II. AUSCHWITZ IM SPIEGEL DER ZEUGENDARSTELLUNGEN

1. Schrifttum der ersten Nachkriegsjahre

Wenn im ersten Kapitel festgestellt wurde, daß der Begriff Auschwitz noch bis in die 50er Jahre hinein in der deutschen Öffentlichkeit so gut wie unbekannt gewesen sei (vgl. oben Seite 6), so bedeutet das nicht. daß nicht auch für Auschwitz schon damals -- wie für alle übrigen KL die Existenz von Gaskammern zur Massenvernichtung jüdischer Menschen behauptet worden wäre [20]. Nur stand Auschwitz damals noch nicht wie heute im Mittelpunkt der Vergasungslegenden. Auch vermied man es in jenen Jahren weitgehend, sich hinsichtlich der KL der AuschwitzRegion auf Einzelheiten festzulegen. Das war selbst in den Nürnberger "Kriegsverbrecherprozessen" nicht anders. In fast allen anderen ehemaligen deutschen KL zeigte man dagegen den schaudernden Besuchern mindestens einen Raum, der während der Zeit des Dritten Reiches angeblich als Gaskammer gedient hatte [21]. Hiergegen hatte sich allerdings schon 1959 in einer Zuschrift an eine amerikanische Zeitung der amerikanische Rechtsanwalt Stefan F. Pinter gewandt, indem er feststellte [22]:

"Ich war nach dem Krieg 17 Monate in Dachau als US War Department Attorney und stelle fest, daß es in Dachau keine Gaskammern gegeben hat. Was den Besuchern und Besichtigern gezeigt und als Gaskammer beschrieben wurde, war ein Krematorium. Auch in keinem anderen Konzentrationslager in Deutschland gab es Gaskammern. Es wurde uns erzählt, daß es in Auschwitz eine Gaskammer gäbe, doch da dies in der russischen Besatzungszone lag, konnten wir dort keine Untersuchungen durchführen, weil die Russen das nicht erlaubt hätten..."

Die im Reichsgebiet vorgewiesenen "Gaskammerna waren also Schwindel, was heute auch unter Historikern unbestritten sein dürfte; über die im sowjetischen Machtbereich liegenden KL der AuschwitzRegion aber wußte man nichts Genaues und konnte die darüber umlaufenden Gerüchte nicht nachprüfen. Daß selbst der sicherlich gut informierte amerikanische Besatzungsbeamte Pinter gerüchtweise nur "eine Gaskammer" in Auschwitz erwähnt, zeigt deutlich, daß Auschwitz damals noch keineswegs die Rolle in der antideutschen Propaganda spielte, die es heute als angebliches Zentrum der behaupteten Judenvernichtung hat.

So gibt es also aus den ersten Nachkriegsjahren verhältnismäßig wenige literarische Zeugnisse über Vergasungen in Auschwitz. Eines der ersten stammt von dem Österreichischen Sozialistenführer und Volljuden Benedikt Kautsky, der seinen eigenen Angaben zufolge 7 Jahre in deutschen KL inhaftiert war, und zwar seit November 1942 im Stammlager Auschwitz und in Monowitz, das er "Auschwitz-Buna" nennt. Er blieb dort bis zur Evakuierung dieses Lagers im Januar 1945, ohne selbst jemals in die Gefahr gekommen zu sein, "vergast" zu werden. Das hinderte ihn indessen nicht, in seinem im Jahre 1946 in Zürich erschienenen Erinnerungsbuch "Teufel und Verdammte" eine Schilderung von "Vergasungen" in Birkenau zu geben, obwohl er niemals in Birkenau war. Doch will er "mit Dutzenden von Häftlingen" gesprochen haben, die "die Vergasungen und Verbrennungen selbst mit angesehen, und die dort in der einen oder anderen Funktion tätig gewesen sind" (aaO. Seite 273). Die Namen dieser Häftlinge hat er bezeichnenderweise nicht mitgeteilt. Auch bleibt er eine überzeugende Erklärung dafür schuldig, warum ausgerechnet er als Volljude nicht "vergast" wurde [23].

