Bild-Sonderdruck
des historischen Quellenwerkes

Europa in Flammen 1939-1945
Band II

von Udo Walendy




"Lastwagenanhänger mit Häftlingsleichen KL-Buchenwald".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in R. Schnabel "Macht ohne Moral", S. 343.

Auch dieses Bild ist eine Fotomontage, wobei der Anhänger einer echten Aufnahme entsprechen kann, aber alles, was auf dem Anhänger als "Ladung" zu sehen ist, gezeichnet ist. Während der Anhänger sehr deutlich selbst kleinste Schattierungen erkennen läßt, verschwimmen sämtliche Konturen der "Ladung" ins Unkenntliche, bleiben ohne anatomische Zusammenhänge und ohne Schattierungsübergänge. Beleuchtungsdifferenzen, die drei dunklen "Köpfe" in der Mitte, die anatomisch nicht erklärbaren Strukturen rechts sind deutliche Merkmale einer Nachzeichnung.


Auch dieses Bild ist eine Fotomontage. Gemäß den beiden hinteren Seiten des Güterwaggons (rechte Seite ist beleuchtet) kommt das Licht von schräg hinten links, ist also "gegen die Sonne" aufgenommen. Der Schatten, den die hinteren Waggonseiten werfen müßten, fehlt; stünde die Sonne senkrecht, dann müßten jene Seiten heller sein. In jenem an sich schattigen Hintergrund liegen verhältnismäßig zu helle Gegenstände. Das Baby links ist anatomisch verzeichnet und ohne richtige Lichtreflexe. Die Person rechts vorn hat verhältnismäßig (den Lichtverhältnissen entsprechend) zu helle Hände, außerdem sind beide Hände gleich hell ohne Schattierungen, während der stärker im Licht liegende Kopf erheblich dunkler ist; ihr gut sichtbarer Oberarm ist im Verhältnis zum Unterarm anatomisch zu lang, der Kopf für jenen Körperbau

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und das weit abstehende Schultergelenk zu klein, das Gesicht im Gegensatz zu anderen Einzelheiten auf dem Bild ohne Konturen. Vorn links das Bein, auf dem die vordere Person mit dem Kopf liegt, bleibt ohne Entsprechungen, paßt also nicht ins Bild und entspricht ebenso wenig den Lichtverhältnissen wie Kopf, Brust und Hand der im Vordergrund liegenden Person.



"Häftlingsleichen in einem Güterwaggon von einem Transport vom KL Sachsenhausen zum KL Dachau".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in R. Schnabel "Macht ohne Moral", S. 345.

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"Weiblicher Häftling mit Versuchsoperationen an der Brust".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in R. Schnabel "Macht ohne Moral", S. 328.

Das Bild ist eine Fotomontage. Diese Frau hat so nie existiert. Angaben zur Person, Zeit und Ort und Art des "medizinischen Versuchs" wurden nicht gemacht. Der angebliche Grund, das "Forschungsziel" eines solchen "medizinischen Versuchs" ist für Sachverständige nicht erkennbar. Der Kopf ist fotomechanisch auf diesen Körper aufmontiert worden, ersichtlich an Hand des

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Anatomievergleiches, der unnatürlichen durchgängigen Schattenpartie am Hals beim Kopfansatz und der retuschierten Aufhellung der über der Brust liegenden Körperpartie bis einschließlich des linken Armes bis zum Handgelenk, während der rechte Unterarm und die Magengegend diesen "Lichtverhältnissen" widerspricht. Wäre die Schattenpartie am Hals durch von oben links einfallendes Licht verursacht, dann müßte auch die Brust entsprechenden Schatten werfen, was nicht der Fall ist.

Dieses Bild ist in weiter retuschierter Form abgedruckt in S. Einstein "Eichmann — Chefbuchhalter des Todes", Roederberg Verlag, Frankfurt/M 1961 S. 201.



KZ-Wächter, Opfer in Buchenwald : "Im SS-Staat das perfekte Sklavensystem".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in "Der Spiegel" vom 10. 10. 1966, Nr. 42, S. 101.

Dieses Bild ist eine Fotomontage. Die Beleuchtung der linken Bildhälfte ist grundsätzlich anders als die rechte. Die Gesichtskonturen der Häftlinge sind unkenntlich, während der SS-Unterscharführer bis in Einzelheiten erkennbar ist. Während beim liegenden Häftling deutliche Schatten fallen, wirft der SS-Unterscharführer (Unteroffizier) keinen Schatten. Die Uniform des "Wächters" stimmt über dem Koppel nicht mit der unteren Hälfte überein. Die Seitentaschen unter dem Koppel fehlen, die Jackenkante verläuft nicht richtig von oben nach unten, die linke Hand (rechts im Bild) müßte im Schatten liegen, ist hingegen hell beleuchtet, die Öffiziershosen mit Stiefel durfte ein Unterscharführer überhaupt nicht tragen, die Pistole hängt an der falschen

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Seite. Die Häftlinge würde man kaum an solche Bäume, die allenfalls im außerordentlich hohen Gipfel eine Halterung haben, und dann noch in dieser Weise gehängt haben. Gehängte mit angewinkelten Beinen gibt es nicht.




"Verhör einer Polin, die nur mit einem Hemd bekleidet ist".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in R. Schnabel "Macht ohne Moral", S. 401, Erscheinungsjahr 1957.

Dieses Bild ist eine Fotomontage des später veröffentlichten Vergleichsbildes S. 35, wobei auch das Vergleichsbild keineswegs eine echte Fotografie ist. Die Polin ist im Verhältnis zu weiß, der Boden zu hell, das niedergeworfene Wäscheteil am Fuß fehlt, die Lichtreflexe des rechts neben der Polin stehenden "Offiziers" entsprechen an Hose und Käppi nicht dem Vergleichsbild, eine bis hinter die Ohren reichende Kordel an der Mütze des "Polizeioffiziers" hat es nie gegeben, das Gesicht ist durchgängig hell, der "Orden" fehlt. Der rechte Offizier hat eine ganz andere Mütze und Uniformjacke erhalten (ohne Brusttasche), auch ein anderes Gesicht und Haare am Hinterkopf. Der Tisch im Vordergrund hat ein helles linkes Bein erhalten.

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"Deportation aus Miedrzyrzec ins Todeslager Treblinka und ins KZ-Lager Majdanek".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in "Faschismus — Getto — Massenmord" — Dokumentation herausgegeben vom Jüdischen Historischen Institut Warschau, Erscheinungsjahr 1960, Frankfurt/M, S. 355.

Aus einem "Verhör" wird plötzlich eine "Deportation ins Todeslager Treblinka und KZ-Lager Majdanek". Begründungen für diese gewandelte "dokumentarische Aussage" werden nicht gegeben, ebenso nicht nähere Angaben über Zeit, Beglaubigung usw.

Auch dieses Bild ist eine Fotomontage, wobei der einzig "echte Mann" der im Vordergrund links stehende Soldat sein könnte, der aber ohne besondere Schwierigkeiten, da alle Anschlußpartien schwarz gehalten oder einfach herzustellen sind, in das Bild hineinzumontieren ist. Die Polin ist für den Hintergrund zu hell und ohne Schattenübergänge gehalten, Uniformzeichen der vernehmenden Offiziere im Vergleich zu ihren zu dunklen Gesichtern überzeichnet, die Kordel an der Mütze falsch, das Gesicht des rechten Mannes unmöglich fotoecht.

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