• Augenzeugenbericht Nr. 8: Die Höss-Aufzeichnungen aus dem Krakauer Gefängnis.

    Am 25. Mai 1946, etwas über einen Monat nach seiner Aussage vor dem Nürnberger Tribunal, wurde Rudolf Höss an Polen ausgeliefert. Während seiner Haftzeit in Krakau verfassie er Aufzeichnungen, die er im November desselben Jahres abschloss. Am 2. April 1947 wurde er vom Obersten Polnischen Gerichtshof zum Tode durch den Strang verurteilt; die Hinrichtung erfolgte am 16. desselben Monats auf dem Gelände des ehemals von ihm geleiteten Konzentrationslagers Auschwitz.

    Im Jahre 1951 wurden seine Aufzeichnungen auszugsweise in polnischer Sprache veröffentlicht (1); eine vollständige Veröffentlichung erfolgte, ebenfalls auf polnisch, fünf Jahre später (2). Merkwürdigerweise interessierte sich lange Zeit kein deutscher Herausgeber für dieses historisch so ungemein bedeutsame Dokument. Erst 1958 entschloss sich Martin Broszat, damaliger Mitarbeiter und späterer Leiter des Münchner Instituts für Zeitgeschichte, die Aufzeichnungen unter dem Titel Kommandant in Auschwitz in der Originalversion zu veröffentlichen. Broszat teilt den Text in zwei Hauptteile ein:

    1) Autobiographie.

    2) Aufzeichnungen. Der erste Teil zerfällt in zehn Kapitel, von denen hier nur das achte (Kommandant von Auschwitz 1940-1943) von Belang ist. Der zweite, kürzere Teil besteht aus zwei Kapiteln, nämlich 1) Die «Endlösung der Judenfrage» im KL Auschwitz. 2) Der Reichsführer-SS Heinrich Himmler. Für unser Thema ist hier lediglich das erste der beiden Kapitel massgeblich.

    Wegen der ausserordentlichen Bedeutung dieses Dokuments zitieren wir daraus längere Abschnitte. Zunächst zur Beschreibung der Judenvernichtung im 8. Kapitel der Autobiographie (3):

    Nach dem Willen des RFSS (Reichsführer-SS) wurde Auschwitz die grösste Menschen-Vernichtungs-Anlage aller Zeiten. Als er mir im Sommer 1941 persönlich den Befehl erteilte, in Auschwitz einen Platz zur Massenvernichtung vorzubereiten und diese Vernichtung durchzuführen, konnte ich mir nicht die geringsten Vorstellungen über die Ausmasse und die Auswirkungen machen. Wohl war dieser Befehl etwas Ungewöhnliches, etwas Ungeheuerliches. Doch die Begründung liess mich [sie!] diesen Vernichtungsvorgang richtig erscheinen. Ich stellte damals keine Überlegungen an - ich hatte den Befehl bekommen - und hatte ihn durchzuführen. Ob diese Massenvernichtung der Juden notwendig war oder nicht, darüber konnte ich mir kein Urteil erlauben, soweit konnte ich nicht sehen. Wenn der Führer selbst die «Endlösung der Judenfrage» befohlen hatte, gab es für einen alten Nationalsozialisten keine Überlegungen, noch weniger für einen SS-Führer «Führer befiehl, wir folgen» war keinesfalls eine Phrase, kein Schlagwort für uns. Es war bitter ernst gemeint (...)

    Bevor aber die Massenvernichtung der Juden begann, wurden in fast allen KL 1941142 die russischen Politruks und politischen Kommissare liquidiert. Gemäss einem geheimen Führererlass wurden in allen Kriegsgefangenenlagern die russischen Politruks und politischen Kommissare herausgesucht durch besondere Kommandos der Gestapo. Die Herausgefundenen wurden zur Liquidation dem nächsten KL überstellt (...) Solche herausgefundenen politischen Funktionäre der Roten Armee kamen nun auch zur Liquidierung nach Auschwitz. Die ersten kleinen Transporte wurden durch Exekutions-Kommandos der Truppe erschossen. Während einer Dienstreise hatte mein Vertreter, der Schutzhaftlagerführer Fritzsch, zur Tötung Gas verwendet. Und zwar das Blausäurepräparat Cyclon B, das zur Ungeziefervertilgung im Lager laufend gebraucht wurde und vorrätig lag. Nach meiner Rückkehr meldete er mir dies, und beim nächsten Transport wurde wiederum dies Gas benutzt. Die Vergasung wurde in den Arrestzellen des Blocks 11 durchgeführt. Ich selbst habe mir die Tötung, durch eine Gasmaske geschützt, angesehen. Der Tod erfolgte in den vollgepfropften Zellen sofort nach Einwurf. Nur ein kurzes, schon fast ersticktes Schreien, und schon war es vorüber, So recht zum Bewusstsein ist mir diese erste Vergasung von Menschen nicht gekommen, ich war vielleicht zu sehr von dem ganzen Vorgang überhaupt beeindruckt. Stärker erinnerlich ist mir die bald darauf erfolgte Vergasung von 900 Russen im alten Krematorium, da die Benutzung des Blocks 11 zuviel Umstände erforderlich machte. Es wurden einfach noch während des Entladens mehrere Löcher von oben durch die Erd- und Betondecke des Leichenraumes geschlagen. Die Russen mussten sich im Vorraum entkleiden und gingen alle ganz ruhig in den Leichenraum, da ihnen gesagt wurde, sie würden entlaust. Der ganze Transport ging gerade genau in den Leichenraum. Die Türe wurde zugeschlossen und das Gas durch die Öffnungen hineingeschüttet. Wie lange diese Tötung gedauert hat, weiss ich nicht. Doch war eine genaue Weile das Gesumme noch zu vernehmen. Beim Einwerfen schrien einige «Gas», darauf ging ein mächtiges Brüllen los und ein Drängen nach den beiden Türen. Diese hielten aber den Druck aus. - Nach mehreren Stunden erst wurde geöffnet und entlüftet. Da sah ich nun zum ersten Male die Gasleichen in der Menge. Mich befiel ein Unbehagen, so ein Erschauern, obwohl ich mir den Gastod schlimmer vorgestellt hatte. Ich stellte mir darunter immer ein qualvolles Ersticken vor Die Leichen waren aber durchwegs ohne jegliche Verkrampfung. Wie mir die Ärzte erklärten, wirkte die Blausäure lähmend auf die Lunge, die Wirkung wäre aber so plötzlich und so stark, dass es nicht zu den Erstickungserscheinungen wie z.B. durch Leuchtgas oder durch allgemeine Luftentziehung des Sauerstoffs führe. Über die Tötung der russischen Kriegsgefangenen an und für sich machte ich mir damals keine Gedanken. Es war befohlen, ich hatte es durchzuführen. Doch ich muss offen sagen, auf mich wirkte diese Vergasung beruhigend, da ja in absehbarer Zeit mit der Massen- Vernichtung der Juden begonnen werden musste, und noch war weder Eichmann noch mir die Art des Tötens dieser zu erwartenden Massen klar. Durch Gas sollte es wohl sein, aber wie und was für ein Gas? Nun hatten wir das Gas und auch den Vorgang entdeckt (...)

    Es kamen nun im Frühjahr 1942 die ersten Judentransporte aus Oberschlesien die alle zu vernichten waren. Sie wurden nach dem Bauerngehöft - Bunker I - von der Rampe über die Wiesen des späteren Bauabschnitts II geführt. Aumeier, Palitzsch und noch einige Blockführer führten sie und unterhielten sich mit ihnen Möglichst harmlos, frugen nach Berufen und Kenntnissen, um so zu täuschen. Am Gehöft angekommen, mussten sie sich ausziehen. Sie gingen auch zuerst ganz ruhig in die Räume, wo sie desinfiziert werden sollten. Bis dann einige doch stutzig wurden und von Ersticken, von Vernichten sprachen. Es entstand dann sofort eine Art Panik. Doch schnell wurden die noch draussen Stehenden in die Kammern hineingetrieben und (die Türen) zugeschraubt (...)

