Bild-Sonderdruck
des historischen Quellenwerkes

Europa in Flammen 1939-1945
Band II

von Udo Walendy




"Zahnersatz toter Häftlinge, KL-Sachsenhausen".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in R. Schnabel "Macht ohne Moral", S. 256, übernommen von J. Thorwald "Die Große Flucht", S. 476, mit folgendem Bildtext :

"Tausende künstlicher Gebisse, die den Leichen ermordeter Häftlinge des KZ Sachsenhausen abgenommen wurden".

Man lege einige künstliche Gebisse nebeneinander auf den Fußboden und man erzielt genau den gleichen fotografischen Effekt bei Blitzlicht und mit einer nach unten gehaltenen Kamera, wobei man allerdings bei einigen Partien des vorliegenden Bildes noch einiges abändern müßte (z. B. jene langgestellte Zahnpartie oben rechts 2,5 cm von der oberen Ecke nach unten). Dokumentarischen Aussagewert hätte ein solcher "Berg" von "tausenden Gebissen" erst dann, wenn dieser "Berg" von mehreren Seiten fotografiert, von einer Sachverständigenkommission bestätigt und mit genauem Lagerungsort sogleich nach Auffindung der internationalen Öffentlichkeit bekannt gemacht worden wäre. Das ist nicht geschehen. Soweit bekannt, existiert nur diese einzige Aufnahme von diesem "Fund"; sie aber ist kein Beweismittel. Im übrigen : Jeder Zahnarzt — wenn nicht überhaupt jeder vernünftige Mensch — weiß, daß kein einziges Gebiß eines Verstorbenen mehr brauchbar ist; es besitzt noch nicht

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einmal Materialwert. Auch die "NSV" konnte damit nichts anfangen. Außerdem weiß jeder vernünftige Mensch, daß gerade das künstliche Gebiß eines Menschen ein hoch reagibler Nährboden für Bakterien ist, der selbst bei sorgfältigem Säubern der Prothesen nicht keimfrei zu machen oder zu halten ist. Einen solchen Bakterienherd, der sich stündlich ungeheuer vermehrt, in einem Lager von tausenden und zigtausenden von Menschen anlegen, hieße kurzfristig eine Seuchengefahr heraufbeschwören. Nein, solche künstlichen Gebisse hätten selbst die niederträchtigsten Banditen mitverbrannt oder mitvergraben.



"Ein erschütterndes Zeugnis : Berg von Rasierpinseln in Auschwitz ermordeter Opfer".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in "Die SS-Henker und ihre Opfer", herausgegeben von der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) Wien 1965.

Auch dieses Bild ist eine fotografierte Zeichnung. Sticht schon der anonym schwarze Hintergrund von den außerordentlich hell beleuchteten Rasierpinseln ab, so weist der Blick durch das Vergrößerungsglas deutlich nach, daß die Lichtreflexe der Rasierpinsel so unterschiedlich sind, daß sie sich grundsätzlich widersprechen. Vielen Rasierpinseln nach müßte das Licht von links oben kommen, bei vielen anderen dagegen kommt es von rechts. Beiden möglichen Lichteinwirkungen widersprechen die Schattenpartien und der schwarze Hintergrund. Im übrigen gab es in Deutschland damals Rasierpinsel genug, und es war weder üblich noch zumutbar, auf solche "Sammlungen" zurückzugreifen.

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"Brillen im Magazin des KL Auschwitz".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in L. Poliakow und Wulf "Das Dritte Reich und die Juden", S. 133. arani Verlag, Berlin 1959

Auch dieser "Haufen Brillen" ist gezeichnet. Abgesehen davon, daß offenbar alle Brillen ein gleiches Drahtgestell haben, zeigen die Lichtreflexe der Gläser, daß es sich meist nicht um Glas, geschweige denn gebogenes oder vergrößerndes oder verkleinerndes Glas handelt, sondern entweder um glaslose Gestelle oder Fensterglasbrillen oder "total weiß reflektierende Gläser", die einmal nach links, ein andermal nach rechts reflektieren und somit den großen Schattenpartien widersprechen. Auffällig ist auch, daß sämtliche "Brillengestelle" gleichermaßen hell überzeichnet sind und offenbar auf bestimmte Lichteinstrahlung nicht reagieren. Man beachte die beiden dunklen Brillen mit weißem Gestell in der Mitte, die jeweils nur an einer Stelle den Hintergrund — und dann in einem hell weißen Streifen — durchscheinen lassen. Der anonyme Hintergrund (links dunkel, rechts hell), die fehlenden Beglaubigungen durch die internationale Öffentlichkeit, der offensichtlich unsinnige Zweck einer solchen "Sammlung" (sollte etwa jemand solche dargestellten Brillen tragen?) sind typische Parallelen zu den anderen Bildfälschungen. Aus diesen Bildern kann nur gefolgert werden, daß man eben nicht Derartiges in Auschwitz gefunden hat, sonst hätten die Sowjets gleich 1945 die Originalfunde der internationalen Öffentlichkeit vorgeführt.

