Kapitel VIII:
Die indirekten Transporte von Juden
in die Ostgebiete
1. Das "Judenreservat" von Lublin.
Im September 1939, unmittelbar nach dem militärischen Zusammenbruch Polens, entstand das Projekt, im eroberten polnischen Gebiet ein Judenreservat zu schaffen, in das alle unter deutscher Herrschaft lebenden Juden abgeschoben werden sollten. Die Idee, »bei Krakau einen Judenstaat unter deutscher Verwaltung« zu errichten, wurde von Heydrich bereits am 22. September in einer Unterredung mit Walter von Brauchitsch, dem Oberbefehlshaber des Heeres, zur Sprache gebracht und dann von Alfred Rosenberg aufgegriffen, der am 28. und 29. September anläßlich eines Treffens mit den Gauleitern im Osten den Plan erwähnte, »das gesamte Judentum« mitsamt allen unerwünschten Elementen »zwischen Weichsel und Bug« anzusiedeln.
Am 29. September sprach Heydrich in einer offiziellen Rede von der Einrichtung eines »Reichsghettos« im Gebiet östlich von Warschau und Lublin.[674] Das Judenreservat sollte in der zwischen Weichsel und Bug liegenden Zone südlich von Lublin gegründet werden. Einer der wichtigsten Eisenbahnknotenpunkte in jener Region war Nisko, weshalb man von einem Nisko-Plan oder einer Nisko-Aktion sprach. Die Judentransporte in jenes Gebiet setzten im Oktober 1939 ein und zogen sich bis zum März 1940 hin. Am 23. März 1940 ordnete Göring die Einstellung sämtlicher Deportationen ins Generalgouvernement an.
Insgesamt wurden rund 34.520 Juden aus den dem Reich angegliederten polnischen Territorien[675] und 6.615 Wiener Juden in das "Reservat" abgeschoben.[676] Das Projekt blieb vor allem wegen seiner Konkurrenz zum Madagaskar-Plan, auf den sich damals alle Hoffnungen des Reichs zur Lösung der Judenfrage richteten, in den Anfängen stecken. Trotzdem wurden auch weiterhin polnische Juden ins Lubliner "Reservat" umgesiedelt: 9.451 vom 14. August bis zum 25. September 1940 aus dem Distrikt Radom,[677] 3.436 vom 29. November 1940 bis zum 2. April 1941 aus dem Krakauer Ghetto.[678] Zudem wurden 1940 1.200 Juden aus Stettin, 5.570 aus Gefangenenlagern, 5.250 aus dem Distrikt Warschau sowie 1.020 aus Krakau in jene Gegend abgeschoben. 1941 wurden 6.280 Juden aus den angegliederten polnischen Territorien, 1.530 Juden aus den Gefangenenlagern, 2.200 aus dem Distrikt Warschau und 2.520 aus Krakau in das "Reservat" geschickt.[679] Insgesamt kamen also von 1939 bis 1941 ungefähr 79.600 Juden in jene Zone. Die Transporte westlicher Juden in den Lubliner Distrikt setzten im März 1942 wieder ein, doch diesmal im Rahmen einer neuen Politik.
2. Die Judentransporte in den Distrikt von Lublin im Jahre 1942
Anfang 1942 begannen die Deutschen die polnischen Juden im Distrikt von Lublin zu konzentrieren und anschließend weiter nach Osten abzuschieben, um Platz für die Juden aus dem Altreich, der Ostmark, der Slowakei sowie dem Protektorat zu schaffen. Diese Aussiedlungen wurden von einem Amt der Regierung des Generalgouvernements angeordnet, der »Hauptabteilung innere Verwaltung Abteilung Bevölkerungswesen und Fürsorge«, dem sowohl der Unterabteilungsleiter Richard Türk als auch die örtlichen Behörden die entsprechenden Berichte zustellten.
Einer der ersten dieser Berichte stammt vom 6. Januar 1942 und betrifft die »Aussiedlung von 2.000 Juden aus Mielec«. Dort heißt es:[680]
»1.000 Juden kommen nach der Kreishauptmannschaft Hrubieszow, Zielstation Hrubieszow. 1.000 Juden kommen nach der Kreishauptmannschaft Cholm; davon 400 Zielstation Włodawa, 600 Zielstation Parczew. Aufnahmebereit ab 15. Januar 1942.«
Der nächste Bericht über diese Überstellung mahnte die Behörden:[681]
»Ich bitte Sie, unbedingt dafür zu sorgen, das auf bei den Zielstation [sic!] die Juden empfangen und richtig dort hingeleitet werden, wo es von Ihnen bestimmt wird; nicht, daß es so passiert wie in anderen Fällen, daß die Juden ohne Aufsicht an der Zielstation ankommen und sich nun über das Land verstreuen.«
Am 21. Januar 1942 wurde die Zahl der aus Mielec auszusiedelnden Juden auf 4.500 erhöht.[682] Die Aussiedlung begann am 11. März 1942. Die 4.500 Juden wurden wie folgt verteilt:[683]
»1.500 nach der Kreish.[auptmannschaft] Cholm mit den Zielstationen Włodawa (900) und Parczew (600).
1.000 nach der Kreish. Radzyn mit Zielstation Międzyrzec
500 nach der Kreish. Zamosc mit Zielstation Susiec
1.500 nach der Kreish. Hruebieszow.«
Der direkte Zug nach Parczew traf am 13. März 1942 dort ein; 800 Juden wurden in Włodawa untergebracht, 200 in Sosnowiec (oder Sosnowica, einem Weiler 35 km westlich von Włodawa). Die Aussiedlung der Juden aus Mielec endete am 16. März. Die übriggebliebenen Juden wurden »
im Distrikt Krakau untergebracht«.[684]Am 9. Februar 1942 wurde die »Umsiedlung von 1.500 Juden mit den Zielbahnhöfen Włodawa (900 Juden) und Parczew (600 Juden)« angekündigt. Die Anordnungen der mit der Umsiedlung beauftragten Regierungsstelle, die den lokalen Behörden als Beilage vom Oberlandesverwaltungsrat Weirauch weitergeleitet wurden, schrieben folgendes vor:[685]
»Das Amt des Distriktes Lublin, Abteilung Innere Verwaltung u. Abteilung Bevölkerungswesen und Fürsorge, bleibt mir dafür verantwortlich, daß die einzusiedelnden Juden nach Maßgabe der Möglichkeit ausreichende Unterkünfte zugewiesen erhalten. Den umzusiedelnden Juden ist zu gestatten, ihr Bettzeug mitnehmen zu dürfen. An sonstigem Gepäck und Hausrat darf pro Kopf 25 kg mitgenommen werden. Die Juden sind nach Ankunft in ihren neuen Siedlungsgebieten 3 Wochen lang ärztlich zu überwachen. Jeder Fall von Verdacht einer Erkrankung an Fleckfieber ist ungesäumt dem zuständigen Kreisarzt zu melden.«
Am 22. März 1942 erfolgte eine Umsiedlung von Juden aus Bilgoraj nach Tarnogrod statt, einem Dorf 20 km südlich von jener Stadt. Im diesbezüglichen Bericht heißt es:[686]
»Am 22. 3. 42 fand eine Evakuierung von 57 Judenfamilien mit insgesamt 221 Personen von Bilgoraj nach Tarnogrod statt. Jede Familie erhielt ein Fahrzeug, um die notwendigen Möbelstücke und Betten mitzunehmen. Die Regelung und Überwachung übernahm die poln. Polizei und das Sonderdienstkommando. Die Aktion ging planmäßig ohne Zwischenfälle vor sich. Die Evakuierten wurden an demselben Tag in Tarnogrod untergebracht.«
Am 17. März 1942 verfaßte Fritz Reuter, ein Angestellter der Abteilung Bevölkerungswesen und Fürsorge des Amts des Generalgouverneurs des Distrikts Lublin, einen Vermerk, in dem er Bezug auf eine am Vortag mit dem SS-Hauptsturmführer Hans Höfle, dem Beauftragten für die Judenumsiedlung im Lubliner Distrikt geführte Unterredung nahm:[687]
»Mit Hstuf. Höfle vereinbarte ich für Montag, den 16.3.42 eine Unterredung, und zwar um 17.30. Im Laufe der Unterredung wurde folgendes von Hstuf. Höfle erklärt:
Es wäre zweckmäßig, die in den Distrikt Lublin kommenden Judentransporte schon auf der Abgangsstation in arbeitseinsatzfähige und nicht arbeitseinsatzfähige Juden zu teilen. Wenn diese Auseinanderhaltung auf der Abgangsstation nicht möglich ist, müßte man etvl. dazu übergehen, den Transport in Lublin nach den obengenannten Gesichtspunkten zu trennen.
Nichteinsatzfähige Juden kommen sämtlich nach Bezec [Bełżec], der äußersten Grenzstation im Kreise Zamosz.
Hstuf. Höfle ist daran, ein großes Lager zu bauen, in welchen die einsatzfähigen Juden nach ihren Berufen karteimäßig erfaßt und von dort angefordert werden können.
Piaski wird von polnischen Juden freigemacht und wird Sammelpunkt für die aus dem Reich kommenden Juden.
Trawnicki [Trawniki] wird vorläufig nicht mit Juden belegt.
H. fragt, wo auf der Strecke Dęblin-Trawnicki 60.000 Juden ausgeladen werden k
önnen. Über die jetzt von uns aus laufenden Judentransporte orientiert, erklärte H., daß von den 500 in Susiec ankommenden Juden die nicht arbeitsfähigen aussortiert und nach Bezec geschickt werden könnten. Laut Fernschreiben der Regierung vom 4.3.42 rollt ein Judentransport aus dem Protektorat mit der Bestimmungsstation Trawnicki. Diese Juden sind nicht in Trawnicki ausgeladen, sondern nach Izbiza gebracht worden. Eine Anfrage des Kreishauptmannes Zamosz, von dort 200 Juden zur Arbeit heranziehen zu können, wurde von H. bejaht.Abschließend erklärte er, er könne täglich 4-5 Transporte zu 1.000 Juden mit der Zielstation Bezec aufnehmen. Diese Juden kämen über die Grenze und würden nie mehr ins Generalgouvernement zurückkommen.«
Dieses Dokument ist aus zwei Gründen von kapitaler Bedeutung. Erstens war Höfle stellvertretender Stabsführer des SS- und Polizeiführers für den Distrikt Lublin (Odilo Globocnik). Laut der offiziellen Geschichtsschreibung koordinierte er in dieser Eigenschaft »den Aufbau des Vernichtungslagers Belzec und die Deportationen aus dem Distrikt Lublin dorthin«.[688] Zweitens soll Bełżec seine mörderische Tätigkeit anschließend an die vermeldete Unterredung, am 17. März 1942 begonnen haben. Laut der offiziellen Geschichtsschreibung war es (wie Treblinka, Sobibór und Chełmno) ein reines Vernichtungslager, wo keine Trennung der arbeitsunfähigen von den arbeitsfähigen Juden stattfand. Doch im zitierten Dokument steht:
Es war eine Unterteilung der Juden in arbeitsfähige und nichtarbeitsfähige vorgesehen.
Die arbeitsfähigen Juden sollten zu Arbeitseinsätzen verwendet werden.
Bełżec sollte zu einem Lager werden, wo die arbeitstauglichen Juden »
nach ihren Berufen karteimäßig erfaßt« wurden. Dies paßt ganz und gar nicht zu einem "reinen Vernichtungslager".Die arbeitsunfähigen Juden sollten alle nach Bełżec kommen. Das Lager sollte »
täglich 4-5 Transporte zu 1.000 Juden mit der Zielstation Be[l]zec aufnehmen«, offenbar arbeitsunfähige Juden, die »über die Grenze« abgeschoben werden und nie mehr ins Generalgouvernement zurückkommen sollten. Deshalb wurde Bełżec als »die äußerste Grenzstation im Kreise Zamosz« bezeichnet. Dieser Satz ergibt nur im Zusammenhang mit einer Aussiedlung über die Grenze hinaus einen Sinn.Piaski sollte der »Sammelpunkt für die aus dem Reich kommenden Juden« werden. Benutzt man die Straße, so fährt man von dort 24 Kilometer zum südöstlich davon gelegenen Lublin und 91 nach Bełżec. Mit dem Zug ist die Strecke nach Bełżec noch größer (ca. 130 km). Dies widerspricht der These, wonach Bełżec ein reines Vernichtungslager war, denn in diesem Fall wäre der Sammelpunkt das Lager selbst gewesen.
Es war vorgesehen, 60.000 Juden an einem Punkt auf der Strecke Dęblin-Trawniki auszuladen. Erstere Ortschaft befindet sich 76 km nordwestlich von Lublin (in Richtung Warschau), Trawniki 13 km östlich von Piaski (für das es als Bahnhof fungiert), auf der Eisenbahnlinie Lublin-Rejowiec-Chełm/Lublin-Bełżec (vor dem Bahnhof Rejowiec biegt eine Abzweigung der Bahnlinie südwärts nach Bełżec ab). Auch dieses Projekt läßt sich nicht mit der Behauptung in Übereinklang bringen, wonach Bełżec ein reines Vernichtungslager gewesen sein soll.
Diese Tatsache wird durch einen Bericht vom 7.4.1942 voll und ganz bestätigt. Sein Autor ist der SS-Hauptsturmführer Richard Türk, Leiter der Abteilung für Bevölkerungswesen und Fürsorge im Amt des Gouverneurs des Distrikts Lublin. Der Bericht bezieht sich auf den Monat März und enthält einen Absatz mit dem Titel »Judenumsiedlungsaktion des SS- und Polizeiführers«, in dem Türk berichtet:
»Mit dem Beauftragten des SS- und Polizeiführers wurden und werden laufend die Unterbringungsmöglichkeiten besprochen, und zwar begrenzt entlang der Eisenbahnlinie Dębin-Rejowiec-Belzec. Ausweichmöglichkeiten wurden festgelegt.
Aufgrund meines Vorschlages besteht grundsätzliche Klarheit, daß möglichst in gleichem Ausmaß, wie Juden vom Westen her hier eingesiedelt werden, hiesige Juden auszusiedeln sind. Der Stand der Siedlungsbewegung ist zur Zeit der, daß ca. 6000 vom Reich hergesiedelt wurden, ca. 7500 aus dem Distrikt und 18000 aus der Stadt Lublin ausgesiedelt worden sind.
Im einzelnen sind herausgesiedelt worden aus Piaski, Landkreis Lublin 3400, und Reichsjuden hereingekommen bisher 2000; aus Izbica, Kreis Krasnystaw 2200 und bisher Reichsjuden hereingekommen 4000; aus Opole und Wawolnica, Kreis Pulawy 1950 ausgesiedelt [...]«
Der Bericht erwähnt anschließend die Judenumsiedlung aus Mielec und Bilgoraj, von der bereits die Rede war, und verdeutlicht, daß der Großteil der Umgesiedelten arbeitsuntauglich war:[689]
»Am 13.3. 42 erhielt der Kreis Cholm ca. 1000 Juden, wovon 200 in Sosnowice und 800 in Włodawa untergebracht wurden.
Am 14.3. 42 erhielt Miedzyrzec, Kreis Radzyn ca. 750 Juden. Am 16.3. 42 erhielt der Kreis Hrubieszow 1343 Juden, wovon 843 in Dubienka und 500 in Belz untergebracht woren sind. Die Mehrzahl waren Frauen und Kinder und nur eine Minderzahl arbeitsfähige Männer. Am 16.3. 42 erhielt der Kreis Zamosz ca. 500 Juden, die alle in Cieszanow untergebracht worden sind.
Am 22.3. 42 sind 57 Judenfamilien mit 221 Personen von Bilgoraj nach Tarnograd übergesiedelt worden.«
Ab Mitte März 1942 begann der Zustrom westlicher Juden in den Distrikt Lublin. Die ersten dorthin geleiteten Transporte fuhren am 11. März 1942 aus dem Protektorat ab, ab 13. März aus dem Altreich, am 27. März aus der Slowakei, am 9. April aus der Ostmark. Die Transporte umfaßten zahlreiche Arbeitsuntaugliche, die zusammen mit den Arbeitsfähigen in den Dörfern des Distrikts untergebracht wurden.
Am 12. April 1942 stellte der Vorsitzende des Judenrats in Lublin der Jüdischen Sozialen Selbsthilfe in Krakau ein Schreiben zu, in dem unter Bezugnahme auf Mielec, die »Zahlen der in die einzelnen Orte Umgesiedelten« genannt wurden:[690]
|
»Bełz |
460 Personen |
|
Cieszanów |
465 Personen |
|
Dubienka |
787 Personen |
|
Sosnowica |
210 Personen |
|
Międzyrzec |
740 Personen |
|
Włodawa |
770 Personen.« |
Der Brief fährt fort:
»In Izbica trafen aus Protektorat zwei Transporte zu 1000 Personen ein.