    Die Häftlinge des Sonderkommandos sorgten auch dafür, dass der Vorgang des Entkleidens schnell vor sich ging, damit den Opfern nicht lange Zeit zu Überlegungen blieb. Überhaupt war die eifrige Mithilfe der Sonderkommandos bei dem Entkleiden und dem Hineinführen in die Gaskammern doch eigenartig. Nie habe ich erlebt, habe auch nie davon gehört, dass sie den zu Vergasenden auch nur das geringste von dem ihnen Bevorstehenden sagten. Im Gegenteil, sie versuchten alles, um sie zu täuschen, vor allem die Ahnenden zu beruhigen. Wenn sie den SS-Männern nicht glaubten, aber den eigenen Rassegenossen (schon aus Gründen der Verständigung und auch der Beruhigung wurden die Sonderkommandos immer aus Juden zusammengesetzt, die aus den Ländern stammten, aus denen die Aktionen gerade anliefen) glaubten sie zuversichtlich. Sie liessen sich von dem Leben im Lager erzählen und fragten zumeist nach dem Verbleib Bekannter oder Familienangehöriger aus früheren Transporten. Was die vom Sonderkommando denen alles vorlogen, mit welcher Überzeugungskraft, mit welchen Gebärden sie das Gesagte unterstrichen, war interessant. Viele Frauen versteckten ihre Säuglinge in den Kleiderhaufen. Die vom Sonderkommando passten da ganz besonders auf und redeten der Frau so lange zu, bis sie das Kind mitnahm. Die Frauen glaubten, dass die Desinfektion den Kindern nicht gut täte, daher das Verstecken. Die kleinen Kinder jammerten meist ob des Ungewohnten beim Ausziehen, doch wenn die Mütter gut zuredeten, oder die vom Sonderkommando, beruhigten sie sich und gingen spielend, sich gegenseitig neckend, ein Spielzeug im Arm, in die Kammern. Ich habe auch beobachtet, dass Frauen, die ahnten oder wussten, was ihnen bevorstand, mit der Todesangst in den Augen die Kraft noch aufbrachten, mit ihren Kindern zu scherzen, ihnen gut zuzureden. Eine Frau trat einmal im Vorbeigehen ganz nahe an mich heran und flüsterte mir zu, indem sie auf ihre vier Kinder zeigte, die sich brav angefasst hatten, um die Kleinsten über die Unebenheiten des Geländes zu führen: «Wie bringt ihr das bloss fertig, diese schönen lieben Kinder umzubringen? Habt ihr denn kein Herz im Leibe?» Ein alter Mann zischelte mir einmal im Vorbeigehen zu: «Diesen Massenmord an den Juden wird Deutschland schwer büssen müssen.» Dabei glühten seine Augen vor Hass. Trotzdem ging er mutig in den Gasraum, ohne sich um die anderen zu kümmern. Eine junge Frau fiel mir auf, da sie übereifrig half, die Kleinkinder, die älteren Frauen auszuziehen, immer hin und her rannte. Sie hatte bei der Aussortierung zwei kleine Kinder bei sich, sie fiel mir durch ihr aufgeregtes Wesen und durch ihre Erscheinung dort schon auf Sie sah ganz und gar nicht nach einer Jüdin aus. Jetzt hatte sie keine Kinder mehr. Sie drückte sich bis zuletzt um die noch nicht mit dem Auskleiden fertigen Frauen mit mehreren Kindern herum, redete ihnen gut zu, beruhigte die Kinder. Mit den letzten ging sie in den Bunker. Im Türrahmen blieb sie stehen und sagte: «Ich habe von Anfang an gewusst, dass wir nach Auschwitz zur Vergasung kommen, vor der Aussortierung als Arbeitsfähige drückte ich mich, indem ich die Kinder an mich nahm. Ich wollte den Vorgang bewusst und genau erleben. Hoffentlich geht es schnell vorüber Lebt wohl!» Ab und zu kam es auch vor, dass Frauen während des Ausziehens plötzlich markerschütternd losschrien, sich die Haare ausrissen und sich wie wahnsinnig gebärdeten. Schnell wurden sie herausgeführt und hinter dem Haus mit dem Kleinkalibergewehr durch Genickschuss getötet. Es kam auch vor, dass Frauen in dem Augenblick, als die vom Sonderkommando aus dem Raum gingen und sie merkten, was nun geschehen würde, uns alle möglichen Verwünschungen zuschrien. Ich erlebte auch, dass eine Frau aus der Kammer beim Zumachen ihre Kinder hinausschieben wollte und weinend rief: «Lasst doch wenigstens meine lieben Kinder am Leben.» So gab es viele erschütternde Einzelszenen, die allen Anwesenden nahegingen. Im Frühjahr 1942 gingen Hunderte von blühenden Menschen unter den blühenden Obstbäumen des Bauerngehöftes, meist nichtsahnend, in die Gaskammern in den Tod. Dies Bild vom Werden und Vergehen steht mir auch jetzt noch genau vor den Augen (...)

    Ebenso eigenartig war ja auch das ganze Verhalten der Sonderkommandos. Sie wussten doch alle ganz bestimmt, dass sie bei Beendigung der Aktionen selbst auch das gleiche Schicksal treffen würde wie die Tausende ihrer Rassegenossen, zu deren Vernichtung sie beträchtlich behilflich waren. Und doch waren sie mit einem Eifer dabei, der mich immer verwunderte. Nicht nur, dass sie nie zu den Opfern über das Bevorstehende redeten, auch das fürsorgliche Behilflichsein beim Ausziehen, aber auch das gewaltsame bei sich Sträubenden. Dann das Wegführen der Unruhigen und das Festhalten beim Erschiessen. Sie führten die Opfer so, dass diese den mit dem Gewehr bereitstehenden Unterführer nicht sehen konnten und dieser so unbemerkt das Gewehr im Nacken ansetzen konnte. So verfuhren sie auch mit den Kranken und Gebrechlichen, die nicht in die Gasräume gebracht werden konnten. Alles mit einer Selbstverständlichkeit, als wenn sie selbst zu den Vernichtern gehörten. Dann das Herausziehen der Leichen aus den Kammern, das Entfernen der Goldzähne, das Abschneiden der Haare, das Hinschleppen zu den Gruben oder an die Öfen. Das Unterhalten des Feuers bei den Gruben, das Übergiessen des angesammelten Fettes, das Herumstochern in den brennenden Leichenbergen, um Luft zuzuführen. All diese Arbeiten machten sie mit einer stumpfen Gleichmütigkeit, als wenn es irgend etwas Alltägliches wäre. Beim Leichenschleppen assen sie oder rauchten. Selbst bei der grausigen Arbeit des Verbrennens der schon längere Zeit in den Massengräbern Liegenden liessen sie sich nicht vom Essen abhalten. Es kam auch wiederholt vor, dass Juden vom Sonderkommando nähere Angehörige unter den Leichen entdeckten, auch unter denen, die in die Kammern gingen. Wohl ging ihnen das sichtbar nahe, aber nie ereignete sich dabei ein Zwischenfall. Einen Fall erlebte ich selbst. Beim Herausziehen der Leichen aus einer Kammer der Freianlage stutzte plötzlich einer vom Sonderkommando, stand einen Augenblick wie gebannt still, zog aber dann mit seinen Genossen mit der Leiche ab. Ich fragte den Capo, was mit dem los sei. Er stellte fest, dass der stutzende Jude seine Frau unter den Leichen entdeckt hätte. Ich beobachtete ihn noch eine Weile, ohne etwas Auffälliges zu bemerken. Er schleppte nach wie vor seine Leichen weiter. Als ich einige Zeit später wieder zu dem Kommando kam, sass er essend zwischen den anderen, als ob nichts vorgegangen wäre (...) Das Leben und das Sterben der Juden gaben mir wahrhaft Rätsel genug, die ich nicht zu lösen imstande war.

