• Augenzeugenbericht Nr. 14: Szlama Dragon.

    Am 10. Mai 1945 sagte ein weiteres Sonderkommandomitglied, Szlama Dragon, vor der Kommission zur Untersuchung der Naziverbrechen aus. Dragon wurde am 19. März 1920 im polnischen Sierpce geboren. Er war von Beruf Schneider. Am 7. Dezember 1942 traf er als Häftling in Auschwitz ein; wenige Tage später wurde er dem Sonderkommando zugeteilt. Über seine dortige Arbeit berichtet Dragon folgendes (1):

    Man führte uns in einen Wald, wo eine gemauerte Hütte mit Strohdach stand; die Fenster waren gemauert. An der Tür zur Hütte war eine Blechtafel angebracht, auf der «Hochspannung - Lebensgefahr» - stand. 30 bis 40 in von dieser Hütte entfernt befanden sich zwei Holzbaracken. Auf der anderen Seite der Hütte gab es 4 Gruben, welche 30 in lang, 7 m breit und 3 in tief waren. Die Ränder dieser Gruben waren rauchgeschwärzt. Man liess uns vor dem Haus antreten. Moll traf ein und sagte uns, wir würden hier die alten und verlausten Leute verbrennen; man würde uns zu essen geben, und abends würden wir wieder ins Lager zurückgeführt. Wer nicht gehorche, fügte er hinzu, bekomme die Bastonade und werde den Hunden vorgeworfen. Die SS-Leute, die uns eskortierten, waren von Hunden begleitet. Dann teilte er uns in ein paar Gruppen ein. Ich selbst und elf andere waren, wie wir später erfahren sollten, dazu bestimmt worden, die Leichen aus dieser Hütte hinauszuschleppen. Man überreichte uns allen Gasmasken und führte uns zur Tür der Hütte. Nachdem Moll die Tür geöffnet hatte, stellten wir fest, dass die Hütte mit nackten Leichen von Menschen beiderlei Geschlechts und jeden Alters vollgestopft war. Moll erteilte uns den Befehl, diese Leichen aus der Hütte in den Hof vor der Tür zu tragen. Wir machten uns an die Arbeit, wobei wir jeweils zu viert eine Leiche schleppten. Dies erboste Moll; er krempelte die Ärmel hoch und schleuderte eine Leiche in den Hof. Als wir ihm trotz dieser Demonstration sagten, wir könnten es ihm nicht gleichtun, gestattete er uns, die Leichen zu zweit zu tragen. Als die Leichen im Hof niedergelegt worden waren, riss ihnen der Dentist mit Hilfe eines SS-Manns die Zähne aus, und der Friseur schnitt ihnen - ebenfalls unter den wachsamen Augen eines SS-Manns - die Haare. Eine andere Gruppe lud die Leichen auf kleine Wagen. Diese kursierten auf Schienen, die zum Rand der Gruben führten. Diese Schienen liefen zwischen zwei Gruben hindurch. Eine weitere Gruppe bereitete die Grube so vor, dass man die Leichen dort verbrennen konnte. Zunächst legte man grosse Scheite auf den Boden der Grube, dann immer kleinere, kreuzweise übereinandergestapelte Holzstücke und schliesslich trockene Äste. Nachdem nun alle Leichen aus der Hütte in die Grube geschafft worden waren, übergoss Moll sie an allen vier Ecken der Grube mit Petrol und steckte sie in Brand, indem er einen brennenden Gummikamm hineinwarf So fingen die Leichen Feuer. Während Moll das Feuer entfachte, befanden wir uns vor der Hütte und konnten beobachten, was er trieb.

    Nachdem wir sämtliche Leichen aus der Hütte entfernt hatten, mussten wir diese gründlichst reinigen, den Fussboden mit Wasser waschen, Sägmehl hinstreuen und die Wände weiss anstreichen. Die Hütte war innen durch Querwände in vier Teile untergliedert, von denen der erste 1200, der zweite 700, der dritte 400, der vierte 200 bis 250 nackte Menschen fassen konnte. Im grössten Teil gab es zwei kleine Fenster und in den anderen dreien je eines. Diese Fensterchen waren durch Holztürchen verdeckt. Jeder der vier Räume im Inneren der Hütte besass einen eigenen Eingang.