In Izbica trafen aus dem Rheinland 1871 ein.
In Piaski Lu. trafen aus dem Protektorat 1008 Personen ein.
Außerdem kamen in den letzten Tagen weitere Transporte an, deren Zahl zwischen 2500 und 3000 Personen schwankt. Gestern hat er[691] eine inoffizelle - übrigens bis jetzt nicht bestätigte - Nachricht erhalten, daß Lublin ein Personenzug von 19 Waggons passieren sollte, der angeblich nach Izbica fuhr und Umsiedler aus Wien enthielt. Offizell konnte noch nichts festgestellt werden.
Bezüglich Lublin selbst ist in dieser Stadt bis jetzt eine unbedeutende Zahl Juden geblieben, die laut nicht offiziellen Angaben aus der Stadt in ihre Umgebung umgesiedelt werden sollen.«
Am 16. April 1942 sandte der Landkommissar Lubartów folgenden Brief an den Kreishauptmann Lublin-Land:[692]
»Gestern nachmittag um 18 Uhr ist ohne vorherige Ankündigung ein weiterer Transport von annähernd 800 Juden eingetroffen. Etwa die Hälfte waren Frauen und Kinder unter 14 Jahren. Männer befanden sich bei dem Transport überhaupt nicht. Die Juden stammen ebenfalls aus der Slowakei. Insgesamt sind Montag und Mittwoch über 1.600 Juden eingetroffen, darunter fast keine arbeitsfähigen. 200 Juden wurden nach Kamionka, 300 nach Ostrow, 80 nach Firlej weiter transportiert.«
Am 9. Mai 1942 teilte der Landkommissar dem Kreishauptmann mit:[693]
»Betr.: Umsiedlung von Juden aus Slowakei.
Wie ich bereits fernmündlich berichtet habe, wurde mir am vergangenen Mittwoch vom Gouverneur des Distrikts, Bevölk. und Fürsorge, mitgeteilt, daß am Donnerstag 1000 Juden aus der Slowakei eintreffen würden; sie würden in etwa 14 Tagen weiter transportiert. Am Donnerstag den 7. Mai spät abends kam der Transport hier an; es waren 841 Personen, ältere Männer und Frauen mit Kindern, 199 Männer wurden in Lublin zurückbehalten. Dieser Transport war mit Gepäck und Lebensmitteln besser ausgestattet als die früheren. Die Leitung der Umsiedlung ab Lublin hatte SS-Obstf. Pohl, der auch anläßlich der Aussiedlung der hiesigen Juden am 9. April hier anwesend war. Die Juden sind vorerst im früheren Gymnasium untergebracht. Ob und wann der Weitertransport erfolgt, ist noch nicht geklärt.«
In einem anderen, vom 13. Mai 1942 stammenden Brief heißt es:[694]
»Der Herr Kreishauptmann von Cholm war gestern persönlich hier anwesend und bat, ihm bei dem nächsten Judentransport auch die Arbeitsfähigen zu übermitteln, da er notwendig Arbeitskräfte benötige. Ferner führte er Klage darüber, daß die Lebensmittel, die den Transportzügen beigegeben sind, stets in Lublin herausgenommen werden. Ich bitte, bei den nächsten Transporten auch die Lebensmittel nach Cholm weiterzugeben.«
Eine ähnliche Klage wurde auch seitens der Delegatur von Rejowiec laut:[694]
»Die Delegatur teilt mir mit, daß am 17. 4. 42 2 Transporte von Aussiedlern aus der Slowakei und dem Protektorat angekommen sind. Das Gepäck der Aussiedler ist in Lublin verblieben und bittet die Delegatur das Gepäck [sic], welches zum größten Teil Bettwäsche enthält, freizugeben.«
Um Platz für die Neuankömmlinge zu schaffen, wurden die im Distrikt Lublin ansässigen polnischen Juden nach und nach weiter nach Osten abgeschoben. Diese Umsiedlungen wurden vom SS- und Polizeiführer Lublin in Zusammenarbeit mit der »Unterabteilung Bevölkerungswesen und Fürsorge« des Gouverneurs des Distrikts Lublin in die Wege geleitet, und zwar auf Vorschlag der örtlichen Behörden. Beispielsweise schrieb ein gewisser Lenk, ein Untergebener des Kreishauptmanns von Janów-Lubelsk, an den SS- und Polizeiführer Lublin:[695]
»Ich bitte Sie, in folgenden Orten Juden auszusiedeln:
|
Radomysl |
500 |
|
Zaklikow |
1500 |
|
Annopol |
500 |
|
Ulanow I |
500 |
|
Modliborzyce |
1000 |
|
Janów-Lubelski |
400 |
|
Krasnik |
1000.« |
Lenk fügte hinzu:
»Von diesen Aussiedlungsaktionen möchten nur alte, arbeitsunfähige Leute, Frauen und Kinder erfaßt werden und solche Männer, die nicht bei deutschen Stellen beschäftigt sind. Handwerker möchten allerdings zunächst noch hier bleiben.«
Am 13. Mai 1942 stellte der Kreishauptmann in Puławy dem Gouverneur des Distrikts Lublin ein Schreiben zu, in dem es unter Punkt 5 hieß:[696]
»In Opole besteht das Ghetto der Juden aus der Slowakei, die vor kurzem hier eingewiesen worden sind. Alle arbeitsfähigen slowakischen Juden sind bereits größtenteils zu den obengenannten Vorhaben vermittelt. Es befindet sich demnach im Ghetto Opole lediglich ein Rest von alten und kranken Juden, die nicht einsatzfähig sind.«
Am 19. Mai meldete der Kreishauptmann von Lublin der Unterabteilung Bevölkerungswesen und Fürsorge:[697]
»Auf die Rundfrage vom 12.d.m. hin empfehle ich, bei sich bietender Gelegenheit folgende Juden abzuschieben, deren Aussiedlung zuerst nötig ist:
|
Lubartow |
2737 |
|
Ostrow-Stadt |
3062 |
|
Piaski |
6166 |
|
Belzyce |
3639 |
|
Bychawa |
2733 |
|
Chodel |
1398 |
|
|
19735.« |
Am 22. Mai hielt der Kreishauptmann von Hrubieszow in einem Schreiben fest:[698]
»Die Zahl und Wohnort[sic] derjenigen Juden, deren Aussiedlung zuerst als notwendig erscheint, stellt sich folgendermaßen dar:
|
1) in Hrubieszow |
5.690 Juden |
|
2) " Uchanie |
2.025 Juden |
|
3) " Grabowiec |
2.026 Juden |
|
4) " Dubienka |
2.907 Juden |
|
5) " Belz |
1.540 Juden.« |
Es besteht kein Zweifel daran, daß diese Überstellungen dazu dienten, Platz für die in den Lubliner Distrikt deportierten westlichen Juden zu schaffen. Später wurden dann auch letztere stufenweise abemals umgesiedelt. Ein vom 5. Oktober 1942 stammender Bericht des Kreishauptmanns in Lublin an den Gouverneur des Distrikts Lublin vermittelt diesbezüglich folgende Angaben:[699]
»Bezug: Verfügungen vom 15.8. 1942 und 28.9. 42.
Unter Bezugnahme auf obige Verfügungen berichte ich, daß seit dem ersten Januar 1942 8009 Juden aus dem Reich in mein Kreisgebiet umgesiedelt worden sind. Davon sind bereits 3692 Juden wieder ausgesiedelt worden. Aufwendungen bzw. Barauslagen sind durch diese Umsiedlungen nicht entstanden, lediglich die Gemeinde Piaski stellte ohne Kosten 400 Fuhrwerke für den Transport der Kranken, Kinder und des Gepäcks zur Verfügung.«
Die erwähnten 8.009 Juden wurden laut diesem Bericht in folgenden Ortschaften untergebracht:
Die deutsche Politik der Judenumsiedlung fand auch in der deutschen Presse ihren Widerhall. Am 17. Oktober 1942 erschien in der Lemberger Zeitung ein Artikel unter der Überschrift »Die erste judenfreie Stadt im GG«, in dem folgendes zu lesen war:[700]
»Lublin ist die erste Stadt im Generalgouvernement, die judenfrei geworden ist, und man geht nun daran, auch die Gebiete der einzelnen Kreishauptmannschaften von den Juden zu befreien, die das Wirtschaftsleben dieses Landes erheblich in Unordnung brachten. Die erste Kreishauptmannschaft, die keine Juden mehr hat, ist Biala Podlaska. Der Vorgang vollzieht sich folgendermaßen: Die Kreishauptleute bestimmen irgendeinen Ort als Wohngebiet für die Juden der ganzen Kreishauptmannschaft. Bei dieser Bereinigung haben die beiden Kreise Biala Podlaska und Radzin gemeinsam eine Stadt als jüdisches Wohngebiet, nämlich Miendzyrzec gewählt. Da aber dieser Ort in dem Gebiet der Kreishauptmannschaft Radzin liegt, hat Piala Podlaska keine Juden mehr. [...] Der Kreishauptmann von Lublin-Land hat, um auch in dem Teil des Landes um Lubatow [Lubartów] herum Ordnung zu schaffen, für die Juden aus den Gemeinden Tysmieniec, Uscimow, Firlej, Kamionka, Luszawa, Lucka, Samokleski, Tarlo und als Stadt Ostrow einschließlich Niemce, das Ghetto von Lubatow als jüdisches Wohngebiet bestimmt. Sämtliche Juden der erwähnten Gemeinden müssen spätestens 24 Stunden nach Veröffentlichung dieser Polizeiverordnung des Kreishauptmanns die Gemeinden verlassen und sich in das jüdische Wohngebiet der Stadt begeben. Die Juden, die man nach Ablauf der Frist noch außerhalb von Lubatow antrifft, werden mit dem Tode bestraft. Der Judenrat der Stadt Lubatow ist verpflichtet, die aus den oben angeführten Gemeinden nach Lubatow zuziehenden Juden unterzubringen, zu erfassen und notfalls zu verpflegen.«
Aus diesem Beitrag geht eindeutig hervor, daß, wenn ein Gebiet für "judenfrei" erklärt wurde, dies durchaus nicht die Ausrottung der betreffenden jüdischen Bevölkerung zu bedeuten brauchte!
3. Bilanz der Transporte in den Distrikt Lublin
In einem 1992 erschienenen Artikel hat die polnische Historikerin Janina Kiełboń ein annähernd vollständiges Bild der Judendeportationen in den Bezirk von Lublin zwischen 1939 und 1942 gezeichnet.[701] Wir geben d
ie Daten für 1942 tabellarisch wieder:|
Abfahrt |
von |
nach |
Deportierte |
|
11.3.1942 |
Theresienstadt |
Izbica |
1001 |
|
13.3.1942 |
Altreich |
Izbica |
1003 |
|
17.3.1942 |
Theresienstadt |
Izbica |
1000 |
|
19.3.1942 |
Altreich |
Izbica |
1000 |
|
25.3.1942 |
Altreich |
Izbica |
426 |
|
27.3.1942 |
Slowakei |
Lublin |
1000 |
|
27.3.1942 |
Altreich |
Izbica |
1008 |
|
28.3.1942 |
Altreich |
Trawniki |
985 |
|
30.3.1942 |
Slowakei |
Lublin |
1000 |
|
31.3.1942 |
Slowakei |
Lublin |
1003 |
|
1.4.1942 |
Theresienstadt |
Piaski |
1000 |
|
5.4.1942 |
Slowakei |
Lublin |
1495 |
|
9.4.1942 |
Wien |
Izbica |
998 |
|
12.4.1942 |
Slowakei |
Lubartów |
1040 |
|
14.4.1942 |
Slowakei |
Lubartów |
1038 |
|
14.4.1942 |
Altreich |
Trawniki |
659 |
|
16.4.1942 |
Slowakei |
Rejowiec |
1040 |
|
18.4.1942 |
Theresienstadt |
Rejowiec |
1000 |
|
20.4.1942 |
Slowakei |
Rejowiec |
1030 |
|
22.4.1942 |
Slowakei |
Nałęczów |
1001 |
|
22.4.1942 |
Altreich |
Izbica |
949 |
|
23.4.1942 |
Theresienstadt |
Lublin |
1000 |
|
23.4.1942 |
Altreich |
Kraśniczyn |
12 |
|
25.4.1942 |
Altreich |
Izbica |
175 |
|
25.4.1942 |
Altreich |
Izbica |
963 |
|
25.4.1942 |
Altreich |
Izbica |
856 |
|
27.4.1942 |
Theresienstadt |
Lublin |
1000 |
|
27.4.1942 |
Slowakei |
Nałęczów |
1251 |
|
27.4.1942 |
Wien |
Włodawa |
998 |
|
28.4.1942 |
Theresienstadt |
Zamość |
1000 |
|
30.4.1942 |
Theresienstadt |
Zamość |
1000 |
|
5.5.1942 |
Slowakei |
Lubartów |
1040 |
|
6.5.1942 |
Slowakei |
Łuków |
1038 |
|
7.5.1942 |
Slowakei |
Łuków |
1040 |
|
8.5.1942 |
Slowakei |
Międzyrzec Podl. |
1001 |
|
9.5.1942 |
Theresienstadt |
Sobibór/Osowa |
1000 |
|
11.5.1942 |
Slowakei |
Chełm |
1002 |
|
12.5.1942 |
Slowakei |
Chełm |
1002 |
|
12.5.1942 |
Wien |
Izbica |
1001 |
|
12.5.1942 |
Altreich |
Bełżyce |
1000 |
|
13.5.1942 |
Slowakei |
Dęblin |
1040 |
|
14.5.1942 |
Slowakei |
Dęblin |
1040 |
|
15.5.1942 |
Wien |
Izbica |
1006 |
|
17.5.1942 |
Theresienstadt |
Lublin |
1000 |
|
17.5.1942 |
Slowakei |
Puławy |
1028 |
|
18.5.1942 |
Slowakei |
Nałęczów |
1025 |
|
19.5.1942 |
Slowakei |
Nałęczów |
1005 |
|
20.5.1942 |
Slowakei |
Puławy |
1001 |
|
23.5.1942 |
Slowakei |
Rejowiec |
1630 |
|
24.5.1942 |
Slowakei |
Rejowiec |
1022 |
|
25.5.1942 |
Theresienstadt |
Lublin |
1000 |
|
25.5.1942 |
Slowakei |
Rejowiec |
1000 |
|
26.5.1942 |
Slowakei |
Nałęczów |
1000 |
|
29.5.1942 |
Slowakei |
Izbica |
1052 |
|
30.5.1942 |
Slowakei |
Izbica |
1000 |
|
1.6.1942 |
Slowakei |
Sobibór |
1000 |
|
2.6.1942 |
Slowakei |
Sobibór |
1014 |
|
5.6.1942 |
Wien |
Izbica |
1001 |
|
5.6.1942 |
Slowakei |
Sobibór |
1000 |
|
6.6.1942 |
Slowakei |
Sobibór |
1001 |
|
8.6.1942 |
Slowakei |
Sobibór |
1000 |
|
9.6.1942 |
Slowakei |
Sobibór |
1010 |
|
10.6.1942 |
Prag |
Ujazdów |
1000 |
|
11.6.1942 |
Slowakei |
Sobibór |
1000 |
|
12.6.1942 |
Theresienstadt |
Trawniki |
1000 |
|
12.6.1942 |
Slowakei |
Sobibór |
1000 |
|
13.6.1942 |
Theresienstadt |
Majdanek |
1000 |
|
13.6.1942 |
Slowakei |
Sobibór |
1000 |
|
14.6.1942 |
Slowakei |
Sobibór |
1000 |
|
14.6.1942 |
Wien |
Sobibór |
996 |
|
15.6.1942 |
Altreich |
Izbica |
145 |
|
15.7.1942 |
Altreich |
Izbica |
13 |
|
Insgesamt: |
69.084 |
||
Laut dem Korherr-Bericht waren bis zum 1. Januar 1943 aus dem Reichsgebiet folgende Judenevakuierungen durchgeführt worden:
|
aus dem Altreich mit Sudetenland: |
100.516 |
|
aus der Ostmark: |
47.555 |
|
aus dem Protektorat: |
69.677 |
|
insgesamt: |
217.748.[702] |
Ins Altersghetto Theresienstadt kamen insgesamt 87.193 Juden, die sich wie folgt verteilten: 33.249 aus dem Altreich, 14.222 aus der Ostmark und 39.722 aus dem Protektorat.[703]
Ins Ghetto von Litzmannstadt (Lodz) wurden zwischen dem 16. Oktober und dem 4. November 1941 9.431 Juden aus dem Altreich, 5.002 aus der Ostmark und 5.000 aus dem Protektorat (Prag) deportiert, insgesamt also 19.433.[704]
In den Distrikt Lublin wurden 9.194 Juden aus dem Altreich (13. März - 15. Juli 1942) geschickt, 6.000 aus der Ostmark (9. April - 14. Juni 1942) und 14.001 aus dem Protektorat (11. März - 13. Juni 1942), zusammen also 29.195.