    Krematorium I im Stammlager Auschwitz in den Neunziger Jahren (30KB)

    Illustration 6: Nordöstliche Fassade des Krematoriums 1 im heutigen Zustand. Für weitere Lagerpläne und Gebäudequerschnitte vgl. Das Rudolf Gutachten

     

    Soweit die wichtigsten Ausschnitte aus dem Kapitel «Kommandant von Auschwitz». Als nächstes zitieren wir einen grossen Teil des Kapitels über die «Endlösung der Judenfrage» im KL Auschwitz (4):

    Im Sommer 1941, den genauen Zeitpunkt vermag ich zurzeit nicht anzugeben, wurde ich plötzlich zum Reichsführer SS nach Berlin befohlen, und zwar direkt durch seine Adjutantur. Entgegen seiner sonstigen Gepflogenheit eröffnete er mir ohne Beisein eines Adjutanten dem Sinne nach folgendes: Der Führer hat die Endlösung der Judenfrage befohlen, wir - die SS - haben diesen Befehl durchzuführen. Die bestehenden Vernichtungsstätten im Osten sind nicht in der Lage, die beabsichtigten grossen Aktionen durchzuführen. Ich habe daher Auschwitz dafür bestimmt, einmal wegen der günstigen verkehrstechnischen Lage und zweitens lässt sich das dafür dort zu bestimmende Gelände leicht absperren und tarnen. Ich hatte erst einen höheren SS-Führer für diese Aufgabe ausgesucht; um aber Kompetenzschwierigkeiten von vorneherein zu begegnen, unterbleibt das, und Sie haben nun diese Aufgabe durchzuführen. Es ist eine harte und schwere Arbeit, die den Einsatz der ganzen Person erfordert, ohne Rücksicht auf etwa entstehende Schwierigkeiten. Nähere Einzelheiten erfahren Sie durch Sturmbannführer Eichmann vom RSHA, der in nächster Zeit zu Ihnen kommt. Die beteiligten Dienststellen werden von mir zu gegebener Zeit benachrichtigt. Sie haben über diesen Befehl strengstes Stillschweigen, selbst Ihren Vorgesetzten gegenüber, zu bewahren. Nach der Unterredung mit Eichmann schicken Sie mir sofort die Pläne der beabsichtigten Anlage zu. - Die Juden sind die ewigen Feinde des deutschen Volkes und müssen ausgerottet werden. Alle für uns erreichbaren Juden sind jetzt während des Krieges ohne Ausnahme zu vernichten. Gelingt es uns jetzt nicht, die biologischen Grundlagen des Judentums zu zerstören, so werden einst die Juden das deutsche Volk vernichten.

    Nach Erhalt dieses schwerwiegenden Befehles fuhr ich sofort nach Auschwitz zurück, ohne mich bei meiner vorgesetzten Dienststelle in Oranienburg gemeldet zu haben. Kurze Zeit danach kam Eichmann zu mir nach Auschwitz. Er weihte mich in die Pläne der Aktion in den einzelnen Ländern ein. Die Reihenfolge vermag ich nicht mehr genau anzugeben (...)

    Eichmann machte mich bekannt mit der Tötung durch die Motoren-Abgase in Lastwagen, wie sie bisher im Osten durchgeführt wurde. Dies käme aber für die zu erwartenden Massentransporte in Auschwitz nicht in Frage. Die Tötung durch Kohlenoxyd-Gas, durch Brausen in einem Baderaum, wie die Vernichtung der Geisteskranken an einigen Stellen im Reich durchgeführt wurde, erfordere zuviel Baulichkeiten, auch wäre die Beschaffung des Gases für die grossen Massen sehr problematisch. Wir kamen in dieser Frage zu keinem Entscheid. Eichmann wollte sich nach einem Gas, das leicht zu beschaffen wäre und keine besonderen Anlagen erforderte, erkundigen und mir dann berichten. Wir fuhren ins Gelände, um den geeignetsten Platz festzulegen. Wir hielten das Bauerngehöft an der Nord-West-Ecke des späteren Bau-Abschnittes III Birkenau für geeignet. Es war abgelegen, gegen Einsicht durch umliegende Waldstücke und Hecken geschützt und nicht zu weit von der Bahn entfernt. Die Leichen sollten auf dem angrenzenden Wiesenplan in tiefen langen Gruben untergebracht werden. An ein Verbrennen dachten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Wir errechneten, dass man in den dort vorhandenen Räumlichkeiten ungefähr 800 Menschen gleichzeitig nach Gasdichtmachtung durch ein geeignetes Gas töten könne. Dies entsprach auch der späteren Kapazität. Den Zeitpunkt des Beginnes der Aktion konnte mir Eichmann noch nicht sagen, da alles noch in Vorbereitung wäre und der RFSS noch nicht den Anfang befohlen hätte (...)

    Ende November war in Berlin bei der Dienststelle Eichmann eine Dienstbesprechung des gesamten Judenreferates, zu der auch ich hinzugezogen wurde. Die Beauftragten Eichmanns in den einzelnen Ländern berichteten über den Stand der Aktionen und über die Schwierigkeiten, die der Durchführung der Aktionen entgegenstanden, wie Unterbringung der Verhafteten, Bereitstellung der Transport-Züge, Fahrplankonferenz u. ä. Den Beginn der Aktionen konnte ich noch nicht erfahren. Auch hatte Eichmann noch kein geeignetes Gas aufgetrieben.

    Im Herbst 1941 wurden durch einen Geheimen Sonderbefehl in den Kriegs-Gefangenen-Lagern die russischen Politruks, Kommissare und besondere politische Funktionäre durch die Gestapo ausgesondert und dem nächstgelegenen KL Zur Liquidierung zugeführt. In Auschwitz trafen laufend kleinere Transporte dieser Art ein, die durch Erschiessen in der Kiesgrube bei den Monopol-Gebäuden oder im Hof des Block 11 getötet wurden. Gelegentlich einer Dienstreise hatte mein Vertreter, der Hauptsturmführer Fritsch, aus eigener Initiative Gas zur Vernichtung dieser russischen Kriegsgefangenen verwendet, und zwar derart, dass er die einzelnen im Keller gelegenen Zellen mit Russen vollstopfte und unter Verwendung von Gasmasken Cyclon B in die Zellen warf, und das den sofortigen Tod herbeiführte. Das Gas Cyclon B wurde in Auschwitz durch die Firma Tesch & Stabenow laufend zur Ungezieferbekämpfung verwendet, und es lagerte daher immer ein Vorrat dieser Gasbüchsen bei der Verwaltung. In der ersten Zeit wurde dieses Giftgas, ein Blausäurepräparat, nur durch Angestellte der Firma Tesch & Stabenow unter grössten Vorsichtsmassnahmen angewandt, später wurden einige SDG (Sanitätsdienstgrade) als Desinfektoren bei der Firma ausgebildet, und es haben dann diese die Gasverwendung bei der Entseuchung und Ungezieferbekämpfung durchgeführt. Beim nächsten Besuch Eichmanns berichtete ich ihm über diese Verwendung von Cyclon B, und wir entschlossen uns, bei der zukünftigen Massenvernichtung dieses Gas zur Anwendung zu bringen. Die Tötung der oben bezeichneten russischen Kriegsgefangenen wurde fortgesetzt, aber nicht mehr im Block 11, da nach der Vergasung das ganze Gebäude mindestens zwei Tage gelüftet werden musste. Es wurde daher der Leichenraum des Krematoriums beim Revier als Vergasungsraum benutzt, indem die Tür gasdicht und einige Löcher zum Einwurf des Gases in die Decke geschlagen wurden.

    Ich erinnere mich aber nur noch an einen Transport von 900 russischen Kriegsgefangenen, die dort vergast wurden und deren Verbrennung mehrere Tage dauerte. In dem nun zur Vernichtung der Juden hergerichteten Bauerngehöft sind Russen nicht vergast worden. Zu welcher Zeit nun die Judenvernichtung begann, vermag ich nicht mehr anzugeben. Wahrscheinlich noch im September 1941, vielleicht aber auch erst im Januar 1942. Diese Juden wurden durch die Stapoleitstelle Kattowitz verhaftet und in Transporten mit der Bahn auf einem Abstellgleis auf der Westseite der Bahnstrecke Auschwitz-Dziedzice gebracht und dort ausgeladen. Soviel ich mich noch erinnere, waren diese Transporte nie stärker als 1000 Menschen.

    An der Bahnrampe wurden die Juden von einer Bereitschaft des Lagers von der Stapo übernommen und in zwei Abteilungen durch den Schutzhaftlagerführer nach dem Bunker, wie die Vernichtungsanlage bezeichnet wurde, gebracht. Das Gepäck blieb an der Rampe und wurde dann nach der Sortierstelle - Kanada genannt - zwischen DAW (Zweigwerk der Deutschen Ausrüstungswerke) und dem Bauhof gebracht. Die Juden mussten sich bei dem Bunker ausziehen, und es wurde ihnen gesagt, dass sie zur Entlausung in die auch so bezeichneten Räume gehen müssten. Alle Räume, es handelte sich um fünf, wurden gleichzeitig gefüllt, die gasdicht gemachten Türen zugeschraubt und der Inhalt der Gasbüchsen durch besondere Luken in die Räume geschüttet.