    An der Eingangstür hing, wie bereits erwähnt, eine Tafel mit der Aufschrift «Hochspannung - Lebensgefahr». Diese war nur dann sichtbar, wenn die Tür geschlossen war. Stand die Tür offen, so war sie unsichtbar Hingegen konnte man eine andere Aufschrift erkennen, die «Zum Baden» lautete. Die zum Vergasen in den Raum geführten Menschen sahen auf der Ausgangstür ein Schild mit der Aufschrift «Desinfektion». Selbstverständlich gab es aber hinter dieser Tür keine Desinfektionseinrichtungen. Durch diese Tür wurden die Leichen hinausgetragen. Jeder Raum hatte seine eigene Ausgangstür

    Die Vergasungsoperation wurden durch die SS selbst erledigt. Sie lief wie folgt ab: Man brachte die Leute auf Lastwagen zur Hütte. Wir für diese Arbeit Bestimmten halfen den Kranken beim Absteigen und beim Ausziehen in der Baracke. Alle zogen sich in den Baracken aus. Der Raum zwischen Baracken und Gaskammer war von SS-Männern mit Hunden umstellt. Die Menschen traten nackt in die Gaskammer ein. Die SS-Leute, die vor dem Gaskammereingang standen, trieben sie mit Knüppelhieben hinein. Sobald die Gaskammer voll war, schloss die SS die Tür, und Mengele befahl nun seinem Rottenführer Scheinmetz, mit der Vergasung anzufangen. Er sagte: «Scheinmetz, mach da fertig. » Scheinmetz entnahm nun dem Rotkreuzwagen, welcher jedem Konvoi mit zur Vergasung ausgewählten Häftlingen folgte, eine Metallbüchse mit Gas, einen Hammer und ein spezielles Messer Er setzte sich eine Gasmaske auf, Öffnete die Büchse mit Hilfe des Hammers und des Messers und schüttete den Inhalt durch das Fensterchen in die Gaskammer hinein. Er schloss das Fensterchen unverzüglich wieder und legte die leere Büchse, den Hammer, das Messer sowie die Gasmaske in den Wagen zurück. Die Deutschen nannten diesen Wagen «Sanker» [gemeint ist zweifellos «Sanka»]. Ich habe selbst mehrfach gehört, wie Mengele seinen Rottenführer fragte: «Ist der Sanker da?» Nachdem sie diese Aufgabe erfüllt hatten, fuhren Mengele und sein Rottenführer mit dem Rotkreuzauto zurück. Wir aber wurden in den Block zurückgeführt.

    Kurz nach dem Beginn meiner Arbeit bemerkte ich, dass nach einer nächtlichen Vergasung SS-Leute weiterhin Wachposten um den Bunker und die Baracken herum aufzogen. Man sagte, wenn der Bunker nicht bewacht sei, würden die in den Baracken zusammen mit dem anderen Besitz der Vergasten deponierten Schatullen mit den Goldzähnen gestohlen. Die Leichen der Vergasten blieben die ganze Nacht über in den Bunkern. Das Verbrennungskommando traf am Morgen ein. Die Verbrennung lief gleich ab wie diejenige, der ich am ersten Tag meiner Arbeit im oben erwähnten Bunker 2 beigewohnt hatte. Zur gleichen Zeit wie das unsere traf auch ein anderes Kommando ein, um die von den Vergasten in den Baracken zurückgelassenen Gegenstände zu sichten und in die Effektenkammer zu bringen, in der man den Besitz der Vergasten stapelte. Wir entnahmen den Gruben die Asche der dort Verbrannten meist 48 Stunden nach dem Ende der Verbrennung. In dieser Asche fand man Goldresten, Schädel, Knie und lange Knochen. Wir warfen die Asche mit Schaufeln auf den Grubenrand. Wagen kamen angefahren, um sie einzusammeln und in die Sola zu schütten. Auch diese Arbeit wurde uns aufgetragen. Natürlich fand sie unter SS-Bewachung statt. Wir mussten den Platz zwischen den Wagen und der Sola mit Planen bedecken, damit keine Spur von den Leichen auf dem Boden zurückblieb. Die SS wies uns an, die Asche so in den Fluss zu werfen, dass sie sich nicht auf dem Grund festsetzen konnte, sondern von der Strömung weggetrieben wurde. Nach erfolgter Entladung warf man alles, was noch auf den Planen lag, in den Fluss. Dann wischten wir den Ort, wo wir die genannten Gegenstände in den Fluss geschüttet hatten, auf sorgfältigste.

