III. Fakten I

Hier soll Material aus nationalsozialistischer Quelle vorgestellt werden, welches aus meiner Sicht belegt, daß die Endlösung der Judenfrage darin bestand, die Juden nach dem Ostteil von Weißruthenien, genauer nach dem unter Militärverwaltung stehenden Teil Weißrutheniens, umzusiedeln. Das Material wird in logisch zusammengehörende Abschnitte gegliedert. Die Zitate, vor allem von Hitler, werden teilweise sehr ausführlich wiedergegeben, damit soll der Vorwurf vermieden werden, sie seien aus dem Zusammenhang gerissen. Die Schreibweise wurde generell, so wie im Original vorgefunden, beibehalten.

 

A. Hitler

Hitler ist für mich der Mann, der die Macht im Dritten Reich besaß und gegen dessen Willen keine bedeutsame Entscheidung gefällt wurde. Er ist zugleich der Motor der Endlösung der Judenfrage und sah in dieser Lösung zu einem guten Teil seine Lebensaufgabe. Der antisemitische Teil der nationalsozialistischen Weltanschauung wurde vorrangig von Hitler geprägt, der als Führer hier, und vor allem hier, seine Anschauungen durchsetzte.

Gemäß dieser nationalsozialistischen Weltanschauung war es aber, wie ich zu meiner großen Überraschung feststellen mußte, gar nicht nötig, »den Juden« auszurotten. Der Jude ist danach dem Arier, der sich an die Rassegesetze hält, naturgemäß unterlegen. Er kann den Arier im Rassenkampf nur besiegen, wenn er ihn dazu verleitet, die Rassengesetze zu verletzen.[18] Der Arier und die anderen Rassen gewinnen ihre Überlegenheit gegenüber dem Juden wieder, sobald sie sich rassisch reinhalten. Ohne den Juden, der die Völker gegeneinander aufhetzt, kommt dann angeblich vieles in Ordnung. Oder so Hitler:

»Ein Friede kann nur kommen über eine natürliche Ordnung. Die Ordnung setzt voraus, daß die Nationen sich so ineinanderfügen, daß die Befähigten führen. Der Unterlegene erhält damit mehr, als er aus eigenem würde erreichen können. Durch das Judentum wird diese Ordnung zerstört. Der Bestie, der Niedertracht, der Dummheit verhilft es zum Sieg. 1400 Jahre hat das Christentum gebraucht, um sich zur letzten Bestialität zu entwickeln. Wir dürfen deshalb nicht sagen, daß der Bolschewismus schon überwunden ist. Je gründlicher aber die Juden herausgeworfen werden, desto rascher ist die Gefahr beseitigt. Der Jude ist der Katalysator, an dem sich die Brennstoffe entzünden. Ein Volk, das keine Juden hat, ist der natürlichen Ordnung zurückgegeben.«[19]

»Der Jude« braucht deshalb auch nur isoliert zu werden, er muß nicht getötet werden; es genügt, allen Juden einen gemeinsamen Ort anzuweisen. 1941 hat Hitler sogar Gesichtspunkte formuliert, die dafür sprechen, daß »der Jude« nicht ausgerottet werden darf! Hitler war auf seine Weise ein religiöser Mensch, er glaubte an einen Schöpfer, die Natur, die Vorsehung.[20] Wenn man aber an einen Schöpfer glaubt, stellt sich die Frage, warum dieser »den Juden« geschaffen hat ? Hat »der Jude« eine Funktion?

Hitler:

»Wir wissen nicht, welchen Sinn die Einrichtung hat, daß wir den Juden Völker zerstören sehen. Ist es so, daß ihn die Natur geschaffen hat, damit er durch seine Dekomposition andere Völker in Bewegung bringt ? Dann sind Paulus und Trotzki die achtungswürdigsten Juden, weil sie dazu am meisten beigetragen haben.«[21]

Hitler hat sich bei seinen »Tischgesprächen« zwischen dem 8. August 1941 und dem 24. Juli 1942 sehr oft über die Juden und das Schicksal, das er ihnen bereitet, geäußert. Zitate:

8. - 11. August 1941:

»Wenn ein Land zu Evakuierungen ein Recht hat, so sind wir es weil wir unsere eigenen Menschen wiederholt evakuiert haben: Aus Ostpreußen allein sind 800.000 Menschen ausgesiedelt worden. Wie empfindsam wir Deutschen sind, läßt sich daran erkennen, daß es uns ein Äußerstes an Brutalität zu sein schien, unser Land von den 600.000 Juden zu befreien, während wir die Evakuierung unserer eigenen Menschen widerspruchslos als etwas hingenommen haben, das sein muß. Wir dürfen von Europa keinen Germanen mehr nach Amerika gehen lassen. Die Norweger, Schweden, Dänen, Niederländer müssen wir alle in die Ostgebiete hineinleiten; das werden Glieder des Deutschen Reiches. Wir stehen vor der großen Zukunftsaufgabe, planmäßig Rassenpolitik zu treiben. Wir müssen das schon deshalb tun, um der Inzucht zu begegnen, die bei uns Platz greift. Die Schweizer werden wir allerdings nur als Gastwirte verwenden können.

Sümpfe wollen wir nicht bewältigen. Wir nehmen nur die bessere Erde und zunächst die allerbesten Gründe. Im Sumpfgebiet können wir einen riesigen Truppenübungsplatz anlegen von 350 auf 400 km, mit Strömen drin und allen Hindernissen, die die Natur der Truppe bieten kann «[22]

17. Oktober 1941:

»Verglichen mit der Häufung von Schönheit im mitteldeutschen Raum kommt uns der neue Ostraum heute wüst und leer vor. Aber: auch das flandrische Land ist eine einzige Ebene und doch schön! Die Menschen? Die werden wir hineinbringen«.[23]

und:

»Ich werde es wohl nicht mehr erleben, aber in zwanzig Jahren wird das Gebiet schon 20 Millionen Menschen umfassen. In dreihundert Jahren wird es eine blühende Parklandschaft von ungewöhnlicher Schönheit sein!

Die Eingeborenen? Wir werden dazu übergehen, sie zu sieben. Den destruktiven Juden setzen wir ganz hinaus. Der Eindruck, den ich im weißrussischen Gebiet hatte, war besser als der in der Ukraine. In die russischen Städte gehen wir nicht hinein, sie müssen vollständig ersterben«[24]

25. Oktober l 941:

»Vor dem Reichstag habe ich dem Judentum prophezeit, der Jude werde aus Europa verschwinden, wenn der Krieg nicht vermieden bleibt. Diese Verbrecherrasse hat die zwei Millionen Toten des Weltkrieges auf dem Gewissen, jetzt wieder Hunderttausende. Sage mir keiner: Wir können sie doch nicht in den Morast schicken! Wer kümmert sich denn um unsere Menschen? Es ist gut, wenn uns der Schrecken vorangeht, daß wir das Judentum ausrotten. Der Versuch, einen Judenstaat zu gründen, wird ein Fehlschlag sein.«[25]

Notiz: Als Gäste waren anwesend: Himmler und Heydrich!

19. November 1941:

»Wenn heute einige Bürger weinten, weil Juden aus Deutschland auswandern müßten, dann sei das sehr bezeichnend für diese Kreaturen von Spießbürgern. Man müsse sie fragen, ob sie früher geweint hätten, als Hunderttausende von Deutschen Jahr um Jahr aus Deutschland auswandern mußten! Diese Deutschen hatten keine Verwandtschaft in der Welt, sondern waren ganz auf sich gestellt, während die Juden ja genügend Verwandte in aller Welt haben; Mitleid mit ihnen sei also höchst unangebracht«[26]

12. -13. Januar 1942:

»Die Juden sind das auserwählt dümmste Volk: Sie hätten um Gottes willen diesen Krieg nicht anstiften dürfen. Aus Europa werden sie verschwinden. Nur wegen ein paar Narren!«[27]

25. Januar 1942:

»Wenn ich einhundertfünfzigtausend Wolhyniendeutsche herausziehe, so ist das auch mit Härten verbunden wie die Räumung von Südtirol. Wenn ich heute den Juden herausnehme, dann wird unser Bürgertum unglücklich! Was geschieht denn mit ihm ? Aber haben sich die gleichen darum gekümmert, was aus den Deutschen werden würde, die auswandern mußten ? Man muß es schnell machen, es ist nicht besser, wenn ich einen Zahn alle drei Monate um ein paar Zentimeter herausziehen lasse - wenn er heraußen ist, ist der Schmerz vorbei. Der Jude muß aus Europa heraus. Wir kriegen sonst keine europäische Verständigung. Er hetzt am meisten überall. Letzten Endes: Ich weiß nicht, ich bin kolossal human. Zur Zeit der päpstlichen Herrschaft in Rom sind die Juden mißhandelt worden. Bis 183() wurden acht Juden jedes Jahr durch die Stadt getrieben, mit Eseln. Ich sage nur, er muß weg. Wenn er dabei kaputtgeht, da kann ich nicht helfen. Ich sehe nur eines: die absolute Ausrottung, wenn sie nicht freiwillig gehen.

Warum soll ich einen Juden mit anderen Augen ansehen als einen russischen Gefangenen. Im Gefangenenlager sterben viele, weil wir durch die Juden in diese Lage hineingetrieben sind. Aber was kann denn ich dafür ? Warum haben die Juden denn den Krieg angezettelt? Dann mag es wieder drei-, vierhundert Jahre dauern, bis die Juden in Europa erneut einziehen. Zunächst als Händler, dann lassen sie sich nieder, um ihre Mitwelt zu begaunern. Schließlich werden sie Philanthropen und machen Stiftungen. Wenn ein Jude das tut, so wird das besonders vermerkt - man weiß, er ist ein Schweinehund..., sieht man aber näher hin, so merkt man, daß das oft die gerissensten Juden sind. Die Arier sagen dann, ja, was wollt ihr denn, es gibt doch auch gute Juden. Ich nehme an, die Nationalsozialistische Partei baut einmal eine festgefügte Gesellschaftsordnung auf, nimmt Staatsstellungen ein und pflegt den Reichtum. Hoffentlich kommt dann auch wieder einer und zieht einen neuen Verein auf.«[28]

Notiz: Als Gäste waren anwesend: Dr. Lammers, Himmler und Oberst Zeitzler.

27. Januar 1942:

»Der Jude muß aus Europa hinaus! Am besten, sie gehen nach Rußland. Ich habe kein Mitleid mit den Juden. Sie werden immer ein Element bleiben, das die Völker gegeneinander hetzt. Sie machen es im Völkerleben genauso wie im privaten Dasein. Aus der Schweiz und aus Schweden müssen sie herausgenommen werden. Dort, wo sie wenige sind, sind sie am gefährlichsten. Fünftausend Juden sind in kurzer Zeit in allen schwedischen Stellungen. Um so leichter kann man sie herausziehen! Grund haben wir genug, es ist wie ein Gefäß mit kommunizierenden Röhren.«[29]

4. April 1942:

»Die Natur sei wie auf allen Gebieten so auch auf dem Gebiet der Auslese die beste Lehrmeisterin. Man könne sich überhaupt keine bessere Konstruktion der Natur denken als den durch sie bedingten Aufstieg der Lebewesen: nur im harten Kampf. Es sei deshalb bezeichnend, daß die oberen Schichten, die sich nie um die Hunderttausende deutscher Auswanderer und ihre Not gekümmert hätten, jetzt bei den Juden Mitleid empfinden wollten, obwohl die Juden in der ganzen Welt ihre Komplizen haben und das klimafesteste Wesen seien, das es gäbe. Juden gediehen überall, sogar in Lappland und Sibirien.«[30]

15. Mai 1942:

»Um eben denselben Juden, der damals diesen Dolchstoß geführt habe, lamentiere heute unser sogenanntes Bürgertum, wenn er nach dem Osten abgeschoben werde. Das Bemerkenswerte daran sei, daß dieses Bürgertum sich seinerzeit aber nicht darum gekümmert habe, daß jährlich 250.000 bis 300.000 deutsche Menschen aus Deutschland auswanderten und ca. 75 Prozent der deutschen Auswanderer nach Australien bereits auf der Reise starben.

Keine Bevölkerungsschicht sei in politischen Dingen blöder als dieses sogenannte Bürgertum. Wenn man von Staats wegen einen ausgesprochenen Volksschädling unschädlich mache, zum Beispiel totschlage. dann schreie das ganze Bürgertum, der Staat sei ein brachialer Staat. Wenn aber der Jude den deutschen Menschen mit juristischen Spitzfindigkeiten um seine berufliche Existenz bringe, ihm Haus und Hof nehme, ihm seine Familie zerstöre, ihn so schließlich zur Auswanderung treibe, und der deutsche Mensch dann auf der Fahrt nach seinem Auswanderungsziel sein Leben verliere, so nenne das Bürgertum den Staat, in dem das möglich sei, einen Rechtsstaat, weil sich diese ganze Tragödie ja völlig im Rahmen juristischer Paragraphenmöglichkeiten abgespielt habe.

Daß der Jude als Parasit der klimafesteste Mensch der Erde sei und sich im Gegensatz zum Deutschen in Lappland genauso wie in den Tropen einlebe, das bedenke natürlich kein einziger, der seine Krokodilstränen hinter einem nach dem Osten abtransportierten Juden herweine. Dabei handle es sich bei diesem Spießer aber in der Regel um einen Menschen, der sich auf seine Bibelfestigkeit etwas einbilde, trotzdem aber nicht wisse, daß nach den Berichten des Alten Testaments dem Juden weder ein Aufenthalt in der Wüste noch ein Marsch durchs Rote Meer etwas anhaben könne.

Wie so oft in der Geschichte, wenn der Jude übermütig geworden und die Völker, bei denen er sich eingenistet habe, zu sehr von ihm ausgepowert worden seien, erkenne auch jetzt langsam ein Volk nach dem anderen, wieviel Schaden ihm der Jude zugefügt habe. Jedes versuche dann auf seine Weise mit ihm fertig zu werden. Interessant sei, mit welchem Tempo nach einer Depesche die Türkei jetzt gegen die Juden vorgehe.«[31]

29. Mai 1942:

»Ganz Westeuropa müsse deshalb nach einer bestimmten Zeit völlig judenfrei sein. Das sei allein schon deshalb erforderlich, als es unter den Juden immer einen gewissen Prozentsatz von Fanatikern gebe, der das Judentum wieder hochzubringen suche. Es empfehle sich deshalb auch nicht, die Juden nach Sibirien abzuschieben, da sie bei ihrer Klimafestigkeit dort nur gesundheitlich noch besonders gehärtet würden. Viel richtiger sei es, sie - da die Araber sie in Palästina nicht haben wollten - nach Afrika zu transportieren und sie damit einem Klima auszusetzen, das jeden Menschen unserer Widerstandsfähigkeit beeinträchtige und damit jede Interessenüberschneidung mit europäischem Menschentum ausschließe.«[32]

24.Juli1942:

»In diesem II. Weltkrieg als einem Ringen auf Leben und Tod dürfe nie vergessen werden, daß das Weltjudentum nach der Kriegserklärung des Weltzionistenkongresses und seines Führers Chaim Weizmann (in seiner Botschaft an Englands Premier Chamberlain) der unerbittlichste Gegner des Nationalsozialismus, der Feind Nummer 1 sei. Geschäftlich suche das Judentum Europa, Europa müsse es aber schon aus Sakroegoismus ablehnen, da das Judentum rassisch härter sei. Nach Beendigung des Krieges werde er sich rigoros auf den Standpunkt stellen, daß er Stadt für Stadt zusammenschlage, wenn nicht die Juden rauskämen und nach Madagaskar oder einem sonstigen jüdischen Nationalstaat abwanderten. «[33]

Eine Untersuchung dieser Texte zeigt mehrere Besonderheiten. Hitler rechtfertigt sich gegenüber dem Bürgertum, daß er die Juden umsiedele. So am:

Er wirft dem Bürgertum vor, es habe sich auch nicht um deutsche Menschen gekümmert, die auswandern mußten und dabei Schweres erlebt hätten. Für Hitler ist nach diesen Texten die Endlösung vergleichbar mit einer Auswanderung, Evakuierung. Das Thema hat ihn offenbar stark beschäftigt, wie man den immer wiederkehrenden Rechtfertigungen entnehmen kann.

Frage: Was soll es heißen: Hitler schickt die Juden in den Morast ?

Hitler nennt auch Ziele: So heißt es, er schicke die Juden in den Morast (25. Oktober 1941), oder: am besten, sie gehen nach Rußland (27. Januar 1942) oder es heißt, sie werden nach dem Osten abgeschoben (15. Februar 1942). Letztere Formulierung findet sich später in vielerlei Dokumenten. Hat sich hier eine Sprachregelung herausgebildet?

Frage: Warum vergleicht Hitler die Endlösung mit einer Auswanderung?

Auffällig ist auch, daß Hitler immer wieder von dem klimafesten Wesen der Juden spricht. Der Jude gedeihe überall, sogar in Lappland und Sibirien. Man solle ihn nach dem Kriege nach Afrika transportieren (Mai 1942). Man beachte auch Feinheiten, wie: ganz Westeuropa müsse judenfrei werden, d. h. aber: nicht Osteuropa !

Frage: Warum macht sich Hitler Gedanken über das Schicksal der Juden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ?

 

B. Grundsätzliches zur Endlösung

Am 27. März 1941 fand eine Arbeitstagung des »Instituts zur Erforschung der Judenfrage« in Frankfurt am Main statt.[34] Dieses Institut wurde am 28. März 1941 mit einer Rede Rosenbergs eröffnet[35], und diese Arbeitstagung war offenbar Teil der Eröffnungsfeierlichkeiten. In einer grundsätzlichen Betrachtung sieht einer der Referenten drei Wege zur Behandlung der Juden:

  1. Dissimilierung (ohne äußerlich räumliche Ausgliederung)
  2. Ghettoisierung (in Stadtghettos oder in einem Bereich Osteuropas!)
  3. Entfernung aus Europa.[36]

Dazu wird ausgeführt:

1. Dissimilierung

Dieser Weg wurde, so heißt es, im Deutschen Reich vor 1941 eingeschlagen. Er habe den Nachteil, daß das Judentum als fremder Volkskörper erhalten bleibe. Zitat:

»Die Judenfrage bleibt eine bevölkerungspolitische Massenfrage, mit dem Unterschied nur, daß durch die Umschichtung innerhalb des Judentums die Zahl der reichen Juden verringert, die Zahl der jüdischen Unterstützungsempfänger vermehrt wird. Soziale Verelendung und Umschichtung der Juden kann die Folge sein keineswegs aber eine physische Selbstauflösung des Judentums, denn Volkstod ist nie schneller Tod, sondern eine Entwicklung von Jahrhunderten, zumal wenn es sich nicht um eine Volksgruppe von einigen tausend oder zehntausend, sondern um 5 1/2 Millionen Menschen in Europa handelt«.[37]

2. Ghettoisierung

a. Stadtghetto

Die Bildung eines Stadtghettos sei sehr schwierig. Städte seien organische Einheiten: Verkehrslinien, Fernstraßen Wasser- Gas- und Elektrizitätseinrichtungen zerschnitten jede Stadt. Ein Stadtghetto sei nicht autark. Nahrungsmittel, Rohstoffe u. ä. müßten immer zugeführt werden.[38]

b. Territorium. Zitat:

»Es liegt nahe, den sich aus der Bildung städtischer Zwangsghettos ergebenden Schwierigkeiten durch den Vorschlag zu begegnen, ein bestimmtes größeres Territorium auszugliedern und hier die Juden Europas zu konzentrieren. Man hat dabei insbesondere an solche Gebiete gedacht, die besonders judenreich sind und die durch Zusiedlung von Juden und Herausziehung der nichtjüdischen Bevölkerung zu geschlossenen jüdischen Wohngebieten umgestaltet werden können.«[39]

Diese Pläne hätten eine Reihe von Vorteilen:[40]

Der Referent nennt auch Nachteile, wobei er sich auf den sogenannten Lublin-Plan bezieht, die Juden im Raum Lublin anzusiedeln. Im einzelnen führt er dazu an:[41]

a. Es seien riesige Bevölkerungsverschiebungen nötig; zu transportieren seien 5 Millionen Juden und 2,7 Millionen Nichtjuden.

b. Das Problem sei, wohin mit den Nichtjuden?

c. Für die Juden sei das Gebiet Lublin zu klein. Das Gebiet habe jetzt eine Größe von 26800 qkm, davon müsse man einen Schutzstreifen von 10 km Breite abrechnen. Das restliche Gebiet habe eine Größe von 25 000 qkm. Wolle man alle europäischen Juden dort konzentrieren, ergebe sich eine Bevölkerungsdichte von 320 Menschen pro qkm. Im Vergleich: England habe eine Bevölkerungsdichte von 271 Menschen pro qkm und das Deutsche Reich eine von 135 pro qkm. Ein solches Riesenghetto könne folglich nicht aus sich leben. Er fragt, ob es keinen Teil Europas gebe, der als Wohngemeinschaft der Juden in Frage komme.[42]

3. Entfernung aus Europa

Dieser Weg habe alle Vorteile einer europäischen Großghetto-Lösung, ohne ihre Nachteile zu besitzen.[43] Der Abschluß:

»Sollte es möglich sein, ein entsprechendes Siedlungsgebiet für die Juden Europas zu finden, was durch wissenschaftliche Forschung und praktische Anschauung festgestellt werden kann, so wäre die Emigrationslösung sowohl für die Völker Europas wie für die Juden selbst der günstigste Weg. Damit mündet aber das europäische Judenproblem in die große Frage einer kolonialen Neugestaltung und Neugliederung der Welt ein. Im Rahmen dieses Fragenkomplexes könnte dann auch die europäische Judenfrage als wirtschaftliches und bevölkerungspolitisches Problem endlich ihre endgültige Lösung finden.«[44]

 

C. Die Entwicklung vom April 1941 bis zum März 1942

In diese Zeit fällt die Entscheidung über die Endlösung der Judenfrage. Verhältnismäßig viele Dokumente liegen hier vor. Hitler hat sich entschieden, in die Sowjetunion einzumarschieren. Rosenberg, der später Reichsminister für die besetzten Ostgebiete werden wird, bereitet sich vor. Zunächst Zitate aus den einschlägigen Denkschriften Rosenbergs.

2. April 1941: Denkschrift Rosenbergs über Ziele und Methoden einer künftigen Besetzung weiter Teile der Sowjetunion[45]. Darin heißt es:

»Weiss-Russland umfaßt einen kulturell wie auch wirtschaftlich sehr zurückgebliebenen Teil der UdSSR. Es enthält zugleich das zweitgrößte Judenreservoire der UdSSR mit völlig verjudeten Städten, wie Bjalostok, Minsk, Polodzk, Witebsk u. a. m.

Die Erweckung eines Eigenlebens wie auch die Errichtung eines lebensfähigen staatlichen Gebildes kann als ein ausserordentlich langwieriges und auch schwieriges Unterfangen gelten. Weissrussland ist kulturell viel rückständiger als z. B. Litauen und vom Judentum ausgebeuteter als Polen. Trotzdem wäre im Hinblick auf die notwendige Schwächung des russischen Kernlandes ein solcher Versuch zu befürworten.