    Nach Verlauf einer halben Stunde wurden die Türen wieder geöffnet, in jedem Raum waren 2 Türen, die Toten herausgezogen und auf kleinen Feldbahnwagen auf einem Feldbahngleis nach den Gruben gefahren. Die Kleidungsstücke wurden mit Lastwagen nach der Sortierstelle gebracht. Die ganze Arbeit, Behilflichsein beim Ausziehen, Füllen des Bunkers, Räumung des Bunkers, Beseitigung der Leichen sowie das Ausschachten und Zuschütten der Massengräber wurde durch ein besonderes Kommando von Juden durchgeführt, die gesondert untergebracht waren und nach Anordnung Eichmanns nach jeder grösseren Aktion ebenfalls vernichtet werden sollten. Während des ersten Transportes schon brachte Eichmann einen Befehl des RFSS, wonach den Leichen die Goldzähne auszuziehen und bei den Frauen die Haare abzuschneiden seien. Diese Arbeit wurde ebenfalls von dem Sonderkommando durchgeführt. Die Aufsicht bei der Vernichtung hatte zu der Zeit jeweils der Schutzhaftlagerführer bzw. der Rapportführer. Kranke Personen, die man nicht in die Gasräume bringen konnte, wurden durch Genickschuss mit dem Kleinkalibergewehr getötet. Ein SS-Arzt musste ebenfalls zugegen sein. Das Einwerfen des Gases erfolgte durch die ausgebildeten Desinfektoren - SDGs.

    Während es sich im Frühjahr 1942 noch um kleinere Aktionen handelte, verdichteten sich die Transporte während des Sommers, und wir waren gezwungen noch eine weitere Vernichtungsanlage zu schaffen. Es wurde das Bauerngehöft westlich der späteren Krematorien III und IV ausgewählt und hergerichtet. Zur Entkleidung waren beim Bunker I zwei und beim Bunker II drei Baracken entstanden. Der Bunker II war grösser, er fasste etwa 1200 Personen.

    Noch im Sommer 1942 wurden die Leichen in die Massengräber gebracht. Erst gegen Ende des Sommers fingen wir an mit der Verbrennung; zuerst auf einem Holzstoss mit etwa 2000 Leichen, nachher in den Gruben mit den wieder freigelegten Leichen aus der früheren Zeit. Die Leichen wurden zuerst mit Ölrückständen, später mit Methanol übergossen. In den Gruben wurde fortgesetzt verbrannt, also Tag und Nacht. Ende November 1942 waren sämtliche Massengräber geräumt. Die Zahl der in diesen Massengräbern vergrabenen Leichen betrug 107'000. In dieser Zahl sind nicht nur die vergasten Judentransporte vom Anfang bis zu Beginn der Verbrennungen enthalten, sondern auch die Leichen der im Lager Auschwitz verstorbenen Häftlinge des Winters 194111942, als das Krematorium beim Revier längere Zeit ausgefallen war. Ebenso sind darin enthalten sämtliche verstorbene Häftlinge des Lagers Birkenau.

    Der Reichsführer SS sah sich anlässlich seines Besuches im Sommer 1942 den gesamten Vorgang der Vernichtung genau an, angefangen von der Ausladung bis zur Räumung des Bunkers II. Zu der Zeit wurde noch nicht verbrannt. Er hatte nichts zu beanstanden, hat sich aber auch nicht darüber unterhalten. Zugegen waren der Gauleiter Bracht und Obergruppenführer Schmauser. Kurze Zeit nach dem Reichsführerbesuch kam Standartenführer Blobel von der Dienststelle Eichmann und brachte den RFSS-Befehl, wonach sämtliche Massengräber freizulegen und die Leichen zu verbrennen seien. Ebenso sollte die Asche so beseitigt werden, dass mal in späterer Zeit keinerlei Rückschlüsse über die Zahl der Verbrannten ziehen könne. Blobel machte in Culmhof bereits Versuche verschiedener Verbrennungsarten. Er hatte den Auftrag von Eichmann, mir diese Anlage zu zeigen.

    Erfuhr mit Hössler nach Culmhof zur Besichtigung. Blobel hatte verschiedene behelfsmässige Öfen aufbauen lassen und verbrannte mit Holz und Benzinrückständen. Er versuchte auch durch Sprengungen, die Leichen zu vernichten, dies gelang aber nur sehr unvollständig. Die Asche wurde in dem ausgedehnten Waldgelände verstreut, zuvor durch eine Knochenmühle zu Staub zermahlen. Standartenführer Blobel war beauftragt, alle Massengräber im gesamten Ostraum ausfindig zu machen und zu beseitigen. Sein Arbeitsstab hatte die Deckbezeichnung «1005». Die Arbeiten selbst wurden durch Judenkommandos durchgeführt, die nach Beendigung eines Abschnittes erschossen wurden. KL Auschwitz hatte laufend Juden für das Kommando «1005» zur Verfügung zu stellen.

    Bei dem Besuch von Culmhof sah ich auch die dortigen Vernichtungsanlagen mit den Lastwagen, die zur Tötung durch die Motorenabgase hergerichtet waren. Der dortige Kommandoführer bezeichnete aber diese Art als sehr unzuverlässig, da das Gas sehr unregelmässig sich bilde und oft zur Tötung gar nicht ausreiche. Wieviele Leichen in Culmhof in den Massengräbern lagen bzw. schon verbrannt waren, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Standartenführer Blobel wusste ziemlich genau die Zahlen der Massengräber im Ostraum, war aber zu strengstem Schweigen verpflichtet (...)

    Die beiden grossen Krematorien I und II wurden im Winter 1942143 gebaut und im Frühjahr 1943 in Betrieb genommen. Sie hatten je fünf 3-Kammer-Öfen und konnten innerhalb 24 Stunden je 2000 Leichen verbrennen. Die Verbrennungskapazität zu steigern, war feuerungstechnisch nicht möglich. Versuche führten zu schweren Schäden, die mehrere Male zum gänzlichen Ausserbetriebsetzen führten. Die beiden Krematorien I und II hatten unterirdisch gelegene Auskleidungs- und Vergasungsräume, die be- und entlüftet werden konnten. Die Leichen wurden durch einen Aufzug nach den oben befindlichen Öfen gebracht. Die Vergasungsräume fassten je 3000 Menschen; diese Zahlen wurden aber nie erreicht, da die einzelnen Transporte nie so stark waren.

    Die beiden kleineren Krematorien III und IV sollten nach der Berechnung durch die Bau-Firma Topf, Erfurt, je 1500 innerhalb 24 Stunden verbrennen können. Durch die kriegsbedingte Materialknappheit war die Bauleitung gezwungen, III und IV materialsparend zu bauen, daher die Auskleidungs- und Vergasungsräume oberirdisch und die Öfen in leichterer Bauart. Es stellte sich aber bald heraus, dass die leichtere Bauart der Öfen, je zwei 4-Kammer-Öfen, den Anforderungen nicht gewachsen waren. III fiel nach kurzer Zeit gänzlich aus und wurde später überhaupt nicht mehr benutzt. IV musste wiederholt stillgelegt werden, da nach kurzer Verbrennungsdauer die Öfen oder der Schornstein ausgebrannt waren. Meist wurden die Vergasten in Gruben hinter dem Krematorium IV verbrannt.

    Die provisorische Anlage I wurde bei Beginn des Bauabschnittes III des Lagers Birkenau abgerissen. Die Anlage II, später als Freianlage oder Bunker V bezeichnet, war bis zuletzt im Betrieb, und zwar als Ausweichungsmöglichkeit bei Pannen in den Krematorien I bis IV Bei Aktionen mit dichterer Zugfolge wurden die Vergasungen bei Tage in V durchgeführt, die nachts ankommenden Transporte in I bis IV Die Verbrennungsmöglichkeit bei V war praktisch unbegrenzt, als noch Tag und Nacht verbrannt werden konnte. Durch die feindliche Lufttätigkeit ab 1944 durfte nachts nicht mehr gebrannt werden. Die erreichte höchste Zahl innerhalb 24 Stunden an Vergasungen und Verbrennungen war etwas über 9000 an allen Stellen ausser III im Sommer 1944 während der Ungarn-Aktion, als durch Zugverspätungen anstatt der vorgesehenen drei Züge fünf Züge innerhalb 24 Stunden einliefen und diese ausserdem noch stärker belegt waren ( ... )

    Die Zahl der in Auschwitz zur Vernichtung eingelieferten Juden gab ich in früheren Vernehmungen mit 2,5 Millionen an. Diese Zahl stammt von Eichmann, der sie kurz vor der Einschliessung Berlins, als er zum Rapport zum RFSS befohlen war, meinem Vorgesetzten, Gruppenführer Glücks gab (...) Ich halte die Zahl 2,5 Millionen für viel zu hoch. Die Möglichkeiten der Vernichtung hatten auch in Auschwitz ihre Grenzen (...)

