• Augenzeugenbericht Nr. 13: Alter Feinsilber alias Stanislaw Jankowski alias Kaskowiak alias Alter Szmul Fajnzylberg.

    Wenden wir uns nun jenen Sonderkommandoleuten zu, welche den Krieg überlebten und Zeugnis von ihren Erlebnissen ablegten. Einige dieser Männer sagten bereits im Jahre 1945 aus, darunter als erster Alter Feinsilber, der im April jenes Jahres vor der Kommission zur Untersuchung der Naziverbrechen in Krakau auftrat. Feinsilber nannte sich zeitweise Stanislaw Jankowski oder Kaskowiak. im September 1980 gab er in Paris zuhanden des Anwalts Pierre Attal eine schriftliche Erklärung ab, dieses Mal unter dem Namen Alter Szmul Fajnzylberg. Ebenso wie seinen Namen scheint er auch sein Geburtsdatum gelegentlich geändert zu haben; nach seiner Krakauer Aussage wurde er am 23. Oktober 1910, nach seiner Pariser Erklärung am 23. Oktober 1911 geboren.

    Feinsilber alias Jankowski alias Kaskowiak alias Fajnzylberg war bereits als Halbwüchsiger in seiner polnischen Heimat der KP beigetreten, was ihm zwei Jahre Haft einbrachte. Nach einem Intermezzo in Spanien, wo er der linken Seite zunächst als Soldat und dann als als politischer Delegat diente, wurde er in Frankreich in mehreren Lagern interniert, konnte aber flüchten. Ende 1941 oder Anfang 1942 wurde er abermals verhaftet und via das Transitlager Drancy nach Auschwitz gesandt, wo er am 27. März 1942 angelangte. Später wurde er zum Sonderkornmando eingeteilt. Hier zunächst einige längere Ausschnitte aus seiner Krakauer Erklärung (1):

    Das Krematorium in Auschwitz war ein Parterrebau (von 50 m Länge und 12 bis 15 m Breite), in dem sich fünf kleine Säle und ein grosser dunkler Raum von 30 x 5 m befanden. Dieser grosse Saal hatte keine Fenster, er besass nur zwei Klappen in der Decke und elektrisches Licht sowie eine Eingangstür vom Korridor aus und eine zweite, die zu den Öfen führte. Dieser Saal hiess Leichenhalle. Er diente zur Aufbewahrung von Leichen und gleichzeitig nahm man dort sogenannte «rozwalka», d. h. Erschiessungen von Häftlingen vor. Direkt an diesen Saal grenzte ein zweiter, in dem sich die Öfen zum Verbrennen der Leichen befanden. Es waren drei Öfen, in jedem befanden sich je zwei Öffnungen. In einer dieser Öffnungen konnten 12 Leichen Platz finden, jedoch legte man nicht mehr als 5 hinein, da diese Zahl schneller verbrannte. Die Leichen brachte man auf besonderen Wagen zu den Öfen, die nach dem Hineinschütten der Leichen vom Ofen weggeschoben wurden. Die Leichen lagen auf Rosten, unter denen Koks brannte (...) Die Leichen wurden aus derAmbulanz in Block 19 geliefert, von wo sie auf besonderen, von Menschen gezogenen Wagen hergebracht und im Leichensaal aufgestapelt wurden, von wo wir sie in die Öfen warfen. Ausserdem fand 2 bis 3 Mal wöchentlich in diesem Leichensaal eine Erschiessung statt, d. h. man brachte eine grössere oder kleinere Gruppe höchstens 250 Personen (verschiedenen Geschlechts und Alters), die nach vorherigem Entkleiden erschossen wurden (...) Mit eigenen Ohren habe ich gehört, wie die Erschossenen schrien, dass sie unschuldig seien, ich hörte die Schreie von Kindern (...) Jede Stunde trugen wir 30 Menschenleichen hinaus. Quackernack stand mit der Waffe in der Hand, blutbespritzt und bluttriefend (...) Ich erkläre, dass es damals, es war Ende 1942, in Auschwitz noch keine Gaskammern gab. Das einzige mir bekannte Vergasen aus jener Zeit fand im November oder Dezember 1942 statt.