Die UdSSR hat Weissrussland auf das Gebiet von der polnischen Nor-dWest-Grenze bis ungefähr zur Pronja beschränkt. Aber die eigentliche Hauptstadt des ganzen Gebietes wäre Smolensk. Der halbe Verwaltungsbezirk gleichen Namens wie auch ein Teil des Verwaltungsbezirkes Kalinin (früher Twer) könnte bevölkerungsmässig hinzugerechnet oder verwaltungsmässig hinzugeschlagen werden. Dadurch würde die Grenze Weissrusslands bis auf ungefähr 250km an Moskau herangerückt werden.«[46]

29. April 1941: Denkschrift Rosenbergs über Fragen des osteuropäischen Raums:

»Eine allgemeine Behandlung erfordert die Judenfrage, deren zeitweilige Übergangslösung festgelegt werden muß (Arbeitszwang der Juden, eine Ghettoisierung usw.).«[47]

8. Mai 1941: Instruktion Rosenbergs für einen Reichskommissar im Ostland.[48]

»Ziel eines Reichskommissars für Estland, Lettland, Litauen und Weissruthenien muß es sein, die Form eines deutschen Protektorats zu erstreben und dann durch Eindeutschung rassisch möglicher Elemente, durch Kolonisierung germanischer Völker und durch Aussiedlung nicht erwünschter Elemente dieses Gebiet zu einem Teil des Großdeutschen Reiches umzuwandeln.«[49]

Weiter unten:

»Diesen drei Gebieten unmittelbar angeschlossen wird Weißruthenien. Weißruthenien hatte eine Zeit lang eine starke Separationsbewegung, doch ist anzunehmen, daß es dem Bolschewismus gelungen ist, diese zu unterdrücken. In jedem Falle wird Weißruthenien zunächst die harte Aufgabe haben, einen Teil jener Elemente aufzunehmen, die aus Estland, Lettland, Litauen und aus dem polnischen Teil des Warthelandes ausgewiesen werden. Es erscheint zweckmäßig, die Polen nicht im Generalgouvernement, sondern im Osten Weißrutheniens (Smolensker Bezirk) unterzubringen und dort eine Zwischenschicht gegenüber dem Russentum zu bilden. Im übrigen hätte der General-Kommissar in Weißruthenien die Aufgabe, dieses wirtschaftlich nicht als Überschußgebiet zu betrachtende Land durch stärksten Arbeitseinsatz zu einer produktiven Leistung anzuspornen.«[50]

20. Juni 1941: Rede Rosenbergs vor Mitarbeitern über das sogenannte Reichskommissariat Baltenland (später Ostland):

»Südlich des Baltenlandes liegt Weissruthenien, und es ist vorgesehen, in das Kommissariat Baltenland mit hineingenommen zu werden. Weissruthenien hat zwar einen gänzlich anderen Charakter; aber aus diesen baltischen Ländern werden wahrscheinlich viele unsoziale Menschen angesiedelt werden müssen, und für diese unliebsamen Elemente, auch aus dem Generalgouvernement und dem Wartheland, ist Weissruthenien ein sehr geeignetes Auffanggebiet.«[51]

Später kommt er noch einmal darauf zurück:

»Anschließend kommt Weissruthenien als Auffangstation vieler unsozialer Elemente, das auch gleichsam als Naturschutzpark behandelt werden wird. Eine gewisse Autonomie wird dieses Gebiet einmal erhalten können. Zum Unterschied zu der Bezeichnung der Gebiete von Estland, Lettland und Litauen als Landeshauptmannschaften wird Weissruthenien die Benennung Generalkommissariat erhalten - Der Umfang dieses Reichskommissariats beträgt 550()00qkm und die Einwohnerschaft 19,3 Millionen.«[52]

22. Juni 1941: Einmarsch deutscher Truppen in die Sowjetunion.

Juli 1941: Befehl Görings an Heydrich:

»In Ergänzung der Ihnen bereits mit Erlaß vom 24.1.39 übertragenenen Aufgabe, die Judenfrage in Form der Auswanderung oder Evakuierung einer den Zeitverhältnissen entsprechend möglichst günstigen Lösung zuzuführen, beauftrage ich Sie hiermit, alle erforderlichen Vorbereitungen in organisatorischer, sachlicher und materieller Hinsicht zu treffen für eine Gesamtlösung der Judenfrage im deutschen Einflußgebiet in Europa.«[53]

10. August 1941[54]: Die Planung für den Generalbezirk Weißruthenien sieht folgende Gliederung vor:

Hauptbezirke:

Baranowitschi

 

Minsk

 

Mogilew

 

Witebsk

 

Smolensk

Stadtgebiete:

Minsk

 

Mogilew

 

Bobruisk

 

Witebsk

 

Smolensk.[55]

August 1941: Geplante vorläufige Richtlinien für die Behandlung der Juden im Reichskommissariat Ostland durch den späteren Reichskommissar für das Ostland Lohse.[56] Darin heißt es:

»Diese vorläufigen Richtlinien haben nur die Aufgabe, dort und solange Mindestmaßnahmen der General- oder Gebietskommissare sicherzustellen, wo und solange weitere Maßnahmen im Sinne der endgültigen Lösung der Judenfrage nicht möglich sind.«[57]

Man beachte: vorläufige Richtlinien, sie haben nur Geltung, solange weitere Maßnahmen im Sinne einer endgültigen Lösung der Judenfrage nicht möglich sind!

Weiter heißt es u. a.:

»a. Das flache Land ist von Juden zu säubern...

d. Die Juden sind tunlichst in Städten oder in Stadtteilen großer Städte zu konzentrieren, die bereits eine überwiegende jüdische Bevölkerung besitzen. Dort sind Ghettos zu errichten. Den Juden ist das Verlassen der Ghettos zu verbieten.

Die Insassen des Ghettos regeln ihre inneren Verhältnisse in Selbstverwaltung, die vom Gebiets-Stadtkommissar oder seinem Beauftragten beaufsichtigt wird. Als Ordnungsdienst für die innere Ordnung können Juden eingeteilt werden. Sie sind höchstens mit Gummiknüppeln oder Stöcken auszurüsten und durch weisse Armbinden mit gelbem Judenstern am rechten Oberarm kenntlich zu machen.

Für die äussere hermetische Abschliessung der Ghettos sind tunlichst Hilfspolizisten aus den Landeseinwohnern einzusetzen.

e. Die arbeitsfähigen Juden sind nach Maßgabe des Arbeitsbedarfs zu Zwangsarbeit heranzuziehen. Die wirtschaftlichen Interessen förderungswerter Landeseinwohner dürfen durch die jüdische Zwangsarbeit nicht geschädigt werden. Die Zwangsarbeit kann in Arbeitskommandos ausserhalb der Ghettos, im Ghetto oder, wo Ghettos noch nicht errichtet sind, auch einzeln ausserhalb der Ghettos (z.B. in der Werkstatt des Juden) geleistet werden.«[58]

14. August 1941: Laut Hilberg

»erklärte Göring höchstpersönlich, ›daß die Juden in den von Deutschland beherrschten Gebieten nichts mehr zu suchen‹ hätten. Wo immer jüdische Arbeit benötigt werde, seien die Juden in Arbeitskolonnen zusammenzufassen; sofern sie nicht die Gelegenheit zum Auswandern gehabt hätten, seien sie in ›eine Art‹ Gefangenenlager zu sperren und in Form von Arbeitsbataillonen zu organisieren. Jede andere Beschäftigungsweise sei, bis auf Ausnahmefälle in der Anfangsphase der Besatzung, zu verbieten.«[59]

22. August 1941: Vorschläge von Dr. Carltheo Zeitschel an der deutschen Botschaft Paris (Zitate):

»Aufzeichnungen für Herrn Botschafter Abetz

Die fortschreitende Eroberung und Besetzung der weiten Ostgebiete können z. Zt. das Judenproblem in ganz Europa in kürzester Zeit zu einer endgültigen befriedigenden Lösung bringen.

Wie aus einem Hilfeschrei der gesamten Juden Palästinas in deren Presse an die amerikanischen Juden hervorgeht, sind in den von uns in den letzten Wochen besetzten Gebieten, besonders Bessarabien, über 6 Millionen Juden ansässig, das bedeutet 1/3 des Weltjudentums. Diese 6 Millionen Juden müßte man sowieso bei der Neuordnung des Ostraums irgendwie zusammenfassen und voraussichtlich doch ein besonderes Territorium für sie abgegrenzt werden. Es dürfte bei dieser Gelegenheit kein allzu großes Problem sein, wenn aus allen übrigen europäischen Staaten die Juden noch hinzukommen und auch die z. Zt. in Warschau, Litzmannstadt, Lublin usw. in Gettos zusammengepferchten Juden auch dorthin abgeschoben werden. Soweit es sich um die besetzten Gebiete handelt, wie Holland, Belgien, Luxemburg Norwegen, Jugoslawien, Griechenland, könnten doch einfach durch militärische Befehle die Juden in Massentransporten in das neue Territorium abtransportiert und den übrigen Staaten nahegelegt werden, dem Beispiel zu folgen und ihre Juden in dieses Territorium abzustoßen. Wir könnten dann Europa in kürzester Zeit judenfrei haben.

Ich schlage daher vor, bei der nächsten Gelegenheit diese Frage dem Reichsaußenminister vorzutragen und zu bitten, in dem Sinne einer solchen Regelung sich mit dem bereits ernannten, zukünftigen Minister für die Ostgebiete, Reichsleiter Rosenberg, und dem Reichsführer-SS zusammenzusetzen und die Angelegenheit in dem von mir vorgeschlagenen Sinne zu prüfen. Das Transportproblem der Juden in die Ostgebiete würde selbst während des Krieges durchzuführen sein und nach dem Kriege nicht auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen, zumal die gesamten Juden im Generalgouvernement die Strecke in das neue abgegrenzte Territorium ja mit ihren Fahrzeugen auf den Landstraßen zurücklegen könnten.«[60]

Otto Bräutigam, der Vertreter Rosenbergs, hat ein Tagebuch geführt. Darin heißt es am 14. September 1941:

»Kalinin hatte angeordnet, daß alle Wolgadeutschen nach Sibirien zu verschicken seien. Offenbar fürchtet man sie im Herzen der Sowjetunion zu belassen und wollte sie auch einem etwaigen späteren Angriff durch uns entziehen. Von dem traurigen Schicksal, verbannt zu werden, sollten 400.000 Personen erfaßt werden. Dabei war es klar, daß der größere Teil die Verbannung oder gar schon den Transport nicht überleben würde. Als Gegenmaßnahme war vom Reichsleiter (Rosenberg) die Verschickung aller Juden Zentraleuropas in die östlichen, unter unserer Verwaltung stehenden Gebiete in Aussicht genommen, und ich hatte telegraphisch den Auftrag erhalten, die Zustimmung des Führers zu diesem Projekt herbeizuführen. So sattelte ich denn meinen Mercedes und fuhr zunächst zum Obstlt. v. Tippelskirch beim Wehrmachtsführungsstab, der aber ebenso wie der General Warlimont der Ansicht war, daß die Wehrmacht an dieser Sache wenig interessiert sei. So fuhr ich zum Führerhauptquartier weiter, wo ich mich nach den Adjutanten des Führers, Oberst Schmundt und Major Engel, erkundigte, die aber beide nicht zu erreichen waren. Oberst Schmundt war mit dem Führer in einer Besprechung beim Generalfeldmarschall und Major Engel zum OKH unterwegs. Ich unterhielt mich kurze Zeit mit General d. Fl. Bodenschatz und wurde dann an General Jodl gewiesen, der die Sache aber auch von sich abzuwimmeln suchte und meinte, die Zuständigkeit des Ausw. Amtes sei gegeben. Im übrigen würde die Durchführung des Projektes an den Transportschwierigkeiten scheitern. Schließlich entdeckte ich Oberst Schmundt, und zu meiner großen Überraschung bat er sich die Aufzeichnung sofort aus, mit den Worten, das sei eine sehr wichtige und dringliche Angelegenheit, für die sich der Führer sehr interessiere. Er würde mir Nachricht geben. Froh, mich meines Auftrages entledigt zu haben, fuhr ich nach Hause.«[61]

Weiter im Tagebuch von Otto Bräutigam am 15. September 1941:

»Ich interessierte mich für das Schicksal des Vorschlags des Reichsleiters und rief dementsprechend bei Oberst Schmundt an. Dieser verband mich mit Generalfeldmarschall Keitel, der mir mitteilte, daß der Führer befohlen habe, zunächst die Stellungnahme des Ausw. Amtes einzuholen. Ich rief also bei Hevel an, der aber durch Baron Steengracht vertreten wurde. Dieser verwies mich an den Gesandten v. Rintelen, der mir erklärte, daß v. Rippentrop sich noch nicht geäußert habe, sondern die Angelegenheit persönlich mit dem Führer besprechen wolle.«[62]

8. Oktober 1941: Brief von Dr. Zeitschel

»Gelegentlich des letzten Besuches von Botschafter Abetz im Hauptquartier habe ich diesem die Ihnen bekannte Aufzeichnung mitgegeben, mit dem Vorschlag, unsere im Konzentrationslager befindlichen Juden wegen der Lagerknappheit möglichst bald nach dem Osten abzuschieben.

Botschafter Abetz hat aufgrund dieser Aufzeichnung mit dem Reichsführer-SS persönlich Rücksprache genommen und von diesem zugesagt bekommen, daß die im KZ befindlichen Juden im besetzten Gebiet nach dem Osten abgeschoben werden können, sobald dies die Transportmittel zulassen.«[63]

13. Oktober 1941: Aus einer Besprechung des Generalgouverneurs H. Frank mit Rosenberg:

»... Der Generalgouverneur kam dann auf die Möglichkeit der Abschiebung der jüdischen Bevölkerung des Generalgouvernements in die besetzten Ostgebiete zu sprechen. Reichsminister Rosenberg bemerkte, daß ähnliche Wünsche bereits seitens der Militärverwaltung in Paris an ihn herangetragen worden seien. Im Augenblick sehe er jedoch für die Durchführung derartiger Umsiedlungspläne noch keine Möglichkeit. Für die Zukunft erklärte er sich jedoch bereit, die Judenemigration nach dem Osten zu fördern, zumal die Absicht bestehe überhaupt die asozialen Elemente innerhalb des Reichsgebiets in die dünnbesiedelten Ostgebiete zu verschicken «[64]

17. Oktober 1941, Frank:

»Die Stadt Lublin zählte Ende 1939 rund 40000 Juden. Es sind davon im Laufe der Zeit etwa 12.000 ausgesiedelt worden, aber fast dieselbe Anzahl ist bis heute wieder zugewandert. Zwar sind die Juden alle auf einen alten Stadtteil zusammengepfercht, dessen Grenze sie nicht ohne Genehmigung überschreiten dürfen, ein geschlossenes Ghetto gibt es bis heute jedoch nicht. Eine der wichtigsten Zugangsstraßen von Osten her führt mitten durch diesen Stadtteil, so daß erst eine Umgehungsstraße gebaut werden mußte, die dieser Tage fertig wird, um dann das Ghetto mit Stacheldraht einzuzäunen und vollkommen ahzuschließen. Man hätte von dieser Maßnahme auch noch weiterhin absehen können, nachdem bereits über ein Jahr kein Jude mehr in den übrigen Stadtteilen wohnt und kein jüdisches Geschäft sich mehr außerhalb des Ghettos befindet, wenn nicht die zuwandernden Juden in hohem Maße Flecktyphus und andere Krankheiten eingeschleppt hätten und dauernd Träger dieser Seuchen wären.

...

Eine Klärung der Judenfrage wird natürlich endgültig erst dann zu erreichen sein, wenn der vollkommene Abtransport aller Juden bewerkstelligt werden kann.«[65]

25. Oktober 1941: Hitler in Gegenwart von Himmler und Heydrich:

»Vor dem Reichstag habe ich dem Judentum prophezeit, der Jude werde aus Europa verschwinden, wenn der Krieg nicht vermieden bleibt. Diese Verbrecherrasse hat die zwei Millionen Toten des Weltkrieges auf dem Gewissen, jetzt wieder Hunderttausende. Sage mir keiner: Wir können sie doch nicht in den Morast schicken! Wer kümmert sich denn um unsere Menschen ? Es ist gut, wenn uns der Schrecken vorangeht, daß wir das Judentum ausrotten. Der Versuch, einen Judenstaat zu gründen, wird ein Fehlschlag sein.«[66]

17. November 1941: Rosenberg wird Reichsminister für die besetzten Ostgebiete. Dr. Alfred Meyer wird der ständige Vertreter von Rosenberg. Hinrich Lohse wird Reichskommissar für das Ostland.[67]

16. Dezember 1941: Frank (Zitate):

»Mit den Juden - das will ich Ihnen auch ganz offen sagen - muß so oder so Schluß gemacht werden. Der Führer sprach einmal das Wort aus: wenn es der vereinigten Judenschaft wieder gelingen wird, einen Weltkrieg zu entfesseln, dann werden die Blutopfer nicht nur von den in den Krieg gehetzten Völkern gebracht werden, sondern dann wird der Jude in Europa sein Ende gefunden haben.

Ich werde daher den Juden gegenüber grundsätzlich nur von der Erwartung ausgehen, daß sie verschwinden. Sie müssen weg. Ich habe Verhandlungen zu dem Zwecke angeknüpft, sie nach dem Osten abzuschieben. Im Januar findet über diese Frage eine große Besprechung in Berlin statt, zu der ich Herrn Staatssekretär Dr. Bühler entsenden werde(n). Diese Besprechung soll im Reichssicherheitshauptamt bei SS-Obergruppenführer Heydrich gehalten werden. Jedenfalls wird eine große jüdische Wanderung einsetzen.

Aber was soll mit den Juden geschehen ? Glauben Sie, man wird sie [im Original: man sie wird] im Ostland in Siedlungsdörfern unterbringen? Diese 3,5 Millionen Juden können wir nicht erschießen, wir können sie nicht vergiften, werden aber doch Eingriffe vornehmen können, die irgendwie zu einem Vernichtungserfolg führen, und zwar im Zusammenhang mit den vom Reich her zu besprechenden großen Maßnahmen. Das Generalgouvernement muß genau so judenfrei werden, wie es das Reich ist.«[68]

Notiz: Auf die Formulierung »Vernichtungserfolg« wird am Ende dieses Abschnitts eingegangen.

20. Dezember 1941: Die Planung für den Generalbezirk Weißruthenien hat sich auf Grund eines Vorschlages des Reichskommissars für das Ostland verändert.[69] Die Veränderungen sind in der Quelle nicht enthalten. Offenbar, soweit ist späteren Informationen zu entnehmen, wurde durch diese Änderung Weißruthenien in einen zivil- und in einen militärverwalteten Teil aufteilt.[70] Eine Gliederung des Generalbezirks Weißruthenien vom 14. März 1942 spricht von neun Kreisgebieten und zwar:

Herbst 1941: Hier soll ein weiteres Dokument vorgestellt werden, das leider undatiert ist. Es enthält eine zusätzliche Richtlinie für die Behandlung der Judenfrage.[72] Der Zeitpunkt, Herbst 1941, wurde indirekt erschlossen. Das Dokument ist offenbar jünger als die verwandte Richtlinie vom 13. August 1941, da detailliertere Anweisungen enthalten sind. Es ist aber sicher älter als das Papier IMT 344-EC, auf welches später eingegangen wird. Die Schrift scheint aber auch älter als das Protokoll der Wannsee-Konferenz, da in ihr Maßnahmen als Empfehlung stehen, die im Protokoll der Wannsee-Konferenz angeordnet sind. Zitate:

»Alle Massnahmen zur Judenfrage in den besetzten Ostgebieten müssen unter dem Gesichtspunkt getroffen werden, dass die Judenfrage spätestens nach dem Kriege für ganz Europa generell gelöst werden wird. Sie sind daher als vorbereitende Teilmassnahmen anzulegen und bedürfen der Abstimmung mit den sonst auf diesem Gebiet getroffenen Entscheidungen. Dies gilt vordringlich für die Schaffung von zumindesten zeitweiligen Aufnahmemöglichkeiten für Juden aus dem Reichsgebiet. «[73]

Man beachte: »zumindest zeitweiligen Aufnahmemöglichkeiten für Juden aus dem Reichsgebiet«!

Absonderung der Juden:

»Alsdann ist unverzüglich die Kennzeichnung mittels eines stets sichtbar zu tragenden gelben Judensternes durchzuführen und sofort die Freizügigkeit für alle Juden aufzuheben. Eine Überführung in Ghettos unter gleichzeitiger Trennung der Geschlechter ist anzustreben. Das Vorhandensein zahlreicher mehr oder weniger geschlossener jüdischer Niederlassungen in Weissruthenien und in der Ukraine erleichert diese Aufgabe. Im übrigen sind hierfür Orte auszuwählen, die infolge vorliegender Arbeitsvorhaben die völlige Ausnutzung der jüdischen Arbeitskraft ermöglichen. Diesen Ghettos kann unter Aufsicht eine jüdische Selbstverwaltung mit jüdischem Ordnungsdienst gegeben werden. Die Bewachung der Grenzen zwischen dem Ghetto und der Aussenwelt ist jedoch Sache der Polizei.«[74]

Kulturelle Be(s)tätigung:

»Eine kulturelle Be(s)tätigung wird den Juden völlig verboten werden. Hierzu gehört auch das Verbot der jüdischen Presse, des [im Original: der] jüdischen Theaters und Schulwesens.«[75]

Arbeitszwang:

»Sowohl der gegenwärtig in den besetzten Ostgebieten herrschende Mangel an Arbeitskräften als auch weltanschaulich-politische Erwägungen lassen es als Forderung von grundlegender Bedeutung erscheinen, für sämtliche Juden den Arbeitszwang einzuführen und sie zum geschlossenen Arbeitseinsatz in schärfster Form heranzuziehen. Dies hat Zug um Zug mit der Ausschaltung der Juden aus ihrem bisherigen Berufsleben zu geschehen, wobei eine Betätigung im bisherigen Beruf insoweit zuzulassen ist, als dies im Rahmen des Arbeitseinsatzes notwendig ist. Im übrigen sind die jüdischen Arbeitskräfte zu schwerer körperlicher Arbeit heranzuziehen.

Massgebliches Gebot für den jüdischen Arbeitseinsatz wird allein die volle und unnachsichtliche Inanspruchnahme der jüdischen Arbeitskraft ohne irgendeine Altersbegrenzung zum Wiederaufbau der besetzten Ostgebiete sein. Als Aufgaben, die den Juden im geschlossenen Arbeitseinsatz zu übertragen sind, werden vor allem Strassen-. Eisenbahn- und Kanalbau sowie Meliorationen usw. in Betracht kommen. Auch eine Heranziehung zu landwirtschaftlichen Arbeiten unter scharfer Aufsicht erscheint zunächst angebracht. Gegen eine Verwendung der Juden für die Holz-, Strohschuh-, Besen- und Bürstenerzeugung u. dergl. innerhalb des Ghettos ist gleichfalls nichts einzuwenden.