Nach Kautskys Darstellung wurden die Opfer, nachdem sie sich in einem besonderen Raum hatten ausziehen müssen, in "einen anderen Raum zusammengepfercht, der gekachelt und mit Duschen an der Decke versehen war". Aus diesen Duschen sei dann aber kein Wasser, sondern Gas entströmt, und zwar "zumeist wohl Kohlenoxyd, so daß die Menschen in wenigen Minuten erstickten." Die Unglückseligen hätten während dieser Zeit geschrieen und gestöhnt, sich ineinander verkrampft und seien "mit blauen Lippen, mit Blutaustritten aus Mund, Nase, Ohren und Augen aufgefunden" worden. Die Gaskammer soll nach Kautsky bis zu 2.000 Menschen gefaßt haben. Das Maximum der "Tagesleistungen" habe bei 6.000 bis 8.000 Toten gelegen (aaO. Seiten 273-275).

Ich habe nur diese für den angeblichen Vergasungsvorgang wesentlichen Punkte aus seiner Darstellung herausgegriffen, die -- wie wir noch sehen werden -- von anderen Darstellungen und besonders von dem heute im allgemeinen als besonders zuverlässig angesehenen Höß-Bencht völlig abweichen und außerdem offensichtlich Unmögliches enthalten. Gas, das aus einer Dusche an der Decke eines Raumes strömt, müßte schwerer als Luft sein, um die Opfer zu erreichen. Kohlenoxyd genauer gesagt: Kohlenmonoxydgas = CO -- ist jedoch leichter als Luft [24]. Es führt auch nicht schon nach wenigen Minuten zum Tode und Blutaustritte sind bisher noch bei keiner Kohlenmonoxydvergiftung beobachtet worden. Damit erweist sich der Bericht von Kautsky als reines Phantasieprodukt.

Ein weiteres sehr frühes "Zeugnis" über die Gaskammern von Birkenau enthält das schon erwähnte Buch von Eugen Kogon "Der SS-Staat" [25]. Kogon spricht darin von "fünf modernen Krematorien" in Birkenau und "vier in die Erde gebauten Gasbunkern mit einem Fassungsraum von durchschnittlich 1200 bis 1500 Menschen". Auch nach seiner Darstellung sahen die Gaskammern im Inneren "wie ein Bad" aus. Aus "Duschen" und "Ventilatorenpfeilern" strömte jedoch nicht -- wie bei Kautsky -- Kohlenmonoxyd, sondern "Blausäuregas", das den Opfern "langsam die Lungen zerriß" (aaO. Seiten 166-167).

Auch dieses Buch erschien bereits 1946 in erster Auflage. Kogons Darstellung, für die er sich auf einen jungen Juden namens Janda Weiß beruft, ist ebenso unmöglich wie die von Kautsky. Auch Blausäuregas ist leichter als Luft und kann daher nicht aus Duschen auf die Opfer herabströmen; es würde sie selbst unter Druck nie erreichen! Daß das Gas "die Lungen zerriß", klingt zwar sehr dramatisch, ist aber völliger Unsinn [26]. Und wie man sich die erwähnten Ventilatorenpfeiler vorzustellen hat, bleibt Kogons Geheimnis. Kogons Gewährsmann Janda Weiß ist selbstverständlich niemals persönlich in Erscheinung getreten. Kogon aber war selbst nie in Auschwitz, sondern -- wie Rassinier -- Buchenwaldhäftling. Sein Buch ist als Geschichtsquelle vollkommen wertlos. wenn auch die antideutsche Propaganda ihm diesen Rang immer wieder beizumessen versucht.

