, doch in einem anderen Bericht, der sich auf denselben Tag bezieht (S. 647), ist von 150 Erschossenen und 80 in einem gesprengten Bunker Umgekommenen die Rede, so daß insgesamt 230 Juden getötet wurden. |
| [861] | Die Gesamtzahl für den 22.4. und die Tage davor ist nicht angegeben. |
| [862] | Im Text steht irrtümlich 49.712. |
| [863] | PS-1061. IMG, Bd. XXVI, S. 656. |
| [864] | Ebenda, S. 660. |
| [865] | Ebenda, S. 686. |
| [866] | Ebenda, S. 688. |
| [867] | Ebenda, S. 638. |
| [868] | Samuel Zylbersztain, »Pamiętnik więźnia dziesięciu obozów«, in: Biuletyn Żydowskiego Instytutu Historycznego w Polsce, Nr. 68, 1968, S. 53-56. Der Verfasser nennt als Datum seiner Deportation nach Treblinka ausdrücklich den 30. April 1943. |
| [869] | T. Mencel (Hg.), Majdanek 1941-1944, Wydawnictwo Lubelskie, Lublin 1991, S. 448. |
| [870] | Tatiana Berenstein, Adam Rutkowski, »Żydzi w obozie koncentracijnym Majdanek (1941-1944)«, in: Biuletyn Żydowskiego Instytutu Historycznego w Polsce, Nr. 58, 1966, S. 16. |
| [871] | U.S. Department of Justice. Criminal Division. Office of Investigation. Report of Investigation. Subject "Demjanjuk Ivan, Fedoreknko Feodor". Diese Protokolle wurden den Akten im Jerusalemer Demjanjuk-Prozeß beigelegt (State of Israel vs. Ivan [John] Demjanjuk. Criminal Case No. 373/86 in the Jerusalem District Court; vgl. Kapitel V). Wir danken Dr. Miroslav Dragan, der uns diese Dokumente zur Verfügung stellte. |
| [872] | A. Rückerl, NS-Vernichtungslager..., aaO. (Anm. 61), S. 198. |
| [873] | T. Berenstein, A. Rutkowski, aaO. (Anm. 870), S. 16. |
| [874] | Zofia Leszczyńska, »Transporty więźniów do obozu w Majdanku«, in Zeszyty Majdanka, IV, 1969, S. 194. |
| [875] | T. Mencel, Majdanek 1941-1944, aaO. (Anm. 869), S. 447f. |
| [876] | Enzyklopädie des Holocaust, aaO. (Anm. 18), Bd. I, S. 215f. |
| [877] | Stichwort »Bialystok« in der Enzyklopädie des Holocaust, ebenda. |
| [878] | G. Reitlinger, Die Endlösung, aaO. (Anm. 177), S. 323. |
| [879] | »The Treblinka extermination camp«, in: German Crimes in Poland, Warschau 1946, S. 103f. |
| [880] | Im Text auf deutsch zitiert. |
| [881] | Im Text steht irrtümlich 27. August. Das Datum des 17. August erscheint in der deutschen Übersetzung des betreffenden Artikels (URSS-344). |
| [882] | T. Berenstein, A. Rutkowski, aaO. (Anm. 870), S. 18. |
| [883] | GARF, 7021-107-3, S. 258. Siehe Dokument 24 im Anhang. |
| [884] | Z. Leszczyńska, aaO. (Anm. 874), S. 227. |
| [885] | T. Mencel, Majdanek 1941-1944, aaO. (Anm. 869), S. 450. |
| [886] | Brona Klibanski, »Kinder aus dem Ghetto Bialystok in Theresienstadt«, in: Theresienstädter Studien und Dokumente, 1995, S. 93. |
| [887] | Terezísnká pamĕtní kníha, aaO. (Anm. 569), S. 70. Dort wird eine Ziffer von 1.220 aus Białystok in Theresienstadt eingetroffenen Juden genannt. Offensichtlich sind darin 20 Erwachsene inbegriffen, welche die Kinder begleiteten. |
| [888] | D. Czech, aaO. (Anm. 406), S. 356 und 358. |
| [889] | Obozy hitlerowskie..., aaO. (Anm. 64), S. 314. Auf Malki folgt dort Malomice. |
| [890] | John C. Ball, Air Photo Evidence, aaO. (Anm. 98), S. 79 und 88. |
| [891] | D. Czech, »Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau«, in: Hefte von Auschwitz, Heft 3, Wydawnictwo Państwowego Muzeum w Oświęcimiu, 1960, S. 106f. |
| [892] | C. Gerlach, aaO. (Anm. 415), S. 727. |
| [893] | J.-C. Pressac, »Enquête...«, aaO. (Anm. 85), S. 120f. |
| [894] | Richtig: Kozak. |
| [895] | A. Donat, aaO. (Anm. 4), S. 30. |
