Bild-Sonderdruck
des historischen Quellenwerkes

Europa in Flammen 1939-1945
Band II

von Udo Walendy




"Lebende neben toten Häftlingen in den Lagerstraßen des KL-Mauthausen".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in R. Schnabel "Macht ohne Moral", S. 332. Mit folgendem Bildtext auch in J. Thorwald "Die Große Flucht", S. 476 : "So fanden die Alliierten das KZ-Mauthausen vor".

Vorliegendes Bild ist eine Fotomontage. Die Sonne scheint von vorn rechts, deutlich erkennbar an dem Schatten des Mannes auf der Lagerstraße, dessen (Schatten-)Schulterpartie unnatürlich ist, sowie den Hemden der im Vordergrund Stehenden und an dem Stapel der Leichen. Ist es schon verwunderlich, daß der rechte im Vordergrund stehende Mann keine Schattenpartie hat, so erstaunt noch mehr, daß er sowie sein Nachbar den Lichtverhältnissen völlig zuwider total schwarze Köpfe haben; Farbige können es nicht sein, da ihre Arme weiß sind. Der erkennbaren Sonnenrichtung widerspricht, daß sämtliche Baracken nur von rechts und nicht auch von vorn beleuchtet sind, wobei die weißen Fensterrahmen vorn und hinten an der Baracke ohne Fensterkreuz und mit schwarzem Hintergrund durch ihre Farbe und ihren Baustil aus dem Rahmen fallen und nur durch Hineinzeichnen erklärbar sind. Demgegenüber erscheint das Fenster der mittleren Baracke viel natürlicher. Während alle Barackendächer hinten grell weiß sind, ist das vordere Barackendachteil widerspruchsvoll dunkel, obwohl dem Kamerawinkel zufolge gerade hier eine starke Lichtreflexion zu erkennen sein müßte. An der linken Seite der rechten Baracke müßte der "Deckel" des vorderen "Barackenbaues" im Schatten liegen, die daranstehenden Männer dagegen im Licht, der letzte von ihnen hingegen im Barackenschatten stehen. Diese Gruppe von Männern ist im Vergleich mit den

36


links sitzenden zu groß. Die rechte hintere Baracke dufte nicht genau die gleiche Schattierung wie die vordere Baracke haben. Die dunklen und hellen Partien auf Hof und Straße sind nicht durch Rasen und Sand oder Feuchtigkeit erklärbar. Weder der Lagerzaun noch der Tisch im Hintergrund werfen Schatten im Gegensatz zu der Figur hinter dem Tisch.

Die ganze Szene ist grundsätzlich unwirklich, einerlei, ob es sich um "normales Lagerleben" oder um die "Befreiung" handelt. Bei so vielen Leichen sitzen weder Häftlinge noch "Befreite" gelangweilt herum und lassen die Leichen, ohne sie auch nur zur Identifizierung auseinanderzulegen, tatenlos in der Sonne liegen, wodurch sich die Herumsitzenden sehr schnell der Seuchengefahr aussetzen würden.



Vergrößerter Ausschnitt des Bildes S. 36

Sämtliche "Leichen" sind gezeichnet. Sie sind grundsätzlich — im Gegensatz zu anderen Bildpartien — "überbelichtet", ohne Schattenübergänge, einfach schwarz-weiß ohne plastische Wirkeffekte. Ihre Lagerung über und nebeneinander ist unwirklich. Der im Vordergrund liegende Tote mißt in dieser Vergrößerung von Kopf bis Fuß 6 cm, der unmittelbar darunterliegende (mit "Badehose") nur 3,5 cm. Legt man den bezeichneten kleineren Toten neben den im Vordergrund liegenden und berücksichtigt eine kleine Entfernungsdifferenz, dann reicht der hintere Tote von den Füßen bis zum mittleren Brustkorb des vorderen Toten. Geht man davon aus — und die Größe der anderen berechtigt dazu —, daß der kleinere Tote ein normal großer Mann von durchschnittlich 1,75 m Länge ist, so würden beim vorderen Toten noch

37


50 cm (mittlerer Brustkorb bis einschließlich Kopf) hinzuzurechnen sein : er müßte also 2,25 m groß sein. Etwas zu groß, um glaubhaft zu sein. Rechts vorne (3 cm von der unteren Bildkante nach oben) sind keinerlei körperliche Zusammenhänge erkennbar. Der Stapel an Leichen rechts hinten ist vordergründig beleuchtet, während die Baracken keinerlei Licht von vorn erhalten und die Schattenpartien an den vorderen Leichen dem auch widersprechen. Die Barackenwand links läßt erkennen, daß es sich nicht um einen exakten Bau handelt, sondern die Wand krumm und schief steht, d.h. also eine Zeichnung ist. Ganz gleich, was der linke Teil der Barackenwand darstellen soll — es ist undefinierbar —, in jedem Fall müßte er andere Schattendurchzeichnungen aufweisen, als die übrige Barackenwand, was nicht der Fall ist. Ein Foto, das in allen sonstigen Bildpartien deutliche Einzelheiten erkennen läßt, müßte gerade in diesem wichtigen Bildausschnitt ebenfalls klare Konturen auf weisen; das Gegenteil liegt hier vor.