Als weitere einschlägige Publikation aus der zweiten Hälfte der 40er Jahre ist ein als wissenschaftliche Dokumentation aufgemachtes Buch von Eugene Aroneanu zu nennen, das den Titel "Konzentrationslager Tatsachenbericht über die an der Menschheit begangenen Verbrechen" trägt. Das genaue Erscheinungsjahr ist nicht feststellbar, doch wurde es laut Untertitel im Nürnberger IMT-Prozeß als "Dokument F 321" vorgelegt. Das "Dokument" erweist sich indessen als kaum verwertbar, und von "Wissenschaftlichkeit" kann bei dieser Zusammenstellung von Bruchstücken aus Berichten und Fotos, denen durchweg keinerlei Erläuterung beigegeben wurde, schon gar nicht die Rede sein. Die Verfasser der einzelnen Berichte sind meist nur namentlich bezeichnet, während ihr Aufenthaltsort nicht genannt wird und nähere Angaben zur Person so gut wie immer fehlen. Sie sind also nicht identifizierbar; ihre Namen erscheinen in den Nürnberger Protokollbänden nicht, so daß offenbar keiner von ihnen als Zeuge persönlich gehört wurde. Überdies kann den Berichtsbruchstücken regelmäßig nicht entnommen werden, auf welches KL sie sich beziehen.

Unter diesen Umständen können die einzelnen Berichte über Judenvergasungen hier übergangen werden, soweit sie nicht eindeutig erkennen lassen, daß von Auschwitz die Rede ist. Das ist nur an einigen Stellen der "Dokumentation" der Fall [27].

So wird aus einer nicht näher zu identifizierenden "Quelle" von "Probevergasungen" an russischen Kriegsgefangenen berichtet, die im Keller von Block XI des Stammlagers durchgeführt worden sein sollen. Hierüber gibt es auch in der Literatur der späteren Jahre mehrere Berichte, die allerdings in Einzelheiten voneinander abweichen [28]. Wenn es sich nicht auch hierbei um ein bloßes Gerücht handelte, betraf dieser Vorgang möglicherweise die Exekution sowjetischer Kommissare auf Grund des sog. Kommissarbefehls. Es steht nämlich fest, daß solche Exekutionen vielfach in den KL vorgenommen wurden [29]. Ob dabei wirklich Gas verwendet wurde, kann dahingestellt bleiben, da es sich jedenfalls um einen einmaligen Vorgang handelte, der mit dem Gegenstand unserer Untersuchung nichts zu tun hat.

Über die eigentlichen Gaskammern in Birkenau bringt Aroneanu einen Auszug aus dem bereits im vorigen Kapitel erwähnten WRB-Report. Erstaunlich ist, daß er nicht den ausführlichen Bericht aus dem ersten Teil von Vrba/Wetzler zitiert, der zweifellos zur Grundlage aller späteren Darstellungen wurde. Statt dessen gibt er die dem bis heute unbekannt gebliebenen polnischen Major zugeschriebene Darstellung über die Gaskammern wieder, die im zweiten Teil des WRB-Reports enthalten ist. Das läßt vermuten, daß die "Dokumentation" von Aroneanu schon unmittelbar nach Kriegsende erschienen ist, als man sich noch nicht darüber im klaren war, welcher der beiden voneinander abweichenden Versionen der Vorzug zu geben sei. Auf den Inhalt dieser beiden Darstellungen aus dem WRB-Report komme ich an anderer Stelle noch zurück.