Schließlich gelangten 6.615 Juden aus der Ostmark zwischen dem 20. Oktober 1939 und dem 12. März 1941 nach Nisko sowie in andere Zonen des Generalgouvernements.[705]
Dies ergibt folgendes Bild:
|
|
Evakuierung |
Theresien-stadt |
Litzmann-stadt |
GG |
Ostgebiete |
|
Altreich: |
100.516 |
33.249 |
9.431 |
9.194 |
48.642 |
|
Ostmark: |
47.555 |
14.222 |
5.002 |
12.615 |
15.716 |
|
Protektorat: |
69.677 |
39.722 |
5.000 |
14.001 |
10.954 |
|
Summen: |
217.748 |
87.193 |
19.433 |
35.810 |
75.312 |
Von den 217.748 evakuierten Juden kamen also 35.810 in den Distrikt Lublin und 75.312 in die Ostgebiete. Fast die Hälfte der Gesamtzahl - 106.626 Juden - wurden in den Ghettos von Litzmannstadt und Theresienstadt untergebracht.
Spiegeln die Deportationen in die Ostgebiete sowie den Lubliner Distrikt den Auftakt zu einer Ausrottungspolitik wider? Die zitierten Transportlisten erlauben es uns, die Frage ganz eindeutig mit Nein zu beantworten. Auch nach Eröffnung der sogenannten östlichen Vernichtungslager wurden nämlich die meisten Transporte in Regionen geleitet, in denen sich jüdische Wohnsiedlungen befanden. Beispielsweise trafen nach der Inbetriebnahme von Bełżec rund 30 Transporte in solchen Gebieten ein. Fast ebenso viele gelangten zwischen der Eröffnung von Sobibór und dem Eintreffen des ersten Transports in jenem Lager (1. Juni 1942) in diese Gebiete und weitere 6 nach diesem Datum. Ferner hatten mindestens 20 Transporte nach der Eröffnung von Sobibór weiter östlich davon gelegene Orte als Ziel. Und nicht genug damit: Nach der Inbetriebnahme Treblinkas am 23. Juli 1942 wurden wenigstens 15 Transporte in weiter im Osten gelegene Zonen geleitet. Es gilt darauf hinzuweisen, daß die direkten Transporte nach Minsk zunächst in Warschau eintrafen und über die Linie Siedlce-Czeremcha-Wolkowysk liefen, so daß sie in rund 80 km Entfernung von Treblinka (Bahnhof Siedlce) sowie ca. 140 km von Sobibór entfernt vorbeifuhren.
Welchem Zweck konnte es wohl dienen, zur Ausrottung bestimmte Juden mehrere hundert Kilometer an zwei "Vernichtungslagern" vorbeifahren zu lassen? Und wenn diese Lager tatsächlich die sagenhafte Tötungskapazität besaßen, welche die offizielle Geschichtsversion ihnen zuschreibt, warum in aller Welt wurden dann Dutzende und Aberdutzende von Transporten mit todgeweihten Juden im Distrikt von Lublin angesiedelt, statt direkt in diese Lager verbracht zu werden?
4. Beginn der Judentransporte nach Auschwitz
Die ersten dokumentarisch belegbaren Judentransporte nach Auschwitz sind im Rahmen eines ausgedehnten Programms zur Ausnutzung der jüdischen Arbeitskraft zu sehen. Die entsprechenden Transporte stammten aus Frankreich und der Slowakei.[706]
Am 16. Februar 1942 sandte Martin Luther, Leiter der Abteilung Deutschland im Außenministerium, der deutschen Botschaft in Bratislava (Preßburg) ein Fernschreiben, in dem er mitteilte, daß »im Zuge der Maßnahmen zur Endlösung der europäischen Judenfrage« die Reichsregierung bereit sei, »20.000 junge kräftige slowakische Juden« sogleich in den Osten zu schicken, wo »Arbeitseinsatzbedarf« bestehe.[707] Die slowakische Regierung akzeptierte den deutschen Vorschlag »mit Eifer«,[708] und die Vorbereitungen für die Deportationen konnten beginnen. Das Programm zum Beginn der Judentransporte wurde am 13. März 1942 beschlossen und sah die Entsendung von jeweils 10 Zügen nach Auschwitz und Lublin laut folgendem Plan vor:[709]
|
Lfd. Nr. |
Zug-Nr. |
Abfahrt |
von |
Ankunft |
nach |
|
1 |
Da 66 |
25.3.1942 |
Poprad |
26.3.1942 |
Auschwitz |
|
2 |
Da 67 |
27.3.1942 |
Žilina |
27.3.1942 |
Lublin |
|
3 |
Da 68 |
27.3.1942 |
Lamać (Patrónka) |
28.3.1942 |
Auschwitz |
|
4 |
Da 69 |
29.3.1942 |
Sered |
30.3.1942 |
Lublin |
|
5 |
Da 70 |
30.3.1942 |
Nováky |
31.3.1942 |
Lublin |
|
6 |
Da 71 |
1.4.1942 |
Lamać |
2.4.1942 |
Auschwitz |
|
7 |
Da 72 |
2.4.1942 |
Poprad |
3.4.1942 |
Auschwitz |
|
8 |
Da 73 |
5.4.1942 |
Žilina |
5.4.1942 |
Lublin |
|
9 |
Da 74 |
7.4.1942 |
Nováky |
8.4.1942 |
Lublin |
|
10 |
Da 75 |
7.4.1942 |
Poprad |
8.4.1942 |
Auschwitz |
|
11 |
Da 76 |
8.4.1942 |
Sered |
9.4.1942 |
Lublin |
|
12 |
Da 77 |
11.4.1942 |
Žilina |
11.4.1942 |
Lublin |
|
13 |
Da 78 |
11.4.1942 |
Lamać |
12.4.1942 |
Auschwitz |
|
14 |
Da 79 |
13.4.1942 |
Poprad |
14.4.1942 |
Auschwitz |
|
15 |
Da 80 |
14.4.1942 |
Sered |
15.4.1942 |
Lublin |
|
16 |
Da 81 |
16.4.1942 |
Nováky |
17.4.1942 |
Lublin |
|
17 |
Da 82 |
17.4.1942 |
Poprad |
18.4.1942 |
Auschwitz |
|
18 |
Da 83 |
18.4.1942 |
Lamać |
19.4.1942 |
Auschwitz |
|
19 |
Da 84 |
20.4.1942 |
Poprad |
21.4.1942 |
Auschwitz |
|
20 |
Da 85 |
21.4.1942 |
Nováky |
22.4.1942 |
Lublin |
Jeder Transport sollte 1000 Personen umfassen.[710]
Wie wir im vorhergehenden Abschnitt gesehen haben, wurden die von den direkten Deportationen nach Lublin erfaßten Juden auf die umliegenden Ortschaften verteilt.
Am 29. April 1942 übermittelte die deutsche Botschaft in Bratislava (Preßburg) der slowakischen Regierung eine Verbalnote folgenden Inhalts:
»Die aus dem Gebiet der Slowakei in das Reichsgebiet abbeförderten und noch abzubefördernden Juden werden nach Vorbereitung und Umschulung zum Arbeitseinsatz in dem Generalgouvernement und in den besetzten Ostgebieten kommen. Die Unterbringung, Verpflegung, Bekleidung und Umschulung der Juden einschließlich ihrer Angehörigen verursachen Kosten, die vorläufig aus der anfänglich nur geringen Arbeitsleistung der Juden nicht gedeckt werden können, da sich die Umschulung erst nach einiger Zeit auswirken [sic] und da nur ein Teil der abbeförderten und noch abzubefördernden Juden arbeitsfähig ist.«
Um diese Unkosten zu decken, verlangte die Reichsregierung von der slowakischen Regierung einen Betrag von 500 Reichsmark pro Person.[711]
Am 11. Mai 1942 unterrichtete SS-Hauptsturmführer Dieter Wisliceny, Vertreter Eichmanns in der Slowakei, den slowakischen Innenminister, es bestehe nach Informationen des RSHA die Möglichkeit, die Transporte slowakischer Juden nach Auschwitz zu intensivieren, doch präzisierte er:[712]
»Diese Transporte dürfen aber nur arbeitsfähige Juden und Jüdinnen enthalten, keine Kinder.«
Der Vorschlag wurde nicht angenommen, und deshalb gingen alle 19 Judentransporte aus der Slowakei im Mai 1942 in den Lubliner Distrikt.
Insgesamt wurden im Jahre 1942 aus der Slowakei in 57 Transporten 57.752 Juden deportiert. 38 davon, mit insgesamt 39.006 Personen, wurden in den Distrikt Lublin geleitet,[713] die restlichen 19 mit zusammen 18.746 Personen nach Auschwitz.
Auch die ersten Judendeportationen aus Frankreich sind im Rahmen dieses Programms zur Ausbeutung der jüdischen Arbeitskraft zu sehen, denn die ersten Transporte umfaßten ausschließlich arbeitsfähige Juden. Schon am 10. März 1942 vermeldete SS-Hauptsturmführer Theodor Dannecker, Beauftragter für Judenfragen in Frankreich, man könne mit den französischen Behörden vorbereitende Verhandlungen »wegen des Abschubs von rd. 5000 Juden nach Osten« führen. Dannecker stellte klar, daß es sich »um männliche, arbeitsfähige Juden, nicht über 55 Jahre« handeln müsse.[714] Die Massendeportation der in Frankreich lebenden Juden, doch auch der holländischen und belgischen, wurde im Juni 1942 beschlossen. Damals betrieben die Deutschen in Auschwitz in erster Linie eine Politik der Ausnutzung jüdischer Arbeitskraft, so daß sich das Problem der Arbeitsuntauglichen nur am Rande stellte. Am 15. Juni 1942 verfaßte Dannecker einen Vermerk, in dem er die Ergebnisse einer am 11. jenes Monats in der Abteilung IV B 4 des RSHA geführten Unterredung zusammenfaßte:[715]
»Aus militärischen Gründen kann während des Sommers ein Abschub von Juden aus Deutschland in das östliche Deportationsgebiet nicht mehr erfolgen.
RFSS hat daher angeordnet, daß entweder aus dem Südosten (Rumänien) oder aus den besetzten Westgebieten größere Judenmengen dem KL Auschwitz zwecks Arbeitsleistung überstellt werden.
Grundbedingung ist, daß die Juden (beiderlei Geschlechts) zwischen 16 und 40 Jahre alt sind. 10% nicht arbeitsfähige Juden können mitgeschickt werden.«
Am 22. Juni 1942 schrieb Eichmann einen Brief an den Botschaftsberater Rademacher vom Außenministerium zum Thema »Arbeitseinsatz von Juden aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden«, in dem er darlegte:[716]
»Es ist zunächst vorgesehen, ab Mitte Juli bzw. Anfang August ds. Jrs. in täglich verkehrenden Sonderzügen zu je 1.000 Personen zunächst etwa 40.000 Juden aus den besetzten französichen Gebieten, 40.000 Juden aus den Niederlanden und 10.000 Juden aus Belgien zum Arbeitseinsatz in das Lager Auschwitz abzubefördern.«
Die Suche nach den zu deportierenden Personen, so Eichmann an Rademacher, solle sich zunächst »auf arbeitsfähige Juden« beschränken.
Am 26. Juni 1942 verfaßte SS-Hauptsturmführer Dannecker ein Rundschreiben betreffs der »Richtlinien für die Evakuierung von Juden«. Die Deportationen sollten sich auf »arbeitsfähige Juden beiderlei Geschlechts von 16 bis 45 Jahren« beschränken. Unter Punkt 21 schrieben die Richtlinien folgendes vor:[717]
»Pro Person muß mitgenommen werden:
a) 1 Paar derbe Arbeitsstiefel, 2 Paar Socken, 2 Hemden, 2 Unterhosen, 1 Arbeitsanzug, 2 Wolldecken, 2 Garnituren Bettzeug (Bezüge und Laken), 1 Eßnapf, 1 Trinkbecher, 1 Löffel und 1 Pullover, ferner die notwendigsten Toilettengegenstände.
b) Jeder Jude hat für 3 Tage Marschverpflegung bei sich zu führen. Insgesamt darf nur 1 Gepäckstück (1 Koffer oder Rucksack) mitgenommen werden.«
Unter den Punkten 6 und 7 wurde angeordnet:
»Ferner ist dem Transport Verpflegung für insgesamt 14 Tage (Brot, Mehl, Graupen, Bohnen usw. in Säcken) in einem gesonderten Güterwagen beizugeben. [...]
Für jeden Wagen ist ein Jude zu bestimmen, der für die Aufrechterhaltung der Ordnung während der Fahrt und die Reinigung des Wagens nach Beendigung der Fahrt verantwortlich ist. Dieser Jude hat auch Sanitätsmaterial mit sich zu führen.«
Im Juli begann man auch das Problem der Deportation von Kindern zu diskutieren. Am 10. Juli fragte Dannecker beim RSHA an
»ob die Kinder der abzutransportierenden Juden etwa vom 10. Transport an[718] mit abgeschoben werden können.«[719]
Am 21. Juli 1942 schrieb Dannecker unter Bezugnahme auf ein am Tag zuvor geführtes Telefongespräch in einer Note:[720]
»Mit SS-Sturmbannführer Eichmann wurde die Frage des Kinderabschubs besprochen. Er entschied, daß, sobald der Abtransport in das Generalgouvernement wieder möglich ist, Kindertransporte rollen können. SS-Obersturmführer Nowak sicherte zu, Ende August/Anfang September etwa 6 Transporte nach dem Generalgouvernement zu ermöglichen, die Juden aller Art (auch arbeitsunfähige und alte Juden) enthalten können.«
Diese sechs Transporte konnten als Zielort nicht Auschwitz haben, denn erstens lag dieses damals nicht im Generalgouvernement, sondern aus deutscher Sicht auf dem Territorium des Reichs, und zweitens liefen in jenem Zeitraum die Deportationen nach Auschwitz auf Hochtouren. Der Satz »sobald der Transport in das Generalgouvernement wieder möglich ist« kann sich demnach nicht auf Auschwitz bezogen haben.
Am 13. August 1942 sandte SS-Sturmbannführer Günther den zuständigen SS-Stellen in Paris ein Telegramm zum Thema »Abtransport von Juden nach Auschwitz. Dort Abschiebung der Judenkinder«, in dem er mitteilte, die Judenkinder könnten »nach und nach auf die vorgesehenen Transporte nach Auschwitz abgeschoben werden«.[721] Reine Kindertransporte seien aber nicht statthaft. (Dies offenbar um zu verhindern, daß der Feind dies propagandistisch ausschlachtete.)