"Leichen im KL-Buchenwald".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in R. Schnabel "Macht ohne Moral", S. 348.

Diese Leichen haben nie existiert; es handelt sich um eine durchgängige Zeichnung.

Licht und Schatten verlaufen wiederum ohne plastische Schattierungsübergänge. Die total weißen Beine der vorderen Toten links bei gleichzeitiger totaler Schattierung ihrer Köpfe ist mit keinerlei wie immer gearteten Lichtverhältnissen erklärbar. Die grellen schwarz-weiß Gegensätze lassen auf intensive Sonneneinwirkung schließen, die jedoch ebenso nachhaltige Schattierungen

38


werfen müßte, die grundsätzlich fehlen. Die unplastischen, durchgängig weißen Kinderbeine links hinten stehen im Gegensatz zu den Lichtverhältnissen bei den vorderen Toten und sind auch anatomisch verzeichnet. Die Gesichter aller Toten sind außerordentlich ähnlich, wobei auffällt, daß gerade die am nächsten liegenden, daher deutlichsten Köpfe im unerklärlichen Dunkel verschwinden. Die dunkle Schattierung links wandelt sich unnatürlich in eine verhältnismäßig zu helle Schattierung in Mitte und rechts. Die Größenverhältnisse zwischen den vorderen und hinteren Toten sind fototechnisch schwierig definierbar, weil Objektivgröße und Brennweite sowie Kameraentfernung unbekannt sind, sie sind jedoch in der Vorlage unwahrscheinlich. Während in der linken Reihe acht Tote nebeneinander liegen, sind es in der mittleren Reihe auf gleichem Raum bereits zehn und rechts bereits elf, was praktisch unmöglich ist. Der Tote hoch oben links hat ein anatomisch völlig verzeichnetes Bein, dessen Farbe zudem seiner Körperfarbe nicht entspricht.



Vergrößerter Ausschnitt des Bildes S. 38

Man betrachte den Toten links oben. Sein rechter Arm ist anatomisch völlig unmöglich, seine Beine bleiben ohne plastische Schattierungen, die winkligen Falten sind unnatürlich. Vorderer Toter links : Wenn die Finger der linken Hand schattig sind, bleibt das durchgängig weiße rechte Bein unverständlich. Ein Bild, das selbst Einzelheiten in einiger Entfernung erkennen läßt, müßte Einzelheiten im Vordergrund noch deutlicher markieren, was hier nicht der Fall ist. Die Anatomie der Glieder rechts im Vordergrund ist unerklärlich, ebenso wie die total weiße Farbe dieser Glieder.

39




"Leichen von vergasten Gefangenen beim Ausgang des Vergasungskellers, vor ihrer Verbrennung".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in "SS-Henker und ihre Opfer", Wien 1965, herausgegeben von der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR).

Dieses Bild ist eine Fotomontage, auf der mit Ausnahme vielleicht der linken Baumpartie alles gezeichnet ist. Im Verhältnis zu den Männern sind die Leichen viel zu klein. Noch nicht einmal Kinderleichen könnten es sein, selbst diese würden im Verhältnis größer sein. Die schwarzen Gesichter der Männer stimmen grundsätzlich nicht, denn es handelt sich auch hier um die typisch intensive Sonnenbestrahlung. Schatten der Männer fehlen. Der Mann ganz links ist im Gegensatz zum hell beleuchteten Mast hinter ihm entgegen den vorherrschenden Lichtverhältnissen total schwarz.

Der linke Arm des 2. Mannes von links ist im Vergleich zum rechten 0,3 cm länger, was einer normalen Größendifferenz von 20 cm entspricht. Endet der rechte Hemdsärmel am Ellbogen, so scheint sein linker Arm zwei Ellbogengelenke zu besitzen, während sein linker Unterarm offensichtlich zu kurz geraten ist. Während das Hosenbein dieses Mannes bis zur Rundungsmitte beleuchtet ist, scheinen die Hosen der rechts stehenden Männer auf Licht anders zu reagieren. Man beachte besonders die schattenlose Leiche links vorn und das deutliche Mißverhältnis in der Größe der Männer zu den Leichen.

40




"Dieses Foto wurde von David Szmulewski, einem Angehörigen der illegalen Widerstandsorganisation, heimlich aufgenommen und aus dem Lager geschmuggelt".