Aroneanus Berichtssammlung scheint übrigens auch die ursprüngliche Quelle für die später vielfach abgewandelte Geschichte einer Frau gewesen zu sein, die in Birkenau vor der Gaskammer einem SS-Führer die Pistole entrissen und ihn erschossen haben soll. Hier war es eine aus Belgien kommende "Israelitin von wunderbarer Schönheit", deren Kind jener SS-Führer zuvor an einer "Zementmauer zerschmetterta hatte Kogon dagegen erzählt diese Geschichte von einer italienischen Tänzerin, die auf Befehl der SS vor ihrer Vergasung "nackt vor dem Krematorium tanzen" mußte (aaO. Seite 167). Kogon weiß sogar den Namen des erschossenen SS-Führers, der so wenig acht auf seine Pistole hatte: es war der "Rapportführer Schillinger". Auch Karl Barthel wiederholt diese Legende in seinem Buch "Die Welt ohne Erbarmen". Ihm zufolge handelte es sich allerdings um eine "französische Schauspielerin", für deren "Mut" Barthel lobende Worte findet (aaO. Seite 129). Barthel war zwar selbst nur in Buchenwald, fand es aber wohl nötig, seinen eigenen Erlebnisbericht durch diese und andere ihm nur zugetragene Geschichten etwas interessanter zu gestalten. Bei anderen Autoren variiert die Legende dieser "Märtyrerin" noch weiter. Sie ist ein besonders instruktives Beispiel für die Phantasie ehemaliger KL-Häftlinge.

Und noch eine Geschichte aus diesem mit wissenschaftlichem Anspruch auftretenden Machwerk von Aroneanu möchte ich dem Leser nicht vorenthalten, weil darin einmal etwas eingehender der Vorgang der "Judenvernichtung" in Auschwitz geschildert wird. Als ihre Quelle wird ein "Bericht russischer Dienststellen" angegeben, was bemerkenswert genau ist. Es heißt darin (aaO. Seite 102):

"800 bis 900 Meter von der Stelle, an der sich die Öfen befinden, steigen die Häftlinge in kleine auf Schienen laufende Wagen. Sie haben in Auschwitz verschiedene Dimensionen mit einem Fassungsverrnögen von 10 bis 15 Menschen. Sobald er beladen ist, wird der Wagen auf einer schiefen Ebene in Bewegung gesetzt und fährt in voller Geschwindigkeit in einen Gang hinab. Am Ende des Ganges befindet sich eine Wand: Dahinter ist der Zugang zum Ofen. Sobald der Wagen an die Wand stößt, Öffnet sie sich automatisch, der Wagen neigt sich um und wirft seine Ladung lebender Menschen in den Ofen. Danach folgt ein anderer mit einer anderen Gruppe und so weiter."

Das war also eine recht praktische Einrichtung zur Massenvernichtung, nur bleibt die liebste Erfindung jüdisch-bolschewistischer Greuelpropaganda -- die "Gaskammern" -- dabei auf der Strecke. Vor allem deshalb verschwand diese unmögliche Schauergeschichte dann wohl auch in der Versenkung. Kautsky meint übrigens, daß die verschiedentlich behauptete Verbrennung lebender Menschen in Krematoriumsöfen schon deshalb äußerst unwahrscheinlich sei, weil die Öffnung dieser Öf en so eng gewesen sei, daß gerade eine oder zwei Leichen hineingeschoben werden könnten. Einen Lebenden hineinzustoßen, hätte entweder bedingt, ihn vorher zu fesseln, oder es hätte die Kräfte mehrerer Menschen in Anspruch genommen, im übrigen aber auch viel zu viel Aufsehen erregt (aaO Seite 276). Außerdem konnte diese Methode die über Auschwitz verbreiteten Vernichtungszahlen nur noch unglaubwürdiger machen, als sie ohnehin schon sind. Einer der "Gewährsmänner" Aroneanus, Feigelsohn Raphael mit Namen, behauptete, daß "allein in Auschwitz 7 Millionen Menschen umgebracht" worden seien (aaO. Seite 110).

Diese Angabe wird nur wenig unterboten von Irene Gaucher, die in ihrer 1948 erschienenen Broschüre "Todeslager" berichtet, daß in Auschwitz 4 bis 6 Millionen Menschen umgekommen seien (aaO. Seite 48). Auch sie verliert sich bei der Darstellung von Auschwitz aber nicht in Einzelheiten, wie es fast stets das Kennzeichen jener ersten Berichte aus den Nachkriegsjahren ist. So teilt sie nur sehr allgemein mit, daß die "Hinrichtungsziffer" in Birkenau sich auf 10.000 bis 12.000 Personen pro Tag belaufen habe und der "Tod durch die Gaskammer" (also nur eine?) an der Tagesordnung gewesen sei; Kinder seien sogar "lebend in die Öfen geworfen" worden. In krassem Mißverhältnis zu den von Irene Gaucher behaupteten Todesziffern steht übrigens ihre Angabe, daß es in den fünf Krematorien von Auschwitz (einschließlich des alten Krematoriums) nur sechs Öfen (!) gegeben habe (aaO. Seite 48).