    Nach dem Öffnen der Gaskammer lagen die meisten Leichen auf dem Boden. Wenn die Gaskammer gefüllt wurde, lagen die Vergasten übereinander, wobei sich manche aneinanderlehnten, stehend, mit gebeugtem Oberkörper Sehr oft sah ich Speichel an den Mündern der Vergasten. Das Innere der Gaskammer war nach ihrem Öffnen sehr warm, und man roch das Gas; es wirkte erstickend und hinterliess im Mund einen süsslichen, angenehmen Geschmack. Die Gasbüchsen waren mit einer gelben Etikette versehen. Sie entsprechen den später in den Krematorien verwendeten. In den beiden Bunkern vergaste man zuerst Menschen, die mit den Konvois aus Polen gekommen waren, dann solche aus Litauen, aus Frankreich und Juden aus Berlin. Bunker 1 wurde 1943 völlig demontiert. Nach der Errichtung des Krematorium II in Birkenau riss man auch die in der Nähe des Bunkers 2 gelegenen Baracken ab. Man füllte die Gruben mit Erde und ebnete sie ein. Der Bunker selbst blieb aber bis zum Schluss. Er wurde lange Zeit nicht mehr benutzt, aber für die Vergasung der ungarischen Juden reaktiviert. Man baute dann neue Baracken und hob neue Gruben aus. Bei diesem Bunker waren zu jener Zeit zwei Equipen tätig, eine bei Tag, eine bei Nacht (...) Einmal fanden wir damals in der Gaskammer ein lebendes Kind vor. Es war ganz in eine Daunendecke eingehüllt, welche seinen Kopf vollständig bedeckte. Als man es aus der Decke zog, standen seine Augen offen, und es schien zu leben. Wir brachten es zu Moll und sagten diesem, dass es noch am Leben war. Moll nahm es uns weg, trug es zum Grubenrand, legte es dort zu Boden, zerbrach ihm mit der Ferse den Hals und schleuderte es dann in die Flammen. Diese Szene sah ich mit meinen eigenen Augen ( ... )

    Nach einer längeren Unterbrechung, während der er einem «Abbruchkommando» zugeteilt war, kam Dragon wiederum zum Sonderkommando. Er berichtet:

    Bis zum Mai 1944 arbeitete ich im Krematorium V Man beschäftigte uns mit Gartenarbeit, Holzhacken und Kokstransportieren, denn zu jener Zeit funktionierten die Öfen jenes Krematoriums noch nicht. Sie wurden erst bei der Ankunft des ersten Konvois ungarischer Juden in Betrieb gesetzt ( ... ) Dieses Krematorium war genau gleich konstruiert wie Krematorium IV Beide wiesen auf beiden Seiten je vier Öfen auf. Jeder Ofen konnte drei Leichen fassen. Das Lokal, in dem sich die Opfer ausziehen mussten, und die Gaskammern befanden sich auf gleicher Höhe wie der Erdboden. Der Vergasungsvorgang verlief ähnlich wie in den Bunkern 1 und 2. Man führte die Opfer in Lastwagen zum Krematorium. Später, nach der Inbetriebsetzung der Eisenbahnlinie vom Bahnhof Auschwitz nach Birkenau, wurden die Leute gleich nach dem Aussteigen aus den Waggons in grösster Eile zu den Krematorien IV und V getrieben. Die angekommenen Gefangenen betraten das Lokal, wo sie sich ausziehen mussten. Gorger trieb sie an, indem er ihnen sagte: «Los, los, beeilt euch, sonst werden das Essen und der Kaffee kalt. » Die Menschen verlangten Wasser. Gorger sagte dann: «Das Wasser kalt, es ist verboten, davon zu trinken, beeilt euch, ihr kriegt Tee, sobald ihr aus dem Bad kommt.» Als alle Häftlinge im Entkleidungsraum versammelt waren, stieg Moll auf eine Bank und sprach: «In diesem Lager gehen die Kräftigen zur Arbeit; die Frauen und die Kranken bleiben in den Blöcken. » Er wies auf die Gebäude von Birkenau und fügte hinzu, dass alle baden müssten, denn sonst würde die Lagerbehörde sie nicht zulassen. Als sich alle Häftlinge ausgezogen hatten, führte man sie rasch zur Gaskammer Anfänglich gab es bloss drei Gaskammern, doch später richtete man eine vierte ein. Die erste fasste 1500 Personen, die zweite 800, die dritte 600 und die vierte 150. Die Menschen gingen aus dem Entkleidungsraum durch einen kleinen Gang in die Gaskammer Dort hingen Schilder mit der Aufschrift: «Zur Desinfektion». Sobald die Kammern voll waren, schloss die SS - sehr oft war es Moll persönlich - die Tür. Dann befahl Mengele Scheinmetz die Gasbüchse aus dem Rotkreuzwagen zu holen, zu Öffnen und den Inhalt durch das Fensterchen in der Seitenwand einzuwerfen. Dabei stieg Scheinmetz mit aufgesetzter Gasmaske auf eine Leiter. Nach einigen Augenblicken verkündete Mengele, die Opfer seien bereits tot, indem er sagte: «Es ist schon fertig. » Dann fuhr er mit Scheinmetz im Rotkreuzauto weg. Moll Öffnete die Türen der Gaskammern. Wir holten die Leichen heraus, wobei wir Gasmasken trugen. Wir schleiften sie durch den kleinen Gang zum Entkleidungsraum und von dort weiter zu den Krematoriumsöfen. Bei der Eingangstür des ersten Gangs schnitt der Friseur ihnen die Haare, im zweiten Gang riss ihnen der Dentist die Zähne aus.