    Damals wurden etwas mehr als 390 Personen, nur Juden verschiedener Nationalität, die im Sonderkommando Birkenau beschäftigt waren, vergast. Diese Vergasung nahm man damals in der Leichenhalle vor. Ich hörte von Leuten, die im Krematorium beschäftigt waren, dass noch vor dieser Vergasung einige Vergasungen in dieser selben Leichenhalle und anderen Räumen des Krematoriums stattgefunden hätten (...) Uns Juden befahl man aus der Leichenhalle in die Kokserei zu gehen, und als man uns nach einiger Zeit erlaubte, auf den Hof hinauszugehen, fanden wir nurmehr die Kleidung dieser Häftlinge vor. Daraufhin hiess man uns in die Leichenhalle gehen, wo wir die Leichen fanden. Nach dem Aufschreiben der Nummern dieser vergasten Häftlinge mussten wir ihre Leichen zu den Krematoriumsöfen bringen. Bei dieser Arbeit waren wir zwei Tage lang beschäftigt (...)

    Über die Gaskammern von Birkenau berichtet Feinsilber (2):

    Ich wurde zusammen mit dem ganzen Heizerkommando, bestehend aus sechs Juden und zwei Polen, im Juli 1943 nach Birkenau überstellt und beim Krematorium V beschäftigt. Mietek war Capo im Krematorium IV In Birkenau bestanden schon damals vier Krematorien. Krematorium II und III mit je 15 Öfen und einem täglichen Fassungsvermögen von 5000 Leichen sowie die Krematorien IV und V mit je 8 Öfen, die zusammen täglich ungefähr 3000 Leichen verbrannten. In diesen vier Krematorien konnte man zusammen etwa 8000 Leichen täglich verbrennen (...) In jener Zeit [es ist unklar, welche Zeit Feinsilber meint] kamen auch Transporte mit griechischen Juden (ungefähr 50'000), französische (alle zwei Wochen ein Transport von etwa 1000 Personen aus dem berüchtigten Lager in Frankreich [Feinsilber meint wohl Drancy], Belgier, Holländer (etwa 15'000), Deutsche (ungefähr20'000), Italiener und grosse Transporte slowakischer und polnischer Juden. Ich erinnere mich, wie nur in einer Woche 35'000 Juden aus Katowice, Bedzin und Sosnowiec ins Gas gingen. Es wurden auch Juden aus Krakow vergast. Die Juden aus Theresienstadt gingen nicht direkt ins Gas. Sie wurden anfänglich im jüdischen Familienlager untergebracht und genau sechs Monate nach ihrer Ankunft im Lager vergast (...) Die Zahl der Verbrannten nicht registrierten beträgt einige Millionen (...) Irgendwann im Juli 1944 kam der erste Transport aus Ungarn. Dies war auch der erste Transport, der waggonweise direkt bis an die Krematorien gefahren wurden, nachdem man zu diesem Zweck ein besonderes Anschlussgeleis gebaut hatte. Die Ausladerampe befand sich gegenüber von Krematorium II und III, ungefähr auf halbem Wege vor dem Eingang ins Frauenlager, zwischen Lager C und D. In jener Zeit wurden in Birkenau durchschnittlich 18'000 Ungarn täglich ermordet (...) Die Regel war, dass die Gaskammern erst für Gruppen von über 200 Personen angewandt wurden, da es für eine kleinere Menschenmenge nicht lohnte, sie in Betrieb zu setzen. Es kam vor, dass sich beim Erschiessen