Am Tag danach fuhr in Übereinstimmung mit diesen Anordnungen ein Transport mit 1.000 Personen aus Frankreich nach Auschwitz ab, »darunter erstmalig Kinder«.[722]
Entsprechend den oben zitierten Anweisungen enthielten die ersten Züge nach Auschwitz ausschließlich arbeitstaugliche Juden, die dann regulär in den Lagerbestand aufgenommen wurden. Folgende Tabelle faßt die Daten bezüglich der ersten 18 Transporte zusammen:[723]
|
Datum |
Anzahl |
Herkunftsort |
|
26.3. |
999 |
Slowakei |
|
28.3. |
798 |
Slowakei |
|
30.3. |
1112 |
Compiègne |
|
2.4. |
965 |
Slowakei |
|
3.4. |
997 |
Slowakei |
|
13.4. |
1077 |
Slowakei |
|
17.4. |
1000 |
Slowakei |
|
19.4. |
1000 |
Slowakei |
|
23.4. |
1000 |
Slowakei |
|
24.4. |
1000 |
Slowakei |
|
29.4. |
723 |
Slowakei |
|
22.5. |
1000 |
KL Lublin |
|
7.6. |
1000 |
Compiègne |
|
20.6. |
659 |
Slowakei |
|
24.6. |
999 |
Drancy |
|
27.6. |
1000 |
Pithivers |
|
30.6. |
1038 |
Beaune-La R. |
|
30.6. |
400 |
KL Lublin |
|
Insgesamt: |
16.767 |
|
5. Auschwitz als Durchgangslager für westliche Juden
Am 5. September 1942 verfaßte SS-Untersturmführer Horst Ahnert, Mitglied der SIPO sowie des SD in Paris, eine Note zur »Evakuierung von Juden«, die wie folgt beginnt:[724]
»Anfang Juli 1942 hat das Reichssicherheitshauptamt angeordnet, daß zum Zweck der Endlösung der Judenfrage mit dem Abtransport von Juden aus den von Deutschland besetzten Gebieten zum Zwecke des Arbeitseinsatzes im größeren Umfange begonnen werden sollte.«
Am 15. September fand in Berlin ein Treffen zwischen Reichsminister Albert Speer, SS-Obergruppenführer Oswald Pohl, dem Leiter des SS-WVHA, sowie anderen Funktionären statt. Am Tage danach erstellte Pohl einen ausführlichen Rapport zu Händen Himmlers. Die Diskussion hatte sich auf vier Punkte konzentriert, von denen der erste die »Vergrößerung Barackenlager Auschwitz infolge Ostwanderung« war. Hierzu schrieb Pohl:[725]
»Reichsminister Prof. Speer will auf diese Weise kurzfristig den Einsatz von zunächst 50.000 arbeitsfähigen Juden in geschlossenen vorhandenen Betrieben mit vorhandenen Unterbringungsmöglichkeiten gewährleisten. Die für diesen Zweck notwendigen Arbeitskräfte werden wir in erster Linie in Auschwitz aus der Ostwanderung abschöpfen, damit unsere bestehenden betrieblichen Einrichtungen in ihrer Leistung und ihrem Aufbau nicht gestört werden. Die für die Ostwanderung bestimmten Juden werden also ihre Reise unterbrechen und Rüstungsarbeiten leisten müssen.«
Unter der Ostwanderung war die Abschiebung der Juden in die Ostgebiete zu verstehen. In diesem Kontext heißt der letzte Satz offensichtlich, daß die arbeitsuntauglichen Juden ihre Reise nicht unterbrachen - also nicht in Auschwitz anhielten -, sondern fortsetzten. Wohin zumindest ein Teil dieser Menschen geschickt wurde, geht aus einem Rapport hervor, den SS-Untersturmführer Ahnert über eine am 28. August 1942 beim Referat IV B 4 des RSHA durchgeführte Sitzung verfaßte. Letztere war zwecks Erörterung der Judenfrage und insbesondere der Judenevakuierung in den besetzten ausländischen Gebieten sowie zur Besprechung der Transportprobleme einberufen worden. Die Evakuierung der Juden nach Osten sollte über Auschwitz erfolgen. Unter Punkt c) hieß es bezüglich der zur Sprache gebrachten Punkte:[726]
»Mitgabe von Decken, Schuhen und Eßgeschirren für die Transportteilnehmer. Vom Kommandanten des Internierungslagers Auschwitz wurde gefordert, daß die erforderlichen Decken, Arbeitsschuhe und Eßgeschirre den Transporten unbedingt beizufügen sind. Soweit dies bisher unterblieben ist, sind sie dem Lager umgehend nachzusenden.«
Punkt e) bezog sich auf den Barackenankauf:
»SS-Obersturmbannführer Eichmann ersuchte, den Ankauf der durch den Befehlshaber der Sicherheitspolizei Den Haag bestellten Baracken sofort vorzunehmen. Das Lager soll in Rußland errichtet werden. Der Abtransport der Baracken kann so vorgenommen werden, daß von jedem Transportzug 3-5 Baracken mitgeführt werden.«
Im Entwurf eines Abkommens zwischen dem Judenrat der Slowakei und dem SS-Sonderstab SS Führungshauptamt, bei dem es um den Austausch von Juden gegen verschiedene Waren ging, tauchte unter den Bitten des Judenrats auch folgende auf:[727]
»Keine weiteren Deportationen vom [sic] Generalgouvernement und Auschwitz, nach 15 Tagen von Vertragsabschluß.«
Was konnten die Deportationen aus Auschwitz bedeuten, wenn nicht die Fortsetzung der Ostwanderung?
In einem am 24. März 1943 verfaßten Brief schrieb Gisi Fleischmann, eine führende Zionistin in der Slowakei:[728]
»Dieser Tage brachten uns jedoch Schlichtim [Deportierte] Berichte, die uns zu einer kleinen Hoffnung berechtigten, daß kleine Reste sich noch dort befinden. Wir erhielte etwa 200 Schreiben aus Deblin-Irena und Konskowola, Distrikt Lublin, wo außer unseren Juden sich auch belgische befinden, die in den letzten Wochen hinzugekommen sind.«
Doch waren alle bis Ende März 1943 aus Belgien abgegangenen Transporte nach Auschwitz geleitet worden,[729] so daß die in Dęblin-Irena[730] und Końskowala - einem Dorf 6 km von Puławy - befindlichen belgischen Juden notwendigerweise von Auschwitz aus dorthin gelangt sein mußten, und zwar im Rahmen der zuvor beschriebenen Ostwanderung.
Andere belgische Juden wurden ins Ghetto von Grodno (Weißrußland) deportiert. Auch sie mußten von Auschwitz aus dorthin gelangt sein. In einem Bericht mit dem Titel »Warunki materialne bytu Żydów« (Materielle Lebensbedingungen der Juden), der aus der zweiten Hälfte des Jahres 1942 stammte, heißt es unter Bezugnahme auf das Ghetto von Lodz:[731]
»Es gibt einen Faktor, der bewirkt, daß die Zahl der Juden steigt. Dieser Faktor besteht in den Aussiedlungen (wysiedlenia) aus den von den Deutschen besetzten Gebieten. Fortlaufend treffen Nachrichten über solche Aussiedlungen ein. Es ist bekannt, daß aus Berlin, Wien und Prag 23.000 Juden nach Lodz überstellt worden sind; ähnliche Fälle sind auch in Warschau bekannt; unlängst ist eine gewisse Zahl von Juden aus Belgien nach Grodno überstellt worden.«
Die eben zitierten Dokumente beweisen, daß ab der zweiten Hälfte des Jahres 1942 ein erheblicher Teil der jüdischen Bevölkerung Westeuropas (namentlich Frankreichs, Belgiens und der Niederlande), nach Osten abgeschoben wurde, und zwar über Auschwitz, welches als Durchgangslager diente. Unmittelbarer Bestimmungsort dieser Juden war das Generalgouvernement oder Riga, von wo aus die Transporte noch weiter nach Osten gingen.
Diese Politik war am 5. Mai 1943 noch in Kraft. An jenem Tage schrieb SS-Gruppenführer Wilhelm Harster, Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD in Holland, eine Note, in welcher er die vom RSHA für die folgenden Monate getroffenen Anordnungen zusammenfaßte:[732]
»1). Allgemeine Linie:
Der RFSS wünscht, daß in diesem Jahre an Juden nach dem Osten abtransportiert wird, was menschenmöglich ist.
2.) Nächste Züge nach dem Osten:
Da in Auschwitz ein neues Bunawerk aufgebaut werden soll, das im Westen durch Luftangriffe zerstört wurde, wird vor allem im Monat Mai und Juni eine Höchstzahl von Juden aus dem Westen benötigt. Es wurde vereinbart, daß zunächst die für den Abtransport bereitgestellten Juden durch Zusammenlegung mehrerer Züge möglichst bereits in der ersten Monatshälfte abbefördert werden, also das Lager Westerbork [in Holland] beschleunigt geleert wird. Anzustreben ist für den Monat Mai die Ziffer 8.000. Zugvereinbarungen werden vom BdS, Den Haag mit dem RSHA getroffen.
3.) Das Lager Hertogenbusch:
Da das RSHA im Juni weitere 15.000 Juden anfordert, muß möglichst schnell der Zeitpunkt erreicht werden, an dem auch die Insassen des Lagers Hertogenbusch [in Holland] beansprucht werden können.«
In einem Anfang 1944 erstellten und der Warschauer Delegatur, also der Vertretung der in London weilenden Exilregierung, zugestellten Bericht heißt es bezüglich der jüdischen Bevölkerung des Generalgouvernements im Dezember 1943:[733]
»Laut erhaltenen Nachrichten befanden sich bis Ende Dezember auf dem polnischen Gebiet, in legalen Ansammlungen, etwa 150.000 Juden, darunter die Hälfte ausländische Juden.«
Wer konnten diese »ausländischen Juden« auf polnischem Gebiet sein, wenn nicht via Auschwitz ins Generalgouvernement geschleuste westliche Juden?
6. Das Endziel der nach Osten deportierten Juden
Die Judendeportationen nach Osten verlief also in zwei Phasen: Die Juden wurden zuerst provisorisch angesiedelt oder in Durchgangslagern untergebracht und dann noch weiter nach Osten abgeschoben. Angesichts der Dürftigkeit der vorhandenen Dokumentation können wir nicht mit Sicherheit feststellen, welches das Endziel dieser Abschiebung war, doch bestehen verschiedene Indizien, die es uns ermöglichen, plausible Schlußfolgerungen zu ziehen.
In den »Richtlinien für die Behandlung der Judenfrage«, die auf den Sommer 1941 zurückgehen, steht folgender Absatz:[734]
»Eine Überführung in Ghettos unter gleichzeitiger Trennung der Geschlechter ist anzustreben. Das Vorhandensein zahlreicher mehr oder weniger geschlossener jüdischer Niederlassungen in Weißruthenien und in der Ukraine erleichtert diese Aufgabe. Im übrigen sind hierfür Orte auszuwählen, die infolge vorliegender Arbeitsvorhaben die völlige Ausnutzung der jüdischen Arbeitskraft ermöglichen.«
Am 14. August 1942 schlug SS-Brigadeführer Otto Rasch, Leiter der Einsatzgruppe C, Berlin folgende Lösung der Judenfrage vor:[735]
»Die überzähligen jüdischen Massen können nämlich zur Kultivierung der großen Pripjetsümpfe sowie der Sümpfe am nördlichen Dnjepr sowie an der Wolga ausgezeichnet verwendet und verbraucht werden.«
Wie bereits erwähnt,[736] schrieb Himmler in einem Brief an Gauleiter Arthur Greiser vom 18. September 1941, gemäß dem Wunsch des Führers sollten die Juden aus dem Altreich und dem Protektorat »in die vor zwei Jahren neu zum Reich gekommenen Ostgebiete« transportiert werden, doch bloß »als erste Stufe«, in Erwartung einer Abschiebung »noch weiter nach Osten«.
In einem am 9. November 1941 von Lohse an Rosenberg gesandten Geheimtelegramm hieß es unter Bezugnahme auf Riga, daß die
»Judenlager erheblich weiter nach Osten verlegt werden müssen.«[737]
Am gleichen Tag wiederholte Dr. Leibbrandt in einem Telegramm an das Reichskommissar für das Ostland, Heinrich Lohse, »bezüglich der Judentransporte in das Ostland«:[737]
»Juden kommen weiter nach Osten. Lager in Riga und Minsk nur vorläufige Maßnahme.«
Es gibt keinerlei Grund zum Zweifel daran, daß die Hinweise auf ein Programm zur nochmaligen Deportation der Juden nach Osten der Wahrheit entsprachen. Dies wird übrigens durch einen Artikel im Israelitischen Wochenblatt für die Schweiz vom 16. Oktober 1942 bekräftigt. Das Blatt meldete:[738]
»Seit einiger Zeit besteht die Tendenz, die Ghettos in Polen aufzulösen. Das war mit Lublin der Fall, hierauf kam Warschau an die Reihe. Es ist nicht bekannt, wie weit der Plan schon durchgeführt ist. Die bisherigen Einwohner des Ghettos kommen weiter nach Osten in das besetzte russische Gebiet, teilweise wurden an ihre Stelle Juden aus Deutschland ins Ghetto gebracht. [...] Ein Augenzeuge, der bis vor kurzem in Riga war und entfliehen konnte, berichtet, daß sich im Ghetto von Riga jetzt noch 32.000 Juden befinden. Seit der Besetzung seien tausende Juden umgekommen. Die Juden müßten am Morgen zur Zwangsarbeit außerhalb der Stadt antreten. Löhne bekämen sie nicht, sondern nur Anweisungen auf Lebensmittel. Sie erhielten gegenüber der anderen Bevölkerung nur stark gekürzte Rationen: so bekämen sie täglich nur 100 g Brot und wöchentlich 2 kg Kartoffeln. In letzter Zeit bemerkte man in Riga Transporte von Juden aus Belgien und anderen Ländern Westeuropas, die jedoch sofort wieder nach unbekannten Bestimmungsorten weiterfahren. Im Ghetto von Riga fanden, so heißt es, am 30. November und 8. Dezember Pogrome statt, denen sehr viele Juden zum Opfer fielen.«
Am 23. Mai 1942 übergab Karol Sidor, Bevollmächtigter der Republik Slowakei beim Heiligen Stuhl, dem Staatssekretär Luigi Maglione eine Note über die Lösung der Judenfrage. Sie war auf den 8. Mai desselben Jahres datiert und bestand in der Antwort auf ein vom Heiligen Stuhl am 12. November 1941 gerichtetes Schreiben, in dem um Informationen zu diesem Thema gebeten wurde. Nach einer Erklärung der Gründe, die zur Verzögerung der Antwort geführt hatte, fuhr die Note fort:[739]
»Doch in diesem Zeitraum[740] trat ein Schweigen um die Lösung der Judenfrage ein. Zwischen der slowakischen und der deutschen Regierung fanden lange Verhandlungen über die Lösung des Judenproblems in Europa ein, und man vertrat die Meinung, daß die Auswanderung der slowakischen Juden nur einen Bestandteil eines viel größeren Gesamtprogramms darstellt. In naher Zukunft wird eine halbe Million Juden aus [West- und Mittel-]Europa nach Osteuropa gechickt werden. Die Slowakei soll der erste Staat sein, dessen jüdische Bewohner von Deutschland aufgenommen werden. Gleichzeitig soll die Auswanderung der Juden aus Frankreich (dem besetzten Teil), Holland, Belgien, dem Protektorat sowie dem Reichsgebiet erfolgen. Auch Ungarn hat den Wunsch kundgetan, 800.000 Juden zu verschicken, wie Regierungschef Dr. Kallay am 20. April dieses Jahres in seiner Rede gesagt hat.
Die slowakischen Juden werden an verschiedenen Orten in der Gegend von Lublin untergebracht, wo sie definitiv bleiben werden. Die arische Bevölkerung wird aus diesen Territorien ausgesiedelt, und an ihre Stelle wird ein ausschließlich jüdischer Distrikt mit eigener Verwaltung entstehen, wo die Juden gemeinsam leben und durch eigene Arbeit ihre Existenz sichern können. Die Familien werden zusammen bleiben.«
In einer Rede vor SS-Junkern sagte Himmler am 23. November 1942 in Bad Tölz:[741]
»Völlig gewandelt hat sich auch die Judenfrage in Europa. Der Führer sagte einmal in einer Reichstagsrede: Wenn das Judentum einen internationalen Krieg etwa zur Ausrottung der arischen Völker anzetteln sollte, so werden nicht die arischen Völker ausgerottet, sondern das Judentum. Der Jude ist aus Deutschland ausgesiedelt; er lebt heute im Osten und arbeitet an unseren Straßen, Bahnen usw. Dieser Prozeß ist konsequent, aber ohne Grausamkeit durchgeführt worden.«
Am 18. November 1943 sprach Himmler in einer Rede vor SS-Führern und Beamten des Generalgouvernements in Krakau von
»[...] diesen 16 Millionen Fremdvölkische[n], die früher noch durch eine Unzahl von Juden, die ja jetzt ausgewandert sind oder zum Osten gebracht wurden, vermehrt wurden. [...]«[742]
Am 16. December 1943 hielt Himmler in einer Rede vor Befehlshabern der Kriegsmarine in Weimar fest:[743]
»So und soviele Juden wurden nach dem Osten gebracht. Völkerbewegungen, die wir in der Geschichte mit großen Namen bezeichnen, haben sich innerhalb dieser rasenden Entwicklung vollzogen. [...]«
Am 29. Juli 1942 schrieb der päpstliche Nuntius in Frankreich, Monsignor Valerio Valeri, aus Vichy an den Staatssekretär Kardinal Luigi Maglione:[744]
»Gegen den zwanzigsten dieses Monats haben die Besatzungsbehörden in Paris unter Verwendung der französischen Polizei ca. 12.000 Juden verhaftet. Diese wurden dann größtenteils provisorisch im Vélodrome[745] d'Hiver interniert. Es handelt sich mehrheitlich um Nichtarier fremder Herkunft, vor allem Polen, Tschechen etc., die zur Deportation in die Ukraine vorgesehen sind.«
Am 7. September 1942 erließ der »Kommandeur Nr. 12« des Einsatzkommando 12 der Einsatzgruppe D in Kislowodsk, Ukraine, folgende Verordnung:[746]
»An alle Juden. Zwecks Niederlassung in den minderbewohnten Gebieten der Ukraine sind alle Juden, die in der Stadt Kislowodsk wohnen und diejenigen Juden, die keinen ständigen Wohnsitz haben, verpflichtet, sich am Mittwoch, den 9. September 1942, um 5.00 Uhr früh nach Berliner Zeitrechnung (um 6.00 Uhr nach der Moskauer Zeitrechnung) am Güterbahnhof zu melden.
