• Augenzeugenbericht Nr. 25: André Lettich

    Der französisch-jüdische Arzt André Lettich wurde im Juli 1942 zusammen mit seiner Frau und seinem Kind aus Tours nach Auschwitz deportiert. Er meldete sich dort bald zum Sonderkommando, da dieses gegenüber anderen Häftlingen materielle Privilegien genoss, und wohnte eine Zeitlang mit den Sonderkommandoleuten zusammen, wobei die ihm obliegenden Aufgaben natürlich medizinischer Art waren. Lettich blieb bis zur im Januar 1945 erfolgten Befreiung im Lager, doch war er dem Sonderkommando bloss kurze Zeit zugeteilt, so dass er nur die Birkenauer Bunker aus eigener Erfahrung kennengelernt hat. Hier ein Auszug aus seinem Bericht (1):

    Traf am Bahnhof von Auschwitz ein Konvoi ein, so mussten alle Deportierten aus den Waggons aussteigen und ihr Gepäck auf den Bahnsteigen lassen, die Männer auf der einen Seite, die Frauen auf der anderen. Der deutsche Arzt war schon da, und diese Unglücklichen fühlten Erleichterung, wenn sie den mit dem Zeichen des Roten Kreuzes geschmückten Wagen erblickten, doch sie wussten nicht, dass dieser Wagen das Gas mitführte, welches sie eine oder zwei Stunden später töten würde.

    Der «diensthabende» deutsche Arzt liess zuerst die Männer vor sich vorbeidefilieren und teilte sie durch Handzeichen in zwei Gruppen ein, eine links und eine rechts. Man bemerkte, dass eine Gruppe aus den stärksten und robustesten Männern bestand, aber diese Gruppe umfasste nie mehr als 15 oder höchstens 20% der Ankömmlinge. Die gleiche Methode gelangte bei den Frauen zur Anwendung. Sie marschierten vor dem Arzt vorbei, der, eine Zigarette im Mund, stets lässig ein Handzeichen machte: links, rechts, links, rechts. Alle Frauen mit Kindern sowie die offenkundig schwangeren Frauen und die Bejahrten kamen in die gleiche Gruppe.

    Nach erfolgter Selektionierung baten die Deutschen mit sadistischer Höflichkeit die Unglücklichen, auf die wartenden Lastwagen zu steigen. Wer sah, wie die Offiziere ihnen galant die Hand reichten ' um ihnen beim Aufsteigen behilflich zu sein, und ihnen die Kinder hinaufreichten, mochte glauben - und viele liessen sich tatsächlich nasführen -, dass diese Deutschen in ihrem Herzen noch so etwas wie eine menschliche Regung verspürten. Doch der Lastwagen setzte sich in Bewegung und führte sie zur Gaskammer. Welch unübertreffliche Hinterlistigkeit!

    Bis Ende Januar 1943 gab es in Birkenau keine Krematorien. Inmitten eines etwa zwei Kilometer vom Lager entfernten Birkenwäldchens gab es ein friedlich wirkendes Bauernhäuslein, in dem eine (vertriebene oder ermordete) polnische Familie gewohnt hatte. Schon seit langem war dieses Häuschen zur Gaskammer umgestaltet.

    Über 500 m weiter weg gab es zwei Baracken, eine für Männer, eine für Frauen. Sehr höflich und artig hielt man ihnen eine kleine Ansprache: «Sie haben eine lange Reise hinter sich, Sie sind schmutzig, nun werden Sie ein Bad nehmen, ziehen Sie sich rasch aus. » Man verteilte Handtücher und Seife, und nun warfen diese Rohlinge ganz plötzlich ihre Maske ab und enthüllten ihr wahres Gesicht. Mit wuchtigen Schlägen zwang man diese Menschenherde, diese Männer und Frauen, nackt herauszutreten, im Sommer wie im Winter, und sie mussten so die rund 500 Meter zurücklegen, welche sie von der «Dusche» trennten. Oberhalb der Tür befand sich die Aufschrift «Brausebad». An der Decke waren sogar Duschköpfe angebracht, die einzementiert waren, aber niemals Wasser gespendet haben.