Beim jüdischen Arbeitseinsatz ist jedoch stets zu beachten, dass die jüdische Arbeitskraft nur in jenen Produktionszweigen angesetzt wird, die eine spätere, schnelle Abziehung dieser Arbeitskräfte ohne erhebliche Störung vertragen und eine Spezialisierung jüdischer Arbeiter ausschliessen. Auf jeden Fall ist zu verhindern dass jüdische Arbeiter in lebenswichtigen Produktionszweigen unentbehrlich werden.«[76]

20. Januar 1942: An diesem Tag fand die sogenannte Wannsee-Konferenz statt. Aus dem Protokoll:

»Auf Anordnung des Reichsmarschalls wurde im Januar 1939 eine Reichszentrale für jüdische Auswanderung errichtet, mit deren Leitung der Chef der Sicherheitspolizei und des SD betraut wurde. Sie hatte insbesondere die Aufgabe:

  1. alle Maßnahmen zur Vorbereitung einer verstärkten Auswanderung der Juden zu treffen,
  2. den Auswanderungsstrom zu lenken,
  3. die Durchführung der Auswanderung im Einzelfall zu beschleunigen.

Das Aufgabenziel war, auf legale Weise den deutschen Lebensraum von Juden zu säubern.

Über die Nachteile, die eine solche Auswanderungsforcierung mit sich brachte, waren sich alle Stellen im klaren. Sie mußten jedoch angesichts des Fehlens anderer Lösungsmöglichkeiten vorerst in Kauf genommen werden.«[77]

»... An Stelle der Auswanderung ist nunmehr als weitere Lösungsmöglichkeit nach entsprechender vorheriger Genehmigung durch den Führer die Evakuierung der Juden nach dem Osten getreten.

Diese Aktionen sind jedoch lediglich als Ausweichmöglichkeiten anzusprechen, doch werden hier bereits jene praktischen Erfahrungen gesammelt, die im Hinblick auf die kommende Endlösung der Judenfrage von wichtiger Bedeutung sind.«[78]

»Unter entsprechender Leitung sollen im Zuge der Endlösung die Juden in geeigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz kommen. In großen Arbeitskolonnen, unter Trennung der Geschlechter, werden die arbeitsfähigen Juden straßenbauend in diese Gebiete geführt, wobei zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird. Der allfällig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesen zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen, da dieser, eine natürliche Auslese darstellend, bei Freilassung als Keimzelle eines neuen jüdischen Aufhaues anzusprechen ist. (Siehe Erfahrungen der Geschichte).

Im Zuge der praktischen Durchführung der Endlösung wird Europa von Westen nach Osten durchgekämmt. Das Reichsgebiet einschließlich Protektorat Böhmen und Mähren wird, allein schon aus Gründen der Wohnungsfrage und sonstiger sozialpolitischer Notwendigkeiten, vorweggenommen werden müssen.

Die evakuierten Juden werden zunächst Zug um Zug in sogenannte Durchgangsghettos verbracht, um von dort weiter nach dem Osten transportiert zu werden.«[79]

»Staatssekretär Dr. Bühler stellte fest, daß das Generalgouvernement es begrüßen würde, wenn mit der Endlösung dieser Frage im Generalgouvernement begonnen würde, weil einmal hier das Transportproblem keine übergeordnete Rolle spielt und arbeitseinsatzmäßige Gründe den Verlauf dieser Aktion nicht behindern würden.«[80]

27. Januar 1942: Hitler erklärt:

»Der Jude muß aus Europa hinaus! Am besten, sie gehen nach Rußland.«[81]

10. Februar 1942: Brief von Rademacher an den Gesandten Bielfeld:

»Im August 1940 übergab ich Ihnen für Ihre Akten den von meinem Referat entworfenen Plan zur Endlösung der Judenfrage, wozu die Insel Madagaskar von Frankreich im Friedensvertrag gefordert, die praktische Durchführung der Aufgabe aber dem Reichssicherheitshauptamt übertragen werden sollte. Gemäß diesem Plane ist Gruppenführer Heydrich vom Führer beauftragt worden, die Lösung der Judenfrage in Europa durchzuführen.

Der Krieg gegen die Sowjetunion hat inzwischen die Möglichkeit gegeben, andere Territorien für die Endlösung zur Verfügung zu stellen.

Demgemäß hat der Führer entschieden, daß die Juden nicht nach Madagaskar, sondern nach dem Osten abgeschoben werden sollen. Madagaskar braucht mithin nicht mehr für die Endlösung vorgesehen zu werden.«[82]

14. Februar 1942: Brief von Woermann an Rademacher:

»Gesandter Bielfeld hat mir Ihre Mitteilung vom 10. Februar - D III 145/42 g - zur Kenntnis gebracht, wonach der Führer entschieden hat, daß die Juden nicht nach Madagaskar, sondern nach dem Osten abgeschoben werden sollen. Madagaskar brauche mithin nicht mehr für die Endlösung vorgesehen zu werden.

Bei der Bedeutung, die diese Entscheidung hat, bitte ich Sie um Mitteilung, auf welchen Quellen die Angabe beruht.«[83]

7. März 1942: Goebbels in seinem Tagebuch:

»... Ich lese eine ausführliche Denkschrift des SD und der Polizei über die Endlösung der Judenfrage. Daraus ergeben sich eine Unmenge von neuen Gesichtspunkten. Die Judenfrage muß jetzt im gesamteuropäischen Rahmen gelöst werden. Es gibt in Europa noch über 11 Millionen Juden. Sie müssen später einmal zuerst im Osten konzentriert werden; eventuell kann man ihnen nach dem Kriege eine Insel, etwa Madagaskar, zuweisen. Jedenfalls wird es keine Ruhe in Europa geben, wenn nicht die Juden restlos aus dem europäischen Gebiet ausgeschaltet werden. Das ergibt eine Unmenge von außerordentlich delikaten Fragen. Was geschieht mit den Halbjuden, was geschieht mit den jüdisch Versippten, Verschwägerten, Verheirateten? Wir werden also hier noch einiges zu tun bekommen, und im Rahmen der Lösung dieses Problems werden sich gewiß auch noch eine ganze Menge von persönlichen Tragödien abspielen. Aber das ist unvermeidlich. Jetzt ist die Situation reif, die Judenfrage einer endgültigen Lösung zuzuführen. Spätere Generationen werden nicht mehr die Tatkraft und auch nicht mehr die Wachheit des Instinkts besitzen. Darum tun wir gut daran, hier radikal und konsequent vorzugehen. Was wir uns heute als Last aufbürden, wird für unsere Nachkommen ein Vorteil und ein Glück sein «[84]

23. März 1942: Brief von Dr. Zeitschel an Dr. Strack:

»Der Deutschen Botschaft ist vertraulich ein Erlaß des Reichsmarschalls Göring vom 31.7.41 zur Kenntnis gebracht worden, der infolge der vertraulichen Überlassung nicht weitergegeben werden kann.

Es handelt sich darin um eine Ergänzung zu dem Erlaß vom 24.1.39 die Judenfrage betreffend, besonders die Auswanderung und Evakuierung von Juden.

Im Anschluß an diesen Erlaß soll in Berlin eine Staatssekretärsbesprechung stattgefunden haben, über deren Verlauf die Deutsche Botschaft gerne Kenntnis hätte. Da ich infolge der vertraulichen Überlassung des Erlasses des Reichsmarschalls von diesem in einem offiziellen Dienstbrief keinen Gebrauch machen darf, wäre ich Ihnen persönlich sehr dankbar, wenn Sie, ebenfalls auf vertraulichem Wege versuchen würden, über Unterstaatssekretär Woermann Protokoll dieser Unterstaatssekretärsbesprechung zu erlangen und der Deutschen Botschaft Abschrift zuzusenden.

Der Inhalt der Besprechung ist, wie Sie verstehen werden, für meine Aufgabe, Behandlung der Judenfrage, von grundlegender Bedeutung. Ich wäre Ihnen daher sehr dankbar, wenn Sie das Nötige veranlassen könnten.«[85]

27. März 1942: Goebbels in seinem Tagebuch:

»Aus dem Generalgouvernement werden jetzt, bei Lublin beginnend, die Juden nach dem Osten abgeschoben. Es wird hier ein ziemlich barbarisches und nicht näher zu beschreibendes Verfahren angewandt, und von den Juden selbst bleibt nicht mehr viel übrig. Im großen kann man wohl feststellen, daß 60% davon liquidiert werden müssen, während nur noch 40 % in die Arbeit eingesetzt werden können. Der ehemalige Gauleiter von Wien, der diese Aktion durchführt, tut das mit ziemlicher Umsicht und auch mit einem Verfahren, das nicht allzu auffällig wirkt. An den Juden wird ein Strafgericht vollzogen, das zwar barbarisch ist, das sie aber vollauf verdient haben. Die Prophezeiung, die der Führer ihnen für die Herbeiführung eines neuen Weltkriegs mit auf den Weg geben hat, beginnt sich in der furchtbarsten Weise zu verwirklichen. Man darf in diesen Dingen keine Sentimentalität obwalten lassen. Die Juden würden, wenn wir uns ihrer nicht erwehren würden, uns vernichten. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod zwischen der arischen Rasse und dem jüdischen Bazillus. Keine andere Regierung und kein anderes Regime konnte die Kraft aufbringen. diese Frage generell zu lösen. Auch hier ist der Führer der unentwegte Vorkämpfer und Wortführer einer radikalen Lösung, die nach Lage der Dinge geboten ist und deshalb unausweichlich erscheint. Gottseidank haben wir jetzt während des Krieges eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die uns im Frieden verwehrt wären. Die müssen wir ausnützen. Die in den Städten des Generalgouvernements freiwerdenden Ghettos werden jetzt mit den aus dem Reich abgeschobenen Juden gefüllt, und hier soll sich dann nach einer gewissen Zeit der Prozeß erneuern. Das Judentum hat nichts zu lachen, und daß seine Vertreter heute in England und Amerika den Krieg gegen Deutschland organisieren und propagieren, das müssen seine Vertreter in Europa sehr teuer bezahlen, was wohl auch als berechtigt angesehen werden muß.«[86]

20. April 1942: Goebbels in seinem Tagebuch:

»Der jüngste Sabotageakt gegen einen deutschen Militärzug, bei dem wir einige Tote hatten, wird mit harten Repressalien beantwortet. Die Zahl der Erschießungen wird verdoppelt, und es werden über tausend Kommunisten und Juden nach dem Osten verfrachtet. Dort wird ihnen wohl sehr bald die Lust vergehen, die deutsche Ordnungspolitik für Europa zu stören.«[87]

21. April 1942: Goebbels in seinem Tagebuch:

»Wegen des Eisenbahnattentats am 16. ds. Mts. hat der Militärbefehlshaber in Frankreich verschärfte Maßnahmen ergriffen. Dreißig - anstatt, wie ursprünglich beabsichtigt, zwanzig - Geiseln (Juden und den Tätern nahestehende Personen) sollen erschossen werden. Wenn innerhalb von drei Tagen die Täter nicht gefaßt werden, sollen weitere 80 Erschießungen folgen, ferner Deportation von 1.000 Juden und Kommunisten (statt zuerst beabsichtigter 500) nach dem Osten.«[88]

1942: Als letztes Dokument soll 344-EC vorgestellt werden, welches schon unter »Herbst 1941« erwähnt wurde. Es ist ebenfalls nicht datiert. Indirekt wird auf 1942 geschlossen, zumal es als Teil der »Grünen Mappe« - (September 1942) - eingeführt wird.[89] Darin werden Richtlinien für die Behandlung der Judenfrage veröffentlicht. Sie stimmen weitgehend wortwörtlich mit dem Papier »Herbst 1941« überein. Es gibt aber auch interessante Abweichungen. Es fehlt der Hinweis auf die zeitweiligen Aufnahmemöglichkeiten für Juden aus dem Reich. Statt dessen heißt es:

»Andererseits können die bei der Behandlung der Judenfrage in den besetzten Ostgebieten gemachten Erfahrungen für die Lösung des Gesamtproblems richtungsweisend sein, da die Juden in diesen Gebieten zusammen mit den Juden des Generalgouvernements das stärkste Kontingent des europäischen Judentums bilden.«[90]

Interessanterweise fehlt der Hinweis: »unter Trennung der Geschlechter«. Ausführlicher wird dagegen die kulturelle Betätigung behandelt, sie ist jetzt plötzlich unter bestimmten Auflagen zugelassen:

»Die Juden sind Zug um Zug aus der kulturellen Betätigung der übrigen Bevölkerung auszuscheiden und auf intern jüdische Einrichtungen zu beschränken. In einzelnen Gebieten bestehen zahlreiche jüdische Schulen mit Jiddisch als Unterrichtssprache; diese Schulen haben auch die bisher in andersprachigen Schulen erzogenen Judenkinder aufzunehmen. Bei Bedarf können von Juden mit jüdischen Mitteln neue Schulen dieser Art errichtet werden. Neben dem Jiddischen ist das Hebräische als Sprache, die der Absonderung der Juden aus der übrigen Bevölkerung dient, zu fördern. Die jüdischen Schulen unterliegen nach Lehrpersonal und Lehrplan einer ständigen Aufsicht.«[91]

Notiz: Man beachte das Hebräische als Sprache! Darauf wird im nächsten Kapitel nochmals zurückgekommen.

Die Dokumente belegen verschiedene interessante Entwicklungen, so die Rolle, die Weißrußland oder, wie es später heißt, Weißruthenien in den Überlegungen der Mächtigen des Dritten Reiches spielen soll.

2. April 1941: Weißrußland wird vergrößert um das Gebiet Smolensk.

8. Mai 1941: Weißruthenien soll »unliebsame Elemente« aus Estland, Lettland, Litauen und dem Warthegau aufnehmen.

10. August 1941: Weißruthenien bildet einen Generalbezirk u. a. mit den Hauptbezirken Mogilew, Witebsk und Smolensk.

13. Oktober 1941: Rosenberg verbindet seinen Plan, die assozialen Elemente in die dünnbesiedelten Ostgebiete (d. h. nach Weißruthenien) zu verschicken, mit der »Judenemigration« nach dem Osten.

25. Oktober 1941: Hitler schickt die Juden »in den Morast«.

20. Dezember 1941: Der Generalbezirk Weißruthenien wird erheblich verkleinert. Die Hauptbezirke Mogilew, Witebsk und Smolensk entfallen. Mogilew und Witebsk bilden im wesentlichen den unter Militärverwaltung stehenden Teil Weißrutheniens. Diese gravierende Änderung erfolgt offenbar ohne jede öffentliche Begründung. Eine detaillierte Darstellung des Prozesses erfolgt im nächsten Abschnitt.

Interessant ist auch die Entwicklung der Judenfrage.

29. April 1941: Rosenberg legt als zeitweilige Übergangslösung fest: Arbeitszwang und Ghettoisierung.

Juli 1941: Göring beauftragt Heydrich mit einer den »Zeitverhältnissen entsprechenden« Lösung der Judenfrage.

13. August 1941: Weitere Festlegungen zu den Ghettos, Arbeitszwang für arbeitsfähige Juden.

22. August 1941: Dr. Zeitschel schlägt vor, alle Juden im deutschen Einflußbereich im Osten in einem besonderen Territorium zusammenzufassen.

14. September 1941: Rosenberg will alle Juden Zentraleuropas in die Ostgebiete verschicken. Der Vorschlag wird Hitler unterbreitet.

13. Oktober 1941: Rosenberg verbindet seinen Plan, die assozialen Elemente in die dünn besiedelten Ostgebiete zu verschicken, mit der Judenemigration nach dem Osten.

25. Oktober 1941: Hitler schickt die Juden »in den Morast«. Man beachte mehrere Besonderheiten im Gesamttext, so die Formulierung: der Versuch, einen Judenstaat zu gründen, wird (nicht würde!) ein Fehlschlag sein. Des weiteren ist die Anwesenheit von Himmler und Heydrich hochinteressant. Heydrich hatte ja von Göring den Auftrag zur Endlösung erhalten. Himmler war Heydrichs Chef. Wurden an diesem Tag die Weichen gestellt, auch in Richtung strikter Geheimhaltung? Hatte Hitler Angst, es könnte ihm mit der Endlösung so gehen wie mit der Euthanasie, die ja wegen des Protestes der Öffentlichkeit abgebrochen werden mußte ? Fürchtete Hitler Proteste gegen den »Morast« ? Lagen vielleicht, und die Formulierung: »Sage mir keiner: Wir können sie doch nicht in den Morast schicken!« weist daraufhin, schon Einwände hoher Offiziere vor? Das Gebiet war ja schon im Ersten Weltkrieg unter deutscher Kontrolle gewesen, zahlreiche deutsche Offiziere konnten das Gebiet gut kennen.

Herbst 1941: Die Maßnahmen zur Judenfrage in den Ostgebieten werden weiter detailliert.

20. Januar 1942: Die Wannsee-Konferenz legt die Modalitäten der Verschickung fest.

27. Januar 1942: Hitler erklärt: Der Jude muß aus Europa hinaus. Am besten, sie gehen nach Rußland.

Weitere Detaillierung der Maßnahmen zur Judenfrage. Unter anderem sehr prinzipielle Anweisungen zur Schulpolitik.

Hochinteressant ist die Formulierung im Wannsee-Protokoll

Die Juden sollen im Osten zum Arbeitseinsatz kommen, »unter Trennung der Geschlechter«. Dazu sei auf eine Notiz Rauschnings verwiesen, nach der Hitler erklärte:

»Wenn ich die Blüte der Deutschen in die Stahlgewitter des kommenden Krieges schicke, ohne auch nur um das kostbare deutsche Blut, das vergossen wird das leiseste Bedauern zu verspüren, sollte ich dann nicht das Recht haben, Millionen einer minderwertigen, sich wie das Ungeziefer vermehrenden Rasse zu beseitigen, nicht indem ich sie ausrotten lasse, sondern nur indem ich systematisch verhindere, daß sich ihre große natürliche Fruchtbarkeit auswirkt. Beispielsweise indem ich die Männer jahrelang von den Frauen getrennt halte.«[93]

In diesem Zusammenhang gewinnt die Formulierung von Frank vom 16. Dezember 1941: »... werden aber doch Eingriffe vornehmen können, die irgendwie zu einem Vernichtungserfolg führen«, eine besondere Bedeutung.

Generell lassen sich vielerlei Fragen aus den hier vorgestellten Texten ableiten. Beispiele: Wieso wird der kulturellen Betätigung der Juden in den Texten ein so breiter Raum eingeräumt? Oder: Was ist aus den Franzosen geworden, die nach dem Osten geschickt worden sind ? Wenn man sie töten wollte, warum hat man sie nicht in Frankreich umgebracht wie die anderen? Auf das Schicksal von Franzosen in der Sowjetunion wird im nächsten Kapitel eingegangen.

 

D. Weißruthenien

Der Bildung des Generalbezirks Weißruthenien gingen verschiedene Überlegungen voraus, die nachfolgend vorgestellt werden. Die geringe deutschsprachige Literatur über Weißruthenien war sich darin einig, daß das Siedlungsgebiet der Weißruthenen, wie es allgemein hieß, größer ist als die Sowjetrepublik Weißrußland. Der wichtigste Raum, den es dazuzuzählen gelte, sei der Großraum Smolensk und zudem die östliche Umgebung von Wilna.[94] Diese Ansichten aufgreifend, hat Rosenberg 1941 bei seinen ersten Planungen vorgesehen, Weißrußland oder, wie es später hieß, Weißruthenien bis auf 250 km an Moskau heranzuschieben.[95] Die von Rosenberg in Arbeit gegebene Verwaltungsgliederung vom Stand 10. August 1941 sah deshalb auch die Einteilung des Generalbezirks Weißruthenien in fünf Hauptbezirke[96] vor, und zwar:

Auf diesen Raum war zunächst auch die Zivilverwaltung für Weißruthenien abgestimmt, wie einem Bericht der Deutschen Zeitung im Ostland vom 2.9.1941 über eine Besichtigungsfahrt des Reichskommissars Hinrich Lohse zu entnehmen ist. Danach war der Raum von Smolensk bis Minsk und von Witebsk bis Sluzk von der Wehrmacht bereits an die deutsche Zivilverwaltung übergeben worden. Die Gebietskommissare waren teils schon tätig oder sollten in kürzester Frist in ihren Einsatzorten eintreffen.

Drei Monate später ist diese Verwaltungsstruktur Weißrutheniens aus unbekannten Gründen prinzipiell geändert worden. Ungewöhnlich ist, daß diese Veränderung weitgehend stillschweigend erfolgte. Der erste Hinweis ist einer für den Dienstgebrauch bestimmten Veröffentlichung des Reichsministers für die besetzten Ostgebiete vom 20. Dezember 1941 zu entnehmen. Danach war zu diesem Zeitpunkt auf Vorschlag von Hinrich Lohse diese Struktur schon wieder abgeschafft.[97] Hinweise auf die neue Struktur kann man einer Aufstellung der für die einzelnen Kreisgebiete zuständigen Wehrmachtskommandanturen[98] entnehmen. Danach gibt es im Generalbezirk Weißruthenien die folgenden Kreisgebiete:

Konkret bedeutet das, daß der Generalbezirk Weißruthenien auf den früheren Hauptbezirk Minsk beschränkt wurde. Andere Veröffentlichungen bestätigen das indirekt. Genaue Informationen kann man erst einer Veröffentlichung aus dem Jahre 1944 entnehmen.[99] Danach gliedert sich Weißruthenien in einen zivil- und einen militärverwalteten Teil. Der zivilverwaltete Teil besteht aus elf Kreisgebieten. Zu den oben angeführten neun Kreisgebieten kommen noch:

Sind Informationen über den zivilverwalteten Teil Weißruthemens schon schwierig zu erhalten, so findet sich über den militärverwalteten Teil so gut wie nichts. Die einzige Nachrichtenquelle ist eine Karte, die dem oben erwähnten Aufsatz beigefügt ist Das ursprüngliche Weißrußland wurde nicht vergrößert, sondern erheblich verkleinert. Südlich wurden weite Gebiete abgetrennt und dem Reichskommissariat Ukraine zugewiesen. Die Grenze verläuft jetzt auf der Linie Pinsk-Mosyr-Gomel, wobei diese Orte schon zur Ukraine gehören. Östlich stimmt sie mit der früheren Grenze der ehemaligen Sowjetrepublik Weißrußland überein und m Westen wurde u.a. ein großes Gebiet um Bialystok abgetrennt. Sonderbar ist vor allem die Grenze zwischen dem zivil- und dem militärverwalteten Teil, da sie auf keinerlei frühere administrative Einteilungen Rücksicht nimmt.[101] Es ragt z. B. ein Zipfel weit in das eigentliche Kreisgebiet Minsk hinein. Die Grenze scheint ziemlich unmotiviert zu verlaufen. Zieht man allerdings Unterlagen über die Bodenverhältnisse in Weißrußland heran, dann erscheint die Grenze plausibel. Weißrußland wird in acht Einzellandschaften aufgegliedert.[102] Die Grenze teilt, von Norden kommend, die Seenplatte von Polozk so, daß die westliche Landschwelle zum zivilverwalteten Teil gehört. Sie trennt den Weißrussischen Landrücken und die Landschwelle von Orscha und Mogilew. Dadurch erklärt sich auch der eigenwillige Zipfel. Südlich geht die Grenze dann relativ gerade durch die nordpolessische Moor- und Waldebene. Die Böden dieser Regionen sind stark mit Sümpfen und Mooren durchsetzt.[103] Nach diesen Beschreibungen kann man sich die Landschaft, vor allem bei Regen als Morast vorstellen. Hinzu kommen besondere Klimaverhältnisse des Raumes, die im Frühjahr und im Herbst wirksam werden, die Verschlammung. Dazu heißt es in einer Veröffentlichung des Reichskommissars für das Ostland über das Klima des Ostlandes:

»Die Verschlammung kommt folgendermaßen zustande:

Der Schneematsch mischt sich mit der bei der Schneeschmelze zuerst auftauenden obersten Bodenschicht. Diese ist mit Wasser durchtränkt, denn in ihr lagern die Rückstände der Herbstregen und die Schmelzwassermengen der Schneedecke. Der nur in geringer Tiefe aufgetaute Boden erwärmt sich langsam, da viel Wärme zum Tauen verbraucht wird. Die Verdunstung geht langsam vor sich, und die Wasserzufuhr durch Frühjahrsregen kann bedeutend sein. Schließlich wirkt der unter der durchweichten Schicht liegende gefrorene Boden als wasserundurchlässige Schicht und verhindert das Durchsickern des Wassers aus den höher liegenden in tiefere Schichten. Daher kann das Abtrocknen des Bodens erst bei genügender Auftautiefe, falls das Wasser abfließen kann, und beim Eintritt genügend starker Erwärmung und Verdunstung erfolgen. Diese Überfeuchtung der obersten Bodenschicht und die Mischung mit den Schneematsch verursacht besonders auf unbefestigtem Boden die bekannte Wegelosigkeit. Die Räder der Fahrzeuge versinken bis auf die noch gefrorene Schicht im Schlamm. Mit dem Anwachsen der aufgetauten Schicht wird der Schlamm immer tiefer, und für die Fahrzeuge wächst der Bewegungswiderstand.«[104]

Wenn Hitler die Juden in diesen Teil Weißrußlands geschickt hat, dann gibt die Bemerkung, er schicke die Juden in den Morast, Sinn.