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"Gestapelte Säcke mit Frauenhaar in Auschwitz".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in R. Schnabel "Macht ohne Moral", S. 261.

Dieses Bild ist eine reine Zeichnung. Den Säcken (einzige Ausnahme von rechts) fehlt jegliche Schattierung, sie liegen wie Würste aufeinander, die Lichtseite geht unnatürlich in die Schattenseite über. Solche Säcke gibt es nicht. Typisch ist wieder die Unkenntlichkeit der Personen und ihre falsche Schattierung. Bei den hellen Säcken ist das Schwarz des rechten Mannes absolut unerklärlich, auch der durchgängige weiße Streifen auf dem Bauch des hinteren Mannes, das Schwarz zu Füßen der Männer und nicht zuletzt das schattierungslose Weiß daneben, das weder Haare, noch Säcke noch sonst etwas erklärlich wiedergibt.

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"Frauenhaar in Tonnen im KL Auschwitz".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in R. Schnabel "Macht ohne Moral", S. 259.

Dieses Bild, das sich ohnehin jederzeit leicht stellen ließe — man leihe sich beim Perückenmacher einige Haare aus —, ist dennoch eine Fotomontage, wobei zweifelhaft ist, ob die etwas zu große Hand des Mannes zum echten Fotografieteil gehört oder auch montiert ist. Die fehlende Schattenpartie an den Fingern dieser Hand widerspricht den übrigen Schattendurchzeichnungen. Eine Fotografie, die rechts deutlich ist und auch links auf der Tonne Einzelheiten der Faserung erkennen läßt, müßte auch den Inhalt dieser Tonne deutlich wiedergeben, was nicht der Fall ist. Diese "Haare" auf der Tonne sind gezeichnet. Die Schattierung der Tonne links widerspricht der Schattierung des Anzugs und der Tonnenöffnung in der Mitte des Bildes; diese nämlich dürfte nicht total schwarz sein. Typisch ist wieder die Anonymität des Bildes; man wagte noch nicht einmal das Gesicht des Mannes zu zeigen, von spezifizierten Angaben ganz zu schweigen.


Diesem Bildtext zufolge müßte jede Gerümpelecke als Beweis für Menschenhaare dienen. Die Unverfrorenheit, mit der solche Bildtexte aufgesetzt werden, kennt offenbar keine Grenzen und schätzt das Niveau der betrachtenden Menschen außerordentlich tief ein. Der Gesamteindruck erübrigt an sich, auf die widernatürlichen Licht- und Schattenpartien auf den einzelnen Tonnen

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aufmerksam zu machen. Daß ernsthaft behauptet wird, derlei Haare seien für die "NS-Spinnstoffsammlung" (S. Einstein — "Eichmann — Chefbuchhalter des Todes", S. 196) oder für "U-Boot-Dichtungen" ("Gerstein-Bericht") oder — wie es Eugen Kogon bereits im Jahre 1945 "wußte" — "in Fabriken zur Verarbeitung geschickt" worden ("Der SS-Staat", 1. Aufl., S. 132, 5. Aufl., S. 167), ohne daß die geringsten Beweise hierfür erbracht werden oder worden sind, sei nebenbei erwähnt. Wenn Jahre nach 1945 nun diese "Fotografien" als erste Beweise für das Vorhandensein von Stapeln von Menschenhaaren in Auschwitz der Öffentlichkeit vorgelegt werden, ohne daß die Öffentlichkeit je von einer neutralen Untersuchungskommission an Ort und Stelle gehört oder auch nur zusätzliche "Bilddokumente" zur Lokalisierung des Fundortes zu sehen bekommen hätte, so kann einem übel werden von der Dreistigkeit solcher "Beweiserbringung". Beispiel und Ergebnis der nachträglichen Untersuchung des Schicksales der über 10 000 polnischen Offiziere im Wald von Katyn durch die Sowjets unter strikter Abschirmung jeglicher neutraler Berichterstatter ist zu gut bekannt, um solcherart zustandegekommener "Untersuchung" und "Beweiserbringung" Glauben zu schenken.



"Fässer mit Menschenhaaren in Auschwitz".

Mit diesem Bildtext veröffentlicht in R. Schnabel "Macht ohne Moral", S. 260.

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