Jeder Jude nimmt ein Gepäck bis 20 kg, darunter Lebensmittel für 2 Tage, mit. Eine weitere Ernährung wird an den Stationen von der deutschen Behörde gesichert. Es wird vorgeschlagen, nur das Notwendigste mitzunehmen: Wertsachen, Geld, Kleidung und Decken. Jede Familie hat die Wohnung zu versiegeln und am Schlüssel soll ein Zettel befestigt werden, auf dem der Vorname, Familienname, der Beruf und die Adresse der Familienangehörigen anzugeben sind. Dieser Schlüssel mit dem Zettel ist an der Frachtstation an das deutsche Kommando zu übergeben. Infolge Schwierigkeiten beim Abtransport sind eine Fracht von über 20 kg sowie auch die Mitnahme von Möbeln unmöglich. Zur besseren Vorbereitung und Abtransport hat jede Familie ihr Gut, ihre Wäsche usw. zu verpacken und zu versiegeln und dabei den Besitzer anzugeben. Für die Unversehrtheit der Sachen ist die Kommandantur Nr. 12 verantwortlich.
Wer einen Anschlag auf das Gut dieser Juden macht oder in eine jüdische Wohnung einzudringen versucht, wird sofort erschossen. Der Übersiedlung unterliegen auch die getauften Juden.
Der Übersiedlung unterliegen nicht diejenigen Familien, in denen einer der Eltern ein Jude, der andere aber ein Russe, ein Ukrainer oder Angehöriger eines anderen Volkstums ist.
Der Übersiedlung unterliegen ferner nicht Angehörige gemischten Blutes. Eine freiwillige Übersiedlung der Familien gemischen Blutes, der Mestizen I. und II. Gruppe, ist bei weiteren Möglichkeiten durchzuführen.
Alle Juden haben sich auf dem Bahnhof in Reihen von 45-50 Mann aufzustellen, wobei die einzelnen Familien sich zusammenzuhalten haben.
Die Aufstellung der Leute soll um 5.45 (Berliner Zeitrechnung), um 6.45 Uhr (Moskauer Zeitrechnung) beendet sein. Das jüdische Komitee ist für die planmäßige Durchführung dieser Anordnung verantwortlich. Diejenigen Juden, die die Durchführung dieser Anordnung verhindern, werden strengstens bestraft werden.«
Dieser Erlaß paßt sehr gut zu einem allgemeinen Plan zur Umsiedlung der Juden und zur Abschiebung westlicher Juden in die Ukraine.[747]
Laut Radio Moskau sind mehrere tausend französische Juden in die Ukraine umgesiedelt worden. In seiner Nummer 71 vom April 1944 wußte das jüdische Untergrundblatt Notre Voix folgendes zu berichten:[748]
»Dankeschön! Eine Nachricht, die alle Juden Frankreichs erfreuen wird, wurde von Radio Moskau verbreitet. Wer von uns hat keinen Bruder, keine Schwester, keinen Verwandten unter den aus Paris Deportierten? Und wer wird keine tiefe Freude empfinden, wenn er daran denkt, daß 8000 Pariser Juden von der glorreichen Roten Armee vom Tode gerettet worden sind! Einer von ihnen berichtete Radio Moskau, wie er vor dem Tode bewahrt wurde, ebenso wie 8000 andere Pariser Juden. Sie befanden sich alle in der Ukraine, als die letzte sowjetische Offensive einsetzte, und die SS-Banditen wollten sie erschießen, bevor sie das Land verließen. Da sie aber wußten, welches Schicksal ihnen zugedacht war, und da sie erfahren hatten, daß die Sowjettruppen nicht mehr fern waren, beschlossen die deportierten Juden zu flüchten. Sie wurden sofort von der Roten Armee in Empfang genommen und befinden sich gegenwärtig allesamt in der Sowjetunion. Die heldenhafte Rote Armee hat somit einmal mehr Anspruch auf die Dankbarkeit der jüdischen Gemeinde Frankreichs erworben.«
Nach der Umsiedlung des Judenrats von Mielec war ein Heilkostenrückstand in Höhe von 2.260,80 Zloty entstanden. Am 22. Juni 1942 verlangte die Staatliche Heil- und Pflegeanstalt von Kobierzyn die Bezahlung dieser Summe vom Chef des Distriks Lublin. Man stellte Untersuchungen an, und am 4. September teilte der SS- und Polizeiführer mit
»daß der Judenrat aus Mielec nach Rußland umgesiedelt wurde.«
Den genauen Ort kenne man freilich nicht.[749]
Am 13. Mai 1942 sandte der Kreishauptmann von Pulawy dem Gouverneur des Distrikts Lublin einen Bericht, in dem es hieß:[750]
»In der Zeit vom 6. Mai bis 12. Mai einschließlich sind auf Weisung des SS- und Polizeiführers 16.822 Juden aus dem Kreis Pulawy über den Bug ausgewiesen worden.«
Laut offizieller Geschichtsschreibung wurden diese Juden nach Sobibór deportiert und dort ermordet. Das Lager Sobibór befand sich einige Kilometer vom Fluß Bug entfernt, der die Grenze zwischen Polen und der Ukraine bildet. Den Bug konnte man sowohl per Straßen Włodawa-Tamaszouka (ca. 15 km nördlich des Lagers) als auch mit der Eisenbahn (Richtung Brest-Litowsk) überqueren. Es besteht kein triftiger Grund, weshalb diese Juden nicht tatsächlich über den Bug hätten transportiert werden sollen, um so mehr, als Sobibór in diesem Bericht überhaupt nicht erwähnt wird. Der Bestimmungsort Sobibór war durchaus nicht geheim und tauchte beispielsweise in folgendem Bericht des Kreishauptmanns Radom vom 4. August 1942 auf:[751]
»Ich teile hierdurch mit, daß durch ein Sonderdienstkommando 69 Juden aus Rzczywol in das Lager Sobibor des SS- und Polizeiführers im Distrikt Lublin überführt worden sind.«
Zieht man die geringe Zahl der Deportierten in Betracht (69 Personen), so lassen ihr Herkunftsort (eine Ortschaft, die weniger als 80 km von Warschau entfernt war) sowie die Tatsache, daß sie durch ein Sonderdienstkommando aufgeboten worden waren, den Schluß zu, daß sie Facharbeiter waren, welche in Sobibór als Dienstpersonal eingesetzt werden sollten.
Es ist übrigens bekannt, daß Himmler persönlich am 5. Juli 1943 folgende Anordnung erteilt hat:[752]
»Das Durchgangslager Sobibor ist in ein Konzentrationslager umzuwandeln. In dem Konzentrationslager ist eine Entlaborierungsanstalt für Beutemunition einzurichten.«
Diese Anordnung, gerichtet an Ämter, die über den wirklichen Charakter des Lagers Sobibór nicht im unklaren sein konnten, waren eine geheime Reichssache: Weswegen hätte Himmler da den Ausdruck »Durchgangslager« benutzen sollen? Um seine Untergebenen hinters Licht zu führen, die längst Bescheid wußten?
In jenem Zeitraum fanden Deportationen niederländischer Juden nach Sobibór statt: Am 2. Juli traf ein Transport mit 2.397 Personen ein, am 9. Juli ein weiterer mit 2.417 Personen.[753] Daß Sobibór die Funktion eines Durchgangslagers aufwies, geht auch aus den Erklärungen mehrerer ehemaliger holländisch-jüdischer Deportierter hervor:
Cato Polak, deportiert am 10. März 1943, blieb eine oder zwei Stunden in Sobibór und wurde dann mit 30 Frauen und 12 Männern nach Lublin überstellt. Sie kehrte über Trawniki - Auschwitz - Bergen-Belsen - Ragun - Theresienstadt nach Holland heim.[754]
Bertha Jansen-Ensel und Judith Eliazar, die am 10. März 1943 in Sobibór eingetroffen waren, wurden gleichfalls nach Lublin transferiert. Beide kehrten via Auschwitz in ihre Heimat zurück. Obschon sie auf Gaskammern und Verbrennungen angespielt hatten, erklärten sie:[755]
»Sobibor war kein Lager, sondern ein Durchgangslager.«
Jules Schelvis, am 1. Juni 1943 nach Sobibór deportiert, wurde drei Stunden nach seinem dortigen Eintreffen nach Trawniki überstellt und kehrte über Auschwitz nach Holland zurück.[756]
Mirjam Penha-Blitz gab eine Erklärung ab, die wie folgt zusammengefaßt wurde:[757]
»Am 10. März 1943 mit dem Zug von Westerbork deportiert, Ankunft in Sobibor ungefähr am 13. März 1943 (via Birkenau - ohne Aufenthalt - nach Sobibor).«
Vier oder fünf Stunden nach dem Eintreffen im Lager wurde die Zeugin nach Lublin deportiert. Ihre Rückkehr in die Heimat erfolgte über Birkenau.
Sientje und Jetje Veterman, am 6. April 1943 nach Sobibór geschickt, wurde zusammen mit 28 anderen Frauen zur Arbeit aussortiert und mit diesen nach Trawniki überstellt. Sie kehrten über Auschwitz-Birkenau in die Niederlande heim.[758]
Elias Alex Cohen, am 17. März 1943 nach Sobibór deportiert, verbrachte nur ein paar Stunden im Lager und wurde mit 35 anderen Juden nach Lublin gesandt.[759]
Sophie Verduin, am 10. März 1943 verbracht, wurde nach einigen Stunden von Sobibór nach Lublin überstellt; ihre Heimkehr nach Holland erfolgte über Auschwitz-Birkenau.[760]
Jozef Wins de Heer, deportiert am 11. Mai 1943, kam von Sobibór nach Doruhucza. In die Niederlande heimgekehrt ist er über Lublin-Majdanek.[761]
In einem gut dokumentierten Buch, das 1993 auf niederländisch erschien und später auf deutsch übersetzt wurde, schreibt Jules Schelvis, daß »in Sobibor nach der Ankunft von Transporten die benötigten frischen Arbeitskräfte für Dorohucza selektioniert« wurden.[762] Bei Dorohucza handelte es sich um ein 5 km von Trawniki entferntes Arbeitslager, wo Torf gefördert wurde. Laut Schelvis wurden wenigstens 700 niederländische Juden gleich nach ihrem Eintreffen in Sobibór dorthin überstellt, doch ihm zufolge sollen nur zwei davon den Krieg überlebt haben.[762] Von 171 dieser Personen - 147 Männern und 24 Frauen - hat man sichere Kenntnis, da sie aus Dorohucza Postkarten nach Hause geschickt haben.[763]
Dorohucza war nur eines von vielen jüdischen Arbeitslagern, die den Lubliner Bezirk wie ein dichtes Netz überzogen. Edward Dziadosz und Józef Marszałek zählen nicht weniger als 110 davon auf.[764] Wie sich den oben resümierten Aussagen ehemaliger Deportierter entnehmen läßt, wurden andere holländische Juden von Sobibór aus nach Lublin und dann weiter in solche Arbeitslager überstellt. Insgesamt weiß Schelvis von 89 Postkarten aus Sobibór, 171 aus Dorohucza, 52 aus Lublin und 9 aus Oberschlesien zu berichten, die von niederländischen Juden abgeschickt worden waren.[765]
Es kam auch vor, daß ein Teil der arbeitstauglichen Juden aus den Waggons aussortiert wurde, noch ehe der Zug seinen Bestimmungsort erreichte. Dies war bei einem am 14. Juni 1942 aus Wien abgegangenen Transport der Fall. Nachdem der Zug in Lublin eingetroffen war, mußten 51 Juden zwischen 15 und 50 Jahren aussteigen; die restlichen 949 setzten die Reise bis zum »Arbeitslager« Sobibór fort, wo ihr Aussteigen eine Stunde in Anspruch nahm. Ursprüngliches Ziel der Fahrt war Izbica gewesen.[766]
Es ist bezeichnend, daß die niederländischen Juden, die von Sobibór aus in andere Lager überstellt worden waren, fast alle über Auschwitz-Birkenau in die Heimat zurückgekehrt sind: Anstatt als Geheimnisträger liquidiert zu werden, überlebten sie auch dieses "Vernichtungslager".
Ein Teil der in den Distrikt Lublin deportierten Juden wurde, wie aus dem bisher Festgestellten hervorgeht, über den Bug in die Ukraine abgeschoben. Holländische, französische und tschechische Juden gelangten nach Minsk.[767] Die Deportationen polnischer Juden nach Weißrußland waren laut C. Gerlach »am umfangreichsten«,[768] und sie wurden »mit der Eisenbahn nach Minsk gebracht«.[769]
7. Die Überstellungen in den Distrikt Galizien
Ein weiterer Teil der in den Lubliner Distrikt deportierten Juden wurde nach Galizien abgeschoben.
Einige ehemalige französische Kriegsgefangene, die im Frontstalag 325 bei Rawa-Ruska (17 km von Bełżec auf der Straße nach Lemberg/Lviv) intern
iert waren, sind von dem belgischen Forscher Jean-Marie Boisdefeu befragt worden. Sie gaben an, in jener Zone westliche, vor allem französische Juden gesehen zu haben.[770] Wie Boisdefeu hervorhebt, bestätigt dies im Jahre 1945 gemachte Erklärungen anderer Kriegsgefangener. So sagte ein Paul Roser in Nürnberg aus:[771]»Die Deutschen hatten die Gegend von Lemberg-Rawa Ruska in ein Riesenghetto verwandelt.«
Ein Dr. Guérin schrieb:[772]
»Die im finstersten Galizien, an der Grenze zur Ukraine gelegene Provinz war in ein riesenhaftes Ghetto verwandelt worden, in welcher sich aus dem gesamten besetzten Europa deportierte Juden aufhielten. Bewacht wurden sie von brutalen Ukrainern, die im Solde der Deutschen standen.«
In Rawa-Ruska gab es auch ein Ghetto, wo im Sommer 1942 18.000 Juden lebten. Von diesen sollen angeblich zwischen dem 7. Dezember 1942 und dem 10. Januar 1943 14.000 ermordet und weitere 2000 in die "Todesfabrik" Bełżec geschickt worden sein.[773] Es ist
nicht klar, weshalb dieses Ghetto nach Eröffnung des ganze 17 km davon entfernten Bełżec noch mehrere Monate lang bestanden hat und warum die angeblichen 14.000 Opfer nicht direkt in die "Todesfabrik" gesandt wurden. Ganz abgesehen davon, daß das Ghetto Rawa-Ruska am 10. November 1942 offiziell zu einem der zahlreichen "Judenwohnbezirke" Galiziens wurde.[774]Juden aus Belgien, Holland, Deutschland, dem Protektorat Böhmen und Mähren sowie der Slowakei gelangten auch in das Lager Janowski bei Lemberg.[775] I. Hertz und Naftali Nacht berichten:[776]
»Alle Züge mit Juden aus Brüssel, Paris und Amsterdam fuhren durch Rava-Ruskaia. Zu ihnen kamen Transporte aus Tarnopol, Kolomi, Sambor, Brezany und anderen Städten in der Westukraine.«
Ostgalizien wurde am 22. Juli 1941 dem Generalgouvernement eingegliedert; am 1. August desselben Jahres wurde der Distrikt Galizien gegründet.