an den Gruben etliche Häftlinge wehrten, oder Kinder weinten, und dann warf Oberscharführer Moll diese Menschen lebend ins Feuer der Gruben. Mit eigenen Augen sah ich folgende Szene: Moll befahl einer nackten Frau, sich auf die Leichen bei einer Grube zu setzen, er selbst schoss auf die Häftlinge und stiess sie in die Feuergrube, und jener Frau befahl er zu springen und zu singen (...) Ein anderes Mal fand Moll bei einem Jungen unserer Gruppe einige Ringe und eine Uhr. Er hielt diesen Knaben im Krematorium zurück; sie setzten ihn in den Ofen und brannten ihn mit Zigaretten an, dann zogen sie ihn aus dem Ofen, hängten ihn an den Händen auf, folterten und verhörten ihn, um zu erfahren, woher er die gefundenen Sachen hatte. Dann begossen sie ihn bis an den Gürtel mit Benzin und zündeten ihn an, worauf sie ihn in Richtung der Drähte davonlaufen liessen. Dort erschossen sie ihn. Im Zusammenhang mit der vermehrten Arbeit in den Krematorien wurde bei Beginn der ungarischen Transporte unsere Gruppe auf 900 Mann vergrössert. Diese Gruppe, die anfangs - wie ich schon sagte - aus ungefähr 400 Mann bestand, verringerte sich dann, da Anfang 1944 200 ihrer Häftlinge nach Majdanek geschickt worden waren. Dies hing mit der übrigens nicht gelungenen Flucht eines ihrer Häftlinge zusammen. Dieser Häftling wurde zusammen mit vier anderen in einer Entfernung von 7 km vom Lager erschossen, und als Strafe wählte man 200 Häftlinge aus, denen man erklärte, dass sie als Spezialisten zur Bedienung der Krematorien nach Majdanek führen. Es zeigte sich jedoch, dass diese Leute nach ihrer Ankunft in Majdanek erschossen und dann verbrannt wurden. Am Anfang des Jahres 1944 kam aus Majdanek ein Transport von 300 polnischen Jüdinnen und 19 sowjetischen Kriegsgefangenen sowie einem deutschen Häftling, der Capo in Majdanek war. Die Männer wurden im Block 13, Im Sonderkommando untergebracht, wo sie zur Arbeit im Krematorium bestimmt wurden. Jene 300 Frauen jedoch hielt man 3 Tage lang in der Sauna, d. h. im Bad zurück, danach führte man sie zum Krematorium, wo sie in der Nacht erschossen und verbrannt wurden (...) Wenn es vorkam, dass in diesem Lager ein Kind geboren wurde, so nahm man es mit ins Krematorium, dort warf man es wie einen Stein in den Saal und erschoss es (...) Auf dem Terrain von Birkenau, dicht beim Krematorium, habe ich in die Erde einen Photoapparat, einen Rest von Gas in einer Metallbüchse sowie Eintragungen in jüdischer Sprache, die den Zahlenstand der zum Vergasen eintreffenden Transporte betreffen, eingegraben. An den Ort, an dem sich diese Gegenstände befinden, erinnere ich mich und ich kann sie jederzeit zeigen. Sollte zufällig die Kommission sie selbst entdeckt haben, so erteile ich natürlich mein Einverständnis, sie zu behalten und den entsprechenden Gebrauch davon zu machen, da diese Eintragungen zum Gedenken der Nachwelt gemacht wurden da wir keine Hoffnung hatten, die Freiheit wiederzusehen.