    Es bestanden - nach meiner Kenntnis - ausser Auschwitz folgende Juden-Vernichtungsstellen:

    Culmhof bei Litzmannstadt - Motorenabgase
    Treblinka a. Bug - Motorenabgase
    Sobibor bei Lublin - Motorenabgase
    Belzec bei Lemberg - Motorenabgase
    Lublin (Majdanek) - Cyclon B.

    Mehrere Stellen im Bereich des Reichskommissariats Ostland, so bei Riga. An diesen Orten wurden die Juden erschossen und auf Holzstössen verbrannt.

    Ich selbst habe nur Culmhof und Treblinka gesehen. Culmhof war nicht mehr in Betrieb. In Treblinka sah ich den gesamten Vorgang. Es waren dort mehrere Kammern, einige Hundert Personen fassend, unmittelbar am Bahngleis erbaut. Über eine Rampe in der Höhe der Waggons gingen die Juden direkt - noch bekleidet - in die Kammern. In einem daneben erbauten Motorenraum befanden sich verschiedene Motoren grösserer Lastwagen und Panzer, die angeworfen wurden. Durch Rohrleitungen wurden die Abgase der Motoren in die Kammern geführt und die darin Befindlichen getötet. Es dauerte über eine halbe Stunde, bis es in den Kammern still wurde. Nach einer Stunde Öffnete man die Kammern und zog die Leichen heraus, entkleidete sie und verbrannte sie auf einem Schienengestell. Das Feuer wurde durch Holz unterhalten, die Leichen ab und zu mit Benzinrückständen überschüttet. Während meiner Besichtigung waren alle so Vergasten tot. Es wurde mir aber gesagt, dass die Motoren nicht immer gleichmässig arbeiteten, daher die Abgase oft nicht so stark seien, um alle in den Kammern zu töten. Viele seien nur bewusstlos und müssten noch erschossen werden. Dasselbe hörte ich auch in Culmhof Auch sagte mir Eichmann, dass an den anderen Stellen dieselben Mängel beständen. Auch ist es in Culmhof vorgekommen, dass die im Lastwagen sich befindlichen Juden die Wände durchbrachen und versuchten zu flüchten.

    Die Erfahrung hat gezeigt, dass das Blausäurepräparat Cyclon B unbedingt sicher und schnell den Tod verursacht, insbesondere in trockenen und gasdichten Räumen mit voller Belegung und möglichst zahlreichen Gaseinwurfstellen. Ich habe nie erlebt, auch nie davon gehört, dass auch nur ein einziger Vergaster in Auschwitz beim Öffnen der Gasräume eine halbe Stunde nach dem Einwurf des Gases noch am Leben war.

    Der Vernichtungsvorgang verlief in Auschwitz wie folgt:

    Die zur Vernichtung bestimmten Juden wurden möglichst ruhig - Männer und Frauen getrennt - zu den Krematorien geführt. Im Auskleideraum wurde ihnen durch die dort beschäftigten Häftlinge des Sonderkommandos in ihrer Sprache gesagt, dass sie hier nun zum Baden und zur Entlausung kämen, und dass sie ihre Kleider ordentlich zusammenlegen sollten und vor allem den Platz zu merken hätten, damit sie nach der Entlassung ihre Sache schnell wiederfinden könnten. Die Häftlinge des Sonderkommandos hatten selbst das grösste Interesse daran, dass der Vorgang sich schnell, ruhig und reibungslos abwickelte. Nach der Entkleidung gingen die Juden in die Gaskammer die mit Brausen und Wasserleitungsröhren versehen, völlig den Eindruck eines Baderaumes machten. Zuerst kamen die Frauen mit den Kindern hinein, hernach die Männer, die ja immer nur die wenigeren waren. Dies ging fast immer ganz ruhig, da die Ängstlichen und das Verhängnis vielleicht ahnenden von den Häftlingen des Sonderkommandos beruhigt wurden. Auch blieben diese Häftlinge und ein SS-Mann bis zum letzten Moment in die Kammer.

    Die Tür wurde nun schnell zugeschraubt und das Gas sofort durch die bereitstehenden Desinfektoren in die Einwurfluken durch die Decke der Gaskammer in einen Luftschacht bis zum Boden geworfen. Dies bewirkte die sofortige Entwicklung des Gases. Durch das Beobachtungsloch in der Tür konnte man sehen, dass die dem Einwurfschacht am nächsten Stehenden sofort tot umfielen. Die anderen fingen an zu taumeln, zu schreien und nach Luft zu ringen. Das Schreien ging aber bald in ein Röcheln über, und in wenigen Minuten lagen alle. Nach spätestens 20 Minuten regte sich keiner mehr. Je nach Witterung, feucht oder trocken, kalt oder warm, weiter je nach Beschaffenheit des Gases, das nicht immer gleich war, nach Zusammensetzung des Transportes, viele Gesunde, Alte oder Kranke, Kinder, dauerte die Wirkung des Gases fünf bis zehn Minuten. Die Bewusstlosigkeit trat schon nach wenigen Minuten ein, je nach Entfernung von dem Einwurfschacht. Schreiende, Ältere, Kranke, Schwächliche und Kinder fielen schneller als die Gesunden und Jüngeren.

    Eine halbe Stunde nach dem Einwurf des Gases wurde die Tür geöffnet und die Entlüftungsanlage eingeschaltet. Es wurde sofort mit dem Herausziehen der Leichen begonnen. Eine körperliche Veränderung konnte man nicht feststellen, weder Verkrampfung noch Verfärbung, erst nach längerem Liegen, also nach mehreren Stunden, zeigten sich an den Liegestellen die üblichen Totenflecken. Auch waren Verunreinigungen durch Kot selten. Verletzungen irgendwelcher Art wurden nicht festgestellt. Die Gesichter zeigten keinerlei Verzerrungen.

    Den Leichen wurden nun durch das Sonderkommando die Goldzähne entfernt und den Frauen die Haare abgeschnitten. Hiernach (wurden sie) durch den Aufzug nach oben gebracht vor die inzwischen aufgeheizten Öfen. Je nach Körperbeschaffenheit wurden dort bis zu drei Leichen in eine Ofenkammer gebracht. Auch die Dauer der Verbrennung war durch die Körperbeschaffenheit bedingt. Es dauerte im Durchschnitt 20 Minuten. Wie schon an früherer Stelle gesagt, konnten die Krematorien 1 und II innerhalb 24 Stunden etwa 2000 Leichen verbrennen, mehr war, ohne Schaden zu verursachen, nicht möglich. Die Anlagen III und IV sollten 1500 Leichen innerhalb 24 Stunden verbrennen können, meines Wissens sind diese Zahlen dort nie erreicht worden. Die Asche fiel während des ohne Unterbrechung fortgesetzten Verbrennens durch die Roste und wurde fortlaufend entfernt und zerstampft. Das Aschenmehl wurde mittels Lastwagen nach der Weichsel gefahren und dort schaufelweise in die Strömung geworfen, wo es sofort abtrieb und sich auflöste. Auch mit der Asche aus den Verbrennungsgruben bei Bunker II und Krematorium IV wurde so verfahren. Die Vernichtung in den Bunkern I und II war genauso wie in den Krematorien, nur waren die Witterungseinflüsse dort noch stärker spürbar...

    Krakau, im November 1946
    Rudolf Höss


    Anmerkungen zur Zeugenaussage

    1) In Biuletyn Glownej Komisfi Badania Zbrodni Hitlerowskich w Polsce, Bd. VII, Verlag des polnischen Justizministeriums, Warschau, 1951.
    2) Wspommenia Rudolfa Hössa, Komendanta Obozu Oswiemskiego, Juristischer Verlag Warschau, 1956.
    3) Rudolf Höss: Kommandant in Auschwitz. Autobiographische Aufzeichnungen. Herausgegeben von Martin Broszat. Verwendete Auflage ist die 9., vom April 1983 datierende. Sie erschien im Deutschen Taschenbuch Verlag, München. Die zitierten Passagen aus dem 8. Kapitel des 1. Teils stehen auf S. 124-131.
    4) ibidem, S. 157-172.