Eine "Reportage aus der Strafkompanie des KL Auschwitz" veröffentlichte im Jahre 1948 ein gewisser Zenon Rozanski [30]. Es ist eine fast spannend zu nennende Erzählung mit Rede und Gegenrede, zu der der damalige Geschäftsführer des Hauptausschusses ehemaliger politischer Häftlinge in Hannover, Gerhard Grande, ein Vorwort geschrieben hat, was die dieser Schrift beigemessene Bedeutung unterstreichen dürfte. Er bestätigte darin als ehemaliger Auschwitz-Häftling die Darstellung des Autors als in jeder Hinsicht zutreffend. Man sollte daher annehmen, daß gerade in dieser Schrift Genaueres über die angeblichen Gaskammern und Krematorien von Birkenau zu finden sein müßte, zumal da die Strafkompanie in einer der Baracken des Abschnitts Ib von Birkenau untergebracht war, die sich in unmittelbarer Nähe des Krematoriums II befanden [31]. Doch davon wußte Rozanski offensichtlich nichts. Er erwähnt nur, daß der Lagerarzt Entreß [32] zum Tod durch "Spritze" oder "Gaskammer" bestimmte (aaO. Seite 35). Das erscheint für jemanden, der- wenigstens eine Zeitlang -- in unmittelbarer Nähe der "Todesfabriken" gelebt haben will, sehr zurückhaltend. Es läßt eigentlich nur den Schluß zu, daß es entweder diese "Todesfabriken" nicht gab oder Rozanski selbst niemals in Auschwitz-Birkenau war. Jedenfalls aber scheint mir diese Schrift zu zeigen, wie unsicher sogar noch im Jahre 1948 das "wissen" über die Gaskammern von Birkenau selbst bei jenen Häftlingen war, die in deren Nähe gelebt haben wollen. Etwas eingehender berichtet Rozanski über die schon erwähnte angebliche Vergasung von Russen im "Bunker" des Stammlagers; allerdings war er auch dort nur beim Öffnen des "Bunkers" und Fortschaffen der Leichen dabei (aaO. Seiten 42-43). Doch ist es nicht ausgeschlossen, daß er auch insoweit nur vom Hörensagen berichtet hat [33].

Die gleiche Unsicherheit gegenüber der Birkenauer Vergasungslegende ist in dem Erlebnisbericht der Ella Lingens-Reiner, die als Häftlingsärztin für das Frauenlager Birkenau eingesetzt war, zu spüren. Ihr Bericht ist leider nur in englischer Sprache unter dem Titel "Prisoners of Fear" -- ebenfalls im Jahre 1948 -- in einem Londoner Verlag erschienen. Lingens-Reiner bekennt darin, zunächst auch nur gerüchtweise von Vergasungen gehört zu haben. Doch habe sie schließlich alles selbst gesehen. Eines Nachts, als sie vor Hitze und Fliegen nicht habe schlafen können, seien immer wieder offene Loren (lorries) mit Frauen und Kindern beladen in Richtung der Krematorien gefahren. Kaum 15 Minuten später habe sie dann aus den Krematoriumsschornsteinen dicken Rauch aufsteigen sehen und den süßlichen Geruch der Leichenverbrennung gespürt. Eine Flamme sei 6 Fuß hoch -- das sind etwa 2 Meter -- aus dem Krematoriumsschornstein aufgestiegen und der Geruch von verbranntem Fett und Haaren sei unerträglich gewesen. Da habe sie "gewußt" daß der Massenmord wahr sei (aaO. Seiten 69-70).