Die von Ukrainern und SS-Leuten im Juli 1941 in Lemberg und anderen galizischen Ortschaften begangenen Judenmassaker waren im großen ganzen Vergeltungsmaßnahmen für die von den Sowjets vor deren Rückzug zwischen dem 22. Juni und dem 2. Juli 1941 begangenen Massenmorde an Ukrainern. Für die SS und die Zivilbevölkerung galten die "Sowjetjuden" in der Tat als die Verantwortlichen für die kommunistischen Gewalttaten oder zumindest als Komplizen der Täter. Hierzu liefern die Berichte der Einsatzgruppen ausführliche Beispiele. Hier einige bezeichnende Beispiele:[777]
»In Tarnopol 5000 Ukrainer verschleppt, 2000 ermordet. Als Gegenmaßnahmen Festnahmeaktionen gegen jüdische Intelligenz, die für die Ermordung mitverantwortlich und außerdem Zuträger der NKWD, in Wege geleitet. Zahl auf etwa 1000 geschätzt. Am 5.7. etwa 70 Juden von den Ukrainern zusammengetrieben und mit geballter Ladung erledigt. Weitere 20 Juden auf der Straße durch Militär und Ukrainer erschlagen, als Reaktion auf die Ermordung dreier Soldaten, die gefesselt mit abgeschnittenen Zungen und ausgestochenen Augen im Gefängnis aufgefunden.«
Andere Juden wurden nach der Entdeckung sowjetischer Folterkammern als Vergeltungsmaßnahme erschossen. Beispielsweise reagierten die Deutschen nach der Auffindung von Folterkammern im Gerichtssaal von Tarnopol wie folgt:[778]
»Die durchziehenden Truppen, die Gelegenheit hatten, diese Scheußlichkeiten und vor allen Dingen auch die Leichen der ermordeten deutschen Soldaten zu sehen, erschlugen insgesamt etwa 600 Juden und steckten ihre Häuser an.«
Auch das Massaker an (angeblich!) 33.711 Juden in Babi Jar bei
Kiew wurde als Sühnemaßnahme dargestellt:[779]
»Die Erbitterung der ukrainischen Bevölkerung gegen die Juden ist außerordentlich groß, da man ihnen die Schuld an den Sprengungen in Kiew zuschreibt. Auch sieht man in ihnen die Zuträger und Agenten des NKWD, die den Terror gegen das ukrainische Volk heraufbeschworen haben. Als Vergeltungsmaßnahme für die Brandstiftungen in Kiew wurden sämtliche Juden verhaftet und am 29. und 30.9. insgesamt 33771 Juden exekutiert.«
Im ganzen Bezirk Galizien sollen im Juli 1941 rund 10.000 und dann bis zum Dezember noch weitere 20.000 Juden erschossen worden sein, doch sind diese Zahlen höchst zweifelhaft. Die behaupteten Massentötungen stehen nämlich im Widerspruch zu den antijüdischen Maßnahmen der Zivilverwaltung Galiziens, die am 1. August 1941 die Militärverwaltung ersetz hatte.
Kaum zwei Wochen nach Einberufung dieser Zivilverwaltung, am 14. August, erhielten die Kommandos der Schutzpolizei in Lemberg, Tarnopol und Stanislau von Oberst Worm einen Befehl hinsichtlich der »Jüdischen Zwangsarbeitslager«, der wie folgt begann:[780]
»In fast jeder größeren Ortschaft des Distrikts Galizien sollen sich von den Russen vorbereitete Kriegsgefangenenlager befinden. Sie sollen mit allem notwendigen Inventar ausgestattet sein und sich besonders gut zur Einrichtung von jüdischen Zwangsarbeitslagern eignen. Alle vorhandenen Lager sind sofort zu erkunden und zu melden. Gleichzeitig ist festzustellen das Fassungsvermögen und die Beschaffenheit.«
Am 20. September wurde im ganzen Distrikt für Juden »vom vollendeten 14. bis 60. Lebensjahr« der Arbeitszwang eingeführt.[781] Am 6. November 1941 wurden Vorgehensweise und Fristen für die Errichtung eines jüdischen Wohnbezirks in Lemberg festgelegt, dessen Verwaltung einem jüdischen Ältestenrat anvertraut wurde. Diesem oblag es, unverzüglich ein Ernährungsamt, ein Sicherheitsamt, eine Gerichtsbarkeit, ein Gesundheitsamt, eine Fürsorge, ein Beerdigungswesen, ein Wohnungsamt sowie einen jüdischen Friedhof zu gründen.[782]
Die ersten beiden Ghettos wurden im November und Dezember 1941 in Tarnopol (ca. 18.000 Juden) und Stanisław (ca. 30.00 Juden) gebildet.[783]
Im Januar 1942 wurde das Sanitätsamt der Jüdischen Gemeinde in Lemberg gegründet. Der Judenrat beschrieb es wie folgt:[784]
»Das Sanitätsamt der Jüdischen Gemeinde ist die zentrale Verwaltung und Leitungsstelle für das gesamte sanitäre Wesen der jüdischen Bevölkerung der Stadt Lemberg.
Es unterhält heute bereits allgemeine Ambulatorien für Erwachsene, 1 Kinderraumambulatorium mit Säuglingsfürsorge und Mutterberatungsstelle, 1 Lungenambulatorium, 1 Rettungsstation, 1 Allgemeines Krankenhaus mit Ambulatorien und 1 Spital für chronisch-Kranke, beide für je 250 Betten. Die Abteilung für sanitäre Aufsicht (Physikat), welche soeben im jüd. Viertel 8 sanitäre Stationen errichtet, hat die Aufgabe, den sanitären Zustand der Wohnungen, Höfe, öffentlicher Lokale, Gassen im jüdischen Wohnviertel zu prüfen und zu untersuchen, Weisungen und Verfügungen zu erteilen und sogar Strafen bei Nichtbefolgung aufzuerlegen.
Zwei Infektionsspitäler werden organisiert und in Kürze eröffnet.
Zur Bekämpfung von Epidemien sind in die Rayonortschaften 60 jüdische Ärzte und jüdisches Sanitätspersonal delegiert und weitere Ärzte folgen sukzessive. In Kleparow und Zniesienie werden 2 Ambulatorien für Erwachsene und außerdem im jüdischen Wohnviertel weiter Ambulatorien für Kinder und Lungenkranke errichtet.
Endlich werden sanitäre Kolonnen und "Blockärzte" zur Kontrolle und Beaufsichtigung des sanitären Zustandes für je ca. 250 Wohnungen organisiert.
Das Allgemeine Jüdische Krankenhaus in der Kuszewiczagasse 5, mit seinen Abteilungen für innere, chirurgische, Frauen- und Kinderkrankenheiten, für Urologie, Laryngologie, Hautkrankenheiten, Neurologie, und den dazu angegliederten Ambulatorien empfängt Kranke den ganzen Tag hindurch. [...]
Das Kinderambulatorium in der Schleichergasse 5 und Bernsteingasse 5 mit seiner Fürsorge- und Mutterberatungsstelle empfängt kranke Kinder bis zu 14 Jahren, den ganzen Tag hindurch. Milchverabfolgung an Säuglinge erfolgt nur in der Schleichergasse 5.«
Anfang Juni 1942 wurde im Lemberger Judenviertel eine große Entlausungsanstalt für 1500 Personen täglich in Betrieb genommen, in der sich ein Kesselhaus, eine Heißluftkammer und eine Dampfheizungsanlage befanden. Die Anlage war für die Juden bestimmt. Durch sie
»[...] werden in der nächsten Zeit die Juden durchgeschleust, die innerhalb der Stadt umgesiedelt werden.«[785]
Laut dem polnisch-jüdischen Autor Aleksander Krugłow wurden zwischen dem 19. März und dem 8. Dezember 1942 in 71 Zügen 251.000 Juden nach Bełżec gebracht,[786] was fast der Hälfte der angeblichen Gesamtopferzahl jenes Lagers entspricht. Bełżec soll bekanntlich ein speziell für die Juden dieser Gegend errichtetes Vernichtungslager gewesen sein. In einem Bericht vom 30. Juni 1943 informierte SS-Gruppen
führer Fritz Katzmann, die »Aussiedlung aus dem Distrikt Galizien« sei »seit dem April 1942« im Gang und erläuterte:[787]»Als der Höhere SS- und Polizeiführer mit seiner Polizeiverordnung über die Bildung von Judenwohnbezirken vom 10.11.1942 noch einmal in die Judenfrage eingriff, waren bereits 254.989 Juden aus- bzw. umgesiedelt.«
Einige Seiten weiter fügt er hinzu:
»In der Zwischenzeit wurde die weitere Aussiedlung energisch betrieben, so daß mit Wirkung vom 23.6.1943 sämtliche Judenwohnbezirke aufgelöst werden konnten. Der Distrikt Galizien ist damit, bis auf die Juden, die sich in den unter Kontrolle des SS- und Polizeiführers stehenden Lagern befinden, judenfrei. Die noch vereinzelt aufgegriffenen Juden werden von den jeweiligen Ordnungspolizei- und Gendarmerieposten sonderbehandelt. Bis zum 27.6.43 waren insgesamt 434.329 Juden ausgesiedelt.«
Zu jenem Zeitpunkt gab es in 21 Judenlagern noch 21.156 Juden.[788]
T. Sandkühler deutet den Ausdruck »aus- bzw. umgesiedelt« als Tarnwort für »vergast oder erschossen«,[789] doch ist dies ganz unhaltbar, weil die von Katzmann für die Erschossenen verwendete Bezeichnung "sonderbehandelt" lautet, sowohl im eben zitierten Abschnitt als auch in zwei folgenden:[790]
»[...] bei der Durschschleusung das gesamte arbeitsscheue und asoziale jüd. Gesindel erfaßt und sonderbehandelt wurde. [...] Auch diese Juden wurden einer Sonderbehandlung zugeführt.«
Am 31. Oktober 1942 vermeldete der in Rawa-Ruska stationierte »Regierungsbezirk Nord Einsatzkommando 5. Komp. Pol. Rgt. 24«:
Unter dem Ausdruck »befehlsmäßig behandelt« ist mit allergrößter Wahrscheinlichkeit die Erschießung zu verstehen. Zu den übrigen Formulierungen: »Ausgesiedelt« ist nicht dasselbe wie »umgesiedelt«, und beide Bezeichnungen haben nicht denselben Sinn wie »dem SS-Sonderkommando Belzec zugeführt«. Trotzdem werden die 1023 "umgesiedelten" Juden von den orthodoxen Historikern als "in Bełżec vergast" betrachtet.[792] Schließlich ist darauf hinzuweisen, daß es in Rawa-Ruska einen "Umsiedlungswohnort" gab, noch ehe im örtlichen Ghetto ein "Judenwohnbezirk" gegründet wurde.
Die Richtlinien der Judenpolitik im gesamten Generalgouvernement wurden den Behörden von Lemberg am 6. August 1942 von Brigadeführer Katzmann bekanntgegeben:[793]
»Brigadeführer Katzmann machte Mitteilung, daß es innerhalb eines halben Jahres im Generalgouvernement keine freien Juden mehr geben wird. Die Leute werden teils ausgesiedelt, teils in Lager verbracht. Die vereinzelt auf dem Land lebenden Juden werden von Einsatzkommandos umgebracht. Die in den Städten konzentrierten Juden werden in Großaktionen teils liquidiert, teils ausgesiedelt, teils in Arbeitslagern zusammengefaßt.«
Diese Anordnungen machen einen klaren Unterschied zwischen »ausgesiedelt«, »in Lager verbracht« und »umgebracht« auf der einen sowie »liquidiert«, »ausgesiedelt« und »in Arbeitslager zusammengefaßt« auf der anderen Seite. Keinesfalls darf »ausgesiedelt« als Synonym für »umgebracht« oder »liquidiert« aufgefaßt werden; der Ausdruck ist also ganz wörtlich zu nehmen.
Nach welchen Kriterien die Unterteilung der Juden in diese drei Gruppen vorgenommen wurde, und wie hoch der jeweilige Prozentsatz war, ist nicht bekannt, doch wird man annehmen dürfen, daß die "Sowjetjuden" (also nach der sowjetischen Annexion Ostpolens zugezogenen Juden) sowie solche Juden liquidiert wurden, die antideutsche Aktionen begangen hatten oder solcher verdächtigt wurden.
Am 28. Oktober 1942 erließ SS-Obergruppenführer Friedrich Wilhelm Krüger in seiner Eigenschaft als Höherer SS- und Polizeiführer im Generalgouvernement und Staatssekretär für das Sicherheitswesen eine »Polizeiverordnung über die Bildung von Judenwohnbezirken in den Distrikten Warschau und Lublin«, durch welche die Gründung von 14 Judenwohnbezirke festgelegt wurde.[794] Darunter befindet sich auch die Ortschaft Końskowola, in der sich laut der slowakischen Zionistin Gisi Fleischmann im März 1943 belgische Juden befanden (welche offensichtlich über Auschwitz dorthin gelangt waren).
Am 10. November 1942 ordnete Krüger die Errichtung von 41 Judenwohnbezirken auch in den Distrikten Radom, Krakau und Galizien an.[795]
Diese Maßnahmen lassen sich nicht mit einer Ausrottungspolitik vereinbaren. Wenn, wie die offizielle Geschichtsschreibung geltend macht, die Errichtung dieser Judenwohnbezirke darauf abzielte, die Juden zu konzentrieren, um sie leichter liquidieren zu können, warum hat dann das angeblich zum Zwecke eben dieser Liquidierung gegründete Lager Bełżec seine "Ausrottungstätigkeit" im Dezember 1942 eingestellt, obgleich am 31. Dezember 1942 im Distrikt Galizien noch 161.514 Juden lebten?[796]
Unsere in den vorhergehenden Kapiteln gemachten Ausführungen zur nationalsozialistischen Politik der Judenumsiedlung nach Osten finden eine ungeheuer wichtige Stütze in der demographischen Studie von Prof. Eugene M. Kulischer, der während des Zweiten Weltkriegs Mitglied des International Labour Office in Montreal, Kanada war. Das Buch trägt den Titel The displacement of population in Europe[797] (Die Bevölkerungsverschiebungen in Europa) und wurde 1943 veröffentlicht. Bei seiner Niederschrift bediente sich der Verfasser der Hilfe von 24 Institutionen, die er gewissenhaft aufzählt.[798]
Jede dieser Institutionen verfügte über ein dichtes Netz von Informationskanälen in den verschiedenen europäischen Ländern, so daß sich Kulischer auf die besten vorhandenen Quellen stützen konnte. In seinem Buch widmet er dem Problem der Judenvertreibung und -aussiedlung durch die deutsche Regierung einen hochinteressanten Abschnitt, der mit wissenschaftlicher Genauigkeit verfaßt und durch eine reichhaltige Dokumentation untermauert ist. Deshalb stellt dieses Buch die wohl zuverlässigste Information darüber dar, was die Feinde Deutschlands 1943 ungeachtet der ganzen heimtückischen Greuelpropaganda über die NS-Judenpolitik wußten. Mit seltener Präzision erläutert Kulischer vor allem die Anfangsphasen dieser Politik:[799]
»Bis zum Kriegsausbruch wurde die Auswanderung demonstrativ gefördert. Kanzler Hitler sagte, er würde jedem auswanderungsbereiten Juden gerne einen Tausendmarkschein geben. Doch in der Praxis wurden weniger humane und effizientere Methoden zur Förderung der jüdischen Emigration angewendet. Das Leben in Deutschland wurde den Juden unmöglich gemacht, um sie zur Auswanderung zu bewegen, und wenn sie gingen, mußten sie fast ihr ganzes Vermögen zurücklassen. Gleichzeitig wurde den anderen Nationen eine moralische Verpflichtung zur Aufnahme der Juden aufgebürdet. Als Deutschland immer neue Länder eroberte, wurden die Ziele der deutschen Judenpolitik auf die "Befreiung ganz Europas vom Judenjoch" ausgeweitet. Nicht nur die Deportation und Absonderung der Juden, sondern auch ihre Ausrottung war ein offen proklamiertes Ziel der Deutschen.[800] Doch der Hauptfaktor, welcher den Charakter der antijüdischen Maßnahmen änderte, lag in den veränderten Bedingungen selbst. Mit dem Fortschreiten des Krieges wurden die Auswanderungsmöglichkeiten immer geringer. Andererseits sah sich Deutschland nun in der Lage, die Juden in von ihm kontrollierte nichtdeutsche Gebiete abzuschieben, so daß mit abnehmender Förderung der Auswanderung die Politik der Deportation an Stärke gewann. Die Juden wurden zwecks "Säuberung" eines bestimmten Landes oder einer bestimmten Stadt entweder vertrieben, oder sie wurden in spezifischen Regionen, Städten oder Stadtvierteln zusammengefaßt, um den Rest der Gegend zu "säubern". Es muß betont werden, daß die vollständige und vielerorts vollzogene Entfernung der Juden zugleich eine effektive Methode zur Sicherung ihrer wirtschaftlichen Ausrottung ist. Man nimmt keine Rücksicht auf ihre Aussichten zum Bestreiten ihres Lebensunterhalts; ganz im Gegenteil wird die Abschiebung auf eine Weise vollzogen, die es den Juden verunmöglicht, ihr Wirtschaftsleben zu reorganisieren.« (Hervorhebung von uns.)