  • Kritik

    Wegen ihrer grossen Bedeutung haben die Höss-Aufzeichnungen natürlich die Aufmerksamkeit etlicher Forscher auf sich gezogen. Recht ausführlich geht beispielsweise Wilhelm Stäglich darauf ein (1). Über die chemisch-physikalischen Aspekte der von Höss geschilderten Massenvergasungen hat sich Robert Faurisson schon frühzeitig Gedanken gemacht (2). Mit der für ihn typischen Sorgfalt untersucht der italienische Gelehrte Carlo Mattogno die Aufzeichnungen, zusammen mit den anderen von Höss stammenden Erklärungen, in seiner Schrift Auschwitz: Le «confessioni» di Höss, wobei er die Aussagen des ersten Auschwitz-Kommandanten konsequent mit den in der Standardliteratur aufgestellten Behauptungen vergleicht und dabei unzählige Diskrepanzen aufzeigt (3). Mattognos Studie war für uns von allergrösstem Wert. - ob das von Höss Geschilderte physikalisch und chemikalisch möglich sei, haben Germar Rudolf und Ernst Gauss in ihren 1993 erschienenen Werken aufs ausführlichste analysiert.

    Vorausgeschickt sei der folgenden Untersuchung noch der Hinweis auf die Numerierung der Krematorien, die leicht verwirren kann. In der Standardliteratur wird das Krematorium des Stammlagers Auschwitz als K 1 bezeichnet, während man die vier Birkenauer Krematorien mit K II bis K V numeriert. Wenn Höss vom K 1 bis K IV spricht, bezieht er sich ausschliesslich auf die Krematorien von Birkenau, die 1942 in Angriff genommen und 1943 fertiggestellt wurden. Ansonsten spricht er vom «Krematorium beim Revier», d. h. im Stammlager.

    Hier nun eine - gewiss nicht vollständige - Liste der Ungereimtheiten, Widersprüche und schlichten Unmöglichkeiten in den zitierten Passagen.

    Wir beginnen mit dem ersten Teil, nämlich dem achten Kapitel der Autobiographie.

    1) Zunächst fällt auf, dass der Abschnitt über die Judenausrottung im ersten Teil der Aufzeichnungen, der «Autobiographie», relativ kurz ist und lediglich auf die Vergasungen im Stammlager sowie den Birkenauer Bauernhäusern Bezug nimmt. Die wesentlich umfangreicheren Vergasungen in den Krematorien werden hier nicht einmal gestreift; allerdings holt Höss das hier Versäumte dann in dem Kapitel über die «Endlösung der Judenfrage» im KL Auschwitz nach.

    2) Wie bereits in seinem Nürnberger Geständnis nennt Höss, im Widerspruch zur gesamten Standardliteratur, den Sommer 1941 als jene Zeit, in der die physische Ausrottung der Juden beschlossen wurde.

    3) Höss schreibt: «Bevor aber die Massenvernichtung der Juden begann, wurden in fast allen KL 1941/42 die russischen Politruks und politischen Kommissare liquidiert ( ... ) Die Herausgefundenen wurden zur Liquidation in das nächstgelegene KL überstellt.» Nun war das weit westlich liegende Auschwitz von der russischen Front aus gesehen gewiss nicht das «nächstgelegene KL».

    Zudem fragt man sich, weshalb denn die Kommissare und Politruks, wenn man tatsächliche ihre Ermordung beschlossen hatte, nicht an Ort und Stelle in der Sowjetunion getötet wurden. In der Tat schreibt die Einzyklopädie des Holocaust dazu (4): «Der Kommissarbefehl wurde von den Armeeoberkommandos an die unterstellten Einheiten weitergegeben, wobei oft die pauschale Erschiessung aller Kommissare angeordnet wurde. In der Regel wurden die Kommissare hingerichtet, sobald sie als solche identifiziert waren, sei es bei ihrer Gefangennahme an der Front oder im Kriegsgefangenenlager.»

    4) Die Vergasung russischer Gefangener im Block 11 beschreibt Höss so: «Der Tod erfolgte in den vollgepfropften Zellen sofort nach Einwurf. Nur ein kurzes, schon fast ersticktes Schreien, und schon war es vorüber.» Dies ist absolut unglaubhaft; selbst wenn grosse Zyklonmengen eingesetzt wurden und eine hohe Temperatur die rasche Freisetzung des Gases begünstigte, konnte der Tod der Opfer unter keinen Umständen «sofort nach Einwurf» erfolgen (vgl. das dazu früher Gesagte-, über die Verdampfungsgeschwindigkeit des Zyklon haben Rudolf und Gauss eingehende Recherchen angestellt).

    5) Nach Höss konnte man 900 Russen auf einmal in den Leichenraum des Stammlagerkrematoriums pferchen («der ganze Transport ging gerade genau in den Leichenraum»). Nun betrug die Fläche der Leichenhalle des K 1 in ihrer ursprünglichen Form 78 m²(5).900 Menschen lassen sich beim besten Willen nicht auf 78 Quadratmetern unterbringen.

    6) In seinem Nürnberger Geständnis sagt Höss, die Massenvernichtung der Juden durch Gas habe im Sommer 1941 begonnen. In den Aufzeichnungen schreibt er, vor der Vergasung der Russen sei weder Eichmann noch ihm selbst die Art der Tötung klargewesen. Der erste Gasmord an den russischen Kriegsgefangenen fand laut Kogon/Langbein/Rückerl am 3. September 1941 statt (6). Nun liegt dieses Datum noch im Sommer, doch im Kapitel über die Endlösung der Judenfrage in Auschwitz widerspricht Höss seinen früheren Erklärungen, indem er schreibt: «Zu welcher Zeit nun die Judenvernichtung begann, vermag ich nicht mehr anzugeben. Wahrscheinlich noch im September 1941, vielleicht aber auch erst im Januar 1942». Widersprüche über Widersprüche!

    7) Gemäss dem 8. Kapitel seiner Autobiographie kamen im Frühjahr 1942 die ersten Judentransporte aus Oberschlesien zur Vernichtung. Im Kapitel über die Endlösung der Judenfrage behauptet er hingegen, diese ersten Transporte seien im September 1941 oder im Januar 1941 eingetroffen.

    8) Zur Beschreibung des Vergasungsvorgangs im Bunker 1 von Birkenau: Das geschilderte Verhalten der Sonderkommandos, die niemals den Versuch machten, die Opfer zu warnen, ist, gelinde ausgedrückt, reichlich unglaubwürdig. Die Geschichte von den Frauen, die ihre Kinder in Kleiderbüscheln versteckten, soll rührend wirkend, ist aber dennoch unsinnig. Dass unruhige Gefangene vor dem Vergasungsgebäude erschossen wurden, ohne dass ihre Leidensgenossen die Schüsse hörten und dadurch selbst in Panik gerieten, leuchtet auch nicht ein. Merkwürdig niedrig mutet auch die Zahl von «Hunderten von Menschen an», die im Frühling 1942 unter den blühenden Obstbäumen des Bauerngehöftes meist nichtsahnend in den Tod gegangen sein sollen-, es müssen, falls die anderswo genannten Zahlen stimmen sollen, Zehntausende gewesen sein und nicht bloss «Hunderte».

    9) Eine ganz unmögliche, aber in der Holocaustliteratur auffallend oft auftauchende Geschichte ist die mit dem beim Verbrennen abgeschöpften und als zusätzlicher Brennstoff gebrauchten Menschenfett («das Übergiessen des angesammelten Fetts»). Da die Leichen nicht in einer Bratpfanne lagen, sondern im Feuer, wäre das Fett natürlich als erstes verbrannt.

    10) Die Sonderkommandos rauchten und assen beim Leichenschleppen. Folglich trugen sie keine Gasmasken. Sie wären, da das Zyklon sehr sesshaft ist - laut einer Gebrauchsanweisung mussten damit entlauste Räume 20 Stunden lang ventiliert werden (7) - rasch an Zyklonvergiftung gestorben.

    Gehen wir zum zweiten Teil, dem Kapitel über die «Endlösung der Judenfrage im KL Auschwitz», über.

    11) Himmler gab Höss im Sommer 1941 bekannt, die bestehenden Vernichtungsstätten im Osten seien nicht in der Lage, die beabsichtigten grossen Aktionen durchzuführen. Welche Vernichtungsstätten? Dass Belzec und Treblinka zu jenem Zeitpunkt noch nicht bestanden, haben wir bereits hervorgehoben. Dasselbe gilt aber auch für die anderen Vernichtungslager. Chelmno trat im Dezember 1941 in Betrieb (8), Sobibor im Mai 1942 (9); in Majdanek fanden Vergasungen ab September oder Oktober 1942 statt (10) - immer vorausgesetzt, die Angaben der Standardliteratur stimmen.