    Nachdem wir die Leichen zum Ofen geschleift hatten, legten wir jeweils drei davon auf eine eiserne Bahre, die erste Leiche mit dem Kopf nach vorne, die zweite umgekehrt, und die dritte wieder wie die erste. Wir schoben die Bahre auf dort installierten Rollen in die Ofenmündung. Dabei schoben zwei Häftlinge die Bahre von hinten, während ein dritter sie von vorne zog. Wenn die Bahre in die Ofenmündung eingefahren war, neigte sie sich nach unten, und die Leiche fiel auf den Rost. Dann zogen wir die Bahre wieder hinaus und schlossen die Ofenmündung. Dann füllten wir einen anderen Ofen. Die Verbrennung dauerte 15 bis 20 Minuten. Dann kamen neue Leichen in die Öfen ( ... ) Weil sich die Kapazität der Krematorien als unzureichend erwies, hob man neben dem Krematorium V drei grosse und zwei kleinere Gruben aus, um dort die Leichen der vergasten Ungarn einzuäschern. Der Verbrennungsvorgang lief gleich ab wie in den Gruben der Bunker 1 und 2. Wiederum entfachte Moll das Feuer. Die Asche wurde den Gruben auf die gleiche Art entnommen wie bei den Bunkern 1 und 2. Nicht vollständig verbrannte Knochen wurden zertrümmert und zerrieben und zum Ufer der Sola geschafft, wo man sie ins Wasser warf. Früher hatte man die Asche in eigens zu diesem Zweck ausgehobene Gruben geschüttet. Später, beim Herannahen der russischen Front, befahl Moll, diese Asche auszugraben und in die Sola zu werfen.

    Die Gaskammern des Krematorium V waren etwa 2,50 m hoch. Dies stellte ich fest, indem ich meinen Arm hochstreckte und die Decke dennoch nicht erreichen konnte. Der Oberrand der Tür war etwa 70 cm von der Decke entfernt. Ein Mensch von durchschnittlicher Körpergrösse konnte mit ausgestrecktem Arm den Sims des Fensterchens erreichen, durch welches der Inhalt der Zyklonbüchsen eingeschüttet wurde (...) Am Ende wurden die ungarischen Juden ebenfalls in den zu diesem Zweck neben dem Krematorium V ausgehobenen Gruben verbrannt. Diese waren 25 m lang, 6 m breit und ungefähr 3 m tief. Man verbrannte dort 5000 Menschen täglich (...) Ich glaube, die Gesamtzahl der in den beiden Bunkern und den vier Krematorien Vergasten beläuft sich auf über vier Millionen.


    Anmerkung zur Zeugenaussage

    1) Prozessakten betr. Rudolf Höss im Staatlichen Museum Auschwitz, Anhang 17 zum Band XI. Unsere Übertragung basiert nicht auf dem polnischen Original, sondern auf einer französischen Übersetzung, welche 1980 in Paris angefertigt wurde. Sie wurde uns von einem Bekannten zur Verfügung gestellt, der sie seinerseits von Lévy et Kormah, Société d'Avocats, erhalten hatte.


  • Kritik

    Über Szlama Dragon weiss Pressac in seinem ersten Buch höchst Interessantes zu berichten. Beim Prozess gegen die - als Architekten der angeblichen Gaskammern angeklagten - Österreicher Fritz Ertl und Walter Dejaco (der Prozess fand in Wien statt und endete mit einem Freispruch für beide) trat Dragon am 1. März 1972 als Zeuge der Anklage auf. Dabei verwechselte er, so Pressac, ständig Krematorium 1 und Bunker 2; die Verhandlung musste unterbrochen werden, damit ein Hebräischdolmetscher geholt werden konnte (S. 172). Pressac bemäkelt an Dragon, dass dieser die Zahl der Auschwitz-Opfer mit vier Millionen angab («Ich glaube nicht, dass dieser Zeuge bewusst log, doch er folgte der allgemeinen Tendenz, zu übertreiben ... »), und meint, die von Dragon genannte Zahl von 2'500 bis 2'550 zugleich in den Bunker 11 gepressten Häftlingen sei unmöglich, da darin 28 Personen auf einen Quadratmeter gekommen wären, denn der Bunker mass 90 in' (ibidem, S. 171).

