• Augenzeugenbericht Nr. 17: Dov Paisikovic

    Das Sonderkommandomitglied Dov Paisikovic hat Léon Poliakov, der lange Jahre als weltweit führender Experte auf dem Gebiet der «Endlösung» galt, mit seinen Aussagen dermassen beeindruckt, dass er diese in seinem 1964 erschienenen Buch Auschwitz wiedergab. Paisikovic, ein aus der Karpato-Ukraine stammender Jude, geboren am 1. April 1924, wurde im Mai 1944 aus dem Ghetto von Munkacs nach Auschwitz gebracht. Hier ein Auszug aus seinem Bericht (1):

    Unser Konvoi wurde einer Selektion unterworfen. Ungefähr 60% von uns wurden für die Gaskammern bestimmt, die anderen ins Lager geführt. Meine Mutter und meine fünf Geschwister wurden sogleich in die Gaskammern geschickt. Zum Zeitpunkt der Selektion wussten wir noch nicht, welcher Zweck mit dieser Einteilung verfolgt wurde. Mein Vater und ich wurden ins Lager C von Birkenau eingewiesen, zusammen mit anderen Arbeitsfähigen. Wir mussten dort sinnlos Steine hin und her schleppen.

    Am dritten Tage kam SS-Hauptscharführer Moll in Zivilkleidern in unseren Teil des Lagers. Andere SS-Leute begleiteten ihn. Wir mussten zum Appell antreten, und Moll wählte die stärksten von uns aus, insgesamt genau 250 Mann. Man brachte uns zur Strasse, welche das Lager durchzog,- wir mussten Spaten und andere Werkzeuge mitnehmen. Man führte uns nahe zu den Krematorien III und IV, wo wir von bewaffneten SS-Männern in Empfang genommen wurden. Wir mussten uns in Reih und Glied aufstellen, und hundert von uns wurden zum Krematorium III beordert. Die anderen gingen weiter bis zum Bunker V (einem Bauernhaus, wo ebenfalls Vergasungen durchgeführt wurden). Dort empfing uns SS-Hauptscharführer Moll, der auf seinem Motorrad vorausgefahren war, in weisser Uniform. Er begrüsste uns mit folgenden Worten: «Hier kriegt ihr zu fressen, aber ihr müsst arbeiten. » Man führte uns auf die andere Seite des Bunkers V; die Vorderseite liess nichts Besonderes erkennen, doch bei der Hinterseite erkannten wir, was gespielt wurde.

    Ein Haufen nackter Leichen lag dort. Sie waren ganz geschwollen, und man erteilte und den Befehl, sie zu einer sechs Meter breiten und etwa 30 m langen Grube zu schleppen, in der bereits Leichen brannten. Wir strengten uns aus Leibeskräften an, um die Leichen dorthin zu schaffen. Aber die SS fand, die Arbeit gehe zu langsam vonstatten. Man prügelte uns entsetzlich, und ein SS-Mann gebot uns: «Jeder trägt eine Leiche. » ( ... )

    Einige von uns stürzten sich ins Feuer, weil sie die Arbeit nicht verkrafteten. Müsste ich ihre Zahl heute schätzen, so würde ich sagen, es waren acht oder neun. Unter ihnen war auch ein Rabbiner. (...) Unser Kommando war, wie das gesamte Kommando II, in eine Tag- und eine Nachschicht eingeteilt, die beide gleich stark waren. Am Morgen präsentierten wir uns im Hof zum Appell, worauf man uns zum Arbeitsplatz führte, während die Nachtequipe in den Hof geführt und gezählt wurde, ehe sie sich schlafen legen durfte.

    Meine erste Arbeit in diesem Kommando war folgende: Der Kapo Kaminski, ein polnischer Jude, hatte mich beauftragt, im Hof des Krematoriums I [gemeint ist das erste Krematorium von Birkenau, welches in der heutigen Numerierung als K II bezeichnet wird] eine ungefähr zwei Meter lange, einen Meter breite und einen Meter tiefe Grube auszuheben. In diese wurden dann die aus den Öfen geholten Knochen geworfen. Nach Beendigung dieser Arbeit wurde ich zum Leichentransport eingeteilt. Eine Vergasung dauerte im allgemeinen etwa drei bis vier Minuten. Anschliessend wurde die Ventilation in Gang gesetzt. Dann Öffnete der Vorarbeiter - stets von einem SS-Mann beaufsichtigt - die Tür, und wir mussten die Leichen zum elektrischen Aufzug schleppen. Dieser fasste vielleicht 15 Leichen aufsmal. Wir mussten die Leichen selbst tragen; sechs Mann waren mit dieser Arbeit beauftragt. Meistens waren einige Opfer, die gleich neben der Tür auf dem Boden lagen, noch am Leben. Die SS-Leute gaben ihnen dann mit einer Kugel den Rest. Die Stellung der Leichen liess drastisch erkennen, wie grauenhaft der Todeskampf gewesen war.