    12) Laut dem Gerstein-Bericht, der neben dem Höss-Geständnis lange als Eckpfeiler Nummer eins des Holocaust galt (vgl. dazu das in Anmerkung 1 zur Kritik der Zeugenaussage 7 Gesagte) konnten in Belzec täglich 15'000, in Sobibor täglich 20'000 und in Treblinka täglich gar 25'000 Menschen ermordet werden (11). Diese Kapazitäten hätten eigentlich auch einen Himmler zufriedenstellen müssen. Selbst wenn man annimmt, dass Gersteins Ziffern um das dreifache übertrieben sind, hätten diese drei Todesfabriken innerhalb nicht einmal eines Jahres sechs Millionen Juden ausrotten können, und die Errichtung des Vernichtungslagers in Auschwitz wäre ganz unnötig gewesen.

    13) Himmler teilte Höss mit, alle erreichbaren Juden seien «jetzt während des Krieges ohne Ausnahme zu vernichten». Als Kontrast dazu zitieren wir Nahum Goldmann, den langjährigen Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses, der in seinem Werk Das jüdische Paradox schreibt: «Aber 1945 gab es an die 600'000 jüdische KZ-Überlebende, die kein Land aufnehmen wollte» (12). Man fragt sich, wie 600'000 Juden das KZ überleben konnten, wenn die Nazis schon 1941 die völlige Ausrottung des jüdischen Volks beschlossen hatten. Tagtäglich lesen wir in der Presse von einem «Holocaust-Überlebenden»; unzählige prominente Juden, von Simone Veil bis Ephraim Kishon, von Elie Wiesel bis Simon Wiesenthal, haben Auschwitz oder andere Lager überlebt. Wohl behauptet jeder von ihnen, nur durch ein Wunder davongekommen zu sein, doch Wunder am Fliessband sind eben keine Wunder mehr.

    14) Nach Himmler war die Vernichtungsstätte in Auschwitz leicht zu tarnen. im Gegenteil - sie lag in einem dichtbewohnten Industriegebiet.

    15) Himmler schärft Höss ein, er müsse auch gegenüber seinen Vorgesetzten strenges Stillschweigen bewahren. Dies heisst, dass der Reichsführer SS in der Hierarchie zumindest eine Stufe übersprungen hat. Unmittelbarer Vorgesetzter von Höss war KZ-Inspektor Richard Glücks. Wie war es möglich, in Auschwitz Massenmorde durchzuführen, ohne dass dieser etwas davon erfuhr? Und warum durfte er nichts davon erfahren?

    16) Eichmann, der Höss im Sommer aufsucht, macht diesen mit der Tötung durch Motorabgase in Lastwagen vertraut. Diese Mordmethode war der Standardliteratur nach frühestens ab Ende 1941 gebräuchlich. Kogon/Langbein/ Rückerl berichten: «... Im September 1941 liess Obersturmbannführer Walter Rauff, der Leiter der Abteilung 11 D im RSHA, den Verantwortlichen für Transporte Friedrich Pradel zu sich kommen und erzählte ihm von der Idee, grosse Lastwagen so umzurüsten, dass damit eine grössere Anzahl von Menschen in den sowjetischen Gebieten getötet werden könne ( ... ) Pradel seinerseits gab zu Protokoll: ‹Gegen Ende 1941 trat mein Vorgesetzter Rauff mit dem Auftrag an mich heran, durch den Werkstattleiter Wentritt feststellen zu lassen, ob die Einführung von Auspuffgasen in geschlossene Kastenwagen möglich sei. Diesen Auftrag führte ich aus. Wentritt hatte diese Möglichkeit bejaht, worauf Rauff den Befehl erteilte, dass entsprechende Fahrzeuge dazu herzurichten seien (13).» Die Enzyklopädie des Holocaust schreibt, Gaswagen seien «vermutlich schon Ende November 1941» eingesetzt worden (14), was sich mit Kogon/Langbein/Rückerl, nicht aber mit der Höss-Aussage vereinbaren lässt.

    17) Eichmann meint, die Tötung in Gaswagen sei angesichts der zu erwartenden Massentransporte in Auschwitz ausgeschlossen. Wieso konnten dann in Cheimno laut Claude Lanzmann 400'000 (15), laut Wolfgang Scheffler 300'000 (16) und laut Raul Hilberg 150'000 (17) Menschen problemlos in solchen Gaswagen umgebracht werden?

    18) Eichmann wollte ein Gas, das «keine besonderen Anlagen» erforderte, und die Wahl fiel auf Zyklon B. Da dieses gefährlich zu handhaben und schwer zu entsorgen ist, erheischte seine Verwendung sehr wohl «besondere Anlagen». Eine ungleich einfachere, billige und ungefährlichere Methode des Massenmords hätte darin bestanden, aus dem nur einige Kilometer Östlich von Birkenau liegenden Monowitz eine Röhre legen zu lassen, durch welche man Kohlenmonoxyd, ein billiges, reichlich vorhandenes und für die Henker recht ungefährliches Gas direkt zu den Hinrichtungsanlagen hätte leiten können.

    19) Ende November 1941 hatte Eichmann immer noch «kein geeignetes Gas aufgetrieben»; dies steht wieder im Gegensatz zur Aussage, die Massenvernichtung der Juden habe im Sommer 1941 begonnen.

    20) Höss schreibt, das Bauerngehöft an der Nordwestecke des späteren Bauabschnittes III (Bunker II genannt) habe 5 Gaskammern aufgewiesen. Kogon/Langbein/Rückerl zählen dort nur 4 Gaskammern (18).

    21) Blobel versuchte in Culmhof (auch «Kulmhof» geschrieben, polnisch Chelmno genannt), Leichen durch Sprengung zu vernichten. Dazu kommentiert Gauss: «Der einzige Effekt, den man damit erzielen kann, dürfte eine gleichmässige Verteilung der Extremitäten und Eingeweide in den Astgabeln der umliegenden Bäume sein. Wenn ein solcher Unsinn vom Lagerkommandanten R. Höss allen Ernstes erzählt wird und von unseren Historikern kritiklos wiedergegeben wird, dann weiss man nicht mehr, an wessen Verstand man eigentlich verzweifeln muss. An dem von R. Höss, an dem unserer Historiker oder aber an dem eigenen» (19).

    22) In Chelmno wurde «die Asche in dem ausgedehnten Waldgelände verstreut, zuvor durch eine Knochenmühle zu Staub zermahlen». Ein anderer Augenzeuge, Bruno Israel, hat die Leichenbeseitigung in jenem Todeslager gänzlich anders in Erinnerung: «Die Krematoriumsöfen hatten eine Breite von etwa 10 m und eine Länge von etwa 5-6 m. Sie ragten nicht aus der Erde hervor. Sie hatten keine Schornsteine. Sie verjüngten sich nach unten, wo die Roste angebracht waren, die aus Eisenbahnschienen bestanden. Die kürzeren Schienen sind die Roste; die längeren dagegen dienen der Tarnung der Krematoriumsöfen vor Fliegern. Diese Schienen wurden über die Gruben gelegt und mit Bleck abgedeckt. Über jede Schicht Leichen wurde in dem Ofen eine Schicht Holzscheite gelegt. Soviel ich mich erinnere, wurde der Ofen von unten angezündet. Derjenige, der das Feuer anmachte, musste sich durch das Aschenloch hindurch unter die Roste begeben. Ich möchte bemerken, dass zu dem Aschenkasten ein Korridor in der Erde führte, der sowohl der Luftzufuhr als auch dem Entfernen der Asche diente. Die Leichen verbrannten rasch; es wurden ständig neue hinzugeworfen (20).» Wenn man bedenkt, dass nicht aus der Erde herausragende Krematoriumsöfen ohne Schornsteine selbst heute noch unbekannt sind, beeindruckt der hohe Stand der faschistischen Technik sehr. Nicht ganz klar ist, weshalb man die ganz unter der Erde liegenden Wunderkrematorien noch vor feindlichen Fliegern tarnen rnusste.