    Nun zu Dragons - dankenswert ausführlicher - Schilderung des Ausrottungs- und Vergasungsprozesses in Birkenau. Vorausgeschickt sei, dass uns Dipl. Ing. Arnulf Neumeier, Riederau, hier mit seinem technischen Wissen zur Seite gestanden ist.

    1) Der Unsinn von den - naturwissenschaftlich und technisch unmöglichen - Verbrennungsgruben wird hier besonders ausführlich ausgeschmückt.

    2) Vollkommen absurd ist die Schilderung des Brandstapels in der Grube. Ihr zufolge lagen die grossen Scheite zuunterst, die kleinen Holzstücke in der Mitte und die trockenen Äste zuoberst. Wenn schon, hätte man den Stapel umgekehrt aufbauen müssen. Jeder Pfadfinder weiss, dass die Entfachung des Feuers von unten her mit leicht entzündlichen Materialien wie kleinen Spänen, Feueranzündern und dergleichen bewirkt wird. Szlama Dragons Holzstapel geht nie in Flammen auf, weil nach Abbrennen der oberen, leicht brennbaren Teile das Feuer schon verlöscht.

    3) Unerfindlich bleibt, weswegen zum Entfachen des Feuers ausgerechnet ein brennender Gummikamm verwendet wurde. Gummi brennt nicht sehr gut. Ausserdem hätte bei einer Entfernung von 30 in von einer Grubenecke zur anderen mindestens zweimal eine Feuerentfachung erfolgen müssen.

    4) Weshalb wurde das strohgedeckte Haus denn in vier Teile gegliedert? Dadurch wurde der Vergasungsprozess doch nur kompliziert und die Nutzfläche unnütz verringert!

    5) Die behauptete Anzahl von Opfern hätte in der Hütte nicht Platz.

    6) Das Zyklon wurde, so Zeuge Dragon, durch ein Fensterchen in die Hütte geworfen. Da letztere mit Menschen vollgestopft war, hätte sich das Zyklon nicht oder erst nach einer bis zwei Stunden (je nach Temperatur) wirksam auf die etwa 14 in entfernt liegenden Ecken verteilt.

    7) Eine Verbrennung der Knochen unter den geschilderten Umständen ist unmöglich. Da die Knochen in die Sola geschüttet wurden, hätten sie sich absetzen müssen, sie sind nämlich schwerer als Wasser. Folglich hätte man nach der Befreiung des Lagers einen Sachbeweis für die Massenmorde vorgefunden, und wir wären nicht auf die Erzählungen des Herrn Szlama Dragon angewiesen.

    8) Falls Dragon wirklich einen süsslich angenehmen Geschmack im Munde verspürt hätte, wäre es für ihn zu spät gewesen, und er hätte uns nicht mehr mit seinen Aussagen beglücken können. Der Geruch hätte nämlich von dem Reizstoff hergerührt, den man dem Zyklon beigab, um dem Maskenträger einen Filterwechsel zu signalisieren (vgl. Puntigam/Breymesser/Bernfus).

    9) Die Leichen konnten angesichts der Überfüllung der Gaskammer nicht in dieser liegen, sondern wären aneinandergelehnt gestanden.

    10) Zum Krematorium V und dessen Gaskammern: Auch hier wurde das Gift durch ein Fensterlein in die Todeskammer eingeworfen. Es hätte wieder lange Zeit gebraucht, bis es sich in die hintersten Winkel verbreitet hätte, doch nein, schon nach einigen Augenblicken waren alle Opfer tot. Unmöglich!

    11) Man stelle sich den Ablauf der Massenvernichtung einmal bildlich vor: 1500 Leichen müssen durch einen kleinen Gang via einen weiteren Raum zu den Öfen geschleift werden! Ist das die «technische Genialität» der Deutschen, von der Léon Poliakov so schwärmt? Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Nazis unbedingt den kompliziertesten Weg wählen wollten, um ihre Opfer zu massakrieren. Merkwürdigerweise gelang ihnen der Massenmord aber doch in Rekordzeit, ohne dass die Welt etwas davon merkte (laut den unverdächtigen jüdischen Autoren Martin Gilbert und Walter Laqueur erfuhr sie ja erst im Juni 1944 von dem, was sich in Auschwitz abspielte!), und ohne dass sie irgendwelche Spuren ihrer Untaten hinterliessen.


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