    Diese armen Unschuldigen wurden zusammengepfercht, gegeneinander gepresst, und nun brach Panik aus: Sie begriffen nun endlich, welches Los ihrer harrte, aber die Knüppelhiebe sowie die Revolverschüsse sorgten rasch wieder für Ruhe, und schliesslich waren alle in der Todeskammer drinnen. Man schlug die Türen zu, und nach zehn Minuten war die Temperatur hoch genug, um die Verflüchtigung der Blausäure zu beschleunigen. Mit dieser wurden die Verurteilten nämlich vergast. Es war dies das Zyklon B, mit 20 % Blausäure getränkte Erde, deren sich die deutsche Barbarei bediente.

    Durch eine kleine Luke warf SS-Unterscharführer Moll nun das Gas ein. Die zu hörenden Schreie waren entsetzlich, doch nach einigen Augenblicken herrschte vollkommene Stille. 20 bis 25 Minuten darauf wurden Fenster und Türen zwecks Ventilierung geöffnet, und die Leichen wurden unverzüglich in Gruben geworfen, wo man sie verbrannte. Doch die Dentisten hatten vorher jeden Mund überprüft, um die Goldzähne herauszureissen. Man prüfte auch nach, ob die Frauen nicht in ihren Intimteilen Schmuck versteckt hatten, und ihre Haare wurden abgeschnitten und zwecks industrieller Verwertung methodisch gesammelt.

    Die Kapazität dieser Gaskammer erwies sich als unzureichend. Man konnte täglich nicht mehr als 400 bis 500 Personen vergasen. Doch angesichts des gigantischen Plans zur Vernichtung all seiner Widersacher, den das Dritte Reich ausgearbeitet hatte - und man weiss, wie zahlreich diese waren - hatte man im August 1942 mit dem Bau der Krematorien angefangen.

    Vier Krematorien schossen aus dem Boden: ultramoderne Konstruktionen, wie sie nur die deutschen Techniker hatten ersinnen können. Auf ihnen prangten grosse Kamine wie diejenigen von Fabriken. Von diesen vier Krematorien hatten zwei je neun Öfen, die anderen beiden je sechs. In jedem Ofen konnte man sechs Leichen zugleich in einem Zeitraum von ungefähr 50 Minuten einäschern. Dies bedeutete, dass man binnen einer Stunde 180 Leichen in Asche verwandeln konnte. Die deutsche Technik war fürwahr weit fortgeschritten!

    Um einen Eindruck von der Vernichtungskraft und der Grösse dieser Ofen zu vermitteln, weisen wir lediglich darauf hin, dass jeder Herd mit einem elektrischen Ventilator von 12 PS Stärke zur Anfachung der Flammen ausgerüstet war.

    Ende Januar 1943 wurden diese Öfen feierlich eingeweiht. Eine aus hochgestellten deutschen Persönlichkeiten zusammengesetzte Kommission war von Berlin angetrabt, um dem ersten Vergasungs- und Verbrennungsvorgang beizuwohnen. Durch kleine Luken konnten sie mühelos den Erstickungsprozess im Inneren ansehen, ohne Gefahr für die eigene Sicherheit zu laufen. Diese Herren erklärten sich hochzufrieden, denn nach Abschluss der kleinen Zeremonie versammelten sie sämtliche Angehörigen des Sonderkommandos, hielten eine kleine Rede und versprachen ihnen, sie würden anständig behandelt. Schliesslich wurden Zigaretten, Tabak und Alkohol verteilt.

    Bis zu jenem Tage hatte kein Volk je die «vollständige Liquidierung» von 180 menschlichen Wesen pro Stunde ausgedacht, geplant und industriell bewerkstelligt. Deutschland durfte stolz sein.