1. Sonderrolle Weißrutheniens

Die wenigen zeitgenössischen Veröffentlichungen über Weißruthenien werden von eigentümlichen Forderungen und Feststellungen getragen. In einem Aufsatz mit dem programmatischen Titel: »Weißrutheniens Weg« heißt es:

»Das Großdeutsche Reich hat den Weißruthenen wieder ihrer Urväter Raum zugewiesen. Nun gilt es, durch Arbeit und persönliche Opfer jedes Einzelnen und mit Unterstützung der besten deutschen Kräfte diesen Raum neu zu erwerben.«[105]

Zwei weitere Zitate behaupten die Orientierung der Weißruthenen auf den Westteil Weißrußlands:[106]

»Man blickt vielmehr aus den kleinen Doppelfenstern der Holzhäuschen gern nach Westen. Man schaut nach Warschau, Wien, Berlin und seit Napoleons Zeiten im gemischten weißruthenisch-polnischsprachigen Teil mit Vorliebe nach Paris.«

»Baranowitschi, Slonin und Lida dürfen nicht in einem Atemzuge mit Minsk oder Smolensk genannt werden. Es hieße, zwei scharf voneinander getrennte Welten in einem Atemzuge nennen.«

In einem anderen Aufsatz mit ähnlichem Titel: »Weißrutheniens Weg zur Freiheit« heißt es:

»Die Kräfte, die sich der deutschen Verwaltung sofort zur Verfügung stellten und zu ehrlicher Mitarbeit bereit waren, kamen aus dem weißruthenischen Teil der Bevölkerung. So erscheint es selbstverständlich daß die ethnographisch überwiegend weißruthenischen Gebietsteile zu einem eigenen Verwaltungsbezirk zusammengeschlossen wurden, zum Generalbezirk Weißruthenien.«[107]

Daß hier der zivilverwaltete Teil Weißrutheniens gemeint ist, geht aus einer späteren Stelle hervor, wo auf elf Gebietskommissare verwiesen wird.[108] Hochinteressant ist die Sonderrolle Weißrutheniens, die verschiedentlich erwähnt wird. Die Deutsche Zeitung im Ostland berichtet über eine Tagung der Gebietskommissare unter dem Titel »Neuformung für Weißruthenien«:

»Weißruthenien hat innerhalb des Reichskommissariats Ostland mannigfache Probleme zu bewältigen, die den übrigen Generalbezirken fremd bzw. dort ganz anders gelagert sind.«[109]

Der Reichskommissar für das Ostland, Lohse, spricht von »neuartigen einmaligen Aufgaben« in Weißruthenien.[110] Für die Deutschen in den Ostgebieten habe ihr Einsatz in Weißruthenien eine »besondere Eigenart«.[111] Nähere Ausführungen, worum es sich handeln könnte, werden nie gemacht. Es gibt aber Hinweise, daß diese einzigartigen Aufgaben über den lokalen Raum hinaus von Bedeutung sind. So heißt es:

Weißruthenien »muß völlig neu geformt werden, damit es nach dem Endsieg ein brauchbares Glied im Verbande des neuen Europa wird.«[112]

Oder es heißt:

»... daß Weißruthenien seine Pflicht dem werdenden neuen Europa gegenüber getreulich erfüllen wird«.[113]

Aber auch hier wird nicht klar, worin diese Pflicht besteht. Festzuhalten bleibt, daß Weißruthenien im wesentlichen auf seinen Westteil beschränkt werden soll, die Heimat seiner Väter, wo die Weißruthenen ethnographisch ihren Schwerpunkt haben. Weißruthenien muß neu geformt werden und dabei eine Aufgabe für das neue nationalsozialistische Europa übernehmen, die einmalig ist. Anzumerken ist, daß die hier gegebene Darstellung über die Heimat der Weißruthenen in eklatanter Weise Äußerungen von Rosenberg widerspricht. (vgl. weiter vorn unter dem 2. April 1941).

2. Umsiedlungsaktionen

Innerhalb von Weißruthenien hat es Umsiedlungsaktionen vom militärverwalteten Teil Weißrutheniens in den zivilverwalteten Teil gegeben. Über eine derartige Umsiedlungsaktion oder, wie es genau hieß, Übersiedlungsaktion berichtete die Deutsche Zeitung im Ostland ausführlich. Danach übergab der Gebietskommissar Dr. Kaiser zum Jahresende 1942 an neun Bauern Einzelhöfe. Der interessante Abschnitt lautet:

»Den Bauern wurde vom Gebietskommissar und vom Landwirtschaftsrat bei der Übersiedlung von Borowlany nach den neu entstehenden Bauernhöfen jede praktische Unterstützung zugesagt.«[114]

Den Ort Borowlany gibt es laut den mir zugänglichen entsprechenden Ortsverzeichnissen nicht.[115] Wohl aber gibt es ein Borovlyane, welches die Koordinaten 55 19 N und 30 06 E hat. Auf der deutschen Heereskarte kann man mit diesen Angaben dann den Ort Borowljane finden. Hier muß auf die Latinisierung kyrillischer Ortsangaben als ein prinzipielles Problem verwiesen werden. So findet man den Ort Baranowitschi als Baranovichi oder auch als Baranowicze. Es gibt bestimmte kyrillische Buchstaben, deren Umsetzung in das lateinische Alphabet Schwierigkeiten macht. Der Kern von Borowlany »Borowl« ist relativ einfach und trägt nur wenig Mehrdeutigkeiten in sich. Eine übliche Entsprechung für v ist w. Es gibt nun laut dem verwendeten und bekanntermaßen sehr vollständigen amerikanischen Ortsverzeichnis keinen Ort, der mit »Borowl« beginnt. Mit »Borovl« beginnen mehrere Orte, die aber alle anderswo liegen. Es gibt noch ein zweites Borovlyane östlich des Urals, außerdem noch viele Borovlyanka, die sich aber alle in Sibirien befinden. Am ehesten käme noch ein Ort Borovlevo[116] in Frage, der aber doch zu stark von Borowlany abweicht, zudem liegt dieser Ort östlich von Smolensk und damit außerhalb von Weißruthenien. Ich meine folglich, von Borovlyane ausgehen zu können. Borovlyane liegt in unmittelbarer Nähe von Witebsk, und somit wurden diese Bauern aus der militärverwalteten in die zivilverwaltete Zone, nach Minsk Land, umgesiedelt. Dieser Aktion schenkte die Deutsche Zeitung im Ostland so große Aufmerksamkeit, daß sie darauf zwei Wochen später noch einmal zurückkam und in einem sehr ausführlichen Artikel dazu prinzipielle Erwägungen anstellte[117] mit der Absicht, so mein Eindruck, allzu großen Hoffnungen auf weitere umfangreiche Zuweisungen von Höfen an andere Bauern vorzubeugen. Daß es weitere Übersiedlungen in größerem Umfang gegeben hat, ist danach anzunehmen, nur daß die Betroffenen in der Regel keine eigenen Bauerhöfe erhielten. Sie wurden auf später vertröstet. Dazu ein Zitat aus dem zweiten Artikel:

»Im Kriege spielen natürlich auch andere Dinge eine Rolle. So wird auch erst nach dem Kriege die notwendige Flurbereinigung, die Auflockerung der übervölkerten Dörfer durch Schaffung neuer Siedlungen usw. erfolgen können. Dann werden auch manche andere Fragen aus dem bäuerlichen Sektor geklärt und beantwortet werden.«[118]

Man beachte: Übervölkerte Dörfer und Schaffung neuer Siedlungen! Wieso waren die Dörfer übervölkert, und das gleich in so starkem Umfang, daß man an neue Siedlungen denken mußte ?

3. Sonderbehandlung Weißrutheniens

In vielen Dingen, die die besetzten Ostgebiete betreffen, wurde Weißruthenien abweichend von den anderen Gebieten behandelt. Charakteristisch hierfür sind schon die fehlenden Informationen über diesen Raum. Informationen über die besetzten Ostgebiete sollte »Die Ostkartei« liefern, die im Zentralverlag der NSDAP erschien.[119] Sie enthält ausführliche Informationen auch über das Reichskommissariat Ostland. Aber behandelt werden nur die baltischen Teile: Estland, Lettland und Litauen. Weißruthenien wird in der Regel ausgespart. Da heißt es über die Bevölkerung lapidar: »Für den Generalbezirk Weißruthenien liegen keine Zahlenangaben über die Volkstumsgliederung vor.«[120] Oder zu demselben Thema an anderer Stelle:

»Der... Generalbezirk Weißruthenien... hatte eine... völlig abweichende politische, soziale und bevölkerungsmäßige Entwicklung. Er ist daher zum Schluß gesondert behandelt.«[121]

Doch kann ich diese Informationen nicht finden. Auch hier ergeben sich Fragen, wie: Wieso hatte dieser Bezirk eine völlig abweichende Entwicklung? Ebenso wird in dem Abschnitt über die Wissenschaft und Erziehung im Reichskommissariat Ostland Weißruthenien völlig ignoriert.[122] Dort, wo Informationen vorliegen, belegen sie wiederum die Sonderbehandlung Weißrutheniens. Als Grund für diese Sonderbehandlung, so weit darauf eingegangen wird, gibt man an:

»Wenn der zum Ostland gehörige Generalbezirk Weissruthenien in diese Regelung nicht einbezogen worden ist, so liegt der Grund darin daß hier im altsowjetischen Gebiet infolge der langandauernden Herrschaft der Bolschewisten die Voraussetzungen organisatorischer und personeller Art noch fehlen.«[123]

Das ist eine Argumentation, die auf den ersten Blick besticht, doch falsch ist. Der überwiegende Teil des Generalbezirks Weißruthenien war bis 1939 polnisch. Er war etwa ein dreiviertel Jahr länger unter sowjetischer Besetzung als die baltischen Staaten. Vor allem aber wurden Weißruthenien eine Reihe von Einrichtungen vorenthalten, die man in der Ukraine eingeführt hat. Vom ursprünglichen Weißrußland wurden einige Gebiete abgetrennt und der Ukraine zugeschlagen. Diese Gebiete wurden abweichend vom restlichen Teil Weißrußlands behandelt. Zur Sonderbehandlung Weißrutheniens sollen vier Komplexe vorgestellt werden:

a) Postverkehr. Zunächst wurde in den besetzten Ostgebieten ein sogenannter Dienstpostverkehr über die Deutsche Dienstpost ein geführt, die wenig mit der Deutschen Reichspost zu tun hatte. Zitat:

»Die ›Deutsche Dienstpost‹, von der hier die Rede sein soll, ist dagegen eine eigene Organisation gewesen, eine gesonderte Einrichtung neben der Deutschen Reichspost, aus ihr hervorgegangen und, wenn man so sagen will, auch wieder in sie eingegangen. Sie war kein Beförderungsgegenstand der Post, sondern eine weitverzweigte, in Ost, West, Nord und Süden des Deutschen Reiches neugeschaffene Postorganisation mit der besonderen Aufgabe, die Dienstpost der deutsche Behörden, der Parteidienststellen, der Wehrmachtsverwaltungen wie Lazarette, Heeres-, Luftwaffen- und Marineverpflegungs- und unterkunftsämter, der Ersatz- und Ausbildungseinheiten und Stäbe in den besetzten Gebieten. der Dienststellen des Vierjahresplanes mit allen ihren (Unter-)Generalbevollmächtigten, der OT, der weitverzweigten Arbeitsverwaltung und ihre Erfassungsstäbe zu befördern. Neben diesen Aufgaben der Beförderung der Dienstpost aller dieser Stellen von und zur Heimat, die selbstverständlich gebührenfrei war, trat dann die gebührenpflichtige Aufgabe, die Privatpost einer Armee von Hunderttausenden von Beamten, Angestellten und Arbeitern obengenannter Dienststellen zu befördern, auch wiederum von den besetzten Gebieten in die Heimat und von den Angehörigen in der Heimat in die besetzten Gebiete. Mit zunehmender Ausweitung des Krieges, Verstärkung des Rüstungspotentials durch Einbeziehung der großen französischen, belgischen, niederländischen, nordischen und auch russischen Rüstungswerke, wurden zahlreiche deutsche Firmen veranlaßt, Zweigniederlassungen in den besetzten Gebieten zu errichten, Hunderte, ja Tausende von Werkmeistern, Vorarbeitern und Facharbeitern in diese fremden Werke abzustellen. Der Bau des Atlantikwalles vom Nordkap bis zur spanischen Grenze, der Ausbau des Südrandes der Alpenfestung, der Bau von starken Befestigungen in Oberitalien führte wiederum zahlreiche deutsche Baufirmen mit ihren Ingenieuren, Meistern und Vorarbeitern ins besetzte Ausland. Alle diese Kräfte wollten und mußten persönlich mit Post versorgt werden und die Fühlung mit ihren Angehörigen halten. Die Post aller dieser Firmen war zwar gebührenpflichtig, konnte aber durch die Landespost nicht befördert werden, die überall während des Krieges unter Spionage oder dem Einfluß ausländischer Agenten stand.«[124]

Die Deutschen Dienstpostämter überzogen im Laufe der Jahre fast den gesamten Osten. Von Narwa, Slanzy und Pleskau im Norden, nahe der Front, bis in den tiefen Süden auf der Krim und im Donezbecken gab es Ämter der Deutschen Dienstpost. Überall, wo ein Gebiet halbwegs befriedet war, entstanden diese Ämter.[125] In Weißruthenien, im zivilverwalteten Teil gab es zwölf, im militärverwalteten Teil gab es kein einziges Amt. Bei der Aufgabe, die diese Ämter hatten, ist daraus zu schließen, daß die Wirtschaftskraft dieses Teils offenbar nicht der Kriegführung dienstbar gemacht war. Das ist eigentlich schwer verständlich. Die umliegenden Gebiete im Norden, Westen und Süden hatten alle Dienstpostämter. Auch die ehemaligen weißrussischen Gebiete mit den Städten: Pinsk, Petrikow, Mosyr, Retschiza, die der Ukraine zugeteilt waren, besaßen alle ein Dienstpostamt[126], aber die Städte Witebsk, Mogilew, Bobrnisk und Gomel hatten keines. Der militärverwaltete Teil Weißrutheniens blieb frei von Dienstpostämtern.

Unabhängig davon war die Wiederaufnahme des Postverkehrs für die Zivilbevölkerung. In den baltischen Ländern wurde der Postverkehr rasch wieder aufgenommen. Zitat:

»In den drei Generalkommissariaten Estland, Lettland und Litauen sind seit dem Spätsommer 1941 80 Dienstpostämter, 580 Postzweigstellen und annähernd 6000 Poststellen und Posthilfsstellen, in Riga das Bahnpost-, das Postscheck-, das Fernsprech- und ein Wertzeichenherstellungsamt unter deutscher Leitung in Betrieb genommen worden. Weitere Fernsprechämter wurden in Dorpat, Reval, Wilna und Kauen errichtet. «[127]

Für die Ukraine heißt es:

»Im Reichskommissariat Ukraine vollzieht sich der Aufbau des Postwesens in gleicher Form. Auch hier ist die Bevölkerung bereits in den allgemeinen Postdienst miteinbezogen worden und macht von den Einrichtungen starken Gebrauch.«[128]

Nur in Weißruthenien wurde kein Postverkehr für die Zivilbevölkerung eingerichtet, nicht einmal im zivilverwalteten Teil.[129]

b. Die Presse. Sehr rasch wurde ein eigenes Pressewesen für die besetzten Ostgebiete aufgebaut. Aber auch hier wurde der militärverwaltete Teil Weißrutheniens völlig ausgespart und der zivilverwaltete Teil stiefmütterlich behandelt. Der Umfang des Pressewesens sei tabellarisch dargestellt:[130]

Gebiet

Größe/qkm

Einwohner

Anzahl/Exemplare

Estland

47 549

1 017 811

15 / 211 250

Lettland

65791

1803104

25/663 500

Litauen

67199

2797840

18/509400

Weiß-Ruth. mit Schulztg.

60461

2400000

4/ 190000

Weiß-Ruth. ohne Schulztg.

60461

2400000

3/95 000

Ukraine

?

?

50/ ?

Die größte Zeitung in Weißruthenien war die Bjelarusskja Schkola, eine Schulzeitung, die als Ersatz für Schulbücher herausgegeben wurde. Da es keine richtige Zeitung war, werden zwei Zahlen für Weißruthenien angegeben.

Die Zeitungsdichte läßt Rückschlüsse auf die zugelassene lokale Informationsdichte[131] zu:

Estland

3 170 qkm/Zeitung

Lettland

2632 qkm/Zeitung

Litauen

3 170 qkm/Zeitung

Weiß-Ruth. mit Schulztg.

15 115 qkm/Zeitung

Weiß-Ruth. ohne Schulztg.

20 154 qkm/Zeitung

Die Zahl der Einwohner pro Zeitungsexemplar ergibt:

Estland

4,8 Einwohner/Zeitung

Lettland

2,7 Einwohner/Zeitung

Litauen

5,5 Einwohner/Zeitung

Weiß-Ruth. mit Schulztg.

12,6 Einwohner/Zeitung

Weiß-Ruth. ohne Schulztg.

25,3 Einwohner/Zeitung

Diese Aufstellungen belegen auch hier eine Sonderbehandlung Weißrutheniens. In den von Weißrußland abgetrennten Orten konnten im Generalkommissariat Ukraine durchaus Lokalzeitungen erscheinen, wie z. B. in Mosyr.[132] In der Ukraine erschienen selbst in spät besetzten Gebieten Lokalzeitungen, so in Cherson, Nikopol, Kriwoj-Rog und Berdjansk.[133]

c. Reiseverkehr. Einheimischen Zivilisten war zunächst die Benutzung der Eisenbahn prinzipiell verboten.[134] 1943 wurde für die Generalbezirke Estland, Lettland und Litauen ein Zivilreiseverkehr in einem eng begrenzten Rahmen zugelassen.[135] Reisen im dringenden Interesse der eigenen Person waren u.a. erlaubt. Weißruthenien wurde auch hier wieder ausgeklammert.

d. Landeseigene Behörden. 1942 wurden für die Generalbezirke Estland, Lettland und Litauen landeseigene Behörden anerkannt. Der Generalbezirk Weißruthenien wurde nicht erwähnt. Jedes Kreisgebiet erhielt einen Kreisältesten, der sich um das Finanzwesen, die Arbeitsverwaltung, das Gesundheitswesen und die allgemeine Landesverwaltung zu kümmern hatte.[136]

4. Wehrdörfer

Eine Besonderheit Weißrutheniens, die es offenbar in anderen Teilen der besetzten Sowjetunion nicht gegeben hat, ist die Bildung von Wehrdörfern.[137] Als Grund wird angegeben, es gelte, gegen die Feinde des weißruthenischen Bauern, die von Moskau organisierten Terrorbanden, anzugehen, und die Wehrdörfer sollten der Selbstverteidigung der Bauernbevölkerung Weißrutheniens dienen. Bedeutsam erscheint mir, daß die Wehrdörfer an den Grenzen Weißrutheniens (und somit nach allgemeinem Sprachgebrauch: an der Grenze des zivilverwalteten Teils) angelegt werden sollen.[138] Zu fragen ist: Wieso an den Grenzen? Wäre es nicht sinnvoller, die Dörfer an den Grenzen zu Partisanengebieten anzulegen? Konkret wird das Wehrdorf Kurgany vorgestellt.[139]

Im Ortsverzeichnis findet sich der Name Kurgany nicht, dafür siebenmal Kurgani.[140] Da hier auch die russische Schreibweise vorliegt, kann die verschiedene Umsetzung belegt werden. Kurgany endet im Russischen mit dem Buchstaben »bI«. Der wird teils als »y« teils als »i« in lateinischer Schrift dargestellt. Von diesen sieben Kurgani liegen allerdings nur zwei in Weißrußland; eines der beiden im militärverwalteten und eins im zivilverwalteten Teil. Ich gehe davon aus, daß es sich um das Kurgani im zivilverwalteten Teil handelt, da es bei dem totalen Informationsmangel über den militärverwalteten Teil als unwahrscheinlich anzunehmen ist, daß in solch einer heiklen Angelegenheit wie einem Wehrdorf hier der Informationsstopp durchbrochen wurde. Kurgany liegt demnach südwestlich von Minsk in der Grenzzone zwischen dem zivil- und dem militärverwalteten Teil. Es ist auf der Deutschen Heereskarte U54 VIII.43 verzeichnet[141]. Eigentümlich ist auch der strategische Plan, nach dem die Wehrdörfer zu bilden sind. Es sollen zunächst Ketten[142] von Wehrdörfern und erst später Netze aufgebaut werden. Als militärischer Laie bin ich verwundert. Eine Kette erscheint sinnvoll, wenn es darum geht, eine Art Grenze zu bewachen. Zur Selbstverteidigung erscheint mir ein Netz günstiger.

Bei den Planungen über die Endlösung der Judenfrage durch »Riesenghettos« war als offenes Problem die Bewachung genannt worden.[143] War das vielleicht die Lösung?