An anderer Stelle berichtet sie dann noch über eine "Vergasung" in der "Baracke (hut) 25", die Platz für nur 500 Personen gehabt habe, in die jedoch 2000 Frauen hineingepfercht und sodann "vergast" worden seien; das habe ihr ein Mädchen der Lagerfeuerwehr erzählt (aaO. Seiten 84-85).

Das also ist das "Wissen" der Ella Lingens-Reiner, wobei man sich noch vergegenwärtigen muß, daß der Häftlingskrankenbau von Birkenau, wo sie tätig war, allen Lagerplänen zufolge in unmittelbarer Nähe der Krematorien lag, in denen sich auch die Gaskammern befunden haben sollen. Bei den von ihr geschilderten nächtlichen Beobachtungen fällt besonders auf, daß die Krematorien bereits 15 Minuten, nachdem die Loren mit den Frauen und Kindern vorübergefahren waren, zu arbeiten begannen. Die "Vergasung" samt den dazu gehörenden Vorbereitungen muß also in Windeseile vor sich gegangen sein. Die aus dem Krematoriumsschornstein schießende Flamme ist ebenso eine Unmöglichkeit wie der dabei angeblich aufgetretene Geruch verbrannten Fettes und Haares. Ein solches Krematorium ist reinste Phantasie! Hat Ella LingensReiner nicht bewußt gelogen, so ist sie mit größter Wahrscheinlichkeit das opfer einer Massensuggestion geworden. Dafür spricht auch, daß sie die Geschichte von den 2000 in der Baracke 25 vergasten Frauen fast wie ein eigenes Erlebnis berichtet. Nach der Darstellung Smolens diente die Baracke 25 übrigens der Aufnahme von schwachen, erschöpften oder kranken weiblichen Häftlingen. Sie war also eine Art Krankenrevier, nicht dagegen ein Vergasungsraum. Warum hätte man aber auch eine solche Primitivvergasung vornehmen sollen, wo man doch in vier Krematorien angeblich perfekte "Gaskammern" hatte?

Wir sind nunmehr am Ende unseres Überblicks über die wichtigsten Veroffentlichungen aus den ersten Nachkriegsjahren, in denen mehr oder weniger ausführlich von Auschwitz als einem "Vernichtungslager" die Rede ist. Wie wir gesehen haben, liegen entweder ihre Quellen im Dunkeln, oder die einzelnen Aussagen beruhen erkennbar auf Gerüchten und voreiligen Schlußfolgerungen. Das alles zeigt, wie unsicher damals das Wissen über Auschwitz war, wenn man nicht schon hier den Schluß ziehen will, daß dieser KL-Komplex eben doch kein Zentrum der Judenvernichtung war. Denn dann hätte angesichts der Hunderttausende, die Auschwitz überlebten, eine Fülle von klaren und überzeugenden Berichten hierüber vorliegen müssen, nicht aber diese vagen, widerspruchsvollen und teilweise unsinnigen Aussagen, deren Herkunft zumeist nicht einmal feststellbar ist.

Seit 1948 war fast 10 Jahre hindurch von Auschwitz kaum noch etwas zu hören. Die 1951 in Frankreich veröffentlichten angeblichen Erinnerungen des Miklos Nyiszli, der 1944 in Birkenau als Arzt tätig gewesen sein soll, wurden zunächst nicht ins Deutsche übersetzt [34]. Sie sollen an anderer Stelle noch behandelt werden. Ihre Authentizität ist höchst fragwürdig. Bevor wir uns weiter in der Auschwitz-Literatur umsehen, wollen wir nun jedoch noch einen Blick auf jene Aussagen werfen, die in den von den Siegern nach dem Zusammenbruch des Reichs durchgeführten Prozessen über Auschwitz gemacht wurden.