    Fünfunddreissig Jahre später präzisierte unser Autor, der sich nun Alter Szmul Fajnzylberg nannte, einige seiner Aussagen in einer in Paris abgegebenen Erklärung, die bei einem Prozess gegen den «Gaskammerleugner» Robert Faurisson Verwendung fand (Fajnzylberg hatte es abgelehnt, persönlich zum Prozess zu erscheinen). Der Text ist bei Pressac wiedergegeben; hier Auszüge (3):

    Während meiner Haft in AUSCHWITZ wohnte ich Massenhinrichtungen bei. Die SS-Leute massakrierten Menschen zu Hunderten mit MP-Salven im grossen Saal des Krematoriums, der 30 m lang und 5 m breit war und von der SS «Leichenhalle» genannt wurde. Bevor sie ihre Opfer in den Hof des Krematoriums trieben, schlossen die SS-Männer die neun Juden des Sonderkommandos in der danebenliegenden Kokerei ein. Wir hörten dort die Schüsse sowie die Schreie der Opfer. Dann liess man uns heraus und hiess uns die blutigen und noch warmen Leichen zum Ofen tragen. In AUSCHWITZ wohnte ich zum ersten Mal einer Vergasung bei,- sie fand in der «Leichenhalle» statt. Diese wies keine Fenster, wohl aber Ventilatoren an der Decke auf. Die beiden dicken Holztüren der Halle, von denen die eine an der Längsseite und die andere an der Breitseite angebracht war, hatte man abgedichtet, die Belichtung war elektrisch. Bei den Opfern dieser Vergasung handelte es sich um rund 400 Juden, welche man aus Birkenau herbeigeschafft hatte. Die Sonderkommandoleute, zu denen auch ich gehörte, sahen sie in den Hof treten, während wir in der Kokerei eingesperrt waren. Als die Sonderkommandoleute diese verliessen, sahen sie - auch ich - lediglich noch ihre Kleider im Hof. Dreissig Minuten später befahl man dem Sonderkommando, ihre sterblichen Überreste zum Ofen zu schaffen, der etwa fünf Meter von der Tür der Leichenhalle in einem abgetrennten Raum lag.

    In BIRKENAU, wo ich ab Juli 1943 war, wurde ich Augenzeuge einer grossen Zahl von Vergasungen, die mehrfach wöchentlich stattfanden. Im Jahre 1944, als Züge mit mehreren hunderttausend ungarischen Juden ankamen, fanden die Vergasungen jeden Tag, ja mehrfach täglich statt. In BIRKENAU sperrte man das Sonderkommando beim Eintreffen der Opfer und bei deren Eintreten in die Gaskammer ein. Dieses Verfahren wurde aber nicht immer angewendet. So konnte ich als Sonderkommandomitglied einmal sehen, wie ein SS-Mann das Gas einführte; er schüttete den Inhalt einer schwarzen, runden, ungefähr 10 bis 12 cm Durchmesser aufweisenden und etwa 25 cm hohen Büchse in eine Art Kaminchen oder Rohr, das einige Dutzend [französisch: quelques dizaines] Zentimeter aus dem Gaskammerdach herausragte. Der SS-Mann trug eine Maske. Er schloss die Öffnung, durch welche er den Büchseninhalt geschüttet hatte, unverzüglich. Das Sonderkommando begann mit dem Herausziehen der Leichen aus der Gaskammer fünfzehn oder zwanzig Minuten, nachdem der SS-Mann den Inhalt der Büchse eingeschüttet hatte. Die Gaskammertüren wurden geöffnet. Man reinigte die Luft drinnen mit einer Ventilation. Wenn man die nahe bei der Tür liegenden Leichen herauszuziehen begann, empfand man keinerlei Übelkeit. Arbeitete man in der Mitte der Kammer, so verspürte man bisweilen ein leichtes Tränenfliessen.

    Ich möchte folgende Ergänzungen anbringen:

    Ich sah Sonderkommandoleute aus den Mündern der Leichen Goldzähne und -prothesen ziehen. Nachdem man die Leichen fortgeschafft hatte, brachte ein Wagen die Kleider und alles, was aus «Gold» bestand, weg.


    Anmerkungen zur Zeugenaussage

    1) Hefte von Auschwitz, Sonderheft 1, Handschriften von Mitgliedern des Sonderkommandos, Verlag Staatliches Auschwitz-Museum, 1972, S. 42 ff.
    2) ibidem, S. 49 ff.
    3) Pressac, S. 124/125.