| [896] | Ebenda, S. 31. |
| [897] | Ebenda. S. 34. |
| [898] | Ebenda, S. 54. |
| [899] | Walter Dötzer, Entkeimung, Entseuchung, Entwesung. Arbeitsanweisungen für Klinik und Laboratorium des Hygiene-Instituts der Waffen-SS, Berlin, Verlag von Urban und Schwarzenberg, Berlin und Wien 1943, S. 16-21 sowie 87f. |
| [900] | A. Rückerl, NS-Vernichtungslager..., aaO. (Anm. 61), S. 219. |
| [901] | Siehe Dokument 3 im Anhang. |
| [902] | Siehe Kapitel II. |
| [903] | T-1298. |
| [904] | RGVA, 502-2-27, S. 24-24a. Schlußrechnung Nr. 1792 vom 19. Oktober 1943. |
| [905] | Siehe dazu J. Graf, C. Mattogno, aaO. (Anm. 267), Dokument 29, S. 288. |
| [906] | Anzeigefaltblatt ohne Datum. DAL, R-35-9-443, S. 1-12. |
| [907] | G. Reitlinger, Die Endlösung, aaO. (Anm. 177), S. 323. |
| [908] | W. Dötzer, aaO. (Anm. 899), S. II., |
| [909] | Wydawnictwo Centralnej Żydowskiej Komisji Historycznej (Hg.), Dokumenty i Materały, aaO. (Anm. 39), S. 176. |
| [910] | Brief des Kreishauptmanns von Horodenka vom 19. Januar 1942 zum Thema »Entlausungsanstalten«. DAL, R-35-9-313, S. 3. |
| [911] | Brief des Hauptkreisarztes in Kolomea zum Thema »Fleckfieber im Kreise« vom 5. Februar 1942. DAL, R-35-9-313, S. 1. |
| [912] | DAL, R-35-9-320, S. 1, 5. R-35-9-313, S. 16. |
| [913] | DAL, R-35-10-452, Seitenzahl unleserlich. |
| [914] | Plakat »Fleckfieber!« DAL, R-35-9-444, S. 2. |
| [915] | Die ausführlichsten Studien zu dieser Frage sind seitens der orthodoxen Historiker der von W. Benz herausgegebene Sammelband Dimension des Völkermords, aaO. (Anm. 79), seitens der Revisionisten W. Sannings Die Auflösung des osteuropäischen Judentums, aaO. (Anm. 78). Einen Vergleich der beiden Werke hat Germar Rudolf vorgenommen: »Statistisches über die Holocaust-Opfer. W. Benz und W. Sanning im Vergleich«, aaO. (Anm. 80) |
| [916] | G. Reitlinger, Die Endlösung, aaO. (Anm. 177), S. 569. |
| [917] | Rassegna sovietica, August-September 1951, S. 77f. |
| [918] | E. Kulischer, aaO. (Anm. 797), Tabellen zum Thema »Allgemeine Übersicht über Bevölkerungsverschiebungen in Europa seit Kriegsbeginn«, außerhalb des Textes. |
| [919] | Gli Ebrei nell' URSS, Mailand 1966, S. 51. |
| [920] | Louis Rapoport, La guerra di Stalin contro gli Ebrei, Rizzoli, Mailand 1991, S. 87. |
| [921] | Friedrich Zander, Die Verbreitung der Juden in der Welt, Robert Kämmerer Verlag, Berlin 1937, S. 68. |
| [922] | G. Reitlinger, Die Endlösung, aaO. (Anm. 177), S. 571. |
| [923] | Wie wir gesehen haben, fanden laut L. Rapoport 200.000 bis 300.000 evakuierte polnische Juden in der UdSSR den Tod. |
| [924] | Laut dem Korherr-Bericht belief sich der jüdische Sterbeüberschuß bis zum 31.12.1942 im Altreich mit Sudetenland und Ostmark sowie Böhmen und Mähren auf 82.775. NO-5193, S. 4. |
| [925] | In Theresienstadt starben während des Krieges 33.430 Juden. Das Ghetto Museum Theresienstadt, hgg. von der Gedenkstätte Terezin, undatiert, S. 37 (unsere Seitennumerierung). - Im Ghetto von Lodz fanden 47.372 Juden den Tod. Julian Baranowski, The Lodz ghetto 1940-1944. Vademecum. Archiwum Państwowe w Łodzi, Lodz 1999, S. 86f. - Im Warschauer Ghetto belief sich die Zahl der Verstorbenen vom Januar 1942 bis zum Juni 1942 auf 69.355. Faschismus - Getto - Massenmord, aaO. (Anm. 286), S. 138f. |
| [926] | G. Rudolf, Statistisches über die Holocaust-Opfer, aaO. (Anm. 80), S. 166. |
| [927] | Calendario del popolo, Nr. 468, Juli 1984, S. 10.247. |
| [928] | Gli ebrei nell' URSS, aaO. (Anm. 919), S. 55f. |