5. Eine Modellrechnung

Der Plan, die Juden im Raum Lublin zu konzentrieren, scheiterte daran, daß die Bevölkerungsdichte zu hoch gelegen hätte.[144]

Würde denn das Gebiet Weißruthenien rein rechnerisch hierfür ausreichen? Die Größe[145] (und hier wurde von den verschiedenen Angaben, die vorliegen, die den anderen Angaben zugeordnete gewählt) des zivilverwalteten Teils beträgt 53 662 qkm. Die Größe des militärverwalteten Teils habe ich nirgends gefunden. Ein Größenvergleich gemäß einer Karte[146] zeigt, daß das militärverwaltete Gebiet in etwa um 33 % größer ist als das zivilverwaltete. Daraus ergibt sich, daß Weißruthenien etwa 125.000 qkm groß ist. Die Bevölkerungsdichte wird in verschiedenen Quellen mit ca. 40 Einwohner/qkm angeben.[147] Allgemein wird auch angenommen, daß die Juden etwa 10% der Bevölkerung von Weißruthenien stellen.[148] Danach ergäbe sich die folgende Überschlagsrechnung (Zivilteil mit 54.000 qkm aufgerundet):

 

Größe/qkm

Menschen

Juden

Nichtjuden

Zivilteil

54.000

2.160.000

216.000

1.944.000

Militärteil

71.000

2.840.000

284.000

2.556.000

Bei dem Lublin-Plan ist man von 5 Millionen umzusiedelnden Juden ausgegangen.[149] In ähnlicher Größenordnung liegt sicher auch hier die Anzahl. Würde man annehmen, daß die Nichtjuden aus dem Ostteil in den Westteil umgesiedelt und fünf Millionen Juden im Ostteil angesiedelt wurden, dann ergäbe sich folgende Verteilung:

 

Größe/qkm

Menschen

Bevölkerungsdichte

Zivilteil

54.000

4.500.000

83,33 qkm-1

Militärteil

71.000

5.000.000

70,42 qkm-1

Von der Bevölkerungsdichte her wäre ein solcher Plan möglich. Problematisch sind solche Abschätzungen natürlich, aber selbst wenn man von sechs Millionen Menschen ausgehen würde, was der Größenordnung der verschwundenen Juden entspricht, dann ergäbe sich immer noch die sicher akzeptable Bevölkerungsdichte von 84,5 qkm-1.

6. Deutsche Heereskarte V43 Bobruisk

Die einzige detaillierte Information über die militärverwaltete Zone Weißrutheniens liefert die Deutsche Heereskarte 1:300.000. Diese Karte ist auch in Archiven relativ häufig vorhanden. Allerdings benötigt man verschiedene Ausgaben desselben Blattes, um Vergleiche anstellen zu können. Nötig sind mindestens zwei Ausgaben, die unter deutscher Besetzung entstanden sind, denn nur dann hatten die Kartographen auch unmittelbaren Zugang zu dem Gebiet. Diese Voraussetzungen sind für den Kern des unter Militärverwaltung stehenden Gebiets Weißrutheniens für mich nur bei dem Blatt V43 Bobruisk gegeben. Da liegen mir die Ausgaben vor:

Bei einem direkten Vergleich ergibt sich eine Schwierigkeit. Die Darstellungstechnik von Ortschaften wurde bei diesen beiden Blättern geändert. Beim Blatt Stand 1.II.42 wurden kleine Orte nur als kleine Kreise, beim Blatt Stand V.1943 wurden diese Orte, wie sonst bei deutschen Karten üblich, als Miniaturortspläne eingezeichnet. Dadurch verzerrt sich optisch das Bild erheblich. Eine viel stärkere Besiedelung wird durch diese Darstellungstechnik vorgetäuscht. Es ergeben sich bei einem Vergleich folgende Änderungen:

a. Straßen. Die Durchgangsstraßen, die den Raum Bobruisk auf der Karte aus 1942 durchziehen, sind vollständig verschwunden. Man beachte: die jüdischen Ghettos sollten nicht von Durchgangsstraßen durchschnitten werden.[150]

Die Straße, die Ossipowitschi und Bychoff (früher Star. Bychow) verbindet, wird völlig neu gebaut. Auf der Legende des Kartenblattes aus dem Jahr 1943 wurde deshalb sogar eine neue Zeichenerklärung eingeführt (hinzugedruckt). Man beachte: Im Protokoll der Wannsee-Konferenz heißt es: »... und werden die arbeitsfähigen Juden straßenbauend in diese Gebiete geführt«.[151]

b. Eisenbahn. Ebenfalls neu gebaut wurde offenbar, d. h. die Zeichenerklärung fehlt, ein Analogieschluß führt dazu, die Eisenbahnlinie zwischen Ossipowitschi und Sagatje (an der Strecke nach Mogilew).

c. Neue Siedlungen. Nördlich von Ossipowitschi im Raum Bolschaja Grawa sind viele neue Ortschaften verzeichnet. Die dortige Sumpfgegend ist mit einem Netz von unterbrochenen Linien durchzogen, für die es keine Zeichenerklärung gibt, die aber Entwässerungsgräben darstellen könnten. Derartige unterbrochene Netzlinien sind an vielen Stellen des Kartenblattes aus 1943 zu finden, waren aber auf dem Blatt aus 1942 noch nicht da.

 

E. Die Transporte

1. Eisenbahnnetz und Lager

Um bestimmte Aspekte der Transporte in die sogenannten Vernichtungslager verstehen zu können, muß kurz auf den Aufbau des Eisenbahnwesens im Deutschen Reich und den besetzten Ostgebieten eingegangen werden. Danach gab es, zumindest ab Frühjahr 1942, drei Planungsinstanzen, die Eisenbahntransporte zusammenstellte:

Nicht nur die Deutsche Reichsbahn, sondern auch die Gedob und die GVD Osten hatten sehr viele Entscheidungen für ihren Bereich selbstverantwortlich zu treffen. Die Gedob war z. B. allein zuständig für die Verteilung der Güterwagen im Generalgouvernement.[155] Die HBD der GVD Osten waren zuständig für die Betriebsführung, Transportdisposition, Fahrplanbearbeitung und für alle grundsätzlichen Betriebsfragen. Sie mußten über jeden einzelnen Zug disponieren, da nur sie z.B. Feindeinwirkungen berücksichtigen konnten.[156] Um den Ablauf von Transporten planen zu können, mußte zwischen den Grenzübergängen der RVD-Bezirke (Deutsche Reichsbahn), der Gedob und der GVD Osten ein Zugverteiler für einen Zeitraum von einer Woche oder einem Monat vereinbart werden. Danach wurde für jeden Übergang zwischen den Bezirken genau festgelegt, wieviel Züge am Übergang zu übergeben oder zu übernehmen sind.[157]

Schaut man sich die Lage der Vernichtungslager Auschwitz, Treblinka, Sobibor und Belzec an, so stellt man fest, daß sie alle an der Grenze zweier Transportbezirke liegen.

Auschwitz liegt in Grenznähe der Gedob. Die Entfernung von Auschwitz zu dem Gedob-Bezirk dürfte etwa 20 km betragen.[158] Für Transporte von Auschwitz nach Minsk stand eine leistungsfähige Eisenbahnlinie Auschwitz-Radom-Brest-Minsk zur Verfügung.[159]

Treblinka liegt direkt an der Grenze der Gedob und des Großdeutschen Reich. Transporte können über Bialystock-Wilna-Minsk geleitet werden.[160]

Sobibor liegt an der Grenze[161] zwischen dem Generalgouvernement (Gedob) und dem Reichskommissariat Ukraine (HBD Kiew). Es ist als Übergabestation zwischen der Gedob und der GVD Osten geeignet.

Belzec scheint als einziges Lager relativ weit von der Gedob-Grenze entfernt.[162] Man muß aber beachten, daß das ursprüngliche Generalgouvernement nach dem Einmarsch in die Sowjetunion vergrößert wurde. Belzec liegt in der Nähe der ursprünglichen Grenze. Bei Belzec läßt sich die Funktion als Durchgangslager relativ gut belegen. Es gibt einen Aktenvermerk, in dem mehrfach auf die Grenzlage Belzecs hingewiesen wird. Zitat:

»1. Es wäre zweckmäßig, die in den Distrikt Lublin kommenden Judentransporte schon auf der Abgangsstation in arbeitseinsatzfähige und nicht arbeitseinsatzfähige Juden zu teilen. Wenn diese Auseinanderhaltung auf der Abgangsstation nicht möglich ist, müßte man evtl. dazu übergehen, den Transport in Lublin nach den obengenannten Gesichtspunkten zu trennen.

2. Nichteinsatzfähige Juden kommen sämtlich nach Belzec, der äußersten Grenzstation im Bezirk Zamosz.

3. Hstuf. Höfle ist daran, ein großes Lager zu bauen, in welchem die einsatzfähigen Juden nach ihren Berufen karteimäßig erfaßt und von dort angefordert werden können.

6. H. fragt, wo auf der Strecke Deblin-Trawniki 60.000 Juden ausgeladen werden könnten. Über die jetzt von uns aus laufenden Judentransporte orientiert, erklärte H., daß von den 500 in Susiec angekommenen Juden die nicht arbeitsfähigen aussortiert und nach Belzec geschickt werden könnten. Laut Fernschreiben der Regierung vom 4.3.42 rollt ein Judentransport aus dem Protektorat mit der Bestimmungsstation Trawniki. Diese Juden sind nicht in Trawniki ausgeladen, sondern nach Izbica gebracht worden. Eine Anfrage des Kreishauptmannes Zamosc von dort 200 Juden zur Arbeit heranziehen zu können, wurde von H. bejaht.

Abschließend erklärte er, er könne täglich 4 - 5 Transporte zu 1000 Juden mit der Zielstation Belzec aufnehmen. Diese Juden kämen über die Grenze und würden nie mehr ins Generalgouvernement zurückkommen«[163]

Auch für Auschwitz gibt es Anhaltspunkte, daß es ebenso die Funktion eines Umsiedlerlagers hatte. In den Aufzeichnungen von Höß findet sich der folgende Abschnitt, wo es über die Zigeuner heißt:

»Obwohl ich in Auschwitz viel Ärger mit ihnen hatte, waren sie mir doch meine liebsten Häftlinge - wenn man das so überhaupt sagen kann. Sie brachten es nicht fertig, längere Zeit bei einer Arbeit zu bleiben. Sie ›zigeunerten‹ zu gerne überall herum. Am begehrtesten war ihnen ein Transportkommando, da kamen sie überall hin, konnten ihre Neugier befriedigen.«[164]

Frage: Welche Transportkommandos hatte Höß zu vergeben? Was wurde transportiert und wohin?

In jüdischen Berichten über Auschwitz finden sich ebenfalls Hinweise. In dem allerersten Bericht über Auschwitz, dem Vreba-Wetzler-Bericht, heißt es:

»In [diesem] Bericht, der haarstäubend eingehende Beschreibung von Massakern an Hunderttausenden von Juden aller Länder besetzten Europas in Gaskammern von Auschwitz-Birkenau enthält, wird mitgeteilt, daß [die] erste Gruppe von ca. 4.000 tschechoslowakischen Juden, die Anfang September 1943 von Terezin aus in Birkenau eintrafen, nach sechsmonatiger Quarantäne am 7. März 1944 vergast wurden.

[Der] Bericht enthüllt, daß [die] Behandlung beider tschechoslowakischer Transporte (genannt SB-Transporte = Sonderbehandlungstransporte) auffällig abweichend von Behandlung gewöhnlicher Transporte [war].

[Die] Familien wurden nicht getrennt, nicht einmal Kinder; Schule wurde erlaubt und sechsmonatige Quarantäne vorgeschrieben, was absolut ungewöhnlich [war].

Angesichts der Tatsache, daß [die] erste Gruppe vollständig liquidiert wurde, [ist die] Gefahr bevorstehender Liquidierung [der] zweiter[n] Gruppe sehr ernst.«[165]

Dazu Jehuda B., der offenbar einem solchen Transport angehörte:

»In Auschwitz kamen wir in den Lagerabschnitt B IIb von Birkenau, der als tschechisches Familienlager eingerichtet war. Wir erhielten eine besondere Behandlung, denn wir kamen alle ins Lager, während sonst jüdische Transporte bei der Ankunft in Auschwitz selektiert wurden. Später erfuhren wir, daß man uns ›SB nach sechs Monaten‹ zugedacht hatte. Das bedeutet, daß wir sechs Monate nach der Einlieferung vergast werden sollten.«[166]

An diesem Bericht sind mehrere Dinge hochinteressant. So die Bestürzung darüber, daß dieser Transport »auffällig abweichend« von den anderen Transporten behandelt wird. Wurden nicht alle Transporte vergast? Warum wurden diese Juden in Auschwitz sechs Monate in Quarantäne gegeben? Wozu das? Das gibt doch nur einen Sinn, wenn man Auschwitz auch als Zwischenlager ansieht und die Juden danach weiter zu ihrem eigentlichen Bestimmungsort transportiert wurden. Wenn man sie hätte töten wollen, warum dann nicht sofort? Die Quarantäne spricht mehr dafür, daß man Angst hatte, der Transport könnte Seuchen einschleppen; auch die fehlende Selektion wäre dann verständlich.

2. Transportziele

Die meisten der sogenannten Judentransporte haben die Lager Belzec, Sobibor, Treblinka und, vor allem für nichtpolnische Juden, Auschwitz als Ziel. Aber es hat auch Transportziele in Weißruthenien gegeben. Unterlagen über Transportziele für Weißruthenien liegen aber fast ausnahmslos dann vor, wenn die Transporte eine Reichsbahndirektion (RBD) der Reichsbahn berührt haben.

Aufstellung von Transporten der Reichsbahn nach Weißruthenien[167]

Datum

Zug-Nr.

von

nach

Bemerkungen

8.5.42

Da201

Wien

Kajdanowo

Kajdanowo Igt. zwisch. Baranowitschi u. Minsk

   

Wien

Kajdanowo

weiter Züge jd. Freitag

15.5.42

Da202

Wien

Minsk

 
 

Da203

Wien

Minsk

aus Sammelangabe

 

Da204

Wien

Minsk

aus Sammelangabe

2.6.42

Da205

Wien

Minsk

ab Wien-Asberg

9.6.42

Da206

Wien

Minsk

ab Wien-Asberg

16.6.42

Da207

Wien

Minsk

ab Wien-Asberg

23.6.42

Da208

Wien

Minsk

ab Wien-Asberg

24.6.42

 

Königsberg

Minsk

 

25.6.42

Da40

Königsberg

Minsk

 

30.6.42

Da209

Wien

Minsk

ab Wien-Asberg

7.7.42

Da210

Wien

Minsk

ab Wien-Asberg

14.7.42

Da211

Wien

Minsk

ab Wien-Asberg

16.7.42

Da220

Theresienstadt

Minsk

 

21.7.42

Da212

Wien

Minsk

ab Wien-Asberg

22.7.42

Da219

Köln-Deutz

Minsk

nach Minsk Gbf

28.7.42

Da213

Wien

Minsk

ab Wien-Asberg

30.7.42

Da221

Theresienstadt

Minsk

 

4.8.42

Da214

Wien

Minsk

ab Wien-Asberg

6.8.42

Da222

Theresienstadt

Minsk

ursprünglicher Plan

9.8.42

Da222

Kolodischtschi

 

Umleitung von Da222 nach Kolodischtschi statt Minsk, Kolodischtschi ist die zweite Bahnstation an der Strecke Minsk-Smolewiece

11.8.42

Da215

Wien

Minsk

ab Wien-Asberg

13.8.42

Da223

Altreich Wien Theresienstadt

Kolodischtschi

8 Sonderzüge n. Fapla. Nr. 62

14.8.42

Da230

Altreich

Minsk

8 Vollzüge bis 8.10.42

18.8.42

Da216

Wien

Minsk

ab Wien-Asberg

25.8.42

Da217

Wien

Minsk

ab Wien-Asberg

1.9.42

Da218

Wien

Minsk

ab Wien-Asberg

Aus der sonstigen Literatur sind weitere Transportziele zu entnehmen.

22.9.1942

nach

Maly Trostinec

23.9.1942

nach

Maly Trostinec

26.9. 1942

nach

Maly Trostinec

29. 9. 1942

nach

Maly Trostinec[168]

Ein Maly Trostenez liegt südöstlich von Minsk an der Straße von Minsk nach Dukora.[169]

Sehr aufschlußreich ist eine weitere Meldung. Nach einem Brief des Generalkommissars Kube an den Reichskommissar für das Ostland Lohse vom 31. Juli 1942 kam am selben Tag in Minsk ein Transport von 1.000 Juden aus Warschau an.[170] Die Aussiedlung der Juden Warschaus begann am 22. Juli 1942.[171] Diese Transporte liefen alle über Treblinka. Man ging bisher davon aus, daß diese Menschen alle in Treblinka getötet wurden. Offenbar erreichte aber mindestens ein Zug Minsk!

Der hier vorgetragenen These scheinen Angaben zu widersprechen, die von Transporten in umgekehrter Richtung sprechen. So gibt es Transporte aus Bialystok nach Auschwitz vom 5. bis zum 7. Februar 1942.[172] Es ist nach einem Blick auf die Karte offenbar unsinnig, Menschen aus Bialystok nach dem Osten über Auschwitz zu transportieren. Auschwitz bestand aber nicht nur aus Birkenau. Auschwitz war auch ein großes Arbeitslager. Man benötigte Arbeitskräfte. Es gibt Dokumente, die belegen, daß 1943 Juden in großer Zahl aus Bialystok nach Auschwitz transportiert wurden, um dort als Arbeitskräfte ausgemustert zu werden.[173]

Aufschlußreich für dieses Thema sind auch Transportsperren. So zitiert Hilberg ein Schreiben an Himmler:

»SS und Polizeiführer melden mir heute einstimmig, daß aufgrund der Transportsperre ab 15.12.1942 bis vorerst 15.1.1943 jegliche Transportmöglichkeit für Judenaussiedlung genommen ist. Durch diese Maßnahme ist Gesamtplanung Judenaussiedlung stärkstens gefährdet. Bitte gehorsamst durch Verhandlungsführung mit Reichszentralstellen OKW-Reichsverkehrsministerium zu erreichen, daß mindestens 3 Zugpaare für die vordringliche Aufgabe zur Verfügung stehen.«[174]

Die im Winter entstandenen Transportsperren hatten, soweit der Literatur zu entnehmen, ihre Ursache in den klimatischen Bedingungen in den neuen Ostgebieten. So heißt es:

»Die Ausfälle an Lokomotiven waren katastrophal und betrugen 70 % stellenweise sogar noch mehr. Beim FEKdo 3 kletterte der Schadlokbestand auf 80 % bei den Regelspur - und auf 60 % bei den Breitspurlokomotiven. Das Bw Minsk brachte von 100 Lokomotiven täglich mit Mühe 10 fahrbereit heraus. Eine Besserung trat erst ein, als die deutschen Lok[s] radikal entfeinert, alle frostempfindlichen Teile beseitigt oder verkleidet und Tenderwasser und Führerstände beheizbar gemacht wurden.

Die an sich schon bescheidenen Betriebsverhältnisse verschlechterten sich erheblich. Nicht nur, daß Wasserkräne, Behälter und Leitungen - die zur Erzielung von Frostfreiheit 2,00 m tief im Boden verlegt werden mußten - einfroren, auch der Grundwasserspiegel ging zurück, die Quellen versiegten, die Wasserförderung war zu gering. Dazu kamen weitere Behinderungen des Zugverkehrs durch erhebliche Schneeverwehungen in den baumlosen Gebieten der Ukraine, so daß beispielsweise der Eisenbahnbetrieb bei FEKdo 3 am 4.2. fast völlig zum Erliegen kam. Auf der Strecke Brest-Minsk-Smolensk wurden im Februar 1942 nur 8 Züge täglich zur Front durchgebracht.«[175]

»Die Züge zur Front stauten sich bis in den Bezirk der Gedob zurück, besetzten dort die Umspanngleise der Bahnhöfe und vermehrten noch die Betriebsschwierigkeiten. Der Rückstau betrug z.B. im Bezirk Minsk 185 Züge Richtung Front und 80 Züge Richtung Heimat und insgesamt 850 Züge.«[176]

Die hier dargestellten Ursachen für die Transportsperren beziehen sich alle auf die Jahreswende 1941/42. Auf die Transportsperren der Zeit 1942/43 wird in der von mir benutzten Literatur überhaupt nicht eingegangen. Wenn hier andere Gründe vorgelegen hätten, dann wären diese sicher angeführt worden. Da die klimatischen Bedingungen des Raumes sich gewiß nicht verändert hatten, spricht alles dafür, daß die erwähnte Transportsperre 1942/43 dieselbe Ursache hatte. Danach wäre aber der Verkehr im Bereich der Gedob gar nicht von der Transportsperre betroffen gewesen.

Alle Vernichtungslager liegen aber innerhalb des Bereichs der Gedob, wenn man von Auschwitz absieht, das ja erst recht nicht davon betroffen sein konnte. Die obige Sperre hat nur Sinn, wenn die Transporte in den Bereich der GVD Osten weiterlaufen sollten.

3. Transportanweisungen

Für den Transport der Juden aus dem Warschauer Ghetto liegen verschiedene Aufrufe vor, die beispielsweise Anweisungen über das Reisegepäck der Juden enthalten:

»1. Auf Befehl der deutschen Behörden werden alle jüdischen Personen, gleichgültig welchen Alters und Geschlechts, welche in Warschau wohnen, nach dem Osten umgesiedelt.

...

3. Jeder jüdische Umsiedler darf von seinem Eigentum 15 kg als Reisegepäck mitnehmen. Es können sämtliche Wertsachen: Gold, Schmuck, Geld usw. mitgenommen werden. Verpflegung ist für drei Tage mitzunehmen.

4. Beginn der Umsiedlung am 22.7.1942 um 11 Uhr.«[177 ]

In einem Aufruf des Judenrates in Warschau vom 24. Juli 1942 heißt es:

»1. Infolge nicht zutreffender, im jüdischen Wohnbezirk von Warschau kursierender Nachrichten im Zusammenhang mit der Aussiedlungsaktion ist der Judenrat in Warschau von der Behörde ermächtigt worden, bekannt zu geben, daß die Aussiedlung der Bevölkerung, die im jüdischen Wohnbezirk in Warschau nicht produktiv tätig ist, tatsächlich in östliche Gebiete erfolgt.«[178]

Aus einem Aufruf vom 29.Juli 1942:

»Der der Aussiedlung unterliegenden Bevölkerung gebe ich gemäß Anordnung der Behörden zur Kenntnis, daß jede Person, die sich in den Tagen 29., 30. und 31. Juli ds. Js. freiwillig zur Aussiedlung stellt mit Lebensmitteln, d.h. mit 3kg Brot und 1kg Marmelade, versorgt wird. Sammelpunkt und Lebensmittelausgabestelle ist der Stawki Platz Ecke Dzika Strasse.«[179]

Zum Schluß noch eine Richtlinie aus dem Reich vom 20. Februar 1943:

»Richtlinie zur technischen Durchführung der Evakuierung von Juden nach dem Osten (KL Auschwitz)

Für die Evakuierung von Juden aus dem Reichsgebiet und Böhmen und Mähren nach dem Osten werden unter Aufhebung der bisher ergangenen Erlasse folgende Richtlinien, die in allen Punkten genau einzuhalten sind, aufgestellt:

III. Transport

Es empfiehlt sich, die zu evakuierenden Juden vor dem Abtransport zu konzentrieren. Transporte werden jeweils in Stärke von mindestens je 1000 Juden nach dem im Einvernehmen mit dem Reichsverkehrsministerium erstellten Fahrplan, der den beteiligten Dienststellen zugeht, durchgeführt.