    Oftmals waren die Körper zerfetzt; mehr als einmal kam es vor, dass eine Frau in der Gaskammer noch ein Kind geboren hatte. Grundsätzlich gingen 3000 Opfer in die Gaskammern. Sie waren so dicht aneinandergedrängt, dass die Vergasten nicht zu Boden fallen konnten. Wir benötigten sechs Stunden, um die 3000 Leichen hinauszuziehen. Da die 15 Krematoriumsöfen rund zwölf Stunden brauchten, um diese Leichen einzuäschern, wurden diese im Raum vor den Öfen aufgestapelt. Dies erledigte eine andere Gruppe unseres Sonderkommandos (...) Die Verbrennung einer Leiche dauerte ungefähr vier Minuten. Während die Leichen im Feuer lagen, mussten andere Gefangene den auf ihre Kremierung wartenden Leichen die Haare abschneiden (allerdings nur den Frauen), und zwei als Dentisten amtende Häftlinge mussten ihnen die Goldzähne ziehen und die Goldringe abziehen. Dazu benutzten sie Zangen. In der Mauer des vor den Öfen liegenden Zimmers gab es ein grosses Fenster. Durch dieses konnten zwei oder drei SS-Männer, die sich im gegenüberliegenden Zimmer aufhielten, unsere Arbeit ständig beobachten (...)

    Schliesslich möchte ich noch schildern, wie ein Vergasungsvorgang ablief Wir haben bereits gesehen, wie man nach der Ankunft eines Konvois an der Rampe selektionierte. Die zur Arbeit Auserkorenen wurden zu den Sektionen C und D des Lagers geführt, die zum Vergasen Bestimmten brachte man ins FKL [Frauenkonzentrationslager]. Wer gehen konnte, machte sich zu Fuss auf den Weg zum Krematorium; die anderen wurden auf Lastwagen geladen. Vor dem Krematorium kippte man den Lastwagen dann um, und die Kranken fielen auf den Boden. Ein Rotkreuzkrankenwagen brachte die Gasbüchsen. Alle wurden in den Auskleideraum geführt, wo die SS ihnen befahl, sich auszuziehen. Man sagte ihnen, sie müssten sich waschen. Bei jedem Kleiderhaken gab es eine Nummer, und man schärfte ihnen ein, sich diese Nummer gut einzuprägen. Alle jene, die noch Pakete bei sich hatten, mussten diese vor dem Auskleideraum niederlegen. Dann transportierten Wagen die Effekten ins «Kanada» [Spitzname eines grossen Effektenlagers]. Man begann immer bei den Frauen und Kindern. Wenn diese splitternackt waren, führte die SS sie in die Gaskammer. Man sagte ihnen, sie müssten warten, bis das Wasser zu laufen beginne. Dann mussten sich die Männer ausziehen und sich ebenfalls in die Gaskammer begeben. Jedermann musste seine Schuhe zusammenknoten und mitnehmen. Ehe es in die Gaskammer ging, gab man seine Schuhe im Vorübergehen zwei Gefangenen. Die meisten Opfer wussten nicht, was ihnen bevorstand. Doch manche wussten schon, welches Geschick ihrer harrte. Dann beteten sie oft (...) Das Gas wurde in unserem Krematorium entweder vom Holländer oder vom «Roten» eingeworfen; sie wechselten einander ab. Beim Vergasen setzten sie Gasmasken auf. Oft kam das Gas nicht rechtzeitig. Dann mussten die Opfer lange in der Gaskammer warten. Schon von weitem hörte man ihr Schreien. Häufig begingen die SS-Leute auch ganz besonders sadistische Exzesse. So wurden Kinder gerade vor der Gaskammer in den Armen ihrer Mütter erschossen oder gegen die Wand geschmettert. Sagte ein Ankömmling auch nur ein einziges Wort gegen die SS, so wurde er auf der Stelle erschossen. Solche Greuel geschahen im allgemeinen nur dann, wenn höhere Offiziere anwesend waren. War die Gaskammer allzu voll, schleuderte man Kinder, die nicht mehr hineinpassten, oftmals auf die Köpfe der bereits in der Kammer Befindlichen. Weil die Opfer so zusammengedrängt waren, wurden manche totgetrampelt. Die SS-Leute wiederholten unermüdlich, sie würden nicht einen einzigen Zeugen überleben lassen.