Mit diesem Bildtext wurde diese verbesserte Retusche veröffentlicht in Gerhard Schoenberner "Der gelbe Stern — Die Judenverfolgung in Europa 1933 bis 1945", Rütten und Loening Verlag Hamburg, 1960 S. 162.


Wer einen solchen Berg Schuhe in Auschwitz vorgefunden haben sollte, hätte nicht versäumt, ihn mit einer halbwegs guten Kamera zu fotografieren, so daß auch der Hintergrund detailliert erkennbar gewesen wäre. Noch fataler aber ist es, wenn diese "Fotografen" in den Vordergrund Schuhe zurechtstellen, von denen die einen einen Schatten werfen und die anderen nicht, dazu freies Gelände, noch nicht einmal einen Barackenboden wählen und den ganzen hinteren Berg in schwarz-weiß Kontrasten zurechtmalen, in dem nichts anderes als zusammenhängende Linien erkennbar sind, die ihrerseits aber wiederum keine Schuhe sein können. Wie dumm mußten auf der anderen Seite die "bösen Nazis" gewesen sein, wenn sie so viele Schuhe gesammelt haben, ohne sie paarweise zusammenzubinden! (das gilt auch für das folgende Bild). Will doch schon Eugen Kogon, kaum aus dem Konzentrationslager Buchenwald befreit, bereits gewußt haben, daß im "Auskleideraum der als Dusche markierten Gaskammer groß angeschrieben stand, daß man die Kleider geordnet hinlegen und die Schuhe zusammenbinden solle, damit sie nicht verloren gingen" (Eugen Kogon "Der SS-Staat", 1. Aufl., S. 132, 5. Aufl., S. 167). Was aber nutzte ein solches wahlloses Sammeln?

41




"Tausende von Schuhen ermordeter Häftlinge in Auschwitz".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in R. Schnabel "Macht ohne Moral", S. 244.


Auch dieses Bild ist keine echte Fotografie. Die Größenunterschiede auf diesem Bild müssen von einem Objektiv mit Weitwinkel herrühren, das jedoch — im Gegensatz zu diesem Bild — den Hintergrund schärfer hätte bringen müssen. Leiter, Berghöhe und die weißen Mauern rechts lassen darauf schließen, daß diese Schuhe in keiner Baracke liegen, sondern im Freien. Dies

42


wiederum wirft die Frage nach dem Zweck einer solchen "Sammlung" auf, die doch bei Regen verschimmelt und verdirbt, was übrigens grundsätzlich bei einer solchen Stapelung alter, gebrauchter und keineswegs absolut trockener Schuhe der Fall ist, ganz gleich wo sie lagern. Selbst eine enorm große, weiß getünchte und von diesen Schuhbergen seltsamerweise nicht staubig gewordene große Lagerhalle könnte in ihrer hinteren Wand nicht genau so hell sein wie die vorderen Mauern. Diese halbe Wand vorn rechts mit unterbrochenem schwarzem Strich wirft keinerlei Schatten, obgleich zwei Mauern rechtwinklig zueinander stehen. Beim ganz rechten Mauervorsprung hingegen ist es anders. Nach vorliegendem Bild müßte das Licht — ohnehin schon seltsam, denn es ist nicht durch große Fenster erklärbar — von mindestens drei Seiten kommen : von links, von vorn und von rechts; und diese unterschiedlichen Lichtreflexe sind durchgängig bis hinten vorhanden, wobei die tiefe Schattenpartie am linken Berg mit diesen Lichtverhältnissen wieder nicht übereinstimmt. Im übrigen würde jener Berg links in dieser Lagerung längst zusammengerutscht sein. Niemals läßt sich ein Berg Schuhe so stapeln. Auch ist es ein Unding, diese Schuhberge so hoch zu stapeln, daß selbst eine große Leiter noch nicht ausreicht, um die Schuhe hinaufwerfen zu können. Licht und Schatten auf dem vorderen Schuhberg stimmen mit keinerlei wie immer gearteten Lichteinflüssen überein. Auch hier liegen die Schuhe nicht paarweise zusammengebunden, was jeden weiteren Kommentar überflüssig macht.



"Schuhberge ermordeter Häftlinge in Auschwitz".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in R. Schnabel "Macht ohne Moral", S. 247.

(laut Gerstein-Bericht soll es sich um einen "Haufen von reichlich 25 Meter Höhe" handeln, das ist höher als ein normales Hochhaus).

Verbesserte Retusche in Schoenberner "Der gelbe Stern" a.a.O. S. 164.

43


Zurück zum Inhaltsverzeichnis
Zum nächsten Abschnitt
Zum vorhergehenden Abschnitt
Zurück zum Archiv