  • Kritik

    Feinsilber hat sich länger in Auschwitz aufgehalten als die meisten anderen Augenzeugen, wurde er doch bereits im März 1942 eingeliefert. Folglich musste er, zumal er schon bald zum Sonderkommando eingeteilt wurde, besonders gut über die Verhältnisse im Lager Bescheid wissen und ist demnach einer der allerwichtigsten Gewährsleute. Im Gegensatz zu den vorher zitierten Autoren schildert Feinsilber den Vernichtungsprozess relativ ausführlich. Nehmen wir seine Aussagen nun unter die Lupe:

    1) Feinsilber gibt die Länge des K I, also des alten Krematoriums im Stammlager, mit 50 m an; die wirklichen Masse des Gebäudes betrugen 27,30 x 15 m (Anmerkungen der Herausgeber des Sonderheft 1 der Hefte von Auschwitz, in dem Feinsilbers Bericht zitiert wird; S. 42).

    2) Entsprechend sind auch die Dimensionen des «grossen Raums», d. h. der «Gaskammer» (laut Feinsilber 30 x 5 m) übertrieben.

    3) Wie jeder Besucher des - angeblich im Originalzustand befindlichen - Krematoriums weiss, hatte die «Gaskammer» sehr wohl ein Fenster.

    4) Feinsilber spricht von «zwei Klappen in der Decke», womit fraglos die Zyklon-Einwurfstutzen gemeint sind. Nun sieht der Besucher aber heute vier solcher Einwurfstutzen. Germar Rudolf hat diese einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Er schreibt: «Nach dem Krieg soll das Dach mit Dachpappe neu gedeckt worden sein, wodurch die Spuren der Zyklon-B-Löcher sowie der Lüftungslöcher der ‹Gaskammer› verdeckt worden sein sollen. Der erneute Einbau von vier versetzt angeordneten Zyklon-B-Einwurfstutzen durch das polnische Auschwitz-Museum nach dem Krieg soll daher nicht an der usprünglichen Stelle erfolgt sein. Diese Argumentation Pressacs verwundert, da die Betondecke innen unverputzt und unverkleidet ist. Man hätte also von innen die Lage der originalen, nun eventuell verschlossenen Löcher feststellen und diese neu durchbrechen können. Wie die Museumsverwaltung den Besuchern auf Nachfrage bestätigt, wurden nach dem Krieg auch die 2 Kremierungsöfen im Kremierungsraum und der aussen stehende Kamin ohne funktionellen Zusammenhang aus musealen Gründen an den Stellen der ehemals dort befindlichen Anlagen errichtet. Man kann unwidersprochen feststellen, dass Decke, Aussenmauern und Pfeiler sowie das Fundament des Gebäudes im ursprünglichen Zustand sind. Wären in der Stahlbetondecke Öffnungen zum Einbau von Einwurfstutzen und Lüftungsanlagen vorhanden gewesen, so müssten an der von innen unverputzten Decke an entsprechender Stelle Verletzungen der Betonstruktur sichtbar sein, da diese nicht rückgängig gemacht werden können, ohne bleibend sichtbare Spuren zu hinterlassen. Neben den heutigen Einwurfstutzen gibt es in der Decke jedoch keine Anzeichen weiterer ehemaliger Öffnungen! Es gab also die behaupteten Durchbrüche an anderer Stelle nicht! Die heute sichtbaren Betondurchbrüche sind weder verputzt, noch sind die Überreste der abgeschnittenen Bewehrungseisen korrekt entfernt worden. Die Löcher sind behelfsmässig mit Holz verschalt und mit Teer abgedichtet. Eine solch unsaubere Arbeit entspricht weder der beim Umgang mit Giftgas gebotenen Sorgsamkeit noch deutscher Baufacharbeit. Hätte die SS seinerzeit diese Betondurchbrüche angefertigt (andere waren nie vorhanden!), so sollte zudem eine gleichmässige Verteilung der 4 Stutzen in der Decke des ursprünglichen (!) Leichenkellers zwecks gleichmässiger Verteilung des Zyklon B im Raum angenommen werden. Die heutigen Stutzen sind aber nur dann gleichmässig an der Raumdecke verteilt, wenn man den erst nach dem Krieg in diesen Raum einbezogenen Waschraum als Bestandteil des Leichenkellers «Gaskammer» betrachtet.» (Rudolf, S. 18/19).