    Anmerkung zur Zeugenaussage

    1) Zitiert nach Léon Poliakov, Auschwitz, René Julliard, 1964, S. 159 ff.


  • Kritik

    Genau wie die anderen Sonderkommandomitglieder berichtet Paisikovic massenhaft Dinge, die naturwissenschaftlich und technisch unmöglich sind und dem gesunden Menschenverstand Hohn sprechen. Hier einige dieser Unwahrscheinlichkeiten und Unmöglichkeiten:

    1) Dass Paisikovics Vater als arbeitstauglich der Gaskammer entging, während gleich alle seine fünf Geschwister zum Arbeiten zu schwach waren und deshalb dem Gastod anheimfielen, ist nicht sehr glaubwürdig.

    2) Wiederum die physikalisch unmöglichen und auf den alliierten Luftphotos nicht zu erkennenden Verbrennungsgräben!

    3) Die Behauptung, acht bis neun Häftlinge hätten Selbstmord begangen, indem sie sich in die Flammen stürzten, ist vollkommen unglaubwürdig, wir halten es für ausgeschlossen, dass ein Mensch freiwillig ins Feuer geht. Wohl sind Selbstmorde durch Verbrennen bezeugt - man denke an den tschechischen Studenten Jan Palach, der sich 1969 auf diese furchtbare Weise das Leben nahm, um gegen die sowjetische Besatzung seiner Heimat zu protestieren, oder an die buddhistischen Mönche, die sich während des Vietnamkrieg auf die gleiche Art töteten ; doch in all diesen Fällen übergossen die Opfer sich mit Benzin und zündeten sich dann an.

    4) Warum hat man die im Hof des Krematoriums vergrabenen Knochen nach der Befreiung des Lagers nicht ausgegraben und als corpus delicti präsentiert?

    5) Der 2,1 mal 1,35 m grosse Lift, der von der «Gaskammer» zum Krematorium führte, konnte schwerlich 15 Leichen fassen.

    6) Nach Paisikovic dauerte die Vergasung mit Zyklon B drei bis vier Minuten; dann wurde vor dem Öffnen der Tür eine Viertelstunde ventiliert. Aus bereits

    früher genannten Gründen (Verdampfungsdauer und schwierige Entlüftbarkeit des Zyklon) sind diese Zeitangaben absolut unmöglich.

    7) Auch der entsetzliche Todeskampf der Opfer kann sich nur in der Phantasie Paisikovics zugetragen haben. Wäre der Tod durch das Einatmen von Blausäure qualvoll, so würde diese in den USA nicht zur Hinrichtung von Delinquenten benutzt. Schmerzhaft ist der Blausäuretod nur, wenn das Gift oral aufgenommen wird, dass gehen dem Exitus heftige Krämpfe voraus (Rudolf, S. 78).

    8) Paisikovic gibt die Zahl der in der Gaskammer Eingeschlossenen mit 3000 an, was - bei einer Fläche von 210 m² - 13 Menschen auf einem Quadratmeter ergibt. Eine stattliche Zahl; man prüfe anhand eines Experiments nach, ob sie stimmen kann.

    9) Dass die derart dicht zusammengedrängten Opfer nicht zu Boden fallen konnten, stellt der Autor selbst klar dar. Einige Zeilen zuvor lagen aber einige dieser Opfer vor der Gaskammertür auf dem Boden.

    10) Die aberwitzigste aller Aussagen Paisikovics ist die, die Verbrennung einer Leiche habe im Schnitt vier Minuten gedauert. Danach wurde damals in Birkenau fünfzehnmal rascher verbrannt als in einem modernen, heutigen Krematorium! Allein schon diese Behauptung reduziert die Glaubwürdigkeit des ganzen «Augenzeugenberichts» auf null. Wenn Poliakov diesen Paisikovic trotzdem einer Aufnahme in sein Auschwitz-Buch für würdig befand, dann gewiss nur darum, weil ihm nichts Besseres zur Verfügung stand.

    11) Interessanterweise verliert der Berichterstatter kein Wort über die Art und Weise, wie das Zyklon in die Gaskammer eingeführt wurde. Die Einwurfstutzen fehlen bei ihm ebenso wie das von Tauber und Kula geschilderte Drahtgeflecht.


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