Anmerkungen

  1. Die gegenteilige Behauptung Scheidls in Band 4 seiner "Geschichte der Verfemung Deutschlands" -- auch zitiert bei Roth: "Der makaberste Betrug". Seite 93 -- dürfte kaum zutreffen. Vergasungsgerüchte kursierten ja schon in den Lagern selbst, wie Rassinier in seinen Büchern wiederholt betonte. Alle entsprechenden Berichte der damaligen Zeit beruhten jedoch nicht auf eigenem Erleben, sondern hatten ihre Grundlage erkennbar in den umlaufenden Lagergerüchten. Als Beispiel hierfür sei ein Vortrag eines gewissen Hans Ballmann erwähnt, der am 3. Juni 1945 in Calw gehalten und mit Genehmigung der Militärregierung als Broschüre gedruckt wurde. Ballmann war zwar nie selbst in Auschwitz, behauptete aber, dort seien Juden "in einen geschlossenen Baderaum gebracht" worden, wo statt des Badewassers "aus verschiedenen Röhren Gas" strömte (aaO. Seite 9). Das Gerücht, die angeblichen "Gaskammern" seien als Baderäume getarnt gewesen, wird uns noch häufiger begegnen. Es wurde übrigens auch der Delegation des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz vorgetragen, als diese im September 1944 Auschwitz besuchte (IKRK-Dokumentation, Seite 92). Vgl. hierzu meine Abhandlung in "Mensch und Maß", Folge 22/1975, Seiten 1021ff.
  2. So wurde z. B. auch den Delegierten des Internationalen Roten Kreuzes in Dachau eine "Gaskammer" gezeigt, als sie dieses Lager nach der Besetzung durch die Amerikaner besichtigten (vgl. IKRK-Dokumentation, Seite 152). Heute ist unbestritten, daß es in Dachau oder anderen KL des Altreichsgebiets niemals Tötungen durch Gas gegeben hat. Vgl. zur Gaskammerlegende von Dachau auch Erich Kern, "Meineid gegen Deutschland", Seiten 233-265.
  3. Zitiert nach Härtle "Freispruch für Deutschland", Seite 198; vgl. auch Heinz Roth "Wieso waren wir Väter Verbrecher?", Seite l11, und Huscher, "Die Flossenbürg-Lüge", Seite 12. Pinters Stellungnahme soll auch in "American Mercury" Nr. 429 (Oktober 1959) veröffentlicht worden sein.
  4. Die verbreitete Behauptung, Kautsky habe in der ersten Auflage seines Buches "Teufel und Verdammte" geäußert, daß er während seiner siebenjährigen KL-Haft "in keinem Lager jemals eine Einrichtung wie eine Vergasungseinrichtung angetroffen habe" (so Scheidl in Band 4, Seite 53, seiner "Geschichte der Verfemung Deutschlands"), geht vermutlich auf unzureichend fundierte Zeitungsmeldungen zurück. So beruft sich Heinz Roth, der diese angebliche Äußerung Kautskys ebenfalls in seinen Büchern wiederholt zitiert, außer auf Scheidl auch auf den Bericht eines Schweden namens Einar Aberg sowie auf die Hagener Zeitung "Deutscher Beobachter" vom 15.6.1961 (vgl. "Was geschah nach 1945?", Teil 1, Seite 88).
  5. Brockhaus-Enzyklopädie, Band 10 (1970), Seite 332; ebenso "Der Große Brockhaus", Band 6 (1955), Seite 471.
  6. Vgl. oben Seite 128--129 und Anmerkung 8 zu Kapitel 3.
  7. Bei dem nach heutiger Darstellung zur Tötung der Juden verwendeten Blausäuregas soll es sich um kristallisierte Blausäure -- sog. Cyanide, handelsförmig als "Zyklon B " bezeichnet -- gehandelt haben, die schon seit Jahrzehnten als Ungeziefervertilgungsmittel und Schädlingsbekämpfungsmittel Verwendung findet. Vgl. hierzu Brockhaus-Enzyklopädie, Band 2 (1967), Seite 799, und "Der Große Brockhaus", Band 2 (1953), Seite 157. Zyklon B war nicht nur in allen KL, sondern auch bei der Wehrmacht zu Desinfektionszwecken in Gebrauch.