    5) Vollkommen irrsinnig ist die Behauptung Feinsilbers, man habe pro Ofenöffnung 12 Leichen gleichzeitig verbrennen können und in der Praxis jeweils 5 Leichen zugleich eingeäschert. Zu der - bereits früher aufgeworfenen - Frage, ob man in einer Ofenmuffel zwei oder mehr Leichen zur gleichen Zeit kremieren könne, schreibt Diplomingenieur Arnulf Neumeier: «Vermutlich wäre es möglich gewesen, zwei kleinere Leichen gleichzeitig in eine Muffel einzuführen. Vorteile hätten sich keine ergeben, wohl eher Nachteile, weil der Rost im freien Querschnitt durch zwei Leichen zu sehr eingeengt worden wäre und somit den Heissgasdurchsatz und die Leichenverbrennung selbst behindert hätte. Bei verringertem freiem Rostquerschnitt hätte die Durchzugsgeschwindigkeit der Gase zugenommen, der Wärmeaustausch zwischen Gasen und Leichen hingegen abgenommen. Diese Störung hätte zu einem erhöhten Brennstoffbedarf und einer längeren Verbrennungsdauer geführt» (private Mitteilung an den Verfasser, Dezember 1993). Soviel zur Verbrennung von zwei Leichen in einer Muffel, über die gleichzeitige Kremierung von drei, fünf oder zwölf Leichen in einer Muffel zu diskutieren, dürfte unter diesen Umständen Zeitverschwendung sein.

    6) Ungemein interessant ist Feinsilbers Aussage, die Leichenhalle des K 1 sei nur einmal, Ende 42, zu einer Vergasungsaktion verwendet worden; ansonsten habe man die Massenmorde dort durch Erschiessen begangen. Dies steht zwar im Widerspruch zur offiziellen Literatur - die Leichenhalle wird einhellig als «Gaskammer» bezeichnet; laut Pressac wurden dort rund 10'000 Menschen vergast (1989, S. 132) -, wäre aber an sich logischer gewesen: Wieso sollte man Menschen, die man töten wollte, mit einem gefährlichen, kompliziert zu handhabenden Gas umbringen, wenn man sie doch einfach erschiessen konnte?

    7) Bei der Vergasungsaktion wurde Feinsilber mit den anderen Sonderkommandoleuten in die Kokshalle gesperrt, so dass der Massenmord vor ihnen verborgen blieb. Aber das Ergebnis des Massenmordes, die Leichen, durften sie sehen und in die Öfen befördern?

    8) Die Kapazität der Krematorien von Birkenau, die Feinsilber angibt, ist fern jeder Realität. Da uns Carlo Mattognos Studie zu dieser Frage zum Zeitpunkt, wo wir diese Zeilen schreiben, noch nicht zur Verfügung steht, enthalten wir uns jeglicher Hypothesen über die Kapazitätsziffern und argumentieren wie folgt: Das hochmoderne, computerisierte Krematorium von Basel äschert pro Tag bis zu 23 Leichen pro Ofen ein, also praktisch eine Leiche stündlich (mündliche Auskunft des Krematoriumstechnikers). Wären die Birkenauer Krematorien so effizient gewesen wie das Basler Krematorium von 1993, und hätten sie stets störungsfrei funktioniert - beide Annahmen sind natürlich unrealistisch, - so hätte man in den 46 Öfen theoretisch 1058 Leichen täglich verbrennen können, also ein gutes Achtel (!) der von Feinsilber genannten Zahl.