Es muß pro Person mitgenommen werden:

Marschverpflegung für etwa 5 Tage
l Koffer oder Rucksack mit
Ausrüstungsgegenständen und zwar: 1 Paar derbe Arbeitsstiefel,
2 Paar Socken, 2 Hemden, 2 Unterhosen,
1 Arbeitsanzug, 2 Wolldecken,
2 Garnituren Bettzeug (Bezüge mit Laken), 1 Essnapf,
1 Trinkbecher, 1 Löffel und
1 Pullover. Nicht mitgenommen werden dürfen:
Wertpapiere, Devisen, Sparkassenbücher usw., Wertsachen jeder Art (Gold, Silber, Platin
mit Ausnahme des Eheringes), Lebendes Inventar,
Lebensmittelmarken (vorher abnehmen und den örtlichen Wirtschaftsämtern übergeben).«[180]

Diese Anweisungen sind in verschiedener Hinsicht aufschlußreich. So der nachdrückliche Hinweis: »die Aussiedlung erfolgt in östliche Gebiete«! Es wird also nicht behauptet, die Juden aus Warschau kämen nach Treblinka. Die Versorgung der Bevölkerung, die sich freiwillig meldet, mit 3 kg Brot und 1 kg Marmelade.

Wozu? Zur Tarnung? Interessant ist die Anzahl der Tage, für die Verpflegung mitzunehmen ist. Für Juden aus dem Warschauer Ghetto werden drei Tage, für Juden aus dem Reich fünf Tage genannt. Die Fahrt aus dem Reich nach Auschwitz kann mit zwei Tagen Reisezeit angesetzt werden. Wenn man annähme, daß die Juden nach Weißruthenien ausgesiedelt würden, dann hatten sie ab Auschwitz in etwa dieselbe Strecke vor sich, wie sie die Warschauer Juden zurücklegten. Dann wäre die unterschiedliche Fahrtzeit sinnvoll. Auch die Aufforderung, ein Paar derbe Arbeitsstiefel, einen Arbeitsanzug usw. mitzunehmen, kann eigentlich nur bedeuten, daß die Juden tatsächlich nach dem Osten kommen sollten. Darauf hat schon Eichmann hingewiesen.[181] Der Einwand seines Vernehmers Less, das sei nach deutscher Methode gründlich und fein erledigt worden, die Leute können doch nicht verlumpt ankommen, macht wenig Sinn. Ordentlicher hätten sie bestimmt mit normalem Schuhwerk ausgesehen.

 

F. Hinweise auf Juden in Weißruthenien

Einige wenige, wenn auch versteckte Hinweise auf Juden in Weißruthenien habe ich gefunden. So wird von Briefen[182] berichtet, die aus Warschau deportierte Juden in der ersten Januarhälfte 1943 abgeschickt haben. Die Briefe kamen aus der Gegend von Pinsk und Bobruisk. Pinsk lag damals in der Ukraine und Bohruisk im militärverwalteten Teil. Sie passen damit in mein Bild.

Aufschlußreich ist auch ein Atlas zur Endlösung[183], der einen Überblick über sogenannte Judenaktionen gibt. Er verzeichnet Flucht und Widerstand von Juden in Weißruthenien vom Juli bis Dezember 1943 an vielen Orten.[184] Zu diesem Zeitpunkt sollten die Juden doch schon lange getötet sein. Die Aussagekraft dieses Atlasses leidet allerdings darunter, daß sein Verfasser nicht immer klar zwischen Massakern, Deportationen und Aufständen unterscheidet. Ich habe die einzelnen Karten durchgesehen und die folgenden »Judenaktionen« in Weißrußland (ohne Bialystok) gefunden:

Übersicht über die Zahl betroffener Juden

Militärverwalteter Teil ohne Weißruthenien

1941 Karte 86

20.000

  Karte 94

43.000

  Karte 96

15.000

1943 Karte 147

8.350

  Gesamt

86.350

Restlicher Teil Weißrußlands (ohne Bialystok)

1941 Karte 73

8.000

  Karte 74

13.000

  Karte 88

18.000

  Karte 94

23.000

   

(davon ev. 12 000 Deportierte)

  Karte 96

96.400

1942 Karte 111

8.000

  Karte 128

20.500

  Karte 131

28.000

  Karte 167

5.000

  Karte 180

6.500

1943 Karte 193

2.000

  Karte 198

Tausende

  Karte 202

6 500

  Gesamt

138.900 + Tausende

  Beide Teile:  
  militärverw. Teil

86.350

  zivilverw. Teil

138.900 + Tausende

  Summe

225.250 + Tausende

Die Zahlen wurden aufgerundet. Die Zuordnung zu den einzelnen Gebieten war nicht ganz leicht. Kleinere Abweichungen sind deshalb möglich. Laut Protokoll der Wannsee-Konferenz waren 446.484 Juden in dieser Region.[185] Bedenkt man, daß sehr viele Transporte mit Juden aus dem Reich nach Minsk und Umgebung gingen, müßte die Zahl der Getöteten erheblich größer sein, als es aus der Zusammenstellung hervorgeht. Auffällig ist vor allem die »geringe« Zahl der im militärverwalteten Teil als getötet angeführten Menschen, besonders bei Witebsk. Die Karten verzeichnen insgesamt 4.090 und 8.350 Tote. Witebsk hatte aber 167.420 Einwohner, davon waren etwa 50 % Juden.[186]

Wenn man annähme, daß Umsiedlungsaktionen in den Dokumenten zu Tötungen verfälscht wurden, dann findet sich für diese Zahlen eine schlüssige Erklärung. Im militärverwalteten Teil von Weißruthenien müssen die Umsiedlungsaktionen am geringsten gewesen sein. Im übrigen ist im Mai 1943 noch ein Ghetto in Minsk nachweisbar.[187]

1. Ungewöhnliche Hinweise

Im Protokoll der Wannsee-Konferenz wird davon gesprochen, daß die Juden, die man nach dem Osten transportiert zum Arbeitseinsatz herangezogen werden sollen. Solche Arbeitseinsätze hat es gegeben.

In einem Schreiben des Reichsministers für die besetzten Ostgebiete vom 25. Oktober 1941 wird angewiesen:

»Die Arbeitsfähigen dagegen werden zum Arbeitseinsatz nach Osten abtransportiert. Daß bei den arbeitsfähigen Juden Männer und Frauen getrennt zu halten sind, dürfte selbstverständlich sein.«[188]

In einem Bericht der Deutschen Zeitung des Ostlands vom 2. September 1941 heißt es:

»Von den 11.000 heimgekehrten Menschen des Ortes Sluzk sind die Hälfte Juden. Sie werden zur Arbeit herangezogen, werden eingesetzt, immer neue Aufgaben tauchen auf, harren der Lösung. Das Elektrizitätswerk wird wieder in Gang gesetzt. Wo eine Möglichkeit zu finden ist, Neues aufzubauen, wird sie ausgenutzt.«[189]

Am 12. Dezember 1941 veröffentlichte dieselbe Zeitung ein Bild mit der Unterschrift: »Eine jüdische Arbeitskolonne wird zum Bau geführt.«[190] In einem Bericht vom 30. Juni 1943 steht über die Lösung der Judenfragc in Galizien:

»Die beste Handhabe hierzu bot die Bildung von Zwangsarbeitslagern durch den SS- und Polizeiführer. Arbeitsmöglichkeiten boten sich vor allen Dingen an dem äusserst wichtigen, für den gesamten Südabschnitt der Front notwendigen Ausbau der Dg.4., die sich in einem katastrophalen Zustand befand. Am 15. Oktober 1941 wurde mit dem Ausbau der Lager an der Rollbahn begonnen, und schon nach wenigen Wochen entstanden trotz erheblicher Schwierigkeiten 7 Lager, die mit 4000 Juden belegt wurden. Diesen ersten Lagern folgten bald weitere, so daß in kürzester Frist 15 derartige Lager dem Höheren SS- und Polizeiführer gemeldet werden konnten. Durch diese Lager sind im Laufe der Zeit rd. 20000 jüdische Arheitskräfte durchgelaufen. Trotz aller erdenklicher Schwierigkeiten, die bei diesen Problemen auftauchten können heute rd. 160km Straße als fertiggestellt gemeldet werden.«[191]

Die Existenz solcher Lager im Ostland noch bis Mai 1944 wird durch ein Schreiben vom Ostministerium an den Obergruppenführer Pohl bestätigt.[192]

Über den Transport in die besetzten Ostgebiete gibt es viele Hinweise, die meist ignoriert werden. Eine Auseinandersetzung mit diesen Fakten habe ich nirgends gefunden. So wurde auch den ankommenden Juden in den Lagern erklärt, sie kämen zur Umsiedlung und müßten vorher noch gebadet und desinfiziert werden.[193] In einem Vermerk eines Beamten des Generalgouvernements des Distrikts Lublin heißt es, daß die Juden über die Grenze des Generalgouvernements kämen und dort blieben.[194]

Die Verschiebung der polnischen und deutschen Juden war in zwei Etappen geplant:

  1. Transporte aus dem Generalgouvernement nach dem Osten
  2. Transporte aus dem Reich nach dem Generalgouvernement[195].

Der ganze Prozeß war unter den Gebietskommissaren als West-Ost-Bewegung bekannt, wie ein Bericht von Gert Erven aus dem Jahre 1942 zeigt, der auch sonst sehr aufschlußreich ist:

»In den Rayonstädten wird nach der Durchführung der Hilfsarbeiten für die West-Ost-Bewegung das Judentum bis auf die notwendigsten Handwerker und Facharbeiter ausgemerzt werden. Da die Wehrmacht nicht mehr bereit ist, Aktionen auf dem flachen Lande durchzuführen werde ich die gesamten Juden des Gebietes in zwei oder drei Rayonstädten zusammenfassen, nur in geschlossenen Arbeitskolonnen einsetzen, um damit endgültig Schleichhandel und Partisanenunterstützung durch Juden auszurotten. Die besten Fachkräfte unter den Juden müssen unter Aufsicht in meinen Handwerkerschulen ihre Kunst intelligenten Lehrlingen weitergeben, um einmal den Juden auch im Handwerk entbehrlich zu machen und auszuschalten.

Verhältnis zur Wehrmacht:

Nach anfänglichen Kompetenzstreitigkeiten und Auseinandersetzungen, die aber weniger Schuld des hiesigen Ortskommandanten als der Bereichskommandantur in Baranowitschi zuzuschreiben waren, wurde das Verhältnis zur Wehrmacht nach ganz kurzer Zeit nicht nur erträglich, sondern führte im Laufe weniger Wochen zu einer ausgezeichneten, engen und gedeihlichen Zusammenarbeit. Heute ist es so, daß alle Wehrmachtsdienststellen, die in meinem Gebiet irgendwelche Belange zu vertreten haben, zu mir kommen, um nach gemeinsamer Planung gemeinsam zu arbeiten. Dieses Verhältnis wirkte sich in den gegenwärtigen Arbeiten für die West-Ost-Bewegung besonders vorteilhaft aus, und ich kann nur wünschen, daß es weiterhin so bleibt.«[196]

Im Abschlußbericht von Globocnik über die Aktion Reinhardt heißt es über das Ziel der Aussiedler:

»Staatsgüter:

4. Eine Aufnahme der gesamten entsiedelten Bevölkerung auf Staatsgüter ist wegen der Überfüllung des Raumes nicht möglich.«[197]

Staatsgüter sind mir aber nur aus der Sowjetunion bekannt, die sogenannten Sowchosen. Weitere Maßnahmen deuten ebenfalls auf eine echte Umsiedlung hin. Zitat (Globocnik):

»Ist beabsichtigt, den Siedlern eine Bestätigung zu geben, wieviel sie an Haus, Hof, Vieh und Inventar zurückgelassen haben, ohne hierfür eine verpflichtende Leistung einzugehen. Ob diese Leistung dann einstens in Brasilien oder eher [im Original:»einer« d.V.] im fernen Osten erfolgen soll, bleibt der Zukunft überlassen. Es soll den Ausgesiedelten nur das Gefühl gegeben werden, daß später einmal eine Vergütung ihres zurückgelassenen Eigentums erfolgt.«[198]

Der Hinweis auf Brasilien oder den fernen Osten kann eigentlich nur auf Juden bezogen sein, denn andere Völker wollte man nie derart umsiedeln. Für polnische Aussiedler war ausdrücklich an eine Entschädigung in Waren oder Bargeld gedacht.[199] Der Abschlußbericht beschreibt die Aktion Reinhardt ausdrücklich als Aussiedlung. Das zentrale Stück lautet:

»Die gesamte Aktion Reinhardt zerfällt in 4 Gebiete:

  1. die Aussiedlung selbst
  2. die Verwertung der Arbeitskraft
  3. die Sachverwertung
  4. die Einbringung verborgener Werte und Immobilien.

a. Die Aussiedlung.

Sie ist erledigt und abgeschlossen. Die Voraussetzung hierbei war, durch eine methodisch richtige Behandlung, mit den schwachen zur Verfügung stehenden Kräften, die Menschen zu erfassen und möglichst wenig wirtschaftlichen Schaden an der Kriegsproduktion anzurichten.

Im Großen und Ganzen ist dies gelungen. Ein größerer Schaden ist nur in Warschau entstanden, wo aus Verkennung der Sachlage der Abschluß methodisch falsch durchgeführt wurde.

Die Abwicklung Litzmannstadt konnte von mir aus wegen der Versetzung nicht mehr durchgeführt werden.«[200]

Im Jahre 1942 wurden 10.000 rumänische Juden über den Bug in das Reichskommissariat Ukraine abgeschoben. In einem Brief an das Auswärtige Amt beklagt sich Eichmann:

»Zum anderen wird durch die planlose und vorzeitige Abschiebung der rumänischen Juden in die besetzten Ostgebiete die bereits im Gang befindliche Evakuierung der deutschen Juden stärkstens gefährdet.«[201]

Man beachte die Formulierung »vorzeitige Abschiebung«! Später sollten danach die rumänischen Juden ebenfalls in die besetzten Ostgebiete verbracht werden. Zu fragen ist auch: Wieso konnte eine solche vorzeitige Abschiebung die Evakuierung deutscher Juden stärkstens gefährden? Sollten diese denn über Auschwitz hinauskommen ?

In einem anderen Bericht ist die folgende Passage enthalten:

»In diesem Zusammenhang machte SS-O'Stuf. Eichmann darauf aufmerksam, daß die gegebenen Richtlinien, vor allem hinsichtlich des Alters, der Gebrechlichkeit usw. genauestens einzuhalten seien, da beim Transport nach Riga ca. 40-45 Fälle durch den Judenältesten in Riga über Gauleiter Lohse und Meyer dem SS-ObergruFpenführer Heydrich als zu Unrecht evakuiert reklamiert wurden.«[202]

Wieso spielt das eine Rolle? Sollten diese Menschen denn nicht alle getötet werden? Dieselbe Frage ist beim nächsten Bericht zu stellen, den Hilberg frei zitiert:

»Aus rein militärischen Erwägungen protestierte der Wehrmachtsbefehlshaber Ostland gegen die Transporte: Er verwies darauf, daß die deutschen Juden um ein Vielfaches intelligenter als die Juden Weißrußlands seien; daher bestehe die Gcfahr, daß die ›Bcfricdung‹ der Region untergraben werde.«[203]

Auch hier wieder ein Hinweis auf den Transport deutscher Juden nach Weißruthenien. Was ist aus diesen Menschen geworden? Hat keiner von ihnen überlebt? Bekannt ist auch ein Schreiben des Reichskommissars für das Ostland. Zitat:

»Daß die Juden sonderbehandelt werden, bedarf keiner weiteren Erörterung. Daß dabei aber Dinge vorgehen, wie sie in dem Bericht des Generalkommissars vom 1.6.43 vorgetragen werden, erscheint kaum glaubhaft. Was ist dagegen Katyn? Man stelle sich nur einmal vor, solche Vorkommnisse würden auf der Gegenseite bekannt und dort ausgeschlachtet! Wahrscheinlich würde eine solche Propaganda einfach nur deshalb wirkungslos bleiben, weil Hörer und Leser nicht bereit wären, derselben Glauben zu schenken.«[204]

Kube reicht anbei ein Schreiben des Strafanstaltverwalters des Gerichtsgefängnisses Minsk weiter, in dem es heißt:

»Am 13. April 1943 wurde der deutsche ehemalige Zahnarzt Ernst Israel Tichauer und seine Frau Elisa Sara Tichauer geb. Rosenthal durch den SD (Hauptscharführer Rübe) ins Gerichtsgefängnis eingeliefert. Seit dieser Zeit wurden bei den eingelieferten deutschen und russischen Juden die Goldbrücken, Kronen und (B)Plomben ausgezogen bzw. ausgebrochen. Dieses geschieht jedesmal 1 -2 Stunden vor der betreffenden Aktion.

Es wurden seit dem 13. April 1943 516 deutsche und russische Juden erledigt. Nach genauer Feststellung wurden aber nur bei 2 Aktionen die Goldsachen abgenommen, und zwar am 14.4.43 bei 172 und am 27.4.43 bei 164 Juden. Ungefähr 50 % der Juden hatten Goldzähne, Brücken oder (B)Plomben. Hauptscharführer Rübe vom SD war jedesmal persönlich zugegen und hat auch die Goldsachen mitgenommen.

Vor dem 13. April 1943 ist dieses nicht gemacht worden.«[205 ]

Das Schreiben ist zunächst einmal interessant, weil es offenbar 1943 sehr viele deutsche Juden im Raum Minsk gegeben hat! Aber wenn man annimmt, daß diese nachweislich nach dem Osten transportierten Juden alle ermordet wurden, dann sind diese Schreiben absurd. Vom Strafanstaltsverwalter über den Generalkommissar für Weißruthenien bis hin zum Reichskommissar für das Ostland löst ein Vorgang Empörung aus, der in zivilisierten Ländern Empörung auslösen muß. Doch wenn gleichsam tagtäglich Tausende von Menschen ermordet werden, auch Frauen und Kinder, dann ist der beschriebene Vorgang im Vergleich belanglos. Oder soll man annehmen, derartige Morde wären Kube und Lohse in ihrem Bereich verborgen geblieben? Offenbar muß für Kube das Wort Sonderbehandlung der Juden etwas anderes als Massenmord bedeutet haben. Wozu auch, so muß man fragen, die Mühe mit einem Gerichtsgefängnis und dort »zu erledigenden« Juden?

Daß der Begriff »Sonderbehandlung« eine andere Bedeutung als Töten haben kann und teils zumindest auch haben muß, zeigt die folgende Meldung über das Unternehmen Hornung, das der Bandenbekämpfung in den Pripjetsümpfen diente:

»Ergebnis des Unternehmens:

Feindverluste 2.219 Tote, 7.378 Sonderbehandelte, 65 Gefangene, 3.300 Juden.

Eigene Verluste: tot: 2 Deutsche, 27 Fremdvölkische; verwundet: 12 Deutsche, 26 Fremdvölkische.«[206]

Welche eigentümliche Kategorie der Feindverluste: Tote, Sonderbehandelte, Juden und Gefangene. Es gibt offenbar Unterschiede zwischen Toten, Sonderbehandelten und Juden. Zudem muß, wer sonderbehandelt war, manchmal noch leben, sonst wäre er tot. Oder wenn man annimmt, die Toten seien alle im Kampf gefallen und die Sonderbehandelten nachträglich erschossen worden, warum sind dann noch 3.300 Juden als offenbar Lebende aufgeführt? Ich weiß keine sinnvolle Erklärung im Rahmen der Auschwitz-Theorie. Ich habe auch keine Interpretation hierfür in der Literatur gefunden. Diese Art von Berichten wird einfach hingenommen und ignoriert. Sinnvoll erscheint mir nur die folgende Vermutung: Sonderbehandelt heißt hier, der Betreffende wurde einer besonderen Behandlung unterzogen. Eine Art der Sonderbehandlung könnte eine Erfassung mit zugehöriger Tätowierung, analog der Nummern der Auschwitzhäftlinge, und gleichzeitiger Überstellung in ein besonderes Territorium sein. Dann wäre erklärbar, woran man Juden und Sonderbehandelte unterscheiden könnte. Die Sonderbehandelten wären geflohen, und die nicht sonderbehandelten Juden hatten sich der deutschen Kontrolle bis dato entzogen.

 

G. Stellungnahmen zur Endlösung
vom 6. August 1942 bis zum 16. Dezember 1943

In diesem Zeitraum liegen folgende Stellungnahmen von Mächtigen des Dritten Reiches vor:

6. August 1942: Rede Rosenbergs vor Reichskommissaren und Vertretern der Militärbefehlshaber für die besetzten Gebiete:

»An Stelle der Humanität hat man den Schmutz in die Völker der Erde ausgegossen. Und nun gehen wir daran, diesen Schmutz einmal auszurotten, und was heute mit der Ausschaltung der Juden aus allen Staaten des euröpäischen Kontinents geschieht, ist auch eine Humanität, und zwar eine harte biologische Humanität (lebhafter Beifall).

Sie bedeutet, daß die Volkskörper wieder sauber, gesund und menschlich gemacht werden (erneute lebhafte Zustimmung), wie sie es früher waren. Ich habe mir neulich am Abend ein altes Buch von mir vorgenommen, das mir wieder unter die Hände fiel: ›Die November-Köpfe‹, und ich muß sagen, als ich es las, habe ich wieder die alte Wut bekommen, die wir vor 14 Jahren über diese Schweinerei empfanden (lebhafter Beifall). Es ist gut, wenn Sie heute solche Kampfschriften aus unserer Kampfzeit wieder einmal lesen. Manches ist dem Gedächtnis doch wieder entschwunden, und was die Leute damals sich erfrechten, über Deutschland und die deutsche Geschichte zu schreiben, müssen wir uns immer wieder einprägen, damit wir nicht schwach werden, wenn jetzt die große Säuberung ihren Anfang genommen hat (starke Zustimmung). Wir dürfen uns nicht damit begnügen, daß die Juden von einem Staat zum anderen geschoben werden, und daß vielleicht hier und da noch ein großes jüdisches Ghetto steckt, sondern unser Ziel kann nur das alte sein: Die Judenfrage in Europa und Deutschland ist nur dann gelöst, wenn es keine Juden mehr auf dem europäischen Kontinent gibt (lebhafter Beifall).«[207]

Diese Worte Rosenbergs sind durchaus doppeldeutig interpretierbar, und dem Leser mag scheinen, daß sie die Vernichtung belegen. Nur, und die nachfolgenden Texte werden es verdeutlichen, können sie auch so verstanden werden, daß Rosenberg die Juden aus »seinem« Ostland ebenso heraushaben wollte wie Frank aus dem Generalgouvernement.

9. Oktober 1942: Vertrauliche Informationen. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Partei-Kanzlei, Folge 66/42:

»Vorbereitende Maßnahmen zur Endlösung der europäischen Judenfrage. Gerüchte über die Lage der Juden im Osten.

Notizen nur frei f.G.u.K.