  8. Vgl. zum folgenden den Abschnitt "Ausrottung" der Dokumentation (Seiten 90-104 aaO.). Kein Gerücht war offensichtlich unsinnig genug, um es nicht in dieser Sammlung unterzubringen. Da die meisten hier erwähnten Ereignisse nicht eindeutig lokalisiert sind, fragt man sich, worin eigentlich der Beweiswert dieser Dokumentation liegen sollte. Anscheinend hat aber nicht einmal das gewiß nicht zimperliche Nürnberger Tribunal auch nur eine dieser Aussagen berücksichtigt, wenn sie auch eine gewisse psychologische Wirkung auf die Richter gehabt haben mögen.
  9. So z.B. bei Reitlinger aaO. Seite 162; Rozanski aaO. Seiten 42-43. Vgl. ferner Adler/Langbein/Lingens-Reiner aaO. Seiten 25 und 31. Smolen berichtet dagegen, daß die "Probevergasung" im Kellergeschoß von Block II durchgeführt worden sei (aaO. Seiten 15-16). An anderer Stelle spricht er allerdings ebenfalls in diesem Zusammenhang von Block XI (aaO. Seite 67).
    Daß auch in den angeblichen Aufzeichnungen von Rudolf Höß hierüber berichtet wird, erscheint fast selbstverständlich; vgl. "Kommandant in Auschwitz", Seiten 122 und 155.
  10. "Anatomie des SS-Staates", Band 2, Seiten 196,268-269,272-273. Auch in den Aufzeichnungen von Rudolf Höß wird übrigens dieser Vorfall mit dem Kommissarbefehl in Zusammenhang gebracht: vgl. Kommandant in Auschwitz", Seiten 122 und 155.
  11. Bei Rozanski soll es sich um einen polnischen Offizier gehandelt haben, auf dessen Bericht sich Reitlinger mehrfach bezieht. Widersprüche werden schon aus Reitlingers Buch erkennbar. So schreibt er auf Seite 117, daß Rozanski Auschwitz aus einer Zeit beschrieben habe, als es "dort nur ein einziges Lager ohne Gaskammern" gegeben habe. Auf derselben Seite erwähnt er aber, daß Rozanskis Bericht im Juli 1942 ende, zu einer Zeit also. als im "Vernichtungslager" Birkenau schon am laufenden Band Juden vergast worden sein sollen. Auf Seite 351 schreibt Reitlinger unter Berufung auf Rozanskis Bericht dann wieder. daß schon 1942 invalide Häftlinge "für die Gaskammer ausgesucht" worden seien.
  12. Vgl. den Lagerplan bei Smolen (dritte Umschlagseite).
  13. SS-Hauptsturmführer Dr. Ferdinand Entreß war Lagerarzt in Auschwitz. Er wurde am 22. November 1947 in Krakau zum Tode verurteilt. Vgl. Reitlinger aaO. Seite 581. Nach anderer Darstellung wurde Entreß im Mai 1946 von einem amerikanischen Militärgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet (Adler/Langbein/Lingens-Reiner aaO. Seite 416).
  14. Vgl. auch oben Seite 140 und Anmerkung 28. Die Zellen im Keller von Block XI wurden von den H_ftlingen"Bunker"genannt(Smolen aaO. Seite65).
  15. Nyiszli soll als Häftlingsarzt (Pathologe) von Mai 1944 bis zum 18.1. l 945 in Auschwitz gewesen sein, wo er für den SS-Arzt Dr. Mengele Leichen seziert haben soll. Angeblich wurden seine Erlebnisse von ihm schon vorher in Rumanien und Ungarn publiziert, wofür jedoch alle näheren Angaben fehlen. Vgl. Adler/Langbein/Lingens-Reiner aaO. Seiten 395-396.

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