    9) Die aus Theresienstadt eingetroffenen Juden wurden laut unserem Autor vor ihrer Ermordung sechs Monate lang im jüdischen Familienlager einquartiert. Wozu? Warum stellte man Menschen, die man umbringen wollte, noch sechs Monate lang Unterkunft und Essen zur Verfügung?

    10) Die ersten ungarischen Transporte trafen nach einhelliger Auskunft der Standardwerke nicht im Juli 1944, sondern bereits im Mai jenes Jahres ein (vgl. z. B. die Enzyklopädie des Holocaust, S. 1467).

    11) Wie bei so vielen anderen Augenzeugen tauchen auch bei Feinsilber die «Feuergruben» auf. Laut dem Bericht Elie Wiesels, dem wir uns später zuwenden wollen, wurden die Juden in solchen Feuergruben lebendig verbrannt (La Nuit). In der Standardliteratur wird behauptet, man habe bisweilen Tausende von Leichen täglich in Gruben eingeäschert, da die Kapazität der Krematorien nicht ausgereicht hätte. Wir haben die Frage bereits früher gestreift und gehen nun ausführlicher darauf ein. Die Verbrennungsgruben werden in den folgenden Zeugenaussagen noch und noch erwähnt.

    a) Die von alliierten Aufklärungsflugzeugen hergestellten Luftaufnahmen von Birkenau lassen keine solchen Gräben erkennen. Am wichtigsten ist im diesem Zusammenhang die Aufnahme vom 31. Mai 1944 (siehe Illustration 8 [hier nicht wiedergegeben. Vgl dazu John Balls Website]); sie fällt in eine Zeit, wo das Morden sein furchtbares Crescendo erreicht haben soll. b) Ein Verbrennen von Leichen in Gruben ist wegen der fehlenden Sauerstoffzufuhr nicht möglich. 1871 wurde versucht, die Leichen der in der Schlacht von Sedan gefallenen Soldaten in den Massengräbern zu verbrennen, indem man sie mit Teer übergoss und in Brand steckte, scheiterte; der einzige Effekt war die Verkohlung der oberen Leichenschicht (Dr. H. Fröhlich, Zur Gesundheitspflege auf den Schlachtfeldern, in: Deutsche militärärztliche Zeitschrift, 1, 1-4, 1872, S. 109/110, zitiert nach Carlo Mattognos unveröffentlichter Schrift Auschwitz: Fine di una leggenda (1993). c) Wegen des hohen Grundwasserpegels in Birkenau wären die «Feuergruben» mit Grundwasser vollgelaufen.

    12) Dass Moll einer Frau befahl, in die Feuergrube zu springen und dabei zu singen, entspricht der in der Holocaustliteratur recht oft auftretenden Wahnvorstellung von Follerungen und Hinrichtungen zum Klang von Musik. So schreibt Rachel Auerbach in The fields of Treblinka: «Um die Monotonie des Mordens zu verschönern, gründeten die Deutschen in Treblinka ein jüdisches Orchester ( ... ) Dieses erfüllte einen doppelten Zweck: Erstens übertönten seine Klänge soweit wie möglich das Schreien und Wimmern der zu den Gaskammern getriebenen Menschen, und zweitens sorgte es für musikalische Unterhaltung der Lagermannschaft, welche zwei musikliebende Nationen vertrat: Ukrainer und Deutsche.» (In: A. Donat, The death camp Treblinka, Holocaust Library, 1979, S. 44). Ähnliche Beispiele liessen sich haufenweise finden. Zweifellos würde ein Hebraist im Talmud literarische Vorbilder für dergleichen paranoide Zwangsvorstellungen aufstöbern können.