Im Zuge der Arbeiten an der Endloesung der Judenfrage werden neuerdings innerhalb der Bevoelkerung in verschiedenen Teilen des Reichsgebietes Eroerterungen über ›sehr scharfe Massnahmen‹ gegen die Juden besonders in den Ostgebieten angestellt. Die Feststellungen ergaben, dass solche Ausfuehrungen meist in entstellter und uebertriebener Form - von Urlaubern der verschiedenen im Osten eingesetzten Verbaende weitergegeben werden, die selbst Gelegenheit hatten, solche Massnahmen zu beobachten.

Es ist denkbar, dass nicht alle Volksgenossen fuer die Notwendigkeit solcher Massnahmen, das genuegende Verstaendnis aufzubringen vermoegen, besonders nicht die Teile der Bevoelkerung, die keine Gelegenheit haben, sich aus eigener Anschauung ein Bild von den bolschewistischen Greuel zu machen.

Um jeder Geruechtebildung in diesem Zusammenhang, die oftmals bewusst tendentioesen Charakter traegt, entgegentreten zu koennen, werden die nachfolgenden Ausfuehrungen wiedergegeben:«[208]

Nach einigen historischen Ausführungen über die Juden heißt es weiter:

»In Anbetracht des dem Deutschen Volk zur Verfuegung stehenden nur engbegrenzten Lebensraumes hoffte man, dieses Problem im wesentlichen durch Beschleunigung der Auswanderung der Juden zu loesen. Seit Beginn des Krieges 1939 wurden diese Auswanderungsmoeglichkeiten in zunehmendem Masse geringer. zum anderen wuchs neben dem Lebensraum des deutschen Volkes sein Wirtschaftsraum stetig an, so dass heute in Anbetracht der grossen Zahl der in diesen Gebieten ansaessigen Juden eine restlose Zurueckdraengung durch Auswanderung nicht mehr moeglich ist. Da schon unsere naechste Generation diese Frage nicht mehr so lebensnah und auf Grund der ergangenen Erfahrung nicht mehr klar genug sehen wird und die nun einmal ins Rollen gekommene Angelegenheit nach Bereinigung draengt, muss das Gesamtproblem noch von der heutigen Generation geloest werden.

Es ist daher die voellige Verdraengung bzw. Ausscheidung der im europaeischen Wirtschaftsraum ansaessigen Millionen von Juden ein zwingendes Gebot im Kampf um die Existenzsicherung des deutschen Volkes.

Beginnend mit dem Reichsgebiet und ueberleitend auf die uebrigen in die Endloesung einbezogenen europaeischen Laender werden die Juden laufend nach dem Osten in grosse zum Teil vorhandene, zum Teil noch zu errichtende Lager transportiert, von wo aus sie entweder zur Arbeit eingesetzt oder noch weiter nach dem Osten verbracht werden. Die alten Juden, sowie Juden mit hohen Kriegsauszeichnungen (E.K. I, Goldene Tapferkeitsmedaille usw.) werden laufend nach der im Protektorat Boehmen und Maehren gelegenen Stadt Theresienstadt umgesiedelt «[209]

Man beachte im Kopf den Vermerk: »Vorbereitende Maßnahmen zur Endlösung der europäischen Judenfrage«. Interessant ist auch der ausdrückliche Hinweis, daß die Juden, die nicht in den Lagern des Ostens arbeiten, noch weiter nach dem Osten verbracht werden!

23. November 1942: Himmler vor SS-Junkern in Bad Tölz:

»Völlig gewandelt hat sich auch die Judenfrage in Europa. Der Führer sagte einmal in einer Reichstagsrede: Wenn das Judentum einen internationalen Krieg etwa zur Ausrottung der arischen Völker anzetteln sollte, so werden nicht die arischen Völker ausgerottet, sondern das Judentum. Der Jude ist aus Deutschland ausgesiedelt, er lebt heute im Osten und arbeitet an unseren Straßen, Bahnen usw. Dieser Prozeß ist konsequent, aber ohne Grausamkeit durchgeführt worden. Wir quälen niemanden, aber wir wissen, daß wir um unsere Existenz und die Erhaltung unseres nordischen Blutes kämpfen.«[210]

16. und 17. April 1943: Hitler erklärt gegenüber Horthy:

»Wenn die Juden dort nicht arbeiten wollen, würden sie erschossen. Wenn sie nicht arbeiten könnten, müßten sie verkommen. Sie wären wie Tuberkelbazillen zu behandeln, an denen sich ein gesunder Körper anstecken könne. Das wäre nicht grausam, wenn man bedenke, daß sogar unschuldige Naturgeschöpfe, wie Hasen und Rehe, getötet werden müßten, damit kein Schaden entstehe. Weshalb sollte man die Bestien, die uns den Bolschewismus bringen wollten, mehr schonen? Völker, die sich der Juden nicht erwehrten, verkämen.«

Frage: Was heißt ›dort‹?

19. April 1943: Korherr schreibt an Dr. Brandt und legt den sogenannten Korherr-Bericht bei. Er soll Auskunft geben über die Juden im erweiterten Reichsgebiet. Er enthält Aufstellungen, wie auf Seite 87 [folgende Tabelle].

Oder es heißt:

»Vom 1.1.1943 bis 31.3.1943 fand aus dem Reichsgebiet mit Böhmen und Mähren, neuen Ostgebieten und Bezirk Bialystok wieder die Evakuierung von 113.015 Juden nach dem Osten statt, ebenso die Wohnsitzverlegung von 8.025 Juden ins Altersghetto Theresienstadt. Die Judenzahl in Deutschland, namentlich in den Ostgebieten, wurde dadurch neuerdings stark herabgesetzt.«[213]

Gebiet

Zeitraum von...
bis 31.12.
1942

Abnahme ( - ) oder Zunahme der Juden[214]

durch

Insgesamt

Auswan-
derung

Sterbe-
überschuß

Evaku-
ierungen

Sonst.
Verändg.

Altreich (mit Sudetenland)

31.1.33
(29 9.38)

- 382.534

- 61.193

- 100.516

+ 4.570

- 539.673

Ostmark

13.3.38

- 149.124

- 14.509

- 47.555

- 710

- 211.898

Böhmen
und Mähren

16.3.39

- 25.699

- 7.074

- 69.677

-

102.450

Ostgebiete
(m. Bialystok)

Sept. 39
(Juni 1940)

- 334.673

- 222 117

-

- 556.790

Generalgouv.
(m. Lemberg)

Sept. 39
(Juni 40)

- 427.920

- 1.274.166

-

- 1.702.086

Zusammen

- 1.402.726

- 1.714.031

+ 3.860

- 3.112.897

Man beachte, daß der Bericht keinerlei Informationen über die Juden in der Sowjetunion enthält. Wenn es sich um einen Bericht über die physische Ausrottung der Juden in Europa gehandelt hätte, dann wären doch diese Zahlen notwendig gewesen. Wenn man die Juden aber in Teilen der Sowjetunion konzentrieren wollte, dann wäre das Fehlen von Zahlen über die Sowjetunion verständlich.

Himmler zum Koherr-Bericht:

»Der Reichsführer-SS hat Ihren statistischen Bericht über ›Die Endlösung der europäischen Judenfrage‹ erhalten. Er wünscht, daß an keiner Stelle von ›Sonderbehandlung der Juden‹ gesprochen wird. Auf S. 9, Punkt 4, muß es folgendermaßen heißen:

›Transportierung von Juden aus den Ostprovinzen nach dem russischen Osten: Es wurden durchgeschleust durch die Lager im Generalgouvernement... durch die Lager im Warthegau...‹

Eine andere Formulierung darf nicht genommen werden.«[214 ]

Notiz: Mir ist es nicht gelungen, in dem Korherr-Bericht, der mir vorlag, die Seite 9 oder den Punkt 4 zu finden. Wurde der Bericht verstümmelt? Man beachte: Transportierung von Juden ... nach dem russischen Osten! Auch das Verbot des Wortes Sonderbehandlung ist doch eigentlich schwer verständlich. War das nicht der Tarnbegriff für das Massenmorden ?

11. Mai 1943: Die Deutsche Zeitung im Ostland schreibt unter Berufung auf Rosenberg:

»Die Judenfrage ... wird nunmehr durch die nationalsozialistische Revolution für Deutschland und ganz Europa ihre Lösung finden... Dann aber ist - nach einem für Gesamteuropa siegreichen Ausgang des Krieges - auch der Augenblick für eine endgültige Lösung der Judenfrage gekommen.«[215]

Sollten bis zum Kriegsende die Juden nicht weitgehend umgebracht sein? Wieso macht man sich da Gedanken? Ähnliche Fragen stellen sich beim nächsten Text.

11. Juli 1943: Bormann teilt im Auftrage von Hitler mit:

»Bei der öffentlichen Behandlung der Judenfrage muss jede Erörterung einer künftigen Gesamtlösung unterbleiben.

Es kann jedoch davon gesprochen werden, dass die Juden geschlossen zu zweckentsprechendem Arbeitseinsatz herangezogen werden.«[216]

16. Dezember 1943: Himmler vor Befehlshabern der Kriegsmarine in Weimar:

»So und soviele Juden wurden nach dem Osten gebracht. Völkerbewegungen, die wir in der Geschichte mit großen Namen bezeichnen, haben sich innerhalb dieser rasenden Entwicklung vollzogen «[217]

 

H. Verschiedene politisch-militärische Ereignisse

1. Partisanen

Ungewöhnlich ist die Entwicklung der Partisanenbewegung in der besetzten Sowjetunion. Die Behandlung dieses Problemkreises erfolgt teils hier, teils im nächsten Kapitel. Der Schwerpunkt der Partisanentätigkeit in der Sowjetunion lag eindeutig in Weißruthenien. Das geht klar aus den Aufzeichnungen der Überfälle von Partisanen auf deutsche Eisenbahntransporte hervor. Die Mehrzahl aller Überfälle im Bereich der GVD Osten fand im Bezirk der RVD Minsk statt.[218] Der Schwerpunkt der Partisanen lag im militärverwalteten Teil von Weißruthenien. Die Beispiele, die in der Literatur gegeben werden, beziehen sich meist auf dieses Gebiet. Dazu ein Diagramm von Pottgiesser, siehe Seite 90 [nachfolgende Grafik].

Eisenbahn-Sperrungen durch Partisanenanschläge Juli 1943

Sperrung von 8 Strecken durch Partisanenanschläge in einer Woche Juli 1943

Bis auf die letzten beiden Strecken liegen die genannten Bahnlinien in Weißruthenien, und zwar im Ostteil. Eine sowjetische Veröffentlichung [220] über die Partisanentätigkeit in Weißrußland nennt als Schwerpunkte den Umkreis der Städte Minsk, Witebsk, Brest, Gomel, Mogilew, Orscha, Bobruisk, Pinsk und Kalnikowitschi.[221] Fast alle diese Städte liegen in der militärverwalteten Zone! Interessant ist auch die internationale Zusammensetzung der Partisanen:

»Mutig kämpften in der brüderlichen Familie der belorussischen Partisanen Tschechen und Slowaken, Franzosen und Jugoslawen, Griechen und Niederländer, Spanier und Osterreicher, Deutsche und Angehörige anderer Nationen gegen den Faschismus.

Die Kommunistische Partei und die Sowjetregierung würdigten den heldenhaften Kampf dieser wahrhaften Internationalisten. Für ihren antifaschistischen Kampf in den Partisaneneinheiten Belorußlands und für vollbrachte Heldentaten wurden unter anderen 703 Polen, 184 Slowaken, 33 Tschechen, 36 Griechen, 25 Deutsche, 24 Spanier und 14 Franzosen mit Orden und Medaillen der UdSSR geehrt.«[222]

Wie kamen diese Nationalitäten überhaupt nach Weißrußland, und was veranlaßte sie, dort als Partisanen zu kämpfen? Wer kann das erklären? Bis auf die Spanier, auf die nachfolgend extra eingegangen wird, wurden Juden dieser Nationalitäten nach Auschwitz bzw. nach dem Osten transportiert. Bei Juden wäre es auch verständlich, warum sie sich einer Partisanenbewegung angeschlossen hätten. Was die Spanier betrifft, so gibt es eine einfache Erklärung. Nach dem Ende des Spanischen Bürgerkrieges flüchteten viele Spanier nach Frankreich. Sie wurden dort in Lagern interniert. Während des 2. Weltkrieges wurden sie und ihre Mitkämpfer aus anderen Ländern zum Teil nach Auschwitz gebracht. Zitat:

»Ab Sommer 1942 lieferte die Vichyregierung ausländische und französiche Juden an die deutschen Besatzungsbehörden aus. Diese Zwangsdeportationen aus den Lagern betrafen vor allem jüdische Menschen, aber es versteht sich, daß die profaschistischen Vichybehörden sie auch zur Auslieferung von Kommunisten nutzten. Ungefähr am 8. August wurde in Le Vernet ein erster solcher Transport zusammengestellt. Bis zum Abtransport wurde das Lager mit Maschinengewehren umstellt, es kamen keine Besucher und keine Post ins Lager hinein und keine Post aus dem Lager hinaus. Der Transport galt jüdischen Internierten verschiedener Nationalitäten, für den die französischen Behörden vorrangig Kommunisten auswählten: Unter den 80 Betroffenen waren 40 nichtjüdische Menschen. Mit diesem Transport wurden die deutschen Kommunisten Hermann Axen, Leo Cussel, Kurt Goldstein, Gustav Hartog, Erich Hoffmann, die österreichischen Kommunisten Wilhelm Kaminec, Letschmann, Ludwig Lokmanis (Pseudonym), Hermann Peczenig, Siom, die polnischen Kommunisten Buch, Ender, Maizlik, die sowjetischen Kommunisten Elijewitsch und Benjamin Rapoport, der tschechische Kommunist Theodor Guttmann und andere von den französischen Behörden nach Vierzon an die Demarkationslinie gebracht, dort den Nazis übergeben und von diesen über Drancy ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Allein von den hier namentlich Genannten fand etwa die Hälfte in diesem faschistischen Konzentrationslager den Tod.«[223]

Das Zitat wurde wegen eines Namens - Hermann Axen - so ausführlich wiedergegeben. Der Lebenslauf von Hermann Axen ist hochinteressant, da er so widersprüchlich ist. Carola Stern über Axen:

»Unter Hinweis auf den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt im August 1939 auf Wunsch der Moskauer Regierung haftentlassen und in die SU überstellt. 1942 Mitglied der KP. Schulungskurse in Moskau an der Frunse-Akademie, später Dozent an politischen Schulen. Nach 1945 Mitbegründer der FDJ.«[224]

In »SBZ-Biographie« heißt es:

»Nach östlicher Version anschl. bis 1937/38 Häftl. i. Zuchthaus Zwikkau. 1938 bis 1940 Emigrant i. Frankreich u. 1940-45 Häftl. i. KZ Vernet/Frankr. Nach westl. Quellen 1939 i. Zuge d. dtsch.-sowj. Nichtangriffspaktes i.d. SU haftentlassen. Dort Lehrer a. Parteischulen u.i. Antifalagern. 1945 KPD. 1946 Mitbegründer d. FDJ.«[225]

Danach wurde Axens Lebenslauf von östlicher Seite gravierend verändert. Der Transport Axens nach Auschwitz wurde verschwiegen. Warum wohl? Und wie gelangte Axen von Auschwitz an die Frunse-Akademie und in die Antifalager? Wurde er in Auschwitz befreit? Oder wurde er in den Ostteil von Weißruthenien transportiert und dort Mitte 1944 von den Sowjets gefunden?

Der Beginn der Partisanentätigkeit fällt eigentümlicherweise auch nicht mit dem Rückzug der sowjetischen Truppen zusammen. In einem Bericht aus Minsk vom 28. Juli 1943 heißt es:

»Im Generalkommissariat Weißruthenien war bis zum Monat Mai, in einigen Gebieten des Westens auch bis zu den Monaten Juni/Juli im altpolnischen Raum tiefster Friede. Erst allmählich fanden die auch dort von den Sowjets organisierten Aktivisten Zulauf aus den Lagern der Kriegsgefangenen, der Juden, des Landarbeiterproletariats und der Städte «[226]

Diese Entwicklung wird bestätigt durch die Gegenüberstellung zweier Schaubilder, die die Partisanentätigkeit illustrieren, siehe Seite 93 [nachfolgende Grafiken].

Lage der Partisanenanschläge im Bereich der GDV Osten
Mai 1942 und Juni 1943

Partisanenanschläge Mai 1942  Partisanenanschläge Juni 1943

Mai 1942

Juni 1943

  Maßstab

· = 1 Anschlag

Die Bilder zeigen, daß die Partisanentätigkeit im Osten Weißrutheniens begann und von dort auf die Nachbarregionen übergriff. Der Schwerpunkt bleibt aber immer noch im Osten Weißrutheniens.

2. Der Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte

Die Front hatte sich im Frühsommer 1944 in einer etwas eigentümlichen Weise stabilisiert. Weißruthenien war im Prinzip noch fest in deutscher Hand, die Ukraine war weitgehend verloren. Die deutsche Heeresleitung erwartete die weiteren Angriffe im Süden bei der Heeresgruppe Nordukraine.[228] Die Lage der Heeresgruppe Mitte zeigt die folgende Karte:[229]

Lage der Heeresgruppe Mitte 22.6.1944

1. Lage der H. Gr. Mitte am 22. Juni 1944

Lage der Heeresgruppe Mitte 3.7.1944

2. Lage der H. Gr. Mitte am 5. Juli 1944

Im Laufe des Juni 1944 erfuhr die Beurteilung der Feindabsichten eine grundlegende Änderung. Man erkannte, daß der Gegner starke Angriffe gegen Bobrnisk, Mogilew, Orscha u. a. richten würde.[230] Jedoch noch am 20. Juni 1944 rechnete Keitel nicht mit unmittelbaren Angriffen.[231]

Der Angriff begann am 22. Juni 1944, dem 3. Jahrestag von Barbarossa.[232] Die deutschen Truppen wurden durch stark überlegene sowjetische Truppen überrannt, die ein neues Angriffsverfahren anwandten.[233] Völlig überrascht wurde die deutsche Heeresleitung durch das weitgesteckte Ziel der Angriffe Minsk.[234] Am 27. Juni war die Stellung der Heeresgruppe Mitte unwiderruflich zerbrochen. Hitler befahl am 28. Juni 1944 kategorisch, die Linie Tscherwonnoje-See - St. Dorogi - Beresina zu halten.[235] Er wechselte deshalb sogar die militärische Führung aus. Feldmarschall Busch wurde durch Model ersetzt. Am 30. Juni war Model klar, daß er die Linie nicht halten oder wiedergewinnen könne.[236] Am 3. Juli 1944 war schließlich der gesamte Ostteil von Weißruthenien für Deutschland verloren.[237]

Doch der Angriff verfolgte sogar noch weitergehende Ziele. Am 28. Juni 1944 war der deutschen Heeresleitung klar geworden, daß die sowjetischen Armeen weit über Minsk hinausstoßen würden.[233] Am 9. Juni waren Baranowitschi und Wilna erobert und Molodetschno weit überrollt. Einen Monat nach dem Beginn der Operation war Weißruthenien in sowjetischer Hand. Die neue Front verlief in ziemlich gerader Linie von Brest-Litowsk nach Kowno.[239]

Die Verluste der deutschen Wehrmacht betrugen 350.000 Mann, das war doppelt soviel wie bei Stalingrad. 28 deutsche Divisionen wurden zerschlagen.[240] Bei der Heeresgruppe Mitte waren die folgenden Einheiten eingesetzt:[241]

3. Panzer-Armee

 

4. Armee

 

9. Armee

 

Pz. Grenadier-Division Feldherrnhalle

gesperrt

1. ungarische Kavallerie-Division

 

4. Panzer-Division

gesperrt

5. Panzer-Division

gesperrt

12. Panzer-Division

gesperrt

14. Panzer-Division

 

20. Panzer-Division

gesperrt

24. Division

gesperrt

28. Jäger-Division

gesperrt

95. Division

gesperrt

132. Division

gesperrt

170. Division

 

206. Division

gesperrt

212. Division

gesperrt

290. Division

gesperrt

707. Division

gesperrt

VI. Armeekorps

 

IX. Armeekorps

 

XII. Armeekorps

 

XXVII. Armeekorps

 

XXXV. Armeekorps

 

XXXIX. Armeekorps

 

XXXXI. Armeekorps

 

LIII. Armeekorps

gesperrt

Armeeoberkommando 9

 

4. Kavallerie-Brigade.

 

Auf diese Einheiten und die Bedeutung des Vermerks »gesperrt« wird im nächsten Kapitel eingegangen.

Bei dieser Operation dürfte es sich um die größte Vernichtungsschlacht der Weltgeschichte handeln. Doch wird von ihr, so mein Eindruck, kaum gesprochen. Auf Grund des Ablaufes dürfte jedenfalls nicht zu erwarten sein, daß irgendwelche Zivilpersonen aus Weißruthenien vor der Roten Armee fliehen konnten!

 

3. Der Stopp der Endlösung

Über den Stopp der Endlösung liegen nicht ganz eindeutige Informationen vor. Im Kern sind sich die Autoren jedoch einig. Spätestens im Juli 1944 wurde die Endlösung beendet und im September 1944 das Kommando Eichmann aufgelöst. Die Quellenlage ist für mich undurchsichtig, da die Angaben teils ohne Quellenangaben erfolgen. Im Detail:

26. Juni 1944: Horthy verfügt die Einstellung der Deportationen ungarischer Juden nach Auschwitz.[242]

18. Juli 1944: Jüdische Kreise in der Schweiz und in Schweden berichten, die Deportationen ungarischer Juden seien eingestellt.[243]

26. Juli 1944: Himmler befiehlt die Einstellung der Deportationen aus Ungarn.[244] Nach anderer Quelle am 25. August 1944.[245]

30. August 1944: Abberufung von Eichmann aus Ungarn durch Himmler.[246]

26.-30. September 1944: Klages kündigt den endgültigen Stoppbefehl Himmlers für Vergasungen an.[247]

28. September 1944: Befehl Himmlers zur Auflösung des Sonderkommandos Eichmann.[248]

Gilbert zeigt in seinem Atlas zur Endlösung in eindringlicher Weise die Transporte von Juden in die einzelnen Lager, vor allem nach Auschwitz.

Ein Beispiel vom Oktober 1943 siehe Seite 99 [249] [nachfolgende Grafik]

M. Gilbert, Atlas

Deportationen, Massaker und Aufstände, Oktober 1943

Die Bilder, die die fortwährenden Transporte nach Auschwitz zeigen, sind sehr eindringlich. Doch plötzlich, ab August 1944 kommt es zur Umkehr der Transporte.[250] Zunächst überschneiden sich die Richtungen. Es gehen noch Transporte in Richtung Auschwitz, aber es gehen schon welche davon weg, ins Reich, nach Ravensbrück, siehe Seite 100 [nächste Grafik].