Eine der Methoden zur Verwirklichung dieser wirtschaftlichen Ausrottung war folgende:[801]
»Zuerst werden sie [die Juden] ins Generalgouvernement geschickt. Dann wird die Stadt, in der sie angesiedelt worden sind, "gesäubert". An ihrem neuen Wohnort wird ein Ghetto eingerichtet. Doch selbst das Ghetto garantiert den Juden keinen dauerhaften Aufenthaltsort, und sie werden wiederum weiter nach Osten abgeschoben.«
Kulischer legt dann eine wenig bekannte historische Tatsache dar, die Jahrzehnte später ihre Bestätigung fand:
»In vielen Fällen bestand das unmittelbare Motiv zur Ausweisung oder Deportation darin, Platz für Deutsche zu schaffen. Die ersten Opfer einer großangelegten Vertreibung waren die Juden der eingegliederten westpolnischen Provinzen, die zusammen mit den polnischen Einwohnern vertrieben wurden, in beiden Fällen, um Raum für die "in die Heimat zurückkehrenden" Deutschen zu schaffen. Später wurden Juden deportiert, weil sie laut offiziellen Erklärungen Wohnungen besassen, die sich für fremde Flüchtlinge aus durch Luftangriffe gefährdeten Städten eigneten.«
Peter Witte hat in der Tat mehrere Beispiele für diese - von Hitler selbst gebilligte - deutsche Politik angeführt.[802]
Anschließend widmet Kulischer den »von Vertreibung und Deportation betroffenen Ländern und Territorien« breiten Raum und liefert dabei Zahlen, die teils über, teils unter jenen des Korherr-Berichts, doch stets in derselben Größenordnung liegen. Beispielsweise geht er für den Zeitraum bis Ende Dezember 1942 von 120.000 jüdischen Deportierten aus dem Reichsgebiet aus[803] (gegenüber 100.516 im Korherr-Bericht genannten); für Österreich spricht er von 40.000[803] (gegenüber 47.555 bei Korherr), für das Protektorat Böhmen und Mähren[803] von 50.000 - 60.000 (gegenüber 69.677 bei Korherr), für die Slowakei von 62.444[804] (gegenüber 56.691 bei Korherr).
Zu Frankreich schreibt Kulischer:[805]
»Mitte Sommer 1942 bildete ein Schlag gegen fremde jüdische Flüchtlinge in Paris den Auftakt zu Massendeportationen aus Frankreich in die Ghettos und Konzentrationslager Osteuropas.«
Hinsichtlich Belgiens hebt er hervor:[806]
»Im Sommer 1942 wurde die Deportation wieder aufgenommen, und von Oktober an wurde sie intensiviert. Es läßt sich schätzen, daß bis Dezember 1942 ungefähr 25.000 ausländische Juden aus Belgien deportiert worden sind, teils nach Osteuropa, teils zum Bau von Festungsanlagen nach Frankreich.«
Bezüglich Rumäniens zitiert er die Krakauer Zeitung vom 13. August 1942:[807]
»Laut einer deutschen Zeitung wurden "185.888 Juden seit Oktober letzten Jahres [d.h. 1941] nach Transnistrien evakuiert, wo sie in großen Ghettos untergebracht wurden, bis sich die Gelegenheit zu ihrer weiteren Abschiebung nach Osten ergab. Heute leben noch 272.409 Juden im Land. [...] Die Provinzen Bessarabien und Bukowina können nun als judenfrei betrachtet werden, ausgenommen Czernowitz, wo es noch rund 16.000 Juden gibt. [...] Man kann annehmen, daß noch in diesem Jahr weitere 80.000 Juden in die Ostgebiete abgeschoben werden könnten." Doch nach späteren Berichten hat die rumänische Regierung im Oktober 1942 angekündigt, es werde keine weiteren "Evakuierungen" nach Transnistrien geben.«
Kulischer widmet anschließend der Frage der »als Bestimmungsorte dienenden Territorien sowie der Methoden der Isolierung« einen Abschnitt. Er betont insbesondere das Grundprinzip der Judendeportationen:[808]
»Einige der Juden aus Belgien wurden in einem benachbarten Teil Westeuropas zur Zwangsarbeit eingesetzt, doch im allgemeinen bestand die Tendenz darin, die Juden nach Osten abzuschieben. Viele westeuropäische Juden sollen in die schlesischen Bergwerke deportiert worden sein. Die große Mehrheit kam ins Generalgouvernement, und eine stetig wachsende Zahl wurde in die Ostgebiete - d.h. jene Territorien, die seit September 1939 unter sowjetischer Herrschaft gestanden hatten - sowie in andere okkupierte Zonen der Sowjetunion geschickt. In der ersten Periode hieß Deportation Verschickung ins Generalgouvernement, doch seit 1940 kamen die deportierten Juden in immer größerem Umfang ausschließlich in Ghettos und Arbeitslager.«
Kulischer geht dann zu den Ghettos über:[809]
»Das erste Ghetto wurde im Winter 1939-1940 in Lodz errichtet. Seit Frühling 1940 kamen Ghettos in etlichen größeren und kleineren Städten des Warthegaus sowie des Generalgouvernements hinzu. Im Sommer 1940 riegelten die Deutschen den hauptsächlich von Juden bewohnten Teil Warschaus ab, unter dem Vorwand, er sei eine Brutstätte für ansteckende Krankheiten, und im Herbst desselben Jahres wurde formell ein Ghetto eingerichtet. Alle außerhalb seiner Grenzen wohnenden Juden erhielten den Befehl, ins Ghetto zu ziehen, und die innerhalb des Ghettogebietes lebenden Polen mußten ausziehen. Ferner wurden viele ausländische Juden eingesiedelt. In der ersten Hälfte 1942 lebten ungefähr 500.000 Menschen im Ghetto zusammengepfercht.
Das Wachstum der Ghetto läßt sich durch folgende Schätzungen illustrieren. Im November 1941 schätzte das Institute of Jewish Affairs die Zahl der in den Ghettos hausenden Juden auf "nicht unter 1.000.000". Im Dezember 1941 ergaben von polnisch-jüdischen Kreisen in London verbreitete Quellen, daß ca. 1.300.000 Juden in elf Ghettos in verschiedenen Teilen des Landes zusammengedrängt lebten. Für Frühsommer 1942 gab das Institute of Jewish Affairs die Ziffer mit 1.500.000 an. Am 28. Oktober und 10. November 1942 erließ der Staatssicherheitssekretär im Generalgouvernement Verordnungen über jüdische Ghettos in fünf Distrikten des Generalgouvernements (Warschau, Lublin, Krakau, Radom und Galizien), die festlegten, daß am 30. November 1942 sämtliche Juden des Generalgouvernements in abgesonderten Gebieten leben müssen. Ausgenommen von dieser Vorschrift sind Juden, die in der Rüstungs- oder sonstwie kriegswichtigen Industrie tätig sind und in geschlossenen Lagern leben. Die abgesonderten Gebiete zerfallen in zwei Arten: Ghettos innerhalb der größeren Städte sowie rein jüdische Städtchen, die von ihren nichtjüdischen Bewohnern gesäubert worden sind. Im ganzen Generalgouvernement gibt es 13 Ghettos, von denen das in Warschau das größte ist, sowie 42 jüdische Städte.
Seit der Invasion der UdSSR sind Ghettos in Westweißrußland, der Westukraine sowie dem Baltikum, aber auch im besetzten Rußland gegründet worden.
Der Hauptzweck der Ghettos und besonderen jüdischen Städte besteht in der Absonderung der lokalen jüdischen Bevölkerung. Diese umfaßt die ehemalige Bevölkerung der in ein Ghetto oder eine Judenstadt umgewandelten Zone, die jüdischen Einwohner derselben Stadt, die ins Ghetto umgesiedelt worden sind, sowie aus anderen Orten dorthin geschickte Juden. Für die zweite und dritte Kategorie kam die Einweisung ins Ghetto einer Zwangsumsiedlung, für die dritte zusätzlich auch einer erzwungenen Wanderschaft gleich. Die Zahl der durch diese interne Zwangswanderschaft betroffenen Personen mag sich im Generalgouvernement allein auf viele hunderttausend belaufen.
Die Ghettos des Generalgouvernements oder der Ostgebiete sind auch der übliche Bestimmungsort der von den deutschen Behörden oder den Behörden anderer, mit Deutschland verbündeter Länder deportierten Juden aus dem Westen.«
Schließlich kommt Kulischer auf die Zwangsarbeitslager zu sprechen. Er bemerkt dazu:[810]
»Bis zum Sommer 1941 waren wenigstens 85 jüdische Arbeitslager im Generalgouvernement bekannt. Von jenen 35 Lagern, deren genaue Lage man kennt, befanden sich zwei Drittel an der Ostgrenze. Die Zwangsarbeit für Juden wurde immer üblicher und wandelte sich von einer Nebenmaßnahme zu einem wesentlichen Zug der Behandlung der Juden. [...]
Im Verlauf des Jahres 1942 wurde die Zwangsarbeit zum üblichen Los der Juden in Polen und den deutsch besetzten Sowjetgebieten. Der Zeitraum, für den arbeitsfähige Juden zur Zwangsarbeit rekrutiert werden können, ist nicht länger zeitlich begrenzt. Ihre Abschiebung nach Osten war weitgehend durch den Wunsch bedingt, sie als Zwangsarbeiter auszunutzen, und mit zunehmendem Arbeitskräftemangel in Deutschland wurde die Deportation arbeitstauglicher Erwachsener zum Synonym für Zwangsarbeit. Im Gegensatz zu den anderen Bewohnern der von Deutschland okkupierten Länder werden Juden nicht zum Arbeitseinsatz ins Reich gesandt, weil dies der Politik widerspräche, Deutschland "judenfrei" zu machen. Die Erfordernisse der Kriegswirtschaft nötigen die deutschen Behörden natürlich dazu, in gewissem Umfang von dieser Regel abzuweichen, und in der Tat sind einige Ausnahmen vermeldet worden.[811] Doch im allgemeinen ist Deportation in den Osten für die Juden gleichbedeutend mit jener Arbeit im Reich, zu welcher der Rest des unterworfenen Europa verpflichtet werden kann, und ihre Aussiedlung nach immer weiter im Osten gelegenen Regionen ist fraglos mit der Notwendigkeit verknüpft, die Bedürfnisse des Heeres in Frontnähe sicherzustellen.«
Der Verfasser berechnet die Zahl der »deportierten, vertriebenen und sonstwie entwurzelten« Juden mit 3.150.000, präzisiert jedoch:[812]
»Diese Zahl umfaßt nicht: a) Die Hunderttausende polnischer Juden, die aus dem Generalgouvernement weiter nach Osten deportiert worden sind, und b) Hunderttausende von Juden, die innerhalb der Grenzen ein und desselben Landes oder Territoriums zwecks Unterbringung in Ghettos und besonderen jüdischen Städten zwangsumgesiedelt wurden, insbesondere im Generalgouvernement und den von Deutschland besetzten Ostgebieten. Unter der Annahme, daß lediglich ein Drittel der Juden, die in diesen Territorien verblieben sind, von a) und b) erfaßt wurden, müssen annähernd 1.000.000 Juden zwangsmäßig nach Osten oder von einer Stadt in die andere umgesiedelt worden sein.«
Kulischer spricht an keiner Stelle von "Vernichtungslagern" oder von einer deutschen Politik der physischen Ausrottung der Juden!
Fußnoten
| [674] | Seev Goshen, »Eichmann und die Nisko-Aktion im Oktober 1939«, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 1981, S. 78f. |
| [675] | Janina Kiełboń, »Deportacja Żydów do dystryktu lubelskiego (1939-1943)«, in: Zeszyty Majdanka, XIV, 1992, S.. 73. |
| [676] | W.Benz (Hg.), aaO. (Anm. 79), S. 76. |
| [677] | J. Kiełboń, aaO. (Anm. 675), S. 68f. |
| [678] | Ebenda, S. 71f. |
| [679] | Ebenda, p. 73. |
| [680] | Józef Kermisz, Dokumenty i materiały do dziejów okupacji niemieckiej w Polsce, Tom II, "Akce" i "Wysiedlenia", Warschau-Lodz-Krakau 1946, S. 10. |
| [681] | Ebenda, S. 11. |
| [682] | Ebenda, S. 14. |
| [683] | Ebenda, S. 27. |
| [684] | Ebenda, S. 28. |
| [685] | Ebenda, S. 15. |
| [686] | Ebenda, S. 46. |
| [687] | Ebenda, S. 32f. |
| [688] | Enzyklopädie des Holocaust, aaO. (Anm. 18), Bd. II, S. 619. |
| [689] | Faschismus - Getto - Massenmord, aaO. (Anm. 286), S. 271. |
| [690] | Ebenda, S. 275f. |
| [691] | Dr. Marek Alten, Berater des Gouverneurs des Distrikts Lublin für Judenangelegenheiten. |
| [692] | J. Kermisz, aaO. (Anm. 680), S. 48. |
| [693] | Faschismus - Getto - Massenmord, aaO. (Anm. 286), S. 276. |
| [694] | J. Kermisz, aaO. (Anm. 680), S. 49. |
| [695] | Ebenda, S. 54. |
| [696] | Faschismus - Getto - Massenmord, aaO. (Anm. 286), S. 438. |
| [697] | J. Kermisz, aaO. (Anm. 680), S. 53. |
| [698] | Ebenda, S. 55. |
| [699] | Faschismus - Getto - Massenmord, aaO. (Anm. 286), S. 336. |
| [700] | Lemberger Zeitung, Nr. 246, 17. Oktober 1942, S. 5. |
| [701] | J. Kiełboń, aaO. (Anm. 675), S. 61-91. |
| [702] | NO-5194, S. 9. |
| [703] | NO-5194, S. 10. |
| [704] | Aufstellung der Neueingesiedelten. APL, PSZ 19, S. 195. |
| [705] | W. Benz, Dimension des Völkermords, aaO. (Anm. 79), S. 76. |
| [706] | In diesem Abschnitt resümiert der Verfasser (Carlo Mattogno) die diesbezüglichen Ergebnisse seiner Studie "Sonderbehandlung" ad Auschwitz, aaO. (Anm. 2), S. 33-43 sowie 64-73), und fügt einige neue Elemente hinzu. - Siehe auch Enrique Aynat, Estudios sobre el "Holocausto", Valencia 1994. |
| [707] | T-1078. |
| [708] | NG-2586-J, S. 6. |
| [709] | Riešenie żidowskiej otázky na Slovensku (1939-1945). Dokumenty, 2. Teil, Edicia Judaica Slovaca, Bratislava 1994, S. 59f. Tragédia slovenských Židov. Fotografie a dokumenty, Bratislava 1949, S. 91 (Fotokopie des Transportplans). Tragédia slovenských Żidov, Banská Bystrica 1992, S. 161 (Fotokopie des Transportplans vom 26. März bis zum 7. April 1942). |
| [710] | Riešienie..., aaO. (Anm. 709), S. 38f. |
| [711] | Ebenda, S. 105. |
| [712] | Ebenda, S. 108f. |
| [713] | Laut den im vorhergehenden Abschnitt angeführten Transportlisten umfaßten die 38 Transporte in den Lubliner Distrikt zusammen 39.899 Personen. |
| [714] | RF-1216. |
| [715] | CDJC, XXVI-29. |
| [716] | NG-183. |
| [717] | RF-1221. |
| [718] | Der 10. Transport fuhr am 24. Juli 1942 ab. |
| [719] | T-441. |
| [720] | RF-1233. |
| [721] | CJC, XXVb-126. Eine Fotokopie des Dokuments findet sich bei E. Aynat, aaO. (Anm. 706), S. 87. |
| [722] | T-444. |
| [723] | Die angeblich geschlossen ins Gas geführten Transporte vor dem 4. Juli 1942 sind eine reine Erfindung. Siehe dazu C. Mattogno, "Sonderbehandlung" ad Auschwitz, aaO. (Anm. 2), S. 42f. |