    1 1 23) Ebenso erfolglos wie das Beseitigen der Leichen durch Sprengung dürfte

    ihre Einäscherung mittels Methanol verlaufen sein; man hätte sie damit verkohlen, nicht aber verbrennen können. Zudem hat Methanol den Nachteil, rasch zu verdunsten (21).

    24) Zur Kapazität der Birkenauer Krematorien: K 11 und K 111 wiesen, wie Höss richtig bemerkt, je fünf Dreikammeröfen auf. Wären sie so leistungsfähig gewesen wie die modernsten heute benutzten Krematorien, so hätten sie je 335 Leichen in 24 Stunden einäschern können (wie früher bemerkt, können moderne Krematorien bis zu 23 Leichen pro Tag und Ofen verbrennen). Gemäss Höss waren die 1943 eingeweihten Krematorien also rund sechsmal leistungsfähiger als die effizientesten Typen des Jahres 1993! Noch absurder ist die Behauptung, die Kremas IV und V (von Höss K 111 und IV genannt) hätten eine Kapazität von je 1500 Leichen binnen 24 Stunden aufweisen müssen. Zur Erinnerung: jene beiden Krematorien hatten je acht Öfen (22).

    25) 3000 Menschen passen nicht auf eine Fläche von 210 m².

    26) Hinsichtlich der Opferzahl krebst Höss gegenüber seinem Nürnberger Geständnis zurück und lässt damit abermals erkennen, dass jenes nicht freiwillig zustande kam.

    27) Bei der Aufzählung der «seines Wissens (!)» bestehenden «Juden-Vernichtungsstellen» erwähnt Höss das mystische «Wolzek» seines Nürnberger Geständnisses nicht wieder. Die Bezeichnung «Sobibor bei Lublin» ist unpräzise, da Sobibor etwa 50 km von Lublin entfernt liegt.

    28) «Ich selbst habe nur Culmhof und Treblinka gesehen. Culmhof war nicht mehr in Betrieb.» Acht Seiten zuvor hatte es noch geheissen: «Bei dem Besuch von Culmhof sah ich auch die dortigen Vernichtungsanlagen mit den Lastwagen, die zur Tötung durch die Motorenabgase hergerichtet waren.» Hat Höss den Vernichtungsprozess in Chelmno nun gesehen oder nicht?

    29) Ganz sicher ist Höss hinsichtlich Treblinkas; dort sah er das Morden ohne jeden Zweifel: «Es waren dort mehrere Kammern, einige Hundert Personen fassend, unmittelbar am Bahngeleis erbaut. Über eine Rampe in Höhe der Waggons gingen die Juden direkt - noch bekleidet - in die Kammern.» In der Treblinka-Literatur wird der Vernichtungsvorgang in jenem Lager gänzlich anders dargestellt. Zitieren wir eine Passage aus Rachel Auerbachs The fields of Treblinka (23): «Männer nach rechts! Frauen nach links! ( ... ) Frauen und Kinder mussten als erste ins Feuer gehen. Doch zunächst gingen sie in die Baracken, um sich zu entkleiden ( ... ) Die männlichen Häftlinge zogen sich vor den Baracken aus ( ... ) Sie wurden nackt weggeführt und gingen mit ihren Kleidern in den Händen an einen anderen Besammlungsort (...) Ein kleines Tor Öffnete sich am anderen Ende des Entkleidungsplatzes, und die Menge wurde auf einen stacheldrahtumrankten Weg geführt, der etwa 300 Meter lang war. Er führte durch eine Gruppe von Föhren, den berühmten ‹Hain›, den man hatte stehen lassen, als man diesen Teil des Waldes abholzte, um das Lager zu errichten. Diese Strasse wurde der ‹Schlauch› genannt. Die Deutschen hatten sie humorvoll ‹Himmelsstrasse› getauft ( ... ) Am Ende der Himmelsstrasse, wo die Juden schnurstracks ins Jenseits reisen sollten, befand sich eine andere Tür; sie führte zur ‹Badeanstalt› ...» Auch Kogon/Langbein/Rückerl bestätigen: «Die Gaskammern befanden sich in einem massiven Ziegelbau im Zentrum. Die Wege dorthin, einschliesslich des ‹Schlauches›, in Treblinka ‹Himmelsstrasse› genannt, waren nach dem Muster von Belzec und Sobibor angelegt.» (24). Merkwürdig, dass Höss in Treblinka ganz andere Dinge sah als die vornehmsten Treblinka-Kronzeugen.

    30) In Auschwitz «konnte man durch das Beobachtungsloch in der Tür sehen, dass die dem Einwurfschacht am nächsten Stehenden sofort tot umfielen». Ober die Unglaubwürdigkeit der Zeitangabe haben wir uns bereits geäussert. Man fragt sich auch, wie die ersten Opfer in einer mit Menschen vollgepfropften Kammer «tot umfallen» konnten. Schliesslich ist es ein schlichtes Rätsel, weshalb die vor dem «Beobachtungsloch» stehende Person dem Beobachter nicht die ganze Sicht versperrt (vgl. Kritik zu Zeugenaussage 2).

    31) Die Verbrennungszeit von 20 Minuten für eine Leiche ist ebenso unmöglich wie das gleichzeitige Verbrennen von drei Leichen in einer Ofenöffnung.

    32) Der Literatur zufolge wurde in Auschwitz abgeschnittenes Frauenhaar industriell verwertet. Wenn dies der Fall war, hätte man gut daran getan, den Frauen das Haar bereits vor der Vergasung mit Zyklon B zu schneiden; das wie erwähnt stark an Oberflächen haftende Gift hätte für die Sonderkommandos eine zusätzliche Gefahrenquelle dargestellt.

    33) Nicht glaubhaft ist die Behauptung, die Vergasungsopfer hätten keine körperlichen Veränderung - weder Verkrampfung noch Verfärbung - aufgewiesen. Die Opfer einer Blausäurevergiftung laufen nämlich rosa-rötlich an (25).


    Anmerkungen zur Kritik

    1) Stäglich, 253 ff.
    2) Siehe etwa das Faurisson-Interview mit der italienischen Zeitschrift Storia Illustrata vorn August 1979. Es ist in Serge Thions Vérité historique ou vérité politique? (La Vieille Taupe, 1980) abgedruckt.
    3) 1990 bei Edizioni La Sfinge, Parma, erschienen. 4) Enzyklopädie des Holocaust, S. 784.
    5) Pressac, 1989, S. 131.
    6) Kogon/Langbein/Rückerl, S. 204.
    7) Richtlinien für die Anwendung von Blausäure (Zyklon) zur Ungeziefervertilgung, herausgegeben von der Gesundheitsanstalt des Protektorats Böhmen und Mähren, 1942.
    8) Enzyklopädie des Holocaust, S. 281.
    9) ibidem, S. 1333.
    10) Kogon/Langbein/Rückerl, S. 241. 11) Chelain, S. 50.
    12) Nahum Goldmann, Das Jüdische Paradox, Europäische Verlagsanstalt, 1978, S. 263. 13) Kogon/Langbein/Rückerl, S. 82.
    14) Enzyklopädie des Holocaust, S. 506.
    15) Claude Lanzmann, Shoah, dtv., 1988, S. 17. 16) Scheffler, S. 40. 17) Hilberg, S. 956. 18) Kogon/Langbein/Rückerl, S. 207. 19) Gauss, S. 253/254.
    20) Kogon/Langbein/Rückerl, S. 115/116. 21) Rudolf, S. 63.
    22) Der italienische Forscher Carlo Mattogno arbeitet gegenwärtig (Anfang 1994) an einer ausführlichen Arbeit über die Krematorien von Auschwitz, in denen er zu konkreten Ergebnissen hinsichtlich deren Kapazität kommt. Solange uns die definitiven Resultate nicht zur Verfügung stehen, enthalten wir uns jeglicher Schätzungen. Wir gehen einfachheitshalber stets von der maximalen Kapazität der modernste heute betriebenen Krematorien aus. Wenn in der Auschwitz-Literatur den damaligen Krematorien eine höhere Kapazität zugeschrieben wird, ist dies eine offenkundige Unmöglichkeit.
    23) Rachel Auerbachs Bericht über die «Felder von Treblinka» erschien bereits 1947 auf Hebräisch; eine englische Übersetzung figuriert in dem 1979 von Alexander Donat herausgegebenen Sammelband The Death Camp Treblinka (Holocaust Library, New York). Die zitierte Passage figuriert dort auf S. 32 ff.
    24) Kogon/Langbein/Rückerl, S. 162.
    25) Gauss, S. 229.


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