    13) Zur Feuerresistenz des Knaben, den die Folterknechte «in den Ofen setzten und mit Zigaretten anbrannten, dann aus dem Ofen zogen, an den Händen aufhängten», ehe sie ihn «bis an den Gürtel mit Benzin übergossen und anzündeten, worauf sie ihn in Richtung der Drähte davonlaufen hiessen», findet sich eine faszinierende Parallele aus biblischer Zeit: «Da wurde Nebukadnezar voll Grimm, und der Ausdruck seines Angesichts veränderte sich gegenüber Schadrach, Meschach und Abed-Nego, und er befahl, man sollte den Ofen siebenmal heisser machen, als man sonst zu tun pflegte. Und er befahl den besten Kriegsleuten, die in seinem Heer waren, Schadrach, Meschach und Abed-Nego zu binden und in den glühenden Ofen zu werfen ( ... ) Weil das Gebot des Königs so streng war, schürte man das Feuer im Ofen so sehr, dass die Männer, die Schadrach, Meschach und Abed-Nego hinaufbrachten, von den Feuerflammen getötet wurden. Aber die drei Männer Schadrach, Meschach und Abed-Nego fielen hinab in den glühenden Ofen, gebunden wie sie waren. Da entsetzte sich der König Nebukadnezar ( ... ) und sprach: «Ich sehe aber vier Männer frei im Feuer umhergehen, und sie sind unversehrt, und der vierte sieht aus, als wäre er ein Sohn der Götter.» Und Nebukadnezar trat vor die Tür des glühenden Ofens und sprach: «Schadrach, Meschach und Abed-Nego, ihr Knechte Gottes des Höchsten, tretet heraus und kommt her!» Da traten Schadrach, Meschach und Abed-Nego heraus aus dem Feuer. Und die Fürsten, Würdenträger, Statthalter und Räte des Königs kamen zusammen und sahen, dass das Feuer den Leibern dieser Männer nichts hatte anhaben können und ihr Haupthaar nicht versengt und ihre Mäntel nicht versehrt waren; ja, man konnte keinen Brand an ihnen riechen.» (Daniel 3,4). Auch zu den Männern, die von den Feuerflammen getötet wurden, als sie die drei Opfer in den Ofen stiessen, haben wir in der Holocaustliteratur eine Parallele entdeckt: «Ende Juli wurde die Hitze erstickend. Wenn man die Gräben Öffnete, wallte wie aus gigantischen Kesseln Dampf auf. Der furchtbare Gestank und die Hitze der Öfen töteten die ausgemergelten Leute; die brachen beim Herausziehen der Toten selbst tot zusammen und fielen auf die Ofenroste.» (Wassilij Grossmann, Die Hölle von Treblinka, Moskau 1946, zitiert nach Historische Tatsachen, Verlag für Volksturn und Zeitgeschichtsforschung, Vlotho/Weser, Nr. 44).

    14) Nach Feinsilber wurden 200 Sonderkommandoleute zur Ermordung von Auschwitz nach Majdanek gesandt; andererseits kamen 300 Jüdinnen zur Erschiessung von Majdanek nach Auschwitz. Warum diese unnützen Transporte von einem Todeslager zum anderen? Wieso tötete man die Opfer nicht an Ort und Stelle durch Erschiessen oder in den stets auf Hochtouren laufenden Gaskammern?

    14) Feinsilber schreibt, im Stammlager seien die Sonderkommandoleute eine halbe Stunde, in Birkenau gar nur 15 bis 20 Minuten nach dem Beginn der Vergasung in die Todeskammer gestürmt, um die Leichen hinauszuziehen. Dies ist ein Ding der Unmöglichkeit, weil die Zyklongranulate zu dieser Zeit erst einen kleinen Teil des Gifts abgegeben hätten; die Sonderkommandomitglieder wären rasch an Zyklonvergiftung gestorben (vgl. die Untersuchungen von Germar Rudolf über die Verdampfungsgeschwindigkeit des Zyklon, S. 58/59).


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