| [724] | CDJC, XXVI-61. |
| [725] | Pohl-Bericht an Himmler vom 16. September 1942 zum Thema: a) Rüstungsarbeiten. b) Bombenschäden. BAK, NS 19/14, S. 131-133. |
| [726] | Rapport des SS-Untersturmführers Horst Ahnert vom 1. September 1942. CDJC, XXVI-59. |
| [727] | Dov Weissmandel, Min-hammetsar, Emunah, New York 1960, Dokument 8 (außerhalb des Textes). Der Titel des Buchs (In Bedrängnis) entstammt dem Beginn von Psalm 118,5. |
| [728] | Ebenda, Dokument 23 (außerhalb des Textes). |
| [729] | Serge Klarsfeld und Maxime Steinberg, Mémorial de la déportation des Juifs de Belgique, The Beate Klarsfeld Foundation, New York 1994, S. 42-45. |
| [730] | Irena ist ein Vorort von Dęblin. |
| [731] | Maria Tyszkowa, »Eksterminacja Żydów w latach 1941-1943. Dokumenty Biura Informacji i Propagandy KG AK w zbiorach oddzialu rękopisów BUW«, in: Biuletyn Żydowskiego Instytutu Historycznego w Polsce, Nr. 4 (1964), 1992, S. 49. |
| [732] | T-544. |
| [733] | Faschismus - Getto - Massenmord, aaO. (Anm. 286), S. 368. |
| [734] | PS-212. IMG, Bd. XXV, S. 304. |
| [735] | Der Chef der Sicherheitspolizei und des SD. Ereignismeldung UdSSR Nr. 52 vom 14. August 1941. NO-4540. |
| [736] | Siehe Kapitel 6. |
| [737] | GARF, 7445-2-145, S. 52. |
| [738] | Israelitisches Wochenblatt für die Schweiz, Nr. 42, 16. Oktober 1942, S. 10f. |
| [739] | Actes et documents du Saint Siège relatifs à la seconde guerre mondiale. Le Saint Siège et les victimes de la guerre. Janvier 1941-Décembre 1942, Libreria Editrice Vaticana, Vatikanstadt 1975, Bd. 8, S. 542f. |
| [740] | Vom November 1941 bis zum Januar 1942. |
| [741] | Bradley F. Smith und Agnes Peterson (Hg.), Heinrich Himmler. Geheimreden 1933 bis 1943, Propyläen Verlag, Frankfurt/M. 1974, S. 200. |
| [742] | Ebenda, S. 201. Vollständiger Text: PS 22-33, IMG, Bd. XXIX, S. 620. |
| [743] | Ebenda, S. 201. |
| [744] | Actes et Documents..., aaO. (Anm.739), Bd. 8, S. 610. |
| [745] | Radrennstadion. |
| [746] | URSS 1A. |
| [747] | R. Hilberg behauptet, die Juden von Kislovodsk seien nicht überstellt, sondern erschossen worden (aaO. (Anm. 17), S. 1314). Er beruft sich aber auf eine äußerst anrüchige Quelle, nämlich das Schwarzbuch von I. Ehrenburg und V. Grossman (aaO., Anm. 23, Fußnote 38 auf S. 1323). In diesem Buch, in dem die Propaganda die Wahrheit um das vielfache überwiegt, wird das angebliche Massaker von einem vorgeblichen Augenzeugen erwähnt, dem jüdischen Journalisten Moissei Samoilowitsch Evenson, dessen Aussagen von einem anderen Journalisten, einem Viktor Chklovski, notiert worden sein sollen (I. Ehrenburg, V. Grossman, Le Livre Noir, aaO. (Anm. 23), S. 460f.) Die sowjetische Kommission zur Untersuchung der deutschen Verbrechen im Stavrolgebiet behauptete, am 9. September 1942 seien 2.000 Juden vom Bahnhof Kislovodsk abgefahren, doch der Zug habe in einer nahen Ortschaft angehalten, und die Juden seien in einem Panzergraben erschossen worden. Später habe man im gleichen Graben Tausende von Juden aus Essentuki erschossen. Am 10. Juli 1943 seien 6300 Leichen dort aufgefunden worden. (GARF, 7445-2-93, S. 31f.) Doch hat dieser sensationelle Fund keinerlei dokumentarischen Spuren hinterlassen, und der angebliche Massenmord wird in keiner der Einsatzgruppenmeldungen erwähnt. In dem von Helmut Krausnick und Hans-Heinrich Wilhelm verfaßten Standardwerk (aaO., Anm. 655) taucht der Name der Stadt Kislowodsk nur einmal auf (S. 202), und auch dort nicht im Zusammenhang mit einer Judenerschießung. |
| [748] | Abgelichtet in: La presse antiraciste sous l'occupation hitlérienne. Vorwort von A. Raisky, Paris 1950, S. 179. Wir sind Jean-Marie Boisdefeu für die Zustellung einer Photokopie dieser Seite zu Dank verpflichtet. |
| [749] | J. Kermisz, aaO. (Anm. 680), S. 35 und 39. |
| [750] | Faschismus - Getto - Massenmord, aaO. (Anm. 286), S. 438. |
| [751] | J. Kermisz, aaO. (Anm. 680), S. 438. |
| [752] | Fotokopie des Dokuments bei: Thomas (Tovi) Blatt: Sobibor. The Forgotten Revolt. A Survivor's Report. H.E.P., Issaquah, 1998, Dokumentation ohne Seitennumerierung. Vgl. auch Pohls Brief an Himmler vom 15. Juli und die Antwort des Büros des Reichsführers-SS vom 24. Juli 1943, beide zum Thema "Durchgangslager Sobibór". |
| [753] | Het Nederlandsche Roode Kruis. Afwikkelingsbureau Concentratiecampen. Sobibór. ROD, c[23.62.]09, S. 1. |
| [754] | Het Nederlandsche Roode Kruis. Afwikkelingsbureau Concentratiekampen. Sobibór. S-Gravenhage, 11.4. 1945. Verklaring 49, S. 10. ROD, c[23.62.]09. |
| [755] | Ebenda, Verklaring 134, S. 13f. |
| [756] | Ebenda, Verklaring 177, S. 15. |
| [757] | Ebenda, Verklaring 178, S. 16. |
| [758] | Ebenda, Verklaring 180, S. 17. |
| [759] | Ebenda, Verklaring 186, S. 18. |
| [760] | Ebenda, Verklaring 188, S. 19. |
| [761] | Ebenda, Verklaring 192, S. 20. |
| [762] | Jules Schelvis, Vernichtungslager Sobibor, Metropol Verlag, Berlin 1998, S. 137. |
| [763] | Ebenda, S. 140. |
| [764] | Edward Dziadosz, Józef Marszałek, »Więzienia i obozy w dystrykcie lubelskim w latach 1939-1944«, in: Zeszyty Majdanka, III, 1969, S. 109-120. |
| [765] | J. Schelvis, aaO. (Anm. 762), S. 160. |
| [766] | »Erfahrungsbericht« des Transportführers Josef Frischmann. Publiziert in ebenda, S. 70f. |
| [767] | C. Gerlach, aaO. (Anm. 415), S. 761. |
| [768] | Ebenda, S. 762. |
| [769] | Ebenda, S. 763. |
| [770] | Jean-Marie Boisdefeu, La controverse sur l'extermination des Juifs par les Allemands, Tome 2: Réalités de la "solution finale", Vrij Historisch Onderzoek, Antwerpen 1996, S. 65-71; Jean-Marie Boisdefeu, La Controverse sur l'extermination des Juifs par les Allemands. Corrigenda et addenda, Vrij Historisch Onderzoek, Antwerpen 1998, S. 10-18. |
| [771] | IMG, Bd. VI, S. 326. |
| [772] | Dr. Guérin, Rawa Ruska, Editions Oris, Paris 1945, S. 13. |
| [773] | Protokoll der sowjetischen Untersuchungskommission zu Rawa Ruska vom 26.-30. September 1944. GARF, 7021-67-78, S. 138f. |
| [774] | Siehe Listen in Anm. 794 und 795, S. 332f. |
| [775] | P. Friedman, Roads to Extinction. Essays on the Holocaust, The Jewish Publication Society of America, New York und Philadelphia 1980, S. 305. |
| [776] | I. Ehrenburg, V. Grossman, Le livre noir, aaO. (Anm. 23), S. 213. |
| [777] | Ereignismeldung UdSSR Nr. 14 vom 6. Juli 1941. PGVA, 500-2-229, S. 5f. |
| [778] | Ereignismeldung UdSSR Nr. 28 vom 20 Juli 1942. PGVA500-2-229, S. 113f. |
| [779] | Tätigkeits- und Lagebericht Nr. 6 der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD in der UdSSR (Berichtszeit vom 1. - 31.10.1941). RGVA, 500-1-25/1, S. 151. |
| [780] | RGVA, 1323-2-292b, S. 158-158a. |
| [781] | »Bekanntmachung. Betrifft: Arbeitszwang für die jüdische Bevölkerung im Distrikt Galizien«. Fotokopie des Dokuments in: Faschismus - Getto - Massenmord, aaO. (Anm. 286), S. 228. |
| [782] | »Besprechung über die Bildung eines jüdischen Wohnbezirks in der Stadt Lemberg, unter dem Vorsitz des Gouverneurs«. Lemberg, 6. November 1941, DAL, R 35-2-155, S. 33-36. |
| [783] | Tatiana Berenstein, »Eksterminacja ludności żydowskiej w dystrykcie Galicja (1941-1943)«, in: Biuletyn Żydowskiego Instytutu Historycznego w Polsce, Nr. 61, 1967, S. 17. |
| [784] | »Mitteilungen des Judenrats in Lemberg für die Jüdische Gemeinde, Nr. 1. Jänner 1942«, S. 6. DAL, R 35-12-5-, S. 5. |
| [785] | »Fleckfiebergefahr in Lemberg gebannt. Neue Entwesungsanstalt - Täglich werden 1500 Personen durchgeschleust«, in: Lemberger Zeitung, 9. Juli 1942, S. 5. |
| [786] | Aleksander Krugłow, »Deportacja ludności żydowskiej z dystryktu Galicja do obozu zagłady w Bełżcu w 1942 r.«, in: Biuletyn Żydowskiego Instytutu Historycznego w Polsce, Nr. 3 (151), 1989, S. 107. |
| [787] | L-018. IMG, Bd. XXXVII, S. 398. |
| [788] | IMG, Bd. XXXVII, S. 401. |
| [789] | T. Sandkühler, aaO. (Anm. 650), S. 460. |
| [790] | L-018. IMG, Bd. XXXVII, S. 393f. |
| [791] | RGVA, 1323-2-292b, S. 29. |
| [792] | A. Krugłow, aaO. (Anm. 786), S. 106, spricht für den 28. Oktober 1942 von 2500 nach Bełżec Deportierten, während sich Y. Arad mit »Hunderten« zufrieden gibt, aaO. (Anm. 71), S. 385. |
| [793] | DAL, R-35-12-42, S. 70. |
| [794] | Verordnungsblatt für das Generalgouvernement. Ausgegeben zu Krakau, den 1. November 1942. Nr. 94, S. 665: a) im Distrikt Warschau in: Warschau-Stadt (Ghetto), Kaluszyn (Kreishauptmannschaft Minsk), Sobolew (Kreishauptmannschaft Garwolin), Kossów (Kreishauptmannschaft Sokolow), Rembertów (Kreishauptmannschaft Warschau-Land), Siedlce (Kreishauptmannschaft Siedlce); b) im Distrikt Lublin in: Łuków, Parczew und Międzyrzec (Kreishauptmannschaft Radzyń), Włodawa (Kreishauptmannschaft Cholm), Końskowola (Kreishauptmannschaft Pulawy), Piaski (Kreishauptmannschaft Lublin-Land), Zaklików (Kreishauptmannschaft Kraśnik), Izbica (Kreishauptmannschaft Krasnystaw). |
| [795] | Verordnungsblatt für das Generalgouvernement. Ausgegeben zu Krakau, den 14. November 1942, Nr. 98, S. 683f.: a) im Distrikt Radom in: Sandomierz (Kreishauptmannschaft Opatow), Szydłowice (Kreishauptmannschaft Radom), Radomsko (Kreishauptmannschaft Radomsko), Ujazd (Kreishauptmannschaft Tomaszow); b) im Distrikt Krakau in: Przwmysl (Kreishauptmannschaft Przemysl), Reichshof (Kreishauptmannschaft Reichshof), Tarnow (Kreishauptmannschaft Tarnow), Bochnia (Kreishauptmannschaft Krakau-Land), Krakau-Stadt (Ghetto); c) im Distrikt Galizien in: Lemberg-Stadt (Ghetto), Bóbrka (Kreishauptmannschaft Lemberg-Land), Jaryczów Nowy (Kreishauptmannschaft Lemberg-Land), Gródek (Kreishauptmannschaft Lemberg-Land), Rudki (Kreishauptmannschaft Lemberg-Land), Jaworów (Lemberg-Land), Zloczów (Kreishauptmannschaft Lemberg-Land), Przemyślany (Kreishauptmannschaft Zloczów), Brody (Kreishauptmannschaft Zloczów), Rawa-Ruska (Ghetto), Kreishauptmannschaft Rawa-Ruska, Lubaczów (Kreishauptmannschaft Rawa-Ruska), Busk (Kreishauptmannschaft Kamionka-Strumilowa), Sokal (Kreishauptmannschaft Kamionka-Strumilowa), Brzeżany (Ghetto), Kreishauptmannschaft Brzeżany, Bukaczowce (Kreishauptmannschaft Brzeżany), Podhajce (Kreishauptmannschaft Brzeżany), Rohatyn (Kreishauptmannschaft Brzeżany), Tarnopol (Kreishauptmannschaft Tarnopol), Skałat (KreishauptmannschaftTarnopol), Trembowla (Kreishauptmannschaft Tarnopol), Zborów (Kreishauptmannschaft Tarnopol), Zbaraż (KreishauptmannschaftTarnopol), Czortków (Ghetto) Kreishauptmannschaft Czortków, Buczacz (Kreishauptmannschaft Czortków), Borszczów (Kreishauptmannschaft Czortków), Kopyczyńce (Kreishauptmannschaft Czortków), Tłuste-Stadt (Kreishauptmannschaft Czortków), Stanislau-Stadt (Ghetto) Kreishauptmannschaft Stanislau Stryj-Stadt (Kreishauptmannschaft Stryj), Drohobycz (Ghetto) Kreishauptmannschaft Drohobycz, Borysław (Ghetto) Kreishauptmannschaft Drohobycz, Sambor (Ghetto) Kreishauptmannschaft Sambor. |
| [796] | NO-5194, S. 11. |
| [797] | Eugene M. Kulischer, The Displacement of Population in Europe. Published by the International Labour Office, Montreal 1943. |
| [798] | Ebenda, S. 5: The American Friends Service, Philadelphia, Pennsylvania; the American Nation Red Cross, Washington; the American Jewish Joint Distribution Committee, New York; the American Jewish Committee Research Institute on Peace and Post-War Problems, New York; the Belgian Information Centre, New York; the Board of Economic Warfare, Washington; the Central and Eastern European Planning Board, New York; the Czechoslovak Information Service, New York; the United States Department of Commerce, Washington; the Finnish Legation, Washington; the French Information Centre, New York; the French National Committee, Delegation to the United States, New York; the Greek Office of Information, Washington; the Hias-Ica Emigration Association (Hicem), New York; the International Red Cross, Washington; the Institute of Jewish Affairs, New York; the Latvian Legation, Washington; the Lithuanian Consulate-General, New York; the Office of Population Research, Princeton, New York; the ORT Economic Research Committee, New York; the Polish Information Centre, New York; the Turkish Embassy, Washington; the Young Men's Christian Association, New York, the Royal Yugoslav Government Information Centre, New York. |
| [799] | Ebenda, S. 95. |
| [800] | Gleich darauf spricht Kulischer von »wirtschaftlicher Ausrottung«, was beweist, daß er unter »Ausrottung« nicht physische Liquidierung, sondern Entmachtung versteht. |
| [801] | Ebenda, S. 96. |
| [802] | Peter Witte, aaO. (Anm. 549), S. 43-46. |
| [803] | Eugene Kulischer, aaO. (Anm. 797), S. 101. |
| [804] | Ebenda, S. 102. |
| [805] | Ebenda. Kulischer überschätzt die Anzahl der bis Sommer 1943 aus Frankreich deportierten Juden, indem er von 70.000 spricht, während die tatsächliche Zahl rund 54.000 betrug. (Serge Klarsfeld, Mémorial de la Déportation des Juifs de France, Paris 1978.) |
| [806] | Ebenda, S. 104. |
| [807] | Ebenda, S. 106. |
| [808] | Ebenda, S. 107. |
| [809] | Ebenda, S. 107f. |
| [810] | Ebenda, S. 110. |
| [811] | Kulischer nennt als Beispiel die Deportation von 200 Juden aus dem ukrainischen Poltava nach Wien. Ebenda, S. 110, Anmerkung 1. |
| [812] | Ebenda, S. 113. |