    So konnten wir in Auschwitz während fast drei Jahren miterleben, wie Züge aus allen Teilen Europas eintrafen und verschwanden, wie sie in den Flammen und dem Rauch von Auschwitz aufgingen und zum Himmel emporstiegen. Ohne Übertreibung kann man die Anzahl der auf diese Weise in diesem Todeslager zugrunde gegangenen Opfer auf vier bis fünf Millionen schätzen. Eine kolossale Leistung, die der deutschen Kultur voll und ganz würdig war.


    Anmerkung zur Zeugenaussage

    (1) André Lettich, Trente-quatre mois dans les Camps de Concentration, Imprimerie Union Coopérative, Tours, 1946.


  • Kritik

    Als einer von wenige Augenzeugen geht Dr. Lettich auf die berühmten Selektionen für die Gaskammer ein. Von diesen berichtet bereits Rudolf Höss in seinem Nürnberger Geständnis (vgl. Zeugenaussage Nr. 7). Laut Lettich wurden von den Männern im Schnitt 80 bis 85% für die Gaskammer selektioniert, während die 15 bis 20% Robustesten am Leben bleiben durften. Für die Gaskammer bestimmt waren ihm zufolge schwangere Frauen, Frauen mit Kindern sowie alte Menschen. Dies steht in Übereinstimmung mit dem offiziellen Auschwitz- und Holocaustbild; die Enzyklopädie des Holocaust schreibt (1): «Bei der Einlieferung in Birkenau wurden die Insassen gezwungen, die Züge in aller Eile zu verlassen. Sie mussten ihr persönliches Eigentum zurücklassen und zwei Reihen bilden, Männer und Frauen getrennt. SS-Offiziere führten Selektionen durch, bei denen sie Menschen entweder - zum grössten Teil - in die Gaskammern schickten oder - zum kleineren Teil - zur Zwangsarbeit.»

    Übrigens wurde der Standardliteratur zufolge ausser in Auschwitz nur noch in Majdanek selektioniert, während in den vier reinen Todeslagern jeder Jude sogleich ermordet wurde; nur eine Handvoll «Arbeitsjuden» hätten dort wenigstens vorderhand am Leben bleiben dürfen.

    Gegen die Richtigkeit der obigen Angaben spricht einiges. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass in Auschwitz zahlreiche Kinder geboren worden sind, was nicht möglich gewesen wäre, hätte man ihre Mütter aufgrund ihrer Schwangerschaft vergast. Auch die Neugeborenen wurden, obgleich zweifelsohne nicht arbeitsfähig, keineswegs ermordet; wir verweisen auf den bereits früher zitierten Bericht der polnischen Hebamme Stanislawa Leszczynska (vgl. Kritik der Zeugenaussage 6). Wie steht es nun mit der Behauptung, alte Menschen seien gleich auf der Rampe für die Gaskammer selektioniert worden?

    Träfe dies zu, so würden in den Sterbebüchern von Auschwitz keine alten Leute figurieren, da diese ja angeblich gar nie erst registriert worden waren. Kopien der Sterbebücher wurden dem IKRK Ende 1989/Anfang 1990 von sowjetischer Seite zugänglich gemacht (2). Sie umfassen, mit einigen Lücken, die Zeit von August 1941 bis Dezember 1943 (3). Wo sich die übrigen Bücher befinden, ist angeblich unbekannt.

    Könnte über die Zeit des Dritten Reichs frei geforscht wären, so stünden die Sterbebücher, auch Totenbücher genannt, den Historikern selbstredend zur Einsicht frei. Dies ist aber leider nicht der Fall. Die Kopien befinden sich im Archiv von Arolsen/BRD unter Verschluss - kein Wunder, denn könnte ungehindert geforscht werden, bräche das staatlich verordnete Geschichtsbild im Nu zusammen.

    Sterbedokument des KL Auschwitz (52 KB)  Sterbedokument des KL Auschwitz (54 KB)

    Illustration 12: Zwei Sterbeurkunden aus Auschwitz. Zum Vergrößern anklicken

    In der Presse wurde zunächst berichtet, die erhaltenen Sterbebücher enthielten 74'000 Namen, doch später wurde die Zahl auf 66'000 nach unten korrigiert (4).

