Die Diktatur als ultima ratio

Nach dem Talmud ist der Begriff »Gojim« für die Nichtjuden eine Abwertung in Richtung Untermenschen; sich selbst zugleich als das auserwählte Volk zu bewerten, erinnert sehr an die Vorwürfe gegen die Nationalsozialisten, für sich die Herrenrasse beansprucht und alle Nichtarier als Untermenschen zu bezeichnen. Ein solcher Rassismus bezüglich der Abwertung aller anderen ist allerdings in den Protokollen noch viel sarkastischer und abfälliger als bei den Nationalsozialisten.

Die einzelnen Kapitel der Protokolle behandeln bestimmte Schwerpunkte, demonstrieren, wie man diese zum Schaden und zum Zwecke der Zerstörung bestehender Ordnungen oder Traditionen anwendet, amüsieren sich dabei über die Verführbarkeit der Gojim, um schließlich zu betonen, wie man mit diesem Problem verfahren wird, wenn man dereinst die Weltherrschaft erreicht und das Königreich der Juden errichtet haben wird. Es werden dann nicht etwa von dem auserwählten Volk, dessen Klugheit man in den höchsten Tönen lobt, endlich jene Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, von Wohlstand und dem Paradies auf Erden vervollkommnet werden. Im Gegenteil. Kommunismus, Liberalismus, Freiheit, Sozialismus, Wohlstand und dergleichen Paradiese waren ja nur Mittel, um Ordnungssysteme zu zerstören und Völker in ihrer Widerstandskraft zu schwächen.

Die Weltherrschaft, das Königreich der Juden, wird ganz anders aussehen. Sie selbst nennen sie eine Zwingherrschaft, begnügen sich

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nicht einmal mit dem Begriff der Diktatur. Zur Zeit der Protokolle wurden fast alle Völker noch beherrscht von Monarchien, Aristokratien, von Religionsführern, Revolutionären, kurz, von solchen Systemen, die wir heute pauschal als Diktaturen abwerten würden, damit allgemein begründet, daß die Einparteienherrschaft des Diktators Hitler die Völker in einen Zweiten Weltkrieg getrieben und Völkermord begangen habe, Verbrechen also, die nur in einer Diktatur, aber nicht in einer Demokratie möglich seien.

Aus den Protokollen wissen wir hingegen, daß die autoritären Systeme, die Adelsherrschaft, ein sicherer Schutz gegen die Machenschaften der politischen Zionisten gewesen seien und deshalb beseitigt werden sollten. Hitler kannte natürlich die Protokolle. Das Schwergewicht seines Antisemitismus lag aber mehr auf dem »jüdischen« Bolschewismus als Weltfeind Nummer 1, während er die Protokolle, von deren Echtheit auch Alfred Rosenberg nicht ganz überzeugt war, kaum mehr erwähnt.

Vergleicht man nämlich verschiedene, für die nationalsozialistische Einparteienregierung kennzeichnende politische Maßnahmen Hitlers, wie zum Beispiel die Abschaffung opponierender Parteien, Verbot der Freimaurer, Abschaffung der Goldwährung, Verbot der Spekulation, Pressezensur, politische Schulung und Ideologisierung und andere mehr, könnte man sogar behaupten, Hitler habe für derartige Maßnahmen entsprechende Anregungen den Protokollen entnommen. Hätte aber Hitler diese Maßnahmen mehr intuitiv - wie so oft - als induktiv ergriffen, würde er mit seinem System bereits methodisch die Zwingherrschaft des Königreiches der Juden vorweggenommen haben. Auch dieses könnte ihm den Haß und den unbedingten Vernichtungswillen der Weisen von Zion eingetragen haben.

Wie dem auch sei, angesichts der politischen Weitsicht und der Klugheit, die insgesamt aus dem Text der Protokolle spricht, darf man annehmen, daß die hier entwickelte »Zwingherrschaft« ein politisches System ist, welches optimale Stabilität einer Herrschaft

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gewährleistet. Die harte, manchmal geradezu brutale Sprache, in der diese künftige Diktatur dargestellt ist, soll wohl vielmehr die Gegensätzlichkeit zum Gift des Liberalismus zum Ausdruck bringen, vergleichbar damit, daß einem an Süßigkeiten überfressenen Kind nunmehr radikal dieser Genuß entzogen werden muß.

Schon nach dem Ersten Weltkrieg, als die Protokolle der Weisen (angeblich) Weltbestseller gewesen sind, haben Interpreten die Echtheit der Protokolle nicht durch Quellenforschung, sondern einfach damit als erwiesen betrachtet, daß allein die Entwicklung der Geschichte und der Gesellschaft die Existenz eines zionistischen Manifestes bestätigt.

Doch mit dem Zweiten Weltkrieg, mit der Gründung des Staates Israel, welche ja während des Baseler Weltzionistenkongreß als Hauptforderung auf der Tagesordnung stand, mit der Zerstörung aller autoritären Systeme und deren Demokratisierung, den weltweiten Völkerwanderungen mit dem Ergebnis der Vermischung aller Rassen untereinander, der unumschränkten Macht des Kapitals und der ebenso unumschränkten Macht der Massenmedien, den zahlreichen Weltorganisationen, welche wie Ministerien einer künftigen Weltregierung anmuten, vor allen Dingen aber mit der weltweiten Respektierung des einst verfolgten und verfemten Volkes der Juden wie »heilige Kühe« sind so viele Voraussetzungen der Protokolle inzwischen erfüllt, daß es nur noch eine taktische Frage ist, wann diese Zwingherrschaft etabliert wird.

Es ist hier die Frage, ob der Abstand zu der sosehr verteufelten nationalsozialistischen Diktatur schon groß genug ist, um sich jene Zwingherrschaft leisten zu können, wie sie in den Protokollen gefordert wird.

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