M. Gilbert, Atlas

Deportationen, Todesmärsche und Aufstände, August 1944

Doch immer mehr dreht sich die Richtung. Plötzlich gehen die Transporte in ebenso eindringlicher Weise von Auschwitz weg, siehe Seite 101.[nächste Grafik][251]

M. Gilbert, Atlas

Evakuierungen und Todesmärsche, November 1944

27. Januar 1945: Die Rote Armee erreicht Auschwitz.[252]

Schaut man sich Beginn und Ende der Endlösung an, so macht man eine überraschende Entdeckung. Die Endlösung begann sehr zögernd, nachdem die deutschen Armeen das Gebiet Weißrußlands besetzt hatten. Sie endete abrupt, nachdem dieses Gebiet für Deutschland verloren war. Der Ablauf:

22. Juni 1944: Die Rote Armee beginnt den Angriff auf Weißruthenien.

26. Juni 1944: Horthy verfügt die Einstellung der Transporte ungarischer Juden nach Auschwitz.

3. Juli 1944: Der Ostteil von Weißruthenien ist verloren.

18. Juli 1944: Bis in die Schweiz und nach Schweden ist die Nachricht gelangt, daß die Deportationen ungarischer Juden eingestellt wurden.

22. Juli 1944: Ganz Weißruthenien ist für Deutschland verloren.

26. Juli 1944: Himmler befiehlt die Einstellung der Deportationen aus Ungarn.

30. August 1944: Abberufung Eichmanns aus Budapest.

1. September 1944: Die Rote Armee steht vor Warschau, die Front ist in Südpolen ca. 150 km nach Westen verschoben. [253]

28. September 1944: Befehl Himmlers zur Auflösung des Sonderkommandos Eichmann.

Die Maßnahmen zur Beendigung der Endlösung gehen folglich einher mit dem Verlust dieser Gebiete. Im September gab es wohl auf deutscher Seite wenig Hoffnung, diese Gebiete wieder erobern zu können!

Notiz: Obwohl Auschwitz noch ein halbes Jahr in deutscher Hand war, hat man die Vernichtung sonderbarerweise nicht fortgesetzt. Proteste der Alliierten? Kein namhafter Staatsmann der Alliierten hat öffentlich gegen die Massenmorde protestiert, zumindest nicht vor der Niederlage Deutschlands!

4. Der eiserne Vorhang

Am 25. Februar 1945 benutzte Goebbels in einem Leitartikel für Das Reich den Begriff des eisernen Vorhangs, um die Situation an der deutsch-sowjetischen Front zu beschreiben.[254]

Am 12. Mai 1945 verwendete Churchill dieses Wort in einem Telegramm an Truman.[255] Der Text: »Ich bin tief besorgt über die europäische Situation... Ein eiserner Vorhang wird an ihrer Front herabgelassen. Wir wissen nicht, was dahinter vorgeht.«[256]

Es ist verständlich, daß ein Land, welches im Kriege steht, sich nach außen abschottet, damit der Feind wenig Informationen erhält. Sonderbar ist aber, daß diese totale Informationssperre scheinbar erst begann, nachdem die Sowjetunion auf dem Vormarsch, ihr Land weitgehend befreit und der Sieg greifbar nahe war. Noch ungewöhnlicher ist, daß diese Informationssperre nach dem Sieg beibehalten und sogar auf die Verbündeten ausgedehnt wurde. Was hatte Stalin zu verbergen?


Anmerkungen zu: Fakten I

  1. Vgl. Steffen Werner, Zu einer neuen Theorie des Totalitarismus. Pfullingen 1984, S. 39f.
  2. Henry Picker, Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier. Stuttgart 1977, S. 106f. Zitiert als Picker.
  3. Hierfür gibt es viele Belege, vgl. z. B. ebda, S. 81 ff., S. 113ff.
  4. ebda, S. 78f.
  5. Adolf Hitler, Monologe im Führerhauptquartier 1941-1944. Die Aufzeichnungen Heinrich Heims herausgegeben von Werner Jochmann. Hamburg 1980, S. 55. Zitiert als Heims. Picker bringt dasselbe Gespräch, datiert es aber auf den Zeitraum September. Da das Gespräch von Heims aufgezeichnet wurde, folge ich seiner Datierung.
  6. ebda, S. 90.
  7. ebda.
  8. ebda, S. 106.
  9. ebda, S. 143.
  10. ebda, S.195.
  11. ebda, S. 228f.
  12. ebda, S. 249.
  13. Picker, aaO., S. 187.
  14. ebda, S. 305 f.
  15. ebda, S. 340.
  16. ebda, S. 456.
  17. Peter-Heinz Seraphim, Bevölkerungspolitische Probleme einer europäischen Gesamtlösung der Judenfrage. München 1943, S. 5.
  18. Vgl. Deutsche Zeitung im Ostland vom 11.5.1943, »Der Zionismus - eine Weltgefahr«.
  19. Peter-Heinz Seraphim, aaO., S. 13.
  20. ebda, S. 13f.
  21. ebda, S. 20.
  22. ebda, S. 21.
  23. ebda, S. 21 f.
  24. ebda, S. 22f.
  25. ebda, S. 24.
  26. ebda, S.24f.
  27. ebda, S. 26.
  28. Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof Nürnberg. Nürnberg 1947. Im weiteren wird diese Ausgabe mit IMT bezeichnet. Vgl. Bd. XXVI, 1017-PS, S. 547ff.
  29. ebda, S. 549f.
  30. IMT, Bd. XXVI, 1024-PS, S. 561.
  31. IMT, Bd. XXVI, 1029-PS, S. 573ff.
  32. ebda, S. 574.
  33. ebda, S. 574ff.
  34. IMT, Bd. XXVI, 1058-PS, S. 618.
  35. ebda, S. 623.
  36. IMT, Bd. XXVI, 710-PS, S. 267.
  37. Der Reichsminister für die besetzten Ostgebiete Hauptabteilung I, Raumplanung, Der Generalbezirk Weißruthenien. Entwurf. Abgeschlossen am 20. Dezember 1941. Vgl. Vorwort.
  38. ebda, S. 5.
  39. IMT, Bd. XXVII, 1138-PS, S. 19.
  40. ebda, S. 19.
  41. ebda, S. 24f.
  42. Raul Hilberg, Die Vernichtung der europäischen Juden. Die Gesamtgeschichte des Holocaust. Berlin 1982, S. 255.
  43. Faschismus-Getto-Massenmord. Dokumentation über Ausrottung und Widerstand der Juden in Polen während des zweiten Weltkrieges. Herausgegeben vom Jüdischen Historischen Institut in Warschau. Ausgewählt, bearbeitet und eingeleitet von Tatiana Berenstein, Artur Eisenbach, Bernhard Mark und Adam Rutkowski. Frankfurt am Main o.J., S. 250ff.
  44. Hermann Langbein, ...wir haben es getan. Selbstporträts in Tagebüchern und Briefen 1939-1945. Wien 1964, S. 42ff.
  45. ebda, S. 46.
  46. Leon Poliakov, Joseph Wulf, Das Dritte Reich und seine Diener. Frankfurt am Main-Berlin-Wien 1983, S. 120.
  47. Faschismus-Getto-Massenmord, aaO., S. 252.
  48. IMT, Bd. XXIX, 2233-PS, S. 494.
  49. Heims aaO., S. 106.
  50. Max Domarus, Hitler. Reden und Proklamationen 1932-1945, Bd. II. Würzburg 1963, S. 1782.
  51. IMT, Bd. XXIX, 2233-PS, S. 502f.
  52. Der Reichsminister..., aaO., Vorwort.
  53. Werner Essen, »Das Reichskommissariat Ostland«, in Ostland, Nr. 8, S. 3ff.
  54. Deutsche Zeitung im Ostland (Riga) vom 14. März 1942.
  55. IMT, Bd. XXV, 212-PS, S. 302ff.
  56. ebda, S. 302.
  57. ebda, S. 304.
  58. ebda, S. 305.
  59. ebda, S. 305 f.
  60. Holocaust. Materialien zu einer amerikanischen Fernsehserie über die Judenverfolgung im ›Dritten Reich‹. Erarbeitet und zusammengestellt von Wilhelm van Kampen. Sonderausgabe der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. 1978, S. 35f.
  61. ebda, S. 36.
  62. ebda, S. 37.
  63. ebda, S. 39.
  64. Heims, aaO., S. 241.
  65. Leon Poliakov, Joseph Wulf, aaO., S. 142.
  66. ebda.
  67. Goebbels Tagebücher. Aus den Jahren 1942-1943 mit anderen Dokumenten. Herausgegeben von Louis P. Lochner. Zürich 1948, S. 114.
  68. Leon Poliakov, Joseph Wulf, aaO., S. 121.
  69. Goebbels Tagebücher, aaO., S. 142f.
  70. ebda, S. 167.
  71. ebda, S. 167f.
  72. IMT, Bd. XXXIV, 344-EC, S. 331 f.
  73. ebda, S. 348.
  74. ebda, S. 350f.
  75. Hermann Rauschning, Gespräche mit Hitler. Wien 1973. Ich bin mir der Problematik des Rückgriffes auf Rauschning bewußt. Rauschning hat jedoch unzweifelhaft Gespräche mit Hitler geführt. Ich halte es für sicher, daß es einen echten Gesprächskern gibt. Zu diesem Kern zähle ich die zitierte Passage. Sie erscheint mir, vor allem im größeren Umfeld, als so typisch für Hitler, daß ich auf sie verweise.
  76. ebda, S. 129.
  77. Eugen von Engelhardt, Weißruthenien. Volk und Land. Amsterdam-Prag-Wien 1943, S. 220ff.
  78. IMT, Bd. XXVI, 1017-PS, S. 549f.
  79. Der Reichsminister..., aaO., S.5.
  80. ebda, Vorwort.
  81. Deutsche Zeitung im Ostland (Riga) vom 14. Februar 1942.
  82. Werner Essen, »Das Reichskommissariat Ostland. Raum, Lage und Verwaltungseinteilung an Hand einer Verwaltungskarte«, in Ostland, Nr. 8 1944, S. 3ff.
  83. ebda, S. 7.
  84. Vgl. z.B. für die sowjetische administrative Einteilung Eugen von Engelhardt, aaO., S. 278ff.
  85. Militärgeographische Angaben über das europäische Rußland. Weißrußland. Textheft. Hrsg. vom Generalstab des Heeres, Abteilung für Kriegskarten und Vermessungswesen (VI. Mil. Geo.). Berlin 1941, S. 47 und Skizze 11.
  86. ebda, S. 49 ff.
  87. Reichsamt für Wetterdienst (Luftwaffe), Klima des Ostlandes. Zugleich Nachtrag zu: Reichskommissar für das Ostland, Strukturbericht über das Ostland, Teil 1 »Ostland in Zahlen. Teil I. Text. Berlin-Riga 1944, S. 40.
  88. Karl Behrend, »Weißrutheniens Weg«, in Ostland, Nr. 5 1942, S. 11.
  89. ebda, S. 12.
  90. H. Kurtz, »Weißrutheniens Weg zur Freiheit«? in Die Aktion, 5. Jg. Januar 1944, S.71.
  91. ebda, S. 72.
  92. »Neuformung für Weißruthenien«, in Deutsche Zeitung im Ostland (Riga) vom 21. Februar 1942.
  93. »Weissruthenien erfüllt seine Pflicht«, in Deutsche Zeitung im Ostland (Riga) vom 21. Oktober 1942.
  94. ebda.
  95. »Neuformung.. .«, aaO.
  96. »Weissruthenien erfüllt ... «, aaO.
  97. »Eigener kraftvoller Bauernstand«, in Deutsche Zeitung im Ostland (Riga) vom 30. Dezember 1942.
  98. Official standard Names approved by the United States board on geographic names. U.S.S.R. Volume I A-B, S. 615.
  99. ebda, S. 613.
  100. »Einzelhöfe an neun Weissruthenen«, in Deutsche Zeitung im Ostland (Riga) vom 14. Januar 1942.
  101. »Einzelhöfe...«, aaO.
  102. Die Ostkartei. Grundriß des Neuaufbaus im Osten. Herausgegeben von Dr. Hans Hohenstein. Berlin 1943. Sie erscheint in Einzelheften. Im weiteren zitiert als Ostkartei.
  103. Ostkartei, Heft 4., Nr. 1, S. 1.
  104. ebda, Heft 4., Nr. 3, S. 1. Nur dieser erwähnte Teil ist nicht mehr erschienen.
  105. ebda, Heft 4., Nr. 18, S. lff.
  106. »Die Völker des Ostlandes erhalten die Selbstverwaltung«, in Deutsche Zeitung im Ostland (Riga) vom 19. März 1942.
  107. Hermann Schultz Deutsche Dienstpost 1939-1945. Düsseldorf 1953, S. 9.
  108. ebda z. B., S. 221, und ebda, S. 306f.
  109. ebda, S. 330ff.
  110. »6000 Poststellen«, in Deutsche Zeitung im Ostland (Riga) vom 13. Juni 1942.
  111. ebda.
  112. Hermann Schultz, aaO., S.294.
  113. Für die Daten vgl. Ostkartei Heft 4, Nr. 19; Heft 5, Nr. 19; Heit 4,Nr. 1.
  114. Ostkartei Heft 4, Nr. 19, S. 7.
  115. Ostkartei Heft 5, Nr. 19, S. 4.
  116. ebda, S. 6.
  117. Hans Pottgiesser, Die Deutsche Reichsbahn im Ostfeldzug 1939 - 1944. Neckargemünd 1960, S. 56.
  118. »Reisegenehmigungen im Ostland«, in Deutsche Zeitung im Ostland (Riga) vom 14. März 1943.
  119. Runte, »Landeseigene Ostland-Verwaltungen«, in Deutsche Zeitung im Ostland (Riga) vom 19. März 1942.
  120. »Wehrdörfer im Osten«, in Die Aktion. Jg. 5, April-Mai 1943, S.174f.
  121. ebda, S. 174.
  122. ebda, S. 175 f.
  123. Official..., aaO., Volume III, K., S. 295.
  124. Deutsche Heereskarte 1:300000, Blatt U54 Ausgabe VIII.43.
  125. »Wehrdörfer...«, aaO., S. 175.
  126. Peter-Heinz Seraphim..., aaO., S. 24.
  127. ebda, S.23.
  128. Werner Essen..., aaO., S. 7.
  129. ebda, vgl. Karte.
  130. Militärgeographische Angaben..., aaO., S. 22 oder auch Generalbezirk Weißruthenien, aaO., S. 9.
  131. ebda.
  132. Peter-Heinz Seraphim..., aaO., S. 22.
  133. ebda, S. 19f.
  134. Holocaust..., aaO., S. 37.
  135. W.Pischel,»Die Generaldirektion der Ostbahn in Krakau 1939 bis 1945«, in Archiv für Eisenbahnwesen. 74. Jg. 1964, S. 30.
  136. Hans Pottgiesser, aaO., S.26 und S.36.
  137. ebda, S. 138. Ab 1. Dezember 1942 wurden die HBD in RVD (Reichsverkehrsdirektionen) umgewandelt. Ihre Kompetenzen wurden dadurch wohl nicht eingeschränkt.
  138. »Die Generaldirektion...«, aaO., S.49.
  139. Hans Pottgiesser, aaO., S. 48.
  140. ebda, S.69.
  141. »Die Generaldirektion...«, aaO., S. 30. Man beachte die Lage von Auschwitz bezüglich Krakau-Tarnow und Tschenstochau.
  142. Vgl. z. B. Eugen Kreidler, Die Eisenbahnen im Machtbereich der Achsenmächte während des Zweiten Weltkrieges. Göttingen 1975. Karte 11.
  143. Vgl. zur Lage Martin Gilbert, Endlösung. Die Vertreibung und Vernichtung der Juden. Ein Atlas. Reinbek bei Hamburg 1982, S. 133. Im weiteren als Gilbert, Atlas zitiert.
  144. Ino Arndt/Wolfgang Scheffler, »Organisierter Massenmord an Juden in nationalsozialistischen Vernichtungslagern«, in Aus Politik und Zeitgeschichte, B 19/76., 8. Mai 1976, S. 14.
  145. Gilbert, Atlas, S. 136.
  146. Faschismus-Getto-Massenmord..., aaO., S. 269f.
  147. Rudolf Höß, Kommandant in Auschwitz. Autobiographische Aufzeichnungen. Herausgegeben von Martin Broszat. München 1978, S. 110.
  148. Martin Gilbert, Auschwitz und die Alliierten. München 1982, S. 274.
  149. Auschwitz. Zeugnisse und Berichte. Herausgegeben von H.G. Adler, Hermann Langbein, Ella Lingen-Reiner. Köln-Frankfurt am Main. Zweite überarbeitete Auflage 1979, S. 121.
  150. Alle Angaben sind entnommen: Heiner Lichtenstein, Mit der Reichsbahn in den Tod. Massentransporte in den Holocaust 1941 bis 1945. Köln 1985, S.70 - 74.
  151. Juden und ihre Heimat Buttenhausen. Herausgegeben von der Stadt Münsingen. Bearbeitet von Günter Randecker. Münsingen 1987, S. 107ff.
  152. Vgl. Deutsche Heereskarte 1:300000, Blatt U54 Ausgabe VIII.43.
  153. IMT, Bd. XXXII, 3428-PS, S. 282.
  154. Wladyslaw Bartoszewski, Das Warschauer Ghetto - wie es wirklich war. Zeugenberichte eines Christen. Frankfurt am Main 1986, S.32f.
  155. Heiner Lichtenstein, aaO., S.67.
  156. IMT, Bd. XXVII, 1472-PS, S. 251 ff.
  157. Raul Hilberg, aaO., S.345.
  158. Hans Pottgiesser, aaO., S.35.
  159. ebda, S. 35f.
  160. Wladyslaw Bartoszewski, aaO., S. 33f.
  161. ebda, S. 41.
  162. ebda, S.45.
  163. Jochen von Lang, Das Eichmann-Protokoll. Tonbandaufzeichnungen der israelischen Verhöre. Berlin 1982. Anhang.
  164. ebda, S. 120.
  165. Lucy S. Dawidowicz, Der Krieg gegen die Juden 1933-1945. München 1979, S. 321.
  166. Gilbert, Atlas.
  167. ebda, Karte 224.
  168. ebda, Karte 99.
  169. Der Reichsminister..., aaO., S. 9.
  170. Anton Kloß, »Grossrazzia in Minsk«, in Deutsche Zeitung im Ostland (Riga) vom 26. Mai 1943.
  171. Jochen von Lang, aaO., Anhang.
  172. E. Frötschner, »Aufbau im Ostland«, in Deutsche Zeitung im Ostland (Riga) vom 2. September 1941.
  173. Carl W. Gilfert, »Ein Ordensjunker als Stadtkommissar«, in Deutsche Zeitung im Ostland (Riga) vom 12. Dezember 1941.
  174. IMT, Bd. XXXVI, 018-L, S.393.
  175. Raul Hilberg, aaO., S. 275.
  176. Nationalsozialistische Vernichtungslager im Spiegel deutscher Strafprozesse. Belzec, Sobibor, Treblinka, Chelmno. Herausgegeben von Adalbert Rückerl. München 1978, S.141.
  177. Faschismus-Getto-Massenmord, aaO., S. 270.
  178. ebda, S.271.
  179. Wir haben es gesehen. Augenzeugenberichte über die Judenverfolgung im Dritten Reich. Redigiert und herausgegeben von Gerhard Schoenberner. Dreiech 1981, S.134.
  180. IMT, Bd. XXXIV, 4024-PS, S. 64.
  181. ebda, S. 66.
  182. ebda, S. 64.
  183. ebda, S. 72.
  184. Leon Poliakov, Joseph Wulf, aaO., S. 132.
  185. H.G. Adler, Die verheimlichte Wahrheit. Theresienstädter Dokumente. Tübingen 1958, S. 9.
  186. Raul Hilberg, aaO., S. 252.
  187. IMT, Bd. XXXVIII, 135-R, S. 371.
  188. ebda, S. 373.
  189. IMT, Bd. XXXII, 3943-PS, S. 569f.
  190. Leon Poliakov, Josef Wulf, Das Dritte Reich und die Juden. Dokumente und Aufsätze. Berlin-Grunewald 1955, S. 330. Im weiteren als Poliakov/Wulf, Juden zitiert.
  191. IMT, Bd. XLII, PL-45, S.329.
  192. ebda, S. 320.
  193. Heinrich Himmler, Geheimreden 1933 bis 1945 und andere Ansprachen. Herausgeben von Bradley F. Smith und Agnes F. Peterson. Frankfurt am Main-Berlin-Wien 1974, S. 200.
  194. Max Domarus, aaO., S. 2005.
  195. Jochen von Lang, aaO., Anhang.
  196. ebda.
  197. Poliakov/Wulf, Juden, aaO., S. 241.
  198. Deutsche Zeitung im Ostland (Riga) vom 11. Mai 1943.
  199. Jochen von Lang, aaO., Anhang.
  200. Heinrich Himmler..., aaO., S. 201.
  201. Hans Pottgiesser, aaO., S. 86.
  202. ebda, S. 91.
  203. In den Wäldern Belorußlands. Erinnerungen sowjetischer Partisanen und deutscher Antifaschisten. Verantwortlich für die deutsche Ausgabe: Heinz Kühnrich, Karlheinz Pech (Leiter), Dora Schaul. Berlin-Ost 1976.
  204. ebda, S. 9.
  205. ebda.
  206. Sibylle Hinze, Antifaschisten im Camp Le Vernet. Berlin-Ost 1988, S. 257f.
  207. Carola Stern, Die SED. Ein Handbuch über Aufbau, Organisation und Funktion des Parteiapparats. Köln 1954, S. 13.
  208. SBZ-Biographie. Ein biographisches Nachschlagewerk über die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands, zusammengestellt vom Untersuchungsausschuß Freiheitlicher Juristen, hrsgg. vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen. Bonn-Berlin 1964, 3. Auflage, S. 20.
  209. IMT Bd. XXXI, 3000-PS, S. 463.
  210. Alfred Philippi, Ferdinand Heim, Der Feldzug gegen Sowjetrußland 1941 bis 1945. Stuttgart 1962. Skizze 23.
  211. Hermann Gackenholz, »Zum Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte im Sommer 1944«, in Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, 3. Jg. 1955, S. 321.
  212. ebda, S. 323.
  213. ebda, S. 320.
  214. ebda, S. 321.
  215. ebda, S. 323.
  216. ebda, S.332.
  217. ebda, S. 220.
  218. Alfred Philippi, Ferdinand Heim, aaO., S. 248.
  219. ebda, S. 249.
  220. Hermann Gackenholz, aaO., S. 331.
  221. ebda, S. 328.
  222. Alfred Philippi, Ferdinand Heim, aaO., Skizze 26.
  223. Hermann Gackenholz, aaO., S. 317.
  224. ebda, S. 323ff.
  225. Jochen von Lang, aaO., S. 197.
  226. Martin Gilbert, Auschwitz..., aaO., S. 337.
  227. Andres Biss, Der Stopp der Endlösung. Kampf gegen Himmler und Eichmann in Budapest. Stuttgart 1966, S. 350.
  228. Jochen von Lang, aaO., S. 197.
  229. Andreas Biss, aaO., S. 351.
  230. ebda.
  231. Jochen von Lang, aaO., S. 197.
  232. Gilbert, Atlas, aaO., Karte 222.
  233. ebda, Karte 271.
  234. ebda, Karte 276.
  235. ebda, S. 217.
  236. Alfred Philippi, Ferdinand Heim, aaO., Skizze 26.
  237. Dr. Goebbels, »Das Jahr 2000«, in Das Reich vom 25. Februar 1945, Nr. 8.
  238. Georg von Rauch, aaO., S. 449.
  239. ebda, S. 592.

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