    Es ist revisionistischen Kreisen gelungen, in Zusammenarbeit mit russischen Freunden die gesamten Totenbücher kopieren zu lassen (5). Man vergleiche hierzu Illustration 12. Beim ersten Zertifikat handelt es sich um die Sterbeurkunde des am 12. August 1852 geborenen Juden Josef Hoffmann, der am 22. Juni 1942 in Auschwitz starb. Als Todesursache wird Altersschwäche angegeben. «Alters- und Körperschwäche» figuriert als Todesursache auch auf dem Sterbezertifikat der am 11. Februar 1872 im slowakischen Cadca geborenen und am 4. Juni 1942 in Auschwitz verstorbenen Jüdin Ernestine Kochfelder. Wie kommt es, dass diese beiden alten, mit Sicherheit arbeitsuntauglichen Menschen überhaupt registriert worden sind? Warum wurden sie nicht direkt nach der Ankunft im Lager vergast? Bei diesen beiden Fällen handelt es sich durchaus nicht um Ausnahmen. Eine statistische Auswertung von 123 in den Totenbüchern aufgelisteten Fällen ergab, dass bei 44 dieser Menschen als Todesgrund Altersschwäche angegeben ist. 25 von ihnen waren Juden (6). - Zu einem endgültigen Urteil wird man erst gelangen können, wenn alle 66'000 Eintragungen statistisch ausgewertet sind, doch steht jetzt schon fest, dass sich die sofortige Vergasung der nicht arbeitsfähigen Juden dokumentarisch einwandfrei als Mythos entlarven lässt.

    Zu den übrigen Aussagen des Dr. Lettich kurz folgendes:

    1) Dass der Todeskampf der Eingeschlossenen nur «einige Augenblicke» dauerte, ist ebenso unmöglich wie die von Lettich angegebene Zeit von 20 bis 25 Minuten, die man zwischen dem Tod der Opfer und der Öffnung der Gaskammer verstreichen liess.

    2) Abermals tauchen die mythischen Verbrennungsgruben auf!

    3) Die Krematorien von Birkenau waren nicht schon im Januar, sondern erst ab März 1943 in Betrieb.

    4) Die von Lettich angegebene Zahl der Öfen in den Krematorien stimmt nicht.

    5) Die Zahl von sechs in einer Retorte zugleich verbrannten Leichen ist ein schlechter Witz.

    6) Die im Januar 1943 zur Einweihung der Krematorien eingetroffene Delegation mit hohen SS-Tieren erinnert an die Beschreibung Rudolf Vrbas in I cannot forgive. Im Gegensatz zu Vrba behauptet Lettich allerdings nicht, Himmler habe persönlich an der Einweihung teilgenommen.

    7) Die Zahl von 4 bis 5 Millionen Auschwitz-Opfern entspricht den damals regelmässig genannten Grössenordnungen. Pressac würde sie als «Propagandaziffer» bezeichnen - mit Recht.


    Anmerkungen zur Kritik

    1) Enzyklopädie des Holocaust, S. 111.
    2) Siehe zahlreiche Anfang Januar 1990 erschienene Presseartikel, z. B. Frankfurter Rundschau vom 6. Januar 1990: «Moskau Öffnet Rotem Kreuz die Tötenbücher von Auschwitz.»
    3) Schriftliche Mitteilung des Auschwitz-Museums an den Verfasser, 3. August 1992.
    4) Gauss, S. 215.
    5) Laut der Remer Depesche vom November 1993 befanden sich revisionistische Kreise zu jenem Zeitpunkt im Besitz der vollständigen Kopien aller erhaltenen Totenbücher.
    6) Westphal/Kretschmer/Konrad/Scholz: Die ZEIT higt! Remer und Heipke, Postfach 1310, Bad Kissingen, 1992, S. 16/17.


    Zurück zum Inhaltsverzeichnis
    Zum nächsten Kapitel
    Zum vorhergehenden Kapitel